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3 (1867) Lehrbuch der physiologischen Chemie
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62
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62 Zweiter Abschnitt. — Chem. Bestandteile d. Thierkörpers.

ist eine Verminderung des Sauerstoffgehaltes der Luft bis um V 8 ihresNormalgehaltes ohne wesentlichen Einfluss auf den Respirationsprocessvon Kaninchen. Ueber diese Grenze hinaus aber zeigen sich Störungen,die bei einem Gehalte von 4 bis 5 Proc. schon ziemlich eingreifend sind)bei einem Heruntergehen unter 3 Proc. aber den Tod des Thieres veran-lassen.

Alle diese Thatsachen aber erklären vollständig, warum der Rcspi-rationsprocess in grossen Höhen, wie z. B. in einer solchen von 12,000bis 12,600 Fuss über der Meeresfläche (Puno, Potosi in Bolivia), inderselben ungehinderten Weise vor sich geht, wie an der Meeresflächdobgleich die Menschen in diesen Gegenden kaum mehr als 2 /s der absolutenMenge Sauerstoff einathmen, welche mit jedem Athemzuge an dem Meeres'ufer in die Lunge tritt, — warum der südamerikanische Condor seinen Auf'enthalt auf dem Hochgebirge fast plötzlich mit dem an der Meeresflächo zuvertauschen im Stande ist, sonach abwechselnd unter dem Drucke einer hal'ben und einer ganzen Atmosphäre zu leben vermag. Wäre die Sauerstoffauf'nähme vom Drucke abhängig, so würde ein Organismus, dem der Luft'druck an der Meeresfläche die hinreichende Menge Sauerstoff zuführte,im Hochgebirge statt des regeren zur Deckung des grösseren Wärmever'lustes nöthigen Stoffwechsels eine Verlangsamung desselben erfahren, damit dem gesammten Luftdrucke auch der des Sauerstoffs abnimmt, unddiesem proportional die Sauerstoffabsorption sich verringern würde. DieBewohner des Flachlandes würden dann nicht einmal auf den mittlerenHöhen der Alpen ohne Beschwerden verweilen können.

Das Blut aber trägt in seiner Zusammensetzung den Regulator fürdie Sauerstoffaufnahme in sich. Unabhängig vom wechselnden Druckeder Atmosphäre zieht das Blut in den Lungen den Sauerstoff im richtigenVerhältnisse an, um ihn für die Lebenszwecke zu verwenden. Nur eineVeränderung der Zusammensetzung des Blutes seihst bedingt eine Ver-änderung der aufgenommenen Menge. Ueberall aber, wohin der Menschbis jetzt vorzudringen vermochte, befindet er sich in einer Atmosphäre,welche ihm den Sauerstoff in hinreichender Menge liefert und der Orga-nismus selbst besitzt überdies die Fähigkeit, bis zu einem gewissen Gradeden Mangel an Sauerstoff in der äusseren Luft durch Vergrösserung derBerührungsfläche zwischen Gas und Blut, und rascheren Gaswechsel aus-zugleichen.

Literatur: Liebig: Chemische Briefe. 4te Aufl. Bd. II. S. 21 u. ff. —Ludwig: Lehrb. der Physiologie. 2te Aufl. Bd. IL S. 20 u.ff.—Magnus: Pog'gendorff's Annal. Bd. XL u. Bd. LXVI. — Nasse: Handwörterb. der PhysiologieBd. I. S. 177. — Lothar Meyer: Henle u. Pfeufer's Zeitschrift. N. F. Bd. VlU-— Fernet: Annal. des sciences naturell. IV. Tom. VIII. S. 125. — W. Müller:Sitzungsber. der Kais. Akademie der Wissensch. zu Wien. Bd. 33. S. 99. — Reg'nault u. Reiset: Compt. rend. T. XXVI. p. 17 et suiv. — A. Schmidt: Ozonim Blute. Dorpat 1862. — Derselbe: Hämatologische Studien. Dorpat 1865. ■"Schönbein: München, akad. Sitzungsber. 1863. 1.274. 265; IL 117; 1864. 1.134-