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Die Wein-Rebe und ihre Früchte, oder Beschreibung der für den Weinbau wichtigeren Wein-Reben-Arten nach einem naturgemässen Classifikationssystem : ein Beitrag zur Naturkunde des Weinstocks
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und andern bettätigt wurde, konnte es nicht kehlen, dats Millionen Neben von dieser Sorte nicht nur im Elsats selbst, sondern auch in Laden,an den Niederrhein, an den untern Neckar und, jedoch nur in kleinerer Zahl, in andere württcmbergitehe und tränkitehe Weinbaubezirke verptlauztwurden. Wir werden uns über die angegebenen Vorzüge hienaeh äutsern, und bemerken hier nur noeh, dass ein dabei nicht berührtes Hauptgebrechen,die grosse Neigung der Traube zur Fäulnits, verbunden mit ihrer früheren Zeitigung, wegen des bcttehenden Lese- und Kelternzwanges ein Hindernis?der weiteren allzngrotsen Verbreitung in sofern geworden ist, als der Aelternzwang den Pflanzer nöthigte, den reichlichen Ertrag bei einer bis zurReife der anderen Trauben zurückgehaltenen Weinlese dem Verderben zn überlassen.

Wir wollen die, auch von Mezger aufgenommene Vermuthung, dats diese Nebsorte aus Samen gefallen sey, dahin gestellt seyn lassen,können aber uicht umhin, auf die oben bemerkte nahe Verwandtfehakt mit der in Frankreich längst gcbantcn Sorten der Nooliolls vei-te nnd Iilonckv,so wie mit dem in Ungarn und wahrscheinlich auch in anderen östreichischen Staaten verbreiteten, sogenannten Silberweitsen hinznweitsen, welchedie Vermuthung zulätst, dats die genauere Letehreibung und Abbildung des kleinen gelben Ortliebers in der Folge über das Vorkommen desselbenin andern Gegenden näheren Ausschluss geben werden.

Geeignete Lage und öodenlieschaffenheit der Pflanzung.

Es unterliegt keinem Zweifel, dats die Ortlieberrebe eines der üppigsten Gewächse unter den zahlreichen Varietäten des Weinttocks ist>und sowohl dctswcgcn, als wegen der frühen Traubenreife, tast in jeder tage und in jedem, tür den Weinbau nnr einigermatsen geeigneten Lodengedeiht. Aber ihre tchon bemerkte Neigung zur Fäulnits, welche (wie auch v. Labo und Mezger, Seite 152, bemerken) besonders bei teuehterWitterung so tehuell um sich greitt, dats die Trauben innerhalb weniger Tage, ott in Staub aufgelöst, vertehwinden, gibt von selbst die Negclan, dats dieselbe eher in magerern, trockenen, t'teinigten oder sandigten, als in sogenannten tchwcrcn Löden und eher aut Gebirgsrückcn als inzu tieter teuchter Lage mit Vortheil gebaut werden kann.

Dieselbe Eigentchakt bestimmt auch

o. die Er^iehungsart.

Mehr als andere Nebsorten verlangt der Ortlicber Luft und tieht zu seinem kräftigen Wachsthum, daher dürfen die Stöcke, je nach derArt des Lodens und des Schnittes, nicht untcr bis 4 Futs Entfernung geptlanzt werden. An Bergrücken oder sant'ten Abhängen ist dcrsogenannte Lock- odcr Stocktchnitt tür denselben, nach eigener Neberzeugung des Vertassers, sehr zu empfehlen, weil bei dieser Erziehungsartdie Trauben weniger faulen, und dadurch dcr tür dcn minder bemittelten Weinptlanzer ttets beachtungswerthe weitere Vortheil erreicht werden kann,mittelst einer möglichst wohlteilen Erziehungsart eine verhältnitsmätsig grötsere Quantität bald trinkbarer Weine zu einer Zeit zu gewinnen, woman bei ptlanzungen tpäter reitender Traubensorten noch nicht an die Weinlese denken dart. Aus eben diesem Grunde ist aber der Ortlieberüberall nicht zur Vcrmitchung mit andcrn Sorten, oder zum Anbau in zu kleinen Weingartplätzen, und selbst in einer ptlanzung in grötsererAusdehnung, da nicht zu emptehlen, wo man durch die bettehendcn Hcrbstant'talten gehindert ist, das Erzengnil's zu herbsten, bevor die Fäulnitseintritt.

Will man denselben an niederen Nahmen odcr ptählen nach dcr obenbemerkten Nheinganer Art erziehen, so dart er nur aut Zapteu oderaut kurzen Lögen von höchstens acht Augen getchnitten werden. Auch muts man den Stock tchon vor dcr Llüthe ansbrechcn und diets Getchättbis zum Hcrbste in der Art tortsetzen, dats nach und nach nicht nur der sogenannte Geiz, sondern auch dcr grötsere Theil dcr Llättcr ausgebrochcnwird. Auch soll das Verhauen zeitlieh, und so ott sich ncue Triebe zeigen, vorgenommen, dabei dürten aber die Abtälle odcr die Nebenbütchclnnicht, wie es sonst gewöhnlich ist, aut die ptähle getteekt werden. (Siehe auch Hörtcr Sctzrcbcu, Seite 187.) Nebrigens ist bei diesem Getchättcdie Witterung des 2ahres sehr zu beobachten, wcil diese Nebe die Hitze weniger als die Feuchtigkeit ertragen kann.

Nach v. Labo und Mezger, Seite 151, muts der Ortlieber gut im Dünger erhalten werden. Das Maas des Düngers richtet sich aberhauptsächlich nach dcr Lctchattcnhcit des Lodens, wo diese Nebsorte geptlanzt wird; jedenfalls sagen ihr kühlende und allzu kräftige Düngerartenweniger zu, als mineraliteher Dünger, sorgfältig bereiteter Eompost, wollene Lumpen, odcr Abfälle aus Gerbereien.

Als einer der obenerwähnten bewährten Vorzüge dcr Ortlieberrebe verdient hier nur noch bcmcrkt zu wcrdcn, dats dic jnngen Neben sehrtchnell heranwachsen, und in der Negcl tchon im dritten Jahre Früchte tragen, und dats selbst dann, wenn die erwachsenen Stocke durch einenFrühlingstrost leiden, die Leiaugen wieder austehlagen und Tranben ansetzen.

Bereitung des Weins und relative hornige desselben.

Nach Maatsgabe dcr tchon erwähnten vergleichenden Wägungen ist dem Ortlieber mit Neeht die letzte Nangstnte hinsichtlich der Qualitätdes Mostcs uuter dcn Varietäten der ersten Classe unseres Systemes angewiesen, denn das mittlere tpeeititchc Gewicht beträgt hieuach nur1080 Grade. Selbst in dem vorzüglichen Weinjahre 1831 erreichte der Most von auserlesenen Trauben aus einem Musterweiuberge Mezingen, zuam Futse dcr Alp, nur 1088^ Grade, während gleichzeitig daselbst der Elevner ein Gewicht von 1100 Graden (siehe oben) zeigte. Der Weinist zwar süts, aber, besonders wenn er vor der ttürmitchen Gährung eingekellert wird, ohne ein bemerkbares Louquet und sehr zum Zähewerdengeneigt. Daher ist bei dieser Traubeusorte die Gährung in vertehlossener Lütte an den Träbern, nach Abtchcidnng dcr Kämme, besonders dannzu empfehlen, wenn man den Most unvermiteht einkellern will. Lis jetzt ist übrigens derselbe gewöhnlich nnr als Erstling des Herbstes in kleinenQuantitäten zum gleichbaldigen Genuts verkautt, oder andern geringeren Sorten beigcmiteht worden.

Lei uubetangener Vergleichung dcr Vorzüge und Mängel dieser Varietät kann dieselbe keineswegs tür edlere Weinptlanzungen, sondernnnr wegen ihres sehr reichlichcn sicheren und trüheren Erzeugnisses tür solche Gegenden nnd tagen empfohlen werden, kür welche sonst kcincedlere Sorte taugt. Obgleich in solchen tagen der minder bemittelte Winzer eine kleine Lesitznng, gewöhnlich ohne grotse Opfer, ankanten kann;