(L ,1 Programm des K. Gymnasiums Amberg für 1903/04 von dem K. Gymnasiallehrer Dr. Julius Denk. Zu Laurents „ „ unteren „ 48 fl 1 ß 2 S> „ „ oberen „ 36 fl 5/17'y gemeine Einnahme 4 H 6 ß 19 '/.,<) etc. Alle seine Einnahmen boliefen sich auf 371 fl 2 ß 11 t) „ Ausgaben „ „ „ 352 fl 6 ß 21 <) 4 ) Stiidt. Archiv, Kirch.- u. Religions. Fase. I. 15 „beim Herrn Rektor Auf der schnei in seiner wohnstuebn 2 Ney Kliachl eingesetzt. Auch Ins Battstiebl (Badezimmer!) neu Khachl Auf der schuel in allen glassen (!) auch in des Rektors Lossament die öfen alle aussgebössert". (31. Oktobei' 1617.) J ) Nach einem „Vertrag zwischen den Räten der Stadt und dem M. Wolfgang Hegius, der stadtschneln Rectore und seiner geliebten Haussfrau .... wegen der allhieigen alumnen und beneficiaten, wie dieselben hinfüro ohne sonderbare Spitalsbeschwerung und Zuthuen bei gedachtem Herrn Rektore mit gebührlicher Cost und Unterhaltungen möchten und khönten versehen worden", bekam der Rektor für einen jeden Zögling, „deren vierzehn sind, wöchentlich einen halben Gulden Costgeldt (ferner) zween Gulden (?) Groschen Leukhauffs, 2 ) 78 Viertl Khorns, er lang(e) damit oder nicht". Frau Rektor erbot sich in diesem Vertrage „die Khnaben, bevorab und sonderlichen (besonders) die buesswürigen (miseros) und Kranichen, mit sünderung (Sonderung) der Speiss also zu traktirn und zuhalten, das dieselben ohne clag sein sollen". „Für gehabte Mühewaltung erhält der Rektor wöchentlich 1 fl". (8. August 1600.) 3 ) ') Stadt. Archiv, Kirch.- u. Religions. Fase. I. -) „Drauf-, Drangeid". ;l j Stiidt. Archiv Amborg, Kirch.- u. Religions. Fase. I. Ebenda hintor- liogt „ein Vorzeichnuss der täglichen Speissen, welche den Alumnis (der Bnrso) sollen verabreicht werden": Sonntag zu Mittag Abendts Ein Aufgeschnitten Suppen, Bin süss. Saurer oder grünes Kraut (ungekochtes!) 3 Pfd. fleisch (für alle Zöglinge!) und alle Mahlzeit 5 Mass Bier. Ein Salat, oder Ayergersten, oder Bim oder Üpft'el (Apfel) grün oder dürr, Ein Truckhenonbraton bey 4'/ 2 Pfd. oder ein Bin- g-ebriss, oder Birnbrütlein. Montag zu Mittag Abendts Ein Aufgeschnitten Suppen, ein hirsch- (hirse) oder gruessbreun im Sommer in Milch, im Winter ein grobes eingebrandten gruess (Gries) im Wasser und 3 Pfd. fleisch oder fleck. Küel (?) (Kohl?) oder Buben oder Gersten und 3 Pfd. fleisch. Dienstag zu Mittag Abendts Ein Aufgeschnitten Suppen, ein Kraut ins gemein oder geelb Buben und 3 l'fd. fleisch. Ein heydenbreun oder haaberbreun und 3 Pfd. fleisch. Mittwoch zu Mittag Abendts Ein Aufgeschn. Suppen, ein Woizenbreun und 3 Pfd. fleisch. Erbess (Erbsen) oder Buben und 3 Pfd. fleisch. 16 Als Leiter der Schule selbst hatte der Rektor die Ver- Avaltung des ganzen Schulwesens und die Inspektion über seine Kollegen und sämtliche Schüler. 1 ) Die Schule zählte anfangs 4, später 6 Klassen mit 4 2 ) bez. 6 Lehrern (Präceptoren, Schuldienern), Rektor nicht inbegriffen. Donnerstag zu Mittag Abendts Ein Auf. Suppen, ein Kraut ins geraein und 3 Pfd. fleisch. Ein Saure Gerste oder Bim oder Öpffel und 4 1 /, Pfd. Zwieffel oder Birnbrätlein. Frey tag zu Mittag Abendts Ein Erbess- (oder Milcliram- oder Milch- oder Habersuppen), Ein Stockfisch, oder Krautl oder Gelbruben, und zwee Ayerblay oder gestürzte Ayer oder Ochsenaugen oder Milchram-Schnizlein oder ein Ayerbreun. Ein brennte Suppen 3 Pfd. fisch oder Blateiss (?) oder Knett- lein (Knüdlein?) oder Brattwürst (!) Sonnabendts zu Mittag Abendts Ein Aufgeschnitten Suppen und Schnizlein, im Sommer Milch, im "Winter im Wasser. Linsen, 3 Pfd. fleisch oder wai(ch)gesottono Ayer. ') Stiidt. Archiv Amberg, Kirch.- u. Religions. Fase. I. 9 ) Prädikant Peter Ketzmann schildert in seinem Gutachten über die Schule dat. 6. November 1559 die vier Lehrer und den Rektor folgender- massen: „Es ist der Ering (gemeint ist der Lehrer der untersten Klasse, der infimus) ein junges unversuchtes blut, lest sich füren und brauchen, wie man haben will, do er jetzt zu "Wittenberg am besten studiren solte, damit ein man aus Im wurd (würde). So muss er jetzt seine beste Zeit hie zubringen. Do er alles was er in kurzer Zeit gelernt haben mag, fein sauber vergist. Wenn es nun lang herumbkumbt, nimmt er ein Weib und wird irgend ein Schreiber aus Im, der sein kuchenlatein ein wenig behalten hab und verstehe. Der Textor (der Lehrer der 2. Klasse, medivs) gefeit mir nicht übel — sein incessus und mores sind leidlich, achte auch (= ich glaube auch) er thue In der schull, was er soll. Der Oantor (der .dritte Lehrer) achte ich . . . füre ein eingezogenes . . . Leben . . . Was aber in der schull sowie lectiones sind, weis ich nit, halte in aber darzu nicht unfuglich (untauglich), besonders was die Musica belangt. Der Supremus (Seydel, der vierte Lehrer) ist gelert genug zu seinem Ambt ... das er zu hard sein solle, verstehe ich nicht. Don Schulmeister (ludiniarjister, Rektor) bclangendt, ist wenigors, ob er schon gelert genug ist, und an seiner geschicklichkeit niemand kein Mangel habe, so solt (sollte!) er doch wie von Herrn Bürgermeister gomelt (gemeldet), seinen collcgis ein ander exemplum diligenUae furgetragen und mehreres Ja am meisten In der schul gewest sein." (Stadt. Archiv Amberg, Kirch.- u. Religions. Fase. I.) 17 Die Lehrer waren akademisch gebildet und „graduiert", d. h. Magistri oder Baccalaurei. 1 ) Zum Abhören der kleinen Knaben wurden drei Zöglinge aus der Burse genommen, die eigens eine kleine Entschädigung für ihre Bemühung erhielten und daher Locaten 2 ) Messen. Den Religionsunterricht erteilten zwei Magistri Diaconi, angestellt an der Skt. Martinskirche, jeder eine Stunde in der Woche. 1 ) Die Präceptoren oder Lehrer hatten auch die Pflicht jede Woche abwechselnd die Schüler der Burse auf dem Gange zur Kirche, in der Kirche und auf dem Rückweg zu beaufsichtigen; Sonntags oder Feiertags musste sich der Rektor „mit allen seinen collegens" hiezu einfinden, doch den Chor zu regieren war dem Cantor allein ufgelegt" (aufgetragen). „Doch soll der ludimagister (Rektor) mit seinen collegis bei dem Pult steen". 3 ) Die Anstellung des Rektors und der Präceptoren geschah durch die Räte der Stadt; doch mussten die Berufenen „dem herkommen gemäss zum hiesigen Kirchenrat ad Examen sich fürstellig machen". 3 ) Die Besoldung leistete ebenfalls die Stadt aus den sog. vacierenden Messen. 4 ) Das Gehalt der einzelnen war verschieden: Z. B. i. J. 1576 erhielt „der Supremus 104 fl 20 Viertl Korn und freye Herberg", „der Medius 56 fl und nachdem er sich verheuratet und um Aufbesserung eingekommen, noch 4 fl und zu den 8 Viertl Korn noch 4 Viertl dazu" (anno 1571), „der Infimus 48 fl (vorher 42 fl). Nachdem er sich geheyratet (!) und um Aufbesserung eingekommen, noch 8 Viertl Korn und freye Herberg" (anno 1566). Der Vizerektor bekam i. J. 1688 „120 fl 20 Viertl Korn und von zwei Preuen (Süden) im Jahre das ungelt bewilligt. 5 ) Für akademisch Gebildete waren das geringe Gehälter. Bot sich daher Gelegenheit zur Verbesserung der prekären Stellung, so kündigten Rektor und Lehrer ihren Dienst. Z. B. wurde ') Mich. Schwaiger, Chronica oder kurze Beschreibung der churf. Stadt Amberg S. 18. (Rixner S. 4 zitiert Schwaigers Mitteilung nicht ganz richtig.) Vergl. beide! ') locare mieten. 3 ) Stadt. Archiv Amberg, Kirch.- u. Religions. Fase. I. J ) K. Kreisarchiv, Stadt Amberg. Fase. 505 Nr, 24. ") Stadt. Archiv Amberg, Kirch.- u. Religions. Fase. II Nr. 13. 2 18 M. Jeremias Helzlein, 1 ) Rektor der städtischen Schule, i. J. 1617 Konrektor im hiesigen kurfürstlichen Paedagogio; er gab daher den „Gemeindedienst" auf. Umgekehrt entliessen „die Räte der Stadt", falls sie zu Klagen Anlass hatten, das Lehrpersonal, wenn nicht die Betroffenen mit ihrer Kündigung zuvorkamen. 2 ) Bei diesem lockeren Dienstverhältnisse auf Ruf und Widerruf erscheint ein oftmaliger Lehrerwechsel damals nicht selten gewesen zu sein, freilich zum Nachteile der Schule. Daher wiederholen sich auch die Klagen über mangelhafte Fortschritte und über Disziplinlosigkeit der Schüler. Mit Strenge seines Amtes aber zu walten war einem Lehrer auch nicht zu raten, wollte er nicht von der Bürgerschaft dafür bei den Räten der Stadt verklagt werden, was beispielsweise 1559 dem Präceptor Seydel widerfuhr. „Was aber," bemerkt deshalb Prädikant Ketz- mann 3 ) in seinem Bedenken, „aus dem Zerteln und lindesein folge, zeugen die schönen Bxempel, so ich teglich bore und er- fare. Es ist kurz geschehen, das 4 schueler in einem berg ge- west, darin nicht geringen schaden gethan, ungescheiht (= ohne ') Er war der letzte Schulrektov dos kurf. Pädagogiums. Er starb als Professor der gr. u. lat. Sprache zu Loyden 1641. S. Rixner S. 13. ! ) Im Jahre 1585 wurde in der städtischen Lateinschule Visitation gehalten , die nicht gut ausgefallen war. „Mit bekhümmernuss haben wir (die Räte der Stadt) vernommen, dass die gute Schul, darauf doch jährlich ein Merkliches draufgeht, von Tag zu Tag abnimmt nicht allein an der Zahl sondern vielmehr an profedu, wie die scripta („Schulaufgaben") solchs aufweisen sollen". Dann wird geklagt „über der jrraeeeptoren grossen unfleiss, dabey die Knaben dan wenig proficirn khünnen" ferner über den Rektor „das er in andere Classes mit kheinem fuss (ge)khommen . . . lasset es also gehen, wie es gehet und einen jeden machen, wie er will. Ein selzsamos ansehen hat dieses auch und macht gemainer Bürgerschaft nachdenkhen, das Herr Roctor und (Präceptor) Kessler ihre aigne sühne selber zu instituirn ihnen nicht getrauen oder zum wenigst sich der mühe und arbeit beschwert finden und von desswegen dieselben in das churfürstl. paeäagogium schickhen und wirdt endtlich in gemain geredet, das es ihnen nicht soviel an der schulen als ihren aignen nuz und damit sie gute geruhige tage dabey haben mochten zu thun." Auf diesen Vorwurf hin vorlangte am 20. Juli 1585 der Rektor, seiner Stellung nicht mehr recht sicher, sein Zeugnis von der Stadt Amberg und bemerkte liicbei, wie er vor 3 Jahren hiehergekommen, seien in der Prima nicht mehr den (als) 8 diseipuli, in Secuncla 14 gewesen. Er verlasse sie weit besser, in prima 26, in seeunda 40". (Stadt. Archiv Amberg, Kirch.- u. Religions. Fase. I. 3 ) Siehe S. 16 Anm. 2. 19 Scheu) der Frauen, 1 ) des (!) der Berg- ist, die sie unzüchtig ge- lestert mit entblossung etc. etc. So sieht man, was für ein Auslaufen ans der Kirchen, für eine Zucht in der Kirchen, unter den Predigten und lectionibus (Lehrstunden) gehalten werde. Insonderheit wen (wenn) die pauperes in der Statt herumghen und In den funeribus (Beerdigungen). Vom fleiss oder unfleiss will ich jetzt nit sagen, do mancher knab 2 Jar in die schul gehet und nicht das Alphabeth könte etc. Darum ohne Zweifel mancher gute frumme man bedenken wird, er wolle seine Kinder eben so mehr daheimb behalten oder dieweil Tn die teutsche schull als dahin gehn lassen." Ketzmann rät daher „das man Jemand von Ratswegen darzu- orden, der zum Wenigsten wochenlichen wo nicht teglichen, zu ungewissen Zeiten, In die schull gehe, allda höre und sehe, wie es zugehe". „Man soll auch", sagt er, „den neuen Lehrer ein Viertl oder halb Jar Probirn, um seine Geschicklichkeit und mores kennen zu lernen". 2 ) Nach dem Bericht des Zeitgenossen Ketzmann war der Zustand der lateinischen Schule zu Amberg i. J. 1559 kein guter. Er findet die Ursache hauptsächlich im neuen Lehrplan — in der Überbürdung! „Die ingenia werden überschüttet". „Jetzt studirn sie Hebraice, werden Mathematici, Rhetores sollen sie sein, grosse gewaltige Disputationes declamationes halten, weis nicht obs mer nuzo oder schade und mag vielleicht woll sein, das die Präceptores Ire Studia hierdurch repetiren, welches Innen nuz sein mag, aber den knaben nicht. Das fundament aller sludien die Grammatik wird verseumbt .... die Ingenia werden durch so viele und mancherlei lectiones vaga und geraten dahin, das sie vill hohes anfahen (anfangen) und kheins mit fleiss ansehen. In omnibus aliquid et in toto nihil . . . Wenn man (dann) zu Wittenberg oder andern Orten die lectiones publicas hören soll, denken die hochgelerten Gesellen, sie haben alle kunst schon Zutretten . . . Auch die Präceptores hindern sich selb mit soviel lectionibus; wo nehmen sie die Zeit die scripta (der Schüler) zu emendirn? Das nicht die Wenigste und nötigste arbeit ist in fleissigen schulen" u. s. w. Auf Ansuchen der Räte der Stadt stellte Ketzmann folgenden Lehrplan auf: ') = der Frau! Q ) Stiidt. Archiv Amberg-, Kirch.- u. Religions. Fase. I. 20 „Die erst und prima Classis, 1 ) sind die lieben kinder, so erst anfallen (anfangen) zu lernen, mit Ihrer taffei, die lerne man fleissig die Litteras und Sillabas, nachmals auch lesen, für (vor) und nachmittag. Die 4 tag In der wochen, also das sie des tags viermal ordentlich verhöret werden. Doch, das die Erstehalbe stundt morgens Inen die stuck des Cathismen (Katechismus) fürgehalten werden, auff das sie die lernen und beten, darumb sie in einer (be)sondern stuben sein sollen. Damit durch Ir Nachsprechen anndere nicht verhindert werden. Welches woll auch geschehen kann unter der Zeit, do die andern In der Kirch sindt. Solchen Alphabetariis sollen teglich(en) nach essens 2 lateinische vocabula und den(en) die lesen ein kurz Verssle aus den Dictis sapientüm oder dgl. als die Dicta Catonis in seinem büchlein . . . fürgeschrieben werden. Damit sie bald anfangs die lateinische Sprache fassen, die sollen sie lernen und folgenden tags morgens auffsagen. Auch soll man die so lesen lernen, zum schreiben die buchstaben nachzumalen gewonen (gewöhnen) darzu die 12. Stund nach essens zu fuglich (passend). Die andere Classis ist nun derer, so des lesens fertig sindt und zuschreiben anfangen. Denen soll man den Donatum 2 ) und die generales regulas Grammatices, die 4 tag fürlesen und sie mit Declinirung und Conjugirung fleissig üben. Darumb dieselben tag Inen auch der kleine Catechismus Luth. lateinisch oder die proverbia Salomonis eines umb annder soll exponirt werden. Item nach essens soll und mag inen fürgelesen werden de eivitate morum oder die kleinen Fabullae Camerarii 3 ) oder die Dialogi Mosellani oder etliche kurze Coüoquia Erasmi. Item zur Vesper, zum Latein, wie maus nennt, die Disücha Catonis, die mimi publlcani oder dgl., damit sie auch In der Zeit die praecepta morum lernen und guter Sitten gewonen (gewöhnen), darumb sie morgens solche mimos oder Disticha neben dem Donat memoriter recitiren sollen und aus solchen lectionibus allen, soll für (vor) und nach essens der Donat 3 ) fleissig getrieben und die generales repetirt werden. ') Vom Jalirc 1C00 ist noch das ganze Schülerverzeichnis der 1. Klasse vorhanden. Die Schüler Sassen zu 5 in 13 Bänken (65 Schüler). Die oberen Kurse waren dafür schwach besetzt, kaum je 5 bis G Schüler. 2 ) Donat röm. Grammatiker, 354 n. Chr. n ) 0., Humanist, f 1574. Er war ein Schüler des Humanisten Mosel- lanus f 1524. 21 Die dritte Classis ist derer, die ihren Donatum woll können, die partes orationis kennen, mit Declinirung und Conjugirung wol geübet sindt, und die formationes casuum temporum gefast haben. Denen soll man nun die Grammaticam und Sintaxin latinam fürlesen, die sie fleissig auswendig lernen sollen und damit sie die praecepta und regulas ... in steter Übung haben, sollen Inen die praecepta morum Camerarij, die Fabulas Esopi, colloquia JSrasmi, Epistolae Cic: breviores searsim selectae, die Bucolica Vergilii fürgelesen und daraus sobald die grammatica und Construction getrieben werden, und man soll Inen auch formulas Loquendi deutsch fürgeben, die sobald sie verum und lateinisch reden, darin Inen die Vitia anzaigen, auch darob sein das sie feine rechte guete Lateinische Formulas reden, nach Art der Authorum, die sie hören, und nicht gestatten das sie des Küchenlateins so hart gewenen (gewöhnen) dessen sie sich nachmals schwerlich entwenen. Solche ubung ist sehr nuzlich und frachtbar. Item diese sollen wochenlich zwei scripta oiferirn, eines das sie selb machen, und etwas aus Iren lectionibus deutsch vertirn, damit die Präceptores sehen können, ob sie den (!) Sentenz auch gefast und verstehn und alsobald anfenglich fein ge- wonen recht zu vertirn. Daraus Inen dess leuchter (leichter) sein wird, widerumb das deutsche In das Latein zu bringen etc. Das ander Argumentum (scriptum) soll Inn (ihnen) der Präceptor fleissig fürdiktirn deutsch und sie lateinisch machen. Darin der Preceptor die vitia fleissig notirn und die elegantiam observiren soll. Item diesen soll zum Latein wie mans nennet, ein schöner Sentenz aus einem Poeten oder eine kurz apoptheg(a)ma (!)*) fürgeschrieben oder ein simile aus den similibus Erasmi fürgelesen werden so sie memoriter morgens neben der Gramm.: wider recitirn und explizirn sollen, und daraus examinirt werden. Item diesen solle man auch das elementale Grecum fürlegen. Damit sie Qrece lesen lernen und ein Anfang zu der griechischen sprach haben. Die viert und suprema classis sind die Ire Grammaticam und Sintaxim zimlich studirt haben, denen sol nun die Gramatica und syntaxis Greca sarabt der Prosodie fürgelegt und beide mit ihren partibus miteinander getrieben werden und damit sie bed (beide) sprachen soluta oratione und versibus (Prosa und Poesie) 0 =» Sentenz, Spruch. 22 exercitia haben klionnen, so soll man Inen (ihnen) die Capita doctrinae Graecae Camerarii die fdbulas Grecas, pugnam rana- rüm Homeri, Hesiodum, poemata Phocylidis, epistolas Grecas a Camer. collectas, apophtegmata greca, Isoer aus paraenesin ad Demonicum Theophrasti characteres und dergleichen opuscula, da sie bedes (beides) glitte Sitten und die linguam studirn können, fürlesen, Itein libellum Ciceronis de senectute grece et latine, die epistolas, officia, de amicitia Ciceronis, Yergilium, meiamorphosin Ovidii, Horatii odas, Terentium, etliche comoedias Plauti. Diese (die Schüler der 4. Klasse) sollen die wochen auch zwei scripta latina offerirn, eines prosa, das der Preceptor Inen fürdiktirn wirdt, darin abermal und zum fleissigsten die phrasis und pro- prietas sermonis soll observirt und getrieben werden, das sie sich gewenen (gewöhnen) zu reden und schreiben nach Art Irer Authoren, die sie hören, das andere aber Versibus, do (da) sie eine Fabulam Grecam, ein apopthegma grecum, ein praeeeptum morale latinis versibus reddirn (übersetzen) werden. Solche sollen wie die der 3. Classis die Precepta Gram, und Synt. grece (griech. Grammatik und Syntax) fleissig auswendig lernen und die fleissigen von Inen In allen lectionibus requirirt werden, Item der Preceptor, wo er den Yergilium lesen wird, soll er fleissig acht haben auff die Loca, die er aus dem Homero reddirt hat, dieselben den Knaben fürschreiben, explicirn und die Grammatica daraus mit Inen üben, damit die Knaben auch fein sehen und Exempla haben imitationis et versionis in utraque lingua, wie solche loca Macrobius \) fleissig annotiert hat. Zu mitag umb 12 biss zu einem (1 Ulli 1 ) sollen die 2 ersten Classes schreiben, die andern die musicam hören und darin fleissig geübt werden . . . des mitwochs für essen (Vor dem Essen) frue (früh) sollen alle Classes in Irem Catechismo verhöret werden ordenlich. Die 1. Classis soll ordenlich beten und die stueke des Catechismi erzelen, die 2. Classes soll den Catechismum mit der Ausslegung ausswendig sagen deutsch, die 3. classis soll latine beten und den Catechismum mit der Ausslegung latine recitirn. Dergleichen auch die 4. classis, wie woll man dieselbe darzue- halten mag, das sie grece beten und die Partes Catechismi recitirn damit sie dess besser gewöhnen die Sprache zu reden, darzue der Catechismus Losii mag gebraucht werden. Obnergestalt (wie ') Macrobius, Grammatiker 430 n. Chr. 23 oben) soll es mit dem beten auch des Sonnabends gehalten werden, bede Tag die 1. Stunde, die andere Stund aber des mittwochs und Sonabends für essens (vor Essen) sollen die in der 1. Classis in Latein, so sie tag über gehört, wieder aufsagen, damit sie es fein behalten und die die lesen lernen, sollen den Mittwoch den Catechismum lesen deutsch, den Sonnabendt das Evangelium deutsch. Die in der 2. Classe sollen des Mittwoch ordentlich das deutsch Testament lesen damit sie die göttliche Schrift ge- wonen (gewöhnen) und merken, des Sonnabends das Evangelium clominicale deutsch und lateinisch. Die in der 3. Classe des Mitwochen sollen sie das Elementale Orecum studirn und des Sonnabends das Evangelium clominicale latine explicirn und das Orecum lesen. Denen in der 4. Classe mag man den Mittwoch etliche schöne psalmos, durch Stigelium vertirt, oder sonsten etliche Quaestiones aus den locis communibus Philippi oder das examen Theologicum proponirn. Des Sonnabends aber soll man Inen das Evang. domin. oder die Epistl Domin. explicirn und die grammaticam mit ihnen betreiben und ein locum communem dazu erklären. Nach (dem) Essen aber soll Inen allen ein Ocium oder Vacatio a schola vergönnt sein . . . Doch sollen alle classes ein halb Stund für (vor) der Vesper ehe man lautet, In die schuel finden, aldo Ir Latein hören und Inen Ire scripta emen- clata wieder gegeben werden. Es solle auch der 3. und 4. classi nicht gestattet werden, dan (= als dass) sie latine reden, darumb auch die preceptores mit Inen latine reden werden, und solle billich allein die Grammatik und Syntaxis Latina und Greca Philippi In der schull behalten werden,.....und sollen zum wenigsten die Examina, dadurch die Ingenia und Ire profectus erkundet und nicht temere in andere Classes transferirt werden, von den dazu verordneten alle halbe Jar gehalten und die Knaben aus allen Iren lectioni- bus, so sie dasselbe halbe Jar gehört, verhört, Ire Lateinbuchle (Bücherl) und Ire scripta, so sie die Zeit gemacht und emendirt worden sind, besichtigt werden, zu welcher Zeit es auch billig wäre, das (dass) der Catechismus publice in der Kirchen und alle Kinder in (den) teutschen Schulen aldo zu Vesperzeit verhört würden. Do nun ein fleissiger getreuer Preceptor über (= ausser) solchen lectiones und lahores auch etwas privatim lesen, darzu er die geiertesten und besten Ingenia so nun uff die hohen 24 Schulen (Universitäten) zu schicken wären, auswelen kann, die (in ihrer Armut) nicht vermögen auf den hohen Schulen priyatos praeceptores zu halten, und ein sonderes Werk der Liebe beghen wolte (= besonderes Liebeswerk tun wollte) der mag Mitwochen und Sonabends, damit den andern Lernungen nichts entzogen werde, und auch des Sontags eine Stund nehmen, daran arithmeticam, initia mathemata, elementa Hebreae linguae insonderheit aber die Erotemata äialecticae Phüippi fürnehmen und zur Gelegenheit der Ingenia handeln. Das (dass) man aber solche studio, der Grammaticae fürziehen und dadurch allein grossen rhum (!) mit der Jugend schaden (zum Schaden der Jugend) suchen wolte — kann ich nicht rathen. Solche 4 Classes mit jetzt gemelten lectionibus und authori- bus deuchte mich wären überigs genug. Es solle auch der Schulmeister (Rektor) und alle seine Colla- boranten nicht allein ein jeder sein Stund halten sondern sollen beisammen In Irer arbeit bleiben,........ damit der Schulmeister sehe den fleis seiner collegarum, welchen er selb einem jeden seine lection ausstheilen .... solle. Es wolle aber auch ein erbar Rath allhier gedenken, dass sie (er) auch stipendia ordne, welche Gott angenehm und halb Eleemosyna (Almosen) sindt. Sintemal dadurch rechtschaffene leut erzogen werden." Mit Zugrundelegung des Ketzmannschen Lehrplanes scheint sich der Zustand der lat. Schule in den nächsten Jahren gebessert zu haben; denn der damalige Bürgermeister Michael Schwaiger schreibt in seiner Chronik (1564 verfasst): „Zu Ehren Gott, und den Bürgern zu gut, Die Schule gestiftet ward wohl gemut; Darin zu lernen viel guter Ding, Die wahrlich zu achten sind nicht gering." Auf Seite 18 ibidem ist zu lesen „die lateinische Scliuel ist mit allerley nothwendigen Lectionisten (Lehrmeistern), Graece et Laune wohl versehen. Es werden auch Disputationes et Exami- nationes etlichemal im Jahr gehalten, damit (womit) man vor Jahren auf Universitäten wohl begnügt gewesen wäre." Die Frequenz notiert er mit 350 Schülern, darunter 14 auf der Burse. 1 ) ] ) Sc\m\meister i. e. Rektor war damals Mag. Georg Agiicola und zwar v. J. 1557 bis 1566. (Schwaiger S. 7.) — Rixner S. 4 vermengt hier wieder die städt. Lateinschule mit dem kurf. Pädagogium. 25 Über die Besuchszahl und Leistungen der Anstalt in der Folgezeit fehlen Mitteilungen fast gänzlich. Die wenigen, die sich vorfinden, lauten nicht günstig. Der Visitationsbericht vom Jahre 1585 (siehe S. 18 Anm. 2) weist nach keiner Seite hin Erfreuliches auf und in dem Memo- riale, 1 ) das die Amberger Jesuiten an den Kurfürsten im Juli 1626 sandten, heisst es von dieser Schule geradeweg: „est schola enim illa etiam inter cives infamis." Die Hindernisse einer guten Entwicklung der Anstalt wurzelten ohne Zweifel in den damaligen Zeitverhältnissen selbst. Schon die wiederholten Religionsveränderungen in Amberg beunruhigten den Betrieb des Unterrichts. Zudem bestand seit 1566 alldort eine zweite humanistische Anstalt, nämlich das von Kurfürst Friedrich III. im ehemaligen Franziskanerkloster gegründete Pädagogium. Die Wiederkatholisierung Ambergs unter dem Kurfürsten Maximilian I. führte selbstverständlich die Auflösung beider Anstalten herbei. Im Jahre 1624 wurde das kurf.-calvinische Pädagogium aufgehoben und an dessen Stelle eröffneten im Jahre darauf die Jesuiten im Franziskanerkloster ihr Gymnasium mit Seminar. Als aber im Jahre 1626 die Franziskaner die Erlaubnis erhielten, in ihre alte Heimstätte zurückzukehren, wandten sich die Jesuiten im Juli desselben Jahres an den Kurfürsten mit dem Vorschlag („suaseri^nt"), ihnen das Gebäude der städt. Lateinschule von Skt. Martin zu übergeben. 2 ) „In den Skt. Martinsschulen" heisst es in dem bereits erwähnten Memoriale, „doziren ein Rektor und 6 Präceptoren, die samt den 12 Alumnen von den Renten der vacierenden Messen erhalten werden. Kaum mehr als 100 Schüler sind an der Anstalt , davon haben die vier oberen Klassen kaum je 5 — 6 Schüler; die beiden unteren Klassen haben zwar mehr, aber die meisten davon sind „Abecedarii" (die nicht so fast in der lateinischen als in der deutschen Sprache unterrichtet werden). In Anbetracht dieser geringen Schülerzahl der 4 oberen Klassen lohnt es sich nicht noch die Lehrer weiter zu unterhalten, Die Veranlassung zu ') K. Krcisarchiv Amberg. Fase. 505 Nr. 24. diesem Memoriale siehe Abhandlung II S. 54. 2 ) K. allg. Reichsarchiv München, Jesuitica Fase. 43 Nr. 703. Auer S. 20 schreibt: „Auf die Bitte des Stadtmagistrats übernahmen die Jesuiten 1625 noch die städtische Skt. Martinsschule" ist nicht richtig. 26 zudem letzteren die erforderliche Bildung fehlt und sie kaum lateinisch reden können. Das erhellt schon aus den Theaterstücken, die sie — wenigstens solange wir (Jes.) in Amherg sind — nur in deutscher Sprache gaben, und bei deren Aufführung die Präceptoren sogar die Hauptrollen übernommen hatten. Um die Schulzucht kümmern sie sich — zumal im Alumneum — blutwenig, daher auch die Schule bei der Bürgerschaft im Verrüfe stellt. In den höheren Klassen erklären sie schlüpfrige Aufboren ohne Auswahl („Authores impuros ac impurgatos") Plautus, Terentius etc. etc. Bei den öffentl. Aufführungen lassen sie durch die Schüler »Szenen zur Darstellung bringen, welche zu sehen und zu hören der Anstand verbietet (quae honestis oculis spectari, honestisve auribus audiri non potuerunt) ..... In ihrem Bekenntnisse sind sie mehr calvinistisch (magis Calvinus sapit quam Lutherus) als lutherisch; sie doziren auch nach calvinistischen Büchern. Die zwei Lehrer der beiden unteren Klassen könnte man ja noch einige Zeit beibehalten 1) hätten sie eine grössere Schülerzahl 2) waren sie auch im Unterricht fleissiger wie die übrigen 3) besteht Hoffnung, sie werden in die katholische Kirche zurückkehren. Namentlich könnte Präceptor Petrus Holm, da er ein guter Musiker ist, für den katholischen Chor verwendet werden. Die Alumnen der Skt. Martinsschule könnten zu den kurfürstlichen Zöglingen im Franziskanerkloster transferirt werden. Die welche sich dessen weigerten, könne man entlassen und dafür bravere und in der Musik kundigere Knaben aufnehmen. Nach Aufhebung der 4 oberen Klassen könnten die Unseligen (die Mitglieder Societät) den Unterricht im Gymnasium Skt. Martin übernehmen. Die zwei Lehrer der beiden unteren Kurse würden dann nach unserer Direktive unterrichten. Voraussichtlich würde auch die Bürgerschaft ihre Kinder lieber in die Martinsschule als zur Schule im Franziskanerkloster schicken, gegen letztere scheinen sie wegen der calvinistischen Tendenzen immer noch eine Abneigung zu haben. Der Stadtmagistrat wird um so weniger gegen die Entfernung der 4 oberen Präceptoren etw T as dagegen haben, wenn er seine Schule nicht entvölkert sieht. Es Hesse sich auch seiner Zeit das ganze Seminar aus dem Kloster, falls es wieder den Franziskanern zurückgegeben würde, ins Gymnasium Skt. Martin verlegen. Grosse Räumlichkeiten 27 stehen ja dort zur Verfügung. Die Schüler wären so auch näher bei der Skt. Martinskirche, in der man sie doch zweimal täglich zu den Gottesdiensten („ad divina officia decantanda atque audienda") gehen lassen muss." J ) Diese Darstellung verfehlte ihren Zweck nicht. Im Januar 1627 erfolgte die Auflösung der Martinsschule. Am 25. Januar wurden die Schlüssel zum Gebäude den Jesuiten übergeben und am 26. begann die Transferierung ihres Gymnasiums, Seminars u. s. w. in das Schulhaus auf der Krambrücke. Am 1. Februar wurde der Unterricht wieder aufgenommen. 2 ) ') K. Kreisarch. A., St. Arnberg. Fase. 505 Nr. 21. 2 ) Jesuitendiarium in der Registratur des K. Gyinn. zu Amberg'. — Über die entlassenen Zöglinge der Martinsschule schreibt am 27. Januar 1627 die Regierung an die Räte der Stadt: „Es khombt vor, das die enntlasseno alumni bei Skt. Martins Schnei hiebenvor (ehemalige) dem Mesner bei Skt. Martin das Leithcn (Läuten) verrichten helfen. Also sollt ihr uns berichten, ob, von wem, was gestalt, von was Zeit an, auch gegen was vor recompens sye darzu verobligirt gowest oder ob solches nicht villmehr aus guetwilligkeit geschehen." (Stadt. Archiv Amberg, Kirch.- u. Religions. Fase. I.) II. Das kurfürstliche, calvinische Pädagogium zu Amberg. Hiezu wurden benützt: Altingii Henrici Historia Ecclesiae Palatinae. (Monumenta pietatis virorum illust. Francof. 1701). K. Staatsbibliothek München. 4° Vai\ 33. Auer, Die "Wirksamkeit der Jesuiten in Amberg'. Amberg 1891. Brunner, Geschichte der Reformation des Klosters Waldsassen. Diarien (Tagebücher) der Jesuiten in der Registratur des K. Gymnasiums Amberg. Bgkhers Geschichte der Landschaft in der Oberpfalz. K. Kreisarchiv Amberg, Stadt Amberg Nr. 504. „ „ „ Hofkammerakt Nr. 2126. „ „ „ Repert. 25 Nr. 82 und 87. „ „ „ Administr. Akt 5070. Lippert, Geschichte der Gegenreformation. Pareus, Historia bavarico-palatina. Francof. 1717. K. Staatsbibliothek München. 4° Bav. 1423. Reichsarchiv K. allg., München, Oberpfälz. Religionswesen Nr. 51 und 54. Reichsarchiv K. allg., München, Jesuitica fasc. 43 Nr. 769. Rixner, Geschichte der Studienanstalt zu Amberg. Sulzbach 1832. Schels, Zur Geschichte des Studienseminars Amberg. Programm der Studienanstalt Amberg 1863. /Tis =<\ jixner schreibt in seiner „Geschichte der Studien-Anstalt zu Amberg" Seite 3 „Der erste Gründer der Studien- Anstalt zu Amberg war Churfürst Friedrich Tl. von der Rheinpfalz, der "Weise zugenannt". Diese Behauptung ist unrichtig. Schon lange vor Friedrich II. hatte in Amberg eine lateinische Schule bestanden. 1 ) Der nämliche Kurfürst kann aber auch nicht der Gründer des späteren kurfürstlichen Pädagogiums in Ambei'g genannt werden. Die Absicht eine solche Schule zu schaffen hatte er wohl. Dies entnehmen wir einem Schreiben des Administrators zu Waldsassen, Rudolf von Weze, an Friedrich IL: „Mir ist teils schriftlich teils mündlich angezeigt worden, dass E. Cliurf. Gnaden entschlossen in der Stadt Amberg ein Pedagogium aufzurichten, dazu . . . Ich vonn des Stieffts "Waldsassen einkhomen jährlich eine namhafte Summe gelts reichen soll." 2 ) Zum Unterhalt des künftigen Pädagogiums sollten nämlich folgende Klöster, und Pfarreien Beiträge leisten: a) Klöster: Waldsassen............31 Gulden Kastei : . .■ ...........21 „ Ensdorf (Enssdorf)........ 15 „ Reichenbäch ............. . 21 „ Walderbach...........20 „ Schöntal ............10 „ Michlfeld ............20 „ Speinsshart........... 20 „ Seligenpforten ..........20 „ ') Vcrgl. Abhandlung I. — Rixners irrtümliche Behauptung schrieben nach: Schels S. 4; Auer, Die Wirksamk. d. Jes. i. Amb. 1891, S. 18; Lippert, Gesch. der Gegenref. S. 163. -) Dat. 7. Okt. 1548 (K. Kreisarchiv Amberg, Stadt Amberg Nr. 504.) Über R. v. Weze s. Dr. Gg. Brunner, Gesch. d. Ref. des Klosters und Stiftl. Walds. S. 1S3. 3 34 Gnadenberg ........... 5 Gulden Weissenov ........... 15 „ b) die Pfarreien: Amberg ............ 10 Gulden Nabburg (Nabpurg) ........ 15 „ Cham (Chamb) .......... 20 Seligenpforten .......... 10 „ Weyden ............ 5 „ Aurbach ............. 6 „ Mockherdorff ....... . . . . 6 „ Kuim (Chulm) im Amt Waldeck ... 6 „ Schlicht (Schluecht) ..... ■■.... 8 Hanbach ............ 5 „ Hirschau ............4 „ „Von Amberg den vacirenden Messen . . 40 „ Von Neumarkt „ „ „ . . 20 „ Der Praumess zu Pelchenhofen Einkommen. Der Fraumess zu Polling halb Einkommen. Das Einkommen von einer vacirenden Mess in der Hofkapellen zu Neuenmarkt. Von der Praukapell zu Amberg einer Mess gefeil." J ) Friedrich II. wurde aber „durch zeitlichen totlichen Abgang", wie sein Vetter Friedrich III. am 10. Februar 1570 schreibt, 1 ) „gehindert Jm ßarfusser closter allhie nach abthuung 2 ) der darinn bis dahin gehabenen Milncherey und falschen Gottesdienst ein particularschul anzurichten". Sein Nachfolger Ottheinrich (1556 — 1559) befahl in der Erwägung, es möchte die Errichtung der kurf. Partikularschule „von wegen der noch unvollkommenen Gepeuen des closters leichtlich noch lenger verschoben werden ...... , dass bis zu entlicher Aufrichtung (der Schule) eine bestimmte Anzahl junger Knaben ungefähr in die 50 in die Kloster dieses Jren Liebden hierobigen Fürstentum sollen angenommen, daselbst mit kost und disciplin aber underhalten werden". 1 ) Die Einweisung solcher Knaben in die Oberpfälzischen Klöster erfolgte in der Tat. 3 ) Das Pädagogium aber wurde nicht errichtet. ') l£. Kreisavehiv Amberg-, Stadt Amberg- Nr. 504. ! ) Im Jahre 1555. . 3 ) Siehe S. 42. 35 Nach Ottheinrich's Tode übernahm die Regierung Kurfürst Friedrich III., mit dem Beinamen Pius (reg. 1559 —1585). Er war der calvinischen Religion zugetan. Diese auch bei seinen Untertanen allgemein zu verbreiten und zu befestigen bemühte er sich mit allen Kräften. Um dies zu erreichen, glaubte er vor allem den Mangel an Geistlichen oder „Kirchendienern" (defectus Pastorum ac Praeceptorum) zu beseitigen. 1 ) Behufs deren Heranbildung verwandelte er die philosophische Anstalt zu Heidelberg („collegium sapientiae") in eine theologische, 2 ) „ut esset templum, in quo juvenes ad ministerium sacrum, in spem ecclesiarum ac scholarum Palatinatus, educarentur". s ) "Weil aber die Zahl der Zöglinge im Kolleg zu Heidelberg anfangs gering war, so fasste Friedrich III. den Plan, drei Gymnasien oder Pädagogien als Vorbereitungsschulen 3 ) für das Kolleg zu gründen und zwar eines zu Heidelberg, ein zweites zu Neuhausen (bei Worms), ein drittes zu Amberg, ut ne Bavaris quideni palaestra litteraria deesset. 3 ') Wegen Errichtung des Pädagogiums zu Amberg veranlasste der Kurfürst seinen Sohn und Statthalter zu Amberg, Pfalzgrafen Ludwig, die nötigen Schritte zu tun. Am 31. Oktober 1563 wurden daher den Kirchendienern zu Amberg: Magistro Herrn Petrus Ketzmann, Prädikant, M. Herrn Andreas Pankratius, Pfarrherr, M. Herrn Martin Schal- linger, Diakon (alle drei zu Amberg) „wegen Aufrichtung eines Pädagogiums daselbst durch dazu deputirte Bete (Räte) folgende Punkte fürgehalten und gezeigt, um sie zu beratschlagen und zu erwegen, schriftlich niederzulegen und zu übergeben." Sie sollen das Barfüsser Kloster 4 ) besichtigen, ob dort Platz für 50 Knaben, nicht unter 14 Jahren, und Präceptores zu einem Gymnasio wäre. ') Altiuger pag. 193. 2 ) Altinger pag. 18fi. ") Pareus pag. 2G2: „Zu Ms scholis pueros minores et rudiores adoles- centes pietatis limpidos fontes a teneris unguiculis quasi cum lacte sugere et imbibere; tum elementis Latinae et Graecae lingnae ex auctoribus probatissi- mis; disciplinis denique instrumentalibus et Plnlosopliiae progymnasmatis im- bui: sie adolescentum ingeniis subactis, mentibus eultis; veluti semina doctri- narum inseri; eosque hoc eultu ad publicas lectiones Academiae et Collegium Sapientiae praeparari."" *) Das Franziskaucrkloster (jetzt Bruckmiillersclips Anwesen) wurde 1452 gegründet und 1555 aufgehoben. 36 Sie sollen (da man 5 oder 4 Präceptores nicht gleich haben kann) auf solche Personen bedacht sein, die eines christlichen Eifers auch gottesfürchtig, eingezogenen Wandels und mit Lastern unbefleckt seien. Auch sollen sie für die Haushaltung eine der Haushaltung erfahrene, ehrbare und aufrichtige Person gedenken, Statuten oder leges scholasticae anrichten, und was den Studiosen für Authores zu lesen. Nachdem anfangs das Hauptwerk eine gute Zeit bedürfen möchte, so sei der Statthalter entschlossen anfangs 15, 18 und bis in 20 Knaben, die gute ingenia haben, hieher zu verordnen und dieselben mit allem notwendigen Unterhalt versorgen zu lassen. Bis die Knaben ihre Kost im Kloster haben können, soll man sorgen, ob nicht in der Nähe eine ehrbare, gottesfürchtige und ernsthafte Person zu bekommen, die bis auf fernere Verordnung gedachte Knaben in die Kost angenommen hätte und was derselben für einen Knaben des Jahres zu geben. Sonderlich (sei) jetzt auf zwo gelehrte, taugliche (tugliche) und geschickte Personen zu gedenken: der Schulmeister zu Chamb. sei seiner Condition entledigt und dem Statthalter Ludwig gerühmt worden, ob er dieses Orts zu einem Präceptor mit Nutz(en) zu gebrauchen wäre. Es ist eine Ordnung, 1 ) wie es in der Sapiens 2 ) zu Heydel- bei'g, dann zwo Verzeichnisse, wie es in den Schulen zu Lauingen gehalten, zugestellt" (beigelegt). 3 ) Die genannten drei Kirchendiener übergaben am 23. Novbr. 1563 „ihr Bedenken (Gutachten) eines pedagogiums halber", wie folgt: Erstlich lassen wir gut sein . . . dass man zum wenigsten „ein Knaben zweintzig (20 Knaben) oder ja den halben Teil der ganzen Anzahl . . erwähle, die (und zwar diese) aus den Klosterschulen, die richtigsten, fleissigsten (vleisten") nehme. 4 ) Da sie aber nicht da sein würden, aus andern Stadt- und Fleckenschulen wähle, welche zwar hier examinirt werden mögen, damit man wissen könne, welche Verordnung der ledionum zu thun. J ) — Schulordnung. '-) Das Pädagogium zu Heidelberg. 3 ) K. Kreisarehiv Amberg, Stadt Amberg Nr. ") Vergl. S. 34. 504. 37 Statt der Erwählten kann man in die Klosterschulen arme Kinder aus den Städten und Flecken setzen. Besonders soll man der armen Pfarrherrn Kinder und der Klosterunterthanen bedenken. Besonders achten wir, dass nicht wohl unter sechs Personen zu Präceptoren unterhalten werden können, darunter 4 Magistri, die andern ehrlich gottesfurchtige Männer, unter welchen etliche dieser Schule zu Amberg 1 ) dienen als M. Agricola, 2 ) M. Codo- mannus und der Cantor gebraucht werden mögen. Von M. Petrus Wandereisen, der Schulmeister zu Chamb, wird uns seine Geschicklichkeit gerühmt, achten 3 ) ihn wohl zu gebrauchen, da er einen Superioretn und rectorem scholae leiden kann. Zudem ist ein feiner, stiller „gelahrter" Magister auch zu Nabburg M. Eaphael. Da (Wenn) nun ein grammaticus latinus und ein anderer grammaticus graecns, die da neben Virgüii, Ovidii etliche scripta, Horatium, Homerum, Hesiodum, . . . Cyri poediam (!) aus dem Xenophonte lesen, utriusque fleissige Übungen trieben, Neben ihnen ein Dialecticus und Poeta, der da neben Terentium etliche comoedias Plauti, epistolas, officia Ciceronis lese. Item ein Rhetor, der neben der rhetorica auch etliche orationes Ciceronis, Salustiam, Justin, und dergl. handelte, zu solchen ein Hebraeus, der die elementa Hebraea und daneben als ein Theologus auch Catechesie, locos communes, examen Theol. Philippi,*) etliche epist. Pauli neben einemMusico lese; solche oder dergl. lection.es achten wir übrig genug. Und können mittler Zeit, da man den profectum puerorum spüret, auch etliche Stunden in der Wochen die Arithmetica, mathemata und principia physices und andere in der Lauinger Schulordnung begriffener lectiones gelesen werden, besonders die- weilen der fürgeschlagenen Präceptoren etliche Medizin 5 ) Studium fürhaben (vorhaben). Und werden die Praeceptores wöchentlichen stili exercitium alterius 6 ) nwdi von den Knaben erfordern, dazu ihnen conveni- l ) Gemeint ist die lateinische Schule zu Amberg. ■) Im Jahre 1564 Rektor der städtischen lateinischen Schule zu Amberg. ') "Wir meinen, glauben. *) Phil. Melanchthon. ö ) Z. B. der angeführte Mag. Gg. Agricola, Rektor der städtisch en Lateinschule von 1557 bis 1566, studierte später Medizin, wurde 1560 Doktor, bald darauf Stadtphysikus dahier und starb als solcher 1575. (Rixner S. 7.) ") Griechisch und lateinisch. 38 entia argumenta 1 ) geben und fleissig emendirn. Auch zum Anfang bis zur Besserung der Knaben alle Quartal gemeine dis- putationes und declamationes die Knaben in ipsorum 2 ) praesentia halten lassen, dazu die positiones 3 ) machen und geben, wie in andern (Schul-) Ordnungen auch verzeichnet. Solche lectiones mögen die Knaben primae classis dieser Stadtschul mithören. — Solche primi könnten in kurzen Jahren lengsten in vieren zu den Universitäten verschickt werden, die Fakultates, zu welcher ein jeder genaturt, 4 ) zu studirn .... (Schliesslich) .....man beten soll, Gott selber möge Bector schdlae sein. Also ist unser Bedenken, dass mans mit einem Oeconomo 5 ) so bald auch versuchte, dem etlich Getreide zur Brotung und Getränk, auch etlich Fleisch und Fisch (visch) zu eins Vorteil und Holz gebe, darauf den Tisch taxiere, was ihm von eins (!) Knaben wöchentlich gegeben werden möchte. Und achten wir tauglich dazu Johann Grotschen Burger alhie und Spitalschreiber, der auch seine Wohnung im Kloster habe, damit die Knaben nicht lang und oft in der Stadt hin- und wieder vagirn dürften. Die Praeceptoren sollen bei den Knaben wohnen in dem Kloster (wegen der guten Zucht). Es sollen den dreien habi- tationes (Wohnungen) gereicht werden. Die Beweibten (zwei vielleicht) sollen zwei Stuben bekommen. Der 3. und 4., so gottesfürchtig, züchtig gelehrte ledige Personen seien, die für und für um und bei den Knaben, auch je besondere Stub'n und Kammer haben. Die eine Wohnung für die Beweibten soll in S. Anna Capelle, die andere auf dem Hopfenboden sein. Die 3. (für einen ledigen) auf dem äormitorio, neben den grossen Zellen im Eck, da (wo) beide Seiten der Zellen zusammenstossen, allda man drei oder vier Zellen zusammenbreche und eine Winterstube und ledorium (Schulstube) darausmache, in welcher der dritte Präceptor ein kleines untermachtes Schreibstuble hätte. Der vierte kann des Predigers Stüblein einnehmen, der Ökonom das Siechhauss. Beide grosse Sommer- und Winterrefecter (Speisesaal) samt dem Capitul- *) Übungsaufgaben. -) = Präceptoren. 3 ) Disposition. *) Tauglich. '") Speisemeister. 39 haus und der oberen Stuben, darin auch der dritte wohnen soll, sind genügend, Sommer und "Winter essen und die lectiones hören. Sonst lässt man die Zellen bleiben wie sie sind, für die Knaben je zwei und zwei Zimmer, dieweil sie eng sind. Die zwei ledigen Präceptoren sollen wegen der Zucht auch bei Tisch bei den Knaben sein, mit auf der Gassen, zur Kirchen und Schul gehen." l ) Auf grund dieses Vorschlages schrieb am 2. März 1564 Statthalter Pfalzgraf Ludwig dem Kurfürsten nach Heidelberg: „Damit ein Anfang gemacht werde, so schlage er vor, 16 Knaben, die tauglichsten und die ihre fundamenta wol gelernt, aus den Klöstern zu erfordern und dieselben mit Kost, Kleidern, Büchern und anderer Notdurft von den geistlichen Gefällen unterhalten, auch ihnen samt zweien Präceptoren im Parfüsser Kloster notwendige habitationes und lectoria lassen." 1 ) Als Präceptoren schlägt er vor: M. Petrus Wandereysen, früher Schulmeister in Cbam, und M. Cotomannus Schuldiener zu Amberg „ein gelerte, eingezogene Person". Er bespricht sodann die Aufnahme der Knaben, die Stellung bez. Pflichten der Präceptoren, die Notwendigkeit des Musikunterrichtes, zu dessen Lehrer er den hiesigen Cantor aus- ersehen habe. Am 23. April 1564 gab Kurfürst Friedrich III. auf diese „Vorschläge" seine Antwort: 1) Er lässt sich die zwei Präceptoren gefallen. Sie sollen zuvor (zu ihm) nach Heidelberg kommen ad examen (!). 2) Die notwendigen habitationes und lectoria sollen hergerichtet werden. 3) Soll man mit Joh. Grötschen unterhandeln die Oeconomica zu übernehmen. 4) Bezüglich des Cantors will er später resolviren. 1 ) Darauf wurde 25. Oktober 1564 nach Heidelberg berichtet: „M. Wandereysen (der erst mit Weib und Kind hiehergezogen) sei zu hauss noch nicht gerichtet; Cotomannus aber, eine schwache und (zu) weiten raysen unvermegliche Person und bei denen von Amberg mit Schuldiensten behafftet." Man soll sie daher „mit angeregter reiss verschonen". — „Die habitationes haben wir mit wenigsten Unkosten herzurichten Anfang ge- ') K. Kreisarchiv Amberg', Stadt Amberg Nr. 504. 40 nominell." Wandereysen stellt seine Forderungen etwas hoch. Er verlangt jährlich Besoldung 160 fl, dazu 8 fl fürs ümgelt. Item 24 Viertl Korn, 21 Viertl Gersten, 3 Viertl Weizen und Herberg im Kloster. .... Cotomannus ist mit der Besoldung wie Wandereysen zufrieden. Wir meinen aber „es sei ein lediger Magister von nöten. Demselben könnte man Wohnung im Kloster, Cost und Tisch gleich einem Stipendiaten und dazu eine Besoldung ungefähr 50 oder 60 fl geben. Der Ökonom Grötsch (Grotschen) wäre zur Haushaltung geneigt, aber seine Hausfrau ist ein schwach blödt Mensch. Der- halben (ist es) ihm beschwerlich, sein Haushalten von einander zu trennen. Er will 1, 2 oder 3 Knaben in Cost nehmen, aber zu weiterem könnte er sich nicht herbeilassen. „Wir haben nun einen andern gefunden: Lorenz Pökh, Chur- fürstl. Gegenschreiber der geistlichen Gefälle hier, welcher ein Zeitlang zu Wittenberg woll studiert, auch etliche Jahr zum Speinsshart und Eschenbach Schulmeister gewesen. Er ist eingezogen, aufrichtig, erbaren Wesens. Sein Weib ist gottesfürchtig und der Haushaltung sonderlich geübt." : ) Am 25. Novbr. 1564 erwiderte hierauf Friedrich III. aus Germersheim: „Man soll bedenken, dass die Unterhaltung der Knaben, so bisher in den Klöstern 2 ) angeordnet, ganz abgeschafft und auf Kosten der Klöster in das vorhabende Pädagogium gethan," da „bisher aus den Schülern, so in Clöstern eingestellt .... gar kein Nutzen gegen den grossen und mercklichen Unkosten, so auf die Knaben jährlich angewendet, erfolgt ist." „Es soll (aber) kein Knabe aufgenommen werden aussei 1 mit Einwilligung seiner Eltern, wenigstens muss er 15 oder 16 Jahre ') Diosor Pökh erhielt im J. 1566, als das Pädagogium errichtet wurde, die Verwalter- oder Okonomonstclle. Er hatte sie aber nur 2'/ 2 Jahre, dann wurde er wieder entfernt. Er Hess sich Unregelmässigkeiten in seinen gestellten Rechnungen zu schulden kommen, auch die Zöglinge klagten über ihn: „Die Schulzimmer seien schlecht geheizt, so daas sie die Hend in die Pusen (Busen) müssen schieben; die Speisen seien kaum halb gekocht, zu den unkochten Speisen (käme noch) saures Pier. Dess Ökonomen Weib thet ehr ein fluch den (als) sy ein Vatter Unsser bettete, Gesegnete Inen auch uff des essen mit dem teuffl etc." Kreisarchiv Rep. 25, Akt Nr. 87. 2 ; Siehe S. 34. 41 alt sein und die fundamenta Orammatices auch zum Teil wo möglich Ehetorices und Dialectices erlangt haben. Soviel die vorgeschlagenen Präceptoren betrifft, „sunderlich den Cottomannus, dieweil derselbe . . . etwas Plöd und unser Stadt Amberg Diener sein soll, wäre derselbe bei seinem jetzigen Dienst zu lassen, und auf eine andere Person zu denken. Wandereisen soll auf unsere Kosten zu uns herabkommen, damit wir uns mit demselben bereden können. Inmittels (unterdessen) aber kann mit der translation der Jugend aus den Klöstern stillgestanden und der Oeconomus (Pökh) bei seinen jetzigen Diensten gelassen werden." 1 ) Die ganze Angelegenheit ruhte über ein Jahr. Ein Hauptgrund hiefür war der Widerwillen der Amberger gegen den Calvinismus,' 2 ) teilweise auch die Zuneigung zu des Kurfürsten ältestem Sohne Ludwig, 2 ) dem damaligen Statthalter zu Amberg, der ein entschiedener Anhänger der lutherischen Lehre war. 8 ) Im Anfange des Jahres 1566 begab sich daher Kurfürst Friedrich III. selbst nach Amberg. 4 ) Nach längerem Verhandeln einigten sich der Kurfürst und die Amberger dahin „üb ipsi Ambergenses plerosque Ministros Luthercmos retinerent: \luos autem ex Reformatio acciperent, quoä diebus Dominicis in Coe- nobio (Kloster), Veneris (seil, diebus = Freitag) autem in templo Martiniano .... docerent. Praeterea eodem in Coenobio praeter sclwlam civicam in TJrbe aperiretur Illustre Paedagogeum, in' quo Juventus Superioris Palatinatus in Catechesi Heidelbergensi et artibus literalibus institueretur." 4 ) (Die Mehrzahl der Kirchendiener sollten lutherisch, zwei aber reformiert sein . . . Ausser der bestehenden städtischen Lateinschule sollte auch ein kurfürstliches Pädagogium im Franziskanerkloster eröffnet werden.) 4 ) Als Vorstand für die neuerrichtete Anstalt wurde aus Hirsch- ') K. Kreisarchiv, Stadt Amberg; Nr. 504. -) „Subditi ctiam studiosissimi Principis Litdovici, quem certum Patris in Electoratu haeredem esse norant, a Reformatimic omni abhorrebant."' Altinger pag. 196. 3 ) Lutheranae doctrinae et ceremoniis ita innutriius, ut abduci ab iis nee rationibus nee auetoritate posset. Altingor pag. 11)5. cfr. ibid. pag. 223 und Zschokke V, 222. 4 ) Altinger pag. 196. 42 berg in Schlesien M. Christophorus Schillinger 1 ) berufen. Ende März kam er hieher und trat Anfangs April (1566) das Rektorat an. Die Schule war in drei Klassen geteilt. 2 ) Anfänglich wollte sie nicht reüssieren (per contraria partium Lutheranarum studia); die Amberger Bevölkerung hatte kein Vertrauen zu dieser calvinischen Anstalt; nur Eegierungsräte und kurfürstliche Beamte schickten ihre Söhne in das kurfürstliche Pädagogium. 3 ) Für 50 Zöglinge war das Internat des Pädagogiums von vornherein räumlich hergerichtet worden. Diese Zahl wollte sich in den ersten Jahren des Betriebs nicht erreichen lassen; denn sonst hätte der Kurfürst nicht ein Schreiben dat. 10. Febr. 1570 an die Prälaten und Verwalter der Klöster Castl, Speinsshard, Michlfeld, Reiclien- bach, "Walderbach „da schulknaben In der kost gehaben sind" ergehen lassen, wornach die Schulen dort aufgehoben und die Schüler nach Amberg geschickt werden sollten. „Demnach befehlen wir Euch sambt und sond Ir wollet darob sein, damit diejenigen Knaben, so bei euch vorhanden gegen Verfertigung der Obligation so euch hiebey zukomt zum lengsten zwischen hie und nechstkommenden Pflngstfeiertagen alher geschickt und der bisher bei euch gehabener schulcost der Knaben gänzlich abgethan und aufgehoben werde." 4 ) Nur zehn Jahre hatte das calvinische Seminar bestanden. Am 26. Oktbr. 1576 starb Kurfürst III. Sein Sohn und Nachfolger Ludwig VI. führte sofort mit grösster Strenge die Augsburger Konfession wieder ein und verjagte die calvinischen Staatsdiener und Lehrer. 5 ) Kurz vor Weihnachten 1576 6 ) hob er daher auch das kurfürstliche Pädagogium zu Amberg auf. Aber bereits im Laufe des folgenden Jahres eröffnete er die Anstalt wieder für die studierende protestantische Jugend. ') Altinger pag. 197. Schillinger war ein Schüler Melanchthons. In Hirschberg bekleidete er das Amt eines Schulrektors, wurdo dort ,,06 Religionem~ entlassen und kam auf Empfehlung nach Amberg. Vergl. Rixner S. 8 und 9. '-) Das kurf. Pädagogium wurde also im April 1566 gegründet, nicht, wie Lippert, Geschichte der Gegenreformation S. 163 schreibt, 1555. 3 ) Altinger pag. 197. — Ausser Schillinger wurden als Präceptoren aufgestellt: M. Joh. Merklin und Dr. med. Volker Coiter. (Kreisarchiv, Repert. 25 Nr. 32.) 4 ) K. Kreisarchiv Amberg, Stadt Amberg Nr. 504. '"') Altinger pag. 230 ff. und Pareus -pag. 288. ") Altinger pag. 224. 43 Für die Zöglinge sorgte er in der mildtätigsten Weise, 1 ) doch mussten sie „bei ihrer Aufnahme versprechen seiner ') Rixner S. 10 und Schcls S. 5, Programm Amberg- 1862/63, insbesondere K. Kreisarchiv Amberg, Stadt Amberg Nr. 501. Die Zöglinge bekamen unentgeltlichen Unterricht und hatten freie Verpflegung; ausserdem erhielten sie gratis die Bücher, die Kleidung, Hemden. Schuhe etc. Arzt und Apotheker kosteten ihnen nichts. Dem erwähnton Archivakt Nr. 504, 3 liegt noch „die 31. Wochenrechnung von Hans Stainhauser Ökonom des Pädagogii vom Sonntag 1. Sept. bis Sonntag 8. Sept. 1583" bei. „Verzoichniss der Tisch und Personen, so ordinarie gespeist worden 5 Tisch an 51 Personen und 2 praeeeptorcs 1 Tisch „Ins Ökmiomi Gemach." Speisezettel: ^Sonntag fru: Suppe(n) Gerändelt Arbeis (Erbsen) Flcckh in Speckh; den Magistern : Suppen, Fleisch,Vögel.— zu Nachts: Salath und Ayer darauff, Zwetschcn, Schützenbraten. Montag frue: Suppen, Kraut, Wurst Suppen und Fleisch, den Mag. Vögl zu Nachts: Milchraun Suppen (Milchrahm) Gerendelte Gerste, weyss Rueben und wurst darauf, den Mag. Schützen in Zwieboln. Dienstag frue: Suppen, Griesmehl Suppen und Fleisch, den M. Vögl zu Nachts: Suppen, Heydelgemuss Eingedampftes in Nägelein, den M. suelz (eineSulz). Mittwoch fruo: Suppen, Kraut, Schweinfleisch und Wurst darauf Suppen und Fleisch, dem Zeidler und Magister Vögel und Bratwurst zu Nachts: Ayer, Zwetschen, Schützenbraten, Dem Herrn Zeidler, Mag. und Ökonom eine Ganss. Donnerstag frue: Suppen, gerändelte Hirsen, Kraut und Fleisch Suppen und Fleisch, dem Hrn. Zeidler Grandel zu Nachts: Suppen, Reyss Eingedämpftes in Zwiebeln, dem Hrn. Zeidler und Mag. eine junge Ganss. Freitag frue: Arbeissuppen (Erbsons.), Kraut, Grün fisch zu Nachts: Gebronnto Suppen, Bierpreu, Eingemachter Stockfisch, den Mag. eine Taube. Samstag frue: Mirauns. (Milchrahmsuppo), Kraut, Schweinfleisch, Grünfisch, den M. Ein Höcht zu Nachts: Suppen, Linsen, abgeschwclckt Schützenfleisch, den M. eine Taube." Es kostete damals, wie aus der beigefügten Rechnung ersichtlich: Das Pfund Ochsenfleisch 10 %, das Pfd. „Fleckh" 10 *), das Pfd. Hammelfleisch 7 #, das Pfd. Karpfen 16 ^, das Pfd. Höcht 28 c ), 1", Seidl Grundl 18 $, eine Gans 1 Schill. 12 e), 2 junge Tauben 18 e) etc. 44 Zeit sich zum Kirclien- und Schuldienst verwenden zu lassen" etc. *) Aber nicht lange genoss die Anstalt der Pflege und der Ruhe, die einem Gedeihen der Schule überhaupt so notwendig ist. Im Jahre 1583 ging Ludwig VI. der Milde mit Tod ab. Sein Bruder Job. Casimir, ein Anhänger des Calvinismus, übernahm für den neunjährigen Erbprinzen die Regierung. „Er ward ein Gewissenstyrann und ging rücksichtslos vor." 2 ) „Insbesondere suchte Casimir sofort das Amberger Pädagogium zur Pflanzschule künftiger Calvinisten zu machen." 3 ) Der lutherische Rektor Martin Heineck (Haineccius) und seine Kollegen . . . wurden (i. J. 1584) durch Calvinisten ersetzt und die gut lutherischen armen Studenten entlassen. 4 ) Im Jalire 1592 trat Friedrich IV. selbst die Regierung an. Calvinistisch erzogen änderte er auch den religiösen Charakter des Amberger Pädagogiums nicht. 5 ) So blieb es auch unter der Regierung Friedrich V. (1610 — 1620). Nach der Schlacht am weissen Berge (8. Nov. 1620) hatte Bayerns Herzog Maximilian die Oberpfalz überkommen.") Sein Bestreben war dieses Land wieder zu katholizieren. 7 ) Daher konnte auch das Amberger Pädagogium nicht mehr lange in der bisherigen Tendenz fortbestehen. Es wurde zwar nicht sofort Die „Einnahmen" der Kranken kamen damals dagegen hoch zu stehen, z. B. eine Apothekerrochnung v. J. 1592 für das Pädagogium enthalt (unter 118 Fällen!) 43 Lindentrinklein, 37 Purgirtränklein ä 26 kr bis 38 kr.! ') Schels S. 5. -) Fr. Lippert, Reformation in der Oberpfalz S. 142. «) Ibid. S. 144. 4 J Ibid. S. 148 und K. Reichsarchiv, Oberpf. Rel.-Wesen Nr. 51. 5 ) Auf dem grossen Landtag zu Nouraarkt i. d. Oborpf. im März 1598 gab Friedrich IV. an die Kirchenräte ein Memoriale von 16 Punkten. Der 14. Punkt stellte die Frage, wie man alle Schulen im ganzen Lande confor- miren konnte. Die Kirchenräte beantworteten die Frage dahin: „Ottheinrichs Ordnung sei veraltet. Man müsse in allen Schulen die Ordnung der Sapientiae zu Heidelberg einführen. Dieses ist bisher mit der Hofschul zu Neumarkt also gehalten worden, dass man die alumnos ad Tertiam classem huius Paedagogii hatt abgerichtet." K. Reichsarchiv, Oberpf. Relig.-Weson Nr. 54, S. 91. 6 ) Rechtlich zugesprochen erst i. J. 1628; daher nannte sich inzwischen Max nur „den römisch-katholischen seines gnädigst lieben Herrn und Vettern bevollmächtigten Kommissarius im Lande und Fürstentum der Oberpfalz". 7 ) .,Ante omnia curandum sibi existimavit , ut Catholica religio Herum restituatur." Reichsarchiv, Jesuitica Fase. 43. aufgehoben, aber den Einfluss der veränderten religiösen Verhältnisse verspürte es bald. Am 27. Septbr. 1621 sah sich der „Speissmeister" des Instituts genötigt der Regierung zu melden, „er könne nur mehr 4 Tische (Zöglinge) speisen, da Mangel an Bier, Teuerung der Viktualien, auch der geltverlag aus der Verwaltung sich abschneiden thut". 1 ) Nach Jahresumlauf wandte sich der Speisenmeister an die Regierung, es wolle „auf vorstehenden Winter für Kleider, Kost und anderes gesorgt werden". Da erachtete es der Statthalter Ambergs „für eine Nottdurft von Churf. Durch!, gdst. Bschaidt zunemen", „ob E. Drtl. gnädigst gemaint, fortan Stipendiaten widrigen und zwar Calvinische Religion dissorths aufzehalten". 2 ) Kurfürst Maximilan antwortete hierauf (3. Okt. 1622): „Wie es mit den Stipendiaten des Paedagogü zu Amberg und dem darüber laufenden Unkosten zehalten, wellen wir uns nechstens hierüber resolvirn und euch die Notdurlft zuschreiben lassen." '-) Am 12. Okt. gab der Kurfürst den Räten zu Amberg die versprochene Resolution: „Soviel . . . besagter Stipendiaten belangt, hette Euch ge- bhttrt Uns davon eilender gehorsamisten bericht zu thuen und weil Wir nit gemaint dergleichen Slipendiaten bevorab so der Calvinischen Confession zugethan hienfürthers underhalten zulassen. Alsso habt Ir Inen solches anzudeutten und den Unkosten gänzlich abzuschaffen." 2 ) Auf diese ernste Rüge brachten Statthalter und Räte als Entschuldigung vor „Seine churfstl. Durcbl. haben die Ständt und unterthanen der hierobigen Pfalz bei Eroberung derselben gdst. vertrösten lassen, Jedes Nemblich in Politischen und ver- mainten Geistlichen Standt dermalen ungeendert zelassen." Diese Instruktion glaubten sie auch u. a. auf das Pädagogium „als welches dem Kirchenwesen auf gewissen mass anhengig", weil ja die Zöglinge die Kirchenmusik besorgten, anwenden zu müssen und „daher anzufragen für unnötig gehalten". Sie wollen mit aller Behutsamkeit zu vernehmen geben „ob nit eben auch dieser Ursach willen jetziger Zeit die Abschaffung des Alumnats 3 ) (als l ) K. Kreisarchiv Amberg, Stadt Amberg- Nr. 504. *) K. Kreisarchiv, Hofkammer-Akt 2126. 3 ) = Pädagogium. 46 -------------- * dabei nichts gewisses zu gewarten dann 1 ) das die Calvinisten eine würkliche reformation in religionssachen darausmachen: diesselbe also bald aufs gehässigste aussbreiten und allenthalben darüber conclamirn würden) vileicht noch etwas zu temporisiren und an sich zuehalten sein möchte." 2 ) „Auss den vorbrachten und andern beweglichen Ursachen" gestattete laut Schreiben vom 10. Nov. 1622 der Kurfürst „die anbefohlene Abschaffung (des Pädagogiums) der Zeit und bis der Churfürstentag vorüber" hintanzuhalten. 2 ) Wohl durfte das Pädagogium fortbestehen: aber für das „Portkommen" der Stipendiaten war kläglich gesorgt. „Die Knaben im Closter" schreibt der Verwalter des Pädagogiums, Mich. "Weyssmann, am 15. Sept. 1623 an die Regierung, „sind dermassen zerrissen und zerfleischt (Sintemahl sie nun in die Zwey Jahr lang keine Kleidung empfangen) dass sie fast unter die leuthe zu gehn sich schämen müssen." 2 ) Zu gleicher Zeit aber (12. Sept. 1623) brachten die in Amberg weilenden kurfürstlichen Räte und subdelegirten „kaiserlichen" Commissäre 3 ) bei Maximilian die Auflösung des calvinischen Seminars in Vorschlag. 2 ) Im Jahre 1621 hatte Kurfürst Max die Jesuiten nach Amberg berufen und ihnen im Schlosse Wohnung angewiesen. Die Räte und Commissäre berichteten nun, diese „habitation" sei für die Patres Societatis mit vielen Unnahmlichkeiten verbunden. Sie müssten z. Z. „alle 3 mit ain Jungen wol selb vierter in ainer gehaizten Stuben wohnen" „von den Dienern allerley ungehörigkeiten" dulden etc. Für die Jesuiten wäre das Pädagogium im Franziskanerkloster eine passende Wohnung. Sie könnten dort auch die Direktion über die Alumni übernehmen, welche sich „bei unserm Gottesdienst und Music gebrauchen Hessen". Viele besonders die jüngeren möchten bleiben und die „religion Bnndern", auch sagen sie, dass sie „lieber die patres als die calvinischen praeceptores haben wollten. Ja auch die Bürgerschaft zue Amberg, so ohnedies ain aign vermainte Lutherische Schuell bei Skt. Martin haben. Item der Adl und gemaine Mann der- 4 ) = als. 5 ) Hofkammer-Akt 2126. °) Da die Regierungsbeamten in Amberg der calvinischen Lehre anhingen (siehe Schenkl S. 201), su sandte Max katholische Räte nach Amberg. 47 gleichen Meinung, dass sy lieber die Patres als vorige im Kloster sähen." J ) Am 26. Okt. endlich erwiderte der Kurfürst, man solle „es mit ermeltem (gemeldetem) Closter und paedagogio noch für Zeit in dem standt, wie es jetzund ist, ersizen lassen." 2 ) Unterdessen (16. Okt.) hatten aber die Räte und subdele- gierten Commissarii ein zweites Schreiben an den Kurfürsten abgehen lassen „wegen anderweitiger logirung allhie anwesender Herren Patrum Societatis und zugleich auch dess Ambergischen pedagogii oder closters halber", weil sie wegen der Wohnung im Kloster „von gedachter Herrn Patribus Innstendigst angelangt werden". Auch Hessen sie beifliessen, es seien jetzt zur Bekleidung der Knaben im Kloster 288 Taler notwendig. 2 ) Diese Summe verlangte nämlich die Regierung zu diesem Zwecke. 2 ) Der Kurfürst lies am 29. Okt. den Räten und Kommissären folgenden Bescheid zugehen: „Wir befehlen euch, dass Ihr gemelter Regierung über ihr Anfragen betreif Kleidung weder abschlägige noch willfährige sondern auf weiteres jedesmal diese Verantwort geben sollt, dass Ihrs unss bericht, aber noch keine resolution empfangen hatt." Sollten sie aber doch Kleidungsstoffe einkaufen, so „werdet ihr dasselb beschaidenlich abstellen" „und da die Knaben etwan auss Mangel der Klaider oder sonst im puedagogio nicht lenger bleiben wollten, keiner wider seinen Willen darin aufhalten..... Die dadurch entstandenen Ersparnisse sollen sie „zur Befriedigung der * Garnison 8 ) oder anderer dieses Landts Nottdurft" anordnen. 4 ) ') Hofkammer-Akt 2126. 2 )' K. Kreisarchiv Amberg, Stadt Amberg; Nr. 504. — Die Alumnen des Pädagogiums reichten selber durch die Regierung beim Kurfürsten ein Bittgesuch ein, worin sie klagen, „dass sie seit 3 Jahren weder victus noch amictus wie vor diesem" haben. „Mit dem victw wollen sie noch zufrieden sein; aber die Kleidung! Sie seien „ganz abgerissen und entblüsset" und schon stehe „der grausame kalte Winter vor der Thüre". Also bitten sie „unterthänigst und hochflehentlich" etc. ihnen „wie ehedem, an essen und trinkhen und insonderheit an Kleidung folgen zu lassen". Ibid. Die Regierung fügte ihrerseits hinzu „die Knaben haben sich dermassen an Kleidung abgeschleifft, dass sie diesen Winter für Frost sich nicht mehr behelfen künnen, die doch vormals jeden Jahrs .... zweymahl bekleidet worden". Ibid. 3 ) Nach der Besetzung der Oberpfalz i. J, 1620 lagen in Amberg 1000 Mann (Katholiken) als Besatzung. (Egkhers Gesch. der Landsch. i. d. Oberpf. S. 57.1 *) K. Kreisarchiv Amberg, Hofkammer-Akt 2126. 48 Ein kurfürstliches Schreiben vom 2. Nov. forderte aber direkt auf, es „solle das pedagogio habende Gefell zur Soldaten Zahlung" verwendet werden. 1 ) Auf dies hin äusserten am 16. Nov. die subdelegirten Kommissäre ihr Bedenken dahin, dass bisher das Pädagogium kein ständiges Einkommen gehabt. Die Unterhaltungskosten seien bisher von den geistlichen Gefällen hergenommen worden, dieser könne man sich aber zu „angedeutetem" Zwecke nicht bedienen. 1 ) Nun ruhte die Angelegenheit mit dem Pädagogium über ein halbes Jahr. Am 14. Juli 1624 erstattete der Amberger Kammerrat Pirclnnger (auf des Kurfürsten Veranlassung?) einen ausführlichen interessanten Bericht über das Pädagogium. Er vermutet, Kurfürstliche Durchlaucht haben den Bescheid vom 29. Oktober vergangenen Jahres in der Meinung gegeben „es würden sich diese alumni aus Mangel der Claider nach und nach von selber verlieren, so ist es in effectu nicht erfolgt, sondern es befinden sich ... bei 53 im Kloster. Darunter Zwee 2 ) vom Adl, die übrigen aber (ausser 6 oder 7) alle calvinische Predikanten Söhne, bei denen Müh und Hoffnung der Bekehrung ganz verlohren." Für diese 53 Knaben werden folgende Personen gehalten: „als erster ain Rector und 5 praeceptores, dann ain Medicus und chirurgus. 3 ) Beckh Thorwarth, auch der Speiss- maister sambt seinem Weib und ganzen Haussgesindt, darunter ein Haussknecht und drei Mägd." Für die adeligen Konviktoren wurde noch dazu ein eigener Sprachmeister gehalten. 4 ) Die Unterhaltungskosten berechnet Pirclnnger nach den letzten sechs Jahren durchschnittlich auf jährlich 1200 Gulden, die von l ) K. Kreisarckiv Amberg, Hofkämmer-Akt 2126. -) In den früheren Jahren war die Zahl der adeligen Zöglinge grosser. Im .1. 1600 verordnete Kurfürst Friedrich V., es sollten für die Adeligen von den 6 Tischen 2 Tische bestimmt sein und „zwar dergestalt, dass über den ersten Tisch zehen (10) Gräffliche, Herrliche und adeligen standts .... auf unsere costen erhalten, zum 2ten Tisch auch zehen (10), darunter Sechss vom. Adel, die andern vier aber anderer gueter ehrlicher und umb uns wohlverdienter Persohnen khinder seyun, um gebiihrendts Costgelt aufgenommen werden."' (Kreisarchiv Amberg, Administ.-Akt 5070.) a ). Rixner S. 5 teilt dieses Personal fälschlich der städtischen Lateinschule zu. 4 j Hofkammer-Akt 2126. 49 den geistlichen Gefällen allein genommen wurden. 1 ) „Nachdem aber E. Churf. Durchlaucht," fährt Pirchinger fort, „dieser und dergl. Gelter ... zu underhaltung der im Landt liegenden starken Garnisonen, 2 ) Besoldung der rhet (Räte) und Diener . . . selbs benötigt sind, also habe ich . . . unterthänigst erinnern . . . sollen, ob Sy bei solchem Notfall angeregtes Seminarium für eine Zeit lang" sperren und die Zöglinge, die Präceptoren samt Rector, Medicus, Chirurg, Beck entlassen sollten. Den Speisenmeister oder Hauspfleger, den Thorwarth und etliche Knaben könnte man wegen der feiertäglichen Musik mit Kost wie bisher behalten so z. B. die beiden adeligen Zöglinge und einige Katholische, welche zu unterrichten die Herren Patres (Jesuiten) erbötig sind. Später, meint P., „wenn es mit der Pfalz zu richtigkeit gelangt" d. h. die Übergabe der Pfalz an den Churfiirsten erfolgt ist, 3 ) könnte man „dieses seminarium gedachten Herrn Patribus völlig" übergeben. — Sollten vielleicht die Amberger (d. i. die Calvinisten) die Sperrung des Pädagogiums für einen Eingriff in Glaubenssachen bezeichnen, weil ihre Kirchenmusik merklich geschwächt sei, 5826 fl 6 Schill. 21' ') Die detaillierte Rechnung vom 2. Februar 1622 bis 2. Februar 1623 führt auf: e) dem Speissmeister zu teglich Verlag Umb Parcht u. dgl. (für) Filzhiet, hauben und was dazu gehörig Leinbat, Flachsen und Würkhen Tuch Uf der Apothek Uf Barbier und Pader Uf Schneider und Nätterloh Uf den Schuster Dem Tuchscheerer und Färber Prennholz Medici und der praeccptorcn Besoldung. . Schreiner, Schlosser . . . erlauft'ot. . . noch Pindter und Hopfen gerechnet. An Gctrait (Korn, Weizen, Gerste) 1179 Viertl. Diese Ausgaben erhöhten noch die durchwandernden Prädikanten, Schulmeister, Schueller und Stürzer (vagantes?), so im . . . Pädagogio ihr Einkehr und Niederlag gesucht und gehabt, nicht wenig." (Hofkammer-Akt 2126.) '-') „Herzog Maximilian, welcher wohl sah, dass nicht allein die Einwohner der Städte, sondern auch sämtliche Unterthanen ihrem vorigen Herrn besonders der Religion wegen noch immer in der Stille zugethan waren, er sich also von ihnen nichts Gutes zu versprechen hätte, legte in die Städte starke Garnisonen." (Egkhers Gesch. der Landsch. i. d. Oberpf. S. 57.) ü ) Hofkammer-Akt 2126. 110 „ 2 „ 3 of „ 6 „ 18 1 /, 18 „ 421 „ 5 „ . H 58 „ 5 „ 6 82 „ 4 „ 25 893 „ 1 „ 12 9 „ 3 n 10 704 „ 18 1075 „ Ausser was uf gepeu Darin wedui . . Pier 50 und deshalb bei den künftigen Land- und Ausschusstagen Beschwerde erheben, so könnten Churf. Durchlaucht das Vorgehen mit den stets starken Kriegszahlungen und andern täglichen Ausgaben entschuldigen, ferner dass ja das Seminar bloss ad tenvpus („für eine Zeit lang") gesperrt worden. Übrigens wäre i es einmal schwer zu verantworten, wenn „dergleichen verkehrte und desperirte Calvinistische Prädikanten Söhne ...... von den geistlichen Gefellen mit so schweren Unkosten lange nutrirt und erhalten werden sollen." 1 ) Bereits am 20. Juli erschien der kurfttrstl. Befehl „der Unkosten bei dem Pädagogio soviel als möglich abzustellen" und am 28. Juli eine zweite Aufforderung: „Sollen im Pädagogii (!) sambt (den) zweyen vom Adl nicht mehr als noch 6 Alumnen erhalten" werden. Letztere waren nämlich als Sänger beim Gottesdienst gedacht. Trotz dieses strikten Befehles aber blieb alles im alten Stand. Daher erteilte der Kurfürst am 29. August den Räten zu Amberg eine scharfe Rüge: „Schon am 29. Okt. und 2. Nov. 1623, dann wiederum am 20. und 31. Juli 1624 ist euch anbefohlen, die Alumnen zu Amberg fortgehen lassen zu sollen, so vernehmen wir doch, dass . . . kheins exsequirt worden. Es ist unsere Meinung, unsern letzten Befehl allbereit zu genügen." *) Dieser kurfürstliche Befehl wurde den Präceptoren und Alumnen sofort eröffnet. Und somit war mit Beginn des Monats September 1624 das calvinische Seminar aufgehoben. Die Präceptoren wandten sich hierauf am 15. Sept. durch die Regierung an den Kurfürsten, ihnen für den bevorstehenden Winter noch die Wohnung im Kloster und die Quartalbesoldung zu lassen. 2 ) ') Hofkammer-Akt 212G. -) „Also sind wir gdst. resolution in aller unterthünigkeit zu Pariron schuldig', willig und bereit. Wenn wir aber darneben der underthsten Hofnung' geleben und keineswegs darauf halten wollen, das E. Oh. D. so ganz eilend und zu angehender bevorstehender Kalten Winters Zeit uns samt unsern armen Weibern und kleinen unerzogenen vielen Kinderlein auszuschauen Vorhabens. Also gelangt an Ch. D. unser underth. demütigst Bitten und liehen E. Gh. "D. wollen aus angebohrner Churf. Mildkeit uns soviel Gnad beweisen und allein diesen Winter über nur die blosse, ohnedass lhere (leere!) Wohnung, weil zumbal solches ohne Aufwendung einiger spesa geschehen kann, uns gnedigst concedirn und vergönnen. Daneben ist auch unser Bitten unsere Besoldung über diess zu End laufenden Quartal zu prorogiren etc. etc. Des Paedogogii geweste Praeceptores: 51 Beides wurde ihnen gewährt. 1 ) Von den Zöglingen blieben nur ll. 2 ) Für sie wurde am 8. Oktober ein neuer Speisenmeister und Hausverwalter in der Person des katholischen Pfarr- und Spitalverwalters Johann Müller aufgestellt. Für jeden Knaben bekam er wöchentlich aus der Verwaltung der geistlichen Gefälle 2 fl. 30 kr. Dafür hatte er Kost, Wäsche, Licht etc. zu bestreiten. 2 ) Gleich nach Schliessung der calvinischen Anstalt stellten die Jesuiten an Kurf. Durchlaucht das Ansuchen, „ihnen das abgeschaffte Pädagogium sambt den Schulen und der Bibliothek" 3 ) M. Christian Becmanus Rektor M. Caspar Hom, secundae classis Praefectm Joan. Philipp Moller III. classis Wolfgang Botner Cantor und quartae classis praeceptor •loh. Salutius, 5. class. praec. Georg Müller, 6. class. praeceptor."' (Hofkammer-Akt 2126). Dieses Gesuch ist datiert vom 15. Sept. 1624. Lippert aber schreibt in seiner Gegenreformation S. 124: „Am 16. November 1623 war schon einer von ihnen (Präceptoren) Joh. Phil. Müller auf Befehl entlassen worden." Nun aber ist er 1624 noch da und heisst nicht J. Ph. Müller, sondern J. Ph. Moller!! ') Kurfürst schrieb am 16. November an die Räte: „. . . Nun inechten wir gern, das diese Leute mit nechston von Amberg und aus der Pfalz hinweg khenien. . . . ihr euch befleissen wellet sy fortzubringen und da sy sich zum Portzug erklären würden, jedem noch ein Quartal ihrer Besoldung volgen zu lassen sollet. . . . inecht ihr sye gleichwohl noch dieses Winter über in ihren Wohnungen knockhen (!) lassen, doch das sie sich alles Schulhaltens und ander dergl. exercitien gegen die Jugend enthalten." (Hofkammer-Akt 2126.) Lippert c. 1. „Am 13. März 1625 wurde den übrigen Professoren gekündigt (!)... Sie bettelten umsonst um ihren rückständigen Gehalt." !! -) K. Archiv, Stadt Amberg Nr. 504. a ) Im J. 1599, 2. November ersuchte Maximilian von Bayern den Kurf. Friedrich V. von der Pfalz „Die Titel alter geschriebener Bücher, so bei den Stiften und Klöstern der oberen Pfalz noch vorhanden, abschreiben zu lassen". Infolge dessen wurden die Bibliotheken durchstöbert und ein gewisser Rat Dr. juris Michael Loefen fand dabei, dass in manchen Klöstern z. B. in Wald- sasson viele Bücher an fouchten Orten untergebracht seien. Er kam daher auf den Gedanken, den Vorschlag zu machen, „alle und jede noch in kurfürstl. Klöstern enthaltenen Bücher hieher in den Klosterkirchenchor zu bringen, einen Boden zu accommodirn und die inspectimi einem aus den Präceptoren aufzutragen". Der Statthalter Christian Fürst v. Anhalt erteilte daher 1609 den Befehl, „alle Bücher, welche in den Stiften und Klöstern des Fürstenthumbs noch vorhanden", hieher zu bringen. (Kreisarchiv Amberg; Nr. 504,) 4* 52 einzuräumen und „dass nit allein die Calvinisten alda sondern auch zugleich die Lutheraner reformiert und abgekehrt werden sollen". Gegen letzteren Wunsch hatte aber Maximilian „allerhand Bedenken": „eine solche allgemeine reformation" erachtete er „zur Zeit nicht rätlich". Bezüglich des Franziskanerklosters resp. des Pädagogiums bedeutete er ihnen, er lasse es jetzt vorderhand bei der Abschaffung bewenden, doch können sich die Patres der dortigen Bibliothek bedienen und „die noch im paedagogio vorhandene jugent ihres Gefallens instituirn", auch „zu etwas mehrerer ersetzung der music" x ) einen oder zwei oder mehrere Knaben ins Pädagogium aufnehmen. m ] ) P. Steborius S. J. hatte nämlich schon im August erklärt, man brauche zur Bestellung der Musik mindestens 10 Scholaren (2 Discantistcn, 2 Altisten, 2 Tenoristen, 2 Bassisten). (Hofkammer-Akt 2126.) j " ? u 1 Zusatz. ]a den Jesuiten das Franziskanerkloster nicht eingeräumt wurde, so errichteten sie noch im Jahre 1624') im Pfarrhofe von St. Georg — dorthin hatten sie bereits in diesem 2 ) Jahre aus dem Schlosse ihre Wohnung verlegt — eine lateinische Schule (Gymnasium). 3 ) Den Unterricht besuchten auch die im Franziskanerkloster befindlichen, unter der Oberaufsicht der Jesuiten stehenden Zöglinge, denen sich einige Stadtschüler anschlössen. 4 ) Der erste und einzige Professor war P. Philipp Maier. Am l. 5 ) Jan. 1625 kam als zweiter Lehrer P. Erhard Dändl hieher. Im gleichen Monat siedelten die Jesuiten mit ihrer Schule ins Franziskanerkloster über 6 ) und eröffneten dort ihr Gymnasium („aperuerunt Lycaeumpublicum a ) mit 2 Lehrern und 2 Klassen. Da sie aber im Februar auch die Seelsorge in Kümmersbruck und Paulsdorf übernahmen und P. Erhard Dändl damit betraut wurde, so musste P. Philipp allein die ganze Schullast tragen. Endlich am 27. Aug. traf M. Joh. Baumann von J ) K. allg. Reichsarchiv, .Tesnitica. Fase. 43 Nr. 769. 2 ) Erst im J. 1624 bekamen die Jesuiten den Pfarrhof von Skt. Georg. (Reichsarchiv, .Tesnitica. Fase. 43 Nr. 769) nicht schon im J. 1623, wie Lippert, Geschichte der Gegenreformation S. 163 schreibt. 3 ) Reichsarehiv Fase. 43 Nr. 769. 4 ) „Ascendentibus ex Monasterio alumnis et aliis discijndis.*' — Kaum waren die noch vorhandenen calvinistischen Zöglinge des Pädagogiums der Obhut der Jesuiten anvertraut, so verliessen sie die Anstalt. Für sie wurden andere aufgenommen und zwar lauter Katholiken (partim Mobiles partim Musici), deren Zahl auf 24 anwuchs. Diese gingen täglich zur Schule in den Pfarrhof von Skt. Georg. (Reichsarehiv Fase. 43.) "') ..Ad hos ipsis Kalendis Januariis quint u s accessio' als 5. Jesuit kam Dändel nach Amberg am 1. Januar. Lipport, Gesch. d. G. S. 164 übersetzt „am 5. Januar" (quintus!) [Fase. 43.] u ) Unaque duplici Scholasticorum agminc stipatt ad Monasterium Franciscanoruni descendentes publ. Lycaeum aperuerunt. Et ut paullatim omnia ad Collegiatem normam formarentur. etiam in Mefectorio regulari more ac separatis (!) scutellis (Schüssel) refectio aeeipi coepta. Fase. 43. Koch wurde aber nicht P. Joh. Wacker (wie Lippert schreibt), sondern der Laienbruder Caspar "Wacker! 54 Ü « ■ ■■■■ i 1 M 8 Ingolstadt hier ein, so dass man mit Beginn des neuen Schuljahres wieder eine Klassenteilung vornehmen konnte: P. Philipp behielt die Humanisten und Principisten, die zwei mittleren Kurse (die Syntaxisten und Grammatiker) wurden M. Johann übergeben. Aber P. Philipp wurde bald wieder von hier abberufen und so musste im Jahre 1626 M. Johann Baumann allein die Schule versehen, bis im Juü desselben Jahres ein zweiter Lehrer, M. Georg Huber, eintraf. Zur gleichen Zeit wurde ein eigener Gym- nasial-Rektor und Seminar-Direktor (Gymnasü et Seminarii Prae- fectus) in der Person des P. Christophorus Pflaumer 1 ) am 16. Juli aufgestellt. 2 ) Das Jesuitengymnasiuni war nun mit dem Schuljahr 1626 vollständig. Es umfasste die damals üblichen sechs Klassen: Rhetorik, Poesie (auch Klasse der Humanisten genannt), Syntax, Grammatik, Rudimenta, Principia. Die drei oberen Klassen übernahm damals M. Baumann, die drei unteren M. Huber. Nicht lange sollte das Gymnasium in seiner neuen Heimstätte bleiben. Die PP. Franziskaner hatten nämlich vom heiligen Stuhl die Zurückgabe ihres Klosters erlangt. Daher wandten sich die Jesuiten an den Kurfürsten mit dem Vorschlage, ihnen das Gymnasialgebäude 3 ) von Skt. Martin zu übergeben, welches noch die lutherischen Präceptoren inne hatten („Lutherani Magistri occupabant"). 2 ) Ihrem Wunsche wurde entsprochen. Am 25. Januar i 627 4 ) wurden ihnen die Schlüssel zum Schulhaus ausgehändigt, am 1. Februar nahmen die Jesuiten im neuen Heim den Unterrieht wieder auf. Aber nach fast vier Jahren, am 6. Dezember 1630, verlegten sie das Gymnasium wieder in den Pfarrhof von Skt. Georg, das Seminar in ein kleines Nachbarhaus. n ') P. Pflaumer legte ein Tagebuch für das Gymnasium an. Es beginnt mit dem 23. Juli 1626. Dieses Datum mag Rixncr S. 33 und S. 53 irrtümlich veranlasst haben, „von einer förmlichen Übergabe" dos Gymnasiums an die Jesuiten zu roden, desgl. Auer S. 20. — Die Diarien oder Tagebücher des Jesuiten-Gymnasiums worden heute noch in der Registratur des K. Amberger Gymnasiums aufbewahrt. ') Reichsarchiv, Fase. 43. ") Jetzt A 1 und A 2 auf der Krambrücke. 4 ) Auers Behauptung S. 20 „Auf die Bitte (!) des Stadtmagistrates übernahmen die Jesuiten im November 1625 (!!) noch die städtische Skt. Martinsschule" ist unrichtig. Vergl. Abhandlung I S. 27. 55 Am 28. April 1672 erfolgte die Grundsteinlegung zu einem neuen Gymnasialgebäude. 1 ) Fast 100 Jahre wirkten in ihm die Söhne des hl. Ignatius v. Loyola: Da wurde der Jesuitenorden i. J. 1773 aufgelöst. 2 ) Den Gymnasialunterricht versahen von nun an Exjesuiten, Weltpriester und Mitglieder des Benediktinerordens, von 1803 an — d. i. mit der Aufhebung der Klöster in Bayern überhaupt — Weltpriester, Exbenediktiner, Exfranziskaner und auch Laien. Im J. 1808 wurde das bisher in einer Hand vereinigte Lyzeal- 3 ) und Gymnasialrektorat getrennt; letzteres führte v. J. 1808 bis 1811 Kronbauer, Priester, „ 1811 „ 1814 Resch, „ 1814 „ 1824 Mich. Denk, „ 1824 „ 1829 Wisnet, 4 ) „ 1830 „ 1838 Baustädter, 5 ) „ „ 1838 „ 1850 Dr. Furtmaier, 6 ) „ „ 1850 „ 1856 Schmidt, 7 ) „ 1856 „ 1864 Dr. Englmann, „ „ 1864 „ 1877 Wifling, „ 1877 „ 1886 Bergmann. 8 ) Seit 1886 liegt die Leitung der Anstalt 9 ) in den Händen des K. Gymnasialrektors Dr. Michael Zink: __________ Ad multos annos! ') Vollendet 1676. 2 ) Der letzte Gynmasialpräfekt oder Rektor war P. Isidor Mayer. 3 ) Eine Art Lyzeum begannen die Jesuiten schon i. J. 1632; aber erst i. J. 1722 wurde ein solches förmlich eröffnet. (Näheres Jes.-Tagebücher in der Registratur des Gymnasiums.) 4 ) Zugleich Lyzealrektor. s ) Zugleich Seminardirektor und Religionslehrer. ") Zugleich Lyzealrektor. Unter ihm wurde das 1. Studiengenossenfest (1847) in Amberg abgehalten. "') Dann Stadtdechant von Skt. Martin in Amberg. s ) Jetzt Gymnasialrektor und K. Oberstudienrat in Würzburg. Unter ihm fand 1879 das 2. Studiengenossenfest in Amberg' statt. !l ) Unter den 44 Gymnasien des Königreiches Bayern nimmt hinsichtlich der Frequenz das Gymnasium Amberg die 21. Stelle ein. m %BSL. Ingolstadt 1 jahres wied<| behielt die 1 (die Syntaxi Aber P. PI musste im versehen, b. Georg Hube nasial-Rekto! fectus) in d aufgestellt/ 1686 vollst Rhetorik, Pi Grammatik, nahm dama' Nicht 1 bleiben. Di die Zurück|| Jesuiten ar Gymnasialg die lutheris occupabant 1 Ihrem wurden ihr 1. Februar wieder auf. Aber i sie das Gyi Seminar in ') P. Pi, mit dem 23 lieh veranlassi 1 Jesuiten zu I Jcsuiton-Gjm Gymnasiums '-) Reiel - 1 ) Jetzt, 4 ) Auori nahmen die J schule" ist ur es neuen Schul- nte: P. Philipp mittleren Kurse [hann übergeben, berufen und so lein die Schule jlter Lehrer, M. in eigener Gym- uSeminarii Prae- jer x ) am 16. Juli jt dem Schuljahr 1 sechs Klassen: (pnannt), Syntax, n Klassen über- luber. teuen Heimstätte Im heiligen Stuhl pndten sich die Ige, ihnen das n, welches noch \ierani Magistri Januar 1627 4 ) Ijsgehändigt, am den Unterricht 1630, verlegten 3kt. Georg, das ra an. Es beginnt und S. 53 irrtüm- xymnasiums an die er Tagebücher des des K. Amberger dtmagistrates iibor- ische Skt. Martins-