- ~ JT \\ Itteili über Goethe und seinen Freundeskreis aus bisher unveröffentlichten Aufzeichnungen des Gräflich Egloffstein'schen Familien-Archivs zu Arklitten. Herausgegeben von Dr. Johannes De m b o w s k i, Oberlehrer. Wissenschaftliche Beüage zum Programm des Königlichen Gymnasiums zu Lyck für das Schuljahr 1888/89- Lyck, 18 89, Druck von Albert Glanert (vormals B. Siebert). 1889. Progr. Nr. 13. C- V ^ fe/, cnafeu berSRu^e. eingelaufen — unb l)aben einen langen @d)laf getrau! —33on ben l)ol)en gfürftlidjfeiten—bi# auf ben armen geplagten §ofinarfd)atl Ijerab unb üon bem mieber an, bi# auf bie fl. ^ßagen, |)of= fouriere — ©ebienten unb Höfen herunter —. ?tfte# banft ©Ott baf? biefe Sodje ju Gsnbe — ein jeber fdj-öpft freier 2ltl)eni — unb ißt unb trinft unb fd)läft mieber mit @emäd)ticl)Eeit. — — SXllent Vermuten nad), fiefyft ®u nun einer meittäufigen •Scfdjrcibnug itnferer ®arfteÖung entgegen — meine Ijolbe iUi'utter — unb id) mürbe nid)t ermangein fie ®ir 31t,'geben — ließe fid) nur red)t biet 9fiit)mtidje# baüon erjciljlen. &iberaber l)aben mir baburd) rtteljr $.rger atö fjfteube erregt,- benu e# ging ben meiften ©iiften, mie in ber gabel beut armen ©tordj, ber toont ^ud)# 51t SJHttag gebeten mürbe unb nid)t# abbefam üon alt ben guten ©iffen bie aufgetragen mürben. — ®a# SaJate. mar fo traurig gemäljtt —bafj bie t)ot)en |)errfd)aften allein ben £abteau# gegenüber ju ftetjen tauten — ©er größte Seil ber übrigen ®efellfd)aft — bie bod) au# mehreren £>unbert <ßerfonen beftanb, mußte ftd) mit ben 9lu#rufungen unb 8obe#ert)ebungen ber @el)cubeu begnügen — ©raf ÜÖZarfdjatl ging untrer mie ein •brütlenber ööme unb miebert)otte feinen 8iebling#=@prud) «out @d)ief?= f)auß ijer „®umnte# ^ßüptidl" — in ben näd)ften Sagen äeid)ne id) bie bargefteltten Sabteau# ab unb fenbe fie ©ud), bi# jelit tonnte id) fie nod) nict)t ermatten. Sinken tjatte al# ©tärfe ein fet)r fd)öne#, gtäu^eube# Eoftüm, itttb mad)te fict) üortrefflid). @d)abc nur baf; ba# mittlere 33ilb einen gang tickten .|)intergrunb bef'am, morauf fid) bie Figuren untnögtid) au#3eid)iteu tonnten. S# maren itämlid) 3 5£l)üren gemät)tt, l)inter betten bie Silber crfd)ienen. .^n ber mittleren mar $cbe#itial eilt .f)aupttableau — in ben beiben @eitentl)üren, f,mei ^ebcngettiälbc, bie aber alle beffer gliicften als jene, ba fie au# einer einteilten, I)öd)ften# jmei Figuren beftanben, meld)e gevabe ^Sla^j in bem engen *) R'iit ein ©ci()«acl)tc-pacfet. **) ©ie »evtjciBencii SBotte (jabe id) (eibev bi« jcjjt nidjt auffinbeu Tonnen. — 6 — Staunte Ratten — toäljvenb in ben |)auptgemälben eitte ©rupirung toon 6—8 $.erf orten oft ftatt fanb, bic bann natürlich feljr äufamntengepreßt Werben mußte —. ®ie mittlere Stjiir f^atte iUcciev — bie eine Seitentl)iirc ein geiuiffer Saurath ©outerer, bic anbeve id) jn arrangieren — in jeber Würben 3 ©cntülbe bargeftellt, folglid) 9 int ©anjen. Son all biefen follcn bie in meiner Hijüre fief) am heften aufgenommen haben —. Ofjne ju Riffen, baß id} fie arrangiert, faßen mir# bic iWcttfd)cn toerfidjert — unb id) glaube ef aud) — ivetf id; ftugerWcife für fc^ärfere Scleudjtung unb eine bunflc 4?interWanb geforgt hatte. $n meiner S^üre crfdjienen folgenbc Silber: bic ©räftn ^ritfd) aß Gircc — .£). to. Sömterilj alf junger ^ßropljet, mit einem ©ngel— unb bie ^ßoefie— a(fo meine eigene Wcrtljc $erfon. — ®a aber biefe gcrabe juerft erfd)einen mußte — unb Sftiemanb I)attc ber fie ju brapiren toerftanb — fo erbarmte ber alte ©oetljc ftd) ber armen ^ßoefie — (unfehlbar auf Sanfbarfcit kffil ftc feiner ftd) fo oft erbarmt) •— unb gog — unb jerrte unb jjtpfte fo tauge an meinem SKantef fjerum, bif er enbticf) -- entgüdt über fein eigen SBerf „©cfjöu—„arftelluitg war äußerft brillant — unb ber Satt barauf fcl)r anintirt —; SKüller — neben Weld )cnt id) bei SCifcI^e faß, war burd) bic 9^ach= barfd)aft ber Sßoefie fo poetifd) geftimmt, baß er bei jcbeitt ©laf ®l)ampagncr einen jierlid)en ®erf intprotoifirte — unter anbern folgenbe: SBaf heute glän^enb jaub'rtfd) unf crfd)icncn, baf fd)Winbc unfern trunfnen Süden ttic — in l)eit'rer ^ugenb ntüß' ef bei unf grünen — bef Sebcnf fd)önfte Slüthe ^oefie!" „3ßot)l golbne ^tügel ließeft Du unf flauen — ®od) unf befiel babei etn lid) ©raucn — 3Ber Weiß wie balb ®u liebft fie ju entfalten, bie» ®id)tnng fern non uttf — Sur 3öal)rl)cit ^u gcftalten!" Selber War bie arme ^oefie felbft, fel)r uitpoctifcl) geftimmt unb ant= Wertete auf alt' biefe fdjöncn SBorte mit nid)tf alf @)äl)nen; bie toor|irgehenben Jage waren fo fatigant gewefett, unb bie DJiiibigfeit fo groß, baß id) felbft am Jattjen wenig Sergniigcn fanb — unb friil) nach £)aufe wanberte. (Von Gräfin Karoline Egloffstein an Frau von Beaulieu) 2lm 21. iDierj, Freitag (1817.) SSor ein paar Sagen haben wir bei ©oetl )c bejeunirt, unb er War redjt liebcnfmürbig — fo toiel uchmlid) er ef jejt nod) fein fann. ®r ift fteifer benn je — unb ef wirb mir feiten wohl in feiner 9uit)c, Weit feine prtterfeit Derfdjwönbett ift unb nur auf Momente toicbcrfeljrt. SBir faljen Diele f)übfd)e ©adjen bei if)m, unb QjWia wirb Derfdjiebene Singe jum copiren befommen. (Von Gräfin Karoline Egloffstein an Frau v. Beaulieu.) 2tm 26. üJfterj (1817.) grt. Seoparbdjen*) Wirb nid)t Derfet)tt tjaben ©ir Don mir ju erjagen; baS liebe ilinb mar mir feljr jugettjan unb if)re 2lbreife I)at mir eine öiiefe geutadjt bie icf; nid)t wieber anzufüllen Dermag. — $d) fann mir benfen bafj eS £)id) freuen muß, burd) fie Den allen iHcinigfeiten 9iadj= riefet gu erhalten bie SDir intereffant au§ beut lieben Sßeintar finb; £>te steine ift gemüt[)tid) unb gut unb mar mir Wertt). ®ie ältere ©cljtueftcr ift geiftreftfi unb tebljaft — ganj i|r ©egenfpiet, aber id) fürchte fie toerbe nid)t gtücftidj mit Sluguft ©oettje fein, Weit er Don troefener, peban= tifcfjer SebenSWeife ju fein fd)eint unb fteintid; in manchen großen Singen. ©3 ift @d;abe baf; bie beiben lieben DKäbdjen uid)t iit ebter, fittiger Umgebung aufgewogen finb, fonbern burd) bie ©teid)güttigfeit ber ©rpfmutter unb baS traurige, Don 8eibenfcf)aft bewegte Seben ber Mutter l)erunt= gefdjteubert Würben; ba fetbft ber ©tanj be£ GsbetfteinS getrübt Werben fann burd) @anb unb fdjarfe ©töfje, Wie nid)t Diel tuefjr bcu§ garte ©entütf) unb ber ©eift eiue<3 Weißtidjen Söefenö burd; bittere, tjeftige Umgebung, burd) Unfid)erl)eit unb ptanlofem (sie!) Seben! (Von Gräfin Julie Egloffstein an Frau v. Beaulieu.) 2lm 19. ( ? 1817) 9?acf>mittag3. ; — 3Betd) einen frönen, f)öd)ft poetifd)en Morgen |aben Wir bei ©oetfye Dertebt —! $d) freue luid) boppett barüber, ba id) burd) eine 33efdjreibung beffetben biefe Stätter einzuweihen Der; mag, auf eine 5Dir angenehme SBeife.**) Sftur auf eine ©tunbe I)iitte id) ©id) in bie Limmer beS alten MeifterS git jaubern getoüufd)t — : Sßie Diel beS <$d)önen urtb ■ ( perrüd)en ift ba ju fefjen —! SBeld) eine reiche Seute Wäre bariun für Sein SJhifeuui ju niadjen! - — itür^Iicl;, auä Dürnberg erlittene Maj;otica=©efäf;e (Dom atten ®erfd)au erftanben) fielen in @taöfd)ränfe einrangirt unb finb gar merfwürbig, ber 3iertid)feit wegen, womit fie gearbeitet. Abgerechnet ber Dielen einzelnen, l)öd)ft intereffanten .|)anbjcid)nüngcn bie an ben Sßänbeu t)erumt)ängen, I)at mid) nidjtS fo ange= Zogen unb feftgebalten, atS ber geliebte Kölner ®om, woDoit @oett)e beu ©runbrifi — Stttfrif? unb bie gange, bis ins Heinfte ftd) erftreefenbe StnSfüljrung beS gegenwärtig ftet)enben ©ebäitbej», Wie beffen, baS nod) hinzugefügt Werben fottte, befißt. Üä ift bieS ein unenbtid) fdjßnes>, aber foftfcareS SBerf — wetdjeS bis jetjt nod) Sitemanb außer ©oetlje, fein nennt — ba e£ erft im ©ntfteljeu ift. ®a ftanb id) benn Wieber Dor beut atten, gigantifd)=gett)ürmten 9ftefettbau unb ftaunte, wie bamatä an ©einer ©eite, gu it)m empor — fragte wie bamatS mid) — ob ej> benn mögtid), baf; fotd) ein SBerf aus 3)Zenfd)en Räubert entfprungen fe^? — baft ber !üt)ue ©ebante baju, in einem 9Jicnid)enge1ßirue fRaum gefjabt Ijabe? — 3Betd)e ßiertic^feit in jebem einlebten Sefta nbtl)ei(! — weld)e ^o|eit — Welche Harmonie im ©anjen!—£) gewiß! ®iefeS ©ebäube ift mir eine ftrenge Mahnung aus ben frühem ^at)rl)unberten uns fernen ^ia^Ffommen jurüdgeblieben — eS fott uni geigen, wa$ &unft= fleiß unb ?(uen. — — — (In einer vom Kanzler v. Mueller zugefügten Nachrift auf demselben Bogen:) ©oethe ift megen eineS SßerbruffeS über bcn chien d'Aubry mit bern ©roßherjog jornig geftern nad; $cna entflogen; rcd;t bor &)orfd;tuj5 Ratten mir nod; am 93ättmod; einige föftticfye ©tunben beb ihm. (Von Gräfin Julie an Frau v Beaulieu.) 9Iiu 11. Oftober 1817. — — — ©oethe (beffen id; biefen Sinter erft froI; ju merben t)offe — ba id; il;n bitrd; baS 93er= Ijättnig ju feiner S£od)ter oftmals §u fehen befommen merbc) fät mir tuet freunotidjeS für £)ich aufgetragen; id; »erlebte ©eftern einen fe§r l;eitcrn Slbcnb mit i|nt in beut 3imnter Ottiliens, mo er bie SiebenSmürbigfcit fetbft mar. — — — — — — — — — (Von Gräfin Julie an Frau v. Beaulieu.) 2lm ©onntag ben 28. SDe-jember 1817. Uni unS nid;t fo bereinjeft ait btefcitt Slbenb ju fügten, ber ehemals» in fo großem greife uns bereinigt fanb, unb um burd; bie g-reube SInberer, bie unfrige nod; jtt ber= mehren — »erfammetten mir uns aflerfeits bei ©ocft;cnS, mo eS eine altgemeine SSefd;cerimg ober ©Leerung gab; bierjehn, bis fünfjel;n 3J?enfd;eti befamen unb tf;eiften bort aus — jeber hatte feilt eigen 5tifd;d)en — unb fo nal;m benit baS freuen, unb Rubeln, unb ®anfcn, unb ©tüdmünfd;eit unb ^Betrachten, unb tobpreifen fein Gntbe. — (Von Gräfin Caroline Egloffstein an ihren Bruder Grafen Carl Egloifstein) Stiii 12. SDterg 1818. Unfer alter |)err — näitdid; ©oetf)e — ift fd;ott mieber nad; $ena gegangen unb I;at miebtr unfere greube an feinem |jierfein genommen; ®u gtaubft nid;t mie überaus gut unb (iebcnS= mürbig er ift, mie fel;r er feine Ottilie liebt unb mie angenefm unS in beut .pattfc bereitet ift; cfjoffenttid; fefirt er batb mieber unb bann fangen gteid; bie freunbtid;cn Slbenbe mieber an, in benen er ^iter unb ernft feine Sehren auStt;eitt nnb fid; bon unS öerhätfd;etn läßt. — 9Bie oft münfdjc id) bann SDitf) iit unfere SMtte, mie ergötjlid; mürbe für ®id; biefe Umgebung fein, mo Sunft, Statur unb ber fdjarfe geiftige SSerftanb fo ticbenSmcrtl; fid; »ereint nnb fid; herabläßt fid; mit; gutheilen unb bcrftänbtid; ju mad;en. — — (Von Gräfin Julie Egloffstein an Frau v. Beaulieu) greitag am 13. ÜÖZärj 1818. lufjerbem rtocf) I)aBc id) auf ©oetfjenS SBunfd) unb (M)eif; ein neues ©tubiunt begonnen — bie perfpectijbe nämlid); — uub jtoar beim l)iefigen 5tl)eatermal)tcr, ber bie bequemfte 9Jietf)obe baben folt est ben beuten beizubringen; — unb jhjar in furjer 3cit. $cl) freute bie neuen Soften — unb fträubte mid) — ©oetlje meinte id) fet; nur gtoei ,ßol( breit nod) tont wahren 2Beg entfernt unb fönne nur burd) bie SenntniS ber ^>cr)pectiue baf)in gelangen. — 6 — 8 ©tunben mären tyinrcidjeub bagu — Mittler fieS l)eimfid) ben neuen 8el)rer fomuten — unb fanbte if)n mir fobanu unt»enuutl)et über ben .£)a(s — furj, icf; mürbe ju biefer ©ad)e Herleitet, o!)ne felbft genau 31t miffen wie? 35aS @nbe mirb geigen ob id) red)t getf)an mid) Herleiten 31t laffen — ober nid)t. — SßSir l)aben in biefen jiingft verlebten 3Bod)en l)öd )ft intereffante Stbenbe mit unb burd) @oetf)e ».er« lebt — mo er toürffidj nttbcfd) reib fiel) liebenSwürbig mar. Um feine @efpräd)e nid)t 31t »er« geffen, f)abe id) fogfeid) einiges bariiber niebergefd)rieben. *) Seiber berläfjt er um ® llcbermorgeu fd)on mieber; — (Auf demselben Bogen von Gräfin Caroline:) — — — ©oetl)e gef)t morgen Würflid) fdjon Wieber, Weif er fiefj bie SCngft um Ottiliens 92ieber= fünft erfparen will; wir finb alle reebt in ©orgert für fic, weil fic fo fefjr fd)wqä) ift. — — @ott Wirb fie ermatten!! — ©octf)e laßt fid) toon mir üorfingeit unb fcl;eint fef)r jufrieben; er fjiat neue lieber, üon 3 e ^ er ncu componirt, bie id) if)ttt üorfpicfcn uub befannt ntad)en muß. (Von Gräfin Caroline Egloffstein an Frau v. Beaulieu.) 21m 22. Ipril 1818, SBaS ©octf)e fagt öerbient einen eigenen 33rief; — $d) lebe jefct cigentüd) nur in beut ©litcfc if)n 31t Ijören unb 31t fd)eu unb mir ift es, afS ob id; für meine fan3c Jüfunft forgte, in- beut id) an feiner ©cite bin. @r ift fo gut unb tiätcrltd) gefinnt, unb id) liebe iljn unenblid)! — SBif f)aben bis je^t unfere ÜDJufenfcl)er3e tior ©oetf)c fjeintltd) geljalten, Weil er bie bid)tenben grauen f)af;t unb wir bon ifmt geliebt fein wollen; — allein er Weiß cS nun, unb uuparteiifd) Wie bie Siebe ift — finbet er ben 9Jhtfeut>crein geiftreieb unb woI)fgctf)an!? — £> unparteiifd)er fftarin! — er f)at fiel) fogar über meine ftritif ber ©cfyriftftelfer f)öd)lid)ft ergäbt. (Ueber denselben Gegenstand schreibt dieselbe am 20. März 1817:) 2Bir fjaben einen Sßerein auSgebad)t, Worin eine jebe über ein Steina eine 91uS= arbeitung liefern muß, unb f)aben auef auswärtige Mitarbeiter, W03U id) (55uftd)en**) aufforbre. Ottilie; $utie, bie Saute, Slbele ©d)openl)auer unb 8ufu 583ertt)ern unb icf) unb @5uftd}en!! (Aufzeichnung der Oberkammerherrin v. Egloffstein vom April 1818. Vgl. Goethes Unterhaltungen mit dem Kanzler Friedrich v. Müller, herausgegeben von Burckhardt, Stuttgart 1870, Seite 20.) ©in ©efurf) bei (&oett)e in Hornburg. £>er fd)önfte ©ommermorgen begünftigte bie $af)rt, bie icf) mit einigen greunben unter« nommen f)atte. SBir freuten unS an ben (sie!) 9Reid)tl)unt ber frud)tbaren ©efilbe burd) wefd)e *) SBaS leitet nicht evtjaltcu ift. **) Si'niflfte ©rf)ivefter fcer ©räftmien (Earoiiuc ltnb 3"'ie. — 10 — nur beim rafdjen Sauf bcr $ferbe hinzogen unb würben babei unmiüfuiltcf) an ben 3BccE;fe£ atfer ®inge erinnert, inbent tote ber furd)tbarcn .ßerftörungen gebauten, bie einige ^at)re früher heftige ©etoitter herbeigeführt unb biefe blüljcnben klaren in öbc Ste||en öertoanbelt l)atten. tlnfre tinter; Gattung toarb babitrd) auf ernfte ©cgcnftänbe l)ingelenft, iuSbcfottbcre aber auf ben fortwährenden Santyf bcS @uten mit beut Sö'fen. Einer meiner Begleiter meinte, eS gäbe eigentlid) fein rabicaleS 53öfe, fo menig, als ber ©chatte au unb für fiel) ein pofititoe^ GcttoaS fei. Von jel)cr hätten Sinn; ttdffeit, Trägheit bcS ©eiftcS unb $rrtl)iuu baS reine iWenfcl)lid;c gerfpalten unb bie größten Ver; toirrungen erjeugt. ÜDJan Ijafce ©uteÄ unb Sd;led;teS, $beal unb Sßirflidjfeit, Sftatur ünb Äitnft, S^eorie unb Erfahrung nie! ju fdjarf getrennt, als baß bie SWitteltinten, toetd^e bie Übergänge »Ott Einem junt Slnbern bi'lbcn, bead)tet toerben fönnten, obgleich eine beftänbige $Bed)fettorrfung gtoifd^eit biefen ftattfinbe. — 3)ie äcl)te Humanität Vermöge allein ben .ßtoiefpalt auszugleichen unb bie l)öd;fte (Stufe berfelbeu fei ®ulbung> weil burd) fte alte üMßtönc in Harmonie aufgclöft mürben. .'perber habe $toar bicS ^iel üor Stugen gehabt, toäre aber ftetS burd) feine lcibenfd)aftlid)c Steifebarfeit unb Spottfud)t Com redeten SÖege abgeführt toorben. ©oetl)e fei äußerft tolerant mit beut Verftanbe, jebod) nicf)t mit bem ©emüttje, bal)cr toieberfpräd)en feine «Schriften ben |)aublungen im täglidjen Seben, burd) toeld)e er intolerant erfj5§einen müffe. äBqS mir bisher fl ©oetl)c benehmen räthfelftaft gewefen, lüften biefe toenigen Söorte unb Härten midi über ben (S^civaftcr bcS großen ÜÜJeifterS auf. STud) üertiefte id) mich fo fel)r in biefe Betrachtung, baß id) erft toieber barauS ertoad)te, als toir in Hornburg anlangten, too nach tetrjem Vertoeilen in bem uns angetotefenen 5>imma> ©oethe erfdjten unb uns mit ungetoöt)nlid)er ^reunb; lid)fcit begrüßte. Stuf ben crftcnBlicE erf'annten toir, toie tool)Ifl)ätig ber 2Iufcntl)alt in jener reijen- ben Umgebung, bie mjfye unb Freiheit, bie il)in hier gu getoorbett, auf ©eift unb Körper bei ihm eingetbteft. ©ein großes Sluge ftraljlte in milberm ©lange ttnb über feine frönen claffifd )en güge mar bie reinfte ipeiterfeit Verbreitet. ®ie ftarre üDiaSfe, toelche er aus Verlegenheit unb Eon; üenieng tiorguljalten pflegte, Ijaite er abgelegt unb ftanb nun in feiner gangen Erhabenheit üor uns. 91a d) manchen fd)ergt)aften Sinterungen ging er allmälig auf bie toic^tigften Stilliegen bcr 3Äenfä)cn über. Sftit ber größten Klarheit unb SBärme fprad) er üon Religion unb fittlid)er Bit; bung als ben §aUf)tjtoeden bei- Staatsanwälten. Er fagte unter anbern: 35aS Vermögen jcbcS (Sinnliche gu üerebeln unb ben tobteften Stoff burd; Beratöl)lung mit ber geiftigen $bee gu beleben, ift bie ficherfte Bürgfd)aft unferS fiberirbifdjen UrfprungS unb toie fel)r toir and; burd) tattfenb unb aber taufenb Erfd)einungen biefer Erbe angezogen unb gefeffelt toerben, fo gtoingt uns bod) eine innige Sehnfud)t _ ben Blitf immer toieber gum Gimmel ju erheben, toeil ein yjterflärbareS tiefeS ©efül)l u.:S bie Überzeugung giebt, baß tote Bürger jener SBelten finb, bie fo geheimnißöoll über nnS leuchten unb toir einft bahin gurücffel)ren toerben. ®ie Religion foll ^rieben jtoifc^en ben ®e= feljen jenes geiftigen 9?eid)eS ünb bcr Sinnlichfeit beS Sftcnfdjcrt ftiften; bie SWoral toar nur ein ij>erfucl) bieS ju betoirfen, fie ift jebod) fd)laff unb fnedjtifd) getoorben, aiS man fte beut fdjtoanfen; ben Ealculo einer bloßen ©liidfcligtcitS^heorie untertoerfen wollte. Saut I)at fiel; ein uuftcrblicheS Scrbienft ertoorben, inbent er bie 3)?oral in ihrer höd)ften Sebeutung aufgefaßt unb bargeftellt hat- Sie follte ben GTl)araftcr bcr 9iol)heit milbern bcr nur riad) eigenen ©efe^en kbcit, in frembe Greife nad) S5Bill!ül)r eingreifen toill. ®icfcr 9{oI)heit unb SÖiKfiiljr Sd)ran!cn gu fegen mürben StaatS= bereinc gcfcl)loffen unb alle pofitiüert ©cfeofleute gieng ber alte .pergog mit feinem ©ofyit um fjalb 8 Ufa - aus ben .gittimern ber |)ol)ctt nad) bem großen ©aal — il)ut folgte bic ©räfin Wentel in Silber unb $umclen ftralenb, baS Sinb auf beut Stritt beffeu rotljfammtcne .periuelittbede »Ott 4 ftaituitcrjuufent getragen mürbe, fie felbft bon jtoei Saituncrljcrra unterftiigt — barauf famen bic beiben ®amcit, in ©olb geflcibet unb mit (Stcfylaüb unb golbneu 211)rcit gefrönt — barauf bie brei SXrjte — bann bic ©oubernante beS SinbeS, bic Slittntc unb |)ebautittc — unb bann bic g'efammte ®ienerfd)aft. $11 ©ebatter ftaubcu ber ©roSbater unb bie ©roSmutter, bie «gjergogin Qfba unb Sftiebefet als 8anbutarfd)all im Stammen aller Sanbftänbe. 93ott allen Orten unb (Silben maren ©eputirte anmefenb, fogar bie Jenaer ©tubenten fyatteu itjrc ©eputirtc gefenbet bic mit ifyrcn Sodenfyaaren, %er altbeutfdjen Meibung, rotten Sinben unb 3fcbcrbarettS fid) rcdjt munber= lid) aber fefyr malerifd) unter beit reidjgefdjmütften §errfc§aften ausnahmen. ®octI)c mar aud) anmefenb unb trofc feiner leiber! jcljt immertoäljrenben Ävänftidjfett bon ber fdjönften Saune. Um fyalb 10 llfyr ftanben mir in einem fünfter gufantmen uut bic 500 ©tu= beuten anmarfdjiercn gu feigen, bic bem jungen pergog Sari SUejanbcr August Johann eine gaefet mufif brachten. 35er Sütblid mar unbergleidjtidj — bic große 9)?affe 30g im fycllftcit ^ettcrglanj in ber bunflett üftadjt Ijeran unb fant in 4fadjer ©djlangentinie itt beu ©djlof&off herunter — ©octfjc berglidj ben 91nblid mit ben bremtettben Sabaftröiiten unb ließ mir baS Silb red)t beutlid) merben. ®ann ffloffen fie einen militairifdjen SreiS — mie fie beun überhaupt il)re Offiziere unb 9lbjubantcn l)attcn bic mit iljrett rotten ©djeirpen unb bloßen ©djfoerbtern fid) red)t fycrrlid) itt ber fd)qrfen Selj>üd;tung unb ben fdjnellen Semcgujtgcit ausnahmen — itt ber üDiitte ftanb baS 2)iufif= unb baS ©ängetä)or — fie fangen gang uubergleid)Iid) fd)iht unb brauten ein breifad)eS .fmrral) bem ©roSprgog> beut 9?eugebol)rnctt unb beut gangen ^ürflettljattS. darauf erfd)icnen 12 lange £ifd)c itt bem ©'d)loß!)off unb in furger $cit maren 600 Soutcillen SBeiu unb eine ungeheure ÜIQfenge großer ©Rüffeln geleert. Sic gad'cln brannten unterbeffen langfaut in berfd)icbencn Raufen aus — bie Siebter auf beut £ifd) glänzten ben (sie!) jungen beuten mit ©treifbeleud)tungcn an unb bradjten gang fonbcrbarc Silber I)erbor — bann berfanf baS gange itt eine regnid)te, falte ^ad^t, bie Vierter berfc^toanben, bic ©cftalten belegten fid) jmar luftig fiugcnb aber bemtod) gang i»ic ©chatten nun toieber l)inmcg unb baS gauberartigfte ©d^attcnfpicl mar gu Silbe. ®ie gange .^ad^t fd^märuitcn fie fingenb auf ben ©traßen untrer; üiele gieugen giiriif nadj Jena, viele maren im ©tabtl)auS untergebradjt, — oicle quartierten fid; eingeln ein unb podjten an ben Käufern mo nod; £id)t mar mit fittigen Sitten um ein Obbad);— ^alf l)at bereu 4 beherbergt bie er tobtnuibe gefunben; Seim heutigen ®incr Du 11 200 ^ßerfonen baS fcl)r fd)ön fid) im großen ©aal ausnahm, maren bic ®eputirten mieber gebeten, unb einer faß in meiner 9iäl)e. Sei feinen Soden aber fiel mir bie Bettina ein, unb als id) uad; £ifd)c mit il)in fpradj, gefiel mir ber 2luS= bruf feiner ^iige unb fein gangeS SBefen red)t moI)l, aber id) Ijätte il)ti iittitier fragen mögen: .pat fid; Bettina aud} gefämmt?? — SlllcS, alfeS grüßt unb miß ®ir eiupfoljlcn fein. — ©oettje, ©infiebcl, bie Scfyle,**) ©picgelS, Obcrt|ür, üiiebcfelS, bic Scuft, SOiitller, bic gritfd) — mer geißlet itjre iTfal)iucn? — SietmalS fabelt mir angcflungen auf ®ein So 1)1 unb baS bcS beften (JrcunbcS, unfrcS Beaulietts; — *) ©eS jefet vcfiicrcuteii @W^evjDg§, **) 5'räulein u. äüclff-febl. 2 (Von Gräfin Caroline Egloffstein an ihren Bruder Grafen Carl.) 3Int 17. (September (1818). Ulrifdjen (ogwisch) giet)t nod) in in ber 3Bett untrer; (jaft ®u fie uid;t iit @mS ge= fe^cn? — unfer liebes!, fyerjigejs Vottcf;en*) mar mie eine Gsrfd) einung unter uns, unb bat ein recht frcunblidjeS ©ntpfinben in meiner Gruft jurüfgetaffen. 3Bir Mafien unter unS eine SBufengefeßf^aft errichtet — noef) fehlen uns aber Hier unfrei* @d)meftcrn, ba mir nur fünf gälten l'önnen; alle ad)t Sage ift eine SSerfammtatg mo abmeäjfelnb eine jebebon ihrer Slrbeit liefern muß. ®aS ©anjc mirb in einlud; eingetragen, tu cid) es u f c tt - Herbarium fjeijjt, unb üon bent 9Ku-fen=9lr cfjiüar beforgt luirb; wenn ©u f'ümmft, barfft ®u üielleidjt hincinfehen unb £>ir ftjbiüinif^e 3Beiöt)eit baranS l)Dl)(cn. ®ie SÖhtfen heißen'- ^ule= SDZufe, ($utia) £ille=9}Jufe (Ottilie ©oethe), Ü)htfc=$itte, (id)) 8ine=3ßufe (^räulein |jerftall), 3(bei=3)hife (2lbele Schopenhauer).— @iel)ft £>u— baS Ijeijjt inSBeimar nidjt oljne tilgen (eben!! (Aufzeichnung der Gräfin Julie.) 3tm 16. Sßärj 1819. Sftad) einem Eoncert baS unfre Gfrmartungeu nid)t hinlänglich befriebigte, fuhren mir ju ©cetl)en§. ®er aße ■pi'vr empfing uns ganj befonberS järtlicf; unb entttriaeße, als mir balb barauf mit ihm am traute» ©jjtifdj fajjen, feine ganje SiebenSmürbigfeit in ©djerj unb ©ruft auf's alter reijenbfte. O mie l)inreißenb mie unmicbcrftchlidj ift biefer Sftänn, menn er in heitrer ©e= mütl)lid)feit fiel) jmifd)en feinen Mnbern unb greunben bemegt — batb baS ©roßte unb .!pöd)fte in'S ©efpräch öerfledjtcnb —• balb fiel; fd}erjherntu= thung nacl) gar nid)t eyiftirt unb folglich gar nicht getrieben habe—. ®ie 3BeIt fet; geneigt in allem bte $erföulf$!eit ju lieben — unb beShalb fd)reibe fie einem Sinjigen fo grof?e ©abe ju — mahr= fcheinlidf; aber hätten mehrere aufeinander folgenbe SDid^ter jene ©efänge ju ©tanbe gebracht u. burch inünbliche Überlieferung meiter beförbert — bis bann enblidj einer auf ben gefcheuten ©ebanfen gclommen fet) fie an einauber ju reihen unb jtt re (digieren) betn benn attd] ber größte äMtm gebühre —. *) ©vüteve ©emaltliit ief- (Srafcit Sart. — 13 — Jßüljrenb biefciit ©efpräd) baS cigcntlid) nictjr gtirifdjcn ©octfyc uub mir ftattfaub — fyatteu bic Übrigen bie piterften Sßi^e unter einanber über ben jungen üJticoloBiuS gemalt itnb (Moetljc naf;nt fiel) feinet ©rofjneffenS enblid) mit 8ebl)aftigfeit an — tttid) aufforbernb il;n jenen beibett Tanten, bie fid) um il)n ftritten, gind)en uub Ottilien nel)ml., abfpenftig 31t machen — er fettft gab mir ba= rauf bie beften Slnfdjläge an bic .panb wie id; bie Shtfmcrffamfcit bicfcS 1)öd;ft originellen uub •f^feetgfamen, jungen Sftenfdjen auf mid) teufen tonnte, unb forberte jule^t feinen @oi;tt auf, fid; mit mir 511 üerbünben ittbem ja beut SJiepljiftopljeleS ttid)ts> unittöglid; fei; was gift unb Soweit »erlange. — Sinken meinte id) fönne eS iiitntcrl)tn berfudjen — benn eS Werbe mir nid)tS Reifen — inbent nod) Seiner fie unb ntid) äuglcid) geliebt Ijabe — als einmal ein 9'torv @i S'iuber! fe^t — rief ©octl)e — aud) id) liebe Gcud) beibe jugleid; — unb fo tonnt iljr Sud) benn rühmen bau @ud) uidjt nur ein s Jiavr fonbern aud; ein gefd)eutcr 9)iatttt auf gleid)e weife geliebt — — jc . :c. (Von Gräfin Caroline an Grafen Carl.) 2lm 26. STOerj (19). — $on Ijier tonn id) SDir nur wenig fagett, was 35id) intereffiren mürbe; Quito ift jicutlid) wol)l unb mal)lt fleißig in Del; Xautdjen ift munter. ®citt Leopardchen ift 10 2öod)cn lang franf geWefen unb tonn fid) uod) immer uid)t erl)ol)len; Ottilie ift franf unb fd;Wad), wirb aber in furjer §cit äußerft feiig fein, Weil fie mit ifyrent SDZann nad; ^Berlin reifet, unb it)re ganbSleute täglid; feigen tonn. 9ltt iljrcr ©teile Werbe id) bafür beim Sßafer fitjen> unb auf bic SBortc beS [)of)ctt SMftcrS t)ord)eit -- ein (Mief, we!d)eS mir f)öt)cr erfd)eint unb Wcld;cS id) tiefer fül;le als id) 31t bcfd)reiben öermag. .© fönnteft 35u cS mit mir tljcilen unb ®eine ©eele ergeben an beut üieidjtljum uon allem was bie Gsrbc erfaßt, unb an beut 33(id in baS ©efitljl biefeS Seifen, ber trotj feinem @clbft= Bcwufffein Weis „baß er nid)t§ wiffc" in beut 2111 ber SWatur. — 0 id) liebe if)n täglid; met;r unb er wirb mir immer unentbehrlicher, unb id; tonn ben ©ebanfen nid;t of;ne @d)titerj faffen tipn if;ut 31t fd;eibcit; — ®eine alte ginc tonn aud; uod; finbifd), fe(;r finbifd) fein, wie ®u ficf)cft, unb baritm laß ®u uns gegen einanber Wal;r unb cf;rlid) fein, benn eines gebt mit beut anberrt auf. — — (Von Gräfin Caroline an Frau v. Beaulien) *m 20. ( ? 19). £yd; fud;e oft unb toiel bei ©oett;e 511 fein, unb niemals fcf;re id; of;ne eine gellere unb gelehrigere ©teile in meinem Sopfe ober in meinem ^erjen, toon il;m jurilf; id; gebe mir SD'iülje baS oott if;m gefagte aufjufdjrciben unb cS mir unbergeßlid) ju erhalten, benn fotd;cn üDfcifter finben wir ©diülerinnen nimmer wieber; Unb wo lernt man tcid;tcr als int tiiglid;en praftifdjett geben, baS praftifd) üortrefflid;e auffaffen? — — — — - - — — (Von Canzler v. Mneller an Gräfin Caroline.) SBcintar, ben 16. ^funi 19. ÜKorgenS. SRcin, beffe Sine, id) fd;reibc ^bnett nid;t, wie große Neigung id; aud; gefteru baju f;attc, — benn weiß id; nid)t aus einer berbrießlid)en ^»nitottter (Srfaljrung, baf; fie mir uid;t ant= Worten?? nein! id) f;abc $f;re lieben ©j^riftjüge uod) nid;t crblidt, baS aller liebfte 9{eifc=^our= nal tt i d) t gelefen, bic Wa-I;r£;aft fjumoriftifd; ptoftifd)e ©d)ilberuttg beS groben "ißoftmeifterS unb feiner rad)cfüd)tigcn @f)e=©efäf;rtin nid;t oernoutittctt, unfern öcref;rten §errn unb SDiciftcr burd) eine ganj furje Ütelation barauS, nid)t in bic allcrf;eitcrftc unb tl)eilnel)menbfte«Stimmung ocrfcl^t; eS ift nid)t ein 2Bort waljr, baß er 31t mir gefagt: ■■■ ^ ' ' — 14 „®te närrfdjen Stinbcr, wenn man fte liier um fid) bat, finb fic taeiiurn unb juviiif= fyaltenb it. albern = befdjeiben mit iljren Talenten, n. tuenn fic lueg finb, toernimmt man erft, ttwä fte für atfertiebfte gebern führen; baS I;at ja orbentlid) Runter, (Tompofition, naibc Senkung ber SJRotitoe, Slnfang unb @nbe, baS bebt ja bic Cbjef'te Kar, lebenbig, anfdjaulidj fjerüor, in unferm ©inn unb ©tl)l, gerabe luie nur es fetbft gern machen möchten; fort, fort bamit, ber alte SWertin föniite faft eine Slntuanblung uon ©eljnfudjjt bc= fomittcn unb fiel) einbilben, bic 8tne t)icltc nod) ettoaä auf feinen alten Sopf, u. baS wäre bod) fejjr eingebilbet." SBie gefagt, cS ift fein 3Bortbaöon toaljr unb fo luillidj eS^vbtten äudj nidjt fcf;reiben; — beim! — üftein, icf; fdjreibe ^ ; l)nctt überhaupt ni djt -— lueil — tueit — id) uerbriefdid) bin, fcl)r toerbriefjlid), unb $l)nen nidjt öorffagen luill. Unb folfte man aud) nidjt uerbriefslid) feiert? 3uerft regnet es ja, — u. s. w. — (Von Frau v. Beaulieu an eine der Töchter, wahrscheinlich Gräfin Caroline.) 1820. •— -—- Sin Sluguft ©oetlje fage, baf; tdj feine Slnjeige banfbar erhalten unb bajj harten gctuöl)nlid) mir fein erfrculid)cr 21 ut>Iif |u fein Pflegen, baf aber biefe mir bie größte gfreu® uerurfad)t, ba id) fie atö einen 33elt»ei§ aufnehme luie nalje er fid) mir glaubt unb baf; meine Ü&eilnaljmc an feinem ©Inf feinem .gtueifcl unterworfen ift. STaufenb ©rüße nadj ©tanb unb SBürben in jener ganjen ^amilie. 9?tut wirb ber arme SÖaltcr bod) nid)t mel)r allein gebilbet unb gejubelt »erben. I (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie.) Seit 21. pfebruar 1823. SRitten itt meiner Slngft unb Qual um ©octfye*) mar bie Suube Qf^rer glücfl. Slnfunft itnb ber ©rfüllung meiner ^ropfjejet ^ungen in Böttingen — ein Weiterer 8idjtftral)l, unb meinem ^erjett feljr »o^'lt^uenb. 2ldj, Wer l)ättc gealjnbet, baß bieSßerfe**) iti^r ©enfbudj waljrfdjeinlid) bic legten aus ber fjfebcr beS ttjeuren SRannel fetjn mürben! ©eftern überlief; id) micl) toieber ben berul)igenbften Hoffnungen, |)eutc ift er toiel fdjlimnter unb felbft Ottilie finbet fein ganzes SBefen toeränbert itnb erfdjiaffjt. Sonntags folf ber cntfdjeibenbe Stag eintreten, id) jittre ifjttt entgegen. — — ©eiuif; ©ic füllen rccl)t tief mit nnS, beftc Qulinbe! tote groß ber üßerluft fet)it Würbe, ber uns bebrolit! SDJein Sopf ift ju Wüfte gum (Schreiben — taufenb ^jerjltdjeS an 9Rama unb SSeauliett, taufenb treue Sünfdje für ©ie alle. SReine grau fagt $I)ncn bic freunblidjften ©rüf;c. @wig ber ^Ijrigfte. y M (Yon Canzler v Müller ) Sin 0fr. v. Beaulieu. 35en 24. gebr. 1828 2lbbS. 9 Ul )r. ©ben fontntc id) uon ©octljcnS Äranfenbcttc, — nio id) 4 ©tunbett iit großer ©oanmtng jubradjte. Ss fd)eint eine iiriftS eingetreten, bie wieber Hoffnung fdjityfen laßt, baS ©ewufjtetynift wieber ganj frei), baS 2.(tl)etttl)olen rullig, bie @d)ntcrjen minber, bic SobeSfiiltc in ben .panben beginnt ju lücid)en itnb alleS beutet auf eine ruhige fiac^t. 3ßeld)c nterftpürbige 3iuj;cruitgcn tbat er, luie flar beurteilt er feine ftrattfl)eit, luie bic eines gremben, unb luie liebeüoll, luie *) Segen befjeu fdjiverer Stfranfimg im gefetuar 1823. **) ®te ©cetbe am 10. gebriiar 1823 Siiiien »er iltret ülOreife jit tftrev SSJZuttcr auf baS te^tc Statt löreö 3tU'limg gefcfyriefcen battc; Slbflef^lcffen fei ia^ Sud)! ec- enthält fiirwabt geiuiri; it. f. i». biefen Söatiben unb wie frei ntufj fief) biefer fügten Wenn er bie ©d;it>elle überfdjritten !jat! — ! — 3$ Weine um mich, id) traure uut Ottilien, id) betrübe mid) baf; ^f)r Surf) betrüben Werbet, aber id) bitte ©Ott ben Äampf nid)t gu Verlängern. Meine $ulie l)at ein fcpneS ©üb feiner Siebe unb Zuneigung mit I)inWeggenommen u. tröftenb fteüjt ber ©ebanfe bor mir, ba§ fie fiel; nod) baran ergögt l)abe unb bon feiner Siebe gu iljr übergeugt war. Montag Morgen. Norf; ift nichts pntfcfjieben; id) lege Sud) Sorets f)eutige<§ ©illet bei, ber mit ber treueften unb innigften 21npnglirf)feit um ben Traufen gittert unb ebenfo treu alle Nachrichten ftünblid) mir mittl)eilt. gd) ibermag ni,d)t gu Reffen mel)r, refignirt will icf) ber näd)ften ©tunbe entgegengeben — fie fann uns nid)t$ ©ute£ bringen. Ottilie bat mit ber innigften ^reunbfe^aft £yulienS gebaut unb trauert um ifjre SErauer bie fo fd)nell il)rer Slbreife folgt; - Ottilie geigt eine ungemeine @tanb= haftigfeit unb fräftigen ©eift, trolj if)re3 fd)Wäd)lid)en Körpers. ©ie macht alle Nädjte beinahe unb T;at itjre ©ebanfen unb Üeberlegung für bie übrigen nod); aber fie ift aud) oljne ÜEroft, ofme §off= nttng, unb wir brauchen allen SJöttlj um biefen SJerluft gu überwinben. — — — unt Ijalb 3 UI)r. Sben fontnte icf; boitt Sranfenljaufe — August G. giebt alle Hoffnung auf, unb ber ^ßitlS fotl fo fonberbar fc^nell unb fd)wacf) abwed)felnü fd)lagen, unb bie <3d)wctd)e fo grof; fein — Nein, icf; pffte ja fcf^on bon Slnfang an nicf)t mebr! — ber ,f)immel frf).enfe mir nur bie ©nabe duef) alle gefunb ju wiffen, arf;! eine ©tiirfung, ber füßefte SEroft meinet Sebent, ©ott erhalte mir il)n. (Von der Oberkammerherrin v. Egloffstein an Gräfin Julie) 2lm ©ontag (den 23. Februar 23). ®a icf) bie £f)üre nicf)t öffnen fann, um mein £>crg buref) 3)Httl)eifung gu erleichtern, fo tf)ue id) eS burd; bie 5 ß ber, bielleid)t baf; es micl; erleichtert. 3)er ,3uftanb be^ grof5en lUiaunes, ben wir lieben unb et)ren l)at fiel) berfrfjlimmert, unb nur Wenig ^ofnung bleibt uns. ^jrf) tann bie§ nief;t of)ne Streuten niebcvfcbreiben, ba alleS fo lebhaft mir bor bie ©eele tritt, Wa3 er ltnö allen War. Sie Nacl)ricf)ten bon biefem Morgen finb fd)lintm, fefjr fcblimm. $cfj fil|e, unb ftarre bor ntief} f)in, o ©ott, waä ift afleS auf ber Söeft. . SDiefe Sfugett aus welken ©eift unb Seben fpraef), Werben bielleid)t balb ftcl) fcf)ließen, unb blitfen nur fc^wad; unb unficf;er uutber, bie Sippen auS Wefelen bie lieblid)fte Diebe tönte, bewegen fiel) nur müljfam, unb enblirf) ber alles um= — 16 — faffenbe ©eift mirb balb nur mühfant bie getDÖfmftdjften ®inge faffen —- 3l<§| liebe $ttlie id) bin redjt betrübt. ®ie ©orte fo er Sir gttm 21bfd)ieb gab, finb mal)rfdjeinlid) bie (entert fo er uieber= fd)rieb. @3 ift mir Ijödjf* erfreulich, baß mein ©roßüaterftuljl, ber einzige ift, in beut er gerne fifct. 35er @r. .pevjog unb ^rau ü. Stein Ijaben tfjrn toeld)e gefdjicft, aber feiner beijagt if)nr, unb er jagte nod) ^icute „bie gute Oberfammer .£)(£. baut fid) eine ©tufe im ^pimuiel, burd) bie äSofyltfyat fo fie un§ erweist." Ottilie pflegt ifjnt (sie!), unb madjt bie Sftädjte, fie foll fidj mit großer ii'raft be= tragen, cbg(eid) fie feine £)ofmmg tjat, u. iueif} mag fie üerliefjrt. Sie muß ihm unterhatten, u. tnie in gefunben Stögen i|m erjäfilen. @o beflagt er, baß et Stroganof (meld)er fid) in Constan- tinopel fo brat» benahm) nid)t gefeljen habe. $urj, obgleich er fid; feljr franf füf)lt, fo ift er bem nod) gefaßt mie immer, unb betrautet ba§ treiben ber Slerjte, afe mären c8 experimente bie fie an einem ^rauben mad)ett „probirt nur immer, fagt @r, ber Stob fte()t in aßen (Sfen unb breitet feine Sfrme nad) mir aus, aber laßt (Sucf; nidjt ftören." ®er Ä'anjler ift außer fid), unb Soret ift fo betrübt, als ft>äre fein 33ater. $d) toeiß nidjt gute $ulie, ob id) 3)ir biefen SBrief fd)icfen merbe, aber c3 ift mir STroft, mir einjubilben cä märe fo, unb id) Jlprädje mit SDir. — 3)en Slbenb. @8 fotf beffer gel)en, menigfterfjj finb bie 2lnjeid)en beffer, bie ©pradje toeld^e faft baftitt mar ift tt'icber fräftiger, er hat mit Walther gefprodjen, unb ber 9te 31 ag roäre vorüber, @r Ijat geduftet, unb ettmu§ auSgefpucft, ba<§ lieber ift mäßiger, aber ba3 Sitter läßt toenig l)offen. — (Yon Gräfin Caroline an Gräfin Julie) Freitag am 28. $ebr. (1823). D meine Julie, freue 3)idj unb liebe Deine alte Line! — £jeute gerabe, roo $f)r unfere traurigen Seridjte erhalten müßt, fdjreibe id) 35ir in »oller @id)erf)eit über be3 tl)euren $rambe£ Seben! — SBeifolgenbeS bittet toott ©oret gang anbern Qnljaltg unb anberer SEenbung al3 bie frühern, toirb 3)ir ben beftimmten .ßuftanb §etgcn, unb freilief), bie $ufuuft fettft läßt ttieleS be=' fürchten unb bie 3ßafferfud)t fd)eint ftd) gang §u beflariren. Slber ber SJZenfd) I)offt fo leid)t, erhofft fo gerne, unb leidjten ©inneS fef)e tdj je^t bie©tunbett hingegen, ba id) nid)t mef)r ^u fürd)ten braudje beim ^Beginn einer jeben, fie fei bie leiste eines geliebten ^aupteSÜ — £) mie feegnete icl) 3)eine Slbtoefenheit!— mie fd)nterälid) tmtrb mir bie ^ot^menbigfeit £)id) betrüben ju müffen, mie troftlos machte tnid) ber ©ebanfe SDeineS @d)tueräenä. ©eliebteS, tljeure^ @d)toefterl)erj! — ©ein lieber, langer Srief |at meine ©eele theilö erguift, t|eit£ erf^üttert.' ©taubft 35u id) ^ätte feinen Sampf ober nur einen fe^r getDöf)nItd)en ju beftel)en gehabt um eingufeljen baß J)eine ©ntfernung oon Bier üftotfjtnenbigfcit fei?? — ©taubft $>u, baß ba^ I)erjjerretßenbe o (;eit bie Sftadjridjt nun aud) unb lege Dir ifyre freunblid)e Slntwort bei. «Sie Bat fid; benommen als ob ©oetl;e il )r SJater Wäre unb if)r .perj ftcf; wie immer, trefflid; bewiefen. — — (Von Soret an Gräfin Caroline.) Dimanche soir, Maerz 23. Je ne comptois pas vous ecrire ce soir ayant eu le plaisir de vous donner des nouvelles satisfaisantes ä six heures, mais il m'est impossible de ne pas vous faire parfc de ma joie, rnoi qui vous ai si longtems entretenu de mes inquielMes. Imaginez vous que j'ai passe plus d'une lieure dans la chambre de Monsieur de Goethe, assis vis ä vis de lui et ayant Mad de Goethe ä gauche et M' Rymer a droite! Quel cliangement prodigieux s'est encore opere depuis trois jours dans sa physionomie et dans sa voix! II s'est leve seul, il a marclie devant moi ses yeux sont presque toujours ouverts il parle volontiers, il mange avec appetit sa soupe, il lit ses lettres il agit des deux mains, tant l'enflure a diminue. Enfin Stadelmann m'a dit que ses pieds sont moins enfles qu'ordinairement le matin lorsqu'il se porte bien. Ce n'est pas tout, pour la premiere fois on a pres le the comme de coutume sur la grande table, Mad de Goethe a detache de son bonnet un noeud de rubans roses qu'elle a fixe en signe de triomphe ä la theiere, cette action a fait sourire le convalescent. comme il doit etre donx de revenir ä la vie lorsqu'on voit le bonheiu' briller sur les traits de tous ceux qui vous environnent! Une colleetion de pieres fausses a ete mise sous nos yeux, pendant que nous etions (.ccupes ä les adinirer, sot et maladroit que je suis, j'en laisse tomber une qui disparoit sous le bureau; tout se met en mouvement pour la retrouver je m'enpare d'une lumiere et je me couclie sous la table avec tant de bonheur que je mets le feu ä ma perruque, nouvelle confusion, odeur detestable L'excellent M de Goethe n'avait pas l'air d'en etre fache ni derange; honteux de ma sottise je prends mon chapeau et je fais la reverence, non sans me repandre eil excuses. Yoilä mon histoire, moequez vous de moi si je vous ai trop tourmentee l'autre jour. Yous voyez que je suis genereux, j'off're des armes contre moi meme. (Von Gräfin Julie an Gräfin Caroline.) 21m 6. pKärj (1823). £> meine liebe, liebe Sine! Wer betreibt baS ©efüljl Womit id) Deinen geftrigen ©rief empfing unb unter bem gewaltigften ^erjllo^fen in ber §anb wog — Ger mußte aller tneiifd)lid;en 91nficl;t rtadj baS ©ntfefclidjfte enthalten — aud; l;atte id; ja bereits alle meine Hoffnungen ju ©rabe getragen — allein ein unbefd;reiblid;e£ StWaS in meinem $nnern fämpfte nod; immer gegen bie graufe 2ftöglid;feit an — —; mit einem I;eißen «Stoßgebet ju ©ott erbrad) id; enbltcnl baS üer= bängnißtiolle «Siegel - entfaltete id; baS gefürd;tete ®latt üon bem id; baS Sdjmerälidjfte erwartete unb bas nun ftatt beffen nid;tS als ^reube unb 2öonne burd; alle meine Slbern goß! — 9Jiein erftes ©e= *) SBerwunbte tcr ©räfut. — 18 — füftl war bic lebhaftefte 35 anf bar feit gegen ©ott— mein gWeite£ ber geäpgfteten 9J?utter bie frohe Slmbe jugurufen — auf beut fylucjc ju ihrem .gtmmer a&cv, fti'trjte fte mir fdjon entgegen, ben SBrief be§ Äanglcrf bod) in ben Süften baltenö! jubefrtb fielen tuir einanber in bie Unit? unb gelten wtf otjne SEBorte, aber unter ben fünften tränen, lange umarmt, war ein feetiger 9lugcnblid, ber Wof)l bic vorhergegangenen, bittern Slugcnblicfc aufzuwiegen taermochte! Sin Seiner eigenen Qual berechne Was id) gelitten bei biefer Gegebenheit — id), bie ot)ne Nachricht, bon ber ©wigfeit einef ^ßofttagef gum anbern mein Wunbef ^erj umhertragen mußte, ohne Hoffnung, oljne Sroft — aber 35 u I)aft baf allcf ja mit mir empfunben, mit mir geseilt, 35u theuref, järtticheS @cT)Wefterl)erj! mitten in 35einem eigenen tiefen Summer baft 35u 35 id) um ben meinigen betrübt unb fo ift e£ beffer id) er= fpare 35ir bie ©djilberung beffelben. Gef ift ja 9IUcf nun Horbell Unfer tfyenrer greunb lebt — erwirb lebrn, er wirb unf, ber SBelt, ber SXJad^Welt nod) erhalten werben £5 wie bie ©djmcr= gen^räne in meinem 9luge nun bon ben feeligften grcubentljräncn berbrängt werben ift — $d) bliefe Wie geftern üKorgen nod), unberWanbt bie eblen, in Srj gegoffenen Qüge bef geliebten Sftanncf über meinem ©djreibpult an — aber bic büftern galten auf meiner ©tirnc fjaben einem fecligen 8äd)eln ^la(j gemalt —; $d) fel)c nod) wie ©eftern unb alle bie frühern Sage, beut 3iel)en ber SBolfen päd), aber id) muß nid)t mcljr babei gittern baß Ger, bem fte fo oft bie reinfte fyreube gegeben, nun bereit® über il)nen Wanble! 2111ef in unb um mid) l)er ift aufgeheitert — mein ganjef SBcfen, jebe Regung, jeber ©ebanfe reine, fcelige greube! Slud; ber äußere porijont hat fid) erhellt. 35af liebe Jölau bef §immel£, Wcld)ef jeitber nur burd) bie jerriffenert bout äßinbe ftürmifd) gejagten 9tegenWolfen l)inburd; blitfte, liegt heute flar unb Reiter über ber Gerbe, alf wollt' cf aud) fie, wie unferm greunbe (sie!) ju neuem 35afein erweefen unb beleben! (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie.) äÖeintar 3. Qttni 23. Unmöglich fann idj Ihnen, tl)eure Julinde! bic gewünfdjte fd)War;$e treibe iiberfenben, ohn e babet) auf jufpred)cn, wie treu mir bie Erinnerung $I)r lieBe« ©ilb täglich mit rother Äreibc borgeid)net unb aufmahlt. Sein h«t*er ©ang im 35uft= unb 9'iacl;tigallreicf;cn ^arf, fein Sunftgenuß int £f)catcr, fein gcmüthücf;cr 2tbcnb bety ©octljc, ber nid)t SBunfd) u. <2ehnfud)t nad) ^h nen unWiberftehüch aufregte! — — — — ©eftehen @ie ef nur, blof bety fd) war 3 er treibe hflben Sic an mid} gebad)t unb ef ift wohl übergutmüthig bon mir, Wenn icl) ^l) nen no ^ mehr Material bcrfd)affe, mich I^Warje SRegifter ju fd)reiben; ja, nicht einmal bie herjlidjen ©rüßc bef Saterf ©oethe borenthalte, bie bod) nod) fd)öner glänzen, alf jene ©tifte! 9(ud) ffißlair h nt Sh m ' treulich erinnert; SBic würben ©ie entgürft geWefcn fein, ihn alö Stbefeuf, Otto b. SBittelfbacfi, Seil, Äiegfratl) unb &ar ju feljen! Seibcr mad)te er @oetl)cf 33efanntfd)aft erft am legten Sage, bod) War fie für betybe Shcilc noch bott großem SÖertl). (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie.) äöeintar, 19. ©epteuiber 23. $d) fc^ricb Ehrten 3)?outagf nur gang flüchtig über ©oethe; bernchmcn Sie baf Näherer 911s er ©onnabenbf SDZittag in ^ena anlangte, bifitirte er unberjügtid) ohne aus^uruhrn, alle SBiufeen, 23ibliothef, 'Sternwarte, bis in bie finfenbe Vlcidjt, War 5 Ul)r Borgens fd)on Wicber auf ben Seinen, rebibirte bie 5Ehievarjne^fd)ulc, ben iSotanifd). ©arten, bie ©antmlungen jeber 2lrt, fpeifte fel^r f^ärlid; bei) Obrift fih n fer mit Snebel, bcfud)te bann grontmanf unb fc^tc fo jebenttann in Slthent ohne bod) 31t irgenb einer neugierigen ^ragC/ — bie ftuebel fel)r oft auf ber ^unge gehabt haben foll, — ßeit ju gönnen. — 19 — Site id) SlbcnbS fiebert Uljr bei tljm eintraf, lenfte fid) baS ©efprad) gar balb auf }Rel)bcirtfi 33raut, bie biefer Ijeimjufyoljlen gerabe jenen Slbenb nad) (Sger abgereift war. ®iefe fd)öne ©e(egen= tjeit ergriff ber alte .f)err auf's fd)laufte, fein eignes ©laubenSbefenntnifj auSjufpredjen. (£r tobte nämlidj bie Sraut über alle 9Jiaa[;c, nannte eS aber bod) einen bumuten ©treid), baf? Sieljbcm fid) fo rafd; üereljelidje. „(Sie Wiffen, jagte er, wie id) alleS extemporisiren fyafje, oollenbs eine ü?er= lobutig ober .p curat!) aus bent Stegreife war mir üon jetjer ein wahrer ©reuet, ©ine Siebe woljl fann im 9ht entfielen, unb jebe äd)tc Neigung muf; irgenb einmal gleid) beut Slitie plöjlid) auf= geffammt fepn; aber Wer wirb fid; bemt gleid) l)eurat|en, Wenn man liebt? Siebe ift etwas $bce((ej^ }p curat!) cn etwas reelles unb nie berWcdjfelt man ungeftraft baS ^beeile mit bent Reellen. Sold) ein wichtiger SebenSfdjritt will allfeitig überlegt fetyn unb längere 3f.it l)inburdj, ob aud) alle inbitoi= buellen Schiebungen wcnigftenS bie nteiften, jufamixten paffen? Übrigens ift 3M)beinS |jeuratljs= gcfd)id)te fo Wunberbar, baß offenbar bie ®cutoncn fid; ijineingemifdjt Ijabcvt, unb ba !)ütl)etc id; midj bagegen ju fpred)eit, ob icf) gleid) innerlich Wiitfycnb War." @ie werben mir jugebeu, liebfte ^reunbiit! baß man fid; inbirett nidjt bcutlid)cr auSfprcdjen fann. ®ie Familie ift nunmehr and; völlig Wieber beruhigt. 2JJittWod)S*) SDiittag fattt ©oetl)e l)ier an, war geftern bei ber ©roßljerjogin, l)eute ju SSelücberc, Wirb morgen feljr Wa^rfdjeinl. in ben $ret)fd)üt3cn — unb jwar auf ben SBalconü — gelten, ©eftern unb SSorgeftern brachte id) bie Slbenbe nebft Ottilie, bei) it)m ju, gang in alter @euiütt)licl/feit, unb übergab il)ttt aud) $l)rc Qeiä)- nung, bie ben lauteften 33et)fall ernbete. @r nannte fie „l)öd)ft congruent unb üerftänbig", SÖicper tobte gang befonberS bie fräftigen unb fd)arfen ,']üge um .f)alö, fihm unb ®ad'en. $d) folt flirten einftweilen bie fdjönften ®anffagungen anSfpredjen, bis er felbft geit gewinne, „etWaS Freundliches üon fid) ju geben." @ie glauben nid)t, liebfte ^ulinbc! wie Ijerjüd) er ^l)nctt jugctljau ift unb Wie id) rnid) baran ergölje: (£!)ftcr Xagert follen Qljre „Munda"**) wie er fie nennt, gefertigt werben über beren Verlangen er Weiblid) lad)te. 3fed)t artig ift eS, baf? fid) in Sarlsbab mein 2lbentl)euer mit beut dürften üon |)ol)enjollern unb feiner «SdjWefter (tion beut SKafferfall bei) ®aaben l)er) auf ©oetl)en übergetragen unb fortgefponnen l)at unb baß jene feine 23cfanntfd)aft unb er wieber untgeWanbt bie iljrige lebiglid) burd) iRcittiniScenjen aus meiner @rääl)lung ntad)tc. ©oetI)e War nad)l)er nodjmalS bet) iljnen unb rül)mt befonberS bie Intuutl) unb ben feinen milben Sinn ber ^ringeß $ulia. — (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie, vgl. Burckhardt a. a. O. S. 59) SÖeintar 25. (September 23. 5Jiad)ts. llnittöglid) fann id) mir baS Vergnügen Derfageit, $l)nen, tljeuerfte ^ulinbe! alsbalb ntit= gutljeilen, wie Ijerglid) unb licbctooll ©oetlje l)eute bon $l)ucn fprad). Cl)ttc allen 2In!aß meincrfeitS, rief er furj uad)betn id) eingetreten war, aus: „SS ift bod) red)t abfurb, baß Qnlie biefen äöintcr nid)t l)ier ift; fie Weiß gar nidjt, Wie Biel fie mir entjiel)t unb Wieüiel id) bab. entbehre, fo Wenig als fie Weiß, Wie fel)r id) fie liebe unb wie oft id) tttid) im ©eifte mit il)r befd)äftige. Qljnen fr> nn ^aS Wol)l fagen, obgleid) wir in biefcnt Quillt Sinais finb, benn id) traue $l)nen ju, baß fie gleid) feljr betrübt über il)re 31bwefenl)eit fittb."^9llS id) fterauf il)tu bie ©rünbe entwidelte, bie ^ : l)re je^ige 21bWefenl)eit luotiuirten, erwiberte er: (Sie l)at ganj 9{ed)t, baS begreife id) wol)l unb Ijabe mir längft int ©tillen alles baS, was @ie mir je^t fagen, felbft contbittirt unb enträtselt, aber nur nod) biel lebhafter unb paffipnirter, als @ie eS auSfpredjen, (?) ja, Wä^renb ber Sranfl)eit ber ©roßl)eräogin l;abc id) beftänbig mit Wegen Julien gegittert unb nod) jetjt Werbe id) Wütljenb, wenn id) mir nur bie 9Jiöglid)feit benfe, ba'f; eine für Julias ^utiiitft fo l)öd)ft paffenbe unb wichtige 'perfpectiüe üerloren gel)en fönnte.***) ©laubt mir nur, baf; ber alte SÄerliu in feiner Sad)Sl)öl)le fid) mand)e ftille «Stunbe mit foldjen Slbwefenben befd)äftigt, bie für *) 3>en 17. ©evtember. **) 3lt'fd)viften tet Julien (icwibmcten ßietidjtc. (?) ***) Die Sluc-ftctt, H\) ©väftn 3»tic ^pfbame bei ®cr ÖJrefjEjerwerte. — 20 •— tljn eine actio in distans haben (b. I). eine unmittelbare Sßirfung in bie gerne). 2Inbere erfreuen mid) bto3 burd) ihre ©egenloart, burd) ihre fid)tt. Gcrfcheinung, finb aber rein.Sfcidjt« für mid), loenn id) fie nid)t bor mir felje. SDZit jenen aber fann id) mid) unfid)tbar unterhalten uub barunter gehört $utie. $d) ibeif; ju gut, bajs fie mir burd) feine anbere jemals erfe^t toerben fann, uub eben barum bin id; fo betrübt, baj? fie mir gcrabe biefen. Söinter fehlt." Hub babet) toar er fo gemütfytid;, fo bertrautid), aLS id) ihn lange nidjt gefunben in biefen Gagen. ®r erjähtte mir biet » diu iWarienbabe, befonberS ton ber ©räfin Szymanowska, bie fo hmnberfdjön Etabier fyiett u. fagte bort ihr: (Sie fei; fo fd)ön u. tieitötoürbig, baf; man tro^ ihrer jauberifd). Gölte froh fei;, tuenn fie aufhöre, um fie nur fpred)en ju fönnen u. luieber uiit= getbanbt toünfcgf, fie möge nur tuieber Rieten, toeit itjr ©predjen fo feljr aufrege, baf? man nur 9iuf)e bei itjrent ©piet luieber ju finben hoffen fönne. Gsr fagte, ohne atte ©inteitung fet> er fo fdjneft. mit i§r befannt geioorben, luie man in einer milben, reinen 8nft ftd) atfobatb ^eimifd; füljtc. ®arauf folte er mir au3 feinem ©artengimincr üjre |)anbfd)rift, att3 ber @r ihren S^arafter bemouftrirte, u. ta3 mir bann im t)öd)ften ^3att)o3 fein ©ebid)t an fie bor, brefy tuunberfdjöne ©fangen. SBie ftrengte id; rnidjf an, fie gu behalten, — aber nur ohngefäljr giebt bie Slntage fie toteber. ©ggegen tautet ba§ fteine ©ebid)t, lua§ er itirer @d)tueftcr, fyvtein Wodzeki (sie!) in§ ©tainutbud) fd)rieb, luörttidj atfo: (fie gtaubt nämtid), toegen ehteS öfteren @eitcnfd)inerge;? batb gu fterben u. ein geiftrcid)er junger ^ot)te liatte it)r fd)erg= toeife eilt Geftan||nt aufgefegt, tuorin ihre einjetnen Gugenben an fo biet berfdjiebene gfreunbe tegirt Würben) „3Bot)f I)at ©ein Geftaiuent jebtoeben 9ieig bebacljt, „mft beut Statur fo herrticl) ®id) bottenbet „Unb jebeitt greunb ein reichet Gt)eit bermad)t, „©rosmütig jebe Gugenb auSgefpenbet: „©od) lueittt ®u © f ü cE Iid) e gu machen tradjteft, „@o tbär'g nur ber, beut £)u ®id) gang berinadjteft."*) @ie fclien atfo, baf? feine 8eibenfd;aft für Ulricke Levezow tuenigftenS nid)t exclusiv ift u. baj? td) 9led)t t;abe gu behaupten, nid)t biefeS eingetne $ttbibibuuitt, fonbern ba3 gefteigertc 23e= bürfnif? feiner ©eetc überhaupt nad) a)iittt;citung unb 3Äitgefüt)t t)abe feinen jeljigcn ©entütt)ä Qu- ftanb ^erbebgefütjrt. 35ie rot)e unb tiebtofe ©tniteSlncifc feinet @ot)neS u. UtrifenS**) fd)roffe Sinfeitigfeit u. get)atttofe Stobität finb freilief; nid)t gemacht, eine fotd)e ©rifiä fanft unb fdjonenb vorüber ju führen u. bie arme Ottilie ift feit feiner Slnfunft beftönbig franf it. für it)U fo gut tuie uufic^tbar. ®a|er mad)t it)ii ber greife Sontraft gegen fein tjeitreä iöaabcteben lititunter I)öd;ft berftimmt u. nicbcr= gebeugt, too it)iit bann jebe äußere 2lnforberung. ^eintid) loirb. Qn fotdjer ©ttmittung trafen it)n geftern teiber Xante***) n. Slugufte unb mürben fet)r betoegt babttrd;. 9lber baS ift nur momentan. DJiir ift eg nod) immer gelungen, it)n aufzuheitern u. geft>räd;ig ju ntadjen. STJur üoitt @ot)tte tjer brot)t atteg Übet, ba ber öerrüdte Patron gegen ben 93ater ben ^idirten f^iett tt. fogar Ottilien mit fid) nad) ^Berlin net)iiten loitt, loob. at^bann erft atteS bertoren get)en fönnte. ®od) ich h°ff e noc f) immer, eS fott mir gelingen, fotd;e Gottheiten abguttjehren u. ^itte wirb mir babet) treutid^ft helfen. §eute habe id) einen red;t freuubtid;ut ©rief bon @d)(of;er aus ©enebe erhalten. Jjbr ©rief u. ber meine traf bort gerabe am 12ten od)en nad) ^raitffurth- Sich, lm ' i>od)bortt)in gteich ju ihnen jaubern fönnte!!! *) 3" unterer gaffuitß fletit tag ®ebic^t iit @octbe§ SEetfeit ed, Streklke II. 454. **) ». SPoflÄcf). ***) 5)ie öberfammev^erriit ». ftetn. 3cf) fenbe $Ijneit fvcfrijBfifc^c Journale u. ein uniibertrefflid; fcf;öucs mifcigeS u. ftnnöoöß® bramati|d;eS ®ebid;t auf Goethe üon — — d. Robert, geben (Sie es aber ja ^tetitanbem jitm 9lbfd;reiben. @ute üftadjt l;olber Stern! ber mir nid;t auf= nod; untergeht, fonbernin fteter ®tarl;eit leuchtet!! v. m. (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie. Vgl. Burekliardt a. a. 0 S. 66.) SBeunar, 6. Oct. 23 SftadjtS. 35or ad;t Sagen erft, f[;curc $ulinbe! traf it;r lieber 33rief an mid; ein u. machte mir ben Sonntag juni hoppelten f^efttag. Seitbent werben jmel; ®epefd;en öon mir bet; $f)nen eingetroffen fet;n, bie momit id; ben 3>oigtifd;. 33rief iiberfanbte u. bie, ber Roberts Ijerrlid)ej§ ©ebidjt beklag. $d; bin begierig, Qljr Sob beffetben 31t Dernefjmen aber aud; über ©oet!;eS Eins u. Alles miiffem Sie mir nod; ein Sörtdjen fagen, — eS toerbient eS moI;l! Seit 6 Sagen tooljnt StafcSratl; Seimig au« Berlin bei ©oetlje, ein großer Shmft'fenner n. Äiebljaber, mit meldjem tagtägticl; bie großen ©oettjefd;. Portefeuilles u. alle SKebaillcn, Sronjen, SKöttim u. fonftige Paritäten burdjgegangen tourben. SÜBie oft l;aben mir Sic 31t un3 gehiöttfdjt! Stfjutj betätigte mein Urteil über bie Seiblerfd;. ©cmät;lbe u. frug uiid) nad; beut 9Jial;ler*) ber Shtbenfd;. reui ätttetier 3U mahlen, $d; fprad; jebod; gleicl; mit ©oetl;e uub bem ©rofÜrjog, um g$re 9ted;te 31t magren, u. fo mürbe it;r beiut aud; bie Se|d)ränfuug gemad;t, „bis 31t $l;rer Söieberfeljr." Saffe ber |)iimitet il;n (sie!) nur red;t batb eintreten! 0raft gleichzeitig mit , bie einen rings umfliege ofme baj? man fie greifen fömte" wol)l paffenb. ©ar artig fagte ber fteine SBolf bon iljr, fie gefalle «nt bod) nod) beffer Wie bie grofje Juno, (bie neue Süfte meinenb) unb er trollte gar nidjt effen, um ibr nod; länger jugu^ören. — Sßoutag Sftadjntittag (b. 27. £)ft. 23.) Sie gtängenb geftern ber |)of geWefen, jum ©oppelfefte ber Saiferin üOJutter unb be3 neu= geborenen Mitifen Eduards (fünftigen Königs bon Gsnglanb in Spe), ftetten @ie fid) faum bor, tljeure $itlinbe! Jjngbefonbere führte ber .Qufall " ne Unjaljl neuanfontntenber, juttt 3:t>eil and; blof burd)= reifenber ©ngtänber juflmmeu, bie in iljren glänjenb. Uniformen, unb mehrere barunter aud) bttrd) au^gejeitf}nete @d)önl)|ft gewattigen CSinbrud auf unfere 35amen matten, bie ©rafin Henkel nidjt aufgenommen. @uftd)en l)at getbaltig biet berfäuntt benn ber t)clbenl)aftefte |)elb bon alten, Sir Wylmsen, ©apitain be3 @d)otti)d). 2. Dragoner SRegimentf, meld)eg bei) Waaterloo fo fiegreidj läjnpfte, Siefer Alcides u. Antinoos jugteid), u. aud) geiftig feljr tiebenSwürbig, reift fd)on SKotgen nacf) London gitriid u. foll, wie man fiel) in bie 0)ren fagt, btof befwegen bon Petersburg über Per gereift fein, um bie fdjüne Szymanowska nod; einmat ju fel)en u. ju fjören. ®a ift el beim aud) billig, baft il)n ©ötl)e gum heutigen 2lbenb Soncert*) gebeten, tbo tuir baS berühmte Quartett be<§ ^ringen Louis Ferdinand, Wag er einft bet), ber ^erjogin Butter f^ielte, bon il)r Ijoren Wer= ben. ©in aperer intereffanter ©nglcinber, Johnson, Obriftlieutenant ber San^ier^, will fid) l)ier ein $ul)r lang bon beut ©d)merj erbosten, ben üjttt bie $lud)t feiner jungen ©attin erregte. Unb ein britter, Edgwoorth,**) Srüber (der) befannteu ;@d)riftftelterm, ift in ben fßarf berliebt n. l)at nod) ein l)alb ®ut^enb Sanbfleute angefünbet. 9ted)nen @ie nun nod) einen ^oftjug junger, unge= lenfer ^urfd)e bon 17 -28 $al)ren unb ben gebilbetften bon alten, ben „Daemonisclien Jüngling" Sterling (wie il)n ©oetl)e nennt, ^inju, fo toerben @ie leid)t begreifen, bafs allerlei) ©cgcniitittel für bie. Sangeweile am |)ofe btefen äßinter borbanben ftnb. — — — (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie.) SBeititar 3. Sftobentber 23. — 9^od) ift bie ^»erjogin bon ©otl)a (fdjon feit 6 Jagen) ^ier, ©ouper auf Souper, ©on= cert auf (Joncert, unb — tbaf aud) Gilten am nteiften befcl)äftigt, gleid) mir, — bie (iebenötüürbige ©äfymanob^fa, bie bon ben ^ürftlic^feiten unb ber @r. Wentel an bi3 ^ur ^r. b. Spiegel inet. (wa3 biet fageit tuill) alle meiblidjen ^erjen gewonnen unb bezaubert l)at; nun urteilen @ie erft bon ben ittännlid;en! Qu meinem näd)ftett Srief me^r babon, unb für jeljt nur nod) fo biet, baft ©oetl)ef, meine, 8tnenf unb ber ^ßogtbifd) tägliche @c^nterjenS!lage nur biefe War, baf? @te nid)t bei) ittt§, tf)eilS um fid) felbft an biefer poetifd)ften atler (£rfd)einungen ju ergi3(jen unb ju laben, tljeite um i|r ©onterfet) ju gewinnen. SWorgen Slbenb ift ba3 gro§e ßoncert, .Weld)ef wir iljr ab= gebrungen. ©tromet)er, ÜÄoltle, bie (Sberwein, alles bat fid) beeifert e3 51t fc^mücfen unb felbft bie $agemann fielet fid) fefjr ungern babon pl)^fif(^ abgehalten, ©önnen @ie mir bie ^llufton, tiebfte ^itlinbe! ^b l1en £ i n Siöet baju ju fd)iden, id^ Werbe mir weifjmadjen, @ie fet)en unfid)tbar gegen= Wärtig unb mein ©enup wirb um fo reiner fetyn. *) 9tacl) 2J!ue[lft (Burckhard a. a. 0. S. 71) faiiS biefeä (ioiicert ®icufiai( ben 28. Cctofcer ftatt. **) Edgewortli. — 24 — „3£enn $ulie nur eine STagerejfe entfernt wäre", jagte ©oetlje, „fo nutzte man fte mit (£o§» rierpferben Ijofylen, benn fo ettoaS ^ört fie fo leidet nidjt mieber." Unb tote fiat fie fiel; an iljren ©emäl)tben bei Sinen ergoßt, befonberS an bem fteinen 3)2äbd;en mit ber 5Rofe! üMttmod)3 2(benb geljt fte nad) Serttii unb öon ba nad) ^ariS unb Sonbon. SBir reben i|v feljr gu, über 23raun= fd)tueig ju gelten, unb bort ein ßoncert ju geben; toenn ba3 märe, müßten @ie mafiröd) f)in. llnb £>elj allem biefem unbefc[;reibticf;en latent toettfje ©infad^cit, meld)e ©utmütfyigf'eit, metdje ^ariljeit be3 ©efiiljfö! SWadj beut nnöerfd|mbeten 33erlufte ifyreS bebentenben 33ermögewi fjat fie fid) erft feit 2 Qfa^ren entfd)Ioffen, öon iijrem latent für if;rc Einher, für eine btinbe ®d)mefter unb für ifyre Eltern ©ebraud) ju machen, aber fobalb fie nur irgenb ein Ijintängf. Kapital ertoorben, teilt fie fid) für immer äurüä'jietien u. fetjnt ftd) fdjon jefet fd/mcrjttd) barnad), je marternber if)re @itua= tion für ifyr ©efüljl ift. — — STiie l)abe id) lebhafter erfamtt, metd)er fdjneibenbe Sontraft jmifdjen bem Seben unb ber $unft fid) auftaut, fobalb bie teuere baS erfte nidjt bloß fd)mü SlbenbS meniger befugen, benn ber Ruften forbert Schonung, ettoaS lange SSeite mürbe tl)m Weniger fdjaben. 2lber ma3 ift gu tl)un! 2)ie fetige SRembaum*) I)atte 9ied)t — man ftirbt in SÖeimar an feinen Jyreunbcn. (Von Gräfin Caroline Egloffstein an Frau v. Beaulieu.) äßontag am 29. ®egember (1828). ®er 21benb öergiug im ©angen giemlid) Ijeiter, obgleid) bie gemöl)nlid)e Bereinigung bei ©Oettern? nidjt ftattfanb; August G. mar franf u. feine Qfatnitte blieb bei il)tn —; bie übrigen lauten gur £antc, bie Pogwiscli u. Ulrike finb nod) abtoefenb, folglid) mar bie 31ngal)l ber ©afte fel)r fteixt. Sie 9ieifenben finb fort; ©oetlje befinbet fid) fo mol)l, mie id) il)n feit feiner Sranfl)eit, b. f). feit Vergangenem $aljr nid)t tbiebergefe^cn. fd;eint mir baß er feinen Neigungen bett 3(b= fd)teb gegeben t)at —; er ift bestimmter, Weiterer mieber u. l)ätt baS fepne ©leid;gemid;t mit alter, gemol)nter Staft. @o mirb man mirftidj nur Reiter in ber (SrfüKuug beffen, mag um§ gemäß ift, u. in beut heftigen S'autpf jmifdjen ben fd)mad;en unb ftarfen @igenfd;aften unfereg 2öefen§ mirb unfere @eete geftä£)lt uui) erhält ttjre ©Caftijität mächtiger a(3 öorl)er. SInten. (Von Canzler y. Mueller an Gräfin Julie Egloffstein.) ÜBeimar, 12. ^an. 1824. 21m Slbenb. ©oetlje grüßt ©ie öiel taufeiibmal unb mar redjt munter. @r bettagt ^r Unmof)[fetyn Ijcrjlic^ unb fagt, menn ®ie Ijier mären, müßten bie öorfetyenben SOiaSleu^üge. @ie ätfobalb curiren, *) £er 3?ame ift nic^t beutlicl) 51t (c[eu. — 25 — »eil SKait ^«eit nidjt ,geit laffe'n mürbe, franf ju fetyn. 8'teutn. Asverus betratbet SDiatbilben 5Et)on. 2)a3 gab itttS Stoff ju mannen ©djet-jen. 2ludj ber Meine, muntre 2Saltl)cr ©oetbe jun. unb Utrife motten ^Ijnen empfot)len fetjn. (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie.) Weimar, 4. $uli 1824. ®oett)e fagt Offnen biet Xaufenb @d)öneß uub <£>erjttdje3. Sßie glüiMidj »ihre id) gc= iwfcn, mcntt @ie bie 8 Sage toon ^3rf. 3taudjsS .picvjetyn mit uns Ratten beriefen tonnen! SCSgtidj Hon 2—7 lU)r mar id) mit iljnen äufautmen. Stnen tieberaSmürbigeren Sünftter giebt cS nidjt, fdjöu lote ein (Skiedje, eiufad), befdjeiben, offen, fd)ttefl auffaffenb, toon ber tjeiterften ©efättigteit! ®oett)c3 @tatue= Qßobelt ift trefftidj ausgefallen. ®iefen $ünftter Ijätten @ie jeidjnen muffen. ©octt)e feufgte oft barnad). „®odj l)at it)n ©djmötter (sie!) über alle ©rmartung gut gefaßt unb getroffen. Überbauet if|eS mir mieber redjt einteudjtenb geworben, baß @ie burdjauS t)ier fetyn,fdjnelf, ntöglidjft fd)netl, toieber I)ierl)erIontmen muffen. S0?it jebem £age toertieren @ie fdjon an (SoetbeS jet/igem Umgang, an feiner ßdjnfadj gefteigerten 3Kittl)ei(ungöfäi)ig|eit unb 8uft, unfdjä&bareS! $Betd)e Sluffdjlüffe mürben @ie jegt toon ifjm ermatten, nadjbem bie jjrieimatige ©efatjr feinet 33ertufte3 @ie geiziger auf bie Stunben feinet Umganges, $l)n gleidjfam eifriger in feinen 3Qcit= Leitungen gemacht faben-; Unb mie febnt er fid) nad) Q||tät! — ,,$d) fpredje nicf;t gerne toon $utie", fagte er ntir jüngft, tdj empfinbe im ©titten ju uie{ über i|r Wegbleiben u. über beu jogernben ©ang üjrer ^ofanfteflung.*) Wir tonnen uns> bodj nidjt r|§men, eine vorzüglichere ^ßerfon iljrer 2lrt gelannt ju I)aben! Slber trenn fie Mug, toenn fie nidjt buntet über fid) fetbft märe, fo fäme fie untoermeilt f)iert)er jurüd. ®aS aHein tonnte unb müßte ber ©adje fcttelt ein @nbe machen. $b re ©rfdjeinung mürbe baS alte ^ntereffe ber fjürft= lidjteiten an it;r rafdj beteben, unb ber gartefte unb bod) ber mirffamfte, ftillfdjmeigenbe 33ormurf für fte fefyn — u. glauben @ie mir, dürften tröften fid) teid)t megen Slbmefenber, aber nur feljr ferner' taffen fie Slnmefeube, für bie fie fid) intereffiren, unbefriebigt. WaS fotl il)r, $uliereJ, längeres Wegbleiben Reißen? @S tjat teilten toernünftigen @inn. @S fielet einer Söoutabe, einem ($rtro^en= motten burdj Wegbleiben äl)ntidj. GcS fdjabet üjr offenbar bei ben i£)errfdjaften, bie fie fe|r ungern toermiffen. @ie gebort ju uns, I)ier ift it)re ©teile. SBaS miß fie in ben SBätbern, in ben jfftdjen?" grau ü. ©febmege**) mirb nid)t geljen, bis $ulie fommt; bann aber gemiß in fürjefter ^eit. ©tauben @ie, ber ©roßberjog mürbe ^utie ein jme^teS SJiat megreifen taffen oI;ne itjr bie ©tette einzuräumen?" ®aS ift unbentbar. Unrj, fprec^t mir nidjt utel)r batoon, id) ärgere rttid) ju fet)r, eS mar unred)t fd)on, baß fie baS erfte SOM meggieng — toiet unredjter, ja abgefd)iitadt ift eä, baß fte fo tauge megbteibt, als Jene nid)t baS gelb toon fetbft räumt. ®a§ beißt ja, r|r fetbft ben 3öed)fetbrief toertängern. ©d^magt mir nid;t toon SDetifatcffe, toon unangenehmer @fi»finbüng bet)m SBicberfoutmen cor erreichtem QM, toon gefränftem @^rgefiil)£; baS ift für ^f)iüfter=@ectcn attenfattS, nid)t aber Rüttes miirbig; mer ben muß bie bittet motten, fid) über Meine Unannel)ift= tid)!eiten binmegfel^en u. granbioS genug beulen, fid) fetbft unb ber äftadjt feiner ^erföntid)feit ju toertraueit." @o fprad) ber atte SJieifter, ober, mie er fetbft fid) lieber benamfet, ber alte SJiertin u. mir Mang eS mie bie fd)önfte Harmonie atS id) @ie fo fd)etten t)örte. Stber er I)at red)t, gute, ttjeure ^utinbe! id) babe cS aud) fd)on tängft toorempfunben u. bin nad) reifer Prüfung ganj berfetben SOMmtng. ©cmiß mirb in ruhiger ©tunbe Qt)re geliebte äRutter ben ©el)att unferer ©rünbe nid)t toerfennen tonnen. — — — Unb mie mirb ®oetl)e fid) freuen, menn @ie feinem — 9fatlje, barf id) nid)t fagen, benn *) 9l(c' £>offcame fcci ber refliereiiteu (SrpßljctjcfliH. **) 91» bereit ©teOe 3»lte treten feilte. (Sie Hüffen, bafs er ftcts im iUhinbe füljrt „bie SJientfdjen (äffen fid) ja nid)t ratzen," aber — SBinfe, 9Bunfd)c gefolgt finb! — — — ■ — — — $nt ißaabe*) ()at 3)?an ,§|eit ju ruhigem Sefen unb Sie fyabcn meine tetjten ©ebid)te fo günftig aufgenommen, baß id) $ljnen mieber ein Kleeblatt batoon fenbe. 2ßatljilbe=3lugufte**) betr., fo mürben (Sie fidj gemifj freuen, fie fennen ju lernen, ber tiefe, gemütvolle «Sinn itjrcs Siefens, üerbunben mit ungemöljnl. 35erftanbes4HarI)eit unb ber garteften 2Beiblid)feit mürbe für Sie bie innigfte 2öal)l= fcermanbtfdjaft fofort begrünben. — 2(nf ©oetl)es> ©ebidjt u. ißrief an fie ift toorgeftern iljre Slntmort eingegangen; bct)bc3 Ijatte fie lebhaft gerührt, grüner fd)on Ijatte fie mir borgemorfen, id) müffe „ate ein ju mariner greunb" ihr 33itb bei; ©Oetzen ju günftig, u. baburd) im ©runbe „feinblidj" ausgemalt I)aben. (Von Canzler v. Mueller an Frau v. Beaulieu.) SBeiutar, 4. $uli 24. (Am Schluss): Soeben tomme id) üon ©oetljcjg Diner; ©raf Sternberg, ber Hon $ulie codierte, aus SBöfjmen mar Mnlafr; ein fjerrlidjer SDiawt! ©oetfye grüßt recf)t Ijerjlid) üftutter u. Softer. ' v _ M (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie) SBeituar, 19. Quli 24. (Der Anfang betrifft den vorauszusehenden Abschied der Hofdame Frau v. Eschwege, an deren Stelle Gräfin Julie treten sollte.) Sie Ijaben, geliebte $ulinbe! meine ^oefiett fo freunblid) aufgenommen, baß id) »erführt merbe, $Ijnen alfobatb aud) bie neueften, ja ba3 gange poetifdje ©eljeimnifs biefer testen Sage ju toerrat|en. Kenten Sic nur, Mathilde***) ift plöjlid) angefommen, I)at mtcf) u. ©oetlje aufs fdjönfte überrafdjt, miß auf immer u. emig bei uns> bleiben in aller ^ü(te ifyves jauberifdjen flteijeg!! Sic glauben bielleid)t, id) fei? toll unb fföridjt, nein, point du tout, plus raisonnable que jamais. C£s ift alte<3 budjftäblid) toaljr, (Sie merben fie fctbft feiert, finben, lieben, bemunbern, ja fogar copiren. ®ie^ eine SÖörtle'tn enthält ben (Sdjlüffcl be§ mnnbcrlidjen 9uitl)fcls. Macco nänt= iid), ber alte treue ^reunb, entjüift über bie burd) mid) bemirfte 2luäföt)nung mit ©oetlje unb über beffen fiob feiner (burd) mid) I)icrlier gebrauten) Oharons-SkitZr! (bie er nun für ben ftronprinjett toon Saicrn 311111 grof;cn Tableau ausführt) erinnert fid), bafs id; eine flüchtige 23leiftift=3eidjnung toon f^räutein $acobi'3 .Qiigen gemünfdjt tjatte; er meifj iljr meinen äöunfd) fo artig unb uuberfängl. torjutragen, ifjre greunbin bie ©räfin Sfteinljarb (beren ftillcn ©eliebten id;, burd) Sermenbung in SDZciningcn crmünfdjtc Slnftellung unb bcsgl. bie fidlere Hoffnung auf iljre ,panb gu üerfdjaffen, glüd'lid) genug mar) ergreift biefe ©elegcnlieit, mid) ju üerbittben, fo eifrig, baß belebe Mathilden berebert, fid) mahlen ju laffen, fie bemilligte e§ freunblidjft, unb nun fenbet Macco bas bcrrlidj ge= lungcne 23i(b an ©oetlje, mid; bamit gu iiberrafdjen unb bittet mid), es als ©efdjenf unb jur Sffiieberöergeltung für 18jäl)rl. treue ^reunbfdjaft angutteljmen. können Sie fid) ein härteres unb fd)öneres ©emebe öon Umftänben .gufättigpten u. (Sntpfinbungen benfen?? Unb mein üerbanfe id) cö ju allerlegt?? 9frtr bem llmfonft, benn oljne iaS „Untfonft" l)ätte id) nie in fo menig Sagen *) ©räfin 3'tüe frcfdnb fid) jur 3«'t i" 3?eitntorf. **) ftränleiii 9l«(iufte ffllatbifSe tie .^elbin bcö neu grau ». ScJiilien t>erfaßten S)icman§ „Ilms fonft"; »cflen ber 2let;nlid)feit fccv 2(uguftc mit tiefer £vltnn siett ber Schreiber it;r biefeit ®ovve(itameit. ***) Qtugufte Sacebi. — 21 — bie wir flicke Mathilde finben, entfdjfeijcrn fönncn, wehre nie ber SEBunfd) nad) itjrem SSilbe in mir fo lebhaft entftanben, f»ätte id) iljtt nie Ijalb ©djerg, (Srnft au3gefprod)cn, Sßacco iljn nie tier= ttoinnt.eit, nie gu erfüllen Stnlaf; unb SfJibgticf;t'cit befommen. llnb Weld) ein 23ilb! £>alb en gouache, 1)alb in Aqua tinta, fyalb mit treibe, Ijalb mit garben. ©octlje fpridjt, c§ fei) nad) ber neuen, granbiofen Lanier Gerards ä la Quodlibet ge= mat)tt; e£ fei) tljttt nie eine gierticf;ere it. toerftänbigere Bereinigung aller tedjnifdjen 33ortt)citc ber tterfdjiebenen Genres oorgefommen. @r freut ftd) im 23oraus>, auf ben ©ewinn, ben Sie, — feine 2)fat)Ierin par excellence, — barcutä für i?unftborfd)ritte u. bereu ßideid;teruiig gießen Werben. @r behauptet, Macco l)abe fd)WerIidj je ein bcffere3 Portrait gemaljlt, beut 9)?an, aud) oljne basi Original gu fentten, anfelje, baß c<3 l)Bd)ft äl)nlid) fet;n müffe. — — — SBenn ©ie, tljeuerfte $ulinbe! einft — b. I). halb, bieg ®ilb feljen u. einen einzigen it)rer ^Briefe tefen Werben; fo Werben ©ie, id) bin e3 überzeugt, fie bitrd) u. burd) fennen it. e3 Wirb $l)nen fefyn, wie e£ mir mar, näntlid) al£ ob ©ie fie fdjoit Don ^ugenb auf gelaunt u. geliebt Ratten. £> baß ©ie t£)r Ratten jet^t in S^cnnborf begegnen föntten; bann mürben ©ie nidjt meljr Hagen, nicht verstanden gu Werben; benn fo letfe berfteljen Wenig ©terblidje wie biefe Mathilde- Auguste. Goethe, ben bie gange ©ad)e gum allerl)üd)ften intereffirt, tjat nun mit feiner befannten Geheimnisskrämerey ba£ SBilb allen feinen grettnben u. aud) Sineu, ber SSollgogen, Slbclcu, unter ben mt)ftifd)fien Wormeln gegeigt, ol)ne eine ©fylbe gu berratljen, woljer fomme ober Wem e3 ge= (jure ober üorftelle, unb nun fdjwören ade (Stein it. SBein barauf, c§ fei) bie ^räutein Ulricke Levezow, ©oetljeS ©eliebte, u. tonnen nid)t aufhören, bie Siebend würbigfeit u. ©d)önl)eit gu greifen. Unb gewiß barf id) öon $£)nen unb SRaitta nid)t fiird)ten, baß ©ie ba3 ©efyeiutmß toerratljen. Sine war bie einzige, bie, gu ©oetljcg großem (Srftaunen, fagte, bie Spanier Ijabe, bei) alter Dri= ginalität, bod) 5 i'l()n(id)feit mit ber üDJaccofd)., worin er einft SDJabame SBetyraud) gemault. Surg biefeg S3ilb ift ein Wal)rei§ Sejrirbilb für baj§ gange ©oetljcfd). £)auß, benn felbft ber ©o!)n u. Ulride bilben ftd) ein, eS fet) ^rletn Levezow. — —.— — — — — — — . — — — SO^cine gfrau u. ©oetl)e fagett Qljnen 1000 ©djBne3. SZBie feljr Wirb ©ie bw§ lederen ©abe erfreut Ijaben! 3)cit ©raf ©ternberg tjabc id) feljr gliidlidje 8 iage öerlebt. (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie.) SQJeimar 18. Oct. 1824. (Im Anfang drückt v. M. seine Freude über die Entscheidung aus, dass Gräfin Julie als Hofdame nach Weimar kommt.) 2Bie wirb fid) ©oettje freuen, wie genufjreid) Wirb g$r SBieberfe^eu il)itt Werben! Unb nun geleiten ©ie alle guten ©eifter, t)otbe ^'ttlittbe! unb fiteren ©ie gliirfl. unb gefunb in unfere 3)fauern! Unüeränbert ber ^rigfte v _ Müller. (Von Gräfin Caroline an Frau v. Beaulieu ) Slrn 4ten 9'ioUeittbcr 1825. — 3lüe Söelt filjt u. ftift u. flift für ©oettje*) lt. ba mußte id) natürlid) aud) einige @tid;e ntac|en. — ■ (Von Canzler v. Mueller an Frau v. Beaulieu. Vgl. Burckhardt a. a. O. Seite 113.) SBeiittar, 16. $uli 27 9'iad)tä. @rft biefen SIbenb fanb id) bie red)te ©tnnbe, ©Oetzen, ttad) einem laugen ^Wctygefpräd) über ipelena, ^t)re inljaltörcicfycn, geiftDollen SBorte**) gu geigen. Ger War ungemein bauott erbaut, *) 3»t geicr feine« 3>d Urtljetf als äffe ^ymmermanne, Siefe u. 5)'iaupad;g unferer neuen ßeit fyaben mollte." „$a, tuenn biefe grau fid) nidjt fo fetjr ber Sßelt üerfd)loffen Ipätte ba fyättet $Ijr erft fetjeit foffen, ju toeld;em ©i^fet meiblid)e S'raft anjufteigen Oermag!" Qd) fdjreibe $ljnen biefe fliidjtigen geilen atfo balb getreulid; nieber ju $l)rer Erbauung u. (£rfrifd)ung. — — — — ©ute $yiad)t, £1)euerfte! v. M. (Von Gräfin Caroline an Frau von Beaulieu.) Sßeimar am lOten ©eptember (1827.) — ©oetlje fammelt ju Cannings Monument unb Sßebaille, ä person 5 frank. (Von Oberkammerherria v. Egloffstein an Frau v. Beaulieu.) äöeimar 14. ©e^t. (1827.) (Nach Beschreibung einer Geburtstagsfeier der Gräfin Julie in Tiefurth): ©oetlje, ber ^apa, fdjenfte nod) eine ©d)reibtafe[, bie ber ©oljn afe Courier überbrachte. — — (Von Gräfin Julie an Frau v. Beaulieu. 1827.) J'ai dejä peint la figure du Gr Duc sur la toile meme, et tous ceux qui l'ont vu (entre autres Goethe,) sont frappe(s) de la ressemblance et de l'expression agreable de cette tete, tres difficile ä attrapper en verite. Le tableau de Cölbe, que G. (Goethe) m'a prete pour ce but, m'est d'une grande utilite et me facilitera beaueoup cet ouvrage. — (Yon Gräfin Caroline an Frau v. Beaulieu.) Belvedere am 28ten ©eptb. 1827. — — — Ottilie ift entfefjlid; fetbent, — tvenn eß nur erft toorüber märe, u. nid)t jtoei Äinber lomtuen! — Ulride ift feljr nie! beffer; ber alte .£)err ift lnol)l unb Reiter, u. entjüft über $ulien3 ©fijje toom Sitb beS @rof;f)erjogg, fo loie biefer ganj entgüft üom 33ilb feiner ©etttaljlin ift unb mefyr nod) al^ mir alle geglaubt. — — (Von Gräfin Caroline an Frau v. Beaulieu) 31m 30ten Sftoöember (1827.) __ ©ontag fielen mir ©etoatter bei ©oetfyeng, $ulie unb idj. (Sä giebt gerabe ein ®u£enb savoir: ®ie ©roß, ©mma Froriep, ülricke, mir beibe, ber ©roSpa^a, Wegener, Waldungen, Lawrence, Soret, Nicolovius unb Stöpfer. — (Von Gräfin Caroline an Frau v. Beaulieu.) 91m 14ten ©br. 1827. (Über einen vom Weimarer Frauenverein veranstalteten Bazar.) ©oetlje Ijnt mehrere SBIumenbouquet« mit allerliebften ©ebidjten gefd)enft. (Von derselben an dieselbe.) 21m Freitag ben 28tcn ©br. 1827. ©a« @oetI)'i"cf)c ©ebid)t mit bern Öt§iueig tueldjen Soret in bem grauenüerein getauft u. mir gefdjenft, tlingt folgenbermaßen: „Seinen 33ütmenfIor benetb' id) $eben SBiberftreit öermeib' id;, yjiir ift'« gegen bie 9'iatur. Sin id) bod) ba« S)?arf im Öanbe Unb gurn ftdjern tlnterpfanbe 3frieben«geid)cn jeher ^hir. •Öentc. tjoff' id) folt mit'« glüden Würbig fdiöne« £)aupt gu fdjntüden."*) — -53ei ©Oetzens? tuirb erft in einigen Sagen befdjeert toeit Ulrite fraut getnefen. (Von Gräfin Julie an Gräfin Caroline über den Tod des Grosslierzogs.) (Ohne Datum.) SOieine liebfte Sine! Unmöglich fann id; meinen 23rtef fd)Iießen, oljne ©id), ©u tljeure«, traute« (Sdjtoefterljerg! nod) itt« 33efonbere barin angebrochen gu l)aben — beim nidjt nur bie Statur; aud) bie äußeren 33erl)ältniffe traben uttS ja auf ba« innigfte toerfd)miftert it. üerbunben it. fo toirb aud) btefer große, entfe^etbertbe Scljlag auf unfere beiberfeitigen SSertjältntffe ton gteid) mid)tigen, bebeutenben folgen fein. Unfer 9teid) ift gu (Snbe — ba« (Surige beginnt**) — o mödjte e« nur «g>eit u. Segen bringenb für ©id) merbenü — motten bie großen llmmälgungen, benett trnr entgegen geljen, Seine (Seele tote ©einen Körper nid)t aögufeljr erfdjüttern. ©laube mir, id) l)abe ade biefe Sage fjer nur ©id; u. ©'einen .©djmerj in meiner Seele entpfunbett it. fautit nod) 3eit gehabt über mid) felbft tt. meine ßufitnft nad)gubetifen. ©te ©eine liegt mit alt' iljrem enblofen ©lange, toie mit all' iljrer enblofen $ein, beutlid) bor meinen Slugen— id) toeiß genau tua« ©id) erwartet ad)! xt. gittre be«l)atb fdjmerglid) im SBorau« fd)on — bie meine aber, tu i e bunte! u. freublö« fic aud) immer »erben mag bel)nt fid) bod) looljl nid)t über 5 — 6 $aljre au« — unb geigt mir am Gcnbe biefer garten 'ißrüfungSgeit, ein freie«, unabhängige« geben, ©enn baß id) Don nun an unauftö«Iid) au meine £>errtn gebunben bin u. 3111c« Sltie« toa« iljre Sage mit fid) bringt ftillfd)iueigenb forttragen muß — begreifft ©u luoltl. — $d) I)abe ©ir bie« fd)on früher au«gefprod)ett. $ttt ©tüd l)ätte id) fte öerlaffen tonnen — im Ungtüd aber nimmer — nimmer! — § e tt t e i ft ber Jag, an bem i d) bei) @ u d) c i n g u t r e f f e n gebaute —! 2td)! aud) biefe greube fottte mir nid)t teerben. Slber id) murre nidjt — tonnte bod) alte« um fo bie! fd)merglid)er nod) fein! toeiß id) Gc u d) bod) guttt Slcinbeften in Siebe tt. 3ärttid)feit bereint u. meiner mit £§eiln||me gebentenb! u. bafiir greife id) ©Ott au« tieffter (Seele! 9Bie finb unfere fd)ttterglid)en SHjitungen bei beut 2lbfd)ieb ber |)errfd)aften fo tual)r geworben! ©er liebe, liebe ©roß= J)ergog! lannft ©tt bir« benn benfen baß mir ifn nie nteljr fel)en, nie ntel)r feiner $reunbtid)feit *) Sauft IT. Seit. **) (Bväfiii 3ulic war §of6ame Sei icr regicvcubcii ©l'pjjljeriOfliit, ©räpn (Sarctiue bei Set Srbgvojjtierjcgtu. — 30 — un§ erfreuen fotten? iDiir erfd)eint eS immer noch mie ein Böfcr Süraum •— oft aud) als fei) er nur berreift, unb boef; geigt mir Sittel um ntid) her baß c§ nur 3 u UKtfyr ift unb baß er uns nimmer ttricberleljren ttrirb — nimmer]! — 3Mn jfteiter ©ebattfe nad) biefer fd)reefeul)eit ber jungen £>err= fd)aften it. fetbft ber ©ro^herjogin mar große SBohltljat beS §imuietS. ©eftern ift bie erfte ©taffette attö Pawloski eingetroffen. SXttt 24, ^yuni früh h a t ^i £ Saiferin; SD?uttcr beut neuen ©roßherjog u. f. ©emal)ün ben Sobe^fatt eröffnet. 2?om SIbenb biefeS Sages ftnb bie ©riefe batirt. ®er beS neuen Sfiegenten an ba| aBinifterium ift jtoar fet)r Iftrj, u. mit fict)tbarcnt inneren bouleversement gefd)riebcu, aber fel)r herjtid), ebet it. gngetneffen. ,,Qd) werbe atteS ^ aufbieten, meinen geliebten Untertanen ju betoeifen, tote fet)r it)r Söohl mir am .^erjen liege u. tüic fet)r ich ftrebe, in bie toürbigen gußftapfen meinet öereteigten 33aterS gu treten!" ©ietfe fchreibt, bie §errfd)aften mürben fdjneH ntögtid)ft lommen; man meint, fie fet)u jetjt fd)on untermegg u. ertwartet nun ftünbtich einen ßourier mit näherer ©eftiiitmung. ©obatb biefer eintrifft, toerbe irf) SinenS Söagen, nad) ihrer ffleftintmung, abfenben. gatat ift eß, baß Qutie ben *) Dbcrfantmer^err ». Sgtcffiteiu. — 31 — ©djlüffel ju Sittel ©arberobe cvft hier perfönl. aus ihrem Bureau ausliefern ttnll u. bod) noch nidjt hierher fann. 3$ IjaBe fie gefterit bringend gemafnt, in ben nä djften Sagen bieS ju bc= ttiirfen. Sftujjerften ^afiS mürbe Sitte ihre Kleiber in Sifenad) finben. ®ie Saiferin = SOZutter hat — fel)r fdjön, toie man fagt — an bie ©ro^Ijcrjogin geschrieben. $d) lege baS Sranerprogramm bety. ,f)eute geht ein garbebruef t>on $uliaS Portrait ber ©roSherjogin nacl) SBithelinSthal ab; er ift auSneljmeub mol)! gelungen, Goetbe, ©tiefer, 9Äet>er feljr jufrieben. Sich, bafj ber gute ©roSherjog biefen ©enui? u. ben bon ©oetljgS unbergleichltd)en 33il= bern mie fie ©tiefer feelenboll gefetjaffen noch erlebt tjättel QeS ift feljr fdjabe, bafj $ulie nidjt länger bon ©tielers Unterricht profitiren tonnte. e Ijat il)r einer fo ftar it. aufrichtig baS toaljrc SJerftiinbnifj ber Sanft geöffnet, obgleid; feine ftrengen gforberungen fie anfangs abfcf^rccften. — ©oethe fragt beftättbig nad; 8ine. ©otteS ©egen über @ic alle, t|eucrfte, betbä^rtefte grettnbin. v Mueller. (Von Canzler v. Mueller an Gräfin Julie in Strassburg.) Söeimar, 21. Quli 29. ■ ©octl)e nimmt biet ftntereffe an ihr.*) Sßir befugen ihn öfters in feinem ©arten, too er jefet I)aufet. Rochlitz toar 6 Sage bei} uns, ein IjjjjStmtifdjer üKann, ber unS u. tbir ihn herjüd) liebgewonnen. 2luch fliaudj toar tjicv it. frag fehv nac h $h nen - ©oetl)e fenbet 1000 ©egenStnitnfche u. ©rü|e; nicht ntinber meine grau. (Von Frau v. Pogwisch an Gräfin Julie in Strassburg.) SGBeimar ben 1 ten $br. (1829.) — 23eh Goethe ljajjt eS allerl)anb grembe gegeben, berfdjiebenfter Stationen, jeijt ift nod) ber Silbhauer ®abib aus $artS I)i er ber bloß nadj ®eutfd)lanb gefommen um Goethes 33üfte 31t Verfertigen, bie aud) fdjon fel)r tneit gebieten fet>n foll. Ger h at baS ©anje coloffal genommen it. toie ich ^öre ben Sftann felbft in gan§ anberer 2lrt als bie übrigen Sünftler bis je^t getljan; ehe ich nid)t mit eigenen Singen geflaut fann id) nicht fagen ob er tvol)l get^an ober ob ihn bie Mobefucht anberS ju tl)itn tme anbete irre geleitet. — — — — (Von Gräfin Caroline an Gräfin Julie in Vevey.) (1829.) — $a^a ©oethe ift tbol)l u. munter u. fräftkjev als feit langer 3 e it; i f h M @iu 'tßarifer 53tlbl)auer, David, toar hier, bloS um feine 33üfte ju ntadjeu, bie fefjr fd)ön ausgefallen fein foll. Ottilie ficht fel)r blajj u. franf aus, Utrife leiblich- ~ *) gräulein 9linjuftc Socobi. (Von Gräfin Caroline an Grafen Carl Egloffstein anlässlich der Geburt eines Sohnes des letzteren.) äöetmar, ant 16. ®br. (29). 35 er Sanier u. grau, ©nfet 2tug. u. $fabeffa, gritfdjenS, Constance, ber ©berfgmmer= fyerr, ©oetfyens, :c. äffe fyaben beu tveueften an beut froren (Sreignifj unferer gamilie genom= inen u. grüfjen 35id) mit Siebe it. 9(nf)änglidifcit. — (Von Gräfin Caroline an Frau v. Beaulieu.) 2lm 13ten gbr. ©onnabenb (1830.) ©ott fdjente Gcttd) einen guten 5tag mit beut Ijcffen ©oimenftral)!, ben ber |)immet auf unS nieberfenbet, u. ein Reiter Singebenf'en an midj. •— Sei un3 fjier gel)t e<§ ben gleichen, bangen ©cfyritt; jebe ©tttnbe toed)fett bei ber lieben ©ro^erjogin, u. mit bern Scffer u. toeniger gut beftnben, fteigt u. fäfft unfer £>offen. (Seit einigen Sagen liegt fie nun ftiff ju SBette, u. tueil fie feit 6 Sßod)en luegen intern Slrmbrud) nid)t ovbenttid) gelegen fyat, fo Ipfft man ba{j bag Siegen eine gitnfttge 33eränberung auf bte ©efd)ft>u(ft ber Seine u. be3 8eibe3 tjaben toerbe. 55ie armen Kammerfrauen tonnen fief; faum nod) aufredet Raiten; u. biefe traben bie loenigfte Hoffnung für bie Gsrfyaltiutg ber tljeuren grau, u. fdjfeimmen ftetS in frönen. — Übrigens tüirb ber 16te nod; mit Diner u. 33aff gefeiert toerben, tt. am ÜDJittoodjen, too einige ©tunben lang ein :ptö£ttd)«> ©nbe öoraitäjufetjcn toar, fyat ber ©rojjljj. bei Häselers auf einem Thee dansant felbft getanjt. 35ie Seute ftnb f)ier äffe trofttoS, u. bie 2lnljänglidjfeit ber geringem Staffe toirb immer geringer. -— — llnb niemanD I;at ben ÜDhttl) ba3 redete SBort gu finben u. ben toasten Siatlj §u geben?? — O toai> für arme ©eeten, meine befte, liebfte SJiutter, it. tote gfeid)= gültig ntad)t e§ für affe<3 toa3 um u. neben mir fteljt. 35ie ©rf. Henkel töfjt fid) in £f)rcinen auf it. ift of)ne äffe gaffung; ruhiger itnb gefaxt ift bie Pogwisch, aber tief unb fcfymerjtid) be; trübt. Goethe foff trofdog fein, u. ber Sanier gefjt ftiff 3ft>ifd)ett un3 äffen ab unb ju, u. ttjeitt nad) gewohnter Sßetfe jebe ©orge, jeben ©djitterj au£ treufter ©erfe. — (Von Gräfin Caroline an Frau v. Beaulieu,) 35ornburg. 2tm 6. ©eptbr. 30. 8ies> 35n: Briefe eiltet SSerftorbenen,*) :c. —• ©oetfye fagt, e3 fei ba<3 befte SBud) tt>a3 neuerbingS erfcfyienen in jebe in SBetracIjt it. id) bin ftolg auf mein eigen Uritjeit getoorben, loeit idj eß bor i()nt gefagt f)abe. — : — (Von Canzler v. Mueller an Frau v. Beaulieu) SBeimar, 24. SJJärj 32. ©eben ©te, ßjeure grambin! bie S(n(age nidjt etjcr an Sine, bi3 @ie biefe Reiten oI)ne 3eugen getefen I)aben, um fie erft auf ben, für uit§ äffe fo unerfe^Iidjen SSerluft ©oetljeS üorbereiten ju fönneu. ©oret fcf;on fdjrteb, baß er erfranft, mir hielten aber bie ©efaljr nicfyt fo natje, obgteid) ber Strgt gleid) Slnfangg toenig Hoffnung |atte. SDfan f'ann faum genau fagen, woran er geftorben, es toar eigend. nur ein Satarrt) gieber, aber cS trat ^lögtid; eine gleid^jeitige ©todung affer 8ebenS= fräfte eilt, bafyer er gerabe fo überaus fanft, oljne äffe eigene Sobeä Slljnung, bon un§ fd)ieb. 9^nr *) Söoit Cßiicrffcv=9D?uC'Fau. — 33 — ber (Seift War Ijeiter u. fräftig bis gule^t. SDotmerftagS 11 l / t Wjr 23ormittagS ftarb er, in berfelben ©tunbe, am felbigen Jage, wie 35oigt toor 13 $aljren. 2Bas tonnte icl; fagen öon unferem ©cfymerj, WaS Sie nidjt felbft fdjon tief füllten? Stur fein Würbig — friebtid) — milbeS (Snbe ift unS SLroft unb ber ©ebanfe, baf; baS Unfterblidje nid)t fterben fann! S3erul)igen ©ie unS batb über Sine; eS wirb fte fr^rerf'üd) erfefjuttern. ©oret fagt, fie fyabe fjeute gefdjrieben, eS get)e etWaS beffer mit ©uftdjen. ©ott fei) taufenbtnal ®anf! SDie gute $ulie Wirb and) redjt jammern, iljn nid)t raeljr ju treffen! ®er Sopf ift mir fo matt bon taufenb Seforgungen, als 25oÜftrecfer feines legten SBißenS. 5ßerjeil)ung ber (Site, ewig ber $f)rigfte v. Maeller. (Yon Canzler v. Maeller.an Gräfin Caroline) SBeimar 24. ÜJJärj 32. SB eint «Sie biefe Reiten öffnen Sljeuerfte! fo wiffen Sie fdjon nnfer alfer nnerfe(j(. SSertnft, ben $Ijrigen ganj inSbefonbere. — @r fdjieb fo ftarf, fo Reiter, fo boflfräftig bis jttr testen ©tunbe, baß eS nidjt mögtid) Wirb ju benfen, baß er unS »erfahren fet). Stein, er lebe für immer u. lebt für immer in uns aßen, feinen ©etreuen, fort! 25 or Wenig SBodjen fdjlojj er ben 5. u. testen 2lct beS neuen $aüft alfo ab: „Es wird die Spur von meinen Erdetagen „Nicht in Aeonen untergeh'n. SQ3ie watjr ift eS benn nun auf iljn felbft berwenbbar! Ottilie.übertraf fief; felbft an liebeboßer 'tßffege unb aud) bis jetjt nod) an ©tanbljaftigfeit. ©ie war u. ift fortwäljrenb um ©ie u. $I)ren ©djrnerj fet)r befümmeri, aud) bie ^ogwifd). SBir Wadjten alle bie le^te Stadjt fammt ben 2 ©nfeln, 25ogeln u. Kräuter. $rüf) 6 llljr tranf er nodj feinen Kaffee mit Sßolf u. befteßte fid) SBitbpret u. 3rifdje für SJtittag, tjieß Ottilie auf iljr Limmer get>etx u. fpradj bon balbiger äöieberljerfteilung. 9fiid;t bie geringste Sobe&SHjnung war in iljm. ®r fdjerjte um 9 Wjr, wo ber Slrjt il)n tängft aufgegeben, nod) mit Ottilie, Wenn fdjon feljr matt, ©ein Sterben War nur ein 2luSbleiben beS 2lt|emS ofytte aßeS ^nrfen, nod) Sampf. ®al)er aud) bie feelig=rut)ige SJfiene im £obe, u. nod) jetjt! ®ie ^joljeit unb ber ©roStycrjog Ijatten nid)t an@efaljr glauben Wollen u. Waren bann um fo heftiger ergriffen. 33et)be benannten fid) Ijinfidjti. meiner SSorfdjläge feljr würbig u. bereitwillig, alles 31t tljun was irgenb ju (äfjren feinet 2(ttbettfert| gefd)el)en fönnte. Montag friit) 8—12 Wjv ift, auf Ottiliens u. beS fSublifutnS leiben fet; aftf. Setrieb, jebod) gegen mein ©efül)t unb Statt), bie $arabe=2tuSfteßung. 2tbenbS 5 Wjr bie feierliche 23cife(png in bie ^ürftengruft, mit ©efängen oon Zelter, Eberwein u. Hummel contponirt, aitS ©oettjeS eigenen ©idjtungen. Röhr l)ätt bie Siebe. ®af? id) burd)gefeijt, baf; baS Sweater 5 £age gefdjloffen bleibt, Werben Sie loben. Spiegel Wollte bitrd)= auS nur einmal ausfegen, ob er gleidj aitf;erbem fetjv bereitwillig ju allem, ja felbft feljr ergriffen War. Ottilie reift morgen nad) ^ ; ena auf einige Sage, bis baS Seftament ®ienftagS publicirt fein wirb. @0 oiel in l)öd)fter Site. äBir finb fel)r beforgt um @ie, — ftrafen @ie bod) ja unfre •©orgert lügen! ®wig ber ^fjrigfte, v ^ (Von Marie Paulowna Grossherzogin von Saehsen an Gräfin Caroline.) Siebe ©räfin! $d) warim$orauS überjeugt, bajj ©ie auperorbentlic^ gerührt fetjn würben bttrd) ben Sob unferS ©oettje: Wie er ntid) trifft, brauche id) fauttt ju erwähnen. Qd) l)atte ©oetfyen am ®onnerftag ben 3. 15. ÜÜiärj, alfo am legten Zage, wo er nod) gefunb War, fo woljl, Reiter, gefyrädjig unb tt)eUncI)menb gefunben, baß icf> nidjt erwarten fonnte, ilin juitt te^tenmal auf biefcr SBctt gefefjen 31t fjaben: aucT) beunruhigte nttdj feine Ävanfljeit nidjt bis ganj julegt, Weif icl; ntid) ton ifyrer ©efafjr nidjt überjeugen fonnte: — baß @ie an itn3 alte unb befonbcrs an ntid) jbet; biefcr fo er)d)ütternben SSeranfaffung benfen würben, beffen fjielt id) inid) üerfic^ert. Sftit iöebauerii Höre id; non $f)nen> baß gamtfien Seiben fidfj nid)t geminbert Ijat, unb baß ber $f)rer geliebten 3)iutter ju feiftenbe iBetjftanb @ie »on $frer |)iert)ert'unft fortWcif)rertb ab= f)ä(t. SJiödjte c§ $ljnen mögfidj »erben, im Saure biefeä <§ommer£ f)ierf)er 31t fontmen! (Sä fd^eint bod) mit Qf)rem eigenen iöefinben, Wie id) mit Vergnügen fd;ließen barf, je&t feibfidjer gu gelten. @et)en @ie meiner fortbauentben 33)eifnaf)me an Stffem, mag Sie angebet, fowie meinet befonbcren 3BoljfWoffen;§ unb meiner Zuneigung üerfidjert. $fjre wofjt affectionirte Marie P. SBeintar, am 13./25. Steril 1832. gefyräd)ig unb tljeitnetimenb SBett gc|'ef)en 31t t)aben: aui toon tfyrer ©efafyr nidjt übe bicfcr fo er|dE)üttentben 33er. iücit 33cbauern Ijör baß bcr $fyrer geliebten SQti ljcilt. S0iöd)te e3 ^fjtten 111 boci) mit ^fyrem eigenen -23' @et}en @ie meiner fortbaue SBo^Itoottenä unb meiner ? SBetniar, am 13./2 it)n jilnt teßtenmal auf btefer bi3 ganj äitlegt, irteil id) midj unb 5efonber3 an mid) bety nid) berfidjert. fidj nidjt geminbert Ijat, unb v |)ierl)crfunft fortoafjrerib ab= fjierljer 51t fommen! fcfjcint barf, je£t teibfid)er ju gefyen. itgcfyef, fotoie meinet befonberen feettonirte Marie P.