Druckschrift 
Tiemann-Gärtner's Handbuch der Untersuchung und Beurtheilung der Wässer : zum Gebrauch für Apotheker, Ärzte, Chemiker, Fabrikanten, Medicinalbeamte und Techniker ; mit 40 Holzstichen u. 10 Taf.
Entstehung
Seite
612
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G12 Schwankungen im Bakteriengehalt ein und desselben Wassers.

Ausserdem sind manche Organismen durch eine mehr oderweniger lockere Schleimschicht mit einander vereint, sie bildensomit Verbünde in dem Wasser. Gelangt zufällig eine dieserBakterienanhäufungen in eine Probe hinein, so werden viel Bak-terien gefunden, während die nächste Probe, wenn ihr die An-häufungen fehlen, sich als nahezu keimfrei erweisen kann. Selbst-verständlich sind die Spaltpilze auch in den offenen Wassernvielfach verschieden vertheilt. Weiter übt die Temperatur, d*8Licht, die veränderte chemische Zusammensetzung ihren Einflussaus. Sind diese Momente bei der Stagnation eines Brunnenwassersungünstig, so wird eine geringe, sind sie günstig, so wird einegrössere Keimzahl vorhanden sein, jedoch muss dann in letzteren'Falle die Vermehrung stärker sein als das Absterben und dnsSedimentiren zusammengenommen.

Werden die am Boden des Brunnens liegenden Bakterienaufgerührt, sei es durch das Eindringen des Schöpfgefässes in dietieferen Regionen, sei es durch das scharfe Ansaugen bei tief-stehendem Saugkopf des Pumpenrohrcs, so resultirt wiederum einerhebliches Ansteigen der Zahl der Bakterien.

Sind so schon die Ursachen für den Wechsel im Bakterien-gehalt eines Brunnenwassers sehr zahlreich und verschieden inihren Wirkungen, so kommt noch hinzu, dass die in einer abge-pumpten Probe enthaltenen Bakterien auch von der Pumpe, ihremGestänge und ihrem Rohre stammen können, von wo sie durchZufälligkeiten ganz unbestimmbarer Natur abgerissen werden-Besteht die Pumpe ganz oder theilweiso aus Holz, so bildet siesogar ein gutes Nährsubstrat für Bakterienwucherungen.

Von grosser Wichtigkeit ist es, darüber sichere Auskunft zuerhalten, ob die in dem Brunnenwasser aufgefundenen Bakteriender Oberfläche der Erde, den oberen Bodenschichten oder demGrundwasser entstammen, oder ob sie durch Vermehrung zufälligin den Brunnen gerathener Keime entstanden sind. In den beidenersteren Fällen würden, wie bereits früher erwähnt ist, gelegent-lich auch pathogene Keime mit den unschädlichen Bakterien ein-dringen und eine Gefahr bedingen können, während diejenigenBakterien, welche vor langer Zeit zufällig in den Brunnen g e *langten und sich dort vermehrten, die eigentlichen „Wasserbakterien ioder die den Brunnenwandungen anhaftenden oder am Pumpwerksitzenden Mikroorganismen als harmlos anzusehen sind.

Man hat vielfach angenommen, dass sich aus einer starkenVerminderung der Keimzahl eines Brunnenwassers beim Abpumpen