§. L. Bulwer's e r e. Aus dem Englische n. Fnnsnn- ncht.;iglies N nn- ch cn. Richelieu oder die Verschwörung. Stnttg art. Verlag der I. B. Metzler'schcn Buchhandlung. 1840 . Richelieu; oder: Die Verschwörung. Ei» geschichtliches Lustspiel in fü»s Akte». Vom Verfasser der „Herzog!» De la VaM-re." der schöne» Lhoncscriu" ». f io. Aus de»l Englische» re» Di Georg Uirolaus Värmaun. Stuttgart. Verlag der I. V. Metzler'schen Buchhandlung, t 8 4 0. Lkssinci- le Om üiual et. kaire soulevoi karis.I-es Oon- ^ures kaisaient un traitv aveo I'k^paxno pom- introduire äes troupes en ^ittnee, et pour )' mettio tont vn eonkusiion dans du traitö lui tomdät entro les mains. — (Der Graf von Soissons u-id der Herzog von Bouillon hatten ein gntcö Kriegsheer und verstanden es zu führen; und zu größerer Sicherheit sollte, wahrend dieses Heer vorrückte, der Cardinal ermordet und Paris aufgcwiegelt werden. Die Verschworenen schlossen einen Traktat mit Spanien um fremde Truppen in Frankreich einzuführen und Alles zu verwirren, damit eine Regentschaft entstände, die inan nahe glaubte und aus welcher Jeder Nutzen zu ziehen hoffte ...... Richelieu hatte die Gunst des Königs gänzlich verloren, so daß ihm nichts als der Vorzug geblieben war, unentbehrlich zu sevn. Das Glück des Cardinals wollte, daß das Complott entdeckt ward. nnd daß ihm eine Abschrift jenes TractatS in die Hände fiel./' Vorbericht des Verfassers Die Administration des Cardinals Richelieu, den trotz aller düstcrn Eigenschaften desselben Voltaire und die Geschichte als den wahrhaftigen Erbauer der französischen Monarchie und den großen Urheber französischer Civili- fation betrachten, charaktcrisirt sich durch Züge, denen sowohl eine komische, als eine tragische Seite abzugewinuen ist. Ein schwacher König, ein ehrsüchtiger Günstling, eine verachtungswürdige Verschwörung gegen den Minister, mit der sich, wie solches fast immer der Fall ist, eine gefährliche Vcrrätherei gegen den 6 Staat vergesellschaftete, bilden mit einander unter geringfügiger Abwechselung von Namen und Thaten den Cpklus, durch welchen in blendender Gemächlichkeit und in anmaßendem Vertrauen das große Gestirn, Richelieu genannt, seine Laufbahn zurücklegte. In überraschendem Contrastc mit einander vermengt, sehen wir die größten Entwurfsausführungen und die kleinlichsten Werkzeuge dazu: — den Spion, die Mätresse, den Kapuziner;— die Vernichtung des Feudalismus, die Dcmüthignng Ocstreichs, die Zerstückelung Spaniens. Richelieu ist noch immer was er in den Tagen seines Lebens war: ein Mann zweier Charaktere. Wird er einerseits ganz richtig als starrsinnig und rachsüchtig, als listig und gewissenlos geschildert, so kann andererseits nicht geleugnet werden, daß er in einer Zeit lebte, in welcher langwierig ungestraft gebliebene Zügellosigkeit ernste Züchtigung erheischte, — daß er von Gefahren und Ränken bedrängt ward, durch welche den subtilsten Erfindungen der Selbstvertheidignng das Wort geredet wird, — daß sein Ehrgeiz sich unauflöslich mit seiner leidenschaftlichen Liebe zu seinem Vaterlands und dessen Ruhme verband, —und daß, wenn er Frankreichs Dictator war, er eben sowohl Frankreichs Wohltbätcr genannt werden muß. Von den freisinnigsten Geschichtsschreibern ist reinhcraus bemerkt worden, daß Richelieu nicht weniger hochherzig gegen das Verdienst, als streng gegen das Verbrechen war, daß er für die verschiedenen Departements des Staates, der Armee und der Kirche die tüchtigsten Bewerber auszuwählcn und aus? zuzcichncn verstand, —daß die Kriege, welche er führte, zum größten Thcile zur Erhaltung Frankreichs , ja selbst Enropa's, den furchtbaren Eingriffen des ostrcichischcn Hauses gegenüber unerläßlich waren, — daß trotz jenen Kriegen das französische Volk nicht mit übermäßigen Steuern bedrückt war, — und daß er das von ihm beherrschte Königreich in einem blühenderen und kräftigeren Zustande hinterließ, als es jemals einen zu irgend einer früheren Periode seiner Geschichte oder zur Zeit des Absterbens Ludwigs des Vierzehnten kannte. 8 -'-xr Die gegen diesen großen Staatsmann geschmiedeten Kabalen waren keineswegs Erzcngniß des Patriotismus bürgerlicher Tugenden, oder des Wetteifers gleichmäßigen Talentes, sondern nur kurze Kämpfe, in denen die unwürdigsten Helfershelfer zu den verzweifeltsten Mitteln Zuflucht nahmen. In jeder jener Kabalen erblicken wir, wie ich bereits bemerkte, den zwiefachen Versuch vereinbart, den Minister zu ermorden und das Land zu verrathcn. Solcher Art also sind die Verschworenen und deren Entwürfe, die wir der Wahrheit gemäß, so im Bühnenspicle wie in der ,Geschichte, dem berühmten Cardinal gegenüber zu stellen haben; ohne daß wir dabei des Letzteren Schwächen oder Laster verhehlen, jedoch auch ohne daß wir ungerecht gegen dessen höhere Eigenschaften, besonders gegen dessen Vaterlandsliebe sind, wodurch seine Fehlgriffe oft entschuldigt, ja, bisweilen gerechtfertigt wurden. Das historische Bühnenspicl ist Concen- tration geschichtlicher Ergebnisse. In dem Versuche, den Abriß einer ganzen Aöra auf die Schaubühne zu bringen, hat man hier, wie- , 9 wohl nicht mit Unbehutsamkcit sich hinsichtlich dcr Daten und Einzclnvorfälle jener Freiheit bedient, die von den Regeln der dramatischen Poesie gestattet wird, und die von den höchsten Autoritäten der französischen Bühuenliteratur sauctiouirt worden ist. So ward z. B. die Verschwörung des Herzogs von Bouillon mit der Katastrophe des „Tags der Geäfften" vermengt und Umstände, die der Verrätherei des berühmten und berüchtigten Cina Mars eigcnthümlich sind, (dessen glänzende Jugendzeit und düstere Katastrophe zum Umstürze poe- „Le Lni'dinnl se Ii-nil zierüu et >,re>n>re sn re- trnile. 808 »ini Ini eonseNIont de tvnter entin nugrös du roi un nuuvel etlort. LeLardinnl v» Irouvvn le i'ui ü Versailles. t.e Itoi ^»i »vnlt sncrllie son klinlstre >NU' lülblesse, sc remit per lnlblesse entre ses mnins, et >1 lui »bnndonne ceux gu! I'nvnient zierdu. Le jonr gu> est eneore n >>rescnt ngpslle >/(,?,r»ve r/o» öre^iSL, lüt eetui ,In >>uuvoir nbsnln du Lnr- dinnl. — (Der Cardinal glaubt sich verloren, ist auf Rückzug bedacht. Seine Freunde rathcn ihm, endlich noch . einen Versuch bei dem Könige, zu 10 tischer und historischcr Gcrechtigkcit verlocken, indem sie uns anreizcn, seinen schmählichen Undank nnd seinen bintcrlistigrii Abfall zu vergessen,) so dargcstcllt worden, als gehörten sie dem Schicksale des früheren Gnnstlnigs Ba- radaö ^) an, dessen plötzliches Emporkommen machen. Der Cardinal begicbt sich nach Versailles znni Monarchen. Der König, der ans Schwäche seinen Minister anfgcovfert hatte, gibt sich ans Schwäche wieder in dessen Hände nnd überantwortet ihm die, welche seinen Sturz beabsichtigten. Jener Tag, der noch jetzt der Tag der Gcäsftcn genannt wird, war der der Feststellung der unumschränkten Macht des Cardi- nals.)" — , Nisi. Oon. Anm. d. Vers. 2) ,-bin .«ix nun.-! il (Io Kol) llt Uarnda» pi-emiei' bionvon, grcmioi'Oenlüliomnu! de la Olllnnbre, 6n>>ila!no du btt. kormain ot !,!ontonaiit du !?ui en bstiamgaxnm bin mnins >!o tonn- on- ovrv un In! üln laut, ot «los dobris do --n Knmndonr n gcine lui ee8la-t-ii du gnu! gn)or so« dotto« : >lo surto guo guun «i-niüicr »ne Krnnde turluno dissigöo ans«! gn'aoguiso, ou 11 und schneller Stur; zum Sprichworte worden sind. Ich musi noch hinzufügcn, daß der edle Noman der Person des Cinq MarS Veranlassung zu einer Scene des fünften Acts gegeben, und daß ich die Auffassung eines Thei- les mit der De Mäuprat und Julien sich verknüpfenden Intriguc, wiewohl unter bedeuten- tender Abänderung der Ergebnisse, und beträchtlicher, wenn nicht glanzender Umgestaltung des Charakters, einem allerliebsten alten Romane öisuit o» vommnn grovoebo 6 Dies wicht'ge Dvcument bringt. Mittlerweile Find' ich der Feinde Richelieu's uns einen, Deß Nachdolch trifft. Hell glänzet unser Stern. Bulwer'« Romane. I^XXXV. 2 45 18 Herzog (aufstehend). So sey's. Auf morgen Nacht! (Zu den vier Höflinge»!, » Kommt mit, Ihr Herren! (Ab mit den, Vieren, während die Spieler aufstehen, den Herzog begrüßen, nnd sich dann wieder setze»,!, De Beringhen. Zweimal den Satz? Mausi rat. Es gilt! DeBeringhe». Fast schäm' ich mich Todtkrankem Beutel Blut noch abzuzapfen. M a u p r a t. Da Ihr so lauge schon ihm Arzt war't, müßt 58 Ihr billig auch den Gnadenstoß ihm geben. (Er wirft und verliert,) Alle. Verloren! Armer Manprat! De Beringhen. Noch ein Wurf? Manprat. Nein, nein! ich bin bankrott; (Gold hinschiebend) dahin ist Alles, Nur meine Ehre nicht und nicht mein Schwert. (Sic stehen auf.) l!) De Beringh en. -Die Ehr' und lange Mäntel kamen ab, als Man sah, daß ohne sic man rascher fortkam; Das Schwert jedoch bleibt immer Mode, dafür Sorgt Satanaö- Etncr der Spieler- Ganz recht; drnm bringt Eu'r Schwert Dein Richelieu; er gibt Euch Gold für Stahl, Wenn tapfre Faust den Stahl schwingt. — M a u p rat. Richelieu? De Bertnghen (zu Varadas). Bei diesem Namen wechselt er die Farbe, Seht wie er sich die Lippe beißt! Nennt Einer Den Namen nur — war' er auch noch so froh, Wird er doch Plötzlich düster. Baradas. Hab's bemerkt, , lind wtll'S Warum erforschen. Mauprat. Die Aegppt'rin Löst' ihre schönste Perl' tn Weingeist auf — , O könnt' ich so die Zeit mit ihren Schätzen Zerschmelzen und sie hinterschlucken — so! (Er trinkt-1 De Beringhen. Geh'n wir noch über'n Markt! 2 LO Alle. Komint mit Dc Mauprat. ^ Mauprat. Vergebt, wir sehn n :S später nohst Baradas. 70 Und tröste Mauprat. Ich bleibe De Beringben. Trösten? Wenn wir Schleckrer Dem Freund sein letztes Goldstück abgezapft, Bleibt uns nichts übrig als ihn zu durchbohren; 'S ist letzter Freundschaftsdienst. Mauprat. Sey diese Gunst Von Euch mir noch »erspart; in allem Andern 75 Bin ich Euch gern zu Dienst. tDe Beringhen »»d die Höflinge ab; De Mau»rat und Baradas bleiben zurück.) Baradas. Und trauert nicht? Ihr habt verloren Mauprat. Ich trauern? Gold und Leben Sieht man auf leichten Schwingen sich erheben, Sobald ihr Kerker, nämlich Börs' und Welt, Sich ihnen austhut — nichts gibt, das sie hält! 21 Barabas. Ihr bleibt ein Räthsel, Manprat! Kühn im Krieg, 80 Lockt dennoch Euch der Ruhm nicht. Munter seyd Ihr Im Thun, jedoch tm Ruhen eitel Gram. Das sind Extreme, die da Seelenkrankheit, Von der die Seel' oft selbst nichts weiß, verrathen. Vertrau't Euch mir! Hat uns rer Kindheit Strom 65 Denselben Hoffnungsstern doch abgespiegelt! Zwar trennt' uns später das Geschick: Ihr bliebt, Jndeß ich reich und Graf und Günstling ward, Ein armer Schlucker, wenn gleich tapfrer Ritter, WaS bracht Euch Eure Tapferkeit? Sagt' an! 90 Nichts Gutes, denn Euch drückt Geheimniß. —' De Manprat. Ja, Geheimniß, wie ror Zelten wohl vom Teufel Der Mensch besessen war. Wohin ich blicke, Gähnt mich das Grab an. Hört mich im Vertrau'»: Haß gegen Richelieu verlockte mich, 95 Im Languedoc zu Orleans Empörung Zn stoßen; die Bastille ward mein Lohn. — Baradas. Der Generalpardon, den sich der Herzog Verschaffte, macht' Euch frei — Ihr hattet Ja nur gcthan was Orleans befahl. 100 De Manprat. Da liegt's! Was Orleans befahl! Das merkt, Ein Bube war ich damals, führte Buben, Eroberte Favtaur und Pflanzt' allda Die Fahne des Rebellen auf. Der Herzog, 1Ü5 Noch immer kühn, beschält mein keckes Thnn, Als seine Sache schief ging — „Nicht besohlen hält' er's," Warf er mir vor; und von der Liste des Pardons strich Richelieu mich weg. — Baradas. Ans der Bastill' Ench los. — Doch ließ er De Mauprat. Um mir zu sagen: 110 „Ihr pflanztet ungeheißen das Panier Der Rebellion in einer Stadt des Reichs auf; Verrath, den nichts versöhnen kann, als Tod. —" Baradas. Abscheulich! De Mauprat. „Eure Jugend dauert mich Und Eure edle Abkunft," sprach er weiter: 115 „D'rum stoßt zu uuscrm Heere, das gen Spanien Hinübcrzog; tauscht Kriegers ruhmvoll Grab Für Schmachtod unter Henkers Händen ein, So soll der König nimmermehr erfahre», Was Ihr in Frankreich Sündliches verübt." L3 Baradas. O zartes Mitleid! O Entzückensaussicht, 120 Vom Kugelregen sich getauft zu sehn, Daß man den Geist drob anfgibt! Aber weiter. De Manprat. Nun, tapfer focht ich, wie man weiß; den Tod Ersehnt' ich wie der Sonnengott die Nymphe, Allein ich fand ihn nicht. — 128 Baradas. Beklagenswerther! De Manprat. lind als der Cardinal nun Hecrschan hielt, Rief er mich vor: „Wie ist's?" herrscht' er mich an: „Ihr habt das Schwert gescheut — wahrt vor dem Beil Euch!" Damit entließ er mich. Nun wißt Ihr Alles. Baradas. Und Ihr? was bleibt, wie durch der Schlange Klappern 130 Gebannt, Ihr stehen, wenn in der Freunde Brust Die Herzen Tod dem Machttyrannen schwören? Erwacht! Seyd Einer von den Unfern! Auf! Die Zeit beut Hand. Der König haßt, doch wagt's nicht Den Cardinal zu stürzen, — säh sich gern 135 Befreit von diesem Uebermüth'gen — Auf! Mit uns seyd! Rettet Frankreich und Euch selbst. — S4 De Manprat. Still! Richelieu hat ei» verzaubert Leben, Jhm's nehmen wollen führt znin Henkccblock. Baradas. 140 Last Ihr ihm's Leben, so gibt er de» Tod Euch. De Manprat. Sey's! Besser, Opfer sehn als Meuchelmörder. Das Land ist eines Richelieu bcnöthlgt, Doch eines Manprat, Graf, bedarf es nicht. Nichts mehr davon! Mein armes Leben dehnt sich 145 Zn einer langen Mitternacht, und meine Gedanken spuken als Gespenster d'rin. Weg Ruhm! Weg Liebe! Baradas. Wie? so liebt Ihr nicht? De Manprat. Nicht? Ich bin jung. Baradas. Und Julie ist schön. (Bei Seile) ES ist so! An Grabesrand noch giert er nach der Rose, 150 Die ich mir pflücken will — die mein sehn soll! (Laut) Ihr liebt? De Manprat. Wer blickte nicht ans nächtigem Zelt Zum Wachfeu'r, das in blauem Lustkreis flimmert? Wer wählte nicht aus der Gestirne Schaar Sich Einen Stern, und segnet' ihn nicht Namens 28 Der Schönen, deren Bild ihm in der Brnst lebt, 155 -Wie jener Ster» am Firmamente glänzt? Denn gleich den Sphären regen stets melodisch Des Busens holde Tiefgesühle sich! BaradaS. Ihr sprecht ja Wien, Poet. De Manprat. Der Liebenden Gedanken flattern vor der Dichtung Hauch, 180 Wie duft'gc Blätter vor dem Svmmerwindc. Wer liebt, bewohnt ein Paradies, worin Der Seraphim melodische Harfen klingen, Wer könnte Julie seh'n und sie nicht lieben? Ans ihrer Lippen duft'gem Pfühl ruht wie 165 Auf heimischen Rosen unter papt/schem Himmel Der lächelnde Kupido! Ihre Stimme Wird holde Deut rin lieblicher Gedanken, Rein wie der Quell, an welchem Diana schläft ; Und ihre Angen, die mehr Seele strahlen, 170 Als unter Psyche's sammt'ncn Wimpern glüht — Spottlächelt nur ob meinc-r bunten Bilder! Geht hin und liebt erst, liebt wie ich so innig, Sv dünkt Euch Dichters Wort wohl zart und sinnig. .i BaradaS (bei Seite). 'fHa! wie mich jedes seiner Wvrti empört. Daß ich ihn vor die Klinge möchte fordern! 175 26 D e M a n p r a t (andern Tones). Nichts mehr! Ihr kennt mein doppeltes Geheimmß Nunmehr. Ich Ml' Euch» plündert es nicht aus. Gehn wir uns zu zerstreu», weil wir'S noch können. Kommt, schwärint mit mir durch Gürten und durch Schenken, Laßt uns ans Schmaus und Trank und Spiel nur denken. Ist Tag mir dunkel, sey die Stacht mir Helle: Ich bin Franzos — drum „vivo In bnxntelle!^ (Hngnet, mit vier Bogenschützen, tritt ein.) Hugnet. Messtre De Mauprat, Ihr seyd verhaftet. 185 Folgt mir zum Cardinal. — Mauprat. Da seht Jhr'S, Freund, Der Tiger spielte g'nug mit seiner Beute, Lebt wohl, und nennt man mich, so sprecht „De Mauprat „Lebt' ohne Hoffnung und starb sonder Furcht." (Ab mit Hngnct und den Bogenschützen.) Baradas (allein). Fahr hin für immer, will ich hoffen! Ich ersah Dich ISO Zum Mörder Richclien'S — jetzt würgt er Dich. So oder so! Du kommst mir ans dem Wege. Als Knabe Du der Stärk're mir verhaßt, Als Jüngling Du der Schön're mir verhaßt, 195 .'Jetzt Nebenbuhler mir, hass ich Dich vollends! " Als er den Namen Juliens nannte, lachs ich, - Weil mit den Angen meines Geistes ich ' Den Ted ob seinem Haupte schweben sah. O Ehrgeiz Du, und Liebe Du: Ihr Jwillings- Gestirne kühnen LebcnsdrangeS, strahlt Im Hanse mir! Durch König Ludwigs Beistand 200 Soll Julie meine Gattin werden, trotz Dem Cardinal: durch Königs Beistand will ich Minister werden, trotz dem Cardinal! Und dann — was dann? Der König ist verliebt In Julie — schwacher Fürst und falscher Herr 205 ^ Dann (das Pergament zeigend) mit Bouillon s und mit > der Spanier Hülfe Entthron' ich Ludwig, und das,Alles — ha! Trotz seiner Eminenz dem Cardinal, (Ab.) Zweite Scene. (Ern Zimmer im Palastc des Cardinals, die Wände sind mit Teppichen behängen. In einer Ecke ein großer Setz- schirm. Ein Tisch ist mit Büchern und Papieren be- legt. In einer Nische hängt eine plumpe Schlaguhr. Büsten, Statuen, Waffen aus verschiedenen Zeitpunkten, - ' und Fahnen von verschiedenen Farben schmücken das - Gemach.) Richelieu. Joseph. Richelieu, Sv glaubst D», diese brütende Verschwörung 28 210 Sei) schlaue Falle für de» alle» Fuchs? Fuchs! Mir gefällt der Ekelname, Joseph. Was sagt Plutarch doch von, Lysander, Joseph? Joseph. Ein schlechter Grieche bi» ich, Eminenz. R t chelie». Daß wo lhn'S Löwenfell nicht deckt, er mit 2l5 Dem Fuchsbalg nachhalf. -— 'S war ein großer Staatsmann, Der griechische Lysandcr! Ioscp h. Herzog Gaston Jst's Haupt der Rotte. — Richelieu. Hm! ein hölzern Haupt. Joseph. Der Favorit, Graf Baradas. — Richelieu. Ein Schilfrohr, Das hastig aufschoß. I» sechs kleinen Monden 220 Kam er zu Titel, Reichthum, Amt und Gunst. Sechs lange Winter braucht ich, um nur halb So hoch zu steigen. Doch die Leiter halt' ich Und sieh! erfüllt. — Was mehr noch? 1 1 's 2g Joseph. Eure Mündel Will man zum Werkzeug Eures Sturzes machen. Ihr brachtet sie zu Hof, baß bei der Kön qin 225 Ihr eine Lausch'rin hättet. Richelieu. Es mißlang. Zwar nennt mich Julie Vater, segnet mich, Besucht mich täglich, doch wär' eine Puppe Mir bei der Kön'gcn ganz wie sie von Nutzen. Sie achtet nicht darauf, wer lächelt oder 230 Die Stirn in Falten zieht, mit wem der König Geheim spricht; sieht nicht, wie die gestern zankten Heut im Vertrauen flüstern — hört nicht was Man in verschloss neu Zimmern spricht, weiß vollends Am Schlüsselloch nicht frische Luft zu schöpfen. 235 Ein sinnlos Püppchen sonder Aug' und Ohr- Ist Julie, und doch sagt sic, daß sie mich liebt! — Was mehr noch? Joseph. König Ludwig ist verliebt In Eure schöne Mündel. — Richelieu. Pfni doch, Pater! s. Hab' ich nicht einzeln jedes Schüßlingsblatt 240 ^ Des Schlingkrants seiner Geilheit weggepstückt? Soll jetzt dies Kraut sich um mein Bäumchen schlingen 3N 2» dessen Wipfel schuldlose Gedanke» Gleich muiitern Vögeln zwitschern, dass die Engel 245 Im Himmel dem Gezwitscher lauschen wägten? lind sündlich ist die Fleischeslust, die Kirche Verdammt fiel und für nns, Freund Joseph, die wir Der Kirche Pfeiler find, ist sie gefährlich. Schwach ist der König — wer de» König liebt, L50 Muß ihn beherrschen; Lee Mätreff' ist oft Beherrscht von einem Dritten, der dann uns Um alle Herrschaft bringt, Nein, nein! der König Darf keinen Abgott babcn als den Staat; Der Staat jedoch ist — Richelieu! I o s e p h, stloch Schliinm'res: 255 Der König, der aliwcg ans Anstand hält, Und Euch mit Recht als strengen Vormund scheut. Denkt sein Gelüst durch Heirath zn oerfchleiern. Sein Günstling, Euer Todfeind, Varadas, Soll ilii» als Juliens Ehgemahl — R ichclien. Haha! 260 Für Varadas Hab' ich ganz and're Braut, — Joseph. Wie, Eminenz? Richelieu, Die treu ihm ist wie keine; Die um so inii'ger ihn »inschlingt, je tiefer 31 Jhm's Haupt liegt, die die beste Lröst'ri» ist, lind deren Bett von Ehebruch nichts weiß, Joseph (bei Seite). ' Meint er die Gruft, so wnndr' ich mich nicht drob, 265 Daß Mönche sich dem Cölibat ergebe». Franyois (tritt eil». Franoois. Mademoiselle De Mortemar. Richelieu. Willkommen ! Francois (ab). ' Richelieu. Jul Kabinet dort liegt mein Rosenkran;. Eh' Du ihn dreimal abgcbctet, ruf ich Dich wieder; geh, mein Joseph — Eins noeli, 270 Joseph! Heut früh versäumt' ein Paternoster ich, Ein schwer Vergehn, büß' Du es ab für mich: Du findest eine Geißel drinnen; ich . Bin schwach, doch Dn bist rüstig. Christenpflicht Nur übstLu, wenn auf Deine breiten Schulter), 275 ,, Du meine Sünde nimmst. Kastci'n ist beilsam. Joseph. Ich? Wolle Gott mich vor dem Frevel schützen, .- Mich je für Euch zu halten! Denkt das nie! (bei Seite) Kuriose Zumnthnng! (Ab.) 32 Julie De Mortemar («ritt -»>>. Richelieu. Meine Heide Julie! 280 Wie strahlt Dein Antlitz, daß man glauben mögte Aurora suche ihren Tithvn heim! Julie (sich ihn, zu Füßen setzend). So seyd Ihr huldvoll! Darf ich „Vater" sagen? Richelieu. Sag's immer. Jnlic. Vater! welch ein lieblich Wort Für eine Waise! Richelieu. Keine Waise. Du, 285 So lang ich lebe! Freund war mir Dein Vater, Als ich »och keine Schmeichler hatte — seht Bin ich ein großer Mann, und also frenndlos. Dein Vater starb und übergab Dich mir; lind eine Mitgift soll Dir werden, Mädchen, 290 Den Angesehensten zum Gatte» Dir Zu kaufen. Wie? Du senkst das Köpfchen? seufzest? Bist Du nicht froh am Hof? Julie. Nur selten bin ich's. Richelieu (bei Seite). Wenn sic den Günstling liebte? (Laut) In der Brust Lebt Dir, was wie >»i Haudumdreh'n Dich seufzen, Sprich! huldigt nicht der König Deiner Schönheit? Mußt etwa nicht Du ihm zur Harfe singen, Und schwört er nicht alsdann ein Saul zu seyn? Julie. Langweilig sehr ist unser würd'gcr König. Richelieu. Pfui! Keinem ist ein König das, als höchstens 300 Seinem Minister. Nun, wer macht am Hof Das meiste Glück jetzt bei den Damen? Favras, )e Sourdiac oder Günstling Baradas? Julie. iin lächelnloser Mensch — ich fürcht' und stich ihn. Richelieu. i Doch macht er Dir den Hof, nicht wahr? 305 : Recht so. Flieh diesen Baradas, mein Kind. L Ast unter diesen Ritterblüthen Frankreichs U H>enn kein', in deren Honiahanch dein Herzchen Erröthen, lächeln und erbleichen läßt. Julie. Dann ist er j Langweil'ger noch als Königs Majestät. Richelieu. HEin Sommerflüstern hörte? L Bulwcr's Romane. I.XXXV. 3 310 34 HugNet (tritt cin). Huguet (meldend). Der Chevalier De Mauprat wartet unten — Julie (hastig auf). Mauprat. Richelieu. Hem! Langweilig ist er auch wohl! (zu Huguet) Später! Huguet. (Ab.) Julie. Er ist — Was soll — Kennt Eure Eminenz Messire De Mauprat? Richelieu. Nun ja! Und Dü^ 318 Sprach er Dich oft? Julie. Er? oft! Fünfmal — Nein, sechsmal, und zuletzt am Gittcrthor Des Gartens. (Niedergeschlagen.) Er kommt seltenj nur nach Hofe. Richelieu. Ein dreister wiud'gcr Bursch — Julie. O nicht doch! Sanft Bescheiden — traurig, wie mich dünkt. U Richelieu. I Trägt Blau I Mit Gold — I Julie. W Nein Dunkelbraun. — W Richelieu. M So merktest Du »Dir seine Farben? Pfui! Blick höher auf. »Ich werd' ein Wort mit diesem Braunen reden. » Julie. .»Ihr zürnt mir, Eminenz? Ihr habt nicht Nrsach — W Richelieu. »Nicht Nrsach? Hassest meine Feinde? W Julie. » Ja doch. W Richelieu. WHafsest auch Manprat? W Julie. Nein, nicht Ndrien, - Mein Vater. K.'i Richelieu, s, Adrieu? Schon so vertraulich? x Fort, fort mit Dir! — Nein, nein! nicht dort hinaus! l Im Teppichzimmer warte, bis ich rufe. 36 Julie. Er grollt. Nicht wag' ich's, Vater ihn zu nennen; 330 Doch mu ß ich reden. Eminenz — Richelieu (finster). WaS soll's? Julie. Nein, lächeln müßt Ihr — einmal noch. So recht! Und nun zählt Mauprat nicht zu Euren Feinden. Ich weiß, er ist nicht Euer Feind, gewiß nicht! Dazu ist Frankreich ihm zu lieb — Richelieu. Ich soll 33S De Mauprat nicht zu meinen Feinden zählen? Es sey! ich streich' ihn don der Liste weg; Verlaß Dich d'rauf. Julie. So recht, mein theurcr Vater. (Ab,) Richelieu (klingelt mit einem Glöckchen, das a»f dem Tische steht.) Huguet! Huguet (tritt auf). Richelieu. De Mauprat folgt' Euch sonder Murren? Huguet. Stolz und geduldig. 37 Richelieu. Laß ihn kommen. Halt! Sieh zu. ob er versteckte Waffen fuhrt. Verzweiflung macht die Opfer oft zu Siegern. Führ' ihn herein, daun — laß mich Dein Gewehr (den Karabiner besehend) Gut fo! — Dann schlüpfe hinter jenen Schirm, Spielt er den Löwen, werd' ihm Tod des Hundes. H nguet. Mein Carabiner trifft auf's Haar. (Ab.) - (Richelieu setzt sich an den Tisch und ordnet langsam seine Papiere. De Manprat wird von Huguct hereingeführt; Letzterer tritt hinter den Sctzschirm.) 340 345 Richelieu. Herein, Herr! Erinnert Ihr des Tags Euch vor drei Jahren, An welchem Ihr hier vor mir standet? Wie? De Manprat. Ich denk an ihn — 350 Richelieu (trocken.) "I Mit Wonne! *) Viele Anekdoten sind von der oft so fürchterlichen Ironie erzählt worden, in der Richelieu sich auS- sprach. Doch liebte der Cardinal auch den Humor in milderer und zusagenderer Gestalt. So ließ er Bois-robert den Spaßmacher rufen- „damit dieser 38 De Mauprat (bei Seite). Saint Denis! Treibt Spott er mit dem Beil und mit dem Henker? Richelieu (finster). Ich schenkt' Euch damals Nachsicht, die Ihr schlecht Belohntet, Chevalier — Ihr lebt noch immer? - De Mauprat. Um jetzt dem Tod' in's Angesicht zu schau'n. R i ch e l i e u. Ihr sprecht sehr kühn — De Mauprat. Ich that sehr kühn. Richelieu. Ihr thatet? O Stolzes jämmerliche Täuschung! Thatet, 355 Was thatet Ihr? Ihr branntet, schlugt und raubtet; Aus Blutstrom und aus Feu'rSbrunstflammenschwciftet Ihr Euren Regenbogen, Ruhm, und schreit' nun Dem schaudernden Gewissen zu: „Sieh da Dis Brücke, die zum Himmel Dich geleitet!" De Mauprat. 360 Ihr warst den Handschuh hin zum Krieg — ihn lachen machte, und ernsthaft harrten die Großen des Reichs im Borgemache, während der Staatsmi- nistcr die lustigen Einfälle des Witzkopses anhörtc. und erwlcderte." Anm. d. Verf. 39 Richelieu. Ich that es, Doch merkt de» Unterschied: Die Sach' erwog ich. Durch die der Kampf geheiligt ward, und Krieg Erregt' ich nur um Friedens willen. Frankreich Vergoß sein Mut — ich seufzte, doch sah weiter, Und sah im Hintergründe Frankreichs Rettung. 365 Ihr aber wart ein bloßes Werkzeug nur, Nichts wissend und nichts ahnend, nichts erkennend, Nichts hoffend, nichts beklagend, zu nichts nutz, Als Gurgeln abzuschneiden für den Taglvhn, Ihr thatet etwas? Ihr? 370 De Mauprat. Geflel's euch doch So zu dem Heer zu reden, ch's in's Feld rückt! Das Kehlabschneiden blieb' dann Euch allein Wohl. Richelieu. ISchau, schau! Mein Mann ist witzig — doch gleichviel !Ganz Anderes klagt Euch an. Messtre De Mauprat, ie hast, zu sicherin Tod verurtheilt, Du -Die Dir gegönnte Bnßsrist angewendet? De Mauprat (verlegen), rist, Eminenz? Richelieu. Ist nicht die Frage klar? Ich will statt Deiner Antwort daraus geben, 375 40 Nicht suchtest Priester und Altar Du, büßtest 580 Jin Sacke nicht. Nicht Todtenkopfs Beschau'n, Nicht Rosenkranzes Mahnung zum Gebet Erweckte fromme Rcugedanken Dir. Was Du nicht thatest, ist im Nu gesagt. Doch was Du thatest, süllt ei» Buch voll Sünde»; 385 Des Morgens Würfelspiel, des Mittags Zank, Des Abends Schwelgen bis in tiefe Nacht; Das waren Deine Vorbereitungen Zu Tod und Strafgericht. — Thn ich Euch Unrecht? De Mauprat. Nicht immer war ich so; und ändert' ich 380 Mein Wesen,. Herr, so scheltet Den und Das, Wodurch mein Schicksal so gewendet wurde. Ach, Eminenz, gar viele Kaltvcrnünft'ge Giebt's, die nichts ahnen von dem Zustand zwischen Lust und Verzweiflung in der Angst vor m T od. 385 Geboren in der sonnigen Provence, Fließt rasch inein Blut und glühend wie der Saft Der Traube, die den Troubadour begeistert, lind Kriegsgefahr, die stät'gern Muth ermüdet, Hat mir ein wild Entzücken eingcflößt, 400 Wie Einem, deü der Anblick der Mänade Zur öden Felsgeklüft zum Wahnwitz trieb. Wär't Ihr, o Herr, der Ihr, in hohem Machtamt lind reich an hochgelahrtem Wissen, fremd seyd 405 All dem, was schwächre Menschen bös verlockt, — War t Ihr durch das verflucht, was Ihr verhängt. 41 hetzt' Euch bei Tisch, im Bett, bei Tag und Nacht Das Eine, nämliche Gespenst des Todes: "hr triebt's gleich mir wohl toll und wild! Richelieu. Gleich Euch Zär' ich vielleicht ein Zecher und ein Lärmer, loch nicht gleich Euch ein Schwindler und ein Dieb. 410 De Manprat (drohend gegen ihn). Nehmt dieses Wort zurück, Herr Cardinal! (Hugnct hebt bedächtig de» Carabiner.) Richelieu (ihm winkend). Acht allzu hurtig, Freund Hugnct. Messire le Manprat ist geduldig und kann warten. — vergeudet habt Ihr En'r Vermögen; sey's! 41S Ich tadl' Euch nicht, daß Ihr zu betteln Lnst habt; iwch tadl' tchs, daß als Bettler Ihr falsch Geld Ans Tiegeln münzet, die man Schulden nennt. Daß Ihr aus Andrer Mitteln lebt, in Seide Pinherstolzirt, mit schönen Gäulen prunkt, Bankette gebt — und all das nicht von Eurem, 4LO D nein, von fremdem schuldigword'nem Geld: Das nenn' ich schwindeln, Herr: und Schulden machen lind nicht bezahlen, ist in Volkes Mund So viel wie stehlen! Sieben tausend Lonis Und noch zweihundert Kronen seyd Ihr schuldig, 42L Weniger zwei Liards — 42 De Mauprat (bei Seite). Der Hexenmeister! Am Ende rechnet er mir noch die Becher, Die ich bei'm Mittagscsscn leerte, vor. Richelieu. Skandal ist das — ein Schimpf für Euren Adel. 430 Ich sags Euch, Herr, zahlt was Ihr schuldig seyd. De Mauprat. Gern, Eminenz, nur sagt zuvor mir an, Bei wem ichss Geld dazu mag leihen — Richelieu (lachend, bei Seite). He! Ein laun'ger Springinsfeld — durchaus der Mann, Wie ich ihn brauche — offen, keck und kühn! laufstchciid, ernsthaft) 435 Adrien De Mauprat, grausam schilt mau mich; Ich bin S nicht, bin gerecht nur. Frankreich fand ich Zerrüttet, fand die Reichen als Despoten, Die Armen als Banditen, faul am Markt, Schismatisch in der Kirche. Volksgezänk 440 Blies sich zur Rebellion ans, und das Schwert Der Themis war vom Rost zerfressen. Frankreich Sicht neu erschaffen sich durch mich, der Asche Des alten dürren Lehnsleichnams entstieg Dem Phöuir gleich des Volks verjüngte Bildung. 445 Wodurch bewirkt'ichs? Ein'gc sagen, durch Genie; durch Glück und Schlauheit sagen And're, 43 Mitnichten! Durch Gerechtigkeit bewirkt'ich's, Alnd klar soll's Men sehn durch Euch, De Maustrat; lUkein Ritter sollt Ihr sehn. Ihr saht als Feind mich; Meyd mir ein Freund! Ihr sollt nicht sterben. 450 H Frankreich Hat Eurer nöthig. Seyd geehrt, seyd reich, Sehd groß. — De M anstrat (knieet oor ihn,). Richelieu (hebt ihn auf). Für all' das fordr' ich diese Hand nur, Sie einer Braut zu reichen, die so schön, Als reich ist. — De Manstrat (zögernd). Eminenz, nicht Lust verspür' ich Zinn Ehstand. . 45S> Richelieu. Nicht? verspürt nicht, Chevalier? Sterben war' schlimmer. De Maustrat. Kaum. Der schlechtste Feigling Muß sterben; doch zum Ehstand sich bequemen, Heischt Lüwenmuth. Richelieu. Verräther! ich weiß Alles; Du liebst, liebst meine Mündel. — 44 De Manprat. Wie der Fluß 460 Die Sonne liebt — in ihrem Strahl sich wärmt. Und weiter strömt. Richelieu. Du hast ihr Lieb' erklärt? De Manprat. Liebt' ich der Dirnen letzt' im Land' auch, würd' ich Ihr nicht die Schmach anthnn, ihr Jngendhoffen Mit mir zu gatten, den des Henkers Hand 465 Allaugenblicklich ihr entreißen könnte. Richelieu. Ich will Dir's glauben. Da nun meine Mündel Ob Deiner Lieb' unwissend ist, entsag' ihr ; Nimm Leben, Glück und Ruhm mit einer Andern! — Du schweigst? De Manprat. Ihr zogt stets im Triumph daher; 470 Ihr könnt nicht wissen, welche Segnung mir In mancher dunklen Stunde das Gefühl war, Von dem ich jetzt mich herzlos scheiden soll. Spricht auch die Zunge nicht der Liebe Schwnr ai>S,j Kann dieser Schwnr doch tief im Herzen ruh'n. 475 Vergebt, daß ich mir heil'gen Schwnr nicht breche.j Nehmt Euer Gnadenwort zurück; ich kann Nicht treulos meiner Liebe werden. 43 Richelieu. Huguet, Führt den Gefang'nen in das Teppichzimmer. iin ich dahin, sagt ihr, daß ich sie liebte. R ichelien. 4, närr'schenr Ohr tragt solche Thorheit, Herr, sieht, geht! De Mauprat. Will er mein spotten? (Er folgt dem Huguet.) Richelieu. He! Freund Joseph! Joseph (tritt auf). Richelieu. A'i, Deiner Wangen gloth verschwand ja schier! > -wre bescheiden Ihr Frommen seyd! Wohlan denn, zu Geschäften! (j,l Mauprat) Ihr findet dort den Henker; in Geheim Sterbt Ihr, und Gott erbarm' sich Eurer Seele. H De Mauprat. Du hast Wohl allzneifrig Dich gegeißelt? ,! Joseph. oJch bitt' Euch, von 'was And'rem! s 485 Ktotarien ruf' und Zeugen, laß mein Haus 46 Am Lurembourg neu schmücken; inein Haus nicht j mehr, 490 Denn Brautgeschenk soll's meiner Mündel sehn, Die Morgen sich vermählt. — Joseph. Vermählt? mit wem^ Richelieu. Mit Adrien De Mauprat. Joseph. Mit dem Bettler? Richelie u. Bah! der Genoß der Schönheit soll ein Mann, Kein Geldsack sehn. Als Juliens Vater starb, 495 Gelobt' ich mich zum Vater seines Kindes, lind er verschied — ein Lächeln aus den Lippen! lind als ich heut' des Jünglings Leben schonte. Sah ich, so dünkt mich, jenes Lächeln wieder. Wer könnt' am ganzen Hof auch so svie er 500 Dem Günstling trotzen, hinterlist'gen Plänen Die Spitze bieten? Prüft' ich ihn doch, Joseph! Beseelen Ehrgefühl und Mnth ihn doch, Zwei Adlerschwingen, die zur höchsten Sonn' Erheben, welche jemals schwache Seelen 505 Zerschmelzen ließ im Strahl der ird'schcn Macht! Zn dem hat er Geschmack auch: — Als mein Drains Vor theilnahmlosen Gaffern anfgeführt ward, *) *) Der Abbe Arnaud erzählt uns, daß die Königin eii! wenig an dem Cardinal durch de» schlechten Erfolg 47 Sah' ich zu rechter Zeit ihn Beifall zellen. Ich sag' Dir's, Ungewöhnliches verheißt er. Joseph. Doch ist er Euer Feind. gerächt ward, den die Tragikomödie „Mirama" hatte, die man ihm zuschreibt, obwohl sie der Welt unter dem Namen des Dichters Dcsmarets übergeben ward. Die Aufführung dieses Stückes (sagt Pelisson) kostete dem - Cardinal dreimalhunderttanscnd Livres. Er avar von der Ausführung so entzückt, daß er zu mehrerenmalen sich aus der Loge hervorbeugte, um sich der Versammlung zu zeigen, und ein andres Mal seine Umgebung zum Skillscyn ermahnte, um nicht „noch schönere Stellen — ües onäroits oneoro xlus doruix" ihrem Ohr entgehen zu lassen. Später sagte er zu Desmarets: , dien. Io.-? n'auront üonc Sinais üo §oül. Ils u'onb pu.8 ötv eimrmes äe Mirruno'—Nun, die Franzosen werden niemals Geschmack besitzen; sie sind von der Mi- rama nicht entzückt worden." Arnaud sagt hierüber mit vielem Gezier: „On ne nouvrüt rckor« avoir ä'autro satistaotion Inzwischen bist Du — Hahaha! vermählt zwar Doch nicht beweibt. De Mauprat (tritt glänzend gekleidet anf> De Mauprat. Gab's je solch Mißgeschick" So viele Wonn' und so viel Elend! Baradas. Grüß Euch' Wie? finstre Stirn an Eurem Hochzeitstag? De Mauprat. Scherzt nicht! Mir graust Baradas Ward Euer Weib schon zänkisch? uth, Mann — 's ist allgemeines Loos' De Mauprat. War' Julie och minder lieblich — weniger geliebt doch! Baradas chon wieder Räthsel? De Mauprat. Ihr erfuhrt, was zwischen tir und dem Cardinal sich zutrug Baradas. Freilich; Zent früh, durch Euren Brief — Knrjos Geschick! ch weint' und lachte drob vor Freuden. 5ö De Mauprat. Ward ich mit Julien getraut und trete 25 Kaum in mein Haus hier, als — Ebe» Baradas. Nun was denn, Freund? De Mauprat. Als auf die Thür ging, und Messire de Beringhen Mit diesem Brief kam — B aradas. Königs Hand und Siegels De Mauprat. Les't, lest! Baradas tlesend). „Weil Adrien de Mauprat, Colonel und Che-! valier in Nuserm Kriegsdienst, der bereits durch Einnahme Unserer Stadt Favianr des Hochver- raths sich schuldig gemacht hat, sich ohne unser Borwisseu, Zustimmung und Genehmigung einer Heirath mit Julien de Mortemar, einer reichbe-! gitterten Waise, erdreistete, die zum Hofstaat Ihrer Majestät der Königin gehört, — erkennen ^ Wir und erklären Wir besagtes Ehebündniß als dem Gesetze zuwider geschlossen. Es wird daher bei Todesstrafe Adrien de Mauprat mit vorbe- nannter Julie de Mortemar weder in Wort noch Schrift verkehren, außer im Beisetz» Uusers viel- 57 ! getreuen Dieners, des Sieur de Beringhen; sondern er wird derselben mit solcher Ehrerbietung ! und solchem Anstande begegnen, als es einer dem ^ Hose von Frankreich angehörenden Dcmoiselle ge- > bührt, bis zu jener Zeit, zu welcher cs Uns gefallen wird, mit der heiligen Kirche hinsichtlich l der Auflösung besagten Ehebundes, und mit Unserem Kriegsgericht die Strafe zu berathen, die ^ über den Messire De Mauprat zu verhängen ist, > als welchem Wir überdies hiedurch bei Unserem allerhöchstenZorne anbesohlen haben wollen, über > diese unsere Verfügung das tiefste Schweigen, ! namentlich gegen die Person der Dcmoiselle de i Mortemar zu beachten, > „Gegeben unter Unserer Unterschrift nnb ! unter Unserem Handsiegel, im Louvre." ^ „Louis." Baradas (den Brief zurückgebend). I Jst's möglich? Sagte Richelieu nicht. Daß er dem König Eure Schuld verschwiegen? De Mauprat. So sagt' er. . 38 ! Baradas. ! Armer Freund. Seht Ihr die Schlinge, Die Rache die noch schlimmer als der Tod ist, Der Ihr znm Opfer fallet? De Mauprat. Ha! Barajas n gingst so Plötzlich fort — Ist Dir nicht wohl? De Mauprat. - Recht Wohl — das heißt sehr übel. >, Julie. ! Uebel, Adrien? 45 ! (Sie ergreift seine Hand.) f De Mauprat. Nicht, wenn Du- bei mir bist. (Er will ihre Hand ! ! an seine Lippen führen, als De B cri»gh en hustet ^ i und ihn an dem Mantel zupft. De Mauprat läßt Juliens Hand leS und wendet sich ab.) i Julie lbei Seite). Liebt er mich nicht mehr? Ach! De Beringhen (leise zu Mauprat). Seht Euch vor; denn rapportiren muß ich ' Dem König jedes Wort'nnd jede Miene. 60 Mauprat (eben so). Herr, wär't Ihr nicht im Dienst des Königs, gab' eij , SO Nicht Frechem, nicht verfluchtem Melgeschäft'gen, ! Der sich in Andrer Dinge mischt, als Ench. z De Beringhen. > Jetzt aber, unter MajestätS Befehl — ! De Mauprat. En'r Glück, denn wären wir ein Stockwerk höher, Rieth' ich Ench doch, dem Fenster nicht zn nah'n. ! Julie. SS Was that ich, Adrien? Sag', ward ich anders * Seit gestern — oder hat Dich Reichthnm, Ehrgei! ^ Und Lust zum Leben nur vermögt zn schwören, Daß Du mich liebtest? ' ^ De Mauprat. ! Toll — rein toll macht's michij z De Beringhen (heiuclich zu ihm). Sie lieben wäre gegen den Respekt Julie. 60 Was sagst Du, Adrien? ^ De Mauprat. ; Ich — ich sage daß - Daß köstlich Wetter ist heut — daß der Himmel So heiter ist — und welche Aussicht (zu Berincihk« l Geck, Ihr! 8 j Julie. -M Er spottet mein — doch lieb ich ihn — und den » Dia» liebt, den kleidet jede Miene wohl. Vielleicht bin ich zu ernsthaft! — Wenn Dir Lachen 66 , Gefällt, so sey's auch niir zur Lust; nur, Freund, ss Nur sage mir, daß Du mich liebst — ! De Maust rat (ihre Hand küssend). ^ Ich liebe ' Gewiß von ganzer Seele Dich — (heimlich zu Beri»gheu> s Jetzt, Herr, ? Geht und erzählt es Seiner Majestät. Wo galt ei» Kuß, den seinem Weib man gab, 70 7 Denn jemals für ein Staatsverbrechen? wo? -s l Julie. Er sagt er liebt mich und läuft fort voll mir, s Ais schaudert ihn „ich liebe Dich" zu sagen, ft Komm setz' Dich zu mir — Hier ein Stuhl sür Dich; Hfni über Deine Galant'rie! (Sie setzen sich und als 75 er seinen Stuhl zurückschiebt, rückt sic mitdcmihri- ^ s, gen ihm nach.) i So sag' doch, i Was soll der alberne Messire De Beringhen , Denn hier? Anspielungen versteht er nicht, ö Wär's Dir nicht recht, er ginge? - De Maustrat. : ^ , Ei, wahrhaftig. Es wär' mir recht. Schick' ihn nach Deinem Hand- . 'i schuh, 62 80 Nach Deinem Blumenstrauß — nach was Du willst — Julie. Messire, ich vermisse meinen Handschuh. Ich ließ im Garten ihn bei'm Brunnen, oder Im Pavillon — nein — an der Statna Knpids — dürft' ich Euch bitten -— D e B e r i n g h e n. Augenblicklich! Sö (Klingelnd) He! Andre, Pierre — wie heißen Eure Schlucker Von Dienern — Zwei Dittier (treten ein). De Bcringhen. He! Madam ließ ihren Handschuh Im Garten Lei dem Brunnen fallen oder Im Pavillon — nein, an der Statna Kupids — Lauft, holt ihn! Die Diener (nl>). De Mauprat. Trugen je zwei Schulter» SO Solch eine Frachtlast übcrmnth'ger Frechheit In eines Edelmanns Gemach? — Lieb' Julie, Ich Hab' Geschäfte — Briefe — Satanslniffe! Ich bitte Dich, verlaß mich — fort geh, sag' ich! 63 Juli e, vu bist unfreundlich! (Ab—Als sie geht, läßt Mauprat sich auf ein Knie nieder und küßt, ohne daß sie etwas gewahr wird, de» Saum ihres Mantels,) De Beringhen. Tausend Bitten nur Entschuldigung — De Mauprat, Nicht Eine nehnr' ich an! Ztand hielt bis jetzt ich Allem — meinem Herzen Wie meiner Lieb' und meinen Rechten; doch len Thränen Juliens halt ich nimmer Stand! Laim, Herr, nimmt diese Poff' ein Ende? Sä De Beringhen. Herr Sobald Ihr wollt. Nach gnäd'gcn Königs Auftrag 100 - Soll ich, sobald Ihr den Beseht verletzt, 1 Zum Gouverneur von der Bastill' Euch führen,. Längst hält' ich diese Ehre haben können; Doch bin ich allzu weichherzig — wer könnt' auch Streng gegen eines Freundes Schwächen sepn? 103 De Mauprat. < lewalt des Königs kamt zum Block mich schicken; ^ ch weiß es — doch die Aussicht schreckt mich wenig, t at aber Kirch' und Staatsrath morgen nicht l n dieser Sach' entschieden, Herr, so werd' ich — > De Beringhen. Aas, wertster Herr? 110 64 De Mauprat. Zur Thür hinaus Euch werfen, Melwerther Herr, und thun in meinem Haus, Was'mir gefällt, mit wem es mir gefällt, Bis Seine Majestät geruht 'neu andern, Handfcstern Herrn zu schicken, der mich wegholt. 115 Verstanden, werther — flnchenswerther Herr? De Beringhen. Schon wieder heftig? Doch das wird sich legen, Bedenkt Ihr recht Euch, Da Madam nicht hier ist, Will ich »ach Imbiß nmschau'n — Nicht bemüht Euch; Doch seyd behutsam! Euer Wein — wie schmeckt er? 120 Ich werd' ihn kosten — Ohne Förmlichkeit! Ihr seht, ich thu als war' ich hier zu Hause. Eli'.) De Mauprat (zur Thür gehend, durch wclchrj Baradas abging). Graf Baradas! Baradas (trin a»f) De Mauprat. Von Rache spracht Ihr, di^ Schlimmer als Tod ist — redet klarer — Baradas. Wats Wär' klarer? Nur zwei Leidenschaften hat Der Cardinal — 68 De Mauprat. Der Cardinal? Baradas. Er selbst. lEhrgeiz und Rach' — in Euch seht ste bewährt. iZuvörderst Ehrgeiz: Julie ist seine Mündel — ^Unschuldig, lenksam, bracht' er sie zu Hof — Las folgen sollte, folgte: Louis liebt iDic schöne Julie — 13« De Mauprat. Gnäd'ger Himmel! Louis? BaradaS. iergleiche» Liebelei gibt neu Gefieder >en Schwingen Nichelieu's — doch Etikette Hängt ihr 'nen Mantel um — verkappten Ehstand. w schob er Euch vor — diente seinem Ehrgeiz wrch seiner Mündel Größe; diente seiner 135 Mache durch Eure Schande — ?! De Mauprat. Ha! Beweis! Baradas. ? beweis? Den habt Ihr ja im Brief des Königs. :> Daß vom Gen'ralpardon Ihr ausgeschlossen jä'uch saht, weiß außer Richelieu nur ich: fiUißtraut dem Freund Ihr um des Feindes willen? 11« ^ 'Klar liegt es vor. Nur Richelieu vertraute Bulwer'« Romane. l^llcxv. 5 66 Dem König das was Euch um's Leben, oder Um Eure Ehre bringt. De Mauprat. Ich seh's — ich seh's! Erlogenes Verzeih» — blitzschnelle Heirath — 145 Arqlist'qe Güte — v, der bösen Schlange! Wie sticht sie! Baradas. Tretet seine Bosheit nieder; Traut unser» sichern Plänen: Herzog Gaston Ist unser Haupt — Heut Abend ist Versammlung; Stoßt zu uns — trinmphirt mit uns — De Mauprat. Heut Nacht? 150 O Himmel! meine Hvchzeitnacht — v Rache! Baradas. Wer flucht denn bleichen Munds nicht dein Tyrannen, Dem unersättlich grimmen, allgemeinen? Wo sind der Landesedeln Rechte? wo Sind ihre Lehnsgewalten, ihre Schlösser, 155 Durch die sie vom gemeinen Volk sich schieden, Indem ihr Schwert für sie Gesetz war? Hin Sind sie — in Staub getreten; und auf Gräbern Erwürgter Macht erhebt sich das Schaffot. Dem Königshause ward sein Glanz geraubt, 160 Verdunkelt ist die Sonne Frankreichs durch Diesen blut'gen Cometen. — Schaut umher 67 In Kirch' und Staat' und Heer, 2hr seht nichts And'res, Als Richelieu — den Argus und Briarens, Am Tisch uns Späher, Henker uns am Herd! Die Liljen Frankreichs welken unterm Gift 165 Dieses Nachtschattens — De Mauprat (ungeduldig). Aber Julie? Baradas (ohne auf ihn zu achten). Satan Hat ihn bisher bewahrt vor jeder Schlinge, Und seiner Opfer Grüfte pred'gen warnend Behutsamkeit. War' ich nicht überzeugt, Daß unser Hoffen zur Gewißheit reifte, 170 Glaubt mir,' ich schwkchtigte noch meinen Grimm, Sah' Eure Schmach und spräche doch: „Geduld habt!" Jetzt aber, da der König lächelt, wenn er hört. Wie seine Peers ihn von dem Cardinal Erlösen wollen — Ha! Ihr blicket finster, L75 Mit edler Ungeduld?, Hört meinen Plan! In seiner Hauskapell' an jedem Morgen Theill Richelieu, ein Heuchler überall, Den Beiielmönchen milde Gaben aus. In solche Mönchstracht nun verkleidet, 180 Von treuer Schaar umgeben, deren Führer Ihr seyn sollt, greift Ihr den Despoten — > S * 88 De Mauprat. Aber Der König? aber Julie? Baradas. Ludwig, Ben Körper schwach, und schwächer nach am Geist, 185 Ist Spiclwerk in der Hand des Staatöministers, lind ich bin Staatsminister, ich, sobald Der Cardinal dahin ist — und der König Vergißt durch mich dann willig Cure That. — Wohin? wohin? De Mauprat. Ich weiß es selber nicht; 190 Ich hör" Euch kaum. Laßt mich ein Weilchen mit Mir selber — Bald kehr ich zurück; jetzt ist mir Die Lust verpestet, und des Menschen Antlitz Ein Ekel mir. (Er enteilt durch den Garten.; Baradas (allein). Du willst der Hatz entrinnen! Laus nur, erjag' auch ich Dich nicht, so keuchen 195 Der Rache Hunde gierig hinter Dir, Und packen Dich und werfen Dich zu Boden. De Beringhen (mit vollem Munde, -in Tcllertnch in der Hand). D e B e r i n g h e n. Ein Wnnderthier ist Euer Koch, De Mauprat! — Wie? mein Herr Wirth nicht hier? — Ach, Gras 69 Mein Amt ist gar gefährlich — Dieser Maustrat Ist wie ein Pulverfaß, das Feuer fing — Baradas. Bald seyd Ihr dieses Amtes nbcrhobcn: Denn heut mich must die junge Frau zu Hof, So will'S der König. De Beringheu. Armer Chevalier! iDoch Ihr, der Ihr die Dame liebt, Ench ängstet '>DeS Königs Huld'gnng nicht? BaradaS. » Nein. Scheu ist Ludwig, Und Julie ist tugendhaft. Als blöder Schäfer Girrt er, bis ihm vom Haupt die Krone fällt, Die Braut wird Wittwc dann, bin dann Der Richelieu des Herzogs, des Regenten. De Bcringhcn. Grollt Ludwig denn dem Fuchs so sehr, daß er Dem Löwen schmucken Bisten mögt' entreißen? Baradas. So sehr, daß er ein halber Mitvcrschworner Gegen den Cardinal ist; und gefunden Hab' ich den Mann, der Führer wird des Trupps, Durch welchen Richelieu verenden soll: Ein kühner Mann, deß bloßer Name schon Für guten Ansgang bürgt. 200 205 210 215 De Bering hen (bei Seite). Er meinte mich, Ganz sicher! (Saat) Nicht doch, Graf. Zwar bin ich Ein tapfrer Hund — jedoch — Baradas. Mein kühner Mann 220 Zst Niemand als der Chevalier. Merkt auf! Heut Abend unterzeichnen wir bei Marion Dies Pergament, und schicken's all Bouillon; Ihr wißt's, auch Ihr habt mit zu unterzeichnen. De Beringhcn Doch Spanier — Feind' ins Herz des Landes rufen — 225 Den König stürzen — wie Vcrrath sieht's aus, Und läßt den Henker wittern. B a r a das. Wie ? Ihr schwankt? Zu spät ist's dazu! Der besvndre Plan Zn Richelien's Ermordung sey heut Abend Besprochen; doch von diesem Document 230 Darf Manprat nichts erfahrent Rache treibt ihn, Doch Hochverrats, mögt' ihn erschrecken. Mag er Bei Marion vor der Thür als Schildwacht stehn. (Bei Seite) Liegt ans dem Block sein Haupt nachher, so kann Doch seine Zunge nicht den höher» Plan, 235 Mit dem wir schwanger geh'», vcrraihen. 71 De Beringhen. Nun, gch stoße zu Euch, wenn der König meiner Entrathen kann — wiewohl ich alter Gänsrich >lit Füchsen nicht zu spielen weiß, und lieber Zu Neste kröche. Mittlerweile gibt's hier gm Nebenzimmer köstliche Pastete; 240 verhandeln wir mit ihr — Baradas. Zum Teufel! kann Ein Mann, de» göttergleicher Ehrgeiz füllt, l>ohl mit Pasteten sich — De Beringhen. Zum Teufel! kann Ein Mann, den göttliche Pastete füllt, Wohl mit dem Ehrgeiz sich befassen? Gelt! 245 Pasteten schmecken besser als der Ehrgeiz. Julie (tritt hastig auf). Der erste Höfling (folgt ihr). Julie (zum Höfling). Wie, Herr? zur Kön'gin soll ich kommen, und An diesem Tage? Häsling. Madam, der Wagen wartet; Messire De Beringhen fährt mit nnS. Julie. 25V Wozu denn das? Und wo ist mein Gemahl? B aradaS. Er ging, und wird zu Nacht erst wiederkehren; So, sprach er, mögt" ich zu Euch sagen — Ach! Besaß' ich solchen selt'neu Schatz — Julie (unrichig). Zu Nacht erst? Wie seltsam! Schlimmes ahnet mir — Höfling. Madam, 255 Ich darf nicht zögern — Julie (zu Baradas). Seht Ihr meinen Gatten, So sagt ihm, wie der Königin Befehl — Baradas. Aus Hhbla's Blumen trug die Biene nimmer So willig Honig heim, als ich die Botschaft Aus Eurem Rosenmund zu Stocke trage; 2KV Jst's gleich ein fremder Stock! Höfling (zu De Bennyhen). Wohlan, Messtre! De Beringhen. Ein Weilchen nur! Ich mögt' erst — Höfling. Hurtig, Herr! 73 De Beringhcn. Muß ich den Mund vor der Pastete wischen? Ich schwanke zwischen ihr jetzt und dem Ehrgeiz. — Beliebtes, Madam? (Er führt Julie, der Höfling folgt.) Baradas (allein). Zur Raserei treibt dies ihn, Und Alles fügt sich wie ich's angelegt. 265 Maustrat muß jetzt den Cardinal ermorden; -hm wlrd dafür das Richtbeil — ich nachher in Juliens Tröster. — Dies (das Pergament zeigend) geht an Bouillon, Ind aus den Trümmern Frankreichs zimnir' ich Zuletzt, werweiß — mir einen Thron noch—Alles 278 'rotz Seiner Eminenz, dem Cardinal. De Maustrat (tritt vom Garten her auf), ann's möglich fest»? Von der Terrasse, dünkt mich, . Baradas folgt ihm.) 78 Zweite Scene. (Zimmer des Cardinals wie im ersten Akt.) Richelieu. Joseph. Francois. (Letzterer schreibt, an einem Tische sitzend.) Joseph. Za, Hugnet machte die gewohnte Runde Zn schlichter Bürgertracht, und hörte wie Sie Ganner Euren Namen nannten, wie Ser Eine sagte: ..Possen! morgen greifen ' 308> Lir ihn im Cardinalspalast." Der Andere Kragt: „Wie?" DraufJcncr: ..Komm heut Nacht zu Marion, lind hör' was Gaston und Baradaö sagen; tlm Schnürchen haben die den ganzen Plan." -„Wohlan, heut Nacht!" und damit gingen Beide. 305- Richelieu. k,ch Hab' sie, Mann, ich Hab' sic! Z Joseph. S Ja, so sprechen Bon Euch die Andern. Glaubt mir, ihre Pläne ^ind schlimmer, als Ihr denkt; d'rnm wendet scharfe, ^'ewalt'ge Mittel an — Richelieu. Die Politik Mrft riesige Gefahr nicht durch Giganten, 318 Durch Zwerge wirft sie sie zu Boden. Wisse, 76 Des Staatsglücks Statuen sott man zierlich meißeln, Nicht mit der Art sie plump aus Stammholz hau'n/) Ha! war' ich jünger — bei dem Nitterherzen, Z15 Das unter diesem Priesterkleide schlägt, **) *) Richelieu dediente sich oft nicht nur der nnbedeu- tendften, sondern sogar solcher Menschen, die ge. mcinhin für einfältig galten, „ll guo dan« vent les meilleurk' expöäients — (Sr Pflegte zu sagen, daß Erfahrung ihn gelehrt hätte, wie in hochwichtigen Fällen die minder Einsichtsvollen oft die besten Nathschläge erthcilten." 1.e Olvrv. **) Sowohl Joseph als Richelieu widmeten sich anfäng. -sich dem Kriegsdienste. Ersterer war Soldat, bevor er der geistigen Eingebung, Kapuziner zu werden, folgte. Richelieu gelangte durch den Tod seines Vruders zu dem Bischofssitze von Luzon, indessen war sein Kriegermuth eben so ausgezeichnet, als sein priestcrlicher Ehrgeiz. Ich brauche kaum hinzuznfügcn. daß der Cardinal während seiner glänzenden kriegerischen Laufbahn in Italien voll, ständig gerüstet an der Spitze seiner Mannschaft einherzog. Richelieu that sich auf seine körperliche Behendigkeit nicht wenig zu Gute, — denn seine Eitelkeit war eben so groß, als seine Ehrbegierde. Ein Edelmann aus dem Hause Grammont traf ihn eines Tags mit Springnbungen beschäftigt an, und erbot sich sogleich mit allem „knvoir vrvro" eines Franzosen und eines Hofmannes, mit Seiner Eminenz um die Wette zu springen. Es versteht sich. 77 Spiel macht' ich mir mit jenen Kehlabschneidern! Reich' mir das Schwert her, Francois — nicht das Spielwerk Für Teppichtreter — jenes, mit der Klinge, ' Wie Karl Martell sie schwang, als er aus Frankreich Die Sarazenen trieb. ' 32V Francois (bringt ihm ein langes, doppcltgrif. figeS Schwert aus dem Mittelalter). Richelieu. Mit diesem Ding Stand bei Röchelte ich gegen Englische — Nicht Kläffer, Bursch, ist so ein Jnsel-Bullhund— Die Scharte schau, die hier sein Helmstnrz machte, Als ich den Kopf ihm.bis zum Kinne durchhieb. Damals war mir dies Ding ein Kindcrspielwerk; 325 (er versucht daS Schwert zu schwingen, muß es aber fallen lassen.) , ' Jetzt, siehst Du, könnt' ein Kind mich nberwält'gen. daß er den Cardinal höher springen ließ, wofür er sich bald nachher durch ein ehrenvolles Hofamt belohnt sah. Seltsam genug bleibt es, daß Richelieu durch diese seine Eitelkeit niemals zu einer dem Staate nachtheiligen Gönnerschaft verleitet ward; denn unter seiner Verwaltung war Tüchtigkeit mehr als je zuvor ein wesentliches Erfordernis zu Beförderung ; und vielfältig glückte es ihm. den Tauglichsten unter seinen gewandtesten Schmeichlern her- auSzufindcn. ' Anni. d. Verf. 78 Francois (die Hand an seinem Degen). Jetzt steh'n Euch Nnd'rer Waffen zu Gebot, Herr. - Richelieu (am Tisch). Ganz recht, die Feder! Sie ist mächtiger als Das^ Schwert — Erzzaub'rerS Stab, obwohl ein Nichts, L30 Wirft sie die Cäfaru nieder, daß der Welt Geschrei darob verstummt — Thu's Schwert weg. Es läßt ein Staat sich ohne Schwertstreich retten. (Die Wandnbr schlägt.) Die Stunde schlägt >— Francois, entferne Dich. Francois (ab). ' (Man hört klopfen- Ein Wandbild schiebt sich weg, durch die Oeffnung tritt Marion De Lorme herein.) Joseph (verwundert). Wie? Marlon? Richelieu. Joseph, still! Halt Wach' am Eingang. 335 — Nun, treue Marion? Marion. Eminenz, heut Nacht Kommt man auf's Neu' in meinem Haus zusammen, Der Herzog an der Spitze — Richelieu. Weiß schon; weiter! 79 Marion. Des Herzogs Hoheit fragte mich, ob mir . Verschwiegner, treuer Mann bekannt war', den Haß gegen Richelieu und gleiche Liebe 34k) Zum Gold zu wichtigem Dienst bewegen könnten? Richelieu. Und Du? Marion. Ich sagte: „Ja, mein Bruder, Hoheit, Dem Ihr vertraust: mögt, so wie mir." Draus er: „Laß ihn zu Nacht bewaffnet und beritten Bereit sehn nach Italien abzugehn.". 34L Richelieu kfür sich). Bouillon denn auch Verräther? Dacht' ich's doch! (Laut) Wohin in Welschland? Marion. Nach der Grenze von Piemont, wo's Lager des Bouillon steht. Richelieu (für sich). Wahrlich! Das ist Gefahr — und große! Wird der Spanier Mit in's Complott gezogen, und der König 35k) Hört meinen Rath nicht — was er schwerlich wird, Wenn ich nicht triftige Beweis' ihm bringe, — So ist des Landes Untergang gewiß. (Laut) Was mehr noch? Marion. Munkelei von schwarzem Plan, 3S5 Sich im Palast hier Eurer zu bcmächt'gen; Nichts Klares noch — und deshalb um so düst'rer. Richelieu. Schon gut. Wer ist der Bruder denn, den Du Empfahlst? Marion. Wen Eure Eminenz dazu Ernennen will. Richelieu. Du schlaue Kleine Du! (Geht zum Tisch und reicht ihr einen großen Beute! mit Gold.) 360 Nimm diese Kleinigkeit für heute, Marion. Was für ein Aug' Du hast und was für'n Lächeln! Gut, daß ich alt biu, (sie küssend) schöne Sünderin!') i ' *) Voltaire beschuldigt dinEardinal geradezu dcrLieb- haber Marion de Lorme's gewesen zu sehn, welch! Letztere von Victor Hugo, Frankreichs berühmten Dichter, ans Kosten der geschichtlichen Wahrheit mit Eigenschaften ansgestattet worden ist, die sic nebelt Ihre» körperlichen Reizen zuverlässig nicht besaß. Sie war eben so verrätherisch als schön. Le Elcrc weiset die Bcschnldigung Voltaires zurück, und sagt ganz richtig, daß wenn Richelieu auch menschliche Schwächen besaß, er sic doch, mindestens als ihm der Cardinalshnt geworden war, zu verschleiern wußte. lind war er in seiner Jugend auch zur Leichtfertigkeit geneigt, ward er doch in i 81 Marion (bei Seile, ernsthaft). iFürwahr! er ist ein großer Mann. Richelieu. Sie kommen iHeut Nacht zusammen? Marion. Hent, um Mitkernacht. Richelieu. jllnd Du stellst's an, daß die Depesche Gastvns 365 Vem anvertraut wird, den ich schicke? Marion. Sicher. Richelieu (für sich). Wen aber kann ich schicken? Huguet? Nein, ghn brauch' ich anderweitig. — Joseph? Eifrig, Doch zu bekannt, zu sehr ein Llt'rer Bruder. fDe Mauprat? — Ach! sein Hochzeittag ist heut. 370 pranyois? Den Mann der Männer, — unbeachtet — nuiig — chrbegierig — (zur Thür gehend) Francois! Fraiixois (tritt auf). Dieser Dame folgst Du in Allem. (Schaff' ihm Kleider, Marion, Wie sie zum Z wecke taugen.) Ein Packet l seinem düster leidcnschafttichen Streben nach höheren Zwecken gänzlich davon zurückgebracht. Anm. d. Vcrf. Bulwer'r Romane. I^cxxv. 6 82 375 Wird man Dir gebe« — ninnn's, und wenn Dn'S - hältst, < So halt es fest wie Deine Ehre, die Nur Tod Dir rauben oder schwächen könnte. - Schwing' Dich zu Gaul, und halte nicht eh'r inne, j Als bis Du wieder vor mir stehst. Merk Wohl, ^ 380 Du findest mich zwei Stunden weit von hier t Auf meinem Schlößchen La Nuckle. — Francois, s Sey schlau und kühn, denn — hör' mich — von der, H Stund' an, Z In der ich das Packet empfange, schauert ) Dein Schutzstern Glück und Heil auf Dich herab. j Francois. ,'i 365 Wenn ich's verfehle — ^ Richelieu. . i Was? Verfehlen? Bursch! - Im Wörterbuch des Jünglings, dem sein Schicksal! s Glorreiche Zukunft zeigt, gibt es kein Wort wie 1 „Verfehlen!" — Unterricht' ihn weiter, Marion. — ! Folg' ihr — jedoch von fern; sprich nicht mit ihr, s 300 Bevor Ihr unter Dach seyd — Geh! Sag' niemals „Verfehlen" wieder. ! Francois. Niemals, um die Welt! . ' Richelieu (ihm die Wange klopfend). ,! Recht so! gewappnet ist mein junger Held. ! (Mit Marion geht Francois durch die geheime Thür! > das Wandgemälde schiebt sich wieder vor.) ^ 83 Richelieu. So wollen im Palast hier sie mich greifen; Den Plan durchschau ich nicht; doch mein Gefolg Ist hier zu groß; — ein einziger Verräther 395 Kann hier die Treue Tausender zernichten. — He! Joseph! Joseph (tritt aufl. Richelieu. Hältst Du Hnguet für getreu? Wir brachten seinen Vater an den Galgen — Joseph. Doch laustet Ihr den Sohn, beschenktet reich ihn — ^ Richelieu. > Empfang'ne Gunst ist nichts. Hört'st Du ihn nie 400 l > Ans künft'ge Gunstbezeigung deuten? Worauf Mögt' er wohl rechnen? Joseph. Nun, auf Rang als Oberst. > ! Auf Edelmanns-Diplom — Richelieu. , Was sagst Du? Hnguet? lHnguet tritt, als wolle er den Cardinal anreden, von diesem unbemerkt herein.) H U g U e t. ! Man spricht von mtr — still — horch! lEr schlüpft hinter den Schirm.) « * 84 Richelie u. Wie? Hugnet Oberst 405 Und Edelmann! Mein so bescheidner Hugnet? ^ Unmöglich das! Doch wollen wir's versprechen. ^ Nicht unsre Schuld ist's, weigert's daun der König. Ein König nützt oft trefflich dem Minister; ! Und nnserm Hugnet schadet's nicht — Moral 410 Sagt: Hoffen ist weit süßer als Besitzen. Ja, ja, wir wollen Hugnet tran'n, Freund Joseph. ! Empfang'ne Gunst stopft unsre Hunde voll Und macht zur Jagd sie schläfrig und verdrossen, Doch einst'ge Gunst zeugt lust'ges Dankgefühl 415 Und gier'gen Eifer, daß der Köter schlechtster j Zum Cerb'rns wird. Recht hast Du, dies Comploti Zeigt höchst gefährlich sich, doch ich zermalm' cs, ! Und seine Asche düngt mir frisch den Acker ' Der Macht; so daß es eine Aerndte gibt, - 420 Die meines Schicksals Herbst unendlich reicher Erscheinen läßt, als je sein Sommer war. Hllguet list hinter der Thür hervorgekommeii, hat die Faust drohend gegen Richelieu erhoben ^ und entschleicht durch die Mitte). Joseph. ! Die Heil'gen wollen's geben! Richelieu. Ja, der Himmel Geb' es um meines schönen Frankreichs willen! 85 O Du mein Frankreich! nur für Dich, für Dich nur Verkehr' ich mit dem Mühsal und dem Schrecken, Obwohl die Menschen anders von mir denken. Groß macht' ich Dich und schön — nm Deine Stirn Schlang ich den röm'schen Lorbeer; Dir zu Füßen Warf ich Nationen! Dir ans Herz nur leg' ich All', was mein Ehrgeiz denkt und thut und wirkt 430 Wie Patrioten einst für Freiheit lebten llnd starben — Joseph. So lebt Ihr und stürbet so Dem Despotismus — Richelieu. Falscher Münch, nicht so! Der Macht leb' ich »nd sterb ich n»d dein Purpur, ^ Worin der Staat sich kleidet. Mein Geburtland Lieb' ich nicht gleich dem Britten oder Schweizer; Ich lieb's als Edler und. als Priester Frankreichs. „FürFrankreich Alles!" ist mein ew'gcr Wahlspruch. Mit ihm verflocht ich meine Leidenschaften, Mein Schicksal, meine Tugenden und Laster; 440 . Mit Frankreich haßt' und liebt' ich, machte Plan' und Vergoß der Menschen Blut, wie rnh'ger Schlausten Toscan scher Weisen denen lehrte, die Ihr Vaterland zu Ehren bringen wollen. *) *) Richelieu verschmolz sich wirklich so innig mit dem Staate, das in Fälle» schwerer GesctzeSverwirknng 86 448 Jenseit der Grenze» Frankreichs kann Mein Herz nicht wandern; innerhalb derselben er, wie Le Clerc ganz richtig bemerkt, noch unerbittlicher gegen die von ihm Begünstigten, ja, sogar gegen seine Mitwirkenden, als gegen andere ihm gleichgültigere Strafbare war. Zu einiger Entschuldigung dieser seiner außerordentlichen Strenge muß auch bemerkt werden, daß vor seiner Zeit die Großen des Landes gewohnt waren, jegliche Zügellosigkeit, sogar das Verbrechen des Hochverrates, ungestraft zu begehen: „auimi-rrvant on ne krüsrüt por-er les armes rrux i obeltes, gu'en lour rrocor- ärmt guelgue rboompvnse — vormals bewog man Rebellen nur durch Verheißung irgend einer Belohnung zum Niederlegen der Waffen." Bei'm Antritt seiner Verwaltung stellte Richelieu es als einen zum Bestehen des Staates unerläßlichen Grundsatz fest, „kein Verbrechen sollte ungestraft begangen werden." Viclverjährte Zügellosigkeit ließ sogar der Gerechtigkeit diesen Grundsatz als grausam erscheinen, allein die am meisten wegen ihrer hohen Abkunft oder ihrer Talente bedauerten Opfer dieser notwendigen Strenge, wie Mont- morenei, Cinq-Mars u. A., waren wirklich verschworene Verräther au ihrem Vaterlande, und würden in jedem Lande, in welchem cs Todesstrafe gibt, und wo die Negierung Macht genug hat, dem Gesetze Genüge zu thun, das Leben verwirkt haben. Richelieu war alleigentlich ein Patriot, den keine Menschenliebe sänstigte. Wie zu Venedig, wo das Licblingsaphorism lautete: „prin, Venerüana, jwi (.'Irristianc — erst Venedig, dann die Christen- 87 Jedoch umfaßt es Alles, und so lang' Ich leb', ist Richelieu und Frankreich Eins! heit," so galt auch bei Richelieu zunächst die Frage: «Was wird für das Land das Beste sehn?" Sobald es die Welt außerhalb der Grenze» Frankreichs betraf, hatte er kein abstracteS Prinzip, So stand er, dessen Zweck war, in Frankreich einen glänzenden und nnzuerschütterndcn Despotismus zu begründen, der Parliamentspartci in England bei, und schloß, zu Errichtung ciner Republik in Barcelona, einen Allianz- nnd Subsidicn-Tractat mit den Rebellen* Eataloniens; — andere Monarchien zu erschüttern diente aber zur Befestigung der wachsenden Monarchie Frankreichs. So also trotzte er, der daheim die protestantische Partei gänzlich zermalmte, allem Zorne des Vatikan, nnd sogar dem Unwille» seines Königs, indem er den Protestanten anßcrhalb Frankreichs die wesentlichste Unterstützung angcdeihen ließ, Zn seiner Feindseligkeit gegen die französischen Hnguenotten lag in der That ein Umfang von Absicht, der sorgfältig . von bloßer pfäffischer Unduldsamkeit zu unterscheiden ist. Er stand ihnen nicht al« Katholik, sondern als Staatsmann entgegen. Die Hnguenotten waren starre Republikaner, welche Pläne entworfen hatten, Frankreich in provinzliche Republiken zu zerstücken; und das Vorhandenseyn Rochellc's war durchaus unverträglich mit der Integrität der französischen Monarchie, Rochelle war eine zweite Hauptstadt in den Hände» der Hnguenotten, welche unabhängige Autorität und das Recht mit auswärtigen Mächten zu unterhandeln in Anspruch nahmen, Richelieu'S all- endlicher Sieg ward durch eine Menschenliebe be- Uns Priestern untersagt die heilige Kirche 480 Den Ehstand und den Halden Vaternamen; Wir aber bleiben Menschen, denen obliegt Der Menschen Pflicht — die Liebe — zu erfüllen. Die Wirklichkeit ist uns versagt, d'rnm hauchen Wir Leben tn'S Gestein des Ideals. 455 So Hab' in Deiner nngesch'nen und Abstrakten Majestät, mein Frankreich, ich Mir einen Gegenstand der Lieb' erschaffen. Was find Paläste, Pomp und Staatsgewänder? Vergänglich Spielwerk — nur zwei Dinge sind 460 Unsterblich in der Welt der Sterblichkeit: Ruhm und ein Volk! Huguet (tritt auf). Huguet. Enr' Eminenz befahl, Ich sollt' um diese Stunde — Richelieu. Thatich's? Richtig? So hörtest Du von argen Schlingen, die man Mir altem Fuchs legt? Gelt, uns prellt man nicht; 465 Laß seh'n — die Schützen, die D» commandirst — zeichnet, in der Nichts von Frömmelei wahrznnehim» Pr ist. Die Hnguenotten erhielten vollständige Amncsti! f und hatten nichts zu beklagen als den Verlust von ' Vorrechten und festen Plätzen, die durchaus mit lei- ! s »er Sicherheit für den übrige» Theil von Frankreich ^ f hätten bestehen können. Anm. d. Vers ; l 89 H u g »e t. Sind zwanzig, Herr. Richelieu. Sind alle treu? Huguet. Nun ja, So sür's Alltägliche — iu Ertrafällen Schied' ich drei Viertel wohl non ihnen aus. Richelieu. Was ist ein Ertrafall? Huguet. Große Bestechung. Richelieu (halb zu Joseph). Schau! er kennt Wunderthiere, die erhaben 470 lieber Bestechung sind. H ugue t. Aechttapfre Bursche, Die's Leben lieben, denen Gold nicht mangelt, Die aber Nom GesetzcSarm verfolgt. Allein von Euch Pardon zu hoffen haben; Und crxo — könnt Zhr ihnen trau'n. 475 Mich elien. Wie logisch! Schliss zwanzig der ächttapfern Burschen an. (bei Seite) Um Mitternacht Versammlung? also morgen 90 Erst gegen mich der Streich zu führe»? Ho! Wir segeln zwischen Wind nnd Wasser durch. >480 (Laut) Die zwanzig Zierden menschlicher Natur Wie bald kannst Du sie schaffen? H u g n e t. Eminenz, Die wackersten von ihnen sind nicht Vögel, Die's Tagslicht lieben; doch ich keiine's Nest, Worin sie nächtlich hocken — Richelieu. Können sie 485 Bevor cs wieder tagt, bewaffnet Wohl In meinem Schloß Nuelle sehn? Hugnet. Ei freilich; Ilm ein llhr Morgens schon. Richelieu. Das Schloß ist fest; Du kennst's. Sind zwanzig, wohl pvstirt, tm Stand So Wacht zu halten, daß kein Fuß (und Mörders 490 Fuß schleicht behutsam!) ungesehn hinein kann? Hnguet. Dreifacher Wall — Zugbrück" und Fallthor — Zwanzig Von mir befehligt, halten einen Monat Hindurch ein Kriegsheer von dem Schloß zurück. 91 Richelieu. Man soll die Sänfte mir bereiten. Nach Rnelle Will ich, eh's dunkelt. Mit den zwanzig Heil'gen 49» Kommst Du nm Eins nach Mitternacht zn mir. Dein Glücksstern strahlt! Hab' Augen wie cinLnchs — Vom Hirsch hab's Ohr — geh leise wie der Schnee Du bist ein tapfrer Bursch — ein treuer auch; Bist unverdcrbt, gott'sfürchtig, musterhaft, - 50V- Ein wahrer Edelstein von Hanptmann, Hnguet. Leb' ich es ab —versteh' mich recht, Freund Hnguet! Leb' ich es ab, mach' ich zum Oberst Dich; Vielleicht zum Edelmann. Um ein Uhr also! Herr, Dankbarkeit läßt mich nicht Worte finden. 50» (bei Seite) Ans Marions Hans hol' ich mir die Accht- Der Spinne gleich sitz' ich in meinem Winkel Und seh', wie mein Gewebe zittert. Joseph. Wär's Nicht besser, Wach' in den Palast zu legen, Und die Verräther bei der That — 51V Richelieu. Nein, nein! Der König grollt mir. Julie, ihm jetzt geraubt, fällt! H n g u e t. tapfern! (Ab.) Richelieu. » 92 Erzürnt ihn vollends. Sprechen wird er wieder, Ich hätte selber das Complott geschmiedet. Zur Hälfte wünscht er meinen Tod ; ja, ja! 515 Doch die Depesche, die Bonillon erhalten Soll — finstren Mordplan klar ihm vorgclegt: Das, Joseph, gibt »ns Waffen in die Hände. Mit der Depesche dring' ich mächtig durch; Doch ohne sie seh' ich ringsnm Gefahren! 520 Ich nach Rnclle, nnd Da nach Hof, nm dort Arglosen Blicks die Herzen zu erforschen, Wie's frommer Klosterbrüder Pflicht ist. Geh Zum König. Laß ihn nochmals den Traktat, Den heil'gen und vcrständ'gcn lesen, der 525 Klar darthnt, wie ein Staatsministcr nur Dem Priesterstand entnommen werden soll, lind wie ein König nimmer eine Klage Anhören soll, die den Minister angrcift, Noch diesem das Geflüster je verschweigen 530 Soll, das ihm garst'gcr Hofneid in das Ohr stößt, llm meinen — seines Staatsministers Namen Mein' ich — zu lästern! — Köstlicher Tractat! *) *) Dieser Tractat über die „Einheit des Ministers,' enthält alle die »nd mehrere dahin wirkende Lehrsätze, deren oben im Tert erwähnt worden ist, nnd hatte einen wundersamen Einfluß auf das Gewissen des armen Königs, Beim Antritt seiner Laufbahn am Hofe beklagte sich Richelieu, in seiner Rede, als Abgeordneter der Geistlichkeit von Poitu, gegen 93 Geh, lass' ihn wiederholt ihn lese». Alles Stehtwvhl, wen»Francois kühnen Muth zeigt, und Wenn Hnguet treu ist — Huguct? Argwohn saßt 533 mich. Hnguet verbeugte niemals sich so tief Als heut — Joseph. Fluch hoher Stellung, Eminenz! Argwöhnisch gegen Jeden. Richelieu (niedergeschlagen). Nur zu wahr! Zu schen'n der Arzt, ob er auch Gift mir mische; Der Edelknecht, ob er im Schlaf mich würge; 548 Mein König selber gegen mich verschworen, Obschon dies Hirn stets rege Werkstatt ist, Worin sich seiner Größe Purpur webt; Alt — kinderlos und frenndlos — schwachen Körpers — Dahin mir Alles, bis auf — 545 Joseph. Was? Richelieu. Das unbezwingliche Herz Armand Richelieu^! den König, daß so selten Geistliche zin» königlichen Staatsrache gezogen würden, und berief sich dabei ans das Beispiel der Druiden! A n m. d. Vers. 94 Joseph. Nichts sonst? Richelieu. Ja, Julie — Mein theures Pflegekind, vergib mir! ja. Heut früh durch Thränen leuchtend, segneten Mich Deine milden Augen! lind Dein Gatte, SSO Auch ihn Hab' ich; nicht wnrd' er in Gefahr mich Verlassen. Joseph. Nun? lind Joseph — Richelieu (nach einer Panse). Du? Auch Du würd'st Mich nicht verlassen — denn Dich fürchten Alle Und Keiner liebt Dich; ich jedoch, Freund Joseph, Bin ja der Einz'ge, der 'nen Bischof aus Dir machen kann. Komm mit zum Mittags- cssen; *) Josephs Ehrgeiz war jedoch keineswegs so gemäßigt; er wies den Bischofssitz zurück und verlangte den Cardinalshnt, um welche Gunst Richelieu öffent> lich bei dem Heiligen Stuhle antrug, es jedoch unter der Hand so ciuzurichten wußte, daß das Gesuch nimmer in Erfüllung ging. Anm d. Verf. SS Laß uns dabei der Mutterkirche Wohl Besprechen; komm Freund Joseph — Bischof Joseph! Ende des zweiten Akts. ') Der Religionseifer der Paters Joseph erläutert sich in folgender Anekdote: „Ein Offizier, der zu einem Zuge nach Deutschland mitbeordert worden war, und dem über die Strenge der erhaltenen Befehle sich das Gewissen regte, ging noch einmal zu dem Ca- puziuer, als dieser eben die Messe laS, und flüsterte: ,Aber was soll ich thun, frommer Pater, wenn die Leute sich zur Wehre setzen?' — ,Tödte si- Alle — sZu'on tue tous" — war die Antwort des Paters, der dabei in seiner kirchlichen Handlung fortfuhr." A„m. d- Verf. 96 Dritter Akt. tUm Mitternacht des zweiten Tages.) Erste Scene. (Richelieu'« Schloß zn Ruclle. GothischeS Zimmer — Am Fenster Mondlicht, dnS stch dann und wann verdunkelt.) Richelieu ll-scnd). „In Nacht und Stille fühlt die Brust, wie's Leben Nach Edlerm trachten soll, als nur nach Macht." So sagst Du weiser, starrer Moralist. Doch, würdest Du erprobt? Philosophie, 5 Erhab'ne Du, des Patriarchen Himmelsleiter Aus welcher Engel winken — doch! wir sehn Dich, Dem Patriarchen gleich, in Träumen nur, Und können Deine Stufen nicht erklimmen. ' Ich bin nicht glücklich. Mit des Titans Lust 1V Warb ich um eine Göttin — sie ward Wolke. Sterb ich, so wird mein Name wie ein Stern Durch düstre Räume leuchten, wird Prophet sehn. Aus dem auf lnft'gen Thurm der bleiche Seher Die bösen wie die guten Zeichen deutet, 97 Die ihn zu Königs mächt'gem Astrologen machen. 15 Seil aber Zukunft mich nach meinen Zwecken, Oder den zweifelhaften Mittel» richten. Durch welche meines Ruhmes Stern dahinrann In die vielstimmig unertiefte Zeit? , Sein Bett hat Unkraut— große Haufen Schlamms, 2Ü Und seine Wellen, wenn im Licht sie funkeln, Sind blutgefärbt durch die geheimen Bäche, Die seiner Wasser Macht noch höher schwellen. — Sind aber meine Sünden Launensünden? O, Ihr, die in Studirgemaches Still' Ihr - 25 Den Sand des Lebens Euch verrinnen laßt — Ihr, deren nie geprüftes Herz auf Lebens Bewegten Wassern im Orkane schifft — Ihr Förmlcr und Behaglichen, die Ihr Berühmter Männer Thun beschreibt und es 30 Auf feinen Schalen des Beweggrunds wägt: - Nicht könnt verstehn 2hr, was Ihr nie erprobtet! Geschichte zeigt die bloßen Knochen nur von Dem was wir sind; und an dem kahlen Schädel Mögt' Aberwitz lebend'ge Züge sehn! 35 Wie scheußlich ist's Skelett, wenn ihm die Ründung Und Glnth des Lebens fehlt! Wie scheußlich macht Der Anatomiker der Schul' uns, wenn er Uns ohne Färbung jener Menschlichkeit, Die unsre Fehler überkleidet, barstellt. 40 — Des Guten viel wirkt' ich durch böse Mittel, Und wer dereinst im Licht sich wärmt, das ich Bnlwcr'S Romane. QXXXV. 7 98 Erzürnte» Göttern stahl, wird ohne zu Bedenke», welche Nacht sich anfgehellt, ' 45 Die Welt vor meinem kühnen Diebstahl warnen. Blut floß durch mich; dach hatt' ich keine Feinde, Als die des Staats und zürnt' lch tödtlich, that ichs, Weil ich mein Vaterland ln meinen Adern Fühlt', und die Sühne, wie einst Brutus, strafte. 50 Und doch bin ich nicht glücklich, sondern vor ' Der Zeit ergran't und abgckrankt — man haßt mich Und Dolche seh' lch ln der Menschen Blicken. Vergcnden'muß ich meine Kraft' im Kampf Mit Kriechgcwürme Throne zu erschüttern; 55 Ich äffe Kvn'ge, doch Lakaien bieten Mir Trotz ***), und Mörder lauern mir am Bett. ») Bekannt ifi'S, daß Richelieu anf seinem Sterbebette, atz man ihn fragte, ob er seinen Feinden vergebe, die Antwort ertheiltc - „Ich hatte keine andere» Feinde, als die des Staats." Und dies war vollkommen wahr; den» Richelieu nnd der Staat wäre» Eins. Anm. d. Vcrf. Richelieüs Rechtfertigung hinsichtlich der Grausamkeit, deren man ihn beschuldigte, findet sich an mehrere» Orten in Petitot'S Sammlnng, z. B. im 21. und 30. Bande. Anm. d. Vers "'1 Ost rief Richelieu, wie Voltaire überraschend erzählt, ans: nSi-v nwil» No terrs— Sechs Fuß breit Erde" (so nannte er des Königs Kabine» — »>»> äoanLlent plus Ne peine gus tont le resto äs 99 Mel» steh' ich inmitten des Trifoliums, Der Parzen, die die Weif' und Scheere führen: Des Mönchs, des Spähers und des Henkers — O! Und dies heißt Macht? Nein, nein, ich bin nicht glücklich! 60 iNach einer Pause) Bin ich denn wirklich grausam? Haff' ich denn Die so mich hassen? Nein, ich ihn' cS nicht! Nein, ich.vergeb'! Als Staatsmann richt'ich sie; Als Priester segn' ich sie — vertilge zwar, Jedvch vergeb'ich. Mein ist die Vergebung; 65 Dem Staat allein gehört's Vertilgen an. Als Mensch lass' ich mich von der Bibel führen, VLuropo — machten ihm mehr zn schaffen als das ganze übrige Europa." Der Tod WallenstcinS, das Opfer Kaiser Ferdinands, machte eine» überaus lcb- hastcn Eindruck ans Richelieu. Er fand manche Achn- lichkeit zwischen Ferdinand und Ludwig ; zwischenWal- lenstem und sich selbst. In seinen Memoiren, die als von ihm zum Theil dictirt, zum Theil selbst geschrieben, und also als acht anzusehen sind, bricht der berühmte Franzos bei seinen Hindcutunge» auf Wollenstem in ein rührendes und pathetisches Ana- them gegen das Elend des Lebens — »la misoro ckc oetto vi° — voll Abhängigkeit von neidischem und scheuen, KönigSanschen" aus, unter welchen, er zu seufzen hatte. BemerkenSweith ist eS, das! gerade UN, die Zeit der Ermordung Wallensteins Richelieu von dem Könige eine Verstärkung seiner Leibwache erhielt. An m. d. Vers. 7 ' 100 Als Staatsmann thn' ich Macchicwels Gebot. Und würde mir die Glücksgöttin wohl dienen, 70 Wenn mir der Himmel zürnte? Denn der Zufall Bereitete die Hälfte meiner Größe. Geboren ward ich unter Hellem Glücksstern, Und meiner Seele leuchtender Demant Heißt lleberzeugnng, daß mir Alles glückt. 75 Ah — dieser Brustkrampf — Weh, wie Tod ' Und Leben Sich meinetwegen wcchselsweise zanken! Und dennoch — blaß sieht König Ludwig aus; Dennoch werd' ich den König überleben. Und dann. Du freche Oestcrreicherin, 60 Die Du des alten, uneinnehmenden Und kecken Armand's Liebeshnldigung Mit Hohn vergaltst, und Buckingham, den Süßling, Verstohlen liebend ansahst ') — dann sollst Du — Jedoch gleichviel — für Liebelei'» erstarb ich. 85 O schöne, zarte, eitelgoldne Jugend! >> Richelieu wird allgemein i»> Bewachte gehalten, — obschon ich keinen sonderlichen Beweis dafür auffinde» kann, — bei einer Unterredung mit Maria von Oesterreich . d. Verf. 18k Die Du auf sorgenloser Stirn des Menschen I» seinem Hosfnungöblick den Thron Dir bau'st, Du, die — wie Plato träumt' — in tiefster Seele ' Noch die Erinn'rung nicht verlor, wie Schün'reS ' Ihr strahlt' ans einst von ihr bewohntem Stern — SO O! haucht' ans Deiner Zeit ein kühler Frühwind. Noch einmal mir durch holder Liebe Rosen! Könnt' ich Vcrgang'nes nochmals leben, oder Hätt' ich bank'rotter Seele Wnnderschätze Nicht all' auf uferloses Meer hinaus 95 In morschem Kahn gesetzt! Der Jochstier, nach Des Tages Frohndicnst, gibt der Nnh sich hin, Und denkt nicht mehr an seines Treibers Knittel: Mir bringt so Nacht wie Tag nicht Ruh; der Ehrgeiz ' Kann nimmer rasten, nimmer Ruhe finden! 109 Soll ich entsagen? Kann ein Mensch denn wohl Sich selbst entsagen? Ist Gewohnheit doch Des Menschen Selbst! Gleichwie aus Speis' und Trank UnS Fleisch und Bein wird, so wird aus der Nahrung, Die wir durch Denken, Träum' und Leidenschaft, 185 Durch Zweck' und Plan' in mächt'ger Alchvmie Stets umschwungkräft'gem Kreis' ihr reichen. Die Seele das, was diese Nahrung ist. — Und doch! der Muße Süßigkeit genießen — Geliebt von aller Meli sehn, fern von allen 118 Diesen verworfnen Ränken, und zu horsten Auf Wissens himmelslnftgeknßtcn Höh'n — Sag' mlr's. Du Moralist, (das Buch aufuebmend) Dein Nathschlag soll Mir lieb und werih sehn! War' es nicht am besten 115 Wenn ich — Franxois (;»>n Theil verkleidet, tritt bastig auf). Richelieu (das Buch hiuwerfeiid). Hinweg Philosophie! Du lügst. — Flinl! Die Depesche — Macht und Herrschaft! Knabe, Gib das Packet her! Francois. Tödtet mich, Gebieter. Richelieu. Du wardst erkannt — beargwöhnt — und empstngst nichts! Francois. Empfing — er selber gab's, Graf Baradas. Richelieu. 120 Reich'« her! Francois. Erst hört, dann liefert mich dem Henker! Richelieu. Ha! Sprich! 103 Francois. In einem Zimmer fand ich Gaston Mit Baradas und etwa sieben Andern, Die ich nicht kenne — Richelieu. Wie? nicht mehr? Francois. Doch aus Dem Saale neben an erschollen Tritte Bewaffneter — Gemurmel — dann Geschrei: 125 „Nieder mit Richelieu" — Richelieu. Sprich nicht von mir; Dein Vaterland ist in Gefahr! Ein doppelt Complott also — Erst Frankreichs Untergang, Und dann mein Tod — Francois. Graf Baradas Argwohnte, fühlte scharf mir auf den Zahn, 130 Jedoch zuletzt von Orleans beschwichtigt Sprach er, 's Packet enthielte Tod und Leben Und gab mir dieses Gold hier — Richelieu. Gold beweist nichts! Francois. Und Orleans versprach mir Tausende, Sobald Bouillons Trompeten Antwort ihm 135 104 In unsrer Hauptstadt Straßen schmettern würden. Dem Haus' enteilt, wallt' ich zu Sattel steigen, Als Marian hinter mir hcrausschlich, flüsternd „Fart, fvrt mit dem Packet zu Richelieu! 140 Sag' ihm, die Nacht trägt Mvrd km Mund; der Herzog Schwur ihm den Tod!" Zurück dann schlüpfte sie Mit Beben, als steh da! mich eh'rue Faust Ergreift — den Schatten eines Mannes ganz In Rüstung nehm' ich in der Dämm'rung wahr. 145 Eh' ich die Waffe zieh» kann, seh' ich mich Beraubt des Päckchens, und mit rauher Stimme Schrci't der Bewaffnete mir zu: „Spion! Ich schvnc Dein, denn dieses Dolches Klinge Schliff stch ausschließlich nur für Deinen Herrn!" 150 Damit verschwand er. Für En'r Leben zitternd, Sprengt' ich hieher und fleh' Euch knieend an, Wie Jener nicht an meiner Treu zu zweifeln, Doch nicht gleich ihm mein Leben zu verschone». Richelieu. Wer spricht von Leben? Einen Schatz gilt's hier, 155 Kostbar wie Deine Ehr' — ein Prachtjnwel, Das tausendfaches Leben Werth ist — Eile, Lös' Deine Ehre wieder ein — Zn Marion, Zu Baradas — Zn Orleans eil' hin — Erspäh' den Räuber — jag die Beut' ihm ab! 160 Wenn nicht, so kriech' hinan zu hohem Alter, Grauköpfig werde, wie ich längst es ward, 105 ! Und sch gequält von dem Gedanken, daß 1 Du daö verlorst was Frankreich hätt' errettet, Und Dich beglückt und groß gemacht — Hinweg! - Nicht' eh'r komm' wieder vor mein Angesicht, ! Als bis Du Dir das Recht dazu erkauftest, j — Nun, nur getrost! Noch hast Du's nicht verfehlt. Du weißt, das Wort „Verfehlen" eristirt nicht, Francois, Dank Euch, Gebieter, für Eu'r Stärkungslächeln! ! Heimbringen soll's mich, Herr, und im Triumph! ! (Ai-, ! Richelieu, Ei» wackrer Junge ist doch mein Francois. Ein Nelt'rer hält' um LebenSfristnng nachgesucht. Ich liebe was da jung ist; denn weil große ^ Gemüther nicht in ihrer Zeit, Wohl aber ! Im künftigen Geschlechte leben, scl,' ich ^ In jedem Jüngling einst'gcn Richelieu, ^ Mein Francois wird sich doch den Preis erringen, ! ^ —Hm! Marion's Warnung und des Frevlers ! Droh'»? ! Wär's nur erst Morgen! Späher will ich senden, — Will gleich der Sonne jeden Raum i»'s Licht ! Erheben — Joseph soll erlauschen, nnd Hnguet ! Verkleidet späh'n ^— Hahahaha! — 'S ist seltsam, ! Indem ich lache, schaudert mich, nnd 's Herz ' Klopft mir im Busen, wie der Todtenwurm 165 170 175 180 185 Am Lager eines Sterbenden. — Wenn mich Hugiict verrathen könnte-Hufschlag! Horch! Das Thor knarrt auf — man kommt — — Julie (tritt auf). Julie. Herr Cardinal! Mein Vater! (sinkt ihm zu Füße»). Richelieu. ISO Wie? Julie? um diese Stunde? und Als einen Halbgott liebte! 245 ! Richelieu (kopfschüttelnd). ! Julie, wenn Du s Dem Gatten Unrecht thätest? Julie. Unrecht? ich ihm! Daß Jhr's beweisen könntet, und mein Leben Sollt' Ein Gebet nur um Vergebung seyn, Daß ich's ihm that. > Richelieu. ^ Laß mich erst Alles wissen. j Julie. In der Verzweiflung, die der Höfling in mir 250 Erweckt hatt', als er fortging, kam mir Der Trostgedanke zu entflieh», den Gatten Zn suchen und das Schlimmste zu erfahren. Schon Nacht war's, bebend schlich ich zu Der Königin, entdeckt' ihr was geschehn war, 255 Und fleht' um Beistand — zeigt' ihr die Gefahr, Die schmähliche, die ihrer Ehre wie Der mein'gen drohte — Sie umarmte mich, Ward Trösterin, ja. ward Errett'rin mir; Denn auf ihr Wort fand Flucht ich ans dem Louvre. 260 Ich floh nach Hans, doch ach! das Haus stand leer; Kein Adelbcrt de Mauprat war zu finden. Das Aergste fürchtend, eilt' ich her zu Euch, klO Und als mein Wagen an der Pforte hielt, 265 Vernahm ich Waffen klirren — Hufschlag — . Richelieu. Närrchen. Das waren meine Wachen — (bei Seite) und mit Unrecht Zog ich die Iren Hngnct'S in Zweifel. Julie. O! Jahrelange Angst kann Eine Stund' enthalten. R ichelien. Nichts von Gefahr und Angst. Dir fehlt der Schlaf. 270 Komin, nebelt meinem Zimmer sey das Deine. Gib ruhig Dich, Tn rosgc Amazone, Denn wie verfänglich auch der Schein hier ist, So glaub' ich doch, Dein ThesenS blieb Dir treu. (Ab mit Julien dtirib eine Scitenthür.) Zweite Scene. Huguet und De Mauprat (treten auf). H ugue t. Nicht hier?. Dc Manprat. Seyd ilnbcsorgi, ich find' ihn dennoch. 275 Fort und bewacht die Gallcrie, in der Die Diener schlafen! Wach' an jede Pforte, 111 Daß Zufall keine Schatten zwischen Rache i Und deren Opfer werfen kann. Entheb' Dich! l Eh das Gewölk verzieht, das jetzt den Mond ! Wie unser Vorsatz das Gewisse» uns 28l) ! Verdüstert, soll der Mächt'gc Leiche sepn. ' H n g n e t. Wollt Ihr »icht zweiten Arm - - De Mauprat. ^ Wie? Ihrer Zwei, > Um Einen schwachen Alten zu erwürgen? Hinweg! Beleidigung nur, wie sie mir ward, ^ Kann diesen Mord rcchtfert'gen. Geh! 285 H u g n c t. ! Nun den»; Ein kurzes Lebewohl! j lHugukt ab). stiitt wieder auf, ohne De Mauprat zu sehen). Richelieu. Wie drückt die Luft! das keusche Licht des Mondes, Des Wachens müd', entschlief im stillen Tempel Des feierlichen Himmels, und das Düster ^ Der Nacht gesellt der Furcht sich, dem Verrath — 2S0 ^ De Mauprat. Dem Tode, sprecht! 118 Richelieu. Ha! meine Ahnung trügt nicht! Wer bist Dn, Elender! » De Mauprat. Dein Henker! Richelieu. Wachen! Huguet! Montbras! Vermont! De Mauprat. Ha! Deine Geister Verlassen, Zaub'rer, Dich! Genossen mir 295 Sind Deine kecken Harnischmänncr. Still steh! Nur Einen Schritt, so kennst Du Dein Geschick; Tod heißt's! Richelieu. Das lügst Dn, Schnrk! Zwar bin ich alt Und schwach und fühle krank mich; dennoch lügst Du! Armand de Richelieu stirbt nicht durch Menschen; 300 Die Sterne sagten'S und die Stimme meiner Prophet'schen Seele hält den Spruch der strahlenden Sibylle» feierlich bestätigt. Rufe Deine Mithenker alle! Solches Scheusal *) Gleich vielen seiner Zeitgenossen hing Richelieu dem Glauben an minder erlaubte sküufle der Astrologie an. Er war ein zu glücklicher Mann, uni nicht abergläubisch Zn sepn. An in. d. Verf. t 305 113 Hat nicht die Erde, das da Vatermörder An seinem Heimathlande würd' und Frankreich In Richelieu erschlüge! De Mauprat, Deine Sterne Betrügen Dich! Es mögen Deine Ränke Dir gegen Kön'g' und Kriegeshcere Helsen, Und einer Welt im Kampfgefühle trotze»; Machtlas jedoch bist Du vor'm Schwert des einen 310 Entschloff'nen Mannes, dem Du Schmach gebracht! Richelieu (bei Seite). Ich athm' — er ist kein Miethling! (Laut.) Bracht' ich Dir? Sey ans der Huth! Verdacht und Argwohn lügen, Z» hoch stieg in der Welt ich, um mich selber Zu rechtfert'gen— 315 De Manprat. Was Du gethan, verklagt Dich, Durch Jugenddrang verführt ließ einst ein Jüngling Zu einem Staatsverbrechen sich verleiten, So daß sein Tod in Deiner Hand lag. Du Führtest jedoch den Streich nicht; zogst cs vor. An Deiner Laune Spinnwebfaden über ihm 320 Das Beil in steter Schwebung zu erhalten. So ward dem tapfer» Jüngling Höllcnqnal, Der Zwielichtschrecken nimmer ruh'nden Bangenö.- Dein Tod hsttt' ihn befreit — er aber sucht' Bulwkr's Romane. I.XXXV, 8 t14 t14 325 Ihn nicht, erfleht' ihn nicht. Da riefst den Jünz- ling Du vor Dich — logst Verzeihung ihm — Gabst Neichthum ihm — und ließ'st ein Engelsantlip Die Erd ihm in ein Paradies verwandeln — Richelieu. Nun? De Mauprat. War dies Gnade? war dies eines Casars 330 Großmüth'ge Rache? Cardinal, mitnichten! Nicht Cäsar, sondern Judas war Dein Vorbild. Von Schmach des Tvd's erlöstest Du den Jüugling, Um ihn dem Hohn der Lebenden zu opfern. Im Grabe noch die Ahnen ihm zu schimpfen, 333 Dem Spott zukünft'gcr Zeiten ihn zu weih'n. Des eig'nen Pflegkind's und des königlichen Eisbrechers feiler Pandarus wardst Du! Und das Naturgesetz im Menschenbuseu, Wie's in der Brust des ersten Brutus stürmt', 340 Als den Tarquin er niederwarf, das mit Des Patrioten, nicht mit des Rebellen Charakter sich verschwistert, zog den Jüngling Verzweiflungsvoll in Dein Geschick. Nicht Gnad' Erwart' — erkenne mich — De Mauprat! (Er lüstet sein Visir.) Richelieu. 345 Aus Deine Knie'n, Verzeihung zu erbetteln. Sonst sollst Du, schwör' ich, einer Reue leben, 115 Wie noch kein Erdensohn sie je gefühlt! Um Julie vor dem König zu beschützen, Vergab ich Dir, dem Tapsern, Dein Verbrechen; Du selber aber wardst das will'ge Werkzeug 350 Zur Schmach, ob der Du klagst; denn Deinen Herd Gabst Preis Du dem Versucher — Deine Gattin Fand Schutz, den Du ihr vorenthieltst, bei mir. — Julie de Mauprat! Julie! Julie (tritt aus dem Sciteüzimmer auf). Richelieu. Sie bezeug' es! De Mauprat. Welch Wunder! Träum' ich? Meine Julie? hier? 355 Dies Deine theure Hand? Julie. Jedwedes Bündniß Ist fortan zwischen uns gelös't. Mär's nicht Um dieses Greises willen würd' ich wirklich Das Recht — das mein jetzt ist — verloren haben; Das Recht, Dich zu verachten! 360 Richelieu. Hörst Du sie? - De Mauprat. Verläumd'risch habt Ihr ihr das Herz vergiftet! 8 * 116 'Juli e. Nein, Herr; entschuldigt hat er Euch, trotz Allem, Was wie die Wahrheit selbst aussteht. Dein Freu nd» Dein Herzens,frennd - - Dein Zcchsreund Ba- radas 365 Enthüllte selber Deine Schändlichkeit. De Mauprat. Ha! Schändlichkeit? Rich elicu. Ja, daß Du selbst der Schmach Des Ehebruchs die Brücke bautest De Mauprat. Himmel! Wo ist Dein Donner? Baradas! Umgarnt! Betrogen und vernichtet! Aber Du, 370 Du konntest ihm nicht glauben, denn Du liebst mich! Die Liebe kann sich nicht durch Lügen nähre». Julie Das kommt vom Spioniren! Alle sind fies? Da ist heut Nacht das Löwenfell zu kurz; Der Fnchsbalg helfe nach! Julie. Ein dumpf Gemurmel — , Geklirr und schwerer Fußtritt — . 415 De Mauprat. Und kein Ausgang, An dem nicht Wache stände! Richelieu. Still! ich häb's. In meine Kammer folgt mir beide — kommt! (Gelbs »nd Ruf »on außen: »Tob dein Cardinal!') Richelieu. Bluthund', ich lach' ob Euch — Haha! wir wollen Sie dennoch täuschen — Hahaha! Kommt mit! (Julie, Mauprat und Richelieu gehen ab.) Huguet (draußen). Hieher! 480 ILO Dritte Scene. Huguet und Verschworene (treten auf). Huguet. Nicht müd' ist Mauf'rat'S Hand, wo'S gilt; Seltsam, wenn jetzt sie — Wie? fort ist er? Erster Verschworener. Vielleicht verkroch der Fuchs sich auf sein Lager; Und Tod, der finstre Jäger, hetzt ihn dort. ^ De Dknnprat (tritt auf, indem er die Thüren eine» ZininicrS öffnet, in welchem man Richelieu aus einem Belte hingef.rcckt liegen sieht.) De Mauf'rat. 425 Der König lebe! Richelieu ist todt. Hngll et (sich dem Zimmer nähernd, indem De Maufrat mit der Hand am Dolch ihm folgt). Sind seine Augen offen? De Mauprat. Wie im Leben. Huguet (sich wendend). So mag ich ihn nicht ansehn. — Ihr bliebt lange. De Manprat. Nur bis er schlief. Vernehmt mich! Keine Blutspnr Verräth die Thal. Erwürgt ward er im Schlafe. 430 Seit länger kränklich schon, ward todt im Bett' er Gefunden. So nur spricht's Gerücht —bemerkt das! 12l Zurück jetzt nach Partei Der Herzog schenkt Zehntausend Livres, und der Graf ein Amt Dem, der zuerst die Freudenbotschaft bringt. Daß Richelieu dahin ist. Hurtig denn, 43L Daß Frankreich Euren Jubel theil' — » H ugne t. Und Ihr, Herr? De Manprat. Ich bleib', um jeglichen Verdacht zu wenden. Zu hüten, daß die Leiche nicht beschan't wird, Zu sorgen, wie den Tobten man bestattet. Mein seh dies Thun; Euch ward erfreu'nder Loos 44V Dxs Reichthums und der Ehren. — Geht, Ihr Herren! H uguet. Jetzt wird mir Edclmaunsdivlom - so wollt' ich'ü! De Mauprat. Geht, geht! Erster Verschworener. Uns Andern werden die zehntausend Livres. De Mauprat. Glück auf den Weg, Ihr Hcrr'n! Die Verschworenen. Zu Pferd! zu Pferd! Vierte Scene. (Nacht. Hellcrleuchtetes Zimmer bei BaradaS.) Orleans. De Beringhen. D e B e r i n g h e n. 445 Scheu recht, schon recht! Mauprat hielt draußen Mache, Weiß nichts von der Depesch'und führt den Trupp an, Den sich der arme Richelieu zum Schutz wähnt. Schütz' uns, o Gott, vor solchem Schutz! Orleans. Wenn Huguet, Auf dessen Nath und Antrag unser»! frühem 450 Plan wir entsagten, nur nicht noch tm Solde Des Cardinais ist, und uns falsches Spiel spielt! De Beringhen. Dann muß der Fuchs die Gänse, die er fängt. Verschlingen — lB-l Seite.) Ich bi» ihm entschlüpft, Gottlob! — Und Ihr schwört dann, Ihr hättet Euch gestellt, 455 Die That zu bill'gen, um die Thäter zu erwischen. Baradas striu auf). Julie ist entfloh'«. Der König, den ich eben Auf dorn'gem Pfühl verließ, schwört Rach' an ihr, An Mauprat und au Richelieu — Wohlan! 123 Wir Königstreuen leben seinem Wunsch Zn Allein nach. — Mauprat ist gleichsam tobt schon. 46V (Er zeigt eine Schrift) Orleans. Hm! Satan, heißt's, erfand die Druckerei; Doch, mein' ich, mischt er sich in's Schriftverfassen Nicht minder. — Was enthält dies Pergament? - Baradas. Ob Juliens Flucht erzürnt, will Ludwig nicht Den Unterthan als Nebenbuhler dulden; 485 Drum auf die Klage, daß Mauprat bei Favtaur Rebell' war, bau'n wir ihm, bevor er uns Verrathen kann, die Brücke zwischen Kerker And Grab. Orleans. Sv recht. Erreicht dann unser Bote Das Heer nur, so gewinnen wir das Spiel. Bei alldem zittr' ich: unsre Namen steh'n 47S Zn der Depesch' — Entdeckung brächt' uns Tod — Baradas. Doch Sieg bringt Euch Regentschaft — De Berin ghen (heimlich zu Baradas). Unser künft'ger Regent ist just kein Held- Baradas (zu B-ringhen). , . Jedoch sein Rang Macht And're tapfer, und durch seine Feigheit 124 475 Steig ich zu Macht empor. War' Orleans Fürwahr ein Held, was war' dann Baradas? — Noch Eins vergaß ich Euch zn melden, Hoheit. Freund Hugnct steckte mir: „Bor Marion seyd 460 Auf Eurer Huth — ich sah .sic unfern des Palastes Richelien's." Auf dieses Wort Hab ich ihr anderswo Quartier gegeben. Orleans. Wie? Arme Marion! Ihr thut Unrecht ihr; Sie liebt mich — B aradas (entschuldigend). Wollt vergeben, aber — Ein Paste (tritt auf). Page. Herr, 485 Ein Kricgsmann kam in Hast, und wünscht Gehör— Baradas. Ha! Sind die Schützen da? Page. Fm Vorsaal, Herr. Baradas. So führ' den Kricgsmann her -- (Page.ab.) Huguet ist's. Den ich hieher beschied. 125 Hugnet »ritt auf). Ihr Herrn, die That Ward ausgeführt — jetzt haltet Wort, Herr Graf, Und macht mich ad'lig. Baradas. Richelieu ist todt? Ist das gewiß? Wie starb er? 498 H ugue t. Herr, tm Schlafe Ward er erwürgt — von Blut gibl's keine Spur — Baradas. Erwürgt? Abscheulich! Niederträcht'ge That! Dem Mörder Lohn! He! Wache! Hauptmann und Bogenschütze» (treten auf). Huguet. Herr, Ihr wagt Baradas. Ergreift den Böswicht — bindet, knebelt und Schleppt zur Bastilst ihn — 485 Huguet. Euer Ehrenwort — Baradas. Verwegner Lügner Fort mit ihm — ire Huguet. Herr Graf, Ich trage bei mir, was — Baradas. Hinweg mit ihm! (Hnguet mir den Schützen ab.) . Baradas. Jetzt sind wir sicher, Huguet muß, wie Mauprat, Im Kerker sterben — die gering're Mannschaft 80V Schwatzt oder zwingt man dann znm Land hinaus. Haha! So nützt der große Mann den kleinen,'Herzog! De Beringhen. Messieurs, da unser Bangen nun vorüber, So wollt Ihr mich entschuld'gen; es ist spät, Und — entre nous — ich aß noch nicht zu Abend. 805 Des neuen Staatsraths Einer bin ich jetzt. Und fühle hier die öffentliche Gährung Als grimmig Ungeheuer — ^u i-ovoie! (Ab.) Orleans. Der Cardinal ist todt — weg denn die Furcht! Baradas. Und kehrt er auch zurück in's Leben, fehlt' ihm all) Des Lebens Leben — seine Macht doch; nicht Vermögt' er Mauprat vom Schaffst, nicht Julie Aus meinen Armen, Frankreich nicht aus der Gewalt des Heers, und Eure Hoheit nicht 127 Dom Sitz des Throns zu reißen! Alles unser, Trotz seiner Eminenz dem Cardinal! SIL Page (tritt auf). Ein junger Kriegsmann von weit bessern: Anssehn, Als der von erst, begehrt Gehör — Baradas. Er komme. Page (ab). Orleans. Wer kann das sehn? BaradaS. Wohl einer der Berschwornen; Vielleicht De Manprat selbst — ' > Franxois (tritt auf). Francois. Herr Graf — Bara das. Verräther! - Du in Paris noch—? . 520 Franyois. Ach, Herr! Die Depesche! Ein Schurk, der draußen spionirte, stahl Sie mir, bevor ich's hindern konnte — Baradas. Draußen? War er in Rüstung? 128 ' Francois, Ja, Herr, ganz in Rüstung, Orleans, 525 Der Unfern Einer! Himmel! Baradas. Wie? war's Mauhrat? Wacht hielt er draußen — doch von der Depesche Mußt' er kein Wort — Wie könnt' es sehn, daß er —? , Und doch! wer anders? Francois (bei Seite), Ha! De Mauhrat? Möglich, (Laut,) Die Nacht war dunkel, sein Mstr geschloffen- B aradas, 530 Er war's - wie aber könnt' er ahnden?'Hüll' und Teufel! Wenn er Verräther ward' an uns? Sein Haß Starb mit dem Cardinal, und zur Verschwörung War er nicht groß genug. Fort, Bursche, fort; Such' Mauhrat auf — schaff' das Packet zurück; 535 Erbettle, stiehl, erschleich' oder erzwing' es, Sonst wird der Strick Dein Lohn, so wahr ich lebe! Franko is. Zu morgen früh schaff' ich es Euch zurück, ' (bei Seite) Und löse meine Ehr' ein! (ab,) 12g Orleans. Wir sind verloren — Baradas, Barada s. Nicht doch! Aber Mauprat Muß eingefangen nnd getödtet werden. NurMuth, Herr Herzog. 540 Orleans. Weh uns, wenn der König Etwas erfährt! ' Baradas. Denkt i>aran nicht, Durchlaucht. Ich halt' ln fester Faust den Chevalier, lind morgen früh sehd Ihr Beherrscher Frankreichs. Du dunkler und gefall'ner Engel, Du, Den man auf Erden Ehrgeiz nennt; der Du Den Thron Dir chau'st anfList, Verrath nnd Mord — 545 Der Du mit wildem, blut'gem Lächeln die Leitsterne feierlicher Herrschaft auszulöschen Verstehst — hör' uns, denn wir sind Dein auf ewig — Hör' uns nnd führ' uns ünserm Ziele zu! 550 Ende des dritten Akts. Butwer's Romane. I.XXXV. 9 >3» Vierter Akt. Dritter Tag. Erste Scene. — „Voiln un „101,6 xolitigue iiwrl. 8 * l 1Z2 Baradas. Ah! Eure Majestät erinnert sich — Louis (lachend). Ja, ja, deS Tölpelstreichs mit dem „xroMer" 20 Und dem „souillarä" — als — Hahahahaha! (Er erschrickt und bekrcuzlzt sich.) Ha! arme Sünder die wir sind, — wir lachen. Indessen jener große Mann — ein Priester, Ein Cardinal — ein treuer Diener — Pfui! Baradas. Sire, wenn ich heiter blicke, ihn' ich's, weil 25 Der Cardinal den König nicht mehr hindert. Louis (zum Himmel blickend). Ach, Baradas! bin ich nicht zu beklagen? Was für ein Tag zur — — so wäre denn ein großer Staatsmann todt!" und als der unglückliche, aber auch gottlose Cinq MarS, den er seinen „vlior ami« nannte, enthauptet ward, zog er in dessen Todesstunde die Uhr hervor und sagte lächelnd: „Mich dünkt, in diesen, Augenblick muß der ,eNer runU eine ,vilaino mino* — garstige Dttene machen." Nichts desto weniger regte sein Gewissen, (denn er war frömmelnd und abergläubisch,) mildere Gefühle in ihm auf. so daß Stolz und Ehrgefühl oft, wenn mau es am wenigsten erwartete, ihn zu hoffärtigcm, jedoch kurzem Widerstande gegen die Zwanggewalt aufrüttelren, unter welcher er lebte. Anm. d. Lerf. 133 Baradas. Sorge? nicht doch, Sire. Louis. Ei was! zur Jagd! Doch Richelieu ist todt. Nicht schicklich wär's, bevor er nicht bestattet — (gähnend) Langweilig Leben. Vor'ge Woche macht' ich 3V Ein Madrigal. ') Ihr könnt nicht singen, Graf; Recht Schade das — Ihr solitet'S lernen. Richelieu Mußt auch nichts von Musik — doch war er groß! Ach! welche Last ist jetzt auf mich gewälzt; Endlose Krieg' — undankbar Parlament — 35 Schlingen, in die er Kön'g' und Staaten fing, Gleich jenem alten Fabelfischer, Proteus — Der auch den schlausten Fisch in's Netz schob, und jedwede Gestalt annehmcn konnte, wenn er selbst Durch List verfolgt ward. . Ja, gewiß, er war 40 Ein großer Mann — Baradas. Hochfel'ge Kön'gin Mutter Sagt eben so; doch starb sie in Verbannung. *) Louis hatte einige Anlage» zur Musik, wodurch er oft seiner Umgebung jene entsetzliche Langeweile einflößte, unter der er fast unaufhörlich ächzte. A»n> d. D-rf. 134 Louiö (tranrigl. Wahr! und ich liebte meine Mutter. *) . Baradas. Sire, Der Cardinal ist tvdt — doch scheint die Sonne' 45 Doch fließt der Strom nicht rückwärts. Wahrlich, Sire, Strahlt Eure Gunst erst Andern so wie ihm einst: Selbst ein so dunkler Stern als ich bin.wnrde leuchten Im schön erborgten Glanz. **) Eine der bittersten Klagen Ludwigs über den Kardinal rührte daher, dar dieser die Armgin Mutter in'S Eril geschickt hatte: indessen ist'S unmöglich nicht überzeugt zu scmi, daß die Znrnckkunft jener »uwür. digcu Nänkcspinneriu durchaus unverträglich mit der Ruhe de» Landes gewesen sehn würde. Andrerseits geben die Armuth und Entbehrung, die sic in der Verbannung zu erdulden hatte, einen Übeln Begriff von Richelieüs Grrßmuth und Dankbarkeit. Die Königin Mutter war seine erste Göuneriu gewesen, obwohl sie später seine mächtigste Verfolgerin ward. **) 3» seine» Mcmoiren gibt Richelieu einen belustigen- den Bericht über die Frechheit und List des Grase» Baradas ab, und erzählt mit unwilligem Erstaunen, daß der Günstling nimmer müde ward, dein Könige zu wiederholen, wie er lBaradaS) eine» eben so großen Minister als Richelieu abgegeben haben würde. Auf das Verhältnis des Grasen mit einer Ehrcn- dame der Königin Mutter, in die, nach des Letzter» Angabe, der*König verliebt Wad, ist Ludwigs Liebe 135 Louis (bei Seite), Ahcm! (Laut.) Ja, ja, Er.war zu streng — Orleans. Ein wahrer Nero war er. Baradas. Wie Roma's Capitol war seine Macht 50 Ans Menschenschädeln anfgcbaut — Louis. Und hätt' . Er länger noch gelebt, ward' er gewiß Auch Deinen Schädel, Baradas, dein Hansen Hinzngefügt — BavadaS. Ich wußte, Sire, daß Ihr Mich schlitzen würdet. 55 zu Julie de Mortcmar im vorliegenden Drama begründet worden. Das Geheimnis! der plötzlichen und . außerordentlichen Gunst, die Baradas bei dem Könige fand, scheint in der persönlichen Verehrung zu liegen, die der Graf für den Monarchen äußerte, bei i dem er alle Eifersucht eines Liebenden an den Tag legte, dem er zu gleicher Zeit aber mit dem eifrigen Nittersinn eines Edelmanns schmeichelte. Selbst nach der ihm zu Theil gewordenen Ungnade führte er in seinem Banner die Worte: „Mat voluntas t„a." Anm. d. Verf. Louis. Wußtest Du? Nuu freilich! Bei alldem halt' er so ein Wese» au sich, Ein Etwas das — Gleichviel jetzt, er ist todt; lind trotz dem heißt sein König „der Gerechte." *) Der bin ich denn auch. Liebster Graf — die Julie Kl) Beschäftigt mich, ich weiß nicht wie, beständig. Wenn's gleich noch Schön're und gewiß noch Hold're Als sic gibt; dennoch thut ste's, Graf. Ich bin Kein wollüstiger Tarqnin, und mir ein Greuel Ist schamlos Laster, das uns von der Kirche 65 Verboten wird; indeß ist's kläglich doch, An trüben Tagen Langewcil' zu haben, **) Für die Musik der Weiberstimmen taub. Für ihrer Augen Glanzlicht blind sehn sollen. Nicht Sünd' ist's, sucht ein König Zeitvertreib; 70 lind den nur such' ich, Julie seblt mir sehr; Sie lacht so silbernklingend — selt'ner Vorzug! *) Louis erhielt den Beinamen „der Gerechte", jedoch nur weil er „oub libra" geboren worden war. "1 Louis XIII. glich in der Innigkeit seiner Neigungen weder seinem Vaier noch seinem Sohne, sondern war in seinen Liebschaften, wenn nicht rein vlato- nisch, doch durchaus leidenschaftslos; bei alldem gab niemals ein Mann sich eifersüchtiger und niemals gewissenloser grausam als er es that, sobald seine Eifersucht geweckt worden war, A»m. d, Vers. 137 Baradas. Sehr disloyal war Richelieu in dieser Heirath. Louis (ärgerlich). Er wußte, daß das Mädchen mir gefiel; Beweis genug, daß er mich niemals liebte. Baradas. In Fülle! Jetzt jedoch ist keine Schranke 75 Mehr zwischen Eurem Willen und der Dame. Die Schrift hier sichert Alles — ein'ge Wochen In der Bastille kühlen Mauprat's Lieb' ab, So daß er gern von einem Eh'bnnd abläßt, Der ihm so schlimme Wohnung aufschließt. 80 Louis. Richtig. Besorgt das Nöth'ge, Graf. Zurück soll Julie. Ein Wort mit Euch. lEr nimmt V-ringhen und de» erste» Höfling auf die Seite, und spricht mit ihnen, indem er im Garten auf- und abgeht.—Baradas ab.) Francois (tritt auf). Franyois. Vergebens such' ich Mauprat überall; Seit gestern war er nicht zu Hans, doch will Zum Louvre man ihn haben gehen sehn. 85 Trifft er auf Baradas, so wird ihm das Packet Entrissen — füg's so, gütige Fortuna, Und lächle mir! Ich bin Dein Sohn, verlassest Du diesmal mich, so rette Du mich, Tod, 138 SO Vor Schande. Doch getrost! — ein großer Geist Schwebt stets in Lüften, der von breiten Schwinge» Der Ehre Samen ans nnö n/eder streut, Wenn wir als treue Knecht' nm Ehre sröhnen. De Manprat (->>«« auf). Stirn gegen Stirn laß mich, o Gott, ihn treffe», 95 Jhm's Jndasherz ans seinem Busen reißen. Deckt' ihn der König auch mit seinem Purpur! Francois. Ha! Manprat! Steht! Wo ist die — De Manprat. Nun? was willst Dn? FranoviS. Gebt die Depesche — das Packet — Erkennt mich! Ich diene Richelieu — Ihr müßt mich kennen. 100 Warst Zhr nicht Schildwacht vor'gc Nacht bei Marion? De Manprat. Ich war'S. Was soll'S? Hier, hieß cs, muss' er scyi,! Francois. Gebt hurtig das Packet, das Zhr mir wegnahmt. De Manprat. Packet? So bist Du der, den ich Bctrog'ner Für einen Späher Richelicn's gehalten, 105 Und dem ich, als ich Marion finster» hörte — 139 Franko is. Derselbe bin ich — gebt, o gebt'S Hernus! De Manprat, Ich hnb'S nicht mehr — im Glauben, es enthielte Den Anschlag ans das Leben Richelieu s, Gab ich's als ich zu Pferde stieg — . Baradas (tritt auf). De Maustrat tz» Varadas). Halt da! Steht! — Jetzt Hab' ich Dich, Verfluchter! (zu Frankls) Laß 110 mich! (ZN BaradaS) Zieht! Frankens (heimlich zu Manprat) ' Seyd dvch nicht tust! Der König ist im Garten. Laßt ihn der Rache Nichclien's, und sagt mir. Wem die Dcstesch' Ihr — - . . De Manprat (den Pagen ro» sich stoßend ZN Laradas), Ha! dreifält'gcr Läst'rer! Den Fuß will ich ans Deinen Natten sehen! (Er sicht gegen ihn, BaradaS wehrt ihn ab.) Francois. Ilm Gott! Entflicht! der König kommt! 115 (Louis, Orleans, De Bcringhen, Höflinge IN st w, von der einen, Wachen von der andern Seite, treten ans,) 140 Louis. O Frechheit! Gezog'ne Schwerter in des Lonvre's Garten! Starb das Gesetz denn mit dem Cardinal? , Baradas. Verzeiht mir, Sire — nur Nothwehr üb' ich aus.') (Bel Seite zum König.) De Mauhrat ist's. Louis. - Wagt er uns so zu trotzen? De Mauprat. 102 Sire, Namens Nichelicu's — Baradas (der der Wache die Schrift gab). Ergreift — entwaffnet Den Cheoalier und führt ihn zur Bastille! (De Mauprat erwehrt sich der Wachen, während Fraupois bemüht ist, ihn z» besänftigen und mit ihn, zu reden. Das Garteuthor öffnet sich — Richelieu, von Joseph und Scharfschützen begleitet, tritt ein.) Baradas. Ha! stehn die Todten auf? ') Durch eines der strengsten Gesetze, dar am wenigsten von Politik zeugte, hatte Richelieu den Zweikampf zum Verbrechen gemacht. Nimmer ward ein Verbrechen schärfer geahndet, nnd »immer gab iS dessen ungeachtet zahlreichere und hartnäckigere Duelle. An,», d. Vers. 141 Louis. Wie? Maskerade? Zu weit geht diese Frechheit! De Mauprat (sich der Wachen entledigend). Held und Priester. Denn Beides seyd Ihr — schützt das Recht! Richelieu (der der Wache die Schrift nimmt). Was soll dies? De Beringhcu (bei Seite) Ein philosophisch Factum! Wie die Katze 125 Hat auch der Fuchs neunfaches Leben. Mein König. Will's führen! B aradas. Standhaft. Louis. > Ich ergriff das Scepter; ich Joseph (bei Seite). Eine Gegenströmung zieht; Es wird wo Schiffbruch geben. Richelieu (in die Schrift blickend). Hvchverrath — Fadiaur? Stets noch der kahle Vorwaiid? 130 Sire, schlechte Menschen — (zu Baradas) Ja. Graf. schurkische Menschen! Mißbrauchen Eure königliche Güte. 142 Nicht tapfrer» Mau» hat Frankreich als De Manprat; Und wenn in Jugendthorheit er verführt ward, 135 Verführt dnrch — (zu Orleans) wen, weiß Enre Hoheit wohl, So macht' er's längst durch Mannesthaten gut, Und ich verzieh' ihm, Sire. L o uiS. Doch wir bcstät'gen Nicht solch Verzeih'« — (zu den Wachen) thut Eure Pflicht! Richelieu. Wie, König? - Jedoch, Ihr wißt noch nicht — vergebt mir, Sire, 140 Ihr wißt noch nicht, daß dieser Wackre hier Sich zwischen mich und meine Mörder stellte. Sire, nehmt um treuen Dieners willen, Um meinetwillen diesen Spruch zurück! Laßt mich die Schrift zerreißen — Louis. Beispiellos. 145 Ist dicsd Frechheit! (zn den Wachen) Enre Pflicht thut, sag' ich! Richelieu Euer Schicksal — Alles hängt au der Depesche! Wem gabt Ihr sie—? > 150 D e M a u p rat. Huguct. Franovis. Still! Scyd behutsam! Schweigt wie das Grab und hofft. (Mauprät und die Wachen gehe» ah). Baradas (heimlich zu Francis). Hat er's Packet? Franpois (eben so). ' Er will mir nichts enthüllen. (Für sich.) Arbeite, Hirn! Hoch klopfe, Herz! Es gibt Kein Wort für mich, das wie „verfehlen" klänge. (Ab.) , Richelieu (hoffärtig). Platz da, JhrHcrrn! Der Staatsministcr Frankreichs 155 Will sich allein mit seinem König sehn. (Man weicht zurück.) Lvui s. Was soll die falsche Tod'spost, Eardinal? , R ichelicu. Verdrießt's Euch denn so sehr, daß ich noch lebe? Louis. Nein, aber solche List — 144 Richelieu. Ist nicht die mein'ge; Durch Meuchelmörder ward sic mir entzwunaen B aradas. Wir straften deren Rädelsführer schon; Huguet ist schon in der Bastille; ja. Wir schafften Nach' Euch, gleich, sobald als — Richelieu. Wir? Ei hört doch, Sire! — Auf welcher Seite, Herr, 165 Steht in der Hofgrammatik Ihr denn als Ein Plural — Nicht den Rädelsführer, Den Miethling grifft Ihr; Zenen nenn' ich Euch, Sire, wenn Ihr — Louis. Weg da, Herr Cardinal, Mit Eurem altem Kunstgriff! Immer 170 Bedroht Euch Meuchelmord, damit En'r Ehrgeiz Die Nebenbuhler fortschafft. Richelieu. Nebenbuhler? Worin, Sire? in dem Dienst des Vaterlands? Ich habe keinen! Lebt denn wo ein Mensch, Den das vor Eurem Ruhm erbleichende 175 Europa für den Nebenbuhler Richelieu's Ansehen könne? 145 Louis. " Wie? so übcrmüthig? Bedenkt, wer da erschuf, kann auch vernichten! Richelieu. - Niemals! Eu'r Zorn kann mir Eu'rZutrauen rauben, Mir Amt und Güter nehmen, meine Koffer Ansplündcr», doch mein Name, meine Thatcn 180 Sind königlich in einem Land, wo nimmer En'r Scepter walten kann! So's Euch beliebt, Berurtheilt mich zum Tod — ich appellire, Wenn Kön'ge mich verfolgen, an die Zeit! Sire, seyd gerecht — Ich fand Eu'r Königreich 185 Durch Ketzerei und Rebellion erschüttert. Fand frechen Adel drin und hungrig Volk — England in Gährung — Oestreichs Eiscnfaust An Euer Recht gelegt — fand Spanien, Wie'S Gold ans beiden Indien vergeudet, 190 Um Donnerkculc gegen Euch zu schleudern. Der Handel fault' ans Euren Märkten, Künste Lagen erstarrt; Eu'r Heer trieb Meuterei, Bankrott war Euer Staatsschatz: Wollt Ihr jetzt Mir En'r Vertrauen nehmen, mag's drum seyn; - 195 Ich lass' Euch hinter mir als den gewaltigsten Monarchen des gewaltigsten der Reiche Vom Ganges bis zum Nordpol. — Schaut hinaus: Gedemüthigt liegt jeder Eurer Feinde! Blickt um Euch her; um Eurer Schulen willen 200 BulwerS Romane. l.XXXV. 10 146 Entwichen schöne Künste ihren Hcöperiden, Dem goldneu Wälschlaud, und der Handel strömt, Der Hcilgucll der Nationen, durch die Adern Des weiten Reichs, das Ihr beherrschet, Sire! 205 Ich weiß es, daß geschmeidiger Höfling Euch Besser gefällt — doch meßt mit dem mich nicht; Denn nimmer kann er ein Bermächtniß, dem gleich, Das ich Euch hinterließ, Euch hintcrlassen! (Leins scheint uncntschlosse» zu seyn,i Baradas (an ihm vorüber, flüsternd-, llnd Julie? Soll sie nicht zu Hof —? Louis (winkt dem Grafen und wendet sieb trotzig (NM Eardinal), Genug! 210 Nicht länger kann ich hier Audienz crthcileu; Nicht Zeit noch Ort ist hier dazu — Begebt Euch Nach Haus, Herr Eardiual — R ichelicu, Gerechtigkeit, Mein König, knüpft sich nicht au Zeit und Ort; Jedweder Ort ist ihr ein Tempel, und 215 Jedwede Zeit ist Sommerszeit für sie, Ihr weigert mir,Gerechtigkeit? O Himmel! Seit fünfzehn Jahren, seit des Staates Ruder Ich lenkte, fand im Land Gerechtigkeit , Der ärmste Handwcrksmanu, der schlechtste Bettler, 220 Und durfte fordern sie >— nicht Prinzen oder 147 Höflingen gleich, die da um Hvfgunst betteln Im Kricchton oder Schmeichcltvn — »ein, nein! G'rad anfgcrichtet dürft' er, wie ein Mann, Der nur sein gutes Recht begehrt, sie fordern! 7 r — Mein König I Louis! Ihr verweigert mir 225 Gerechtigkeit, Gehör sogari und das Dazu im Vciscyn des geäfften Mörders? *) Louiö. Herr Cardinal — Ihr brachtet nach und nach , Um alle die mich, die mir thcucr waren; Sie Alle wurden, Eurem Grimm zu fröhnen, 230 Wenn nicht gctödtet, in's Cril geschickt. Jetzt seht Ihr mich inmitten treuer Freunde, Auch diese risset gern Ihr von mir weg; Denn, traun! sie morden Euch, weil sic mich lieben. Genug der Klagen über Hochverrath 235 Und Mvrdauschläge! Geht nach Haus, Nach HauS, um solche Träume zu verschlafen! *1 Hinsichtlich hcS hoffärtigen und vorwerfendcn Tones, welchen Richelieu in seilten Ermahnungen liegen tzeu König annulun, sehe malt dcS Kardinals Memoiren in PetitotS Sammlung a. ,». O. itn 22. bis 30. Bande. Sehr schön sagr-Montesquieu, in einer seiner glänzenden Antithesen, von Richelieu l »II nviln. Io toi, muis II illulltoa Io Il'idno — er vcrichlnähte de» König, verherrlichte aber die Negierung." 'Anm. d. Vers. 10 * Richelieu. Sire, ich — Geduld, v Himmel! güt'ger Himmel! Am Fuß desselben Throns, v Majestät, 240 Den diese Händ' auf höchste Höhe hoben, Daß er auf ehrfurchtvolle Völker blickt, Ruf' ich zu Euch — und Ihr verstoßt den Greis, Der Euch zu Macht und Herrschaft hals, und der Jetzt nur um Sich'rung seines Lebens fleht? Louis. 245 Mit Nichten Eminenz! Sehn wir Euch wirklich Am Fuß des Throns, so wollen wir Euch hören. Orleans (heimlich z» Baradas). Gerettet! Baradas (heimlich zn Orleans). Danken wir's der Tollheit Mauprat's Und Juliens Flucht! Richelieu. Herr Graf de Baradas, Verzeiht mir — mein Nachfolger sollt Ihr werden 250 Reicht mir die Hand — Baradas (für sich). Was kann er damit meine» Richelieu (seine Hand fassend). Sie zittert, ja, sie zittert! Eine Hand, Die das Geschick von Völkern halten soll, 149 Darf nicht so zittern — Armer Baradas! Noch ärmres Frankreich! Baradas. Ha! der Frechheit! lBaradaS, Orleans »nd alle Uebrigen ab: nur Richelieu und Joseph bleiben.) Vierte Scene. Richelieu. Joseph, hast Du des Königs Wort gehört? Joseph. Ich hab's — O, wärt Ihr minder kühn gewesen!*) *) Wie hochfahrend und zornmüthig der Cardinal auch in seinen Verhandlungen mit dem Könige sepn mogte, verschmähte er cs doch nicht immer, zu Höflingskünsteu seine Zuflucht zu nehmen. Als er einst einen heftigen Streit mit dem Könige gehabt, und wie gewöhnlich Recht behalten hatte, und er den Palast mit dem Monarchen zugleich verließ, sagte dieser ärgerlich : ^Sortes le Premier; V0U3 ötes bien le roi Versteht Ihr ihn? Ach! ich versteh' ihn nicht. — Die Sinne stumpfen Mir immer mehr sich ab, so dünkt mich. Joseph. Dame, Der König zürnt dem Cardinal, und der Lakaien schlccht'ster ist zur Stunde mächt'ger Als Richelieu. 310 315 320 154 Nichelie u. Doch regt kein Lüftchen sich: Doch ist der Himmel heiter, seinem Kreise Entschießt kein Zeichen, nm die Welt zu warne», Obschon die Nacht von einem Morgen schwanger 325 Seyn mag, an dem mein Fall Erdbeben Den fernsten Ländern bringen und die Weit Der Christenheit nmwandeln dürfte! Wisse, Sein »nd mein Schicksal und das Deine, Weib, Sind eng verwob'ne Fäden, so zum Guten 330 Wie Schlimmen, Solch Geflecht zeigt tausendfach Mein wirrvcrspvnnen Leben. Erster Höfling (tritt auf). Erster Häsling. Madame de Manprat! Verzeihung, Eminenz — so eben komm ich Ans Eurer Wohnung — mir befahl der König, Nach Hof Euch zu bescheiden. Julie (sich an Richclir» klammernd). Meines Vaters, 335 Des Dir gestorbnen Freundes, denke! denk'. Wie ich als kleines Kind Dein Knie umklammert' lind Dir ins Auge schaute, daß der Sorge Runzel Dir von der Stirn wich bei dem Anblick Der zarten Kindheit — denke dran, und nimm mich 340 An Deine Brust! ISS ' Richelieu. Geht, sagt dem, der Euch schickte. Wie Ihr die Tugend, die Ihr würgen wägtet. An diesem Herzen, wie an einem Altar, Den Nvma's heil'ge Schwingen schützen, fandet. Enthebt Euch — Erster Häsling. Eminenz, ich dien'Euch gern: Versteht mich recht — noch nimmer war der König 345 So gegen Euch erzürnt. Ich war' Eu'r Feind, Brächt' ich ihm diese Antwort. Richelieu. Feind die Welt mir, Könnt' ich, ein Priester, diesen frommen Pflegling Von ihrem letzten Zufluchtsorte scheuchen! Erster Höfling. Er ist verloren! ' " (Ab.) 35V Richelieu. Helf Dir Gott, mein Kind! Sie hört nicht — Schau' sie an! Der Sturm der Eiche» Zersplittert, reißt des Blümchens Wurzel aus. Wie liebte mich ihr Vater wie mein Bruder! Wie war sie Pstegrin, Spielwerk, Tochter mir! — Sind dieß denn Thränc» ? ") O des feigen Alters! 355 ") Wie Cromwcll und Nicuzi scheint auch Richelieu leicht zu Thräuen gerührt worden zu scpn. Die Kö» 156 Joseph. Nicht Thräncn sollten Euch die Augen füllen; Blitz sollt' ans ihnen zucken, Kerkerpfvrten Zu sprengen und Verbrechen zu zerschmettern, Das im Geheim wirkt. Nächsten Tages Sonne 36V Muß des Berraths Beweis in Eurer Hand sehn, Soll sie nicht Euren Untergang beschcinen. Richelieu. So ist cs. Flücht'gcm Freudenseuer gleich Schoß meines Lebens Stern durch seine Bahnen, Erlöschend, strahlcnlos hinabznfallcn, 385 Daß alle Welt in Staub ihn trete! Morgen, nigin Mutter, die dieser menschlichen, leicht reizbaren Gemüthcrn von Natur so eigenen Schwache die schlimmste Dculnng gab, sagte von dem Cardinal — ^i! plomait guanä il voulait — er weinte, wann er wollte." Für diejenigen, welche der Meinung sehn mögten. Richelieu erscheine hie und da in dieser Scene allzu niedergeschlagen, hinsichtlich seines sonst so herrschsüchtigen Charakters, habe ich hinzuzufügen, daß von ihm gesagt worden ist: „Ouanrl ses Lssaire» ne roussissoient pau, il so trouvoit abattu et öpou- vantö, et quanrl il obtenoit ee qu'il soulnritoit. il ötoit Iler et insuUaut — Venn seine Anschläge mißglückten, fühlte er sich erschreckt und niedergeschlagen, wenn er aber erlangte, was er wünschte, war er hoffärtig und beleidigend." Aum. d. Eerf. 157 Ja, morgen gilt es, siegen oder sterben! — Erhol' Dich Kind! — Führ' uns, Freund Joseph — Kommt! (Ms sic gehen, treten Baradas und Tc Beringhen ihnen entgegen,) B arad as. Der König magö nicht glauben, Eminenz, Daß Ihr so sehr der Pflicht und seiner Große Vergessen könnt, Euch ihm zu widersetzen, 378 Gehorcht daher dem König, schöne Dame, Und fürchtet nichts! Julie, — Mein Water! Rieh elien. Sie bleibt hier. Baradas, Ihr sepd nicht Ihr Verwandter — eine Waise Ist sie - Richelieu, Das Land ist ihre Mutter — Baradas. Das Land ist der König, 37S Richelieu, Ha; ist's so gemeint? So wirke Kraft denn, die in eh'rner Zeit Die Mächt'gen niedcrwarf und Niedr' erhob! Schau't wo mein Pflegkind steht! Um sie herum 158 Zieh' ich der heil'gen röm'schcn Kirche Kreis; 380 Betretet ihn — und trügt Ihr eine Krone — Ich schleud're doch den Bannstrahl Euch aufs Haupt! B a r a d a s. Ich trotz' Euch nicht — ich folge nur dem Willen Des Königs. Kirch und Stand und Macht genügen Dem Cardinal zum Widerstand.— Euch selber 385 Gebt Schuld, wenn dieser Euch um Macht bringt. Richelieu. Meine Sache! Doch was ist Deine, finstrer Spieler, Du? Gib Acht auf Deinen Einsatz, frecher Würfler: Denn tagt cS wieder, so ist Frankreich Dein, Ddcr Dein Kopf liegt mir zu Füßen! Baradaö (heimlich ;» De Berauchen). Könnt' er 380 Wohl die Depesche haben? De Beringhen. Hält' er sie, So lag' ja Euer Kopf ihm schon zu Füßen. Joseph (heimlich z» Richelieu). Gebt Euch geduldig, da Beweis Euch fehlt. Richelieu. Geduld, Mönch? Pas; Geduld die Heilgen üben; Ich bin ein Mensch nur. — Arme Waise, starb nicht 395 Dein Vater für das ?and, und Die da sagen Du habest keinen Vater? Pfui doch! Bist Du 159 Nicht rein und gut? Du bist's und also bist Du Ein Theil von jenem Heiligen und Schönen, Das aller Orten da Verehrt wird, wo Der Mensch ein Herz hat, bist ein Thell von dem, 400 Was Vaterland genannt wird. Baradas lbei Sein), Er spricht irre. Richelieu. So lehne ruhend Dich an meine Brust, und hier Wo Du jetzt liegst, da liegt auch Frankreich. — Schwach, Sehr schwach fühl' ich mich —und uns Beiden scheint Frankreich nicht sonderlich von Nutzen — Gut so! 405 Wir wollen heimgeh'n. Baradas. Wahrlich, Eminenz, Bedürft der Nuh' Ihr, — denn des Staates Lasten Sind aiizudrückciid Euch — Richelieu. Bin ich geduldig, Joseph? Baradas (öei>Scitc). An Geist und Ltnb ist er im Sinken. Richelieu tvcr ihn hörte). Läst'rer! Bin ich's, so zitt're wenn der Bau zerfällt! 410 Verspotter dieses weißen Haars, ich sag' Dir: Schmilzt dieser Schnee, so gibt es eine Sündstuth. 160 Hinweg — nw>» Nam' ist Richelieu! Ich trotze Dir! Geh blindlings fürbaß — Dich ereilt der Henker. 415 Ha! wie er bleich wird! — Himmel schütze Dn Mein Vawrland! (Er sinkt i» Josephs Arme.l (Baradas und De Berauchen qchen ab; Erstcrcr drückt durch Gebenden seine Freude über den hcrabgebrachlen Zustand des EardinalS aus.) Ende des «i e r t e n N l t s. Fünfter Akt. Vierter Tag. Erste Keene. (Die Vastille — ei» Wöibgang — im Hintergrund die Thür cin.is der Äerk^r.) Joseph und ein Schließer «reie» auf). Schließer. Bleibt, Pater, daß den Gvnverncnr ich rufe. (Ad.) Joseph. So hat denn H:-:guet die Depesche — Francois Behauptet's — Hm! Erlange» wir nur Eintritt, So ist sie unser auch. Der Cardinal Bebt zwischen Tod und Leben. Macht nur Ist Lebe» ihm. Fehlt je»' ihm, schwand auch dieß ihm. Kein äskulapisch Heilkraut, das von Pfuschern Lateinisch getauft ward, kommt an Heilkraft jenem Stück Pergament gleich, das geschwächtem Herzen Der Ehrfurcht neue Stärkung geben soll. Frankreich wird dann gerettet seyn und Joseph Wird endlich Bischof. BulwerS Romane. t.XXXV. 1t 15 20 Der Mouverneur ttnit auf). Gouverne u r. Pater, Ihr begehrt Mit den Gefangnen Huguet und De Mauprat Zn sprechen? 2 o s e p h. Dies mein Auftrag, Herr, und hier Der Cardinals Befchlsschrift. Gouverneur. Kann nicht dienen. De Mauprat ward vom Grafen BaradaS Zum Louvre hinbeschieden — Joseph. Nun denn, Hugnet — Gouverneur. Stirbt heute Mittag. Joseph. Schon So muß ich um so mehr noch eilen, ihm Der Kirche letzte Tröstung darznrcicheu. Geschwind! laßt mich hinein! Gouverneur. Ich darf nicht; Mir ward Befehl — Joseph. Was'da I der Cardinal Ist noch Minister 163 Gouverneur (den Hut lüftend). lieber ihm der König! Seht hier des Königs Siegel an des Grafen Befehl, daß ohne dessen Zustimmung 25 Kein Mensch zu Hugnet, so wie zu De Manprat Gelassen werden soll; d'rum geht. Joseph. O Himmel! Bedenkt die Macht'deS Cardinals, Herr, fürchtet Den Zorn des Cardinals — Gouverneur. Was drohst Du, Priester? Die ganze Hauptstadt weiß, daß Richelieu 30 Dem Tode nah ist und in Ilngnad' fiel. Joseph. Ich fleh' Euch an — der Cardinal ist nicht Dem Tode nah — nur einen Augenblick Laßt mich zu Hugnet, und fünftausend Livres — Gouverneur/ Wie? Mir Bestechung? einem grauen Krieger? 35 Fort, sag'ich! Joseph. Zehn, ja, zwanzigtausend Livres — Gouverneur. Zum Thor, hinaus mit diesem Klosterbruder! Joseph. Bei Eurem grauen Haar — bei diesem Orden, 11 ' 164 (Er bcrübrt doS LudwlqSkrcnz, das der Gouverneur trägt ) Dem Ehrenzeichen Eurer Tapferkeit, 40 Bei allen Müh'n, die jemals Ihr ertragen, Als edler Sohn im Dienst des Vaterlands, Beschwör' ich Euch, laßt mich zu dem Gefangnen! Gouverneur. Nichtsda! Joseph. Es gilt ein StaatSgcheimnisi — Schriften, Die Hnguet bei sich führt — Gouverneur. Ich weißt er ließ 45 Es selbst dem Grafen wissen, und der Graf Wird schon — , Joseph. > Der Graf? (bei Seite) Hin ist dann jedes Hoffen! (Saut.) Ihr sollt — Gouv erneur. Zum Schurken werden! Nimmermehr! Kein Wort mehr! — Schließer, schaff' ihn fort! Joseph ((ei Seite). O Marter! Ich weiß nicht — die Gedanken schwinden mir", — 50 lind Richelieu muß doch — (Saut.) Ihr wagt es, Euch Der heil'gen Kirche selbst zu widersehen? Gouverneur. Das thu' ich nicht : ich handle nach Befehl — 16S Joseph. lind werdet Mitverräther Frankreichs! Zittert, Wenn Richelieu — Gouverneur. Hinweg! Joseph (bei Seite). Umsonst ist Alles. . (Ab.) Gouverneur. Ein kecker Glatzkopf — ganz besonders hat mich 53 Vor ihm der Graf gewarnt. Schließer. Ich will doch hoffen, Daß mir an meinen Sporteln nichts gekürzt wird; Daß Sieur de Mauprat nicht wird freigelaffen? Gouverneur. Sey unbesorgt. Der ihn zum Louvre hinrief, Befahl im Namen Seiner Crcelienz 60 Des Grafen, für De Mauprat Block und Beil Bereit zu halten. Sporteln gnug für Dich; Zwei Hinzurichtende an Einem Tage! Schließer. Lohn's Gott dem Grafen! Eins noch, Gouverneur: Der junge Bursch, der Huguet's Sohn sich nennt, 65 Ist wieder hier — und fleht und weint und tobt, lind will zu seinem Vater 168 70 Go Er dauert mich. uverneur. Armer Junge! De Beringhcn (tritt auf). Franxois (folgt ihm). De Beringhcn (jn Franpois). Gemach doch, junger Freund, Du ziehst mir ja den Mantel von den Schultern. Francois. Sie treiben sonst mich wieder fort von hier. Einmal nur noch laßt mich den Vater sehn, Nur einen Augenblick laßt mich ihn sehn! De Beringhcn. Grüß Euch, Herr Gouverneur! der Schlucker Hu- gnet Hat zu dem Grafen Baradas geschickt; Ein Staatsgeheimniß drückt ihm das Gewissen, Doch kann der Graf den König nicht verlassen, Und schickt d'rum mich — Gouverneur (der eine» Schein von De Bcnnghen empfing). Nach Ercellenz Befehl — (;u Fr-inpois) Schon wieder hier, Du Springinsfeld? Wer ließ Dich Herein? 'De Beringhcn. Ich that's — der Arm' ist Hugnet's Sohn — Ich fand ihn weinend an der Pfort'— Erlaubt ihm. 167 Dem Vater Lebewohl zu sagen — Laßt thu 80 Hier warten, bis ich wtederkoiüme — Francois. Nein, O nein! O nehmt mich mit Euch — De Bcringhen. Halt da, Bursch! Nach mir kommst Du. Der Staat hat's Vorrecht; merk Dtr's! Ich will Euch Bürge für d'eu Jungen seyn. Auch seht Ihr, daß kein Herkules er ist. - . 85 Gouverneur. Wollt Ihr es auf Euch nehmen, Herr, so mag's d'rum seyn. - . Kommt Ihr heraus, so schlüpf' er zu dem Vater. DeBertnghen. So sey's. (Ab mit dem Schließer durch die Thür im Hintergründe.) Gouverneur. Gib Dich gelassen, Bursch; nicht zittre! Auch ich halt' einen Vater; will Dir mild seyn. D'rum bleib'. Ich darf nicht Dich, hineingehn sehn, 90 Verstehst Du? (bei Seite) Zwischen diesem armen Knaben Und jenem ränkesücht'gen'Mönch ist freilich Ein großer Unterschied. (Zum Schließer, der wieder auftritt.) Gehn wir die Runde! 16S (zu Fraueois) Ich lasse Dir ein ganzes Niertclstündr chen, 95 lind geht Sieur de Beringhen schon früher fort, So sag' ihm meinen Gruß. Doch nein, nicht so! Die Gallerte ist lang und dunkel und Am Gitter unten erst steht eine Schildwacht, D'rum bitt' ihn, daß er warte, bis ich komme. Francois. 100 Ich will'S ihm sagen, Herr. (Gouverneur und Schliefer ab.) Francois (aileiu). Ein weiser Sohn Ist der, der seinen Vater kennt; ich gab mir 'neu allerliebsten Vater — Gut in so weit! Jedoch was dann? Der Schurke Huguet schickte Zu Baradas, ob durch dies Documeut 105 Er sich das beben mögt' erkaufen. Himmel! An welchem dünnen Kaden hängt hier Hoffnung. ' (Horcht au der Kerkerthür.) Wortwechsel — Horch! (licht durchs Schlüsselkoch) Sic ringen mit einander. Ich sehe das Packet — . (versucht die Thür zu (ffncu) Vergebens! (sieht wieder durch das Schlüssellochs r Ha! Der Höfling hat's — Trotz seinen Ketten wehrt 110 Sich Huguet dennoch-Huguet unterliegt — 169 Gut so! Jetzt Muth! die Gallerte ist lang; Und diesen Dolch verbarg im Kleid ich — Muth! (zieht de» Dolch und stellt sich se, daß die sich öffnende Thür ihn verdeckt. De Bering hell (mit dem Deel,ment aus dem Kerker.) Frankls (ihn von hinten her überfallend). Gib her de» Raub, Dieb, oder stirb! De Bering hen (ranzend). Holla! Zu Hülse! He! Franyois. Tod oder Ehre I Gieb! (Ringend ab > Zweite Scene. (Des Königs Kabinct im Louvre. Zur Seite ln der Per- sxeclive eine Reihe von Gemächern.) Baradas. Orleans. B a r a d a s. Uns lächelt Alles. Herold von dem Tode , 115 Des Eardinals war dessen Ohnmacht gestern, Und überlebt er's auch, so überlebt er's Doch als Minister nicht. Sein Priesterstvlz Empört den König Alles lächelt uns. Wenn ich nur wüßte, ob Mauprat die Depesche 12k> An einen Andern gab — ich mag's nicht denken! Orleans. Ließt Ihr ihn nicht durchsuchen? 170 Baradas. Ob ich ließ? Damit ein Miethling sie bei ihm entsiegelt, Geöffnet fand und nnsre Namen d'rin, 125 lind jedes Wort d'rin, das nns Tod bringt? Nein! , Nur ich — ich selber nur darf ihn durchsuchen. Doch kann ich nicht, so lange Richelieu Stoch lebt, den König aus den Augen lasse» ; D'rum Hab ich — Orleans. Was? Baradas. Mauprat herbringen lasse». Orlean s. 130 Wenn Huguet dennoch die Depesche hätte? Wen» er sie stahl? Baradas. Kaum möglich! denn er war Sei uns im Zimmer, als der Bote sortging. Huguet will los, und darum schickt' er zu mir Mit falsche? Botschaft, doch schickt ich zu ihm 135 Vertrauten Freund, den Schurken auszuforschen. — Still, Louis kommt! Louis (tritt auf.» Baradas. Wie stehts um meinen König? Louis. Im Zorne bin ich, Graf, wie ichs ovrhin war. 140 Er hindert mich, er trotzt mir überall, Der freche Priester! — vorenthält mir Julie, Will »leinen Bruder, Euch und Alle, die' Mir werth sind, nicht in meiner Nähe wissen. (indem er sich plötzlich zu Vuradas wendet.) Ich mach' Euch zum Minister. — Euch, mein Bruder, Send' ich den Feldherrnstab. Ihr liebt mich — wie? Orleans. Gewiß, Sire; ganz gewiß!-f(-i Seite.)'Wie nie zuvor. , Baradas. Mög' ich so viele Huld und Gunst verdienen — 14S (bei Seite) BisDu dieThrouentsagung unterzeichnest! (Laut.) Sire, Einen Weg nur gibt'S, den Chevalier Zu schrecken, daß er sich von Julien scheide: Sein Tchdesnrtheil auszufert'gen: das Vollzieh» desselben findet sich — 158 Louis. So sey'S. Besorgt das Nöth'ge. , Doch vollzogen sey's nicht. - Baradas. Ei, nicht doch! cb-iSelti) Mag er eine Stunde länger Am Leben bleiben. Ein Höfling (tritt auf.) Sire, Madame de Mauprat Begehrt Gehör — i72 Lou ! s. Aha! Bereut sie? Gut. ISS Sie komme. Baradas. Sire, sie wird Vergebung für Den Gatten heischen; die Bedingungen — Louis. Stellt Ihr für mich — den» Ihr scyd jetzt Minister. Hört mich! K 200 Verbannt De Mauprat, lös't mein Ehband auf, Laßt mich in Klosters ew'gem Winter frieren — (Es muß dies selbst dem Haß, der Rache gnügen!) Nur schont De Mauprat's'freudenloses Leben, Nnd steht Ihr einst vvr'm ew'gen Richter, soll 205 Dies Euer Thun als Engel Euch begleiten. Louis (gerührt). Geh, geh zu Baradas, lös'Deine Eh' auf, Und — Julie. Ich sein Weib? Louis. Ans bloßer Förmlichkeit; Du weißt, ich liebe Dich! Julie. O Meer von Schande! Uud über ihm kein Stern! - 210 (Der König hat lich in ersichtlicher Bewegung zurückgezogen.) 176 Bari,das. Wohlan, entscheide' Schwör' mein zu seyn — Julie. Das war' ihm bittrer Tod! Hinweg, Versucher! Ich ersteh' sein Leben' Als Gnade, nicht als Preis der Schand' — hinweg! Dies Herz kann brechen, doch der Schmach nicht leben! 215 Vollführ' Dein böses Thun, mein Gatt' und ich, Wir gehen'Hand in Hand in bessrc Welt, Es bleib' Euch diese traucrnsovlle Erde! Baradas. Du hast entschieden! (Er geht für ein Weilchen in den Htnierqrnnd und kehrt dann zurück.) Hör' mich, ihcnrc Julie! Ich bin kein nied'rer Ränkeschmied; ich liebte 220 Dich,, seit zuerst-ich Deinen Huldblick sah. Mit Dir verknüpfte sich mein Ehrgeiz, mein Geschick, mein Hoffen — Nimmer will ich Dich Verlieren! Angesehen mach' ich Dich, Dem Throne nahe bring' ich Dich; ja,^iuf 225 Den Thron' bring' ich vielleicht Dich! Mein Gestirn Steht jetzt in seinem Zenith — Sich mich an: Hast Du entschieden? ^ Julie. Nicht doch, nein! Ihr seht's ja, 177 Wie schwach ich bin — habt Menschlichkeit — o habt sic Für einen Augenblick nur — Baradas (stampft mit dem Fuße: De Manprat wird zur Scitc ro» Wacken bcreingcfnhrl). Sieh dort Manprat! Soll er znm Tode gehn und wissen, daß Du . 230 Ihn hättest retten können? Julie. Sprich, mein Gatte! Sag', baß Du leben mögtest — sag', ob ich Dein Weib, ob Deine Selarin sehn soll — thue Mit mir nach Deinem Willen. D c M a n p rat. Abermals! Das nenn' ich Gnade Graf! — O meine Julie 235 Wie lang das Leben, dennoch ist's nur kurz, Unsterblich aber ist die Liebe — Baradas (ZnlicnS Hand ergreifend). Theu'rste! Julie. Ha! Du berührst mich, und ich bin gestählt! Entschieden Hab' ich, wie mein Gatte — Tod! Baradas (m De Manprat). Sagt an, wem Ihr das Päckchen Schriften gabt, 2411 So mögt Ihr dennoch leben — Bulwer'S Romane. i.xxxv 12 178 De Mauprat. Ich verstumme. Baradas. Die Füller, Herr — De Mauprat. Dir ward sie lebenslänglich, Tenn was ist Folter gegen das Gewissen ? Julie lg» De Maupnit). Bald werd ich bei Dir sclni — Baradas ldcm Ofnzier ras Ilrtheil gebend). Zum Block mit ihm. 79 Ist, wie Ihr spracht, mciu Kopf, Ich must mich rvrseh'n. — Führt ibu;um Tod — 2 ul i e. Nein, nein! töouls kommt aus de»! Hinlerarundc.) Nichclicn (zuu, Offiü-r). Verzicht noch, Herr, — Mein König, Euer todesmüder Diener Ersparte gern Euch eine VvrwnrsSpcin, Und kämmt deshalb dem, was Ihr wünscht, ent- 223 gegen. Ich leg mein SlaatSaint nicdsr — De Mauprat, Ha! Ist Alles dann. Juli c. Vorbei Richelieu, Mein Ende naht — die beiden Betrübten hier —> sie sind mir wertst, mein König ; Nicht steh' ich um sein beben, doch gestattet, Daß die Gerechtigkeit so lange zög're, 2K0 Bis ich als Priester ihn zum Tod bereiter, Bis ich als Greis und Vater ihn gesegnet. L ou i s. 12 - Versteht sich! 180 B a r a d a s. Lire — stonis. Sens still! Gerrngc Gunst Anr treuen Diener, der dem Tode nah ist. 3tichelie n. 2K5 Ihr wvllt den Marschallsflab an Guren Bruder, Den nielgccbrten Herzog geben — sen's! - Graf BaradaS ward (stncr Staatsminister — Höchst cinstchtsroilc Walil ! lrrlaubt inir, Sire. Daß Eure Secretär' in meinem BeiseN» 270 Glich die Portefeuilles des StaalS überreichen, Damit die beiden edlen Herren hier Glorreiches Thun, das Ihrer harrt, erkennen, st n u i s. Ganz recht so, Gardinal. (;u den Sekretären, indem ce sieb seht.! — Heran, .'ehr Herren, Richelieu. Ah! mir wird schlimm — Lust — stuft! (Joseph und ein Hofhcrr fuhren ihn ;» einen, fernstehenden Testet an, Fenster.! Richelieu. 275 — Iu mir her, Kinder! Ich dank' Glich. B a r a d a s. Ist er dach zum hiragen, 18 l Zum bloßen Sprechen schon zu kraftlos! Gur Geht Alles. .. Dritte Krone. (Nichelicu tu» Fenster, stieben ihm Julie, welche knicet, und Joseph Nlit stliaitprar. Hinter diesem sicht der Hanptmatin der Wache. — BaradaS steht hinter dem Stuhle des .sibnigS, und ist ängstlich und atisgcregt. Orleans zeigt sich in einiger Entfernung selbstzufrieden und lrinmphircnd. Die StaarssecrcKrc treten einer nach dem andern rwr, indem sie sich von dem jedesmaligen Untersceretär die Mappe reichen lassen.) Erster Seeretär. Sire, die Angelegenheiten Aon Portugal erweisen sich höchst dringend. Bor wcn'gcn Wochen war der Herzog von Braganza noch Rebell — L o n i s. Und ist es noch! Erster Seeretär. Nein, Sire, er hat gesiegt, ist jetzt gekröntcr König von Portitgal, und heischet Beistand Gegen die Waffen Spaniens. Louis.-' Den wir weigern. 260 Weil — Riebt so, Gras? 182 B a r a d a s. Jawohl, Sire, Erster Secretär. Aber Spanien 285 Ist Frankreichs Todfeind, und was Spanien schwächt, Muß Frankreich stärken. Seine Eminenz Stimmt für die Bcistandleistung, Majestät: (feierlich) das Gleichgewicht.Europas — Louis, Gleichgewicht? Und Seine Eminenz stimmt für? Wir wollen s 290 Bedenken. — Nicht so, Gras? BaradaS, Bedenken! (;>m, Secretär) Tretet ab! Erster Secretär, Allein — Baradas. Ihr hört's — Ihr tretet ab, jetzt, Joseph (bei Seite), Punktum! Zweiter Secretär. Die Angelegenheiten Englands, Sire, Höchst dringend. Eine blut'ge Schlacht entschied Zu König Karls des Ersten Nachtheil — er 295 Begehrt Hülfstruppen, Sire, und Geld — 183 Louis. ES werd' Ihm Beides — Nicht so, Graf? Baradas. Es werd' ihm, Sire. (bei Seite) O, die Depesche — Fen'r sind meine ^ Adern! Richelieu (schwach, aber mil vieler Vestimmttzeit). Mein König — Englands Sache ging verloren: Ein Mann — ein großer Mann — Olivicr Erom- well. Erhob sich — Eure Truppen würden nnnntz, 300 Eu'r Darlehn würd' in s Meer geworfen sepn. D'rum haltet inne, Sire — bedenkt — Louis. , Bedenken. — Nicht so , Graf ? Baradas. Freilich, Sire; bedenken — Joseph (bei Seite). Punktum! ^ Louis (bei Seite). Fast fühl' ich Ren ; nicht zweiten Richelieu Giebt cs für mich — Rings um mich wanken 305 Throne, Es lösen Dpnastic'n sich ans, und nur Der Boden, den der Cardinal betritt Bleibt unerschüttert vom Erdbeben. 18L Joseph (heimlich zu Richelieu)) Seht Ihr De» König wohl? Er wankt, und unser Stern 310 .Ist noch nicht ganz erloschen. Richelieu. Joseph! — wie Sv schwach ich bin — Kind, daß ich helfen könnte! (Ein Hösliua tritt ein, und (liniert dem Pater etwas in'S Ohr. worauf dieser Hagia abqeht.) Baradas l;»u> Sekretär). Ihr tretet ab, Herr — Zweiter Sccretär. Aber — Baradas. ^ Abgetreten! Dritter Seeretär lacheininißvoll). Sirt, die geheimen.Angelegenheiten, 315 Höchst dringend — Späher — Ucberläufer— . Ketzer — Giftmischer — Meuchler — Pläne gegen Euch, Sire — Lvnis (in die Papiere blutend). Ha! gegen mich? Höchst dringend! (ooseph tritt wieder auf, mit Franeoi«, dessen Gewand sub blmbespriyt zcu(t, Francois schlüpft hinter dem Gefolge des Eardiuals wea, so das! er von Baradas und dessen Mitvcrsebworcncn uichl beutcrkt wird.) 185 Dn blutest? Francois. O Gebieter! Richelieu. Francois. Bloße Schramm' — ich fehlte nicht; Hiendie Depesche! . Richelieu (sic öffnend und überblickend)- Leise! Dritter Seeretär. Sire, die Spanier Verstärkten ihre Streitmacht an der Grenze; Der Herzog von Ponillon — Richelieu. - Erlaubt, mein König In das Departement gehört dies Blatt. . Geruht es selbst zu lesen, und sodann Des Grafen Staatsministcrs Rath zu hören. , (De Vcringhcn tritt hastig ci» und »immt BaradaS bei Seite.) (Richelieu reicht tuiltlcrwcilc dct» dritten Sekretär ein offenes Pergament.) Baradas (erschreckt non De Bcringhcn zurück, weichend). Wie? mau beraubt'Euch des Packck's? Bcrstucht! Was nun beginnen? 320 186 Joseph. Nbzutreten, Sohn: 325 Die Reih' ist jetzt an Dich. Baradas. Entsetzen! Pie Depesche! Louis (lesend). Wie? Dem Herzog von Bouillon? Bon Baradas nnd Gaston unterzeichnet! . Verräth'risch Bündniß mit den Spaniern —- Ha! Mein Heer in Welschland soll — wie? nach Paris! 330 Den König greisen — Ruh verlangt des Königs Gesundheitszustand — Ha! abdankcn soll ich — Mein Bruder Gaston soll Regent seyn — Himmel! lind diese Männer liebt' ich! Baradas (zieht den Degen, will entrinnen, wird ans einen Wink des Königs znrückgehalten). Orleans (der hurtiger ZN entschlüpfen sucht, steht, daü Richelieu znrncksinkt, sinkt, nnd bleibt). Joseph ldcr den sinkenden Kardinal hält). Hülse! Hülfe Dem Eardinal — Baradas. Er stirbt: — so äff' ich doch noch 335 Den König! Louis (zum Kardinal eilend). Richelieu! Nicht Du; nein, ich! 187 Ich bin'S, der hier das Staatsamt niederlegt. ' Regiere Du! Joseph. , Weh uns! zu spät! er stirbt! 'Louis. . Regiere, Richelieu! . Richelieu (matten Tones). Mit unumschränkter Macht? Louis. Nanz unumschränkt! — O lebe, wenn für mich nicht, Für Frankreich! 34Ü Richelieu. Frankreich! Louis. Hochoerrath — Orleans — das Heer — Bouillon — der Spanier — Himmel! Wo werden sie die nächste Woche seyn? , Richelieu (anfgericktet). Zu meinen Füßen hier! (zu dem ersten und zweiten Secretär). Eh' eine Stunde Vergeht, erhalten die Gesandten Antwort. (zum dritten Sccrctar, den, er einen Rinn gibt) Den Ring an Ehaoignn — das Fcrn'rc weiß er. 345 Nicht Pergaments bedarf's zu seinem Ritt, Und reiten soll er wie ans Tod und Leben, In meinem Namen — ja, in mein em, nimmt er 188 An seines Heeres Spitze den Bouillon 350 Gefangen. — Nun, Graf BaradaS, verloren Ging Euer Spiel — Eu'r Kopf ist mein — Hin. weg! Führt in den Kerker ihn! (Baradas wird non der Wache abgcführt.) Richelieu. Ihr habt's gewollt: Empfangt was Euch gebührt! Haha! (Indem er dem Offizier das Urtheil entreißt) ' Siels hier, Das Todesurthcil MaupratP — Julie i (es zerreißend) Der Leute Schwergeschütz war Perga- . inent! — 355 Umarme Deinen Garten - endlich segnet Der alte Eardinal Euch! Julie. D, der Wonne! Du bist gerettet — lebst — ich halte Dich Umarmt — . *) Der Pathos res Drama'S erforderte diese Katastrophe furIaradaS, obwohl dieser, der Geschichte nach, seine Ungnade überlebte. Freilich büßte er (eitle schnell er wordenen Rcichthümer gänzlich ei»: jedoch seine per« , fonlichc Tapferkeit rerhalf ihtn ZN Auszeichnung IN fremdem Kriegsdienste. Rach Nichelieu's Tode kehrte er zwar IN sein Late, land zurück, gelangte jedoch da. selbst niemals wieder zu irgend einem Einstuß am Hofe. Er war in den Malthcserorden getreten, und Louis machte ihn zum Prior! Anm. d. Vers. 189 De Mautzrat. Ilm nimmer Dich von mir zu scheiden. Julie, ^ Nein, nimmer. Adelbcrt! Louis (verstumiiit). Herr Eardiual, ',Ein einziger Augclibück macht^ Euch gesund — I 360 I Richelieu. Wohl, Lire: denn in dem Einen Augenblick Durchzuckte .Frankreichs Macht mich schwachen > Greis — O thcurcs Frankreich, Dn bist jetzt gerettet, Ich halte Dick' —- ach ! Deine Stimme rief mich Vom Grab zurück! Was kann uns rhenrer scyn 365 AIS unser Vaterland. Louis. Maubrat's Pardon '! Das plötzliche Genese» Äichclieüs (das hier benutz! wart, uni die Scene möglichst zu kürzen!, sicht völlig im Einklänge mit seiner PcrsIellungSk»iisi. Die außer- ordentliche Biegsamkeit in seinem Gesichte (das gegen dc§ Eardinals Ende so todtenähnlich allssah, außer wenn sei» Geist aus dessen .lügen sprach), verlieh ecimelben von jeher eine Tliealcrwirknng dieser Art. Die Königin M'Ntler sagte von il'M, daß sie ihn in Einem Angenblicke so schwach. hir.sällig und balbtvdt gesehen hätte, als ob er hätte sterben wollen, lind daß im nächsten Momente er sich voll Heben, Leben- , bigkcit und Energie zeigte.* > Anin d. Vers. Mag hingehn! Aber Julie? — Richelieu, Laß Eins mir, das ich liebe! Richelieu. Gern, mein König! Wenn Ihr wen lieben wollt, Sire, so liebt mich. Lonis (wider Wille» lächelnd). 370 Ein kräftiger Stellvertreter für ein blühend Nvthwangig Mädchen! Richelieu. Sire, En r Herz neigt meine» Clienten sich voll Huld zu. — Meine Kinder, Knie t nieder und bringt Eurem König Dank. Julie. Thronen, gleich diesen, hoher Herr, sind Thau, 375 Der auf zum Himmel steigt. Lonis. Steht auf, steht aus; Seyd glücklich! (Richelieu winkt De Bcrinechcn zu sich.) De Beringhen. Eminenz, ich — wünsch' Euch Glück, Daß Ihr — so — schnell -— genast — Richelieu. , Ihr, Herr, seht blaß. . Die Hofluft schade! Eurem zarten Körper; Schon lange merlt' ich es. — Nehmt guten Rath an; 380 Schlaft keine Stacht mehr in Paris, es könnte 191 ! Eu'r kostbar Leben arg gefährden — Geht. ^ Verlaßt das Land, De Peringhen. De Bering Heu (bei Seite). Da hält' ich' Mehr Zeit als ich mir wünscht', um die Pastete . Gehörig zn verbann. (Ab.) ! Richelieu (zu Orleans). ^ Euch, Herzog, rath' ich Neu' an und Entfernung. 385 (zu Franoois) Du wackrer Junge brauchst Wohl nie I das Wort ! „Verfehlen" wieder, (zu Joseph) Gelt! er wird noch ! ch'r als Du ^ Ein Bischof — I Joseph. ^ Ei, Herr kardinal? ! Richelieu. Ei, Joseph! (zu Louis, während De Mauprat »ud Julis leise mit einander sprechen.) Seht, Majestät, durch Ruhm und Schande, durch Verschwörung und Komplott und Mürderpläuc 390 Hindurch, entlang die Eb'nen, wo die Zwietracht Ihr ew'ges Babel baut, fließt still der Strom Menschlichen Glücks dahin I Louis. Und müssen wir Auch dafür unserm Staatsminister danken? R i' chel > en. 395 Nein, Lire! bestehn wirs — droben waltet Einer Ob dem harmonischen Mysterium Der Welt Wohl besser als die StaatSnünistcr. Ach! n n sc r Ruhm schwebt zwischen Erd' und Himmel Gleich Wolken, die der Lonne Flaggen scheinen, 400 lind doch nur Spielwerk leichten Windes sind, Doch mag der Wolke gleich, die ans die Felsstirn Den Than sprengt, der die wilde Blnin erquickt, Auch unser Ehrgeiz hoch von seiner Höhe Ans stille Tugend Freude niedertränfcln, 405 So daß dies Blümchen Wohl die Wolke segnet. Wenn diese schwand! *) *1 Bild und Gedanke i» diesen Schlußworten sind einer Stelle ln de» dein Omrdinal Richelieu zugeschriebenen Memoiren emlebm worden. Anm. d. Vers.