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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Eier und Eierstock.

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geworden ist, muss erst die Dotterhaut zersprengt werden, damit dasKeimbläsehen aus dem Dotter heraustritt und beobachtet werden kann.In dem Keimbläschen hat man noch wiederum einen Körper, den Wagner-schen Koimfleck, die Macula germinativa Wagneri unterschieden. Dieseist aber nicht beständig vorhanden und kommt manchmal einfach, manch-mal mehrfach vor. Beim Säugethiere ist die Dotterhaut verhältnissmässigdick, so dass, wenn wir das ganze Ei unter das Mikroskop bringen, dieQuerschnittsansicht der Dotterhaut, welche das Mikroskop gibt, sich alseine lichte, durchsichtige Zone von dem darinliegenden, durch die starklichtbrechenden Körner dunklen Dotter absetzt. Deshalb hat die Dotter-haut der Säugethiere und dos Menschen den etwas seltsamen NamenZoua pellncida erhalten. In ihr liegt also im fertig entwickelten Eider stark mit Körnern durchsetzte Dotter und darin das Keimbläschen.

Das Ei der Säugethiere und des Menschen ist kugelrund, und dasdes letzteren hat im Zustande der Reife, das heisst zu der Zeit, wo esim Begriffe ist vom Eierstocke abzufallen, eine Zehntel- bis eine Achtel-linie im Durchmesser.

Ich muss vorweg bemerken, dass das Ei der Säugethiere zu den-jenigen Eiern gehört, bei welchen sich die Entwicklung von den erstenAnfängen an über die ganze Dottermasse erstreckt, so dass der ganzeDotter zum. Aufbau des Embryo und der Eihäute verwendet wird. Esgibt aber Thiere, bei denen dies nicht der Eall ist, bei denen ausserdiesem sogenannten Bildungsdotter noch ein anderer Dotter, der Nahrungs-dotter vorkommt, ein Dotter, der nicht direct zum Aufbau des Embryoverwendet wird, sondern der dem bereits bis zu einem gewissen Gradeentwickelten Embryo zur Nahrung dient. Dieser Nahrungsdotter kommtin grösster Ausdehnung bei den Vögeln und den beschuppten Amphibien,ausserdem aber auch bei den Eischen vor, bei den einen in grösserer,bei den andern in geringerer Entwicklung.

Da wir nun vielfach die Entwicklung des Hühnchens als Paradigmabenutzen werden, so muss ich hier auf den Bau des Vogeleies, das miteinem solchen Nahrungsdotter versehen ist, näher eingehen. Das Vogeleiin seinen ersten Anfängen besteht aus dem Dotter, der Anfangs nurBildungsdotter ist, und aus dem darinliegenden Keimbläschen. Nun wächstes weiter, und es sammeln sich unter dem Bildungsdotter kugelige Ele-mente an, die sich polyedrisch gegen einander abplatten, und die ganzdurchsetzt sind mit sehr zahlreichen Fettkörnchen, Fetttropfen. DieseFetttropfen sind das Dotterfett, das Dottcröl, das namentlich aus denEiern der Schildkröten in Südamerika und auf den Inseln der Südseevielfach gewonnen wird. Diese Elemente scheinen nicht vom Bildimgs-dotter und damit nicht von der eigentlichen Eizelle abzustammen, son-dern von den denselben zunächst umgebenden Gewebselementen; sievermehren sich und dadurch erlangt dieser Eahrungsdotter endlich eineso grosse Ausdehnung, dass er bei Weitem die Hauptmasse des ganzenEies ausmacht, und der Bildungsdotter zusammengeschoben ist an einerStelle, in einer Scheibe, die sich durch ihre lichtere Farbe von demgelben Nahrungsdotter auszeichnet. Diese lichte Schicht ist nichts Anderesals das, was wir im gewöhnlichen Leben mit dem Namen des Keimesoder des Hahnentrittes bezeichnen. Wenn wir ein Ei aufschlagen, sokommt diese Scheibe immer an die Oberfläche. Es müssen also die ver-