Die Feier des Gregoriusfestes am Gymnasium zu Zittau. Von Oberlehrer Dr. Eckstein.. Beilage zum Jahresbericht des Gymnasiums zu Zittau. Ostern 1888. ZITTAU. Druck von Richard Menzel. 1888. 1888. Prosr. Nr. 516. OjZ C z /JI/,0 Die Feier des Gregoriusfestes am Gymnasium zu Zittau. Das Gregoriusfest*) wurde im Mittelalter in ganz Deutschland als ein Schulfest gefeiert, welches sich besonders in den „Stadtschulen" entwickelt hat. Der Ursprung jenes Festes lässt sich nicht nachweisen. Die katholischen Liturgiker bezeichnen den 12. März als den Tag des heiligen Gregorius, und an diesem Tage fand das Gregoriusfest statt. Aber ungewiss bleibt es, ob das Schulfest mit dem Papst Gregor dem Grossen oder einem anderen Papste desselben Namens zusammenhängt. So hat man geglaubt, dieses Fest auf Papst Gregorius TV. (827—844), welcher Gregor den Grossen habe verherrlichen wollen, zurückführen zu müssen.**) Denn im Mittelalter galt Gregor der Grosse als Patron der Schulen, ihm wurde die Verbesserung des christlichen Schulwesens und die Ausbildung des christlichen Chorgesanges zugeschrieben, und noch lange wurde von ihm als Reliquie die Rute gezeigt, welche er in seinen Singstunden benutzt haben soll. Es ist nicht anzunehmen,***) dass jenes Schulfest mit dem römischen Fest der Quinquatrus zusammenhängt, welches die römischen Schüler im März jedes Jahres zu Ehren der Minerva mitfeierten.-)-) Da das Fest mit dem Ende des alten und dem Anfang des neuen Schuljahres zusammenfiel, so ist seine Entstehung aus dem Gebrauche des deutschen Volkes, Anfang und Ende jeder menschlichen Thätigkeit durch ein Fest zu begehen, herzuleiten. Die ursprüngliche Feier des Gregoriustages schildert Palmer in Herzogs Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche V, 365 und 366 folgendennassen: „Die Schüler wählten aus ihrer Mitte Einen zum Bischof; zwei andere wurden ihm als gemeine Kleriker beigegeben; mancher Orten stieg jener sogar zur päpstlichen, diese zur Kardinals-Würde. Alle drei wurden in geistlicher Tracht vom gesamten Schülerkorps und Lehrerpersonal unter dem Geläute aller Glocken zur Kirche geleitet; der Knabenbischof und seine Assistenten Hessen sich mit possenhafter Feierlichkeit an den Stufen des Altars auf Sesseln nieder; ein wirklicher Geistlicher hielt eine Rede, worauf ein Gregoriuslied angestimmt wurde; nach einer Schlussrede, die der Knabenbischof nach seiner Weise hielt, ward der Rückzug angetreten. Unterwegs wurden die Schüler mit Bretzein beschenkt, wofür sowohl die Privat- wohlthätigkeit als öffentliche Stiftungen sorgten. Der zweite Akt bestand sofort darin, dass die neu in die Schule eintretenden Knaben in ihren Häusern aufgesucht, als Gregorianer in eine Art Chorhemd gekleidet und in Prozession zur Schule geführt wurden." *) Manchen litterarischen Nachweis verdanke ich einem Artikel des Prof. Dr. Iinothe: „Zur Geschichte der Feier des Gregoriusfestes in der Oberlausitz", welcher abgedruckt ist im Neuen Lausitzischen Magazin Bd. 39, 1. Hälfte, Seite 45 flg. **) Ruhkopf, Geschichte des Erzieliungs- und Unterrichtswesens in Deutschland. S. 159 f. ***) Schöttgen, Vom Ursprung des Gregorius-Festes. Frankfurt a. 0. 171ß. Mücke, Vom Ursprung des Gregoriusfestes. Guben 1793. f) Ov. Fast. III, 815. Pallada nunc pueri teneraeque orate puellae: Qui bene placarit Pallada, doctus erit. 1 2 Dass auch in Zittau noch vor der Reformation das Gregoriusfest in ähnlicher Weise von den Schülern der Stadtschule*) gefeiert worden ist, berichtet der Chronist Carpzov (Anal. III, cap. 5, § 7): Im übrigen waren vor Zeiten unterschiedene alte Gewohnheiten und Gebräuche in der Schule, die zwar ingesamt nunmehr**) in Abgang kommen; Gleichwohl aber bey der Zittauischen Schul-Historie als eine Antiquität kürtzlich berühret zu werden verdienen. Also pflegten im Papst- tlmm die Eltern ihre Kinder, so sie zur Schule halten wolten, bey dem gewöhnlichen Schul-Fest Gregorii, durch einen aus den obersten Schülern mit sonderlichen Ceremonien in die Schule tragen zu lassen, wie hiervon der alte Rector Tobias Schnürer (geb. 1518) von sich selbst in seinen Schrifften meldet: Christoph Helmrich, Zittaviensis, me Tobiam Schnürerum humeris suis in Scholam Zittaviensem, ut olim moris erat, sub Casparo Burmanno, introduxit. Dergleichen Gewohnheit denn auch anderer Ortlien nicht unbekant gewesen; immassen Johann Lange in der Thüring. Chronicke p. 180 von eben solchem Schul-tragen gedencket, dass Nicolaus Emoeler zu Mannssfeld in seiner Jugend D. Martin Lutherum auf dem Schülerfeste Gregorii, wie gebräuchlich, auf den Schultern in die Schule getragen habe. Nach diesem ist an statt solches Schul-tragens, sonderlich bey wohlhabender Leute Söhnen aufkommen, dass die Tyrones an gedachtem Gregorii-Feste, nachdem sie bey dem Umgange derer übrigen Scholaren zu Pferde durch die Stadt herum geführet worden, und einen Mann mit einer Stange, so mit allerhand essenden Waaren behenget, und auffs zierlichste geschmücket gewesen, vor sich hergehen lassen, endlich zur Schule eingeritten, da denn der Rector die Victualien an der Stange behalten, und nebst den übrigen Schul-Collegen die Knaben mit einer Mahlzeit tractiret. Dieses sogenannte Sehul-Einreuten ist lange Jahr, und bis zu des Rectoris Keimanns (1634—1639 Conrector, dann bis 1662 Rector) Zeiten im Brauch verblieben, da es denn nach und nach gäntzlich erloschen." Ursprünglich war, wie man dies auch aus Carpzovs Bericht erkennen und aus anderen später noch zu erwähnenden Quellen***) nachweisen kann, dieses Fest zugleich für die Lehrer eine Gelegenheit, von den Bürgern freiwillige Gaben einzusammeln. Denn dies scheint in Zittau neben den Freitischen die älteste Art der Bezahlung an die Lehrer gewesen zu sein. Doch erwähnen mehrere Chroniken um 1530 bei dem Einkommen des Stadtsyndikus: ein Schwein aus der Mühlen, mit dem Herrn Rectori zu schlachten.f) Nicht nur an dem Gregoriusfest war den Lehrern gestattet, derartige Umgänge von Haus zu Haus zu halten, sondern auch am Martinsfest. Dies erwähnt Chr. Weise in seiner Festrede bei der 100jährigen Gedenkfeier des Bestehens unseres Gymnasiums (1686): ut enim hic, velut in transitu, ludibrii referatur exemplum, quid misellis eorum annorum Magistris haberi poterat ineptius, cum ad Martini festum, comitantibus pueris, tanquam Monachi mendicantes, ostiatim aliquos colligerent eibos; hic sub brachio gereret cophinum, quo custodirentur casei; alius in calatho suo exciperet ova; non deesset, qui Qualo suo seu Moscha fareiminum reconderet cupedias; pueri denique sub corbe sua gementes, cornua Martini domurn referrent: quae tarnen consuetudo, quam primum eluxit Religio, sie abrogata fuit et explosa, ut in honoratioris muneris vicem, Patroni liberalitatem suam Martinalem exercere quotannis soleantff) Das Verhältnis der Lehrer an den Stadtschulen zu den städtischen Behörden war vor der Reformation ein derartiges, dass die Lehrer nicht eine besondere Pflicht zu übernehmen schienen, sondern dass ihnen nur das Recht gewährt wurde, in der Stadt Unterricht zu erteilen. Das Schulhaus mit dem Inventar wurde ihnen wohl zur Benutzung überwiesen, aber bisweilen mussten sie dafür einen *) Die erste Erwähnung derselben fällt in das Jahr 1-310. **) Carpzovs Analecta Fastorum Zittaviensium erschienen 1716. ***) Programm zum Gregoriusfest des Jahres 1686 unter Chr. Weises Rektorat, f) Th. Gärtner, die Zittauer Schule bis zur Gründung des Gymnasiums. S. 6. ff) Diese Rede ist abgedruckt in Hoffmann, scriptores rer. Lusat II S. 368 -377. 3 gewissen Pachtzins (pensio) zahlen. Ihren Lehensunterhalt mussten die Lehrer von den Eltern ihrer Schüler zu erwerben suchen.*) Der Sieg der Reformation wurde in Zittau nach mancherlei Kämpfen 1545 herbeigeführt durch den Prediger Lorenz Heidenreich, welcher dabei von Konrad Nesen (1533 Syndikus, 1541 Bürgermeister) und von Oswald Pergener (1524 Unterstadtschreiber, 1528 Oberstadtschreiber) unterstützt wurde. In jener Zeit (1535) erhielt die Stadtschule den ersten evangelischen Rektor Andreas Mascus, einen Schüler Melauchthons. Die Reformation stand dem Gregoriusfest durchaus nicht feindselig gegenüber, hat doch Melanchthon selbst mehrere Gregoriuslieder gedichtet. Eine Änderung in der Feier wird allerdings insofern stattgefunden haben, als nun die Wahl des Schulbischofs und seiner Kleriker unterlassen wurde und an dessen Stelle allegorische Personen in dem festlichen Aufzog erschienen. Dass dies in Zittau so gewesen sei, wird zwar nirgends berichtet, wohl aber wissen wir dies von dem Görlitzer Gymnasium,**) dessen Einrichtungen den unsrigen sehr ähnlich waren. Auf Mascus folgte in dem Rektorat 1545 Andreas Schröter, dann 1556 Georg Rössler und endlich Tobias Schnürer, welcher von 1558 — 1585 dieses Amt verwaltete.***) Im Jahre 1586 wurde die Stadtschule zu einem Gymnasium erhoben. Dessen erster Rektor war Caspar Janitius. Er trat sein Amt mit dem Anfang des Jahres 1586 an, also noch vor der Einweihung des neuen Schulhauses, welche am 16. März erfolgte. Seine erste Aufgabe war es, mit seinen Schülern die Aufführung eines Fastnachtsspieles Eli und Samuel einzuüben. So war eine Entwicklung eingeleitet, welche unserem Gymnasium eine eigentümliche Bedeutung in der Geschichte der Schulkomödie verschafft hat.f) In demselben Jahre wurde auch das Gregoriusfest gefeiert, wie uns Chr. Weise berichtet. Dieser liess 1686 zum Gregoriusfest in dem Aufzug der Schüler die Geschichte des Gymnasiums darstellen und zwar sollte die 3. Svite „die Zeit von Erbauung des Gymnasii 1586 den 10. Mart. vorführen".ff) Denn er glaubte, dass ein Rückblick in die alte Zeit nicht unangenehm sein würde. Auf Caspar Janitius, welcher schon 1587 Zittau verliess und sich nach Kamenz begab, folgte an dem Gymnasium zunächst ein Interregnum, dann wurde Leonhard Etzler Rektor. 1594 entliess der Rat Etzler und ernannte als dessen Nachfolger Martin Hammer, welcher 1599 der schrecklich wütenden Pest erlag. 1600 wurde Samuel Junius Rektor, aber nach zwei Jahren legte auch er sein Amt nieder, fff) Aber nun erhielt das Gymnasium, welches durch den fortwährenden Wechsel der Rektoren in seinem Gedeihen auf das empfindlichste gehindert worden war, einen tüchtigen Schulmann als Leiter, den Magister Melchior Gerlach. Ueber die Feier des Gregoriusfestes unter den Vorgängern Gerlachs hat sich keine Nachricht erhalten, wir müssen annehmen, dass dabei wenig Änderungen vorgenommen worden sind. Der Umzug durch die Stadt und auch das Einholen der neuen Schüler blieb bestehen. Dass unter Gerlachs Rektorat das Gregoriusfest wie bisher gefeiert wurde, ist aber ausdrücklich erwähnt in den Annales Gymn. Zittav., welche Christian Döring (f 1699 als Collega VI.) gesammelt hat.*f) Allerdings sind jene Nachrichten sehr dürftig, da sie nur das Einreiten der neuen Schüler erwähnen: *) H. J. Kämmel: Geschichte des Deutschen Schulwesens im Übergange vom Mittelalter zur Neuzeit 1882, S. 129. **) Chr. Knauth: Das Gymnasium augustum zu Görlitz 1765, S. 65. ***) H. J. Kämmel, Rückblick auf die Geschichte des Gymnasiums, in dem Programm zur Einweihung des Johanneums in Zittau 1871, S. 5 u. ff. Th. Gärtner, die Zittauer Schule bis zur Gründung des Gymnasiums (Festschrift zur 300jährigen Jubelfeier des Gymnasiums zu Zittau 1886), S. 1—21. f) Kämmel, Rückblicke u. s. w., S. 8. ff) Das betreffende Programm ist erhalten und wird später vollständig mitgeteilt, fff) Kämmel, Das Gymnasium in Zittau während der trüben Jahre 1587—1602, *f) Gärtner a. a. O. S. 1, Anm. 1, 1* 4 „1603 beim Gregorifest waren 3 Barone Benkii (?) unter den Schülern. Gerlach bat den Bürgermeister um 3 Pferde aus dem Marstall für diese. 1607, 12. März Gregorifest. 10 Knaben ritten in die Schule." Über die Art des Aufzuges wissen wir nichts Bestimmtes, wohl aber können wir mit Kämmet*) annehmen, dass „bunte zum teil groteske Bilder an uns vorüberziehen würden, wenn wir bei der Feier des Gregoriusfestes oder bei den Auszügen in den Schülerbusch verweilen dürften. Solche Veranstaltungen brachten doch immer, wie die dramatischen Aufführungen, die Schule dem Volksleben nahe und erwarben ihr, die sonst durch ihre Latinität von den sie umgebenden Kreisen sich abzuschliessen schien, immer wieder die Sympathie dieser Kreise, die auch manche Derbheiten in diesen Veranstaltungen harmlos hinnahm." Am 14. Februar 1616 starb der Rektor Gerlach, und für das Zittauer Gymnasium begann nun eine schwere Zeit, weil mit der Stadt auch das Gymnasium unter den Drangsalen des grossen Krieges viel zu leiden hatte. Da aber die Oberlausitz zugleich mit der Niederlausitz an Kursachsen verpfändet worden war, so erhielt sich unter dieser Regierung in unserer Stadt trotz aller Bedrängnis der protestantische Glaube, und das Gymnasium blieb ein protestantisches. Gerlachs Nachfolger war Augustin Preil, welcher von 1616—1634 Rektor war. In dieser Zeit hatte die Stadt und so auch das Gymnasium durch Kriegsschrecken und vor.allem durch die Pest unendlich viel zu leiden. So ist es wohl erklärlich, dass sich in den verschiedensten Chroniken keine Nachricht von der herkömmlichen Feier des Gregoriusfestes findet. Erst unter dem Rektorate Keimanns**) wird das Gregoriusfest wieder in Dörings Chronik erwähnt. Und zwar sehen wir aus jenen dürftigen Nachrichten Dörings, dass das Fest nun nicht mehr am 12. März, sondern an irgend einem anderen Tage im Frühling gefeiert wurde. So finden wir, dass es 1645 am 24. April gefeiert wurde, und als der Chor dabei auf der Bautzner Gasse sang, kam Feuer aus, das aber wieder gelöscht wurde. 1647 fand das Fest am 9. Mai statt, 1654 am 11. Mai; dabei liess Herr Johann Fritsch seine zwei Söhne in die Schule reiten; 1660 wurde es gefeiert am 13. April und 1661 am 6. Mai. Am 13. Januar 1662 starb Keimann und da sein Nachfolger Christoph Vogel erst am 10. Oktober sein Amt antrat, so wurde das Gregoriusfest am 24. April unter der Leitung von Elias Weise, welcher damals Tertius am Gymnasium war, abgehalten. 1663 war das Gregoriusfest am Mittwoch nach dem Sonntag Misericord. Dom. 1664 fiel das Fest aus wegen der Türkengefahr, aber der Rat gab den Lehrern eine Diskretion von 25 Thalern. In der Chronik von Kiessling heisst es: „das Gregoriusfest wurde 1664 eingestellt wegen der Türkengefahr, aber die Kollegen erhielten dafür ex fisco 20—30 Thlr." Also muss auch damals noch mit dem Umzüge durch die Stadt eine Einnahme für die Lehrer verbunden gewesen sein, welche der genannten Summe entsprach. In den nächsten drei Jahren fand die Feier des Festes nach dem Sonntag Quasimodogeniti statt, 1668 am 3. Mai nach Cantate, jedoch ohne Musik wegen der Trauer, auch durfte keine Person in Weibskleidern dabei sein und keine Reiterei aufziehen. (Döring.) Über die Feier der nächsten Jahre wird nur der Tag des Umzuges berichtet, 1669 fand derselbe statt am 6. Mai, 1670 am 15. April, 1671 Montag und Dienstag nach Jubilate und zwar deshalb zwei Tage, weil es meist regnete; 1672 nach Quasimodog.; 1673 nach Miser. Dom.; 1674 nach Cantate; 1675 und 1676 nach Quasimodog.; 1677 am 27. April und 1678 am 20. April. Am 9. Mai desselben Jahres starb der Rektor Vogel, auf ihn folgte der grosse Schulmann Christian Weise, welcher von 1678—1708 an der Spitze unseres Gymnasiums stand. Hier ist nicht die Stelle, über die hohe Bedeutung Christian Weises für die Entwicklung des Zittauer Gymnasiums zu sprechen, auch sein Einfluss auf das Schultheater kann hier nicht berührt werden. *) Kümmel, Rückblicke S. 14. **) Keimami wurde 1639 Rektor, nachdem er als Konrektor das Gymnasium schon 5 Jahre geleitet hatte. (Kämmel, Rückblicke S. 18 u. flg.) 5 Wie aber Christian AVeise überall glückliche und segensreiche Neuerungen einführte, so bemühte er sich auch, den Aufzug bei dem Gregoriusfeste umzugestalten. An Stelle der früheren einfachen und je nach Geschmack des einzelnen gewählten Ver- kleidung wurde jetzt dem Festzug eine bestimmte Idee zu Grunde gelegt, natürlich wurde diese dem Zeitgeist entsprechend durch allegorische Personen dargestellt. Nun konnte aber nicht verlangt werden, dass selbst der gebildetere Teil der Bürgerschaft all jene seltsam gekleideten Gestalten auch als das, was sie vorstellen sollten, richtig erkannte, und so drängte sich von selbst die Notwendigkeit auf, zu jenen Aufzügen eine erklärende „kurtze Vorschrifft" zu veröffentlichen, damit kein Missverständnis aufkommen könnte. Von Christian AA r eise ist eine ziemlich grosse Zahl solcher Vorschriften, welche übrigens vor dem Druck dem Rat zur Genehmigung vorgelegt werden mussten, erhalten, sie sind anfänglich in gross Folio gedruckt bei dem Zittauer Buchdrucker Michael Hartmann. Die erste Vorschrift von Christian Weise aus dem Jahre 1679 muss vollständig mitgeteilt werden, da bei diesem Aufzug neben den herkömmlichen Chören sich jene oben erwähnten Neuerungen finden. M. Das Zittauis.che Gregori-Fest Wird Auf Hochgeneigte Genehmhaltung der Patronen die Woche nach Cantate Von der Gesammten Studierenden Jugend, Alten Herkommen gemäss auffgeführet werden, Und nachdem Etliche Chore von neuer Invention Dabey erscheinen sollen, Als wird der gantze Auffzug Allen Liebhabern in gegenwärtiger Vorschrifft gebührender massen Vorgestellet Z. Von C. W. lt. NAchdem Gregorius sein Fest begehen wil | So lässt das Musenvolk den alten Brauch geschehen | Und giebt der wehrten Stadt den Auffzug anzusehen; | Derhalben dencket man schon auf ein neues Spiel. | Die Götter haben sich bisshero abgenützet | Die Nationen sind den Kindern selbst bekandt | Und also wird der Fleiss auf etwas angewandt [ Darbey der Bürger nicht im Fenster müssig sitzet. | Ja was ein blosser Blick nicht bald errathen kan | Dasselbe giebet hier das stille Blat zu lesen | Die Piätzel sind gelösst betrachtet dieses Wesen | So schaut Ihr Unsre Stadt und Euer Leben an. | AA r as sol die Jugend thun? sie sucht die Lust im Spielen | Und selig wer den Muth zu rechten Spielen trägt | Den wer den Müssiggang also zuführen pflegt | Der kan nach solcher Lust kein eitles Feuer fühlen. | Das Spiel macht Ihn gelehrt es giebet neue Krafft | Es muntert alles auf: man legt die Bücher nieder | Und suchet sie darnach gedoppelt hurtig wieder | Drum bleibt Gregorius kein Feind der Wissenschafft. Das Erste Chor. Wird auff gewöhnliche Manier präsentiret, als I. Der Fähnrich. II. Eine Reihe kleiner Knaben als Engel gekleidet. III. Andere Knaben, wie man zu sagen pfleget, in Hoffmanns Habit. IV. Rector Magnificus, Professores und endlich die Studenten, welche die Music bestellen, ordentlich nacheinander. V. Die Handwerksleute, welche in ihrer Jugend ebenfalls in der Schule müssen informiret werden und dannenhero bey diesem Schul-Feste nicht aussenbleiben dürften, ob sie wol diesem Chore folgen solten; Dennoch weil ein jedweder mit seinem Handwerke ein sonderliches Spiel hat, dadurch die Music könte gestört werden, so verbleiben sie billich biss die Chore vorüber sind. 6 Das Andre Chor. STellet den Anfang und das Fernere Wachsthum der Stadt Zittau vor, durch folgende Personen. 1. Fatum trägt einen Schild mit dem Wappen Z. 2. Ein Knabe führet die Schrifft: Gemina litera, Gemina fortuna. 3) j• Zwey Knaben in grün und weiss gekleidet führen kleine Messinge Spritzen. Einer bedeutet das Jeschlcewasser, der ander die Goldbach, welche durch die Köhren in die Stadt geleitet werden. Jener hat das Wort: Salubritate. Dieser: Claritate. 5 ) g"- Zwey Nymphen mit grossen Messingen Spritzen. Eine bedeutet die Neisse unter dem Worte: Ex me cibus; die andere das alte Wasser oder die Mandau, daran die meisten Bleichen gelegen sind, darum hat sie auch das Wort: Ex me candor. 7. Ein kleiner Puschmann. 8) Zwev grosse Puschmänner, welche mit Tannzapfen üm sich werffen. Durch denn kleinen wird der also genannte Schüler-Pusch verstanden unter dem Spruche: Amica musis. Und darum hat er auch zwey Hörner, als das grosse und kleine Horn: Welche Berge genugsam bekandt sind. Der erste grosse bedeutet Lausche: Nuncia tempestatis; Der andere das Königsholtz: Medicina frigoris. 10. Ein Fuhrmann: Ob transitum. 11. Ein Leyermann: Ob mansionem. Hierdurch wird die Schencke oder der Kretscham abgebildet, welche zu erst um hiesige Gegend den Fuhrleuten zu gute gebaut worden. 12. Fortuna mit einer geflügelten Kugel: Expectat. 13. Sedulitas mit einer Dreyspitz: Plantat. Id. Gratia Principis mit einer Giesskanne: Rigat. 15. Gratia Dei mit einer Sonne: Dat incrementum. 16. Flora mit einem Lilgen-Stengel: Ex hoc lilium. 17. Pomona mit einem Zweige: Ex hoc arbor. Den also ist aus einem geringen Anfange die Stadt entsprossen. 18. Ein Knabe mit einem Schilde: Huic debet nomen. 19. Zittavia oder Zedena in Witwen Piabit. König Micislai in Polen Tochter, Marggrafs Manfredi aus der Ringelheimischen Linie hinter- lassne Witwe, welche allhier das erste Kloster gebauet und hierdurch zu einen Markflecken einige Gelegenheit gegeben hat: welcher auch nach Ihren Namen mag genennet seyn: ist allhier begraben 1021. 20. Devotio in schwartzen Habit: In templo securitas. 21. Solitudo in weiss: In viduitate pietas. 22. Ein Münch: Ob fraternitatem. 23. Eine Nonne: Ob virginitatem. Das erste Kloster ist dem Heil. Mannfried geweihet und mit Benedictiner München besetzet worden: Hernach sind die Nonnen zur Brigitta kommen. 24. Ein Knabe mit dem Schilde: Huic debet fundamentum. 25. König Ottocarus. Dieser hat die Stadt 1255 recht fundirt und in die Mauer gebracht. 26. Ein Bauer mit Ähren: Nutrit. 27. Eine Magd mit einem Grasskorbe: Saginat. Hierdurch wird der Ackerbau und die Viehzucht abgebildet, welche dazumahl die beste Nahrung waren. 28. Ein Knabe mit dem Fähngen: Huic. debet incrementum. 29. Der kleine Wenceslaus Ottocari Sohn. 30.) 31.) Zwei Altväterische Bürger. Man hält davor dieser Junge König sey von 1281. biss 84. incognito von den Zittauern erzogen worden, alldieweil Ihm die Mutter selbst nach dem Leben gestellet. Wiewohl in Böhmischen Historien wenig vestigia zu finden sind, dass es wol recht incognito mag zugegangen seyn. Unterdessen führt einer den Spruch: Tuta obscuritas, der andere: Auxilium a parvo. 32. Ein Brauer: Liquore dives. 33. Ein Leinwadhändler: Lino celebris. 34. Ein Tuchmacher: Panno diligens. Den diese drey Hanthierungen haben die Stadt auffgebracht, wie denn König Wenceslaus mit seinen Privilegiis viel darzu contribuiret hat. 35. Ein Knabe führt den Böhmischen Löwen in einer Fahne mit diesen Worten: Huic debet orna- mentum. 36. Kaiser Carolus IV. 37. Autoritas mit einem Regiment-Stabe: Senatum firmavit. 38. Opulentia mit dem Cornu Copiae: Civitatem Locupletavit. 39.) 40.) 41. Concordia mit sechs Pfeilen neben der Überschrifft: Bis trinum, Bis perfectum. 42.) 43) Sechs Knaben in Römischen Habit, ein jedweder führt ein roth Hertze daraus Flammen gehn, und sind selbige mit einer silbernen Kette zusammen gefesselt, derer Ende von Zwey Knaben mit Palmen-Zweigen. 45.) 46.) 47.) der Concordia gehalten werden. Dieses ist die Vereinigung der also genannten Sechsstädte, welche 1364 erfolget, nachdem Zittau vom Königreiche Böhmen darzu geschlagen worden. 48. Ein alter Pater: Iniquis vicinis. 49. Tarditas führet im Schilde eine Schnecke: Consuetudini. 50. Superstitio führet ein Medicin Glass: Persuasioni. Durch den Pater wird das Hussitenwesen verstanden, darzu sich diese Gegend nicht bequemen wollte. 51. Ein alter Schulmeister mit einem Kober, darauf geschrieben: Ortwinus gratius. Dieses bedeutet die hiesige Schule unter dem Papstischen, da die beste Information in dem Kloster, und in Domo paracleti oder der Väterhofe gewesen, und also die Prae- ceptores nur als Vicarii und Leichengänger ihren Umgang an dessen statt das itzige Gregori-Fest aufkommen mit Möschen, Kobern und Körben gehalten, darum sie Eyer, Würste, Käse und Kuchen gesamlet. 52. Ein Engel mit einem langen Briefe, darauf: Aeternum evangelium. 53) Zwey Engel mit Palm Zweigen, welche Ihn begleiten. Dieses ist des seeligen Hern Lucheri Reformation. 8 55. Veritas hat einen Schild, darauf ein Licht: Cedendum lnci. 56. Festinatio hat einen Schild darauf ein Greutz: Occurrendum cruci. 57. Ein Priester: Imperfectum quia inceptum. 58. Persecutio mit einer Geissei: Caedo non occido. Wird gezielet auf M. Heydenreichen und seine Nachfolger, welche von 1521 bald einge- setzet, bald durch den Commendator wieder verjaget worden. 59. Ein Knabe mit einem Schilde Vicinia Concors. 60. Ein Priester: Piae eruditioni. 61. Ein Schulbedienter: Eruditae pietati. Wird gesehen auf die hernachfolgende Ruhe da das Commendator-Hauss abgerissen und die Schule auf den Ort nahe bey der Kirche erbauet worden. 62.) Zwey Knaben in weiss und rother Lieberey: einer führt; Rubrum amori, der andre: Album 63.) virtuti. 64 1 Vier Personen mit rothen und weissen Fähigen, in eben solcher Lieberev. oo.) 66 1 Ein Triumpfwagen mit dem Ertz-Hertzog Keyserlichen Wappen, welches von den vier Per- sonen gezogen wird. Oo. J 69.) Liberias führt im Schilde: In spem religionis. 70. Securitas führt: In quietem patriae. Ifen so lange diese Stadt unter dem Durchlauchtigsten Ertz-Hause Oesterreich gewesen, hat so wol die Religion jhre Sicherheit, als das Vaterland guten Friede genossen. 71. Alastor mit einem Beile: Utinam una cervix. 72) , Zwey Mohren so ihn begleiten. 74. Pestis mit einen schwartzen Kreutze: Vitae. 75. Incendium mit einer Fackel: Bonis. 76. Annonae Caritas mit einem ledigen Korbe: Corpori. 77. Bellum mit einen Schwerdte: Reipublicae. Wird auf diese vier Plagen gesehen, welche zu Anfang unsers Seculi und hernach dieser guten Stadt hefftig zugesetzet. Anno 1599, 1611 und 1632 Das Sterben; Anno 1589 und noch mehr 1608 Der grosse Brand; Anno 1616 nach dem dürren Jahre grosse Theurung, und letzlich der dreissig-Jährige Krieg, welcher diese Gegend ziemlich betroffen hat. 78.) Zwey Knaben in schwartz und gelber Liberey, einer führt: Nigrum pietati, der andre: Fla- 79.) vum opulentiae. 80.) 81) Q '{ Vier Personen mit gelben und schwartzen Fähngen, in eben solcher Liberey. 82.) 83.) 84. Ein Triumpfwagen mit dem Chur-Sächsischen Wappen wird von den vier Personen gezogen. 85. Pax: Sub gladiis quiesco. 86. Religio: Sub ruta viresco. 87. Constantia: Sub electore electa. 88. Director Chori mit seiner Compagnie von Instrumentisten und Vocalisten praesentirt die gesamte löbliche Bürgerschafft. 9 89. Fama, führt ein Zeichen an der Trompete mit dieser Überschrifft: In dies notior. Die Städte kommen anff sie wachsen und vergehen | Nachdem es Gott beliebt: Da wird ein wüstes Land | Durch einen schnellen Bau der klugen Welt bekandt: | Hingegen sieht man kaum die wüsten Pfeiler stehen | Da vormals Babel war. Ach Gott verhänge nicht Dergleichen über uns! So lange Sachsen blühet | Steh es um Zittau wol: der Rath-Stuhl sei bemühet | Den Bürgern guts zu tliun | biss Welt und Himmel bricht. Das Dritte Chor. STellet den gantzen Zustand des Menschlichen Lebens vor, wie solches in seinem Anfange, Fortgange und Ausgange beschaffen ist. 1. Die Zeit hat auff dem Häupte eine Sand-Uhr mit Flügeln, in der Hand ein Näppchen mit Seiffwasser, daraus sie Blasen macht, und führt des gelehrten Grotii Syinbolum: Ruit hora. 3 ) Cupido ) ( ^ esc Personen verstehen sich ohne Symbolum. 4. Eine Kinderfrau mit einem Wochen-Kinde: Salvete. 5) j,'. Zwey Knaben, einer schwartz führt im Schilde Ploro, der andere bund, und hat Rideo. 7. Ignorantia mit einer weissen Taffei: Nihil. 8. Spes mit einer Taffei und einem Pinsel: Ad omnia. 9. Ein Kind. 10. Imitatio trägt einen Affen, der in den Spiegel sieht: Repeto. 11. Stultitia mit einem Musikalischen Triangel: Ludo. 12. Ein Knabe. 13. Docilitas hat ein Buch: Corrigo. 14. Petulantia trägt ein Rad: Volvo. 15. Adolescens. 16. Vigor, führt einen Zweig: Cresco. 17. Levitas trägt einen Stab mit Flügeln: Dubito. 18. Juvenis. 19. Voluptas hat einen Zepter mit einem Fuchsschwantze: Mulceo. 20. Libido trägt eine Rauchpfanne: Consumo. 21. Ebrietas mit einem Fässgen: Suffoco. 22. Alea unter dem Habit eines Juden: Emungo. 23. Eruditio als ein Studente: Spero. 24. Fortitudo als ein Soldate: Audeo. 25. Hier geht das Chor von Instrumentisten und Vocalisten, anzuzeigen, dass in dieser Zeit des Lebens die Lust und also auch die Liebe zur Music auf das Höchste kommen sey. 26. Der Mann. 27. Ambitio mit Bogen und Pfeil: Adscendo. 28. Robur mit einer Keule: Supero. 29. Ein Alter Mann. 30. Prudentia mit zwey Gesichtern und einen Schlüssel: Judico. 31. Avaritia mit einem Kästgen: Despero. 32. Ein alter Greiss: Valete. 33. Oblivio, ein dürres Reiss: Perdo. 34. Timiditas, einen zerbrochen Zepter: Diffido. 35. Der Marckschreyer: Tento. 10 36. Sein lustiger Diener mit einem bewusten Glase: Misceo. 37. Der Todt mit der Sense: Absolvo. 38. Die Ewigkeit in grauen Haaren mit einer Kugel, darum ein güldener Reiff gezogen ist: Ad punctum. 39. Gaudium: Optime. 40. Dolor: Pessime. NB. Nachdem die Tugenden und andere Qualitäten in den meisten Sprachen mit weiblichen Nahmen vorge- stellet werden, so ist es kommen, dass man dieselben auch in öffentlichen Auffzügen als Weibspersonen abgebildet hat. Allein weil es gleichwol den Männern eine Schande ist, das ihr Geschlechte nicht solte capabel seyn, dergleichen Bildnüsse über sich zu nehmen: so ist vor gut befunden worden, bey gegenwärtigen Auffzuge, da man solche Leute auffführt, welche das Vaterland künfftiger Zeit mit klugen Männern versorgen sollen, alle Personen von dieser Gattung in also genannten Römischen Habit als Männer zu praesentiren. Das Vierdte Chor. BEstehet in einer Compagnie Berghauer, welche sich mit allerhand lustigen Bergliedern hören lassen. Und hierrauff folgen die Handwerksleute, darunter ein jeglicher sein Meisterstück durch ein gewisses Spiel an den Tag giebt. Zum Beschluss wird die Aria beygefüget, damit sich das Zittauische Chor sol hören lassen. I. Iii. Gott der Du vormalrls diesem Lande Lass deine Kirche täglich bauen, Viel Gütigkeit erwiesen hast, Und pflantze deinen Samen ein, Hilft' uns in einem jeden Stande Damit wir dort in vollen Schauen, Auch künfftig von der Sorgen-Last, Hier in dem Glauben selig seyn, Damit wir unter Unsren Sachsen, Auf dass wir unter Unsren Sachsen, In angenehmen Friede wachsen. Als rechte Gottes Kinder wachsen. II. ' IV. Lass die Regenten ferner blühen, Gieb unsrer Schule solch Gedeyen, Gieb Ihnen Krafft und Wohlergehn, Darunter keine Zucht verdirbt, Dass Sie sich nicht umsonst bemühen, Dass sich die Nachwelt möge freuen, In dem Sie auf der Wache stehn, Wenn sie die Frucht davon erwirbt, Und dass Sie unter Unsren Sachsen, Und dass wir unter Unsren Sachsen, Als Scgenvolle Väter wachsen. Als rechte Garten-Reiser wachsen. V. Ja welcher sich in diesen Mauern, Zur werthen Bürgerschafft bekennt, Denselben lass erspriesslich thauern Biss Ilm der Himmel selig nennt. So wird man unter Unsren Sachsen, In Friede, Trost und Freude wachsen. So ist das Gregoriusfest neben einer Einnahmequelle für die Lehrer von jetzt an nur ein Schauspiel für die Bewohner der Stadt, für die Schüler aber eine gewiss angenehme Abwechslung in dem Gang des regelmässigen Unterrichtes. 1680 wurden bei dem Umzüge „die Regiments-Veränderungen in Ober-Laussitz" dargestellt. Neben den gewöhnlichen Chören der Engel und Berghauer wurde im 2. Chor „die Succession der Herrn in Ober-Laussitz" abgebildet und zwar bestand dieser Chor aus 8 „Trouppen oder Sviten"; darauf folgte „das grün und weisse Friedenschor." Im zweiten Chor kamen allein 148 Personen vor. Im folgenden Jahre wurde die Feier des Gregoriusfestes wegen der Landestrauer um den 11 verstorbenen Kurfürsten Johann Georg II. erst am 18. September abgehalten. Da aber der Tag kurz war, so mussten nach Dörings Bericht die beiden aufziehenden Chore bis abends 9 Uhr bei Fackeln herumsingen. Auf die Landestrauer bezug nehmend stellte der Aufzug dar: „Gedächtnis und Hoffnung, das ist: ein dankbares Andenken der vergangenen Zeit, und so dann eine vergnügte Zuversicht wegen des Zukünftigen." 1682 war der Umzug am 21. und 22. April, weil am Abend des ersten Tages ein starker Hegen kam, am zweiten Tage begann der Umzug schon um 9 Uhr und dauerte bis Nachmittag. Dargestellt wurde: „Ein gewisses Ebenbild des eusserliclien und innerlichen Friedens, welcher in politischer Einigkeit mit anderen Menschen befestiget, so dann auch in kluger Bezähmung derer Aftecten in dem Gemüthe selbst befördert wird." Am Schluss seiner „Vorschrifft" zu diesem Aufzuge giebt Weise folgendes Gedicht: Wolan die Jugend wil in ihrer Reylie gehen, Derhalben werden Sie in höchster lluld erhitzet. Nachdem diess kurtze Blat die Glosse drüber macht. Und sind der Wissenschaft! auch bey den Kindern gut. Gott lasse nur die Stadt in Ihrem Glücke stehen, Allein die Gnade steht auf ungewissen Grunde, Dass auch des Volckes Heil auf diese Freude lacht. Wofern sich ein Client nicht selbst regieren kan. Die Engel gehen vor, weil sie die Aemter haben, Biss Tugend und Affect sich in verliebten Bunde Dass sie der Schulen Freund' und ihre Schützer seyn: Recht in einander sclileusst: so ist es wol gethan. Nächst diesen zeigen sich wol aufgeführte Knaben, So kan das frohe Yolck die freyen Lieder singen, Und nehmen bey der Schaar die ersten Stuften ein. Das uns den theuren Zeug zum schönen Gelde sucht: Die Knaben sind vorbey; So folgen die Studenten, So kan ein Handwercksmann die Freuden-Spiele bringen; Darzu das neue Volck stets neuen Samen giebt. So lobet sich die Lust durch doppelt-reiche Frucht. Doch eben dieser Fleiss erfordert hohe Renten, Gott kröne dessen Haupt, der unsre Gräntzen krönet; So körnt ein Fürsten-Chor, das solche Söhne liebt. Gott schütze dessen Stab, der unsre Wolfahrt schützt; Die wissen was die Kunst auch in dem Stande nützet, Damit in Zittau stets das frohe Lied erthönet: WasKlugheit und Verstand selbst bey dem Friedenthut: * Wol uns, weil Rath und Volck Göttin dem Schosse sitzt. 1683 wurde das Gregoriusfest am 27. April gefeiert, und beim Umzüge eine neue Fahne getragen, auf welcher sich ein goldener Anker mit einem roten Herzen befand. Der Aufzug führte vor: „Die gut- und wunderthätige Natur, das ist ein neu inventirter Auffzug von den vier Elementen." Da dabei auch einige Römische Götter mit erschienen, so glaubt Weise sich deshalb entschuldigen zu müssen: „Der geneigte Leser wolle sich die Heidnischen Götter Nahmen nicht irren lassen, indem selbige durch eine Christliche und zulässliche Prosopopoeia von allen Abgöttischen Unrath absolviret werden. Und dieses hat man sonsten erinnern sollen, weil dergleichen Nahmen in Christlichen Schrifften gar schlechten Zierrath geben." 1684 in der Woche nach Miseric. Dom. wurden beim Gregoriusfeste die vier Jahreszeiten dargestellt. Im nächsten Jahre, in der Woche nach Quasimodogeniti, wurde aufgeführt: „Die unterschiedene Lust, das ist: der vierfache Wechsel der menschlichen Vergnügung, darinnen der gantze Streit der Klugheit und Thorheit enthalten ist." Der Aufzug zerfiel in die 4 „Sviten" der Wollust, der Ehre, des Reichtums und der gelehrten Klugheit. 1686 wurde am 28. Februar das 100jährige Bestehen des Gymnasiums gefeiert, und so hat auch der Aufzug am Gregoriusfest in der Woche nach Quasimodogeniti Bezug auf diese Jubelfeier. Die Schüler stellten dar: „Den sechsfachen Wechsel des Zittauischen Schul-Standes". Weise schrieb zu diesem Aufzuge folgendes Programm: Nachdem unlängst von der Stifftung des hiesigen Gymnasii gleich hundert Jahr verflossen waren, und dazumahl das Jubel-Gedächtniiss bey ziemlicher Vergnügung lumte gehalten werden: so hat man auch dieses gesegnete Andencken an der gegenwärtigen Solennität nicht aus den Augen gesetzet: in Hoffnung, es werde gleichergestalt an Patronen, Gönnern und Liebhabern nicht ermangeln. Und da der Zustand des Schulwesens allhier sich gar füglich in sechs gewisse Periodos oder Abwechselungen eintheilen lässet, so werden auch in dem Auffzuge sechs unterschiedene Sviten ihr Absehen darauff gerichtet haben. 2* Den gantzen Troup führet ein Fähnrich in blauer und gelber Farbe: anzuzeigen, dass die Gedancken in der Schule tlieils auff den Himmel, da Gott wohnt, tlieils auff die Erde, da sich das Gold finden lasset-, gerichtet werden. Tempus praeteritum. Secularis Solennitas, mit vielen Nymphen und Engeln begleitet. Die I. Svite. Zielet auff die erste Erbauung und auff die Zeit vor der Reformation: da es mit der Schule ein schlechtes Ansehen gehabt. Ein Troup Mohren als ein Sinnbild der Unwissenheit. Zwey wilde Männer mit ihrem Gefolge Bauern bilden die Wildnüsse dieser Gegend ab. Zwey Miinche von vielen Handwercks-Leuten nebenst den Chor der Berghauer begleitet weisen den Anfang dieser Stadt, welcher sich durch Gelegenheit des hiehergebauten Klosters ereignet hat. Unterschiedene alte Schulmeister mit jhren possirlichen Untergebenen, die sich mit Möschen und Kobern wol staffieret haben, nebst zwey Collaboratoribus, davon einer den Hering, der andre die Bratwurst präsentiret. Denn dieses sind vor zwey hundert Jahren die Umgänge und die Comoedien gewesen. Die II. Svite. Bezeucht sich auf die Zeit der Reformation. Sanctitas gehen voran. Religio mit kleinen Engeln begleitet. Zwey Geistliche in langen Mänteln. Fortuna führet einen Creutz-Herrn an der Kette. Denn weil dieselben also ihr genanntes Creutz- Hauss kaufflich iiberliessen, kunte hernach das Gymnasium an die Stelle gebauet werden. Magistratus mit etlichen Bedienten. Spes wird an einer Ketten hinten nachgezogen, anzudeuten, dass ein Wol-Edler-Rath in der Hoffnung wegen der geliebten Jugend noch niemahls ist betrogen worden. Ein Keyserlicher Wappenträger mit viel Bedienten in Römischer Kleidung begleitet. Zielet auff die sonderbahre hohe Keyserliche Gnade, welche so wol unter Ferdinando 1. als hernach unter Maximiliano II. und Rudolpho II. der Religions Freyheit allerhand erfreuliche Progressen gegönnet hat. Die III. Svite. Begreifft die Zeit von Erbauung des Gymnasii 1586 den 10. Mart. Boiiiun iuitium gehet voran mit etlichen Schäfern begleitet. Ein Fähnrich, der das Sinn-Bild eines Hertzens in dem Ancker, das ist, einer geliebten Hoffnung auff' der Fahne führet. Ein gantzer Troup in weiss gekleidet. Denn als das Gymnasium gestifftet war, so nmste die Jugend das Erste Gregori-Fest gleich vor hundert Jahren also begehen, dass ein jedweder einen weissen Kittel oder ein Hemde trug. Wird derohalben der Anblick in die alte Zeit nicht unangenehm seyn. Die IV. Svite. Gehet auff den angehenden Ruhm des Gymnasii unter Herrn M. Melchiore Gerlachio. Vorher gehet das gantze Chor mit Violinen und anderen Instrumenten. Successus \ .. , ,, folgen zusammen. hama | ° Bohemia, Silesia, Lusatia mit jhren Wappenträgern. Denn aus diesen Provintzen hat das Gymnasium meistens zugenommen, ob es zwar an Leuten anders woher nicht gefehlet hat. Bibliotheca, Typographia. als zwey sonderbahre Bedienten dieses angefangenen Fleisses. Die V. Svitc. Stellet den elenden Stand des Deutschen Krieges vor, da sich die Schule gleichfalls in einer miserablen Beschaffenheit befunden hat. Calamitas in Gestalt eines Quacksalbers gehet voran. Mars mit vielen Tiirckischen und Persianischen Bedienten, als ein Sinn-Bild der Grausamkeit. Pestis, Farnes, Mors. Zwey Pliilosophi mit grossen hohen Laternen weisen auff den damahhgen Fleiss, welcher doch allezeit einen Blick der Beständigkeit und der Bessrung zuerkennen gab. Die VI. Svite. Erfreuet sich über den edlen Frieden, welcher nun fast viertzig Jahre in dieser Gegend nnd also auch in dem Gymnasio zu gesegneten Wolergehen der einheimischen und fremden Jugend geblühet hat. Felicitas gehet vorher. Pax, Flora, Opulentia. Campestris, Urbanus, Nobilis. Von dergleichen dreyen Gattungen bestehen meistens die Auditores. Ein Chur-Sächsischer Wappenträger durch unterschiedene Cavallier begleitet: worinne die von Gott hochgesegnete Regirung abgebildet wird, der man allerseits den friedlichen und angenehmen Fortgang, so wol in anderen Dingen, als auch in der Aufführung der geliebten Jugend danckbahr und demüthig nach zu rühmen hat. Das gesamte Chor von Studenten. Hinten nach gehet Tempus futurum, welches die Wünsche annimt. Aeternitas, welche den Wünschen Bestätigung giebet. So wird der Grund gelegt, dass wo nach hundert Jahren Wolan der Auffzug kommt mit angenehmen Söhnen, Die Welt und Zittau steht, man eben dies erfahren, Die sollen dermahleins den Trost des Landes krönen, Und fröhlich rühmen lcan, was unser Jubel-Fest Durch sie soll Regiment und Kirche glücklich seyn: In schöner Danckbarkeit und Hoffnung blicken last. Drum flösset Ihnen bald, Wunsch, Huld und Segen ein. Gott hat die Jugend lieh, und welche sich erfreuen, Was Ihr anitzo seyd, das werden sie erweisen; Wenn bey der guten Zucht, die Wercke wol gedeyen, Und werden solche Gunst im Grabe selig preisen. Die sind der Liebe wehrt, und tragen jhren Lohn Lebt wie der Höchste wil, und sehs die Jugend an, Auff Kind und Kindes-Kind wol hundertfach davon. Auff dass Sie mit der Zeit auff' andre sehen kan. Ob 1687 das Gregoriusfest in üblicher Weise gefeiert worden ist, wissen wir nicht, da aus jenem Jahre weder ein Programm erhalten ist, noch der Chronist Döring etwas über das Fest erwähnt. Im nächsten Jahre dauerte der Umzug in der Woche nach Quasimodog. zwei Tage, weil „er an einem Tage nicht durch die Stadt kommen konnte" (Döring). Dargestellt wurde: „Die natürliche Wirkung oder die hieroglyphische Deutung derer sieben Planeten." 1689 lag dem Aufzug kein bestimmter Plan zu Grunde, sondern es wurde: „Alles durch einander" aufgeführt und AVeise liess dazu ein längeres Gedicht als Programm drucken. 1690 liess nach Dörings Bericht AVeise kein Programm drucken aus gewissen Ursachen. In der Prozession, die gar leicht angestellt war, führte Apollo die Studenten, Mars das erste Chor, A r enus das Schäferchor, Saturn die Berghauer. Ein Schmaus wurde diesmal nicht gehalten, sondern die 6 Thaler verteilt. Leider wissen wir die „gewissen Ursachen" nicht, durch welche der Rektor AVeise bewogen wurde, den Druck des Programms zu unterlassen und den Aufzug „gar leicht anzustellen." AVohl aber können wir vermuten, dass die Zahl der Gegner des Gregoriusfestes sich ver- grösserte, und dass bei dem Umzüge so manches vorkam, was tadelnswert war. Gegen das Fest selbst wurde zunächst geltend gemacht, dass der Ursprung desselben aus der katholischen Kirche herrühre und dass die Lutheraner .keinen Grund hätten, derartige Einrichtungen beizubehalten. Dann aber war es bei dem Umzug Sitte geworden, die Schüler mit Bier und Wein zu erquicken, und 14 dabei wurde das richtige Mass oft überschritten, sodass von den Schülern mancher Unfug verübt wurde.*) Auch in den nächsten Jahren bis 1699 scheint Weise zu dem Gregoriusfest kein Programm geschrieben zu haben, wenigstens findet sicli in den sonst so reichhaltigen Sammelbänden von Weises Drucksachen auf unserer Bibliothek aus jener Zeit kein Programm. Wir sind für diesen Zeitraum nur auf den Chronisten Döring angewiesen, aus dessen Nachrichten sich allerdings ergiebt, dass die Feier eine viel einfachere wurde. 1691 wurde das Gregoriusfest am 24. April gefeiert, 1692 am 3. Juni, aber wegen der Trauer um den Tod des Kurfürsten Johann Georg III. nur in einfacher AVeise. „Die Prozession führte ein Trupp Mohren als Zeichen der Traurigkeit, dann ein Trupp Römer und Schäfer als ein Zeichen der Fröhlichkeit. Es waren vier Chöre: chorus acade- micus, das grüne, das blaue und das Berghauerchor." 1693 wurde das Fest am 14. April gefeiert. „Es blieb wieder bei dem akademischen, roten, grünen und Berghauerchor. Der vornehmste Aufzug bestand in altvaterischer Tracht. 1694 war der Umzug am 20. April „des Rectors Domestici**) präsentirten eine Bauernhochzeit zu Pferd und Wagen." Über die Feier des Gregoriusfestes in den nächsten Jahren wissen wir gar nichts, aber es lässt sich nicht annehmen, dass die Feier ganz weggefallen sei, ausser 1695, wo noch Landestrauer war wegen des Todes des Kurfürsten Johann Georg IV. 1699 wurde das Fest in der AVoche nach Quasimodogeniti gefeiert. Die zu dem Umgange gedruckte Vorschrift ist erhalten, aber in ihr findet sich keine Bemerkung über irgend welche Änderung der Festfeier. Dargestellt wurde „der Abschied von dem verflossenen Seculo, so dann auch die vergnügte Hoffnung zu dem künfftig angehenden Seculo". AVohl aber lässt sich aus der Vorschrift erkennen, dass AVeise den Aufzug jetzt viel einfacher gestaltet hat, vielleicht um die Höhe der Kosten herabzusetzen. Allerdings waren bei einem einfacheren Umgang auch die Bürger weniger freigebig, wenn die Schüler bei ihnen mit der Sammelbüchse erschienen.***) Auch in den nun folgenden Jahren bemüht sich AA'eise, das frühere Schaugepränge bei dem Aufzug zu vermindern. Das nächste Programm zu der Feier des Gregoriusfestes, welches uns erhalten ist, stammt aus dem Jahre 1704. Darin sagt AA'eise ausdrücklich, dass das gewöhnliche Gregoriusfest wiederum in diesem Jahre in der Woche nach Miseric. Dom. „etwas modest und Zeitmässig aufgeführt werden sol." Und weiter erklärt er, dass der Gregoriusaufzug sich gleichsam in ein Recht verwandelt habe und auch trotz des Krieges und anderer Landplagen von den Vorfahren abgehalten worden sei. Deshalb solle er auch diesmal nicht unterlassen werden, jedoch werde man bemüht sein: „damit nichts üppiges unterlauffen möchte, darüber sich tugendhaffte Gemüther verwundern oder beklagen könnten." Und am Schlüsse des Programms vor dem geistlichen Liede sagt Weise: „Mit unsren AVillen sol den gütigen Zuschauern kein Missfallen erwecket werden. AVas im menschlichen Leben vorgehet, das sol sich in allerhand Vorstellungen, oder dass ich recht sage, gleich als in klugen Sinnbildern zu erkennen geben. Ja weil der Friede sich unter den Haupt-Personen vornehmlich befinden wird, so mag auch der Innhalt des gantzen Vorhabens in diesem neuen Liede, Gott gebe zu guter Bestätigung, hin und wieder besungen werden." 1705 erscheint die gedruckte Einladung zum Gregoriusfest in Quartformat, während die früheren „Vorschriften" in gross Folio gedruckt waren. Jene Einladung, aus 4 Seiten bestehend, führt die Überschrift: „Der allgemeine Märterer des menschlichen Geschlechtes wird dem liebwehrtesten Frauen - Zimmer in einer mitleidenden Danckbarkeit besungen am Gregori-Feste 1705." Und nun folgt ein aus 23 Versen bestehendes Gedicht, welches die Lebensgeschichte jenes „Märterers" besingt, ohne ihn zu nennen, also ein Rätsel, dessen leichte Lösung der Flachs ist. 1706 wird in ähnlicher AVeise „der beste Freund des *) Knotlie a. a. 0. Abschnitt IV. *'0 Domestici sind die im Hause dos Rektors wohnenden Schüler, deren Zahl nicht unbedeutend war; AVeises Nachfolger Gottfried Hoffmann hatte 1712 25 Schüler in seinem Hause. ***) Knothe a. a. 0. Abschnitt IV, 15 menschlichen Geschlechtes allen Liebhabern zum Nachsinnen" besungen; jener Freund ist das Korn und das Brot. Bei diesem Umzüge kamen übrigens ärgerliche Ausschreitungen der Schüler vor, denn der Chronist berichtet, dass viele Schreiber (Schüler) in das Stockhaus gesetzt wurden, weil sie am Gregoriusfest grosse Üppigkeit begangen hatten.*) Für das nächste Jahr besang Weise in derselben Art „den bekanndtesten Compagnon des menschlichen Geschlechtes", nämlich den Tabak. 1708 wurde wiederum ein Rätsel gedruckt: „Das liebste, das schlimmste, das nöthigste, das schwerste Ding des menschlichen Lebens vorgestellet am Gregori-Fest 1708." Jedoch enthält diesmal der letzte Vers des Gedichtes die Lösung des Rätsels: „es ist das liebe Geld." Dies war das letzte Gregoriusfest, welches Christian Weise erlebte. Da er das Abnehmen seiner Kräfte fühlte, hat er den Rat der Stadt um seine Entlassung und schlug den Rektor des Laubaner Gymnasiums Gottfried Hoffmann als seinen Nachfolger vor. Der Rat nahm diesen Vorschlag an, aber ehe noch Gottfried Hoffmann nach Zittau kam, starb Christian Weise am 21. October 1708. Gottfried Hoffmann war ein Schüler Christian Weises und hielt an den pädagogischen Grundsätzen seines Lehrers fest. So änderte er auch bei seinem Amtsantritt an den althergebrachten Umzügen am Gregoriusfeste nichts Wesentliches. 1709 wurde in der Woche nach Quasimodogeniti das Gregoriusfest durch einen Aufzug gefeiert, und Hoffmann liess eine Beschreibung desselben in Folio drucken; dargestellt wurde: „officina verae felicitatis, das ist: die erste Werkstatt wahrer Glückseligkeit oder der Nutzen und Gebrauch christlicher und woleingerichteter Schulen." Jener Beschreibung des Festzuges schickte Hoffmann eine Ansprache an seine Schüler voraus: An clie in Zittau Stuclirende Jugend. Meine Lieben. Ihr sollet in allen Dingen eure Erbauung suchen; Darum muss auch bey iedweder Lust auf den Nutzen gesehen werden. Nun aber wird der gewöhnliche Gregorius-Umgang vor eine anständige Recreation gehalten; also werdet ihr euch auch durch solches Lust-Spiel in etwas erbauen sollen. Darum irren diejenigen, welche meinen, es werde ihnen durch dieses Fest bloss eine. Freyheit zu Ausübung einer wollüstigen Gemüths-Neigung ertheilet. Und aus dieser falschen Meinung sind auch wol die meisten Excesse entstanden, die bey dergleichen Aufzuge bisweilen vorgegangen sind. Ja ich kan wol sagen, wenn mancher Mensch seine Passionem praedominantem in andern Fällen ziemlich verbergen kan, so giebet er sie doch bey dem Gregorius-Umgange gar deutlich zuerkennen. Es geschiehet oft auch schon darin, wenn man ihm freystellet, aus vielen Personen eine sich zuerwehlen. Denn da ergreiffet er gemeiniglich eine Partie, zu der ihn am meisten seine Gemüths-Neigung treibt. Wiewol ich solte dieses Arcanum nicht entdecken, weil es uns Praeceptoribus zu einem Probier-Stein der Affecten dienet. Doch wieder auf den Nutzen zukommen, den man aus einer anständigen Ergetzlichkeit ziehen sol, so pfleget man in den gewöhnlichen Gregorius-Aufzügen mehrentheils solche Dinge zu praesentiren, in welchen mehr als eine Morale zufinden ist. Ich habe desswegen dass erstemahl eine Invention ergriffen, die eigentlich, so zu reden, in unsern Forum Scholasticum gehört. Wir wollen den herrlichen Nutzen und rechten Gebrauch Christlicher und woleingerichteter Schulen in etlichen Bildern vorstellen, und hiermit einem jeden Gelegenheit geben, bey sich nachzudencken, warum er in der studirenden Gesellschaft zur Zeit sich finden lasse. Wir nennen im Titel eine Schule die erste Werckstatt der wahren Glückseligkeit, weil in derselben der erste Grund zur nöthigen Gemiiths-Ausbesserung, woraus das wahre Glücke entstehet, von rechtswegen sol geleget werden. Eines beklage ich: Es präsentiren sich zwar die Personen auf diesem Bogen mit ihren richtigen Namen und in gehöriger Beschreibung, sie werden aber nicht alle auf der Gasse so aussehen, weil den meisten die Kleidung *) Pescheck, Gesch. von Zittau I, 509. 16 und andere Dinge, wie auch Zeit und Geld zur Verfertigung derselben gefehlet hat. Doch hoffe ich, es werde ein geneigter Zuschauer an statt des glitten Willen mit diesem Programmate vor lieb nehmen. Hättet euch nur, meine Lieben, dass ihr keine Excesse machet, so werden die Defecte schon entschuldiget werden. So mag demnach die Eintheilung des gantzen Aufzuges nach den gewöhnlichen vier Chören geschehen. Der Aufzug bestand aus vier Abteilungen mit einer Vortruppe; die vierte Abteilung wurde wie üblich von den Berghauern gebildet, welche sich „mit allerhand anmuthigen, doch aber rno- clesten und anständigen Berg-Liedern" hören lassen werden. In dem kurzen Nachwort weist Hoff- mann auf sein Zittauisches Die cur hic und hoc age hin, dessen baldiges Erscheinen er ankündigt.*) 1710 wurde das Gregoriusfest in der Woche nach Quasimodogeniti gefeiert, und Hoffmann liess wieder eine Beschreibung des Festzuges drucken. Zur Aufführung kam: „Der Sanctus Praetextus, das ist der allgemeine Deck-Mantel der Laster, oder die scheinheilige Falschheit derer menschlichen Tugenden." In der Vorrede stellt Hoffmann in Aussicht, den Sanctus Praetextus „künftig in einem Actu Dramatico besser aufzuführen." 1711 wurde in der Woche nach Quasimodogen. „zu Fortsetzung des gewöhnlichen Gregori- Festes" aufgeführt „der falsche und unzulängliche, wie auch der wahre und bewehrte Trost und Rath in böser und gefährlicher Zeit." In dem Vorwort erwähnt Hoffmann, dass man eigentlich in dieser Zeit nicht an lustige Aufzüge denken könne, aber „da die Gewohnheit mit dem also genanten Gregoriüs-Feste unseres Ortes gleichwol nicht aufgehoben werden darf", so habe er einen Gegenstand zur Aufführung gewählt, welcher „zu keiner Üppigkeit Gelegenheit" gebe, wohl aber „in Tugendhaften Gemüthern glitte und erbauliche Gedanken nach sich ziehen könne." Der Aufzug bestand wie gewöhnlich aus vier Chören. Im nächsten Jahre, 1712, führte die Einladungsschrift zu dem Gregoriusfest folgende Überschrift: „Wolgemeinter Vorschlag, wie unter den vier gewöhnlichen Chören die vier menschlichen Alter mit ihren Neigungen, Pflichten, Tugenden, Lastern, Verrichtungen, Zufällen und anderen Eigenschafften könten abgebildet und auigeführet werden." In der Vorrede zu der Beschreibung des Aufzuges erklärt nun Hoffmann, dass er bei dem Gedanken bleibe, dass die liebe Jugend von dem gewöhnlichen Gregorius-Umgange wenig Nutzen habe. „Denn ob sie gleich eine anständige Lust und Ilecreation darin suchen und linden sol, so wird dieselbe doch von vielen durch den muthwilligen Missbrauch der Freylieit sehr verderbet, wodurch dieser Schul-Actus bey vielen Gemüthern wil verachtet und verhasst werden." Und weiter teilt Hoffmanu die Gründe mit, aus welchen man bisher diesen Umgang noch nicht abgeschafft habe, weil nämlich sonst die Einnahmen der Lehrer geringer würden. Damals war der Gehalt der Lehrer keineswegs fest bestimmt, und jene Kollekte, welche Hei dem Aufzuge am Gregoriusfest von Haus zu Haus vorgenommen wurde, bildete einen Teil des Einkommens der Lehrer. Fünfundzwanzig Jahre später wurde der Reinertrag jener Sammlung nach Abzug der Kosten auf 100 Thaler geschätzt. Da Hoffmanu nun das Schädliche jenes Umzuges wohl einsieht, so macht er folgenden Vorschlag: „Wenn man aber bloss mit den 4 Chören die gewöhnliche Collecte suchen dürffte anstatt des weitläufigen Umganges mit den verkleideten Personen oder 1 oder 2 Dramata oder Actus auf dem Schul-Theatro halten möchte, so würde der Nutzen weit grösser seyn, obgleich dadurch dem Rectori mehr Arbeit zuwüchse.**) Vors erste könte man die Spectatores und Zuhörer allemahl durch eine nützliche Materie divertiren und erbauen; vors andere hätte man Gelegenheit, die Jugend und sonderlich auch zarte Kinder zu einer Getrostigkeit im Reden und anderen anständigen Übungen anzuführen. Allein ich zweifele, dass dieser Vorschlag von allen dürffte angenommen werden." Dann teilt Hoffmann den Plan des *) Diese Schrift Hoffmanns behandelt Dr. A. Gelbke im Programm des Zitt. Gymnasiums 1881. **) Schon in Laubau hatte Hoffmann die Umzüge durch dramatische Aufführungen ersetzt. 17 Aufzuges mit, ohne aber eine richtige Darstellung seiner Invention zu verbürgen, denn „ich kann aber niemanden nöthigeu, dass er Geld auf Kleider und andere Sachen wende; darum wil ich bloss die Invention auf dem Pappier entwerfen, die Praesentation aber der Liberalität und dem Vermögen der Jugend und ihren lieben Eltern überlassen, zumahl da ich diesesmahl den Actum nicht selbst dirigiren kam Wird gleich das wenigste recht präsentiret werden, so wird doch die Intention aus dem Programmate zu ersehen seyn." Gottfried Hoffmann war durch Krankheit verhindert, den Umgang beim Gregoriusfest selbst zu leiten. Von dieser Krankheit sollte er nicht wieder genesen, er starb am 1. October 1712. Zu seinem Nachfolger wurde Johann Christoph Wentzel gewählt, welcher vorher Rektor des Gymnasiums in Altenburg gewesen war. Am Montag nach Palmarum 1713 wurde Wentzel in sein neues Amt eingeführt. Von ihm sagt Kämmel*) „er war ein Mann voll Phantasie und Geist, würdig in seiner Erscheinung, ernst in seinem ganzen Walten, als Dichter weiten Kreisen werth." Unter Wentzels Direktorat**) wurde die hergebrachte Feier des Gregoriusfestes beibehalten, aber der Name Gregoriusfest wurde beseitigt und dafür hiess es: Schulfest. Das erste Programm ist uns vom Jahre 1715 erhalten; bei dem damaligen Umzüge, welcher am 30. April stattfand, sollten dargestellt werden: „Die zwei grosse Krämerinnen auf der allgemeinen Welt-Messe Sophia und Moria." Die Beschreibung des Aufzuges ist abgekürzt, die gewöhnlichen vier Chöre sind nicht beibehalten. Dagegen hat Wentzel jenes Programm benutzt, um sich gegen den Vorwurf „einer mehr als orbilianischen Schärfte, bey welcher nichts als die Moscowitische Knut-Peitsche zu fehlen schiene" ausführlicher zu verteidigen. Vom Jähre 1716 ist kein Programm erhalten. 1717 wurde das jährliche Sclmlfest am 6. April gefeiert, der Aufzug sollte „ein geringes Sieges- und Ehren- Mahl" dem König Friedrich August darstellen. 1718 am 26. April wurden die „Sechs-Städte der Oberlausitz" in aller Einfachheit vorgeführt. 1719 wurde das Schulfest am 25. April gefeiert und im Aufzuge: „die drey ungleich gesinnte Tadler aus Griechenland, Heraclitus, Democritus und Diogenes Cynicus" dargestellt. Vom Jahre 1720 ist kein Programm erhalten. 1721 wurde am 22. April das „jährliche Danck- und Freuden-Fest unsers Gymnasii" gefeiert. „Der Innhalt des der- mahligen Actus Gregoriani" aber war die Bekehrung des grossen Wittekind zum christlichen Glauben. In der Beschreibung des Aufzuges finden wir ausser dem ursprünglichen Namen des Festes auch das „so genannte Berg-Hauer Chor" wieder. 1722 wurde in dem Aufzuge am 14. April das Vereinigungswerk beider protestantischen Religionen dargestellt, denn im Jahre vorher war das Jubiläum der Zittauischen Reformation gefeiert worden. Am 2. März 1723 starb Wentzel. Zu seinem Nachfolger berief der Rat der Stadt Zittau Gottfried Polycarp Müller, welcher der Leipziger Universität als professor extraordinarius eloqnentiae et poeseos angehörte. Müller hatte selbst nie ein Gymnasium besucht und auch bisher nie an einem solchen als Lehrer- gewirkt; so kam es, dass ihm sein neues Amt viel Schwierigkeiten bereitete. Auch seine Studien waren gerade den klassischen Sprachen abgeneigt gewesen; er hatte sich am meisten mit Philosophie und mit neueren Sprachen beschäftigt. Dennoch bemühte er sich, den vielseitigen Anforderungen, welche das Direktoriat an ihn stellte, nach besten Kräften gerecht zu werden. Und wie er sich bemühte, das Zittauer Gymnasium zu einer Erziehungsanstalt für Söhne der vornehmeren Familien zu machen, so erblickte er auch in den dramatischen Aufführungen, in den öffentlichen Disputationen und selbst in den Aufzügen am Gregoriusfeste Mittel, seine Schüler an das öffentliche Leben zu gewöhnen und ihnen Selbstbewusstsein und Selbständigkeit zu verschaffen. Dass es jedoch unwürdig sei, aus jenen Aufzügen eine Einnahmequelle für die Lehrer zu schaffen, empfand er wohl und gab auch dieser Empfindung erfolgreichen Ausdruck. Das erste Gregoriusfest unter Müllers Direktorat fand in der *) Kümmel, Rückblicke u. s. w. S. 83. *'j Er selbst nennt sich Gymn. Director. 18 Woche nach Quasimodog. 1724 statt. Nach hergebrachter Sitte liess Müller eine Erläuterung des Aufzuges drucken, welcher am „so genandten Gregoriusfest" aufgeführt werden sollte. Als „Inven- tion" hatte Müller gewählt: „Die falsche politische Karte." So erschienen denn in jenem Umzug die 32 Blätter der Deutschen Spielkarte, und zwar sollten unter den vier Farben die vier „politischen Haupt-Laster" dargestellt werden. Für jedes Kartenblatt ist eine oft seltsame „Devise" beigeschrieben. 1725 fand das Gregoriusfest wieder in der Woche nach Quasimodogeniti statt; der Aufzug stellte dar: „Die politische Scliützen-Compagnie" und war gebildet zunächst aus einem „Vor-Troup", dann folgten die Martis-, die Dianae-, die Apollinis- und die Venus-Bande, am Schluss ein Reiter. In diesem Zuge kamen übrigens 13 Personen zu Pferde und 3 Wagen vor. 1726 wurde in dem Aufzuge, welcher bis 1730 in der Woche nach Quasimodogeniti abgehalten wurde, die Vergleichung der alten und neuen Welt vorgeführt; auch hierbei wirkten Reiter und Wagen mit. Im nächsten Jahre hatte Müller als Gegenstand des Umzuges „die masquirte Iloff-Stadt der Natur" gewählt und zwar begründet er diese Wahl damit, weil auf dem Zittauer Gymnasium neben den Studien der Sprachen auch „die wahre, vernünfftige und Christliche Erkenntniss der allgemeinen und menschlichen Natur" gelehrt werde. 1728 wurde „das öffentliche Concordien-Fest des ruhigen Europae" in dem Umzüge dargestellt. 1729 bildete „Zeit und Vergnüglichkeit" den Gegenstand des Aufzuges, an welchem sich aber nur wenig Schüler beteiligten. Ebenso einfach war der Festzug des Jahres 1730, in welchem das vierfache Alter des Menschen vorgeführt wurde. 1731 fand die Feier des Gregoriusfestes in der Woche nach Jubilate statt und zwar wurde „die spielende Jugend" vorgeführt. 1732 wurde in der Woche nach Quasimodogen. „Deutschlands Ehre und Macht" von „einigen in dem Zittauischen Gymnasio Studirenden vorgestellet." Das letzte Gregorius- Programm ist von 1733: „Vorsicht und Klugheit über die Reiche der Welt wird zur angenehmen und nachdencklichen Betrachtung bei öffentlicher Celebrirung des vor vielen Jahren gewöhnlichen Gregorius-Festes anno 1733 die Woche nach Jubilate dem gütigen und ruhigen Zittau von dem Gymnasio daselbst in bescheidener Weise vorgestellet und überlieffert durch Gottfried Polycarpus Müllern, Gymn. Zitt. Dir." Der Umzug bestand diesmal nur aus zwei „devoten Chören," welche der Landestrauer wegen ohne jeglichen Aufputz, zwei von Müller gedichtete geistliche Lieder singend, durch die Strassen der Stadt zogen. Dies war die letzte Feier des althergebrachten Gregorius-Festes am Zittauer Gymnasium. Die Abneigung gegen dieses Fest war allgemeiner geworden und die Lehrer fühlten sich besonders durch jene Geldsammlung bei dem Aufzug gedemütigt. So kam denn das Lehrerkollegium bei dem Rate der Stadt, als dem Patron der Schule, darum ein, von der Regierung in Bautzen die Beseitigung jenes Festes zu verlangen. Aber erst am 28. März 1737 kam der Rat dieser Bitte nach und ersuchte die Regierung: „das sogenannte Gregoriusfest, mithin auch den dabei gewöhnlichen Umgang und Kollekte gänzlich einstellen, hingegen denen Sclml- kollegen aus dem aerario der piarum causarum Ein Hundert Thaler alljährlich zur Verteilung auszahlen zu dürfen." Jener Antrag des Rates wurde durch ein königliches Reskript vom 4. September 1737 bewilligt.*) So sehen wir, dass das Gregoriusfest an der Zittauer „Stadtschule" vor der Reformation durch einen Umgang der Lehrer und Schüler gefeiert wurde, gleichwie der Martinstag und das Weihnachtsfest. Der Umzug am Weihnachtsfeste wurde schon im Jahre 1574 gegen eine sehr mässige Entschädigung aufgehoben.**) Die Schüler sangen bei diesem Umgange Gregoriuslieder und sammelten von Haus zu Haus mit einer Büchse Geld oder auch wohl Lebensmittel. Die Lehrer verteilten unter sich das Geld und vielleicht auch die Lebensmittel. Dann aber gaben sie den Schülern eine Mahlzeit. Bei diesem Umgange wurden aber auch die neuen Schüler von den älteren *) Knothe a. a. 0. Abschnitt IV. Pescheck a. a. 0. I, 5G9. **) Kämme!, die Schule in Zittau unter den Einwirkungen der Reformation, 1868. S. 19. 19 Schülern aus ihren Häusern abgeholt und in feierlichem Zuge auf den Schultern in die Schule getragen. Später Hessen vornehmere Leute ihre Kinder in die Schule einreiten. Bald nach der Einführung der Reformation in Zittau wurde die Stadtschule in ein Gymnasium verwandelt; trotzdem blieb am Gregoriusfest (12. März) der übliche Umgang der Lehrer und Schüler, ebenso auch das Einreiten der neuen Schüler. Jetzt wurde es Sitte, dass die Schüler bei jenem Aufzug sich verkleideten, ohne aber einen bestimmten Gedanken dabei zu verfolgen. Von 1639 an wurde dieser Umgang nicht mehr am Gregoriustage, sondern an einem schönen Frühlingstage, und zwar gewöhnlich nach dem Osterfeste, abgehalten. Unter Weises Rektorat entfaltete sich bei den Gregoriusumzügen die grösste Pracht; die Verkleidungen der Schüler wurden nach einem bestimmten Plane angeordnet und der gesamte Aufzug bezweckte, einen bestimmten Gegenstand oder Gedanken darzustellen. Aber doch fing Weise selbst schon an, die Umgänge zu vereinfachen, da sich viele Stimmen gegen die Berechtigung einer Feier des Gregoriusfestes erhoben und ausserdem von Seiten der Schüler manche Ungehörigkeiten vorgekommen waren. Weises Nachfolger im Rektorat, Gottfried Hoffmann, hätte am liebsten den Umzug ganz abgeschafft und wäre gern bereit gewesen, dafür dramatische Aufführungen anzustellen, wenn der Rat der Stadt, als Patron der Schule, die Lehrer für die wegfallende Einnahme bei dem Gregoriusumgang durch eine fest bestimmte Geldsumme entschädigt haben würde. Hoffmauns Nachfolger Wentzel behielt die übliche Feier bei, änderte aber den Namen Gregoriusfest in Schulfest. Unter Müllers Rektorat wurden bei dem Umzug die Aufführungen wohl nur von den wohlhabenderen Schülern übernommen, bis dann endlich 1737 auf Antrag der Lehrer das Gregoriusfest gänzlich abgeschafft wurde. Am Bautzner Gymnasium Hatte sich dagegen das Gregoriusfest, allerdings in sehr vereinfachter Gestalt, bis in dieses Jahrhundert, bis 1839, erhalten.*) *) Knothe a. a. 0. Abschnitt IV. 3 * 19 Schülern aus ihren Häuser getragen. Später Hessen vorn Einführung der Reformation trotzdem blieb am Gregori ebenso auch das Einreiten der Aufzug sich verkleideten, ohn an wurde dieser Umgang nicht und zwar gewöhnlich nach den den Gregoriusumzügen die grö stimmten Plane angeordnet un Gedanken darzustellen. Aber sich viele Stimmen gegen die von Seiten der Schüler manch torat, Gottfried Hoffmann, hä gewesen, dafür dramatische Schule, die Lehrer für die v stimmte Geldsumme entschädi, Feier bei, änderte aber den N dem Umzug die endlich Gymnasium hatte sich dage 6 dieses Jahrhundert, bis 1839, Aufführungen 1737 auf Antrag der *) Knothe a. a. 0. Absei den Schultern in die Schule ule einreiten. Bald nach der ein Gymnasium verwandelt; g der Lehrer und Schüler, , dass die Schüler bei jenem abei zu verfolgen. Von 1639 einem schönen Frühlingstage, ?s Rektorat entfaltete sich bei shüler wurden nach einem be- l bestimmten Gegenstand oder Umgänge zu vereinfachen, da festes erhoben und ausserdem . 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