Druckschrift 
2 (1892)
Entstehung
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329
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Oleum Carvi.

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An Stelle des von Pharm. Germ. IL vorgeschrieben gewesenen Rüböles ist nachdem Arzneibuche Olivenöl anzuwenden. Die lOstündige Digestion des Gemisches imDampf bade kann in einer Porzellanschale, aber auch in einem Glaskolben mit langemHalse ausgeführt werden. Im letzteren Falle tritt der belästigende Geruch d<r spanischenFliegen weniger stark auf. Das abgepresste Oel lässt man, um die nachfolgendeFiltration zu beschleunigen, einige Tage absetzen. Das Filtriren erfolgt durch ein vorhergetrocknetes Filter. Die ausgezogenen Ganthariden sind, weil sie noch reichlichCantharidin enthalten, durch Verbrennen zu vernichten, falls man sie nicht etwa zuVeterinärsalben für den Handverkauf verwerthen will.

Obgleich bezüglich der Aufbewahrung Vorschriften nicht gegeben sind, so istdas Spanischfliegenöl keineswegs als eine harmlose Substanz zu betrachten.

E. Dieterich empfiehlt, dieses Präparat mit Hilfe von Cantharidin zu bereiten:Man löse 1 gr recht fein geriebenes Cantharidin in einem Kölbchen durch vorsichtigesErwärmen in 40 gr Aceton und füge 960 gr Olivenöl hinzu.

Oleum Carvi.

Karvol; Oleum Carvi concentratum; Carvolum; Essence de carvi; Oil of Caraway.

Der höher siedende, schwerere Antheil des aus Kümmel gewonnenenätherischen Oeles. Blassgelbliche oder farblose, bei 224° siedende Flüssig-keit von feinem Kümmeigeruche. Spez. Gew. 0,96.

1 ccm Karvol, mit 1 ccm Weingeist verdünnt, darf durch 1 TropfenEisenchloridlösung entweder nicht verändert oder nur schwach röthlichbis violett gefärbt werden.

Darstellung des Kümmel öl es. Zur Darstellung des Kümmelöles, desätherischen Oeles der Früchte von Carum Carvi, kommt wegen der guten Aus-beute und des hohen Karvolgehaltes des gewonnenen Oeles in erster Linie derholländische Kümmel in Betracht.

Weniger ölreiche Waare ist die aus Ostpreussen und dem angrenzendenRussland stammende. Noch seltener gelangt norwegischer sowie deutscherWiesenkümmel zur Verwendung, welche zwar viel, aber karvolarmes Oel liefern.Ungeeignet zu Destillationszwecken ist der in Sachsen und Thüringen gebauteKümmel, weil dieser trotz seines guten Aussehens nur einen geringen Oel-gehalt besitzt.

Bei der Destillation ist bemerkenswerth, dass sich anfangs sehr bedeutendeMengen Schwefelwasserstoff entwickeln, eine Erscheinung, welche nochihrer Erklärung harrt. Man erzielt je nach der Kümmelsorte eine Ausbeute von4—7 Procent, vorausgesetzt, dass die Früchte vorher gehörig zerkleinert waren.Häufig gelangt jedoch auch ganzer Kümmel zur Destillation, welche dann nichtbis zur vollständigen Erschöpfung getrieben wird, damit später die wieder ge-trockneten Kümmelfrüchte zu betrügerischen Zwecken verwerthet werden können.Bei diesem verwerflichen Verfahren wird nur ein minderwerthiges Kümmelölerhalten, da der werthvolle Bestandteil, das Karvol, wegen seiner schwierigerenFlüchtigkeit theilweise in den Früchten zurückgehalten wird. — Das durchDestillation der Kümmelfrüchte erhaltene Kümmelöl ist keineswegs das OleumCarvi des Arzneibuches, sondern ein Gemenge von Limonen und Karvol, auswelchem das letztere, in dem Oel bis zu 65 Procent enthalten, das Oleum Carvides Arzneibuches darstellend, erst abgeschieden werden muss.

Um aus dem Kümmelöl das Karvol zu gewinnen, unterwirft man es derfraktionirten Destillation mit Wasserdämpfen. Hierbei geht das Limonen (Karven),zuerst über und wird von dem später überdestillirenden Karvol getrennt.