Druckschrift 
3 (1867) Lehrbuch der physiologischen Chemie
Entstehung
Seite
137
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Organische Bestandteile. — Gewebsbildner. — Albuminoide. 137

Vorkommen. Das Keratin ist die Grundsubstanz des Horngewebes Vorkommen.oder der Tela Cornea der Histologen, wozu Epithelium, Epidermis, Nägel,Hufe, Klauen, Hörn, Wolle, Haare, Federn, Fischbein und Schildpatt ge-hören. In den ersten Stadien der Entwickelung scheinen sie alle auskernhaltigen Zellen zu bestehen, welche später in kernlose Schüppchenoder Blättchen übergehen. Zellenmembran, Inhalt und Kern scheinenanfänglich chemisch different zu sein. Ueberhaupt ist es nach Allem kaumzu bezweifeln, dass das Keratin kein chemisches Individuum, sondern einuemenge unter einander ähnlicher Verbindungen ist.

So wie alle zu den Albuminoiden gezählten Stoffe stammt auch das Sonstig«BrMm sicherlich von den Albuminaten ab; der chemische Vorgang bei sehe Bwte-m Gebergange ist uns aber gänzlich unbekannt. Vergleicht man dieZusammensetzung des Keratins oder besser der gereinigten Horngowebennt 3ener der Albuminate, so ergiebt sich für erstere ein niedrigererKohlenstoff- und durchschnittlich ein höherer Stickstoff- und Schwefelgehalt.Bezüglich des Austritts macht das Keratin von den Albuminatenun d übrigen Albuminoiden eine bemerkenswerthe Ausnahme; ein Theildesselben verlässt nämlich den Organismus als solches in Folge der Ab-stossung der epithelialen und Horngebilde (Hautabschuppung, Häutung,Mauserung, Entfernung und Ausfallen der Haare, der Nägel, Klauen,""olle, Abwerfen der Geweihe u. s. w.).

Die physiologische Bedeutung des Keratins fällt natürlich mit

Jener des Horngewebes zusammen, diese aber ist eine sehr hervorragende.

'or Allem kommt hier der Schutz in Betracht, welchen die Horngowebe

el » zarteren gefäss- und nervenreichen Gebilden gegen mechanische und

°.^ luisc he Schädlichkeiten gewähren; sodann sind sie als schlechte

arnieleiter für die Regulation der thierischen Wärme von Bedeutung,

en so aber für jene der Verdunstung, der Transsudation und der Re-

or ption. Der epitheliale Bau vieler Drüsen spricht dafür, dass sie in

einem bestimmten Verhältnisse zur Secretion stehen, welches aber dieses

erhältniss ist, erscheint noch gänzlich unaufgeklärt.

Conehiolin. An das Keratin scliliesst sich eine von F r e m y Conchiolin OonohioUB.

benannte Materie an, die den in Kalilauge unlöslichen Bestandtheil der Muschel-

° a 'en bildet. Diese Materie bildet beim Kochen mit Wasser auch unter starkem

rucke keinen Leim , ist überhaupt unlöslich in Wasser, Alkohol, Aether, Essig-

' re » v erdünnten Mineralsäuren und Kalilauge. Die Zusammensetzung stellt diese

u stanz sehr nahe an das Horngewebe. Sie enthält nämlich in 100 Theilen etwa

0 Pr °c Kohlenstoff, 6 Wasserstoff, 16 bis 16,7 Stickstoff und 38 Sauerstoff. (Auf

e 'nen etwaigen Schwefelgehalt wurde sie nicht untersucht.)

Eine ähnliche Substanz, aber nur 12 bis 13 Proc. Stickstoff enthaltend, fand' cn] °8sberger im Byssus der Aoephalen.

Literatur: B e r z el i u s : Lehrb. d. Chemie. Bd. IX. 4. Aufl. S. 376. —Mulder: Vers, einer allgem. phys. Chemie. Bd. II, S. 542. - Schi ossbcrger:Vers, einer allgem. vergleich. Thierehemie. S. 265. 243. — C h e v r e u 1: Compt.wnd. 1840. I. Ser . Nr0 . ie- _ scher er: Ann. d. Oh. n. Ph. XL, 54. -^ rot he: J ourn . f , kt- chem- LXXXIX, 420- — Fremy: Ann. d. Chemie.XLI1I, 69.

Physiologi-sche Hedeu-tiing.