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3 (1867) Lehrbuch der physiologischen Chemie
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66
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66 Zweiter Abschnitt. Chem. Bestandteile d. Thierkörpers.

ger hat sogar gefunden, dass das im Vacuum behandelte gasfreie tief-schwarze Blut aus kohlensaurem Natron Kohlensäure austreibt. Wenn esden früheren Beobachtern nicht gelang, sämmtliche Kohlensäure in dasVacuum zu treiben, so rührte dies,'wie Pflüger zeigte, davon her, weilder aus dem Blute ausgetriebene Wasserdampf das Entweichen der Koh-lensäure erschwert, das feuchte Vacuum sich daher nicht als Vacuumgegenüber der Kohlensäure verhält. Pflüger hat ferner gefunden, dassdas Blut während des Auspumpens fortwährend noch Sauerstoff aufnimmtund Kohlensäure neu erzeugt. Dabei findet eine fortwährende Zersetzungder Blutzellen statt; da nun, wie Hoppe-Seyler zeigte, bei der frei-willigen Zersetzung des Hämoglobins mehrere freie Säuren auftre-ten, so ist hierin für die von Pflüger beobachtete Zerlegung kohlen-saurer Alkalien durch entgastes Iilut eine hinreichende Erklärung ge-geben. Unter solchen Verhältnissen kann natürlicherweise die Thatsache,dass durch Auspumpen sämmtliche Blutkohlensäure mehr oder wenigerleicht ausgetrieben werden kann, keinen Beweis dafür abgeben, dass einTheil derselben oder die gesammte im Blute nur einfach diffundirt seiund wir müssen uns für die Erledigung dieser Erage nach anderem Ma-terial umsehen. Preyer hat in jüngster Zeit darauf aufmerksam ge-macht, dass Lösungen von phosphorsaurem Natron, Natronbicarbonat,Rinderharn und Blutserum ihre alkalische Reaction einbüssen, wenn manKohlensäure in ihnen auflöst; würden sie ausser ihrer chemisch - gebun-denen Kohlensäure auch noch einfach diffundirte enthalten, so könntensie überhaupt nicht alkalisch reagiren und so lange dieselben Kohlen-säure noch chemisch binden können, kann von einer einfachen Absorptionderselben keine Rede sein. Da wir nun wissen, dass, wenn nicht sämmtliche,so doch der bei Weitem grösste Theil der Dlutkohlensäure vom Blut-plasma beherbergt wird, so liegt die von Preyer ausgesprochene Ver-muthung allerdings nahe, dass man es im Blute überhaupt nur mit che-misch-gebundener Kohlensäure zu thun habe.

Auch für die Beantwortung der Erage, von welchem Blutbestand-theile die chemische Attraction auf die Kohlensäure ausgeübt werde, liegtexperimentelles Material vor. Pagenstecher, Marchand und Liebigzeigten, dass Lösungen des sogenannten officinellen phosphorsaurenNatrons: 2NaO, HO, PO s -f 24 aq. bedeutend mehr Kohlensäure auf-nehmen wie reines Wasser oder Kochsalzlösungen und dieselbe auchschwerer wieder abgeben; Fernet, welcher diese Thatsache ebenfalls be-stätigte, gab derselben einen präcisen Zahlen ausdruck durch die An-gabe, dass Lösungen des phosphorsauren Natrons obiger Eormel, abgesehenvon den einfach absorbirten Kohlensäuremengen, vermöge chemischer An-ziehung auf je 1 Aeq. Phosphorsäure des Salzes 2 Aeq. Kohlensäurebinden und Preyer hat endlich die Existenz eines derartigen Salzeswahrscheinlich gemacht. Zwar haben Heidenhain und L. Meyerbei der Wiederholung der Fernet'schen Versuche gefunden, dass dieFernet'schen Zahlen nur für sehr verdünnte Lösungen des Salzes (unter