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kräfte, auf eine davon abhängende Geisleslriigheit, die lieberauf dem Ruhebette des Glaubens lagert als in den Irrgewindender Zweifel umherschweift; theils glaubte ich auch, der Tod,der den Alten naher sei als den Jungen, mache sie bange umihr künftiges Schicksal, und die Furcht verkläre die längstverbleichten Farben der höllischen und teuflischen Bilder, mitdenen man im Kindesalter ihre Phantasie bestürmt.
Da ich aber nach gerade selbst alt wurde, und mich undmeine gleichallerigen Bekannten ernsthafter musterte, sah ichgar bald die Nichtigkeit meiner jugendlichen Erklärung ein.Die geistigen Fähigkeiten, wenn sie nicht durch leibliche Krank-heit geschwächt, oder durch Nichtgebrauch verstumpft sind,bleiben mindestens bis zum sechzigsten Jahre, aber häufigernoch sehr weit darüber hinaus ganz unverletzt, und die Thätig-keit des Geistes verstärkt sich weit eher als dass sie sich ver-mindern sollte. Was aber die grössere Nähe des Todes be-trifft, so ist es ja nicht bloss eine alle Sage, sondern jedersiebet es vor seinen Augen, dass mehr Junge als Alte sterben.Die Neigung der Allen zum Religiösen beruhet wahrlichauf einem ganz andern, und für den Beobachter des geisligenMenschen weit wichtigerem Grunde. Der Apostel Paulus sagt:Es ist ein Gesetz in meinen Gliedern, welches widerstreitetdem Gesetze in meinem Gemüth. Dieses Gesetz in unsernGliedern sind, denke ich, die Leidenschaften, Stolz, Ehrgeiz,Zornmuth und wie die bösen Geisler sonst noch heissen mögen,die den armen Menschen auf dieser indischen Pilgerfahrt plagen.Mit diesen ist die Liebe, bald siegend, bald besiegt, in be-ständigem Kampfe.
Die Leidenschaften werden aber mit den zunehmendenJahren schwächer; denn theils sind sie etwas rein Körperliches,als der Zornmuth und das aus dem Geschlechtstriebe entsprin-gende Begehren, und diese nehmen, ohne unser Zuthun, mitder Zeit von selbst ab, theils beziehen sie sich auf bürgerlicheVerhältnisse, als Neid, Stolz, Ehrgeiz, und diese beschwich-tiget der Verstand, einsehend, dass der Abend des Lebensnicht mehr die Zeit ist, sie zu befriedigen. Ueberdies bringt,nach meiner Beobachtung, sowol die Unmöglichkeit die Leiden-schaften zu befriedigen, als die wirkliche Befriedigung derselben1. 3te Aufl. 49