3 osr^o Q aU ef s '*ä>, i ' (•»• V * Af'-'i-i* l “ v ' -!'■ ’ 1 W >■ l V ZWEI ALTDEUTSCHE RITTERMMEN ,/u.». 1 - ;S • , J** /ö' ■/•*■ ^ t' - "' <11 • /- i £.„ {.* if ~~ J MORTZ VON CRAON BETER VON STAUFENBERG NEU I1EKAUSGEGEBEN vox t EDWARD SCHRÖDER i BERLIN WEIDMANNSCIIE BUCHHANDLUNG 1894 rV L, b l tHZ . der Vorlagen scheint also vom kaiser selbst , , J,n in L.nnd vlu-n' beiral her/.uriihren. I j , , ,ij. ,;dd der benni/leii einzchnamiscriptc* und sammelhss., nie ihr all' r und ihre herkunll würden uns unsere Wiener col- |. -, :i durch eiiidringeiide Untersuchung der orthographischen schwan- l.ungm wie der charaknaisli.-ehen lesefehler des Ambraser Codex gciii*. imtkhiiung verschalten können, mit schlechten abdiücken und noch unergiebigem einzellesarten lässt sich die aufgabe nicht hi-i n: da- hat wol der gutgemeinte aufsatz von OZingerle Zs. f. d. all. j7, Uli II'. zur genüge bewiesen, der auf solchen knicken zu dem sehlu.-.-o kam (s. 142), das 'heldenbuch an der Etsch’, das ul- eine quelle oder Vorlage des Hans Ried bezeichnet wird, habe in der haupl-ache ebenso ausgesehen wie die Ambraser hs. selbst, voll diesem urteil will ich heute nur mit aller bcslhnmtheit den MvC. ausnehmen: die hs., aus welcher der Eozäner Zöllner das gedieht copierte, war ein einzelmanuscript 3 ) dos 1.3 jhs aus West- ' detit.-chland, von der fränkisch-alemannischen grenze, darauf iuhren folgende beobachtungen, die in ähnlicher Vereinigung, soviel ich sehe, in keinem andern teile des Ambraser eodex wider- kchreti. a) die charakteristischste erscheinung in den reimen des ge- diehtes ist die alemannische bindung m : 11 . sie ist IC mal bezeugt — und in 13 fällen auch durch den Schreiber zum aus- druck gebracht, der hier gewis nur seiner vorlngo folgte: kan : 1) in roter schläft. 2) im Inhaltsverzeichnis lautet die angabo ausführlicher: — licsa. vmb scins f’urwilz willen clc. /Inch If'ia Er liom zerstöret, wie Karolus nach Er Störung Rom die humid helzwungnn. Dari zu wie Olifcr vml Rtdannd sich IliUcrlich gehalten haben. J nnd wie Mauritius von Km lim liehet die Gräfin von Reumundl. 3) jedesfalls enthielt sie keines iter andern von Iians Itied abgescluiebcncn stücke. vm EINLEITUNG. (-=/,««) schreibt er 135. 279. 741. 79G. 904, 920. 1500, bekam 8; am: (^=> arm) subst. 010, ndj. 571. 1778; ran : (-— ruotn) 721; raun : (= räm) 820. nur gelegentlich dringt die ihm geläufige form auch zerstörend ins reimbild: so 179 kom : man .— 1)) nenn der Schreiber 1701 für ein zweifelloses nnzit des dichtcrs nichtzit bietet, so hat er in seiner Vorlage offenbar nuzil gefunden oder zu finden geglaubt: auch diese entstcllung würde, wenn alt, auf den deutschen siid westen hin weisen. — andere erschei- nungen widersprochen dem grobbairischen Charakter der spräche Rieds ebensosehr, sind aber mehr mitteldeutscher färbung: c) die bewahrung des stummen e nach liquida, besonders im wortauslaut tritt namentlich in den reimen der ersten hälft« auffallend hervor: 29 f. hcre : ivere, 325 f. bemare : rviderfare, 399 bemaren, 428 verloren, 477 f. rjervenct : sencl, 029 f. rvere : mere, 051 f. rame : alsame, 728 sglen (:tillen), 757 f. zile : vile, 799 f. clarvore: empöre, 853 f. ture-.herfure usw. — d) das unbetonte c der praefixe fand R. in seiner Vorlage als i geschrieben: daraus erklären sich fehler wie 337 irr gce für irge, 400 ir frerven für irfreumen, 088 hicynn ist für hie inist, 754 in gie für ingie (oder in ingie?), 1589 in wist für inmiste-, 1237 nit menckcn für inlmenken. auf die gleiche färbung des e in den endungen dürfte ein fehler wie 1299 meinem für in min (d. i. minin aus in min) hinweisen. — e) in 3 fällen (2. 33. 1305) haben Haupt und ich ein iu für auch der hs. eingestellt: das setzt natürlich voraus, dass in der Vorlage auch für den daliv die form uch stand; in mittelrheinischen hss. ist das um 1200 schon ganz gewöhnlich. — für das alter der erschlossenen hs. dürften etwa folgende kleine kritcrion sprechen: die ältere, A-ähnliche form des z (t;) wird am deutlichsten bezeugt durch die entstellung ffeu- lannder für ze Vlandern 057; für sc statt sch spricht der fehler scrirtrn 023; die gleichfalls altertümliche proklise der praepositionen belegen die irrtümer mir statt in ir 225. 1170, minin statt in min 1299 (s. o.), Ileulanndcr statt ze vlandern. Ich glaube, dass der sprachliche liabitus von Rieds Vorla ge dem original recht nabe, kam, denn die heimat des gedicktes liegt eben da, wohin uns die mutterhs. weist, auf der grenze von Ober- und Mitteldeutschland, von Alemannien und Franken, das MOIIIZ VON CRAON. IX lmt schon FBcch Germania 17, 174 f. bestimmt ausgesprochen und genügend begründet und diese erkenntnis zur rcchtfertigung einer reihe von hsl. lesarten gegenüber Haupt verwertet, für Oberdoutsehland im weitern sinne würde der rnangcl der bekannten nid. vocalerscheinungcn in den reimen sprechen: es fehlen nicht nur bindtingen f>(u):no, i(i): ic, sondern selbst solche von wie gänzlich, .-peeicll auf Alemannien weist dann die häufigkeiiTder reime von uuslnutcndom m : n. bezeugt sind:') das praet. kam ( bekam ): man (und dessen composita) 135 f. 179 f. 279 f. 741 f. 795 f. 020 f. 1109 f.;: heg an 7 f. 903 f.; vernam : man 1259 f.; arm adj.: vom 573 f. 1777 f.; arm subst.: vorn 015 f.; ruom-.vertuon 721 f.; rihn : Crahn 825 f. nach Mitteldeutschland hinüber deutet hin- \~< gegen eine reihe vereinzelter erscheinungen in flexionslehre und Wortschatz, hervorzuhebon ist insbesondere die bewahrung des alt. ii a im practcritopracs. sal-.misseval 131S nahtegal 1714, salt: geaalt 1300; ferner die umgolautcton sw. conjunctive praeteriti‘\ wie von machen melde (: rrhte) 1741, gewehte (: gesiebte) 1137, denen ich unbedenklich smente im vers 1.745 zugesellt habe, über die schwache flexinn von murr f. (Stil. 1702), wlgande m. (59) s. K'-eh aao. von worlformen können bretc (-.bete) 102, phlihtc 908, zendnt {; endete : bäte) 901 als nid. angesprochen werden, sä im r.-im 050. 1507. 1700 (denen kein sdn gcgcniiberstelit) weist "ehr nach Oberdeutsehland, barrieh 059 bestimmter an den < >!« rrle in. zwischen Plml'shurg und Worms, diesseits oder jenseits d’ 4 Rh> 'in*, wird mau die heimat des dichtcrs zu suchen haben. 2 ) ..b «lue nähere be-iimumng jemals gelingen wird, ist schon darum /tt.'ifelhnft, w.al er keineswegs seinen beimatsdialcct, sondern eine sehriftspraehe schreibt, die sich in doppclformcn überall bekundet, es wäre nicht schwer gewesen, einzelne von ihnen durch conjectur zu beseitigen, wie etwa zendäle 784 neben zendäte 901, den Marken sing, wignnl 1021 neben dem schwachen plur. wiganden 59, aber das seinen einem autor gegenüber gewagt, der im unmittelbaren nebeneinander 1430. 1437 : He, liez: als reimworte folgen lässt, 1) über die selircilmng der hs. s. s. vnf. 2) auf 'oberdeutsches grenzte bi,.(’ „eisl ihn auch Vogt in Pauls Grnndr. II 1, 271, während ihn Scherer xii 138 und bestimmter Gesell, d. d. litt. s. 151 als Mitteldeutschen e irlim t „iid an Mainz als seine heimat zu denken scheint. X EINLEITUNG. der _1 GS betjan und gleich darauf 172 be.f/unde am versschluss verwendet, 1G72 sol und 1714 sal braucht und damit normalisie- mugsgeliisten genügende Warnzeichen entgegenhält. Was die zeit der ab fas sung angeht, so ist man seit Haupt s. 31 wol allgemein geneigt, das gedieht nicht später als in den \ anfang des 13 jhs. zu setzen, keinesfalls nach Gottfried von Stalsbürg, ja Scherer ging so weit zurück, dass er den MvC. mit den glänzenden Mainzer pfingsttagen von 1184 in Zusammenhang bringen und in ihm eine erste frucht von Veldelces einfiuss erblicken wollte (Gesell, d. d. litt. s. 151). der Hauptgrund für diese frühe nnsetzung ist der gewesen, dass Heinrich von Veldeke der einzige deutsche poet ist, den der autor (v. 11G0) nennt, und dass sich bei ihm keinerlei reminiscenzen oder entlehnungen aus Hartmann, geschweige denn ein stilistischer einfluss Gottfrieds oder Wolf- rams hat entdecken lassen, dazu tritt die naive freude an glanz und prunk des rittertums, das offenbar noch nicht lange in Deutschland heimisch war und seinem dichterischen bewunderer noch keine Schattenseiten enthüllt hatte, auch Haupts urteil, dass 'besonders die einlcitung den altem ton der höfischen dichtung’ aufweise, finde ich berechtigt, ja ich möchte die kriterien, welche das gedieht dem anfange des 13ten jhs. zuweisen, zunächst noch um ein paar greifbare vermehren, da sind einmal die klingenden reime, deren bedeutsamkeit auch für chronologische bestimmungen neuerdings Ivochendörffer Zs. f. d. alt. 35, 291 hervorgehoben hat: ihr procentsatz ist vom 12 jh. ab in beständigem ab-_ nehmen begriffen, ausnahmen erklären sich bald aus dem dialect (mitteldeutsch und bairisch sind hier die extreme), bald aus der ( archaisierenden riclitung eines autors (wie Konrads von Würzburg). während noch der Graf Rudolf unter 70G reimpaaren 334 klingende aufweist, also 47,n° ( o, gelangt Wolfram von Eschenbach knapp auf 20 °/o. ich habe zur Vergleichung mit MvC. aus zwei mitteldeutschen und drei alemannischen dichtem der blühtezoit ein. stück von gleichem umfange, und zwar jedesmal v. 2001—3784, ausgehoben und gebe hier die resultate in procenton. cs bieten klingende reime Gottfrieds Tristan: gut 32 °/o, Hartmanns Erec: 33 "/o, Herbort von Fritzlar: 34 u /o, Veldekes Eneide: fast 40 °/o, Moriz von Craon: 40'/:) °/o, Konrad Fleck: MoltlZ VON CU AON. NI ,,l, •]• .12"/,,. d.-i (liehi'-r fügt sich also mit dom hohen proeent- miU .-einer klingenden reime recht gut den alemannisch-mittel- duit-i h. u dichtem der zeit von 1185—1215 ein. — ein noch l.< -«erc!. hritei inm gehen die fremdwörter ab. unser autor lässt sich in der ••|i.tr.-Müik' it ihrer anwendung unter den oben aufgezählten nur mit llartmann vergleichen, obwol doch der gegenständ seines v., ihchei, • zu r. üblichem gebrauch geradezu hätte herausfordern ,, u . ih r ritterlichen Sphäre stammen turnei (508. G23. o. i. *.i. -) und lunticran (275. 270), puneiz (002), juxte (1013), - :,\n (i.22. lull), r/olter (782. 1135) und tjovertiure (702), < . tin r (711) — alle auch bei Hartmann schon bezeugt, ebenso v. c jir'n (10. 2S2. 2SG. 1018) und palax (228) und die kleider- M.-lle somit (015), zenital (784), scharlut (65S). Hartmann fremd i-t nur irnmbes (10GQ. 1557, vgl. wambaset) und lendenicr (838, !-■ *:i.-1 vor Wolframs Willehnhn nicht nachgewiesen) und die lau- .■ il.inslrumentn labüre (8G2), / loitc (SG3), buxi'mc (8G7), die aber anderweitig um 1210 genügend bezeugt sind, auch hier weist nichts über 1215 hinaus, ein drittes kennzeiclicn des alters der dichtung kann ich hier nur andeuten, es bedarf mehr noch als di.- vorausgehenden zusammenfassender bchandlung. der dichter i-t nichts weniger als reich an reimen, gleich wol fehlen ihm formelhafte reime, fliekzeilen und reimfüllende flickwörter, wie sie einen Rudolf von Ems und vor allem einen Konrad von Würzburg charakterisieren, fast ganz. An diesen termin ‘um 1215’ freilich komme ich mit verschiedenen beobachtungen und erwägungen ziemlich nahe heran, inner poet kannte eine ausführliche darstellung der Trojasage — aber in welcher spräche? in deutscher hat es allem anschein nach vor Herbort von Fritzlar keine solche gegeben (vgl. Joseph Zs. f. d. alt. 30, 395 ff.), aber da wir das im auftrage landgraf Hermanns unternommene werk des 'gelehrten Schülers’ aus Hessenland seither nicht enger als mit der regierungszeit seines fürstlichen gönners (1190—-1217) zeitlich umzirken können, so ist cs wunderlich genug, dass noch kein mensch die frage nach dem Verhältnis des Moriz von Craon zu Herbert aufgeworfen hat. auf den ersten blick scheinen sich einige berührungspuncte zu ergeben, wie ich die zcile 37 ergänzt habe: Darex der da (ini(e') was, XII EINLEITUNG. stimmt sic im nusdruck zu Herbort v. 55, wo cs von Dares heifst: wen er da mit was gewesen, und wie hier : lesen, so reimt dort: las. die am meisten hervortretenden 5 söhne des Priamus werden im MvC. und von Herbort in der gleichen reihcnfolgo aufgeführt MvC. 20 ff. Eclor linde Paris, Elcnus and Deiphebus') und ir bruoder Troglus Herbort IG65 ff Der sunc hiezzen dn alsus: Eclor, Paris, Elenus; Der ficrde. Mez Deiphebus Und der fünfte Troglus. und diese reihcnfolgo weicht von Benoit (v.2921ff), Dares (ed. Meister G, 1) und der antiken Überlieferung (Apoll. 3, 12, 5 ff) insofern ab, als sie den Deiphobos und Helenos umstellt, aber das muss zufall sein: es gibt eine stelle, die deutlich beweist, dass der autor das französische werk des Benoit de Ste More im äuge hatte, denn nichts ihr entsprechendes findet sieh weder in dessen lateinischer quelle, dem sog. Dares (vgl. Meisters ausgabo 1, 11. 14, 9. 52, 4), noch in der deutschen Übersetzung ITerborts (v. 55 ff), von der entstehung der ‘acta diurna’ (nur diesen anlialt gab ihm die quelle, ed. Meister 52, 7) besitzt Benoit eine ziemlich lebendige Vorstellung, und diese hat sich dem verf. des MvC. unter deutlicher beWährung des ausdrucks eingeprägt: Benoit v. 89 ff. MvC. v. 37 ff. Chi Daires qne vos ci oez Dares der dd ( mite ) was, 90 Fit de Troie norritz el nez, Dedrnz esleit, — — — ICO En gregois en rscrisl l’esloirc. Chascim Jur isst i’escriveil Covi il a ses ielz le veeit. Tot qnanlil /'es ei ent lo Jor, On en balaillc ou cn eslor, 105 Tut escriee.it la noit apres. diese directc kenntnis eines fra bei einem dichter nicht wunder der die naht sc/ireip unde las swaz des lages da gosckach, 40 a/s erz mit on gen ane sack, :zösischen litteraturproducts kann nehmen, der von der hauptquelle 1) diese form ilcs immens, ilic schon in den liss. des Intern. Dares nnf- tunclil (für Dei/i/niliiis über Deip/ioehiis) mid durch die liss. des Benoit und llcrhort durchgeht, hätte ich dem hsl. Viephebus entsprechend iu den tevl setzen sollen. MORIZ VON CR AON. XIII seiner crzählung abgesehen auch noch den Cliges des Christian vmi Troves gekannt und dessen cinleitung für die seinige verwertet hat. (EMartin Z=. f. d. all. 3G, 203 f.). möglicher weise wurde ihm diu bekniHiGelinft dis umfangreichen welkes sogar durch di- g'.i.'he |MTsönlichkeit vermittelt wie dem landgrafon Ihrmunn: denn eben aus jener gogend, in der wir die hehnat unser.-s aut«as ge-iteht haben, von einem pfälzischen grafen von I hiiugwt erhielt der landgraf die handschrift zugesandt, die er d.m ll-rhoit lihergab (Herbert v. 94 f.). die grafen von Leiningen, Fti.-Iri- h, mit dem spätestens 1220 die alte linie im mannesstamme nu>-t.irb'), und sein liruder Emicho, gehörten zu den standhafte- -t< n nnhangern Ottos iv: beide zogen sie dem kaiser 1210 nach Italien zu’), und Emicho erscheint sowol 1211 an der Seite des pfalzgrafcn Heinrich als 1212 bei Otto in Hagenau 1 * 3 ), kaiser Otto aber ist eben in jenen jahren allen wirren der politik zum tr'.tz der liltoratur nicht abhold gewesen: er liefs sich nicht nur 1 11 (oder 1212) die Widmung der Otia imperialia ') des Gervasius von Tilbury gefallen, sondern veranlasste auch um dieselbe zeit, bald nach dem erscheinen des Wigalois (Gott, geh anz. 1882 s. 32), ( inen kölnischen dichter zur abfassung des Herzog Friedrich von der Normandie, zu dem werke des Benoit aber hatte Otto, der die mütterlichen beziehungen zu den Plantagenets eifrig pflegte, vielleicht ein näheres Verhältnis: es war, etwa 50 jahre früher, seiner "i'ofsmutter, der königin Alienor von England gewidmet worden. Dürfen wir dem dichter einige Vertrautheit mit der französischen und deutschen litteratur — das letztere wird sich noch weiter bestätigen — und fühlung mit den der poesie geneigten höfischen kreisen Zutrauen, so gewinnt seine Stellung zur Trojadichtung an bedeutsamkeit. er lässt widerholt durchblicken, wel- 1) Ellrinckmeicr Genealog, geschickte des kauses Leiningen l (1S90) öl f.; ungenau 1UI3 iv 59 ff. 2) EWinkelmann Philipp von Schwaben mul Otto iv von Braunsohweig XI 23G; gilt dieser 'fahrt gen Fülle’ das lied UMS i 2G? 3) ebda 281 anm. 1, 301 anin. 3. 4) den titcl, den dies werk in einer hs. des 14 jhs. führt, 'Solatium imperatoris’, hat Winkel* manu, der Um als den ursprünglichen verficht, aao. 290 (vgl. 502) recht unpassend mit 'Kaisertrost’ übertragen: das mint, sohtlinm ist ebenso wie allfranz. prov. solaz ‘vergnügen, Unterhaltung, kurzwcil’, vgl. Ducange s. v.: die beiden titcl laufen also auf das gleiche hinaus. XIV KINJ.IilTUNG. «rluüi reiz, aber mich welche Schwierigkeiten ihm eine ausführliche behmidlung dieses Stoffes bieten würde: v. 83 (1'. Ich sayct tu wol für baz Von Troie. waz hülfe daz? Wir muffen ez Ulzen beltben; und v. 71 ff. Ze Troie (jeschach wunder. Baz ist ein rede besunder, Der ich ff ent e ein ende funde Mit Worten, ob ich künde — ja die zeileu, mit denen dieser abschnitt schliefst, und die leider in der hs. durch einen bösen fehler entstellt sind, scheinen geradezu den verzieht auf eine zeitweise gehegte absicht auszusprechen v. 75 f.: dar umbe ichs überhaben hän, daz ist durch fremde getan. ‘wegen ungenügender Vertrautheit mit dem Stoffe [den selbst der augenzeuge Dares nicht bewältigen konnte v. 37—41] habe ich es aufgegeben 3 , [das unsinnige freiule der hs. schien sich graphisch (fremde) durch fremde besser zu erklären als durch Haupts braute (‘schwäche’, ‘liinfälligkeit’), das mir überdies ein entschieden zu starker ausdruck sein würde.] Der autor kannte also noch keine deutsche Trojadichtung, und es gab wol noch keine, sein werkchen fällt vor die arbeit Herborts von Fritzlar, vielleicht hatte ihn graf Friedrich von Leiningen, der minnesänger, zur Übertragung des romans aufgefordert, und als er eine ablehnende antwort gab, sei es weil ihm der stoff zu fern läge ( durch fremde), oder weil er sich zu schwach dazu fühlte ( durch brwde), da sandte der graf seinen kostbaren Codex an den hof von Thüringen, zu dem er alte beziehungen hatte (Ludwigs kreuzfalirt v. 17 OS ff.) und dem, wie er wusste, mehr als ein tüchtiger Übersetzer zur Verfügung stand, dass man hier gerade für die antiken und pseudoantiken stoffe interesse besafs, bewiesen •schon damals die Eneide des Heinrich von Veldeke, der verdeutschte Ovid Albrechts von Halberstadt und vielleicht die Alexanderdichtung Biterolfs-. Wie nach vorne Herbort von Fritzlar, so begrenzt nach hinten Gottfried von Strafsburg die datierung des werkchens. denn so wenig man bisher etwas von stilistischem einfluss des Tristandichters hat herausfühlen können: cs finden sich sachliche remi- niscenzen und z. tl. mis, sverstundnis.se, die nirgends anderswoher stammen können, 1) die beschreibung des kostbaren bettes v. 1113ff. .MOl'JZ Vox CI!AON. XV i-t durch zwei merkwürdig" zi'ipc ausgezeichnet: für die ‘riogid , ln if i cs, sei ' Imlz Y"ii Villen nun’ ') venvemleL (11-2), das nicht \ i rbaimcn könne, und die arbeit am ‘goltcr’ sei >o kostbar oder kun Ivoll guwe ml, da-s Iran Cas*a n d ra (11.1b f.) niemals .in iic-tcic- weil, luigciilll bube, nun i-t von einer besondern kui ■ li.-rtigheii >b r C.i- .ui.dm in weiblichen liamlmlieiti-ii weder , .ir.lii.i-ii ob . 1! b im.g imch den mit li-liilterlielu-ii Trojaromanen .(ca LLunit: bi i llumiT wie bei Apollodor oder Vcrgil, bei ]i ... . b i 1’.- in.it und llerburt wird man vergeblich nach einer d ..i kund- -nelieii. dagegen lall Gottfried von Strafsburg . :,.m ,ib . bi.in, der von lieben.-würdigcr ironio 2 ) gegen meist er V, ;b. ki- und -eine nachabmer durclitränkt ist, ‘min frou Cassan- d,r, ihr Troicriiutc' allerdings zu einem ideal weiblicher liiindii rligkeit gestempelt (Trist. 40-18 11'.) — und sie in übermütiger Imine, dem Waffenschmied Vulkan (4930) an die seite ge- f-l. lli: zum M-blu-se der kleinen abschweifung führt er das sonder- b.ii- ]..irclu-n noch einmal fest zusammengekuppelt vor 4970 ff.: ja V ulk an und C assander, diu zwei bereiten ritler nie baz ze prise dünne ouch die. in der form der ironischen aposiopese hatte Gottfried, als es sich um die lierstellung und beschreibung der ausrüstung Tristans bandelte, den gott Vuleanus und die Trojerin Cassandra herauf- hemidit, und das fiel dem dichter des Moriz von Craon ein, als er ein kostbares bett schildern wollte, aber — und das ist für seine wissenschaftliche bildung recht bezeichnend— des gottes \ ulcmius erinnerte er sich nicht mehr, er kannte nur einen berg I) ich begreife nicht, warum sich Fllcc-h Germ. 17, 1 TU abmi'ihl, das Jhdeuniis der hs. durch ebantts oder Libanus zu ersetzen: die ausclimumg, dii.-.i das auf einem vulcan gewachsene liolz unvcrbremilich sei, ist doch ohne weiteres verständlich, und unter i/iotis Fulcani oder einfach Fukanus verstand das ma. bestimmte feuerspeiende berge, entweder den Aetna oder dm vulcan der inset Stromboli; vgl. z. b. Kaisercliron. 1.1172. 1418G und die Vuk-anus-anekdoteii hei Caesarius von lleistcrbach (cd. Strange) ll 322 if. 325: Du jioeiia Rertholphi dueis Ccringie qni uiissus est in Vuleamim’. 2) so ist die stelle richtig beurteilt von Halmsch Trislmistudieii (prngr. Danzig 1885) s. 5. 3) den Zusammenhang beider stellen hat erkannt, über falsch ausgeh-gt Reliaglicl in s. ansgabe d. Veldeke s. <•( XXI f. XVI EINLEITUNG. Vulcanus, und ho winde denn dieser beschworen, um ein unverbrennbares bolz zu liefern! — auf den gleichen weg der Interpretation drängt uns 2) die merkwürdige stelle von den Seeräubern v. 870 fl’, das wunderbare landschifl’ ist ausgerüstet und setzt sich in bewegeng, aus dem innern hervor lässt sich ein ganzes Orchester vernehmen: taburen (8G2), floiten unde horn (8G3), hu- sünen (867), pßfen unde rotten (869): als er gaHotten fuortc mit sinem Jiere mul rouben woltc üf dem mcrc.') hier wird also der aufzug des ritters mit dem eines piratencapitäns verglichen, der mit klingendem spiel auf seeraub ausfahren soll, woher diese wunderliche Vorstellung von den musikalischen pi- raten, die wie ein modernes operettenmotiv aussieht, aber gewis nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat? gewöhnlich wird von den soeriiubern gerade berichtet, dass sie sich in möglichst unauffälliger, also doch wol auch geräuschloser weise annähern, sollte dem dichter etwas von dem Verhältnis der antiken Seeräuber zu ihrem schutzgott Dionysos zu obren gekommen sein ? ich glaube es nicht, den aufschluss gibt, wie mir scheint, wider eine stelle des Tristan, die ich zunächst in der fassung hersetzen will, wie sic dem dichter des MvC. Vorgelegen haben mag, nämlich nach M, der für uns ältesten Münchener hs. s ) Tristan, von Marke nach seinen musikalischen kenntnissen gefragt, erwidert v. 3G75 f. harphen linde rotten daz Urten mich galiotten. ich vermute, dass diese stelle, in welcher das muster aller höfischen tilgenden Seeräuber als seine musiklehrer zu bezeichnen schien, die phantasio unseres autors befruchtet hat. in Wirklichkeit sind diese Galiotten oder, wie die andern hss. richtig schreiben, (Inlotlen spielleute aus Gates d. i. Wales, wie es denn auch unmittelbar darauf heilst zwene meisten GAloise; vgl. auch 1G276 von Gates ein spilmann mit v. 16283 f. dem Gälotten. 1) ol) mim hiev meine herstellung des toxtes oder diejenige Haupts verzieht, bleibt für den sinn und die Vorstellung glcichgiltig. 2) der noch Mafsmnnn gefolgt ist, nur dass er GalioUen als cigennnmen schreibt. MOKIZ VON CB AON. XVII Die eine stelle mag hier die andere stützen: wem aber der Ursprung der beiden schiefen reminiscenzen aus dem Tristan nicht i'eiiiigend oinhmeliM. den bekehrt vielleicht eine ähnliche confusion bei einem zoii*p*nfi- j i.-ehe 11 dichter, in die durch einen seltsamen zufall ein- reit.« vuter Yuleuntis und anderseits die Münchener Tri-tnnh-, v■ rtfix-bten i-t. in der französischen dichlung Flohe. . t !!!.)•' ' t!> r') wird ein ko-tbnnT güldener bcchcr mit darstcllungcn ■m* ihr Trej-i-age erwähnt, der sich einst im besitze der römi- Lai«r lH-funden habe, bis er dem Cäsar gestohlen worden ,,-i; d.’c- r uralte lieeher wird als ein werk des Vulcan bezeichnet : v, ! ‘‘.i Vnlenns la /ist, Konrad Fleck nun, der dies v. 1580 (in lehrte Vidi-nn, ein smit) hiaehschroibt, ohne zu ahnen, dass es ►'••h dabri um einen allen gotl. handelt, hat sich dadurch ver- f'uhten l.'i-'cn, einige hundert versc später recht unpassend den gicadien ohne anregung der quelle abermals anzubringen. •>'>n ehoben hat: den Trist. 4930 auftretenden Vulkan, den wisen, dm unt ren , den guolcn iisl/vürlcccrc brachte er zusammen mit dem 1 m ver.-c früher genannten Orpheus (4788), und hier bot ihm tat.-aehlieh der zweig der Überlieferung, den wir aus der Münchener h-, kennen, Orphancs zunge' 1 ). somit haben wir auch ein doppeltes zeugnis für das alter dieser Überlieferung. — leb hin nunmehr soweit gelangt, die entstehung des Moriz von Craon nach dom Tristan Gottfrieds von Strafsburg und vor h die erste fassuug bei Du Meril, die der von IBekker (Berlin 1844) ln r.iu'-gogebcnen entspricht. 2) den tatbestaud hat schon richtig erkannt l.zoimiier in der nnni. zu Fl. 2029. der naheliegende einfall, dass etwa )!..■ beiden eonrusionarii identisch, Fleck also der verf. des MvC. sein könnte, 1 »halt noeli eine trügerische stütze dadurch, dass im cingauge des MvC. der tnnnllieli von Fleck übersetzte) CligOs benutzt ist — er erweist sich '•ht I- In i näherer betraehtung sofort als unhaltbar. '•*°i .‘iitfloutscho Kiltermccren. d XVIII EINLEITUNG. dein Lied von Troja Herborts von Fritzlar ansetzen zu können, damit sind keine festen jabreszablen gewonnen, wol aber eine relative Chronologie, die für die datierung aller drei diclitungen von wert ist. landgraf Hermann, der die altdeutsche Trojadichtung anregte und bei ihrer abfassung noch am leben war, ist am • 25/2G april 1217 gestorben, der tot Gottfrieds und das hervortreten seines Tristan fällt, wenn wir alle bisher bekannten daten’) zusammenfassen, um das jahr 1210, und auch meine obigen er- wägungen würden diese ansetzung bestätigen, für den Moriz von Craon bleibt also der Spielraum 1210—1215, das werk Herborts aber, das bisher zeitlich ganz in der luft schwebte, wird mit be- stiimntheit in die letzten lebensjahretdes landgrafen gerückt: es könnte recht wol unter den äugen Wolframs entstanden sein, von dessen geiste es freilich nichts verspüren lässt. Entstand die altdeutsche erzählung von Moriz von Craon in den jaliren 1210—1215, so war es bei den lebhaften bezieh- ungen, die damals zwischen den höfischen kreisen Deutschlands und Englands berschten, nicht ganz ausgeschlossen, dass sie noch dem beiden des gediehtes vor äugen kam, der im friihjahre 1215 als alter herr auf seinen englischen besitzungen gestorben zu sein scheint. In die geschichtc der familie Craon auf englischem boden und speciell in die lebensverliältnisse unseres Moriz hat der alte historiograph des englischen baronats Dugdale, The baronage of England i (London 1675) p. 412 eine Verwirrung gebracht, die sich über De la Rue, Essais historiques sur les bardes, les jongleurs et les trouvöres normands et anglonormands m (1834) 192 ff. in MHaupts vorrede und selbst in den auf zwei daten reducierten auszug von FVogt (Pauls Grdr. n 1, 271) fortsetzt, da auch der ausführliche artikel des Dictionnaire de la noblesse von de la Chenaye-Desbois et Badier t, vi (Paris 1S65) p. 439 ff., in diesem puncte wenig zuverlässig ist 5 ), mag es gestattet sein, etwas näher darauf einzugehn 3 ). 1) die wichtigsten bleiben das urteil Gottfrieds über Wolframs Parzival und Wolframs untwort im emgange des Willehalm 4, 23 f. 2) ganz wertlos ist Nicolas-Courthojie, The historic peernge (London 1857) p. 134 f. 31 ich nehme gclegenheit, hiermit herzlichem danke herrn dr. Felix I.ielier- VuN CIIAON. XIX 1 i.oiiib' '.i.> i i, ( i.iuii oder ('»von (in Kiigland mci- (’n,ui. ! i < i"I iuii g. imunt) g.-liuile zum allen snlel der graf- ■_« 1. .11 uj. ii, i,.' •!.■ ji-jj iiHidiii'li-iein n ilo Mailt. und schloss Craon ib<- •>< lau i i »d >n (im d.'p.ii i< ment .Man'imij noch heule ihren i... a t r.i, • n, u.. p. - !d"!.t -■ lh-1 i l im 15 jaluhundci't ausge- :l. 1 d, dl« |d" f i le II die lliei Ich gel |c;i log" 'II , silllt ; ii.. . ; I ii.i- h r.ngl.iiiil ül'erge-i.delt und ha heil dort, J;.. ... .-md u. f ...r Ln, di i andere und im südendes lande.s bo- ■ i I ... Vj.i V. ..lein .i.iheivr 1 ier< its soll Guy de Craon ins i; . i g ' fc . : In, dir gniiider der I.incolnshiiv-linie, die sieli - . d 1 ■ llurii.n nunnlo und mit seinem gleichnamigen LI im i;.:i:.m 'i.unine mi--t:irl». Von Guy i sind uns drei i . !-|.ni,n(, Al.du de ('., Geolli’oy abt von Croyland lind T i v,ir L ,.v n di'-c imnilie bist ausschiclslich aus geistlichen n i,,, l ui.n.'liten daraus schlielsun, dass^hiin do Craon . -.it j.ni.eiindliclicr herr gewesen sei. die urkunde, durch •««. ..he ir da- j.rioral. Ficston begründete'), beruft sich auf die .«.. i.mii.iuig . ■ im r gemalilin Muriel und seines solines Mauritius 5 ), •hi' .do damals bereits mündig war: diese urkunde, der ein gerne:. • datum feldl, ist r post liherationem rcigis Stephani’, also wahr «elieinlieh bald nach dom november 1141 ausgefertigt 3 ), in einer v.. i: rn Schenkungsurkunde taucht dann neben dem sohne Moriz - i.' ii ein (mündiger?) enkel Wilhelm auf 4 ), als Schenkung dieses .M' uz von Crauu-Burton bcsafs die ballei Lincolnshire der tcnipel- rii 1 r einkiiuflo in‘Burtune, Siford et Lainberd 1 s ). die eintragung in lloi. pipae 2 Ilenr. ii (Line.): Maur. de Creon deb. i accijj. ,i i ijir/ale. 1 '), wonach er im j. 1156 der königlichen sclialz- io-’.'i zu licmien, ihn- mich nicht nur mit seiner reichen litteralurkemunis «.'II- r-uilzt, sondern sich auch seihst in liebenswürdigster weise an der suche i,.n'li drin reeliteii Moriz beteiligt bat. 1) Monast. Angl, i 443. 2) ‘pri- iii".:' nitiis' lirifst er in einer für mich uueontrolierbaren quelle bei Menage, !li-!..ire dr tfuMö t. i (Paris 1083) ]>. 139. 3) jedcstalls aller vor dem I- 1 1 öl, da an der .spitze der zeugen noch der erste abt von Thorncy, Hubert ttiM: seit 1151 hat den abtslulil Gilbert iulie (Mouaxl. Angl, i 251). I; Han in de Croun ennsilio et cimeessione ilauricii filii vtii et Jl’iUUdmi /tltt //ngi/iV nrpulh mei. Monnst. Angl. T 443. 5) Monasl. Angl, li .ö:i3. • lim griat roll» of the jiipe fnr the 2., 3. and 4. years of Henry n cd. llm.'i r (London 1844) p. 25. IW XX EINLEITUNG. kiimnicr den betrüg für zwei edele jagdvögel schuldete, zeigt, dass er auch den ritterlichen kimston nicht fremd war. einer genealogic des 15 jhs. zufolge’) hiefs seine geinahlin Clarice;- er scheint sich aber nach einer sehr bestimmten angabe bei Dugdalc Baronage i 412 im j. 1182 noch einmal mit einer reichen witwo verheiratet zu haben, sein todesjahr ist wol 11S0 a ). er war in England geboren (um 1120?) und hat vielleicht den boden der insei nie verlassen: mit dom beiden unseres gcdichtes hat er nichts zu tun 3 ), er hinter- liefs nur einen solm von Clarice, Guy (Guido, Wido) de Craon, der den kreuzzug könig Richards mifmachte: im november 1190 begegnet er unter den zeugen des friedensvertrages zwischen Richard und Tancrcd von Lccce bei Roger de Iiovedon (ed. Stubbs tu 02). Guy n hatte keine männliche nachkommenschaft: mit seiner tochter Petronella, die mehrmals verheiratet war, kam der grölsere teil des faniilienbcsitzes an die Longcliamps, der kleinere an die Vaux. das fällt in die ersten jabre des 13 jhs. Inzwischen aber hatte unter dem ersten Plantagenet im Süden von England ein neuer ablegor des alten französischen geschlechtes wurzel gefasst, könig Heinrich n, der sich vom anbeginn seiner regierung gerne mit den baronen seiner angevinischen heimst umgab, zog auch sirc Maurice de Craon in seine nähe, der als der zweite des hauptstammes den namen des Schutzheiligen der kathe- drale von Angers führte, er muss reichlich ein menschenalter jünger gewesen sein als sein namensvetter in Lincolnshire. in der nähe Heinrichs ii taucht er zuerst 1174 auf, und von da an neunen ihn bei wichtigen politischen angelegenheiten widerlich nicht nur die urkunden, sondern auch die historiker: Ba- dtilphus de Dicelo, llogor de Iiovedon und die Gostn regis Hcin- I) sic stellt Jlonast. Angl, i 414 mul wird bestätigt durch Jlonast. Angl, u 00 IV. näheres über diese, famiiie bietet vielleicht dos mir nnzncräim- s? o liehe buch von PThompson, The history and antiquity oi Boston and. . . Erciston (Boston 1S56). 2) das schlicfsc ich aus Jlanning Ilistory of ■Surrey i .'151), der angibt, damals erhalte sein sohn Guy 'livery of his lands’; bündig ist die foigeruug nach FLiebermauu nicht. Jlanning selbst (die quelle fiir CuHrllinpo) wirft wie THtgditle die Lincolnshire-linic mit der jungem von Surrey zusammen. 13) das war schon aus Menage Hist, de Saldo 1 13!) zu sclilictscn, der die beiden familien und die beiden zeitgenössischen Jlorize richtig auseiinmdergelialtcn bat. MOB 17, VON dl AON. XXI ri' i ii (ihr sog. Benedict von Pcterborough)'). gleich zuerst er- - ln int er in der fiir uns interessanten nnchbarschaft des c Ric[ardua] .!•• Ivll»monte viefccomesj 5 unter den zeugen des friedcnsschlusses zui-elun Heinrich n und seinen sölmen (30 sept. 1174)"). im ;•!• irb-n j ab re 1171 noch ernannte ihn der siegreiche könig zum i' .iiv-ns* ur von Anjou und Maino und übergab seiner obhut das ■ hl..-» von Anconis (Und. de Die. r SSO). 1177 (sept. 21) befand er -ich unter den drei baronen, die Heinrich II zum frieden von , . i )'uy «l-pmi-rt hatte (Rog. de. IIov. ti 115; Gcsta r. Heinr. i 191), ; M--u war er ebenso bei der erneuerung des Vertrags von Yvry 1* •< Hirt llb-g. de IIov. n 101); Gesia i 21S). wie sehr er ein e.a.en d«-* tirimuens war, zeigt im jabre 1183 seine entsendung -1 unierbündter an die aufriibreriselion söhne, die auf wünsch '• • je: e-teu, G'-:d!n.y erfolgte (Rog. du IIov. u 277; Gestai 298); "i !w> .1 i prin/' ii konnte er damals die bekannlscliaffc des !'• <*r.iu • !•> Born mmlien 1 ). in der fulgozeit tritt sein narne in | •bei ti 1 tu ihr Politik für längere zeit, zurück, verheiratet war 1 \ • . AU • ' mit I ab-Ile de Meullenee, dito de Boaurnont 4 ); aus dieser ehe ■tannni n zwei sfduie, Amaurv und Pierre, auf die wir noch zu- rtel.keinmrn, und zwei löebter, Avoise und Constance Als lieliibming für seine dem könig geleisteten dienste erhielt M’uiz n von Crnon'’) wertvolle Icliensgüter, hauptsächlich in der gr.if-ehnft Surrey, und diese, wurden unter könig Johann seinem 1. ii h benutze sie sämtlich in rlcn neuen ausgaben von Stubbs. IG nur Ada 1 b 1-3. 3) Hicz, Loben und werke der troubadours ■ <‘' 0• 4l Lict. de tu nnbl.*vi 440; die damo bat, mit der (vieejgriitin i- ti lc Miinonl mir eine zufällige miiiiensiitmliclikoit. 5) die löebter nach m IMet. de In nolil. an».; wenn die Verfasser des Hieb de ln nohl. aber . .h 1 inen ältesten solin Jlmirico aulTüliren, ‘f saus posterite avant 1224, •o #:nd sie damit gewis im irrtum. — das Bulletin de la Commission archeo- b■!*iqiie de la Maycnnc, wo 2 Serie t. V (1892) neues material zur gcschichtc •i- r fnniili<- in igebraeht sein soll, blieb mir unerreichbar. 6) am 14 mai 1..'.., fordert konig Johann die bai'oncs de scaccario auf, in den exchequer- e ll"i uaelizuselien, welche Bindereien Heinrich TI quondam dedit vcl con- " Mi t Mniiricht rin Cro/iun palri rpsius Pc.iri (Hardy Bot. litt. pnt. I 1, 13G). t' ii um 10 mai ist, dem Petro de Crobnn’ die bcsitznng in Bnrn i/un ' ' 1 ' Moiii’tri (In (i-nltmi, pnlris »ui ‘zuriiekgegeben’ worden (Hardy aao. b 1 • ■ •, am .30 mai geschieht das gleiche mit den giitern von Hamme, A »Mritq Ewcll (Ifardy aao. p. 142). xxu EINLEITUNG. solme Peter bestätigt. Moriz mag von da ab seinen aufenthalt zwischen Frankreich und England geteilt haben: vorwiegend aber hielt er sich doch in Frankreich auf, wo er nach wie vor das haupt der angevinischen linie war. 1201 erscheint er neben dem vieegrafen Raoul de Beaumont (jedesfalls dem sohne seiner dame und des früher erwähnten vieegrafen Richard) als Tiosta- gius et fideiussor’ in einer huldigungsurkunde des Juhel de Mayenne 1 ). am 29 märz 1202 geht ihm ein königl. patent gleichlautend mit solchen für Guillaume des Roches, den vicomte de Beaumont und andere vasallen der französischen territorien zu' 2 ), die vieegrafen von Beaumont waren die westlichen nachbarn der herren von Craon, und so dürfen wir uns nicht wundern, die beiden namen öfter, wie in dem mhd. gedieht, neben einander zu treffen, sie hatten sehr nahe beziehungen zum englischen königs- hause: Roscclin vic. de Bcaumont hatte eine onkelin Wilhelms des eroberers, eine der vielen töchtor könig Heinrichs i von England zur frau, und aus dieser ehe stammt Richard vic. de Beaumont, der in unserem gedichte eine so unglückliche rolle spielt, und Ermengard, die im j. 1186 die gemahlin könig Wilhelms von Schottland wurde, über die gattin Richards, die uns weit mehr als er selbst interessieren würde, habe ich leider nichts ermitteln können, dass die familien Beaumont und Craon im besten einvernekmen standen,, scheint sich aus den urkunden widerholt zu ergeben. Amaury de Craon erscheint denn auch 1210 unter denen, welche dem könig von Frankreich die treue des vicomte de Beaumont verbürgen 3 ); als dieser Raoul ^yic. de Beaumout 1216 zum kreuzzug auf brach, übergab er seinen altern sohn, der wie der grofsvater Richard hiefs, der obhut des Guillaume des Roches, der ein gegenschwäher unseres Moriz war 4 ). Schon im märz 1203 muste Moriz von Craon zu Paris mit andern baronen Westfrankreichs dem französischen könige für die zeit der gefangenschaft des herzogs Arthur von der Bretagne huldigen und erhielt dafür den schütz Philipp Augusts gegen könig Johann von England zugesichert 5 ), im j. 1204 fielen dann Maine, Anjou und Touraine ganz in französische hiinde. die nächsten 1) ltymcr, Acta I 1, dOK 2) Ilarily, Itot. litt, put x 1, 8. 3) !,])(■- lislc, Catalogue des nctes dr Philippe Auguste (Paris 185(j) nr 1223. 4) ebda m- 1091. IG!)5. 0) ebda nr 702. Mulll/. VON CKAuN. Will ui<. nd. ii j.-•!i■ ■ i■ i, in •. .du.it /.i ;u len *-ln iln 11 n ln ■(••• tigle. ah aber ende oc- i. ! - ; i'Jtn. m. . ■ . i liäd'ii zui'-liin J’hilijip Anglist und J . 1 . . in .!... • i. mimt, lelhn v.ir ' Mnmii'ius de (Yeuiu; unter d' .1 o d ■ i.gil • in n könig ■. die > j.-n frieden beschwören 2 ). • •:.< .!• 1 '•> n.ii jene , a zu -.ein, da.-.s er politisch her- 1.. .„ n.u-.i ui. .;. 1 |..uaii.ii.umlen inii seinem inuiicu sind mir n.t : f ;■ . h gen. eii. i.'b veiinule aller fast, dass er de > . . 1.1.. n- in Knebin.I zugebraeht hat: denn » * , i. .. ... i.iu uik linden der näelisleu zeit die familio ' . .. ;> ii An.ai.iv de Ciann verlreten ist, sodass man . -i !• '.: na glauben mürliie, scheint doch eine gruppe > rk..i,;. , !. . . I •.}..! u ii - vnn Knjdaml aus dem mai 1215 3 ), .. I f-a • !i um 'n.el.gäbe der besiizungen Morizcns an •'.•;.n I'. . l.aude1 1 ‘I, den .-elilu.-s zu gestatten 5 ), dass der v ,v.. ein kn;/, w, her gestorben war. und cs schiene rocht wo! K ;. k, d.. . all« verlraute Heinrichs u, der im frieden 1.. . iJ'n< i;. ii .biiiiul als verlivier Englands auf!rat, es vorge- < , ball., den alte.len sohn in das französische lehensverhält- iu- t ,.xn ii■ n zu lassen und den rost seiner tage in dem lande zu wibiuigeii, de von könige seine dienste geweiht gewesen waren. Mniiz u von Craon hinterliefs zwei söhne, jenen Amaury i°), d t .... iiunz.o.-i.-t'lie hauptliuie fortpflanzte, aber schon 1225 beim inili-i eh /uni kreuzzug gegen die Albigenser ein frühes ende fand, nie! Piene, den begriimlcr der jiingern englischen linie, der zu k.' n. Johann in nalieii beziehungen gestanden zu haben scheint : ). k.ib ,i u;r den vater als Staatsmann kennen gelernt, so tritt die im i.ugiua der söluie mehr nach der kriegerischen seite hervor. *'■ ‘de haben sie in poetischen darstellungen der Zeitgeschichte er- vwiiii.i.iig gef linden, von Pierre de Craon, der sieh bei der be- ; . I.da nr (Ui 1. 995. 2; ltymcr, Acta I l, 45. 3) Delisle nr 1223 l' 1 '- ne. 1'JlUn h. nr 1330—1341 (de ao. 1212,). 4) s. u. ,s. xxi amu. 0. J) ick t.igu nielit zu fordern', denn KUebcnnaim glaubt, dass jenes reddidi * «UH b W..I auf ein inlervall des niehtliesitz.es hiudcule. 0) il. i. Amal- ii'ii*, I, iiilig Alinamieus in falscher lalinisiening. 7; er verleilit ihm nielit mif «.i.\ ihuki die leli.'iisyiUer des vaters, .sondern weist ihm muh am 1 '■ <- i Ulf. den gröl-ton teil von dem zu, was 'Gaufr. de Say teiitiil de ao- *'<’ U .i.lv, |h,t. litt. |, a t. t l, 157 J). XXIV KIXLKrniKG. rühmten Verteidigung von Dover unter Hubert (Imbert) de Burgh im juli 3 21t) nuszeichncte, keifst es bei Philipp Mouskes (ed. Reifienbcrg) v. 22G0 f. Kl si icrl Pi eres de Crcon, Ki preus estoil, bien le crcon. auf französischer peile aber preist gleichzeitig der Vergil — oder Lucan — Philipp Augusts, Wilhelm der Dritte, unter denen, welche dem thronfolgcr Ludwig ihre scharen zuführen, auch den Guillaume des Koches und seinen ritterlichen Schwiegersohn, Philippis (ed. Delaborde) x 230 ff. Khisdcm lat er i (jener iltius unicus heres Ilcrcl Amalricus, qv.i pulchro corpore fortis Forüor rst aniino, qui de Crcdone trahebat El jenus et nnmen et erat dominator eide.m. über eine unglückliche fehde Amaurys gegen Pierre Mauclerc vgl. Phil. xtr 303 ff Die jugend des vaters fiel in die blühlczeit des anglonor- mannischen rittertums; dio französische heiinat und der hof Heinrichs ir und der Alienor iiberboton sich in darbietungeil ritterlichen festglanzes und höfischer pocsie. so hat denn auch Moriz , von Craon dem minnesang seinen tribut gezollt, und die söhne sind ihm auch auf diesen pfad gefolgt, schon Miitzner, Alt- französische lieder s. 150 hat richtig gesehen, dass in unserer Überlieferung drei träger des namens Craon um die 5 gedickte streiten, die dieser familie zugeschricben werden: ein Moriz, ein Peter und ein Amalrieh. MHaupt dagegen hat mit älteren französischen gelehrten den nnmen Amaris, Amauris ohne weiteres als eine entnrtung aus Maurice angesehen, indem ich aus Gasion Raynauds Bibliographie des Chansonniers frnneais des xni° et xiv° sieeles (2 bde., Paris 1.83:1) die. einzelnen daten der Überlieferung zusammenstelle, erhalte ich folgendes resultnf. der naine Craon, Crcon kommt bei den nachstchnden liedern vor: i. Quant, foitlisscnt li. boscajc') it. Fine, amour ctaimc en moi par eritaje' 1 ) in. Lonc lans ai servi cn balance 3 ) 1) Horrigs arcluv -12, 351. 2) Miitzner s. 14 lind s. 97. 3) Herrigs arehiv -12, SSO. M01UZ VON CT.AON. XXV iv. ./ ientrant du duus terminc') v. ’junnt ./<• jdic- voi fetun rirc"). •. •li di- ii ydi'-hn-u werden i, m und v nur von der Berner !;*. ;ioi iI; 1 b--i Ravnaud) .inem Craon und zwar dem'Amauris i'.ev rM >!■ (Von’ 7ti!r>*>.prwheii, während die übrigen hss. an ) ,,M ,!•>:, V; i.eiie d>> Clmrins ( I), bald dem Pierre de Molaines i.‘> -••f.: :t eiir am nvtu la-'-.m (11: nr m dem Ilugues de V r nii.'üuii (1); nr v dem (.iuiot de. Dijon (2). jedes- ; > .•: r Moriz. an diese drei (von Ilaupt s. 31 unten auf- , : > !>>••( Mü he irtir keinen anspruch. i..t j.l.ih u in n und iv. das erstem stück kann aus sehr h-!, gründ.-n der familie Craon nicht bestritten werden: der d ' r |k* t*.iii, da--* ‘lino amour’ an ihn erbansj>rüche erhebe und i i r-.'ht, d'iin 'li hon seignour de Crcon’ hätten ihr gedient • f i-lytam/ und ritterliche bildung und minnesang hochgchalten: « ■ am h er in rang und liebe ihnen gleichen, dass Moriz, der o mir in ‘•-einer jagend, also um 1170, der mode des rninne- • tiu-i t.e hnldirt hat, sieh schon auf einen der Vorfahren berufen Cmnte, i-i unwahrscheinlich, sein name (2 hss.) ist also von der lim- d< r liewerber zu streichen: es bleiben übrig-Pierre mit 4 hss., Amaury mit. 2 (darunter wider B"), entsekeidung ist natürlich c.'iiin'k.’lioh. Mmniee de Craon, der vater, kann mithin nur für nr iv lü-thuft als Verfasser aufgestellt werden, das von zwei hss. dem ‘i-'. -iie Morissos (Muerisscs) de Crcon’ zugeschrieben wird, wäh- ; cd i s fieilieh 3 Codices mit dem namen des Gace Brule ver- “ le n, 5 weitere unbczcichnct lassen, um eine dichterische in- dividmdität herauszufinden, dazu ist das in conventionellen be- t- u- riingcn der liebestreue und des liebeskummcrs schwelgende (“■lieht nicht geeignet. ich habe diese darlegung hier eingeschaltet, nicht weil ich mich berufen fühlte, einen kleinen beitrag zur französischen litte- i-.iiuigi'irhichlo zu spenden, sondern weil die frage nahe liegt — und Scherer hat sie gelegentlich im colleg hingeworfen — ob an nicht. Situation und Stimmung oder gar tatsächliche an- 1) StUJl. m 91, 44 bietet aber z. j. 1300 einen bereits verstorbenen ritter Andreas von 'Deimcringa’: ob er mit dem ui 50, 10 genannten ‘Andreas de Stöfenberg’ identisch ist? den namen von Staufenberg ohne zusatz führen gelegentlich glieder aller familien. l’ETEIt YON STAUFENHICUG. XLI1I familien wie eines zweigs der Bock uaa. an die ganerbschaft Staufenberg gehört in diese richtung, wie anderseits die Widergrien und die Staufenberg die stadt aufsuchen, gerade diese enge Verbindung mit dem landadel, die natürlich vielfach zu nähern ver- wantschaftsverliältnissen führte 1 * ), trug nicht wenig dazu bei, das selbstbcwustsein der alten rutsfamilien zu jener höhe zu steigern, die uns im PvSt. entgegentritt: ein ungehöriger der ganerbschaft, dessen familie vielleicht erst seit zwei goncrationen diesem adlichen verbände augehörte, erzählt uns da von einem ahnherrn, den die schönste der feen zum liebsten erkor, ja den der römische könig allen fürsten vorzog, um ihn seiner reichen nickte, einer herzogin von Kärnten zu vermählen, so wenig charakterfest, sich der held dabei auch benommen hatte und so traurig die geschickte auslief, wir verstehn es doch, wie man im kreise der genossen- scliaft stolz war auf diesen fabulosen träger des namens Staufenberg, und wie noch junker Melchior Widmgrün von Staufenberg, der wahrscheinlich wie der stätlmeister llans Jacob WvSt,-) meist in Strafsburg wohnte und im sommer, wo er auf schloss Staufenberg hauste, den doctor Fischart gelegentlich bei sich zu gaste sah 3 ), von diesem die erneuerung des alten büchleins als eines rechten adelsspicgels wünschte, ein solcher war es allerdings für die gcmeinerfamilien durch drei jalirliunderte gewesen : jetzt waren die Widergrüns der von den ‘vielzerteilten ästen’ 4 ) einzig übergebliebene stamm, und der wünsch des umdiehters, dass ihr name ein gutes omen sein möge, sollte sich nicht ver- wiirklichen. am 27 fobr. 1604 starb unvermählt junker Melchiors einziger solin, junker Philipp Widergrün von Staufenberg und wurde auf dem gutleutkirekliof zu Strafsburg als letzter seines Stammes mit heim und sehild begraben markgraf Ernst Friedrich von Baden erklärte das staufenbergiseke leben, dessen einzelne un- teile zuletzt sämtlich bei den Widergrüns vereinigt gewesen waren, für heimgefallen 0 ). 1) daher ist im gedieht immer von /'riimlrn und nutzen dio rede, und v. 771 wird die zahl der riUermüfsigen auf 30angegeben. 2) Seyboth, Dies alle ,S|raf.s- bürg b. 115. 3) Fisrlmrls Vorrede zeigl ilm mit der ürtlicbkeit sehr genau vertraut. 1) ausdruek Fiseharls. 5) Kindler vKn. 422. (i) die »euere geseliichte der bürg, die ansprüche der Schwestern Philipps und ihrer naeli- koimneu, die bis ins 18 jh. darum processierlen, s. bei JDader min. s. Uli!’. XIJV EINLEITUNG. Din bezichungon des gedicktes zu der gnuerbschaftvon Staufenberg und wider deren enges Verhältnis zum Strafsburger adel zu beleuchten, schien mir wichtiger, als die suche nach dein dichter, seit Jim icke s. 55 stellt fest, dass das werkchen um 1300 entstanden ist; ich will gleich hiuzufügen: eher ein jahrzehnt Später als früher, nun, damals lebte zwar kein herr Egenolt, aber herr Egenolf von Staufenberg, und ich stofse mich sowenig an der kleinen di/ferenz im zweiten compositionsleilc, wie der badische nrchivnr JBader'), der diesen Egenolf schon 185S iiir den Verfasser der altdeutschen dichtuug erklärt hat. Bader führt an, dass EvSt. 1320 noch lebte und in Appenweier begütert war; 1324 aber wird die gattin eines elsässisehen ritters von Uten- licim, Anna als ‘hern Egenolfcs seligen tochter von Stöffenberg bezeichnet, er ist also zwischen 1320 und 1324, und da er eine verheiratete tochter hinterliefs, keinesfalls als junger mann gestorben. Der cigonnamo Egenolf 1 * 3 ) taucht in elsässisehen quellen, zu denen ich auch die ortenauischen rechne, erst gegen ende des 13 jhs. auf: er geht nämlich hier nicht auf einen alten Agin- wulf zurück, sondern hat sich durch dissimilation der benachbarten l aus Egelolf gebildet: das sehen wir am deutlichsten innerhalb der altadlicben familie von Landsberg 6 ), wo die beiden formen beständig abwechseln, später aber Egenolf den Egclolf völlig verdrängt hat 0 ), brauchte man um 1300 beide ungeniert von derselben person, so wird man sich auch gewis vor der gelegent- t) aao. 372. 2) Schöpflin, Als. dipl. II nr 927. 3) Egenolt habe ich in meinen (|uelleu überhaupt niemals gefunden. 4) ich habe die werke des alten Sdüipflin durchmustert, das St UL. genau durchgelesen. 5) zu ihr gehörten auch die l’liarostclin. 6) Egrlolfus 1251 (StUI>. I 268, 33), Eginolfus 12C0 fl 340, 17) und wider Eglolfus 1265 (I 453, 12); Egenolf der alte vL. 1322 Ul 308,24) und her Egclolf vL. der alt 1324 (m 314,43). sonst kenne ich aus dom 14 jh. nur noch Egenolf : von Lappoltstein 1310 (n 225, 23), Pliarostelin 1322 (ll 307, 10), von Gundollzheim 1327 (n 435,30), von Katsninhauscu 1320 (n 458, 17); in der stadt namentlich Egenolf den burg- grnfen, seit 1204 widerholt im rate, vor 1318 gestorben, nach dem das haus 'zu dem guldiu orte’ (Fischmarkt. 54, eekc der Krämergasse) 1329 ‘zu hern Egenolfe’ und noch 1704 'zum Egenolf’ genannt ward, s. Scybotli, Las alte S?trafslmrg s. 143; weiter den predigermiinch Egcnolfus mcdicus 1320 (ui 344, 18). PETER VON STAUFENBERG. XLV liehen Vertauschung von Egenolf und Egenolt nicht gescheut haben, eine solche Vertauschung von -olf und -oll ist vom 11 bis ins 14 jh. hinein dutzendfach bezeugt: meine eigenen notizen hat prof. IIolder-Eggor die güte gehabt, durch eine reiche Sammlung von belegen zu vermehren, aus der ich hier nur einen teil auswähle'). Kaiser Arnulf wird Arnoklus, Arnolt genannt: in Theofridi Vita Willibrordi (ca. 1100), in der deutschen Kaiserclironik (ca. 1150), im Chron. Epternac. auet. Theoderico und in desselben Lib. de libert. Eptern. (ca. 1190), in den Annnles Aquenses (ca. 1200), im Cat. pont. et imp. von Münster im Gregoriental (s. xn), in der Series abb. et praepos. Lauresham. (s. xn), auch schon bei Lamb. vHersfeld ad a. 890. 899 und einigen oberdeutschen annalen (Weissenburg. Ottenbur.), die mit ihm aus recensio Ti der verlorenen Hersfelder annalen schöpfen. — die sämtlichen grafen von Flandern des namens Arnulf heissen bei Lambert von Ardre durchweg und in anderen quellen zuweilen Arnoldus. — beide formen wechseln ferner in den namen der grafen von Loos, in dem namen des abtes Arnold von Uersfeld (1012—1032), des bischofs Arnulf von Verdun, des bischofs Arnold i von Worms (wo Lambert von Uersfeld ad a. 1044 Arnoldus, ad a. 1065. 1075 Ar- nolfus bietet), des erzbisehofs Arnold ii von Trier (1242—1259), des erzbisehofs Arnold i von Köln (1137—1151), von dem es gar bei Alberich von Troisfontaines (ca. 1245) lieifst: post Ar- noldum primu/n quem nos Arnulfum dicimus (MG. SS. xxm 842 ad a. 1155). Ganz ähnlich geht es mit Bcrhlolt und Berhlolf: diese Vertauschung trifft besonders die verschiedenen herzoge von Zähringen, die in einer grofsen anzalil besonders rheinischer quellen") c Bcrlitolphus ’ genannt werden, aber auch bruder Berhtolt von Kegcnsburg wird von einem rheinischen Zeitgenossen in den Ami. Spir. ad a. 1254. 1255 (MG. SS. xvii 49) ‘Bertolfus’ genannt. Sc-hliefslieh mögen ein paar belege für Liulolf - Liulold angeführt sein: der name eines bischofs von Augsburg schwankt in 1) die belege möge man, wo eie nicht angegeben sind, in den indiccs der betr. Momuncntcnbiindc suchen. 2) zu den registeru der Monument» füge icli noch den Caesnrius von Hcistcrbnch hinzu (ed. Strange ii 236.325). XLVI EINLEITUNG. den listen zwischen Liutolth und Liutolfus usw.; herzog Liudolf von Schwaben heifst in entlegenen quellen auch 'Leutoldus’; graf Liutold von Achalm bei Ortlieb von Zwiefalten gelegentlich auch 'Liutolfus comes’. — den bekannten Reinulf von Alife nennt die Ivchr. 1715G Regenolt. Natürlich behaupte ich nicht., dass herr Egenolf von Staufenberg sich in urkunden und briefen gelegentlich 'Egenolt’ genannt habe; aber die Veränderung des namens erschien jedesfalls ihm und seinen ungehörigen so wenig anstöfsig, dass sie unter dem druck des reimes gewagt werden durfte, ein wolf liefs sich in diesem epilog schwer unterbringen — und ein anderes reimwort auf Egenolf gab es eben nicht, konnte doch auch der dichter des Grafen Rudolf seinen helden nicht anders am versende nennen, als indem er ihm den unreinen reim holt zugesellte, später, als unreine reime dieser art nicht mehr geduldet wurden, griff man in solcher Zwangslage lieber zu einer kleinen Verrenkung des namen- ausgangs. — die grafen von Ysenburg hatten das schwanken zwischen -bürg und -berg in ihrem familiennamen längst aufgegeben, als im jahre 1570 einer von ihnen an dem oberhof zu Büdingen die Inschrift anbringen liefs: Fraw Barbaren seim gemahl dis werk Bestellt graf Georg von Ysenberg. und bei ' hern Egenolt’ darf man vielleicht auch noch dies zur envägung stellen: litterarischer ehrgeiz lag ihm fern, sonst hätte er uns nicht seinen familiennamen vorenthalten; den venvanten n-cgenüber machte er sich wol gar einen scherz daraus, in der letzten zeile, in dem letzten wort des gedichtes mit einer kleinen entstellung seines namens zu schliefsen. Die beiden einzigen urkundlichen erwähnungen Egenolfs, die mir zugänglich sind, genügen nicht, um ihn bestimmt der familie 'von Staufenberg’ schlechthin zuzuweisen: auch die Bock uaa., die das kelcliwappen führen, nennen sich gelegentlich ohne zusatz nach der bürg, und so wird ja auch der held unseres gedichtes nur v. 50 ff. als ' Beterinan der Diemringer von Stoufcnberg geborn eingeführt, heifst 822 c von Stovfenberg her Petermmd und wird "800. 807 einfach z der von Stoufcnberg genannt. 152 f. heifst es ausdrücklich von Stovfenberg was er genant-, unter diesem namen PETER VON STAUFENBERG. XT.VII errang er seine erfolge, die naheliegende Vermutung, dass herr Egenolf vStaufenberg der ratsfamilie der vDiemringen angchürt habe, wird also durch die urkunden nicht widerlegt, ja, auch jener z. j. 1274 und 12S7 nachweisliche, bisher einzige Peter vSt. könnte immerhin ein Diemringer und somit der taufpate des helden gewesen sein, der vorname Petermann ist zunächst eine kosende, vertrauliche erweitemng von Peter, wie sie im kreise der iämilic, weiterhin der gemeiner üblich sein mochte, aber derartige lcose- formen werden wie alle andern im laufe der zeit selbständige namen, berechtigt in urkunden eingeführt und schliefslich schon in der taufe beigelegt zu werden, es ist nun für die altersbestim- niung unseres gedichtes ein weiterer anhalt, dass diese namenbil- dungen in den Strafsburger urkunden, die ich daraufhin sorgfältig durchmustert habe, nicht vor dem beginn dos 14jhs. Vorkommen, da freilich mehren sich auch alsbald die Otteman, Lutzeman, Jlesscman, Fritscheman, lleitzeman, Riilman, Die/mun, Scholtcman und wie sie alle lieifsen. für Peterman stammen meine frühsLen bolege 1 ) im StUB. aus den jalircn 1312 (in 218, 14j, 1314 (m 235, lj, 1315 (li 280, 12), 1317 (m 203, 34; 200, 28), 1320 (m 340, 33), 1331 (in 391, 11). im kreise der ganerbeu treffe ich den namen zum ersten male bei ‘ Peterinan von Widdergrien’ 1418 (Hist. Zariugo-Bad. vi 104). Der Verfasser beruft sich auf eine schriftliche quelle v. 48. 172. 250. 624. das verlangt keinen unbedingten glauben, ist aber doch wol nicht eine leere phrase. die braut des rilters Petermann ist nach dem gedieht die erbin von Kärnten, und er soll durch sie dort herzog werden (807 ff) als er dann vorzeitig abberufen wird, erklärt sie 1114 ff: was sie ihm an heiratsgut mitgebracht habe, solle seinen verwandten zufallen, das herzogtum Kärnten wird nicht mehr erwähnt — dem staufenbergischen dichter genügte es, damit zu renommieren, dass einer seiner Vorfahren beinahe einmal herzog geworden wäre, tatsächlich aber hat ein früherer besitzer der bürg, freilich vor de« tagen der ganerbschaft, die kärntische herzogenwiirde besessen: Berhtolt I von Zähringen 1001—1073. die erwähnung des alpenlandes in Verbindung mit einem lierrn von Staufenberg, die Jänickemit halbem erfolg für die t) ich gehe mir verschiedene personell, jedesmal mit ih n evslcn hrh,:;m. XLvrn EINLEITUNG. datiere ng dos gedieh tes verwertet hat, gibt einen würklich wertvollen anhalt für das aller der sage, diese wird sich ursprünglich -auf herzog Beil 1 toll bezogen haben [so würde die sage Baumanns Vermutung bestätigen, dass Berhtolts gemahlin Eichwara eine kärntische prinzessin gewesen sei, Hoyck s. 27]: und mit dieser hezielmng fanden sie die familien vor, die als castienscs einen burgsitz auf dem Staufenberg erwarben, recht wol möglich, dass es davon auch schriftliche künde gab. schwerlich aber gab cs eine alte Aufzeichnung, Wo eine ähnliche' Sage* bei'fiits’ an den ■ Angehörigen einer bestimmten gemeinerfnmilio geknüpft wurde, es wird ein erfinderischer köpf aus dem hause Diemeringen gewesen sein, der die erzählung und damit einen gewissen romantischen nimbus auf einen seiner ahnherren übertrug, w’ir können auch noch mutmafsen, wie er diese Ansprüche begründete, die Diemeringer führten im silbernen Schilde einen roten sparren mit drei goldenen pilger- museheln') und hatten, wie alle gesclilechter mit pilgermuscheln, halbmondon und ähnlichen wappenbildern, selbstverständlich eine familiensago von einem kreuzfn.hrer: auch herr Beter Diemeringer ist im morgenlande gewesen und am heiligen grabe zum ritter geschlagen worden: 124. 340 ff. sie brachten ferner aus ihrer lothringischen heimat, die sie schwerlich vor dem ende des 12 jhs., wahrscheinlich erst später verlassen haben, ähnliche sagen von wasserfraucn mit, wie sic hier eine vorfanden, in der Alsatia für 1854/55 s. 215 ff. trifft man die sage von der perlenjungfer am Diemcringcr Salzbrunnen (nr 22) und die von der krystal- lcncn salz fee (nr 2B). wenn sie nun den gemeinem auf Staufenberg erzählten, dass einer der ihrigen, der kreuzfahrer, daheim ein ähnliches galantes abenteuer mit einer fee bestanden habe, so mochte es iluien nicht schwer fallen, die localsage, aus der vielleicht der namo Berhtolts längst geschwunden und nur noch der burg- herr von Staufenberg übrig geblieben war, für sich zu annectieren. Dass cs die Melusinensage sei, die' sich an den Staufenberger geheftet’ habe, war ein irrtum Haupts 2 ), der mit seiner falschen datierung des werkchens zusammenhieng: denn die geschichte der Melusine ist erst in der zweiten hälfte des 14 jhs. zur aufzeich- nung gelangt, aus der gleichen keltisch-germanischen mythen- 1) Kiudlcr vKn. lat. 8 nr. 94. 2) Zs. f. d. alt. 15, 352. PETEIt VON STAUFENBEKG. 1L Wurzel freilich sind die ortcnauische sage und die familiensago des hauses Lusignan entsprossen, das hat schon Tlicophrastus Paracelsus 1 ) gesehen, und Fischart, der sich auf ihn beruft, zieht auch noch den schwanritter als dritten 'spiritus familiaris’ in vergleich. in späterer zeit freilich hat sich die Melusine des verdeutschten Volksbuches auch in der nähe des Staufenbergs angesiedelt und die namenlose deutsche ‘nymplia oder wasserfrawe’ “) aus der burgsage- verdrängt, sehr lehrreich ist hierfür die von BBaader in Mones- anzeiger 1834 s. SS mitgeteilto geschichte ‘Melusine im Stollen wald’, in der sich Melusine selbst ‘Himmel- Stollens tochter’ nennt 3 ), der liebhaber der fee ist. hier ‘Sebald, der sohn des amtmanns zu Staufenberg’, bei dessen hochzeit auf dem schlosse ‘bekam auf einmal die decke des saales einen spalt, woraus eiii tropfen in den teller Sebalds fiel, der, ohne dies zu wissen, von der speise afs, augenblicklich aber tot niedersank, man sah zu gleicher zeit einen kleinen schlangenschw r eif sich in die decke zurückziehen’, wer jetzt zu der burghöhe emporsteigt, um sich an dem herlichen blick in die waldberge rückwärts und vorwärts ins Eheintal und zum Strafsburger miinster hinüber zu erfreuen, wie ich heuer in der Weinlese, dem hat man oben nichts mehr von Peter Diomringer, wol aber von der Melusine zu erzählen, in Fischarts tagen war das ganz anders: er weifs nicht nur von ‘reimsprüchen und liedern’, in denen die sage ‘diesseits und jenseits des Eheins gesangs- und erzählungsu T eise umgangen’ sei, sondern er beruft sich auch ausdrücklich auf ‘noch heut lebendige landsassen um das schloss Staufenberg, welche dieser hie gedachten haudlung gute kundschaft geben, dass sie dieselbige je und all wegen von ihren vorältern also erzählen gehört.’ Die deutsche litteratur bot lierrn Egenolt eine parallele in der geschichte des grafen Partonopier von Blois und der fee Moliur, der Schwester der Melusine, und es ist kein zweifei, dass die lectiire dieses Werkes bei ihm uachwürkte: schon in der ein- leitung — auchKonrad wendet sich an den bescheiden jungdinc —, 1) Schriften ed. 1590 bd IX s. 45. 09 f.; vgl. FouquSs Jlusen 1812 lieft. 4 s. 198. 2) so nach Paracelsus, Fischart macht daraus eine ‘incer- fee oder Meervcnus’. 3) steckt hierin autscr dem namen der Stolle noch der einer zweiten ganerbenfumilie, der Hummel? Zwei altdeutsche Rittomifcren. d I, EINLEITUNG. um deutlichsten aber in den reden der fee, die mehrfach an die der Melinr, bes. Part. 1950—202S nnklingen. Egenolt liesal's aber überhaupt eine so umfassende kenntnis der werke Ivonrads von WüL'zburg, wie man sie aufser in Basel eben nur in Strafsburg erwerben konnte. Jänicke hat nur den kleinern teil der reminiscenzen nachgewiesen, und der raum gestattet hier nicht, seine Sammlungen zu ergänzen, das mag einer andern arbeit Vorbehalten bleiben, die dann auch abschliefsend sein wird, bisher ist mir die bekanntsekaft mit folgenden werken des dicliters unbedingt gesichert: Weltlohn, Iierzmaere, Otto, Schwanritter, Engelhard, Partonopier, Trojanerkrieg; zweifelhaft Silvester, Alexius. 1 ) in einigen fällen hat schon Jänicke, in andern habe ich der fassung des druekes einfach darum den Vorzug gegeben, weil sie die reminiscenz aus KvW. treuer bewahrt hat.' 2 ) Diese intime Vertrautheit mit Ivonrads werken, deren Stil mit grofser treue, aber freilich geistlos und oft mechanisch nachgebildet ist, muss uns auch den wertvollsten anhalt für die da- tierung bieten: später als 1320 wird eine derartige stilcopie nicht gut entstanden sein, und vor dem tode Ivonrads selbstverständlich auch nicht, innerhalb dieses mensclionalters 1290 1320 aber spricht die gröfsere Wahrscheinlichkeit für die spätere hälfte, die zeit um oder nach 1310. ich verweise auf das, was ich oben über das auftreten des namens Peterman gesagt habe: solange er als eine ganz neue modebildung gefühlt wurde, wird man den ahnherrn aus der kreuzzugszeit doch schwerlich so getauft haben. — mit den historischen beziehungen und Voraussetzungen des werkchens ist wenig, anzufangen. Frankfurt war wahlstadt (758) 1) und Halbe birne: Wolfis versuch, diese schmutzige novelle alsein echtes werkelien ICourads naehzuweisen, ist gewis nicht ohne ein wand, aber doch sehr erwägenswert, das gesamtbild des dicliters erhält dadurch eine unerfreuliche würze; aber man weits auch von modernen poeten, die in herrengescllschaft sieh ganz anders praesentieren, als in ihren gedichten mit goldsclmitteinband. und auf den Stratsburger ndelsstuben, für deren publicum der obscoene schwank gedichtet sein wird, ist es gewis nicht zimperlich hergegaugen. 2) so ist nach d wörtlich v. 232 — Schwanr. 120, v. o87 Troj. 19388. 23308. 23738. 2S362, v. 608 = Eng. 2829. ein stricter beweis ist. das freilich nach dem obeu s. xxxvn über die hihlung des schreibeis gesagten nicht. PETER VON STAUFENBERG. r.r in der zeit, die uns hier angeht, viermal hinter einander: 1292. 1298. 1308. 1314. die falirton nach Preufscn (355) waren zwar um 1300 noch nicht zu dem widerwärtigen sport ausgeartef wie in •der zweiten hälfte des 14 jhs., aber sie waren auch längst keine neuheit mehr, das herzogtüm lvärnten (872) war, wie ich oben gezeigt habe, bereits in der älteren sage enthalten, aber immerhin mögen die verwantschaftlichen beziehungen zwischen Kärnten und dem deutschen königshause, welche das gedieht vorausselzt, erst in oder nach einer zeit in die sage gekommen sein, wo sie einmal faetisek bestanden haben: das wäre die zeit kg. Albrcehts (1298—1308).') Um 1310 also ist das gedieht verfasst worden: ob in Strafsburg oder auf dem Staufenberg, wissen wir nicht und ist auch ziemlich gleichgiltig, denn zur Strafsburger litteratur gehört es auf joden fall, und der dialect oder vielmehr die mundartliche färlning der Schriftsprache würde auch in der Ortenau als elsiissisch bezeichnet werden müssen, dem sprachbild, welches wir für das original voraussetzen dürfen, steht der druck, der schon allerlei gemeinsprachliches ohne consequenz eimnisclit, am fernsten, die hs. aber unbedingt weit näher, als jenes normalisierte mittelhochdeutsch, in das Jänicke ihren text übertragen hat. ich habe also durch ver- gleicliung der urkunden des StUB. bd. in von 1290—1320 schritt für schritt festgestellt, was von der Schreibung von li bewahrt werden durfte; und wo die Schreibung oder die sprachfonnen altertümlicher gestaltet werden musten, da habe ich mich an jene quellen, nicht an unsere ausgaben von Hartmann und Konrad gehalten. 2 ) dass ich aus einem texte, der die quantität der Stammsilben vielfach unsicher und in bewegung zeigt, die circumflexe fortgelassen habe, wird jedermann billigen. Folgende hauptpuncte sind es, in denen ich auf gruml der urkunden der lis. zur Seite bleibe: 1) e für w ; 2) ü (urkk. (//) auch 1) Jänicke s. 56. 2) dass die Strafsburger (und Ortcnauer) urkunden jener zeit eine scharf von der niuudavt geschiedene Schriftsprache darsteltea, tritt besonders in der ängstlichen fernhaltuug des mundartlichen <1 für ti hervor, die bis 1332 (soweit reicht bd in) nnhütt: nur ganz gelegeullicli bricht der gesprochene laut verräterisch durch, wie in der Urkunde nr 261 (nov. 1291), wo neben iar und htm üherwiegeu ior, war, nun, tlt), nttc/t. d* 1 , 1 ! EINLEITUNG. für ür, 3) die teilweise Verdrängung des mhd. auslautgesclzes ; so dass neben tag, gab noch tvip, lip nahezu feststehn, neben manig ( mang ), ewig — oweclich, wunnc(n)clich eonstant bleibt (vgl. /,. b. SfUR m 7t), 30. 125,30: lidig, 110,14. 134, 23: Udec- Hehe, 131,21: blozenctichr ); 4) die hesoiligung der pronominal- enrlimg -in, nlso die, reine für diu, reiniu • 5) üch für iu (pron.) ; (i) die durchführung der endung -ent für die drei pluralformcn des verbs,: aucii imeonj. und im prnot. iud. und eonj.; 7) die formen nüt und sü, die in der lis. vonviogon, in den urkk. {nul und 47/ ) berschen, habe icli überall eingesetzt, in andern fällen war consequcnz nicht Will ich: so erscheinen pracs. und praet. des ver- bums haben in verschiedener gestalt, habe ich tr für dr da gelassen, wo es die Überlieferung bot, das geschärfte tt vielleicht nicht, genügend respectierl. Die beseitigung mancher jüngern Schreibweise rechtfertigt sich von selbst, dass icli o für d nur da dulde, wo es der reim fordert, ist nach dem strengen brauch der urkunden geschehen, ebenso ist danach geregelt die Schreibung der spirans z: daz, saz, groz, maze, aber vergesse, hassen, (vgl. z. b. StUB. iii 158 in nv 500: immer daz, ez , lazen, gieszen, aber 6 mal /nasser, Iloumemesser). den jungem umlaut des u und den des o habe ich consequenter bezeichnet als hs. und urkk., so die conj. praet. würde, hiU/'e, verswünde, möhle; ferner brüeder, wo überall schwanken hcrsclit: aller schon das vereinzelte Vorkommen einer graphischen bezciehnung des umlaut« entscheidet für seine berechtigung. An der spräche unseres autors haben drei factoren anteil der heimatsdialect, die locale Schriftsprache, die reimtradition der höfischen epilc. einem jeden von ihnen wider genau jene rolle anzuweisen, die er bei der niedersclirift des gediclitos besafs, wäre auch einer bessern Überlieferung gegenüber eitles bemühen. 18. 12. 1893. E. S. Anni. 7,n s. xlv ; die herzogo, Berhtolf IV und v vou Zs'ihringcn (1152 — 1218) lassen sieh in ihren eigenen urkunden (Ileye.k, Urkunden usw. d. herzoge von /,.) liald Berhtoldus’ bald ‘Berhtollns’ neunen. T > n MORIZ VON CR AON Zwei altdeutsche» Rittormroiea.