Druckschrift 
1 (1884) Anorganische Chemie
Entstehung
Seite
641
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Chloesilbbh.

G41

unterschwefligsaurem Natron, auch in Cy ankalium. Sie weichenaber durch ihre Löslichkeitsverhältnisse in Ammoniak von einanderab. Chlorsilber, frisch gefällt, löst sich leicht in wenig Ammo-niak, Brom silber schwieriger, es erfordert einen beträchtlichenUeberschuss von Ammoniak zur Lösung; Jod silber ist in Am-moniak fast unlöslich. Letzteres wird von Jodkalium aufgelöst,dabei entsteht ein Doppelsalz von der Zusammensetzung: KJ.AgJ,welches nach Eindampfen der Lösung krystallisirt. — WährendChlor- und Bromwasserstoffsäure metallisches Silber kaum affi-ciren,- wird dieses von starker Jodwasserstoffsäure unter Wasser-stoffentwickelung leicht in Jodsilber verwandelt.

Man ist gewohnt, dem Chlor stärkere c hemische Affinitätzuzuschreiben, als dem Brom , und diesem wieder stärkere , als demJod . Damit stimmt die Wahrnehmung überein, duss aus dem trock-nen Brom - und Jodsilber das Brom und Jod durch Erhitzen ineinem Strome von Chlor ausgetrieben und durch Chlor ersetzt wer-den kann. Dem zu Folge sollte man meinen, aus einer wässrigenFlüssigkei t, welche Chlor- und Jodkalium gelöst enthält, müsseauf Zusatz von einer ungenügenden Menge Salpeter säuren Silberszuerst Chlqrsilber ausfallen und Jodkaln£in_ gelöst bleiben. InWirklichkeit beobachten wir gerade das Gegentheil: zunächstbemächtigt sich das Silber des Jods und hernach erst fäll t Chlor-silber nieder. — Dieser Fall lehrt, wie s chwe r,, und gegenwärtignoch unmöglic h, es ist, die Stärke der chemischen Verwandtschaftzu messen.

Die Empfindlichkeit der drei Haloidsilberverbindungen gegend as Licht , welches sie desto schneller und stärker reducirt, jeintensiv er die auffallenden Liclitstrn.hl en sind, macht dieselbengeeignet zur Erzeugung von Lichtbildern . Die Flächen, auf wel-chen das Bild hervorgebracht werden soll, werden mit einer zartenSchicht von Chlor- und Jodsilber gleichmässig bedeckt und dannin der Camera obscura der Einwirkung des Lichtes, oder vielmehrdem Lichtreflex der beleuchteten Gegenstände, welche photo-graphirt werden sollen, ausgesetzt, was je nach der Menge desauffallenden Lichtes eine stärkere oder schwächere Reduction desJodsilbers zu metallischem Silber zur Folge hat. Das nicht redu-cirte Jodsilber wird mittelst unte rschwefligsauren Natrons weg-

^genommen.

Das F luorsilber: AgF, unterscheidet sich von den anderen

Kolbo, anorganische Chemie. 41