11. Lebensweise der Flechten.
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Wir untersuchen, um die Natur dieser Organismen näher kennenzu lernen, eine heteromere Flechte, die Bartflechte (Usnea barbata).Sie zeigt sich mit ihrem ästigen, bartförmig herabhängenden Thallusund den scheibenförmigen Fruchtkörpern (Apothecien) an alten Wald-bäumen.
Zur mikroskopischen Untersuchung benutze man, wenn frischesMaterial nicht zur Verfügung steht, getrocknete, aber in Wasser vorheraufgeweichte Exemplare dieser Flechte und stelle durch einen derstärkeren Aste des Thallus auf die früher angegebene Weise einenzarten Querschnitt her. Schon bei 150- bis 200facher Vergröfserung'kann man an demselben zwei Schichten wahrnehmen, eine inneredichte Markschicht und eine äufsere Rindenschicht. Zwischen Markund Rinde liegt dagegen eine ebenfalls aus Pilzfäden bestellende Zonevon lockerer Beschaffenheit. In diese Zone sind die grünen, chlorophyll-führenden Algenzellen eingelagert, einen geschlossenen grünen Ringbildend, der leicht bei schwacher Vergröfserung zu erkennen ist.(Fig. 14, S. 42.)
Zufolge dieses Gonossenschaftslebens machen sich wichtige Unter-schiede zwischen Flechten und Pilzen geltend. Da die ersteren infolgedes Vorhandenseins von Algen in ihrem Organismus selbst organischeSubstanz zu erzeugen vermögen, so sind sie in ihrer Existenz nichtan lebende Pflanzen gebunden, sondern vegetieren meist auf Steinen,Borke etc., denen sie auch die zur Ernährung nötigen mineralischenBestandteile entnehmen.
Aus dieser Thatsache erklärt sich der Einflufs, welchen dieKrustenflechten bei der Verwitterung der Gesteine ausüben.
12. Die insektenfressenden Pflanzen.
(Versuche mit Drosera.)
Als eine ganz besondere Art der Aufnahme organischer Substanzverdient diejenige Erwähnung, welche die sogenannten insekten-fressenden oder fleischverdauenden Pflanzen zeigen. Sie ver-mögen mit Hilfe von verschiedenartig gestalteten Fangapparaten Insektenzu fangen und gewisse Körperbestandteile derselben als Nahrung auf-zunehmen.
Eine der gewöhnlichsten insektenfressenden Pflanzen, die auchbei uns auf sumpfigem Moorboden vorkommt, ist Drosera rotundifolia.