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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Diabetes mellitus.

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epileptischen Anfällen, psychischer Erregung, bei Vergiftungen mitden verschiedensten Stoffen l ) u. s. w. Eine befriedigende Erklärungfür den Zusammenhang der Glycosurie mit allen diesen Störungenist bisher nicht gefunden worden und es würde uns viel zu weitführen auf alle Krankheiten, zu deren Symptomen die transitorischeGlycosurie gehört, hier einzugehen.

Aber auch wenn wir uns auf diejenige tiefgreifende chronischeStoffwechselanomalie beschränken, welche man als Diabetes imengeren Sinne bezeichnet, so kann es nicht unsere Aufgabe sein,ein vollständiges Bild dieser Krankheit mit ihren äusserst mannig-faltigen und wechselnden Symptomen und Folgekrankheiten zu ent-werfen. Wir stellen uns nur die Aufgabe, die Hauptresultate derexperimentellen Untersuchungen zusammenzufassen, welche zurEntscheidung der Frage nach den Ursachen und dem Wesen dieserKrankheit ausgeführt worden sind.

Die pathologische Anatomie giebt uns bisher keinen Auf-schluss. Es giebt kein Organ, welches nicht bei der Obduction derLeichen Diabetischer bisweilen anatomische Veränderungen gezeigthätte; aber es giebt auch kein Organ, das nicht häufig bei der Ob-duction solcher Leichen normal erschienen wäre. Auch lässt es sichnicht immer mit Sicherheit entscheiden, ob die gefundenen anatomi-schen Veränderungen die Ursache oder erst die Folge des geändertenChemismus sind. 2 )

Wir wollen uns daher darauf beschränken, die Versuche zu be-sprechen, welche von Seiten der physiologischen Chemie zurLösung der Diabetesfrage gemacht worden sind. Man ist hierbeistets ausgegangen von dem am. meisten in die Augen springendenSymptom, dem Auftreten des Zuckers im Harn.

Der normale Harn enthält, wie bereits erwähnt, keinen odernur Spuren von Zucker. Beim Diabetes treten oft sehr bedeutendeMengen auf: sie schwanken von wenigen Grammen bis zu 1 kgim 24 stündigen Harn. Dieser Zucker ist stets der rechtsdrehendeTraubenzucker. 3 ) Bei vielen Patienten schwindet der Zucker aus

1) Unter diesen Stoffen muss das Phloridzin hervorgehoben werden, dessendiabetische Wirkung auch auf glycogenfreie Thiere bereits erwähnt wurde (S. 375).

2) Eine sehr übersichtliche und lehrreiche tabellarische Zusammenstellungvon 55 Sectionsbefunden findet sich bei Freriohs, 1. c. S. 144—183.

3) J. Seegen giebt an, in einem Falle von „Diabetes intermittens" links-drehenden Zucker im Harn gefunden zu haben. Centralbl. f. d. med. Wissen-schaft. 1884. Nr. 43. Vgl. E. Küxz, Zeitschr. f. Biolog. Bd. 27. S. 228. 1890.Dort eine kritische Zusammenstellung aller Angaben über das Vorkommen vonlinksdrehendem Zucker im Harn.