Ueber seine Leidenschaften. 145
durch sein ganzes Leben zu kämpfen und aufseiner Hut zu seyn, wenn man nicht einRaub seiner ungestümen und heftigen Begier-den werden will.
Und das ist es, was ich bey mir destosorgfältiger zu untersuchen habe: ob ich mich,meine mir eignen Leidenschaften genug erforscht,das Gute und auch das Böse, wozu sie michfähig und geneigter machen, abgewogen; diegute Anlage wol genuzr, und die Summemeiner guten und schönen Thaten so groß ge,macht, als ich gckonc; die bösen Triebe, Be-wegungen und Begierden beherrscht und unter-drückt ; meine ganzen Gesinnungen immerMehr gereinigt, stets über mich wachsam ge-wesen , durch Nachdenken und Gebet jedeaufbrausende Heftigkeit gemäßigt, und weiß,lieh regiert, und die wahre Würde einesChristen, die Ehre meiner Vernunft und desChristenthums behauptet habe ? oder ob ichnicht so oft ein Raub meines wilden Feuers,und meiner heftigen Leidenschaften gewesen,und dadurch so vielen und unersezlichen Scha,
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