V. Krankheiten der männlichen Geschlechts-organe.
1. Die Impotentia virilis und Spermatorrhoe sind zweiAffectionen, die sehr häufig zur Beliandlung kommen und ein wah-res crux medicorum bilden.
Hierher rechne ich auch die nächtlichen Pollutionen, welche miteiner Abnahme oder Steigerung des Geschlechtstriebes zusammen-fallen, wo weder beim Stuhlgange Samen ausflieset, noch im UrinSpermatozoen nachweisbar sind, die aber eine bedeutende Entkräf-tung herbeiführen. ■— Gewöhnlich versteht man aber unter Sperma-torrhoe die beim Urinlassen und während der Stuhlentleerungenohne wollüstige Empfindung erfolgenden Samenentleerungen, wodann Nachts keine Pollutionen stattzufinden pflegen.
Die Kranken klagen über Abnahme der körperlichen und psy-chischen Kräfte, Schwindel, Eingenommenheit des Kopfes, pflegenan Gedächtnissschwäche zu leiden, nicht selten auch an Störungenim Sehvermögen. Meistens zeigt sich eine hypochondrische Ver-stimmung, verbunden mit dyspeptischen Beschwerden und Neigungzur Obstruction. Das ganze Sehnen und Trachten der Krankengeht dann darauf hinaus, die Stuhlentleerungen zu befördern. Beimanchen finden auch Störungen in der Urinsecretion statt, sichdurch häufiges Drängen zum Urinlassen, reichliche Abscheidungharnsaurer Salze, zuweilen auch reiner Harnsäure und Oxalsäu-ren Kalkes kundgebend. Die Harnröhre ist oft nicht bloss beimEinführen einer Bougie empfindlich, sondern auch am Orificiumgeröthet und beständig durch eine schleimige Flüssigkeit be-feuchtet.