Oppian und sein Lehrgedicht vom Fischfang. Von Dr. Georg ßürner, K. Gymnasiallehrer. >r Programm des K. Alten Gymnasiums in Bamberg für das Schuljahr 1911/12. ■ J 2$S£ffi%^& 3c " Bamberg 1912. Buch- und Kunstdruckerei Oohann Nagengast, Bamberg. <&% Die Notiz des Suidas, daß ein Träger des Namens Oppian 'I^svvixd (ein Werk, das verloren ging; vgl. die byzantinische Paraphrase des Dionysius x ), Kvvrjysvixd und 'Ahsvtixd schrieb, blieb jahrhundertelang unangefochten, bis im 18. Jahrh. die Kritik einsetzte und Johann Gottlieb Schneider die Behauptung aufzustellen sich erkühnte, daß der Verfasser der Kvvrjyevutd nicht identisch sei mit dem der 'Ahsvnxd, eine Behauptung, die vorzugsweise begründet wird durch den Widerspruch, der sich bei der Lektüre der in Frage kommenden Lehrgedichte betreffs der Heimat des Dichters ergibt. Während nämlich der Verfasser des Gedichtes von der Jagd sich uns als ein aus Apamea gebürtiger Syrer vorstellt, muß der Dichter der 'Afaevnxd als ein Ki- likier angesehen werden- (Kyn. II, 127 und 157, Hai. III, 205 ff.). Trotz der erbitterten Gegnerschaft des französischen Gelehrten Belin de Ballu, der den erwähnten Widerspruch durch zwei gewagte Konjekturen zu beheben sucht 2 ) und in seinen Prolegomena und animadversiones zu Oppians Werken (es erschien nur Tomus I: Kvvrjystixd, Straßburg 1786) nimmer müde wurde darauf hinzuweisen, daß beide Gedichte als das Werk eines Verfassers zu betrachten seien, kehrte man nicht mehr zur traditionellen Anschauung zurück: die gelehrte Forschung stellte sich in der Folgezeit auf die ') Vgl. Usener, Rh. M. 25,613; Müller, Geogr. Gr. min. II. S. XXVI und Wellmann, Hermes 26,507. 2 ) In seinen Proleg. (S. XV. u. VI.) schlägt Belin vor II, 127 statt ftii'/i>-tßt) und II, 157 statt i) l iiEvtoi)g-'Ö!isTtui]g zu lesen. 1* Seite des Deutschen. Weitere Untersuchungen ergaben, daß hinsichtlich der Sprache, der Metrik und des poetischen Gehaltes beide Gedichte sich voneinander unterscheiden 1 ), so daß bei den späteren Literarhistorikern der syrische Dichter in ein Abhängigkeitsverhältnis zu dem kilikischen treten muß und gewöhnlich als Oppian der Jüngere .bezeichnet wird. (Vgl. Fuhrmann, 'Handbuch der griech. Lit, Leipz. 1804, Bd. I, 471 ff.; Bernhardy, Grundriß der griech. Lit. II, 1049 ff; Christ 4 , Gesch. der griech. Lit. S. 652 und Wilamowitz - Moellendorf, Kultur und Gegenwart, Teil I, Abt. VIII, S. 180.). Liest man die paar Zeilen, die der zuletzt genannte Gelehrte dem Ichthyologen widmet, so gewinnt man den Eindruck, daß er den von den Zunftgenossen von jeher etwas stiefmütterlich behandelten Oppian nicht allzu hoch einschätzt und auch ihm, gleich seinem späteren Kollegen Quintus, ohne Bedenken das Prädikat „schäbiger Poetaster" verleihen würde (Wilamowitz, a. a. O. S. 210). Überhaupt scheinen die Modernen unserem Dichter nicht gar sehr gewogen zu sein (Krumbacher weist — Sitz.-Ber. der S. Ak. 1903, S. 356 — hin auf „das öde Lehrgedicht Halieutika des Oppianos", Fuhrmann — a. a. O. S. 477 — erblickt in den Halieutika „ein versifiziertes Lehrbuch von Fischen"); doch von der guten alten Schule konnte er nicht selten schmeichelhaftes, ja überschwengliches Lob einheimsen. (Hieronymus im Kommentar zu Ezechiel, c. 47: „Oppianus Cilix, poeta doctissi- mus; J. C. Scaliger nennt ihn „Musarum alumnum puden- tissimum" und macht ihm auch sonst die nettesten Komplimente; C. Barthius trägt kein Bedenken Oppian mit den Worten „omnium Graecorum poetarum cultissimum" zu ehren. 2 ). Doch wie sehr auch des Dichters Bild in der Geschichte J ) Hermann, Orph. S. 695, 712, 739 und 760; Lehrs, Quaest. ep. S. 306—324, Koechly, Conjectanea in Apollonium et Oppianum, Leipz. 1838; Meyer, Sitz.-Ber. d. S. Akad. 1884, S. 979/80, 985, 990 und 996. s ) Belin de Ballu proleg. VII und XLIII. schwanken mag, der Verfasser bedauert es nicht im mindesten seit einigen Jahren sich in seinen Mußestunden mit Oppian und seinem Lehrgedicht vom Fischfang beschäftigt zu haben. So abgegriffen auch das Thema ist, an dem sich der Dichter versuchte, so spröde auch der Stoff ist, den er hier in poetische Form kleidet, 1 ) es ist doch nicht ohne Reiz das einzige aus dem Altertum vollständig erhaltene 2 ) Werk ichthyologischen Inhalts unter die Lupe zu nehmen. Als Endziel schwebte dem Verfasser bei seinen Untersuchungen stets vor Augen festzustellen, welches der Wissensstand unseres Dichters ist, was er in sachlicher und sprachlicher Hinsicht der Vergangenheit verdankt, — an Vorgängern und Vorbildern fehlte es wahrlich nicht! — wie er auch dem Zeitgeschmack Rechnung trägt. Von einer erschöpfenden Behandlung der angedeuteten Gesichtspunkte kann natürlich keine Rede sein. I. Zur Biographie des Dichters. Da der Verfasser der Halieutika es verschmäht ausgeprägtes Zeit- und Lokalkolorit zu geben, sind wir angewiesen auf einige im Gedichte selbst enthaltene Andeutungen sowie auf die spärlich fließenden Quellen, die uns Aufschluß geben können über den Lebensgang des Dichters. Es kommen drei prosaische vitae und eine poetische in Betracht, die in nicht unwichtigen Punkten sich widersprechen. 3 ) Kein Wunder daher, wenn sich hier subjektive Vermutung breit macht. Das Unterfangen vollends die in den vitae dargebotenen Notizen in entsprechender Weise auf die beiden Oppiane zu verteilen dürfte einer Sisyphusarbeit gleichkommen. Überaus wertvolle Vorarbeiten lieferten Franz ') Vgl. Geibels Worte: „Auch dem beschwerlichsten Stoff noch abzugewinnen ein Lächeln Durch vollendete Form strebe der wahre Poet". 2 ) Dies bezeugt Suidas s. v. 'Aoyäfaog TloaudöiV 'Aoyäfaog Qi^ov/.a fteifiäXia vig-de (pvkdaauv. letemalog omog vov e' täv 'AAievrixäv 'Onmavov. 3 ) Westermann, Biogr. Gr. S. 63—68. 6 Ritter in der Enzyklopädie von Ersch und Gruber (Bd. IV, 259—264) sowie Ferdinand Peter in seinem 1840 zu Zeitz erschienenen Programm: „Commentatio, in qua enarrata virorum doctorum de Oppianis disceptatione in eorundem vitam graece scriptam inquiritur". Zielbewußt und m. E. mit Erfolg ebnete Ausfeld in seiner Dissertation „De Oppiano et scriptis sub eius nomine traditis" den Weg durch das Gestrüpp. Es möge mir daher gestattet sein bei dem nun folgenden Überblick über den Lebensgang des Dichters die Ergebnisse Ausfelds zu verwerten. Oppians Leben fällt in das Zeitalter der Antonine, der glänzendsten Epoche der römischen Kaiserzeit. Geboren wurde unser Dichter ums Jahr 149 nach Christus zu Kory- kus, 1 ) einer Stadt Kilikiens, deren Bewohner, wie Verg. Georg IV, 125 ff. beweist, als tüchtige Gärtner auch in Italien beliebt waren. Sein Vater Agesilaus, ein wohlbegüterter und in seiner Gemeinde hochangesehener Herr, gab sich eifrigst philosophischen Studien hin und unterrichtete den heranwachsenden Sohn in allen Gegenständen der eyxvx/uog iraiöela, in Musik, Geometrie und bes. in der Grammatik. 2 ) Ums Jahr 175 führte der Aufstand des Avidius Cassius den Kaiser Mark Aurel in den Orient; ihn begleitete seine Gemahlin Faustina, die Rom nicht mehr wiedersehen sollte. 3 ) Der abtrünnige Feldherr machte dem Kaiser allerdings nicht viel zu schaffen: er wurde durch zwei Männer seiner Umgebung ermordet. Doch benutzte Mark Aurel die Gelegenheit die Länder zu besuchen, die auf Seite seines Gegners gestanden waren (Dio Cass. 71,28: emcop rä sf&vfj ■vä vq) Kacfök» owe^avaGtävTa). Der Kaiser, ein Philosoph auf dem Throne, übte auch die von den Stoikern gepredigte Feindesliebe und verfuhr überaus milde gegen die Anhänger x ) Schol. Bernensia ad Georg. IV, 127 (Fleckeisens Jahrb. 4. Suppl. Bd. S. 963); Hehn', Kulturpflanzen S. 430 und Strabo XIV, 670. -) Suidas: 'Ojiiuavog. ygafiflaTixög xai tnonoLÖg. 3 ) vita Ant. Philos. c. 26: Faustinam suam in radieibus montis Tauri in vico Haiale exanimatam vi subiti morbi amisit. des Cassius. U. a. kam er auch nach Korykus. Die vornehmsten Bürger der Stadt machten ihm ihre Aufwartung, nur Agesilaus fehlte: er saß ja Tag und Nacht hinter seinen Büchern. 1 ) Dadurch scheint er in den Verdacht gekommen zu sein mit den Anhängern des Rebellen zu sympathisieren. Ein Eunuche, so vermutet der Scholiast (Schol. Hai. I, 126/127), 2 ) schwärzte den ,,Philosophen" an und bewirkte bei den vielleicht im Übereifer etwas rasch handelnden kaiserlichen Beamten die Verbannung des Missetäters nach der Insel Melite; es ist das die englische Insel Malta oder ein an der dalmatinischen Küste gelegenes Eiland. Auf diese Tatsache scheint der Dichter (Hai. I, 277 ff.) anzuspielen, wenn er hinweist auf das traurige Los eines Verbannten. Wir haben keinerlei Grund die Überlieferung anzuzweifeln und die Verbannung des Agesilaus als erdichtet hinzustellen. Mit echt stoischer Ergebung 3 ) in sein Geschick begab sich Agesilaus an den Ort des Exils- Ihn begleitete sein Sohn. Während des unfreiwilligen Aufenthalts auf der einsamen Insel fand wohl der junge Oppian reichlich Muße sich seiner Neigung folgend dichterisch zu betätigen. Inzwischen mochten wohl die Agesilaus nahestehenden Kreise sich eifrigst bemüht haben, bei dem nach Rom zurückgekehrten Kaiser die Zurückberufung des verdienstvollen Mitbürgers zu erwirken. Und in der Tat hatten sie den gewünschten Erfolg. Mark Aurel wollte es nicht dem unerbittlichen Augustus gleichtun, der sich weder durch das unaufhörliche Klagen noch durch die devoten Schmeicheleien des unglücklichen Dichters Ovid zur Verzeihung bewegen ließ. Der junge Dichter erhielt in ') Westermann, a. a. O. vita 4,16: ßißXloi£ y.ui yäg iayßXatp i'vy.zcoQ xai ftti?' fj/iigav. 2 ) Allerdings nicht allzu glaubwürdig: bloße Wortspielerei, g Xaßelv avvöv em näoivo/.ua/j,dto)v /AVQiddag ß\ Kynegetica und Halieutica •zählen in der Ausgabe von Lehrs zusammen nur 5650 Verse ! — scheint allerdings ein Gemisch von Wahrheit und Dichtung darzustellen. Hier ist tätig gewesen die ,,fama loquax, quae veris addere falsa gaudet et e minimo sua per mendacia crescit." (Ov. met. IX, 137 ff.). Hier könnte man wohl mit geringer Veränderung einer bekannten Sentenz sagen." „Pecunia crescit eundo". Der haushälterische, sparsame Sinn des Kaisers, den Dio Cass. 71,32 4 ) bezeugt, steht übrigens durch- J ) Vgl. hymn. Cer. 168: änö ÜQemt'iQia öoü) u. Hes. op. 186: ünö dgewi'jgia öolev. *) vita c. 7: nee ullas expeditiones obiit nisi quod ad agros suos profectus est ad Campaniam, dicens gravem esse provincialibus comitatum prineipis etiam nimis parci; Schmaus a. a. O. S. 106. 3 ) Geldspenden an Dichter waren im Altertum nichts Seltenes; betr. der Freigebigkeit gekrönter und ungekrönter Mäzenalen Dichtern gegenüber vgl. Friedländer, Darstellungen aus d. Sittengesch. Roms S. 333 ff. (1. Aufl.) 4 ) oixovoficxdvcnog üg ü/.tiOüg ijv. 11 aus nicht der überlieferten Freigebigkeit entgegen; denn in der vita c. 23 heißt es : „ipse in largitionibus pecuniae publicae parcissimus fuit . . . sed tarnen et bonis viris pecunias dedit et oppidis labentibus auxilium tulit". Es mögen noch einige Zeugnisse folgen, aus denen ersichtlich ist, daß der Kaiser Mark Aurel gerade in der Angelegenheit des Cassius und seiner Anhänger Gnade für Recht ergehen ließ: vita Anton. Phil. c. 25: „eos etiam, qui deportati fuerunt, revocari iussit"; vita Avid. Cassii c. 8: „denique paucissimis centurionibus punitis deportatos revocari iussit" und c. 12: „deportati redeant, proscripti bonarecipiant". Wenn Hai. II, 680 ff. eine Zeit politischen Friedens voraussetzt, so ist diese auch unter Mark Aurel nachweisbar; es ist die Zeit von 175—178, also von der Unterdrückung des Aufstandes im Orient bis zum Ausbruch des 2. Markomannenkrieges. Es wurde nach Eberhard (Athenagoras, Prgr. v Augsb. St. Stephan 1895, S. 1) »sogar eine Münze geprägt mit der hoffnungsfreudigen Inschrift PAX AETERNA C . Laut frdl. Mitteilung von Hr. K. Gymnasialprofessor Dr. L. Grünenwald in Speyer kommt allerdings nach dem Verzeichnis der Reverse in Cohens bek. Münzwerk (Bd. VII) die Legende Pax aeterna erst auf Münzen des Septimius Severus vor, doch tragen nach Cohen II S. 473 die unter Mark Aurel geprägten Münzen Nr. 143—148 den Revers Pax. Selbstverständlich ist es nicht ausgeschlossen, daß wir in der inzwischen erschienenen 2. Auflage des genannten Münzwerkes, die mir nicht zur Verfügung stand, eines Besseren belehrt werden. II. Die Gottheit und der Mensch bei Oppian. Zu einer Zeit, da im römischen Weltreich die verschiedenartigsten Kulte Eingang gefunden hatten, da das alternde Heidentum mit dem sieghaft aufstrebenden Christentum um Sein oder Nichtsein den ungleichen Kampf führte, da der geistreiche Spötter Lukian die Olympier, an welche 12 die Menschheit sich jahrhundertelang in ihrer Not gewendet hatte, entthronte und sie, wie Wieland sich äußerte, in ihrem Hauswesen und Neglige darstellte, da man seine Lebensführung mit den Vorschriften der Stoa oder den Lehren Epikurs in Einklang brachte, schrieb Oppian seine Halieutika. Doch nichts ist bei ihm von all den religiösen und philosophischen Strömungen zu verspüren. Noch ist bei ihm der Himmel der Olympier nicht entvölkert, vollzählig sind hier die Götter versammelt, soweit sie in Beziehung treten zu dem Tun und Treiben der Menschen. Nach altem Brauche 1 ) sind die Gottheiten auf dem Plane, die Sterblichen in die verschiedenartigsten Künste einzuweihen und sie damit zu beglücken (II, 15 ff): "AXXog ö'äXXoicov mit)Qavog snXevo dai//,a>v BQycov ( v . 17 und 18). Im folgenden werden flüchtig die Verdienste gestreift, die sich die einzelnen Olympier um die Menschheit erwarben. Zeus, der höchste der Götter, wird apostrophiert Hai. I, 409—419. Der Anruf beginnt mit der homerischen Formel: Zev ndtSQ (Od. 5,7: Hym. Herrn. 368). Zeus ist der Anfang und das Ende, das A und das ß: „gs öe ae ndvva xai ex oeftev SQQi^covvai" (v. 409). 2 ) Ähnlich heißt es bei Mark Aurel slg eavvöv: IV, 23 (Stich): ex aov ndvta, ev aoi ndvva, elg os jvdvva von der Natur, da die Stoiker die Welt als Gesamtbegriff von Materie und Form mit der Gottheit identifizieren. Betr. des Aufenthaltes „des Vaters der Götter und Menschen" bietet er zuerst die unter orphischem Einfluß entstandene Anschauung, daß der Äther der Sitz des Gottes sei (vgl. Eurip. fig. 487: acd-fjQ oixtjOig Aiög), dann spricht er sogar von einer Allgegenwart: eh' äga mdvvt) vaietdeig (v. 410/11). Des Gottes Werk ist die Scheidung ') Verg. G. I, 145; Plin. n. h. VII, 57; Schiller, Das eleusische Fest, Str. 15—24. *) Vgl. Orph. fr. 46 (Abel): Zsvg xegxth/j (dg/jj), Zevg fieaoa, Aiög d'tx ndvxa vixw.zai und das Preislied des Terpander auf Zeus, also beginnend: Zev, nävtcov üq^ü, ndvumv dyi)iag (Gem. Alex. 784). 13 des Weltalls in Äther, Luft, Wasser und Erde- Der älteren homerischen Anschauung betr. des Wohnsitzes der Götter blieb er treu II, 38: öcoi x' Ovlvfirtov s/fivai und II, 687: OvQaviöcu. 1 ) An Homer erinnert uns das Epitheton alyio%og (III, 10), wie auch Zeus bei Oppian hinsichtlich seiner Tätigkeit dem homerischen Zeus völlig gleicht: er schleudert seine Blitze herab auf ein das Meer durchfurchendes Schiff V, 282 (der Schol. meint: Aiög 1 vfjg slfiaQfisvrjg f) tov ovgavov!)^ er [Zr\vbg vöog) sendet den Regen I, 769. Der Kronide ist es, der sich der durch Kriegsnot stark bedrängten Welt erbarmt: II, 674. Auch wird sein Kampf mit dem Titanen Typhon erwähnt (III, 16 ff.), dem hundertköpfigen (v- 23: •aqü&' kxatöv). 2 ) Pan überlistet den Riesen, der die Tiefen des Meeres verläßt, an die Küste kommt und vom Blitze des Zeus getroffen wird, so daß sich das Meer von seinem Blute rötet. Der Titane ist nach Hai. V, 217 in das westliche Becken des Mittelmeeres verbannt, wo Xdßgoißiv vn' uaö\uaoi Tvq)dcovog fiaivoii8V)](v. 217/18) die Charybde wütet. 3 ) Alte Bekannte aus Homer sind es auch, wenn wir für Poseidon folgende Epitheta verwendet finden: xvavoxairijg (I, 389), 'Evvoaiyaiog (II, 634) und yairjoxog (I, 74). 4 ) Nach Pindars Vorbild (Ol. VIII, 31) lesen wir I, 74 und II, 35 EVQv/Aedcöv; äcxpdfaog (V, 680) begegnet uns zuerst in der Komödie (Aristoph. Ach. 682; nach dem Schol. wird II. A. bei den Athenern verehrt Iva äocpal&g ttX&mai; vgl. auch Plut. Thes. 36 und Suidas s. v. äacpd/uog). Die Beinamen u[idXMTog (IV, 407) sowie äUydovjvog (V, 423) vermissen wir in dem Verzeichnis III bei Preller (a. a. O. S. 956); der letztere ist zuerst bei Opp. dem Meergotte beigelegt. 8 ) Das ') Hes. op. 139: ol "0?.v^noviyßvai (vgl. auch scut. 79 u. Theog. 101). 2 ) Pind. Pyth. I, 16: famowaxägavog und frg. 93,2. (Christ.) 3 ) Der Schauplatz der Tätigkeit des gebändigten Riesen wird verschieden angegeben: vgl. Preller-Robert 4 , Gr. Mythologie I, 64. 4 ) An dieser Stelle die sog. ävümaaig, der Ersatz des Vokativs durch den Nominativ. 5 ) Lohmeyer, de vocabulis in Oppiani Halieuticis S. 81. u von den Stürmen umhergetriebene Wrack ist das Werk des erzürnten Beherrschers des Meeres (IV, 407); an Kqovicov F.fxßv'dtoq (IV, 413/14) 1 ) wendet man sich im Gebete, damit er solches Unglück verhüte. Auch wird der Mithilfe des Delphins bei der Brautwerbung Poseidons um Amphitrite Erwähnung getan (I, 386 ff; vgl. Ovld. fast. II, 81/82). Doch sucht die schwarzäugige (zvavämg, siehe Od. XII, 60) Tochter des Nereus nicht bei Atlas Zuflucht, sondern sv 'Qxeavoio döftoiöb (Preller a. a. O. 556 u. 564). Schließlich wird ihr Aufenthalt durch den Delphin verraten; Amphitrite wird Meereskönigin und der Delphin zum Dank für die Botschaft von Poseidon besonderer Ehrung gewürdigt: II, 634 nennt ihn Opp. IsqÖv tqöxiv 'Evvoatyaiov, V, 422 erscheinen die Delphine als jtqöizoXoi des Meergottes. An die Meergottheiten insgesamt wendet sich unser Dichter I, 73 ff., indem er sie bittet die Tiefen des Meeres und seine Bewohner erschließen zu dürfen, wohl nach hellenistischem Vorbild, wie Norden (Kommentar zu Aen. VI, S. 204) auf Grund der Übereinstimmung dieser Verse mit dem Gebet in Aen. VI, 264 ff. mit Recht annimmt. 2 ) Die Frage, wer wohl die Menschheit auf das Meer hingewiesen hat, läßt Opp. offen; er führt eine Reihe von Gottheiten an, die hier in Betracht kommen könnten: Poseidon, Nereus, Phorkys oder sonstweiche Gottheit (II, 29 ff.). Auch hier ist Opp. m. E. durch hellenistische Poesie beeinflußt; Opp. verfährt genau nach dem Vorbilde, das Apoll. Arg. IV, 1595 gegeben. Über die Erfindung der Schiffe 3 ) spricht der Dichter I, 354 sein Erstaunen aus; es ist nach ihm auch diese Erfindung entweder auf eine Gottheit zurückzuführen ') Ähnlich wird Hades Zsvg r.uTazOöviog genannt (II. IX, 457); vgl. IV, 413 mit Od. III, 346. 2 ) v. 77: tlaeßev aivi'iacute, v. 266: Sit mihi fas Ioqui. 3 ) Er nennt sie Wagen des Meeres, özovg tü.ög (v. 354), oder I, 190: cüt^uyov äofia ßaMoaijg, eine Metapher, die uns bereits Aesch. Suppl. 32 begegnet. 15 oder ein Wagehals 1 ) hat hier der Natur etwas abgelauscht, er hat vielleicht das Seefahren von den Fischen gelernt, ein Gedanke, den wir auch Sen. ep. 90,24 ausgesprochen finden : exemplum a piscibus tractum est, qui cauda reguntur et levi eius in utrumque momento velocitatem suam fiectunt. Eine gewisse Verwandtschaft mit den unter Homers Namen auf uns gekommenen Hymnen zeigen die itQOoifMa zu Beginn des 3. und 4. Gesanges. Ersteres noooifxiov beschäftigt sich mit Hermes, dem Schutzpatron der Fischer (III, 26/27: ak ö'e^oxov IXäaxovtai lyßvßoXoi). Er wurde in der Vaterstadt des Dichters verehrt (III, 9: naTQCÖie und III, 208), hatte dort auch ein Heiligtum 2 ) (vefisvog: siehe Schol. III, 207). Die Kunst des Fischfangs ist seine Erfindung; vom Vater vererbte sie sich auf den Sohn Pan (v. 15), dessen Verdienste um Zeus schon erwähnt wurden (S. 13). Im 2. TiQOoifiiov bewegt sich der Dichter auf breitgetretenem Geleise, wenn er uns das Wirken des Eros darzustellen versucht. Eros erscheint hier der Tradition gemäß (vgl. Rohde, Gr. Roman S. 32 Anm. 1) als der verderbenbringende Gott (IV, 11—22); er hat den Tränenstrom, die Klagen der Liebenden auf dem Gewissen, das Erbleichen und Erröten des menschlichen Antlitzes ist sein Werk, er bringt den Menschen zum Wahnsinn, ja er kann ihn sogar in den Tod treiben: ttoXXovg de xai sg [iöqov 8^env?uaag (v. 20; vgl. Aen. VI, 442). Übergehend zur Abstammung des Gottes stellt der Dichter 2 Varianten nebeneinander: entweder ist er der älteste der Götter, aus dem Chaos entstanden oder der geflügelte Gott und Sohn der Aphrodite (v. 27: deöv öqviv; Ov. met. V, 364: natumque volucrem). Der Hymnus endigt mit einem Hinweis auf die Allgewalt ') Ein bei Dichtern beliebter tänog ist es das Befahren des Meeres als frevelhafte Tollkühnheit hinzustellen: Lucr. V, 1004; Hör. carm. I, 3, 9 ff; Juv. XII, 57 ff. 2 ) Kilikien ist nicht als Kultstätte bezeichnet in dem Verzeichnis II bei Preller (a. a. O. S. 920). des Eros: er herrscht Luft und im Wasser. 16 im Himmel und auf Erden, in der Die xsXaivovg ävQaxrovg 1 ) (v. 37/38) entsendet er auch gegen die Fische- 2 ) Die gleiche Apostrophe G'/ßvlC "Egcog (v. 11) finden wir bei Apoll. Arg. IV, 445 (Aen. IV, 412: improbe Amor). Daß Eros der schönste unter den Göttern ist [v. 11), wird bereits in der hesiodischen Theogonie hervorgehoben (v. 120). Hades, der Gott der Unterwelt, wird nur gelegentlich der Minthe-Sage erwähnt (III, 483—497), einer Verwandlungsgeschichte, die m. W. nur von Oppian überliefert ist. Minthe, eine Nymphe der Unterwelt (v. 487: Kaxvvlda Nvficprjv 3 ), nach Strab. VIII, 344 und Poll. -VI, 68 eine naXXaxr) des Hades, war eifersüchtig auf ihre Nebenbuhlerin Persephone, die Hades am Ätna geraubt hatte 4 ), und verstieg sich zur Behauptung, ihr gebühre vor Persephone der Schönheitspreis und der Gott würde Persephone aus seinem Palaste verstoßen, zu ihr aber reumütig zurückkehren. Ihre Lästerzunge brachte sie zu Fall: volrj ol sm yXcbaarjg dögev ävif). Die Mutter Demeter, ob solcher Kränkung beleidigt, tritt die Vermessene 6 ) mit Füßen, so daß das stark riechende Kraut Minthe aus der Erde hervorsprießt. Wir haben also hier den nämlichen Grundgedanken, wie er z. B. der Arachne- oder Niobe-Sage zu Grunde liegt, daß nämlich Überhebung (vßQtg) die Bestrafung der Gottheit nach sich zieht. Natürlich dürfen auch die Musen nicht fehlen, deren Anrufung im Epos traditionell ist (Norden, Kommentar S. 203). Sie sind es ja, die im Verein mit Apoll die Gabe ') Vgl. Thuc. IV, 40: tdv utgaxTOv, Äeywv vöv öiozöv; das Wort ist vielleicht lakonischen Ursprungs. 2 ) Nach Preller (a. a. O. S. 503, Anm. 2) werden in der Poesie Bogen und Pfeile als Waffen des Eros zuerst bei Eurip. genannt. — Christi. Schriftsteller sprechen von Satanspfeilen, vgl. Hieronym. ep. 54, 7, 3 (rec. Hilberg.); ardentes diaboli sagittae restinguendae sunt. s ) I, 401: xcoy.vvög = ululatus; IV, 259: JisQizay.vovvEg. *) v. 488/89. ") Quint. Smyrn. I, 753: xai yk&oaav ävaiöea tivvvai "Ati/. ") v. 490: yJ.ütovauv intgcpiäP.oig ifiisooi. 17 des Gesanges verleihen: Acoga öe Movadcov vexai 'AnöXXcovoC; äoidai (II, 2ö). Ihnen verdankt auch Oppian diese Gabe (IV, 9), von ihnen ist er auserwählt zum Preis des Kaisers (III, 7). Er bezeichnet sie kurzweg als öalfxoveq (III, 8) oder, nennt sie »iJjiiöÖcoqoi, Movöai« (IV, 7/8). Unter növva dsd (I, 78) ist, wie schon der Scholiast richtig bemerkt, Kalliope, die Muse der epischen Dichtkunst, zu verstehen. 1 ) So haben wir denn Oppian als einen »frommen Altgläubigen« kennen gelernt. 2 ) Die Götter weisen bei ihm noch die von alters her zugewiesene typische Gestalt, die alten Beinamen und den bestimmten Wirkungskreis auf. Allenthalben wurden wir an Homer und Hesiod erinnert, in deren Dichtungen ja die religiösen Anschauungen der Griechen am treuesten wiedergegeben sind. Und doch könnte man vielleicht behaupten, von wirklichem Glauben sei bei ihm nichts zu verspüren, es seien nur antiquarische Reminiszenzen, die er ganz schemenhaft verwerte. Um diesen Vorwurf dem Dichter zu ersparen sei es mir gestattet auf den Eingang des 2. Gesanges (v. 4—14) hinzuweisen, wo Oppian ohne Zweifel tiefreligiösen Sinn bekundet. Er kommt hier auf die Abhängigkeit des Menschen von der Gottheit zu sprechen und wirft die Frage auf: Was wäre die Welt ohne Gott? (v. 4/5: vi yäg (isQÖneaoiv ävvGVÖv vöacpi decöv;). Darauf läßt er eine Beantwortung folgen, die jedem wahrhaft gläubigen Christen alle Ehre machen würde: ovo' oaaov vnex Jtoöög l%voq äelQai, ovo' oaov äfinstdaab ßkecpägcov jteQicpaea xvxka. Gehorsam der Gottheit gegenüber ist nach ihm unbedingte Notwendigkeit, hier gibt es kein Widerstreben, ja er ist eine Forderung des gesunden Verstandes: ö ö'eojtevcu oßvs aaörpgiav jvqIv %a\£Tcfi /.idaviyi xal ovx eftshcov eXdfjvai, (v. 13/14). 0 Vgl. Riedner, Typische Äußerungen der römischen Dichter über ihre Begabung, ihren Beruf und ihr Werk. Nürnberg, 1903, S. 5. 2 ) Oppian vergißt auch nicht auf den frommen Sinn seiner Fischergestalten hinzuweisen; man vgl. bes. IV, 577 u. 582, V, 112 u. 625, III 26/27. 2 18 Hai. IV, 237 liegt sogar m. E. ein Anklang an eine Bibelstelle vor, so daß ich die Vermutung aussprechen möchte, auch Oppian habe sich wie der Spätling Nonnos, der Verfasser der AiovvGiaxd, etwa in späteren Lebensjahren dem Christentum zugewandt. 1 ) Oppian erzählt uns a. a. O. von dem Fische KÖaavcpog. Um seine Weibchen bemüht (er huldigt der Vielweiberei!) stürzt er wild auf den an der Angel befestigten, noch lebenden Köderfisch los, da er in ihm den Rivalen erblickt, und — wird zappelnd vom Fischer aus den Fluten gezogen. Der begrüßt ihn höhnend u. a. mit folgenden Worten: äXX' ißt dsvgo, yd/xog ob toi saviv evolfiog. 2 ) Unwillkürlich werden wir hier an die Gleichnisrede von der königlichen Hochzeit erinnert, in der es nach Matth. XXII, 4 und 8 heißt: ftdvza etot,/.t,a- ösvts slg xovg yä/j,ovg sowie 6 fjbkv ydf.iog eVoi/idg 2 ) sonv. Auch dem Wesen des Menschen — er hat für ihn die Namen /.legoitsg, scprjfisQioi, smx'dövioi 3 ) — schenkt Oppian gelegentlich seine Aufmerksamkeit. Völlig im Einklang mit der Anschauung Homers, der in dem Menschen das armseligste Geschöpf erblickt, 4 ) weist er nicht selten auf die menschliche Schwachheit hin. Nachdem er von der unergründlichen Tiefe des Meeres gesprochen, sieht er sich zur Bemerkung veranlaßt: öXiyog de wog fieoojzeooi xal dXxt] (I, 87). Nur 300 Klafter ist nach ihm der Sterbliche in die Stille des Meeres hinabgedrungen (I, 83/84). Menschlichem Wissen ist ein Ziel gesetzt, es ist Stückwerk: fj/^elg d' dvögof^eoioi vorffiaat {levoa (peQOt/j,ev (I, 92). Den Abschnitt, in dem er von der Fortpflanzung der Fische handelt, beschließt er mit dem Geständnis: dXX' sn vom' dtörjXov sv dvOgcbttOLGi TEWxtai (I, 594). Er weist ferner auf den ') Auch Musaios, den Dichter der lieblichen Erzählung von Hero und Leander, möchte man als Christen betrachten auf Grund von v. 137: yuox^Q ij a' tXöxevoe (layMQtuzi). *) Betr. Svolfwg und ttoi/.i,os vgl. Kühner 3 , Gr. d. gr. Spr. I, 32G, 7. °) Z. B. in I, 87, 276 und 486. 4 ) Jl. XVII, 446/47. 19 menschlichen Starrsinn hin, der selbst der Wahrheit nicht sein Ohr leihen will (I, 219/20). Doch in ganz anderer Beleuchtung tritt uns die »Krone der Schöpfung« in den Eingangsversen des 5. Gesanges entgegen. Hier betont der Dichter die Gottähnlichkeit des Menschen: ixeXrjv /j,a>tdQeooi yevedhijv (v. 4) und uvtcojtöv fiaxagsaat yevog (v. 7). Hier lesen wir die stolzen, an Horaz 1 ) anklingenden Worte: ovdsv /.LSoönsGßov ä/.ir'izavov. Selbst im Kampfe gegen die Riesen des Meeres (xrjrea) kann man von einem fj/.iegia)v ä^ayfiv yevog (v. 42) sprechen. Gelegentlich übt Oppian vernichtende Kritik an dem Menschen. Solange die Kriegsfackel lodert, unterscheiden sich die Sterblichen durchaus nicht von wilden Tieren, sie sind Xsövtiov alvötßQOi (II, 670/71); sofort tritt er den Beweis für seine Behauptung an, indem er ihr blindes Wüten gegen der Götter und Menschen Eigentum hervorbebt. Mit rücksichtsloser Strenge verwirft er ferner das Gebaren der Thraker und der Bewohner von Byzanz, welche die Jagd auf Delphine ausüben, obwohl sie verabscheuenswürdig ist; denn nicht — so führt er näher aus —■ dürfte sich der den Göttern mit willkommenem Opfer nähern oder ihren Altar rein berühren, welcher absichtlich den Delphinen Verderben sinnt. Der Dichter schließt mit der Bemerkung: Sie dürften weder Kinder noch Eltern verschonen und selbst Brüder leichten Sinnes dem Untergang weihen (V, 416—419 und 523—525). Allzusehr müssen die Zeitgenossen Oppians den Tafelfreuden gefrönt haben. Zweimal ergreift er die Gelegenheit aufs eindringlichste gegen das Laster der Völlerei zu Felde zu ziehen 2 ): Vernehmet, Geschlechter der Menschen, zu welchem Ende führet unsinnige Völlerei, wie viel Leid folget dem Vielfraß! (II, 217/18) oder: 1 ) carm. I, 3, 37: nil mortalibus ardui est. 2 ) Auch die Stoa bekämpfte unermüdlich die Genußsucht der Menschen; siehe Neue Jahrb. 1912, II. Abt., S. 13i. 2* 20 Haltet Maß im Essen! Nicht hänge dein Herz an reichlichen Schmaus! Ja, gar mancher ist unter den Menschen, der lockert die Zügel und in allem willfahret dem Bauch (II, 220—223). Schließlich: Nichts Schlimmeres gibt's als die Gier des unersättlichen Bauches, dergrausam beherrschetdenMenschen, ein lästiger Gebieter am häuslichen Herd, nie vergessend des Tributs; viele schon, geblendeten Sinnes, stürzt' er in Unglück und warf sie in Schande. (III, 197-201). III. Die Gleichnisse bei Oppian. In der Technik Oppians spielt das Gleichnis eine Hauptrolle; es ist ja nach Arist Rhet. III, 4 1 ) der Poesie eigen (jtoir)Tix6i>), während es in der Prosa nur selten gut verwendbar ist. Auch hier steht Oppian im Banne Homers. Allerdings verdanken nach Norden (a. a. O. S. 206) bei letzterem die Gleichnisse ihre Entstehung dem Streben nach plastischer Realität, während die reflektierenden Kunstdichter, so auch unser Oppian, sie ornatus causa einstreuen. Der Dichter will Abwechslung hereinbringen, den trockenen Stoff beleben, lebendigste Veranschaulichung soll herbeigeführt werden. Schon im Aufbau der Gleichnisse schließt sich Opp. aufs engste an Homer an. Kürzere Gleichnisse bestehen aus Vorder- und Nachsatz, wozu nicht selten erweiternde Nebensätze treten. Den Vordersatz allzu umfangreich zu gestalten vermeidet der Dichter. In der Regel wird der Erfahrungssatz als relativischer mit cog oder anderen Formeln gegeben, daran schließen sich anakoluthisch angefügte Hauptsätze, die zur weiteren Illustrierung der gegebenen Situation oder des entworfenen Gemäldes dienen sollen; in diesen Hauptsätzen wird mit Vorliebe der Ind. Praes. oder der •) Vgl. Quint. VIII, 6, 8—9. 21 Aoristus gnomicus verwendet. 1 ) Den Beschluß bildet dann der Nachsatz. Da Oppian ein Feind stereotyper Formen ist, wechseln bei ihm die Einführungsformeln in bunter Aufeinanderfolge : loog (slxelog, bfiolog, äXlymog) .... die;. 2 ) Gerne wird der Vergleich durch ein Korrelativpronomen hergestellt: öooov-TÖGOOv. Nicht selten tritt aber auch an Stelle des Korrektivs ein &g; d>g . . . totäde (tödoog, -uola). 2 Gleichnisse in eines zusammengezogen finden wir IV, 290: ola . . rj äave .... &g. Sonst ist der zur Vergleichung herangezogene Erfahrungssatz eingeführt durch: g im Nachsatz stets &g' 3 ) Auch bei Homer besonders beliebt. 4 ) Goethes Wahlverwandtschaften II, 7. 22 Wiege bis zum Grabe. Wie getreu schildert der Dichter die Angst und Sorge einer Mutter um die Tochter, welche ihrer schweren Stunde entgegensieht I 1 ) Erst des neuen Weltbürgers Schrei, der aus der Stube der Wöchnerin dringt, läßt die Angsterfüllte aufatmen (IV, 195). Tiefes Eingehen in die Psyche des Kindes ist aus folgendem ersichtlich 2 ): Feuerschein erregt die Aufmerksamkeit des unerfahrenen Kindes; es möchte spielen, lächelnd streckt es das Händchen aus um — durch Schaden klug zu werden. Oder die Versuchung, vielleicht die erste, tritt an das kleine Geschöpf heran; es will in Abwesenheit der Mutter naschen oder einen auffallenden Gegenstand berühren. Doch fürchtet es den Zorn der zurückkehrenden Mutter. Es faßt sich aber Mut, auf allen vieren kriecht es leise heran, da — übermannt es die Furcht, der Blick ist auf die Türe gebannt. Wir werfen mit dem Dichter einen flüchtigen Blick in die Ringschule (ttaXcucf/j,oovvr)g ävä X&qov), wo die Knaben nach den Befehlen des ernöxonog ihre Übungen machen (III, 257). Die Schule ist aus: nach Hause stürzt die Jugend ; ihnen folgen in entsprechender Entfernung die alterserfahrenen Pädagogen (sixiazonoi) : aidovq te nganlöcov te vöov t' emnf.irjvrjQsg rtQsoßvteQoi (I, 682/83). Unwillkürlich denken wir hier an Horazens Vater, der die Rolle des beaufsichtigenden Pädagogen selbst übernahm : ipse mihi custosincorruptissimusomnisCircumdoctores aderat. 3 ) In dem Gleichnis IV, 136 beobachten wir einen Jüngling, der plötzlich eines schönen Mädchens ansichtig wird und nun ganz sein Ziel vergessend den Spuren folgt (vom Erröten weiß der griechische Dichter nichts zu melden; doch *) Vgl. Jl. XI, 269. 2 ) III, 581 und 512; Homer schildert das Verhallen eines Kindes, das sich mit dem Bauen von Sandhäuschen die Langweile vertreibt: Jl. XV, 362. 3 ) Hör. sat. I, 6, 81/82. 23 vgl. IV, 17 l). 1 ) Auch den Wanderer am Dreiweg führt der Dichter seinem Leser vor: er schwankt, ob er zur Linken oder zur Rechten gehen soll; erst nach reiflichem Überlegen entschließt er sich (III, 501). An anderer Stelle (IV, 65) sehen wir Touristen sich abmühen in rabenfinsterer Nacht einen Berg zu erklimmen. Ein echt hellenistisches Motiv! Ein ähnliches Stimmungsbild enthält Aen. VI, 270 ff.; auch hier müssen wir wohl gemeinsame Vorlage annehmen. 2 ) Auch ans Krankenbett führt uns Oppian. Der Mensch, der von schwerer Krankheit aufs Lager geworfen wird, hängt am Leben und befolgt aufs peinlichste die Weisungen des Arztes. Doch wie er merkt, daß ihm der Tod auf dem Nacken sitzt (pve KfJQsg EmxQavecQGiv äcpvuvot, ä'idog), gibt er sich in sein Geschick — ein echter Stoiker! — nicht mehr verlangt er nach dem Leben, ausgestreckt auf dem Sterbebette erwartet er sein letztes Stündlein (III, 108 ff.). Wie rührend malt Opp. (IV, 256) den Schmerz der Eltern am Grabe des einzigen Sohnes! Sie zerschlagen ihre Brust, umfassen das Grabmal und wollen nicht mehr in ihr Heim zurückkehren, sondern gemeinsam mit dem teuren Toten sterben. Mit besonderer Vorliebe wird das in Kunst und Dichtung aller Zeiten so häufig wiederkehrende Thema behandelt: Abschied und Wiedersehen (I, 694; II, 313; IV, 153, 283, 290, 335). Wie wir in den Halieutika nicht selten militärischen Ausdrücken, dem militaris sermo, begegnen, 3 ) so sind auch Szenen aus dem Kriegsleben nichts Seltenes. Hier wird uns ein nächtlicher Ueberfall auf die schlafende Wache vor dem Tore geschildert (V, 232), dort von einer Kriegslist der Feinde erzählt: man zieht die Rüstung der auf dem ') Vgl. das homerische Wort aag-Oevonimjg! (II. XI, 385). 3 ) Belr. der ersten erweislichen Bergbesteigung vgl. Burckhardt, Griech. Kulturgeschichte IV, 609, wo hingewiesen wird auf Apoll. Rhod. I, 1103 ff. und Liv. 40, 22. 3 ) 1,442/43: xavä miyag-Xöyßioiv elxsXot, ■>) dexüdeaaiv; III, 610/11: höyoiai xey.Qcn^iivot.; I, 626: ßvgiöcpvXoL (pälayyeg; I, 678: (pgovQÖg argavög; III, 362: flvvvmv atgaxög; V, 121: äfoevg ovgatög. 24 Felde gebliebenen Gegner an und nähert sich den Toren der belagerten Stadt. Die eingeschlossenen Bürger öffnen bereitwilligst die Tore in dem Wahne, es seien ihre Leute, und nun folgt die Enttäuschung: xal ov yrj-drjöav evalgoig (III, 560 ff.)- 1 ) Recht bedenklich selbst für das Altertum ist das Vorgehen eines Feindes, der um in den Besitz einer belagerten Stadt zu gelangen die Brunnen vergiftete (IV, 685). Strebten doch schon die delphischen Amphiktionen eine humanere Kriegführung an, indem sie das Verbot des Wasserabschneidens erließen! Doch auch des Tages wird gedacht, „wenn endlich der Soldat ins Leben heimkehrt". Der Herold wird von den im Festgewande prangenden Gefährten eingeholt, die strahlenden Antlitzes (JVQCOOcbirq) (paidgcp) 2 ) aus seinem Munde die Siegeskunde empfangen (V, 232 ff.). Wenn dann das Kriegsgewölke (vscpog rtole/.ioto) 3 ) sich verzogen, dann atmet alles auf, bei Gelage und Tanz feiert man den Frieden und freut sich seiner Werke (BlQrjvrjg Kafidtoiai)*) Die verschiedenartigsten Berufe treten uns in den Gleichnissen der Halieutika entgegen. Der Arzt setzt die Blutegel — Opp. nennt sie öisgäg ysvsäg, xvavöxQoa M^v^g SQJtetd — 5 ) ans Geschwür des Kranken; sie tun ihre volle Schuldigkeit. Erst nachdem sie sich tüchtig vollgesogen, fallen sie aifioßaQf) (dieses Wort ist nach Pape nur bei Opp. gebraucht, es ist wohl eine Nachbildung des homerischen ] ) Von einem ähnlichen a%Qazi)yi]i.ia weiß der Byzantiner Anonymus in seiner Kriegswissenschaft, nsgl aTQcmjyc/.fig, zu berichten (VII, 3! Köchly-Rüstow II, 2. Abt. S. 63). ! ) Vgl. Soph. El. (ed. Schneidewin) 1297; Babrios (ed. Schneide- win) 106, 21. 3 ) Die gleiche Metapher in II. XVII, 243 und Pind. Nein. X, 9, (ed. Christ). ') Hai. I, 463 ff. 6 ) Auch Theoer. II, 56 tut des „hßvättg ßöella" Erwähnung; der Scholiast macht zu dieser Stelle nähere Angaben über den Aufenthalt und das Gebaren des Blulegels; ßöeXXa selbst bringt er mit ßöcü/.ecv in Beziehung, das die Attiker für AfieXyeiv anwenden. 25 olvoßaqriq; Pape bezieht es übrigens fälschlich auf ttovöv!) von selbst ab, Betrunkenen ähnlich (II, 597 ff.)- v. 603/04 erinnern an Hör. ars poet. v. 476: non missura cutem nisi plena cruoris, hirudo. I, 298 verbietet der behandelnde Arzt seinem Patienten jegliche Speise, nur allmählich gestattet er wieder kleinerere Rationen: tvv{hä ßogrjg (üqb^g voarjha (v. 301). Den Jäger begleiten wir IV, 586 in den Wald den Hirsch zu erjagen und umziehen das ganze Revier mit einem Seile, an dem Vogelfedern herabhängen und hin und her flattern. Durch dieses Blendzeug 1 ) wird das Wild eine Zeitlang im Walddistrikte festgehalten; sobald es nämlich an das Blendzeug herankommt, schlägt es vor ihm in eitler Flucht um (v. 590: nvcbaaovGi xevöv cpößov)}) Ein andermal (III, 386) gehen wir mit dem Jäger auf die Pantherjagd: eine Fallgrube (itäyi]) wird gegraben, als Köder dient ein grausam verstümmelter Hund (v. 388: O(piyyo)v äno /MJoea) ; der ganze Wald widerhallt von dem jämmerlichen Geheul des armen Tieres, das Wild wird angelockt und fällt die List nicht ahnend in die Grube, wo es vergeblich auf ein Entrinnen sinnt. 3 ) Auch das „poesievolle Metier" des Vogelstellers wird vergleichsweise herangezogen. Dabei erwähnt der Dichter 2 Fangmethoden: in dem einen Fall (II, 99) zieht der Vogelsteller mit einem Schlagbauer {ndyifj hinaus in Feld und Flur, der gelegte Köder (itVQOvg) muß zum Ziele führen; an der anderen Stelle (IV, 120) bedient er sich eines Netzes (ßQÖZog) und eines Lockvogels. Wir beobachten ferner den von der Weide zurückgekehrten Hirten beim Eintreiben (IV, 393): am Eingang des Stalles stehend zählt er genau die Schafe, ob ihm auch nicht eines fehle, und betritt als letzter den Pferch. Inmitten der wohl- ] ) Ps.-Opp. nennt es Kyn. IV, 889 ddßma diiQüv. -) Vgl. Miller, Das Jagdwesen der alten Griechen und Römer, S. 36. 3 ) Ps. Opp. schildert uns, einleitend mit Ir.lvov äg, etwas ausführlicher, doch in sichtlicher Abhängigkeit von unserer Stelle diese Art der Pantherjagd (IV, 211—229); Ballu bemerkt natürlich zu v. 217: quid similius? haec certe ab eadem manu profecta sunt! Siehe auch Arist. hist. an. IX, 6. 26 gerundeten Tenne (evTQOxdXoio äXofjg) 1 ) häufelt der Landmann das Getreide (IV, 497). V, 198 mühen sich 2 Holzarbeiter ab einen Bergriesen zu stürzen um Schiffbauholz herzustellen. Unter denjenigen, die einen sportlichen Beruf ausüben, werden erwähnt die Ringer (II, 277), die Wettläufer (IV, 101; V, 642) und die Seilzieher (III, 315). 2 ) Schließlich darf auch der Sänger nicht fehlen, der sich aufs peinlichste zum Wettgesange vorbereitet (V, 617). Einen recht traurigen Beruf hat sich der Wegelagerer erwählt, ein rjfieQOXoltrjg ävi']Q, 3 ) der das Tageslicht scheut und des Nachts frevlen Sinnes im engen Sträßchen dem vom Gelage heimkehrenden Zecher auflauert. Der trällert in seiner gehobenen Stimmung ein Liedchen vor sich hin, da bricht der Ruchlose aus seinem Verstecke hervor, schlägt den Ahnungslosen nieder und raubt den Betäubten aus (II, 408 ff). Und nun zu den Bildern, die dem Dichter das Studium der ewig reichen Natur geboten! In kurzen Strichen zeichnet er uns I, 792 ff. eine Schneelandschaft; er malt, wie zur Winterszeit der reißende Bergfluß in die Ebene hinabstürzt, dem Meere zu, roten Schlamm mit sich führend (V, 272), wie der Blitz des Zeus sich herabschlängelt auf den Kiel des das Meer durchschneidenden Schiffes (V, 282). In epischer Breite veranschaulicht er uns das langsame Absterben des durch einen Hieb verletzten Strauches (II, 490). Er gedenkt auch der Verschlingung von xiaoög und äkdvi] (IV, 293)/) J ) Hes. op. 597 und 804. *) Bekanntlich lädt schon in der Jl. VIII, 18 Zeus die Götter und Göttinnen zu einem Wettziehen ein um ihnen seine Überlegenheit zu beweisen. *) Die beiden Ausdrücke finden sich an gleicher Versstelle bei Hes. op. 605. *) Quint. Smyrn. stellt XIV, 175 xioaög und i'ißegig zusammen; vgl. auch Rohde, Gr. Roman S. 158, Anm. 2. 27 Mit besonderer Vorliebe führt er uns Tierpaare vor, die sich im Kampf ums Dasein feindlich gegenüberstehen: Hirsch und Schlange (II, 289; siehe auch Kyn. II, 233), Schwalbe und Schlange 1 ) sowie Igel und Schlange (II, 359). Gedacht wird ferner des Schakals, der den Hirsch zu Tode hetzt (II, 614; vgl. Jl. XI, 474 ff.), der an den Vorderläufen verwundeten und in der Flucht behemmten Hirschkuh (I, 237), der aus Ägypten abziehenden Kraniche (I, 620), 2 ) der lästigen Mücken, die zur Herbstzeit den Schnitter bei seiner beschwerlichen Arbeit belästigen und sich nicht eher zufrieden geben, als bis sie für ihre Unverschämtheit büßen oder von dem roten Blute gekostet haben (II, 446). Besonderes Interesse bieten die Verse II, 521 ff., weil wir hier näheren Aufschluß bekommen über Oppians Verhältnis zu seiner Vorlage. Es handelt die angegebene Stelle von dem Stiere und der Bremse. Das Motiv erscheint zuerst, mir angedeutet, bei Hom. Od. 22,299 ff.: /Weg g ö'ote xlg te /.ovcom Tevvf.i/.ievog eaavvo vavgog wiaed te ztQohjtobv aal eXeoivldag, ov de vo^ov, ov ö'äyeXiig öfteren, tcqi)ogei d'öööv, äXXotf änavatog, ') Quint. Smyrn. VII, 330 und XII, 489. 2 ) Vgl. die berechtigte Kritik dieser Stelle in dem trefflichen Programm von Pischinger, Der Vogelzug S. 29 (Eichstätt 1903|04). 28 äXXove ö'iom/xevog, xal ävä nXavbv avxev' äslgcov hpiv /j,vxr)/j,a, xaxq> ßeßolr)/.ievog olatgq)}) Eine vermehrte, teilweise verbesserte Auflage dieses Motivs finden wir nun bei Opp., der ohne Zweifel von dem hellenistischen Dichter abhängig ist; doch spinnt er das Vorgefundene in die Breite aus (bei Opp. sind aus den 5 Versen des Apoll. 11 Hexameter geworden!) bis zur Hyperbel, die mit der Wirklichkeit nicht mehr in Einklang zu bringen ist. Liebliche Bilder aus der Tierwelt entwirft der Dichter, wenn er die Freude der Zicklein schildert, die mit lautem Geblöke die Alten begrüßen, welche von grüner Au in den schattigen Stall zurückkehren (IV, 325), oder wenn er unsere Aufmerksamkeit auf das Schwalbennest lenkt, wo eben die Botin des Lenzes (v. 244: äagivov ^sfpvgov TCQaväyyeXoq ogvig) ihre noch nicht flüggen Jungen füttert. Schon beim Herannahen der Alten wird das kleine Volk unruhig, das ganze Haus ist erfüllt von seinen kreischenden Stimmen, weitauf sperrt es die Schnäbel (III, 243). V, 403 legt ein übermütiger Knabe eine Schildkröte auf den Rücken um sich zu ergötzen an ihrem vergeblichen Versuch wieder auf die Füße zu kommen; hin und her zappeln die runzeligen Füße- Auch den knosischen Hund führt uns Opp. bei der Jagdarbeit vor (IV, 274) sowie das Rennpferd, nachdem' es siegreich seinen Lauf vollendet (V, 183). Trefflich dargestellt ist auch das Gebaren von Meister Reineke (II, 107) der sich tot stellt um die Vögel anzulocken, ein Geschieht-. chen, 2 ) das sich bereits im Physiologus 3 ) vorfindet und selbst ') Apoll, gebraucht 1265 ßvarnt, 1269 olavQcp, beide bei Arist. (V, 138,20 u. 139,26 ed. Becker) zu den Dipteren gerechnet und noch nicht voneinander geschieden. Erst bei dem alexandrinischen Arzt und Naturforscher Sostratos finden wir die charakteristische Unterscheidung; vgl. Schol. Theoer. VI, 28: %öv oiovqov, vov (.vöomog üäavgarog biaaxiXl.u, oojieq iavl noki(.uog rolg ßovaiv . ., Schol. Apoll. Rhod. I, 1265 u. Schol. Theoer. VI, 28 (Didot). 2 ) Von ähnlicher absichtlicher Verstellung eines Affen berichtet Romanes, Die geistige Entwicklung im Tierreich, S. 343. s ) Peter, Der griech. Physiologus, S. 20. 29 in die Naturgeschichten des Mittelalters (Albertus Magnus, Konrad von Megenberg) Eingang gefunden hat. 1 ) Auch der alte Gesner weiß von dieser List' des Fuchses zu erzählen. 2 ) Für „Fuchs" gebraucht Opp. das seit Aristophanes angewendete und in der Fabel beliebte Wort xsQÖd) 3 ) (Babrios 19,3; 50,13; 81,1 u. 3; 106, 16 u. 20). Auffallend muß es erscheinen, daß der Löwe, welcher doch „der bei weitem beliebteste Gegenstand der Homerischen Gleichnisse ist", 4 ) uns bei Oppian nur selten begegnet. 5 ) Wohl betont der Dichter die bevorzugte Stellung des Löwen unter den Fleischfressern (II, 539/40: ävaxtsg . . ftr/geaai fist' (b[ii}avfjoi Movtsg), verleiht ihm die Epitheta OJ/x^oTryo (IV, 624) und sQißgvxvg (I, 709; bei Quint. Smyrn. III, 171 lesen wir EQlßQOvyog!) und weist hin auf die Tapferkeit, mit der er seine Jungen verteidigt: jeglichem Angriff trotzend kämpft er bis zum Tode um sie nur nicht der Gefangenschaft zu überantworten (I, 709). IV, 624 erzählt uns Oppian von dem Überfall eines Löwen auf eine Gazelle (ßovßaUg) und hebt besonders das eigene Gebaren des bedrohten Tieres hervor: die Gazelle verbirgt nämlich beim Angriff des Löwen ihren Kopf in irgend einem Versteck in dem Wahne, sie könne dadurch gerettet werden. Ähnliches berichtet Oppian von dem Fische öxiaiva, einem Vertreter der sciaenidae (Umberfische), und von dem Vogel Strauß. 0 ) Letzterer legt nach ihm das gleiche läppische Wesen an den ') Stadler in Bl. f. b. G. 42, 269. 2 ) Brehm 3 , II, 177. s ) Zur Erklärung des Wortes siehe Bergk, Gr. Lit.-Gesch. I, 128, Kretschmer in Kuhns Ztsch. 33, 562, Schol. Hai. I, 8 und Ael. A. H. VII, 47. Nach Ael. heißt y.eQda> die Füchsin, eine Notiz, die auf Aristophanes von Byzanz zurückgeht. 4 ) Düntzer, Homerische Abhandlungen S. 496. 6 ) Auch Quint. Smyrn. zieht den König der Tiere mit Vorliebe zum Vergleiche heran. 6 ) Nach Plaut. Pers. II, 2,17 „der überseeische Sperling", marinus passer; Opp. nennt ihn v. 630: Aißvqg niegoev ßovöv üyKV?.6ötiQov; letzteres Wort wohl eine Nachbildung des homerischen öov/.ixödtigog (Jl. XV, 692). 30 Tag- (v. 631: vr)ma texvd&i). Aus welcher Quelle schöpft hier wohl Oppian ? Sein Namensvetter behauptet Kyn. III, 482 den Strauß aus Autopsie zu kennen; selbstbewußt und stolz erklärt er v. 482: e/.wig Idov ocpdaX/iolmv, weiß aber von solcher Politik des Vogels Strauß nichts zu berichten. Vielleicht sind die stolzen Worte von Ps.-Opp. gar nicht ernst zu nehmen. Aelian z. B. erklärt in seiner Tiergeschichte (XI, 40), er habe zu Alexandria einen fünffüßigen Stier (rtevvdnoda ßovv) und die Mißgeburt eines Kalbes gesehen (aal rjv /.töcfftog evvavd-a vtjv XQÖav zi^gq) ngoßemaoftevog, xal sm tov &fj,ov ftöda um]Qt7]fi,svov elfte neQiegyov /iev ooa emßyvcu, xeXeiov de öaa eg nXdaiv). Hinterher aber stellte es sich heraus, daß er diese ganze Partie samt dem subjektiv klingenden edeaad^rp) aus seiner Vorlage, aus den Alyvntiaxd des Apion 1 ), herübergenommen hat! Natur und Menschenleben mußten sich in den Dienst des Dichters stellen. Zwar können die nur mit kurzen Strichen entworfenen Bilder fast durchweg nicht als originelle Einfälle der Phantasie des Dichters gelten — die Vorbilder begegnen uns allenthalben, vom Vater Homer angefangen bis auf die Alexandriner — aber wir müssen, wofern wir unbefangen urteilen und von der teilweise nicht ganz korrekten Sprache absehen, zugeben, daß doch etwas Poesie dahintersteckt, was Wilamowitz (a. a. O. S. 180) verneinen zu müssen glaubt. IV. Oppian als Zoologe. Wer mit dem Entwicklungsgang der antiken Zoologie vertraut ist, weiß wohl, daß in diesem Kapitel nicht die Rede sein kann von selbständigen Forschungen unseres Dichters; Zweck dieses Abschnittes ist es hinzuweisen auf die Quellen, aus denen Oppian schöpfen konnte, und an einzelnen ausgewählten Beispielen den Stand seiner naturkundlichen Kenntnisse darzulegen. ') Vgl. bes. Gellius N. A. VI, 8 und die Fragmente, gesammelt in FHG. III, 506-516. 31 Es sei mir im folgenden gestattet etwas weiter auszuholen! Die Tage naturwissenschaftlichen Forschens waren in dem Zeitalter Oppians längst vorbei. Kann ja selbst Pli- nius nicht als Zoologe bezeichnet werden: er ist Enzyklopädist (vgl- nat. hist. praef. § 14, ed. Sillig), der das Verdienst sich erworben hat in seiner Naturgeschichte reiches und wertvolles Material aufgestapelt zu haben, welches vielleicht sonst für immer verloren gegangen wäre. Er hat uns ein Sammelwerk gespendet, welches das gesamte Wissen seiner Zeit enthält: „Rerum natura, hoc est vita narratur", heißt es in der praefatio (§13); stolz äußert er: „praeterea iter non est trita auctoribus via nee qua peregrinari animus expetat." 1 ) Wie alle wissenschaftlichen Disziplinen der Römer so wurzelt auch die Zoologie auf griechischem Boden: Aristoteles muß und darf der „Vater der Zoologie" genannt werden. Selbstverständlich hat er in seinen naturwissenschaftlichen Werken auch den Fischen seine Aufmerksamkeit gewidmet. Welch reiche Kenntnisse er auf diesem Gebiet besaß, hat Hammerschmidt 2 ) dargetan in seinem Vortrag, den er auf der XX. Generalversammlung des bayr. Gymnasiallehrervereines gehalten hat. Erst in neuerer Zeit hat eine Behauptung des Stagiriten durch die Forschungen eines Gelehrten Bestätigung gefunden. 3 ) Der Meister selbst veranlaßte seinen Schüler, Klearch von Soloi, ftegi tcöv svv- öqcov zu schreiben. Die Forschungen wurden von der ari- J ) Hinweise auf das Bahnbrechende ihrer Leistungen sind bei griechischen wie römischen Dichtern beliebt; vgl. Riedner a. a. O. S. 67, der Lucr. I, 926/27 (ed. Lachmann) anführt: avia Pieridum peragro loca nullius ante Trita solo. Siehe auch Nemesianus v. 8/9: ducitque per avia, qua sola numquam trita rotis und Ps.-Opp., der von Artemis selbst ermuntert wird: 'EyQeo, xal TQi^xslav imareißwfiev dragitöv, j vtjv ßBQÖncüv ovnat zig if/g tndvr\m> doiöalav (Kgn. v, 20/21). 2 ) „Aristoteles als Zoologe": Bl. f. b. G. 35, 571 f. 3 ) Philolog. XL Suppl.-Bd. S. 315: „Die Angabe über die Lage der Gallenblase an der Leber (Arist. II, 16, 68) hat eine Sektion durch Dr. Chr. Gilbert bestätigt". Es handelt sich hier um den ßdzga'/.og ö dhsvg na/.ovßtvog, den Seeteufel (lophius piscatorius). 32 stotelischen oder peripatetischen Schule fortgesetzt. Doch sollte es nicht immer so bleiben. Wohl wurde auch in der Folgezeit mit einem Bienenfleiß gesammelt, doch der wissenschaftliche Charakter der Forschungen ging verloren. Das Auffallende und Wunderliche, das Unsichere und Fabelhafte, das von Aristoteles stets, soweit er natürlich dazu imstande war, als wissenschaftlich wertlos gebrandmarkt wurde, erregte das besondere Interesse der Nachfolger. Nicht mehr bemühte man sich im aristotelischen Sinne auf Grund der gemachten Beobachtungen Gesetze und Regeln aufzustellen, man vermißt den Geist der Kritik, der sichtet und den Kern der Wahrheit herauszuschälen bestrebt ist. So kam es, daß schon in der Zeit der Ptolemäer ,,die reine Naturwissenschaft eines Aristoteles und Theophrast durch 'O'avfiäöM äxovo/Mtta, durch latogiäv aagaöö^oov ovvayeoyai und Ähnliches überwuchert wurde." 1 ) Einen Fortschritt gegenüber Aristoteles bedeutet ohne Zweifel die teleologische Naturbetrachtung der Stoiker. Doch da sie stets nur von dem Streben beseelt sind hinzuweisen auf das zweckmäßige Schaffen der göttlichen Vorsehung, eine Lehre, die besonders von Chrysipp ausgebildet wurde, vergessen auch sie Kritik zu üben an dem reichen, ihnen zur Verfügung stehenden Material. Die so oft ventilierte Frage, ob das Tier Vernunft besitze, 2 ) suchen sie in der Weise zu lösen, daß sie alle vernunftmäßigen Handlungen beim Tiere vermittelst des rjYBfA,ovix6v erklären, durch das die Weltvernunft im Tiere wirkt. 3 ) Doch schätzte die Stoa den Menschen höher als das Tier, sie sprach von einer ävo/j,oiöv>]g (D. L. VII, 129), einer (absoluten) Ungleichheit zwischen Mensch und Tier. ») Stadler in Bl. f. b. G. 35, 502. 2 ) Arist. hist. an. I, 18: ßovfavvixöv de ßövov ävOgcoTiög ionv rw)> ^(fxov; Plut. de soll. an. 11,2: KXeüvi)r]S . . xalneg ov cpäaxav HSV&XfiV» tov Xöyov tu £a. 3 ) Man vgl. die Abhandlungen von Dyroff, Zur stoischen Tierpsychologie in Bl. f. b. G. 33, 399 ff. und 34, 416 ff. 33 Man ging aber noch einen Schritt weiter. Allmählich wird die Darstellung der Tierwelt in den zoologischen Schriften eine anthropomorphe, d. h. man glaubte menschliches Denken und Fühlen, menschliche Empfindungen und Tugenden beim Tier nachweisen zu können, eine Darstellung, die eine gewisse Verwandtschaft mit der Fabel nicht verleugnen kann. Der Zoologie der Kaiserzeit, vielleicht beeinflußt durch pythagoreische Lehre, gilt bereits die Wesensgleichheit von Mensch- und Tierseele als erwiesen, 1 ) bald ist das Tier vernünftiger denn der Mensch und es wird in ethischer Beziehung sogar höher gestellt: „Das Leben der Tiere wird in einer für die Menschen beschämenden Weise dem menschlichen entgegengesetzt". 2 ) Die zuletzt angedeutete Richtung können wir bereits in dem neunten, unechten 3 ) Buch der Aristotelischen Tiergeschichte beobachten und sie tritt bei allen Schriftstellern der Kaiserzeit klar zutage, so bes. bei Plinius, Aelian und Oppian. Sicherlich hat Oppian mehr aus Lehrbüchern als aus den Quellen der Natur geschöpft. Er „mag ja selbst auch Netze gestellt #nd Angeln ausgeworfen haben",*) er mag manch Interessantes im Verkehr mit erfahrenen Fischern gelernt haben — mit besonderer Ausführlichkeit schildert der Dichter den Fang der ävdiau in seiner Heimat (III, 205—280): man köderte dort die Fische eine Zeitlang; erst dann, wenn sie sich an den Menschen und seinen Kahn gewöhnt hatten, wurden sie aus dem nassen Element gezogen: avvol mavd-evveg eoinöra maivovoiv (v. 279) — doch konnte er sich die Mühe des Sammeins und der Eigenbeobachtung ersparen; denn zahlreiche zoologische Kompilationen, gefällige Handbücher standen ihm zur Verfügung, auch dichterische Versuche auf diesem Gebiete waren ihm sicher- ') Pauly-Wissowa s. Delphin Sp. 2505. 2 ) Schmid, Attizismus III, 3. 3 ) Dittmeyer, Die Unechtheit des 9. Buches der Aristotelischen Tiergeschichte (Bl. f. b. G. XXIII, 16, 65 u. 145ff.). 4 ) Wilamowitz a. a. O. S. 180. 34 lieh vorgelegen. 1 ) Über Fische und Fischfang zu schreiben war damals wahrlich kein gewagtes Unternehmen mehr! Athenaeus, der selbst eine leider verloren gegangene Abhandlung über den Seefisch d'gd.tta verfaßt hatte, 2 ) führt 1, 13 b eine Reihe von Schriftstellern an, die teils in poetischer Form teils in Prosa das erwähnte Thema behandelten: Kaixlhov Xsyco töv 'Agyeiov xai Nov/A,r)vtov töv 'HgaxXscötip>, JJayxgdt^v töv "Agxdöa, üoaeiöcbviov töv Koglv&iov, xai töv öXiyq) itgö rj/xäv yevöfievov 'Oizmavöv töv KiXixa. toaovtoig yäg evetvxofiEv enonoiolg äXievuxä yeygacpööf xataXoydörjv öe tä> SsXevxov tov Tagaecog xai Aecovlöov tov Bv^avtiov Das ganze 7. Buch des Athenaeus ist im Grunde nichts anderes als ein Fischkatalog in alphabetischer Anordnung (Athen. VIII, 277 c: xntä atoi%eZov td^oa tä övöfj,ata. Nur die ftgättcu, denen der Schriftsteller die Spezialuntersuchung gewidmet hatte, werden zwischen den %aXxldsc, und den ipfjttai besprochen). Die Tafelrunde der dewtvoaocpiatal führt gelehrte Gespräche und hält — meist vom Standpunkt des Gourmands — Revue ab übet die beliebtesten Fische: eine kulinarische Plauderei. Eine erkleckliche Anzahl von Schriftstellern wird uns bei dieser Gelegenheit mit Namen und Proben aus ihren Werken vorgestellt; doch bedeuten leider die meisten, da wir bei ihnen nur mit dürftigen Zutaten zu rechnen haben, für uns nicht mehr als leere Namen. 3 ) Da geistiges Eigentum im Altertum jeglichen gesetzlichen Schutzes entbehrte und die Schriftsteller, Prosaiker wie Dichter, ohne Angabe der Quelle ihren Gewährsmann ausschrieben und benützten, — manchmal recht gedankenlos und unverfroren, vgl. S. 30 — so ist es wahrlich nichts *) Es seien hier u. a. auch Ovids Halieutika erwähnt, ein Fischkatalog, in dem die einzelnen Fische nach ihrem Aufenthaltsort behandelt werden; vgl. Oppian Buch I, 93—408. *) Athen. VII, 138c: inel oüv iölq. fiou avyyiygamai %i negl xoti- ■cov, aiivd xä xatgccbzaTa vvv XsSfa. 3 ) Hermes 23, 187. *) Bei Belin de Balu (proleg. XIX ff.) eröffnet der Jambograph Ananios den Reigen der ichthyologischen Schriftsteller. 35 Leichtes den Autor ausfindig zu machen, dem Oppian folgte. Auf Grund vielfach wörtlicher und sachlicher Übereinstimmung unseres Dichters mit Aelian und Plut. de soll. an. gelangte Wellmann 1 ) zu dem Resultat, daß Oppian das in der Kaiserzeit beliebte Handbuch des Alexander von Myn- dos benutzte. Nach seinen Ausführungen würde sich die Abhängigkeit der einzelnen in Frage kommenden Autoren folgendermaßen gestalten: Plut. (de soll, an.), Opp. und Ael. schöpften aus Alexander von Myndos, letzterer zog hauptsächlich die Epitome des Aristophanes heran, 2 ) eine Zusammenstellung von Tiergeschichten in 4 Büchern, die erhaltenen und verlorenen Aristotelischen Schriften, aber auch anderen Quellen entnommen sind. Nach Wellmann ist es nicht unwahrscheinlich, daß Alexander bereits den Leonidas von Byzanz gekannt und bei ihm Anleihen gemacht hat. Dieser Leonidas, von Aelian öfters zitiert, galt samt seinem Vater Metrodorus als Autorität auf dem Gebiete der Fischkunde und des Fischfangs; auch in seinen ähemmd steckt bereits Gut, das aus der erwähnten Epitome stammt. Für Aelian kommt noch eine andere Quelle in Betracht, nämlich die Xöyob äfaevnxol des römischen Senators Damostratos, 3 ) eines „Wunderschriftstellers ersten Ranges", der insofern eine besondere Stellung einnimmt, als er von Aristoteles unabhängig ist. Er konnte als Römer besonders für die Verhältnisse im westlichen Becken des Mittelländischen Meeres 4 ) maßgebend sein. Auch Opp. führt uns in diese Gegenden: III, 542 ff. berichtet er von dem Fange des Schwertfisches (fycpiag) im Tyrrhenischen Meere durch die Massilioten, 5 ) a ) Hermes 26, 531 ff und 30, 161 ff. s ) Die beiden ersten Bücher sind herausgegeben von Spyr. Lambros im Supplementum Aristotelicum vol. I pars I, Berol. 1885. G ) Vgl. Wellmann in Hermes 30, 176 (Leonidas und Damostratos). 4 ) Hai. III, 621: i)/.iEvegrig älog; vgl. Pomp. Mela I, 6 und Ammian. Marc. 22, 8, 47. 6 ) v. 544: Maaailhjv, legrjv nöXiv. Schon bei Homer wird Isgög mit Vorliebe von Städten gebraucht (vgl. Od. I, 2; Jl. I, 99/100 u. bes. I, 366); also ist die Bemerkung des Scholiasten ieni)Vj.{,e-^d?.'ip unzutreffend. 3* 36 III, 620 ff. von dem der 4Hwoi (Thunfische), die im Frühjahr nach der Laichzeit vom Okeanos ins Mittelländische Meer wandern. 'frvvvooxÖJtoi (Aufpasser) halten von hoher Warte Ausschau um den Zug der herannahenden Fische ihren Kameraden rechtzeitig melden zu können (III, 637; vgl. Aristoph., Ritter 313 u. Curtius, Ges. Abh. I, 480/81). Vielleicht sind diese Partieen, in denen das Lokale in auffallender Weise betont ist, mit Damostratos in Zusammenhang zu bringen. Nachdem die Quellenfrage kurz gestreift worden ist, mögen noch naturkundliche Einzelheiten folgen, wodurch auch die Eigenart der Schriftstellerei Oppians charakterisiert wird. Oppian verfolgt mit der Herausgabe seiner aXismmd rein praktische Zwecke — ich möchte sein Werk als einen antiken Katechismus der Fischkunde und des Fischfangs bezeichnen — daher läßt er sich auf anatomische Erörterungen überhaupt nicht ein, wie auch ausführlichere beschreibende Partieen nicht allzu häufig vorkommen (z. B. I, 212; II, 581). Derjenige, der den Fischfang ausübt, 1 ) will unterrichtet werden von dem Aufenthalt der Fische, 2 ) von ihrer Lebensweise und Nahrung und von den verschiedenen Fangmethoden, die zum Ziele führen. Wir begegnen bei Opp. manchmal ganz anerkennenswerter Naturkenntnis, doch wird uns auch nicht selten ein zoologisches Märchen aufgetischt. Mit Hes. op. 276/78: diiva^e Kgovicov iX'&vai iiev xal ftrjQal xai olcovolg nets^volg, eafieiv äXXt)Xovq, snsi ov öixrj eGtlv £v 3 ) avvolg leugnet Oppian II, 43 das Vorhandensein des Gerecht.igkeits- 1 ) Opp. stellt an den Fischer hohe Anforderungen III, 29 ff.; nicht uninteressant ist es zu vergleichen, was Ps. Opp. (Kyn. I, 81 ff.) von einem tüchtigen Jäger verlangt. 2 ) Außer der allbekannten Bezeichnung l/ßveg verwendet Opp. noch vsnodsg, nlmijQeq, nlmeq (III, 63) und eXloneq (II, 658 III, 55, 89 u. ö.); letzteres Wort gebraucht er kollektiv, nicht generell (vgl. dagegen Philolog. XI, 281 ff.). 3 ) Bei Plut. de soll. an. 6,3 lesen wir (iez' abvolq. 37 gefühles. Infolgedessen gilt auch in dem Meere, der Stätte endlosen Mordens und Blutvergießens, das Recht des Stärkeren (I, 837; II, 45; III, 195; V, 54/55. Vgl. auch Ael. v. h. I, 1 und Brehm 2 S. 13: ,,Sie üben das Recht des Stärkeren in seiner ganzen Rücksichtslosigkeit"). Nur der zeOTQGvg (mugil, Meeräsche) schließt sich nach II, 642 ff. von dieser Mordgesellschaft aus; er wütet weder gegen Gattungsangehörige (b^öcpvXov) noch gegen andere Flossenträger, sondern nährt sich bloß von pflanzlichen Stoffen. Er ist also Vege- tarianer und zählt wohl zu den III, 424 erwähnten ßovavrjrpdyoi, lyßvsq; man kann bei ihnen von äyvä yeveftXa sprechen (II, 648). I, 110 werden mit dem xecfVQevg noch die xefpaXoi als öizaiöratov ysvog äX/j,r)g bezeichnet. In Zusammenhang mit diesem Faustrecht des Meeres bringt Opp. auch die heute noch nicht befriedigend gelöste Frage nach dem Schlafe der Fische (II, 657). 1 ) Nach ihm schlafen die Fische nie, weil ihnen stets und überall Verderben droht. Eine Ausnahme machen nur der rjfA,eQOKOiTfjg, der tagsüber im Sande ausgestreckt sein Schläfchen macht und erst nachts auf Beute ausgeht (II, 199 ff.), und der oxägog; er allein schläft des Nachts in irgend einem Verstecke den Schlaf des Gerechten (II, 661 ff). Letztere Notiz geht nach Athen. VII, 320a auf Seleukos, einen Landsmann des Apostels Paulus, zurück. Athen, fügt a. a. O. die Bemerkung hinzu: vovvo ös lacog öiä rpößov avtq) av/^ßaivei. Ferner gibt der erwähnte oxäqog nach I, 134 Laute von sich (vgl. die Knurrhähne !) und ist Wiederkäuer. 2 ) Wohl konnte Arist. für Gehör und Geruch keine Gänge entdecken, 3 ) doch aus der Praxis wußte man gar wohl, daß ') Auch Plin. behandelt X, 2G9 diese Frage. Aus gleichem Grunde schlafen nach Ps.-Opp. die Hasen nur mit offenen Augen: III, 511; Plin. n. h. XI, 147: quin et patentibus dormiunt lepores multique homines, quos Y.OQvßavtMV Graeci dicunt. ' 2 ) Unter den Vögeln wird die Trappe als Wiederkäuer bezeichnet (Aihen. IX, 390 f. u. Hermes 26, 496 Anm.). 3 ) Hammerschmidt a. a. O. S. 571. 38 beide Sinne bei den Fischen in ausgeprägtem Maße vorhanden waren. An zwei Stellen (III 427 ff. u. V, 155) hebt Opp. hervor, daß beim Fischfang größtes Stillschweigen sich empfiehlt. 1 ) Daß unser Dichter auch Geruchsinn bei den Fischen voraussetzte, ersehen wir besonders aus dem 3. Gesänge, wo er von dem Köder (öö?.og, ösXetQov, öeleag, elöaQ) handelt. Die mannigfachsten Mittel zum Anködern werden hier empfohlen: lebende und tote Fische, letztere auch angebraten; denn der Duft (III, 346: nviOOr] yaQ ecpekxetai r/ßvag slaco) lockt die Beute an. Toten Fischen wird gern ein Bleistückchen unters Maul befestigt, dskcpig genannt, so daß beim Angeln ähnliche Bewegungen wie beim lebenden Fisch hervorgerufen werden können. Dazu noch eine Reihe von Mittelchen, welche durch ihren pene* tränten Geruch die Opfer herbeilocken (III, 377, 401, 463, 484). 2 ) Auch sonst gibt er praktische Winke: so weist er darauf hin, daß selbst der Schatten des Menschen den Fisch verscheucht (III, 466), daß die Angel häufig emporgezogen werden muß (III, 474). Den Fischen ist eigen vörj/^a rtvnvöv und fiijng ettixkoicog 3 ) (III, 92/93), so daß es ihnen gelegentlich gelingt auch dem Menschen ein Schnippchen zu schlagen. Doch ist die Veranlagung auch bei den Fischen verschieden (II, 197/98): voi fiev xegdaheoi, voi d'äcpgoveg, ola xai i)iüv ävÖQaoiv, ovöe vi näaiv svaloi^öv ecrw vör^a. III, 576 spricht er auch von der äcpQOOvvi) der Fische; er nähert sich also dem Urteile Brehms, der u- a. behauptet: „Wir können die Fische nicht als begabte Tiere erklären" und „Auch Verstand haben die Fische, aber freilich sehr wenig". Die Küstenfische sind nach Opp. klüger als die Hochseefische (III, 175/76), wohl eine richtige Beobachtung, *) Die gleiche Verhaltungsmaßregel gibt Ps.-Opp. (I, 449/50) dem Jäger. 2 ) Plin. n. h. X, 194: Olfactum iis esse manifeste patet; quippe non omnes eadem esca capiuntur et prius quam adpetant odorantur. 3 ) An gleicher Versstelle bei Apoll. Arg. III, 781. 39 die sich leicht begründen läßt: hier gilt eben der Satz, daß Erfahrung klug macht. Eine der liebenswürdigsten Eigenschaften des Tieres ist. seine (pikodvoQyia, seine Liebe zu den Jungen und seine Fiirsorge für sie, 1 ) die ihren Eltern gleichen (I, 645: soixöteg olm toxsvaiv). 2 ) Nicht allein den Menschen sind nach Opp. die Kinder (vexva) das Liebste auf der Welt {cplXtata xal (pdeog yXvxsQätSQa 3 ) xal ßloroio), sondern auch den Tieren ist eingepflanzt avTodioaxTogTExeavoQif.ivgjiodog (1,702—708). Als Beispiel führt er an 1) den Löwen (siehe S. 29), 2) den Hirtenhund, 4 ) der selbst seinem Herrn gefährlich wird, wenn er Junge hat, 3) die Kuh, die jämmerlich blökt, wenn das Kälblein weggeführt wird, und 4) die Nachtigall oder die Schwalbe, welche laute Klage erheben, wenn ihre Jungen vom Menschen oder einer Schlange geraubt werden- Nach I, 647 nimmt Opp. betr. der Fische wohl an, daß bei den ^coovöxoi die Liebe zu den Jungen ausgeprägter ist als bei den cbotöxoi. Der Dichter gibt uns I, 221 eine wenn auch etwas übertriebene Darstellung von der Tätigkeit des kyßvr]ig (remora), beschreibt genau den vavxiXog und sein Gebaren I, 340, weist hin auf die Regenerationsfähigkeit der sxlvoi sowie auf das zähe Leben des öipifiögcov ysvog ögyäv (I, 142 ff.) und ist wohlunterrichtet (II, 56 ff.) von dem Phänomen der tierischen Elektrizität bei den Zitterrochen (vdgxT], tor- pedo). 5 ) Er schildert eingehend, wie Sepia offlcinalis auf der Flucht den Inhalt (#oAög) ihres Tintenbeutels ([trjxav) ausspritzt um sich der Verfolgung des Feindes zu entziehen (III, 157). Ähnliches berichtet er von der Gattung vev&ig ') Die Zoologen bezeichnen die Brutpflege mit dem Worte Neo- melie. Vgl. Cic. de nat. deor. II, 52, 123 und Ps.-Opp. III, 107 ff. ! ) Hes. op. 235: xir.xovaiv dt yvvaixtg Loiv.oxa vexvu yovtvoiv. 3 ) Moschos, Idyll. IV, 9: vöv nsv iyü vieoxov taov cpaieoaiv sßolatv; Catull 3, 5 u. 14,1. 4 ) Od. XX, 14/15. 5 ) Plut. de soll. an. 27,2; Diels, Über das physikal. System des Straton (Sitz.-Ber. d. Berl. Ak. 1893 S. 113) und Athen. VII, 314c, 40 (loligo, deutsch Kalmar), nur daß diese Art ein etwas rötliches Sekret absondert (III, 167). Ins Reich der Fabel gehört natürlich die Nachricht (II, 255 ff.), daß sich die Seeigel mit einem Steinchen beschweren um gegen den Wogenschwall besser aufkommen zu können. Ein ähnliches Anekdötchen weiß Plut- (de soll. an. X, 10) von den kretischen Bienen und den kilikischen Gänsen zu erzählen. Erstere beschweren sich mit Steinchen um nicht vom Winde aus der Flugrichtung abgetrieben zu werden, letztere nehmen Steinchen in den Schnabel um sich nicht dem Adler, ihrem Todfeinde, durch ihre Geschwätzigkeit verraten zu können. 1 ) Auch die Märe, daß der Polyp im Winter seine eigenen Füße benage, 2 ) bietet Opp. seinen Lesern: II, 243 ff. (vgl. auch Ps.-Opp. Kyn. III, 179), obgleich die Kritik schon frühzeitig einsetzte mit Arist. h. a. 8,2; auch Athen. VII, 316e weist das Märchen zurück mit einem entschiedenen vovvo d'edvl ipevöog'vnb yäg tcöv yoyygcov öt,a>x6/xevog tovg jvödag döixelvai. Plin. n. h. IX, 87 erklärt: Ipsum bracchia sua rodere falsa opinio est; id enim a congris evenit ei; sed renasci sicut colotis et lacertis caudas haud falsum (vgl. Ael. h. a. I, 27). Auch Aristotimus, der eine Wortführer in Plut. de soll. an. (IX, 2), stellt diese irrige Behauptung auf, doch wird ihm durch seinen Partner Phaidimus eine treffliche Erwiderung zuteil (XXVII, 8). Das Märchen dürfte uns zuerst begegnen bei Hes. op. 524: öv' dvöovsog (d. i. der Polyp) ov nööa tevösi. Übrigens trifft Opp. selbst das Richtige, wenn er I, 536/37 behauptet: novXvnoöog ö'öXooi te yd/j,oi, xal mxgög ö'Ae^ßog / avf.iq)sgevai. Den Beweis bringen die Verse 544/45: xal fcoög neg mv eti xeißevog avtcog, / ovdhv d/j,vv6[^evog öaivgevetau, öcpga fldvrjOL. ') Die Geschichte von den kilikischen Gänsen kehrt wieder bei Ammian. Marc. 18, 3, 9. Vgl. auch Plut. de soll. an. X, 12 (die Kraniche mit dem Steinchen) und Phile, de anim. propr. praef. u. v. 212 ff. s ) Vgl. Ps.-Opp. III, 173 über das Verhalten der Bären während der Winterruhe; Brehm 3 , Säugetiere 2. Bd., S. 223 und Plin. n. h. VIII, 127. 41 Auch spricht Opp. von dem Anpassungsvermögen des novXvnovq 3 ) (II, 233 und 298; Plin. n. h. IX, 87: colorem mutat ad similitudinem loci et maxume in metu). Eigenartig berührt uns die Nachricht von der Liebe des genannten Tieres zum Ölbaum (IV, 267—307, I, 310/11); es soll dadurch wohl nur die Tatsache hervorgerufen werden, daß es ans Land geht (vgl. Plin. IX, 86: soli mollium in siccum exeunt dumtaxat asperum; levitatem ödere). Noch seltsamer mutet uns das Liebesverhältnis zwischen den aaqyoi und den Ziegen an (IV, 308—373). Griechische Fabulierkunst erzählte anscheinend gerne von ganz merkwürdigen SQWteq; so berichteten z. B. gewisse Schriften von Theophrast und Klearch nach den Andeutungen des Athen. XIII, 606 c ff. von Iponeg, zwischen Mensch und Tier (Gans, Hahn, Pfau usw.). Proben solcher Schriftstellerei finden wir auch bei Opp. in den drei Delphinmärchen 2 ) des 5. Gesanges (V, 448—452—458—518). Die Delphine, von denen sich die Alten so viel zu erzählen wußten, sind nach I, 649 ursprünglich Menschen, die von Juppiter in Fische verwandelt wurden; 3 ) auf den Liebesdienst, den sie dem Meergott Poseidon erwiesen, wurde bereits S- 14 hingewiesen. Nach V, 425 ff. sind sie auch den Bewohnern der Insel Euböa Jagdgehilfen beim Fischfang und bekommen für die gewährte Unterstützung Anteil an der Beute. Für letztere Notiz gibt Brehm, 2 8. Bd., S. 157 eine Erklärung, indem er darauf hinweist, ,,daß die Delphine allerdings gemeinschaftlich jagen ') Beireff des geschicktesten Verwandlungskünstlers unter den Tieren, des Chamäleons, vgl. Plin. n. h. VIII, 122; Plut. Ale. 23 und Philo de ebriet. § 42. Letztere Stelle ist überaus wertvoll für die Geschichte der schon im Altertum bekannten, von neueren Naturforschern teilweise verworfenen Mimikrylehre. -) Vgl. die gediegene und interessante Heidelberger Dissertation von Aug. Marx, Griechische Märchen von dankbaren Tieren und Verwandtes. 3 ) Schol. Hai. I, 383: ol dii öelcplveg nQÖnjv tfoav uvdganot, xal ißovh'yOiiaav, Iva 'deonoi^Häat., xai jjbevißalev aiivovg ö Zevg öt,ä xovvo eig Ix&vag. 42 und dabei auch Flußmündungen truppweise umgeben, also den Fischern recht leicht zu reichlichem Fange verholfen haben können". Das 1. Delphinmärchen bringt Allbekanntes : es erzählt uns von der wunderbaren Errettung des lesbischen Sängers Arion durch den musikliebenden Delphin. Das zweite nennt Marx (a. a. O. S. 21) „ein einfaches, allerliebstes Idyll: einen Hirten in Libyen liebt ein Delphin mit heißer Liebesglut". Mit auffallender Ausführlichkeit wird die dritte Liebesgeschichte vorgetragen. Sie spielt in Äolien (Aioklg) und zwar, wie Opp. ausdrücklich hervorhebt, in der Zeit des Dichters: ovxi nakaibv, evp' rj/Mevegr) de yevk-d-Xf] (v. 459). x ) Während bei Pausanias die Liebe des Delphins zu dem Knaben begründet wird durch die Tatsache, daß das Tier von dem Menschen den Händen roher Fischer entrissen und dann aufs liebevollste gepflegt wird, erzählt uns Oppian die Geschichte einer Jugendliebe. Mensch und Tier kennen sich von frühester Jugend an, wachsen miteinander auf, lernen sich lieben. Auf den ersten Ruf schießt der Delphin pfeilgeschwind {rjvt' ö'Cotög, v. 477) heran um seinen Liebling zu liebkosen oder ihn auf dem Rücken zu tragen, wohin er es nur befiehlt. Ja sogar fremde Personen läßt er auf das Geheiß seines Gebieters (ävaQ aufsitzen. Als nun der Tod den Menschen dahinraffte, da sah man einige Tage den Delphin unruhig die Küste entlang schwimmen, nicht mehr nahm er die ihm dargebotenen Leckerbissen an und bald — war er spurlos verschwunden: ßvv de ftavövxi ftavelv eanevaev evalocp. Rückständig zeigt sich Oppian, wenn er seinen Lehrern die Paarung von Muräne und Schlange als Tatsache be- J ) Marx (a. a. O. S. 11): „Derartige Bestätigung ist bei Schriftstellern solchen Schlages [gemeint ist Pausanias!] nicht selten; es macht sich eben besser, wenn der Schriftsteller solch auffällige Nachrichten durch Autopsie verbürgt". Sowohl Pausanias, der uns III, 25, 7 eine fast ähnliche Geschichte auftischt mit der Versicherung „a-bvög elöov", wie Leonidas von Byzanz (Ael. n. a. II, 6), aller Wahrscheinlichkeit nach die Vorlage Oppians, wollen Selbsterlebtes bieten! 43 richtet: I, 554.*) Schon Nikander gestattet sich der gleichen Geschichte ein „ei y' etvfiov" beizufügen (Ther. 826). Der Schrei der xacfvogideg verkündet nach Opp. dem Menschen den nahen Tod: I, 398 (Ael. n. a. IX, 50; von weissagenden Fischen in Lydien erzählen uns Plut. de soll, an. 23, 11 und Ael. n. a. VIII, 8). Läßt schon Aristoteles „nicht nur die niederen, sondern selbst höher organisierte Tiere durch Urzeugung entstehen", 2 ) so werden wir uns auch nicht wundern, wenn wir bei Oppian hören, daß die ayQiVLdeg dem Schaume (äcpgög), die äyvcu gleich den Würmern faulendem Schlamme ihre Entstehung verdanken : I, 767 ff. (Exegesis Oppiani — Didot — S. 365 Sp. 2 Z. 22 ff: "Ou fj ä(pvr] äq>' vstov xal dve/A,ov ysvvävai, xal tov äcpQOv t^g dukävtrig, bftev xal ä ätrjv würde sich ganz ungezwungen die Apostrophe ff/srAt' "Egcog angliedern lassen. Gruppe c begegnet uns I, 209, 5 ) IV, 233 und 345. Wenn auch die Worte von Wilamowitz (a. a. O. S. 180: „Wie sehr die Rhetorik das Fundament ist, können bei beiden Oppianen die direkten Reden lehren; man wird direkt auf die Schulthemen gestoßen: ,,was mochte N. N. in der und der Situation wohl sagen") mehr für Ps.-Opp. Geltung haben, so findet sich doch gelegentlich auch bei unserem Dichter Ähnliches. So z. B. werden wie in der Fabel Tiere redend eingeführt II, 305 und V, 560. An ') ftnaioq bei Homer Beiname des Zeus. s ) Homer kennt die Verbindung ögzafiog ävdgüiv und Xa&v sowie xoinave Xaäv. 3 ) axr)izTovzog schon bei Homer der Beiname von ßaoilefig. 4 ) Jl. I, 176: öioTQEcpeav ßaaiXimv. 5 ) Vgl. die Aphoslrophierung des gleichen Fisches xößmAog durch Erinna (Athen. VII, 283 c) und Athen. VII, 282 f. 47 letzter Stelle warnt ein Delphin sein Junges vor dem frevlerischen Sinne der auf Beute ausziehenden Thraker: cpsvye, TSKog'/A,eQOJtsg yäg ävägaioi ovxefi' stalooi i][üv, äXXa oiörjQOV eqponXl^ovot, xal äyoijv (v. 560/61 u. ff.)- In ähnlicher Weise warnen bei Babrios -33 die von einem Landmann und seinem Sohne betrogenen Dohlen die Kraniche auf ihr Befragen, was vorgefallen sei: cßevyev' äv&ocbnayv ysvog itovrjQÖv, äXXa iikv ngbg aXXr)Xovg XaXelv fiaftovtcov, äXXa ö'sgya uroiovvvav (v. 22—24). Besonders beliebt ist bei Oppian die Litotes (?wvöti]g yXvxela, xä axX^oä f.ia?3axä>g Xsyovaa, wie sie Rittershausen in seiner Oppian-Ausgabe nannte. 1 ) Außer den 3 von dem genannten Gelehrten angeführten Fällen notierte ich mir noch folgende: ovx snisXmog IV, 311, V, 468; ovx svöi'if,uog IV, 264 ; 2 ) ov /iiaX' svol/j,cog III, 520; ovx ettLOttvog I, 20; ovx ätörjXog I, 554; ovx attaxeofte I, 725; ov xoaiKvt) II, 73; . ov cpaxöv V, 468; ovx efieXovöa u. ähnliche Verbindungen (sehr häufig); ovx äexovtsg I, 708, IV, 323, V, 577; ovx äfisXips IV, 303, V, 163; ovx sfj,äd"r]08 III, 102, IV, 278; ov und V, 560. An dvögäv und Xa&v sowie liame von ßaodevg. i Fisches TiößiuXog durch