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V. v. Richter's Lehrbuch der anorganischen Chemie
Entstehung
Seite
351
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Calciumoxyd.

.'iöl

verhalten sich Lithium, Strontium und Baryum (Maquenne; vgl.S. 141).

Calciumoxyd CaO, oder Kalk, kann in reinem Zustande durchGlühen von Calciumnitrat oder Calciumcarbonat erhalten werden.Im Grossen gewinnt, man ihn durch Glühen von gewöhnlichemKalkstein oder Marmor (Co :! Ca) in Kalköfen (gebrannter Kalk).Er bildet eine, grauweisse amorphe Masse, die bei etwa 2500° kri-stallinisch gegen 3000° flüssig wie Wasser wird und bei noch höhererTemperatur verdampft (Moissan). Richtet man auf ein Stück Kalkdie Knallgasflamme, so strahlt es ein äusserst intensives weissesLicht aus (Drummond's Kalklicht). An der Luft zieht das Calcinrn-oxyd Wasser und Kohlendioxyd an und verwandelt sieh schliesslichin Calciumcarbonat. Mil Wasser vereinigt sich der gebrannte Kalkunter starker Erhitzung und zerfällt in ein weisses voluminösesPulver von Calciumhydroxyd Ca(OH) 2 — gelöschter Kalk.

Wenn der Kalkstein eine grössere Menge von Tlion, Magnesium-carbonat oder anderer Bestandteile enthält, so löscht sieh der aus ihmgebrannte Kalk nur schwierig und wird magerer Kalk genannt, zumUnterschied VOm reinen fetten Kalk, der mil Wasser leicht zu einemPulver zerfällt.

Calciumhydroxyd Ca(OH) 2 , gelöschter Kalk, bildet einWeisses lockeres Pulver, das mit Wasser einen dicken Brei giebl— Kalkmilch. Es löst sich nur schwierig in kaltem (1 Theil in760 Theilen), aber noch schwieriger in warmem Wasser; die in derKälte gesättigte Lösung' (Kalkwasser) trübt sich daher beim Er-wärmen. Die Lösung reagirt stark alkaliseh. An der Luft ziehtCalciumhydroxyd Kohlensäure an und bildet Calciumcarbonat. Inder Rothglühhitze zersetzt es sich in Calciumoxyd und Wasser.

Der gelöschte Kalk dient zur Darstellung des gewöhnlichenMörtels, eines breiartigen Gemenges von Calciumhydroxyd, Wasserund Quarzsand. Das Erhärten des Mörtels an der Luft beruhthauptsächlich darauf, dass das Calciumhydroxyd sich mit demKohlendioxyd der Luft zu Calciumcarbonat verbindet; zugleichbilden sich, durch die Einwirkung des Calciumhydroxyds auf dieKieselerde des Sandes, Calciumsilicate, wodurch die Festigkeit desMörtels mit der Zeit zunimmt.

Der hydraulische Mörtel oder Cement wird durch ge-lindes Brennen eines Gemenges von Kalkstein oder Kreide mit Thon(Aluminiumsüicat) und Quarzpulver gewonnen. Rührt man die ge-pulverte gebrannte Masse mit Wasser an, so erhärtet sie sehr raschzu einer festen Masse, die durch Wasser nicht gelöst wird. Einigenatürlich vorkommende Kalksteine, die gegen 20% Thon enthalten,geben ohne weitere Beimengungen nachdem Brennen hydraulischen