J MÄfcii I der zweiten Hälfte des Mittelalters in der Diöcese Augsburg. Programm der k. Studien-Anstalten zu JUiUingen für 1884/85 von Michael Daisenberger, Professor der Geschichte und Philologie am k. Lyceum. v WÖ f Billirtgen. Druck der Ä. Kolb'sehen Buchdruckerei. /1885 *■ /Co 5*1 Einleitung. Die Dom-, Stifts- und Klostersclmlen des Mittelalters galten zunächst der Heranbildung des Klerus, jedoch nicht ausschliesslich; die Domschule in Eichstädt wurde unter Bischof Wilhelm von Reichenau (1464—149G) auch von Stadtschülern besucht, 1 ) Stifter und Klöster hatten neben der innern auch eine äussere Schule, in welcher Jünglinge, für den Laienstand bestimmt, eine höhere wissenschaftliche Ausbildung erstrebten. Im Laufe des 13. Jahrhundorts nahm das Schulwesen einen grossen und nachhaltigen Aufschwung durch das rasche Empor- blühen der. Städte. „Es gehört zu den Verdiensten Kriegks", sagt Kluckhohn, „die überraschend weite Verbreitung der Volksbildung im deutschen Bürgerstande des späteren Mittelalters nachgewiesen zu haben." 2 ) Daneben verbreitete sich die Volksbildung auch in die Märkte und Dörfer. „Man wird", schreibt Grünthner, „um diese Zeit nicht leicht ein Städtchen oder einen Markt antreffen, wo nicht eine lateinische Schule vorhanden war." 3 ) Solche lassen sich aber auch selbst in Dörfern nachweisen. In diesen Schulen nun, welche die Volksbildung vermittelten, konnte man sich jene Kenntnisse aneignen, welche zu allen Zeiten zum Begriffe einer Volksschule gehören, Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesang und die Kenntnisse in der Religion; denn es ist nicht wohl anzunehmen, dass nur Latein gelehrt wurde; der Unterricht im Lateinischen setzt ja ohnehin einen Unterricht im Deutschen voraus und da eine Ausscheidung zwischen den sogenannten Elomentargcgenständen und dem lat. Unterrichte wenigstens in jenen Städten, wo deutsche Schulen neben 1 ) Sax, die Bischöfe und ReiChsfiiräfcen von Eichstädt, I, 136. 2 ) Kriegk, deutsches B&rgertüm im Mittelalter, N. F. 1871. 3 ) Giinthner, Gesell, der lit. Anstalten in Bayern II, 70. II den lateinischen nicht ausdrücklich bezeugt sind, noch nicht bestand, so haben wohl die damaligen Lehrer ihren Schülern die notwendigsten Kenntnisse in beiden Sprachen neben einander beigebracht. 1 ) Die Städtschulen wurden nicht bloss von den Kindern der Reichen besucht, sie standen auch den Kindern der Armen, einheimischen und fremden, offen. Auf dem Lande finden wir Kloster- und Dorfschulen. Seitdem die Forschung dem Schulwesen des Mittelalters mit Vorliebe sich zugewendet hat, mehren sich denn auch die Stimmen, welche für das Vorhandensein von Volksschulen schon in der zweiton Hälfte des Mittelalters eintreten, wenn diese gleichwohl keine Schulen für das ganze Volk waren, da e'in Schulzwang nicht bestand, und auch kein bestimmtes Mass von Kenntnissen vorgeschlichen war; aber es waren Schulen, an denen jeder sich beteiligen konnte, der wollte. Braun hat in seiner Geschichte des kgl. Gymnasiums zu Braunsberg 2 <) nicht bloss die Kathcdralschule zu Frauenburg und Klosterschulen in vielen Städten der Diözese Ermland, sondern auch Pfarrschulen, die schon eigentliche Volksschulen waren, auf den Dörfern seit der Mitte des 13. Jahrhunderts nächgewiesen. Meister") führt aus allen Teilen Deutschlands wie auch aus den angrenzenden Ländern 1G0 Orte auf, die vor dem 16. Jahrhundert eigene Volksschulen besessen haben, darunter zum Teil Pfarr-, Kloster- und Dorfschulen; Kriegt 1 ) schildert das Schulwesen der deutschen Städte, besonders Frankfurts, er nimmt an, dass von sämtlichen Anstalten, die er aus dem 14. und 15. Jahrhundert namhaft macht, die meisten rein .deutsche gewesen sind; Falk 3 ) schreibt auf Grund seiner Forschungen: „Soviel steht jedoch jetzt schon wenigstens für den Mittelrhein fest, dass es ganze Striche Landes gab, in welchen um 1500 alle zwei Stunden eine Volksschule war". In dein damals unbedeutenden Ort J ) Dio beiden lateinischen Schulmeister bei TL L. Frau und bei St. Peter in München haben seit unvordenklicher Zeit das Recht gehabt, auch das Deutsche zn lehren. Ereyberg, III, 277. 2 ) Festprogramm zur Feier des 300jährigen Jubiläums dieser Anstalt von Direktor Professor Braun, Braunsberg 18C5. 8 ) Meister, das deutsche Stadtschuhvosen dos Mittelalters, Weilburg 1868. 4 ) Kricgk, das deutsche Bürgertum im Mittelalter. N. F. 1871. '') Falk, Schulen am Mitfcelrhein vor 1520 im „Katholik", Jahrgang 62, erste Hälfte 1882. - III - Grünberg wird sogar eine Mädchenschule* nachgewiesen. Als älteste Dorfschule in Württemberg nennt die Bealencyclopädie von Rolfus und Pfister 1 ) die von Aidlingen, Oberamts Böblingen, schon 1275 und reiht daran noch über 40 Schulen, meistens Stadtschulen. Diese Zahl wird um 9 vermehrt durch Lorenz 2 ). Für das Grossherzogtum Hessen hat Spreng 3 ) eine Ucber- sicht von Städten und anderen Orten mit Schulen zusammengestellt. Ausführlich berichtet über die Schulen im alten Herzogtum Geldorn Fr. Nettosheim 4 ). Mono schreibt über das Schulwesen vom 13. —18. Jahrhundert in Baden, Württemberg und Bhein- bayern" 1 ). Palacky zieht aus der in Urkunden um 1400 nur zufällig, jedoch häufig vorkommenden Erwähnung von Schullehrern den Schluss, dass nicht nur alle böhmischen Städte, sondern auch viele Pfarrdürfor ihre besonderen Schulen besassen und es daher an Gelegenheiten, sich zeitgemäss zu unterrichten, für Reiche und Arme damals fast ebenso wenig fehlte, wie im gegenwärtigen Jahrhunderte. Es gab damals in der Prager Diöcese 1914 Pfarreien, wenigstens ein Drittel davon, also über 600 Pfarreien, dürften auch mit Scln^&o y^schen gewesen sein. 0 ) Ucuer v dic Schulen in Bayern haben Günthner 7 ) und Lipowsky s ) in dem ersten Yiertel unsers Jahrhunderts eine Fülle von Thatsaehon gesammelt; die „Bavaria, Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern", bringt für jeden Kreis einen Abschnitt, der die Volksbildung und den Unterricht behandelt. Dazu kommen noch «ine Anzahl von Monographien in Programmen und historischen Zeitschriften. Für einzelne Städte der Diöcese Augsburg liegen ') Rcalcncyelopacdio dos Erziehung«- und Untern ehtswesens 1874 Band IIT, S. 34G. 2 ) Katholische Scluilzeitung 1S83, S. 300. 3 ) Spreng, zur Geschichte dos Schulwesens in Deutschland, Seligen- Stadt 1876. Programm des Roal-Progymnasiums. 4 ) Notteshoim, dio Schulen im alten Herzogtum Geldern, Düssoldorf 1881. 6 ) Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins I, 257-362; II, 129-183. °) Palacky, Gesch. von Böhmen, III, 1, S. 185. 7 ) Günthner, Gesch. der literarischen Anstalten in Bayern, "München 1810. 8 ) Lipowsky, Geschichte der Schulen in Bayern, München 1825, - IV — ausführliche Spezial - Arbeiten vor. Gleichwohl dürfte eine Zusammenstellung der in der Diöcese nach ihrem jetzigen Umfange in der zweiten Hälfte des Mittelalters vorhandenen Volksschulen noch einiges Interesse bieten. Eine solche Zusammenstellung will die vorliegende Arbeit bieten. Auf Vollständigkeit kann sie freilich keinen Anspruch erheben, von andern Gründen abgesehen, schon darum nicht, weil die Vollständigkeit der dazu notwendigen Urkunden fehlt und selbst das vorhandene Urkunden-Material nicht nach Wunsch benützt werden konnte. Viele hochwürdige Herren der Diöcese haben mir bereitwilligst die in ihrer Pfarr - Registratur vorhandenen einschlägigen Aktenstücke übersendet, viele meine Arbeit durch Auszüge aus ihrem Aktenmaterial gefördert; ihnen, wie auch jenen Herren, welche mir die Benützung von Archiven ermöglichten, spreche ich hiemit gebührenden, herzlichen Dank aus. M31 I. Schulen in Städten. In fast allen zur Diöcese Augsburg in ihrem jetzigen Umfange gehörigen 31 Städten lässt sich wenigstens das Vorhandensein von Schulen in der zweiten Hälfte des Mittelalters nachweisen. Nur in Aichach findet sich weder in den Pfarr- noch in den Magistratsakten eine diesbezügliche Nachricht; Burgau wurde erst 1725 eine selbständige Pfarrei, Schriften über die Markgrafschaft enthalten nichts über Schulen; die Pfarrakten von Pried- b'org reichen nicht weiter als bis in die Zeit nach dem Schwedenkriege zurück erst beginnen d : e magistratischen von Mindelhoim mit 1618, während die 6 Jahrtagsstiftungsbriefo im Pfarrarchive aus der Zeit von 1381 bis 1499 keines Schulmeisters erwähnen; die städtischen Akten von Dinkolsbühl geben keinen Aufschluss über Schulen, rfarrakton sind für jene Zeit nicht vorhanden, die Mögelein'sche Chronik, im Besitze des bist. Yoroins in Ansbach, dürfte, nach Privatmitteilung, auch nichts enthalten. Ucbrigens darf man aus dem Fehlen .von Nachrichten, insbesondere in Chroniken, nicht auch zugleich auf das Nichtvorhandensein von Schulen schlicssen, wie das eine sechsbändige Chronik von Füssen beweist, welche über eine Schule nichts berichtet, obwohl eine solche vorhanden war. 1 ) In den übrigen 25 Städten aber finden sich mehr oder weniger ausführliche Nachrichten über Schulen. 1. Augsburg. Augsbui'g erfreut sich einer sehr reichen gedruckten und noch ungedruckten Literatur, aus welcher Lehrer L, GreilF von r ) JS"ou-Ulm wurde erst im Jahre 1860 zu einer Stadt erhoben. 1 _ 2 - Augsburg mit ungemein grossem Fleisse die das Schulwesen Augsburgs betreuenden Notizen gesammelt und als „Beiträge zur Geschichte der deutschen Schulen Augsburgs aus urkundlichen Quellen" der Ocffentlichkeit übergeben hat. ] ) Professor Julius Hans (jetzt Stadtpfarrer in Augsburg) bringt „Beiträge zur Geschichte des Augsburger Schulwesens" in der Zeitschrift des bist. Vereins für Schwaben und Neuburg. Im Jahrgänge 2, 1875 behandelt er S. 79—106 „das Schulwesen Augsburgs im Mittelalter." Es gab eine Domschule, Schulen boi St. Ulrich, St. Moriz, St. Georg, bei hl. Kreuz und St. Anna und ausserdem noch andere Schulen. a. Dom schule. Bischof Sintbert anno 7G7 hat die Schulen in Augsburg aufgerichtet, sagt eine Chronik 2 ). „Er hat sich um die Schule heftig angenommen, besonders um die Stiftsschulc viel gethan" 3 ), „er richtete boi der Domkircho eine Schule an"' 1 ). Ein handschriftlicher Codex in der Bibliothek der Cathedralkivche in Augsburg aus dem Ende des 0. oder dem Anfange dos 10. Jahrhunderts erwähnt imtor Hinweis auf das Capitulare des Bischofs Theodulf von Orleans vom Jahre 797 einer Schule an der Kirche von St. Peter, also einer zweiten Schule in Augsburg 5 ). Die Dom- schule mag allerdings nur der Heranbildung von Geistlichen gedient haben, wie Gerhard ausdrücklich in der Biographie des hl. Ulrich (Bischof 923—973) erzählt, dass er seine Cleriker, sowohl adeliche als unadeliche — „vel liberos medioeres vel nobiliorcs" — auf's % !) Augsburg 1858. Groiffs Handexemplar, mit vielen handschriftlichen Zusätzen bereichert, jotzt Eigentum des historischen Vereins für Schwaben und Nouburg, konnte ich benützen. 2 ) Augustana 824 in -1° Blatt 5 in der Bibliothek des bist. Voreins für Schwaben und Nouburg. 3 ) Greift' auf einem eingelegten Blatte zuseinen „Beiträgen" aus August. 758. ' s ) Paul v. Stetton, Geschichte der des heil. Köm. Reichs Freyen Stadt Augsburg I, 43 nach Gasser und Stengel. *') Capitulare Theodulplii Episcopi Aurelianensis tit. 20 habet: „Presbytcri per villas et vicos scholas habcant. Et, si quilibet fidelium suos pnrvulos ad discendas literas eis commendarc vult, cos suseipere, et docere non renuant, sod cum summa cha'ritate eos doceant." Apud lfarduinum tom. IV. concil. fol. 916. Theodulplii capitülä referens Codex Augustiinus mehtiöriem faeit scholae in Ecclesia S. Petri. Steiner, acta solccta Ecclesiäe August, p. 5—6. jfi W ' «ftt? 3 — Jii Itie sorgfältigste habe erziehen und unterrichten lassen; doch müssen wir auch schon ein frühes Vorhandensein einer deutschen Schule annehmen, wenn wir der Nachricht eines Chronisten 1 ) glauben dürfen: „Der hl. Ulrich hat die Teutscho schuel zu Vnss. 1. Frau (das war die Domkirche), die durch den Krieg zu Boden gelegen, restauriert." Unter Bischof Luitolf od. Luitold (987—996) stand die Domschulo auch sogar auswärts in hohem Rufe. Bischof Hermann (1096 — 1133) errichtete „eine neue Schule" c. 1120 2 ) und berief 1119 den nachmaligen berühmten Propst von Reiehersberg, Gerhoh (geb. zu Polling 1093, f 1169) als Vorstand der Schulen und Lehrer der Jugend nach Augsburg; Gerhoh zog sich aber schon im Jahre 1124 in das Kloster Baitonbuch zurück. „Nach Gerhoh", schreibt Hans, „erlöschen die Nachrichten über den Zustand der Augsburger Domschule fast gänzlich". Ob sie eingegangen oder fortbestanden, darüber liegt eben keine Nachricht vor, doch wird zum Jahre 1145 ein magister scolarium, der kein Domherr gewesen zu seiii scheint, genannt. 3 ) Ausserdem lässt sich nur die Portdauer des Amto3 eines Domscholasters oder „obersten Schulmaisters" von 1145 bis zur Vereinigung dieses Amtes mit dem Archipresbyterat, 1530, nachweisen. Eine grössere Lücke findet sich nach Hans nur von 1320—1410. 4 ) Erst im Jahre 1439 ist die Existenz der Domschule wieder bezeugt und zur Zeit des Bischofs Christoph von Stadion stand zwischen 1517 und 1522 Johann Voegclin, nachmals Lehrer der Mathematik zu Wien, derselben vor. 1588 wurde sie mit dem unterdessen gegründeten Gymnasium der Jesuiten vereinigt. 1 ) August. 824, 4° fol. 956 in der Bibliothok dos hist. Vereins für Schwaben und Neuburg. 2 ) Stottcn I, 68 nach Gasser und Stengel; Steiner, acta sei. p. 6. 3) Hans (M. B. XXXIII, 26.) a. a. 0. S. 89. 4 ) Hans nimmt die Keihonfolge der Domscholastiker nur bis i486 an. Ich finde aber bei Khamm, Hiorarchia Aug. Pars I. Cathedralis, p. G09 zum Jahre 1487 den Christoph von Schrotenstein als Scholasticus angeführt. Er starb 3 503. Zu gleicher Zeit ist bei der "Wahl Friedrichs von Zollor (1486) Conradus Harscher scholasticus genannt (Mon. B. coli, nova Vol. VII. P. II. 195; Regesta v. Lang VII, 21); auf den Reichstag zu Nürnberg (1487) begleitete den Bischof Friedrich v. Augsburg „Her Cönrat Harscher primus scholasticus" (v. Steichclo, Archiv III, 520), wie auch unter den Zeugen bei Auffindung und Ucbertragung der Reliquien des hl. Simpert (1491 und 1492) Conradus Harscher scholasticus 1* _ 4 — b. St. Ulrich hatte ohne Zweifel mit Umwandlung -des Kollegiatstiftes in ein Bencdiktinerklostcr durch Bischof Bruno 1012 auch eine innere oder Klosterschulo, wenigstens für die Novizen erhalten. 1 ) Es muss aber neben dieser auch eine äussere gehabt haben. Schon im Jahre 1295 kommt in zwei Urkunden des Klosters „her Chvnrat der Schulmaister" (unsers conventes) als Zeuge vor. 2 ) In einer Urkunde vom Jahre 1338 erscheint als Zeuge „Maistor AVernlier, der Schulmaister zo sant Ulrich" 15 ) und in einer andern vom Jahre 1339 stehen als Zeugen nach den Priestern „M. "Wcrriherus doctor scholarium, Hainricus et Johannes scolares nostri"* 1 ); ebenso ist in einer Urkunde von 1340 nach dem „her Johans von Yyschach Conuenther ze sant Ulrich" „maistor \Vornhor, Schulmaister daselb" Zeuge. 5 ) In demselben Jahre kommt er noch in einer zweiten Urkunde vor, c ) ferner in einer Urkunde des Jahres 1341. 7 ) Die Stiftung des Johann Haustetter, der Livtpriester an der Kirche des hl. Ulrich war, 1 '') bezeugt im Jahre 1362 in einem vom Abt und Prior des Conventes mit den übrigen Canonikern der Cathedralkirche genannt ist. (Mon. B. XXIV, 022 und C26. Khamm,-Hier. Aug. III, 96.) Im Jahre 1505 bekleidet ein Schiller Reuohtins, Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden das Amt eines Dömscholasters (Hans, a. a. 0. S. 92 nach Khamm, Hier. Aug. I, 61 ß. Caspar von Kaltenthal wird 1522 als scholasticus bezeichnet (Khamm, 1. c. I, CL5); auf seine Vorstellung verband Bischof Christoph von Stadion die Scholasterio mit dem Archipresbytcrat, 1530. (Braun, Geschichte der Domkircho S. 615.) Hans beginnt die Unterbrechung mit 1320. Krafto von Hydlingcn kommt aber noch 1325 als Zeuge in einer deutschen Urkunde des Klostors Stoingadon als „Schulmaister zu Augsburg" vor. (M. ß. VI, 58-1.) ] ) Hans bespricht die St. Ulrichssehulo ausführlich a. a. 0. S. 92—100. Wenn wir auch aus dem 13. Jahrhundert nur spärliche Zeugnisse für literarische Beschäftigungen im Kloster haben, so bezeugt uns doch den Fortbestand der Schule eine Jahrtagsstiftung aus dem Jahre 1225, in welcher „scholaribus tres denarii pro toroellis" bestimmt werden. 31. B. XXII, 121. z ) Mon. B. XXIV, 22 und 27. 3 ) Rogosta von Lang und Freyborg VII, 215. M. B. XXII, 290. >i M. B. XXIV, 115. 5) ib. 116. <') Mon. B. XXII, 298. ') ib. 300. 8 ) Das Kloster St. Ulrich hatte wohl das Präsentationereeht auf die Pfarrei, mussto aber einen l'farrvikar aus dem Säcularklerns aufstellen. Braun, Geschichte der Kirche und des Stiftes der Heiligen Ulrich und Afra, S. 417 u. 426. t Ci I t Ci - 5 - von St. Ulricli und Afra ausgestellten Briefe nach den Priestern und Brüdern des Convonts „Maistor Johannes vnscr Schulmaistor." 1 ) Dann finde ich erst wieder im Jahre 1431 die Erwähnung eines „Scliulmaistors", unter dem offenbar kein Mönch zu verstehen ist, Es stiftet nämlich in diesem Jahre zu St. Ulrich der „orber und Gaistlich horr Ulrich der "Widemann" einen Jahrtag und bestimmt unter anderm: „ainom Schulmaistor vier pfening daz er ze nacht mit seinen Schülern bei der vigil sey und zc morgens auch vier pfening daz er auch mit seinen Schülern bey der Scl- messe sey . . . und den zwain Messnern yeglichem zwen pfening darumb daz sie zo nacht zu der vigil lewtten". 2 ) Im Jahro 145G haben, nach AVittwcr, 7— 8jährigo Knaben die Schule bei St. Ulrich besucht. 3 ) Johann Ruch, von Oettingcn gebürtig, war zuerst Lehrer an der Schule von St. Ulrich, dann Pfarrer und zwar bereits im Jahro 14C7, in welchem Jahre er bei Legung dos ersten Steines zur Kirche 100 Goldgulden zum Kirchenbau gab. 4 ) Derselbe Pfarrer Euch bestimmte in seinem Testamente vom Jahre 1474 „die Ordnung mit dem heiligen Sakrament über die Krankon mit zwayen schülorn die singen vor dem Sakrament wann man die kranken Menschen mit dorn versieht." Es sollen jedem alle Jahr 10 Gulden gegeben werden. 5 ) Im Jahre 1471 kommen in einer Urkunde als Zeugen vor: „Die Ersamcn vnd orborn hr. Jocrg Summcrmann pfarrer zu Newkirch vnd disorzeit Schulmaislor zu Sant Ulrich zu Augspurg hr, Jocrg Schniid'zugescll zu Sant Ulrich daselbs." ü ) Im Jahro 1478, vielleicht schon 1474 war Paulus Kauffringcr „Schulmeister bei St. Ulrich." Grciff bezeichnet ihn als magister fratrum juniorum conventus Udalricani. Er war beim Einsturz der Kirche von St. Ulrich (1474) 'wunderbarer "Weise in der Kapelle S. Bartholomaei mit mehreren andern erhalten worden; später war i) Mon, B. XXIV, 189. 2) Mon. B. XXIV, 392. "') Wittwor, Oatalogus Abbatum, p. 323. ") Braun, Geschiebto des Stiftes und der Kirelio St. Ulricli, S. 447 nach Not litt. Codd. Mbs. vol. III. 5) M. B. XXIV, 570. 6) ib. 5G2. - 6 - er Vicarius St. Mauritii und starb 1532. Dass aber Kauffringer nicht etwa bloss Lehrer der Klosterschüler gewesen, darüber belehrt uns sein Grabstein in der St. Johannis-Kirche, auf welchem zu lesen ist: „Verschüncr Zeit hab ich gclcrt „Unwissent lout, dis hont begert." Wie nun Kauffringer, der Wcltpriestor war („Sacerdos religione speetatissimus", sagt die Grabschrift), nicht bloss Klostcr- schülor unterrichtete, sondern auch andere, so haben wold auch „hcrChvnrat derSchulmaister" und die Geistliclicn Ruch undSummer- mann eine beim Kloster bestehende Pfarrschulo verwaltet, wenn gleich eino solche nicht so ausdrücklich genannt ist, wie wir es bei der Schule von St. Moriz finden. Eine Pfarrschule ist um so sicherer anzunehmen, als ja auch Laien wie M. Wcrnhcr und M. Johannes als Schulmeister zu St. Ulrich genannt werden und einem solchen Bezüge in Jährtagsstiftungen ausgeworfen sind. Grciff ist denn auch der Ansicht, dass unter der lateinischen Schule bei St. Ulrich, welche in der Chronik zum Jahre 1467 erwähnt wird, schon mehr die Stadtschule gemeint ist, welche mit der Klosterschulo verbunden war, 1 ) d. h. wohl neben der Klosterschulo als Pfarrschule bestand. Mit der Vertreibung der Benediktiner im Jahre 1537 war auch ihrer Schule das Ende bereitet. c. Die Schule bei St. Moriz hat Bischof Bruno um 1019 mit seinem Bruder, dem Kaiser Heinrich zugleich mit dem Stifte errichtet. 2 ) Die erste urkundliche Nachricht findet Hans im Jahre 1150. Im Jahre 1265 kommt Ulricus Scholasticus, Canonicus Sancti Mauritii August, vor. 3 ) Urkunden der Jahre 1325 und 1326 erwähnen Luitpolt den Ulontalcr als Chorherrn und Schulmeister zu St. Moriz in Augsburg. 4 ) Dann scheint keine Nachricht mehr vorzukommen bis zum Jahre 1466. Aus diesem Jahre ist ein für die Schulen Augsburgs wichtiger Stiftungsbrief vorhanden 5 ), durch welchen sich der Dekan s ) Oreiff, handschriftliche Ergänzung S. 1. 2 ) Oreiff, Augustana, fol. auf der Stadtbibliothek in Augsburg sub No. 130. 3) M. B. XXIV, 14. 4 ) Regesta von Lang und Freyberg VII, 152 und 209. ») Oreiff, Beiträge, S, 2 u. 3. S. Hans, a. a, 0. Jahrg. 2, S. 100 u. 101, «ftK — 7 r und der Konvent von St. Moriz mit den Zechpflegern der Kirche über eine bessere Bezahlung eines Schulmeisters verständigen. Grciff teilt denselben vollständig mit. Aus diesem Stiftungsbriefe geht hervor, dass „ein Schul zu dem benanten vnnsorn Stifft zu St. Mauritzen langzeit gewesen und noch ist, die wir vnd vnser vordem allwogen mit schulmeistern versehen hat vnd noch verschen sol, darjnn denn, die wirdig pfarr vnnsers Stiffts zu sant Mauritzen kind, der lornung nach zu geen pflegen vnd aber laider die jerlich nutzung so ain Schulmaister bissher dauon gehabt hat So Main ist das die ain gelorten vnd redlichen man zu seinem stät nit wol ertragen mag darumb vnd zu zeiten vnnscr vorfarn auch wir haben schulmaister auff nemen müssen, wie wir die gehaben mochten durch die dann villeicht nit Söllichor vleiss, denn bissher hinfüro gescheen, die schul auch fürs mit gelerten vnd redlichen Schulmeistern auch die pfarrlüte vnd andre kinder so die zu suchen pflogen vnd worden pflegen, mit grosserm vloiss versehen vnd nicht vorsampt Sunder solch loblich ansehen der schul gefurdert werde." Deshalb wolle man in Zukunft zum Schulgeld, das der Schulmeister von den Schülern bekomme, noch einen besondern jährlichen Gehalt von 14 rheinischen Gulden 1 ) hinzuthun, 8 Gulden von Seite des Stifts, 6 Gulden sollen von den Zechpftegern bezaldt werden, welche dafür das Recht erhielten, bei Besetzung der Schulstello sich zu beteiligen. Diese Schule war also nicht für Mitglieder des Stiftes bestimmt, sie hatte nicht Chorherron als Lehrer, sondern von der Kirche bosoldcto, war auch keine Privatschulc, sondern eine öffentliche für die Pfarrkinder und sogar auch „andere Kinder, so die zu suchen pflegen", war also eine eigentliche Volksschule, d. Schulen bei St. Georg und bei Heilig-Kreuz erwähnt Gasser zum Jahre 1515; sie kommen auch in der Aufzählung der Schulen und Schüler aus dem Jahre 1503 vor. In diesem Jahre nämlich veranstaltete Bischof Friedrich von Zoller wegen Tcurung, heftiger Kälte und sonstigen Ueboln eine Prozession vom Dome nach St. Ulrich, an welcher auch Kaiser Friedrich nebst ] ) 14 fi. rheinisch waren um 1466 in Augsburg etwa 78 Mark heutigen Goldes. Man kaufte aber damals z. B. ein Pfund Fleisch um etwa 4—5 A, e\ni Mass "Wein um 6 A, ein Pfand Schmalz um etwa IG A, c. V12 der jetzigen Preise. Also bezog der damalige Lehrer c. 900—1000 M. heutigen Geldwertes und dazu das Schulgeld. seiner Gemahlin „nudis pedibus" teilnahm. Die Stifter und Kloster, welche sich dabei beteiligten, führt Stengel 1 ) mit folgenden Zahlen auf: Die Kanoniker und Vikarier der Domkirchc mit den Schülern 1 10; die Kanoniker und Vikarier yoii St. Moriz mit der Schule 138; der Konvent von St. Ulrich 28, die Schüler von da 78, also zusammen 10G; die Kanoniker von St. Georg mit den Schülern 66; die Kanoniker von IIoilig-Kreuz mit den Schülern 55; die Dominikaner 27; die Minoriten 20; die Karmeliter 21. Die zuletzt aufgeführten drei Bettelordcn werden ohne Schüler aufgezählt. Daraus folgt aber nicht, dass sie keine Schulen gehabt. Denn aus der Jahrtagsstiftung, welche 1450 Barbara, Hans -Gwerlichs, Bürgers zu Augsburg eheliche Wirtin zur Kirche St. Anna machte, könnte man vielleicht doch auf eine Schule bei den Karmelitern schliosson. Nach dem Stiftungsbrief hat der Prior jedem Priester 2 augsburger Pfennig und „jedem Schüler" 1 Pfennig zu geben. 2 ) Aus einer Nachricht in der Chronik lloctor Mülichs ergibt sich im Zusammenhalt mit dem ältesten Katalog der Schulmeister Augsburgs, dass im Jahre 1532 ein Philipp Zellor Schulmeister bei St. Georg gewesen. 3 ) e. Augsburg muss aber schon im 14. Jahrhundort auch noch andere Schulen gehabt haben als diese Stifts-und Klostor- schulcn. In den städtischen Baurechnungen' 1 ) steht 22. Februar 1321 unter den Ausgaben: „Item Lindawerio II lib. et XX Pfenning pro oxpensis scholarum." 5 ) Es ist das freilich die einzige Ausgabe für Schulen, die ich in diesen Baumeister -Rechnungen gefunden, die aber auf einen öffentlichen Charakter der Schulen hinweisen könnte, weil es eine städtische Ausgabe ist. In den städtischen Steuerbüchern wird, nach Hans, 1325 ein Schulhaus, 1386 „an Sant Affren Gesslin" ein Schulmeister genannt. 0 ) In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts worden in diesen - 1 ) Stengel, Commont. rer. Aug. II, 62. 2 ) Schott, Beiträge zur Geschichte des Karmeliterklosters und der Kirche St. Anna in Augsburg, Zeitschrift des hist. Vereins für Schw. u. Nbg., Jahrg. 6, S. 194. 3 ) Greiff, handschr. Ergänzung S. 8. 4 ) Die sogenannten Baurochnungen d. h. die Bücher, in welche die beiden Augsburger Bamnoister ihre für die Stadt gemachten Einnahmen und Ausgaben von dem Notar oder dessen Schüler einschreiben Hessen. "') B. Ilüffmann, die Augsburger Baumoisterrechnungen von 1320—1331. Zeitschrift des hist. Vor. f, Schw. u. Nbg., Jahrg. 5, S. 28. °) Hans a. a. 0,, Jahrgang 2, S. 102. — 9 Steuerbüchern eine Anzahl von Schulhäusern, Schulmeistern und sogar Schulmeistorinnen erwähnt. Hans hält sie für deutsche Privat schulen, in denen man hauptsächlich lesen und schreiben lernte. Und es mag auch eine solche Schule gemeint sein, wenn der Augsburger Steuereinnehmer Burkard Zink in seiner Selbstbiographie im Jahre 1462 von dem ihm 1452 gobornen Knaben schreibt: „Den ich sider gezogen han und gen schucl hau lassen gan." Eben diesen Knaben schickt er 14G2 nach Kaufbeuren zu einem Schulmeister und gibt ihn bei demselben um 7 Gulden jährlich in Kost. 1 ) Den Steuerbüchern aus jener Zeit entnimmt Grein noch folgende Angaben: 147G ist von einem Schulhof die Rede, 1478 von einem Schulhaus und einer Schulmoisterin, 1480 Schulhaus mit Schulmeister, 1483 Schulhaus (Uehorreiterin), zwischen 1480 und 1490 ein Schulhaus beim „Rotten Thor und in der Pfaffcngassc", 1491 eine Schulmoisterin Namens Berckhamorin, ebenso ein Schul- Jiaus bei Heilig-Kreuz, 1492 Schulhof (Dorothea Heissin)." 2 ) In der Bettelordnung von 1501 geschieht auch der fahrenden Schüler Erwähnung: „Ferner ist der Schuler halben angeschen worden, r ) Dazu bemerkt Haus n. a. 0. S. 102. „Es scheint also, dass os an Höheren Bildungsanstalten für die Bedürfnisse dos Bürgerständes in Augsburg damals noch fehlte", und Kaenvmcl führt in seiner „Geschiehto des deutsehen Schulwesens im Uobcrgang vom Mittelalter zur Neuzeit" 1882 dieses als die eine der ganzen zwei Thatsachon an, durch welche er seine Behauptung beweisen will, „wie traurig es im ganzen am Endo des Mittelalters mit den klerikalen Anstalten stand." Denn „die DoiMchulc in Augsburg, deren Scholastikus noch 1139 die Oberaufsicht über sämmtliehe Schulen nicht blos der Stadt, sondern der ganzen Diözese durch das Domkapitel wieder bestätigt sah, konnte 1462 geschoben lassen, dass ein Bürger der Stadt seinen Sohn zu einem Schulmeister in Kaufbeuren in Kost gab." (Kaommel, a. a. 0. S. 30 und 31.) Auffallend ist dann nur, dass nicht auch andere Augsburger Bürger ihre Söhne in auswärtige Schulen geschickt haben und dass Zink selbst von seinen andern fünf Söhnen, die doch über dio Schuljahre hinaus lebton, keinen in eine bessere Schule zu geben sich veranlasst sah. Zink selbst gibt übrigens keinen Grund an, warum er gerade diesen Knaben nacli Kaufbeuren geschickt, weder Mangel an höheren Schulen, noch den traurigen Zustand der klerikalen Anstalten. Will man einen Grund finden, so liegt os näher, ihn in dem Umstände zu suchen, dass der Knabe ein unehelicher Sohn von dem „torronden Frewiin" war, dessen sich Zink als "Wittwcr „unterwundon" hatte, ei'. Zink's Selbstbiographie in Oofeie, scripfcores rerum boiearum p. 252. 2 ) Greift auf einem beigelegten Blatte seines Handexemplars. — 10 das alle frembd Schüler hinaus geschafft werden sulln, es sy denn sach, das ir Schulmeister des glaublich anzeigen gebe, das sy erbers Wesen sein und der schul und lere treulich und mit Flciss nach- gangen." 1 ) Im Jahre 1506 unterwies Hans Mader (Fooniscca) die Knaben in der Grammatik und andern freien Künsten und wurde ihm deshalb die Steuer von seiner fahrenden Habe erlassen. 2 ) Hans sieht in ihm einen Privatlehrer wie auch in Konrad Epp, Meister Paul und Johann Pinicianus, welcher letztere 1512 in Augsburg zu lehren begann. Böschenstom kam 1514 von Ingolstadt nach Augsburg, 1519 kam er wieder und lebte dann nach nochmaliger Wanderung bis zu seinem Tode (1531) in Augsburg. Im Catalog der deutschen Schulmeister vom Jahre 15G8 in 4° wird zum Jahre 1520 Ulrich Maister, ein Schüler Kauffringers, angeführt; „er war schon 49 Jahre alt, als er, 1521, zur deutschen Schule in St. Afra öässlin kam und hielt 55 Jahre lang Schulo." 3 ) „Ihm ist durch ain Erborn Rat alliier Anno 1520 schuel zu halten vorgundt worden.'") Zum Jahre 1523 bemerkt Hainzelmann, Augsburger Chronik in 4° I. Teil: „Es liefen viele Mönche aus den Klöstern allenthalben in vielen Städten und auch hie zu Augsburg bei den Bar- füssern und St. Anna. Sic lehrten zum Teil Handwerk, zum Teil lchrnctcn sie Kinder." Zu diesen Mönchen ist auch Sigmund Salminger zu zählen, der früher Klostergeistlichcr in München gewesen war und um 1520 nach Augsburg kam. Hier wurde er gewissermasson ein Haupt der Wiedertäufer, Aviderricf aber und 1531 wurde ihm gestattet, eine deutsche Schule aufzurichten. 5 ) Im Jahre 1528 hielt sich ein Niclas Polo in Augsburg auf. Lucas Eem bemerkt in seinem Tagebuch: „n. 1528 tat ich mein Son (geb. 1522) in die Schul zu Niclas Pole, ein viertclsjar darnach in eine lateinische Schule zu Herrn Hans Schmidt und Valentin Igolhoff.'"') Auch Mädchen besuchten die Schulen, allerdings, wie es - 1 ) Hans, S. 102 aus dorn städtischen Archiv. 2 ) Ratdekretbuch ad a. 150G. 3) Greiff, Beiträge S. 14G. 4 ) Ms. in der Bibliothek dos hist. Ver. von Selvw. u. Nbg. s ) Greiff, Beiträge, S. 14G u. 147. c ) Greiff, auf einem losen Blatt zu seinen „Beiträgen", — 11 scheint, erst in später Zeit, denn die Schwägerin des Joseph On- sorgen in Augsburg schreibt im Jahre 1417 an eine Vetterin, eine geborne Augsburgerin, damals in "Worth (Donauwörth): „Ich schäme mich fast, weil ich glaube, dass ich in ganz Augsburg die einzige Frau bin, die schreiben und lesen kann und furcht, man möcht über uns lachen, dass wir einander schreiben. Denn ich glaub, dass in ganz "YVörth ausser dir nicht Eine ist, die schreiben und lesen kann. 1 )" Aber, wenn auch keine bestimmtere Nachricht vorliegt, dass die oben genannten Schulmeisterinnen Mädchenschulen gehabt haben, so muss man doch auf den Besuch der Schulen durch Mädchen aus der Notiz bei Gasscr ad a. 1539 schliossen, nach welcher der Kat, „da auch bishcro die Knaben und Mägdlein neben einander in die Teutschen Schulen gegangen, zur Vermeidung alles Acrgernisse3 solches abschaffte." 2 ) Zu 1522 schreibt Lucas Kein in seinem Tagebuch fol. 65 von seiner Tochter Anna: Luos Qiess) sie lesen und schreiben lernen 3 ) und erwähnt 1532, dass er seine Tochter Magdalena (geb. 1527) in die Schule schickte, um lesen zu lernen, „aber alain die sumer"; im März 1535 schickte er sie zu dem Mädchenschulmeister Hans Hailand „um schreiben und mehr zu lernen." 4 ) Im Jahre 1533 hat Kegina Weichsnerin, sonst die Höchtin genannt, angefangen, eine Mädchenschule zu halten. 5 ) Schon frühzeitig kommen in Augsburg Juden als Schulmeister vor. In den Augsburger Baumeisterrechnungen von 1320 bis 1331 ist a. 1320 eine Einnahme verzeichnet „a iudeo dicto schuolmaistcr". Er ist wohl, wie Iloffmann annimmt, eine und dieselbe Person mit dem in den Rechnungen für 1326 und 1330 genannten Crazer, Krazarus, Krazznrius. n ) In einem Erlass des Kaisers Ludwig von 1337 wird die Jüdin „Sprietzen die Schul- maistcrin" genannt. 7 ) !) Greiff, handschriftliche Beilage zu seinen „Beiträgen" aus dem Schriftchen: Briefe eines Frauenzimmers aus dem 15. Jahrhundert nach alten Urschriften, Augsburg 1777 v. Paul v. Stetton jun. 2 ) v. Stotten I, 355. 3) Greiff ib. S. 4. 4 ) Greiff letztes Blatt zu seinen „Beiträgen". ä ) Schulsachon Ms. in der Bibliothek des bist. Vor. f. Schw. u. Kbg. fol. S. 1G6. G ) Die augsburgor BaumeiBterrochnungon von 1320—1331 von R. Iloffmann, Zeitschrift des bist. Vor. für Scliw. u. Nbg., Jahrg.-5, 8. 15. "*) Regcsta_v. Lang VII, 172. 12 — Hatte sich clor Rat schon um 1520 dos Schulwesens angenommen und die Erlaubnis zum Schulhalten erteilt, so steigerte sich diese seine Thätigkeit in den folgenden Jahren in rascher "Weise. Luther, der schon bei seiner Anwesenheit in Augsburg im Jahre 1518 daselbst Freunde gewonnen, hatte im Jahre 1524 sein Mahnschreiben „an die Ratsherren aller Städte Deutschlands, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen", ergehen lassen. Im Jahre 1531 errichtete der Rat der Stadt zwar keine deutsche Volksschule, wohl aber die lateinische Schule bei St. Anna, nachdem er dem im Klostor wohnenden Rost der Mönche, die am alten Glauben festhielten, die Abhaltung des katholischen Gottesdienstes in der St. Annakircho untersagt hatte. 1 ) Hatte ja Luther bei seinem Mahnschreiben auch nicht deutsche Volksschulen, sondern nur lateinische Schulen im Auge, damit in denselben tüchtige Leute für den geistlichen Stand und „weltliches Regiment" gebildet würden. Als Lehrer wurden Anhänger der neuen Lehre berufen und 1534 „Scliulherren" zur Aufsicht und Leitung der Schule eingesetzt. Bald bemächtigte sich der Rat auch der Oberaufsicht über alle Schulen; im Monat August dos Jahres 1537, in welchem der Bischof, das Domkapitel und der gesammte Klerus der Stadt, welcher die neue Lehre nicht annehmen wollte, die Stadt verlassen mussten, forderte der „gewessto Bürgermeister Zimbrccht Hoscr auf Befehl des Raths alle teutschen Schulmeister vor sich und bedeutete ihnen, dass sie hinfüro unter dem Scbolarchat stehen, ohne dessen Wissen keine Neuerung anfangen und hinfüro ohne von selbigen erhaltene Erlaubniss niemand eiue Schule aufzuthun befugt sein solle." 2 ) Zugleich wurde ihnen (1537) aufgetragen, dass sie ihre Schüler nur in der lutherischen Lehre unterweisen dürften. 3 ) Im Jahre 1539 schaffte der Rat „da auch bisher die Knaben und Mägdlein nebeneinander in die Teutschen Schulen gegangen, zur Vermeidung alles Acrgcrnisses solches ab und bestellte vor jedes Geschlecht eigene Schulmeister." 4 ) Knaben und Mädchen durften !) cf. Schott, Zeitschrift des hist. Vor. für Schw. u. Nbg., Jahrg. 9, 264. 2 ) Stettcn, I, 347 nach Gasscr ad a. 1537. s } „Sub gravi poona iniungitui', ut diseipulos suos non nisi in Lutheranh, seeta, quam reformatam doctrinam vocanfc, instituant." Möhner, Annalcs Aug. I, 914 im bisehüfl. Archiv. 4 ) Stettcn, I, 355 nach Oasser ad a, 1539. - 13 — von nun an nur die vom Magistrat vorgeschriebenen Schulen besuchen und die Lehrer wurden einem strengen Examen bezüglich ihrer Lehre unterworfen. 1 ) „Hernach wurde auch eine neue Schulordnung gemachet und denen Schulmaistern gewisse Schulgelder gesetzot. Und waren damal ohne die Lateinische 24 Knaben- und 9 Mägdlein - Schulen zu Augsburg." 2 ) Ob diese 33 Schulen erst aus der Zeit von 1531 stammen oder schon vor der Reformation vorhanden gewesen, wird nirgends angegeben; erstcros ist nicht wahrscheinlich. Aus dem Befehle von 1537, dass die Schulmeister „hinfüro unter dem Scholarchat stehen," lässt sich ohne Zwang der Schluss ziehen, dass sie vorher unter dem Scholastikus gestanden, der mit dem Bischof, und dem übrigen Klerus 1537 die Stadt verlassen hatte. So erfuhr das-Schulwesen in Augsburg in kurzer Zeit eine gänzliche Umgestaltung. Dass aber auch unter dem neuen Begimcnte noch schwere Unzukömmlichkeiten vorkamen, dass unter den Schulmeistern sich sehr zweideutige Persönlichkeiten befanden, dass neben dem Schulhalten noch allerlei Nebenerwerb gesucht werden musste, wenn nicht das Schulhalten selbst als Kebencrwerbszwcig galt, darüber berichtet ausführlich Hans in seinem 2. Artikel über das Augsburger Schulwesen, in der Zeitschrift des hist. Vereins Jahrg. 4, S. 21-56. 2. ©illiisgesi.. v. Steichele schreibt im „Bistum Augsburg", III, 148: „Die erste Meldung von einem Schulmeister (rector) und von Schülern (scholaros) zu Dillingen geschieht in einer Urkunde vom 29. Mai 1382, laut welcher der Ffarrcr Johannes Guentringcr zu Dillingen für den Schulmeister und seine Schüler, welche vorher r ) Ejusclem Scnafcus mandato (1539), quo uetuit nc postliao chüuin gualiscunque sub concione antemeridiana in plateis diuagaretur, Praedicantes o cathedris publicarunt, iit posthac pucri et pucllac non nisi ad certas a Magistratu approbatas scholas mittcrentur, ludi magistri uovo pvius rigide, quae dooore uellont. exojninärenfcur. Möhnör, ib. p. 022. 2 ) Sfccfcfcon, I, 3G6 nach Ratsdekreten ad a. 13-13 und Ganser. Dasselbe berichtet Jtföhncr, Ann. august. I, 930. - 14 in der Stadt zerstreut hatten wohnen müssen, am Gottesacker bei der Pfarrkirche ein Wohnhaus baute." 1 ) Er war wohl deutscher und lateinischer Schulmeister; auf letzteres weist auch die Nebenbeschäftigung als Cantor hin, denn der Cantor, welcher den Kirchendienst besorgte, war Lehrer an der lateinischen Pfarrschulo. Als Cantor hatte ihm der Stadtpfarrcr unentgeltlich den Tisch oder eine Geldcnt3chädigung von 10 Pfd. Ilaller zu reichen, wie solches ein Spruchbrief des Bischofs Peter v. Schauenberg vom 30. Juli 1403 ausdrücklich bestätigt. In Urkunden um 1450 erscheint der damalige Schulmeister Mathias Nautor zugleich als Stadtschreiber zu Dillingen und erhielt als solcher vom Stadtrat, der ihn aufgenommen, eine Besoldung von 10 U Ilaller. Neben diesem Schulmeister, welcher der eigentliche Pfarr- und Stadtschulmeister blieb, gab es nacli Steichelo noch andere deutsche Lehrer, die Kinder in Unterricht nahmen. In Jahrtagsstiftungsbriefen jener Zeit, z. B. aus dem Jahre 1496, 1502 und mehreren andern, bei welchen eine Jahrzahl nicht angegeben ist, ist regelmässig „dem Schuolmayster" ein Betrag ausgeworfen für seine Dienste bei „Placebo, vigilj vnd selampt. 2 ) Die ganze Schuljugend erscheint 1543 versammelt als der Leichnam des in Nürnberg verstorbenen Augsburger Bischofs Christoph v. Stadion nach Dillingen gebracht wurde.' 1 ) 3. Donauwörth. Donauwörth hatte schon im 13. Jahrhundert eine Schule und einen Schulmeister; denn vom 18. Juni 1275 bis 29. April 1294 zeugt wiederholt in Urkunden Kcinhardus rector scolarium und doctor scolarium in Werde. 1 ) Beim Beginn des 14. Jahrhunderts erscheint als Zeuge in Urkunden Ilainricus de Pvol, doctor scolarium !) M. B. XXXI 7a, 5. „pro rectoris et scolarium habitacione doimim de novo edificando croxi." 2 ) Soel- od. Jahrtagsbuch im grossen Kloster der Franziskanerinnen in Dillingen. •i) P. PI. Braun, Geschichte der Bischöfe von Augsburg, III, 353. J) v. Steichule, a. a. O. III, 826 nach Urkunden in München; M. B. XXVII, 68; Reinhardts doctor püerorum in Werdea, a. 1281. ib. XXVII, 71 und XXXIII a, 171: Reinhardüs rector scolarium (Verdens!») a. 1295. Reg. v. Lang, IV, 561: „R. doctor scolarium in "Werde." — 15 ~A in "Werde, 1307, und als „Hainrich von Powl, schulmaister zu "Werde", 1318. Der Schulmeister hatte bis in das 16. Jahrhundert mit einem Cantor und mit seinen Schülern die Pfarrkirche alle Sonn- und "Werktage nach altem Herkommen mit Singen zu versehen. 1 ) Durch einen Brand des Rathauses im Jahre 1317 und wieder im Jahre 1366 wurden die meisten Urkunden dos „Steins", wie das Bricfgewölbo der Stadt genannt wurde, vernichtet; vieles wurde 1458 wahrscheinlich von Herzog Heinrich dem Roiehen von Landshut mitgenommen. Die Fortdauer der Schule ergibt sich aber aus der Stiftung, welche der Bauführer der St. Johanniskirche Otto Vetter im Jahre 1425 machte. „Es solle bei vnsor Lieben frawen pfarrkürchen von Schuclcrn das salue Regina täglich Abents gesungen werden." 2 ) Aus der Chronik des P. Georg Beck, Priors des Klosters Hcilig-Kreuz in Donauwörth, ersehen wir, dass bei der im Jahre 1495 von einem reichen Nürnberger Inwohner, Bernhard Zoll, gestifteten monatlichen Prozession mit dem Hochwürdigsten Gut „alle priester, Schuolmeistor, Sänger, Organist und Mesner ihre gewohnliche presentz hatten." 11 ) Bei Aenderung der Religion im Jahre 1545 und im völligen Abfall a. 1552 ist nicht bloss von einem eigenen Rector und Cantor, sondern auch von mehreren „t cu t s ch o n S c hu 1 m e i s t e r 11 die Rede.' 1 ) Die Kinder von Donauwörth hatten somit ausreichende Gelegenheit, etwas zu lernen. 4. Feiaclitw&ng-eii. Das uralte Benediktinorklostor Feucht wangen hatte sich schon frühzeitig in ein Cliorherrnstift für W r eltpriester umgewandelt. Die älteste Nachricht über Fouchtwangen als Stift enthält eine Urkunde vom Jahre 1197. Das Stift hatte einen Scholastikus, welcher mit Leitung der Schule und mit Aufsicht und Gewalt über die studierenden Stiftsherrn, den Schulrcctor und die Schüler betraut war. Den rector scolarium hatte er dem Kapitel zu präsentieren. 5 ) ] ) v. Steicholo, Bistum Augsburg III, 826. ") Bock, handschriftliche Chronik in dor Bibliothek zu Mayhingen, Bl. 95a. :i j Beck, Bl. 93 b. ') Beck, Bl. 1-16. Als Gehalt werden bestimmt, „dem Rectori 133 fl. ohne das holtz, dem Cantori 60 11., einem ieden teutschen Schulniaister 7 fl." 5 ) v. Sfceichele, das Bistum Augsburg III, 359. - 16 - In einem Vergleich zwischen dorn Domkapitel von Augsburg und einem Grafen von Oettingen im Jahre 1225 ist Magister Marquardus de Fvtvvanch scolastikus Schiedsrichter. 1 ) Jacobi zählt die Scholastiker von 1371—1525 auf. 2 ) Es war aber der treukatholische Stiftsherr Christoph Goldochs noch bis zu seinem Tode, 1554, Scholasticus. Ob mit der Stiftsschule auch eine äussere Schule verbunden war, darüber findet sich keine Nachricht. Doch hatte Feuchtwangen schon frühe eine vollständige Lateinschule mit 'S Klassen, in welchen im Deutschen und Lateinischen, im Lesen und Schreiben unterrichtet wurde. Als ersten Rector seit der Reformation nennt Jacobi den Magister Johann Rottendörfer 1529. Der Rat, welchen Luther 1528 dem Markgrafen Georg gegeben, die Stiftungen zur Errichtung von Schulen zu verwenden, war damals noch nicht befolgt worden, denn der Kurfürst neigte sich wieder zur Partei des Kaisers/ 1 ) Der älteste deutsche Schullohrer, den die Stadt 155G anstellte, hiess Hans Heller.' 1 ) Das Kollogiat- stift aber wurde 15G3 auf Befehl des Markgrafen Georg aufgelöst und dessen reiche Güter eingezogen, obwohl das Stift seit 1554 vollständig protestantisiert war. 5. Ftisseia. Eine Schule im Kloster St. Mang zu Füssen bestand schon Endo des 10. Jahrhunderts. Wir wissen, dass der bekannte wandernde Schulmann Froumund aus Tegernsee sich im Jahre 900 längere Zeit im Kloster St. Mang aufgehalten. 5 ) Mit dem Kloster, Avelchem die Pfarrei einverleibt wurde, war auch eine Schule verbunden, welche, wie aus einer späteren Nachricht geschlossen werden muss, von den Kindern der Stadt besucht wurde. 1 ) Materialien zur Octtingisehcn Geschichte II, 217. 2 ) Jacobi, Geschichte der Stadt und dos ehemaligen Stiftes Feuoht- wangen, S. 213. 3) Jacobi 1. c. S. G5, 71. ') Jacobi 1. c. S. 9(>. 5 ) Braun'; Geschichte der Bischöfe von Augsburg I, J 15 nach Pez tlifsiur. anced. Tom. VI. öol 158. Ejüsdeni epkit. ad abbat. Gozbert. — 17 — In einer Schenkungsurkunde vom Jahre 1265 kommt als letzter Zeuge vor: Eberhard Scholar. 1 ) In dem Jahrtage dos Berthold Iloess vom Jahre 1359 kommen Beziige für „Messner und Praeceptor" vor. 2 ) Abt Luiprand (1359—1371) stiftete noch hei Lebzeiten einen Jahrtag, welcher nach dessen Ableben vom Convent a. 1378 beurkundet wird. Nach dieser Stiftung sind „ainem Schulmaister von im selb vnd von den Schülern zween Schilling phening vnd ainem Messner ain Schilling phening" bestimmt. 3 ) Dieser Schulmeister war aber nicht ein Mitglied des Klosters, denn er hatte ein eigenes Haus in der Stadt, wie aus dem nämlichen Stiftungsbrief hervorgeht, da der Abt das Stift auf die Zinsen anwies, „die er geliebt hat vzz Jacoben dez Schulmaistcrs hus in der Stat ze Füzzen gelegen, nahen pei dem Lochtor vnd stozzt ainhalb an Paulsen des smids hus." Um 1401 stiftet Pfarrer Konrad Praus Yigil und Seclen- amt, welches der Pfarrer zu Füssen in Beisein des Pracccptors und seiner Schüler abhalten soll.' 1 ) Eine Urkunde aus dem Jahre 1461 gibt interessanten Aufschluss über die Anstellung und Entlassung, über die Pflichten und die Bezüge des Schulmeisters in Füssen, die ich wegen der Seltenheit solcher Urkunden in der Beilage I folgen lasse. Der Schulmeister hatte auch den Cantordienst nicht bloss in der Kirche zu versehen-, sondern durfte sich auch, wenn er ersucht wurde, nicht weigern, die Leichen unter üblichem Gesang auf den neuen Gottesacker zu begleiten, der a. 1528 in dieYorstadt zur Kirche der hl. Sebastian war verlegt worden. 5 ) An Sonntagen mittags musste er in der Kirche zu Unserer lieben Frau am Berge das Salve Ilegina mit seinen Schülern singen. 1 ) Klosterarchiv (in der fürstl. •wallorstoinischen Bibliothek zu Mayhingen) Lade 96, A. No. 1. Ich entnehme diese und die folgenden Angaben dem handschriftlichen Nachlasse de» verstorbenen" AügsburgerDomdekans v. Grate, welcher für eine Geschichte des Klosters St. Mang in Füssen reichhaltige Materialien gesammelt hat, und citiero nach dessen Urkuiulenabscliriften. 2 ) iireviarium Archivi Fauc. I, 725. •'') Urkunde im Klosterarchiv (Lade 95, K. 2) und im fürstbisehöHieben Archiv inDilingen: eine beglaubigte Abschrift im »Stadtarchiv zu Füssen. Is'o. 99 b. *) Urkunde (Archiv-Lade 95, Tl. Wo. 9.) fl ) Die bischöfliche Genehmigung über diese Gottesaekerverlogung im Füssener Stadt-Archiv, 2 18 Zu diesem Klosterschulmoistor giongen die Kinder der Stadt in die Schule und er genügte bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im Jahre 1578 aber begehrte und erhielt der Stadtrat zu Füssen vom Abte des Klosters ausser diesem einen eigenen Schulmeister für den Unterricht in der lateinischen und deutschen Sprache, weil der Klostcrschulmeistor allein dem Unterricht der zahlreichen Jugend nicht mehr gewachsen sei. Im Jahre 1633 hatte die Stadt zwei deutsche Schulmeister. ! ) 4- 6. Günzburg. Das Vorhandensein einer Schule in (Hinzbürg in der zweiten Jlälfte des 14., während des 15. und bei dem Beginne des 16. Jahrhunderts bestätigen die Jahrtagsstiftungen, welche das auf Pergament geschriebene Saalbuch der St. Martins Stadtpfarrkirche zu Günzburg, angelegt im Jahre 1412, enthält. Die Jahrtags- stiftungen aus den Jahren 1385, 1400, 1408, 1415, 1434 und eine grosse Anzahl anderer bestimmen dem „Schulmaister" in der Kegel für eine gesungene Vigil und zwei Seelmesscn wie dem Pfarrer 1 ß (Schilling). Noch 1516 stiftete „her niclaus wagner copplan ain ewigen jartag" und bestimmt „dem Schulmaister VIII /?." Im Jahrtage von 1415 kommt der Name des Schulmeisters Wagner vor. 2 ) 7. Grunuelfingen. Gundelfingen hatte schon am Ende des 13. Jahrhunderts einen Schulmeister, denn in einer Schenkungsurkunde Sibotto's von Gundelfingen an das Kloster Kaisheim vom Jahre 1296 ist „Otto doctor puerorum in Gundelfingen" Zeuge.") In Jahrtagsstiftungs- brieferi, die allerdings keine Jahrzahl enthalten, aber jedenfalls vor die Zeit der Kirchenspaltung fallen, wie aus der Anzahl von 8 Priestern geschlossen werden muss, geschieht des „Schuelmeistcrs" und des 1) Brcviarium Archivi Fauc. 2 ) Mitteilung- des II. Städtpfarrera Magnus Reindl in Günzburg. 3 ) v. Raiser, urkundliche Geschichte der Stadt Lauingcu, S. 48. A. Gl. I — 19 - Organisten Erwähnung. 1 ) Das Testament der „witib mit namen felicitas Oiengorin", im Jahre 1512 zu Echenbrunn errichtet, nennt als Zeugen den „wolgelertcn Ersamen vnd frumen Maister Gilgen Harscher Schulmaister zu Gundclfmgen", der wie die beiden andern Zeugen, Priester war. 2 ) <\r 8. Hochstiidt a. D. Pfarrakten aus dem 15. oder 16. Jahrhundert sind nicht mehr vorhanden; sie wurden nach Gailhofcr, wie die aller Pfarreien der Dekanate Ilöchstädt, Donauwörth und Lauingen durch die Schweden vernichtet. Das Stadtarchiv aber besitzt noch ziemlich viele Urkunden, die auch das Yorhandcnsein einer Stadtschule bezeugen. In einem Zinabrief vom Jahre 1469 nämlich ist der „Schulmaistor Hans Bild", genannt, violleicht der Vater des 1481 in Ilöchstädt gebornen Vitus Bild, der als Benediktiner von St. Ulrich in Augsburg durch seine Gelehrsamkeit sich auszeichnete. Auch der im Jahre 1511 in Ilöchstädt geborne Basilius Johannes Herold verlegte sich in seiner Jugend auf die niederen Schulen. 3 ) Als der Leichnam des im Jahre 1543 während des Reichstages in Nürnberg verstorbenen Augsburger Bischofs Christoph von Stadion nach Dilliugen verbracht wurde, empfiengon denselben, wie in Donauwörth, so auch in Ilöchstädt, der Magistrat und die Schüler. 4 ) 9. Iinmenstadt. Hier ist eine Schule nach 1580 öfters dokumentiert. In einer alten Urkunde, deren Jahr nicht angegeben werden kann, wird der Schulmeister genannt. Für weitere Nachweise fehlen die Aktenstücke, da das Pfarrarchiv bei zweimaligem Brande des Pfarr- hofes zu Grunde gegangen ist. 5 ) x ) Pfärrai'cniv. 2 ) Stadtarchiv Lauingen, Fach „Testamente". 3 ) Strobl, Gesch. ü. Bcschr. der Stadt Ilöchstädt, Ms. im Stadtarchiv. *) Braun, Gesch. der Bischöfe, III, 353. 5 ) Nach Mitteilung des H. Stadtpfarrers Lederic in Immenstadt. 2* - 20 - 10. Kaufbeuren. Kaufb euren wird von Kacmmel als eine jener Städte genannt, die nebst Memmingen, Augsburg und Nördlingen vor andern in Betreff des Schulwesens der Betrachtung wert sei. „Es erfreut sich schon im 12. Jahrhundert einer gefeierten und viel besuchten Schule, falls, wie ich glaube," schreibt Baumann, „Schilt- buirron mit dieser Stadt identisch ist."') Es lehrte damals Mangold, der Kaplan Vfelfs VI. Aber die Schule zerfiel, als Mangold in's Stift Steingaden eintrat. Die nächste Nachricht, welche auf das Vorhandensein einer Schule schliesscn lässt, findet sich erst im Jahre 1322, wo in einer Stiftungsurkundo „dem Schüler" des Kaplans am hl. Geist-Spital "zu Kaufbeuren jährlich 1 Pfennig (vielleicht für Dienstleistungen als Ministraut) zugeschriobon wird. 2 ) Vfalther der Schulmeister, Burger zu Bürun erscheint als Zeuge in Urkunden vom Jahre 1331 3 ) und 1337. 4 ) Für einen Herrn Vfalther hatte das Kloster in Kaufbeuren im 14. Jahrhundert einen Jahrtag abzuhalten. „Hie Walthcr fuit sacerdos" wird beigefügt und er ist vielleicht der „Magister Waltherus rector puerorum", der an einer Stolle des Nccrologs des Spitals vorkommt. 8 ) Wieder ist Zeuge einer Stiftung an das Spital im Jahre 1368 Hans Baiser, Schulmeister zu Beurn. c ) Im Jahre 1422 war Georg Pruggschlegel, der sieben freien Künste Baccalaurcus, Schulmeister in Kaufbeuren. 7 ) Ein Schulmeister und Stadtschreiber zu Kaufbeuren fortigte 1426 die Uebersetzung w r ) Baumann, Geschichte des Allgäue I, 570. 2 ) Reg. Arch. publ. vol. II, fol. 80. "Wolfgang Ludwig Hörmann von und zu Gutenberg, Sammlung der vornehmsten Merkwürdigkeiten u. Geschichten der Reichsstadt Kaufbeuren I, fol. 42 Ms. Ich verdanke diese und noch folgende Mitteilungen über Kaufbeuren der Güte dos Herrn Lehrers Jos. Troll in Kaufbeuren. 3) v. Hörmann I fol. U (Mittig. d. II. Troll.) 4 ) Doeum. Kaufb. fol. 135 (Mitteilung dos Herrn Troll.) 5 ) lloeynck, Geschichte dos Frauenklosters in Kaufbeuren. 8) Acta Kaufb. vol. IV. fol. Y. Ms. v. Hoermann I fol. 88 und 80. Mitteilung des Herrn Troll.) ?) v. Hoermann I fol. 117 (.U'ttlg. d. H. Troll.) *- - 21 t 1 von 3 Urkunden aus der frühesten Zeit des Klosters Irsee. 1 ) Joli. Betz wurde 1436 zu einem Schulmeister in Kauf beuron angenommen. 2 ) Jahrtagsstiftungen aus den Jahren 1443, 1444, 1449, 1497 erwähnen immer auch des „Schulmeisters." 3 ) Dass auch zwischen 1449 und 1497 in Kaufbeuren Schule gehalten wurde, dafür liegen zwar keine städtischen Urkunden vor, aber wir erfahren es aus Zink's Selbstbiographie, welcher 14C2 seinen Sohn nach Kaufbeuren zu einem Schulmeister schickte. Als Kaiser Friedrich III. am 19. Juli 1484 die Stadt besuchte, zogen ihm auch die Schüler mit brennenden Kerzen nach Obcrbeurcn entgegen.' 1 ) 1497 vermacht Lorenz Hanold dem Pfarrer in Kaufbeuren mehrere Bücher, darunter eine lateinische Pergamentbibel, wofür der Pfarrer alle Samstag in den Quatemperwochen „den Schulmeister mit seinen Schülern ein Amt singen" lassen solle/') Nach dem Yerwaltungsberichte der Stadt Kaufbeuren") hatte die Stadt vom Anfange des 14. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts lediglich lateinische Schulmeister. In der Fasten des Jahres 1499 wurde Alexander Pichler, genannt Gutknecht, gegen ein jährliches Salarium von 8 Gulden zu einem Organisten bei St. Martin u. desgl. zu einem deutschen Schulhalter angenommen mit dem Versprechen, dass man keinem andern erlauben wolle, neben ihm Schule zu halten; dagegen dürfe auch er dem Stadtschreiber mit Fertigen von Briefen und Schreiben keine Konkurrenz machen. 7 ) Es müssen aber schon mehr als Ein Lehrer gewirkt haben, denn als im Jahre 1543 die Schwenkfeldianer im Bat die Oberhand gewonnen hatten 8 ) und Burkhardt Schilling als erster Prä- ! ) Lünig, spieilog. Ecel. III, 318 bei Brunnor, die Markgrafen v. Ronsberg, S. 26. Es war dies vielleicht Ulrich Mauser, bis dahin Schulmeister und Stadtschroiber in Loutkirch, der am Samstag vor Judica a. 142G als Stadtsehreiber in Kaufbeuren war angestellt worden. Docum. Kaufb. fol. SOS. v. Iloermann I fol. 155 (Mittig. d. IL Troll.) 2 ) v. Iloermann I fol. 177. (Mittl. d. H. Troll.) 3 ) Hoeynck, a. a. O. S. 70. *) Stadtarchiv, (Mittig. d. H. Troll.) 5) Hoeynck, a. a. O. S. 70 A. «) 1874 u. 1875, S. 4. 7 ) Acta Kaufb. Ms. vol. III. f. d. v. Hörmann I fol. 368. (Mittig. d. II. Troll.) 8 ) Bis dahin war noch keine Glaubensänderung eingetreten —, der kath. Pfarrer Usser zog erst am 17. Okt. 1544 aus der Stadt, bekam aber noch einen Nachfolger an Hans Anwanderer, der bis 2. Februar 1545 amtierte. (Hoeynck, a. a. 0, S. 81.) I — 22 — dikant gewählt worden war, „gingen dio bisherigen Lehrer an den Schulen teils freiwillig, teils erhielten sie Urlaub (der zu joner Zeit für Entlassung übl. Ausdruck.)" 1 ) Uebrigens dürfen wir aus dem Umstände, dass die Klosterfrauen in Kaufbeuren, die meist Bürgerstöchter der Stadt waren und im Kloster sich nicht mit Unterricht, sondern mit Handarbeit beschäftigten, das vollständige Breviergcbet, nämlich die Marianischen Tagzeiten beton musston und auch eine deutsche Tischlesung hatten, 2 ) den Schluss ziehen, dass doch auch schon vor dem Jahre 1499 Unterricht nicht bloss im Lateinisch-, sondern auch im Deutschlcson erteilt worden ist. Dass auch Mädchen die Schulen besuchten, ist aus dem Jahro 1543 nachweisbar. Denn dem in diesem Jahre angestellten deutschen Schulmeister Lconhard Merz wurde genehmigt, dass er ausser der von der Stadt bewilligten Besoldung von jährlich 6 fl., freier Wohnung und vier Puder Holz alle Vierteljahre 5 Schilling Hallcr von jedem „Knäblein oder Mägdlein" als Schulgeld erheben dürfe. 3 ) -k>- 11. Kempten. Für Kempten ist eine grosso Anzahl historischer "Werke vorhanden, von denen ich leider nur Ilaggcnmüller benutzen konnte, um wenigstens das Vorhandensein hinreichender Gelegenheit zum Unterricht zu constaticron. Eine Tegernscer Geschichte berichtet, dass Abt Eberhard von Ottenbeuren (um 1050) seine Bildung der „wohloingerichtetcn Schule" zu Kempten zu verdanken hatte. 4 ) Im Bonediktinorkloster St. Lorenz ausserhalb der Stadt wurde sowohl für die Kleriker des Klosters als auch für dio Knaben der Stadt Schule gehalten. Der Abt besetzte die Schule mit einem Schulmeister; als solche i) Verwaltungsbericht für 1874 u. 1875 S. 20. 2 ) „Bei Tisch, wo Stillschweigen herrscht, soll ein letzge (Lektion) uss bowiirter geschrifft den Kindern (Klosterfrauen) zu trost gelesen worden." Statut des Provinzialvikars und Visitators der oberdeutschen Ordonsprovinz Johannes Alphart vom Jahre 1487 bei Hoeynck a. a. 0. S. 88. Auch die Ritter u. Frauen in Ettal hatten gemeinsame Tisehlesung. „Man sol In öeh ob Tische teutsch lesen, dnz gütlich sei." Statuta coonobii Etal. a. 1332. M. B. VII, 239, 3 ) Vorwaltungsboricht 1874 u. 1875, S, 4, . 4 ) Schönchen in BaYaria II, 940, <» - 23 - - ■■>■ , A. :l ) M. B. X, 70. ') M. B. Vlil, 330. "') Bochaiinb, Chronik von Wuilheiin S. 77. 46 Weilhoim vor J 500 zwei Schulmeister. 1 ) Später scheint sich diese Zahl vermehrt zu haben, denn die Stadtkammerrechnung von 1538 verzeichnet als Ausgabe „an sant Luciontag ze nachts dem Schuoimaister vnd seinen Gesellen wie sy mit dem Stern herumb gangen 2 Schilling Pfennig." In der Stadtkammerrechnung vom Jahre 1522 und ebenso in folgenden Jahren kommt eine Ausgabe für den „Schuelmaister" vor „all kottemor VI /?" Pf. Dazu hatte er für die Besorgung des Chors in der Spitalkirche eine „doppelte Pfründe." 1618 ist in Weilhoim auch ein lateinischer Schulmeister erwähnt neben dem deutschen; er war zugleich Organist wie der deutsche Schulmeister Kantor war. 2 ) 34. Welssenhos*n. Bei Beginn dos 15. Jahrhunderts hatte auch Wcissenhorn schon seine Schule. Im Stadtpfarrarchiv liegt die 1592 vidimierte Abschrift eines Jahrtagsvcrzeichnisscs; ein Stiftungsjahr ist bei einem grossen Teil der Jahrtago nicht angegeben, bei andern fällt es in das 15. und den Anfang des 16. Jahrhunderts. Fast ausnahmslos sind sowohl bei den unbekannten als den bekannten Stiftungsjahren die Bezüge für „parochus, sacellani, scolasticus, aedituus" verzeichnet. Mit dem Ausdruck „scolasticus" wechselt der Ausdruck „rector scholae" in den Stiftungsbriefen aus den Jahren 1477, 1486, 1507, 1508, 1513, dann wieder 1582 und 1584. In den deutschen Verzeichnissen aus späterer Zeit tritt an die Stelle des „scolasticus" der „Schuohlmaistcr." Dieser scolasticus muss Avohl deutsche Schule gehalten haben, denn als das Schulhaus an der Stadtmauer, in welchem auch der Inhaber des 1301 gestifteten Frühmessboncfiziums wohnte, 1590 baufällig wurde, trennte man die "Wohnung des Frühmessbenefiziaten von der Schule und übertrug ihm, wie es scheint, den lateinischen Unterricht. 4 J ) Im Jahre 1508 verzeichnen die Hausreohnungon von Tegernsce LVI dn. quatuor seolaribua ex Weilhoim et alüs duobus viria. itom XL1I dn. quatnor scolaribus cantoribus ex "VVoylhaini. Günthncr, Geschichte der lit. Anstalten in Bayern, II, 71 und 72. 2 ) Mitteilung des II. Spital-Curaten Schmidtner in Weilhoim. — 47 - Das neue Haus sollte nämlich „grössser gebaut und hergerichtet werden für einen lateinischen Schuelmaistcr und Kantoren, welche die Jugend in frcyon Künsten untcrweysen und der Kirche mitSiugen vorstehen; sollen sie beide oder da einer beide Acmbter versieht, drin hausen und wohnen." 1 ) 4 25. Wertingen. Ein Jahr des erstmaligen Vorkommens einer Schule in "Wertingen, welches bei Erneuerung des Frühmessbonefiziums a. 1467 als „Marckht - ', 1592 ab oppidum bezeichnet wird, lässt sich nicht angeben. Unter den Pfarr-Akten findet sich ein „Ilailgenbuch Sant Martin de anno 1573, das in diesem Jahre 1573 erneuert wurde und sich stets auf ein älteres bezieht, für welches leider eine Jahrzahl nicht angegeben ist. In diesem „Ilailgenbuch" nun sind nach den Bezügen für Pfarrer, Frühmesser, Kaplan und Messner S. 83 auch für den Schulmeistor solche bei 3 Jahrtagen verzeichnet, die alle 3 dem „alten Ilcgister" entnommen sind. Aus dem Jahre 15G1 existiert in den Pfarrakten die „Confirmation yber die Addition von der Pfarr Gottmannshoven zur U. Fr. Messe und zur Schucll zu AVertingen." Da nämlich der Kaplan in Wertingen auf seiner Pfründe nicht leben konnte und die Schule, welche in Wertingen bestand, wogen mangelnder Subsistenzmittel bis dahin unbesetzt geblieben war 2 J, erhielten Pfründe und Schule mit Zustimmung des damaligen Pfarrers Sebastian Steinling von Grottmannshofen Zuschüsse aus den sehr reichen Einkünften dieser Pfarrei. Auf das frühere Vorhandensein eines Schulmeisters weist der am Schlüsse der Con- firmatio berührte Fall hin, „quod dieta schola ludimoderatorc itorum des titueretur." 1 ) Mitteilungen (loa H. Stadtpfarrers Joseph Holl in Weissenhorn. 2 ) „sitque praeteroa ibidem ("Wortiugcii) Schola quao ob subsidia tem- pöralia-Ludimoderatore hactenus remansit destitüta". Confirmationsbrief de a. 1561 im Bfarrarcbiv Wertingen. II. Schulen in Maerkten und Docrfern. Sind dio Nachrichten über das Schulwesen schon in Städten unzulänglich, so noch viel mehr in Märkton, und in Dörfern fohlen sie fast gänzlich. Die Diöceso Augsburg zählt jetzt über 50 Märkte. Von etwa 30 derselben liegen mir überhaupt keine Nachrichten vor; von 11 die Mitteilung, dass sich keine Aktenstücke vorfinden; nur in 7 Märkten lassen sich Schulen vor der Reformation urkundlich nachweisen, in weiteren 6 mit grösserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit vermuten. 1. Bayer diessen hatte ein Kloster regulierter Chorherren. Ein „Chuonradus Scholasticus" von Diessen bezeugt eine Schenkung im Jahre c. 1242. 1 ) Um diese Zeit — das Jahr kann nicht angegeben werden — lehrten in Diessen Heinrich Späth, Heinrich, ein Subdiakon, ein anderer Heinrich. Um das Jahr 1290 erscheint Berthold, ein Weltpriester, als Lehrer. 2 ) Ob mit der Klosterschulo schon früher auch eine Marktschule verbunden war, ist weiter nicht berichtet. Lipowsky nimmt das Bestehen einer Trivialschule (Elementarschule) um 1493 an und nennt einen Lehrer Loonhard. 3 ) In den Hausrechnungen von Tegernsec sind in demselben Jahre „XXXII du. uni Scolari qui petit pro religionc, de Diessen" verzeichnet. 1 ) 2. Der Markt Ilolrenwart, der jetzt 1718 Seelen zählt, muss schon sehr frühzeitig eine Schule gehabt haben. Belege hiefür * i) M. B. VIII, 119. 2 3 Grünthner, Geschichte der lit. Anstalten in Bayern I, 223 nach Oefele II, G70, 677, 654, 650. :i ) Lipowsky, Geschichte der Schulen in Bayern, 8. 165. *) Günthner a. a. O. II, 71. 49 — :$ finden sich, da ein Teil der Urkunden durch Feuer um das Jahr 1230, ein anderer 1516 zu Grunde gegangen ist, zuerst aus dem Jahre 1373. In den Mdnumemta Hohenwartensia steht a. 1373 unter den Obliegenheiten des Pfarrers von Hohcnwart: „Ez sol ein iodlich pfarrer ein gesellen haben vnd einen schuler, da mit gotz-dienst volpracht wird." 1 ) Erst im Jahre 1499 findet sich wieder ein Zeugnis für den Fortbcstand der Schule. In diesem Jahre stiften nämlich 2 Bürger von Hohcnwart unter Goelsch, Dcchant und Pfarrer zu Hohcnwart, einen Jahrtag „mit 4 Priestern mit den schildern vnd schulmaystcr daselbs die da zw den morgen sullon singen Ein vigill Solampt vnd losen drey gesprochen mess." 2 ) Als Papst Clemens yil. im Jahre 1523 die Pfarrei llohenwart mit dem Klostor uniorte, wurde der Aebtissin die Verpflichtung auferlogt, „einen Helfer und einen Schulmeister" zu halten 3 ). Johann Winkler, ehemaliger Chorherr zu St. Moriz in Augsburg, stiftete 1525 das Ilciliggeist-Spital in Hohcnwart mit einem Jahrtag, in welchem auch „einem Schulmeister daselbst" ein bestimmter Botrag ausgesetzt ist. Weiter bestätigt uns das Vorhandensein einer Schule die Stiftung eines „Tencbrae" für alle Freitage, wofür „ein joder Schulmaystcr und die Schüler so zu jeder Zeit daselbst soynd," eigens bezahlt worden. Lehrer- und Messnor-Dienst waren von einander getrennt; denn sowohl in dieser letzten Stiftung, für welche kein Jahr angegeben ist, wie auch in denen von 1523 und 1525 sind für Schulmeister und Messner getrennte Beträge bestimmt. 4 ) 3. Die Existenz einer Schule in Inchonhofon (St. Loon- hard), das jetzt 1055 Seelen hat, ist durch ein einziges Zeugnis bestätigt. Ein Yerkaufsbricf vom Jahre 1500 nämlich führt als Zeugen auf: „Joannes Angcrmair der zeit schulmaystcr zu sanet Leonhard." 5 ) Dasselbe gilt von ' 4. Murnau mit 1957 Seelen. Eine Schenkungsurkunde vom Jahre 1489 bezeugt „AVolfgang Loitncr, Schulmayster zu Murnau."") Und in einer Stiftungsurkundc von 8. 95. i) M. B. XVII. 137. 2 ) ib. 250. s ) Eborlo, das Wichtigste über Klostor und Markt Hohenwarfc. Ms. 1816, *) Eborlo, a. a. 0., S. 283 u. 284. B ) M. B. XXII, 630. s °) S. Baumann, Geschichte des Marktes Murnau, S. 52. Urkunde im mag'istratischcn Archiv. ± — 50 — 5. Sohwabmünchon wird im Jahre 1522 ein „messner und schulmayster zu Schwabmenchingen" erwähnt, Namens „Lienhart Stengli."*) 6. DasPfarr-Archiv Sonthofen besitzt ein auf Pergament geschriebenes Calendarium, in welchem die auf den Tag fallenden Jahrtage verzeichnet sind und dann 22 Blätter folgen, welche die Stiftungsbriefo selbst enthalten. In diesen Jahrtags-Stiftungsbriefen ist aber nicht ein einzigcsmal von einem Schulmeister die Rede, wohl aber häufig vom Messner. Gleichwohl hatte Sonthofen seine Schule. Denn unter den Zeugen dieser Stiftungsbriefe erscheinen schon im Jahre 1434 a ) und wiederum in einem andern ohne Jahr- zahP) „Johannes schulmayster"; ferner in einer Jahrtagsstiftung ohne Jahrzahl 1 ) und einer solchen aus dem Jahre 1477 5 ) „peter schulmayster", dessen voller Name nach einem Stiftungsbriefe vom Jahre 1472 „peter Jäger schulmayster" war.") 7. In dem Seelbuch von Ziometshausen aus dem Jahre 1594 und einem zweiten mit dem Wortlaute des ersten aufs genaueste übereinstimmenden aus dem Jahre 1599 finden sich bei Jahrtagen von 1470, 1480, 1481 und 1498 die entsprechenden Beträge für den „Schulmayster." 7 ) Man darf mit Schönchen 8 ) wohl annehmen, wenn gleich alle Urkunden fehlen,-dass in Ottobeuren von altersher neben der Klosterschule auch eine äussere oder Marktschulo bestand, während in dem 1453 durch Kaiser Pricdrich III. zum Markte erhobenen Oberdorf bei Biessonhofon der erste, dem Namen nach bekannte Schullehrer Georg "VViodcmann erst 1621 —1665 vorkommt. Aber er war wohl, wie Baumann sagt, 0 ) nicht der erste Schullehrer überhaupt, sondern nur der erste, dessen Name auf uns gekommen ist. Denn ein Oantor findet sich schon 1584 und zwar neben dem J ) Mitteilung des H. Domkapitulara und Dompfurrers Franz Anton Kaufmann in Augsburg. 2 ) Calend. 151. 8b. 3) ib. Bl. IIa. *) ib. Bl. 8a. 5 ) ib. Bl. 8a. 6) ib. Bl. 16a. 7 ) Mitteilung des H. Pfarrers Craraer in Ziemetsliausen. 8 ) Bav. II, 373. !l ) Baumann, der Markt Oberdorf, S. 284. - 51 r Messner; 1 ) und die Gantoren hatten zugleich die Schulmeistere! zu besorgen. Aeltero Akten sind aber nicht mehr vorhanden, da sie 1633 beim Uobcrfall der Schweden samt dem Pfarrhofe vorbrannten. Und dieses Schicksal teilten mit dem Pfarrhofe, zu Oberdorf noch gar viele andere Pfarrhöfe, geradehin Schwaben. Bei andern Märkten lässt sich die Existenz einer Schule im 15. Jahrhundert ^zwar nicht~urkundlick nachweisen, aber doch nicht ohne Grund vormuten. In dem „Bogistrum' conscriptum et renovatum" continens omnes proventus sou fruetus parochiae Aysslinganae" 2 ) anno 1583 ist in den Jahrtagon immer auch der Betrag für den „aedituus" angegeben. Die meisten dieserj Jahrtago haben keine .Jahrzahl, einer trägt die Zahl 4. 89. Aus dem Jahre 1581 stammt eine Anweisung über das Sammeln des Zohents, „wie ein yogkleher pfarr- herr nach alter gwonhoytt sampt dem aedituo gesamblet hat." Die Jahrtago aus dem 17. Jahrhunderte zeigen- eine ganz andere Schrift und auch eine andere Bezeichnung. Der aedituus verschwindet und an dessen Stelle tritt der ludimoderator. Im Jahre 1619 ist er als „Ludimoderator sou Sacristanus" bezeichnet, im Jahre 1628 heisst es geradezu: „Ludimoderator qui simul aedituus": 1665 tritt an die Stolle des Ludimoderator die Bezeichnung „Sclmelmaistor". Dass die in den ältesten Jahrtagen dem „aedituus" ausgesetzton Beträge im 18. Jahrhundert der „Schuelmaistor" bezog, ergibt sich aus einer Yerglcichung der ältesten Verzeichnisse mit solchen aus dem 18. Jahrhunderte, deren 2 vorbanden sind. 3 ) Don Markt Burgheim, Bez.-A. Neuburg, erwähnt Brock unter den wonigen Orten, welche „anfangs" unter der Eogierung des Herzogs Ott Heinrich von Neuburg eine deutsche Schule und zwar eine Knaben- und eine Mädchenschule hatten. „Jn Burgheiin hielt dos Schulmeisters Hausfrau die Maidlinschule sehr wacker, der Schulmeister selbst aber hatte kaum 4—5 Kinder, mit denen er die Anfänge des Lateinischen treiben konnte." 1 ) Diese i) ib. S. lO-i. 2 ) Aislingon im Boz.-A. Dillingon zählt mit clor Filiale Baumgarten 1277 Seelen. 3 ) Pfarrakten in Aislingon. *) Brock, die evangelisch - lutherische Kirche der ehem. Pfalzgrafschaft Neuburg. S. 91, — 52 — Nachricht scheint meinem Yisitationsboricht entnommen zu sein, der den Bestand der Schule aus früherer Zeit annehmen lässt. In Jottingcn, Bez.-A. Untergünzburg, mit 1622 Seelen, stiftete ein Pfarrer Bayr einen Jahrtag — wann, lässt sich nicht sagen, aber jedenfalls vor 1619. In diesem Jahrtago kommt ein „didascalus" vor.' In einem spätem von 1690 ist er „Ludimagistcr'' genannt, an dessen Stelle ia der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der „aedituu3 u erscheint und dieser ist im Jahre 1806 wieder „ludimoderator seu aedituus" genannt. 1 ) In Oberstaufen, Bez.-A. Sonthofeu, wurde 1328 ein Kollegiatstift mit 1 Propste und 6 Kanonikern errichtet; ob damit, wie anderswo, auch eine Schule verbunden war, darüber geben die Pfarrakten keinen Aufschlüsse) Dorfschulen in der zweiten Hälfte des Mittelalters lassen sich durch gleichzeitige Urkunden nur wenige nachweisen, weil jene Archive, welche zunächst darüber Aufschlüsse enthalten könnten, in der Pegel nicht so weit zurückgehen. Das Ordinariatsarchiv in Augsburg beginnt erst mit dem Jahre 156S, in Hunderten von Pfarrarchiven findet sich höchstens noch ein altes Jahrtagsverzeichnis mit der stereotypen Bemerkung: Jahr der Stiftung und der Bezüge unbekannt. Es sind verhältnissmässig nur wenige Pfarreien, welche aus jener Zeit ein „Saalbuch", ein „Calendarium", ein „Urbarium" oder einen „Stiftungsbrief" besitzen. Eine grosse Anzahl von Dörfern mag auch in der That keine eigene Schule besessen haben, wegen der geringen Zahl der beisammen Wohnenden; gibt es ja heutzutage noch Pfarrdörfer, die aus diesem Grunde einer eigenen Schule entbehren. Aber einerseits darf man aus dem Fehlen von Nachrichten nicht auf das Fehlen von Schulen schliessen, anderseits lassen die aus späterer Zeit vorhandenen Nachrichten eine i) Mitteilung dos H. Pfarrers Bauer in Jettingen. 2 ) Mitteilung des H. Pfarrers Magon in Oberstaufen. — 53 frühere und weite Verbreitung von Schulen auch auf den Dörfern annehmen. Zunächst bestanden in der Regel bei Klöstern äussere Schulen für \ve 111 i c h e Schüler, getrennt von der inneren Schule, in welcher die sogenannten Togaten und Oblaten gebildet wurden. Man Hess es in der äusseren Schule an nichts fehlen, um der Weltjugend eine dem Zeitalter entsprechende Erziehung und Bildung zu geben. 1 ) Hier empfiengen viele Bauernkinder Unterricht, hier wurde auch so manches Talent geweckt. Und es gab der Klöster eine so grosse Anzahl, dass, wie Prantl sagt, 2 ) „im 12. Jahrhundert in keinem Gebietsteile Ober- und Niederbayerns 5 ) für die Bewohner etwa in der örtlichen Entfernung unübersteigliche Hindernisse gegen eine Beteiligung an der damals erreichbaren Bildung vorlagen, sondern dass im Gegenteile fast überall ein relativ ziemlich kleiner Umkreis auf die einzelnen Klöster trifft." Und wenn auch später ein Verfall der Klöster eintrat, so waren sie doch seit der Mitte des 15. Jahrhunderts allenthalben in erfreulicher Reformation begriffen, mit der auch die Schulen sich wieder so hoben und mehrten, dass die bayerische Regierung im Jahre 1578 die Wiedererrichtung von Dorfschulen unter Hinweis auf die vielen deutschen Schulen auch in Klöstern für überflüssig hielt. 4 ) Kaemmel behauptet, der Abt Otto von Ottobeuren habe schon im 12. Jahrhunderte den Versuch gemacht, für die niederen Volksklassen Schulunterricht in Gang zu bringen. 5 ) Doch scheint hier ein Irrtum in Bezug auf Abt und Kloster vorzuliegen; denn im ganzen 12. Jahrhundert kommt kein Abt Otto in Ottobeuren vor und die von Baumann veröffentlichten Eecrologia Ottoburana 0 ) verzeichnen wohl 22 pueri oder scolares in der Zeit von 1180—1465, die aber ohne Zweifel Stiftsschüler gewesen sind. Doch der Abt Konrad von Tegornsee (1134 — 1155) schreibt in.einem Briefe, dass viele Knaben in seinem und in andern S. 371- 1 ) Feycrabend, Jahrb. v. Ottenbeuren, I, 174. 2 ) Bavaria, I, 515. 3 ) Die Diöeese Augsburg erstreckt sieh anch über einen Teil Oberbayerns. 4 ) Freyberg, Pragm. Gesch. der bayerischen Gesetzgebung III, 290. 5 ) Kaemmel, Geschichte des deutschon Schulwesens, S. 35. c ) Zeitschrift des bist. Yereins für Schwaben und Neuburg, Jahrg. 5, -430. 54 Klöstern ihre Erziehung erhielten, die nicht für den Mönchsstand bestimmt waren. 1 ) Das gilt vor allem von Benedikt!) euren für den Ausgang des Mittelalters.' Hier entwickelte der Abt Karcissus (1483—1504) eine hervorragende Thätigkoit für die Schulen. Er selbst hatte den ersten Unterricht im Klostor genossen, wurde später selbst Schulmann, verfasste nach dem Bedürfnisse seiner Zeit mehrere Schulbücher, von denen leider keines mehr vorhanden zu sein scheint, und erzog die angesehensten Jünglinge, unter ihnen den nachmaligen Kanzler der bayerischen Herzöge, Job. JSTeuhauser 2 ). Dass es im Kloster eine Schule mit einem weltlichen Lehrer gegeben hat und auch in der Umgebung eine grössere Anzahl von Volksschulen vorhanden war, ergibt sich aus dem „Stüfftbueh ab anno 1487 — 1489" und dem „Ausgab Buech Abb. Karcissiv" 8 ) Bekannt ist die Ausgabe für den „Schuelmaistor Johannes greiss", welcher 1489 „4 Gulden rheinisch, item 2 1$ dl. für ain rock, item 3 solidi für dy hosn, item Y par schucch" vom Abte IsTarcissus erhielt. 1 ) In .dem „Ausgab Buech" sind weitere Keich- nisse nicht bloss an den „Schuolmaister Johannes Greis", 5 ) sondern auch noch an andere „Schulmeister" und an Schüler verschiedener benachbarter Orte verzeichnet. Im Jahre 1496 kommt ein „schuel- maister von hab ach" vor. 0 ) 1499 ein „schulmayster ansziehn dcTs." 7 ) Im Jahre 1501 erhalten die Schüler des „mathiys 3) F. A. Specht, Gesch. dos Unterrichtswesons in Deutschland nach Pcz, thos. aneed. VI. 1, 371. S. 376. 2) Moicholbeck, Ohroh. Benedict. T. I, 21G. 3 ) Beido vom Abt Narcissus selbst geschriebene Codices liegen im altgemeinen Itcichsarchiv in München. *) Stüfftbueh, S. 197b. 5 ) Zu „Hewiar" 1495 „johi greisn, schuolmaister pro diversis laboribus nouo anno 1 metzn körn 2 mezn rogkn, 1 mezn gerstn vn XII dl.;" zu „Nowiar" 1496 „John Gryss schuelmaistor VI Kreizzor." c ) Ausgab Buech S. 115. Habach ist ein Dorf mit 375 Einwohnern, liegt etwa 2 Stunden westlich von Bonediktbeurcn und hatte damals ein Kollegiatstift. "<) Ausgab Buech, S. 9. - 55 - Schmid von puchaw 74 dl." 1 ) Ausserdem findet sich 1496 eine Ausgabe für „thome kammerers Schüler" 2 ) und 1501 für „Narcissen lochman 24 Kreuzer schuelstewr in omnem terram". 3 ) Für Schüler sind wiederholt Ausgaben verzeichnet. Ausgaben wie: „duobus scolaribus ministrantibus duos cruciferos" (S. 18), „in coena domini XII scolaribus sedentibus XII Kreuzer" (S. 158) lassen wohl auf Klosterschüler schliessen, während Ausgaben wie „duobus scolaribus de Inchstat VIII solido3 propter deum" (S. 9), „duobus scolaribus VI fierer von Sundlsdorf" S. 278 wohl eher fremde Dorfschüler anzeigen. 4 ) Vom Kloster Po Hing ist eine äussere Schule allerdings nicht ausdrücklich erwähnt, sie ergibt sich aber aus dem Umstände, dass Männer die Pollingerschule besucht haben, die in den Klosterverband nicht eintraten. Der berühmte Propst Gerhoh von Keichersberg, geboren 1093 zu Fölling, ist mit seinen 4 Brüdern in der dortigen Schule gebildet worden. Der Notar Chunrad v. Wittelzhofen, Schreiber Greb- hards v. Vfilheim um 1294 hatte wohl die Schule von Polling besucht/') Vom Jahre 1305—1455 sind keine Dokumente vorhanden, da das Kloster 1414 gänzlich eingeäschert wurde und dabei auch !) Ausgab Buooh, S. 220. „puchau" ist das jetzige Ober- und Untei'bucli, 2'/'2 Stunden von Bcnodiktbeuren, wo der Abt Narcissus im Jahre 1495 zwei Drittel des Gross- und Kleinzehenton erworben hatte. 2 ) ib. a. 1496, S. 115. 3 ) ib. a. 1501, S. 158. Schon 1499, S. 9 heisst os: „mathias lohmanns knabn Y ß VIII dl. gen" und 1503 ebenfalls: Narzissen lohmann XXI kreuz (Kreuzer) In omnom terram, S. 278. Der Ausdruck „in omnom terram" wurde gebraucht, wenn man einem aus dem Gebiete von Benediktbeuron, der in andere Länder reiste, einen Zehrpfennig gab. Meichelbeek, Chr. B. I, 224. 4 ) Sindeisdorf, etwa lVs Stunde von Bonediktbouren, mit 7G8 Seeion. Sollton nun etwa gar die „Ansinger zu Weihnachton", welche in des Abtes Aus- gabobueh vorkommen, Schulknaben gewesen sein, was nach damaliger Sitte gar nicht unwahrscheinlich ist, so ergäbe sich eine ungewöhnlich grosso Anzahl von Schulen in der Nähe von Benodiktbeuren; denn es sind solche Ansinger, die Almosen bekamen, aufgeführt von Wielnpach (Wielenbach bei Weilheim), Walchensee, haunshoven (bei Weilheim), wackersperg (bei Tölz), hagen (wahrscheinlich Mühlhagen bei Murnau), bernried (am Starnbergersoe), jachenau, hailprunn (bei Tölz), sochering (bei Murnau), unering (Landgericht Starnberg), huglfing (bei Weilheim), Kochl (am gleichnamigen See.) 5 ) Mitteilung des H. Spit.-Curaten Schmidtner in Weilheim. 56 die Dokumente zu Grunde gegangen sind. 1 ) Am Ende des 15. Jahrhunderts aber hatte Polling eine so geachtete Lehranstalt unter dem gelehrten P. Gregor Petz, dass der Herzog Wilhelm von Bayern seinen 12jährigen Sohn Albert zur Ausbildung dahin schickte. 2 ) Auch bei Frauenklöstern waren Schulen eingerichtet. G. v. Schellenberg sagt in dem um das Jahr 1310 angefertigten Zeugen-liotel, dass er bei seiner Tante, der Aebtissin des adeligen Fräulein Stiftes in Lindau die Klostorschule besucht habe. Sollten etwa die Barfiisscr, deren Kloster in Lindau schon vor 1250 bestand, derselben vorgestanden sein? 5 ) AVelche Bewandtnis es mit einer Schule bei den Cistorzicnse- rinnen in Zimmern bei Kordlingcn gehabt hat, kann ich näher nicht angeben. Ich finde nur, dass 1417 in einem Urteilsbricfe des Oettingon'schen Landgerichtes als Kläger auftraten die „Erbaren Geistlichen Bruder Ulrich Propst, Bruedcr Obriradt Schulmaister Brueder Hanns der Gärtner, alle drei Layenbriidcr zu Zimmern des Ordens von Cytel Augsbürger bistumbs." 1 ) Offizielle Dokumente dos 10. Jahrhunderts, wie die bayerischen Schulordnungen von 1548, 1553, 15G9, so wie die Salzburger Synodalbeschlüsse des letzteren'Jahres setzen deutsche Schulen auch auf dem Lande als schon bestehend voraus.'') Die „Schulordnungk de anno 1548", das älteste Dokument 1 ) Handschrift!. Geschichte der Polling'schon Pfarrei Apfeldorf im Pfarr- archiv Apfeldorf I, S. 221. 2 ) Toepsl, informatio suoc'racta de Canon. Polling. p. 95. Das zur Erzdiöeosc Münchcn-Froising gehörige Kloster Tegernsce hafte im 15. und im Anfange des IG. Jahrh. nicht bloss in Tegernsce selbst, sondern auch in den nächstgelegonen Dörfern Gmünd, Egorn und Kreuth Volksschulen, ebenso das Kloster Roichenbach, Diöc. Rogonsburg schon 1355 seinen berühmten Schulmeister Conrad Spitz, einen Laien. 3 ) Primbs, Zeitschrift des bist. Vor. für Schwaben u. Neuburg. Jahrgang 9, 103. 4) Materialien zur Oettingon'schen Geschichte II, 343, a. Es gab übrigens auch in dem Kloster der Dominikanerinnen bei St. Katharina in Augsburg „Laienbrüder." Hörmann i. d. Zeitschrift des bist. Vor. f. Schwaben und Neuburg, Jahrg. 10, 315. 5 ) Kluckhohn, Beiträge zur Geschichte des Schulwesens in Bayern vom 16. bis 18. Jahrb. Abhandlgn. der bist. Klasse der Akad. d. "VViss. Bd. XII Abt. 3, S. 188. + f + — 57 — dieser Art in Bayern bestimmt: „In den ersten Klassen wird den Schülern und Schülerinnen das Buchstabieren und Syllabieren, dann das Losen beigebracht. In den folgenden fangen sie das Schreiben an und werden hierin geübt, wobei besonders auf eine deutliche Handschrift gehalten werden muss. Nebenher wird das Rechnen gelehrt." „Dieser Unterricht genügt für die Trivialschulen in Städten und auf dem Lande." 1 ) Der 10. Titel der Landesordnung von 1553 befiehlt die Wiederaufrichtung von lateinischen Schulen „bey Steten, Marcken und Flecken, da von alter Lateiniseh Schulen gehalten worden", da man in Erfahrung gebracht „das solche Lateinische Schulen in Steten vnd Märckten vast abgenommen" und gebietet, „das ermelto Obrigkeiten, in Steten, Märchen vnnd wo sonst von alter •her schulen govest, erbar giert vnnd fteissig Schulmaister, so die kinder von anfang, bist sy zu merere künsten geschickt werden, vnderweisen künden, vnd in erbarer guter Glicht zu halten wi-son, bestellen." 2 ) Herzog Albrecht Y. fordert 1569 die Prälaten der Klöster seines Landes auf, die durch die Unbilden derzeit in Verfall geratenen Schulen wieder zu errichten. 3 ) „Wann zuerst in Bayern deutsche Volksschulen entstanden sind, lässt sich", wie Kluckhohn sagt, „nicht nachweisen. Es fanden sich in Bayern neben den zahlreich verbreiteten lateinischen Schulen auch schon deutsche Dorfschulen zu einer Zeit, wo sie anderswo in Deutschland noch nicht bemerkt wurden. So kennt Kriegk Dorfschulen auch im 16. Jahrhundert noch nicht, In Bayern aber suchte die Regierung dieselben 1578 schon abzuschaffen."' 1 ) Und trotzdem gab es noch 1614 in Klöstern, Städten und Märkten so viele deutsche Schulen, dass die Regierung in einer Verhandlung mit den Landschaftsverordneten eine Wiedererrichtung der a. 1578 durch eine Declaration abgeschafften Dorfschulen für überflüssig hielt."') J ) Freyberg III, 286. Wie diese Schulordnung .von 1548, so gedenken auch die Synodalboschlüsso von Salzburg der Mädchen als Schülerinnen. 2 ) Freyberg, a. a. 0., S. 206. 3 ) Lipowsky, Gesch. der Schulen Bayerns, S. 220. *) Kluckhohn, a. a, 0., S, 177. •') Freiberg, a. a. 0., S. 296. t 58 - Auch die DiÖcesansynode, welche der Augsburger Bischof Cardinal Otto Truchsess von Waldburg im Jahre 1548 in Dillingen hielt, spricht von Errichtung und Vfi e d er- h erstell ung der eingegangenen Schulen an Collegiatstiften und in Städten (in oppidis), wo Collegiatstifte nicht vorhanden sind. 1 ) Die Synode von 1567 bestätigt das Vorhandensein von deutschen Schulmeistern, wenn sie von denselben die Ablegung des Tridentinischcn Glaubensbekenntnisses vorlangt. 2 ) Sic bestimmt noch insbesondere die Trennung der Knaben und Mädchen beim Unterrichte und die Aufstellung von Lehrerinnen. 3 ) Urkundliche Belege für die Existenz einzelner Dorfschulen finden sich indess im 16. Jahrhundert. Es folgt aber aus denselben nicht, dass sie erst in diesem Jahrhundert entstanden sind. So erscheint im Pfarrdorf Grundremmingen mit 820 Seelen im Bez.-A. Dillingen der Schulmeistor im Jahre 1540. Der Pfarrer llanss Vierer bestimmt in seinem Jahrtage 1540 dem Pfarrer „2 blabart" und „dem schulmaister 1 ß." 4 ) Das Pfarrarchiv Ilorgau, Bezirksamt Zusmarshausen, (die Pfarrei zählt 1409 Seelen) hat ein altes Urbar vom Jahre 1566; nach diesem bekam der „schuelmaister" jährlich zur Kirchweih 26 Laib. In den ältesten Jahrtagsstiftungen, bei denen leider das Jahr der Stiftung nicht angegeben ist, findet sich immer ein Betrag J ) Das 26. Kapitel der Diüecsansynodo lautot: Concilii quoque Late- ranonsis deeretum amplexi praoeipimus, ut . . . . Seholae pro cujusquo collogii Canonicorum magnitudinß, sioubi aut desitao sunt aut novis opinionibus infeetao erigantur et restituantur. His praeficiantur Magistri ot Paedagogi incorruptao vitae, a quibus tarn piotatis Christianao prima prineipia quam rudimenta lito- rarum juvontus hauriat, oaquo in classos, si aetatis aut inferiorum ratio id postularo vidobitur, dividatur. In roliquis voro oppidis, ubi collegia non sunt, Scholas , quarum magistri boni et honesti ot doeti sunt, instaurari aut conser- vari jubemus. Steiner, Syn. Diöe. Aug. I, p. 291. 2 ) „Yolumus ut omnes ludimagistri (quod antoa quoque a Nobis constitutum esf) seeundum formulam Pii IV. Pont. Max. fidei faoiant professkmem." Steiner, Syn. Diöe. II, 497. 3 ) Cap. XXII : Curabitur quoque ut in celobrioribus locis honestae sint matronae, quae puollas legere ot scribere doceant. Steiner, 1. c. II, 497. *) Pfarr-Akton in Gundrommingon. mit Fleiss weissen. Die 3te Stund soll man Catonem der Sitten mit der Auslegung Erasm. Roterodam. verteutschon. Die 4. Session sollen die kinder in 2. Stunden den Donat, Taffel, Benedicito und Gratias buchstabirend oder lesend 2.mal aufsagen, die den.Donat fertig lesen, sollen einen ganz Pass vo- eablen aus dem promtuario Yocabulorum loh. Piniciani lesen. In der 3ten Stund soll man den lesenden V 2 - verslin und den Buch- stabirenden 2. gereimte vocabula vorsagen, und ehe man sie auslast, verhören, auch sonsten zu Kirchen, Schul und Strass schule- risch gopräng gehalten werden. An Sonn- und Peyertag soll man vor dem hohen Amt , einen ganzen Pass ex IST. T. Erasmi Roterod. mit der kreiden anschreiben, und durch geschickte Jungen verteutschen lassen. Boy Unterricht in der musica soll man allwegen die gewöhnliche Gesänger in der kirchen verteutschen. Die knabon soll man zu erontpietung der IL Piltnussen, der wierdigen Priestcrschafft, der erbern Burgermeister, des löbl. Adels doctorum, aller Raths-Pround und anderer Kam und an- sehnlicher Manns- und weibs Personen anhalten. Der Schulmeister solle E. E. Rath, die Cantores und Bacca- laurei dem Schulmeister Pflicht thun, getreu gehorsam zu seyn, die Ordnung zu halten, den Schulmeister ehren, er sie gegen die wi- dersessigen Schüler handhaben-, etc. etc. Beilage IV. Bezüge des „Schulamtes" Osterberg. 1 ) I. Yon Osterberg. „Item der Schuelmaistor hat Erstlich hauss, Garten vnd veldiglichen ein Jauchert Ackhcrs, sammt dem Rottmad vnd von *) Pfarr-Archiv Osterberg-. - 78 iedom Hauss 2 Mczen" Roggen vnd von dein Pfarrhof vier Viertel Koggen. Nota hat die Herrschaft bewilliget dem Schuelmaister an der güllt abgehen zu lassen." „Mehr geben Ihm die Paurn garben wie volgt": (Es werden nun 15 Bauern namentlich aufgeführt, welche zusammen 36 Roggen- und llabcrgarbcn zu geben haben.) „Weiter hat er von iodem hauss jährlich vf Ostern ein Laib Brot". II. Ton Weyler. „Erstlich von den vier Höfen von Jedem 3 motzen Roggen vnd ein Viertel haber jährlich. Vom halben hoff anderthalb Motzen Roggen vnd zweon Metzen haber, Von Peter Stegmann ein motzen Roggen vnd ein metzen Haber Vndt von Jedem hauss auf Wcyhenachten ainon Laib Brotts". III. Weitere Bezüge. „Ferner hat Er der Schulmeister von Jedem Mentschen dass zue seinen Tagen kommen alhie vnd zu Weyller so ess gestorben, einen seelnapf vnd ein Laib Brotts, aber wass verheurath gowest, ein nennen darzuo; Mehr so manss besingt, fir vier Kreutzer weiss Brott, vnd von einem, dass nit zu seinen Tagen kommen für zween Kreutzer Brott, so mans besingt, Sonston mit dem Seelnapf wie ain alttss (altes). Weiter von den Altton so ess die vier Wochen, wie sonst braüchig ist, nichts auf den Altar legt, gebührt dem schuelmaister 79 — äarfür fünfzehn Pfenning. Nachmahlen von iodem so der Jahrtag gehalten ein Laib, vnd ein Kindtbetteren, wan sy wider auss der Kindtbett gehet, ein Laib Brots vnd so ein Kranckhs mentsch mit dem hoch würdigen Sacrament versehen wirt droy Pfenning." Dass diese Bezüge aber nicht erst im Jahre 1611 festgesetzt wurden, ergibt sich aus den gleich darauffolgenden Leistungen an den „Schmidt", wo ausdrücklich bemerkt ist, „wie vom Alter her". Druckfehler-Berichtigung. Seite 17, Zeile 3 von unten ist zu lesen: des statt der. „ 22, Anmerkung 2 ist "zu lesen: werden statt worden. „ 34, Anmerkung 2 ist zu lesen: in statt ni. „ 52, Zeile 1 yon oben ist zu lesen: einem statt meinem. w Druckfehle Seite 17, Zeile 3 von un „ 22, Anmerkung 2 ii| „ 34, Anmerkung 2 ij „ 52, Zeile 1 yon obd i i i m BfijRj