Mikroskopischer Nachweis der anorganischen Stoffe.
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Vorgange Reichardt's 1 ) einige der hauptsächlichsten Krystalli-sation »formen folgen.
1. Calciumcarhonat wird am häufigsten gefunden; es schei-det sich, wenn der Wassertropfen langsam verdunstet, in denmeisten Fällen in sehr kleinen, krümeligen Massen ab, welche auskugeligen und sphäroiden, seltener rhoniboedrischen Formen be-stehen, Taf. I, Fig. 10. Bei rascher Verdunstung tritt die Gestaltder Rhomboeder schärfer zu Tage, doch herrschen die Sphäroidevor, wenn auch in etwas grösserer Form; nicht selten sind Arra-gonitkrystalle, Nadeln oder langgezogene Prismen, welche an denspitzen Winkeln oft gabelig oder verästelt erscheinen, Taf. I, Fig. 11.Durch Aufkochen des Wassers fällt ein grosser Theil des Calcium-carbonats aus, während Kochsalz, Gyps u. s. w. in Lösung bleiben;das Aufkochen kann also dazu dienen, das mikroskopische Bildklarer zu gestalten.
2. Chlornatrium findet sich in geringer Menge in fast allennatürlichen Wässern; erheblichere Mengen entstammen gewöhnlichdem menschlichen Haushalt. Charakteristisch für seine Krystallisatio-u en ist der Würfel. — Da Kochsalz gewöhnlich nur in geringerMenge vorkommt, so sind die gut ausgebildeten Krystalle dieselteneren; es zeigen indessen die Ansätze dazu, welche sich alstreppenförmige Gebilde oder als Nadeln nnd Zacken darstellen,stets die charakteristische, rechtwinklige oder fast rechtwinkligeDreiecksspitze, Taf. I, Fig. 12.
Bei rascher Verdunstung scheinen die Nadel-, Kreuz- und^chwertgriffformen mehr zur Entwickelung zu kommen als dieOctaeder und Würfel. Taf. I, Fig. 13.
3. Magnesiumsulfat scheidet sich beim langsamen Ver-dunsten des Wassers als breite, flache, oft mit Einrissen versehene,iederförmige oder palissadenartig neben einander stehende, bezw.Sl ch kreuzende Krystalle aus, Taf. I, Fig. 14. Bleiben dieselbenlängere Zeit an der Luft liegen, oder bringt man sie für ein bisz wei Tage in den Exsiccator, so erscheinen sie makroskopisch weiss,Mikroskopisch braun. Verdunstet man rasch bei massiger Wärme,s ° entsteht eine dünne, glatte Haut, deren Existenz nur durchei nen zufälligen Riss erkannt werden kann. Zieht man das Deck-gläschen mit dem angetrockneten Tropfen durch die Flamme, so siehtMan makroskopisch, dass der Rand sich an einzelnen Stellen leichtgehoben hat. Das Mikroskop zeigt dann kreisförmige, oder unregel-'nässig begrenzte, von vielen Rissen durchsetzte Blasen, Taf. I,
') Grundlagen zur Beurtheilung des Trinkwassers. Halle 1880.J,] t'mann-Gärtner, Wasser. 4. Aufl. 27