Hypothese
vonSchmidt.
182 Zweiter Abschnitt. — Chem. Bestandtheile d. Thierkörpers.
von Kühne und Hallwachs über die Genesis der Hippursäufe, welcheallerdings nicht unbestritten gehlieben sind (Folwarczny, NenkomHiSchultzen, Huppert, Horace Chase), — anderseits aber hat man inneuerer Zeit Taurin in den verschiedensten Organen, die mit der Lebernichts zu schaffen haben, nachgewiesen. Dass das Glycin aus dem Zer-falle von Albuminaten hervorgehe, ist möglich, findet aber in dem Ver-halten der Albuminate ausserhalb des Organismus keine Stütze, dennes ist bisher noch nicht gelungen, aus wirklichen Albuminaten Glycinzu erzeugen, wohl aber erhält man es bekanntlich aus Leim und derSubstanz des Badeschwamms. Noch weniger chemische Anhaltspunkt 1 'hat man für eine Bildung des Taurins aus Albuminaten, so dass dl«Meinung, es möge der Schwefel des in der Leber verschwindend!' 11Blutfibrins zur Bildung des Taurins Verwendimg finden, einer wissen'schaftlichen Begründung gänzlich entbehrt. Interessant bleibt es aber jeden-falls, dass nach den Versuchen von Schottin Fibrin in Berührung mitLeberzellen und Traubenzucker sich ziemlich rasch auflöst und in ein eopalisirende Flüssigkeit verwandelt. Es ist überhaupt sein- fraglich, odwir uns die Bildung der Gallensäuren aus der Vereinigung zweier Fac-toren: der Cholsäure und des Glycins und Taurins, erfolgend zu denkenhaben, denn aus dem Zerfalle der Gallensäuren in Cholsäure einerseitsund Glycin oder Taurin unter Wasseraufnahme anderseits, • folgt nochkeineswegs derselbe Weg der Bildung, ja es fehlt dafür auch jeder expe-rimentelle Beweis; ausserhalb des Organismus vermögen wir Cholsäuremit Glycin in keiner Weise zu Glykocholsäure zu vereinigen, ja wirdürfen es keineswegs als Regel ansehen, dass sogenannte gepaarte Körperaus den Stoffen zusammengesetzt werden können, in welche sie zerfallen.'
In der Lehmann'schen Hypothese haben wir nach dem Gesagtenkeineswegs einen auch nur ungefähren Ausdruck eines wirklichen Vor-gangs zu sehen, sondern einfach einen Versuch, sich mit Benutzung desvorhandenen, aber leider spärlichen und theilweise unsicheren Materialsein in allgemeinen Umrissen bestehendes Bild der möglichen Vorgang''in der Idee zu gestalten. Ideen aber regen immer zu Forschungen an,jede Hypothese ist eine kategorische Aufforderung, sie durch das Expe-riment zu prüfen und von diesem Standpunkte aus können sie für dieEntwickelung der Wissenschaft sehr fruchtbringend werden, gleichgültig,ob sie die Probe des Experiment« bestehen oder nicht, denn negativesWissen ist auch Wissen.
Eine nicht minder erwähnenswerthe Hypothese hat C.Schmidt auf-gestellt. Er macht bemerklich, dass Galle und Zucker möglicherweiseintermediäre Oxydationsproducte in den Kreislauf aufgenommenen im''hier zerlegten Fettes wären, indem aus Fettsäuren und Glycerin sichZucker und Cholsäure bilden könnten. Denkt man sich nämlich im Gly-cerin C 6 H 8 0 8 — HO = C,;ll 7 () r , '/, I[ durch 0 substituirt, so erhältman den einfachsten Ausdruck für die Formel des Krümelzucke*' 9C a IL, 0 (i und wenn man die Fettsäure mit dem Kohlenstofffactor 43