Die Bibel Sixtus' V. -ni —tfn——in- Ein Überblick über ihre Geschichte mit neuem Quellenmaterial aus dem venezianischen Staatsarchiv von Dr. F. Amann, Geistlicher Lehrer und Lehramtspraktikant. Wissenschaftliche Beilage zum Jahres-Bericht :: des Großh. Bertholds-Gymnasium* :: 1912. Prog.-No. 861. Freiburg i. Br. Universitäts-Buchdruckerei U. Hochreuther (Inh. E. Groß). 1912. Qi Vorwort. Vorliegende Schrift ist ein kleiner Ausschnitt aus einer größeren, demnächst erscheinenden Arbeit über denselben Gegenstand. Zwei Publikationen des letzten Jahres, die eine aus der Feder des Bellarminforschers Le Bachelet, die andere von dem ausgezeichneten Kenner der Diplomatik P.M. Baumgarten, haben die Aufmerksamkeit weiter Kreise wieder auf die Sixtusbibel und die sie begleitende Bulle Aeternus ille gelenkt. Auf Anregung des Herrin Professors Hoberg hier widmete ich diesem merkwürdigen Buch mit seinen vielgestaltigen Fragen und Rätseln eine eingehende Untersuchung, die von der theologischen Fakultät der Universität Freiburg als Dissertation angenommen wurde. Dank der gütigen Verwendung des verehrten Herrn Direktors Geh. Hofrat J. H. Schmalz und dem besonderen Wohlwollen des Großh. Ministeriums des Kultus und Unterrichts konnte ich in diesem Frühjahr eine vierwöchentliche Studienreise nach Italien unternehmen. Dabei wollte es das Glück, daß ich im venezianischen Staatsarchiv auf eine Reihe von Gesandschaftsberichten stieß, die für die Geschichte der Sixtina und die Lösung ihrer Probleme von größter Bedeutung sind. Ich gebe den Originaltext im Anhang, muß aber auf eine allseitige Verwertung des neuen Materials in dieser Studie verzichten. Diese will lediglich einen kurzen Überblick über das Werden und die Schicksale der Sixtusbibel geben. Den kritischen Leser darf ich vielleicht erinnern an das Wort, das einer der ersten Vulgataforscher der Gegenwart, der leider so früh verstorbene S. Berger seiner „Histoire de la Vulgate pendant les premiers siecles du moyen äge" (Paris 1893) vorangeschickt hat: „L'histoire ne s'ecrit pas comme on voudrait l'ecrire, mais comme on peut la connaitre." - Es erübrigt mir noch die angenehme Pflicht, allen, die der Arbeit Förderung ange- deihen ließen, verbindlichst zu danken. Frei bürg i. B., 4. Juni 1912. Der Verfasser. Inhaltsangabe. t Seite Einleitung........................ 5 — 6 I. Vergeblicher Anlauf................... 7—io II. Eine vielversprechende Arbeit und ihr jähes Ende .... .... io —13 III. Ein Papst als Bibelkritiker und Korrektor........... 13—16 IV. Das Gegenspiel..................... 16 —21 V. Das tragische Ende.............. .... 21—23 Anhang: Originaltext der auf Bulle und Bibel Sixtus' V. bezüglichen Depeschen des venezianischen Gesandten Alberto Badoer.......... 24—31 Einleitung. In dein malerisch gelegenen Städtchen Loreto steht auf dem freien Platze vor der weltberühmten Wallfahrtskirche, in der das fromme Mittelalter die Casa santa verehrte, ein mächtiges Monument: die dankbare Mark hat es ihrem großen Sohne, dem feurigen Fra Feiice, gewidmet, der am 24. April 1585 als Sixtus V. den päpstlichen Stuhl bestieg. Auf dem breiten, mit Reliefs geschmückten Sockel zieht eine Gestalt die Aufmerksamkeit des Beschauers auf sich. Sie hält ein Buch in der Hand, ein Sinnbild jenes Buches, dem Sixtus so viel Sorge und Arbeit gewidmet und das ihm seine Mühen und Opfer so schlecht gelohnt hat. Es ist das Buch, von dessen Werden und Schicksalen diese Zeilen erzählen wollen, die Bibel Sixtus' V. Von diesem Buch gilt Masch's Wort im vollen Sinne: „Fata librorum sacrorum saepe sunt tristia 1 )." Von der christlichen Welt mit Sehnsucht erwartet, vorbereitet mit dem Aufgebot aller zur Verfügung stehenden Mittel, eingeführt durch eine feierliche Bulle, die dieser Bibel ewige Dauer verhieß, fiel sie, bevor sie recht ans Tageslicht getreten war, der Vernichtung anheim. Doch nicht alle Exemplare traf dieses Los: nicht' wenige sind entronnen und sie haben viel von sich reden gemacht. Die Sixtina wurde hineingezerrt in den Streit und Hader der Konfessionen: wir finden sie in alter und neuer Zeit im Dienste derer, die Kirche und Papsttum befehden. Dreimal trat sie als Zeuge auf in einem Prozeß, der einen um die Kirche hochverdienten Mann, den Kardinal Bellarmin, auf die Altäre erheben sollte. Doch dem „ehrwürdigen Diener Gottes" fehlt bis heute der Heiligenschein, hauptsächlich deshalb» weil die Sixtina gegen ihn zeugte oder wenigstens zu zeugen schien. Der Geschichte eines so merkwürdigen Buches nachzuspüren ist nicht ohne Reiz. Wenn die Bibelgeschichte überhaupt, richtig aufgefaßt, ein Stück lebendiger Kirchen- und Weltgeschichte darstellt 2 ), so trifft dies sicherlich für die Sixtina in erhöhtem Maße zu. Mit Recht hat P. M. Baumgarten in seiner vor Jahresfrist erschienenen Arbeit über die Vulgata Sixtina betont, daß die historische Behandlung dieser Bibelausgabe zurückgreifen muß auf die Trienter Synode 3 ). Denn Sixtus V. wollte nur zur Ausführung bringen, was das Konzil von Trient angeregt hatte. So führt die Geschichte der Sixtina auf das weite und wichtige Gebiet, auf dem die Forschung gerade der jüngsten Vergangenheit so ') Masch A. G., Bibliotheca Sacra. Halae 1781. Praefatio pag. VII. 2 ) cf. Reuss E., Die Geschichte der Hh. Schriften Neuen Testamentes. 3. A. Braunschweig 1860. Vorwort. 3 J Baumgarten P. M., Die Vulgata Sixtina von 1590 und ihre Einführungsbulle, Aktenstucke uqd Untersuchungen. Münster i, W. 1912. S. 133, eifrig und erfolgreich gearbeitet hat, auf die Geschichte des Konzils von Trient. An der Ausführung sodann der vom Tridentinum angeregten Vulgatarevision waren Päpste, Kardinäle, Gelehrte aus verschiedenen Orden und Nationen beteiligt, die mannigfachen geistigen Strömungen jener bewegten Zeit machten ihren Einfluß geltend, so daß in der Tat die Geschichte der Vulgatarevision einen bedeutsamen Bestandteil der Papst-, Ordens-, Gelehrten- und Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts bildet. Vor allem aber wendet sich das Interesse dem großen Franziskanerpapst zu, Sixtus V., der zweifellos zu den hervorragendsten Gestalten des Cinquecento zu zählen ist. Die Bibel, die seinen Namen trägt, ihr Werden und ihr Schicksal, ist aufs engste verknüpft mit dem Leben und Streben, mit den Arbeiten und Kämpfen des gewaltigen und gewalttätigen Papstes. Die Rolle sodann, die diese Bibel im Laufe der Jahrhunderte gespielt, die prächtige Ausstattung, die ihr zuteil geworden, die vielen Fragen dogmatischer, exegetischer, kano- nistischer Natur, die durch sie angeregt wurden, all dies zusammengenommen sichert ihr das Interesse des Theologen nicht minder als das des Historikers und Bibliophilen. In dieser vielgestaltigen Verzweigung der Aufgabe liegt ihr Reiz und ihr Nutzen, zugleich aber auch ihre Schwierigkeit: sie sieht sich vor ein weitzerstreutes Ouellenmaterial und eine umfangreiche Literatur gestellt. Es seien hier nur genannt — für den Abschnitt über die Stellung des Tridentinums zur Vulgatarevision — die Diarien Massarellis und Severolis, die Acta, die Legatenkorrespondenz, einige Konzilstraktate und Briefe aus der reichen Privatkorrespondenz — zum großen Teil ungedrucktes Material, dessen Benützung mir durch die Güte der H. H. Prälat. Dr. Elises (Rom), Universitätsprofessor Dr. S. Merkle (Würzburg), Prof. Dr. G. Buschbell (Krefeld), Konviktsdirektor Dr. V. Schweitzer (Tübingen) sowie durch das freundliche Entgegenkommen der Herder'schen Verlagsanstalt hier ermöglicht wurde. Für die engere Geschichte der Sixtina boten reiche Ausbeute die von P. M. Baumgarten in seiner bereits erwähnten Schrift erstmals publizierten „Avvisi di Roma" d.h. der Mittwochs bezw. Samstags in Rom handschriftlich hergestellten Wochenblätter, deren größte Sammlung die Urbinatische Abteilung der Vatikanischen Bibliothek birgt. Dazu kommen die von dem französischen Bellarminforscher Le Bachelet 1 ) veröffentlichten Dokumente, von denen besonders die Depeschen des spanischen Gesandten Olivares an Philipp IL bedeutsam sind. Auf einer durch das Wohlwollen des Großh. Bad. Ministeriums des Kultus und Unterrichts ermöglichten Studienreise nach Italien fand ich im venetianischen Staatsarchiv bei der Durchstöberung der Gesandtschaftsberichte zehn hochwichtige Depeschen, die der venetianische Botschafter Alberto Badoer von Rom aus an den Dogen in Sachen der Bibel und der sie begleitenden Bulle Sixtus' V. richtete. Aus diesen und anderen im Text namhaft gemachten Quellen schöpft vorliegende Darstellung. Als leitender Grundsatz schwebte dem Verfasser das Wort Leos XIII. vor: „illud in primis scribentium observetur animo, primam esse historiae legem, ne quid falsi dicere audeat, deinde ne quid veri non audeat." ') Le Bachelet, X. M., Bellarmin et Ja Bible Sixto-Clementine. Etude et Documents inedits. Paris 1911. <, Vergeblicher Anlauf. I. Der lateinische Bibeltext, wie ihn Hieronymus geschaffen hatte, erfuhr im Laufe der Zeit mannigfache Veränderungen und Entstellungen. So oft und so sehr sich auch kundige wie ungeschickte Hände um die Beseitigung der Textverderbnis mühen mochten 1 ), die durch Ursprung, Alter und Gebrauch ehrwürdige Vulgata verlor immer mehr die für Glaube und Kirche so wichtige Einheit und Reinheit der Textform. Gerade zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Bibelnot ärger denn je. Durch die Druckkunst hatten die alten Fehler eine verhängnisvolle Stabilität und Fruchtbarkeit bekommen. Der Humanismus drohte die Gestaltung des Vulgatatextes unheilvoll zu beeinflussen, insofern die Überschätzung der Grundtexte sowie das Streben nach grammatischer Korrektheit und stilistischer Feinheit zu bedenklichen textkritischen Grundsätzen 2 ) und zu unglücklichen Korrekturen 3 ) der Vulgata führten. Die ungezählten neuen Übersetzungen 1 ) brachten für die Vulgata die Gefahr einer Textmischung, die schließlich zur völligen Auflösung der alten für die Textgeschichte der Bibel so wichtigen Vulgata führen mußte, und ') Über die Textüberlieferung und die Textrevisionen der Vulgata vgl. Kaulen Fr., Geschichte der Vulgata S. 224 ff. z ) Der einflußreiche Pariser Theologe Jodocus Clichtoveus (f 1543) bezeichnet es als „frivola ratio", lateinische Handschriften griechischen als Instanz gegenüberzustellen und erklärt, daß als Grundprinzip der neu. testamentlichen Textkritik der Satz zu gelten habe: „Standum est potius graecis libris quam latinis, quod illi vetustiores sunt et originales .. latini idcirco secundum graecos castigandi sunt." Clerval J. A., de Jodoci Clichtovei Neoportuensis vita et operibus. Parisiis 1894. 74/75- 3 ) So hat Laurentius Valla, „der Vater der Kritik" (R. E. P. 20, 422) in seinen Annotationen, „der Erstlingsfrucht der philologischen Studien für die exegetische Theologie" (Zumpt C. G., Leben und Verdienste des Laurentius Valla in Zeitschrift f. Geschichtswissenschaft, hrsg. v. A. Schmidt, IV, 432) die Vulgata an wenigstens zwanzig Stellen korrigieren wollen, gestützt auf schlechte oder junge griechische Handschriften, während die heutige Textkritik die Lesart der Vulgata nicht mehr beanstandet; z.B. Mt. 27,23; Luc. 1,29; Joh. 12,32; Apok. 4,8 u.a. Und wäre die Vulgata gar erst überall da geändert worden, wo Valla den Vermerk „elegäntius dicitur" angebracht oder an der „sermonis barbaries 1 * der Vulgata Anstoß genommen hat (z. B. Jac. 5: Quis hanc sermonis barbäriem ferat?) — was wäre aus der Vulgata, diesem erstklassigen Textzeugen, geworden? 4 ) Vgl. das bei weitem nicht vollzählige Verzeichnis bei Masch 1. c. p. 431 — 642, der für die Zeit von 1515 bis 1550 nicht weniger als 181 neue Ausgaben — wenigstens einzelner Teile — der Bibel zählt. Dazu sind zu vergleichen: Cochlaeus Joh., De novis ex Hebraeo translationibus sacrae scripturae Disceptatio. Ingolstadii 1544, sowie Leib Kilian, De Sacrae Scripturae dissonis translationibus s. 1. 1542 und eine deutsche Schrift desselben „in den hayligen dreyen hohen sprachen wolerfarnen vnd gelerten Mannes": Gründtliche anzaygung vnd bericht, auß was vrsachen (deren fürnemlich siben seind) so mancherlay / vnnd vilfaltige Ketzereyen / zwispaltung vnnd jrrthumb Christlicher Religion / vnd der hailigen Catholischen Kircheu / von anfang bis auff dise zeit erwachsen seind / vnd jren Grund genommen haben. Ingolstat 1557. Cochlaeus meint in der genannten Schrift: (E. 5) „Nunc ita inflat novos translatores scientia et linguae hebraicae peritia . . ut omnium Typograp horum officinae conten- tiosis errorum libris excudendis sufficere nequeant," die unausbleibliche Folge war eine immer größere Unsicherheit des Bibelwortes 1 ), eine Tatsache, die geradezu verhängnisvoll erschien in einer Zeit erbitterter religiöser Kämpfe, bei denen das Bibelwort und zwar vielfach der Buchstabe 2 ) die Hauptwaffe bildete 3 ). 2. Kein Wunder, daß das Concil, welches sich neben der Beratung über die von den Reformatoren angegriffenen Glaubenslehren die Beseitigung der zahlreichen, auf den verschiedenen Gebieten des kirchlichen Lebens zutage getretenen Mißstände zur Aufgabe gemacht hatte, nicht zuletzt seine Aufmerksamkeit der Textverderbnis der Vulgata zuwandte. Bei der Behandlung der „abusus sacrae scripturae" am i. März 1546 wurde auch die Textverderbnis der Vulgata zur Sprache gebracht 4 ). Mittel und Wege zur Beseitigung derselben ausfindig zu machen, bildete eine der Aufgaben, welche der am 5. März eingesetzten Kommission zugewiesen wurden 5 ). Nach eingehenden Erörterungen in Generalkongregationen 0 ) und Klassensitzungen 7 ) wurde am 8. April 1546 mit dem dogmatischen Dekret „de canoni- cis scripturis" das Reformdekret „de usu et editione sacrorum librorum" feierlich verkündet 8 ). In das letztere war die vorsichtig gefaßte, in lebhafter Diskussion 9 ) formulierte Bestimmung aufgenommen: „ut potshac S. Scriptura, potissimum vero haec ipsa vetus et vulgata editio quam emendatissime imprimatur." Von welcher Seite dieser korrekte Bibeldruck ins Werk gesetzt werden sollte, diese Frage ist im Dekret absichtlich 10 ) offen gelassen. Nach langem Hin- und Herreden einigte man sich schließlich dahin, daß Papst und Konzil gemeinsam Revision und Neudruck der Vulgata besorgen sollten 11 ). Das Konzil aber kam nicht dazu, Hand ans Werk zu ') Um sich davon eine Vorstellung zu machen, braucht man nur — wie das schon Cochlaeus in seiner Schrift de novis ex hebraeo Translationibus F 2 ff. getan bat — die verschiedenen Fassungen eines und desselben Verses, wie sie diese neuen Übersetzungen geben, nebeneinanderzustellen und man erhalt ein anschauliches Bild von de r Verwirrung und Unsicherheit des lateinischen Bibeltextes in jenen Tagen. ') Ein Blick in die Kontroversliteratur jener stürmischen Tage zeigt zur Genüge, wie man am Buchstaben hing. Es sei hier nur erinnert, welche Bedeutung man der Orthographie der biblischen Eigennamen beilegte, wie ein Eck beispielshalber sich ereiferte gegen die „judaizantes", die „uns haben taufft Chava, Hanoch, Harn, Methusalach" (Wiedemann Th., Dr. Johann Eck- Regensburg 1865, 617/18) oder ein Cochlaeus: „niittunt nos ex scholis et templis Ecclesiae in speluncas et Synagogas Judaicas" (de novis ex hebr. translat. E. 2). 3 ) Vgl. Cochlaeus 1. c. E. 5: «Cumque in ipso textu sit radix et fundamentum, super quod superaedificantur Doctorum expositiones, oporteret rejici quoque omnium antiquorum Ecclesiae doctorum Commentarios, nempe Athanasij qui veteri innixi sunt int e rpretationi." Leib erblickt im „studieren vnd lernen der hebreischen vnd der Kreckischen oder Kriechischen sprachen 1 " „die fünfft vrsach der ketzereien der zertrennungen / vnd der irrungen 1 ". (Anzayg. 1. c. XLV N. II.) *) Concilium Tridentinum ed. Societas Goerresiana, Freiburgi 1901. S. I 35, 435, 500 ff., V 20 ff. Druffel — Brandi, Monumenta Tridentina. München 1884/97, 430/31. 5 ) C. T. I 35. 436, 509; V 27 ff; Druffel 437. 8 ) am I., 3., 5., 7. April 1546. Vgl. C. T. I 41/47, 437, 533; V 50/51, 58 ff., 72 ff., 83 ff; Druffel 466. 7 ) am 23. März und 6. April. Vgl. C. T. I 38, 47, 437, 526 ff.; V 32 ff, 76 ff.; Druffel 457. 8 ) C. T. I 48/50, 534; V 90 ff.; Druffel 468. 8 ) CT. I 42 ff., 526; V 37, 58 ff. I0 ) Gegen Kaulen, Gesch. d. Vulgata 417 ff., ist zu betonen, daß es durchaus nicht im Sinne des Konzils lag, den fraglichen Bibeldruck jedem beliebigen zu überlassen, vielmehr wurde über die Frage, wer die Vulgata revidieren sollte, eingehend gehandelt und zwar wurden drei und nur drei Möglichkeiten in Betracht gezogen: Papst, Konzil und Papst und Konzil. ") C. T. V 59; Druffel 550/51. ' V * legen l ) und so blieb es dem Papst allein vorbehalten, der Kirche die neue Bibel zu schenken. Allein es sollten noch Jahrzehnte dahingehen, bis der Plan zur Ausführung gelangte. 3. Paul III. (1534—1549), Pomponio Letos Schüler, der warme Freund der Humanisten, der geläufig Griechisch sprach und sich in freien Stunden an lateinischer und griechischer Poesie erfreute 2 ), dachte eher an eine neue lateinische Übersetzung 3 ) als an die Verbesserung der „barbarischen" Vulgata, Julius III. (1549 — 1554), der ehemalige erste Konzilspräsident del Monte, war persönlich zu wenig interessiert und durch allerlei kirchliche Sorgen und politische Verwicklungen* 4 ) zu sehr in Anspruch genommen, als daß unter seinem Pontifikate mit der Verbesserung der Vulgata hätte Ernst gemacht werden sollen 5 ). Der Mann, der am ehesten geneigt und befähigt gewesen wäre, der Kirche zu geben, was das Tridentinum von der höchsten kirchlichen Autorität verlangte, Marcellus IL, der ehemalige zweite Konsilspräsident, der feingebildete Humanist, der ausgezeichnete Theologe, der vielseitige Gelehrte, der an allen wissenschaftlichen Fragen seiner Zeit den regsten Anteil nahm, der zeitlebens sein besonderes Interesse den biblischen Studien, nicht zuletzt den textkritischen, zugewandt hatte 6 ), Marcellus II. starb nach 22tägiger Regierung (r. Mai 1555). Sein Nachfolger, Paul IV (1555 —1559), ein 79Jähriger Greis, voll Feuereifer für die Reinerhaltung des Glaubens, sah in der Herstellung eines Index 7 ) eine dringlichere Aufgabe als in der Verbesserung der Vulgata, die zwar — wie eine Stelle in Cargas Gutachten beweist 8 ) — in Aussicht genommen, aber nicht ausgeführt wurde. 4. Ein neuer Anstoß von ganz anderer Seite führte endlich unter Pius IV. (1559 bis 1564) zu einem ernsten, vielversprechenden Anlauf. Die stille unablässige Reforniarbeit der letzten Jahrzehnte 9 ) hatte manches Hemmnis beseitigt, manche Kraft entbunden. Die Folge war ein gesteigertes Kraftgefühl, das sich nicht zuletzt kundgibt in dem wuchtigen literarischen Vorstoß, der gleich im Anfang des neuen Pontifikats von Rom aus gegen den Protestantismus unternommen wurde. Man glaubte, der religiösen Neuerung am wirksamsten ') Was Sarpi P. in seiner „Istoria del Concilio Tridentino", Londra 1619, 1. II p. 155 und 163/164 und ihm folgend alle, die über diesen Gegenstand geschrieben haben, zu berichten wissen über eine Bibelkommission, die vom Konzil eingesetzt, die neue Vulgata vorbereiten sollte, aber durch das Eingreifen des Papstes verhindert worden sei, ist völlig aus der Luft gegriffen. Den Nachweis siehe in meiner größeren Arbeit. 2 ) Vgl. Pastor L. v , Geschichte der Päpste, V, Freiburg 1909. S. 723 ff. 3 ) Farnese gab dem Nuntius in Venedig am 10. August 1549 die Weisung, Gio. Bernardo Regazzola daselbst 100 Golddukaten auszahlen zu lassen „per mercede delle fatiche et vigilie, che ha patite nella traduttione di molti et utili libri di sacra scriptura". Lettere d' uomini illustri I. Parma 1S53. S. 269. 4 ) Vgl. Reuinont A. v., Geschichte der Stadt Rom, III. Berlin 1870. S. 504 ff. r ') Die entgegengesetzte Behauptung C. Vcrcellone's (Dissertazioni accademiche, Roma 1S64, S. 61/62) ist auf eine Verwechslung der Vulgatarevision und Sirlets Annotationen zurückzuführen. Vgl. lloepft H., Kardinal Wilhelm Sirlets Annotationen zum Neuen Testament. Freiburg 1908. S. 25. a ) Polidori Petri de vita, gestis et moribus Marcelli II. P. M. commentarius. Romae 1744. lief n er J. Die Entstehungsgeschichte des Trienter Rechtfertigungsdekretes. Paderborn 1909. S. 31/33. 7 ) Vgl. Reusch Fr. H., Der Index der verbotenen Bücher. Bonn 1883. I. S. 260. Hilgers J., Der Index der verbotenen Bücher. Freiburg 1904. S. 7 ff. s ) Vgl. die Denkschrift von Giovanni Carga über die Drucklegung der Vulgata in Rom vom Jahre 15761 wo es heißt: ,jCominciö (Paul IV) ä coreggere il Ureuiario et il Messale, con intentione di fare il medesimo nel resto della Scrittura" bei P. M. Baumgarten 1. c. S. 144. °) Susta J., Die römische Kurie und das Konzil von Trient unter Pius IV. Wien 1904. I. S 83 ff. IO gegenübertreten zu können, wenn man die großen Zeugen der katholischen Tradition, die Bibel und die patristischen Werke ,quam emendatissime' herausgebe*). Hier taucht zum erstenmal die Vorstellung auf, die — wie wir sehen werden — Sixtus V. so sympathisch war und die er in seiner Bulle so nachdrücklich ausspricht: die neue Vulgata soll eine wirksame Waffe sein im Kampf gegen die Häresie ; die ängstliche Rücksichtnahme auf die Häretiker, wie sie uns bei den Verhandlungen des Tridentinums begegnet, ist der frohen Zuversicht gewichen, mit der neuen Bibel die Gegner aus dem Felde schlagen zu können. Dieser Stimmungswechsel kam der Vulgatarevision zugute: jetzt ging es frisch ans Werk, der mit der biblischen Textkritik wohl vertraute Sirleto und Gabriele Faerno, der feine Latinist aus Cremona, begannen die Arbeit 2 ). Doch bald trat eine Stockung ein. Faerno starb schon im November 1561 und Sirleto allein kam nicht vorwärts. 5. Aber auch nachdem Pius V. (1564—1572) im Jahre 1569 eine eigentliche Bibelkommission, bestehend aus fünf Kardinälen und zwölf Konsultoren ins Leben ge. rufen hatte, welche ausschließlich und planmäßig an der Verbesserung des Vulgatatextes arbeiten sollte, kam man über die ersten Schwierigkeiten kaum hinaus. Auch das 13jährige Pontifikat des schaffensfreudigen Gregor XIII. (1572 —1585) brachte für die Vulgatarevision keinen nennenswerten Fortschritt, zumal da seit 1578 ein anderes Unternehmen Zeit und Kraft in Anspruch nahm: die von Kardinal Montalto, dem nachmaligen Papst Sixtus V., angeregte Edition der Septuaginta. So waren denn nahezu 40 Jahre vergangen, seitdem in Trient der Ruf nach einer verbesserten Vulgata laut geworden war. Rom hat ihn nicht überhört. Nach anfänglichem Widerstreben legte man Pfand ans Werk. Doch kam man über Versuche nicht hinaus. Es fehlte nicht am guten Willen, sondern lediglich an einer Persönlichkeit, die Initiative, Spannkraft und Zähigkeit genug besaß, um über ein Heer von Schwierigkeiten Herr zu werden. Eine solche Persönlichkeit war der Gärtnersohn aus Grottamare, der feurige Fra Feiice, der am 24. April 1585 den päpstlichen Thron bestieg. Was in 40 Jahren vergebens versucht wurde, hat er, der greise Mann, neben anderen Riesenprojekten, in kürzester Frist zustande gebracht: die Vulgata wurde verbessert zunächst durch eine Kommission von Gelehrten, dann durch die Hand des Papstes selbst. II. Eine vielversprechende Arbeit und ihr jähes Ende. 1. Kaum hatte der mit der Edition der Septuaginta betraute Kardinal Antonius Carafa mit seinem Gelehrtenstab das bedeutsame Unternehmen glücklich vollendet, da berief ihn das Vertrauen des Papstes zu einer neuen ungleich wichtigeren und schwierigeren ') Vgl. Seripandos Brief an Sirlet: Trient, 6. Nov. 1561! „• • • tutti questi dotti reverendi prelati . . sperano et tengono di certo che la puritä de i libri che usciranno da qui . . . habbi a confundere gl' heretici piü che non han fatto tanti volumi quanti fin hoggi sono stati scritti raandati in luce contra di loro". Vercellone C., Dissertazioni Accademiche. Roma 1864. S. 87/88. 2 ) Latinus Latinius an Masius: Rom, 27. März 1561: „. . .ad eam rem (Emendation der Bibel) Faernus iam cum Sirleto bonam iam diei partem incumbit", bei Latini Latinii Viterbiensis Lucubrationes ed. Dominicus Macer. Romae 1659, II, 87/ 88. II Aufgabe: zur Vollendung der vom Papst sofort bei seiner Thronbesteigung in Aussicht genommenen Vulgatarevision. Bei dem Interesse, das Sixtus V. dieser Arbeit entgegenbrachte, konnte er sich nicht auf den bloßen Auftrag beschränken, vielmehr unterließ er nicht, den Kardinal über seine Auffassung von Ziel und Mittel der Vulgatarevision zu unterrichten und ihm geeignete Kräfte an die Seite zu geben 1 ). Von allen Seiten wurden Handschriften und Kollationen beschafft 2 ). Dem Theologen Carafas, Lelio Lando, fiel die mühsame Aufgabe zu, die alten Handschriften zu vergleichen. Die endgiltige Lesart wurde in den Sitzungen der Kommission festgestellt 3 ). Die erste Sitzung fand am 28. November 1586 statt 1 ). 2. Die sehr wichtige Frage, nach welchen Grundsätzen die Kommission ihre Entscheidungen traf, ist von Ungarelli erstmals gestellt und beantwortet worden. Aber schon Vercellone hat die Auffassung seines Lehrers in wesentlichen Punkten als irrig erwiesen. Soweit meine Beobachtungen reichen, bedürfen auch die Ergebnisse Vercellones einer gründlichen Nachprüfung. Der einzig mögliche Weg ist die Untersuchung der Textänderungen, welche die Kommission vorgenommen hat. Diese sind enthalten in einem Exemplar der Antwerpener Bibel vom Jahre 1583, das sich zur Zeit im Barnabitenkolleg S. Carlo ai Catinari in Rom befindet. Die Freundlichkeit des P. Pica ermöglichte es mir, während meines Aufenthaltes in Rom persönlich Einsicht in dieses interessante Bibelexemplar zu nehmen und die Beobachtungen, die H. Wi ckenhauser, Kaplan am deutschen Campo Santo, in liebenswürdiger Weise gemacht und mitgeteilt hatte, nachzuprüfen und zu vervollständigen. Es ist nicht möglich, hier die Ergebnisse der Durchsicht alle einzeln namhaft machen. Es sei nur auf folgendes hingewiesen: Einmal ist der sog. Codex Carafae nicht eine Kollation im heutigen Sinn, sondern enthält im wesentlichen nur Emendati onen, d.h. im Text sind einzelne Wörter oder Wortgruppen durchgestrichen und zum Teil am Rande durch andere ersetzt, ohne irgend welchen Hinweis auf eine Handschrift oder Bibelausgabe u. dgl. Nur an etwa fünf Stellen des Alten und zwölf des Neuen Testamentes konnte ich Bemerkungen textkritischer Natur feststellen. Es ist deshalb schwer, wenn nicht überhaupt unmöglich, für die Lesarten der Sixtini den textkritischen Grund anzugeben. Neuestens stellt Hoepfl 5 ) die These auf, daß ') Über die Zusammensetzung dieser Bibelkommission herrscht große Unsicherheit und Unklarheit. Sicher gehörten ihr an Antonio Agelli, PierreMorin, Fulvio 0 rs i n i, LelioLando, Bartolomeo .Valv e r de , Flaminio Nobilio und Antonio Aquino. Für die Beteiligung Aliens und Bellarminos läßt sich kein Beleg anführen. 2 ) Der Codex Amiatinus, Toletanus, Legionensis, Carolinus, Vallicellianus u.a. Dazu kamen Kollationen aus Florenz und Monte Cassino und Antwerpen. s ) „Laboratum est plurimum in collatione vetustissimorum codicum inter se, quam faciebat D. Lelius, Cardinalis Theologus, ut ipse vidi in proprio illius cubiculo ... in Congregationibus, in quas . . . coram 111. Antonio Cardinali Carafa praenominati conveniebant viri docti , . . postque exäctissimam singalorum locorum discussionem ... ad imem tandem . . . producta est emendatio . . ." Gislieri M. Enarratio bei Vezzosi A., J., scrittori de Cherici Regolari. Roma 1780. I. 13, *) Der bisherigen Unsicherheit über den Beginn der Arbeit wird ein Ende bereitet durch einen Brief Orsinis an Pinelli, den ich in Mailand in der Ambrosiana fand. Bei dessen Entzifferung war mir H. L. Gramatica, Dottore della Biblioteca Ambrosiana, in liebenswürdigster Weise behilflich. Die betr. Stelle in dem vom 29. November 1586 datierten Brief lautet: „Et hieri si diede principio a tal correzione in una congregazione fatta innanzi al Cardinale Carafa". Bibl. Ambros. D. 422, 199. 6 ) cf. Nisius J. B., Zur Geschichte der Vulgata Sixlina. 2, Artikel in der Zeitschrift für kathol. Theologie XXXVI. Jahrg. 1912, S. 223. 12 die Emendationen der Sixtini im Alten Testament sich decken mit den im Cod. Vatic. 9517 erhaltenen Korrekturen Sirletos, so daß die eigentlich selbständige Arbeit der Kommission sich auf das Neue Testament beschränkte. Hier aber gewinnt man den Eindruck, als ob nur eine Vorarbeit, nicht aber eine fertige Textrezension vorläge, so daß die Annahme sich nahelegt, daß Sixtus das Korrektionsexemplar sich einhändigen ließ, bevor die Kommission mit ihrer Arbeit zum Abschluß gekommen war. So bliebe für die Tätigkeit der Kommission recht wenig übrig — und doch wird uns von allen, die hierüber berichten, versichert, daß die Gelehrten sich mit Hingebung und Eifer der ihnen von Sixtus überwiesenen Aufgabe gewidmet haben. Hoepfl scheint doch zu weit zu gehen: die Übereinstimmung zwischen Cod. vat. 9517 und dem Cod. carafianus — wenn sie in dem behaupteten Umfang zutreffen sollte — nötigt nicht, eine einfache Pierübernahme der Emendationen Sirletos seitens der Kommission anzunehmen. Wer freilich von einer vollständigen Veröffentlichung der im Cod. carafianus enthaltenen Textkorrekturen „eine glänzende Auferstehung" für die kritische Arbeit der Sixtini erhofft, dürfte seine Erwartungen zu hoch gespannt haben. Bei der Durchsicht des Arbeitsexemplares der Sixtini kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß ihre Methode nicht gar sehr verschieden war von dem im 16. Jahrhundert ziemlich allgemein herrschenden eklektischen Verfahren, das feste textkritische Grundsätze nicht oder nur wenig gekannt hat. Dennoch weist ihre Arbeit einen charakteristischen Grundzug auf: das Streben nach möglichster Annäherung an die alten Vulgatahandschriften, zumal den cod. Amiatinus, ist unverkennbar. Diese Richtung der textkritischen Arbeit führte zu einer Rezension, die stark abwich von der Textgestalt, wie sie die Bibeln jener Zeit aufwiesen. Mochten die Änderungen aber, welche die Kommission am Vulgatatext vornahm, noch so durchgreifend sein, sie konnte sich zur Rechtfertigung auf den Grundsatz berufen, den der Papst selbst ihr als Richtschnur für die Arbeit angegeben hatte und den er in der Bulle mehrmals hervorhebt: Herstellung des hieronymianischen Textes hauptsächlich durch Heranziehung guter alter Handschriften. 3. Bei dieser Sachlage sehen wir uns jedoch vor ein Rätsel gestellt, wenn wir vernehmen, daß die Arbeit der Kommission den Papst so unbefriedigt ließ, daß er am 17. Nov. 1588 die Weisung gab, ihm die Bibel zu überbringen, damit er selber Hand anlegen und die Arbeit zu einem würdigen Abschluß bringen könne 1 ). Der Grund für dieses auffallende Verhalten des Papstes ist nicht etwa die „ratio diversa correctionis Carafae et Sixti V" 2 ) (Ungarelli), noch weniger die angebliche Überlegenheit des Papstes in der theologischen und philologischen Bildung (Gislieri) 3 ), sondern in erster Linie der große Abstand des von ') Der Kardinal Santori schildert sowohl im Diario Con cistoriale (Archiv. Vat. Brevi LH tora XIX) als auch in seiner Autobiographie (ed. Cugnoni im Archivio della Societa Romana di Storia Patria tom XIII p. 183) mit drastischer Anschaulichkeit die peinliche Auseinandersetzung zwischen Sixtus und Carafa. Über dem Haupt des Kardinals entlud sich bei dieser Gelegenheit eines jener Ungewitter, die bei dem leicht erregbaren Temperament eines Sixtus' V. nicht zu den Seltenheiten gehörten. Der spanische Gesandte Olivares weiß in seinem Schreiben vom 7. Mai 1590 an Philipp II. noch beizufügen, daß Sixtus dem Kardinal mit der Inquisition gedroht habe, weil dieser dem Papst das Recht bestritt, am Bibeltext eigenmächtig etwas zu ändern (avia renido con el Cardinal Carrafa, y amenazado de ponerle en Inquisicion, porque le dixo que no se estendia su autoridad d anadir, quitar, or mudar nada de la letra de la Biblia . ." bei Le Bachelet 1 c. 189). 2 ) bei Vercellone C, Variae lectiones vulgatae latinae Bibliorum editionis I. Romae 1860, XXXIX ff. 3 ) 11 •■ ip se Sixtus P.M. cum per eam emendationem sibi ut homini inScholastica theologiamagisque in linguaium peritia versato haud satisfactum . . ," (bei Vezzosi I.e. I. 14). h '3 den Sixtini hergestellten Textes von der traditionellen Textgestalt — ein Ergebnis, für das er bei seiner mangelhaften Einsicht in den wirklichen Sachverhalt fälschlicherweise die Kommission verantwortlich machte. Die Enttäuschung des Papstes mußte um so schmerzlicher sein, als die Arbeit der Kömmission eine seiner liebsten Hoffnungen zerstörte: eine Bibel, wie sie die Kommission hergestellt hatte, eignete sich nicht als Waffe für den Kampf gegen die Häresie, man mußte vielmehr das Gegenteil befürchten, insofern sie dem oft wiederholten Vorwurf, das echte Bibelwort sei in der Kirche verloren gegangen, eine gewisse Berechtigung gäbe. In diesen Tatsachen und Erwägungen dürfte der Schlüssel zur Lösung des Rätsels liegen : sie machen es verständlich, warum der Papst mit der Arbeit der Kommission unzufrieden war und weshalb er sich entschloß, die Revision der Vulgata selbst in die Hand zu nehmen. 4. Es wäre indes unrecht, wollte man in dieser Enttäuschung und Befürchtung des Papstes den einzigen Grund für sein persönliches Eingreifen in die Vulgatarevision erblicken. Das rege Interesse, das er seit Jahren der lateinischen Bibel entgegengebracht hatte 1 ), die einzigartige Bedeutung, die er der Vulgata für das religiös-kirchliche Leben beimaß 2 ), vor allem aber die Überzeugung, daß er als Papst auf Grund eines besonderen Gnadenbeistandes einzig berufen und befähigt sei, das entscheidende Wort in Fragen der Vulgatakritik zu sprechen 3 ) — diese Momente zusammen lassen eine Prüfung der Kommissionsarbeit seitens des Papstes als eine Selbstverständlichkeit erscheinen auch für den Fall, daß die Kommission seinen Erwartungen besser entsprochen hätte. So aber konnte sich Sixtus nicht mit einer prüfenden Durchsicht des Korrektionsexemplars begnügen, sondern er entschloß sich, die so mühevolle Arbeit einer Textrezension für die ganze Bibel selbst in Angriff zu nehmen. Ein Papst als Bibelkritiker und Korrektor. I. Um Dauer, Art und Umfang dieser Arbeit zu bestimmen, bedarf es heute nicht mehr der umständlichen Schlüsse und der unsicheren Vermutungen, auf die sich Ungarelli und Vercellone zumeist angewiesen sahen. Die neu erschlossenen Quellen bieten historisch unanfechtbare Tatsachen und liefern so viele Einzelheiten, daß sich ein anschauliches Bild von der Tätigkeit des arbeitsgewaltigen Papstes zeichnen läßt. ') Als Uelege hierfür seien hier nur genannt die vielen Bibelzilate in seinen Predigten (cf. Hühner A., Sixtus V. Leipzig 187 1, II. S. 70), Äußerungen der Zeitgenossen wie z. B. P. Morin in seiner epistula ad Sixtum V. (Opuscnla et epistulae. Parisiis 1675, p. 306), sowie Äußerungen aus dem Munde Sixtus' V. selbst, z. B. Badoer gegenüber (cf. Baumgarlen P. M. 1. c. 136), sowie die Ribelausgaben und -Kommentare in seiner Privatbibliothek (cf. Cugnoni G., Documenli Chigiani concernenti Feiice Peretti, Sislo V, come privato e come pontefice im Archivio della Societä Romana di Storia Patria V 1 ft, 210 ff., 542 ff.). 2 ) Er nennt in der Bulle Aeternüs ille die Vulgata „vinculum pacis, unitas fidei, nexus carilatis, dissentientium consensio, certissima in rebus dubiis normal'' s ) Daß Sixtus V. diese in der Idee des Primates nicht begründete Überzeugung hegte, ist angesichts der klaren unzweideutigen Sprache der Dokumente nicht zu bezweifeln. Diese Anschauung liegt auch der Weisung zu Grunde, die Sixtus 1587 der Congregatio pro Typographia Vaticatia gab: „Si quae graviores dubitationes et diffi- cultates in veterum codicum autoritate, librorum correclione et emendatione ineiderint, . . ad nos. referant, ut in lectionuin varietate id quod orthodoxao fidei maxime consonum erit, ex speciali Dei privi- legio huic sanetae Sedi concesso staluamus. (Bullarium Magnum II. Lugd. 1673, p. 612.) »4 Von Santori erfahren wir, daß Sixtus am 7. November 1588 das Korrektionsexemplar der Kommission einfordern ließ 1 ). Am 3. Juni des folgenden Jahres konnte er schon dem venezianischen Gesandten Badoer mit Genugtuung erzählen, er sei mit der Verbesserung der Bibel nahezu fertig, er stehe bereits an der Apokalypse 2 ). Demnach hat Sixtus in einem halben Jahre die ganze Bibel durchkorrigiert — eine Leistung, über die man nur staunen muß angesichts der Flut von Sorgen und Fragen, die gerade in jener bewegten Zeit auf ihn einstürmte 3 ), angesichts der Tatsache, daß sein Geist in derselben Zeit mit Riesenprojekten sich beschäftigte, deren Ausführung sein scharfes Auge überwachte, seine kraftvolle Hand leitete. Sixtus hat wahrlich den Stunden entrissen, was gewöhnlichen Sterblichen die Jahre nur unwillig gewähren 4 ). Der Verbesserung der Bibel widmete er — wie er selbst in der Bulle Aeternus ille hervorhebt 5 ) — täglich mehrere Stunden. Zur Mitarbeit zog er nur wenige heran. Zwei Männer nur werden namhaft gemacht: sein ihm nahestehender Landsmann Angelo Rocca, den das Vertrauen des Papstes zur Leitung der vatikanischen Druckerei und zur Einrichtung der Bibliothek berufen hatte °), sowie der durch seine glänzenden Geistesgaben und seine Gelehrsamkeit ausgezeichnete spanische Jesuit Francisco Toledo 7 ). Hatte der Papst ein Blatt korrigiert, so gab er es an diese beiden Männer zur Durchsicht weiter und diese lieferten es an die Druckerei 8 ). Bei Toledo erholte sich Sixtus auch Rats, wenn er auf Schwierigkeiten stieß, entschied jedoch oft nicht im Sinne seines Beraters ! '\ 2. Was für Sixtus bei seiner Emendation maßgebend war, läßt sich aus der Bulle Aeternus ille 10 ) und besonders aus der Textgestalt der Sixtina n ) erschließen: die neue Bibel ') Archiv. Vatic. Brevi LH. t. XIX. cf, oben S. 12 Note I. s ) Badoer an den Dogen. Roma, 3 Giugno 1589. „ . . . Entrö da principio la Santilä Sua a dirrai che . . . fü costretto porvi la mano da se stessa et si trovava vicino alfine, perche giä era gionta all' Apocalipsi . . ." (aus Baumgarten 1. c. 136). s ) Man denke an die durch die Ermordung der Guiseo geschaffene schwierige Lage, an die Niederlage der Armada, an die Verwicklungen mit Philipp II. u. a. Dabei ist nicht zu übersehen, daß der Papst, damals nahezu 70 Jahre alt, zur Führung der Geschäfte niemand eigentlich heranzog als den 16jährigen Nepoten Montalto. 4 ) Es sei nur erinnert an den Ausbau der Peterskirche mit Riesenkuppel, an die großartige Wasserleitung, die heute noch seinen Namen führt, an die großen Straßenzüge, die zur Erleichterung des Verkehrs und zur Freilegung von Kirchen angelegt wurden, an den Bau des lateranensischen Palastes, an die Errichtung der vatikanischen Druckerei u.a. — lauter Projekte, die dem gewaltigen Geiste Sixtus' V. entsprangen, Pläne, deren Ausführung er bis ins kleinste hinein mit seinen Architekten besprach (cf. Hübner 1. c. I. 201.) 5 ) „. . . in hoc laboriosissime emendationis curriculo, in quo operum quotidianam, eamque plurimis horis collocandam duximus . . . (Baumgarten 1. c. p. 46). °) Vgl. Ossinger J F., Bibliotheca Augustiniana Ingolstadt 1768, p. 754 ff. ') Vgl. Antonio Nie., Bibliotheca Hispana Nova. Matriti 1783, I. 484 ff. 8 ) . . . teneva quest' ordine doppo fatto un foglio, di farlo rivedere al Padre Toledo et aleuni Padri di Sant' Agostino , . . li quali dappoi revistolo con diligentia, lo mandavano alla stampa (Badoer an den Dogen, 3. VI. 1589, cf. Baumgarten, 1. c. 136.) °) „ . . . comunicando algunas ditficultades qae se le offrescian con al Doctor Toledo, pero 110 dizieudole si se conformava con su parescer ö no y sabiendo . . que no lo hizo en muchas cosas". Olivares an Philipp II., 7. Mai 1590, bei Le Bachelet 1. c. 189. 10 ) Vergl. den Satz: „. . . vt veterem multis in Ecclesia ab h ine seculis reeeptam lectionem omnino r e ti nu er im us". n ) Besonders auffallend ist die Behandlung der sog. A dditamenta in den Königsbüchern, d. h. einzelner Sätze oder Satzteile, die im hieronymianischen Text sicli nicht finden, sondern erst später in den Text eingedrungen sind. Während die Kommission 68 tilgte, hat Sixtus genau so viel beibehalten wie die Löwener Bibel, die den textus reeeptus bietet. i5 sollte sich nicht allzusehr von dem traditionellen, überall verbreiteten Kirchentext entfernen, aber doch den alten Handschriften auch Rechnung tragen. Daß die eine oder andere Son- der-Lesart der Sixtina auf einen dritten Faktor, den die Gegner des Papstes „Capriccio di Sisto" nennen, zurückzuführen ist, wird kaum bestritten werden können 1 ). Sicher rührt von Sixtus her eine neue mehr sinngemäße Verseinteilung. Auch für den Druck gab er einzelne Anweisungen, z. B. sollten in den lyrischen Teilen die Versanfänge eingerückt, das erste Wort jedes Kapitels in Majuskeln gesetzt werden. Sein Eifer für die neue Bibel begnügte sich aber nicht mit diesen Einzelvorschriften für den Druck, er nahm selbst die Korrektur der Bürstenabzüge vor, damit die leidigen Druckfehler 2 ) sein Werk nicht entstellten. Der Druck selbst lief neben der Emendation her, er wurde in der neugegründeten vatikanischen Druckerei durch den venezianischen Buchdrucker Domenico Basa 3 ) bewerkstelligt. Am 2. Mai 1590 bringen die Avvisi die Nachricht: „Nostro Signore ha publicato la Biblia da Sua Beatitudine ricorretta et emendata con taute vigilie et studio; et ha man- dato a ciascun Cardinale et seruitore principale di questa corte a presentarne una; la quäl Biblia e hora uenale a tutti" 4 ). So ist denn das große Werk vollendet, dem der Papst so viel Sorge und Mühe gewidmet, von dem er sich so viel versprach. Wir begreifen die Genugtuung, die ihn erfüllte, als er die Weisung gab, den Kardinälen und Fürsten ein Widmungsexemplar der neuen Bibel zu überreichen. „Nos ipsi" hebt er mit allem Nachdruck in den Breven hervor, die er mit der Bibel an die Fürsten richtete, „nos ipsi in summis Christianae Reipu- blicae ingruentibusque senectutis incommodis, quibus assidue premimur, quid quoque loco le- gendum sit, Auctorite nobis attributa statuere et manu nostra non sine magno et longo labore emendare aggressi diuina fauente gratia absoluimus 5 )." Diese Breven stellen inhalt/ich einen kurzen Auszug aus der Bulle dar, welche die neue Bibel begleiten und einführen sollte. 3. Die Bulle Aeternus ille wurde von Sixtus selbst entworfen, sorgfältig ausgearbeitet und mehrfach durchkorrigiert. Sie ist in dreifacher Form auf uns gekommen. Zunächst war sie jedem Bibelexemplar beigegeben. Bis in die neueste Zeit hatte man nur auf diese Weise Kenntnis von ihr erhalten. Man glaubte allgemein, die Bulle sei nur in Verbindung mit der Bibel ausgegeben worden — eine Annahme, die man um so lieber machte, als so eine Reihe von peinlich empfundenen Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt schienen. Da überraschte P. M. Baumgarten im Jahre 1907 die wissenschaftliche Welt mit der Nachricht, daß er das Original der Bulle Aeternus ille im Vatikanischen Geheimarchiv gefunden ') Im Buch der Richter 17,3 und im Numeri 30, II —13, hat Sixtus zweifellos eine Kürzung des Textes für angebracht gehalten und vorgenommen trotz aller Handschriften und Ausgaben. 2 ) Schon Erasmus hat gegen die „Liederlichkeit" der in Italien hergestellten Druckwerke geeifert. Kleine Bücher haben oft seitenlange Druckfehlerverzeichnisse. (Vgl. Kapp F., Geschichte des deutschen Buchhandels. Leipzig 1886. S. 311 ff.) 3 ) Es ist das Verdienst P. M. Baumgartens „mit dem Märchen von äußerst zäher Lebenskraft aufgeräumt zu haben, als ob wir in der Vulgata Sixtina eine editio Aldina vor uns hätten". (Vgl. Baumgarten 1. c. V ff.) 4 ) ib. S. 23. 6 ) ib. S. III im Breye an den Kaiser. i6 habe x ). Gleichzeitig konnte Baumgarten zwei bedeutsame Feststellungen machen: einmal daß „die ganze Phalanx von katholischen, protestantischen und anglikanischen Exegeten und Historikern, die sich mit der Bibelbulle, zum teil ganz eingehend befaßt hatten, sich inbezug auf das Datum allesamt geirrt hatten": die Bulle ist datiert vom i. März 1590, nicht — wie bisher allgemein geglaubt wurde — 1589. Noch wichtiger schien die weitere Feststellung zu sein, auf Grund deren Baumgarten eine alte Streitfrage endlich aus der Welt schaffen zu können glaubte: Der in jeder Beziehung einwandfreie Veröffentlichungsvermerk, den Baumgarten a tergo der Originalbulle vorfand, schien der alten, mit Zähigkeit festgehaltenen These von der Nichtver- öffentlichung der Bulle „kein Türchen mehr offen zu lassen". Allein Baumgarten hatte sich verrechnet. Der französische Jesuit Le Bachelet und ihm folgend sein deutscher Ordensgenosse Nisius 2 ) haben trotz der Publikationsnotiz auf dem Orginial der Bulle die alte These neu verfochten und so stehen sich heute noch die Antworten auf die Frage, ob die Bulle veröffentlicht war oder nicht, wie Ja und Nein gegenüber. Das neue Material aus dem venezianischen Staatsarchiv dürfte die Streitfrage der Lösung näher bringen, indem es dartut, daß niemand an der rechtlichen Geltung der Bulle zweifelte, alles aber hoffte, der Papst werde sie abändern oder zurückziehen, eine nicht ganz unbegründete Erwartung, welche 20 Jahre später dogmatische Bedenken zur Behauptung stempelten, die Bulle habe nie Rechtskraft besessen. Für die Ausführung dieses Gedankens muß ich auf § 16 meiner größeren Schrift verweisen. Eine gewichtige Instanz für die Entscheidung dieser Frage bildet die dritte Form, in der die Bulle überliefert ist: der Sonderabdruck, der Mitte August erschien 3 ) und von dem Baumgarten im Vatikanischen Archiv und in der Bibliotheca Angelica je ein Exemplar gefunden hat*). Als diese Sonderausgabe der Bulle im Druck erschien, hatte im stillen längst eine Opposition gegen Bulle und Bibel eingesetzt, die, von verschiedenen Seiten und Motiven ausgehend, schließlich das Lieblingswerk Sixtus V. vernichten sollte. 1 4 IV. Das 6egenspiel. 1. Schon am 25. November 1589 hatte Sixtus die neue Bibel der Indexkongregation vorlegen lassen 5 ). So wenig der Papst geneigt sein konnte, dem Votum der Kardinäle entscheidende Bedeutung beizumessen, so verschmähte er es doch nicht, sie um ihre Meinung ') Baumgarten P. M., Die Veröffentlichung der Bulle „Eternus ille celestium vom I. März 1590". Biblische Zeitschrift 5 (1907), S. 189 ff. 2 ) Nisius J. B., Zur Geschichte der Vulgata Sixtina. (Zeitschrift f. kath. Theologie 1912, i ff.; 209 ff.) 3 ) Vgl. die Nachricht in den Avvisi vom 22. Aug. 1S90. „Finalmente ä uscita la Bolla sopra la BiLlia . . ."; b. Baumgarten 1. c. 25, 4 ) Baumgarten, 1. c. S. 25. 5 ) „La nuova Biblia ricorretta del mode auisato c in mano delli Cardinali della Cougregatione sopra 1' indice". Avvisi vom 25. Nov. 1589; b. Baumgarten, 1. c. 22. t i7 ! 4 zu befragen, um so weniger, als er einen ernsten Widerstand von dieser Seite nicht wohl befürchten zu müssen glaubte. Waren ja doch von den fünf Mitgliedern der Kongregation vier seine Kreaturen, der Vorsitzende Marcantonio Colonna stand ihm als ehemaliger Lehrer persönlich nahe. Doch es sollte anders kommen. Die Depesche des spanischen Gesandten Olivares vom 14. Juni 1590 läßt deutlich erkennen, daß die Indexkongregation Bedenken gegen Bulle, und Bibel geäußert hat 1 ). Genaueres erfahren wir von Badoer, der am 25. August 1590 über eine Unterredung mit zwei Mitgliedern der Indexkongregation berichtet. Kardinal Ascanio Colonna 2 ) erklärt dem venezianischen Botschafter gegenüber mit aller Offenheit, daß er namens der Kongregation mündlich und schriftlich in der Bibelfrage ein Votum abgegeben habe, das sich zu den Ansichten des Papstes in scharfen Gegensatz stelle a ). Was im einzelnen beanstandet wurde, wird nicht gesagt. Die Bemerkung aber, die Unmöglichkeit der Durchführung und die Beschwerden seitens der Fürsten werden den Papst zwingen, die Bulle zu modifizieren, läßt erkennen, daß die Kongregation mit jener Bestimmung der Bulle nicht einverstanden war, welche den Druck der Bibel für die nächsten zehn Jahre ausschließlich Domenico Basa in Rom vorbehielt. 2. In anderer Richtung bewegte sich der Widerspruch der Gelehrten, die Sixtus mit der Revision der Vulgata beauftragt hatte, der Bibelkommission. Sie wandten sich in erster Linie gegen die Art und Weise, mit der der Papst mit dem Bibeltext verfuhr. Santori sowohl wie Olivares berichten, daß Carafa mit dem Papste eine Auseinandersetzung über die Behandlung des Bibeltextes hatte, wobei Sixtus in solche Aufregung geriet, daß er den Kardinal mit der Inquisition bedrohte. Carafa hatte den Papst an der empfindlichsten Stelle getroffen, als er ihm das Recht absprach, lediglich auf Grund seiner Machtfülle irgend welche Änderungen am biblischen Texte vorzunehmen 1 ). Dieses Vorkommnis sowie die Ablehnung der Kommissionsarbeit seitens des Papstes rechtfertigen die Annahme, daß die Mitglieder der Bibelkommission zu den Gegnern der neuen Bibel zählten. Es ist jedoch verfehlt, in ihnen die Seele des Widerstandes gegen dieselbe zu erblicken, wie dies meist geschieht. Carafa, der Vorsitzende der Kommission, der am meisten Grund und Macht zur Opposition gehabt hätte, weilte in jener Zeit sterbenskrank in den Bädern von Lucca 5 ), den übrigen Mitgliedern aber fehlte, wenn nicht der Wille, so doch die Macht zum Vorgehen gegen die Verfügungen des Papstes. 3. Weit größere Gefahr drohte der Bibel von anderer Seite: die Politik versuchte, in den Deckmantel der Religion gehüllt, den Lieblingsplan des Papstes zu durchkreuzen. Zwischen der „katholischen Majestät" Philipp IL von Spanien und dem Papste hatten sich in jenen Tagen die Gegensätze, die mehr als einmal schon zu Tage getreten waren, ') „aviendo atropellado las 2 congregaciones de Biblia y Indice, y hecho en muchas cosas contra lo que ellos procuraron persuadille . . ." ; b. Le Bachelet, 1. c, 190. 2 ) Vgl. Ciaconius, Alpb.: Vita et res gestae Pontificum Romanorum et S. R. E. Cardinalium. Romae 1677, IV, 170/71. 3 ) . . . in uero trouai il Colonna come intendente della materia cosi in unua et 1' altra cosa tanto risoluto che haueua detto in uoce et in scrittura per ordine della Congregatione (come mi fece uedere) la sua opinione contraria a quella della Santita Sita" (Badoer an den Dogen, 25. August 1590.) 4 ) Vgl. oben S. 12 Note 1. 5 ) Vgl. die zwei Nachrichten der Avvisi: A 28 di Aprile 1590. Cod. Vrb. Lat. 1058 fol. 204 r: „II Carlo Carrafa ha ottenuto licenza da N. S 1 '» da andare a, bagni di Lucca" und weiter: di Roma li 4 Agosto 1590, ib. 405 r: ,,S' iutende la graue indispositione del Card. Caraffa presso Lucca". i8 aufs schärfste zugespitzt — nicht ohne Schuld des Gesandten Olivares, dessen schroffes und rücksichtsloses Wesen und Gebahren zu unerhörten Auftritten führte 1 ). Dem Diplomaten kam die Bibel mit der Bulle sehr gelegen: er, der damals mit aller Macht darauf hinarbeitete, die bestehende Spannung aufs äußerste zu treiben, glaubte, daß die neue Bibel seinem Gebieter einen höchst willkommenen Anlaß böte, energisch gegen den Papst vorzugehen und hoffte, daß Sixtus sich durch die drohende Haltung Spaniens einschüchtern lasse und den spanischen Interessen dienstbar werde. So wird es verständlich, weshalb Olivares alle Vorgänge und Gerüchte, die sich um die Bibel drehen, so aufmerksam verfolgt, weshalb er in seinen Berichten an Philipp II. offensichtlich bestrebt ist, die Gefahr, welche die neue Bibel für die ganze Kirche und besonders für die spanische Monarchie bedeute, in grellen Farben su schildern. Noch bevor die offiziellen Widmungsexemplare ausgegeben sind, läßt er seinem Gebieter zwei Bibeln zugehen, damit dieser sie sofort prüfen und gegebenenfalls gleich Vorstellungen machen kann 2 ). Er kann nicht genug betonen, wie bedenklich Bibel und Bulle seien 3 ), wie eigenmächtig und gewalttätig der Papst mit der Bibel verfahre, wie der Papst sich jeder besseren Einsicht verschließe 4 ). Mit Behagen verzeichnet er Toledos angebliche Äusserung: Mit der neuen Bibel sei den Häretikern der größte Dienst erwiesen, für die Gläubigen aber sei sie das denkbar größte Ärgernis, so daß eigentlich die Einberufung eines allgemeinen Konzils am Platze wäre 5 ). Durch den spanischen Uditore Pena läßt er ein Gutachten über die Frage ausarbeiten, weshalb und wie Philipp IL eingreifen solle. In diesem von Le Bachelet erstmals veröffentlichten hochinteressanten Dokument'') ist mit aller nur wünschenswerten Klarheit gesagt, was allenthalben Anstoß erregte: Pena unterscheidet genau zwei Gesichtspunkte, unter denen Bibel und Bulle bedenklich sind: den religiösen und materiellen 7 ). Die Religion ist gefährdet, denn der Papst hat sich vergriffen am inspirierten Gotteswort 8 ), da muß die „katholische Majestät" eingreifen, das schuldet sie „Gott, dem Apostolischen Stuhl und der gesamten Kirche" 9 ). Nachdem der Uditore dann ausführ- 1 ) Vgl. Ilerre P., Papsttum und Papstwahl im Zeitalter Philipps II. Leipz. 1907, S, 402 ff. 2 ) Olivares an Philipp II: 14. Mai 1590: „Senor . . . embio ä V. Md . . la nueva Biblia dupp.da per major recaudo, para que V. Md. pueda teuer mas tiempo de hazerla ver antes que Uegua la del Papa"; bei Le Bachelet 1. c. S. 190. 3 ) Vgl. den Schluß der Depesche vom 14. Mai 159°: n^ios alurnbre a su Sd. que cierlo va pariendo monstruos que seran de gran ruyna d la Iglesia, aunque ya se atesen"; bei Le Bachelet 1. c. S. Ig 1, 4 ) Vgl. die Depesche vom 14. Mai 1590: „P e rs u ad ir a su Sd. ä reformar estas cosas en ninguna dellas no serä de ninguno effetto . . . aviendo . . hecho en muchas cosas contra lo que ellos procurar on persuadille, conque las mäs concluyentes razones del mundo le parescerän ridiculosas, y por el contrario las que lo fueren, siendo en su favor, inconvencibles . . ."; bei Le Bachelet 1. c. 190. 6 ) Depesche vom 7. Mai 159°' !>■ • • y assl e ^ Toledo aguarda desto mayores occasiones a beneficio de los hereges y escandalo de los fieles que en ninguna cosa que pudiera hazer el Papa, y par muy occasionada t provocarse un coucüio general quando no huviera otra cosa"; bei L. Bachelet 1. c. 189. 6 ) „Lo que el Auditor Penna advierte que se devria hazer en el examen de le Iiiblia Nueva." 7 ) El negocio concernente la Iiiblia nuevamente estampada contiene dos partes principales. Una es tocante ä la religion, que es la que mas importa, pues della depende nra fee, nro bien y nra bienavenluranza", bei L. Bachelet 1. c. S. 191. 8 ) „. . . en algunas cosas [no] se ha tenido el respecto fidelissimo y inviolable que conviene ä la scriptura saneta inspirada del Spiritu Sancto y escripta por el dedo de Dios . . .". (ib. 192) °) „su Md. por la obligaciön que tiene ä Dios y a la sede Apostolica y universal Iglesia" . . (ib.) ' '9 lieh dargelegt hat, wie das drohende Unheil von der Kirche abgewendet werden kann, streift er nur kurz die Schädigung, die den Buchdruckern aus den Verfügungen des Papstes erwachsen müßte 1 ). Olivares hatte dieses Gutachten am 21. Mai an Philipp II. abgehenlassen und ihn gebeten, sich möglichst bald zu der Angelegenheit zu äußern. Doch Philipp pflegte nichts zu überstürzen und als Olivares den Bescheid seines Gebieters erhielt, war das Schicksal der Bibel längst entschieden. So sehr demnach der spanische Gesandte gegen das Werk des Papstes eingenommen war und so eifrig er gegen dasselbe arbeitete, so kommt ihm doch ein unmittelbarer, entscheidender Einfluß auf die späteren Maßnahmen gegen Bulle und Bibel nicht zu, wenigstens ist ein solcher aus den vorliegenden Dokumenten nicht zu erweisen. Vor Sixtus hielt er sorgfältig alles geheim, was er über die Angelegenheit dachte und was zwischen ihm und dem Monarchen verhandelt wurde 2 ). 4. Ganz anders ging der Vertreter eines weiteren mächtigen Staatswesens vor, das sich angelegentlichst um die neue Bibel interessierte und alles aufbot, um die Zurücknahme derselben zu erwirken. Es ist Alberto Badoer, der Gesandte der Republik von San Marco. Seine bis jetzt nicht verwerteten Berichte 3 J sind schon deshalb von großer Bedeutung, weil sie die Lücke ausfüllen, welche auch die Avvisi und die Depeschen des spanischen Gesandten von Juni bis August offen lassen. Die venetianischen Gesandtschaftsberichte verbreiten hellstes Licht gerade über jene Tage, die bis heute völlig in Dunkel gehüllt waren und die doch für die Lösung alter, vielumstrittener Fragen von ausschlaggebender Bedeutung sind. Der dieser Arbeit zugemessene Raum gestattet nicht, alle Depeschen mit ihren interessanten Einzelheiten vorzuführen und ihre Bedeutung zu würdigen; dies bleibt der größeren bereits genannten Arbeit vorbehalten; hier sei nur eine kurze Analyse des Inhalts gegeben. Der Doge hatte, noch bevor ihm das Widmungsexemplar der neuen Bibel zugegangen war, den Gesandten beauftragt, beim Papste Vorstellungen zu machen wegen des in der Bibelbulle enthaltenen Druckerprivilegs. Der Doge war auf Bibel und Bulle aufmerksam geworden durch den venetianischen Inquisitor, der die Bulle bekannt gegeben und durchgeführt wissen wollte. Der Gesandte entledigte sich seines Auftrags und berichtet am 1. Juli 1590 4 ) an den Dogen über die Antwort des Papstes. Darnach beschränkte sich dieser zunächst auf die Erklärung, der Inquisitor habe ohne Auftrag gehandelt, mit der Ausführung der Bulle sollte vorläufig zugewartet werden, bis die Buchdrucker und Buchhändler die alten Bibeln abgesetzt hätten. Mit dieser Erklärung aber gab sich naturgemäß der Doge nicht zufrieden, sondern verlangte die Zurücknahme des Druckerprivilegs, das die Bulle dem Inhaber der Typographia Vaticana für zehn Jahre ausschließlich einräumte. Darauf erwiderte ') „El otro punto toca al interesse temporal de la estampa." (ib. 193.) 2 ) Vgl. Depesche vom 28. Mai 1590: „. . . yo aeeepte de embiarla sin replicarle palabra ni mostrarme informado de nada". (ib. 194.) 3 ) An dieser Stelle kann ich nicht unterlassen, dankbar der Liebenswürdigkeit des H. II. F. M. Gaillard, S. J., zu gedenken, der dem aller Empfehlung baren, wie es scheint wenig Vertrauen erweckenden «Tedesco» den Weg ins venezianische Staatsarchiv gebahnt hat. *) Arch. Ven. Disp. Roma 159°, filzä 25, fol. 189/190. Die wichtigste Stelle lautet (von Badoer selbst unterstrichen): B L' es s ec uzi o n e della qua le (Bo 11 a) non haueua commessa ancora ad aleuno accioche li poueri librari et stampatori possino hauet commoditä di riuscire delli libri che hauessero in essere (siehe Anhang Depesche I). 20 Sixtus, die Bibel sei ein heiliges Buch, das Fundament unseres Glaubens, drum habe der Papst das Recht, den Druck ausschließlich auf Rom zu beschränken. Die treffenden Gegengründe des schlagfertigen Gesandten erwiderte Sixtus mit der Klage über die arge Hitze, die dem Kopf furchtbar zusetze 1 ), 14 Tage später bot sich Badoer wieder Gelegenheit, sein Anliegen zur Sprache zu bringen. Jetzt erklärte der Papst mit aller Bestimmtheit, daß er seine Bulle nie und nimmer und um keinen Preis zurückziehen könne, da er sie bereits in die ganze Welt hinausgegeben habe und die Bibel, das Fundament unseres Glaubens, das Buch, dem er so viel Zeit und Mühe gewidmet, das das Wohl der Gesamtheit und seinen persönlichen Ruf so nahe berühre, daß dieses Buch nur vor neuer Verderbnis bewahrt werden könne, wenn es geraume Zeit nur an einem Ort gedruckt werden dürfe. Nur dazu ließ sich Sixtus schließlich herbei, daß er die Maßnahmen des Inquisitors für null und nichtig erklärte und die Versicherung gab. es sollte bis auf weiteres die Bulle nicht in Kraft treten. Badoer sah hierin mit Recht einen Erfolg, der ihn hoffen ließ, sein Ziel, die Zurücknahme der Bulle schießlich doch noch zu erreichen 2 ). Einen neuen hierauf abzielenden Versuch unternahm er am 18. August, ohne jedoch etwas zu erreichen. Im Gegenteil: der Papst war sehr ungehalten über den Dogen, weil der gemaßregelte Inquisitor in einem Briefe die ihm zur Last gelegte Veröffentlichung der Bulle als eine böswillige Verleumdung der venetianischen Buchdrucker hingestellt hatte. Die Begütigungsversuche Badoers brachten den erregten Papst nur noch mehr auf: „Non e cosi, Non e cosi, per 1' amor di Dio non si parlassi piü per all' hora di questo !" diese Worte — in höchster Erregung gesprochen — ließen den Ge sandten nicht in Zweifel darüber, daß er am 18. August vom Ziele weiter entfernt war als je 3 ). Aber er gab die Hoffnung nicht auf — er zog sich zurück, um eine bessere Stunde abzuwarten, Allein nun trat eine unerwartete Wendung ein: heftige Fieberanfälle ließen für das Leben des greisen Papstes das Schlimmste befürchten. Badoer war sich klar, jetzt hatte er keine Zeit zu verlieren. Er eilte zum Nepoten des Papstes, zu Kardinal Montalto, um seine Vermittlung in Anspruch zu nehmen. Er wiederholte hier all die Gründe, die er dem Papste vorgelegt hatte, suchte ihr Gewicht zu verstärken durch Bibelstellen, Belege aus den Schriften der Väter, Kanonisten, Theologen und Päpste und zog alles bei, was nur irgendwie gegen die Bulle sprechen konnte. Montalto erwiderte, er habe nie an die Möglichkeit der Durchführung geglaubt, aber so rasch werde der Papst eine von ihm selbst erlassene Bestimmung nicht zurückziehen; wenn er die „disordini" sehe, die daraus hervorgingen, werde er von selbst tun, was Badoer wolle. Von Montalto weg begab sich der Gesandte zu den Kardinälen Colonna und Rovcrc, die sich als Mitglieder der Indexkongregation für die Angelegenheit interessieren mußten. Colonna machte keinen Hehl daraus, daß er mit den Maßnahmen des Papstes durchaus nicht einverstanden sei. Auch er gab der sicheren Erwartung Ausdruck, daß die Beschwerden vonseiten der Fürsten den Papst zu einer Modifikation der Bulle nötigen werden, aber vorderhand sei daran nicht zu denken. Mit größerer Zurückhaltung äußerte sich Rovere über die heikle Frage. Als Badoer darauf hinwies, daß die Bulle zurückgezogen oder ') Depesche vom 21. Juli 1590. Arch. Ven., filza 25, fol. 332/334 (III). 2 ) Depesche vom 28. Juli 1590. Arch. Ven., fil/.a 25, fol. 345 ff. (IV). ") Depesche vom 18. August 1590. Arch. Ven., fibta 25, fol. 388 (,V1[), I '21 modifiziert werden müsse, erwiderte der Kardinal, vor einigen Monaten wäre dies vielleicht möglich gewesen, jetzt aber werde es schwer halten, den Papst, der auf seinen erstmaligen Entschließungen zu beharren pflege, zu einer Änderung zu bestimmen. Roveres Rat, vorläufig nichts zu unternehmen, glaubte Badoer nicht .befolgen zu können, da die Sache zu wichtig sei, als daß er auch nur einige Tage zuwarten könnte. „Ich werde", so schließt er seinen Bericht vom 25. August, „nicht verfehlen, sobald sich die Gelegenheit bietet, bei Seiner Heiligkeit die weiteren Schritte zu unternehmen, um dem Auftrag der Signoria nachzukommen 1 ). Doch — es sollte anders kommen. Zwei Tage später macht der Gesandte der Signoria die Mitteilung von dem unerwarteten Ereignis: „II Papa e passato ä miglior vita alle 23 höre . . ." Die Seinen sind untröstlich . . . alles ist in Furcht — ich bin ganz unglücklich wegen des Auftrags der Signoria. Denn wenn S. H. auch einen unbeugsamen Sinn hatte, so konnte man doch bei der Sympathie, die er für die Republik hegte, auf einen guten Ausgang der Sache hoffen« 2 ). So aber hatte der Tod diese Hoffnung zu nichte gemacht. Der Papst war tot — aber noch lebte sein Wille und sein Werk in seiner Bulle und Bibel. V. Das tragische Ende. 1. „Wenn die Zwerge das Erbteil des Riesen antreten, ist die Vernichtung seiner Werke die erste ihrer Handlungen 3 )." Dieses Wort bewahrheitete sich an der Bibel Sixtus' V. Noch während der Sedisvakanz wurden Maßnahmen gegen sie getroffen. Am 5. September erließ die Kardinalskongregation das Verbot, Bibel und Bulle weiter zu verkaufen' 1 ). Die endgiltige Entscheidung aber über ihr Schicksal blieb Gregor XIV. vorbehalten, der am 5. Dezember 1590 den päpstlichen Stuhl bestieg, freudig begrüßt vom Dichter der Gerusalemme liberata 5 ). Noch im Dezember 1590 oder spätestes im Januar 1591 wandte sich Gregor XIV. an Bellarmin, um sich bei ihm in der Bibelfrage Rats zu erholen. Über Anfrage und Antwort verbreitet sich der Gefragte selbst ausführlich in seiner 1613 verfaßten Autobiographie 6 ). Darnach ging sein Rat dahin, die Bibel möglichst rasch einer neuen Revision zu unterziehen, unter Sixtus' Namen neu herauszugeben und in einer Vorrede zu bemerken, daß sich in der ersten von Sixtus veranstalteten Ausgabe infolge Übereilung einige Fehler eingeschlichen 1 ) Depesche vom 25. August 1590. Arch. Ven., filza 25, fol. 419 (IX). 2 ) Depesche vom 27. August 1590. Arch. Ven., filza 25, fol. 430 (X). s ) Hübner A. v., Sixtus V. Leipzig 1871, II. 380. t 4 ) Avvisi 5 Sett. 159°: „La Congregatione de Cardinali ha sospeso il uendere piü la nuova Biblia et sua Bolla". ßaumgarten 96. B ) Vgl. Facini A., II Pontificato di Gregorio XIV. Roma 1911. S. 46 ff. 6 ) Uher Entstehung, Charakter und Ausgaben dieser interessanten Schrift vgl. DöllingerJ. — Reusch Fr., Die Selbstbiographie des Cardinais Bellarmin. Bonn 1887, und Le Bachelet: Vorwort zu seiner neuen Ausgabe in „Bellarmin avant son Cardinalat". Paris 1911, 438 ff. 22 hätten, die von den Druckern oder von anderer Seite herrührten. Der Rat B. fand den Beifall des Papstes, sofort wurde zur Ausführung geschritten. Noch im Januar 1591 erhielt die Indexkongregation den Auftrag, die neue Vulgatarevision in die Wege zu leiten 1 ), aber erst unter Clemens VIII. (1592) konnte die neue Bibel ausgegeben werden, zu der Bellarmin selbst die für ihn verhängnisvolle Praefatio verfaßte 2 ). 2. Was sollte aber aus den Exemplaren der Sixtina werden, die bereits an die Fürsten gesandt oder in den Buchhandel gelangt waren? Auch diese Frage wurde auf Bellarmins Rat hin entschieden. Von Frascati aus, wo der Kardinal seit Oktober 1591 weilte, um den sehnlichst erwarteten letzten Band seiner Controversen fertig zu stellen 3 ), gab er in einem anfangs Februar 1592 geschriebenen, an Clemens VIII. gerichteten Brief den Rat, die ausgegebenen Exemplare der Sixtina soweit als möglich wieder einzuziehen 4 ). Der Vorschlag Bellarmins wurde für gut befunden. Sofort erging an den Nuntius und den Inquisitor in Venedig die Anweisung, alle Exemplare der Sixtina aufkaufen zu lassen. Gleichzeitig beauftragte der Kardinal Santori den Jesuitengeneral Aqua vi va, an alle Ordensgenossen in Deutschland und allerorts die Weisung ergehen zu lassen, nach Exemplaren der Sixtina zu fahnden und sie auf Kosten der Apostolischen Kammer zu kaufen 5 ). Darf man Bottari, dem mutmaßlichen Verfasser der höchst seltenen Schrift 6 ) „Lettera apologetica intorno all' edizione fatta in Roma per commando di Sisto V." Glauben schenken, so wurde im Mai 1592 von den Jesuiten ein Memorandum über die Art und Weise eingereicht, wie man der Sixtina am besten habhaft werden konnte. Sicher ist dies geschehen im Februar 1593, worauf die Weisung ausgegeben wurde, die erworbenen Exemplare an die Nuntien abzuliefern 7 ). Die so zurückgewonnenen Bibeln gingen alle Kardinal Santori zu und blieben hier in Verwahrung bis zum 15. April 1594; an diesem Tage verfügte Clemens VIII. ihre Vernichtung 8 ). 3. Die erwähnten Maßnahmen aber konnten sich zunächst nur auf jene Exemplare der Sixtina erstrecken, die im Besitz von Privatpersonen waren. Um die an die Fürsten versandten Exemplare zurückzuerhalten, mußte ein anderer Weg beschritten werden. Wie aus den Gesandtschaftsberichten Paruta's 9 ) und des Herzogs von Sessa hervor- ') Olivares an Philipp II. 29. Januar 1591. „. . . agora ha remitido Sn Sd. la revision ä la congregaciön que llaman del Indice . , ." Le Bachelet 197, 2 ) Diese Praefatio hat ihm den Vorwurf der „fraus pia" eingetragen, hat ihm den Heiligenschein gekostet. Über die Berechtigung der Anklage wie über die ganze Kontroverse vgl. § 16 meiner Monographie über die Bibel Sixtus' V. 3 ) Vgl. Autobiographia in der Ausgabe von Le Bachelet S. 458. 4 ) Santori, Diario Consistoriale; bei Le Bachelet S. 150/151. 6 ) ebenda. 6 ) Das Auskunftsbureau für deutsche Bibliotheken in Berlin, an das ich mich vor einem Jahr wandte, vermochte die Schrift bis heute nicht aufzutreiben. Eine deutsche Übersetzung gibt Leander v. Eß im Anhang seiner „Pragmatisch-kritischen Geschichte der Vulgata". Tübingen 1824. 7 ) Santori bei Le Bachelet 150. 8 ) ebenda. 151. °) Am 26. Dezember 1592 übersandte der venezianische Botschafter Paruta der Signoria die neue Bibel und bemerkt dazu: „quello che mi portö la Biblia, mi disse appresso che si desiderava di riavere quell' altra che giä le fu mandata da Sisto V. ..." Vgl. Paruta P., La legazione di Roma. Dispacci 1592 — 1595, publ. da G, de Leva. Venezia 1887. 23 geht 1 ), wurde die Sixtina gleichzeitig mit der Übersendung der neuen 1592 ausgegebenen Bibel zurückerbeten. Allein weder diese noch die bereits genannten Maßregeln führten ganz zum Ziel. Das tückische Schicksal bewahrte einige Exemplare vor dem Untergang. Jedes von ihnen hat seine Geschichte. So hat z. B. das Exemplar, das heute das hiesige exegetische Seminar als kostbaren Schatz sorgsam hütet, eine Wanderung durch dreier Herren Länder gemacht, bevor Prof. Hoberg ihm mit 760 Mk. deutscher Währung den Weg von London nach Freiburg wies. Ich muß darauf verzichten, die Schicksale der geretteten Exemplare weiter zu verfolgen, die Kämpfe zu schildern, die sie entfacht, die Fragen aufzuführen, die sie angeregt hat, die Folgerungen zu ziehen, welche die Betrachtung ihrer Geschichte nahelegt. Nur einem Gedanken sei Ausdruck gegeben zum Schlüsse. Sixtus hat seiner Bibel einen schönen, sinnvollen Kupferstich beigegeben, für den er selbst biblische Worte, Szenen und Gestalten ausgewählt und gruppiert hat. Eine Szene ist der Apokalypse (10. 9 ) entnommen, aber recht bezeichnend umgestaltet. Das Bild stellt dar, wie der Papst (Sixtus selbst) sitzend ein Buch aus der Hand eines Engels empfängt, der vor ihm kniet. Unter dem Buche schaut die Peterskirche hervor, über der ganzen Szene schwebt der Gottesgeist in Gestalt einer strahlenentsendenden Taube. Die Symbolik des Bildes ist klar. Das Buch, das der Engel dem Papste überreicht, ist die Bibel, die Sixtus der Kirche schenken wollte. Aber über dieser Bibel waltete nicht der hl. Geist. Es war des Papstes eigener Geist, der eigenmächtige gewalttätige Geist eines Sixtus, der keine Schranken kannte für seine Macht, Rat und Belehrung von sich wies. Daß dieser Geist nichts Dauerndes schafft, davon zeugt die Bibel Sixtus' V. ') Der spanische Gesandte berichtet unter dein 22. Dezember 1592: „. . . . mandadome que snplique de sa parte ä V. Md. se sirva de mandar se entregueu al Nuncio las que V. Md. tuviere da Sixto." Le Bachelet 199. Anhang. Depeschen des venezianischen 6esandten Alberto Badoer an den Dogen. (Orthographie blieb unverändert, Sperrdruck bezeichnet die Stellen, die im Original unterstrichen sind ) I. Gia alcuni giorni S. S tä mi mandö ä Casa la Biblia noua correta da lei con molta fattica et nella quäle si compiace assai perche 1' inuassi ä V. Ser th et dapoi mi ha mandato anco il Breue che sarä incluso in queste ; il libro non ho mandato ne mando al presente per non hauer occasione dubitando, che essendo' egli legato in cuoro non patisca ma come prima mi si presenterä lo manderö alla Ser tl-V V., et fra tanto ho fatto 1' ufficio con la S u sua, per li stam- patori et librari che lei si degna commandarmi, et ho riportato in risposta che lei non ha fatto altra Bolla che la posta nel principio della Biblia stessa. L' essecutione della quäle non haueua commessa ancora ad alcuno accioche li poueri librari et stampatori possino hauer commoditä di riuscire delli libri che hauessero in essere, et che quell' Inquisitore non haueua hauuto alcun ordine di usar tanta diligentia ne lo doueua fare ma che li mandassi memoriale di ciö perche haueria sopra di esso consideratione et uolendoglielo io dare, perche 1' haueua pronto, mi disse che li hauerei fatto piacere riuederlo meglio doppo la sua risposta et accommodarlo come mi parerä poiehe in ogni modo per il caldo eccessiuo che regna gia tre giorni, che li leua il poter mangiare, et il dormire, si ritroua, come in effetto era, fiachissimo, da non poter quasi passar la uita, non che attendere a negotij, per ciö lo riportai, et dimani lo rimanderö alla S. tä Sua. Nel fare l'ufficio ho detto le ragioni comandatemi della Ser. tä V., et Sua S lä confirmö le molte facende, che li haueuo detto farsi in Venetia da librari et da stampatori, si per quello che s' imprimeua nella Cittä come per la contrattatione che si haueua per tutto il mondo, ma mi disse che '1 non potersi stampar la Biblia per X anni, sarä stato concesso per particolar priuilegio ä Domenico Basa il quäle suddito della Ser. t& V. ha cura della Stamperia Vaticana, ma fin' hora non ho potuto saper che sia seco interessato; et io li dissi, che ciö non si fece mai nelle dittioni et Dominij d' altri Principi, alli quali si suole di mandar li Priuilegij per quello che puo toccare alli loro stati, raecordando in particolare ciö che segui in tempo di Gregorio delli messali ordinati da Pio quinto che fu riuocata la concessione fatta ä coloio per il „giusto 25 grauame di V. Ser. tä , et la S. B non mi disse alcuna cosa in contrario, ma sola- mente, che riuederia la sua Bolla, et il memoriale et tratanto ch'io scriuessi alla Ser u V. lei non hauer commessa 1' essecuzione della Bolla ad alcuno per non dar danno alli poueri librari et che poi mi farä intendere la sua risolutione. Di Roma alli i Luglio 1590. Arch. Ven. Roma 1590. filza 25. fol. 189/190. Alberto Badoer. Amb. II. M'ho risolto mandar la Biblia corretta da sua S tä per il presente Corriero, hauendomi egli promesso di portarla sicuramente il che facendo sarä degno di qualche parte della gratia della Ser tä V. alla quäle r. Di Roma alli 14 Luglio 1590. ib. fol. 195. Alberto Badoer. Amb. Presentai alla S. tä sua la lettera della Ser. ,ä V. in risposta del Breue con la Biblia accompagnandola con 1' offizio che piacque alla Bontä diuina sumministrarmi per essecutione compita degli ordini contenuti nelle sue lettere, et Sua San tä moströ hauerlo sopra modo grato ringratiando V. Ser tä affetuos' 0 della buona uolontä che li teniua; passando poi subito a dirmi, che non si ponesse tanto pensiero per quella Bolla perche lei non uoleua che 1' Inquisitor ne altri s' impedissero nella sua essecutione, essendo essa una forma del suo desiderio la quäle non doueua esser eseguita si precipitosamente ne senza espresso ordine suo, ma dicendoli io che era necessario prouederui, perche staua non solamente 1' intimatione, ma la Bolla stessa per la quäle cadauno resteria sospeso nel comprar et nel uender li libri non stampati con tutti li requisiti contenuti in essa, altre che il non potersi stampar in Venetia, et nel stato della Ser ,Jl V. la Biblia per dieci anni per particolar guadagno di un solo suddito anche di V. Sei 46, che meno de'gli altri hauerebbe douuto procurarlo, di piü del danno de' librari et stampatori, apportaua notabilissimo preiudizio alla Ser. a V. stessa essendo molto ben noto ä uadauno che a lei sola spetta nel suo Dominio concedere Priui- legio a chi li pare, come si costuma ogni giorno et non lo concedendo possono gli altri tutti restar non impediti nella sua arte da chi si sia et che perciö supplicano Sua San ,ä che se nel tempo di Papa Gregorio si riparo il disordine delli Breuiarij et Messali nel tempo di Sisto Quinto Padre particolare della Rep. si troui minore difficultä nell' ottenire che con Bolla o Breue come meglio li parerä sia riuocato esso Priuilegio et nel resto de' gli altri libri prouisto nel miglior modo che parerä alla sua singolar prudentia, ma S. S tk mi rispose che questo era libro sacro et fundamento della nostra fede et perciö giudicando il Pont. 6 con- nenire che si stampi in Roma solamente, non fa torto ad alcuno, et io replicai che era 26 ueriss 0 la Biblia essere libro sacro et che percio circa 1' accommodarlo in questo o in quel modo tutti doueuano rimettersi al udir di Sua Sa tk , ma che quanto piü era stampata, tanto piü si diuulgaua a beneficio commune, et che il stamparla era di arte laica et si doueua fare di artefici laici sottoposti alla iurisditt no de' loro Principi che quando si uolesse considerar in questo termine le cose, si potria anche dimani ordinär che in niun locco fuori di Roma si potessero far da sartori paramenti di chiesa di alcuna sorte, ne da pitori o scultori imagini di N. Sig. ne della gloriosa Vergine et di tutti li santi, ne da dotti Maestri Croci Calici, Tabernacoli, et tant altre cose perche siano dedicate a sacro uso, anzi che si potria dire che niun altro Maestro se non chi tenisse il Priuilegio potesse fabricar le chiese stesse, il che no sarebbe altro che distrugger le cittä intiere, et leuar li sudditi alli Principi temporali, cosa che si come non giusta, ne honesta, cosi sappino no essere di mente della S. S tä , et lei non uolendo rispondere alle cose dette si ridusse a dolersi che faccia molto caldo et che non era possibile che lei attendi hora a negotij graui come sarebbe questo, perche la testa non li seruiua che s' haueriano da considerar molte cose se posse o non posse sua iurisdittione, et altri particolari di momento et che per hora non 1' hauerebbe potuto fare, ma che se 1' Inquisitor o altri hanno fatto ciö che lei non li ha com- messo si poträ dar al Nunzio per lettere gli ordini necessarij il che s' haueria fatto fin hora, s' io li hauessi mandato il Memoriale, et che poi con piü commoditä si parleria del resto. AI che non potei restar di dire, che senza disputar di iurisdittione, ch' era tanto chiara, quando la San tä Sua si posse contentare senza far mentione di essa, riuocar il Priuilegio cauato surretiamente da colui per suo particolar et inhonesto guadagno prouedendo del resto bastantemente, come li fosse parso meglio, la Ser. ,ä V. Io hauerebbe riceuuto anche per singolar fauore della Sant ,ä Sua, alla quäle affirmano hauerli mandato il Memoriale, ma lei negö di hauerlo uisto; et io se ben li racordai, che lei li haueua anche signato con dire che se li raccordasse ciö che si uorebbe, che si facesse, dissi nondimeno che gliene manderei un altro, e cosi la San 10 - Sua si contentö, ne mancherö di mandarlo et di sollecitar il negotio con ogni diligentia dando di tutto riuerente conto alla Ser. u V. Di Roma alli XXI di Luglio 1590. ib. fol. 332/3.1. Alberto Badoer. Amb. IV. Hebbi risposta alli memoriali del stampar della Biblia .... che nel primo non uoleua sua S. tä riuocare la sua Bolla in alcun maniera .... Dopo questi ragionamenti entrö da se il Pon co a dirmi che li haueuo mandato memoriale di riuocar la sua Bolla in proposito del stampar la Biblia, ma che lei non poteua fare in alcuna maniera, hauendola mandata hormai per tutto il mondo et che se non fossa ragioneuole dimandar alla Ser tä V. che riuocasse un suo Decreto fatto nel Con 0 de. X il giorno precedente, meno si douerebbe dimandar al Papa che lo facesse che lei haueua mandata la Bolla, ma non haueua com m essa la sua essecutione ad alcun o, et perciö se quell' Inquisitore haueua fatto intimatione o altro, scriuerebbe al Nuntio che la annullasse et li 2 7 comandasse non s' impedir in ciö per 1' auenire come 1' auerebbe fatto prima, s' io li hauessi mandato memoriale di questo. Ma io risposi che haueuo dato il memoriale conforme al comandamento di V. Ser ta anzi con 1' istesse parole non potendosi la Ser. V. persuadere che S. S ,a uoglia lasciar uiuere cosa di tanto pregiudizio di quella cittä et che se Papa Gregorio riuocö il Priuilegio delli Breuiarij per li giusti grauami della Ser. V., lei aspetta molto piü ottenerlo della San a Sua, che si e mostrata sempre Padre particolare di quella Rep ca ; All hora sua Beat, disse che se hauesse uoluto far ciö che fece Papa Gregorio, non haueria fatto, et cominciö a raccontare della coadiutoria d' Aquileja, et uoleua proseguire; ma io pregai la S ta Sua, a non si faticar in questo perche li molti fauori fatti da lei a Ser ta erano freschissimi nella sua memoria, anzi che per essi 1' aperto testimonio della paterna et benigna uolontä sua uerso la Rep oa si teniua ferma speranza d' altri per giornata come da animo magnanimo sempre si suole, poiche lei era anco conscia ä se stessa di non hauer pietermesso mai occasione di dimostrare la diuota sua riuerentia uerso la S ta Sua, potendosi annouerar molte cose in questi tempi che non si troueranno fatte mai a contemplatione de altri Pont 0 ' passati, il che doueua ualere solamente in far conoscere la uiua gratitudine di V. Ser ta per li fauori di S. ta S., et lei disse, adunque non parliamo di Papa Gregorio et che se taglio egli il Priuilegio, fu perche in tempo di Pio V come si uendeuano tutti gli altri officij cosi si uendeuano anco queste stampe et furno li Breuiarij impressi scorrettissimi, et per ciö Gregorio ä grauame de tutto il mondo Io taglio, ma hora non si puö dir questo della Biblia. la quäle si haueua mandata hormai in Spagna, in Francia, et in Germania et niuno dimandaua ciö che pretendeua la Ser ta V; al che io haueuo posto per rispondere, ma la S. ta S. non lo permesse et continuö ä dire che lei non faceua pregiudicio ad alcuno in uolere che un libro suo fusse stampato solamente in Roma, perche no sforzaua alcuno a stam- parlo in Venetia ne altroue oltreche essendo questo il fundamento della nostra fede, correto da lei doppo tanto tempo con molta fattica, importaua troppo alla salute commune, et alla sua particolare riputatione ch' egli non andasse fuora alterato pur in un et in un punto ö in una coma, et che perciö non solamente uoleua che si stampasse in Roma, ma che non ne andasse fuora dalla stampa alcuno se non fosse uisto reuisto et correto molte uolte, il che e necessario che si faccia fino che esso sia sparso per il mondo neto et sincero come deue stare perche se poi in Venetia ui sarä alcuno che uoglia accuratamente et diligentemente atenderci, non solamente hauerä caro che lo faccia imprimere, ma lo procurerä ancora et che perciö di gratia V. Ser u consideri 1' importante interesse suo, per il quäle piü tosto perderia la uita che riuocar la sua Bolla, et resti quieta perche (?) si contenta bene che la Bolla non sia intimata ne eseguita accioche li librari non patiscano il danno che pretendono. Voleuo risponder ä tutto, ma la S u S. non lo permetteua, ond' io la pregai a. contentarsi al meno di considerarui meglio scriuendo fra tanto al Nuntio delf annullare 1' intimation dell' Inquisitore et de non s' impedir ne lasciar impedir alcuno nel essecution di quella Bolla fin altr' ordine et S. S ta se ne contento imponendomi ch' io ne parlassi con Mons. de Bertinoro come 1' ho fatto. Con questo spero che s' hauerä ottenuto qualche cosa, perche non solamente si resterä da esseguir essa Bolla, ma con la retrattatione delle cose fatte si uenira quasi uirtualmente a mortificarla, et fra tanto si poträ ä qualche altro tempo rinouar li ufficij. Hör hora ho hauuto le lettere di N. S re per Mons. R mo Nuntio, et quello che me le 28 ha portate, mi ha detto anco, che si da ordine che siä fatto un buonissimo rebuto all' Inqui- sitore, et la mando incluse nelle allegationi. Di Roma, alli 28 Luglio 1590. ib. fol. 345 ff. Alberto Badoer. Amb. Delle cose della Biblia hauerä inteso la Ser. ,il V. delle precedenti lettere mie ciö che successe, per ciö non m'occorre dirae altro nelle punti. Di Roma, alli 4 Agosto. ib. fol. 358. Alberto Badoer. Amb. VI. Non parlai della Bolla della Biblia per non entrar ä trattar di giurisdittione nel giorno che si parlaua della confiimatione del Pat. ca farolo nella prima audientia, et 1' ufficio sarä ä tempo. Di Roma, alli 11 Agosto. Alberto Badoer. Amb. ib. fol. 379. VII. Passai da questo al ringratiamento dell' ordine dato a Mons. Nuntio di annullar 1' inti- matione fatta dall' Inquisitore della Bolla della Biblia et all' ufficio commessomi dalla Ser. tä V- al quäle satisfeci ä pieno per persuadere la San t& S. alla necessaria prouisione et lei mi rispose: che anco il Nuntio scriueua d' hauer esseguito il suo comandamento ma che 1' Inquisitore diceua non hauer fatto intimatione alcuna, et lui con sue lettere affirmaua 1' istesso et si doleua d' essere stato ingiuriosiamente accusato dalli librari, li quali, disse S. San tä doueriano esser castigati dalla Ser t 4 V. d' hauerli detto una busia di quella natura pregiudicale ad altri, et che coloro la persuadeuano far tali ufficij seco perche resta sicura che non sariano fatti mai da quei uecchi sodi et molto prudenti che considerano sempre ciö che importi che le sua Biblia fatta con tanta fattica sia stampata solamente doue ä lei piace: che il Duca di Ferrara ha fatto un Priuilegio che li statuti di quella cittä siano iui stampati et non altroue et niuno crida, et della Biblia corretta da lei io solo faceuo tanto rumore con mal esempio negF altri che stanno quieti senza dolersi alterandosi ä poco ä poco in tale maniera che hauerebbe confuso og' uno et in fine disse, se li librari o stampatori uogliano alcuna cosa, uengano loro o mandino suoi Agenti et quei Ss' stiano quieti come anco tutti gli altri perche cio non li apporta pregiudicio non essendo ragioneuole che 1' opera d' un altro si stampi doue lui non uoglia non che d' un Pont. ce nella quäle consisti il fundamento della nostra fede. Io restai molto quieto fino nel fine per non eccitarla a maggior commotione, ma dopo fermata un poco dissi che hauerei dato conto a V. Ser tä di quanto la mi haueva detto dell' Inquisitore et che non mi poteuo persuadere tanta temeritä in coloro d' hauer narato il falso a V. Ser tä in cosa di questo rileuo ma che quando 1' hauessero fatto, sariano degni di castigo, siccome essendo uero, maggior saria stato 1'errore; V, S er u scriui in ogni modo perche " 2 9 si sappia come si siano portati questi, dissi che lo farei, ma che pregauo anco la San ,äl S. ä considerare che V. Ser a di piü di douer tenir la protettione de suoi sudditi in si grande et importante interesse suo, era anco lei per molti rispetti interessatissima; ma il Pont. 00 non rrii lasciando proseguire disse, non e cosi, non e cosi, non mi parliV. S. piü adesso di queste cose, no debbono creder tanto quei ss 1 ä coloro che non credino anco a noi, et uolendo io replicare, S. S tä mi tornö ä dire, tutta concitata che per 1' amor di Dio non si parlassi piü all' hora di questo, ond' io per minor male del negotio mi risolsi a dire che non hauerei detto altro per adesso, ma che m' assicurauo la San ta S. dover considerare per la sua singolar prudentia che la Ser tä V. saria stata necessitata farne parlar dell' altre uolte fino al rimedio desiderato et sperato insieme dalla giusta et ottima uolontä sua: Basta per hora, disse il Pont 00 si ragionerä un altra uolta, et si rassenerö tutto dicendo che doue poträ darä satisfattione alla Ser. V. — In fine con la patientia et con il tempo tenendo uiui li negotij presso d' amoreuole natura di S. S" si puö sperar qualche cosa, ma in questo caso si hauerä dubito, sempre difficultä ancor che io non sia per mancar mai di ogni opera possibile passati qualchi giorni et in buona congiuntura. Di Roma alli 18 Agosto 1590. ib. fol. 388 ff. Alberto Badoer. Amb. VIII. Siamo stati tutti questa settimana in gran timore della uita di S. S u , perche auendosi alterata assai la Domenica con li ss" Amb" di Spagna; la notte riposo malamente, et il lunedi hebbe la febre; ma con tutto cio il martedi mattina ridusse auanti di se la Congregatione di Francia nella quäle si dolse molto concitatamente delli Spagnoli, et alle 18 li uenne poi un fastidioso accidente nel principio dell' accessione, per il quäle furno mandati ä chiamar in gran pressa li Medici . . . Di Roma alli 25 Agosto 1590. ib. fol. 408. Alberto Badoer. Amb. IX. Standomi il negotio delle Decime sopra tutti gl' altri a cuore, et anco quello delM librari, sono stato ä trattarne col Card 10 Montalto ramemorandoli le ragioni altri uolte dette .... Della cosa delli librari ridissi molte ragioni mostrando che '1 conseruar quella Bolla era un distrugger un' infinitä de famiglie, con fargli perdere grossissimi et importantissimi capitali, et di piü un uoler estinguer nelli Dominij altrui quelle arti importantissime nobilis- sime et piü numerose nella citta di Venetia in tutto il resto d'Italia insieme, il che ne era ragioneuole ne s' haueria potuto in alcuna maniera comportare; che non si diceua che la S t4 sua non correggesse o non facesse corregere li libri come li pareua, sapendosi molto bene il riguardo che hauerä sempre al interesse delle pouere persone del uniuerso, ma che li libri admessi et reuisti dagli deputati della santa sede siano o non siano stampati nella 30 Dittione de. Principi independenti, saria un uoler alterar il gouerno, et il Dominio temporale d' altri, il che non essendo conueniente, come comprobai con le ragioni et con 1' autoritä de Canonisti, de Theologhi, et de Sommi Pont, contenute nelP allegationi mandatemi dalla Ser. 4i V. et con altre della scrittura et dei santi Padri che mi soruenero, speraua che con 1' autoritä di S. S. Ill ma si sarebbe contentata la San'* S. di prouederui, conoscendo massima- mente oltre 1' insopportabile danno degli interessati 1' impossibilitä d' esseguirsi li suoi coman- damenti, mass te nel riuedere et raconciare tanta in finita di Balle di libri che sono in essere, oltre tant' altre che s' haueranno da stampare per 1' auuenire et che non dubitauo punto che la S ta S. considerando la Ser. V. non riconoscere il suo Dominio temporale da altri che da Dio, come lei stessa di bocca propria mi ha piü uolte detto, hauerä sempre caro che lei si gouerni con le sue proprie leggi ne con tai prohibitioni uorrä apportar pregiuditio ä quella intatta libertä che li sarä sempre piü cara che la propria uita et si sforzerä sempre di conseruare; anzi considererä con la singolar prudentia sua, che se da una parte si tratta di cosa tanto pretiosa, quanto e la libertä del gouerno, dell' altra non d' altro che del interesse di un solo stampatore che per auaritia con succhiar il sangue de tutti, uorebbe la ruina degl' altri professori, perche mentre egli solo stampa la Biblia, la uende cinque o sei d u a suo piacere, che se fosse stampata in Venetia et altroue, si hauerebbe per un ducato, et tutti li Religiosi et altri la compreriano in ogni parte con maggior seruitio deli' intentione di S. S ta , ma in questo modo Dio sa quanti con si caro prezzo la uoranno hauere; et aggi- onsi anco che uolendo uedere la giusta ragione di V. Set ta di dimandare prouisione, si con- siderasse che simile prohibizione e senza essempio perche quando chi sia, uoleua priuileggio, per opera noua, lo dimandaua al Pont ce , all Imp re , alli re, alla Ser. V. et a quelli doue uoleua goderlo come si uedeua in tutti li libri in principio de quali sogliono essere registrati et stampati essi priuileggi, essendo molto ben ragione uole che cadauno commandi ne' stati suoi ciö che li piace. Concludendo che 1' ordinarsi da S. S ta che un libro sia ö non sia prohibito era una cosa, ma che un libro permesso e' con licenza dell' Inquisitore non si possa stam- par nel stato d' altri Principi temporali era un' altra, et se ui doueua in ogni modo prouedere come segui del Priuilegio de Pio V delli Messali et Breuiarij che fu riuocato et annullato et S. S. IU ma mi disse che haueua sempre creduto quest' ordine di N. S ra non poter esser esse- guito et che ne haueria parlato con buona occasione, ma che giudicauabene passar qualche giorno, perche S. S ta forse potria non uoler riuocar cosi presto una cosa fatta da se medesima, ma considerati li disordini lo potrebbe fare da se stessa, et cosi ringratiata S. S. Ul ma et raccommandatoli da nuouo il negotio andai da alcuni di questi S. S r Card" della Cong ne sopra 1' Indice et in particolare dalli S. S ri Card 11 Colonna giouane et Rouere Capo per 1' assentia di Colonna Vecchio di essa Congr ne , con quali prima parlai d' un Indice ... et poi passai alla Bolla della Biblia et altri libri sacri et in uero trouai il Colonna come intendente della materia cosi in una et 1' altra cosa tanto risoluto che haueua detto in uoce et in scrittura per ordine delle Congr 116 (come mi fece uedere) la sua opinione contraria ä quella della S'* S, ma disse che S. S ta uoleua cosi, et che di suo ordine 1' indice stampaua, soggiongendo di tenir ben per certo che per 1' impossibilitä dell' essecutione et per li richiamij di tutti li Principi sarä la S ta Sua astretta regolare la Bolla della Biblia il che considerato da lei stessa fin hora si contentaua che non si parlasse dell' essecutione di essa, et si moströ ueruamente molto risoluto nel suo senso; Ma Rouere trattö questo negotio piü copertamente diffendendo 3t prima 1' indice ... et poi della Bolla disse molte cose et in fine concluse che haueua scritto all' Inquisitor di Veneria et a molti altri ancora in risposta di sue lettere che non s' impedissero nell' essecutione di essa, essendo mente di S. S t4 che li librari habbino tempo da smaltir li suoi libri, et che nel resto si uedeuano la impossibilitä dell' essecutione et perciö s' haueria douuto farsi in loco di prohibir li Messali, Breuiarij et altri libri sacri che non fossero coretti, far che se ui aggiongessero nel fine di essi un foglio o doi con le corret- tioni, et del stampar la Biblia poi che era uero quanto haueuo detto degli Priuilegij, che si doueuano prendere dalli Principi per li suoi stati, come s' haueua fatto sempre, ma che si potria far che questo Basa stampatore lo supplicasse alla Ser. V. et lei concedendolo in grati- fication della San' 4 Saa, conserueria la sua giurisdittione, ma io dissi la cosa essere in stato molto diuerso da prima, perche estaua una Bolla di quella Sorte troppo pregiudiciale, la quäle si doueria regolar ö annullar in ogni maniera et poi parlar de! resto et il Card 18 ris- pose che fino qualche mese forse S. S* a 1' haueria potuto fare ma che per hora dubitaua douerui essere molta difficultä nel persuadere la S u S. assai ferma nel principio delle sue risolutioni, et che lei sentiria che le altre Biblie fin hora permesse non fossero prohibite, ma che ä questa coretta sola fosse lasciata 1" autoritä di terminare consigliandomi in fine a lasciat passar qualche giorno senza parlarne con N. S re perche fin tanto si haueria diligentemente considerata questa materia, al che io dissi che per qualche giorno hauerei differito uolontieri, ma che 1' importantia di esse mi necessitaua ä non la lasciar passar senza farne ogni efficace officio, et che pregauo S. S. 111. ä procurar con la benemerita autoritä sua, che se ui prouedesse come mi promise di fare et con questo mi licentiai et partij ne mancherö poi con oppor- tuna occasione di far anco con la S* A S. gli officij necessarij per seruire alli cornandamenti della Sei (i V. Di Roma alli 25 Agosto 1590. ib. fol. 413/19. Alberto Badoer. Amb. II Papa e passato ä miglior uita alle 23 höre . . lasciando li suoi tutti sconsolati, et gli altri buoni in gran timore che tale accidente non sia occorso in tempo poco opportuno per il misero stato delle cose del mondo, et io sento grandissimo dispiacere per il seruitio della Ser ta V., perche sebene la San' 4 Sua haueua quella seueritä di natura, si poteua nondimeno per la buona sua uolontä uerso la Ser ma Rep oa sperar con il tempo et con la destrezza ogni buon esito delli negotij suoi. Di Roma alli 27 Agosto 1590. ib. fol. 424 Alberto Badoer. Amb. Anmerkung: Etwaige Fehler, die beim Kopieren der Handschrift unterlaufen sein mögen, konnten leider nicht mehr richtig gestellt werden, da das Ergebnis der von Dr. E. Lacchin (Venedig) gütigst übernommenen Collationierung mir noch nicht zugegangen ist. i CD ■i— 00 1— I s CD H 1 >■ GÜ LT) • ü ^ ■Ol 00 Ky>J CM v yi| T— •o o - * E°L CO Ij CQ O CO CC CM T— 1 < ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^