Druckschrift 
1 (1884) Anorganische Chemie
Entstehung
Seite
323
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

SlLICIUMCHLOEID. 323

Wie mit Sauerstoff verbrennt der Siliciumwasserstoff auchmit Chlor, und zwar zu Salzsäure und Chlorsilicium. Mit Aetzkaliverwandelt er sich in kieselsaures Kali und Wasserstoff:SiHi + 2K0H + H»0 = Si00 2 K 2 + H».

Silicium clilorid; Vierfach-Chlor silicium.

4

Zusammensetzung: SiCl 4 . — Es ist eine farblose, leichtbewegliche Flüssigkeit von 1"5 specif. Gewicht, welche schon bei59° siedet an der Luft raucht, und sich mit Wasser in Salzsäureund. Kieselsäurehydrat zerlegt.

Das Siliciumchlorid entsteht direct aus Silicium durch Er-hitzen im Chlorstrom, oder wenn man Silicium im nascirenden Zu-stande bei Glühhitze dem Chlor darbietet. Zu diesem Zweckebereitet man ein inniges Gemenge von fein vertheilter Kiesel-säure, fein gepulverter Holzkohle und Weizenmehl, 'knetet dasGemisch mit Wasser zu einem Teig, und formt daraus kleine Ku-geln, welche nach dem Trocknen an der Luft in einem bedecktenTiegel geglüht werden. Das so gewonnene, sehr innige Gemengevon Kieselsäure und Kohle wird noch warm in eine Porcellan-röhre, und mit dieser in einem länglichen Kohlenofen zum starkenGlühen gebracht, während man sorgfältig getrocknetes Chlorgashindurchleitet. Der Process verläuft nach der Gleichung:

Si0 2 + 2C + Cl 4 = SiCl 4 + 2 CO.Das hintere Ende der Porcellanröhre communicirt luftdichtmit einer durch Kältemischung abgekühlten U förmigen Röhre,worin sich das Chlorsilicium condensirt, während das Kohlenoxydnebst freiem Chlor in einen Ventilationskanal entweicht. DieseRöhre hat unten noch einen vertical herabgehenden Ansatz, durchwelchen das condensirte Chlorsilicium in ein denselben umschliessen-des Gei'äss herabfliesst.

Die dem Siliciumchlorid entsprechende Bromverbindung: SiBr 4ist eine farblose, bei 153° siedende, bei — 12° krystallinisch er-

21*