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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Das Seilen und die Farben.

gesetzt, die, wenn sie alle miteinander auf die Netzhaut wirken, den Ein-druck von Weiss erzeugen. Wenn aber nur eine dieser Farben auf dieNetzhaut einwirkt, so entsteht ein farbiger Eindruck, welcher je nachder Wellenlänge des Lichtes verschieden ist. Die grösste Wellenlänge dersichtbaren Strahlen macht den Eindruck von Koth, dann kommt Orange,dann bei weiter abnehmender Wellenlänge gelb. Der Eindruck von Gelbtritt ein, da wo sich die Erauenhofor'schen Linien D befinden, die Natron-linien, die jetzt durch die spectroskopischen Untersuchungen so allge-mein bekannt geworden sind. Dann kommen Gelbgrün, Grün, Blaugrünund bei F Blau. Dieses Blau bei F ist sogenanntes Türkisenblau, dasheisst ein Blau, welches dem Grün noch einigermassen nahe steht. Manbezeichnet es auch als Cyanblau, weil es durch Berlinerblau, also durchEisencyanidcyanür oder Ferrocyaneisen dargestellt wird. Schreitet manweiter fort gegen G hin, so ändert das Blau seinen Ton und nimmt dieFarbe des Ultramarin und Indigo an, und weiterhin geht es über inViolett, als dessen Hauptlinie die Frauenhof er'sehe Linie // bezeichnetwerden muss. Jenseits H nimmt die Lichtintensität allmälig ab, und eskommen dann bei J, M, iV, 0, P die sogenannten ultravioletten, schwachsichtbaren Strahlen, die früher als lavendelgraue Strahlen bezeichnetwurden, die aber, wenn sie rein und frei von diffusem Lichte dargestelltworden, wenigstens auf die meisten Menschen den Eindruck von Violettzu machen scheinen.

Wir können die Farben in einen Kreis anordnen und zwar so, dassje zwei einander gegenüberstehende miteinander, wenn sie gemischtwerden, Weiss bilden. Gewöhnlich ordnet man die Farben so an, dassKoth und Grün, Blau und Orange, Gelb und Violett einander gegen-überstehen. Es muss aber bemerkt werden, dass das Grün, welches demspectralen Koth complomentär ist, nicht das gewöhnliche Grasgrün ist,sondern ein Blaugrün. Dem eigentlichen Grasgrün ist eine Farbe com-plementär, welche im Spectrum gar nicht vorkommt, nämlich Purpur,eine Farbe, welche wir uns entstanden denken können dadurch, dasswir das Spectrum zusammenbiegen und das rothe und violette Ende des-selben übereinanderfallen lassen. Man kann sich dieses Purpur künstlichaus zwei Spectren mischen. Wenn man mittelst eines Doppelspathprismaszwei sich theilweise deckende Spectra erzeugt, so dass das violette Endedes einen über das rothe des andern zu liegen kommt, dann erhält manals Mischfarbe Purpur. Auch dem Orange ist nicht alles Blau comple-mentär, sondern nur das Blau, welches wir mit dem Namen Türkisen-blau bezeichnet haben. Dagegen ist dasjenige Blau, welches wir alsUltramarin bezeichnet haben, dem eigentlichen Gelb complementär, demGelb von der Linie D, das repräsentirt wird durch das Chromgelb, dasdoppelt chromsaure Bleioxyd. Das Complcment des Violett ist ein Gelb-grün, das wir mit dem Namen des Citronengelb zu bezeichnen pflegen,weil es die Farbe einer noch nicht ganz reifen Citrone hat. Wenn wirin correcter Weise die verschiedenen Complemente nebeneinander schreibenwollen, so haben wir: Eoth und Blaugrün, Orange und Türkisonblau,Gelb und Ultramarin, Gelbgrün und Violett, Grün und Purpur, dannwieder Blaugrün und Koth und so fort.

Diese einzelnen Farben des Farbenkreises können nicht nur durchmonochromatisches Licht hervorgebracht werden. Wie der Eindruck des