Allgemeines. f}
wie wir gesehen, mit den markhaltigcn. Diese kann man durchaus mitkeinem andern Gewobselemcnte verwechseln; und wenn man deshalb unterdem Mikroskope Fasern hat, von welchen man Verdacht schöpft, dass siemarklose Nervenfasern seien, so kann man die Gewissheit hierüber nurdadurch erlangen, dass man sie zu verfolgen sucht bis zu ihren Verbin-dungen mit einer markhaltigen Faser. Es ist dies nicht zu allen Zeitenhinreichend beachtet worden und man hat deshalb manche Untersuchungenüber Verbreitung von Nervenfasern oder angeblichen Nervenfasern inOrganen veröffentlicht, die nicht denjenigen Grad von Sicherheit haben,welchen dergleichen Untersuchungen haben sollten.
Diese marklosen Nervenfasern sind eben äusserst blass und äusserstschwor in den Geweben zu sehen und man hat deshalb verschiedenekünstliche Hülfsmittel angewendet, um sie in den Geweben noch sichtbarzu machen. Nun hat man gefunden, dass sich mittelst Goldchlorid dieNerven eigcnthümlich violett färben lassen, und man hat deshalb dieseviolette Färbung in den Organen vielfältig benützt, um in denselbennoch Nervenverbreitungen sichtbar zu machen, die man ohne weiterePräparation nicht mehr sehen kann. Da diese Färbung mit Goldchloridauf einem Keductionsprocesse beruht, und nicht blos Nervenfasern, son-dern auch andere Gebilde sich färben, so kann man den Satz, dass sichNervenfasern mit Goldchlorid färben, nicht ohne Weiteres umkehren undnicht sagen, das, was sieh mit Goldchlorid färbt, ist Nervenfaser; sondernman muss immer suchen, die Nervenfasern nach rückwärts zu verfolgenund ihre Verbindungen mit markhaltigen Fasern nachzuweisen: erst dannhat man die Ueberzougung, dass man es mit markloson Nervenfasern undnicht mit anderen Gewebselomenten zu thun habe.
Man war früher der Meinung, dass die Nervenfasern ungcthciltvonihromAnfange bis zu ihrem Ende verlaufen. Das kam daher, dass man die Hei-lungen im Verlaufe der Stämme suchte. Da befinden sie sich aber nicht,sondern immer in der Nähe der peripherischen Enden der Nerven. Nach-dem Schwann schon früher einmal eine getheilte Nervenfaser im Schwänzeeiner Froschlarve gesehen hatte, wurden später in den Augenmuskeln Thei-lungen von Nervenfasern aufgefunden. Nachdem die Nerven in die Muskelneingetreten sind, theilen sie sich mehrfach dichotomi seh, um dann erst zuendigen. Später hat Reichert ein noch geeigneteres Object an einem kleinenMuskel gefunden, der seitlich vom Brustbein der Frösche zur Haut geht.An diesem lassen sich sehr schön eine grosse Menge von Theilungen beob-achten. Noch viel zahlreicher sind die Theilungen der motorischen Nervenan den Gliederthieren, z. B. bei den Krebsen, wo sich die Nervenfasernförmlich baumartig verzweigen, ehe sie sich an die einzelnen Muskel-fasern vertheilen. Auch andere Nervenfasern als die motorischen verzweigensieh. Am zahlreichsten kommt dies bei den electrischen Nerven vor, be-sonders bei den Nerven von Malapterurus electricus. Auch die sensiblenNervenfasern verzweigen sich, theils so lange sie noch markhaltig sind,theils nachdem sie ihr Mark verloren. Wenn sich eine markhaltige Ner-venfaser verzweigt, so geschieht dies in der Weise, dass an dem Markeund der Scheide eine kleine Einschnürung entsteht und von dieser Ein-schnürungsstelle aus zwei oder manchmal drei Nervenfasern abgehen, in-dem sich der Axencylinder dem entsprechend in eben so viele neue Fädentheilt. Dergleichen Verzweigungen können mehrmals hintereinander statt-