Druckschrift 
1 (1884) Anorganische Chemie
Entstehung
Seite
311
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Borsäure.

311

gende Wasserdämpfe neue Mengen Borsäure an dasselbe abgeben,während das erste Bassin mit frischem Wasser gespeist wird u. s. f.

Nachdem auf diese Weise das Wasser vier und mehr Bassinsdurchlaufen und in jedem derselben sich mehr mit Borsäure ge-sättigt hat, so dass es ungefähr ein Procent davon enthält, lässtman die Flüssigkeit sich klären, um sie zuletzt zur Krystallisationzu verdampfen. Letzteres geschieht an Ort und Stelle durch er-bohrte Wasserdampfstrahlen, welche man von unten gegen flacheKessel strömen lässt, in denen, sich die zu verdunstende Borsäure-lösung befindet. Brennmaterial, in der dortigen Gegend schwerzu beschaffen, wird auf diese Weise ganz erspart.

Die beim Erkalten der hinreichend concentrirten Lösung aus-krystallisirende Borsäure enthält noch verschiedene fremde Stoffe,hauptsächlich schwefelsaures Ammon und schwefelsauren Kalk,beigemischt.' Sie wird durch Umkrystallisiren gereinigt.

Aehnliche, Borsäure führende Wasserdampf quellen sind nochin anderen vulkanischen Gegenden, auf den liparischen Inselnund neuerdings in Californien aufgefunden worden, woselbstgegenwärtig grosse Mengen Borsäure gewonnen werden.

Ueber den Ursprung der von den heissen Wasserdämpfen zuTage geförderten Borsäure sind mehrere Hypothesen aufgestellt,eine derselben ist die, dass im Inneren der Erde grosse Massenvon Borstickstoff liegen, welcher durch heisses Wassergas unterAufnahme der Elemente von Wasser in Borsäure und Ammoniakumgewandelt wird. Die Borsäure führenden Quellen enthaltenimmer auch Ammonsalze gelöst.

Die Gewinnung der Borsäure aus dem natürlichen Borax(Tinkal), und den neuerdings in Amerika in grossen Anhäufungengefundenen anderen Borsäure-Mineralien, dem Boronatrocalcit undBorocalcit, geschieht einfach durch Zersetzen mit heisser Salz-säure, wonach die frei gemachte Borsäure während des Erkaltensauskrystallisirt.

Die Borsäure ist eine schwache Säure, ihre wässrige Lösungfärbt Lackmus hellroth und zugleich gelbes Curcuma braun. Sieverbindet sich leicht mi t den Alkalien zu in Wasser löslichen

_Salzen, die übrigen borsauren Salze sind in Wasser schwer.