Jahrgang 
1753
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Gr« eignen HandlMen nicht. Ge sie sich ei vekmnthen, haben sie aiMkebt, ohne jemals dieRechtmlssigkeit ihrer Ansprüche auf Tugend und Vernunft eingesehc» zu haben. Mangelte»ihnen an dieser Einsicht nicht zu sehr/ so würden sie weit früher/ als wehrend den UmarmungenDes Lobe», den tollen Freuden gram werde»/, den Taumelkelch der Unachtsamkeit Hinfetzen unvWeißheit ju lieben anfangen. Nun aber singt tauben Ohren ein annehmliches Lied! ,

Ohngeachtet nun wol dieses Blatt manchem in die Hände kommen mag / der ein unricvli»-eS Gehöhr hat; so will ich doch einen Versuch wagen und ihnen etwas von Glückseeligkeil •»«*Zufriedenheit vorschreiben. Es kommt doch alles in der Welt auf eine glückliche Stunde an-Vielleicht eräignet sich diese gute Begebenheit, daß unter dessen, da der eine dieses vorliesil,ein andrer offne Ohren bekommt. Weikwir ader in einer Zeit leben, worin man sogarScvwierigkeiten, die die alte Welt für Unmöglichkeiten hielte, Trotz bietet, so mögtest du vicUEaufdie treuhertzigen Gedancken kommen, daß ich dir etwa so rin neues Mittel vorzuschlagen w 'len« wäre, wodurch du gleichsam spohrenstreichs in das Reich der Alückseeligkeit und Zilst»'denheit nach Wolgefallen dringen könirtcst. lind ban würbest du dich am Ende betrogen finde«:Weil ich nun überhaupt allem Betrüge feind bin, so sage ich dir vielmehr zum voraus und ««>Abschlag dessen, was ich dir sonst noch vorzustellen habe, daß du so gar vergebens GInckseel>Esuchest. Zufrieden kanst du werde», wan du eS danach machst: aber glückseelig wirst du nia»-Traue meinen Erfahrungen, oder erforsche den folgenden Vortrag. ,

Prmphilus, ein recht mißvergnügter Mann, sitzt bei seinenEchuldbüchern und hat deiiEtrostloß in der Hand gelegt. Er venckt, wan er zehn tausend Thaler an jährlichen Zinsen, e>"ansehnliche Wurde ohne sonderliche Verantwortung, eine angenehme Frau und blühende v.sundheit erhielte, so hätte er alles, was er begehren könnte. Laßt uns diesem guten Trmvor eine Weile seinen Willen thun. Gesetzt also, PamphiliuS kommt nun einmal zu dem A..sitze dieser Güter, und indem Genüsse derselben wünscht er für Vergnügen weiter nicht»,nennt er sich selbst, und andere heissen ihn auch glückseelig. „

Nun aber wollen wir unfern trübsecligen Grillenfänger wieder bei seinem Unwillen fl?"lassen, und immittelst von ihm diese Wahrheit zu unscrm gegenwärtigen Vorhaben mitneW^nemlich daß das eigentlich Glückseeligkeit heisse, wan der Genuß aller begehrten Güter ve»''-regten Begierden vollkommen gleich ist: das ist, der wirckliche Genuß der Freuden muß i»U,seyn, so groß die vorhergehende Einbildung und bas Verlangen war. Wo folglich keinesgierde ist, da kan auch keine Glückfteligkeit Herbergen. Je grosser hergegen und je viellü".die Begierden sind, desto stärckere und desto mehrere Güter werden zur Glückfeeligkeit erf»^Die erwähnte Gleichheit zwischen Begierde und Genuß muß ferner ununterbrochen feyn.setze, sie höhre zuweilen auf: das kan geschehen, entweder wan die Begierde in Vergleichsmit dem erhaltnen Gute zu groß ist; und van würde unser erdichteter Glückseelige &den, er würde wieder zu wünschen anfangen, er wäre also nicht mehr glückseelig: oderBegierde in Vergleichung mit dem erhaltenen Gute zu klein ist; alsvan würde er unter o»»u grosten Genüsse für Ohnmacht erliegen r wie wan ein so sehnlig verlangter Sack mitden Habseeligen beinahe zu Tode schlüge; oder er würde doch keinen Gebrauch davonkönnen, so wenig als ein halbjähriges Kind an einer woblgewählten Pracht, am ReisiM'"an einer vollkommnen Musick den geringsten Wolgefallen bezeiget. ,

Du kommst hiebei gar leicht auf den Einfall, ob gebe es demnach zwcen Weege zur Gluabligkeit: einmahl wan die begehrten Güter so lange wüchsen, bis sie unfern Begierden

I,

zweitens wan unsre Begierden so lange abnähmen, bis sie den erhaltenen Gütern vollkom»»-,gleich wären. Aber ich versichere es dir, mein Leser, so artig dir dieser Gevancke auch fl*,neu mag, so kan man auch nichts weiter von ihm sagen, als das er artig, und einedareSpeculationsey, deren Ausführung noch endlich in den erdichteten Inseln derGlE'/,feit, in dem Lillivut des Gulivers, in einer Utopia, in dem unterirdischen Lande des « ' {oder in den genuglichen Einöden eines Robinsons und eines Quarl«, nicht aber aufWelt, statt haben kann. Dan erstens so können die Güter unsrer Erde nicht größer wei -

als sie wircklich sind; soll anders die Erde dieselbe bleiben? und da lehrt es die Erfahrung»sie viel m klein für unsere Begierden siud.. Es können aber auch zwrtteos die Begierde»