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Schleichhandel mit Kolonialwaren stand damals in voller Blüte. ! jEben in diese Zeit fällt ein kaiserliches Dekret, das den Kohlen-handel und damit einen Lebensnerv des niederrheinischen Handelsauf das empfindlichste schädigte. Der vom 6. Januar 1811 datierendeErlass verbot nämlich die Einfuhr aller Steinkohlen in Holland, dienicht von französischem Hoden herkamen. 2 ) Da das GrossherzogtumBerg- in Prankreich nicht einverleibt war. sondern nur unter fran-zösischer Verwaltung stand, wurde hiermit: seinen ganz bedeutendenKohlenbergwerken das grosse Absatzgebiet in Holland ganz entzogen.In Druckwerken dürfte man vergebens über den Erfolg dieser Ver-fügung Näheres suchen. Genügendon Aufschluss über die Wirkungdes.rücksichtslosen Dekrets bieten dagegen etliche einschlägige Aktenim Königlichen Staatsarchiv zu Düsseldorf, 3 ) aus denen nachstehendeinige das Wesentliche berücksichtigende Andeutungen folgen.
Sicher nicht mit unrecht rief Napoleons scharfe Verfügung vom(i. Januar 1811 in weiten Kreisen des bergischen Landes lebhafteBefürchtungen und Beunruhigungen hervor. Ruhrort beantragtebereits im Frühjähr 1811 die Aufhebung einer seine Industrie soüberaus schädigenden Massregel. Die preussische Regierung, soheisst es in der von Ruhrort gemachten Eingabe, habe im Jahre1770 Untersuchungen vornehmen und Pläne anfertigen lassen, umfestzustellen, ob die Schiffbarmachung der Ruhr zu ermöglichen sei.Hierauf hätte man mit einem Ungeheuern Kostonaufwande vieleWasserwerke erbaut und sechzehn Schleusen in Betrieb gesetzt.Hauptsächlich habe alles dies bezweckt, die Kohlenausfuhr nachHolland zu erleichtern. Bliebe das Ausfuhrverbot bestehen, sowürden die Wasserwerke in das Nichts zurücksinken, namentlichaber auch sei dann die Existenz vieler Tausend Familien auf dasschwerste geschädigt.
Ruhrort blieb mit seinem Gesuche nicht vereinzelt. Teils imJahre 1811, teils im folgenden Jahre folgten manche ähnliche Ein-gaben an die französische Verwaltung, darunter solche aus Mülheim,Wesel und Dortmund. Aber es dauerte hinge, ehe man in Parisden dringenden Bitten aus dem Bergischen Gehör gab. Der russischeFeldzug und die lange Abwesenheit des Kaisers drängten am Sitzeder höchsten Staatsbehörden manche industriellen Fragen allzu sehrin den Hintergrund. Erst im Dezember 1812 fiel in Paris die fürdie Kohlenindustrie günstige Entscheidung.
Am 13. Dezember 1812 konnte der Minister Graf vonNesselrode in Düsstildorf dein Präfekten Grafen von Spee mitteilen,dass es durch Vermittlung des kaiserlichen Regierungskommissars 4 )
') Scotti, Jülich-Bcrg No. 3181, 3185 und 3206.
-) Scotti a. a. 0. No. 3213.
8 ) Düsseldorf, Staatsarchiv. Grossherzogtum Berg. Handel und IndustrieNo. 3 und 16.
4 ) Text. „Hiesiger Minister und Staatssekretair". Gemeint ist jedenfallsGraf Beugnot, der in Düsseldorf als kaiserlicher Regierungskommissar mit demTitel Monseigneur fungierte.