Jahrgang 
Siebenter Band. 1893.
Seite
224
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224 Briefe Friedrich Heinrich Jaeobi's etc.

haben wollte. Ich fragte nach meinen Kindern, „Siefangen an und werden stiller," gab er mir zur Antwort.Er sah sich etwas verlegen um und fragte leise meineSchwester: „Ist Fritz nicht hier?" Ich hörte das undes fiel auf mich wie ein Donnerschlag. Einen Augenblickwollte ich mich stellen, als hätte ich es nicht gehört.Ich verhüllte mich in mein Schnupftuch. Der Schmerzwar mir zu heftig, ich fing an zu schluchzen und riefplötzlich aus: „Fritz ist hier. — 0 gehen Sie zu Fritz,van der Borch, gehen Sie zu meinem Sohn!" — DieserAugenblick war schrecklich. Niemand verstand michausser Schenk und Lene, und diese zögerten aufs ersteWort, in Zweifel, ob sie mirs gestehen sollten. Der liebeJunge war im tiefsten Schnee unter allerhand Gefahr dieNacht durchgeritten, weil zu Aachen die Post nicht an-gekommen war, und er die Unruhe wegen seiner Mutternicht ertragen konnte. Er wussto noch nicht, dass sietodt war, wollte in ihr Schlafzimmer, und als man ihmsagte, sie wäre nicht da, fragte er beständig, wo sie dennwäre, bis meine Schwester, die man herbeigerufen hatteund die in Thränen vor ihm schwamm, schluchzend sagte:„Kannst Du mir es denn nicht ansehen, wo sie ist?" —In der Nacht von Dienstag auf den Mittwoch wurde siebegraben. Ich fragte zu spät nach ihrem Trauringe. Siehatten ihn ihr abgezogen. Ich war untröstlich. AberDu weisst, man kann leicht in unsere Gruft. Der Ringmuss ihr bleiben. „Nehmet mir nur den Mann nicht!"waren die letzten vernehmlichen Worte, die sie sprach.— Von einer ihrer Haarlocken bekommst Du DeinenTheil. Auch von meinem lieben Franz. 1 ) Dann von Bettynoch ein lang gebrauchtes Uhrband, das Geschmeidedaran brachte ich ihr einmal von einer Reise mit unddas Angehängte sind Geschenke, die sie noch als Brautvon mir erhielt. — Ich habe viel von Betty's Sachenweggegeben, denn derer, die sich danach sehnten undvon ganzem Herzen mit mir trauerten, waren viele. Ichhatte nicht genug für alle, meine Betty war zu arm, wirwaren beide immer dürftig" .... Die Repetiruhr gab ichmeinem Schenk. Es war das beste Stück, welches dieGewissenhafte am mehrsten gebraucht und noch mitsterbenden Händen berührt hatte. Anfangs wollte ich esfür mich behalten, hernach gönnte ich es doch nochlieber dem Mitvater meiner Kinder (und zugleich meinPflegesohn), dem Gefährten meines Lebens, meinem trauten

') Ueber ihn ist in der Einleitung das Nöthige gesagt.