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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Gehör.

möglichst viel an meine Gehörnerven übertragen wird, so ist auch dieserschnellere Verbrauch ein Mittel zur Verstärkung des Schalles.

Das einfachste Verstärkungsmittel für den Schall ist der Kesonanz-boden. Wenn ich eine Stimmgabel anschlage und in der Luft schwingenlasse, so wird sie bei einer gewissen Stärke des Anschlages kaum gehörtwerden. Stütze ich sie aber auf den Tisch auf, so hört man sie sogleicherklingen, weil der Tisch als Besonanzboden dient. Was geht hier vor?Wenn die Stimmgabel in der Luft schwingt, so kann sie wegen ihrerkleinen Dimensionen bei der einzelnen Schwingung nur eine sehr kleineSumme von lebendiger Kraft an die umgebende Luft übertragen: dieIntensität des Schalles nimmt ab nach den Quadraten der wachsendenEntfernungen»: es kommt also davon nur ein geringer Bruchtheil aumeinen äusseren Gehörgang und mein Ohr. Wenn ich dagegen dieStimmgabel auf den Tisch setze, so überträgt sie ausser den lebendigenKräften, die sie an die Luft überträgt, auch lebendige Kräfte auf dieTischplatte. In Folge davon fängt die Tischplatte an, mit ihr isochronzu schwingen und überträgt in derselben Periode wiederum mit ihrerganzen Fläche lebendige Kräfte an die Luft, so dass jetzt eine vielgrössere Menge von Bewegung in der Zeiteinheit übertragen wird undviel mehr davon zu meinem Ohre gelangt.

Es braucht gerade keine feste Platte zu sein, an welche die leben-dige Kraft übertragen wird; es kann die lebendige Kraft auch an eineeingeschlossene Luftmasse übertragen, und dadurch der Schall verstärktwerden. Wenn icb z. B. eine Stimmgabel anschlage und halte sie übereinen Cylinder, der bis zu einer bestimmten Höhe mit Wasser gefüllt ist,so hört man die Stimmgabel deutlicher, als wenn ich sie in freier Lufthalte. Das rührt daher, dass die Luft im Cylinder in sogenannte stehendeSchwingungen versetzt worden ist. Denken Sie sich, die Höhe des Luft-raumes in diesem Cylinder betrage den vierten Theil der Wellenlängedes Tones der Stimmgabel in der Luft, so wird durch die Stimmgabel,wenn sich deren Zinke aus der Gleichgewichtslage nach abwärts bewegt,die Luft im Cylinder heruntergestossen werden, dieser Stoss wird sichfortpflanzen bis an den Boden, da werden die Moleküle nicht ausweichenkönnen, es wird sich nach den Gesetzen des elastischen Stosses der Stossnach rückwärts fortpflanzen, und die Moleküle werden am Eingange desCylinders von unten nach oben gestossen werden. Da hierüber aber dieZeit einer halben Schwingung vergangen ist, so wird das eben geschehen,wenn die Zinke der Stimmgabel nach aufwärts schwingt, also sich inderselben Bewegungsrichtung befindet, wie die Luft. Wenn die Luftmoleküleihre Excursionen gemacht haben, wird die Stimmgabel wiederum nachabwärts schwingen und wird ihnen also in der Richtung, in welcher si esich nach den Schwingungsgesetzen ohnehin bewegen sollten, jetzt wiedereinen neuen Stoss versetzen, sie werden deshalb jetzt noch stärker ausihrer Gleichgewichtslage herausweichen, als früher; unten wird wiederumder Impuls refLectirt werden, es wird wieder die Zeit einer halbenSchwingungsdauer vergehen bis die rückgängige Bewegung an den Em"gang des Cylinders gelangt, es wird dann noch die Zeit einer Viertel-schwingung dauern, bis die Moleküle ihre Excursion nach Oben gemachthaben, sie werden, indem sie im Begriff sind umzukehren, einen neuen.Stoss von der Stimmgabel bekommen und so fort. Mit jedem Stosse der