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2 (1868) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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Glucoside.

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Zuckerarten mit organischen Säuren in höherer Temperatur in zu-geschmolzenen Eöhren auf synthetischem Wege dargestellt hat. Vonden eigentlichen in der Natur vorkommenden Glucosiden ist aber bishernoch kein einziges künstlich dargestellt.

Die hierher gehörigen Stoffe sind sehr zahlreich und vermehren sichnoch fortwährend, wir werden daher nur die wichtigeren derselben näherins Auge fassen.

Salicin.

Das Salicin, welches sich in der Einde und den Blättern der meistenWeiden (Salix- Arten), in einigen Pappelarten, in den Blüthenknospender Spiraea ulmaria und anderen Spiräen und vielleicht auch im Biber-geil (Castoreum) findet, stellt kleine, farblose, glänzende Prismen von in-tensiv bitterem Geschmacke dar, die bei 120°0. schmelzen, in höhererTemperatur sich zersetzen, in heissem Wasser leicht, in kaltem schwerlöslich sind. Auch in Alkohol ist das Salicin löslich, nicht aber in Aether.Seine wässerige Lösung lenkt die Polarisationsebene nach links ab.

Von concentrirter Schwefelsäure wird das Salicin mit charakteristischpurpurrother Farbe gelöst.

Unter der Einwirkung des in den Mandeln enthaltenen Fermentesund des Speichelfermentes spaltet es sich in Saligenin und in Trau-benzucker:

Gi 3 H 18 0 7 -f- H 2 D = 7 H 8 0 2 + ^6Hi 2 Ö6Salicin Saligenin Traubenzucker

Beim Erwärmen mit verdünnten Säuren, namentlich mit Schwefel-säure, spaltet

es sich in Saliretin und Zucker:

13 H 18 0Salicin

= 7 H 6 ÖSaliretin

+ £f,H ]2 ©(j

Traubenzucker

Durch verdünnte Salpetersäure wird das Salicin in Helicin (vgl. w. u.)übergeführt. Mit Salpetersäure von verschiedener Stärke behandelt undgekocht, bilden sich Nitrosalicylsäure, die damit isomere Anilotin-säurc: G 7 H 8 NG 5 , endlich Trinitrophenol.

Durch schmelzendes Kali wird das Salicin unter Wasserstoffentwicke-lung in oxalsaures und salicylsaures Kali verwandelt, bei der Destilla-tion über gebrannten Kalk liefert es Phenol und salicylige Säure;chromsaures Kali und Schwefelsäure damit destillirt, geben salicyligeSäure, Ameisensäure und Kohlensäure.

Aus allen diesen Reactionen ergiebt sich ein inniger Zusammenhangdes Salicins mit den aromatischen Verbindungen.

Darstellung. Man erhält das Salicin aus den Weidenrinden, indemman dieselben mit Wasser auskocht, die wässerige Lösung unter Zusatz von

Das Salicinspaltet sichdurch Fer-mente inSaligeninund Trau-benzucker

durch ver-dünnteSchwefel-säure inSaliretinund Zucker

und giehtmit ver-dünnterSalpeter-säure He-licin.

Darstellung.