Über die Yita S. Willelmi von J. Zimmermann. (Beilage zum Jahresbericht des Gr. Realgymnasiums zu Mannheim für (las Schuljahr 1888/89.) $ / 7 1 QI a-cm , ■■■ 2 2; MANNHEIM. Druck von Wilhelm Beutel. 1889. 1. Es ist eine bekannte Thatsache, dass die Zeiten, in denen grosse Herrscher zu wirken berufen waren, andere ausgezeichnete Männer hervorbrachten. Diese hatten die Bestimmung, entweder die Pläne jener verwirklichen zu helfen, oder durch hervorragende Leistungen in der Wissenschaft, Kunst oder auf einem anderen Gebiete des menschlichen Lebens ihr Zeitalter zu einem glänzenden zu gestalten. Auch zur Zeit Karls des Grossen lebten solche bedeutende Männer; keiner aber von ihnen ist vom Schicksal so begünstigt worden, neben der alle überragenden Gestalt des grossen Fürsten zu einem solchen Ansehen in weltlicher und geistlicher Beziehung zu gelangen, wie Wilhelm von Aquitanien, dessen Lebenslauf die Vita S. W i 11 e 1 m i in mehr oder weniger ausführlichen Zügen uns darstellt. Doch beschränken sich die Überlieferungen über ihn nicht auf die Vita allein; es giebt auch noch andere Quellen, die uns über sein Leben, bezw. über einzelne Ereignisse und Beziehungen in demselben Aufschluss verschaffen. Sie sind allerdings nicht zahlreich und heben oft nur in wenigen Zeilen eine Begebenheit aus seinem Leben hervor, müssen aber um so mehr berücksichtigt werden, als die Vita selbst manches im dunkeln lässt, also ergänzt werden muss. Wilhelm ist unter der Regierung Pippins des Kleinen geboren. Das Jahr seiner Geburt lässt sich nicht genauer bestimmen. Er stammte von einem hochadeligen, fränkischen Geschlechte. Sein Vater hiess Theoderich, seine Mutter Aldana: Pippini Regis tempore natus est Willelmus .. ex patre videlicet.. Theoderico nomine, cuius mater.. Aldana: ambo quidem de summis Franciae Principibus, 1 ). Was diese hohe Abstammung betrifft, so soll sie auf das Geschlecht der Karolinger zurückgehen. Ein altes Martyrologium des Klosters Gellone sagt von Wilhelm: Pater eius fuit Theodericus, ' mater Aldana, soror Hiltrudis et Landradae 2 ), wozu Mabillon 3 ) bemerkt: uasq Caroli Martelli filias fuisse constat. Henkel 4 ) schreibt: »letztere (nämlich Landrada) ist aber als Karl Martells Tochter bekannt.« Er verweist auf Pauli Gesta Edisc. Mettensium 5 }, wo zwar Karl Martell als Vater der Landrada nicht genannt, aber zu vermuten ist: Chrodegangus antis- tes eligitur ex pago Hasbaniensi oriundus, patre Sigramno, matre Landrada, Francorum ex genere primae nobilitates progenitus. Hic in palatio maioris Caroli ab ipso enutritus.. ponti- ficale decus promeruit. Weitere Anhaltspunkte bieten: Annales Mett. 6 ) a. 743: Hiltrudem filiam Karoli; Enh. Fuld. Annal. 7 ) a. 749: Pippinus.. Tassilonem, nepotem suum natum ex Hiltrude sorore sua; Ann. Lauriss. min 8 ) a. 750: Hiltrudem sororem Pippini; Gesta Trever. 9 ) C. 27: Pippini regis ex sorore nepotem Chrodegangum; Vita Chrodeg. ep. Mett. 10 ) 6, 7 : Hic avus sancti Chrodegangi, hic Landradam matrem eius et avunculum Pippinum genuit; u. a. St. 11 ). Dieselbe hohe Abstammimg deuten Einhardi Annales 12 ) a. 782 an: Theodericus comes, propinquus regis; denn dieser Theoderich wird mit dem oben genannten identificiert 13 ); und 1) Mabillon, Acta Sanotorum Ordinis S. Benedicti, ed. Yenet. 1735, Tom. V. S. 70, Vita S. Willelmi, Cap. 3. 2) Mab., A. S. O. S. Bened. T. V. S. 68, Anm. 2. — 3) Mab. ib. S. 68, Anm. 3. — 4) Henkel, Über den histor. "Wert der Gedichte des Brmoldus Nigellus, Progr. der Höh. Bürgerschule zu Eilenburg 1876, S. 11. — 5J Monnmenta Germaniae, Scriptorum Tom. II. S. 267. — 6) Mon. Germ. S. 8. I. S. 327. — 7) Mon. Germ. S. 8 I. S. 346. — 8) Mon. Germ. S. 8. I. S. 116. — 9) Mon. Germ. S. S. VIII. S. 165. - 10) Mon. Germ. S. S X. S. 556. — 11) Abel (Simson), Jahrb. des fränk. Reiches, II. B. 8. 13. Anm. 2. — 12) Mon. Germ. S. S. I. S. 163, — 13) Volk (Ludwig, Clarus), Herzog "Wilhelm von Aquitanien, ein Grosser der "Welt, ein Heiliger der Kirche, ein Held der Sage und Dichtung, S. 7. — _ 4 — Thegan berichtet in seiner Vita Hlndowici Imperatoris 1 ) von Bernhard, einem Sohne Wilhelms: qui erat de Stirpe regali, et domni imperatoris ex sacro fönte baptismatis filius. Die Gemahlin dieses Bernhard, Dodana, liess 841—842 für ihrem Sohn Wilhelm einen über manualis 2 ) verfassen, worin es heisst: Inchoatio huius libelli secundo anno obitus Ludo- vici, quondam mei fratris 3 ). Henkel (S. 11) bemerkt zu dieser Stelle: »De Marca (Hisp. 4,349) aber, der das Original sah, bezeugt, in der Handschrift stehe deutlich: condam Imperatoris. Mabillon hatte allerdings von dem Buche nur eine Abschrift gehabt, wie er selbst sagt. Zu beachten ist noch, dass Dodana in der Vorrede sagt, sie habe ihre eheliche Verbindung mit Bernhard a. XII. (?) dorn. Ludovici im Palast zu Aachen gefeiert. Alles das zeigt wenigstens, dass Wilhelm aus vornehmem Geschiechte war und der königl. Familie nahe stand.« Anno feliciter, Christo propitio, XI. domino nostro Ludovico quondam fulgente in Imperio, concurrente VIII. Kalendarum Julii die, in Aquisgrani palatio ad rneum dominum, tuiunque genitorem Bernardum legalis in coniugio accessi uxor 4 ). Vaissete (et de Vic) 5 ) meint von der angeführten Stelle: qui erat de Stirpe regali et domni imperatoris ex sacro fönte baptismatis filius, Thegan deute die Abstammung Bernhards, bezw. Wilhelms vom Karolingischen Geschlechte von väterlicher Seite her an. Das ist jedoch zweifelhaft; die Quellen lassen vielmehr im unklaren, ob die Verwandtschaft Wilhelms mit dem königlichen Geschlechte von dem Vater und von der Mutter abzuleiten ist. Das wahrscheinlichste wird sein, dass beide mit den Karolingern verwandt waren. »Nicht unwahrscheinlich ist er durch Vater und Mutter Mitglied derselben 6 ).« Wenn in dem altfranzösischen chanson: Les enfances Guillaume Aimerich und Ermen- gard als Eltern Wilhelms genannt werden: Pere Aymeri ge iray avec ti. Volentiers, fils, dict Ii cuens Aymeri. Li cuens Guillaume en appella son frere Bernard l'ayne, et Aymenard sa rnere. 7 ), so ist das dichterische Erfindung, bezw. dichterische Verknüpfung des Ruhmes Wilhelms mit dem eines im 12. Jahrh. lebenden Aimeri, Vicomtes von Narbonne, der mit einer Ermengard vermählt war und im Kampfe gegen die Saracenen fiel. 8 ) Dass Theoderich und Aldana die Eltern Wilhelms waren, geht, abgesehen von der Vita, aus dem oben angeführten Martyrologium hervor, sowie aus einer Schenkungsurkunde Wilhelms: id est genitore meo Theoderico et genetrice mea Aldana 9 ). Nach den Annalen Eginhards 10 ) scheint Theoderich eine Grafschaft oder wenigstens eine amtliche Stellung im ripuarischen Pranken (das sich auf beiden Seiten des Mittelrheins, .nördlich von Alamanien ausbreitete) innegehabt zu haben. Sie erzählen a. 782 jenen Aufstand der Sachsen, der zur Vernichtung eines fränkischen Heeres am JStintelgebirge und Hinrichtung von 4500 Sachsen an der Aller führte. Theoderich hatte bei der ersten Kunde vom Aufstand alle im ripuarischen Pranken verfügbaren Streitkräfte rasch zusammengezogen, um den Aufruhr wo möglich im Keime zu ersticken. Schon auf sächsischem Boden stiess er mit den fränkischen Heerführern Adalgis, Geilo und Worad zusammen, welche, von Karl d. Gr. gegen die Sorben geschickt, auf die Nachricht vom Abfall ihren Marsch ebenfalls nach Sachsen gerichtet hatten, ohne weitere Befehle von Karl abzuwarten: Quibus in ipsa Saxonia obviavit Theodericus comes, propinquus regis, cum Iiis copiis, quas audita Saxonum defectione raptim in Ribuaria congre- gare potuit. Seine grössere Kriegserfahrung bewahrte ihn vor dem Schicksal der Vernichtung. Die' Uebennacht der Sachsen würdigend, hielt er seine Heeresabteilung in einem befestigten Lager beisammen, während jene unbesonnenerweise sich in den Kampf einliessen, ohne sich mit ihm zu verständigen, um den Ruhm des Sieges allein gemessen zu können: Is festinanti- 1) Mon. Germ. S. S. II. S. 597. — 2) Simson (Jahrb. des fränk. Reiches), I. B. S. 332, Anm. 6. 3) Mab. ib. T. Y. S. 710. 4) Mab., A. S. V. S. 704. — 5) Histoire generale de Languedoc. T. II. S. 138 (ed. Du Mege, Toulouse 1840). — 6) Volk (Ludwig Clarus), Herzog "Wilhelm von Aquitanien. S. 7. — 7) Mab., Y. S. 67, Anm. 1. 8) Volk, S. 148; (Jonekbloet, Guillaume d'Orange II. S. 164). 9) Mab., A. S. Y. S. 84, 85. — 10) Mon. Germ. S S. T. I. S. 163—165. bus legatis consilium declit, ut primo per exploratores, ubi Saxones essent vel quid apud eos ageretur, sub quanta fieri posset celeritate cognoscerent, tum, si loci qualitas pateretur, simul eos adorirentur.. Habitoque inter se conloquio, veriti sunt, ne ad Theoderici nomen victoriae faina transiret, si eum in eodern proelio secum haberent. Ideo sine illo cum Saxonibus con- gredi decernunt, sumtisque armis, non quasi ad hostem in acie stantem, sed quasi ad fugien- tium terga insequenda spoliaque diripienda, prout quemque velocitas equi sui tulerat, qua Saxones pro castris in acie stabant, unusquisque eorum summa festinatione contendit. Quo cum esset perventum, male etiam pugnatum. est; nam commisso proelio circumventi a Saxonibus, paene omnes interfecti sunt. Qui tarnen evadere potuerunt, non in sua, unde profecti sunt, sed in. Theoderici castra, quae trans montem erant, fugiendo pervenerunt. Im Jahre 791 nahm Theoderich an dem Kriegszuge gegen die Avaren teil. Einh. Ann.: Cuius (exercitus) partem Theoderico comiti et Meginfredo camerario suo committens, eos per aquilonalem Danubii ripam iter agere iussit 1 ). Im Jahre 793 wurde er nach Sachsen entsendet, wo er fiel. Die Annales Einhardi 3 ) schreiben hierüber: copias quas Theodericus comes per Fri- siam ducebat, in pago Hriustri iuxta Wisuram fluvium a Saxonibus esse interceptas atque deletas. Das gleiche erzählt der Poeta Saxo 3 ) a. 793: Theodricus dux legiones, Quas per Fresonum pagnm Hriustri vocitatum Ducebat: nam Saxonum periere dolosis Insidiis, captae Wisurae propo litora pulchrae. Ohne Zweifel war sein Stammsitz im eigentlichen Frankenlande. Das geht, um hier vorauszugreifen, aus Cap. 13 der Vita S. Willelmi 4 ) hervor, wo über Wilhelm berichtet wird; Interea causa exstitit, ut ipse Carolo valde necessarius Franciam accitus natale solum patriique consulatus immo sui hereditatem reviseret. Dass er Herzog von Septimanien, Graf von Narbonne gewesen sei, wie manche angenommen, haben wir keinen Beweis, sagt Vaissete 5 ). Letztere Stadt fiel nach dem Chronicon Moissiacense 6 ) überhaupt erst 759 in Pippins Hände: Franci Karbon am obsident datoque sacramento Gothis qui ibi erant, ut si civitatem partibus traderent Pippini regis Francorum, permitterent, eos legem suam habere: quo facto Gothi Sarracenos qui in praesidio illius erant occidunt ipsamque civitatem partibus Francorum tradunt. Die Eltern Wilhelms liessen ihrem Sohne eine ausgezeichnete geistige und körperliche Erziehung, wie es scheint, im elterlichen Hause angedeihen: Cum ergo essent tales.. puerum.. cum omni diligentia nutriunt eumque disciplinis liberalibus tradunt, et- specialiter informari et erudiri faciunt. Eruditum vero litteris divinis ac diversis Philosophorum doctrinis parentes eius, ut erat moris fieri de Principum filiis, nihilominus instruunt fortioribus studiis atque exer- citiis militiae saecularis 7 ). Nach dem Tode Pippins kam Wilhelm an den Hof Karls des Grossen, um hier, wie es dem fränkischen Adeligen geziemte, im ritterlichen Wesen sich zu vervollkommnen und Kriegsdienste zu leisten. Seine hohen geistigen und körperlichen Vorzüge lenkten bald die Aufmerksamkeit des Königs, des Hofes und des Heeres auf ihn. Er zeichnete sich durch seine untadeligen Sitten, Hochherzigkeit und Tapferkeit aus. Seine Körpergestalt war gross, dabei aber doch schön zu nennen. Eine edle Gesinnung liess Neid gegen andere in ihm nicht aufkommen, wie auch er selbst von Anfeindungen verschont blieb: Cumque in aula regia inreprehensibiliter et lauda- biliter se haberet, et Pegi esset acceptus, et exerc.itui placeret; nullius tarnen mordebatur invidia, nec quisquam adversus eum movebatur iniuria. Siquidem Willelmi nomen iam celebre liabebatur, et de sibi a Deo data fortitudine, de corporis eius perpulcra magnitudine, de magnanimitate, deque morum eius beneper cuncta composita qualitate, fama inclyta ubique loquebatur 8 ). Rasch erstieg er eine Stufe des hohen Staatsdienstes um die andere. Er wurde zum Consul 9 ) ernannt, 1) Abel (Simson) II. B. S. 18, Anm. 3. — 2) Mon. Germ. S. S. T. I. S. 179. — 3) Mon. Germ. S. S. T. [. S. 249 — 4) Mab., A. S. V. S. 74. — 5) Hist. gener. de Languedoc, II. S. 138. — 6) Mon. Germ. S. S. I. S. 294. — 7) Mab, A. S. V. 8. 70, Vita, Cap. 3. — 8) Yita, C. 4. —9) Waitz, deutsche Verfassuugsgesch. III. B" „eine Würde, die zu den angesehensten Hofämtern gerechnet ward," wie Volk (Claras) 1 ) sagt. Er erhielt den Oberbefehl über die Leibwache 2 ), wurde der Ratgeber des Königs in allen Staatsangelegenheiten 3 ), der Vater des Vaterlandes, der Verteidiger des Reiches, für dessen Frieden er wachte, für das er in den Krieg zog. Er war ein Schrecken der Feinde, ein Freund der Mitbürger, von welchen besonders die an ihm eine kräftige Stütze selbst beim Könige fanden, die in Bedrängnis waren: Igitur Willelmus.. suscipit nomen Consulis, et., primae cohortis fortiter principatum. Regiis principaliter adhibetur consiliis, tractat strenue cum Rege de Regni negotiis, de militia et armis; fit Pater patriae, reipublicae defensor; pro pace vigilat; in bellis laborat; fovet cives, hostes expugnat; cunctis in arto positis, in angustiis constitutis compatienter subvenit, et pro quibus res exigit apud Regem intervenit 4 ). Seine hohe Bedeutung für das Reich und seine Stellung zu Karl d. Gr. in dem Werk der Ausbreitung der christlichen Kultur wird am besten gekennzeichnet, wenn er die Stütze des Thrones und die rechte Hand des Königs genannt wird: praecipue Willelmi innitebatur brachiis, ac si thronus aureus, qui columnis fulcitur argenteis. Willelmus Regi aderat a dextris et a sinistris, ispe quidem in prosperis pariter et in adversis 4 ). Die höchste überhaupt erreichbare Stufe der Machtstellung icn Reiche Karls des Grossen erklomm er, als er um das Jahr 790 Herzog bezw. Graf von Aquitanien und somit, bei der Stellung Aquitaniens im fränkischen Reiche, der zweite nach dem Könige wurde: Adiudicatur etiam couclamante exercitu, ut totius Aquitaniae, quoniam dignus est, investiatur Ducatu, et de Consule sublimetur in Ducem.. Ergo Willelmus Comitis et Ducis gloria sublimatus, fit inter principes primiis, ipse secundus a Rege 5 ). Das hohe Ansehen beim Hofe bestätigen auch andere Quellen. Ein Diplom Ludwigs des Fr. sagt von ihm: qui in aula genitoris nostri Karoli Augusti Comes exstitit clarissimus . . 6 ), und Ardo, der Biograph des hl. Benedict von Aniane und Zeitgenosse Wilhelms, schreibt: Willelmus quoque Comes, qui in aula Imperatoris prae cuuctis erat clarior 7 ). In seiner Stellung als dux seil, comes Aquitaniae, hatte Wilhelm besonders Gelegenheit, das in ihn gesetzte Vertrauen des Königs zu rechtfertigen. Er hatte da im Namen des unmündigen Ludwig des Fr., der, kaum drei Jahre alt, 781 zum König von Aquitanien gesalbt worden war, die Regierung zu führen. Seine Berufung dahin war durch einen Einfall der Waskonen unter Adalrich veranlasst worden. Dieselben hatten seinen Vorgänger Chorso geschlagen und demselben einen schimpflichen Vertrag aufgezwungen, weswegen er abgesetzt und Wilhelm an seine Stelle berufen wurde. Dieser unterwarf durch List und Gewalt die Aufrührer in kurzer Zeit und stellte unter den Waskonen den Frieden wieder her 8 ). Der sog. Astranomus 9 ) berichtet hierüber: Chorsone porro a ducatu sub- moto Tolosano, ob cuius ineuriam tantum dedecus regi et Francis acciderat, Wilhelmus pro eo subrogatus est,... Quos tarnen tarn astutia quam viribus brevi subegit illique pacem imposuit nationi. Von dieser Begebenheit meldet der Verfasser der Vita S. W. nichts. Er bringt vielmehr die Erhebung Wilhelms zum Herzog bezw. Grafen von Aquitanien in Verbindung mit einem Einfall der Saracenen unter Theobald und einer Eroberung von Orange: In diebus illis Saraceni pariter conglobati magnum valde et inopinabilem produeunt exercitum, montes Pyrenaeos transeunt et una omnes conspiratione ad has partes Aquitaniae provinciae et Septimaniae pro- perant... dant infinitas de Christianis strages; victores existunt.. totarn longe lateque terram, quasi iure perpetuo possidendam... Audito hoc nuntio... omnes in unam concordant sententiam, ut Comes Willelmus inelytus... totius Aquitaniae investiatur Ducatu... Itaque Willelmus Dux salutatus a Carolo.. fortem et electum producit exercitum. Itaque Septimaniam ingressus, transito quoque Rhodano ad urbem concitus Arausicam agmina disponit et castra; quam illi Hispani cum suo Theobäldo iampridem occupaverant, ipsam facile ac brevi caesis atque fugatis eripit invasoribus 10 ). 1) Volk (Clarus), S. 17. -— 2) Waitz, deutsche Verfassungsgesch. III. B. S. 454—456. — 3) Waitz, ib. S. 442-448. — 4) Mab., A. S. T. V. Tita S. W. Cap. 4. — 5) Vita. Cap. 5. — 6) Mab., A. S. V. S. 86. — 7) Mab., ib. S. 198. — 8) Volk (Clarus), S. 21. — 9) Mou. Germ. S. S. T. II. S 609. — 10) Mab., A. S. T. V. S. 70, Vita, Cap. 5 u. 6. Über einen solchen Kampf bei Orange schweigen alle anderen Quellen. Dass die altfranzösischen Dichter, welche in einem besonderen chanson: la prise d'Orange, ein derartiges Ereignis verherrlicht haben, nichts weniger als zuverlässig sind, ist schon oben gezeigt worden. Gleichwohl muss angenommen werden, dass es dort zu einem Zusammenstoss zwischen den Franken unter Wilhelm und den Saracenen gekommen ist. Die Quellen sind überhaupt sehr sparsam mit ihren Berichten über die Kämpfe zwischen den Franken und den Saracenen, und doch ist es selbstverständlich, dass die Zurückdrängung der letzteren ohne schwere Kämpfe und Siege nicht geschehen konnte. Es ist immerhin möglich, wie Yaissete'), der sonst nicht geneigt ist, eine Besiegung der Araber bei Orange anzunehmen, zugiebt, dass Expeditionen derselben vom Meere her die Rhone hinauf bis Orange stattgefunden haben. Der Verfasser der Vita 2 ) deutet auch solche Züge zur See an, wenn er schreibt: quot et quanta cum barbaris transmarinis commiserit proelia. Volk 3 ) spricht die gleiche Ansicht aus und sucht sie in treffender Weise zu begründen, indem er schreibt: „Auffallend ist, dass der alte Mönchsbiograph eine Unternehmung Wilhelms gegen Orange erwähnt, welches der Maurenkönig Theobald (Tibalt) belagert, wovon andere Historiker nichts wissen. Am bequemsten ist es, den Hagiographen zu beschuldigen, er habe, was die Sage und das Lied von Wilhelm melden, sich als historische Thatsache aufbürden lassen. Allein einer solchen Leichtgläubigkeit und Leichtfertigkeit darf man doch einen Autor, der von den ältesten Allegatoren immer als ein gewichtiger Wahrheitszeuge behandelt wird, nicht so ohne weiteres bezüchtigen. Ein ähnlicher Fall kommt mit Narbonne vor. Den arabischen von Assemanni und Conde benutzten Historikern zufolge ist diese Stadt nach 793 mehrmals von den Arabern erobert worden. In keinem der fränkischen Schriftsteller findet sich eine Spur.. Und doch liegt die Möglichkeit dieser Wahrheit nicht fern. Die Saracenen unternahmen bekanntlich nicht nur Züge zu Lande gegen das Frankenreich, sondern noch weit häufiger Streifereien zur See. Wo sie eine Küste eben unbewacht vvussten, setzten sie, die im ganzen Mittelmeere umherschwärmten Streif-Corps ans Land, welche dasselbe plünderton und sengten. Dass sie sich auch in unbewachte Städte wagten und solche zeitweise besetzten, kam oft genug vor . . . Gleiches ist auch mit der Einnahme von Orange möglich. Die Mauren könnten auf einem ihrer Seeräuberzüge an die Küsten von Septimanien und Provenze durch die Mündung des Rhone einmal bis Orange vorgedrungen sein. Herzog Wilnelm wäre etwa hier auf sie getroffen und könnte sie zum Lande hinausgetrieben haben. Dieser an sich nicht bedeutenden That möchte sich nachmals die Dichtung, die nicht nach dem Massstabe historischer Wichtigkeit ihre Anlehungspunkte an die Wirklichkeit wählt, bemächtigt haben, um durch sie den Hauptschauplatz für Wilhelms Thaten zu gewinnen. Ein solcher im ganzem Lande weit und breit gefeierter Erfolg durfte auch dem alten Biographen im Gelionskloster wichtig genug erscheinen, besondere und nachdrückliche Erwähnung davon zu thun.« Die übrigen Kämpfe Wilhelms mit den Saracenen berührt der Verfasser der Vita nur andeutungsweise, so in der Vorrede: quanta ab eis pei'tulit, quanta intulit; in cap. 6: licet postea in ea et pro ea multos et longos ab hostibus labores pertulerit... Quoniam licet multo tempore multaque pertinacia valde diuque decertatum sit... cum virtute belli ita Saracenos per- domuit... interdum varii ducis eventus et durissimi labores. Er führt dieselben nicht näher aus, weil sie den Zeitgenossen bekannt genug waren, und weil es seinem Zwecke nicht entsprach, sie genauer mitzuteilen, Cap. 6 : nec scripto hoc indiget, nec praesentis est propositi. Unter dem »quanta pertulit« und »varii ducis eventus« muss zunächst die Schlacht am Orbieu bei Narbonne im Jahre 793 und die Niederlage Wilhelms daselbst verstanden werden. Dieselbe scheint eine äusserst empfindliche gewesen zu sein, da in vielen Quellen ein Miesserfolg der Franken gegen die Saracenen in diesem Jahre, teils mit Anführung des Namens Wilhelm und des Ortes des Ereignisses, teils ohne dieselbe verzeichnet ist. 1) Hist. gener. de Languedoc, II. S. :39. — 2) Mab., A. S. V. S. 71, Y. Cap. 6. — 3) Yolk (Clarus), S. 32. — 8 — So berichten die Annales Laureshamenses 1 ): Sarracini qui in Spaniis erant exestiman- tes quod Avari contra regem fortiter dimicassent, et ob kanc causam in Francia eum venire non licuisset, egressi sunt de finibus suis in aliquam partem Gotiae, et coniungentes se ibi ad nostros, et ceciderunt ibi multitudo eorum, sed et de parte nostra ibi multi inte'rfecti sunt; Die Annales Alamannici 2 ): Willelmus pugnavit ceum Saracenis ad Narbona, et perdidit multos homines, et unum regem cum multitudine occidit; Die Annales Sangaliensos maiores 3 ): Wilhelmus pugnavit cum Saracenis ad Narbona, et perdidit ibi multos homines, et occidit unum regem ex ipsis cum multitudine Saracenorum; Die Annales Einhardi 4 ): In hoc opere occupato duo valde displicentia de diversis ter- rarum partibus adlata sunt, unum erat Saxonum omnimoda defectio, alterum quod Sari-aceni Septimaniam ingressi, proelioque cum illius limitis custodibus atque comitibus conserto, multis Francorum interfectis, victores ad sua regressi sunt; Die Enhardi Fnldensis Annales 5 ): Proelium factum est inter Sarracenoä et Erancos in Gothia, in quo Sarraceni superiores exstiterunt; Die Annales Einsidlenses 6 ): Willehelmus cum Sarracenis ad Narbona, et perdidit multos homines, et unum regem occidit cum multitudine; Der Poeta Saxo 7 ): Praeterea Sarraceni permaxima damna Intulerant, quedam regni confinia ferro Vastantes, ducibus Erancorum denique caesis, Cum spoliis laetoque nimis rediere tropkaeo. Am ausführlichsten berichtet das Chronicon Moissiacense 8 ) über dieses Ereignis: Mor- tuus est autem Ibin-Mavia et regnavit Exam filius eius pro eo, fecitque malum sicut fecerat pater eius. Iste audiens quod rox Karolus partibus Avarorum perrexisset, et aestimans quod Avari contra regem fortiter dimicassent, et ob hanc causam in Eranciam reverti non licuisset, misit Abd-el-Melec, unum ex principibus suis, cum exercitu magno Sarracenorum ad vastandam Gallias. Qui venientes Narbonam, suburbia eius igne. succenderunt multosque christianos ac praeda magna capta ad urbem Carcassonam pergere volentes, obviam eis exiit Willelmus aliique comites Francorum cum eo. Commiseruntque proelium super fluvium Oliveio, ingravatumque est proelium nimis, ceciditque maxima pars in illa die ex populo christiano. Willelmus autem pugnavit fortiter in illa die. Videns vero quod sufferre eos non posset, quia socii eius dimiserunt eum fugientes, divertit ab eis. Sarraceni vero, collecta spolia, reversi sunt in Spaniam. Unter das »perdomuit« und »intulit« fällt u. a. die Belagerung und Eroberung Barcelonas im Jahre 801, von der Ermoldus Nigellus 9 ) und der Astronomus 10 ) genaue Nachricht geben. Nach Erm. Nig. rät Wilhelm im Kriegsrate Ludwigs des Er. zum Zuge gegen Barcelona, Y. 139. f. f.: 0 lux Francorum, rex, et pater arma decusque u. s. w. Er schildert die Saracenen als ihm wohlbekannte Feinde und zeigt sich mit der Beschaffenheit ihres Landes vertraut, V. 145—150 : Gens est tetra nimis Sarae de nomine dicta, Quae fines nostros depopulare solet, Fortis, equo fidens, armorum munere necnon, Quae mihi nota nimis, et sibi notus ego. Moenia, castra, locos, seu cetera saepe notavi; Ducere vos possum tramite pacifico. Er ist einer der Hauptteilnehmer an der Belagerung, V. 273: Parte sua princeps Vilhelm tentoria figit. Beim Astronom erscheint Wilhelm als der erste (primus oder primus signifer, wenn anders interpungiert wird 11 ). Er stand an der Spitze des einen von Ludwig in drei Teile 1) Mon. Germ. S. S. T. I. S. 35. — 2) M. Gr. I. S. 47. — 3) M. Gr. I. S. 75. — 4) M. Gr. I. S. 179. — 5) M.G.I. S. 351. — 6) M. G. III. S. 139. — 7) M. G. I. S. 250. — 8) Mon. Germ. S. 8.1. S. 300. — 9) M. G. S.S.II. S. 450. f.f.lib. I.V. 1—536. — 10) M. G. S. S. II. S. 612. - 11) Abel (Simson), II. B. S. 261, Anm. 4 geteilten Heeres und zwar desjenigen, das bestimmt war, allenfalsige Entsatzversache der Sara- cenen zu verhindern. Dieselben machten auch wirklich einen solchen Versuch, zogen sich aber auf die Nachricht von dem Anmarsch Wilhelms, der zwischen Barcelona u. Saragossa sich befand, zurück, worauf dieser sein Heer mit dem Belagerungsheer vereinigte und den Oberbefehl übernahm. Dem Ermoldus Nigellus zufolge behält zwar, dem Zwecke des Gedichtes entsprechend, wie Henkel (S. 11) sagt, Ludwig die Oberleitung des Ganzen, aber Wilhelm ist doch der, dem Ludwig seine Befehle überlässt: V. 475: Eac Yilhelme suos possit quo cernere muros, Et iubeat nobis pandere claustra celer. Letzterer war mit seiner Abteilung iu Roussillon stehen geblieben und erschien erst auf die Einladung der fränkischen Heerführer, als die Übergabe in Aussicht stand, um durch seine Anwesenheit die Bedeutung des Ereignisses zu erhöhen: His peractis, succedente tempore visum est regi et consiliariis eius, ut ad Barcinnonam oppugnandam ire deberent; divisoque in tres partes exercitu, unam quidem Kuscillioni ipse permanens secum retinuit; alteri obsidionem urbis iniunxit, cui Rostagnus comes Gerundae praefuit; tertiam autem, ne forte obsidentes urbem inprovise ab hostibus occuparentur, ultra urbem sedere, praemisit . . . Obsessi interea intra urbem, Cordubam miserunt, auxiliumque poposcerunt. Rex vero Sarracenorum protinus auxiliatum eis exercitum direxit. Venientibus porro his qui missi fuerunt Caesaraugustam latum est eis de exercitu in via sibi obviam oonsütuto. Erat enim ibi Willelmus primus, signifer Hadhemarus, et cum eis validum auxilium. Quod illi audientes, in Hasturas sese verterunt, cladem- que illis inprovise importaverunt, sed multo graviorem reportaverunt. Quibus recedentibus, nostri ad socios urbem obsidentes reversi sunt... Cum enim longa fessam obsidione nostri cernerent urbem, et iam iamque capiendani aut tradendam crederent, honesto, ut decebat, usi consilio, regem vocant, ut urbs tanti nominis gloriosum nomen regi propagaret, si illam eo praesente superari contingeret.. Venit ergo ad exercitum suum vallantem.. Tradita ergo et patefacta civitate, primo quidem die custodes ibidem rex destinavit... Auch die Annalen Eginhards 1 ) erwähnen die Begebenheit a. 801: Ipsa aestate capta est Barcinona, civitas in Hispania, iam biennio obsessa; ebenso die Enhardi Fuhi. Ann. 2 ) a. 801: Barcinona civitas in Hispania et in Italia Teate captae sunt; und das Chron. Reginonis 3 ): Ipsa aestate capta est civitas Barcilona Hispaniae, iam tanc minus plus biennio obsessa... Ausführlicher als diese letzteren berichtet das Chron. Moiss. 4 ), verlegt aber irrtümlicherweise das Ereignis in das Jahr 803, während nicht nur die fränkischen, sondern auch die arabischen Quellen es in das Jahr 801 setzen 5 ): His diebus in Spania super Sarracenos regnavit Abulaz, filius Axam. Mortuo enim Axam, hic Abulaz, filius eius, suscepit regnum, fecitque malum sicut fecerat pater eius et avus. Eo autem regnante in Spania, misit Karolus irnperator Ludovicum filium suum, regem Aquitaniae, ad obsidendam et capiendam civitatem Barchinonam. Qui congregato exercitu ex Aquitania, Provincia et Gothia, misit eos ante se ad obsidionem civitatis. Qui abeuntes, circumdedit exercitus civitatem et obsiderunt septem menses .. Cumque panes defecissent in civitate, et iam capienda esset civitas, miserunt ad Ludovicum regem, ut veniret Barchinonam, quia iam capienda erat civitas, ut cum capta fuisset, nomini eius adscriberetur gloria. Yenit autem praefatus rex Ludovicus ad civitatem et tradita est civitas in manu eius ... Erin. Nig. Y. 525—530: Panduntur portae, penetralia cuncta patescunt, Servitio regis urbs labefacta venit. Protinus optata sternuntur, haud mora, in urbe Eranci victores, hostibus inperitant. Sabbatum erat sacrum, cum res est ista peracta, Quando prius Francis urbs patefacta fuit. 1) Mon. Germ. S. S. I. 8. 190. — 2) M. G. S. S. I. S. 352. — 3) M. G. S. S. I. S. 563. — 4) M. G. S. S. I. 307. - 5) Abel (Simson), II. B. S. 257, Anm. 6. — 10 — Dass die Belagerung 1 7 Monate gedauert hat, wird auch von arabischen Quellen bestätigt 1 ). Wenn die Annalen Eginhards und das Chron. Reg. von 2 Jahren sprechen, so sind bierunter einzelne Streifereien zu verstehen, welche die Franken während jenes Zeitraumes gegen die Stadt unternommen hatten 8 ). Nach dem Ermoldus Mgellus 8 ) muss Wilhelm auch bei Ludwig in hohem Ansehen, ja freundschaftlichem Verhältnis gestanden haben: V. 157—160: Tum rex adridens verbis ita fatur amicis, Amplectans famulum, oscula datque capit: Gratia nostra tibi, Caroli sit gratia patris; Dux bone, pro meritis semper habebis honos. V. 172—173 : Testor utrumque caput-humeris fortasse recumbens Vilhelmi comitis,... Dass das keine dichterische Erfindung ist, sondern auf Wahrheit beruht, bestätigt Thegan 4 ), indem er, wie schon erwähnt, von Bernhard, einem Sohne Wilhelms, schreibt: qui erat de Stirpe regali, et domni imperatoris ex sacro fönte baptismatis filius; auch die Schenkungsurkunde Ludwigs für GelJone 5 ) lassen das erkennen: ob inrevocabilem vero suae dilec- tionis circa nos fidelitatem... tarn pro mercedis nostrae augmento quam pro amore eins... Wilhelm verdiente auch eine solche Behandlung von Seiten Ludwigs, denn seinen Bemühungen war es mit der HiJfe Gottes gelungen, dass das Land endlich der Ruhe nach aussen gemessen konnte. Die Vita 6 ) berichtet: Igitur Willelmo Duce operam dante Deoque coope- rante, tandem a tanta porsecutione terra quievit, et pax est populo Dei sanctoque Imperio restituta. Aber auch jetzt gab sich Wilhelm nicht der Ruhe hin, wie die meisten zu thun pflogen, welche grosse Beschwerden überstanden haben. Alle seine Sorgen waren nunmehr zunächst auf die Ordnung der inneren Angelegenheiten Aquitaniens gerichtet. Dann wachte er darüber, dass die Gesetze streng beobachtet wurden. Die Streitigkeiten und Händel schlichtete er durch höchst gerechte Urteile; besonders war er den Armen, Witwen und Waisen ein gnädiger Richter. Drittens hielt er die Vornehmen und Herren des Landes im Zaume, damit sie nicht die Untergebenen unter dem Vorwande des Rechtes gewaltsam bedrückten. Alle aber insgesamt verband er, soweit es an ihm lag, durch die Bande des Friedens und des Wohlwollens: Non resolvebatur ignavia, nec indulgebat quieti in delectatione carnis, ut solent plurimi plurimum perpessi laboris: secl tanto fortior, quanto liberior, piis vacabat studiis et operibus bonis. Primo quidem de statu reipublicae et de communi omuium utilitate noete dieque tractabat. Secundo ut sacrae leges salubriter constitutae ratae forent et illibatae; lites universorum et diversa negotia aequissimis dirimens et discernens iudiciis; pauperum specialiter, pupilli etviduae iudex ipse propitius. Tertio vero terrae principos ac dominos temperabat, ne subditos e iure violenter opprimerent. Universos autem, quantum in se erat, pacis et gratiae vinculis adstringebat 6 *). Auf eine weitere Darlegung der Thätigkeit Wilhelms im Dienste Karls des Gr. geht der Verfasser der Vita nicht ein, um möglichst bald zur Darstellung des religiösen Lebens desselben übergehen zu können: Cetera quae mundi fuerunt, gesta sc-iiicet fortia, ad terrenam dignitatem atque saecularem militiam pertinentia, quamvis inclyta ac relatu digna in memoria aeterna; nos tarnen silentio praeterire decrevimus; gestis tantum spiritualibus ex parte recitandis calanium applicantes 7 ). Er erzählt dann, wie Wilhelm noch in seiner weltlichen Stellung seine religiöse Gesinnung bethätigt habe durch Hingabe in den Dienst Gottes, Sorge um die gottesdienstlichen Stätten, Beschenkung der Klöster, besonders solcher, die Karl d. Gr. neu errichtet oder, wenn sie zerstört waren, wieder aufgebaut hatte, und durch reiche Almosenspenden an die Armen u. a.: Ipse quoque .. Dux.. coepit iam licentius inhaerere Deo.. et.. cultibus divinis totus inhiare... Praeterea de Coenobiis sacrisque locis .. susceperat curam... Cumque generaliter Monasteriis omnibus largus et munificus haberetur, illa tarnen quadam speciali praerogativa tuebatur et fovebat, quae dominus suus Carolus olim nova construxerat, aut destructa renovarat... ]) Abel, ib. S. 263, Anm. 2. — 2) Abel, ib. S. 258, Anm. 4. — 3) M. Gr. S. S. II. S. 470. — 4) Mon. Germ. S. S. II. S. 597. — 5J Mab., A. S. V. S. 86. - 6) Mab., A. S. V. S. 71, Tita, Cap. 7. — 7) Mab., A. S. Y. 8. 69, Vita. Cap. 2. - 11 - Porro de peculiaribus eleemosynis, quas.. in pauperum sinibus abscondebat, Jaudem dicere non est necesse 1 ). Das Gott am meisten wohlgefällige Werk glaubte er aber durch Errichtung einer klösterlichen Stiftung und zwar an einem Orte, wo bisher noch nie gebetet worden war, vollbringen zu können: vir tarnen Domini.. quasi nihil ageret suspirabat... Visum.est autem ei., ut debeat aedificare Monasterium, in tali scilicet loco, ubi nulluni antea fuerit Oratorium 2 )... Nachdem er eine solche Stätte in einem einsamen Seitenthale des Heraut gefunden hatte, machte er sich alsbald an das "Werk und führte zunächst die Hauptgebäulichkeiten des Klosters auf. Ursprünglich hiess es Gellone, später wurde es St. Guillem du Desert genannt. Den Namen Gellone erhielt es vom Thal, und dieses erhielt ihn von der Lage: Requi- ritur nomen loci, et invenitur quoniam Vallis-Gellonis antiquitus diceretur: et ideo fortassis, nt quidam intörpretantur, quod in ispa solitudine deserti, inter immensos scopulos et colles horribiles, quasi agellus vel parvus ager remansisse videretur 3 ). Als Bewohner des Klosters setzte er Mönche des hl. Benedikt ein, für deren Unterhalt er durch Begabung mit einer Fülle von Land uud Leuten sorgte. Dies ist aus zwei Ausfertigungen 1 ) seines vom 15. Dez. 804 datierten Stiftungsbriefes ersichtlich:... ego Willelmus comes.. dono ad Monasterium quod dicitur Gellonis, situm in pago Ludovense iiixta fluvium Araou, constitutum in honore Domini et Salvatoris nostri Jesu Christi, et sanctae Mariae Semper virginis.. quod ego praefatus Comes Willelmus construere in causa doihni et senioris mei Charoli iussi et ex doctrina venerabilis Patris Benedicti Monachos et Abbatem posui.. donätumque in perpetuum esse volo, hoc est res meas quae sunt in pago iam dicto Ludovense, inprimis videlicet fiscurn cum ecclesiis s. Joannis et s. Genesii sub omni integritate, cum villis et villaribus... Similiter in Marcomitis villa dono quantumcumque Deodatus Presbyter ibidem dato pretio comparavit.. Similiter dono villam Saturatis cum ipsa ecclesia s. Saturnini cum omni integritate, cum casis casaliciis... Similiter dono in Canneto villa, quantumcumque ibidem visus sum habere vel possidere. In pago vero Albiense dono villam Noviciacum seu Wiciacum cum omni integritate sua.. Similiter dono in pago Rutenico in villa Bacoialo mansus duos cum vineis et terris... Ista omnia supra nominata ego Willelmus iam dictus Comes pro me et pro praedictis personis dono et trado atque transfunclo ad iam dictum Monasterium Gellonis... Facta est haec donatio 18. Kai. Jan., fer. I., a. 34. regnante domno nostro Charolo Rege Francorum et anno quarto Christo propitio imperii eius. Signum Willelmi, Signum Barnardi, Signum Gotcelmi.. Wichtig darin ist ausser diesen Verfügungen die Angabe der Verwandtschaft. In der einen werden genannt seine Eltern: Theudericus und Aldana, seine Brüder: Thoudoinus und Adalelmus, seine Schwestern: Albana und Bertana, seine Frauen: Cunegundis und Guitburg, seine Söhno und Töchter: Barnardus, Witcharius, Gotcelmus, Helimbrucli, ein Enkel Bertrannus. In der anderen werden aufgeführt als Eltern : Teudericus und Aldanis, als Brüder: Teodoinus, Teodericus und Adalelmus, als Schwestern: Abbanis und Bertanis, als Frauen: Witburg und Cunegundis, als Söhne und Töchter: Witcarius, Hildehelmus, Helinbruch. In beiden ist ein Sohn Heribertus und eine Tochter Gerberga übergangen, die bei Thegan, Astrononius, Nithard u. a. als solche bezeichnet sind. Thegan 5 j: Hlutharius vero.. martires exhibuit. Insuper et sanctimonialis (sanctimonia- lem 3. 4.) feminam, quae erat soror ducis Bernhardi, nomine Gerbirch (gerberg 5) iussit in vase vinatico claudere, et proicere in flumen Ararim (Saqnej. Astronomus 6 ): Denique Heribertus, Bernhardi frater, luminum amissione multatus est contra votum imperatoris, (a. 830) ... Sed et Gerberga, filia quondam Willelmi comitis, tamquam venefica, aquis praefocata est, {a. 834j. Nithardi Historiarum üb. I 7 ) (a. 830): Bernardus quoque fuga lapsus, in Septimaniam se recepit; Eribertus, frater eius, captus ac luminibus privatus, in Italia custodiendus traditur... (a. 834): Gerbergam more maleficorum in Ararim mergi praecepit,... In dem schon oben erwähnten über manualis 8 ) der Dodana befiehlt dieselbe ihrem 1) Mab., A. S. T. S. 72, V. Cap. 7. — 2) Mab., ib. Cap. 8. — 3) Mab., A. S. V. S. 72, V. Cap. 9. — 4) Mab., ib. S. 84 u. 85. — 5) Mon. Germ. S. S It. S. 601. — 6) Mon. Germ. S.S. II. S. 633 u. 639.— 7) Mon. Germ. S. S. II. S. 652 u. 653. — 8) Mab., A. S. V. S. 710. — 12 — Sohno Wilhelm, zu den bereits aufgezeichneten Verstorbenen (dos Geschlechts) den Namen seines Oheims Aribert, wenn er stürbe, hinzuzusetzen. Nach Mabillon 1 ) und Henkel (S. 12) ist dieser Aribert und Heribert ein und dieselbe Person. Aus dem Angeführten ist ersichtlich, dass die beiden Stiftungsurkunden ungenau sind. Nach Simson 2 ) ist mindestens eine in unächter Gestalt überliefert, und zwar wird nach Volk 3 j diejenige für die nicht ursprüngliche gehalten, worin die Abhängigkeit Gellones von Aniane getilgt ist. Dass eine solche Abhängigkeit bestand, geht aus der zweiten Fassung der Stiftungsurkunde deutlich hervor. Wilhelm hatte das Kloster gebaut, indem ihm der Abt von Aniane, Benedict, mit Rat und That zur Seite stand; deswegen wollte er es der Leitung des letzteren unterstellt wissen 4 ); in illa cella Gellonis, quem ego superius nominatus Wilhelmus per consilio domni Abbatis Benedicti, seu cum suo adiutorio aedificavi, quem ipse domnus Benedictas Abba regere videtur.. Nam si aliquis homo propter malani cupiditatem aut iniquum ingenium ipsa Cella separaverit de Aniana Monasterio, tunc ipsas res superius nominatas volemus eas esse donatas pro nos omnibus superius nominatos ad Aniana Monasterio ad ipsas casas Dei sanctae Mariae et sancti Salvatoris Nam dum ipsa Cella subiecta est ad Aniana Monasterio, sicut supra diximus, precamus ut ipse Abbas de Aniana benigniter atque misericorditer regat ipsa Cella Gellonis seu fratres ibidem morantes: et quod ibidem minus habuerit de stipendia in ista parvitate quod ego in ipsa Cella donavi, ille propter Deutn aliunde adiuvet et subveniat, sicut decet Ab- batem suos benivolo animo regere. Nam non adminuet de ipsa parvitate ad ipsos fratres, dummodo ipsa Cella subiecta fuerit ad Aniana Monasterio, sicut superius diximus... Benedict selbst überliess die Leitung einem Unterabte. Dies ergiebt sich aus einer Schenkungsurkunde 5 ) Ludwigs des Fr. für Gellone vom Jahre 807, worin ein Abt Iuliofredus genannt wird., ubi Iuliofredus Rector et Abbas praeesse videtur,... Aniane behielt aber die Oberleitung; am 23. April 814 verlieh Ludwig d. Fr. erwähntem Kloster eine Urkunde 6 ), worin er ihm Gellone schenkt: Ludovicus monasterio Anianae in pago Magdalonensi in honorem Salvatoris, s. Mariae aliorumque sanctorum constructo, cui Benedictas abbas praeest, ex rebus suis tradit et sub immunitatis nomine concedit in pago Lutevensi cellulam Gellonis a Willelmo comite in causa Karoli constructam..., Si erga loca divinis cultibus mancipata'. Aquisgr. pal. reg., 9. kal. mai, a. 1., ind. 7. Am 21. Okt. 837 wird diese Schenkung von Ludwig abermals bestätigt 7 ): Ludovicus monasterio Anianae in pago Magdalonensi in honorem Salvatoris, s. Mariae aliorumque sanctorum constructo, cui Hermenaldus abbas praeest, ex rebus suis has pqssessiones tradit atque concedit: in pago Lutovensi cellulam Gellonis a Willelmo comite in causa Karoli constructam..., Si erga loca divinis cultibus mancipata'. Aguisgr. pal. reg., 12. kal. nov., a. 24., ind. 15. Im 11. Jahrh. suchte Gellone eine eigene Jurisdiction zu bekommen, worüber Abt Emmeno von Aniane beim Papst Gregor VII. bittere Klage führte. Endlich erreichte es seine Absicht unter Papst Urban II; Oalixtus II. unterstellte es Rom, was Alexander III. später Mufomwo «gpT'"" orneuerte 8 J. Ar Gellone war übrigens nicht das einzige /•' Kloster, welches Wilhelm gestiftet hatte. Wie 1 ) Mab., ib. S. 710. — 2) Simson, Ludw. d. Fr. I. 332, Anm. 4 — 3) Volk (Clarus), Herzog "Wilhelm don Aquitanien, S. 48—50. — 4) Mab, ib. S. 85 — 5) Mab, A. S. Y. S. 86; Sickel, Regesten der Urkunden ver Karolinger, IL S. 84. 2. —- 6) Siekel, Reg. d. Urk. d. Kar. II. S. 86. 8. — 7) Sickel, II. S. 194. 355; Mab., Y. S. 212—214. — 8) Mab., ib. S. 210, Anm. 5. aus einem Diplom 1 ) Ludwigs des Fr. für Aniane vom Jahre 81.5 hervorgeht, hatte er schon vorher ein solehos, Caseneuve genannt, am Flüsschen Ceze im Lande Uzös gegründet und dasselbe Karl dem Gr. verehrt. Ludwig d. Fr. schenkte es Aniane: Ludovicus monasterio Auianensi in pago Magdalonensi iuxta. Montecalmense Castrum a Benedicto abbate ad honorem Salvatoris et s. Mariao constructo et Karolo delegato, cui Senegildas abbas praeest, ex rebus suis tradit cellulam Casam-novam iuxta Castrum Planitium in pago Ucetico super Cicer fluvium a Willelmo comite ad honorem s. Mariae aedificatam atque Karolo condonatam..., Si liberalitatis nostrao munere'. Aquisgr. pal. reg., 12. kal., iun., a. 2., ind. 8. Im Jahre 806 beschloss Wilhelm, die lange Zeit gehegte Absicht, die Welt zu verlassen und sich nach Gellone zurückzuziehen, auszuführen, nachdem schon vorher seine beiden Schwestern Albana und Bertana mit seiner Erlaubniss in den Ordensstand getreten waren; ..Habemus enim votum, Deo auxiliante teque nobis annuente, in loco isto dum vivimus persistere sub habitu sanctae Religionis.. Igitur frater pius cum magno gaudio sorores offert sacrificium Deo.., berichtet der Verfasser clor Yita S. W. 2 ), und Mabillon 3 ) fügt bei: Praeter Monachos erant et Sanctimoniales eo in loco (Gell.) degentes, Bertanae et Albanae Willelmi sororum exemplo adductae, quae aedem S. Bartholomaei, quae nunc ecclesia paroecialis viginti fero passibus a Monsterio abest, incolabant. Earum tumulus quatuor columnis marmoreis erectus visitur in sacello beatae Mariae: ubi etsi nullo publico honorantur cultu, Sanctae nihilominus reputantur. Auf diesen Entscliluss Wilhelms hatte das Beispiel des ihm befreundeten Abtes Benedikt von Aniane mächtig eingewirkt 4 ). Dieser Mann, dessen weltlicher Name Witiza lautete, gehörte dem gräflichen Geschlechte der Maguelonnen an. Noch als Knabe war er an Pippins des K. Hof gekommen, wo er, herangewachsen, das Amt des Mundschenken verwaltete. Auch am Hofe Karls des Gr. setzte er anfangs den Hofdienst fort. Seine Neigung aber und die Errettung aus einer Todesgefahr bestimmten ihn, der Welt zu entsagen. Im Jahre 772 trat er in das Kloster St. Seine in Burgund, gründete später in seiner Heimat Aniane, dessen Abt er wurde. Als solcher widmete er sich mit Eifer der Reformation der Benediktiner-Klöster, erhielt im J. 815 von Ludwig dem Fr., der ihn zu seinem Ratgeber erwählte, die besonders für ihn errichtete Abtei Corneli-Münster zu Jnden bei Aachen und starb daselbst am 11. Februar 821 als das Haupt aller Klöster im Frankenreiche, die ihm auf der Aachener Synode 817 unterstellt worden waren. Den bestimmenden Einfluss dieses Mannes, der als Mönch seinen Namen Witiza mit Benedikt vertauscht hatte, spricht die Vita S. Benedicti 5 ) deutlich aus: Guillelmus quoque Comes, qui in aula Imperatoris prae cunctis erat clarior, tanto dilectionis affectu beato Benedicto deinceps adhaesit, ut seculi dignitatibus despectis hunc ducem viae salutaris eligeret, qua per- tingere posset ad Christum: accoptaque tandem convertendi licentia.. subsequitur vonera- bilem virum. Wilhelm schwankte anfänglich lange, ob er seine Flucht aus der Welt ohne Beratung mit Kaiser Karl bewerkstelligen sollte oder nicht. Schliesslich erschien es ihm aber als das beste und seiner würdigste, denselben von seinem Vorhaben in Kenntnis zu setzen und um seine Einwilligung zu bitten, damit niemand ihn einer Verletzung oder Beleidigung beschuldigen könnte: Verumtamen in hoc eius animus fluctuabat, et quadam dubitatione suspendebatur, utrum domino suo Carolo inconsulto, cui tantopere in amicitiis adstringebatur, id fieri oporteret. Ergo visum est ei Optimum, et dignum duxit, ut cum gratia et consensu domini tam dilectissimi ac Regis tarn christianissimi, de illius ad Christi se transferret militiam: ne forte, nisi hoc fieret, reus haberetur Domino et protestati, sed neque alicuius offensionis argui posset vel delicti 6 ). Eine passende Gelegenheit bot sich hiezu, als Karl d. Gr. ihn zu sich entbot, um in einer wichtigen Angelegenheit seinen Rat in Anspruch zu nehmen. »Den Anlass selbst haben die Geschichtsschreiber nicht verzeichnet. Allein man dürfte nicht fehl raten, wenn man an- 1) Sickel, II. S. 100. 55; Mab., ib. S. 211. — 2) Mab., A. S. Y. S. 73, V. Cap. II. — 3.) Mab., ib. S. 69, Anm. 5 u. S. 73, Anm. d. -- 4) Vita S. Benedicti, Mab , A S. V. S. 184—205. — 5) Yita 8. ßened., Cap. 42. — 6) Yita S. Willelmi, Cap. 14. — 14 — nimmt, Karl habe den Herzog von Aquitanien unter den Grossen seines Reiches zu sehen verlangt, welche er auf die Reichsversammlung von Diedenhofen geladen, in welcher neben anderen wichtigen Angelegenheiten auch die Teilung seines Reiches unter die drei Söhne Karls zur Beratung kommen sollte 1 ).« Zum erstenmal betrat er wieder nach langjähriger Abwesenheit den heimatlichen Boden. Von allen Franken, seinen Verwandten, besonders aber von Karl wurde er auf das ehrenvollste empfangen und behandelt: Interea causa exstitit, ut ipse Carolo valde necessarius Franciam accitus expeteret, et post multum temporis natale solum patriique consulatus, immo sui haereditatem reviseret. Susceptus a Rege mirabili gaudio omnique dilectionis affectu, laus quoque meritorum eius acclamata est non minima: ipse vero donis ingentibus est, ut par erat, honorificatus. Obtentu Regis aliquamdiu commoratus est in Francia, cum eo procedens pariterque convivens, potens in palatio et imperio Princeps, et in tanta apud eum gratia, sicut filius apud patrem. Franci omnes exsultabant super eum, et nobilis cognatio, necnon et familia naturalis debita praecipue tripudiabant laetitia 2 ). Aber selbst diese Aufnahme, die von neuem bestätigte, welch wichtige Rolle er im fränkischen Reiche spielte, konnte ihn in seinem Entschlüsse nicht mehr wanken machen. Als die Zeit der Abreise herannahte, begab er sich zu Karl, gab noch einmal seinen Rat in der Angelegenheit ab, deretwegen er berufen worden war, und teilte ihm dann sein Vorhaben mit. Indem er sich auf Karls eigenes Zeugnis berief, wie aufrichtig, getreu und übereinstimmend mit ihm er immer gehandelt habe, indem er ihn erinnerte, wie er alles für ihn gethan, sogar den Tod und die Gefahren des Todes für ihn nicht gescheut habe, bat er ihn jetzt um die Erlaubnis, aus seinem Dienste scheiden zu dürfen: Accedit ergo solita familiaritate ad Regem: et eum opportune inveniens, datis primitus magnis et saluberrimis pro quibus advenerat con- siliis, subsequenter de semetipso incipiens ita prosequitur: Mi doinine, mi pater Carole, quam Rex caelestis populo suo dedit Regem, cuius me esse militem et principem ipse aliquantisper voluit, tu ipse nosti, teque per tuam gratiam testem adhibeo, quam verax, fidelis, quamque unanimis tibi Semper exstiterim... Nosti etiam quid ego miles tuus pro te egerim, quanta per- tulerim, quoties te in mortem et in mortis pericula sim secutus, Semper paratus et promotus pro te animam meam ponere et tuam quantum in me fuit servare et protegere.. Nunc te obsecro.. ne dure accipias verba tui militis.. Postulo licentiam, ut ad illius aeterni Regis novus miles me transferam militiam 3 ). Als Karl diese Worte, auf die er gar nicht gefasst war, hörte, wurde er ganz bestürzt, Thränen traten ihm in den Augen. Da er aber seine Bitte gerecht und die Forderung ebenso fromm als vernünftig fand, so erklärte er, kein Recht zu haben, ihm widersprechen zu dürfen: His verbis inopinatis Clemens Carolus auditis paullisper diriguit.. nec a lacrymis tem- perans, paucis amico respondit: _ Mi domine Willelme, quam durum est quod loqueris !.. verum- tamen quia iusta est petitio, et tarn religiosa quam et rationabilis haec tua postulatio, non habeo quid dicam, neque fas est ut contradicam.. en ita tibi faciam, velim, nolim, consentiam, non refellam propositum, neque votum praepediam.. , 4 ). Von den ihm angebotenen Schätzen wählte Wilhelm nur eine ansehnliche Kreuzpartikel aus, welche Karl im J. 800 vom Patriarchen von Jerusalem als Geschenk erhalten hatte 5 ). Wie den Thränen des Kaisers, so blieb er auch den Bitten der Höflinge, seiner Waffengefährten und seiner Verwandten gegenüber unerschütterlich. Er sagte allen Lobe wohl und begab sich, von Karl, vom Heer und einer grossen Volksmenge eine Strecke weit begleitet, auf seine väterlichen Stammgüter, wo er seine letzten Verfügungen traf, namentlich" einer grossen Anzahl Leibeigener die Freiheit schenkte. Dann verlies? er, jeder Fessel ledig, seine alte Heimat, um nie mehr dahin zurückzukehren: ..cunctis vale faciens, ..exit de civitate, ..Rege Carolo dilecto suo domino diutius illum cum lacrymis deducente, Francorutn exercitu cum. dolore et gemitu, cuntaque multitudine eum longius, quousque oportuit, prosequente.. 1; Volk (Clavus), S. 64 ; Waitz, d. Verfassungsgesch. III. S. 442 f. f.; Abel (Simson), II. S. 344 f. f — 2) Mab., A. S. V. S. 74, V. Cap. 13. — 3) Mab., Vita, Cap. 14. — 4) Mab., V. Cap 15. — 5) Mab, Y. Cap. 16 u. Anm. a. — 15 — tandera expeditus, tantisque diruptis huius mundi vinculis.. servis etiam non paucis übertäte donatis, Franciam egreditur,.. Auf dem Wege nach Gellone hing er zu Brioude am Allier in der Auvergne in der Kirche des hl. Julian seine Waffenrüstung als Weihegeschenk auf: Igitur Dei amicus tandem expeditus.. Franciam egreditur, Arvernum ingreditur. Cumque ad insignem vicum qui vulgo Brivate dicitur, devenisset.. pergit oratum ad venerabile templum sancti Martyris Juliani, ubi.. etiam de suis armis bellicis perfecit orationem.. . 2 ). Mabillon 3 ) bemerkt zu diesem Bericht der Vita: Hinc ecclesia illa Brivatenis vulgo Brioude, Willelmi olim memoriam colebat. Certe Cunebertus eiusdem ecclesiae Praepositus in litteris primariis Cellae Cantogilensis, eam ideo a se constructam dicit, ut »sit haec oblatio pro nostra congregatione tarn vivorum quam etiam mortuorum, tum etiam pro anima Willelini Ducis atque nepotum eius Willelmi et Alcfredi«; quo in loco Willelmum nostrum designari existimo, cuius nepos fuit Willelmus Bernardi filius. In Gellone angekommen, wurde er alsbald in den Mönchsstand aufgenommen. Die Tita S. W. 4 ) giebt das Jahr des Rücktrittes ausdrücklich an: Igitur anno Incarnationis Domini octingentesimo sexto, imperii vero Caroli quinto, die natalis Apostolorum Petri et Pauli Willelmus Comes auro textis depositis vestibus, per Dei gratiam solemniter benedictur... Aehulich berichten die Vita S. Benedicti 5 ) : Nec moram inde ponendi comam fieri passus est, quin potius die natalis Apostolorum Petri et Pauli auro textis depositis vestibus, Christicolarum induit habitum.., und das Chron. Moiss. 0 ) a. 806: In isto anno Willelmus quondam comes ad Anianum (fälsch 1. für Gelion.) monasterium.. pervenit.. Nec mora in depo- nendo comam fieri passus est, quin potius die natalis apostolorum Petri et Pauli.. christicolarum habuit habitum... Als Mönch wurde er bald ebenso ein Vorbild in der Welt Verachtung und Ascese, wie er es vorher als Beamter und Kriegsmann des Kaisers in der Pflichterfüllung und Tapferkeit gewesen war. Das noch nicht fertig gebaute Kloster vollendete er unter Beihilfe seiner Söhne, unter die er seine Besitzungen geteilt hatte, und der benachbarten Grafen: Nondum enim Monasterium ad perfectum ex toto perduxerat: sed postea in habitu sanctae Religionis adiuvantibus eum filiis suis Bernardo scilicet et Gaucelino, quos Comitatibus praefecerat suis, Comitibusque vicinis, perfecit sicut coeperat.. , 7 ) Von den beiden Söhnen Bernhard und Gauzelin besass ersterer das Majorat, später wurde er Kämmerer-und Graf von Barcelona. Gemahlin desselben war die schon früher genannte Dodana, von der er die zwei Söhne Wilhelm und Bernhard hatte. Im Jahre 844 wurde er als Anstifter eines Aufruhrs auf Befehl Karls des Kahlen hingerichtet: Bernardus iste, paternae dignitatis heres, caesus anno 844 8 ). Gauzelin, der in den Diplomen Wilhelms unter diesem Namen nicht vorkommt, ist gleichbedeutend mit Gotcelmus: Uterque in litteris dotationis Monasterii nominatur Bernardus et Gotcelmus, male aliis Guillelmus, ..seu Gotcelino,. , s *). In dem unten mitgeteilten Diplom Ludwigs des Fr. ist er als Missus und Comes angeführt. Der Astronomus 9 ) berichtet von ihm: Gotselmus comes itemque Senila comes.. capite plexi sunt; ebenso Nithard 10 ): Gozhelmum et Senilam capite punivit. (Lothar 834). Graf Gauzhelm von Roussillon war ein Bruder Bernhards 11 ). Im Jahre 807 erhielt Wilhelm auf seine Bitte die schon erwähnte Schenkungsurkunde Ludwigs des Fr. 12 ) für Gellone zu Toulouse am 28. Dezember ausgestellt, derzufolge dem Kloster bedeutende Besitzungen zugewiesen wurden: .. Ludovicus divina ordinante Providentia Rex serenissimus Aquitaniae. Quoniam cogitandum nobis est, ..locis insistentibus divinis cult- ibus placuit largiri.. Ideo notum esse volumus Omnibus Fidelibus praesentibus et futuris, quod petente domno Willelmo Monacho, qui in aula genitoris nostri Karoli Augusti Comes exstitit 1) Mab., Y. Cap. 17—20 — 2) Vita, Cap. 20. — 3) Mab., ib. 8. 77, Anm. a. — 3) Vita, Cap. 23. — 5) M»b , A. S V. S. 198, Vita S. Ben. Cap. 42 — 6) Mon. Germ. S. S. I. S. 308. — 7) Mab., A. S. V. S. 79, Vita S W. Cap. 25. — 8) Mab., ib. S. 79, Anm. b, u. Volk (Clarus). S. 77. — 9) Mon. Germ. S. S. II. S. 633. - 10) Mon. Germ. S. S. II. S. 653. — 11) Simson, Ludw. d. Fr. I. S. 269. — 12) Mab., ib. S. 86; Sickel, Ii. d. U. d. K. II. S. 84. 2. — 16 — clarissimus.. ob inrevocabilem vero suae dilectionis circa nos fidelitatem petitioni eius prae- bentes assensum, placuit nobis, tarn, pro mercedis nostrae augmento quam pro amore eius, ad Monasterium quod dicitur Gellonis, situm in pago Lutovense iuxta fluvium Araur subtus Castrum Virduni.. constructum a iam dicto Comite Guillelmo in causa nostri genitoris, ubi Juliofredus Rector et Abbas praeesse videtur, aliquid ex rebus tradere nostris, id est fiscum quemdam nostrum in pago ßiterrense, qui dicitur Miliacus cum villa et ecclesia sancti Paragörii, et Mi- iiciano villa atque Campaniano, cum Omnibus appendiciis et adiacentiis suis sub omni integritate, sicut a Misso nostro Comite Gotcelmo per cruces in lapidibus sculptas seu decursus aquarum in terminationibus traditum et assignatum est, a genitore nostro et a nobis possessum. Et in pago iam dicto Lutovense iocum qui dicitur Gastrias, vulgare autem Castra-pastura.. Et in eodem pago villam quae dicitur Magarantiatis cum ecclesia sancti Eelicis, cum omnibus appendiciis et adiacentibus suis. . Honorem vero illum quem domnus Guillelmus seu alii Eideies per instrumenta chartarum praefato Monasterio tradiderunt.. totum et integrum praedicto M. G. per hanc donationis auctoritatem perpetualiter concedimus ad habendum. Datum hoc praeceptum 5. Kai. Januarii, Indictione 10. anno 2-7.. domini Ludovici regni, Tolosae publice: Karoli vero imperii 8.. Auch im Mönchsstande war Wilhelm neben den religiös-ascetischen Übungen für Ausbreitung der Kultur thätig, wie er es vorher im weltlichen Stande gewesen war. Dadurch dass er seiden- und goldgestickte Gewänder, einige sogar aus fremdländischen Stoffen, und Kunstwerke aus Gold und Silber, alles freilich für den Gottesdienst bestimmt, in das Kloster brachte, weckte er den Kunstsinn, wie er durch Anschaffung einer reichen Bibliothek einen gewissen wissenschaftlichen Geist angeregt haben mochte: Oblatis muneribus tarn sanctis tamque pretiosis, aliisque decoris valde et praecellentibus donis, calicibus scilicet aureis et argenteis cum suis offertoriis.. nec minus et vestibus sericis cum stolis auro textis et paliis transmarinis, libris etiam valde bonis multumque necessariis. , 1 ); libros secum perplures attulit, 2 ). (Von diesen Büchern sind bis auf unserer Zeit zwei erhalten geblieben: ein Evangeliarium, das sich in der Bibliothek des Musee-Eahne zu Montpellier aufbewahrt wird, und ein Sacramen- tarium, das durch seine figurirten Lettern sehr merkwürdig ist und sich in der früheren kais. Bibliothek befand 3 ). Da der Eingang ins Gellonsthal wegen der steilen, vorspringenden Berge ein schwieriger war, baute er eine Kunststrasse. Rings um das Kloster liess er Wein- und Oelberge anlegen, schuf Gärten und bepflanzte das Thal, in welchem er die unfruchtbaren Bäume hatte ausrotten lassen, mit Eruchtbäumen. Bei allen diesen Arbeiten legte er selbst Hand mit an, wie ihm überhaupt keine Beschäftigung zu beschwerlich und niedrig war: Difficilis ergo ad iam dictum Monasterium pro asperitate montium ingressus erat: sed ipse Dei servus iam Monachus argu- mentose incisa rupe cum malleis et securibus et diversis ferramentorum generibus, iunctisque firmiter et diligentor ferro et plumbo lapidibus, iactatoque fundamento secus flumen Arauris, viam altius sustulit, quantum potuit direxit, et monti coniunxit.. Fecit quoque beatus Willelmus circa Monasterium vina et oliveta plantari, hortos plurimos constitui, ipsam vallem, destructis arboribus infructuosis, fructiferis pomeriis melius complantari. Huiusmodi vero opera quae erant loco valde necessaria, non solum per alios faciobat, sed etiam in ipsis laboribus pro Dei amore ac vera humilitate et religione semetipsum exercebat 4 ). Doch war ihm als Mönch kein langes Leben mehr beschieden. In der Vorausahnung seines Todes machte er sein bevorstehendes Ende seinen Mitbrüdern bekannt, wie er es auch den benachbarten und entfernteren Klöstern, ja selbst dem Kaiser Karl mitteilen liess: Unde et sanctissimi obitus sui diem in spiritu longe ante praescivit, quem accedente tempore non solum Abbati et Eratribns imminere praedixit, verum etiam locis vicinis et Monasteriis circumqnaque positis vel procul constitutis scripto significavit, etiam et dilectissimo suo domino Kegi Carolo nuntium delegavit 5 ). Er starb den 28. Mai 812 nach der gewöhnlichen Annahme. Mabillon 6 ) schreibt: Et quidem circiter annum 812. certe ante Carolum Magnum, cui obitus sui tempus significavit. 1) Mab., A. S. V. S. 74, Yita S. W. Cap. 21. — 2) Mab, ib. 8. 199, Vita S. Bened. Cap. 42. — 3) Yolk (Clarus), S. 74. — 4) Mab., A. S. V. S. 79, Yita. Cap. 25. — 5 Mab., ib. 8. 83, Yita. Cap. 32. — 6) Mab., ib. S. 83, Amn. a. — 17 — Dieser Ansicht schliesst sich Henkel an, indem er S. 11 Sagt: „Er starb etwa 812, sicher noch vor Karl dem Grossen." Vaissete schreibt S. 165 : „Guillaume mourut le 28 Mai de l'annee 812 ou de la suivante." Der 28. Mai ist als Todestag nicht nur in der Vita: Migravit igitur beatus Willelmus ab hac luce feliciter quinto Kai. Junii, sondern auch in dem alten Martyrologium von Gellone angeführt: 5. Kai. Junii apud Gellonem in territorio Lutovensi depositio beati Guillelmi Monachi et Confessoris, quöndam clarissimi Consulis palatini; ebenso in einem Bruchstück von einem anderen Martyrologium: In valle Gellonis 5. Kai. Junii natale S. Willelmi, qui relicto saeculo nunc miraculis claret 1 ). Stand dieser Mann schon bei seinen Lebzeiten in so hohem Ansehen, so sollte 1 sich dasselbe, wie solches bei allen wahrhaft bedeutenden Männern der Fall ist, nach seinem Tode noch steigern: Von der Kirche wurde er unter die Zahl der Heiligen aufgenommen, die Dichter verschiedener Völker haben ihn im Liede verherrlicht, wie u. a. in Frankreich allein eine grosse Anzahl Gesänge entstanden ist, welche als chansons de geste bezeichnet werden, und von denen les enfances Guillaume, la bataille dAleschans, la prise d'Orange, le charrois de Nymes und le moniage Guillaume 2 ) die wichtigsten sind. Aber auch ein deutscher Dichter "Wolfram von Bschonbach, von Ulrich von dem Tiirlin und Ulrich von Türheim abgesehen, hat im 'Willehalm ihm ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Über die aulfallende Erscheinung, dass die damaligen Chronisten so wenige Nachrichten über ihn hinterlassen haben, spricht sich Volk 3 ) folgendermassen aus: „Karl war die Sonne, auf welche aller Augen gerichtet waren. Nur was ihn persönlich betraf oder unmittelbar von ihm ausging, schien den Erzählern der Geschichte seiner Zeit der geschichtlichen Aufbewahrung wert. Da er an den spanischen Angelegenheiten sich sei't 778 nicht mehr beteiligte, so lagen dieselben gewissermassen unter dem Horizont seiner Biographen und Chronisten, und wo dieselben diese Dinge berühren, geschieht es nur sehr flüchtig. Die Chronisten verweilen in der Regel nur bei den allgemeinen Ergebnissen der Begebenheiten, ohne sich näher mit den Personen zu befassen, welche die Herbeiführer und Lenker dieser Begebenheiten waren. Dies fällt selbst bei dem Limosaner Astronomus auf, welcher grossenteils als Zeitgenosse und Höfling Ludwigs d. Gr. dessen Leben beschreibt und die vollständigsten Nachrichten haben könnte. Er erwähnt Wilhelm nun zweimal: erstens bei der Belehnung mit Toulouse und bei der Belagerung Barcelonas. Neben dem grossen Kaiser treten in diesen alten Historien alle übrigen Persönlichkeiten wie ehrerbietig zurück. — Kein Wunder daher, dass mit Ausnahme der Schlacht am Orbieu, wo es geradezu nicht zu umgehen war, Wilhelms Thaten, ja nicht einmal sein Name in diesen Nachrichten hervortreten. Seine Stellung bedingte schon die Notwendigkeit seiner Beteiligung bei den saracenischen Händeln. Die Art und Weise, wie wir ihn bei der Belagerung von Barcelona auftreten sehen, lässt deutlich erkennen, dass er in diesen Angelegenheiten durch lange Wirksamkeit erfahren gewesen. Die vielen Lieder, welche seine Helden- thaten in den Kämpfen mit den Saracenen besingen und doch vielfach an historische Grundlagen sich anlehnen, bestätigen noch mehr, wie mächtig er mit seinem Handeln in diese Kämpfe eingegriffen haben muss. Merkwürdig ist, dass auch der älteste Lebensbeschreiber unseres Heiligen über seine Kämpfe mit den Saracenen nur Allgemeines meldet, auch das wenige Besondere, das er erzählt, von sehr zweifelhaftem historischen Werte ist und eher der poetischen Legende als der wahren Geschichte entnommen scheint." 1) Mab., A. S. V. S. 68, Anm. 2. — 2) Yolk (Claras), S. 175. — 3) Volk (Claras), S. 23—29. II. Die Frage, wann und von wem die Yita S. W. verfasst-worden, ist schwer zu entscheiden, ja unmöglich, wenn ein ganz sicheres Ergebnis verlangt wird. Äussere Beweise liegen nicht vor. Man ist völlig auf die Yita selbst angewiesen, aus deren bestimmten Äusserungen, verglichen mit da und dort vorkommenden Bemerkungen in anderen geschichtlichen Denkmälern, Anhaltspunkte gewonnen werden können. Die Meinungen der verschiedenen Historiker, welche auf die Frage nach dem Alter der Yita zu sprechen gekommen sind, stimmen nicht überein. Waitz 1 ) ist der Ansicht, dass sie nicht lange nach Wilhelm verfasst worden ist. Er schreibt: „Von Wilhelm von Toulouse erzählt die nicht viel jüngere Yita..Yolk 2 ) ist ebenfalls für eine Abfassungszeit im 9. Jahrh., wenigstens für eine solche vor der Verschmelzung der verschiedenen Wilhelmsdichtungen, die nach Jonckbloets Untersuchungen um die Mitte des 11. Jahrhunderts vollzogen war. Jonckbloet 3 ) selbst „der in seiner geschiedeniss der midden- nederlandschen dichtkonst I. S. 312 doch selbst vom Verfasser der Yita gesagt hatte: die voor de elfde eeüw de pen voerde (der vor dem XI. Jahrh. schrieb)," spricht sich in seinem Guillaume d'Orange für das 11. Jahrh. aus. Er stützt sich hiebei auf einen Bericht von verschiedenen Wundern, die sich am Grabe Wilhelms ereignet haben sollen, u. a. eines solchen, welches sich während der Anwesenheit des Bischofs Fulcran von Lodeve, der doch erst 1006 starb, geschehen sein soll, sowie auf die in demselben Bericht enthaltene Mitteilung, dass 1076 ein Altar zu Ehren Wilhelms geweiht worden sei. Indem er sich nun an die im 7. 1746 erschienenen Bande der histoire literaire de la France ausgesprochenen Ansicht anschliesst, dass dieser Wunderbericht und die Vita den gleichen Verfasser haben mögen, folgert er, dass letztere erst nach 1076 entstanden sein könne. Reinand lässt in seinen: Invasions des Sarrazins en France den Verfasset um das 10. Jahrh. leben. Paulin de Paris nennt ihn in seinen manuscrits fran