Wissenschaftliche Beilage zum Programm des Leibniz-Gymnasiums zu Berlin. Ostern 1893. Vor- und Gleichzeitigkeit bei Caesar. I. Bedingungs- und Folgesätze von Dr. phil. Samuel Elias. %b (w) 3^ 1893. Programm No. 61- BERLIN 1893. rfR. Gaertners Verlagsbuchhandlung Hermann Heyfelder. ^ •'S«. .Mangel an Zeit hat mich verhindert, die allgemeinen Gesetze der Vor- und Gleichzeitigkeit bei Caesar, sowie deren besondere Anwendung in allen Arten von Nebensätzen zur Ausarbeitung zu bringen. Zudem zwang die Rücksicht auf den zugemessenen Raum zur Einschränkung. Ich behandle daher in den folgenden Kapiteln nur 1) Redingungssätze, 2) Folgesätze. Hinsichtlich der zahlreich notwendig werdenden Citate bemerke ich, dafs nur die aus b. c. stammenden durch c bezeichnet sind, wo dies fehlt, ist b. g. gemeint. I. Bedingungssätze. Die wenigen Redingungssätze im Indikativ, die bei C. überhaupt vorkommen (cfr. Proksch Prgr. Bautzen 70 p. 38 und Eisenberg 74 p. 8), weisen etwas besonderes hinsichtlich der Vor- und Gleichzeitigkeit nicht auf. Nur einmal ist statt der zu erwartenden Gleichzeitigkeit ein Tempus der Vorzeitigkeit verwendet, c I 48,6 reliqui (frumenti) si quid fuerat (= erat) C. superioribus diebus consumpserat. Das Plsq. ist hier wahrscheinlich gebraucht, weil das dem Sinne nach gleichwertige relictum erat vorschwebte. Was nun die überaus zahlreichen (251 nach Proksch 1. c.) konjunktivischen Bedingungssätze betrifft, so ist es zunächst für die Zwecke unserer Untersuchung, die lediglich das Zeitverhältnis ins Auge fafst, gleichgiltig, aus welchem Grunde der Konjunktiv gewählt ist, d. h. ob er potential oder irreal oder durch obliquen Sinn hervorgerufen ist. In diesen Sätzen schwankt Caesars Sprachgebrauch aufserordentlich. Natürlich giebt es Fälle, in denen ein Tempus der Gleichzeitigkeit berechtigt und notwendig ist, wie c III 82, 3 si quando quid Pomp, tardius aut consideratius faceret, unius esse negotium diei . . . dicerent. Hier soll eben gesagt werden, dafs das bedächtige Verfahren des P. gleichzeitig eine abfällige Kritik erfuhr, nicht erst nachdem seine vorsichtigen Mafsnahmen vorüber waren. So auch I 36,5 neque iis neque eorum sociis bellum illaturum, si in eo manerent, quod convenissent, Stipendium quotannis penderent. Oft dagegen steht statt eines Tempus der Vorzeitigkeit ein gleichzeitiges. Genau genommen liegt in all den Fällen die Sache so, dafs erst die Bedingung erfüllt sein mufs, ehe die Folge eintrifft. Dadurch nun, dafs die Bedingung und die daran sich knüpfende Folge als gleichzeitig hingestellt werden, gewinnt der Ausdruck an Energie, Sicherheit und Bestimmtheit. Es wird dadurch die Vorstellung wachgerufen, dafs, sobald die Bedingung sich erfüllt, die Folge nicht werde auf sich warten lassen, sondern unmittelbar und mit vollster Sicherheit eintreten werde. Es hängt lediglich von dem Belieben, oder besser gesagt, dem Empfinden des Schriftstellers ab, wann er unter Vernachlässigung des logisch notwendigen Verhältnisses der Vorzeitigkeit die Gleichzeitigkeit wählen will, um eindrucksvoller zu sein. Es durchbrechen also psychologische Motive, meist unbewufst, das logische Gesetz. Daher das Schwanken im Gebrauch. Ein solches findet sich sogar in unmittelbar hintereinander folgenden Sätzen. I 35,4 si ita fecisset, sibi . . . gratiam cum eo 4 uturam, si non impetraret, sese Aeduorum iniurias non neglecturum. I. 44, 11 qui nisi decedat atque exercitum deducat, sese illum pro hoste habiturum. Quodsi eum interfecerit multis nobilibus... gratum sese faelurum und gleich darauf quodsi discessisset et liberam possessionem Galüae sibi tradidisset, magno se illum praemio remuneraturum. II 9, 4 eo con- silio ut, si possent, castellum expugnarent, . . . si minus potuissent, agros Remorum popu- larentur. Dafs die Vorzeitigkeit im letzten Satze nicht durch die Gegenüberstellung des negativen und positiven Bedingungssatzes veranlafst ist, zeigt V 50, 3 Caesar (suo loco se continuit) si forte timoris simulatione hostes in suum locum elicere posset . . . si id efficere non posset, ut minore cum periculo transiret. Dieses Schwanken ist ganz besonders häufig bei den Verben des Geschehens (facere, fieri, accidere). I 10, 2 id (iter) si fieret (= factum esset) intellegebat, magno cum periculo provinciae futurum. 13, 3 si pacem p. R. cum Helvetiis faceret (= fecisset) in eam partem ituros atque ibi futuros Helvetios ... 18, 9 si quid accidat Romanis, summam in spem regni obli- nendi venire. 14, 6 si Allobrogibus satis faciant sese cum iis pacem esse facturum. III 22, 2 ut si quid his per vim accidat eundem casum una ferant. VII 74, 1 ut ne magna quidem multi- tudine, si ita accidat, praesidia circumfundi possent. 80, 1 ut, si usus veniat, suum quisque locum teneat. c I, 2, 7 si nonfaciat, eum adversum r. p. facturum videri. 36, 3 reliquas merces ad obsidionem urbis, si ita accidat, reservant. II 12, 3 quominus, si imperata non facerent ad nutum, e vestigio diriperentur (cfr. dagegen unten I 31, 12). Dahingegen findet sich bei eben denselben Verben das Verhältnis der Vorzeitigkeit richtig beachtet I 20, 4 quod si quid ei a. C. gravius accidisset. 31, 12 si qua res non ad nutum facta sit. 36, 5 si id non fecissent. II 14, 6 quod si fecerit. VI 32, 2 si ita fecissent. V 47, 4 si fecisset. c I, 10, 4 quae si fecisset. 17, 2 quod nisi fecerit. 85, 12 si id sit factum. II 5, 5 si quid adversi accidisset. 8, 1 si turrim fecissent. 20, 3 si id non fecisset. 30, 3 si quid gravius accidisset. III 57,2 quod si fecisset. 73, 6 quod si esset factum. 94, 6 si quid durius acciderit. 102, 6 id si fecissent. Dieses Schwanken im Tempus-Gebrauch ist jedoch nicht auf die Verba des Geschehens beschränkt, auch auf andere sehr verschiedenartige Verba erstreckt es sich. So ist Gleichzeitigkeit an Stelle der eigentlich vorliegenden Vorzeitigkeit gebraucht I 14, 6 si obsides ab iis sibi dentur, sese cum iis pacem esse facturum. II 6, 4 nisi subsidium sibi submittatur, sese diutius sustinere non posse. 31, 6 sibi praestare, si in eum casum deducerentur, quamvis fortunam a p. R. pati. V 3, 7 sese si C. permitteret, ad eum in castra venturum. VI 16, 3 quod pro vita hominis nisi hominis vita reddatur, non posse deorum immortalium numen placari. VII 10, 1 si maturius ex hibernis educeret, ne ab re frumentaria laboraret. 28, 1 ut si qua obviam veniretur, acie instructa depugnarent (cfr. dagegen unten 1117,4). cI32, 7 sin timore defugiant, Ulis se oneri non futurum et per se r. p. administraturum. 84, 5 si qui locus misericordiae relinquatur, ne ad ultimum supplicium progredi necesse habeant. 86, 2 neque omni interposita fide iirmum esse posse, si in aliud tempus differretur. In der Mehrzahl der Fälle jedoch ist C. im Tempus- Gebrauch durchaus korrekt, wie zahlreiche Stellen beweisen. I 31, 2 si enuntiatum esset, se in cruciatum venturos. 40, 4 quod si bellum intulisset, quid tandem venerentur? II 17, 4 quo facilius, si praedandi causa ad eos venissent, impedirent cfr. I 22, 3. 31, 2. 14. 40, 4. II 5, 3. III 25, 3. IV 17, 10. V 47, 3. VII 21, 3. eil 12, 14. III 20, 1. 29, 3. In einem Falle hat C. die Vorzeitigkeit anstatt der zu erwartenden Gleichzeitigkeit angewendet I 50, 4 non las esse Germanos vincere, si ante novam lunam proelio contendissent. Ferner schwankt Caesars Sprachgehrauch bei der Wendung facultas fit und gleichbedeutenden zwischen Gleich- und Vorzeitigkeit. Für die erstere hat er sich entschieden c I 22, 1 velle si sibi fiat potestas, Caesarem convenire. c III 15, 7 velle se . . . cum Caesare loqui, si sibi facultas detur. In diesen Fällen bestimmt nicht das verbuin finitum (facere, dare), sondern der Hauptbegriff (facultas, potestas) als das Wesentliche die Tempus-Wahl. Die Gelegenheit dauert eben noch während der Handlung des regierenden Satzes fort. Dagegen hat C. Vorzeitigkeit beliebt: c I 19, 4 proinde si qua fuisset facultas, ad se . . . veniret; c I 26, 4 si eius rei sit potestas facta, fore ut . . . ab armis discedatur. Hier hat das Verbum finitum das Tempus bestimmt. Denn erst muss die Gelegenheit geboten worden, eingetreten sein, ehe tür die Handlung des regierenden Satzes Raum wird. In Bedingungssätzen, deren Verbum finitum eine Form von posse ist, nimmt C. Gleichzeitigkeit an, sobald die Möglichkeit bez. Unmöglichkeit noch während der Handlung des regierenden Satzes als andauernd zu betrachten ist, sonst Vorzeitigkeit. I 17, 3 praestare si iam principatum Galliae obtinere non possint, Gallorum quam Romanorum imperia perferre. V 46, 4 si rei p. commodo facere posset, . . . veniret. 48, 5 si adire non possit, monet ut tragulam intra munitionem ahiciat. VI 33, 5 si rei p. commodo facere possint ad eum diem revertantur. VII 86, 1 si suslinere non posset, eruptione pugnaret. c I 84, 1 colloquium petunt et id si fleri possit, semoto a militibus loco. Dahingegen ist Vorzeitigkeit mit Recht gewählt c I 68, 3 eum omnium laborum linem fore existimabant, si hostem Ibero intercludere potuissent. c II 41, 8 hi . . . parentes suos commendabant, si quos ex periculo fortuna servare potuisset. Für den bisherigen Gang der Untersuchung war es gleichgiltig, aus welchem Grunde der Bedingungssatz den Konjunktiv aufwies, da wir nur das Zeitverhältnis ins Auge fafsten. Es war aber nicht die Absicht, der Frage aus dem Wege zu gehen, wie Caesars Tempus-Gebrauch in den verschiedenen Arten konjunktivischer Bedingungssätze, nämlich potentialen, irrealen oder blofs obliquen, im Grunde genommen realen, sich verhält. Diese Untersuchung bietet besondere Schwierigkeiten; zwar nicht die irrealen Sätze. Die wenigen Fälle dieser Art (cfr. Proksch Prgr. 74 p. 22, Heynacher 2 p. 110, c) sind leicht erledigt. Irreale Bedingungssätze richten sich hinsichtlich ihres Tempus überhaupt nicht nach dem regierenden Satze, sondern heider Tempus wird durch die Rücksicht auf die Zeit (Gegenwart) des Redenden bestimmt. Was zu dessen Zeit gleichzeitig ist, tritt in das Imp., was zu ihr vorzeitig ist, in das Plusq., ein Gesetz, welches in gleicher Weise für das Lateinische wie für das Deutsche gilt. Dagegen finden sich, jedoch nur in c, Beispiele, dafs ganz ausnahmsweise der regierende (Folge-) Satz bei der Tempus-Wahl die Rücksicht auf die Gegenwart des Redenden fallen läfst und auf den Inhalt seines Nebensatzes Rücksicht nimmt und so statt des Plusq. das Imp. erhält. In dem Falle wird die Folge, die zwar der Zeit des Erzählers vorzeitig ist und daher das Plusq. erfordern würde, als gleichzeitig dauernd mit dem Inhalt des Redingungssatzes und denselben begleitend hingestellt. I 11, 1 ut si peracto consulatu Caesaris non profectus esset, nulla tarnen mendacii religione obstrictus videretur. 70, 2 res tarnen ab Afranianis huc erat necessario deducta, ut si priores montes, quos petebant, attigissent, ipsi peri- culum vitarent, impedimenta totius exercitus cohorlesque in castris relictas servare non possent. . . — 6 — confecit ptiot C. iter. III 111, 4 quas (triremes) si occupavissent, classe Caesari erepta portum ac mare totum in sua potestate haberent, commeatu auxiliisque Caesarem prohiberent. Die Schwierigkeit beginnt bei den potentialen Fällen. Sehr wenige nur finden sich in der or. recta. V, 30, 3. c II 31, 5, die übrigen sind Mischfälle, potentialer Bedingungssätze mit realen Folgesätzen VI 11, 4. c I 36, 3. 73, 2. 82, 5. 84,1.2. In diesen Beispielen kommen nur Tempora der Gleichzeitigkeit vor. Sehr zahlreich dagegen sind Bedingungssätze in der or. obl., sowohl der eigentlichen, wie der im weiteren Sinne verstandenen. Hier entsteht die sehr grofse, bisweilen gar nicht sicher zu lösende Schwierigkeit, zu entscheiden, ob die Konjunktive wirkliche Potentiales oder nur durch das oblique Verhältnis hervorgerufene sind. An dieser Schwierigkeit ist die ganze Gruppierung der potentialen Bedingungssätze, wie sie Ileynacher 2 p. 110 unter 2 b. c. und 3 giebt, verunglückt, ganz abgesehen davon, dafs sich auch sonst unrichtige Angaben in ihr befinden. Uns interessieren zunächst die Stellen, die ein Tempus der Vorzeitigkeit aufweisen, um festzustellen, ob C. überhaupt in potentialen Bedingungssätzen Vorzeitigkeit zuläfst. Da es durchweg abhängige Konjunktivsätze, meist oblique, sind, so ist die Methode die, dafs das Abhängigkeitsverhältnis gelöst, der oblique Satz seines obliquen Characters entkleidet und direkt ausgesprochen wird. Es mufs sich dann ergeben, mit was für einem Tempus wir es eigentlich zu thun haben. Wenden wir diese Methode an, so sehen wir, dafs alle hierher gehörigen Fälle nicht potentiale sind, sondern reale. In allen hat der Konjunktiv mit dem Bedingungssatze als solchen nichts zu schaffen; er ist vielmehr durch die Abhängigkeit sei es von einem Finalsatz (ut, ne, quo) oder Folgesatz (ut) oder durch obliques Verhältnis entstanden und vertritt Fut. II oder Perf. In den meisten Fällen, namentlich den aus der eigentlichen or. obl. liegt die Sache so einfach, dafs nur zu verwundern ist, dafs der reale Bedingungssatz hat verkannt werden können. In den Bedingungssätzen, die in einen Finalsatz oder (seltener) einen Folgesatz eingeschoben sind, ist die Natur des hypothetischen Satzes nicht ganz so leicht zu erkennen. Doch mufs man stets festhalten, dafs der abhängigen Fassung auch eine direkte entspricht, die das Tempus deutlich erkennen läfst. Nehmen wir zuerst die Fälle, in denen Conj. Fut. II vorliegt: VI 20,1 habent legibus sanctum, si quis quid de r. p. a finitimis rumore aut fama acceperit, uti ad magistratum deferat. Direkt mufs das Gesetz gelautet haben: si quis quid acceperit, deferlo. Es würde dann acceperit Fut. II sein, mithin hat C. diese Form als Conj. F. II gebraucht und nicht als Potentialis. I 22,3 erat ei praeceptum a Caesare ne proelium committeret, nisi ipsius copiae prope hostium castra visae essent. Direkt lautete der Befehl Caesars: proelium ne commiseris, nisi meae copiae visae erunt; also wieder Fut. II. I 31,15 haec si enuntiata Ariovisto sint, non dubitare, quin de omnibus obsidibus gravissimum supplicium sumat. Direkt sagt Divitiacus: haec si enuntiata erunt, non dubito quin sumat = sine dubio sumet, also F. II. I 37,4 C. maturandum sibi existimavit, ne si nova manus Sueborum cum veteribus copiis Ariovisti sese coniunxisset, minus facile resisti posset. Direkt: si manus sese coniunxerit (F. II), minus facile resisti poterit. I 50,5 non esse las Germanos superare, si ante lunam proelio conterdissenl. Direkt sagten die matres familae: non fas est vos vincere (= non vincetis), si contenderitis (F. II). II 17, 4 quo facilius finitimorum equitalum, si praedandi causa ad eos venissent, im- pedirent. Direkt: equitatum si venerit (F. II) , eo facilius impediemus. III 24, 3 si propter inopiam rei frumentariae Bomani sese recipere coepissent, impeditos in agmine adoriri cogitabant. Direkt: si Romani sese recipere coeperint (F. II) adoriemur. IV 11,3 Quorum si principes ac senatus 7 — sibi iureiurando fidem fecisset, ea condicione se usuros ostendebant. Direkt: si fidein fecerit (F. II) utemur. IV 17,10 ut si arborum trunci sive naves deiciendi operis essent missae, bis defensoribus earum rerum vis minueretur. Direkt: si naves missae erunt, vim minui volo (vis minuetur). IV 34, 5 quanta praedae faciendae atque sui liberandi facultas daretur, si Romanos castris expulissent, demonstraverunt. Direkt: facultas dabitur, si expulerimus. IV 35,1 C. etsi idem quod superioribus diebus acciderat, fore videbat, ut, si essent hostes pulsi, celeritate periculum effugerent. Direkt: si erunt pulsi, effugient. V 40,1 mittuntur ad Caesarem confestim ab Cicerone litterae, magnis proposifis praemiis, si pertulissent. Der Gedanke ist direkt: magna pr. proposita sunt nuntiis, si pertulerint (F II). V 47,4 veritus ne si ex hibernis fugae similem profectionem fecisset, hoslium impetum sustinere non posset. Direkt: si f. s. profectionem fecero, sustinere non potero. VI, 1, 3 magni interesse etiam in reliquum tempus ad opinionem Galliae existimans tantas videri Italiae facultates, ut, si quid esset in bello detrimenli acceptum, non modo id brevi tempore resarciri sed etiam maioribus augeri copiis posset. Direkt: si quid erit detrimenti acceptum, resarciri poterit. VII 5, 5 ut si flumen transissent, una ex parte ipsi, altera Arverni se circumsisterent. Direkt: si fl. transierimus (F. II), circumsistent. VII 17,6 boc se ignominiae loco baturos, si inceptam oppugnationem reliquissent. Direkt: ignominiae loco feremus, si reliquerimus (F. II). VII 20, 11 statuisse imperatorem, si nihil in oppugnatione oppidi profecissent, triduo exercitum deducere. Direkt: si nihil profecero (F. II), deducam. VII 21, 3 quod paene in eo, si id oppidum retinuissent, summam victoriae constare intellegebant. Direkt: si id oppidum retinuerimus (F. II), in eo summa victoria constat = vincemus. VII 44, 4 nee iam aliter sentire, si alterum (collem) amisissent, quin paene circumvallati viderentur. Direkt: si alterum c. amiserimus (F 11), sine ullo dubio circumvallati videbimur. 49,2 ad T. Sextium misit, ut cohortes .... constitueret, ut si nostros loco depulsos vidisset, quominus libere hostes inseque- rentur, terreret. Direkt: si videris (F. II), terre. In den noch verbleibenden Fällen liegt realer Fall mit Praeteritum (meist Perf.) vor. 1131,4 si forte statuisset Aduatucos esse consevandos, ne se armis despoliaret. Direkt: si statiusti, ne nos a. despoliaveris. VI 32 2 C. si qui ad eos Eburones ex fuga convenissent, ad se ut reducerentur imperavit. Direkt: si qui ad vos Eburones convenerunt, ad me reducite. 43, 3 frumenta non solum a tanta multitudine consumebantur sed etiam anni tempore atque imbribus proeubuerant, ut, si qui etiam in praesentia se oecultassent, tarnen bis rerum omnium inopia pereundum videretur. Direkt: si qui se oecultaverant, bis pereundum videbatur. VII 20 6 Romani si casu intervenerint, fortunae, si alieuius indicio vocati huic habendam gratiam. Direkt: Romani si casu intervenerunt, fortunae habenda gratia est. Das sind sämtliche Stellen aus g. Aber auch in c. findet sich kein potentialer Redingungs- satz mit Tempus der Vorzeitigkeit. Alle Fälle, in denen bei si Conj. Perf. oder Plusq. steht, erweisen sich bei näherer Retrachtung als reale in abhängigem Verhältnis. An jedem Einzelfalle dies abermals nachzuweisen, würde zuviel Raum erfordern; auch genügt ein prüfender Rlick auf die betreffenden Stellen, um die wahre Natur der Redingungssätze zu erkennen. Es sind folgende Stellen: a) Ersatz für Fut. 11:110,4. 11,2. 19,4.26,4.43,2.68,3.85,12. 115,5. 8,1. 3. 12,4. 20, 3. 28, 3. 30, 3. 41, 8. III 10, 7. 9. 20, 1. 45, 6. 57, 4. 73, 6. 77,1. 92, 2. 102, 6. b) Ersatz für Perf. nur I 32, 3. Ich gebe zu, dass einige dieser Fälle auch eine potentiale Auffassung zur Not zulassen, wie c II 30, 3. 41, 8. III 77, 1; obschon wiederholte Prüfung es mir als sicher erscheinen läfst, dass auch sie real sind. Reale Bedingungssätze werden eben in der Abhängigkeit, d. h. wenn sie als Gedanke oder Vorstellung eines andern hingestellt werden, aus der Sphäre der reinen Wirklichkeit in die des nur Vorgestellten, Gedachten versetzt und nehmen dabei eine leichte potentielle Färbung an, die über den Grundcharakter nicht täuschen darf. leb will daher vorsichtigerweise als Ergebnis nur soviel hinstellen, dass bei C. in potentialen Bedingungssätzen Vorzeitigkeit in direkter Rede überhaupt nicht vorkommt und in abhängigen Fällen wenigstens nicht nachweisbar ist. Ist dem nun also, so folgt daraus aber keineswegs, dafs, wo in Bedingungssätzen Conj. Praes. oder Imp. vorkommt, dies immer potentiale Fälle siud. Vielfach liegt auch hier realer Fall vor; der Konj. ist eben auch hier oft durch obliques Verhältnis bedingt. Auch hierbei hat Heynacher in seiner Aufstellung p. 110 fortgesetzt geirrt. So ist ganz zweifellos realer Fall mit Praes. I 36, 2 si ipse (Ariovistus) populo R. non praescriberet, quemadmodum suo iure uteretur, non oportere sese a p. R. in suo iure impediri. Direkt kann Ariovist gar nicht anders gesprochen haben als si ipse populo R. non praescribo, non oportet me impediri. Ebenso I 14, 3 quod si veteris contumeliae oblivisci vellet, num etiam recentiarum iniuriarum memoriam deponere posset: Direkt: quod si oblivisci volo, num memoriam deponere possum. Ebenso 117,3. 34,2. 44,4. 45, 2. III 5, 2. 8, 5. 22, 2. IV 8, 3. 16, 4. 37, 1. V 31, 2. 36, 2. 3. 41, 5. 8. 51, 3. VII 14, 10. 17, 4. 19, 5. 20, 7. 29, 3. Dagegen liegt realer Fall mit Fut. vor I 13, 3 und 4 si pacem p. R. cum Helvetiis faceret, in eam partem ituros atque ibi futuros Helvetios, ubi C. eos constituisset atque esse voluisset, sin hello persequi perseveraret, reminisceretur et veteris incommodi populi R. et pristinae virtutis Helvetiorum. Direkt hat Divico zu C. gesagt: si pacem p. R. c. H. faciet, in eam partem ibimus atque ibi erimus, ubi nos constitueris atque esse volueris. Sin hello persequi perseverabis, reminiscere etc. Das Gleiche ist der Fall I 31, 14. 34, 2. 40, 15. 43, 9. 44, 8. 47, 1. III 11, 2. V 29, 6. 48, 5. VI 33, 5. VII 6, 3. 4. 10, 1. 19, 2. 66, 5. 80, 1. 86, 2. In einigen anderen Fällen wie I 18, 9. IV 7, 3. V 7, 7. VII 74, 1 dürfte aus Gründen, die oben dargelegt sind, die Entscheidung, ob potential oder real, schwer, vielleicht unmöglich sein. Zu diesen Irrtümern Heynaehers gesellen sich noch mancherlei Ungenauigkeiten. So gehört V 7, 7 nicht unter 2, c, da nicht in der „eigentlichen oratio obliqua" stehend. Unter 3 muss I 30, 5 fehlen. Diese Stelle ist überhaupt trotz nisi kein Bedingungssatz, sondern ein Relativ-Satz (ne quis enuntiaret, nisi quibus communi consilio mandatum esset). Ferner heifst es ibid. 3 am Schlufs: „Diesen 60 Stellen stellen 7 Condicionalsätze im Konj. der Haupltempora gegenüber." So hiefs es schon in der ersten Auflage. Da aber die zweite Auflage 4 Stellen weniger als die erste hat (I 13, 4. V 56, 1. VII 6, 3. 17, 4), und keine neuen hinzugekommen sind, so können es nur 56 sein. Soviel sind es denn auch in der That. Wenn man schon von der statistischen Methode Besultate sich verspricht, so müssen die Zahlen-Angaben wenigstens richtig sein. So ist diese Partie der sonst verdienstlichen Schrift einer Revision bedürftig. Der Vollständigkeit halber mag noch si in der Bedeutung ob Erwähnung finden. Die Fälle hat Proksch (Prgr. 70 Bautzen) p. 38 gesammelt; doch mufs daselbst VII 56, 1 und cl 58, 1 fehlen, weil hier si = wenn ist, dagegen mufs noch hinzugefügt werden VI 29, 4. c I 9, 1 und II 30, 3. C. gebraucht ausschliefslich tempora der Gleichzeitigkeit danach. Es liegt auch that- — 9 — sächlich stets dieses Zeitverhältnis vor, denn was ahgewartet oder versucht wird, mufs stets in die Zeit des Wartens bez. des Versuchens fallen. Das Prädikat im Nebensatz ist sehr oft, fast möchte ich sagen auffallend oft, eine Form von posse (possit, posset, possint, possent.) II. Folges«ätze. Unter dem Namen Folgesatz werden Sätze zusammengefafst, die nur ein äufserliches gemeinsames Band haben, nämlich dafs sie mit ut (consecutivum) eingeleitet werden, die ihrem Wesen nach jedoch aufserordentlich von einander verschieden sind. Die übergrofse Mehrzahl derselben sind gar keine Folgesätze, d. h. der abhängige Satz enthält keinerlei Folge aus dem Inhalt des regierenden Satzes, sondern nur eine nähere Ausführung, Erklärung, Erläuterung (Epexegese) eines Satzteils (meist eines Demonstrativs) oder eine Umschreibung des Subjektes des regierenden Satzes Die Bezeichnung Folgesatz ist demnach wenig glücklich, da sie nur auf eine Minderheit der darunter begriffenen Fälle pafst. Bei C. finden sich in Folgesätzen nur Tempora der Gleichzeitigkeit (Praes., Imp.); jedoch bilden die wenigen Fälle, in denen sogenannter absoluter Tempus-Gebrauch vorliegt und die Conj. Perf. aufweisen, eine scheinbare Ausnahme. Dafs nur tempora der Gleichzeitigkeit vorkommen, liegt teils daran, dafs ganze Gruppen von Folgesätzen ihrem Wesen nach Vorzeitigkeit ausschliefsen und Gleichzeitigkeit bedingen, teils hat es der Zufall gefügt, dafs in den Fällen, in denen an und für sich Vorzeitigkeit denkbar ist und bei anderen Schriftstellern auch vorkommt, C. ein Tempus der Vorzeitigkeit nicht nötig gehabt hat. Der Name Folgesatz könnte dazu verleiten, in denselben Nachzeitigkeit zu erwarten. Eine genaue Betrachtung derselben täuscht diese Erwartung jedoch gründlich. Es liegt sachlich immer Gleichzeitigkeit vor. Doch bilden hier wieder eine scheinbare Ausnahme diejenigen ut-Sätze, die eine beabsichtigte Folge enthalten. Der finale Nebensinn bedingt sachlich die Nachzeitigkeit und grammatisch die Gleichzeitigkeit. Wir beginnen mit der Betrachtung der wirklichen, reinen Folgesätze. Diese hängen mit einer Ausnahme (c III 90, 1) sämtlich von einem Imperf. ab. Es handelt sich im regierenden Satze in der Regel um Schilderungen von Situationen und Zuständen; der ut-Satz enthält dann die jene begleitenden Folgeerscheinungen. Nur auf einem Zufall dürfte es beruhen, dafs als Verba finita in dem Folgesatz meist posse, videri und Verba sentiendi vorkommen, selten (nur 4 mal) andre Verba. Die Folgen werden überwiegend als mögliche, scheinbare, vermeintliche hingestellt, selten als wirklich eingetretene Thatsachen. Sämtliche Fälle sind adverbielle Nebensätze. Es wird sich nun um den Nachweis handeln, dafs wir es mit wirklichen Folgesätzen zu thun haben und dafs der Inhalt des Nebensatzes dem des regierenden gleichzeitig (nicht nach- zeitig) ist. Dafs Vorzeitigkeit ausgeschlossen ist, liegt bei Folgesätzen in der Natur der Sache. g II 18, 2 collis nascebatur ab superiore parte silvestris, ut non facile introrsus perspici posset. Die Schwierigkeit des Durchblicks war eine Folge der Bewaldung, aber eine solche, die nicht erst nachher eintrat, sondern zugleich mit ihr gegeben war. Die Bewaldung des Hügels und die Unmöglichkeit des Durchblicks gehen nebeneinander her. VI 43, 3 frumenta non solum a tanta multitudine iumentorum atque hominum consumebantur, sed etiam anni tempore atque imbribus Leibnii-Gymnas. 1898. 2 — 10 — procubuerant, ut; si qui etiam in praesentia se occultassent, tarnen Ins deducto exercitu rerum omnium inopia pereundum videretur. Das Getreide war vernichtet, infolgedessen mufsten die etwa noch übrig gebliebenen Eburonen dem Hungertode verfallen scheinen. Dieser Anschein (videretur) von dem unvermeidlichen Hungertode der Eburonen herrschte schon, als die vorhandenen Getreidevorräthe teils von den Römern verzehrt wurden, teils durch Überreife und Unwetter vernichtet am Boden lagen, nicht erst als beides vorüber war, Daher consumebantur nicht con- sumpta erant, sowie auch procubuerant den Wert eines Imp. hat = humi iacebant. Ibid. 4 Ac saepe in eum locum ventum est tanto in omnis partes diviso exercitu, ut modo visum ab se Ambiorigem in fuga circumspicerent captivi nee plane etiam abisse ex conspectu contenderent, ut . . . . qui se summam ab Caesare gratiam inituros putarent, paene naturam studio vincerent, semperque paulum ad summam felicitatem defuisse videretur, atque ille latebris aut saltibus se eriperet et noctu oecultatus alias regiones partesque peteret. In diesem Satze liegen drei verschiedene Arten Folgesätze vor. Die beiden ersten ut circumspicerent nee abisse contenderent sind keine reinen Folgesätze, sondern Erläuterungen von in eum locum, eine Art Folgesätze, die weiter unten behandelt werden wird; dagegen die beiden Sätze ut paene naturam studio vincerent semperque paullum ad summam felicitatem defuisse videretur sind wirkliche Folgesätze. Sie sind nicht, wie Doberenz (ad. h. 1.) meint, auf ein zu ergänzendes adeo zu beziehen, sondern mit Kraner „eine Folge des ganzen Vorhergehenden". Der Umstand, dafs die gefangenen Gallier sich oft nach Ambiorix umschauten, den sie noch eben gesehen hatten, und ihre Versicherung, er könne noch gar nicht weit aus dem Gesichtskreis verschwunden sein, hatte zur Folge, dafs Caesars Reiter in der Verfolgung fast Übermenschliches leisteten und immer nur ein Geringes, eine Kleinigkeit an dem Erfolge (der Gefangennahme des Ambiorix) zu fehlen schien. Beides, sowohl der erhöhte Eifer der Reiter als auch der Umstand, dafs Ambiorix um ein Haar gefangen worden wäre, läuft gleichzeitig neben den Versicherungen der gallischen Gefangenen her, ist also gleichzeitig mit ihnen. Das dritte Paar ut-Sätze schliefslicb atque ille latebris aut saltibus se eriperet et alias regiones peteret sind inhaltlich keinerlei Folgesätze. Sie enthalten einen Fortschritt in der Erzählung, wie denn schliefslich die Verfolgung des Ambiorix endete. Sie enthalten die Thatsache, dafs er trotzdem auf geheimen Waldwegen entrann. Dieses Ereignis steht in keinem konsekutivem Verhältnis zum vorhergehenden; man würde entweder einen Hauptsatz erwarten ille . . . se erepit et . . . petiit oder quum ille — se eriperet et peteret. Die Analogie der vorangegangenen zahlreichen ut-Sätze hat C. verleitet, auch diesem Gedanken die gleiche Form zu leihen. VII 19, 2 hoc ce colle Galli fiducia loci continebant, ut qui propinquitatem loci videret paratos prope aequo Marte ad dimicandum existimaret, qui iniquitatem condicionis perspiceret, inani simulatione sese ostentare cognosceret. Hier liegt die Folge wie die Gleichzeitigkeit klar zu Tage. Der Umstand, dafs die Gallier auf dem Hügel blieben, hatte zur Folge, dafs, wer die geringe Entfernung sah, sie für kampfbereit halten mufste und andererseits ihre Prahlerei erkennen mufste, sobald er die Art des Geländes durchschaute. Ebenso ist es klar, dafs, solange noch die Gallier sich auf dem Hügel befanden, in dem Beschauer, hier den Römern, jene Gedanken sich regten. 24, 4 alii . . . picem reliquasque res, quibus ignis excitari potest, fundebant, ut quo primum curreretur aut cui rei ferretur auxilium, vix ratio iniri posset. Der Ausfall aus zwei — 11 — Thoren, das Werfen von allerlei Brandstoff hatte zur Folge, dafs die Römer kaum Zeit fanden, zu überlegen, wohin sie zuerst zur Abwehr eilen sollten. Sie kamen während der ganzen Zeit, da der Ausfall dauerte, kaum zur Besinnung; also Gleichzeitigkeit. c I 45, 4 tantum in latitudinem (locus) patebat, ut tres instructae cohortes eum locum explerent, ut neque subsidia a lateribus submitti neque equites laborantibus usui esse possent. Nur der zweite ut-Satz enthalt eine wirkliche Folge. Die steilen Abhänge sowie der Raummangel auf dem Hügel hatten zur Folge, dafs weder Unterstützung dahin geschickt noch Beiterei dort verwendet werden konnte. Selbstverständlich machten sich diese Folgen fühlbar, solange die beregten Übelstände auf dem Hügel herrschten. 63, 2 pons enim ipsius magnum circuitum habebat, ut multo breviore itinere ille ad Hiberum pervenire possent. Die Möglichkeit, schneller den Ebro zu erreichen, war die Folge des gröfseren Umweges, den die Caesarianer machen mufsten und jene Möglichkeit und der Umweg waren gleichzeitig. 68, 2 saxa multis locis iter impediebant, ut arma necessario per manus traderentur. Der sehr schlechte Weg hatte zur Folge, dafs die Waffen von Hand zu Hand gereicht wurden, natürlich so lange, als eben der Weg so schlecht war. 69, 2 multumque eorum opinionem adiuvabat, quod sine iumentis impedimentisque ad iter profectos videbant, ut non posse inopiam diutius sustinere confiderent. Die Afranianer sahen, dafs die Caesarianer ohne Bagage waren; das hatte zur Folge, dafs sie nunmehr fest davon überzeugt waren — vermutet hatten sie es schon vorher (§ 1) —, dafs jenen die Lebensmittel fehlten. Diese sich ihnen aufdrängende Überzeugung ist dem videbant s. i. a. i. profectos gleichzeitig zu danken. c II 5, 5 nam et honesti ex iuventute et cuiusque aetatis amplissimi nominalim evocati, navis conscenderant (= in navibus erant), ut si quid accidisset, ne ad conandum quidem sibi quicquam reliqui fore viderent, si superavissent, vel domesticis opibus vel externis auxiliis de salute urbis confiderent. Der Kern der Massilienser befand sich vollzählig auf den Schiffen. Das hatte zur Folge, dafs sie sich bewufst waren, und zwar gleichzeitig, im Falle einer Niederlage rettungslos verloren, im Falle des Sieges völlig gerettet zu sein. 33, 1 milites crebro etiam interpellabant, ut magno cum dolore infidelitatis suspicionem sustinere viderentur. Die häufigen Unterbrechungen hatten zur Folge, dafs sie über den Verdacht der Untreue empört schienen und dieser Anschein war den häufigen Unterbrechungen gleichzeitig. 35, 1 qua in fuga Fabius Pelignus magna voce Varum appellans requirebat, uti unus esse ex eius militibus et monere velle aliquid videretur. Der Schein, als wolle F. dem V. etwas sagen, war die Folge seines lauten Rufens nach ihm und war demselben gleichzeitig. 39, 5 multa spolia praeferebantur, capti homines equitesque producebantur, ut quicquid intercederet temporis hoc omne victoriam morari videretur. Die voraufgeführten Beutestücke hatten zur Folge, dafs jedes Säumen nur den Sieg zu verzögern schien, und zwar gleichzeitig beim Anblick der Sieges-Trophäen drängte sich die Meinung (der Schein) von dem ganz sichern Siege auf. c III 57, 3 praeesse (Scipionem) autem suo nomine exercitui, ut praeter auctoritatem vires quoque ad coercendum haberet. Dafs Sc. ein selbständiges Kommando besafs, hatte zur Folge; wenigstens nach Caesars Ansicht, dafs er dem P. gegenüber energischer auftreten konnte und diese Möglichkeit war natürlich seiner Machtbefugnis gleichzeitig. 2* — 12 — 79, 3 Domitius Heracliam iter fecerat ut ipsa fortuna illum obicere Pompeio videretur. Der Marsch des D. nach H. hatte den Anschein zur Folge, und zwar während des Marsches, also gleichzeitig, dafs das Schicksal ihn dem P. in die Hände spiele. 96, 1 in castris Pompei videre hcuit trichilas structas, inagnum argenti pondus expositum, ut facile existimari posset nihil eos de eventu diei tinniisse. Aus dem Anblick der üppigen Zeltausslattung in des P. Lager ergab sich leicht der Schlufs, und zwar gleichzeitig bei diesem Anblick, dafs die Pompeianer völlig siegesgewifs waren. g I 6, 1 mons altissimus impendebat, ut facile perpauci prohibere possent. Der beherrschende Berg ergab zugleich die Möglichkeit, den Vorbeimarsch mit sehr geringer Truppenzahl zu hindern, cfr. auch c I 53, 2 und III 85, 3. c I 87, 4 duas legiones suas antecedere, reliquas subsequi iussit, ut non longo inter se spatio castra facerent. Hier ist reiner Folgesatz, der aber nachzeitig ist. Denn erst nachdem die angegebene Anordnung getroffen war, ergab sich daraus, dafs die Heeresabteilungen nicht weit von einander lagerten. Die Nachzeitigkeit erklärt sich, weil hier beabsichtigte Folge vorliegt, da jene von C. befohlene Marschordnung den Zweck verfolgte, dafs die Heeresteile nicht weit von einander lagern sollten. Die in der Mitte befindlichen Afranianer sollten eben vor und hinter sich in nicht zu weitem Abstände für alle Fälle Caesarianer haben. Dagegen ist bei c III 15, 1 huc addunt pauca rei confirmandae causa, ut de compositione acturi viderentur nicht mit Sicherheit festzustellen, ob der ut-Satz final oder konsekutiv ist. Beide Auffassungen sind möglich. Ist er konsekutiv, so liegt ebenfalls beabsichtigte Folge vor. Der Sinn ist dann: die beiden pompejanischen Admirale Libo und Bibulus fügen ihrem Wunsche nach einer Unterredung mit C. noch einiges, um die Sache glaubhaft erscheinen zu lassen, hinzu, so dafs es — und das war ihre Absicht — wirklich den Anschein erregte, als wollten sie Friedens-Verhandlungen einleiten. Der ut-Satz ist dann reiner Folgesatz und die Nachzeitigkeit erklärt sich wie im vorigen Falle. Den Hauptbestandteil sämtlicher Folgesätze bilden die sogenannten epexegelischen Folgesätze (Beschaffenheitssätze). Sie beziehen sich auf ein voraufgegangenes oder zu ergänzendes Demonstrativum, bisweilen auch auf ein dem Sinne nach gleichwertiges, einen hohen Grad bezeichnendes Adjectiv wie magnus, multus, fortissimus, incredibilis. In all den Sätzen wird dann nur das Demonstrativum erläutert, was in demselben enthalten ist, wird nur näher ausgeführt und entwickelt. Es wird die Menge oder Art und Weise oder der Grad, in dem etwas der Fall ist, durch den ut - Satz klar gemacht. Diese Erläuterung des durch das Demonstrativum bereits Angedeuteten geht zeitlich dem zu Erläuternden nicht voran, ebensowenig kann der Inhalt des ut-Satzes erst nachher eintreten. Die Erläuterung des Demonstrativs fällt sachlich und zeitlich mit demselben zusammen. Das Demonstrativ ist ja mit seiner Erläuterung sachlich identisch. So findet sich denn in all diesen Fällen Vorzeitigkeit, abgesehen von Sätzen mit sogenanntem absoluten Tempus-Gebrauch und Nachzeitigkeit abgesehen von Fällen einer beabsichtigten Folge bei C. nicht vor. Bei epexegetischen ut-Sätzen ist Tempus und Modus des regierenden Satzes gleichgiltig. Sie finden sich nach den verschiedensten Zeiten, auch nach dem Konjunktiv, am häufigsten natürlich, da wir es mit einem Historiker zu thun haben, nach Perf. liist. In der Mehrzahl der Fälle enthält der Nebensatz nebenher auch eine Folge, jedoch so, dafs das Wesentliche immer die Erläuterung des Demonstrativums bleibt, die Folge nur nebensächlich ist. Auf jene kommt es - 13 — allein an, letzere ist nur zufällig auch vorhanden. In sehr vielen Fällen ist ein konsekutiver Nebensinn völlig ausgeschlossen, woraus hervorgeht, dafs die Erläuterung das Wesentliche, weil allen hierher gehörigen Fällen Gemeinsame ist. Bei der Überfülle der epexegetischen ut-Sätze ist es unmöglich, sie alle hier zu behandeln. Ich beschränke mich darauf, um das Dargelegte zu erhärten, für jede Gattung nur einige Beispiele herauszugreifen. I. Epexegetische Konsekutivsätze, bei denen konsekutiver Sinn ausgeschlossen ist. 1,35,2 quoniam (Ariovislus) hanc sibi populoque gratiam referret, ut in colloquiuin venire invitatus gravaretur neque de communi re dicendum sibi et cognoscendum putaret, haec esse, quae ah eo poslularet. Der ut-Satz enthält nur, worin der Dank oder vielmehr Undank des A. bestanden habe, nicht die Folge davon, haec gratia wird erläutert. 43,8 populi B. hanc esse consuetudi- nem, ut socios atque amicos non modo sui nihil deperdere sed .... auctiores velil esse. Der ut-Satz enthält wiederum nur, worin haec consuetudo populi B. besteht, nicht deren Folge. VII 37,4 esse nonnullo se Caesaris affeclum, sie tarnen, ut iuslissimam apud eum causam obü- nuerit. Hier zeigt die Stellung schon klar, dafs der Nebensatz sich nur auf das sie bezieht. Er erläutert nur die Art der von C. empfangenen Wohlthat. Er habe daran im Grunde nur sein gutes Becht erhalten; letzteres ist nicht die Folge der empfangenen Wohlthat, sondern darin bestand Sie. 46,4 quos ille multa iam nocte silentio ex fuga excepit, ... ut proeul in via disposilis familiaribus suis prineipibusque civitatum disparandos deducendosque ad suos curaret. Zu ergänzen ist hier ein Demonstrativum in hunc modum, ita. Der Nebensatz erläutert nur die Art und Weise, wie Vercingetorix in unauffälliger Weise die wenigen Überlebenden aus der Katastrophe von Avaricuin in sein Lager zurückschaffen läfst. Auch hier ist die Möglichkeit eines konsekutiven Sinnes völlig ausgeschlossen. Ebenso ist es in nachfolgenden Fällen: I 4, 1 damnalum poenam (sc. eam) sequi oportebat, ut igni cremaretur. V 43, 5 hie dies nostris longe gravissinius fuit; sed tarnen hunc habuit eventum, ut eo die maximus numerus hostium vulneraretur atque inlerliceretur. 54,5 ei qui virlute belli omnibus gentibus praeferebantur, tan tum se eius opinionis deperdidisse, ut a. p. B. imperia perferrent dolebant. VI 12,9 eo tum statu res erat, ut longe prineipes haberentur Aedui, seeundum locum dignitatis Bemi obtinerent. c. 1 44,1 genus erat pugnae mililum illorum (erg. tale od. eiusmodi) ut magno impetu primo procurrerent, audacler locum caperent, ordines suos non magnopere servarent, rari dispersique pugnarent. 47, 1 haec eius diei praefertur opinio, ut se ulrique superiores discessisse arbilrarentur. 79,5 tantum ab equitum suorum auxiliis aberant, ut eos in medium reeiperent agmen ullroque eos tuerentur. II 6, 1 hoc animo decerlabanl (Massilienses), ut nullum aliud tempus ad eonandum habituri viderentur. 28, 1 legionesque eas traduxerat Curio, quas superioribus temporibus Corlinio reeeperat C., adeo ut paucis mulatis centurionibus idem ordines manipulique constarent. III 15,3 erat res in magna difficultate, sum- misque angustiis rerum necessariarum premebantur, adeo utc ogerenlur sicuti reliqunm commeatum ita ligna atque aquam Corcyra navibus onerariis supportare. 17,3 sie belli raüonem esse divisam, ut ille classe naves auxiliaque sua impedirent, ipse ut aqua terraque eos prohiberet. 50, 2 quibus rebus nostri usu docti haec reperiebant remedia, ut alio ignes facerent. 85, 2 C. hanc sibi commodissimam belli rationem iudieavit, uti castra ex eo loco moveret semperque esset in itineribus. II. Überaus zahlreich sind die epexegetischen ut-Sätze, in denen neben dem erläuternden Sinne ein konsekutiver nebenher geht. In all den Fällen ist die Erläuterung des Demonstrativs - u die Hauptsache; darauf kommt es allein an; es ist nur nebensächlich und unwesentlich, dafs der Nebensatz auch etwas von einer Folge enthält. II 27, 1 horum adventu tanta rerum commutatio est facta, ut nostri etiam qui vulneribus confecti procubuissent scutis innixi proelium redintegrarent. Die Gröfse der eingetretenen Veränderung soll durch den ut-Satz erläutert werden. Sie zeigt sich darin, dass sogar Schwerverwundete den Kampf wieder aufnahmen, während zuvor alles in wilder Flucht geflohen war. Freilich die Wiederaufnahme des Kampfes sogar seitens Verwundeter war eine Folge der durch das Eintreffen von Hilfe eingetretenen Veränderung, aber das ist in dem Zusammenhange nebensächlich. Die Gröfse der eingetretenen Veränderung (tanta) zu veranschaulichen, darauf kommt es dem Schriftsteller an. Ebenso ist das Verhältnis ibid. 3 at hostes etiam in extrema spe salutis tan tarn virtutem praestiterunt, ut cum primi eorum concidissent, proximi iacentibus insisterent atque ex eorum corporibus pugnarent. Nur von dem unübertrefflichen Heldenmute soll durch den ut-Satz eine klare Vorstellung erweckt werden, ganz abgesehen davon, dafs ihr heldenmütiges Betragen eine Folge ihrer virtus war. Ebenso V 41 5 sese tarnen hoc esse in Ciceronem populumque R. animo, ut nihil nisi hiberna recusent atque inveterascere consuetudinem nolint. 43, 4 tanta militum virtus atque ea praesentia animi fuit, ut . . . non modo de vallo decederet nemo sed paene ne respiceret quisquam. II 35, 1. V 44, 14. 55, 4. 58, 1. VI 12, 4. 35,9. 38,5. 41,2. 3. VII 17, 5. 46,5. 76,2. c 114,1. 21,6. 45,5 (der erste der beiden ut-Sätze). 48, 1. 62, 1. 64, 8. 70, 2. 80, 5. 86, 3. c II 2, 1. 6, 5. 7, 3. 14, 2. 16, 1. 20, 5. 31, 8. 43, 2. 4 etc. An Stelle des Demonstrativs steht in mehreren Fällen ein gleichwertiges Adjektiv wie incredibilis V 31, 1 interim ad Labienum per Remos incredibili celeritate de victoria Caesaris fama perfecta, ut . . . ante mediam noctem ad portas caslrorum clamor oreretur. VII 56, 4 vadoque . . . opportuno, ut brachia modo atque humeri liberi esse possent. c I 52, 3 magna rerum facta commutatio ac se fortuna inclinaverat, ut nostri magna rerum inopia conflictarentur. II 32, 1 commemorat (Curio), quo (= quanto) sit eorum usus studio, ut magnam partem Ilaliae beneficio atque auctoritate eorum suain fecerit. g I 6, 1 unum (iter erat) angustum et difficile, . . . vix qua (= ut ea) singuli carri ducerentur. Auch bei epexegetischen Folgesätzen findet sich Nachzeitigkeit nur in Sätzen, in denen die Folge eine beabsichtigte ist, aus Gründen, die schon angedeutet sind. VII 72, 1 fossam pedum viginti direclis lateribus duxit, ut eius fossae solum tantundem pateret, quantum summae fossae labra distarent. Hier ersetzt das im Grunde genommen überflüssige directis lateribus ein Adverb der Art und Weise, ita. 23, 3 his collocatis et coagmentatis alius insuper ordo additur, ut idem illud intervallum servetur neque inter se contingant trabes. 73, 6 huc terebes stipites feminis crassitudine demittebantiu' ita, ut non amplius digitis quattuor ex terra eminerent. c I 38, 1 Afranius et Petreius et Varro officia inter se partiuntur (erg. ita), ut P. ex Lusitania per Vettones cum omnibus copiis ad Afranium proficiscatur etc. 86, 3 res huc deducitur, ut ei qui habeant domicilium aut possesionem in Hispania, statim, reliqui ad Varum flumen dimittantur. II 9, 1 eam (contabulationem) in parietes instruxerunt ita, ut capita tignorum extrema parietum structura tegerentur. III 56, 1 lantumque a vallo eius prima acies aberat, uti ne telo tormentove adici posset. Dafs der ut-Satz konsekutiv ist, ergiebt sich aus dem vorangehenden tantum, dafs er 15 aber beabsichtigte Folge enthält, geht aus dem ne an Stelle des sonst notwendigen non hervor (cfr. Hdb. d. kl. Altert. II § 285). ibid. 2 P. autem ... sie pro castris exercitura constituebat, ut tertia acies vallum contingeret etc. 89, 1 huic legioni C. sie adiunxit oetavam, ut paene unain ex duabus efficeret. Es giebt auch Fälle, in denen, wenn man nur das Verhältnis zum regierenden Verbum in Betracht zieht, Nachzeitigkeit vorliegt, ohne dafs die Folge eine beabsichtigte ist. Das ist aber nur scheinbar, c III 72, 1 bis rebus tan tum fiduciae ac Spiritus Pömpeianis accessit, ut non de natione belli cogitarent sed vicisse iam viderentur. Hier ist der Inhalt des Nebensatzes dem accedere wohl nachzeitig, indes soll nicht das accedere erläutert werden, sondern die Gröfse des Selbstvertrauens und des Hochmuts auf pompeianischer Seite und dieser ist der Gedanke des Nebensatzes durchaus gleichzeitig. Ebenso c III 74, 1 exercitui quidem omni tantus incessit ex incommodo dolor tantumque Studium infamiae sarciendae, ut nemo aut tribuni aut centurionis imperium desideraret etc. g II 35, 1 tanta liuius belli ad Barbaras opinio perlala est, uti ab iis nationibus, quae trans Rhenum incolerent, mitterentur legati. Gleichzeitigkeit zur tanta opinio. Für die konsekutiven Relativsätze gilt genau dasselbe, was für die ut-Sätze gilt. Sämtliche vorkommenden Fälle sind Epexegesen zu einem meist zu ergänzenden Demonstrativ, besonders häufig nach esse repireri. I 52, 5 reperti sunt complures nostri milites, qui in phalangas insilirent. V 42, 3 sed nulla ferramentorum copia (ergänzt eins modi), quae esset ad hunc modum idonea. VI 34, 1. 35, 3. VII 28, 3. 6. 75, 5. 76, 6. c I 33, 1. II 1, 3. 36, 1 etc. Ganz besonders unzutreffend ist die Bezeichnung Folgesatz für die ut-Sätze, die von einem unpersönlichen Ausdruck des Geschehens abhängen. Hier ist schlechterdings nie eine Folge vorhanden. Ebrnsowenig würde die Bezeichnung Beschaffenheitssätze passen, da kein Begriff des regierenden Satzes auf seine Beschaffenheit hin erläutert wird. Vielmehr enthält der Nebensatz immer nur das, was eigentlich geschieht; er enthält also das Subjekt zu dem Verbum des Geschehens. Er ersetzt oder ergänzt das fehlende Subjekt und verdiente daher eher den Namen eines ergänzenden ut-Satzes. Der Nebensatz ist stets gleichzeitig; jedes andere Zeitverhältuis ist durch die Natur der Sache ausgeschlossen; denn das, was geschieht, mufs eben dem Geschehen gleichzeitig sein. Darin besteht es ja. Bisweilen wird auf das im Nebensatze bestehende Subjekt durch id hingewiesen. III 2, 2 Id aliquot de causis aeeiderat, ut subito Galli belli renovandi consilium caperent. 1 10, 2. II 4, 3.17, 3. III 2, 2. V 23, 3. VI 4, 4. VII 24, 5. c 1 40, 7. 85, 4. II 44,1 III 15,4. In einigen Fällen wird durch Ablative die Ursache des im ut-Satz enthaltenen Ereignisses angegeben; dies darf nicht dazu verleiten, den Nebensalz als wirklichen Folgesatz aufzufassen; denn auch ohne jene Zusätze ist der ut-Satz berechtigt und verständlich. Es ist daher für die Auffassung des ut-Satzes nebensächlich und zufällig, dafs ein ursächliches Moment hinzugefügt ist. 11119,3 factum est oportunitate loci, hostium inscientia ac defetigatione, virtute militum et superiorum pugnarum exercitatione, ut ne unum quidem nostrorum impetum ferrent ac statim terga verterent. VII 29, 4 factum imprudentia Biturigum et nimia obsequentia reliquorum, uti hoc incommodum aeeiperetur. c II 4, 4. III 20, 2. Dem Wesen nach gehören noch hierher die ein Geschehen enthaltenden Wendungen ius, consuetudo est. I 36, 1 ius esse belli ut qui vicissent iis quos vicissent, imperarent. 43, 8 populi R. hanc esse consuetudinem, ut socios atque amicos . . . auxtiores velitesse. 50,4 quod apud Germanos ea consuetudo esset, ut matres familiae declararent etc. 16 — Hierher gehören ferner ut-Sätze nach accedit, sowie nach den unpersönlichen Ausdrücken des Ubrigbleibens. Auch hier liegt keine Folge vor, sondern Ergänzung des fehlenden Subjekts des regierenden Satzes. Stets mufs Gleichzeitigkeit herrschen, denn das, was zu thun erübrigt, kann nicht anders als dem Übrigbleiben gleichzeitig sein. V 19,3 relinquebatur (eine andere Form kommt nicht vor) ut neque longius ab agmine legionum discedi C. pateretur etc. c I 63, 2. 79, 4. III 44, 2. 109, 2. g III 13, 9 accedebat, ut tempestatem ferrent facilius. V, 16, 4. c III 24, 4. Wir wenden uns jetzt der Betrachtung derjenigen Fälle zu, in [denen Vorzeitigkeit, also eine Ausnahme von der Regel vorliegt. Es sind dies die Sätze, in denen trotz regierenden Praeteritums im ut-Satz Conj. Perf. steht, also Tempus der Vorzeitigkeit. In all diesen Fällen ist die Beziehung des Nebensatzes auf den regierenden Satz hinsichtlich des Tempus aufgegeben und es tritt sogenannter absoluter Tempus-Gebrauch ein. Diese Bezeichnung im Gegensatz zum bezogenen Tempus-Gebrauch, die sich einzubürgern begonnen hat, kann als eine zutreffende nicht anerkannt werden; denn auch in den Fällen sogenannten absoluten Tempus-Gebrauchs ist keineswegs das Tempus ohne jede Beziehung. In Nebensätzen giebt es überhaupt keinen absoluten Tempus- Gebrauch. Das Tempus des Nebensatzes ist stets ein bezogenes, nur die Zeit wechselt, aufweiche sich das Tempus des abhängigen Satzes beziehen kann. Dieses kann sich entweder auf die Zeit des regierenden Satzes beziehen, oder auf die Zeit, d. h. die Gegenwart des Sprechenden (Schreibenden, Erzählenden). Die dritte Art der Beziehung, die dann nur noch möglich ist, die auf die Zeit des Lesers, ist nur im Briefstil üblich, wird allerdings, wenn auch sehr selten, aufserhalb desselben beobachtet (bei C. einmal VII 25, 1) und kann an dieser Stelle aufser Betracht bleiben, weil nicht in Konsekutivsätzen vorkommend. Aber sämtliche Nebensätze wenigstens bei C, die ich alle wiederholt daraufhin geprüft habe, fügen sich einer der drei Beziehungsweisen ausnahmslos. Findet nun Beziehung auf die Zeit des regierenden Satzes statt, was das Gewöhnliche ist, so ist es natürlich, dafs in der Erzählung bei Gleichzeitigkeit das Jmp., bei Vorzeitigkeit das Plsq. gewählt wird. Findet dagegen Beziehung auf die Gegenwart des Erzählenden (Schreibenden) statt, so wird ebenso natürlich das der Gegenwart des Erzählenden Gleichzeitige in das Praesens, das ihr Vorzeitige in das Perf. treten müssen. Es kommt nun bisweilen vor, dafs der Schriftsteller mitten in der Erzählung in Nebensätzen, sowohl konsekutiven als auch andern, die Beziehung auf das regierende Verbum, d. h. auf die Zeit, in der die Ereignisse stattfanden, die Vergangenheit fallen Iäfst, und dafür die Beziehung auf die eigene Zeit, da er schreibt (spricht, erzählt), eintreten läfst. Psychologische Motive sind hier zweifellos wieder wirksam. Solange der Schriftsteller die Ereignisse kühl und objektiv berichtet, solange wird er die Ereignisse des Nebensatzes zu ihrem jeweiligen regierenden Satz hinsichtlich des Tempus in Verbindung setzen. Manche Ereignisse der Vergangenheit treten nun beim Erzählen (Niederschreiben) lebendiger vor des Erzählenden Seele, afiizieren, erregen ihn tiefer, er schaut auf dieselben von seiner Gegenwart aus zurück und so treten sie dann aus dem Rahmen der Vergangenheit heraus, setzen sich zu seiner Zeit, der Gegenwart, in Beziehung; das Vergangene wird ihm gegenwärtig. Auf diese Weise müssen von dem Erzähler Ereignisse, die dem Inhalt des regierenden Satzes gleichzeitig waren und das Imp. erheischen würden, im Verhältnis zu seiner Zeit als vorzeitig empfunden werden. So kommt es, dafs in solchen Fällen das Tempus gebraucht wird, welches schlechthin die Vorzeitigkeit zur — 17 Gegenwart bezeichnet, nämlich Perf. im Konjunktiv. Es liegt also kein wirklich absoluter Tempus- Gebrauch vor, sondern die Beziehung wird geändert. Der Standpunkt verschiebt sich nur, von dem aus vergangene Ereignisse betrachtet werden. Nicht von absolutem (beziehungslosem) Tempus- Gebrauch kann im Grunde genommen die Rede sein, sondern nur von einem Beziehungswechsel. Die Fälle sind übrigens bei C. nicht häufig; sie sind sämtlich Epexegesen eines vorangegangenen oder zu ergänzenden (V 15, 1.) Demonstrativs. II 21, 5 temporis tanta mit exiguitas, hostiumque tarn paratus ad dimicandum animus, ut non modo ad insignia accomodanda sed etiam ad galeas induendas tempus defuerit. V 15,1 equiles hostium essedariique acriter proelio cum equilatu nostro in itinere conflixerunt, tarnen (erg. ita) ut nostri omnibus partibus superiores fuerint atque eos in Silvas compulerint. 54, 4. tantum apud homines barbaros valuit esse aliquos repertos repertos principes inferendi belli tantamque omnibus voluntatum commutationem attulit, ut nulla fere civitas fuerit non suspecta nobis. III 15,5 nam singulas nostri consectati expugnaverunt, ut perpaucae (naves) ex omni numero noctis interventu ad terram pervenerint, cum ab hora fere quarta usque ad solis occasum pugnaretur. c I 21, 5 neque vero tarn remisso ac languido animo quisquam omnium fuit, qui ea nocte conquieverit. II 32, 1 commemorat (Curio) quo sit eorum usus studio ad Corfinium C., ut magnam partem Italiae beneficio atque auctoritate eorum suam fecerit. Dies Beispiel ist nicht ganz den vorangegangenen gleich, da fecerit Perf. praes. ist. suam fecerit = nunc in potestate sua habeat. Dagegen gehört nicht hierher VII 37, 4 (sie tarnen, ut iustissimam apud eum causam obtinuerit), da in der dort vorliegenden, von Praes. bist, abhängigen or. obl. durchweg praesentische Consecutio gewählt ist. Wir schliefsen mit der vielbesprochenen Stelle VII 17, 3 summa difficultate rei frumen- tariae affecto exercitu tenuitate Boiorum, indiligentia Aeduorum, incendiis aedificiorum usque eo ut complures dies frumento milites caruerint et pecore ex longinquioribus vicis adacto extremam famem sustentarent, nulla tameu vox est ab iis audila etc. Das Schwierige der Stelle ist der Wechsel des tempus, caruerint, dagegen sustentarent. Die Erklärungen der Herausgeber und Grammatiker und ihre Bemühungen in den beiden Folgesätzen eine Verschiedenheit der Auffassung und des Gedankens zu finden, erscheinen alle als gezwungen. Bei unbefangner, oft wiederholter Lektüre ergab sich mir keinerlei Unterschied, sie sind vielmehr durchaus gleichartig und man würde in der That in beiden Sätzen gleiches tempus erwarten. Es ist eben eine Willkür des Schriftstellers anzunehmen. Beide tempora sind gestattet und wie so oft, wo zwei Constructionen möglich sind, wechselt der Autor nach Belieben, wie das häufig nach Perf. praes und Praes. bist, in Conjunctiv-Sätzen geschieht. Der Inhalt der ersten ut-Sätze (das völlige Fehlen des Getreides mehrere Tage hindurch) trat vielleicht dem Autor, als er diese Stelle niederschrieb, mächtiger vor die Seele, so dafs er ihn zu seiner Zeit in Beziehung setzte, wogegen ihm der Inhalt des zweiten ut-Satzes, der den statt des Getreides verwendeten Ersatz enthält, vielleicht minder wichtig erschien, so dafs er ihn wieder mit der Zeit, in der die Erzählung spielt, in Verbindung setzt. Ein ähnlicher, wenngleich bei weitem nicht so schroffer Wechsel des tempus im Consecutivsatze findet sich III 15,3. (Weitere Beispiele hierfür bietet aus Cic. Wetzel G-Z. 84 p. 755.) Der sehr naheliegenden Versuchung statt sustentarent sustentarint zu schreiben, wodurch alle Schwierigkeit behoben würde, mufs man angesichts der Einstimmigkeit der Handschriften an dieser Stelle widerstehn. Leibniz-Gymoos. 1893. 3 — 18 — Der Vollständigkeit halber müssen noch die Folgesätze behandelt werden, die von facere und Compositis abhängen (Schmalz - Wagner Gr. § 286). Sie stehn auf der Grenze zwischen Absichts- und Folgesätzen, enthalten sämtlich die Folgewirkung aus dem regierenden Satz und sind dem Inhalt desselben gleichzeitig. In C. habe ich von derart nur beobachtet II 5,5. Quae res (der schon vollzogene Übergang über die Axona) commeatus ab Remis reliquisque civitatibus ut sine periculo ad eum portari possent, efficiebat. 11,1 fecerunt ut consimilis fugae profectio videretur. c III 77, 2 quibus rebus perfectum est, ut nulluni acciperet incommodum. 84, 4 his erat rebus effectum ut equitum mille etiam apertioribus locis Septem milium Pompeianorum impetum sustinerent neque magnopere eorum multitudine terrerentur. Natürlich sind nicht alle von facere oder Compositis abhängigen ut - Sätze Folgesätze, vielmehr entscheidet der Sinn und Zusammenhang, ob final oder consecutiv. Ein weiteres sicheres Erkennungs-Zeichen ist, dafs der Finalsatz sich als solcher durch seine Nachzeitigkeit im Verhältnis zu seinem regierenden ausweisen mufs, während der Consecutivsatz gleichzeitig ist. So liegt reiner Absichtssatz vor VII 74, 1 munitiones perfecit diversas ab his, ut ne magna quidem multitudine circumfundi possent. c III 91,3 faciam hodie, imperator, ut aut vivo mihi aut mortuo gratias agas. 112, 6 quibus rebus est effectum, ut tuto frumentum auxiliaque navibus ad eum supportari possent. Druck von W. Pormetter in Berlin. — 18 — Der Vollständigkeit! und Compositis abhängen Absichts- und Folgesätzen sind dem Inhalt desselben res (der schon vollzogene €1 sine periculo ad eum pol videretur. c III 77, 2 qui erat rebus effectum ut impetum sustinerent nequ« von facere oder Compositi Zusammenhang, ob final d der Finalsatz sich als solclij weisen mufs, während der munitiones perfecit diversa 91, 3 faciam hodie, imper; est efl'ectum, ut tuto frui Undelt werden, die von facere hn auf der Grenze zwischen Ins dem regierenden Satz und |t nur beobachtet II 5,5. Quae einis reliquisque civitatibus ut ut consimilis fugae profectio eret incommodum. 84, 4 his eptem milium Pompeianorum ur. Natürlich sind nicht alle ehr entscheidet der Sinn und rkennungs-Zeichen ist, dafs is zu seinem regierenden aus- iner Absichtssatz vor VII 74, 1 ne circumfundi possent. c III £ agas. 112, 6 quibus rebus jrtari possent.