SALPETEBSAUEES SILBEROXYD.
639
in Salpetersäure und Abdampfen der sauren Lösung. Es kry-stallisirt in farblosen, grossen, rhombischen Tafeln, ist in Wasserleicht löslich, die Lösung reagirt neutral. Auch von Alkoholwird es in reichlicher Menge aufgenommen. Durch gelindes Er-hitzen schmilzt das salpetersaure Silber und erstarrt während desErkaltens krystallinisch. Bei steigender Temperatur verliert esSauerstoff, und verwandelt sich erst in salpetrigsaures Silber,welches in noch höherer Temperatur weiter zersetzt wird, undmetallisches Silber hinterlässt.
Wird vorsichtig, bei möglichst niederer Temperatur, ge-schmolzenes salpetersanres Silber in eine eiserne Form derselbenArt eingegossen, wie S. 411 abgebildet ist, so gewinnt man es alsweisse, feste Stäbchen, welche in der Chirurgie als Aetzmittel An-wendung finden und (wohl deshalb, weil sie organische Stoffeschwärzen) den Namen „Höllenstein" führen. Das salpeter-saure Silber zerstört Fäulniss und Zersetzung bewirkende Stoffeund c oagulirt Eiweiss, in Folge dessen sich nach Aetzen mit Höl-lenstein auf den damit berührten Stellen eine Kruste. (Schorf)bildet. —• Die Schwärzung, welche nicht bloss der Höllenstein,sondern eben so die Lös ung von salpetersaurem Silber d urch Be-_ rührung mit organischen Stoffen bewirkt, rührt von reducirtemSilbe r her. Diese KMuction wird durch das Sonnenlicht wesent-
lich ge fördert. Man macht von"Zeuge , leine ne und baumwollene
!§em Verhalten Gebrauch, umG ewetra zu zeichnen , Die zu
zeichnende Stelle wird zunächst mit etwas Gummiwasser bestrichenund, wenn dasselbe getrocknet ist, mit einer Lösung von salpeter-s aurem Silber beschriebiim. Kurze Zeit dem Licht ausgesetzt,lässt die beschriebene Stelle die Schriftzüge deutlich erkennen.Das reducirte Silber haftet an der dadurch geschwärzten Faser sofest, dass es durch Waschen, auch mit Seife oder Soda, nicht zuentfernen ist. Um die mit der chemischen Dinte, wie die zujenem Zwecke benutzte Höllensteinlösung genannt ist, hervor-gebrachten schwar zen Schriftzüge z u entfernen , betupft man dieStellen mit Cyankaliumlösung, was wegen der grossen Giftig-keit des Cyankaliums mit Vorsicht geschehen muss. Dieses Salzlöst Silber bei Ge genwart von Wasser z u l öslichem Si lbercvan-
-ialiumj indem gleichzeitig etwas Kali hydra t und Wa sserst off ent-steht:
2KCy + Ag + H 3 0 == KCy.AgCy -f KOH -j- H.
( HtAiMjji)