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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Neunte Vorlesung.

Die Genussmittel.

Ausser den Nahrungsstoffen nimmt jeder Mensch und jedes Thiernoch andere Stoffe auf, welche uns weder als Kraftquelle dienen, nochals Ersatzmittel für verlorene Körperbestandtheile. Wir nehmen die-selben nur auf wegen der angenehmen Wirkung, die sie auf die Ge-schmacks- und Geruchsnerven und andere Theile des Nervensystemsausüben. Diese Stoffe bezeichnet man als Gewürze und Genussmittel.Sie sind uns ebenso unentbehrlich wie die Nahrungsstoffe.

Es ist nämlich eine sehr beachtenswerthe Thatsache, dass unserelüichtigsten organischen Nahrungsstoffe absolut geruch- und geschmacklossmd. Eiechen können wir nur flüchtige Stoffe, schmecken nur, was inWasser sich löst. Unsere organischen Nahrungsstoffe haben keine vonbeiden Eigenschaften. Sie sind nicht im geringsten flüchtig und fastsämmtlich unlöslich im Wasser. Die Fette mischen sich bekanntlichgar nicht mit Wasser, die Eiweisskörper quellen nur, gehen abernicht in Lösung. Von den Kohlehydraten sind nur die Zuckerartenlöslich; diese haben einen süssen Geschmack. Wenn wir also dieNahrung überhaupt schmecken, schmeckt sie uns süss, angenehm.Da aber die meisten Nahrungstoffe auf unsere Sinne nicht einwirkenkönnen, so sind die Geschmacks- und Geruchsorgane so eingerichtet,dass die flüssigen und löslichen Stoffe, «welche mit den Nahrungs-stoffen vereinigt in der Natur sich finden, bei ihrer Einwirkung aufdie Nervenendapparate angenehme Empfindungen auslösen.

Diese Empfindungen veranlassen uns nicht blos zur Aufnahme derNahrung; sie befördern auch die Verdauung. Dass schon die blosseVorstellung duftender und wohlschmeckender Speisen die Speichel-secretion vermehrt, ist eine alltägliche Erfahrung. Dass auch dieSecretion des Magensaftes dadurch gesteigert wird, lässt sich an Magen-fistelhunden beobachten. Es genügt, ihnen aus der Entfernung ein StückFleisch zu zeigen, um. die Secretion des Magensaftes zu vermehren.