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VORWORT ZUR ERSTEN AUFLAGE.
Wer heutzutage ein Lehrbuch der Chemie schreibt, hat derKritik gegenüber keinen leichten Stand. Ein derartiges Buch darfsicher darauf rechnen, mit einem gewissen Misstrauen aufgenom-men und von der Mehrzahl Derjenigen, denen es in die Hände kommt,mit dem wenig ermuthigenden Ausrufe begrüsst zu werden: „Schonwieder ein neues Lehrbuch!"
In der That, unsere Literatur besitzt eine reiche Auswahl vonzum Theil trefflichen Lehrbüchern der Chemie und es erscheint des-halb die Frage, ob ein Bedürfniss zu einem neuen vorliege, sicher-lich nicht ungerechtfertigt. Allein, wo es auf die Beantwortung die-ser Frage ankommt, kann nicht die Zahl der vorhandenen derartigenWerke entscheiden, sondern es wird zunächst festzustellen sein, obdieselben auf den Standpunkt aller Derjenigen, die sich für ihrenBeruf Kenntnisse in der Chemie zu erwerben und dadurch auch aufein Lehrbuch angewiesen sind, so eingehende Rücksicht nehmen,dass sie keine Lücke übrig lassen.
Es ist allerdings richtig, dass Niemand aus Lehrbüchern alleinChemie studiren kann, sowie dass beim Studium dieser WissenschaftVortrag und Experiment Hauptsache sind und bleiben werden. Alleinden Lehrbüchern nur eine ganz untergeordnete Bedeutung im chemi-schen Unterrichte zuzugestehen, hiesse doch das Kind mit dem Badeausschütten. Unter allen Umständen bleibt das Lehrbuch für dieBecapitulation des Gehörten und Gesehenen wichtig; es wird aberzu diesem Zwecke nur dann mit Vortheil benutzt werden können,wenn sich die Art der Behandlung des Stoffes dem Vortrage desLehrers und der Berufsrichtung des Lernenden möglichst anpasst.
Bei der ausserordentlich verschiedenen Vorbildung, bei demverschiedenen Bedürfniss und bei den mannigfaltigen BerufskreisenDerjenigen, die die Hörsäle der Chemie an unseren Hochschulenlullen, ist es eine baare Unmöglichkeit, class ein Lehrbuch dem Be-