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Oleum Cinnamomi.
Oleum Cinnamomi.
Zimmtöl; Essence de canelle Chine; Oil of Cassia.
Das ätherische Oel des Zimmtes. Gelbe oder bräunliche Flüssigkeitvon 1,055 bis 1,065 spez. Gewichte, mit Weingeist in allen Verhältnissenklar mischbar. 4 Tropfen Zimmtöl, die man auf 0° abkühlt und dann mit4 Tropfen rauchender Salpetersäure schüttelt, vereinigen sich damit zueiner Krystallmasse.
Mit Zimmtöl geschütteltes Wasser schmeckt süss, dann brennend
gewürzhaft; durch Bleiessig entsteht in dem Wasser eine Trübung ohne
Gelbfärbung. — Verdünnt man 4 Tropfen Zimmtöl mit 10 ccm Weingeist,
so darf durch 1 Tropfen Eisenchloridlösung nur eine braune, nicht aber
eine grüne oder blaue Farbe hervorgerufen werden.
Geschichtliches. Um 1550 wurde das Zimmtöl in Deutschland eingeführt.Trommsdorff erkannte 1780 die Zimmtsäure im Zimmtwasser.
Herkommen. Das chinesische Zimmtöl, im Handel „Cassiaöl" genannt,wird im südlichen China, vielleicht auch in Cochinchina, durch Destillation mitWasserdämpfen aus Theilen des Zimmtbaumes, Cinnamomum Cassia Bh, ge-wonnen. Ob aber nun die Rinde oder die Zweige, oder die als Flores Cassiaebezeichneten unreifen Früchte das zur Gewinnung des Oeles verwendete Materialbilden, ist vollständig unbekannt. Ebensowenig weiss man etwas Näheres überdie Art der Herstellung. Nur soviel ist gewiss, dass das Cassiaöl auf Dschunkennach Macao gebracht und hier in zinnerne, aussen mit Papier beklebte Kanistervon 7,5 kg Inhalt gefüllt wird. In Macao werden auch zweifellos die von denChinesen sehr beliebten Verfälschungen des Oeles ausgeführt. Von Hongkongund Kanton aus, wo der Handel mit diesem Artikel fast ausschliesslich indeutschen Händen liegt, erfolgt dann die Verschiffung nach Europa.
Zusammensetzung. Der wichtigste Bestandteil des chinesischen Zimmtöles istder Zimmtaldehyd, durch dessen reichliche oder weniger reichliche Anwesenheitdie Qualität des Oeles bedingt wird.
Zimmtaldehyd C 6 H 5 —CH = CH—COH ist eine gelbe, stark lichtbrechende,optisch inaktive Flüssigkeit, die bei 252° nicht ohne theilweise Zersetzung siedet, einspez. Gewicht von 1,0G4 hat, und einen ganz intensiven rein süssen Zimmtgeschmackbesitzt. Wie alle Aldehyde, geht der Zimmtaldehyd mit sauren schweüigsauren AlkalienVerbindungen sein. Beim Schütteln von Zimmtaldehyd mit concentrirter Natriumbisulfit-lösung 1 ) entsteht zunächst zimmtaldehydschwefligsaures Natrium C 6 H 5 —CH =CH—COH—NaHS0 3 . Dieses geht durch Einwirkung von überschüssiger heisserNatriumbisulfitlösung in ein Doppelsalz aus Natriumbisulfit mit hy drozi inmtaldehy d-sulfosaurem Natrium:
über.
C 6 Hs—CHj—CH(S0 3 Na)—COH—Na HS0 3
Nur aus der ersteren Verbindung lässt sich der Zimmtaldehyd durch Schwefel-säure wieder vollständig abscheiden.
Bringt man rauchende Salpetersäure unter Abkühlung mit Zimmtaldehyd zu-sammen, so entsteht ein Additionsprodukt von je einem Molekül Zimmtaldehyd undSalpetersäure C 9 H 8 0N0 3 H, ein Körper, der sich durch grosse Krystallisationsfähigkeitauszeichnet, der aber wenig beständig ist und schon durch Wasser wieder in seineComponenten zerfällt.
Bericht von Schimmel & Co. April 1890 S. 13.