Jahrbücher der Deutschen Geschichte. H.OL VLIO4X0,4880X0 OXO 4III OX1?OIi8'IÖ'IVOXO 8LIXLL N^^L80^LO OL8 X 0X10 8 VOX L^VLLX 404XI4l1XI.4X II. Leipzig, Verlag von Duncker L Humblot. l878. II0IO4O8OL0OOLX OOLLII OIL III8OOLI8OOL OOLILI188IOX OL1 OOR X0XIOO. OOXOL4IIL OLL 4VI88LX80IO4LOLX. Mikipp von Schwaben und Mio IV. von Wraunschweig von Eduard Mittelmann. Zweiter Band. Kaiser (Mo IV. von Wraunschweig. 1208 — 1218 . OOI' V11I10X1.0880X0 11X1) .1111 11X1X118101211X0) 8111X1111 1!O.1118V011'1 1>118 11ÖXI08 VOX IIOVIIIIX 1I.1XI111I.IVX II. 11111I0118OI10111111X H116I1 1)111 1II81'01!I801II1 L01111188I0X Ml 1)111! 110XIOV. 01101)1111111 1)111! 1VI8811X801IO1'111X. Leipzig, Verlag von Duncker L Huinblot. B o r r e d e. ^vie bei dem ersten Bande habe ich auch hier zunächst dankbar der Vorarbeiten zu gedenken, welche von Raumer, Abel, Schirrmacher und Langerfeldt für die allgemeine Geschichte des Reiches während der in diesem Bande behandelten Jahre, von Ficker, Scheffer-Boichorst, Röhricht u. A. für gewisse Persönlichkeiten und Beziehungen innerhalb desselben "Zeitraums geleistet worden sind. Wenn cs mir nun sowohl manchen Vorgängern gegenüber als auch im Vergleiche mit meinen eigenen älteren Arbeiten auf diesem Gebiete einiger Maßen gelungen sein sollte, unsere Kenntniß desselben, wie ich das allerdings glaube, zu erweitern und zu vertiefen, so wird man diesen Erfolg doch in erster Linie der beträchtlichen Vermehrung und Verbesserung der historischen Uebcr- licferung znzurcchncn haben, welche das letzte Jahrzehent uns gebracht hat. Ich konnte außerdem in noch höherem Maße als bei dem ersten Bande Ungcdrucktcs heranziehen, besonders Kaiscr- nrknnden, welche ich thcils selbst auf wiederholten Reisen nach Italien zusammcngebracht hatte, theils durch die freundliche Bewilligung der Centraldirektion der Nonmnonta Lvrinanias und in sehr bedeutender Anzahl wieder durch Herrn Hvfrath Ficker zur Benützung für diese Arbeit erhielt. Die Menge dieser nngedruckten Kniserurkunden wurde allmählich so groß, daß an den ursprünglich beabsichtigten Abdruck im Anhänge des vorliegenden Bandes gar VI Vorrede. nicht mehr zu denken war, und ich zog deshalb alle ohne Ausnahme zu Gunsten einer besonderen Veröffentlichung zurück, welche vielleicht noch im Laufe des nächsten Jahres überhaupt Alles bringen wird, was an bisher nicht zugänglich gewesenen Kaisernrkundcn der Jahre 1198—1273 zu beschaffen war, und das ist nicht gerade Weniges. Heidelberg, 20. Juli 1878. winkeli» a im. Inhalt Einleitung. Vas LSmgrcich Licitien während des deutschen Thronstrcitcs, 1198—1209. . Seite Erstes Kapitel: Jnnocenz III. und Markward von Anweiler, 1198—1202 . 3—S4 Markwards Auftreten im Königreiche 1198 und seine Ansprüche 3. Belagerung von Biente Casino 1199: 6. Schutzmaßregeln des Papstes 7. Verhandlungen zwischen Markward und Jnnocenz 10. Abbruch derselben 15. — Zustände auf der Insel: Das Kollegium der Familiären und der Kanzler Walther von Palear 17.' Markwards Erscheinen in Sicilicn und die ersten Wirkungen desselben 19. Päpstliche Rüstungen gegen ihn 22. Schlacht bei Monreale 21. Juli 1200: 24. Weitere Verwicklungen durch die Einmischung der Familie König Taukreds und des Grafen Walther von Brienne 28. Ueüertritt des Kanzlers zu Markward 33. Brienne im Kampfe mit Dipold von Acerra: die Schlachten von Capua 10. Juni und Caunä 20. Okt. 1201: 39. Des Papstes Versuch, die Verwaltung des Königreiches zu ordnen 1202: 46. König Friedrichs Verlobung mit Sancha von Aragonien 51. Markwards Tod, September 1202: 53. Zweites Kapitel: Jnnocenz III.und Dipold von Acerra, 1202—1207. 55—72 Die Gegner der päpstlichen Regentschaft: Dipold und Wilhelm Capparone 55. Palears Aussöhnung mit dem Papste 56. Unterwerfung Capparone's 58. Kämpfe der Genuesen und Pisaner an der sicilischeu Küste, namentlich um Syrakus 59. Erhebung des Festlandes gegen die Franzosen 1203: 62. Brienne's Niederlage bei Sarno 11. Juni 1205 und sein Tod 63. Dipold tritt in den Dienst des Papstes und befreit den König November 1206 aus der Hand Capparone's 65. Die Versöhnung aller Faktoren wird durch den an Dipold geübten Verrath durchkreuzt 68. Die deutschen Kapitäne neuerdings in Waffen gegen den Papst 71. Drittes Kapitel: Das Ende der päpstlichen Regentschaft 1208 und die Anfänge Friedrichs II.73—95 Befreiung der Terra di Lavoro von den Deutschen 73. Der Landtag zu S. Germano, Juni 1208: 75. Friedrichs Verlobung mit Konstanze von Aragonien 79. Rückblick auf die päpstliche Regentschaft bis zur Mündigkeit Friedrichs am VIII Inhalt. 21. Dee. 1208: 81. Umstände und Männer, welche Friedrichs Persönlichkeit bilden halfen 82. Gregor von S. Gal- gano sein Erzieher 87. Das Aenßere Friedrichs 90. Die Anfänge seiner Regierung: Zerwürfnisse unter den Obcr- behörden 92. Der erste Konflikt mit dem Papste 93. Die Heirath mit Konstanz«: 1209 führt keine Besserung der Lage herbei 94. Erstes Buch. Oie Einigung des Uciches nnicr Otto IV., 1208 und 1209. ^ Erstes Kapitel: Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1205. 99— 130 Möglichkeit der Erhebung des stanfischcn Friedrich nach dem Tode Philipps von Schwaben 99. Otto von Brannschwcig wird durch Albrecht von Magdeburg für die Fortsetzung der stanfischcn Politik gewonnen 102. Weitere Erklärungen für den durch Jnnocenz unterstützten Welfen 10S. Der Papst befürwortet die Verlobung desselben mit Philipps Tochter 110- Die Versammlung zu Halberstadt 25. Juli und andere die Wahl Otto's vorbereitende Versammlungen 111. Das Schisma in Bremen und die Stellung Dänemarks znm welfischen Kömgthume 114. Unterstützung desselben durch England, Bekämpfung durch Frankreich 110. Ludwig von Baiern schließt sich Otto an 121. Der Reichstag zu Frankfurt 11. Nov. 1208: Otto's Königswahl, Aechtung der Mörder Philipps 122. Otto's bedingte Verlobung mit Beatrix von Schwaben 127. Landfrieden 129. " Zweites Kapitel: Die Vorbereitung der Romfahrt, 12«>9 . . . 131 —160 Otto's Umzug durch das Reich 131. Der Hoftag zu Augsburg 6. Jan.' 1209 besonders für Baiern: Anschluß Wolf- gers von Aguilcja 134. Mißfallen der Schwaben an Otto 136. Der Hoftag zu Nürnberg im Febr. bringt den Anschluß von Salzburg, Oesterreich, Kärnthen 139. Verhandlungen mit dem Papste über die Kaiserkrönung 140. Die Legation der Kardinäle Hugo von Ostia und Leo von S. Croce 142. Otto's Versprechungen vom 22. März 1209 und ihre Bedeutung für die Zukunft des Reiches 144. Das Pfingstfest zu Braunschweig 118. Das Vorgehen gegen Dänemark wird vertagt 150; ebenso der längst beabsichtigte Angriff auf Frankreich 152. Reichstag zu Wirzburg 24. Mai: Unterwerfung der bisher widerstrebxiiden Fürsten 155. Verlobung mit Beatrix 158. Ordnung der Romfahrt 161. Vom Gunzenle nach Verona 163. Drittes Kapitel: Reichsitalien vor der Kaiserkrönung Otto's IV. 167—154 Verfassungsstreitigkeiten in den oberitalischen Gemeinden und ihr Zusammenhang mit dem Gegensätze von Mailand und Cremona 167. Ausbruch des Kampfes nach dem Tode König Philipps 170. Beide Parteien bemühen sich um Otto IV. 171. Die zweite Rcichslcgation Wolfgers von Aguileja und seine Restauration der kaiserlichen Rechte in Italien 173. Beschwerden des Papstes über ihn 17 6. Fortdauer der Anarchie in der Mark Treviso 179. Viertes Kapitel: Otto's IV. Romfahrt, 1209 . 185—201 Des Königs Verhalten im Streite zwischen den Este und Romano 185. Von Verona bis Siena 188. Otto eignet sich die Auffassung Wolfgers über die Rechte des Kaiscr- thums an 189. Ergebnisse der mit dein Papste im L>ept. zu Biterbo geführten Verhandlungen 192. Otto's Eintreffen Inhalt. IX vor Rom 2. Okt.: feindliche Gesinnung der Römer 196. Die Äaiserkrönung am 4. Okt. 1299: 198. Zweites Buch. Kaiser Mw IV., 1209->212. Erstes Kapitel: Die kaiserliche Restauration in Italien, 1209 und 1210 . Otto gelobt im Geheimen einen Kreuzzug 20S. Was man von dem neuen Kaiser in England und Frankreich erwartete 2oo. Das Einvernehmen mit dem Papste ist noch ungetrübt, als die meisten Deutschen heimkehren, Ende Oktober 1209: 209. Aufenthalt Otto's in Mittelitalicn bis Ende Februar 1210; Zuriickführung aller Verhältnisse auf den Stand von >197: 212. Rcichsbeamte für Tnscien, Ancona und Spolcto 217. Die Rundreise des Kaisers durch Oberitalien, Mär; bis Juni 1210: 220. Zweites Kapitel: Ursachen und Beginn des Zerwürfnisses mit dem Papste, 1210. Verhandlungen am Ende des Jahres 1209 über die territoriale Auseinandersetzung zwischen Kirche und Reich 230. Steigerung der Spannung durch die beiderseitigen Beziehungen zu Friedrich von Sicilicn 231. Die Erhebung Dipolds von Acerra zum Herzoge von Spolcto, Febr. 1210, bereitet den Angriff des Kaisers auf den Papst und auf Sicilicn vor 232. Verhalten der deutschen Fürsten zu Otto's Plänen 234. Im August beginnen die Feindseligkeiten mit der gewaltsamen Besetzung des tuscischen Patrimoniums 239. Jnnocenz macht vergebliche Versuche, durch Drohungen das weitere Vorgehen des Kaisers anfzuhalten 240. Die Verbindungen desselben mit apulischen Großen und die Wandlungen am Hofe von Palermo 243. Otto überschreitet iin November 1210 die Grenze des Königreichs und breitet sich in der Terra di Lavoro aus 245. Drittes Kapitel: Otto IV. im Kampfe mit Friedrich von Sicilien und dem Papste, 1211.. Jnnocenz spricht 18. Nov. 1210 den Bann aus; die Absperrung der Wege nach Rom behindert kaum seinen Verkehr mit den Gegnern Otto's im Norden 248. Verhandlungen mit König Philipp II. von Frankreich und dessen Verbindung mit deutschen Fürsten 251. Päpstliche Kundgebungen vom 1. Febr. 1211 gegen Otto, um die Wahl eines Gegenkönigs anzubahnen 254. Letzte Anerbietungen des Papstes an den Kaiser, welcher Alles znrückweist 258. "Die öffentliche Ex- commnnikation Otto's 31. März hält den Siegeslauf desselben durch Untcritalicn nicht auf 259. Aenßerstc Gefährdung König Friedrichs, Okt. 1211: 263. ViertesKapitel: Die Rebellion in Italien und in Deutschland, 1211. Die Wirkungen der päpstlichen Aufrufe auf Italien 264. Man wartet auf das, was in Deutschland geschehen wird 267. Zustände in Deutschland während der Abwesenheit des Kaisers 267. Die Agitation gegen Otto IV. 269. Die Kandidatur Friedrichs von Sicilien, von Frankreich aufgebracht, vom Papste zngclassen 275. Eine Fürstcnvcrsamm- lnng zu Nürnberg, L>cpt. 1211, beschließt Friedrichs Berufung zum Kaiscrthuine 279. Der Ausbruch des Bürgerkrieges am Mitielrhein und in Thüringen 281. Die Empörung in Deutschland bestimmt Otto den 'Angriff auf Seite 205—229 230—247 248—263 264—288 X Inhalt. Seite Stellten zu vertagen 282. Seine Vorkehrunsien in Mittelund Oberitalien 283 und schlicßliche Heimkehr, März 1212: 287. / Fünftes Kapitel: Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Dcntsch- ^ land, 1212.. 289-309 Die öffentliche Meinung iin Streite zwischen Kaiser und Papst: Gervasius von Tilburp und seine Lehre von dem auch im Weltlichen dem Papste gebührenden Gehorsam 289. Bischof Konrad von Speier und die angeblich von Otto beabsichtigte Einziehung der Kirchenguter 293. Walther von der Vogclweide als Verthcidiger des Kaisers 297. Stimmung unter den Fürsten bei Otto s Rückkehr: ans den Hof- tagcn zu Frankfurt 18. März und zu Nürnberg 13. Mai 1212 schließen sich die meisten ihm wieder an 299. Der Feldzug gegen den Landgrafen von Thüringen 306. Der Tod der Kaiserin Beatrix von Schwaben ll. August und die Nachricht, daß Friedrich von Sicilicn nach Deutschland unterwegs sei, bewirken einen völligen Umschwung der Lage 309. Drittes Buch. Friedrichs II. Gcgciilnniiglhnm, >212—1213. Erstes Kapitel: König Friedrichs II. Fahrt von Sicilicn nach Deutschland und seine ersten Erfolge, 1212.313- 334 Anselm von Jnstingen, der Bote der fürstlichen Opposition, in Verhandlung mit dem Papste und mit Friedrich 313. Friedrichs Erneuerung der sicilischcn LehnSnrknnden und des Konkordates 315. Aufbruch nach Deutschland, März 1212; Aufenthalt in Rom und Genua 317. Sein Zug durch die Lombardei und sein Auftreten in Schwaben 321. Otto's Absicht, sich in Konstanz und Breisach fcstzusctzen, wird vereitelt 324. schnelles Wachsthum des staufischen Anhangs 326. Otto IV. am Nicderrhcin 329. Die Zusammenkunft Friedrichs mit dem französischen Prinzen Ludwig zu Vauconleurs, 18. November 331. Friedrichs Königswahl zu Frankfurt 5. Dec. und Krönung zu Mainz, 9. Dec. 1212: 332. Zweites Kapitel: Der Verlauf des Thronstreitcs im Jahre 1213. 335—349 Das „Kind von Apulien" und die Ursachen seiner Popularität 335. Friedrich II. in ganz Mittel- und Süddentsch- land anerkannt 339. Er zahlt mit Zustimmung der Fürsten 12. Juli 1213 dem Papste den Lohn für seine Unterstützung ' 342. Die Bedeutung der Goldbulle von Egcr 343. Otto's I V. Angriff auf Magdeburg und Thüringen und Friedrichs erster Feldzug nach Sachsen 315. Drittes Kapitel: Die Entscheidung des deutschen Thronstreites in dem Kampfe zwischen Frankreich und England, 1214 . . . . 350—378 König Philipps II. Vorbereitung auf den von England und dem Kaiser drohenden Angriff 350. Verhandlungen zwischen König Johann, Otto IV. und den Niederländern und die Wirksamkeit Reginalds von Bonlogne 352. Der französische Reichstag zu Soissons 8. 'April >213 und die Wandlungen der politischen Lage 357. Johanns Unterwerfung unter den Papst 13. 'Mai 1213: 361. Der Einfall der Franzosen in Flandern 362. Die englisch-welsischc Coa- lition geht seit Anfang 1214 selbst zum Angriffe über 365. Mißlingen des englischen Feldzuges in Poitou 366. Otto IV. Inhalt, XI Seite an der nordöstlichen Grenze: Vermählung mit Maria von Brabant 367, Zwistigkeiten im Lager der Verbündeten 369. Die Schlacht bei Bonvines, 27. Juli 1214: 371. Auflösung der Coalition: Eroberung Flanderns durch die Franzosen; Stillstand mit England zu Chinon 18. Sept. 1214: 375. Steigen der französischen Geltung 377. Viertes Kapitel: Die Wirkungen der Schlacht von Bonvines auf Deutschland, 1214. 1215 . 379—399 Friedrichs II. Feldzug am Niedcrrhcin 379. Der Uebergang der Rheinpfalz auf die Witrelsbacher 384. Auch Burgund erkennt Nov. 1214 den König Friedrich an. Die Verhältnisse au der unteren Elbe und die Abtretung Nordalbiugiens an Dänemark 386, Friedrichs zweiter Feldzug am Nieder- rheiu: seine Krönung und Krcnznahme zu Aachen 25. Juli 1215: 391. Die Unterwerfung Kölns und der letzten kaiserlichen Plätze im Rhcingebiete 394. Otto's Mißlingen auch im Kampfe mit Dänemark 397. Viertes Buch. vcr Ausgang -cs Kampfes zwischen Btto IV. und Friedrich II., 1215 -1218. Erstes Kapitel: Italien während des deutschen Thronstreites und das Äoncil von 1215 . 403—431 Der kaiserliche Anhang in Untcritalien vereitelt alle Anläufe zu geordneter Regierung 403. Verhältnisse in Mittel- italieu und Bemühungen des Papstes um Ausrichtung des Kirchenstaates 408. Kaiserliche und Königliche in Obcr- italieu 411. Das Papalsystem Jnnocenz' III. und die Berufung des Laterankoncils von 1215: 417. Die Koncil- beschliissc, besonders über den deutschen Throustreit 421. Wirkungen derselben auf Italien 424. Jnnocenz' lll. Tod 16. Juli 1216 und die Wahl Honorius III. 426. Päpstliche Pacification in Obcritalien bis zum Tobe Otto's IV. 428. Zweites Kapitel: Friedrich II,, die römische Kurie und Otto IV,, 1216 . 432—446 Legation des Petrus de Sasso und der Hoftag zu Wirzburg, Mai 1216: Ende des kölnischen Schisma 432; Aufgabe des Regalienrechts 434. Römische Verhandlungen 436. Friedrichs Versprechen vom 1. Juli 1216: 437. Die llebersiedlung des Äönigssohncs Heinrich nach Deutschland und seine Ernennung zum Herzoge von Schwaben 439. Erste Verhandlungen Friedrichs mit Honorius III. wegen des Krcnzzugs 440. Weiterer Rückgang der kaiserlichen Macht 441. König Johanns Bemühungen bei den Niederländern zu Gunsten Otto's 443. Otto's geheimer Verkehr mit Thüringen und Friedrichs Zwistigkeiten mit Baiern und Meissen 444. Drittes Kapitel: Schwächungen des stausischen Königthnms, 1217. 447—459 Friedrich II. und der Kreuzzug 447. Die deutschen Kreuzfahrer des Jahres 1217: 449. Friedensstörungen in Passau, Regensburg, Salzburg 451. Aufstand und Kirchcnstreit in Böhmen 452. Die Neubesetzung des Bisthnms Basel, bur- gundische Händel 453. Greuel in der lothringischen Herzogsfamilie 454. Der Erbfolgestrcit um die Lhampagne und die Einmischung Lothringens 455. Burkhard von Avesues 456. Der holländische Erbfolgcstreit 457. Engelberts von Köln gcwaltthätiges Umsichgreifen 457. XU Inhalt. Viertes Kapitel: Die lebten Kampfe Otto's IV. und sein Ende, 1217. 1218.".466—468 Magdeburgische 461. Friedrich II. vor Braunschweig, L>ept. 1217 : 462. Abfall der Askanier vom Kaiser 462. Otto's Erkranken, Lösung vom Banne, Testament und Tod, III. Mai 1218: 463? Seine Stellung in der deutschen Geschichte 467. Erläuterungen . 469—513 I. lieber den Antheil des Königs von Frankreich an der Unternehmung Walthers von Bricnne gegen Sicilien .... 471 II. Die Erzbischöfe Petrus und Parisius von Palermo^. . . 473 III. Gregor von S. Galgano, Kardinalpresbytcr von Anastasia, als Erzieher Friedrichs II. . . . .. 475 IV. lieber die Zeit der ersten Bermählung Friedrichs . . . 477 V. Otto's IV. Königswahl zu Frankfurt im November 1268 480 VI. Die Provinzialsynode zu Mainz im Februar 1269 . . . 484 VII. lieber die angeblichen Hoftage zu Hagenau und Frankfurt im März 1209 . 485 VIII. Zu Otto's IV. Romfabrt:. 487 1. Der angebliche Hoftag zu Bologna. 2. Otto's Aufenthalt und Krönung in Mailand. 3. Der llebergang über den Apennin. 4. Otto's Versprechungen vor oder bei seiner Kaiserkrönung. 5. Der Krönnngstag. 6. Verhandlungen nach der Krönung. 7. lieber Otto's IV. Kaisersiegcl und sein Wappen. IX. Der Fnrstentag zu Nürnberg im September 1211 . . . 500 X. Magister Gervasius von Tilbnr» und Magister Johann Marcus von Hildesheim. 502 XI. Otto's IV. Hochzeit mit Beatrix von Schwaben .... 505 XII. Die Gefangenen von Bouvincs. 507 XIII. Der llebergang der Rheinpsal; auf die Wittelsbacher . . 510 XIV. Vom Protokolle des Latcrankoncils 1215. 513 Urkunden .515—524 Nachträge zum ersten Bande . 525—536 Nachträge zum zweiten Bande. 537 Orts- und Persouen-Verzeichniß . 538—563 Verbesserungen. 564 Einleitung. Das Königreich Sicilien wahrend des deutschen Thronstreites, 1198—1269. Jahrb. d, dtsch. Gesch. — W i n He l m o n », Otto IV, 1 Erstes Kapitel. Jnuocen; III. und Markward von Auweiler, 1198—1202. Als der Erzbischof Adolf von Köln und seine Genossen im Frühlingc des Jahres 1198 bewirkten, daß der junge Friedrich, Kaiser Heinrichs VI. Sohn, aus der ihm eidlich zugesichertcn Nachfolge im römischen Reiche verdrängt wurde, konnte dieses Ergcbniß der Kurie von ihrem Standpunkte aus Wohl als ein ungeheurer Vvrtheil erscheinen. Tenn jene von Heinrich VI. begründete Personalunion Siciliens mit dem Kaiserreiche, welche ihr die Möglichkeit politischer Bewegung fast ganz genommen hatte, war nun aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur für immer beseitigt, sondern es ließ sich auch mit einiger Sicherheit erwarten, daß der auf das sicilische Königreich beschränk^ Staufer, wenn er heranwnchs, noth- wendig in einen Gegensatz zu dem Könige Deutschlands gerathen werde und zwar gleich sehr, ob dort sein Oheim Philipp von Schwaben oder der Gegner desselben, Otto von Brannschwcig, schließlich die Oberhand erhielt. Wurde jener aber von Deutschland her gar in Sicilien bedroht, so mußte sich das Verhältniß dieses Königreiches zur Kurie noch inniger gestalten. Der sicilische König, oder wer etwa für den Unmündigen regierte, wurde dann erst recht in die Arme des Papstthums getrieben, welches ja schon um seiner selbst willen von vornherein jedem Versuche, die deutsche Herrschaft im Süden wicdcrhcrzustcllcn, mit allen Kräften entgegen war. Die Unabhängigkeit Siciliens bedurfte ebenso sehr des Papstes, wie dieser für seine deutsche Politik umgekehrt des Rückhalts an einem unabhängigen Sicilien zu bedürfen meinte. Aus dieser Gemeinschaftlichkeit der Interessen entsprangen, da die Kaiserin-Wittwe, Konstanze, mit den Deutschen nun einmal nichts zu schaffen haben wollte, ihre Annäherung an Cölestin III. und die engere Verbindung, -in welche sie nachher mit Jnnocenz III. 4 Einleitung. 1198. trat, die Anerkennung der päpstlichen Lehnshoheit über das Königreich, das sie im doppelten Rechte als Erbin der Normannen und zugleich für ihren Sohn, den Erben des Eroberers, regierte, weiterhin die Preisgabe seiner Ansprüche auf Deutschland und endlich, nach einigem Sträuben, der Abschluß des der Staatsgewalt so ungünstigen Konkordates vom Herbste 1198. Es ist gewiß nicht zufällig, daß derselbe gerade in diejenigen Monate füllt, in welchen der Reichstruchseß Markward von Anweiler, auf weiteren Widerstand gegen die Päpstlichen in Mittelitalien verzichtend, wider seinen Eid in das Königreich zurückkehrte und den zahlreichen dort gebliebenen deutschen Kapitänen in seiner Person einen Mittelpunkt gab. Er kam, sei cs auf ausdrückliche Anweisung des Königs Philipp von Deutschland, sei es ohne solche, jedenfalls aber in der Absicht, entweder mit der Kaiserin die Regierung für Friedrich zu thcilen, oder sie ihr ganz zu entreißen '). In diesem Augenblicke ist sie gestorben, am 27. November 1198. Indem nun Jnnocenz, in erster Linie als Lehnsherr, dann aber auch, weil sie ihn in ihrem Testamente zum Reichsrcgcntcn und Vormunde ihres Sohnes bestellt hatte, sich auf der Stelle anschicktc, die Pflichten eines solchen zu erfüllen und die damit verbundenen Rechte auszuüben ^), kam es zwischen ihm und Markward, der das Gleiche, aber aus einem anderen Rechtsgrundc, beanspruchte, zu einem Kampfe, der in seinem Verlaufe sich durchaus als einen Thcil des gleichzeitigen Ringens zwischen dem Papstthnme und dem von Philipp von Schwaben vertretenen Kaiserthume darstellt und in seinen Wirkungen weit über die Grenzen des sicilischcn Königreiches hinausgreift; und zwar nicht bloß, weil Philipp und die deutschen Fürsten seiner Partei Markward als ihren Vertreter anerkannten — denn er ist in Wirklichkeit vielfach seine eigenen Wege gegangen, und mit den Zielen, welchen er bald nachgestrebt zu haben scheint) dürfte Philipp kaum einverstanden gewesen feig-, sondern vielmehr deshalb, weil Markwards Widerstand gegen die Befestigung des päpstlichen Einflusses im Königreiche die allgemeine italienische Politik Jnnocenz' III. so nachhaltig durchkreuzte, daß ihre Durchführung auch dann, als jener gestorben, nicht mehr möglich ward. Welche Wirkung aber dieses Mißlingen des Papstes in Italien aus sein Verhalten zu Deutschland geübt hat und inwiefern dadurch Philipps schließlicher Sieg gefördert wurde, das ist schon früher dargelcgt worden. — >1 Bd. I. S. 110. 201, Anm. I. Hinzu;ufügeu ist noch, daß nach Jnnocenz' Aussage vom August 1200, iksA. 6s nsx. imp. n>. 15, schon die Kaiserin Markward geächtet haben soll: ab iool. rssoi-6. donstontio imperotrios ineruit puvlies 6ikti6ai'i, und die desto. Innos. e. 23 in. sagen es noch bestimmter. *) Bd. I. S. 125 ff. Vgl. dont. duill. 1?/r. in Ilistorisns 6ss droiso- 6ss II, 232: dis 1!st faire unss Isttres, si Iss envoio o I'opostoile et si li inonäoist, gus eie li ioissoit son 61 st so terrs en so Aoräe et en so boillis. dnont Io 6oms c>t ensi otoros son stkoire, si inornt. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1185—1209. 5 Im Interesse Philipps hat Markward den Papst im Königreiche bekämpft, aber zugleich, wie es scheint, mit den selbstsüchtigsten Absichten und als ein Mann, welcher da, wo es sich um die Befriedigung seines Ehrgeizes handelte, kein Mittel scheute und nur zu leicht Recht, Treue und Dank vergaß. Wie schmählich täuschte er das Vertrauen des verstorbenen Kaisers, welcher ihn zum Exe- cutor seines Testamentes bestellt hatte! Er machte niemals auch nur den leisesten Versuch, die demselben zu Grunde liegenden Ideen in ihrer Gesammtheit zur Anerkennung zu bringen; er hat sich auf das Testament nur in denjenigen Fällen berufen, in welchen möglicher Weise aus demselben für ihn selbst ein Vvrtheil erwachsen konnte ^). Er hüllte den Inhalt grundsätzlich in Geheimnis;, und sicher, daß vvn den wenigen Mitwissern Niemand ihn, ihren Vorkämpfer und Genüssen, der Lüge zeihen werde, brachte er in die Ocffentlichkcit nur solche Angaben , welche sein Auftreten nach dem Tode der Kaiserin in den Augen der sicilischen Bevölkerung zu rechtfertigen geeignet waren, in der That aber jeder Begründung entbehrten. Obwohl er besser als irgend Jemand wissen mußte, daß die Kaiserin, ganz abgesehen von ihrem eigenen Rechte, sogar nach dem Testamente Heinrichs befugt gewesen war, dem Papste die Regentschaft nach ihrem Tode zu übertragen, behauptete er dennoch, daß jenes Testament vielmehr ihn selbst zum Regenten des Königreiches bestellt habe?). Er verlangte deshalb von der Bevölkerung, daß sic ihm schwöre, während gleichzeitig Jnnocenz durch die Kar- dinülc Johann von S. Stephan und Gerard vvn S. Adrian für -) Bd. I. S. 457. Neuerdings hat P. Prinz in seiner sonst recht ancrkenncnswerthen Schrift über „Markward von Anweiler" ^ Emden 1875) S. 50 ff. nachzuweisen versucht, daß Markward wirklich im Testamente Heinrichs der Kaiserin an die Seite gestellt worden sei. Ich kann mich davon nicht überzeugen. Alle darauf bezüglichen Stellen sprechen nur davon, daß Markward den Anspruch auf die Regentschaft erhoben habe, behaupten aber nicht, daß er begründet gewesen sei. Oestrr Innoe. e. 23: praotenckon s, gnoä ex t68tamsnto imporatorm ip8g cksvelmt soso dalius regio et regni. Ilvoo. cts 8. l.lerm. s. 1198, Non. (lerm. 8er. XIX, 330: Oaoiusnoem avdatem, ut sivi rsgni inraret vallium, >suoct situ inrpvrator reliizuerat, nt ckiesdat, recznisivit. (Ilirou. 8ie. bei Ilnill.-IIreliollso, Hist. äipl. Trick. II. Tom. I. p. 893: Diesns ss tntorsm soso pnori anetoritate patrio. Aus dem Testamente Heinrichs, besonders I tz. 2 (vgl. Forsch, z. deutsch. Gesch. X, 469), crgiebt sich die Unwahrheit solcher Behauptung, die freilich das (.'armen Tveoau. v. 105, N. <1. 8er. XIX, 291, für baare Münze genommen hat: ()nem (Nare.) pater ack euram pueri regni ckare onrat. Dagegen scheint mir Traue. Tipin., Nnrat. 8er. IX, 03o, oder die Quelle, der er hier gefolgt ist, mehr durch die Sachlage des Jahres 1200 zu einem Rückschlüsse auf die Verfügungen des Kaisers verleitet worden zu sein, wenn berichtet wird: Imporator cknm owi mortem esrnerst imminors, vooatis ack 8v Oermauiae prineipivno, 'I'iieodalcko Xpniiam et Taiavriam gubsr- nauckum rsliguit, ckonee 1ilin8 vino Tr. ack aetatsm psrveuiooet acknitam . . .; euickam alii (Nareualcko) iuoulam 8ieiliau eommenckavit enm kilio pariter et ooiiiuge. 6 Einleitung. 1199. sich den Eid einforderte ^). Bald kam es zu Feindseligkeiten, als Abt Roffrid von Monte Casino, welcher schon dem Papste geschworen hatte, Markwards Verlangen zurückwics und als dieser sich nun mit Gewalt in den Besitz der festen Klosterburg, dieses Schlüssels zur Terra di Lavoro, zu setzen suchte. Die Mannschaften aber, welche Jnnoeenz in der Eile dem Abte zur Hülfe sandte, etwa 500 Ritter und 100 Bogenschützen unter seinem Vetter Land» von Montelongo, waren vollkommen unzureichend ^). Mit bedeutender Macht, welche anfzubringen ihm seine reichen Geldmittel verstatteten, brach Markward in den ersten Tagen deS Jahres 1199 von seiner Grafschaft Molise her über Venafro in das Gebiet der Abtei ein. Die deutschen Burgherren aus der Nachbarschaft, welche dem deutschen Statthalter natürlich lieber dienen wollten als dem Papste, gesellten sich ihm sogleich mit ihren Mannen zu, vor Allen Dipold von Acerra und Konrad von Marlenhcim ch, und ein so gewaltiger Schrecken ging seiner Annäherung voraus, daß die meisten Plätze auf seinem Wege von Einwohnern und Vcrthei- digern verlassen waren, die in Hellen Scharen nach S. Germano flüchteten. Am 7. Januar lagerte er sich vor der Stadt, welche zwar seine ersten Stürme tapfer abschlug, aber während der Nacht, weil Dipold einen beherrschenden Hügel besetzt hatte, vom Abte geräumt ward. Wem es gelang, in der Klosterburg, wohin der Abt sich mit den Kardinälen^) zurückzvg, noch beizeiten eine Zuflucht zu finden, der mochte sich glücklich preisen; denn am nächsten Tage fielen die Sieger „mit deutscher Wuth" über die preisgegebenc Stadt her, in der gar übel gehaust ward und mit um so größerem Grimme, weil ihre Angriffe auf das von Natur feste und durch den Abt noch verstärkte Kloster fürs erste fruchtlos blieben. Und als der Wasservorrath der Belagerten zu Ende ging, da füllte am 15. Januar ein furchtbares Unwetter die Cisternen aufs Neue 0 Bd. I. S. 127. Zu denen, welche Markwards Ansprüche anerkannten, gehörte auch I. slsatus 8. 8svsrink!, der sich von jenem die Berwaltung des Erzbisthnms Salerno, dessen Erzbischof Nikolaus (s. 1, 81) also noch nicht zurückgekehrt war, übertragen ließ und deshalb von Jnnoeenz in Markwards Bann eingeschlossen ward. Ilprst. Innoe. II, i07. 2) Für die Kämpfe um Monte Casino ist Ih-oo. cis 8. llsrin. a. 1199 zu 330 der ausführlichste Berichterstatter; die (losta «. 23 stimmen im Allgemeinen mit ihm überein; die päpstlichen Briefe dieser Zeit, dann 7t.nu. iloa- ean., 51. (I. 8or. XIX, 294. 295, und T^nn. (lasin., ibick. p. 318, bieten noch einige besondere Züge. Vgl. Prinz S. 90 ff.; Elkan, Die (Isota Innoosntii III (Heidelberg 1876) S. 38. ' 2) Diese werden von den 75nn. Osooan. genannt. Betheiligt aber waren doch auch wohl die in Markwards Excommunication lüpist. II, 167 aufgeführten Brüder Dipolds, ferner Otto von Laviano und ein Hermann. Vgl. über diese Bd. I. S. 37. 38. ') Nach Ttmn. Lsooan. scheint nur der Kardinal Gerard sich in Monte Casino eingeschlossen zu haben. Aber liz-oa. cks 8. (Isrm. und die ^.nn. Oasln. sprechen allerdings von den „Kardinälen". — Die Räumung der Stadt war nicht nach dem Sinne des Papstes, welcher für dieselbe die pusillanimitas Iw- rninnin äs 8. Osrmano verantwortlich macht. lipist. I, 557. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 7 und richtete im Laster der Deutschen so großen Schaden an, daß Markward wieder' nach S. Germano hinabging und sich fortan mit der bloßen Absperrung des Klosters begnügte. Er wußte ja, daß die Zahl der dorthin Geflüchteten sehr bedeutend, an Lebensmitteln aber nicht viel vorhanden war, und er rechnete deshalb ans den Hunger, welcher ihm zuletzt doch die Eingeschlossenen überliefern werde. Der Ausbruch der Feindseligkeiten hatte zunächst zur Folge, daß Jnnocenz seine eigene Reise in das Königreich, welche nach dem Tode der Kaiserin geplant worden war'), jetzt nicht auszuführen wagte. Kam es doch für den Augenblick nicht sowohl darauf an,' der Verwaltung des Königreiches eine bestimmte Organisation zu geben, als vielmehr die Mittel zum weiteren Kampfe gegen den Feind hcrbeiznschaffen, der jede Organisation unmöglich machte, und dies konnte allerdings am besten von Rom aus geschehen. Jnnocenz ordnete also schon im Januar an, daß der Kardinaldiakon von S. Maria in Porticu, Gregor von S. Apostolo, an seiner Statt nach Palermo gehen solle, um die oberste Regentschaft und die Vormundschaft des Königs zu übernehmen^), und indem er am 25. Januar dem Kollegium der Familiarcu von dieser Verfügung und seinen weiteren Plänen Mittheilung machte, forderte er sie auf, im Hinblicke auf die Leiden, welche sic bisher von den Deutschen und ganz besonders von Markward zu erdulden gehabt, gegen diese Feinde soviel Geld als möglich aufzubringen, überhaupt darauf bedacht zu sein, daß seine eigenen Anstrengungen nicht durch ihre Lässigkeit vereitelt würden °). Er hatte nämlich nach dem Falle von S. Germano den Kardinalpresbhter Jordan von S. Puden- tiana und seinen Vetter, den Subdiakon Octavian, mit einigem Gelde ') Bd. i. S. 126. ') Vollmacht Gregors vom 17. Februar 1199 vpist. 1, 562. tlnill -vrsii. 1, 28. — Gregor (cts H. Apostolo, in eigener Urkunde lipist. 1, 272, vgl. ^.ota imp. 905) war im Frühliuge 1198 in der Lombardei thätig gewesen, den Widerstand geIen das Reich dort organisirend, s. Bd. I. S. 342. Zur Zeit, als Jnnocenz ihn nach Sicilien zu schicken beabsichtigte, ist er am Hofe des Papstes nachweisbar: am 25. November und 18. December 1198 vstisls, >lsm. snr Iss aetes ä'Innoe. p. 40, und am 4. Januar 1199 Vami, Veits. II, 229. Die Ernennung selbst fällt, wie die erste Mittheilung derselben an die Familiären vpist. 1, 564 zeigt, in diejenigen Tage, als man zwar in Rom schon von Markwards feindlichen Absichten, aber noch nichts von feindlichen Thaten wußte, also wohl in das Ende des Jahres 1198 oder in die allerersten Tage des Jahres 1199. Darauf führt auch eine andere Erwägung. In ur. 564 schreibt Jnnocenz den Familiären: liest testamsntum imperatrieis noüis exspeetsmus psr vsstros nnutios ässtinari; dagegen in nr. 560 — in einem Briefe, welcher jedenfalls nach dem Falle von S. Germano (8. Jan.) und vor dem Abkommen vom 20. Februar, wahrscheinlich um den 25. Januar herum verfaßt ist — heißt es: »uns äs im- peratrieis äispositions esrtioros ottsetl per scriptum nobis a (lamitiaribus) sub impsratriois Imila transmissum. Es ist also nr. 564 viel früher geschrieben. — Gleichzeitig mit nr. 564 wird das schöne Beileidsschreiben an den königlichen Knaben Friedrich sein, vpist. I, 565. Ituill.-Vrsti. I, 27. b) vpist. I, 557. IIuiU.-vrÄi. I, 23. 8 Einleitung. 1199. — er versichert, daß er selbst cs erst habe leihen müssen — in die Abruzzengrasschasten geschickt, um die dortigen Barone und Kron- vasallen in Waffen zu bringen H. In fast begeisterten Worten ries er die Bevölkerung des Königreiches, Weltliche und Geistliche, zur Vertheidigung ihres Landes gegen die Deutschen auf, durch welche ja fast ein Jeglicher an sich oder an den Seinen, an Verwandten oder an Freunden, am eigenen Leibe oder an der Habe schwer geschädigt worden sei 2 ). Seine Absicht ging unverkennbar darauf hinaus, die nationale Erregung der Italiener gegen die Fremden, welche in Mittelitalien den besten Erfolg gehabt hatte, nun auch in den Süden zu verpflanzen und der Mattigkeit desselben zugleich durch eine allgemeine italische Rüstung zu Hülfe zu kommen ^). Er bemühte sich daher, aus der Lombardei und aus Tuscien Verstärkungen für das Heer zu bekommen, das er aus Rom und der Campagna sammelte, und wenigstens die Rektoren der tnscischen Liga zeigten soviel Verständnis; für seine Auffassung der Sachlage, daß sic 1500 bis 2000 Reiter und so viele Fußknechte und Schützen, als das Bedürfniß erheischen würde, auf eigene Kosten zu stellen zusagtcn. In seinem Bestreben, keine Entmuthigung auskommcn zu lassen, weiß Jnnocenz sogar dem Falle von San Gcrmano eine vorthcilhafte Seite abzugewinncn, daß nämlich Markward dadurch veranlaßt worden sei, sich nun vergeblich mit der Belagerung von Monte Casino abzumühen. In der Zwischenzeit könne man sich um so besser rüsten^). Das war aber um so mehr uöthig, je weniger der einheimische Adel des Südens Neigung zeigte, es auf einen ernstlichen Kampf mit den gefürchteten Deutschen ankommen zu lassen. Viele schlossen sich ihnen geradezu an, Andere wagten es nicht, ihnen entgcgen- zuhandeln. Die Brüder des sicilischen Kanzlers, Gentilc und Ma- uerio von Palear, waren schon im Herbste des vorigen Jahres auf Markwards Seite getreten b). Der Graf von Fonds, Richard von Aquila, auf dessen Unterstützung Jnnocenz ganz besonders gerechnet hatte, vcrheirathcte seine Tochter mit Sigfrid, dem Bruder Dipolds von Acerra, und wandte dadurch die Heimsuchung von seinem 0 idick.: in Nareüinin (s. Bd. I. S. 491) nck soinitv8, Imronss st slio8 regio st rsgni tickslsv cknxiinns cksMinnnckos. Nach ltpist. t, 558. 560 rechnete er besonders auf die Grafen Peter von Celano und Roger von Chieti, ro». ex Onntlleon exo., AI. (1. 8er. XXII, 369: Innoeentius manns anxilii porrexit ovsessis et eonatus ovsickentis elisit. 0 Prinz S. 101 fs. über das Einzelne Nach .Xnn. Oasin. erhielt er von Martward Castelnuovo, Fratti und Pontccorvo zur Obhut. Bgl. Jnnoeenz' Glückwunschschreiben au den älteren Grasen und Mahnung, den Gefangenen sorgsältigst zu verwahren, Xpist. I, 575. livee. äe 8. Oerm. p. 331. Die Zeit dieser Gefangenschaft läßt sich nur annähernd darnach bestimmen, daß Dipold anfangs noch bei der Belagerung von Monte Casino milhalf (s. o.), nach Xnn. Oeeean. s>. 295 aber am 30. November aufs Neue in der Terra di Lavoro erschien. Weil indessen jenes päpstliche Schreiben noch zu den Briefen des ersten Jahres gestellt ist, bin ich geneigt, die Gefangennahme in den Februar 1199 zu verlegen. 10 Einleitung. 1199. im Königreiche mächtiger als Markward sei und daß ohne ihn der Letztere nicht viel anszurichten vermöge. Es liegen indessen auch sonst deutliche Anzeichen vor, daß überhaupt Markwards Angelegenheiten damals eine unglückliche Wendung nahmen. Schon der Umstand, daß er nach einem ziemlichen Aufwande von Zeit und einem sehr bedeutenden von Kräften am Ende doch auf die Besitznahme von Monte Casino verzichtete, spricht zum mindesten dafür, daß seine Anwesenheit an anderen Orten nöthiger geworden war. Hatte sein erstes Anstreten und namentlich das über San Germano ergangene Strafgericht so großen Schrecken erregt, daß er unter dem Eindrücke desselben, wie der Biograph des Papstes meint, bei raschem Vorgehen nirgends Widerstand gefunden haben würde, so hat jene ergebnißlose Belagerung die umgekehrte Wirkung gehabt, daß man wenigstens die Möglichkeit des Widerstehens begriff und nun ernstlicher gegen ihn zu rüsten begann. Die sümmtlichen bisher in den Grenzlünderu thütigen Kardinäle glaubten sich bald nach seinem Abzüge von Monte Casino dort entbehrlich und kehrten nach Rom zurück H. Markward selbst scheint der Erkenntniß nicht verschlossen geblieben zu sein, daß eine bloß gewaltsame Festsetzung im Königreiche ihre Schwierigkeiten haben möchte, und er ergriff die erste sich ihm darbietende Gelegenheit, um mit dem Papste in Verhandlung zu treten. Diese wurde durch den Kardinal-Erzbischof Kvnrad von Mainz vermittelt, welcher auf der Heimkehr vom Krenzznge durch Apulien kam, hier mit Markward znsammcngetroffcn sein wird und die Anträge desselben nach Rom übcrbrachtc-). Bescheiden waren sie gerade nicht: sie liefen nach den Angaben des päpstlichen Biographen in der Hauptsache auf Markwards eigene Erhebung zum Könige von Sicilien hinaus. Er habe dafür allerdings nicht die Unterstützung des Papstes, sondern nur Gewährenlasscn verlangt, als Lohn solcher Neutralität aber zwanzigtansend Unzen Goldes auf der Stelle und ebensoviel nach der Einnahme von Palermo geboten; er soll ferner für das Königreich Lehnseid und Mannschaft zu leisten und den hergebrachten Zins zu verdoppeln versprochen haben. 0 Jordan von S. Pudentiana ist dort zuerst März 17. nachweisbar, kott- Iiast ur. 632, dann mit ihm zusammen Johann von S. Stephan und Gerard von S. Adrian Marz 20, ibiä. nr. 637. — Für die im Texte vertretene Auffassung fällt auch ins Gewicht, was Jnnoccnz nachher an Markward selbst geschrieben hat: oum ipsa rsrum sxxsrieutia ts ssrtiliearo cisünsrit, yuoä Valium rsKui uou xioteris ovtiusrs, z>ro guo tuus üaotomm non prot'seit obtinenäo souatus. Lhüst. II, 168. Vgl. Osgta s. 23: Oapta villa_ tautus omn68 tsrror iuvasit, czuoä m .. .. xrotiuus proesgsisset, psus uullos iuveuissat sue malitis rssisteutss. 8scl interim timore osciato spirituezus resumpto, aä rssistsnäum ei ss xüurimi paravsruut. 2s Uesta e. 23: 8psrau8, ^uoä (paziam) z>o38St inolinars promissis, per Louraclum lllaAuut. areü., cis Hisrosol^mitanis tune partiü^is recleuu- tem. st osxs per alios sserets lesit st saute tsutari. Konrad landete am 15. Juli an der apuliswen Küste (Oüron. 8ampstr. p. 46s, und dieses Datum ist wichtig als der einzige Anhaltspunkt für die Fixirnng der weiter zu erwähnenden Verhandlungen. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 11 Damit aber der päpstliche Lehnsherr Friedrichs sich in seinem Gewissen nicht behindert fühle, ans Markwards Anträge cinzugehen, habe dieser sich anheischig gemacht, das schon früher hcrnmgetragene Gerede, als ab Friedrich ein untergeschobenes Kind sei ff, durch Zeugen zu beweisen. Daß Erzbischof Konrad die Vorschläge Markwards befürwortet habe, wird nicht gesagt; indessen schon das scheint wenig glaublich, daß er Anträge dieses Inhalts und nur dieses Inhalts übermittelt haben könnte. Konrad, der in Friedrich den rechtmäßigen König Deutschlands sah und nachher in der Hcimath seine Ueberzeugung entgegen dem Willen des Papstes zur Geltung zu bringen suchte ff, er sollte Friedrichs Geburt haben bemängeln lassen, er sollte dazn geholfen haben, daß dem Sohne seines Kaisers das Letzte genommen wurde, was ihm geblieben war, und ohne allen Ersatz! Aber andererseits: Konrads Bemühungen, die Anerkennung Friedrichs als des rechten deutschen Königs beim Papste zu erwirken, wären von vornherein hoffnungslose gewesen, wenn er verlangt Hütte, daß Friedrich König von Deutschland werde und König von Sicilien bleibe. Da billiger Weise nicht daran gezweifelt werden kann, daß er sich irgendwie mit Markwards Angelegenheiten befaßt hat, und ebenso wenig zu bestreiten ist, daß gerade er eine vollständige Beseitigung Friedrichs niemals unterstützt haben würde, scheint die einfachste Lösung aller Bedenken in der Annahme zu liegen, daß er sein eigenes, auf die Bcrsctznng Friedrichs nach Deutschland gerichtetes Streben, von dem der päpstliche Biograph nichts wußte oder nichts zu melden für gut befand, mit den Wünschen Markwards verknüpfte, über welche jener allem Anscheine nach ganz gut berichtet ist. Für sich allein betrachtet, wären sie unsinnig; im Zusammenhänge mit dem, was Konrad wollte, werden sie verständlich und, was mehr sagen will, dazu geeignet, daß ein politischer Kopf, wie doch der Erzbischof von Mainz gewiß war, ihre Annahme durch den Papst wohl für möglich halten konnte ff. ff Bd. I. S. 499. ff Bd. I. S. 165. ff Einzige Quelle für die Anträge Markwards: Ossta 6 . 23. Bgl. Jnnoc. 1199 Nov. 24 listiist II, 221: Zioiliam sst iuArsssus, 6t non rsgui, ssä rsgis stiain . . . odlitns vsnsüoioi'uin patris sto. . . . sxoiäium nasäitatur, und etwa 1290 Aug. an die Fürsten der staufischen Partei Lsg. äs NSA. iinp. nr. 15: rsAnuin Lurilis st nodis st ipsi (I?riä.) inolisdatur anterrs, volsns ss ipsuin, sieut pro osrto ooAnoviinus, tnosrs rsASin. Prinz faßt die Ergebnisse seiner Untersuchung S. 155 ff. über „Markwards Streben nach der sici- lischen Äönigskrone" S- >05 kurz dahin zusammen: „daß Konrad von Mainz solche Anträge im Namen Markwards niemals hat stellen können, das liegt deutlich vor Augen; Markward hat niemals nach der sicilischen Krone selbst seine Hand ausgestreckt". Den ersten Theil des Satzes, wenn gemeint ist, daß Friedrich einfach Siciliens habe beraubt werden sollen, kann ich wohl unterschreiben, nicht aber den zweiten, und zwar deshalb nicht, weil der Verfasser der 6lesta mit seinem Berichte doch nicht so kurzer Hand sich abthun lassen dürfte. Er giebt wohl dem, was zum Lobe seines Helden Jnnocenz, zum Tadel der Gegner dienen kann, durch einzelne Ausdrücke und Wendungen eine stärkere Färbung; aber ich 12 Einleitung. ll99. Das Endziel aller päpstlichen Bemühungen, die dauernde Trennung Siciliens vom Kaiserreiche, ließ sich auch ans dem von Konrad vorgcschlagenen Wege, mit Friedrich in Deutschland und Markward in Sicilien, erreichen und zwar sicherer, als wenn dort etwa Philipp von Schwaben die Oberhand erhielt. Wenn es sich aber weiterhin darum handelte, der päpstlichen Politik einen starken Rückhalt an Sicilien zu beschaffen, war ein König von dem Schlage Markwards dort unzweifelhaft mehr am Platze als das Kind, das in Palermo saß. Dieses bedurfte auf viele Jahre hinaus selbst des Schutzes; Markward dagegen konnte auf der Stelle eine nicht zu verachtende Unterstützung gewähren. Aus den das Jahr zuvor mit dem Herzoge von Spolcto geführten Verhandlungen ') weiß man, daß Jnnvcenz die Dienste zu würdigem verstand, welche ein starker deutscher Vasall der Kirche würde haben leisten können, und daß er nur deshalb auf dieselben verzichtete, weil die entfesselte nationale Erregung ihm selbst ein Ein- lcnkcu nicht mehr gestattete. Da er nun rücksichtlich Markwards in weit höherem Grade die Leidenschaften für sich anfgernfen hatte, würde eine solche enge Verbindung mit ihm, wie jener Plan sie vorzcichnetc, wahrscheinlich noch mehr Anstoß erregt und ihre Rechtfertigung vor der betrogenen öffentlichen Meinung allerdings große, wenn auch wohl kaum unüberwindliche Schwierigkeiten gehabt haben. Allein der ganze Plan, soviel Löckcndes er sonst haben mochte, war überhaupt undurchführbar, weil er auf der falschen Voraussetzung beruhte, daß Jnnoccnz sich in Bezug ans die deutsche Thronfrag'e noch nicht gebunden habe und mithin ohne Schädigung seines Ansehens die Erhebung Friedrichs zum deutschen Könige unterstützen könne. In Wirklichkeit aber hatte Jnnoccnz schon im Frühjahre, was freilich der aus dem fernen Osten kommende Konrad von Mainz nicht gewußt haben wird, den Wählern Otto's von Braunschwcig die bestimmte Versicherung crtheilt, daß er für dessen Förderung cinstchen wollet: wie Hütte es dem Papste einfallen sollen, diese Versicherung auf der Stelle wieder nmzustvßcn und das in letzter Instanz zu Gunsten eines Mannes, dessen Zuverlässigkeit dadurch wüßte keinen Beleg dafür, daß er irgendwo eine längere Erzählung geradezu erfunden habe. Gleich im Verfolge seines Berichtes, wo er die weiteren Verhandlungen mit Markward zu Veroli und Casaniari erzählt, folgt er Lpist. II, 167, so daß man wohl annehmcn darf, er habe eine ähnliche päpstliche Kundgebung auch für Markwards Anträge benützt. In Bezug ans jene nimmt Prinz S. I V6 seinen Bericht ohne weiteres an: warum nun nicht für diese ? Stammt aber die Kcnutniß dieser Anträge aus einem päpstlichen Erlasse gegen Markward, dann dürfen wir uns nicht wundern, daß der Autor, wie ich' es ansehe, zwar Wahrheit, aber nicht die ganze Wahrheit giebt, und so, wie er sie vorfand, in einer Markward von vornherein möglichst ungünstigen Beleuchtung. Im klebrigen hat er gelegentlich die Acnßerungen des Papstes über Markward gemildert, s. Elkan S. 37. — Die Mittheilung über Friedrichs lknechtheit wird natürlich nicht Konrad von Mainz gemacht haben; aber die Ve8ta sagen selbst, daß Markward auch durch Andere Verbindungen mit dem Papste anknüpste. 's Bd. I. 'S. 103. Bd. I. S. 163. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 13 nicht in hellerem Lichte erschien, daß er dem Sohne seines Wohl- thäters nach dem Erbe trachtete, während er in demselben Athemzuge dessen rechtmäßiger Vormund zn sein behauptete? Obwohl Jnnocenz jene Anträge für verwerflich erklärte und abwies blieb Markward durch seine Freunde in Rom auch ferner mit ihm in Verbindung, sei es daß er den Papst wenigstens seiner Regentschaft im Königreiche geneigt zn machen hoffte, sei es daß er nur Zeit gewinnen wollte, um ohne Störung von jener Seite die Vorbereitungen für seinen wohl schon damals beschlossenen Ueber- gang nach Sicilien treffen zn können. Er erklärte nämlich jetzt, er wünsche Lösung vom Banne, welcher schon während seines Aufenthaltes in der Mark Ancona über ihn verhängt und nach dem Beginne des Kampfes im Königreiche von Jnnocenz erneuert worden war. Als ihm dann die gewöhnliche Vorbedingung gestellt ward, er müsse zuerst geloben, wegen der Veranlassungen des Bannes sich unbedingt dem Befehle des Papstes zu unterwerfen, wollte er zwar anfangs diesen Schwur auf das Gebiet des Kirchlichen cinschränken, fügte sich jedoch, als ihm bcmerklich gemacht wurde, daß um seinetwillen die übliche Formel nicht abgeändert werden dürfte. Er führte die Rolle des reuigen Sünders, welcher nach der Gemeinschaft der Kirche lechzt, mit solcher Gewandtheit durch, daß Jnnocenz wirklich an seine Bekehrung zu glauben aufing, die allerdings der Kirche ungeahnte Vortheile zu bringen verhieß. Welchen Werth er ihr beilegte, andererseits aber auch, mit welcher Vorsicht er die Unterhandlungen geführt wissen wollte, beweist der Umstand, daß er drei der hervorragendsten Kar- dinäle zu denselben delegirte, den Bischof Octavian von Ostia, den Presbyter Guido von S. Maria in Trastevere und den Diakon Hugo von S. Eustachius. Der erste, nächst dem Kardinal-Erzbischöfe von Mainz der vornehmste im Kollegium, war den Angelegenheiten des Königreiches nicht mehr ganz fremd, da er vor einem Jahre mit der Kaiserin Konstanze verhandelt und ihren Lchnseid entgegengenommen hattet; aber ein römischer Vetter hatte auf ihu großen Einfluß, und dieser soll von Markward gewonnen gewesen sein ch. Der zweite hatte schon ein Mal den Auf- > ') (1s8ta I. o.: tautam ßisius iuignitatsin attemlsno, pi'omissiollss Sb odlationso ixsiii3 exssorsvilss inäioavit. Für das Folgende ist des Papstes Brief an Markward Lpist. II, 168 und besonders sein Manifest an die Sichrer Lxist. II, 167 bei Iluill.-Krslr. I, 31 — beide gleich nach den Ereignissen von Veroli und Casamari geschrieben — die Quelle, an welche sich der Verfasser der Hs8ta durchaus ansMeßt, nur Weniges seiner Tendenz gemäß ergänzend. Elkan S. 41 hat z. B. gezeigt, daß die einleitende Versicherung, Jnnocenz habe Mark- wards Trug von Anfang an durchsckant, mit den päpstlichen Aenßerungen selbst im Widerspruch ist. ') Bd. I. S. 122. 165, 2. y (lesta I. o.: Ostisnsis spisoopus, ssänotus oonsiilo T,souis äs Llo- numonto, sonsodriui sui, «zur rsooneiliatlonm bminsmoäi knsrat msäiator. 14 Einleitung. 1199. trag erhalten, mit Markward zu unterhandelnH, und der dritte war zwar erst kürzlich ins Kollegium cingetreten, aber er war ein naher Verwandter des Papstes -), und dieser konnte sich auf ihn unbedingt verlassen. Anfangs nahm die Sache einen ganz befriedigenden Verlauf. Markward kam nach Veroli^) zu den drei Kardinalen, leistete auch wirklich in ihrer Gegenwart jenen Schwur unbedingten Gehorsams gegen den ihm noch zu verkündigenden Befehl des Papstes und wurde darauf vom Banne losgesprochcn Z. Er bat jedoch die Kardinale, ihm den Inhalt des päpstlichen Befehls nicht hier mitzutheilen, sondern die Verkündigung desselben in Casamari vorzunehmen, damit seine dort zurückgebliebenen Leute ihn hören, Zeugen des großen Ereignisses sein könnten. Der Vorschlag hatte seine sehr bedenkliche Seite, insofern man sich durch Annahme desselben ganz in Markwards Hand gab; indessen ans Zureden des Kardinals von Ostia gingen auch die beiden anderen Kardinale auf ihn ein. In Casamari stand für sie ein Mahl bereit, und Markward erfüllte mit ausgesuchter Höflichkeit die Pflichten des Wirthes. Da, gegen das Ende des Mahles, wurde den Gästen zugeflüstert, man beabsichtige sic gefangen znnehmcn und sic dadurch zur Abschwächung des päpstlichen Befehls zu zwingen. Mit Schrecken erkannten sie, in welche üble Lage ihre Vertrauensseligkeit sic geführt hatte. Aber Hugo, im Range der letzte, im Amtsalter der jüngste von den Dreien, faßte sich bald wieder; er erhob sich, und mit jener Festigkeit und Unerschrockenheit, welche er später als Papst Gregor IX. so oft zu beweisen Gelegenheit hatte, und unbeirrt durch die feindlichen Gesichter rings umher, verlas er das ihm von Jnnoccnz mitgegebcne Mandat, welches von Markward Verzicht ans die Regentschaft, Gewähr gegen jede weitere Beunruhigung des Königreiches und des Patrimoniums, Uebcrgabc des noch von ihm Besetzten, Ersatz für den ungerichteten Schaden, namentlich zum Besten der römischen Kirche und der Abtei Monte Casino, verlangte und ihm alle Gcwaltthätigkeiten gegen die Geist- ') Bd. I. S. 108. Harter hat die Verwechslung dieses Guido mit dem 120! ff. in Deutschland fungirendeu Guido von Präncste, gegen welche er I, 938 ausführlich ankämpft, auf S. 242 sich selbst zu Schulden kommen lassen. Unser Guido wurde >206 der Nachfolger des Letzteren als Bischof von Pränestc. Ueber Hugo s. Bd. I. S. 415. 2 ) Lölimer, RvA. luu. ur. 26. 27 hat irrthümlich Barletta; Hurtcr: Be- ruli! — lieber die Zeit dieser Zusammenkunft kann man nur das Eine sagen, daß sie jedenfalls nach dem Juli (s. o. S. 10. Anm. 2) stattgcfunden hat und wahrscheinlich ziemlich lange vor dem 6. November 1109, au welchem Tage die Kardinale Zeugen eines päpstlichen Privilegs im Lateran sind, llKÜelli II, 276: vor diesem Tage, weil sonst zu wenig Zeit bleiben würde für den Briefwechsel bis zum definitiven Bruche mit Markward und die weiteren Ereignisse bis zum Uebergange und ersten Auftreten desselben in Sicilien, von welchem Jnnocen; am 24. November (s. u.) Kunde giebt. *) Jnnoc. I. o.: eseuuäuin seolssias lorinain dsuatieio absolutioui» obtsuto. In, den dest-r wird dies nicht erwähnt. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 15 lichcn untersagte st. „Das ist des Papstes Befehl. Einen anderen dürfen wir nicht geben." Wie Hütte Markward solchen Zumnthungcn gehorchen mögen! Aber er blieb auch jetzt seiner Rolle getreu. In dem wilden Tumulte seiner Leute, welcher der Verlesung antwortete, wehrte er von den Kardinalen alle Ungebührlichkeit ab; er selbst geleitete sic nach Veroli zurück; er gab ihnen sogar eine Beurkundung des von ihm geleisteten Schwures mit; nur bat er, das Mandat selbst zu suspendiren, weil er persönlich mit dem Papste zu verhandeln beabsichtige 2). Er habe ihm gewisse Dinge mitzutheilcn, welche er Niemandem anvertrauen könne. Immer noch bestrebt, die Verhandlungen fortznspinncn, ohne seinen Ansprüchen etwas zu vergeben, versteckte er diese unter dem viel oder wenig sagenden „u. s. w.", welches er in den Zuschriften an den Papst seinem Titel als Reichstruchseß folgen ließest Uebrigens hat Jnnocenz ihm zwar das zu einer Unterredung gewünschte Geleit bewilligt, ihm aber auch zugleich bedeutet, daß von einer Nachgiebigkeit in Bezug auf die Regentschaft des Königreiches nicht die Rede sein könnest. Unter diesen Umständen legte Markward auf die Zusammenkunft selbst weiter keinen Werth. Das Ergebniß jener Verhandlungen mag nicht ganz das gewesen sein, welches Markward sich von ihnen versprochen hatte; aber es war immerhin für ihn vortheilhaft und wurde aufs ausgiebigste von ihm vcrwcrthct. Denn wie mußte das öffentliche Urtheil durch die Vorgänge zu Veroli und Casamari verwirrt werden, als Markward mit schlauer Berechnung überall verkündigen ließ, daß Jnnocenz, der erst vor wenigen Monaten zur Vernichtung der Deutschen aufgcrnfe» hatte, sich mit ihm vollständig versöhnt habe! Wer Schutz vor den Deutschen bei dem Papste zu finden gemeint hatte, sah sich nun schmählich getäuscht. In Rom fühlte man unstreitig die Peinlichkeit der Lage, in welche man nicht ganz ohne eigene Schuld gerathcn war, und deshalb auch das Bedürf- Uebcr die Vorgänge in Tasamari selbst sind wir wieder ganz auf die Kesta e. 20 . 24 angewiesen, mit Ausnahme der Formel des Mandats, welche sie aus I-ipist. II, 167 entnommen haben, lieber kleine Abweichungen s.ElkanS.42. 2) l-Isstn o. 24. Es ist zu beachten, daß Jnnocenz in seinem Manifeste ur. 167 behauptet: mauclntum rsssxit st ss promisit ückslitsr implstnruur. Jeder dieser Sätze ist für sich allein wahr; denn Markward hatte das Mandat vernommen, und er hatte vorher geschworen, cs zu erfüllen. Aber der von Jn- nocenz gebrauchte Ausdruck will mehr sagen, daß nämlich Markward noch nach der Verkündigung des Mandats sich zur Erfüllung desselben verpflichtet habe, und das ist eine vielleicht nicht unabsichtliche Ungenauigkcit. Aus dem Briefe an Markward selbst nr. 168: postulnsti n uolus, nt inanckatuin eurarsinus miserisorckitsr tompsrars, geht hervor, daß M. jene Verpflichtung nicht übernommen hat, und jene Ungenauigkcit ist dann auch in lun. Lxist. II, 179 und von dem Verfasser der Vsstn vermieden worden. Lpist. II, 179. Der Verfasser der össtn scheint die Briefe noch gehabt zu haben, da er ihre Eingangsworte ausführlicher mitthellt. Uns sind weder Briefe noch Urkunden Markwards aus dieser Zeit erhalten. Jnnocenz an Markward Lpist. II, 168 leider ohne Daten. Vgl Prinz S. 108. 16 Einleitung. 1189. niß, durch offene Darlegung des wirklichen Borgangs jener Verwirrung des Urtheils bei Zeiten vorzubeugeu. Es war indessen nicht zu vermeiden, daß diese Auseinandersetzung, welche Jiiuoccnz gleich nach der Zusammenkunft zu Easamari an die Sicilier richtete gleichsam den Charakter einer Entschuldigung annahm: alle Versicherungen, daß die Kirche, wenn Markward wieder die alten Wege einschlagen sollte, auch wieder mit aller Entschiedenheit gegen ihn einschreiteu werde, konnten die Wucht der Thatsache nicht ab- schwächeu, daß Markward vom Banne befreit, nicht aus dem Königreiche vertrieben, sondern im Besitze seiner apulischen Lehen belassen worden war, und wie er, so jeder seiner Genossen ^). Das Vertrauen in die Stätigkeit der päpstlichen Politik mußte bedenklich erschüttert werden, wenn auf der einen Seite Jnnvcenz die Angabe machte. Markward habe geschworen, jeden Theil des Mandats zu erfüllen, also auch auf die Regentschaft zu verzichten, ans der anderen Seite dieser aber mit frecher Stirn log, daß der Papst in seine Regentschaft gewilligt und sogar zwei Kardinäle abgesandt habe, um ihn bei der Uebernahme derselben zu unterstützen^). Ta war Jnnocenz es sich und seiner Sache schuldig, hier um jeden Preis und so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen, und als Markward auf die ihm von den Kardinäle» gemachten Vorstellungen, überdrüssig des Verstcckspieleus, derb antwortete: „er kehre sich weder um Gottes noch um eines Menschen willen weiter an den Befehl des Papstes", wurde aufs neue über ihn und seine Anhänger in den schärfsten Ausdrücken der Bann ausgesprochen, ihr jeweiliger Aufenthaltsort dein Interdikte unterworfen^). Zwischen Jnnocenz und Markward ist dann keine Vermittlung mehr versucht worden: jener konnte und wollte den Preis, welchen Markward beanspruchte, nicht zahlen, und dieser glaubte sich stark genug, sein Ziel auch ohne den Papst und gegen ihn, allein durch Waffengewalt, zu erreichen. Er hatte während des Sommers durch die festländischen Provinzen die Runde gemacht, um die Anerkennung seiner Regentschaft zu erzwingen, und setzte jetzt, als Dipold wieder frei geworden war und ihn auf dem Festlande vertreten konnte, zu dem gleichen Zwecke von Salerno nach Sicilien über, wo seit dem *> Kpwt. II, 167; vgl. oben S. 13. Anin. I. ') iblä.: t^uvil gutem ei nilül super terra lila mnnclgviiuus, . 381. lieber Dipold, der am 30. November schon wieder thätig war, s. 0 . S 9. Markwards llebcrgang nach Sieilien, am welchen Jnnoccn; in seinem Briefe an die Fannliaren vom 27. September Lpis-t. II. 187 noch mit keinem Worte anspielt, darf auch nicht zn spät in den Herbst gesetzt werden, da Jnnoccn; schon am 21. November von seinem Auftreten daselbst, von seinem Bündnis; mit Sarracenen u. A. spricht, Ich,ist. II, 221. Vielleicht war schon die Bevollmächtigung des Erzbischofs von Tarent zu Werbungen, 0. November idid. nr. 200, durch die neuen Nachrichten aus Sicilien veranlaßt. st Vstt- 0 . T. 7. I.pist. I, 502. Ilnill.-IlrOIi. I, 28: uk III nvAgtiis sollioitndiui tnno Lominisnis, >,un6 vel all tntdnin rsxis vd rogiii diszio- oitivnem portinors eognoveris, vioo nostrn. . . provsdrw. ' So haben sie im Namen Friedrichs am 22 . Juni 1199 Montcfiascone und wahrscheinlich auch andere Gemeinden Tnseicns von dem ihm geleisteten Eide entbunden. Ngl. Bd. 1. S. 99. Anm. 7. V Seine Anwesenheit in Messina geht aus Istnst. II. 174 hervor, lieber seine Stellung in Palermo und zn den Familiären, besonders zn dem Kanzler Walter von Palear, gni dmIiAnndntnr enm snporiorsin lindere, vgl. llsstn c. 23. Am 1. Juni ist er schon wieder Zeuge eines päpstlichen Privilegs, tlnllin eln-ist. XIV. Instr. p. 249. lieber ihn vgl. Forsch, z. deutsch. Gesch. VI, 400. 402. IX, 401. Anm. st Bd. I. S. 124. Anm. 3. Für Capua ward im September 1199 eine Neuwahl ungeordnet. Istiid. II, 190. . st Bartholomäus von Palermo verfügt als Inmilinri8 in einem Prozesse, Corleone 25. Mai 1199. ^otn 8nnd. Llni 29 >. 478. Inno- ccnz bezeichnet ihn noch am 27. September als lnmllinriü, s. folgende Anm. Nacl> Jtihrb. d. dtsch. Gesch. — Winkel mann, Otto IV. 2 -18 Einleitung. 1199. Catcmca. Als weltliches Mitglied berief Jniwcenz schon 1199 den Grafen von Paterno, Bartholomäus de Lucy, der sich einen Vetter des Königs nennt, in das Kollegium ^). Innerhalb desselben hat aber der Kanzler, Bischof Walther von Trvja, unstreitig den größten Einfluß besessen. Es mußte ihm nämlich zu statten kommen, daß er selbst, während die übrigen Mitglieder rasch wechselten, fortdauernd im Amte blieb, und da überdies die Erledigung aller Rcgiernngs- geschäftc, soweit von solchen noch die Rede sein konnte, doch hauptsächlich von ihm abhing, hatte Walther am meisten Gelegenheit, sich mit Hülfe seines Amtes auch persönliche Freunde zu verschaffen. Seine Anwesenheit am Sitze der Regierung brachte es endlich mit sich, daß auch die Aufsicht über den jungen König und dessen Erziehung ganz und gar in seine Hände kam und daß des Knaben Charakter im Laufe der Jahre, welche er in Walthers Umgebung znbrachte, vielfach sich nach dem nicht immer lobcnswcrthen Vorbild«: desselben gestaltete^). Die politischen Gegensätze, von denen das Königreich zerrissen wurde, berührten den Kanzler wenig, da er stets allein sich selbst und seinen Vorthcil im Auge hatte. Wenn nicht die Nothwendig- keit einer Entscheidung unaliweislich an ihn hcrantrat, er für seine Person suchte sie nicht ans. Indem er also anscheinend sich um nichts kümmerte, erreichte er doch soviel, daß man in Rom, obwohl man schwerlich auf ihn ein großes Vertrauen gesetzt haben wird, ihn und seine Anverwandten mit bemcrkenswcrther Vorsicht behandelte- Jnnoccnz empfahl dem Justitiar des Festlandes, die Brüder des Kanzlers, welche jetzt als Grafen von Mannpello erscheinen. ?irrns I, 122 lebte er zuletzt im Kloster S. Grcgorio bei Girgenti. Jedenfalls war er bei den Verhandlungen mit Markward im Juli 1200 (s. u.) nicht mehr in Thätigkeit, wahrscheinlich damals schon seit mehreren Monaten todt. ') Bcrard von Messina und Bartholomäus de Lucy erscheinen als familiäres zuerst in einem Briefe des Papstes an das Kollegium vom 27. September .1199 Xzüst. II, 187. IluiU.-IIröli. I, 57 not. Der Letztere nennt sich in eigener Urkunde cl. Il99 msuss 4 an., iuckivt. 3 l— Jan. 1200): liartlcolo- maens clo 1.U6). I)ei et regia gratis, com es Ibrtoriiionis et 200. Rainald kommt noch 1205 als elsetus vor. llAÜelli (1. säit.) VI, 406 ff. 9 (laut. Lkiron. ex UUr. IbintUson sxosrpt., )I.<1. 8s. XXII, 369: Lomes etiam kstrus Oelansnsis vires suus eireu vieinus Gurtes sxtsuäens somi- tutus xlures st durones xlurimos st tere usc^no 8)'p>o»tuin sibi sudiseit. Im Jahre 1200 schlägt er dem Abte von Monte Casino die gegen Dipold erbetene Hülfe ab, kämpft aber bald darnach selbst mit diesem. Itvee. äs 8. Kerin. p. 331. "1 S. o. S. 17. Anm. I. 2 » 20 Einleitung. 1188. selbst als König, an Ort nnd Stelle zu bleiben gedachte'). Ed war nur die Frage, ob die Regierung sich bis znin Eintreffen aue^ reichender Hülfe vom Papste werden halten können. Denn mit gutem Bedacht hatte Marlward sich zur Landung den Hafen Tra- pani erwählt, in dessen Nähe aus den schwer zugänglichen Bergen von Giato die Hauptmasse der Mohammedaner saß, verstärkt durch diejenigen Glaubensgenossen, welche nach dem Tode der Kaiserin, weil sie eine Wiederholung der Grüuelsccnen von 1190 befürchteten, ihre Wohnungen in Palermo verlassen hatte» oder von den Gütern der zahlreichen geistlichen Herren entlaufen waren. Markward rief nun unbedenklich ihren Racen- und Religionshaß, ihre Kampflust nnd ihre Ranbsucht für sich ans und fand, wie sich erwarten ließ, für seinen Ruf bereitwilliges Gehör. Von dem Papste hatten sie nur Verfolgung, von dem Regimente der bischöflichen Familiären wenigstens keinen Schutz zu erwarten, wahrend Markward, welcher ') llvee. cts 8. llsrm. ». 1188 zi. 331: blaro.) I'nnormum properans, Mol» soinpositions eum som'its llvntili cts ?nlsnri». >>nsm llnnltsrins rogni 8ioiliv sano.vllu.rins snstoclsm ro-ps st zmlutii rs1icz>corut, znäuticnn 1'unormi rvoiziit nct munus SNUS. Dian müßte hieraus auf Walthers damals geschehenen ttebcrtritt zu Markward schließen oder wenigstens mit Abel, K. Otto S. 81, nnd Schirrmacher, K. Friedrich I, 18, auf ein geheimes Einverständniß, wenn nickt fast jeder Punkt zu begründetem Widerspruch 'Anlaß gäbe. Geutile von Palcar, Graf von Manupcllo, war wenigstens im Oktober noch auf dem Festlands -s. S. 18 Am». I) nnd kam erst im Frühlingc 12u» nach Palermo, um Markward zu bekämpfen (s. u.), kann also nicht im Herbste 1188 Pfleger des Königs gewesen sein und auch nicht den Palast von Palermo (mit dem Königes an Markward ausgclicfert haben. Palermo wurde vielmehr erst im Juli 1208 von Markward belagert und war noch nicht erobert, als die päpstliche Hülfe kam. Mithin wird die ganze, allerdings wegen ihrer anscheinenden Genauigkeit sür sich einnehmende Nachricht Richards hinfällig, selbst dann, wenn inan keinen Werth darauf legen will, daß nach l'llron. 8ionl. brsvv bei Ilnill.-Ilrsli. 1. 833 Markward, vom Festlande herkonnncnd, gar nicht nach Palermo, sondern nach Trapani gegangen ist. Abel S. 65, dem Schirrmacher I, 20 nnd Prinz S. 117 folgen, sah sich, um jene Notiz zu retten, zu der Annahme gedrängt, daß Markward erst Palermo gewonnen, dann wieder verloren und aufs neue angegriffen habe. Aber wie sehr diese Hypothese in der Luft schwebt, ist einleuchtend, da auch nicht die geringste Spur sonst auf eine Eroberung Palcrmo's durch Markward im Jahre 1183 hinweist. Mnratori, ^.nnuiiVlI. 137, wollte wegen dieser Schwierigkeiten den Satz Richards als spätere Jnterpollation beseitigen. Aber die von mir cingesehene Originalhandschrist bietet sür solche Annahme keinen Halt, so daß eben nur die andere übrig bleibt, Richard selbst habe sich geirrt und das, was zum Ende >201 oder Anfänge >202 vortrefflich paßt ts. o. rsiignsrut, ein deutlicher Fingerzeigs irrthümlich bei 1188 nntergcbracht. — Des Kanzlers Bruder schlug sich' zur Partei der Kirche; Walther selbst fährt fort, in dem nicht zu Markward abgefallcnen Palermo Urkunden im Namen des Königs auszustellen; er hat sich im Herbste 1188 nach Messina begeben (1 Inill.-Ilrsli. 1,40: »ui clvvutwnsin vsstrum in prssontis nessssitutis urtionlo »eulutu 1i,1s soAnovit) nnd anscheinend dies im Widerstande gegen Markward bestärkt, so daß Messina im December für seine Treue Belohnung empfangen konnte, s o. S. 18 Amu. 2; er steht endlich Juli 1200 in den Reihen der Feinde Martwards: es ist ersichtlich, daß er wenigstens bis dahin noch nicht, wie Schirrmacher auf Grund jener Stelle des livss. annimmt, in eine Beziehung zu Martward getreten war. Damit stimmt lässt» s. 25: t'ninilinros rs^is (also auch Walther) Uli SUINMNIN pontitiosin slawnrc; voopernnt, nt ois snin vxlortio nntterst protsotorom. Sicilien während deS deutschen Thronftreites, 1198—1209. 21 an die Regierung Heinrichs VI. anknüpfte, doch einige Gewähr dafür bot, daß er dem Beispiele desselben folgen und sie nicht als Rechtlose behandeln werde. Der war ein Führer, wie sie ihn brauchten*). Die Furcht aber vor diesen wilden Gesellen mag dann auch manche von ihnen bedrohte christliche Stadt, manchen Baron in ihrem Bereiche zur schnellen Unterwerfung unter Markward getrieben haben, und endlich waren die bösen Begierden und Leidenschaften, welche im Umstürze Befriedigung erwarteten, ans der Insel überhaupt nicht weniger zu Hause als auf dem Festlande. So kam es, daß Markward ziemlich allgemein Anklang fand, und am Ende des Jahres sah cs doch so ans, als ob seine Gewalt über die politischen Berechnungen der Kurie den Sieg davvntragen werde -). Ein solcher Sieg wäre von unberechenbaren Folgen gewesen, weit über die Grenzen des Königreiches, ja selbst über Italien hinaus. Denn Markward war niemals aus aller Verbindung mit Deutschland heranSgctrcten, für dessen Thronstreit der Ausgang dieser Kämpfe im Süden nicht gleichgültig war. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der tnscische Graf von Sartcano, Rainer von Manentc, welcher zu der Zeit, als Philipp von Schwaben noch Herzog von Tuscien war, an seinem Hose verweilte und nun plötzlich in Sicilien unter Markmards Freunden auftaucht, diesem des neuen deutschen Königs Weisungen übermittelt und dadurch den Ucbergang nach der Insel beschleunigt haben mag. Als der Uebcr- gang gelungen war, eilte Markward, seinen Erfolg dem Könige Philipp zu melden, und obwohl dieser Brief unterwegs von den Päpstlichen aufgefangcn wurdet, muß ein anderer doch glücklich über die Alpen gelangt sein. In jener Darlegung der Neichsrechtc, welche die deutschen Fürsten der stanfischcn Partei am 28 . Mai des folgenden Jahres an den Papst richteten, bezcichneten sic Markward geradezu als ihren Freund, nannten ihn den Verwalter des h lieber den Anschluß der sicilischen Mohammedaner an Markward vgl. Jnnocen;' Manifest vom 21. Nov. 1199 I-Ipist. tl, 221. Ilnill.-IZrel,. I. 34 ff. und seine nndatirte Abmahnnng an sie bipwt ll, 226. II.-U. 1, 37. — il.inari, 8toria clei ülnsnlinani IIP 571 ff. h Lliron. 8ienl. vrove bei Ilnill.-Ilreli. I, 893: Tain a Oliristianis >inam a 8arraveuis pro inaiors parte rseeptns tnit, cliesus so tutorein esse pnsri anetoritate patris. Vgl. o. S. 5. Anm. 2. — Vielleicht ist mit dieser Rebellion in Verbindung zu bringen, waS das freilich sehr späte ('Iiron. 8ieul. bei Nnratori, 8eript. X, 818 von dem ToScaner Rainer von Manente oder Sarteano (Bd. I. S. 125. Anm. 2) berichtet: t^ni ooines alicpiaincliu toneus pro parts llieti pnpilli rsAnuin, revellavit Posten eontra pupilluin euin oinnivus 8ienlis praeter taineu kanorinitanenses. Das ist richtig, daß Rainer im Jahre 1200 ans Seite Markwards stand. Innoe. I'lpiöt. II, 221 vom 24. November 1109: (nt IXiclerienrn) laeerst etiain matris ziossessione privari, sieut nobis ex transseripto litte- rarnin, cznas INi^Iippo inittevat, innotnit, 8ioiliain ost ingressns. Es ist schwer zu sagen, ob das sient innotnit ans das privari oder anf ingressus zu beziehen ist. Ich glaube das Letztere, obwohl es-immerhin möglich ist, daß Markward in dem ausgefangenen Briese den König von der Nothwendigkeit, Friedrich auch vom sicilischen Throne anszuschlicßcn, zu überzeugen versucht hat. 22 Einleitung. 1199. sieilischen Königreiches und verlangten vvm Papste, daß er von der Bekämpfung desselben abstehe'). Aber eben dieser Zusammenhang der Dinge im Norden und Süden war für Jnnvcenz der größte Antrieb, Alles daranzusetzen, daß er gesprengt werde: wir finden ihn sogleich in einer fast fieberhaften Thätigkeit, als er kaum die Nachricht von der neuen, auf der Jusel erwachsenden Gefahr erhalten haben konnte. Die Erzbischöfe Angelus von Tarent und Anselm von Neapel werden auf der Stelle bevollmächtigt, die nothwcudig- sten Vertheidigungsmaßregcln vorzubcrcitcu -). Der Grvßjustitiar des Festlandes, Graf Berard von Loritello und Conversano, empfängt den Befehl, sich zu rüsten, damit er rechtzeitig zu dem Legaten stoßen könne, der in kürzester Frist einrücken werde ch. Als solcher wird etwa in der Mitte des November der Kardinalpresphtcr Cinthins von S. Laurentius auserschcn; er, der schon in der Mark Ancona Markwards Glück gebrochen hatte, soll ihm nun auch in Sicilicn entgegcntrcten, in der doppelten Eigenschaft als päpstlicher Legat und als Reichsregent, als höchste geistliche und als höchste weltliche Behörde des Königreiches'). Am 24. November wandte Jnnocenz sich mit einem ausführlichen Manifeste an die sicilischen Unterthaneu, welche über Markwards Eidbrüchigkcit und Verworfenheit und über sein Bündniß mit den Ungläubigen belehrt wurden und die Verheißung empfingen, daß Alle, welche gegen sic kämpfen würden, den Ablaß des heiligen Landes genießen sollten 5). Aber zugleich wandte er sich auch an die Mohammedaner selbst: Bd. l. S. 17V. Vgl. meinen Aufsatz: Forsch, z. deutsch. Gesch. XV, 596. 2) Rücksichtlich des Erzbischofs von Tarent 6. November ll!w Ilpl-ck. II, 20V: luvnm uns. (MM »nntüs uoütris N.IÜS ad 8NL0ursum st dwzxwitiousm i'SHiii.zisiliae cksstlrmmrm ... nt illis, gni 188. lat. 188 f. 121, s. n. Urkunden IX. ,, ") Lpist. II, 205. <) 2lm 6. Nov. war, wie aus der Vollmacht des Erzbischofs von Tarent hervorgeht, nach kein Legat ernannt; in dem Briefe an Graf Berard spricht Jnnocenz ganz allgemein von dem künftigen Legaten, ohne ihn näher zu bezeichnen. Das geschieht erst in dem Manifeste vom 24. November, s. folg. Anm. — Raumer U.Ausg.) III, 94, Hurter I, 247, Abel, K. Otto S. 66. 127, und ebenso Schirrmacher I, 19 nennen den Legaten irrthümlich Cencius. So hieß aber der Kardinaldiakon von S. Lucia in Orthea, seit dem Frühlings 1200 Presbyter von S. Johann und S. Paul, der spätere Papst Honorins III. Forsch. ;. deutsch. Gesch. IX, 461. 464 ur. 116. 155. ILpIst. II, 221. IluIII.-IIrell. I, 34. Man wird wohlthuu, am die angeblichen Gräuelthaten Markwards und seiner Genossen nicht zu viel Gewicht zu legen. Grelle Malerei war hier durchaus zweckentsprechend. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1108—1200. 23 er versprach ihnen Anfrechthaltung ihrer Gewohnheiten und jeglichen Schutz, wenn sic der Regierung treu bleiben wollten. Habe der gewissenlose Markward auf die eigenen Glaubensgenossen nicht Rücksicht genommen, um wie viel weniger werde er cs ihnen gegenüber thu»? Es ist schwer zu begreifen, wie der Papst jetzt noch auf eine handgreifliche Wirkung solcher Versprechungen und Ermahnungen rechnen mochte, die jedenfalls zu spät kamen: mehr als diese scheint die Drohung am Platze gewesen zu sein, daß er die damals für das heilige Land geworbenen Kreuzfahrer nöthigenfalls in Sicilien verwenden werde ch. In der That wurde dieser Gedanke später in gewissem Sinne zur Ausführung gebracht. Was Jnnocenz aber zunächst im December 1199 dem Kardinal Cinthins an Mannschaft zur Verfügung stellen konnte, belief sich doch nur auf 200 Soldritter, welche des Papstes Vettern Odo von Palom- bara und Jakob, der päpstliche Marschall, befehligten ch. Mögen die früher genannten Erzbischöfe und die von Jnnocenz aufgebote- uen Beamten und Barone des Königreiches auch ihrerseits einige Mannschaften znsammcngcbracht haben, so darf man doch anuehmen, daß die Gcsammtzahl der Truppen, welche für die Regentschaft des Papstes ins Feld zogen, nicht sehr beträchtlich gewesen sein wird. Doch gelangten sic, wie cs scheint, ohne besondere Schwierigkeiten bis nach Kalabrien, als zuerst ein Anhänger Markwards, der Deutsche Friedrich von Malveto, sich ihnen entgcgenstellte, aber besiegt wurde und den Weg nach Messina freigeben mußte, wo der Kanzler und die anderen Familiären das päpstliche Hülfsheer erwarteten ch 0 üpist. II, 226. IluiU.-IIrelr. I, 37. — Xirmri III, 578. h desto Inuoe. e. 21 (vgl. Elkan S. 44); U^ee. äs 8. derm. p. 331. In der Ankündigung ihres Eintreffens an die festländischen Untcrthanen vom (14.?) December 1109 Ihüst. II, 245 werden die Erzbischöfe von Neapel und Tarent — gui eonstitntionos st eonsustuäiues re^ui plonius nAnoveruut—. der Marschall Jakob und Odo von Palombara geradezu als Adjunkten des Kardinalstatthalters bezeichnet: si super sxsecutioue Imlii äuximus näjuuAsu- äos. llebrigcns wird Odo nur hier und in dem Briefe an die Mohammedaner genannt. Dem Marschall Jakob giebt dlisrrisr II, 56 sonderbar genug den Familiennamen donsilinri. — Ein neuer Aufruf vom 3. Februar 1200 verlangte, daß dem Kardinal alle Staatseinkünfte zur Verfügung gestellt würden 1u subsiäiuin sxpsnsarum et stipeuäis. milituin. Lpist. II, 280. Hullj.- Ilrsli. I, 42. b) desto e. 24. 25. Die Niederlage Friedrichs (vgl. Bd. I. S. 38, Anm. 5. 6) in Calabrien ist auch in lüpist. XV, 114 erwähnt, wo Jnnocenz die Verdienste des Marschalls Jakob aufzählt. — Der Kardinal beurkundet im März 1200 eine Schenkung, die dem bekannten Abt Joachim von Fiore gemacht war, eum euutss in 8ieiiiam Imvereinus trnnsituin per Onlodriam. Vr. äaeodus drnveus 8)älaueus, äoaell. ndd. olironolvA. 1612. p. 144. Xetn 8anet. Loli, ülai 28 (väit. Veust.) p. 479. Abel, K. Otto IV. S. 127, vermuthet mit Recht, daß der Ausstellungsort wohl Messina sein dürfte. AuS derselben Urkunde geht ferner hervor, daß'der Justitiar von Calabrien, Simeon von Mamistra, sich den Päpstlichen anschloß. Vgl. über diesen Forsch, z. deutsch. Gesch. XII, 561. 24 Einleitung. 1200. 1S«X> Die Verwirrung, welche um diese Zeit auf der. Insel allgemein gcwvrdcn sein muß, spiegelt sich wieder in dem Schweigen aller Quellen über die Ereignisse, welche dvrt die erste Hälfte des Jahres 1200 ansfüllten. Aus dem Zustande der Dinge um die Mitte des Jahres kann aber nur soviel znrückgcschlvssen werden, daß die Anhänger des Papstes nicht im Stande gewesen sind, der um sich greifenden Jnsurrection und dem Abfälle zu Markward Einhalt zn thun und daß die Autorität der Regierung sich zuletzt nur noch auf Messina und Palermo beschränkte'). Am Ende des Juni griff Markward, im Besitze des festen Monrealc, die Hauptstadt selbst an 2 ). Seinen Deutschen hatten sich Schaaren von Mohammedanern, aber auch 500 Pisaner^) zugesellt, welche wie einst zur Zeit Heinrichs VI., sowohl bei sich zu Hause in Tuscicn als auch in der Fremde, unter der Fahne des Kaiserreiches am besten ihrem Vortheile zu dienen meinten. Zwanzig Tage dauerte die Einschließung und die Roth war in Palermo schon ziemlich h Königliches Privileg für Palermo September 1200: pro lidolitato nolns servanda, eo vidolioet uooessitatis articulo, ipeando pro turdationo 8ieilio rara tides erat in aliis ot t'oro singul i titubalmnt, non solum roruin vsstraruin dispondium, verum stiain porsonnruin porloula konstanter et tidelitor pertulistis. Daß Palermo nicht von Marlward erobert ward, ergicbt sich aus dem Folgenden, vgl. oben S. 2». Anm. 1. Der Stadt Messina, welche in der erwähnten Urkunde vom 3. Deccmber gleiches Lob erhalten hat, bezeugen auch die Oosta Innoo. e. 24: czuao nuinzuam in Uao tompostato a via regia dooliuavit. Bom hohen Adel ist nur Paganns de Parisio, Graf von Alife und Bntera, auf der Seite der Regierung nachweisbar. Friedrich I2»u December, ungedruckte Urkunde für S. Maria (de älartorano) in Palermo. Auf diesen Augenblick des langen Bürgerkrieges scheint sich die Bemerkung des l'ont. Ouill. I'vr. (lioouoil des irist. des oroisadss II) p. 233 zn beziehen: izno U rois n'ot rion 2 ot epro it ns ii domora czuo 2 oitkm an Oosilo, Illossino ot kalormo, während der folgende Satz ot Io oliastol pristront il do Oaiorino ot I« toiiront au roi ein Ereignisi späterer Jahre darstcllt. — Den Mönchen von Monreale wirft Jnnoceiiz am 17. Juni 1203 vor u. A., daß sie soorotnm iproddar», (prod dobedat oauto oolari, non oxpavistis nelpiitor rovolaro, uuds mala ornuia, 1. ueczuissimo xuetum non tuosreut uegus tinein. idül: Llureseullus ... eum suis iu extreme loeutus eustslium tsusdut. ^muri, 8toriu ekel itlusulmuui III, 580 hält dies Kastell für die Cuba und, wie ^s scheint, mit Recht, wie er denn überhaupt die beste Auskunft über die im Schlachtberichte verkommenden Dertlichkeitcn giebt. 26 Einleitung. 1200. sein Bruder Manerio die Aufgabe hatten, die Vau den Pisauern und zahlreichen mohammedanischen Schaaren besetzten Höhen vor Monreale^) zu erstürmen; doch auch hier wandte sich der Sieg allmählich den Päpstlichen zu. Bis drei Uhr Nachmittags waren die Anhänger Markwards auf der ganzen Linie geschlagen und in voller Flucht, der Emir Magded gctödtet, Rainer von Manente und Viele mit ihm gefangen, das Lager erobert und ungeheure Beute gemacht. „Das ist der Tag, den Gott gemacht", jubelt Anselm von Neapel in dem Berichte, welchen er dem Papste über die Ereignisse bei Palermo einschickte, und er mochte wohl triumphiren, da nach der unfruchtbaren Kriegführung der letzten Monate ein so bedeutender Erfolg gar nicht mehr hatte erwartet werden können. Das Hanptverdicnst um denselben aber schreibt er merkwürdiger Weise nicht dem Grafen Gcntile zu, dessen Erstürmung der Höhen vor Monreale eigentlich die Entscheidung hcrbeigeführt hat, sondern dem Marschall Jakob, dessen Leistungen er seinem päpstlichen Vetter gegenüber mit aller Macht hcransstrich ^). Der Kardinal Einthius ernannte kraft seiner Vollmachten als Statthalter des Königrciches den angeblichen Sieger zum Grafen von Andrias). Junocenz belohnte ihn obendrein mit tausend Pfunds. Erzbischof Anselm von Neapel erhielt den Titel eines KardinalprcSbyters von S. Nereus und S. Achilleus °). Kurz, alle an der Unternehmung gegen Markward Betheiligtcn empfingen vom Papste Beweise seines Dankes — nur die Familie Palear ging, soweit wir sehen können, leer aus. Wurde etwa das Verdienst des Grafen Gentile dadurch beeinträch tigt? daß er des Kanzlers Bruder war? >) So glaube ich für eomits Llalx-ario des Textes lesen zu dürfen, idicl.: Noutis IksAnkis moutaua: ^.mari I. e.: aviu' o' pure, tra i Nus kuogtü eliiamati in. »Mi 1a lioaea 6 II Vouts ctsila Orasia. r) Auch lizmo. cts 8. <4vriu. a. >199 p. 1131 sagt von Jakob, den er zu früh zum Grasen Audria macht: czui ipsum Narcunläum snmpestri üslto cksvicüt et luxavit. Von dem folgenden Satze ist nur earcliualis in 8ieilia erkennbar und auch das von neuerer Hand nachgezogen; es muß deshalb kühn genannt werden, daß der letzte Herausgeber daraus: et toto tuuv rezruo op- tento ckistus earäinalis in Lieilia transivit. glaubte ergänzen zu dürfen! Keine Ergänzung konnte unglücklicher sein, da weder das ganze Königreich erobert worden ist noch der Kardinal nach Sicilien überzugehen vermochte, weil er sich schon in Sicilien befand. Ebenso verfehlt ist die Ergänzung am Anfänge des Jahres I20V. -°) Stur so ist der Hergang zu fassen j wenn es in den (Issta e. 28 von der Verleihung heißt: In tautum maresealei strsuuitas st prucksutia non solnin reZi st kamiliaribus, verum stiaiu uuivsrsis . .. Fratu oxstitit st asospta, ut oi, oominuni oinniuin sousilio st t'nvors, somitntus 2l.uctriao clonarstnr, rsA.ali privilsKio aursa bulla innnito super ipsius sidi oonoss- sions eollato. Stur der Kardinal konnte mit Zustimmung der Familiären die Schenkung machen, welche dann der Kanzler auszufertigen hatte. -^1 Kür dieses Geld verpfändet Jnnocenz ihm das eastrum Ximpliae, welches er ihm nach der Zahlung der Pfandsnmme im Jahre 1212 als lebenslängliches Marschallslehen übertrug. Ilpist. XV, 114. Gregor IX. hat am 29. Juni 1221 dem Sohne Jakobs wegen der Verdienste des Vaters die Verleihung erneuert. Vüsiusr, (lock. äom. tsrnp. I, 85. A Ernannt Jan. 1201. Lpist. III, 44. Auffallender Weise erzählt die Magdeb. Schöppenchronik S. 131, daß derselbe Titel 1206 dem Erzbiichofe Albrecht von Magdeburg ertheilt worden sei.' Anselm ist aber erst 1215 gestorben. Sicilicn während des deutschen Thronstreitcs, 1168—12og. 27 Das interessanteste Beutestück war unzweifelhaft das Original des kaiserlichen Testaments, welches man im Gepäcke Markwards vvrfandH, jenes Docnment, welches, von ihm sorgfältig geheim gehalten, zur Begründung seiner Ansprüche hatte dienen müssen, aber auch dann, wenn es rechtzeitig bekannt geworden wäre, den Gang der Dinge nach dein Tode des Kaisers schwerlich in andere Bahnen zu lenken vermocht hätte. Jetzt freilich, da sein Inhalt längst von den Ereignissen überholt war, hatte cs nur noch einen historischen Werth, obwohl Jnnocenz später sich gelegentlich auf seine Bestimmung berief, freilich in anderem Sinne, als Heinrich VI. sie gemeint hatte-). Die unmittelbare Wirkung der Schlacht von Monrcale ist in alter und neuer Zeit vielfach überschätzt worden. Jnnocenz selbst schöpfte ans der vermeintlich vollständigen Niederlage Markwards den Muth, nun auch den Freunden desselben in Deutschland, den Fürsten der staufischen Partei, schroff cntgcgenzutreten; er meinte, daß Markward jetzt nvthgedrnngen auf andere Gedanken als feine bisherigen werde kommen müssen^). Er täuschte sich. Denn sowohl die Beschaffenheit der Banden, welche Markward an sich gezogen hatte, als auch die Natur der Insel brachte es mit sich, daß die Geschlagenen sich sehr bald wieder zu sammeln vermochten, weil keine nachhaltige Verfolgung stattfindcn konnte. Am empfindlichsten mochte für ihn der Verlust so mancher deutschen Landsleute sein, die doch immer seine zuverlässigsten Stützen und für den Augenblick gar nicht zu ersetzen waren. Im Großen und Ganzen hat sich aber die Lage auf der Insel auch nach der Schlacht von Monrealc nicht im geringsten geändert, und von denen, welche zu Markward abgefallen waren, verließ ihn auch nachher Niemand, obwohl er nochmals bei Randazzo im Val Dcmone eine Schlacht verlor, — ein Beweis, daß seine Macht keineswegs als gebrochen galt^). Eine energische Ausnutzung der über ihn erfochtenen Siege wurde auch durch die Geldnoth der Regierung verhindert, welche so groß war, daß es selbst dem königlichen Kinde oft am Nöthigsten gebrach ^). OsMa s. 27. Vgl. Band I. S. 10 Amn. 5; S. 183 ff. Bd. I. S. 358 Änm. 1. 2) lis^. äs nag-, iinp, nr, 15 (vgl. Bd. I. S. 182): ita est soinpvsssns, nt gnnsi äiltiäsns longs atinä sanitäre soAatnr. — Ollsrrisr II. 61 hat das Richtige gesehen: sito snt plus ä'voiat ans äs 8oiiäitö. st Obran. 8ionl. ürsvs bei IlniU.-INsli. I, 803 nach der Schlacht von Monrealc: niinioininno jirstvr sivitatsin kanorin. oinnia lass, 8ieitis oidti- nnit. Oontrn hnein stiain ä. ennsellarins proosssit st snm soäsni nrslio eoinmisso in territorio tsrrs linnäaeü (westlich von Taormina) siinilitsr iäsm nmreino in sninpsstri velio äsvietno Init. IN nitiitoininns oinnss 8ieuii n 8na tiäsütnts non äiscsäevant. Ans die Hervorhebung des Kanzlers ist kein Gewicht zn legen, da dieselbe Quelle ihn aucki bei der Schlacht von Monrealc allein als Sieger bezeichnet. st itnä. schon vor Markwards Landung in Sicilien: ^,ä tantain äsvsnit (rsx) invznnin, cznoä vix Iiabervt, >,noä soinsäerst. Dies erscheint weiter auSgefiihrt im Ollrou. 8is. bei Nnratori X, 816: Vanormitansnsso. . . nn- irisrunt snnäsin Vrsäsrionm, nnuo nnns eivis nna ilsüäoinaäa, attsr sivis nno insnss st sio äsinäs sneosssive, äones Init stksctns nnnornin Isrs ss^tsin. 28 Einleitung. 1200. Was durch Anleihen und DomainimvcrkäuflN) aufgebracht ward, reichte so wenig hin, um die Kosten der Kriegführung zu decken, daß der Marschall Jakob, dessen Leute überdies von Krankheiten arg heimgesncht wurden, im Herbste den Kampf auf der Insel ganz anfgab und auf das Festland zurückging ^). Alles gestaltete sich für Markward wieder aufs günstigste, und obendrein kam gerade zu dieser Zeit unter den ihm Gcgcnüberstehcnden jene Spaltung zum offenen Ansbruch, welche schon vor der Schlacht bei Monreale sich angekündigt hatte. Jnnocenz ist immer bedacht gewesen, das altnormännische Element im Königreiche gegen das deutsche zu stärken. Im Frühlinge 1198 erwirkte er bei dem eben zum Könige gewählte» Philipp von Schwaben die Entlassung der sicilischen Bischöfe und Barone, welche Heinrich VI. als Staatsgefangene über die Alpen geschickt und zum Theil zur Blendung vernrtheilt hatte ^). Der spätere Propst Burkhard von Ursperg hat als junger Mann weltlichen Standes damals die Frcigewordenen am römischen Hofe gesehen, wo man ihre Schaustellung zur Steigerung des Nationalhasses ansbcntcte. In die Heimath zurückgekehrt, wurden sie ans Wunsch des Papstes von der Kaiserin Konstanze in ihre alten Würden und Lehen wieder eingesetzt H, als die zuverlässigsten Bundesgenossen gegen die noch N November 1200 dem Bischöfe Stephan von Patti pro so, «pwä in nostro nsesssitatis artienlo 17 tarenornin inilia oxlriönit Onaltorio . . . pro servitiis nostri« st tlresanrnin et alia bona ooolesis sno llevots satis lino- raliter et liösnter exposnit ete. Ilnill-Ilrölr. 1, 03. December 1200 den Domherren von Palermo: pro terra, Lalnrei eurie nostrs 25 inilia tarsuos solvistis, cpri tuornnt in ardnis roz-ui nostri ne^otiis distribnti, iöid. j>. 09. Die übrigen Donationen dieser Monate werden auch nicht umsonst gemacbt worden sein. — In dem Vertrage mit Genna vom December 1200 (ilrid. p. 65. lud. inr. dan. I. 462) hatte die sicilische Negierung sich verpflichtet, fünf Jahre lang je 2000 Goldunzen zu zahlen. Aber schon zur Abtragung der ersten State mußte ein Theil der Kronjuwelen verwendet werden. Xnn. da»., >Ion. 201 (Issta o. 33: praetor panea, dnin inorain laoorout, nilril vol in aeoossn vsl in roesssn nrilites nostri a tuis tainiliaribns roespornnt. Nach diesen beiden Briefen hat der Verfasser der Ossta e. 28 gearbeitet. Vgl. Elkan S. 45. Jener Vorwurf, den anch Prinz S. 121 aufnimmt, ist aber ungerecht; denn aus dem Obigen ergicbt sich zur Genüge, daß die Familiären selbst nichts hatten und daß eben alle Mittel erichöpit waren. Vgl. Xinari III, 575 über die Verödung des Vandcs durch die Flucht und den Aufstand der mohammedanischen Landbe'völkernnq. -) Bd. I. S. 79-81. p 1,'Iiron. IlrsperA. a.a. 1198 p. 366: IMpa, nt odiosuin plus roclclorst I^Iri- lippnin, eoinitos illos eaooos st viros nobilss st porsonatos Isoit doinon- strari inultis in ouria lloinana oxistontilins. ItM ,pro«ins . . . liomao vidi sosdein. — tlssta o. 22: ?ro praodivtis oaptivis, liest jain lilrsratis, adlrne tarnen sxnlidns, roxavit iinperatrieoin per nnnliuiir ad Iioe speeialitsr dsstinatum eisqne rostitutionis ßratiain impotravit. lieber den Erzbisebof Nikolaus von Salerno s. o. S. 0 Anm. I. Im August 1200 erhielt er ein königliches Privileg. Iluill.-Itreli. I, 51. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 29 immer unbczwunpencn deutschen Kapitäne, denen jene ihre Verbannung und Verstümmelung sicherlich mit glühendem Hasse zahlten. Van dieser Restauration waren die noch übrigen Glieder der Familie Tankreds ausgeschlossen geblieben. Denn wenn cs irgend einen Punkt gab, in welchem die Kaiserin mit ihrem verstorbenen Gemähte vollständig übercingestimmt hatte, so war es eben die Anschauung, daß Tankrcd ein Usurpator ihres Rechtes gewesen sei. Inzwischen hatte Tankreds Wittwc nach ihrer Befreiung aus der deutschen Gefangenschaft und wahrscheinlich noch im Laufe deS Jahres 1198 ihre älteste Tochter Alberia mit dem Grafen Walther von Brienne vermählt U, doch wohl in der Absicht, an ihm selbst, an den ihm nahe verwandten Grafen von Montbeliard und überhaupt in dem abenteuerlustigen Adel der burgundisch-französischen Grenzgebiete Vertheidiger ihrer sicilischen Ansprüche zu gewinnen. Die Wirkung blieb nicht aus. Es waren gerade jene kritischen Frühlingsmonatc des Jahres 1200, in welchen der Ansgang des gegen Markward unternommenen Kampfes zu den schwersten Sorgen berechtigte, als Graf Walther mit seiner Gattin und seiner Schwiegermutter sich dem Papste vorstcllte und zur größten Verlegenheit desselben Anspruch erhob ans die Grafschaft Lecce und das Fürstenthum Tarent, welche Heinrich VI. allerdings im Jahre 1194 der nvrmännischen Familie für ihre Unterwerfung zugesichert hatte 2). Das Recht auf diese Lehen schien unzweifelhaft, da die weibliche Erbfolge im sicilischen Reiche zugelassen war 3). Daß sie b Vgl. Bd. I. S. 80. Graf Walther und sein Bruder Johann, der spätere König von Jerusalem, waren die Söhne des Grafen Erard II. von Brienne. Xlboricms äl. 0. 8s. XX III, 903. Das Oürou. Vrsp. p. 369 nennt die Brüder ucwllas gniclain, sack paniioras. Ihre Verwandtschaft mit den Grafen von Montbeliard legt der Oont. Onill. ühr. x. 234 dar. lieber Walthers Hcirath mit Alberia und den angeblichen Antheil des Königs von Frankreich an derselben s. Erläuterungen I. lieber Alberia's spätere Schicksale und die ihrer Schwestern vgl. Vüoiuns Vuseus, V. 0. 8s. XXII, 499 und Oout. (Inill. Ih-r. p>. 236. Letzterer irrt darin, daß eine Schwester den Grafen Jakob von Tricarico gehei- rathet haben soll; das that vielmehr Alberia selbst nach dem Tode ihres ersten Mannes, des Grafen von Brienne. 9 Einzige Quelle ist für das Folgende der undatirte Brief des Papstes an die Familiären Oastn a. 25 mit den Bemerkungen, welche der Verfasser der Biographie ihm vorausschickt. Vgl. Man S. 48 Das Wesentlichste aus jenem Briefe hat Jnnocenz an König Friedrich 3. Juli 1201 will. o. 33 wiederholt. Ich werde es nicht vermeiden können, hier die Verschiedenheit meiner Auffassung von der Tchirrmachers, König Friderich I, 22 ff., öfter zu betonen, als es mir lieb ist. ^1 „Wie ließen sich des Grafen Ansprüche rechtfertigen, da König Heinrich dem jungen Wilhelm Lecce und Tarent nicht als ein in weiblicher Linie erbliches Lehen ertheilt hatte?" Schirrmacher I, 23. Bekanntlich haben wir nicht die Verleihnngsurkunde, und es dürfte deshalb nicht gerechtfertigt sein, so bestimmt über ihren Inhalt abzusprechen. Nach den Ermittelungen Toeche's, K. Heinrich VI. S. 342, die sich besonders auf Xun. (Hu. p. 317 stützen, war Wilhelm III. nur Tarent, Lecce aber der Königin Sibylla gegeben worden, so daß wenigstens rücksichtlich Lecce's die Ansprüche des Grafen von Brienne, die er eben mit Zustimmung Sibylla's geltend machte, durchaus gerechtfertigt waren. Alberia vcr- 30 Einleitung. 1200. durch die übrigens nicht bewiesenen Umtriebe Sibylla's gegen Heinrich verwirkt worden wären, konnte wohl von deutscher Seite behauptet werden, aber die Kurie von ihrem Standpunkte nimmer zugeben. Jnnoccnz, der selbst ein Jahr früher den aus Deutschland zurückkehrendcn Verbannte» die Wiedereinsetzung in ihre alten Verhältnisse ausgewirkt hatte, durfte am wenigsten das gleiche Recht der ganz besonders hart betroffenen Erben Tankreds mißachten. Doch auch denjenigen, welche das Recht selbst nicht leugnen konnten noch mochten, mußte sich Wohl die Frage aufdrängcn, ob nicht gewichtige Zweckmäßigkeitsgründc eine Anerkennung und Durchführung desselben unter den obwaltenden Verhältnissen wi- dcrricthcn. Zunächst kam da in Betracht, daß Lcccc schon seinen Herrn hatte, den vom verstorbenen Kaiser im Jahre 1195 eingesetzten Grasen Robert H, dessen Recht auf Lcccc die Kurie nicht nur fügte nachher in Lecce ganz als Herrin, gab ihre Zustimmung zu einer Schenkung Walthers an das S. Nicolansllostcr in Lecce, IlAlielli (2. ollit.) IX, 78, und brachte ihrem späteren Gatten die Grafschaft als Mitgift zn, 'I'Imimw Tnseus I. e. — Wie stand es aber mit den Ansprüchen auf Tarent? Die Natur dieses Lehens vermag ich allerdings nicht nachzuweisen; aber weibliche Erbfolge war ja in Apulien nickt ungewöhnlich, wie denn auf derselben auch das Recht der Kaiserin Konstanze beruhte. Ferner hat Friedrich II. später festgesetzt Oonst. rsAni 81e. INI». III tit. 26: 8i tantnm tomins tsnpsr-) tusrint. ixss.8 . . . . tzxclnsis nliis ooiwanAninsia, volnmns nü önaevssionein (zmtrio) mlmitti, und tit. 27: Hx eollatorali linoa. voniontS8, nt Iratras . . . st sorores in caxillo (d. i. unverhcirathctc) . . . omnino sneasclant, sonsnAato et Uotats a tratrum sneosssionitzns ropisllnntnr. Rühren diese Gesetze in der vorliegenden Form auch gewiß erst von Friedrich II. her, so ist ihr Inhalt doch wohl altnor- männisch, wie aus einer Vergleichung mit^ssises eia In Imnto sour llv llarns. c. 171. 227 geschlossen werden darf. Es würde sich nun aus tit. 27 ergeben, daß zwar nicht Alberia, sondern ihre nnverhcirathetcn Schwestern zur Nachfolge im brüderlichen Erbe berechtigt waren. Aber können diese nicht verzichtet haben zu Gunsten der ältesten? Ferner gewährt das Gesetz auch den vcrheiratheten Schwestern unter einer bestimmten Bedingung ein Erbfolgerccht in das Gut des Bruders, nämlich si äs bonis patornis clotats non snnt, und das traf doch gewiß bei der Alberia zu. Graf Walther war also berechtigt, im Namen seiner Schwiegermutter ans Lecce und im 'Namen seiner Frau (und ihrer Schwestern) auf Tarent Rechte geltend zn machen. Merkwürdiger Weise haben die Frangi- pani im Jahre 1249 behauptet, daß das Fürstenthum Tarent mit dem Lande Otranto dem Otto Frangipani schon von der Kaiserin Konstanze und ihrem Sohne verliehen und erst später von Letzterem entzogen worden sei. Ans Grund dieser Behauptung, die sicherlich ganz unbegründet war, hat Jnnocen; IV. am 29. Mai 1249 dem Heinrich Frangipani wirklich jene Lehen restituirt, Iluill.- 8r6Ii. VI, 734. Dagegen am >8. Februar 1252 wurde wieder das Recht eines Neffen der Alberia, des Venetiancrs Marco Ziani, anerkannt und nun diesem Lecce verliehen. I'ottk. nr. 14512. 0 Bisher nur aus den gleich zn citirenden päpstlichen Briefen als II. so- ines Inoii bekannt. Ich habe neuerdings vielfache Urkunden von ihm gefunden, z. B. Ilobortus Uo Vios (?) äoi st imp. Ar. oornss IHi, 1199 Mai, ao. oomitatrw msi II (?) in Neapel, Lransase. 4. II. 2. toi. 33) als liotzertns äoi st rSA. gr. vom. I.ieii, ao. somit. V. 1199 Juni, ikicl. toi. 3V. als lloüortns eomeo Inaii st Onxersani ne äns Eastollaneti 1200 Juli in Neapel, Or. ^rellivio: (,'omnui, xrov. OastsIIansta, und endlich nach den Briennc wieder 1221 Februar, ao. eomitatus nostri XXVII, itzicl. HIonast. sopxr. nr. 646. Seine Einsetzung fällt demnach in den Anfang 1195, also gleich nach der Katastrophe der Sibylla. Sicilien wahrend des dentschenThronstreites, 1198—1209. 31 nicht bestritten, sondern vielmehr unter ausdrücklicher Hervorhebung seiner kirchlichen Gesinnung erst den Herbst vorher anerkannt und unter ihren eigenen Schutz gestellt hatte H. Gehörte dieser Mann außerdem, wie es scheint, dem mächtigen und mit der Kirche befreundeten Hause der Grafen von Loritello und Conversano an, so war eine Kränkung desselben um so bedenklicher. Wollte man sich aber trotzdem aller Rücksichten auf ihn entschlagcn, so blieb immer noch zu überlegen, ob nicht das Wiedcrerscheincn der alten Dynastie ans dem Boden des ohnehin schon genug zerklüfteten Königreiches, auch dann, wenn sie sich wirklich aller weiter gehenden Ansprüche ans die Krone selbst enthielt, noch ganz andere unübersehbare Verwickelungen her- beiführcn konnte, und cs war endlich sehr zu fürchten, daß der junge König Friedrich in künftigen Zeiten der Kurie aus der Begünstigung seiner geborenen Feinde einen Vorwurf machen, die Loyalität der von ihr geführten Vormundschaft in Zweifel ziehen und sich mit Mißtrauen gegen sie erfüllen werde ^). Wenn die päpstliche Politik der Zeit aber darauf hinansging, sich an Friedrich einen unbedingt zuverlässigen Bundesgenossen gegen den Norden zu erziehen, durfte man dieses Ziel um eines Grasen von Bricnne willen aufs Spiel setzen? Sprachen also gewichtige Gründe für die Abweisung des sonst wohlbegründeten Begehrens, welches Gras Walther stellte, so ließ sich andererseits doch nicht verkennen, daß eine solche Abweisung eben auch ihr Mißliches hatte. Wie dann, wenn er etwa in Gemeinschaft mit den französischen Kreuzfahrern, welche damals nach Italien in Bewegung waren und unter denen er zahlreiche Verwandte und Freunde hatte, sein Recht auf eigene Hand suchte oder gar sich ans die Seite derer schlug, welche gegen die von der Kirche verthcidigtc Staatsordnung unter Waffen standen?^) Markward, Dipold und die anderen Kapitäne, welche sich unbedenklich mit Mohammedanern in eine Reihe stellten, würden auch die Genossenschaft des Franzosen nicht verschmäht haben. Kurz, Annehmen oder Abwcisen, das Eine schuf ebenso große Schwierigkeiten als das Zweite, und Jnnoccnz 111. war sich der Wucht der bevorstehenden Entscheidung so sehr bewußt, daß er sic nicht für sich allein zu tref- y Lgist. 1, 341 Äugt 1198 ist er religiösem genannt wegen seiner kirchlichen Stiftungen! II, 182 o. September 1199 enthält die Protcctionszusicherung. An der That ist dergleichen geschehen. Friedrich beklagte sich im Nov. 1227 Ilnill.-Ilrsli. III, 38: Üs snins tutoin liest sauetn npostolisa 8scls8 sollieitnäiiiem Imliers äslinisset, non tnmsii piijiillo clst'nit äs pmtrs xsri- enlum ete.. und im Februar 1246 iviä. VI, 389: Eomitom äs Ilrsmin, gni velnt gsnsr Vniiereäi mortem nostrnm st s.uigninem sitisvnt, suv ästsn- 8ioui8 nostrne spsois mimt in regnnm. Aber es wird nicht vergessen werden, daß Friedrich, als er so die Absichten der Kurie verdächtigte, jedes Mal sich im Banne derselben befand. ft Schirrmachcr meint freilich, daß „Jnnoccnz im Falle der Ablehnung schwerlich einen liebertritt Walthers zur Partei von Friedrichs Gegnern zu fürchten hatte." Aber Jnnoccnz selbst führt diese Besorgnis; ausdrücklich als einen Hauptgrund seiner Entscheidung an, und sie erscheint bei vorurtheilsfreier Erwägung der Sachlage doch sehr gerechtfertigt. 32 Einleitung. 120V. fei: wagte. Erst auf den Rath der Kardinale und anderer Vertrauensmänner, welche er ausnahmsweise hcranzog, entschloß er sich, dem Rechte seinen Lauf zu lassen, aber gegen den etwaigen Mißbrauch desselben, soweit es überhaupt möglich war, sein Mündel und sich durch eidliche Garantien zu sichern. Graf Walther mußte unter Eideshülfe Sibylla's und ihrer Tochter im voraus dem Könige Friedrich Treue und Mannschaft geloben, die Vormundschaft und Regentschaft des Papstes anerkennen und namentlich versprechen, daß er nach Kräften gegen Markward, Dipold und ihre Genossen Mitwirken wolle. Gerade die Erwägung, daß er ein brauchbares Werkzeug gegen diese Kapitäne zu werden vermöge, hat den Beschluß der Kurie vornehmlich bestimmt'). Jnnocenz wäre nun gewiß berechtigt gewesen, von sich ans sogleich die Belehnung zu vollziehen. Indessen cs ist schwerlich als eine reine Förmlichkeit oder Höflichkeit zu betrachten, daß er unter ausführlicher Darlegung seiner Beweggründe das Gutachten und die Zustimmung der Familiären suchte. Er wollte eben nicht, daß die Kirche allein die Verantwortlichkeit für eine Entscheidung auf sich nehme, die — man mochte sie betrachten, wie man wollte — immerhin ihre bedenklichen Seiten hatte und trotz aller Vorkehrungen möglicher Weise doch sehr schlecht Mausen konnte. Daran, daß die Familiären ihre Zustimmung wirklich geben würden, hat er ebenso wenig ge,zweifelt als Graf Walther, welcher die Frauen in Rom ließ und nach Frankreich zurückging, um Söldner zur Besitznahme seiner Lehen und für den königlichen Dienst zu werben, dem er selbst sich jetzt gewidmet hatte. Ob der Beschluß des Papstes im Lande Beifall gefunden hat? Wir wissen es nicht; denn wir sind nicht berechtigt, die Stimme des bekannten Abtes Joachim vom Kloster Fiorc in Calabrien als Ausdruck der gesammten öffentlichen Meinung gelten zu lassen. Auch ist cs nicht eigentlich sein Land und sein Volk, für welches er von jener neuesten Wendung der Dinge Schaden befürchtet, sondern die Kirche selbst und die Stellung des Papstthums, welche, nach seiner in eigcnthümlichcn Mysticismus sich kleidenden Geschichts- Philosophie, durch die Rivalität zwischen Deutschen und Franzosen *) Die Schwurformel (et. llndrios rsgoot. lit. ckoeret. a. III. nr. di b i ü'lroiner, Kon. 8lav. insrick. I, 49) ist noch nicht gedruckt; ihr Inhalt findet sich in den erwähnten Briefen des Papstes. — Jnnocenz 3. Juli 1201: Kulni- mns Hi8iun ack rvAui ckstonsionsm iinlneoro. Aehnlich drückt Honorins III. sich im Jahre 1226 ans, chlnill.-Lröd. II, 502: Önin in purtidu.8 >IIi8 non linderet seelesia. gusin eriAsrst contra IIünn (wörtlich so auch im Lliron. ex I?autd. sxo. p. 369), reeezito nä opn8 tni a nodili viro 0. inrninento. ip8nin inioit, nt per enin elati eornnn eont'rinAsret, ininnei. Es ist möglich, daß Honorins als Kardinal von S. Lucia in Orthca an dem wichtigen Beschlüsse mitbetheiligt war. — Ganz ohne Halt an den Quellen ist es, trenn Schirrmacher I, 22 dem Papste das Motiv unterschiebt: „War er (Walther von Brienne) nicht immerhin eine geschickte Znchtrnthe für den jungen aufstrebenden Staufen?" Der aufstrebende Stainer war sechs Jahre alt, und da mußte es ihm allerdings auch „schwer fallen, den für ihn in einer derartigen Verleihung ruhenden Bortheil - . . anzucrkenncn." Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1208. 33 nur beeinträchtigt werden kann^). Er hält nichts davon, daß die Knrie die Wege der hohen Politik beschreitet und bei den Welschen Hülfe sucht gegen die Deutschen, die er zwar durchaus nicht liebt, vor deren Kraft er aber gewaltige Achtung hegt. „Siehe zu, Kapitel von Rom, daß das Können der Welschen dir nicht zum Dvr- nenstabe werde, der dem die Hand durchbohrt, welcher sich darauf stützet." Gleichsam die Zukunft voransahnend, erwartet er- nicht Gutes für das Papstthum von diesem neuen Bunde mit den Franzosen: „Du wirst an Aeghpten zu Schanden werden, wie du an Assur zu Schanden geworden bist." Es ist wahr, der Mönch drückt sich oft wunderlich aus, und sein Blick ist oft beschränkt durch die engen Verhältnisse des Klvsterlebens; aber das geistige Auge Joachims war unstreitig darauf angelegt, auch Größeres zu erfassen und all- seitiger, als es zum Beispiel der Kanzler des sicilischen Reiches vermochte. Die Mittheilung des Papstes traf den Bischof von Troja in Messinas. Gewohnt, den Werth jedes Ereignisses nicht nach der Bedeutung für das Ganze abzuschützcn, sondern nach der Wirkung, welche cs auf ihn selbst hatte, sah er in der vorgcschlagenen Restauration der Familie Tankreds nur einen gegen seine eigene Person und Stellung geführten Schlag. Es schien ihm, als ob der Papst ihn der Rache jener Familie, der er immer Widerpart gehalten hatte, preiszugeben beabsichtige, jedenfalls ihm nicht die gehörige Rücksicht zu Theil werden lasse. Für ihn, den sonst doch genug ') lloaeliinii abU. in äeroiniam intsi-zwetatio v. 2, eä. 1577 p>. 46: ViUent Itoiimiinm eapitulnm, si non kiet eis nrnnciinens baeuius potsntin OaUicann, eui si czuis innititnr, pertörat inanns eins . . . ^lennrnuorrnn enim imperinin iznasi stiinuinin lA-aneia sentiet, aciso nt, si reeaicitrst, vuinera in veelesiae sndventions rsponst. — ix 56: „Kam ad t^s§)-pto eontnmleris, sient eonkusa es nt> J.ssnr." >8ieut in ^ss^ria ^Isnrannia. ita in t^SMzito tei'nnein Uenotatur. — z>. 57: .-VN imperio et rs^no piras- äietis, sciliest aö ^.keinannis et bU-aneio, tUIta seelesia noseitnr, ssä vi- cisat ipsn, ne enrae svenlarss sain evigilars a spiritnnliöns t'aeinnt, st oaleitrantidns et rsinrAnantidns inten se vaeeis iinperii sive rsKni arelrain seolesias portnntivns, ziontitsx snininns ... Not inUs teinsritatis obnoxius ... lAitnrnin sst zn-orsus, nt orta Uiseorciia inten pniueipvs non tantniu all iinpenio seolssia eonnnnt, seä etinm a tilaUiurmn re^nn Uittidat. Ossta e. 25 (vgl. Elkan S. 48) über das Verhalten und die Auffassung des Kanzlers. Wann erhielt derselbe in Messina jene Nachricht? Die königlichen Urkunden dieses Jahres sind sämmtlich in Palermo ausgestellt, und sie tragen die Kanzlcinote per nrrrnns Onaltenü sto. ,— die freilich noch nichts für die wirkliche Anwesenheit des Kanzlers in Palermo beweist — mit Ausnahme einer ungedrucktcn für S. Michael in Mazzara vom April und UniU.-Urelr. !, 51 fiir den Erzbischof Nikolaus von Salerno vom August. Daß der Kanzler im Friih- liuge in Messina war zum Empfange des Legaten, steht fest, und wenn ihm dort der Beschluß des Papstes znkam, wird sein Verhalten vor der Schlacht bei Mon- reale nur begreiflicher. Andererseits ist die Fassung des Formulars in der Urkunde vom August außerdem so abweichend von der vorher und nachher in der Kanzlei üblichen, daß man vielleicht daraus ans die Abwesenheit des Kanzlers schließen mag, der nochmals im August ganz wohl in Messina gewesen sein kann, im Verlaufe der kriegerischen Unternehmungen gegen Markward (s. o. S. 27 Anm. 4 wegen der Schlacht bei Randazzo). J.ibrb. d. dtsch. Gcsch. — Wi II kel III a IIII , L tto IV. 3 34 Einleitung. 1200. scharfsichtigen Mann, waren die schweren Bedenken, mit welchen Jnnocenz vor seinem Entschlüsse gerungen, nnd die Gründe, mit denen er ihn gerechscrtigt hatte, ganz nnd gar nicht vorhanden, und ebenso wenig fragte er nach dem etwaigen Nutzen vder Schaden jener Abmachung für das Kvnigthum Friedrichs: ihn hat die Sorge, daß er selbst empfindlich geschädigt werden solle, ganz ausschließlich beherrscht, nnd dieser Argwohn, dessen Irrigkeit ruhige Ucbcrlegnng sogleich dargethan hätte, reifte in ihm den Entschluß, die Partei des Papstes zu verlassen. Nun geschah cs, daß gerade damals sein Ehrgeiz sich noch in einer anderen Beziehung durch die Maßnahmen des Papstes gc- rroffen fühlte. Nach dem Tode des Erzbischofs Bartholomäus von Palermo hatte nämlich Walther bei dem dortigen Kapitel seine Erwählung durchgcsetzt nnd, nachdem er sich vom Legaten Cinthius die Erlaubniß zur Annahme der Wahl verschafft s), den erzbischöflichen Titel angenommen. Beide, Walther nnd Cinthius, beabsichtigten dabei keineswegs, hinter dem Rücken des Papstes eine vollendete Thatsache zu schaffen; sie sind vielmehr offenbar nur der Meinung gewesen, daß der Letztere als Nertrcter des Papstes in allen Stücken wirklich zur Ertheilung der Erlaubniß befugt und daß damit auch den strengen Grundsätzen, welche Jnnoccnz III. bei der Wahl schon im Amte befindlicher Bischöfe zu einem anderen Bis- thnmc beobachtet wissen wollte, vollständig Genüge gethan sei. Aber gerade bei dieser Gelegenheit zeigte es sich, daß Jnnoccnz anderer Meinung war und daß er den Uebcrgang von einem zum anderen Bischofsstuhle als eine Sache betrachtete, welche durchaus seiner eigenen Genehmigung bedürfe 2). Er war nicht gesonnen, dem Legaten zu Liebe von diesem Grundsätze eine Ausnahme zu gestatten. „Wenn wir dich nicht so sehr liebten", schreibt er ihm, „würdest du an dem Maße der Strafe erkennen, wie sehr du dich gegen uns vergangen hast." Die berechtigte Entschuldigung des Legaten, er U stkosts. e. 29. Jnnoccnz an Cinthius bei Virrus I, 123 ohne Daten, aber nach der Stellung im päpstlichen Registrnm (Iluliries litt, ssorot. pout. u. III nr. 89. 90 bei Vlioiuer, Kon. 8lnv. moricl. I, 49) etwa vom April. Darnach müßte Bartholomäus von Palermo ), brachte jenen fast noch mehr aus; er ließ sich aus dieselbe ebenso wenig ein wie auf die Bitte des Kardinals, wenigstens von sich aus Walthers Versetzung von Troja nach Palermo zu verfügen, damit die Würde eines Legaten nicht leide. Mochte dieser sich auch durch den Widerruf seiner Erlaubniß blosgestellt sehen, die Autorität des Papstes konnte durch eine absolute Durchführung seiner Grundsätze nur gewinnen ^). Wenn er nun aber den Legaten anwies, zunächst das in Palermo Geschehene unbedingt rückgängig zu machen, so war damit noch nicht gesagt, daß er den Wünschen des Kanzlers durchaus abgeneigt gewesen wäre. Nur die Form, in welcher derselbe ihre Erfüllung suchte, hat Jnnoeenz schlechtweg verdammt: in der Sache selbst kam er ihm auf halbem Wege entgegen. Er konnte ihn noch nicht als Erzbischof von Palermo gelten lasten; aber er war bereit, ihn als Bischof von Troja vorläufig znm Verwalter des Erzbisttzums zu bestellen, indem er dadurch, wie früher bei der Wahl Rainalds von Celano in Capua, deutlich genug auf den Weg hinwics, auf welchem die gemachten Formfehler ein zweites Mal zu vermeiden sein würden. Nur einer bei Jnnoeenz unmittelbar angebrachten Bitte hätte cs bedurft, um dem Kanzler den erzbischöflichen Stuhl zugänglich zu machen. Doch der stolze Manu sah den Umstand, daß Jnnoeenz nicht ohne weiteres ans seine Wünsche glaubte entgehen zu können, wieder als eine Beleidigung seiner Person an, an welche Jnnoeenz bei dieser Gelegenheit sicherlich nicht im geringsten gedacht hat. Gereizt, wie Walther von Palear nun einmal war, stieß er auch die ihm als eine Gunst gebotene Proknratur von sich. Er wollte der Gnade des ihm, wie er meinte, feindlich gesinnten Papstes auch nicht das Geringste weiter verdanken, und da er sich nicht Erzbischof von Palermo >) Jnnoeenz an Cinthins: in existiinao. gnin viess nostras tanninrnn iswnto tivi eonnnisinnm exsgnendns, «znod?nnorinitnna.s ssolssias possss snßfieers ktlessanensein (Variante: ?nnoruiitanain . .. -lessansnsi), nt illain i8ti pretieerss, eonsssso sibi priv!1o§io priinntias? NN pntas ex sadern eansn tivi iiosro clnos spiseopatns unirs vei nnnin dividsrs sing liesntia xpeeinli? Von sicilischen Gelehrten sind weitläufige Abhandlungen über diese Sätze geschrieben worden, weil sie verkannten, daß der Papst hier nicht wirkliche Fälle ini Ange har, sondern nnr willkürliche Beispiele wählt, um an ihnen zu beweisen, daß die Competenz der Legaten ihre Grenze habe. -i Höchst charakteristisch ist die Aenßerung: tu orxo sient vir providus et diserstns, cpwd t'aslnin est, sie stndentz. palliare, nt in oont'nsiousin tuain et npost. ssdis non rednndst, cproniain si oportvat, nt vsi nos in üoe taoto contnsionis opprodrinnr inenrrainus vsi tn ex lloe nsZotio eon- Inndaris, eleAiinus 1s potius sontnndi, «znain laedninus rrpost. ssdis di§- nitatvin. Vgl. Bd. I. S. 226. — Cinthins, der am Ende des Jahres an den päpstlichen Hof zurückkehrte (Osstn e. 32: als Zeuge kommt er dort zuerst am 22. Mai 1201 vor, llsiisie, ülein. p. 39), ist meines Wissens von'Jnnoceuz nur noch einmal im Jahre 1201 als Legat und zwar wie früher m der Mark Ancona und zu kriegerischen Zwecken verwendet worden, Bd. I. L. 357. 358. Erst Honorius III. hat ihn 1217 inach dem 1. Mär; Ugllelii I, 919 und vor dem 13. April Tcnnnssetti. LnII. Ikon,. III, 325) zum Bischöfe von Porto befördert. Er ist bald darnach gestorben. 36 Einleitung. 1200. nennen konnte, machte er auch von der Erlaubniß, Bischof von Troja bleiben zu dürfen, keinen Gebrauch Z. Tiefe eigensinnige Zurückweisung einer wohlmeinend gewährten Gunst führte den Bruch herbei, indem sie den Papst uöthigtc, gegen einen Mann auf der Hut zu fein, welcher aus feiner durch die Vorgänge mit dem Grafen von Brienne noch gesteigerten Verbitterung kein Hehl machte -) und, von Argwohn und Ehrgeiz getrieben, zu Allem fähig zu fein schien. Es ist aber bezeichnend, daß Jnno- cenz doch nicht wagte, ihn kurzweg feiner Stelle unter den Familiären zu entsetzen, unter welchen Walther eine ausschließliche Geltung erlangt hatte, namentlich als der Kardinal Cinthius, der unfruchtbaren Mühe bald überdrüssig wie sein Vorgänger, der Insel den Rücken kehrte^). Uebcigens würden die Uebcrgriffc, welche Walther sich erlaubt hattet, vor jedem Richtcrstuhlc feine Absetzung gerechtfertigt haben. Wenn aus der neuen Instruktion, welche der Papst den Familiären zu erthcilen für nvthig fandest, auf die hervorragendsten Mißbräuche geschlossen werden darf, denen sie abhelfcn sollte, hatte der Kanzler Verpfändungen und Domaineu- verkäufc ganz allein abgemacht °), über die Staatsgclder einseitig (Issta >rius '1 rosannin spissozmin appsiiaret ste. Daß Walther von dieser Erlaubniß keinen Gebrauch machte, zeigen die königlickicn Urkunden seit dem August 1200, in denen er sich cinsach ohne irgend einen Bischofstitel rexui 8io. säno. nennt. Mehrere derselben sind zu Gunsten des Domkapitels von Palermo; die vom December 1200 Ilnili.-Ilrüli. I. 08 ist ansgestellt intsrvsntn (Innitsrii äii. saus. st tillslis nostri. ^ > idiä.: c^niu potins acl inlnmainlniu snminnin pontitisein Ns tststo Ilrsnsnsis somitis usv liu^nanr nso snlnmnin volnit vylriders. llsstn s. 32: eanesikarins ealiicis prosnrnvit, nt Isgntns reäirst, s. S- 35 Anm. 2. <1 (Issta o. 31: guaoi totrnn sivi nsnrpavit iutvr tamiliares rsAios äorninatnur, ita epnoä, tuuczunnr rsx sssst, sontsrelint st nulerevut soiui- tatns st vnrouias, iustitnsvut jnstitiurios st oumsrurios, sserstnrios st stra- tiAvtos, vsucisvat st impiiAnoradat ciolranas et sxpsulledat roclelitns et xrovsutnZ; czuiu stiam tainilinrss institnevnt rsgios, ezuos volelmt. Mit dem letzten Vorwurfe ist wohl besonders die Ernennung Gentilc's gemeint, welche die Llesta s. 32 erwähnen. Wahrscheinlich hat der Verfasser hier nicht gerade einen päpstlichen Brief ausgeschrieben, sondern die am päpstlichen Hofe gegen Walther herumgeboteuen Vorwürfe zusammcngcfaßt. Noch schlimmere bringt Jnnocenz 3. Juli 1201 Ossis. o. 33, Iluill.-IIrsd. 1, 80 ff. vor (Verschleuderung der Kroudomainen, willkürliche Steuererhö Hungen und Verwendung der Staatseinkünfte im eigenen Nutzen u. A.), zwar gegen das Kollegium überhaupt, aber selbstverständlich vornehmlich gegen Walther, da dieser bis vor Kurzem das Haupt des Kollegiums gewesen war. Daher konnten die Oosts sie ganz wohl auf ihn allein beziehen. Elkan «. 40. Die bekämpften Mißbräuche hatten übrigens dem Kollegium von Anfang an angehaftet; denn schon am 27. September 1180 hatte Jnnocenz cs nöthig gefunden, in dieser Beziehung scharfe Mahnungen nach Palermo zu richten Lpist. II, 187. Es ward aber immer ärger, s. ü. z. I. 1201. 6) Ossts e. 31. IIuill.-Lrsli. I, 57. Ich setze die Instruktion ungefähr an das Ende des Jahres, weil aus- dem Schlußsätze: sslvs in oinnilnis snprsäiv- tis suotoritsts IvASti vsl ssus, sui visss nostrss Nnxsriinns eviuinittsuNss, hervorzugehen scheint, daß die Legation des Lintbins beendet war. °) Vgl. S. 28 Anm. 1. Sicilieu während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 37 von sich aus verfügt auch selbständig die Vermählung des sechsjährigen Königs betrieben, natürlich in einer seinen eigenen Interessen entsprechenden Weise. Die eigenmächtige Berufung seines Bruders, des Grafen Geutile von Manupello, in das Kollegium der Familiären war geradezu ein Eingriff in die Prärogative des päpstlichen Oberregcnten, obwohl dieser sie nachträglich anerkannt hat^). Um dieser Selbstherrlichkeit ein Ende zu machen, schärfte jene Instruktion neuerdings die kollegialische Behandlung der Re- gierungsgcschäste ein, trieb aber eben dadurch den Kanzler, der weniger als je geneigt war, seine Ansprüche noch weiteren Einschränkungen zu unterwerfen, zum Aeußersten, schon im Decembcr zum förmlichen Uebergauge auf die Seite Markwards^. Eine Krisis, schwerer als irgend eine der früheren, brach dadurch im Jahre 1201 über das Königreich herein. 0 Anscheinend hat er auch tliasaurum uupsr iuveutum — wohl Mark- wards bei Dionreale erbeutete Kriegskasse — in seine Obhut genommen. 2) Vesta e. 52 1 acl suUUmatiouom eins arcleuter aspiraus. Gentile trat offenbar an die Stelle des Grafen von Paterno, der seit Januar 1200 nicht weiter vorkommt, und er war wohl schon vor der Schlacht von Monreale (21. Juli), in welcher er mitkämpftc. ernannt worden, da Jnnocenz in seinem Gliickwunschbricfe wegen derselben ihm den Titel 1'amiUaris gegeben zu haben scheint, s. o. S. 24 Änm. 2. - Die Vesta sprechen aber von mehreren, durch Walther ernannten Familiären, <,uos ereaverat, nt sivi taversut. Ich vermag jedoch nicht mit Bestimmtheit zu saacn 's. u.), welche gemeint sind. n) Die Berständigung mit Markward hat erst am Ende des December 1200 stattgesnnden; denn die königlichen Urkunden des Jahres 1201 tragen nicht mehr die Nc.'ognition des Kanzlers, wohl aber noch die vom December 1200 (mit der gleich zu erwähnenden Ausnahme). Es sind eine ungedruckte für S. Maria (Martorana von Paler.no und zwei für Genua, nämlich für die Stadtgemeiude I.iU. iur. lau. I, 462. IIuUI -Ilreli. I, 65 und für S. Lorenzo in Genua Ilist. patr. man. Vlmie. II, 1211. Nun war und blieb Markward mit Genua verfeindet (Xuu. lau., äl. 0. 8or. XVIII, 118) und er hielt es mit den Pisauern, so daß also zur Zeit der Ausstellung jener Urkunden die Verständigung zwischen ihm und dem Kanzler noch nicht gefunden gewesen sein kann. — Aber aus dem December ist auch eine der Recognition entbehrende Urkunde Friedrichs bei Ficker, Forsch, z. Reichs- und Rcchksgesch. Italiens IV, 258, in welcher Friedrich den Monaldeschi den Ort Cocorone bei Foligno verleiht. Da nun die Monaldeschi, eine in der Mark Ancona und in Spoleto reich begüterte Familie, wie sie stets auf Seite des Reiches gestanden, so auch im Jahre 1198 sich Markward angeschlossen haben (Bd. 1, S. 108) und in dieser Urkunde wegen siueera tieies et ^rata servitia gerühmt werden, so darf mit Fug und Recht behauptet werden, daß diese Urkunde schon durch Markward selbst veranlaßt worden ist. In seinem Interesse lag es überdies, entgegen der päpstlichen Occupation Mittelitaliens, seinen dortigen Anhang zu ermuthigen. Wir dürfen mithin anuehmen, daß die Versöhnung des Kanzlers mit Markward noch im December 1200 stattgefundcn hat. 38 Einleitung. 1201. 1201 Als Walther von Palear offene Beziehungen zum gebannten Markward anknüpftc, war er fo klug gewesen, sich der Beistimmung der Mehrzahl feiner Kollegen zu versichern. Er hatte außer seinem Bruder, wie cs scheint, auch den Erzbischof von Messina und den Bischof von Catanca für sich *). Unbekümmert um den Widerspruch der Minorität, welche sich auf das eben noch erneuerte päpstliche Verbots jeglicher Verhandlung mit Markward beriet, gaben sic diesem die gemachten Gefangenen zurück und verliehen auch ihm die Würde eines Familiars ch. Als der Kanzler in dieser Weise die oberste Regierungsbehörde des Königreichs in einen Gegensatz zum Papste, dem obersten Regenten desselben, brachte und sich überhaupt gegen seine Anordnungen auflchnte, hat er gewiß nicht die Absicht gehabt, sich in Markward einen neuen Herrn zu setzen. Ebenso gewiß war es, daß die Beiden, von denen Jeder ein besonderes Anrecht auf die erste Stelle zu haben glaubte, auf die Tauer nicht gut in einer Behörde neben einander wirken konnten. Sic fanden deshalb die Auskunft, ,daß Markward die Verwaltung der zum größten Theile auf seiner Seite stehenden Insel, Walther die des Festlandes selbständig führen solle ch. Zur Erhaltung der Eintracht wurde eine ') Jnnocenz an Friedrich 3. Juli 1201 Onsta c. 33, Ilniii.-IIreli. I, dl, ist vielfach die Grundlage für die Darstellung der Oesta c. 32 geworden, aber nicht die einzige gewesen. Jnnocenz spricht immer von mehreren ungetreuen Familiären : gniclam ex sisckein tnmiliaribns, rpst (pstetem re^ni non appetnnt u. s. w. In anderer Wendung die Oesta c. 32: eontraclieeutivus aliis sto- minis onriac, nisi epios ipse ersaverat, nt sivi laverent. Da nun nach Jnnoe. tipist. III, 23 der Erzbischof von Monreale und der Bischof von Cesalü der Vereinbarung widersprachen, kann der Kanzler nur die Beistimmnng der im Texte Genannten für sich gehabt haben. Roger von Catanea batte noch im November 1200 durch die Hand des Kanzlers sich eine Schenkung macken lassen Unül-Ureii. I. 02, und die Haltung Berards von Messina war jetzt auch sonst dem Papste entgegen. Aber ans beide paßt doch daS «znos ereaverat s. o.) nicht. Wir werden darin doch wohl nur die Verallgemeinerung eines allein für Gentile von Manupello gültigen Ausdrucks erblicken dürfen. bipist. III. 23: contra proliibitionein sxpresssm ei lavtain suli noinins nostro. — Jnnoe. 3. Juli I. c.: contra illnst stiain zurainentnm, ezuock cks non ooinponcnclo cum ipso sine manstato nostro prestiterant. Es ist das noch ungedruckte Breve llnbriee lit. socret. pont. a. III nr. 164 etwa vom September 1200 gemeint, erwähnt bei 'I'boiner, blon. 8Iav. morick. I, 52. Als Ilpist. III, 23 geschrieben ward, wußte man in Rom noch nickts vom Inhalte der eoinpositio, «znain timemus il: rsgis pernieisin et rsAni psriculnm attentatain. — Jnnoe. 3. Juli 1201 I. e.: in eapnt tunin ersxers ckezsctnm et zaesntein in lamiliarsm stabilirs rsainin presuinpserunt, gnasi totain ei potestatis plenituckinein in reAno 8icilis eontsrentes, . . . nniver- sis oaptivis, «zuos in tü^a eins rscsperant, rsstitntis. . . . pacein initam inainlautss per nuivvrsuin rsAnuin inviolabititer observari. (Issta c. 32: Divnlens sibi regmum cum illo, nt nnns in Licilia et alter in ^pnlia rsZis et rSAni nsAotia proonrarent. Ich möchte glauben, daß sie sich zu Großjnstitiaren der beiden Reichshälften machen ließen, vielleicht unter gleichzeitiger Uebernahme der Kapitalste. Sicilien wahrend des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 39 Verschwägerung der beiderseitigen Häuser in Aussicht genommen, obwohl ein schon viel wirksameres Band zwischen ihnen bestand, nämlich die Nvthweudigkeit, ihre angemaßte Stellung gegen einen gemeinschaftlichen Feind zu vertheidigen. Volles Vertrauen hat trotzdem unter ihnen nicht erzielt werden können. Als Walther jenem Abkommen gemäß ans das Festland ging, sorgte er dafür, daß Palermo selbst, wo die übrigen Familiären wohl over übel ihre Thätigkeit fortsetzten, noch nicht in die Hand MarkmardS kam, und er sicherte sich für alle Fälle ein nicht zu verachtendes Unterpfand, indem er die Person des jungen Königs unter der Obhut seines Bruders, des Grafen von Manupello, znrückließ ^). In Rom hat diese neueste Wendung, wie es scheint, nicht eben sehr überrascht, vielleicht weil mau schon seit einiger Zeit den offenen Abfall des Kanzlers hatte erwarten müssen. Als derselbe nun erfolgt war, glaubte man nicht anders, als daß Markward sogleich auf das Festland zurückkehrcn werde, um auch dort der päpstlichen Regentschaft ein Ende zu machen -). Es wird wie eine Erleichterung empfunden worden sein, daß nicht er, sondern Walther von Palear diesseit der Meerenge erschien, wo bald über die Hülfe der Franzosen gegen ihn verfügt werden konnte. Der Graf von Brienne hatte während des Winters in Frankreich für seinen apulischcn Heereszng geworben, und da die dortige Ritterschaft durch den in Aussicht stehenden Kreuzzng in ziemliche Bewegung versetzt und auf die Ferne hingelcnkt war, schlossen sich ihm manche an, welchen es vortheilhaft schien, mit der Kreuzfahrt einen einträglichen Solddicnst zu verbinden. Ueberdies ließ sich ja auch in Sicilien durch Kampf gegen Ungläubige der Ablaß des heiligen Landes gewinnen und es ist sehr wahrscheinlich, daß Walther von Brienne bei seinen Werbungen durch päpstliche Vvllmach- p 6estn I. e. Vgl. oben S. 20 Aiim. I. Es scheint wenig glaublick, was die Gestn erzählen, daß Walther und Markward sich damals öffentlich beschuldigt haben sollen, nämlich daß dieser selbst nach der Krone trachte, jener aber sie seinem Bruder Gentile zuzuwenden wünsche. Sind von ihnen überhaupt jemals solche gegenseitige Vorwürfe veröffentlicht worden, so geschah es sicherlich vor ihrer Vereinbarung. Die Thatsache mag richtig sein, die Zeit, in welche die Oesta sie setzen, gewiß nicht. 2) Jnnocen; in seiner Meldung an die llnterthancn auf dem Festlande und seiner Mahnung, Markward nicht zu unterstützen, gui nä opprssaiousnr vestrnnr rLvsrtitur eitrn lUrarunr. Lpiot. III, 23. Iliiiil.-1>rel>. I, S9— 01 hat diese Proklamation in den November 1200 gesetzt z aber nach ihrer Stellung in den vollständigen Registerbiichern Itudr. lit. ssorot. pont. n. III ur. 191, 192 scheint sie etwas später angesetzt werden zu müssen, nach L>. 37 Anm. 3 etwa in den Januar 1201, jedenfalls vor Ablauf des dritten Pontificatjahres. Es ist zu beachten, daß Junocenz zur Zeit dieser Proklamation noch keine Kunde von dem Inhalte des Vertrages zwischen dem Kanzler und Markward hat is. vorher Anm. 3) und auch das Herannahen des Grafen von Brienne nicht erwähnt. Ein Brief ähnlichen Inhalts Lpist. III, 22 ging au den Grafen Syl- vester von Ragusa aus dem Hause der Grafen von Marsieo Toeche S. 324 Anm. 2), welche noch sehr spät znr Familie Tankreds gehalten hatten. Sylvester selbst, der, wie ich glaube, zu den von Konstanze restanrirten Baronen gehört, wird dabei für die dem päpstlichen Marschall Jakob gewährte Unterstützung belobt. 40 Einleitung. 1201. tcn unterstützt wurde, welche gerade diesen Gesichtspunkt hervorhoben i). Im Frühlinge Hagen also mit Walther die Kreuzfahrer, Walther von Montbeliard, welcher Bricnne's Oheim war, Eustache von Conflans, Robert von Joinville und namentlich Ritter ans der Champagne, über den Mont-Cenis nach Rom, wo man die Kühnheit des kleinen Häufleins anstaunte, das mit den gefürchteten Deutschen anzubinden gedachte. Jnnocenz schoß freilich Geld zur Fortsetzung der Werbungen vor; aber erst am Anfänge des Juni waren ^ie soweit gediehen, daß Walther von Brienne sich über die Grenze wagen durfte ch. Der Papst wies alle Eingesessenen des Königreiches an, ihm Hülfe zu leisten und ihm zu gehorchen''). Walthers Aussichten waren indessen höchst zweifelhafte, da Dipold und seine Freunde nicht bloß an Zahl für überlegen galten, sondern sich auch noch immer im Besitze der festesten Plätze befanden. Ein Zuströmen der einheimischen Großen zu den päpstlichen Fahnen war aber nach den Erfahrungen der früheren Jahre kaum zu erwarten, wenigstens nicht eher, als bis ein bedeutender Sieg erfochten war. Während die Einen, wie Richard von Aguila, der Graf von Fondi, mit Dipold geradezu gemeinschaftliche Sache machten, hielten sich Andere, wie Rainald von Aquino und der Graf Peter von Celano, dessen Sohn Berard seit einem Jahre in Dipvlds Hauptbnrg Rvcca d'Arce gefangen saß-st, wieder möglichst neutral. In den Städten Neapel, Capua und Salerno kamen die päpstlichen Agenten, welche unter Androhung des Bannes Lossagung von Dipold und Anschluß an Brienne forderten, in Lebensgefahr Jnnocenz hat zuerst im Herbst 1199 den Mohammedanern gegenüber auf die Kreuzfahrer hiugewiesen, s. o. S. 23 Amn. I. Ein Jahr später, als also Walthers Werbungen schon im Gange waren, sprach er in seiner Instruktion au die Familiären dtssta e. 31 seine Absicht bestimmter aus: 8:iraesui sl torsall Iiis et aliis inamlatis nostris . . . eontrairv prosuinpserint, nos nä sornin rsstslliousin st superliiani sclonmnNani eouslaiitius aesin^emns et prineipes otiain eliristianos, (pri acl snösiilinin terrae sanstav bestimmt, in sornin eontnsionsin . , . potenter nssnr^srs taoisnins. lieber Walthers Werbungen in Frankreich, s. u. Erläuterungen I. 2 ) Hier trafen sie den Marschall der Champagne Villehardouin, den berühmten Geschichtschreiber, der selbst die Begegnung erzählt. Ilosnsil XVIII, 437. Robert von Joinville starb in Apulien. ^loriens in HI. (4. 8s. XXIII, 879. liest», o. 30 (vgl. Elkan S. 51). Ihr Bericht wird bestätigt durch die einheimischen Quellen (lärm. dseerm. v. 114—126 lil. 6t. 8s. XIX, 291; Xnn. dseean. iö. p. 295, Xnii. dasin. p. 318 und Itvse. No 8. 6torin. p. 331. 332, welche nur in untergeordneten Dingen einige Ergänzungen bieten. Vgl. Rodsrt. Xltissiocl. Rsvnsil XVIII, 264 (und gleichlautend im dliron. "Huron, a. s, 1201) dont. <4nil>. 'Ihr. p. 235. ^) linbries lit. seerst. pout. a. IV nr. 103. 117, bei 'Ilisiiisr, iälon. 8Iav. meriä. I, 58. 59. Vgl. Elkan S. 52. 5) darinen dsoesn. p. 291: li^ee. Ns 8. 6term. a. 1200 p. 331. — Der dont. Onill. 'Ihr. p. 235. 236 weiß, daß außer den Genannten auch die Grafen von Caserta, dlialsriis (?), S. Severin» et inaint untre eliastslain st rieliö Iioms, c;ui tuit sstoiont ns Non regne, nachher in der Schlacht bei Capua gegen Brienne gestritten haben. °) LoneoinpLAuns III, tit. 15 eap. 9, s. u. Urkunden II. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 41 und als die Franzosen über Teano, welches sich ihnen ergabt, gegen Capua zogen, schloß dieses ihnen in der That die Thore. Die wenigen wirklich päpstlich Gesinnten, wie der Großjustitiar des Festlandes, Graf Berard von Loritello, der Justitiar der Terra di Lavoro, Aimo von Cicala^), der Erzbischof Rainald von Capua und der Kardinalabt Roffrid von Monte Casino bedurften wohl mehr selbst einer Hülfe, als daß sie solche hätten gewähren können. Um so größer war die Uebcrraschung, als man hörte, daß Brienne — der Kampf erschien fast wie ein Ringen zwischen Franzosen und Deutschen um die Herrschaft ini Lande — am 10. Juni in der Nähe von Capua bei der Brücke der Agnella den gefürchteten Deutschen eine Niederlage beigebracht habe, deren Bedeutung sich an ihren Folgen ermessen läßt. Denn es traten nicht nur nach der Schlacht die bisher unentschieden Gebliebenen zur päpstlichen Partei über, um sich nun ohne Mühe und Gefahr ihren Antheil am Siege zu sichern, sondern rasch nach einander fielen jetzt auch die bisher in den Händen der Deutschen befindlichen Burgen und Städte, deren Besatzungen Dipvld wohl vor der Schlacht zum größten Thcilc an sich gezogen haben mag^). Venafro wurde am 23. Juni verbrannt, Burg und Stadt Aquino erobert, Pontccorvo Castelnnovo und Fratte von ihrem Befehlshaber, Rvbert von Aquila, dem Abte von Monte Casino gegen ein Leibgedinge überliefert^). In der Terra di Lavoro scheinen nur noch Rocca dÄrce und die Burg von Venafro im Besitze Dipvlds geblieben zu sein, der selbst nach der Ostküste geflüchtet war. Es sah also darnach aus, als ob die Erwartungen, unter welchen Jnnocenz die Belehnung Walthers von Brienne vollzogen hatte, in reichstem Maße in Erfüllung gehen würden, wenigstens rücksichtlich des Festlandes. Nicht so auf der Insel. Wahrscheinlich hat nach Markwards Aufnahme unter die Familiären ihm gegenüber dort jeder Widerstand aufgchört, und was die vorher in der Regierungsbehörde zu Tage getretene Spaltung betrifft, so war dieselbe fast ganz geschwunden, da nun auch der Bischof Johann von Cefaln sich der ^ ksstn L. 90: Knaltsrns, rsosptns n oividus Vlrsntlnensilms, onm soruin reospissot Lnstvllnm, Oapnam est prolsetns sto. Es ist ohne Zweifel Vlrsnnsnsilms zu lesen. -) lieber Aimo lilpist. III, 57. — Graf Berard, der 1200 als Kapitän und Großjnstitiar zugleich verkommt (Ficker IV, -118), ließ sich nachher vom Papste zufichern, ns cznis enm super läis, eznas äs prinoipali rsg'no 8ioilis possläst, anäent molsstari. Itudr. Ilt. ssor. pont. n IV ur. 43, Vlieiusr I. s. p. 59. Der -Tag wird in allen Quellen genannt, ^gnsllns pous als Schlacht- ort nur im Qn-m. Ossnn. I. s. Ich finde auf der Karte nordwärts von Capua einen anscheinend unbedeutenden Flußlauf Agnena angegeben. — Der Oont. Knill. Ihn-. I. o., der entschieden darauf ansgeht, Brienne zu verherrlichen, läßt ihn mit 300 Berittenen Viertausend besiegen. i) ^nn. Osecnn. I. s.: (lnm Lomes (lnnltsrlns omiua LNstra vläerst vnoua äs üominidns sto. — Lärm. Osoesn. v. 121: Vngiunt oastris rsliotis. Der Vertrag ward erst 30. November 1202 von Jnnocenz bestätigt. Ilpist. V, >08. ' 42 Einleitung. 1201. papstfcindlichen Mehrheit anschloß ^). Diese aber beutete ihre augenblickliche Macht in der schamlosesten Weise ans, indem die einzelnen Mitglieder sich gegenseitig mit königlichem Gute bedachten-). Auch nach der Schlacht von Capna änderte sich in diesen Verhältnissen nicht das Geringste, und ein ausführlich solche Mißbräuche aus- deckendcs Schreiben, welches Jnnoccnz am 3. Juli 1201 zwar an den jungen König selbst richtete, das aber hauptsächlich für die Kenntnißnahme der Familiären bestimmt war ^), konnte ebensowenig wie seine den Familiäre» unmittelbar zugehenden Mahnungen, dem Einflüsse Walthers von Palear doch nicht weiter zu gehorchen, eine Besserung bei ihnen bewirken, solange sie sich in Sicilicn durch die Macht Markwards gedeckt wußten. Dieser war jetzt der eigentliche Regent, und eben damals befreite er sich noch von einem Nebenbuhler, indem er den Admiral des Königreiches und Grafen von Malta, Wilhelm Grasso, einen Genuesen, gefangennahm und trotz der Einsprache der Vaterstadt desselben im Gewahrsam behielt^). Bevor aber von päpstlicher Seite an einen Angriff ans Markward gedacht werden konnte, mußte erst auf dem Festlande die Autorität des Papstes gesichert und Dipold nicht bloß augenblicklich 0 Ilnvriee lit. oeeret. pont. a. IV nr. 150: Veplialnäsiwi spwc.. in- crspanäo ipvnin, iznia (Valtsrnin äe Voll. luvst et rpnn contra papain prornpit, cinars inonetnr preinwoa eorriAsrs st cproä rsj-i tiäelitatein 8tn- äsat ovasrvare. Vbsiner, älon. 8Iav. ineriä. I, 00. 2) Vgl. die Verleihungen des Königs, d. h. eben der Familiären, vom Juni 1201 an den Erzbischof von Messina, 8tarrabtza, i äiploini äella eatteär. äi blevvina p. 57, und an den Bischof von Ccfaln lungedruckt). Die übrigen Familiären werden natürlich nicht leer ausgegangen sein. Vgl. Jnnocenz 3. Zuli 1201 gegen die Familiären: eoinitatrm et varoniaa pro snas äiatrivnsntsa arvitrio volnntatia, nt vx so 8Ü>! lavorein ainplins co>n>>arent;.ex eollscta pscnnia äitavernnt coiwangninsos snoa st eonsanAninsaa äotave- rnnt, nt taesainna ea, I si aä eor rsäirs volnerint st nnne tanäein inanäatia noatris Innnüitsr et äsvots purere, . . . ip8v8 aälinc aä X. 8. gratiain aäinittsinns. Vgl. Ilnbrtes lit. sscrst. pont. a. IV nr. 130 (o. August I20I1: Oinnidna in regno 8io. eoiwti- tntis, cproä zValtero äs IMII., cpr! 80 äieit oanesllarinin regni, non ode- äiant, cprr ininricia regia regni en8toäiain äicitnr connni8i8se. — nr. 171: Vsnsradilidus tratrivna tainrliaridns rsgüa, cproä vnper reenpvrations ai- gilli rsgis äent opsrain et zValtsro äs l'. non oveäiant nllo inoäo. T'Irei- nsr I. e. p. 50. 60. 0 Xnn. äannsnsea, ül. <4. 8er. XVIII, 118. lieber den Admiral Wilhelm s. Bd. I. S. 38. Anm. 5. Die hier angenommene Identität mit Ouilel- niu8 älalconvenant, der im August 1203 als nragnna aäiniratna sein Testament macht Virrns p. 934, ist unhaltbar. Letzterer urkundet 1108 Mai als nragns inip. euris mag. in8t. für Cefalu sOIot. Jnstr. Valerino, (Ir. arelrivio) und wurde (ob durch Markward?) der Nachfolger des Onilelmua Oraavua. Durch Markwards Auftreten gegen Genua wurde natürlich der noch durch Walther von Palear im December > 200 mit der Stadt geschlossene Vertrag hinfällig, wenigstens für die Dauer der Macht Markwards. Sieilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1299. 43 besiegt, sondern mit seinem neuen Bundesgenossen, dem Kanzler, vollständig vernichtet sein. Walther von Palear hat merkwürdiger Weise, nachdem er Palermo verlassen, noch lange gezögert, ehe er mit Dipvld gemeinschaftliche Sache zu machen sich entschloß. Es scheint, daß er erst den Versuch machte, sich auf eigene Faust als Herrn in dem Theile des Königreiches cinznsjihren, welcher bei der Auseinandersetzung mit Markward ihm zugcsallen war. Erst nachdem der Papst ihn gebannt und auch vom Bisthnm Troja förmlich entsetzt hatte, that er den letzten Schritt und begab sich zu Dipold, der eben bei Ca- pua geschlagen, also nicht in einer solchen Lage war, welche ihm gestattete, die etwa vom Kanzler gestellten Bedingungen von der Hand zu weisen ^). Der Krieg ans dem Festlande erhielt dadurch unleugbar eine ganz andere Färbung. Denn während Dipold sich bisher im Widerspruche gegen die königliche Regierung bewegt hatte, trat jetzt diese selbst mit ihrer Autorität für ihn ein, als der Kanzler des Königreiches sich in seinem Lager einsand, im Einverständnisse mit den Familiären und im Besitze des königlichen Siegels, welches er von Palermo mit sich genommen hatte. Im Namen des Königs und „für den königlichen Dienst" hat Walther Domänen verpfändet, Kirchenschätze fortgenommcn und den Stiftern, welche im Bereiche Dipolds lagen, nicht unbedeutende Summen zwangsweise abacbvrgt^, welche selbstverständlich, soweit er sie nicht etwa'für seine Person verbrauchtes, zur Fortsetzung des Krieges gegen den Papst bestimmt waren. Dessen Mannschaften zogen nun *) Zur Zeit der Schlacht bei Capua war Walther sicher noch nicht be Dipold; aber unmittelbar darnach fand die Bereinigung statt. Ngl. Jnnocenz 3. Juli 1291 lluill.-Ilrsli. I, 84: suin cksvieto st t'nguto ooinposnit st Sackguts,» uititur snstiusrs. lieber Walthers Ercommnnication und Absetzung s. (4esta c. 32. 33. 2) Jnnocenz an die GroßkLmmcrer des Festlandes ls. Forsch. z. deutscb. Gesch. XII, 5S9) 22. April 1292 I-ipist, V, 21. 22. lluill.-Ilrsli. I. 87: IV. cks lAckear, sxliansto tlrssauro rsgio, ns ei et ro§ia Aratia rsgui 8!oilie saussllarius) Oktober 1291 ausgestellte Verpfandung zu Gunsten der Abtei S. Stephan von Tre Santi (zwischen Foggia und Barletta), welche 99 Goldungen hatte hergeben müssen. lluill.-lireli. I, 919. Das Merkwürdigste ist, daß er darin die sicili- schen Iluterthanen als tickslos uostri anredet und Zusicherung giebt auch im Namen nostrorniu snesessoruin. Er spricht also, als ob nicht sein Name, sondern der Name des Königs als Aussteller an der Spitze stünde. So ist denn auch das sigilli uostri iiuprsssious als Ausdrücken des königlichen Siegels zu verstehen. Ein weiterer Beleg sind zwei ungedruckte, im Namen des Königs und angeblich in Palermo 1291 August 6 ausgestellte Urkunden, durch welche dem Kloster S. Leonardo von Siponto für das, was (lualtsrius saus, st tick, »oster oapi toeit pro uostris ssrvitiis, in Barletta ein königlicher Backofen gesckenkt und Eugenius, Großkämmerer des Festlandes, mit der Ausführung beauftragt wird, der dann dieser ohne Zweckel vom Kanzler ausgehenden Weisung am 2». August gehorcht. 2 ) (Pasta s. 32: in aeonirsucko cupickus. ssä- prockiZus in ckouaucko. 44 Einleitung. 1201. freilich gleichfalls im Namen des Königs Friedrich ins Feld. Da mußte nothwendig den von beiden Theilen geplagten Unterthanen alles Gefühl und Vcrständniß dafür abhanden kommen, auf welcher Seite denn das Recht und auf welcher das Unrecht sei, und die Gewisfen mußten in dieselbe Verwirrung gerathen, welche die Politischen Zustände des Landes feit dem Tode des Kaisers kcnnzeich- nete. Auch in Deutschland sah es damals in dieser Beziehung schlimm genug aus; aber das „Dahin, dahel'", worüber der Sänger von der Vogelweide in gerechtem Eifer entbrennt, ward in Untcr- italicn noch mit ganz anderer Virtuosität gehaudhabt als jeuseit der Alpen. Eben war Peter von Celano durch die Hülfe der Päpstlichen und des Grafen von Brienne in den Besitz von Molise gelangt H, ja selbst zu der hohen Würde eines Großjustitiars des Festlandes erhoben und vom Papste wegen seiner ganz besonderen Ergebenheit belobt worden 2), als er dem Beispiele seines Schwagers, des Kanzlers, folgte nnd zu Dipold übertrat. Er änderte seine politische Haltung eben so oft als seine Titels, und er würde unbedenklich auch den Rückweg znm Papste wieder gefunden haben, wenn es seinem Schwager gelungen wäre, sich irgendwie mit demselben zu verständigen. Freilich solange die Kurie auf der Verwendung des Grafen von Brienne und der Restauration der Familie Tankrcds bestand, lag solche Verständigung noch in weiter Ferne. Einmal hatte der Kanzler, dem es an der Seite Dipvlds doch nicht recht geheuer sein mochte, schon den Schwur des Gehorsams gegen den Papst geleistet und er war von dem nach Apulien delegirten Kardinalbischofe von Porto, Petrus Galoze, sogar schon vom Banne gelost worden. Als er aber nun von dem Legaten den Befehl empfing, sich dem Grafen von Brienne nicht weiter zu widersctzen, da war seine Unterwürfigkeit plötzlich zu Ende. „Wenn Petrus von Christus selbst geschickt würde, um mir dies zu gebieten, würde ich nicht gehorchen nnd sollte ich deshalb auch zur Hölle i) (Isstrr s. 30. — (laut, (Ibrou. ox I'nntkvmi exe p. 300: Voiues otkuu Oslnususis viros suns siren Visums pnrtss sxtsuclous, eomitntus zilurss st bnrcmss xluriiuoL st ters usc,ue 8)-pontuiu Lubissit. Stach (laut. (luill. Vvr. p. 236 hat damals Peters Sohn Bcrard eine Nichte Walthers, Margarethe von Montbeliard, qehcirathet. ") Zur August ungefähr war Graf Berard von Loritello noch Grobjustitiar gewesen, s. o. S. 10 Anm. 1. Ich weiß nicht, weshalb er aufhörte, es zu sein, meine aber, durch den Tod, so daß, wenu weiterhin ein Graf Bcrard genannt wird, darunter sein gleichnamiger Sohn zu verstehen sein möchte. Ngl. sttzbelli sl. sclit.) I. zi. S4. — liubrieo lit. sssrst. pout. n. IV ur. 211 s. September 1201: Ooiniti Oelnnsusi, justit. ^pulis st Verrs boboris, oou- tiriunutur sun iura propter clevotiousiu, czuonr ncl rsgviu st rsKnum 8ieilis ostsuclit so Kobers. 'Ibsiuer I. o. p. 61. Im Herbste wird auf Dipolds Seite genannt Ilves. Ns 8. Oeriu. n. 1202 (— 1201, s. u.) p. 332: ?strus cls tSskuio, czui SOIUSL Vivilrrtsusis ciieebntur, vgl. oben S. 19 Anm. 2; Onrmen Oosenn. zn 201: VstruL Vs- usris; Oestn e. 34: ?etrus cls Veusrs lam Fuciner See) sororlus snuesl- Inrü. Die letzte Stelle macht die Identität unzweifelhaft. Lgl. Abel, Ä. Otto IV. S. 128. Sicilim während des deutschen Thronstrcites, 1198—1209. 45 verdammt werden". Mit diesem nicht eben bischöflichen Zornaus- bruchc und unter heftigen Schcltworten gegen den Papst ging er davon ^). Dipvlds Angelegenheiten hatten sich indessen, seitdem Walther von Palcar zu ihm gekommen war, keineswegs gebessert. Die Päpstlichen unter dem Grafen von Brienne blieben entschieden im Vorthcile. Sie drangen über Melfi, Monte-Pelvso und Matera in den Süden vor und empfingen die Unterwerfung von Brindisi, Otrantv und der Burg von Lecce, so daß Brienne von dem Für- stcnthum Tarent und der Grafschaft Lecce, mit welchen Jnnocenz III. ihn im Namen des Königs belehnt hatte, wirklich Besitz ergreifen konnte-). Von dort ist er dann im Herbste längs der ^stküste nordwärts gezogen, um die übrigen Städte Apuliens zu bezwingen. Barletta hatte schon dem ihn begleitenden Legaten geschworen, schloß aber doch wieder seine Thore, als das Erscheinen Dipolds am Ofanto gemeldet ward. Auf dem alten Schlachtfelde des Hannibal, zwischen der Brücke von Cannä und dem See von Salpi, trafen Deutsche und Franzosen am 26. Oktober znm zweiten Male auf einander ^). u Desta L. 94. Petrus, Bischof von Porto, war am I I. November 1200 noch am päpstlichen Hofe, Dskisls, Kein. p. 43, und kommt mir als Legat zuerst etwa im Januar 1201 vor, da Jnnocenz ihm befiehlt, den Lebenswandel des Erzbischofs von Brindisi zu untersuchen, Tlisiner I. s. p. 54. lieber seine weitere Thätigkeit, s. Jnnoc. s. September 1201 lindrios lit, ssorst. pont. a. IV nr. 202: izuock iziss snin soinits Ilrsnsnsi nsAoeia röAni 8ieiiis prn- äsntsr >>roniovsat et iicislitsr prossiznatur. 'I'Iisinsr p. 61. -) Ossta s. 30. Nach dieser Darstellung geschahen diese Eroberungen noch vor der Schlacht bei Cannä und nachdem Brienne mehr als einen Monat bei der Eroberung von Molise zugebracht hatte, also etwa im August und September 1201. Damit stimmt die Znruckbercchnung aus den in den Urkunden der Alberia und Walthers von Brienne (XaxoU, Ilraiieass. 4 IN 2. bol. 36. 37) angegebenen Jahren ihrer Regierung ; die Epoche derselben fällt vor den 22. Oktober. Ein Mal, im März 1204, wird geurkundet prineipatns äui Orraltsrii soinitis Urans st eoinitatus Ineü Uns rsgins 8il>i1io ao. III. Wie sich der bisherige Graf Robert zu den neuen Herren verhalten, wissen wir nicht. Da Brienne aber sastsllnin Disü potsntsr optinnit, wird jener wohl nicht friedlich gewichen sein. Vgl. S. 30 Amn. 1. °1 Ossta s. 34 geben eine sehr ausführliche, aber freilich auch Wunder nicht verschmähende Darstellung; doch stimmt sie rncksichtlich des Ergebnisses der Schlacht mit allen anderen Berichten überein und geht wahrscheinlich ans einen Bericht des Bischofs von Porto (s. folg. Anm.s zurück. 1i)'oe. äs 8. Dsrin. verlegt sie ins Jahr 1202, doch sicher mit Unrecht. Darm. Dsssan. v. 127: Kinins icksin Domini Insrat, ssü puAna sseuncla; ^Inn. Dsssan. p. 295: Diopuülns, Jit'riclno sts. sock sin anno st tsmpors virss rssnmsutss. Vgl. Raumer (>. Ausgabe) III, 95; Ilvlimsr, lisx. Innoe. nr. 79. Den von II/ss. angegebenen Tag: ssxto stants ostodris --- 26. Oktober (nicht etwa 6. Okt., wie Hnrter 1, 430, Böhmer I. e. und Abel, Otto IV. S. 70 haben), kann man sesthaltcn, da er durch Lnn. Dsssan.: aävsnisuto lins oetovris bestätigt wird. Das Darin. Dsss. v. 130 hat freilich >1. Oktober. Der Schlachtort ist nach Ossta: ,jnxta Uarulum; 1I)'SL.: aiinck Daunas; ^.IIN. Dsss.: in tsrritorio Uarlettas props pontsin Dannarnm; Darinsn: all nnäain pontis Danua- rnin zirops Ilarninin. 8aipinm. 8alnin. Dass Dipold und Walther von Pa- lear anS der Richtung von Foggia über Tre Santi anrnckten, beweist die im Oktober von Walther für den Abt von Tre Santi ausgestellte Obligation, s. o. S. 43 Anm. 2. 46 Einleitung. 1202. Wenn inan dem Biographen des Papstes in solchen Dingen trauen darf, waren die Franzosen und Päpstlichen hier- wie bei Capua in der Minderzahl. Aber gestärkt durch den Segen des Kardinalbischofs von Porto — der freilich, als er ihn crtheilte, selbst vor Furcht zitterte —, überzeugt von der Gerechtigkeit und der Heiligkeit ihrer Sache und deshalb voll solcher Begeisterung, daß sie auch Wunder zu sehen vermochten, gewannen sic einen so vollständigen Sieg ^), daß Dipolds Heer fast vernichtet war, jedenfalls ans lange Zeit ans dem Felde verschwand. Er selbst warf sich nach Westen in das Gebirge und entkam nach Rvcca S. Agatha; der Kanzler und sein Bruder Maneriv flüchteten nach Salpi. Unter den Gefangenen waren Tipolds Bruder, Sigfrid, und Otto von Laviano, welche das Land mit dem Schrecken ihres Namens erfüllt hatten, dann der wankelmüthige Graf Peter von Celano und endlich ein wahrscheinlich von Dipvld selbst gewaltsam in Salerno eingesetzter Gcgenbischof Girard H. Viele Schlösser, in welchen Dipold die Frucht seiner Plündernngszüge aufgehäuft hatte, fielen nun in die Hand der Siegers. LS«>2 Die Tragweite des bei Cannä erfochtenen zweiten Sieges der Päpstlichen spricht sich darin aus, daß die freilich sehr dürftigen annalistischcn Aufzeichnungen Unteritaliens aus dem Jahre 1202 keine sonderlichen kriegerischen Ereignisse zu melden haben. Dder sollte das allein Zufall sein? Die Hungersnoth, welche während dieses Jahres die ganze Halbinsel heimsnchte ^), mag an jener ver- 0 dssta I. e.: I'uit tnutrr viotorin, nt primn <^uasi unlla viäsretnr rsspestu seauuäns. — Lndries 11t. sserst. pout. n. I V. ur. 227 : Lpo Lortuvusi IsKnto eouAratnInnäo sidi super prospero sueeessu suo st aäurirauäo, uuoä eiviruteiu 8illpsnssiu eomiti ^InuupsIIi iräsiZunvit, sniu sit tratsr Ivai- tsri cts Lall. uostis rsnui. Vdsiusr p. 62; ur. 256: (loiuiti Oroueusi super eommutatious eiuornuäniu dius iuäe enptoruw, idiä. p. 63. Vgl. auch Jnnoc. c. Januar 1202 (s. Bd. I. S. 257 Anm. I) Lsgistr. äs usg. iiup. ur. 56 und 15. Mai 1202 Lpist. V, 38. Iluill.-Lrsd. I, 8g. Die Angabe der Gefangenen haben die dsstn wohl nicht aus Lem äs nsx. iiup. ur. 56, sondern Beide sie aus dem uns nicht erhaltenen Berichte des Kardinals Petrus entnommen, da dssta zu den dort Genannten noch Andere hinzusügt. 2) desta: Hing, dirrrräus, 8a1srultauus iutrusus — also der zweite Eindringling ls. o. S. 6 Anm. 1), der es sich zu Nutzen machte, daß Markward und Dipold dem Erzbischof Nicolaus nicht die Rückkehr in seinen Sitz vcrstattetcn. Bgl. Jnnoc. 12. Juni 1202 Lpist. V, 63: Vädus sxsulnt uso nä ssäsiu suai» reäirs psriuittitur, ouur äouros s^us iu ipsius osulls posoiäsaut ulisui. Und daß das Erzstift wirklich durch Markward und ans die Dauer geschädigt worden ist, erfahren wir aus Lsx. Vautr. 4 oom Juli 1251. 2) Lodert. Xltissioä. Leensil XVIII, 264. p Xuu. (Iseeau. p. 286 ; Xuu. Oasin. x. 318 und darnach L^es. äs 8. dsrm. p. 332. Sieilien während des deutschen Thronstreites, 1108—1209. ^,7 hältnißmäßigen Ruhe einigen Anthcil gehabt haben; dvch wird die letztere wohl noch mehr dadurch veranlaßt worden sein, daß nach jener Niederlage endlich mich des zähen Dipold Widerstand gegen die päpstliche Regentschaft erlahmte und fortan mehr den Charakter des Brigantaggio als den des Krieges trug. Ein Ucbersall auf San Germanv mißlang; die dabei in die Gefangenschaft der Päpstlichen gerathcnen Hauptlcnte verfielen dem Schwerte des Henkers st. Dieses augenblickliche Erstarken des päpstlichen Einflusses auf den Süden hatte in derselben Zeit statt, in welcher des Papstes Fricdensvcrmittlung auch in Ober- und Mittelitalien bedeutende Erfolge errang, während in Deutschland gleichzeitig die Angelegenheiten des Königs Philipp eine für denselben entschieden ungünstige Wendung nahmen. Der bisherige Verlauf der Dinge ans den einzelnen Schauplätzen war alsv ganz darnach angethan, den Papst in seiner bisherigen Politik zu bestärken, und Jnnoccnz war deshalb jetzt natürlich noch weniger als je geneigt, in dem deutschen Thron- streitc einen Schritt rückwärts zu t'hnn. Der Protest der Reichs- sürsten gegen das Gebahren seines deutschen Legaten empfing die schärfste Zurückweisung. Die Schlacht bei Cannä schien ihm ja für alle Fälle in dem sicilischen Königreiche einen Rückhalt zu sichern; er konnte znm ersten Male seit der Uebcrnahme der Regentschaft an die Organisation einer regelmäßigen Verwaltung denken. Walther von Brienne ward an Stelle des treulos erfundenen Grafen von Celano zum Grvßjnstitiar von Apulien und Terra di Lavoro ernannt, unter welchem Titel man alle festländischen Thcilc des Königreiches mit Ausschluß Kalabriens zusammenzufassen pflegtest. Für die Verwaltung der Finanzen auf dem Festlandc bestellte Jn- nvcenz einen Tempelritter, ,Richard, und einen Edlen, Eugenius, als Großkümmerer, indem er ihnen zugleich die Funktionen der Justitiare für die königlichen Domanialhcrrschaften übertrugt. Auch das Grvßhvfgericht scheint damals hcrgcstellt wurden zu ') I. v., wo freilich die von Pertz gewählte Ausfüllung der Lücke wieder unhaltbar ist. Die Stelle ist thcils übermalt, thcils unleserlich; ich meine, wesentlich so lesen zu müssen wie Muratori: O)opn1ckus sopoürtew irntns n I^ina- nrnnn, <,ui onin oder ouin... (das Folgende unleserlich; Pcrh: ezui oi ncklrssernt) aisvoi'ckm uumits Onnltvrlo röLvssit, emm Mnto s>n> propornt snpsr 8. Osrnnrnnin oto. Finagrana >var offenbar ein Anhänger Brienne's, von welchem er in Gemeinschaft mit einem Anderen, für dessen Rainen Richard eine Lücke liest, zu Dipold überging. ") Walther ist als Grostjustitiar zuerst 14. September 1202 nachweisbar Istnst. V, 84. Ilnili.-Iliäli. I. 02. Im nächsten Jahre bekleidete er diese Würde in Gemeinschaft mit dem päpstlichen Marschall Jakob von Andria. lieber die Eintheilung des -lönigreiches Ficker, Forsch, z. Rechtsgesch. Italiens I, 352. Anzeige der Ernennung 22. April 1202 blpist. V, 22, vgl. nr. 21. 70. Forsch, z. deutsch. Gcsch. XII, 505 Anm. 14. Engenins gehorchte 1201 August dein ilanzlcr Walther s. o. S. 43 Anm. 2; er wird also nach der Schlacht bei Cannä auf die päpstliche Seite übergctrctcn sein. Ist er identisch mit dem an der Verschwörung von 1104 gegen Heinrich VI. Bcthciligten? kstr. äs Ilbnlo V. 43. 48 Einleitung. 1202. seinZ, wie denn überhaupt das ganze Staatswesen von Grund aus neu aufgebaut werden mußte. Dabei wird die vollständige Zerrüttung der Finanzen die größten Schwierigkeiten verursacht haben, weil Jahre laug weder Steuern noch Zölle regelmäßig hatten erhoben werden können oder wenigstens nicht der rechtmäßigen Regierung zu Gute gekommen waren, während die Domänen durch die liederliche Wirthschaft der jeweiligen Machthaber und zuletzt noch durch die Verschleuderungen des Kanzlers schwere Einbußen erlitten hatten. Es schien nicht möglich, anders in geordnete Verhältnisse einzulenkcn als einerseits durch Entfernung aller nicht von der Regentschaft ernannten Beamten und andrerseits durch den Widerruf aller ohne Genehmigung derselben geschehenen Veräußerungen, welchen Jnnocenz am 22. April 1202 verfügte Die Kurie war überdies selbst im höchsten Grade bei der Ordnung der sicili- schen Verwaltung intcressirt. Denn nicht nur hatte sic bisher weder den Lehnzins noch die ihr im Testamente der Kaiserin Konstanzc ausgesctzte Rente erhalten, sondern sie war im Gegenthcil durch die vielen uothwendig gewordenen Kriegsrüstungen zu starken Vorschüssen gezwungen worden, für deren Rückzahlung die Aussichten so schlecht als möglich standen ch. Die allgemeine Roth dieses Jahres wird selbst in denjenigen Provinzen, in welchen die päpstliche Autorität nicht mehr bestritten wurde, die Einkünfte auf ein Minimum rcducirt haben, während die jetzt beginnenden Rüstungen gegen Markward aufs neue bedeutende Summen erheischten. Geld mußte also in jedem Falle beschafft werden; man schwankte nur, ob durch förmlichen Verkauf der Staatseinnahmen künftiger Jahre oder durch Aufnahme einer Anleihe ans dieselben ^). Auf der Insel hatte sich inzwischen innerhalb des Familiarcn- kollegs ein Umschwung zu Gunsten der legitimen Autorität vollzogen. Denn Jnnocenz hatte schon im vorigen Sommer, bald nachdem der Abfall des Kanzlers offenkundig geworden, für das Erzbisthnm Palermo eine Neuwahl angeordnet, und diese war ver- 0 Wenigstens wird 1202 ein Ilnrtorillns cts IMrnnieio als Großhof- qerichtsjustitiar erwähnt. Ilnill.-Ureli., Hist. üipl. Introcluetiou p. 6XXXIX. -) Lpist. V, 21. I-Iuill.-Nrälr. I, 87. b) Jnnocenz klagt 3. Juli t20I Ussta o. 33: (tümiliarss) nee uovis sseunänm oonstitutionom impsratrieis rsstitnsrnnt sxziensns, nee osnsnm äsvitnm nee, (^nncl saclsm impsratrix nolns et trntrivns nostris annis sin- Aulis stntuit psrsolvsnänm, enravorunt exsolvsro. Da die Zustände sich in den nächsten Jahren nicht wesentlich besserten, wird auch dann die Rente nicht gezahlt worden sein. 0 Jnnocenz 14. September 1202. bipist. V, 84— 87. Ilnill.-Ilräü. I, 92. Abel, K. Otto S. 83, scheint aus diesen Verfügungen einen Tadel für den Papst abzuieiten („Zu Allein muß der junge König seinen Namen hergcbewd; aber wie konnte Jnnocenz im Interesse seines Mündels Ordnung stiften, wenn er aus dem Königreiche sich keine Mittel hätte beschaffen dürfen? — Daß die Lage der einzelnen i'andestheile noch immer sehr unsicher war, ersieht man daraus, daß der Bischof von Penna, wie Jnnocenz ihm 2g. Oktober 1202 vorwirft: äs eivi- tsts ipsa nov. v. L. Imureti st Lupsrsaui somit! kiüelitntsm et üomiuinm prasstitit. Ustüelli I, Xxpenck. p. 58. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1 209. 49 mittelst des ihm allein von allen Familiären trcugebliebenen Erzbischofs Carus von Monreale auf den Bischof Peter von Mazzara gelenkt worden, welcher schon zur Zeit der Schlacht von Monreale sich als einen eifrigen Anbänger der päpstlichen Partei bewährt hatte und auch nach seiner Wahl darauf angewiesen blieb, sich durch eine entsprechende Haltung die endliche Bestätigung zu verdienen st. Die päpstliche Partei unter den Familiären gewann aber am Anfänge des Jahres 1202 noch eine weitere Verstärkung, als der Erzbischof Berard von Messina, wegen seines Anschlusses an den Kanzler gebannt »nd snspendirt, das Versprechen besserer Treue gegen den Papst und den König leistete und auf die Fürsprache des Kardinal-Presbyters Gregor von S. Vitale am 19. Juni von Jnnvccnz begnadigt ward >9. Nun konnte freilich diese neu gebildete, päpstlich gesinnte Majorität, da ihr keine Macht zur Verfügung stand, zunächst auch keine Wirksamkeit entfalten st; aber es war doch Etwas, daß die höchste Reichsbehörde sich nicht mehr zu Willkürakten mißbrauchen ließ und nicht mehr im Gegensatz zu dem gesetzlichen Vertreter des Königs sich befand. Jnnvccnz aber zog für sich aus jener Veränderung den Vorthcil, daß er fortan über die Vorgänge auf der Insel aufs beste unterrichtet ward. Was man ihm melden konnte, war allerdings wenig erfreulich: denn Markward schien seinem Ziele näher als je. Es geschah Wohl unter dem Eindrücke der Niederlage von Cannä, daß Gras Genicke Pnlcar ihm die Burg Eastellamare in Palermo und die Person des jungen Königs überlieferte st. Zwei Jahre früher hätte Markst lieber diesen, bisher nicht recht ;ur Geltung gekommenen Erzbischof Peter s. Erläuterungen II. 2, dipist, V, 00. Ter Bisckof von Cefalu ist damals wahrscheinlich diesem Beispiele noch nicht gefolgt. Denn als Jnnocen; 24. September 1202 den Familiären zum Tode Markwards Glück wünscht, schreibt er den stets getreuen Erzbischöfen von Monreale und Palermo zusammen und besonders dann dem Bischöfe von Ccialn, aber auch nickt ganz gleich, sondern in eninckein Here ino- cinin Istnst. V, 09. — lieber die Haftung des früher zu den Familiären gezählten Bischofs Roger von Catanea weist ich nichts zu sagen, da er unter den Familiären meines Wissens nicht weiter nachweisbar ist. st Ans dieser Periode des Familiarcnkollcgs kenne ich trotz eifrigen Nach- suchcns in sicilischen Archiven nur eine königliche Urkunde, das Privileg für Ca- latagironc vom Februar 1202 Ilnill.-Ilröll. I, 86. Ob es aus der Kanzlei der päpstlichen Familiären herznleiten ist oder aus der Markwards, läßt sich nicht entscheiden. Es crgiebt sich jedenfalls, daß der Aussteller im Besitze eines könig- lickcn Siegels war (nostre inaiestatis sigiilo snssiinus eominnniri), während der Kanzler ein zweites mit sick genommen hatte, s. o. S. 43 Anm. 2. Jenes wird dann nachher mit dem Könige in die Gewalt Lapparonc s gerathen sein, s. u. S. 57 Am». 3. st Jnnvccnz hat diese Wendung vorausgesehen. Er schreibt e. August 1201: elsro et popnle Uanerin. super (iiliAenti eustockia persone regls, ne ckietus IValtlisrns cle Istrliearia ipsnin t'nrari vol alignock sinistrnin in persona eins valent inaoiiinari. Ilnbrieo lit. soorst. pont. a. IV. nr. 140. Ülieiner I. e. I, 59. — Oosta c. 34: deines Oentilis reeepta peennia. sient pnblies clioelmtnr. 'I'nrreni ack inarv trackirlit illarouaiilo alnitipiL älessanain Da mit ist znsamincnzuhaltcn, was Uvea, cko 8. dorin. p. 331 berichtet und was, wie oben S. 20 Anm. 1 gezeigt ist,znm Jahre 1199 nur durch ein eigenthiim- liches Berschen des Verfassers hingcrathen ist. Jlihrb. d. dtsch. Gesch. — W i»kel IN a» n. Ltto IV. 4 50 Einleitung. 1202. ward sich vielleicht fortreißcu lassen können, über dieses Kind hinweg zum Königsthrone zu schreiten 0; jetzt fügte cs sich, daß Friedrich in Niemandes Händen sicherer war als in denen jenes Mannes, der ihm Geburts- und Thronrccht bestritten hatte ^). Nicht Regungen des Gewissens, noch weniger Furcht vor der Rache und den Strafen des Papstes werden Markward abgchalten haben, den Wehrlosen bei Leite zu schieben, sondern vielmehr die einfache und nüchterne Berechnung, daß mit der Beseitigung Friedrichs der Anspruch der Familie Tankrcds auf die herrenlos gewordene Krone des normannischen Reiches aufleben und Walther von Briennc ihm dann als vom Papste anerkannter Erbkönig gcgenübertreten werde. Solange Friedrich am Leben und in seiner Gewalt war, konnte Markward seine Stellung wenigstens mit einem Scheine der Berechtigung umkleiden, welcher umgekehrt zu Gunsten der Gegenpartei wirksam werden mußte, sobald der Name des Knaben nicht mehr die Handlungen des deutschen Kapitäns deckte. Genug, der König, in dessen Namen der Papst und das Fnmiliarenkolleg ihre Autorität übten, war jetzt in den Händen Markwards, der diese Autorität bestritt, und eben deshalb beschloß Jnnocenz zu Anfang des Mai, als ein Schreiben ans Palermo ihm jene Auslieferung mittheilte, den gleich nach der Schlacht von CanncO) geplanten Angriff ans den Usurpator jetzt nnverweilt zur Ausführung zu bringen. Der zufällig am päpstlichen Hofe anwesende Graf von Bricnne erklärte sich bereit, die Sorge für seine persönlichen Angelegenheiten den Wünschen des Papstes unterzuordnen und sobald als möglich nach Sicilien abzugehen ^). Um aber dem von der anderen Seite geschürten und anscheinend zu Zeiten auch der Kurie sich anfdrängenden Verdachte, als ob Bricnne selbst nach der Krone strebe, von vornherein einen kräftigen Riegel vorzuschicben, sollten der Kardinal Roffrid von S. Marcellin und S. Peter, der zugleich Abt von Monte Easino war, und der schon einmal in Sicilien bewährte Marschall Jakob ihn als Stellvertreter des Papstes ans dem Feldzuge begleiten und nachher bei der Ordnung des eroberten Landes die entscheidende Stimme Habens. Endlich wurde gleichzeitig die Verlobung des Königs als ein Mittel zu seiner Befreiung ins Auge gefaßt. 0 Diese Befürchtung drückte Lpist. II, 221 vom November 1199 aus, und wir müssen zugeben, daß Jnnocenz damals — weil er wußte, daß Markward die Möglichkeit, zum sicilischen Throne zu gelangen, erwog — einigen Grund zu solcher Befürchtung hatte. Die Oestu e. 35 scheinen nun, was Jnnocenz als zu befürchtende Möglichkeit ausspricht, als ganz feststehende Absicht Markwards an- znsehen, indem sie in Bezug auf 1202 sagen: inisissst irmnum in pusrnin st nsurxusset sibi soronarn, uisi oomitsin (von Bricnne) tiinnissst. 2) Raumer (I. Ausg.) III, 96. ff RsKistr. cls nsg. iinp. nr. 56, s. o. S. -16 Anm. 1. 0 Jnnocenz 15. Mai 1202 an den Erwählten von Palermo. Ilxist. V, 39. kirrns I, 128. b) Manifest an die sicilischen Untcrthanen 15. Mai 1202 Lpist. V, 38. Ilnill.-Hrsb. I, 88: Inest untern usc^ne uckso in obsscsnio rs^is st rsAni suin elnvsut liciss esu8, nt cls xnrituts intsntionis ixsius nnllus xsnitns Sicilien während des deutschen Thronstreites, l 185—1209. 51 Schon die Kaiserin Konstanze hatte mit dem Könige Peter von Aragonien über die Verlobung einer seiner Schwestern mit ihrem Sohne unterhandelt i). Ihr plötzlicher Tod brachte die Sache ins Stocken, doch nicht in Vergessenheit 2 ). Im Jahre 1202 fanden darüber weitere Verabredungen, sowohl zwischen den Familiären und dem Papste, als auch zwischen diesem und dem Könige Peter statt, bis der Letztere nicht nur die Werbung um seine jüngste Schwester Sancha annahm, sondern auch sich bereit erklärte, auf eigene Kosten zur Befreiung Friedrichs 200 Ritter oder nachher zum Schutze desselben ans Kosten der sicilischen Krone 400 bis 500 Ritter zu schicken. Tie Königin-Wittwe von Aragonien wollte in diesem Falle selbst herüberkommen und gleichsam Mutterstelle bei dem künftigen Schwiegersöhne vertreten ^). Es leuchtet ein, daß ein solches Hineinziehen der aragonesischen Königsfamilie in die sicilischen Wirren diejenigen in den Schatten gedrängt haben würde, welchen sonst nach der Befreiung des Königs die erste Stelle im Reiche Hütte Mallen müssen, vor Allen aber den Grafen von Brienne. Wir werden deshalb nicht leicht irren, wenn wir in jenem Verhältnisse die nächste Ursache erblicken ch, weshalb der Letztere seinem im Mai gegebenen Versprechen zum Trotze iu dcu nächsten Monaten durchaus keine Miene machte, den Feldzug nach Sicilien wirklich anzutreten. Sollte er sich in neue unberechenbare Gefahren stürzen, damit schließlich doch Andere die Frucht derselben ernteten? Nicht durch die Familiären, denn sie hatten den ganzen Heirathsplan cingclcitet, auch nicht durch die Aragvnesen, welche ihn angenommen hatten, und noch weniger durch den Papst, welcher einen derartigen Vertrag für überaus nützlich äslisnt änbitare, nt tamsn ainnis zisnitns snspüoio soxiatur, äil. til. II. vts. änximns äiriASinlos, oonasssn eis plsnarin potsstats, nt gornnt in illis partivns viess nostrns et psrsonam rsglam, si cls ülnrsovaläi innnn tnei-it libernta, t'asiant per t'ainiliarss rsAios ticlslitsr snstoctiri. Es ist die erste Erwähnung der Gefangenschaft Friedrichs in den päpstlichen Briefen, auch die erste Hinweisung darauf, daß das gute Einvernehmen mit den Familiären hergestellt war. Daß die Zugesellnng Rofsrids und Jakobs alles Andere war, nur nicht eine Gunst für den Grafen Walther, als welche sie der hier sehr schvnma- lende Verfasser der Kesta e. 37 bezeichnet, hat Elkan S. 54 überzeugend dar- gethan. 0 Lpist. XI, 4; Wenn die oben S. 37 berührten Heirathspläne des Kanzlers gleichfalls auf Aragonien zielten, so hat er wohl gemeint, die Aragvnesen den Franzosen entgegenstellen zu können. °) Abel, K. Otto IV. S. 131, Anm. 14. *) Jnnoccnz 5. Juni 1202 an den Marschall Jakob und ebenso an Rofsrid von Monte-Lasino und die Familiären, welche um ihre Meinung ersucht werden. I 4 ,ist. V, 51. Ilniil.-Ilreli. I, 91. Ganz besonders, wenn auch schon bei dieser Verlobung ansgemacht sein sollte, was der Inäisnlus rsr. al, Xrng. Aggt. bei (Lsüott) Ilispi. illustr. III, 64 bei Gelegenheit der späteren Verlobung mit Konstanze berichtet: xoutitsx st rsAina pastionsin lsesrant,si Iriä. ants rnntriinonirun inituin äsosäsrst, 8isilis rsAiruin ad soolssin Verclinanäo Oonstantis tratri... äslsrrstur. 4 * 52 Einleitung. 1202. erklärte, kann die Ausführung der ursprünglichen Verabredung Hintertrieben worden sein, sondern, als man sie für den Augenblick fallen ließ, geschah es, wie ich meine, vielmehr deshalb, weil ein Beharren auf derselben ein böses Zerwürfniß zwischen der Kurie und Walther von Brienne zur unvermeidlichen Folge gehabt haben würde, den man gerade jetzt nicht entbehren konnte. Es gab ohnehin auch in anderen Beziehungen und besonders, wie cs scheint, wegen der dem Grafen halb zur Stärkung seiner Autorität, halb zur Ucberwachung beigesellten päpstlichen Bevollmächtigten ch allerlei Meinungsverschiedenheiten, welche einen unsanften Briefwechsel vcr- anlaßten, am Ende aber doch dadurch beigelegt wurden, daß Jnno- cenz, um nur den Grafen in Bewegung zu bringen, in wesentlichen Dingen seinen Wünschen nachgab. Ganz abweichend von dem im Mai gefaßten Beschlüsse ward es nun am l4. September dem Grafen freigestellt, ob er den Marschall Jakob nach Sicilien mitnehmen oder zur Vertheidigung des Festlandes, das heißt: zum Schutze seiner eigenen Besitzungen gegen Dipold, zurücklassen wolle. Zu demselben Zwecke versprach Jnnocenz die festländischen Barone aufzubieten und ganz besonders die Grafen Roger von Chicti und Jakob von Tricarico ^). Von der aragonesischen Heirath aber war fürs Erste nicht mehr die Rede: der Vertrag über dieselbe wurde nicht geradezu aufgehoben; aber er wurde auch nicht ausgcführt Man a. a. O. — Die Oesta c. 35 versichern zwar, daß Markwards Versuche, den Grafen dnrch das Angebot einer Geldsumme znm Verlassen des Königreiches zu bestimmen, nichts gewirkt hätten; aber schon solche direkte Verhandlung zwischen Markward und Brienne konnte Mißtrauen erregen. Jnnocenz an Walther von Brienne Lpist. V, 84. IlniU.-llreb. I. 02. Der ganze Brief trägt den Charakter des Einlenkens und Bcsänftigcns nach Mißverständnissen, von denen am Anfänge des Briefes die Rede ist. Inder Verbindung, in welcher ick ihn glaube au'ffassen zu müssen, ist auch der Passus nicht ohne Bedeutung: lgnosirsu äs ptenituäins Arutie nostrs sseurus inän- vitutÄiu äs nobis Asrus tiäusirrin, cproä uä bonoren, st prot'oetnin tunin st'tieueitsr aspirumns; denn der Gebrauch dieser Formel an dieser Stelle beweist, daß Walther vorher Mißtrauen geäußert hat. Die Vertröstung: Nantnin bonum tibi provsuist, «inuutnin uso pnssuinns nee volurnus literis sxpki- surs, begleitet Schirrmacher l. 20 mit dem Commentar: „Unfehlbar hätte Friedrichs Besitz wieder herhaltcn müssen, um die Fremden abznfindciw - als ob das schon einmal geschehen war unv als ob es für Friedrich als König eine Einbuße gewesen wäre, wenn der Graf noch ein oder das andere Lehen im Königreiche erworben hätte. Uebrigens möchte jene Unbestimmtheit der Vertröstung vielmehr so zu deuten sein, daß Jnnocenz keineswegs beabsichtigt habe, den Grafen erheblich zu stärken. . ' ' ' Jnnocenz schreibt allerdings noch c. November 1202 Lsgistr. äs nsg. imp. nr. 80, läuill.-Lreb. 1. 99; an den Erzbischof von Köln in Betreff der Braut: sst ässponsntn st nnntii sunt miss! solsrnnss, c;ni non soluin vnin. ssä st inutrsin äsäuennt, nt hiss, pnsruin nutriat st pnslluin, und ebenso 27. Oktober 1204 ibiä. ur. III, HuiU.-llrüb. I, 112: snin intsr ipsos per äil. til. li. tit. ss. i>lnrsel>ini st ?stri prssb. oarä., Ousinsnssm ubbatsin, tuno u. s. IsAutnm,... sponsulin siut eontructn. Aber als König Peter im November 1204 selbst naL Rom kam, hat Jnnocenz mit ihm aufs neue über Sicilien während des deulschcn Lhronstreites, 1198—1209. 53 Trotz alledem ist die sicilische Heerfahrt nicht zur Ausführung gekommen, weil in denselben Tagen, da Jnnocenz alle Hindernisse derselben ans dem Wege zu räumen suchte, Markward selbst aus dem Leben geschieden war. Als er im September auf dem Wege nach Messina war, dessen Bürger ihm die Ucbergabe ihrer Stadt angebvtcn hatten, ereilte ihn in Patti der TvdZ. Es war dem kühnen Abenteurer, welcher aus dem Dunkel der Dienstmannschaft sich zu fürstlicher Geltung cmpvrgearbeitet hatte, nicht beschicken, in Sicilien die Erbschaft Heinrichs Vl. sich anzueignen. Im unheimlichen Glanze eines Meteors, so ist er am Himmel italienischer Geschichte erschienen, cinhergezogen und wieder verlöscht: weder im adriatischen Litorale noch im Süden hat er eine bleibende Spur seines Daseins hiuterlassen. Der Biograph des Papstes wandte ans ihn nicht übel das Bibelwort an: „Ich habe gesehen, wie der Gottlose empvrragte über die Cedern des Libanon. Ich ging vorbei: siehe da war er dahin; ich fragte nach ihm, und man kannte nicht mehr seine Stelle^). Da bald hernach auch Konrad, der frühere Herzog von Spolcto, starb, welchen König Philipp wahrscheinlich zum Ersätze Markwards als seinen Vertreter ins Königreich schickte, — da ferner Otto von Laviano, der bei Cannä in Gefangenschaft gerathen war, und auch der Bruder Otto's den großen Kapitänen im Tode folgten, konnte Jnnocenz mit einigem Vertrauen in die Zukunft des Königreiches schauen und sich auf dieser Seite der schwersten Sorgen überhoben glauben ch. Dipold die Verlobung verhandeln müssen I'Ipiot. XI, 4, und es ist weder die Kvnigin- Wittwe herübergekommen, noch hat der Vertrag von 1202 überhaupt Bestand gehabt. Friedrich II. mußte später die ältere Schwester seiner ersten Braut heirathen. H Nach llsstn s. 35, welche ihre Auffassung besonders ans Lpist. V, 89 und IX, 195 entnehmen, starb Markward am Steinschnitt, nach IH-so. äs 8. ksrin. p. 332 an der Ruhr. Vgl. (Ilri'on. 81s. Iwsvs bei Ilnill.-Ilrslr. I, 893. Tie Zeit des Todes crgiebt sich daraus, daß Jnnocenz am 14. September von demselben ostenbar noch nichts wußte, am 24. aber die Familiären deshalb beglückwünscht. Ispist. V, 89. IluiU.- Drob. 1. 94. — lieber Markwards Nachkommen s. Bd. 1, S. 113. Anm. 5. -) Psalm 37, 35. 36. ') Jnnocenz an den Erzbischof von Köln c. 20. November 1202 (s. o. Bd. I. S. 253, Anm. 2.) Ilsgistr. äs USA. imp. nr. 80, Huill.-Ilrälr. I, 99: lärm irr oornm äsoessn pars ipsornm srt psnitns nnunllntn, pro prrrts nrniori n sollioitnäinivns rSAiä 8ieilis lidsrnti snpsr nSA'otio impsrii pls- nius intsnäsmus'. lieber Äonrad von Spolcto s. Bd I, S. 359. Ein Sohn Konrads wird der änx Ilsinrions sein, dessen Bote äs Knlnbrin mit Wolfger von Passan 21. Mai 1204 in Rom znsammentrifst s Zingerle, Reiserechnungen S. 27. 40 : derselbe Herzog Heinrich, welcher 1205 an der Seite des Reichslegaten Lupold von Worms in Mittelitalien erscheint, s. Bd. I, S. 357 Anm. 5. Das Geschlecht Otto's von Barkstcin-Laviano scheint sich im Königreiche erhalten zu haben. Ein Markward von Laviano wird 1205 erwähnt Osstn s. 38. Ein Oddo de Laviano wird 1239 als Baron im Principato bezeichnet, und das ist wohl derselbe, welcher auch bei der Verschwörung gegen Friedrich II. im Jahre 1246 betheiligt war und dessen Sohn Gottfrid 1269 durch Karl I. die Baronie Laviano zurückerhielt. Ilnill.-Ilrsli. V, 615. VI, 917. 54 Einleitung. 1202. aber, der sich von seiner zweimaligen Niederlage noch nicht erholt hatte, erschien nicht mehr sonderlich gefährlich, und er wurde obendrein am nächsten Neujahrstage durch den Kastellan Ludwig von Somma gefangen eingebracht ^). >> Osi'inöll Eeccmu. V. 140 ff. nennt den Tag und den Kastellan, letzteren auch ^>>u. Lasiu. p. 31b, während äs 8. Osrm. p. 332 in bemerkens- werther Abweichung von den aucb von ihm eingesehenen ^.uu. Oaslu. den Kastellan von S. Agathw nennt, vielleicht nur deshalb, weil Dipold nack, der scklackt bei Canuä sich dorthin geflüchtet hatte. Zweites Kapitel. Innocen; III. und Dtpold von Acerra, 1202 — 1207. ISO» Das wunderbar schnelle Dahinsterbcn der deutschen Kapitäne in Unteritalicn und die darauf gegründete Hoffnung, in Kurzem des sicilischcn Königreiches ganz und gar Meister zu werden, wirkten dazu bestimmt mit, daß Jnuoccnz im Jahre 1203 auf die Annäherungsversuche des Königs Philipp von Deutschland kein großes Gewicht legte 2). Er fühlte sich stark genug, denjenigen Zustand der Dinge in Italien, welcher ihm der angemessenste erschien, auch ohne Einwilligung des deutschen Königs durchzuführen, während Philipp wohl sonst allerlei Zugeständnisse machen wollte, aber selbst in dieser Zeit seiner höchsten Bedrängnis; weit davon entfernt war, gerade jene Einwilligung zu gewähren. Konnte er vorläufig auch nicht daran denken, seinen Freunden im Süden Luft zu machen, so hat er sie seinerseits doch auch nicht preisgegeben. Die lange entbehrten Segnungen des Friedens und der Ordnung kehrten übrigens keineswegs so schnell, wie der Papst am Ende des Jahres 1202 gemeint hatte, in das Königreich ein, weder auf den: Festlande, noch auf der Insel. Denn dort fehlte es dem gewandten Dipold von Acerra nicht an Schlauheit und List, um seine Befreiung zu bewirken; ja, er gewann sogar in der Terra di Lavoro wieder neue Stützpunkte, indem Richard von Aquila Sessa und Konrad von Marlcnheim seine alte Kastellanci Sora znrückeroberte 3). Ans der Insel aber gab es genug Leute, welche in Markwards Fußstapfen zu treten Lust empfanden, freilich ohne ') Die Dürftigkeit der Nachrichten gestattet keine gesonderte Darstellung der einzelnen Jahre, bei welcher festliche Uebersichtlichkeit schwinden oder Vieles um des nothwendigen Verständnisses willen mehrfaäi wiederholt werden müßte. -) Bd. I. S. 296 ff. ') t^nu. Oaoin. p. 318. 6armsn Osooau. V. 151. 152. 56 Einleitung. 1203—1205. ihrem Vorbilde an Rücksichtslosigkeit und in den Wirkungen derselben gleichzukommen. Ein gewisser Wilhelm Capparone — die Biographie des Papstes nennt ihn einen Deutschen *) — brachte unmittelbar nach dem Tode Markwards den Palast von Palermo und den König selbst in seine Gewalt. Unter dem Titel eines „Hüters des Königs und Großkapitäns von Sicilien" na-hm er die Herrschaft Markwards über die Insel in Anspruch 2). Indessen weder die Genossen noch die Feinde des Verstorbenen erkannten ihn an. Der Papst bevollmächtigte vielmehr im Frühlingc den Erzbischof von Messina, den Eid ans seine eigene Regentschaft überall einzufordern, wo derselbe etwa noch nicht geleistet worden sei ^). Es gab also statt der zwei Parteien, welche sich bis zum Tode Markwards feindlich gegenüberstanden, jetzt deren drei, welche sich die oberste Gewalt streitig machten. Die an sich schon ungeheuerliche Verwirrung wurde noch dadurch gesteigert, daß auch der alte Ränkeschmied, der Kanzler, seine Hand ins Spiel mischte. Walther von Palear mochte sich allmählich doch überzeugt haben, daß der Papst mit der Berufung des Grafen von Brienne keine Restauration der alten Königsfamilie beabsichtige, und er war klug genug, die Thatsache nicht zu verkennen, daß das Glück sich mehr' und mehr zu Gunsten des Papstes entschied. Walthers Uebcr- 1) kostn e. 21. Abel, K. Otto S. 73. Gegen seine deutsche Herkunft spricht allerdings nicht der Beiname, — denn viele Deutsche nahmen von ihren liehen italienische Bezeichnungen an (ein Schloß Capparone wird 1216 in der Gegend von Benevent erwähnt, s. I^russntti, I rs^vsti äs' llom. pontsiiei p. 36) oder bekamen von den Italienern Beinamen — sondern vorzüglich die Thatsache, daß die Genossen Markwards, die deutsche Partei, mit Capparone nichts zu thun haben wollten. Oostn s. 36. Dieser hatte auch seine Frau in Licilien, welche die Mönche von Monreale mit silbernen Schalen und kostbaren Stoffen beschenkten. Lxist. VI, 03. 2) Oastn e. 36. Ans dem Umstande, daß schon in der königlichen Urkunde vom December 1202 für den Deutschorden, IlniU.-IIrsU. I, 96, die pisauische Rechnung gebraucht ist, darf man schließen, daß Capparone damals schon den König in seiner Gewalt hatte. Denn solange diese nachher dauerte, erhielt sich jene Rechnungsweise im Gebrauche der sicitischeu Kanzlei, ilää. p. 97. not. 1. Sie kommt zuletzt in einer ungedrucktcn Urkunde für >s. Giovanni degli Eremiti in Palermo vom Juni 1206 vor, während allerdings zwei andere ungedruckte Urkunden für den Grafen Amfusus von Tropea und für Guido de Claromonte vom Februar 1206 schon die gewöhnliche Jahrcszählung befolgen. Aber diese letzteren sind ausgestellt por nmnus (Innltsrii rstzni 8is. sanooli., während diese Bemerkung jenen Urkunden mit pisanischer Rechnung fehlt. Der Vorstand der Kanzlei unter Capparone war ein Protonotar L., vgl. Inuoo. I'ipwt.VIl, 131. Lpist, VI, 53. 54. IluiU.-llrüU. I, 100. Diese Stücke sind wegen des Ausstellungsortes Imtsruni (vgl. Forsch, z. deutsch. Gesch. IX, 466. 467), zusammengehalteu mit ihrem Platze in den päpstlichen Regesten, an das Ende des April 1203 zu setzen. Daselbst nr. 52 wird der Erzbischof belobt: cznoä elationis tilio äs 8ioilin psr tunin stuäinin stinAnto, sivitas blossnns in äsvotions nostrn et rsgia tiäslitnto psrsistit. An Capparone, wie Huillard meint, ist natürlich wegen des äs 8iei1is nicht zu denken, eher an Walther von Palear, der darnach einen Anschlag auf Messina gemacht haben müßte, welcher vereitelt ward, oder an seinen Bruder Gentile, welcher sich 1202 von Palermo nach Messina zurückgezogen hatte, s. o. S. 40 Anm. 4. Sicilien wahrend des deutschen Thronstreites, 1198— 1 209. 57 tritt zu Markward und Dipold erwies sich in jeder Beziehung als ein Fehler; doch er war nicht der Mann, den irgend ein Prinzip verhindert hätte, seinen Fehler zu verbessern. Er schwur dem Papste Gehorsam, er ward vom Banne befreit und von Jnnocenz, der freilich mit Recht diesem plötzlichen Gesinnungswechsel nicht recht traute und sich wohl hütete, Walthers Wunsch nach voller Einsetzung in seine kirchlichen Würden allzuschnell zu erfüllen ^), wenigstens als Kanzler wieder anerkannt. So geschah es, daß Walther sich trotz seiner politischen Niederlage an der Spitze der Geschäfte erhielt. Denn da er nun nach Sicilien ging und der Opposition gegen Capparone beitrat 2 ), ließ Jnnocenz es geschehen, daß er wieder wie früher im Namen des gefangenen Königs Urkunden und Privilegien ertheiltc^. Uebrigcns überzeugte er sich sehr bald, daß sein Ansehen zur Beherrschung der Parteien nicht mehr ansreichtc, und daß er selbst eines Rückhaltes bedurfte. Hatte er früher den päpstlichen Legaten, welche als Regenten nach Palermo kamen, ihre Stellung so zu erschweren gewußt, daß sic so schnell als möglich die undankbare Stellung anfgabcn, so veranlaßte er selbst nun, daß Jnnocenz am 1. April 1204 in der Person *) Vgl. den interessanten Brief des Papstes an den Kanzler etwa 00m Mai 1203 4-ipist. VI, 71. Iluill.-Urslr. 1. IVO. Es ergiebt sich beiläufig, daß des Kanzlers Bruder und ebenso sein Schwager Peter von Celano den Partei- wcchsel mitniachten. Vgl. tlesta 0. 36, welches die Jahre 1203 und 1204 umfaßt, während das nächste die Ereignisse auf dem Festlande von !203 nachholt. Walthers Herstellung als Bischof war für den Augenblick unmöglich, weil sowohl Troja als Palermo inzwischen anderweitig besetzt worden waren. -l desto I. e. — Vlii'nn. 8ia. Ursvs p. 893: st tuus pro rnaiori ports (mneellarius totnm 8isiln>in roauparnvit (?). Die von Abel. K. Otto S. 72, angenommene Anwesenheit des Kardinal-Abts Rofsrid auf der Insel läßt sich urkundlich nicht begründen, allerdings ebensowenig das Gegentheil. Da aber ron seiner Thätigkeit auf der Insel gar keine Spur erhalten ist, möchte ich glauben, daß 1i)ea. 4o 8. darin. n. 1202 die Absicht 202, Itpist V, 4, begreiflich, daß, wenn eingestandcner Maßen Gcmcindcgenosscn auch in Sicilicn den Schutz der Hcimathgemeinde beanspruchten, diese auch das Recht habe, sic znrüctzurnfen, und das verlangte er nochmals sehr nachdrücklich, aber, wie die folgenden Ereignisse zeigen, ohne Erfolg, Die Pisanische Politik in Sicilicn ist doch dieselbe wie in Tuscien, im Gegensätze zu allen rcichs- nnd deutschfeindlichen Elementen, für welche der Papst den Mittelpunkt abgab. 2) S. o. S. 37, Anm. 3. lieber Markwards Verhältnis; zu Genna S. 42, Anm. 4. Einzige Quelle sind 4>rn, äanneusss a. 1204. 1205, Ilon. (lorin. 8eript. XV11I, 121 — 124, da der Evnt, ttnill. 'I'vi-, in seiner allgemeinen Darstellung der sicilischcn Anarchie Itsoueil «Iso trist, clos oroisacles II. 233 nur kurz bemerkt: 14 14san ovu^uistreiit on Oesrlo snr tv roi uns cito gn> a uoni 8ara^oso. Illris czns II Illsair 1'oosnt zwiso, l'asistrcmt 1i Oanonis et la xristrsnt a toree, pnis 1a tinclreirt lougnoursnt. y Wie Wilhelm Grasso aus Markwards Gefangenschaft losgekommen ist, wissen wir nicht. Sein Nachfolger als Admiral Wilhelm Malconvenant (s. o. L, 42 Anm. 4), war auch wohl gestorben, jedenfalls vor dem August 1204. — Das intime Verhältnis; Heinrichs von Maita zu den Genuesen crgiebt sich auch daraus, daß Fürst Boemnnd von Antiochien im Juli 1205 ihnen zusammen ein Privileg ertheilt. I4b. rnr, ,1an, I, 522; 4,inr. .tan, p. 124. Ein im Interesse Genua's unternommener Angriff des Grafen auf Kreta wird daselbst zr, 125 (vgl. jedoch den Zusatz der Handschrift I) z. I. 1206 berichtet. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 61 widerrechtliche Besitznahme der Stadt seitens, der Pisaner erloschen seien. In ähnlicher Weise waren auch die übrigen Häfen des Königreiches den Einbrüchen dieser Schiffer von Genna und Pisa bloßgestellt, welche das Geschäft des Kaufmanns mit dem des Korsaren in ergiebigster Weise verknüpften. Nicht immer begnügten sic sich damit, ihre gegenseitige Eifersucht und Feindschaft Schiff gegen Schiff auszukämpfen, sondern die Sieger auf dem Wasser folgten sehr häufig den Besiegten auch auf das Land, um den Kampf dort fortznsetzcn, und das sogar in Messina und Paklmw. Die Genuesen aber haben, wenn man in dieser Beziehung ihrer Stadtchronik Glauben beimcsscn will, in der Regel den Sieg davongetragen, und namentlich ihr Besitz von Syrakus wurde nicht weiter bestritten, nachdem im Jahre 1205 eine fast viermonatliche Einschließung der Stadt durch die Pisaner mit einer vollständigen Niederlage derselben geendet hatte. Graf Heinrich von Malta vernichtete in einer glänzenden Seeschlacht auf der Rhede die Flotte derselben; Alaman da Costa aber sprengte am 19. December in einem gelungenen Ausfälle die Söldner des Rainer von Manente auseinander. Bis zum Jahre k221 hat er ungestört als Graf in Shrakns geschaltet st. Im klebrigen reiche» die uns für diese Zeit erhaltenen Nachrichten nicht hin, um ein wirkliches Bild von den Vorgängen auf der Insel zu gewinnen. Das Gleiche gilt aber auch in Betreff des Festlandes und doch würde nichts irriger sein, als wenn man ans diesem Schweigen auf die Wiederkehr allgemein befriedigender Zustände schließen wollte. Größere Schlachten wurden allerdings zunächst nicht geschlagen; aber der seit Dipolds Freikommen neu sich entspinnende kleine Krieg, bei dem bald hier bald dort gekämpft worden ist, mußte nothwcndig in der verderblichsten Weise wirken. Die päpstliche Partei bemühte sich, den im Felde besiegten Gegnern den Rest ihrer festen Burgen zu entreißen?); diese suchten ihren belagerten Freunden durch plötzliche Ueberfülle, durch unerwartetes Ansprüchen an entfernten Orten Luft zu schaffen^). Mit einer 0 Er nennt sich Hiamainlns äs! st re^ia Aratia ne eomwnnitatis Uanus oomes bFwaeuss et ä. rsKis lamiliaris in einer Urkunde vom Juni 1210, durch welche er eine Schenkung macht in tsniinento nostro L^raeuse. IluiU.-IIrsb. I, 172. Das roxia Aratia wird wohl erst 1210 (s. u.) in den Titel gekommen sein, da seine Einsetzung im Jahre 1204 einfach aä Iionorsin civitatis uostrs . . . rseepta ab so siäslitate erfolgte, ^nu. Nan. p. 122. lieber seine Beseitigung s. Winkelmann, Gesch. K. Friedrich II. Bd. I. S. 165. 2) Jnnocenz verleiht im Sommer 1203 dem Grafen Jakob von Tricarico, was er den Deutschen entreißen wird, bis znm Betrage seiner Kosten. lüpist.VI, 124. Dieser Graf und Graf Roger von Chieti waren schon längst eifrige Anhänger des Papstes. Bgl. S. 52 Anm. 2. Ans dieser Zeit stammt wohl der Bericht einer durch die Grafen von Celano (seit etwa Mai 1203 wieder päpstlich, s. S. 57 Anm. N und Tricarico belagerten Burgbesatzung, HonoompaAnus l!b. UI. tit. 3, s. n. Urkunden III. °h Äonrad von Marlenheini ersteigt in der Nacht des 26. Januar 1204 die Mauern von Bauco (auf päpstlichem Gebiete zwischen Ceperano und Frosi- none), wird aber mit Verlust hinansgetrieben. J.nn. Oseeau. p. 296. 62 Einleitung. 1203 -1205. Zähigkeit ohne Gleichen hielten diese Deutschen sest, was sie einmal hatten, und durch diese Zähigkeit durften sie hoffen sich zuletzt doch zu behaupten. In einem Lande, wo der stete Wechsel aller Beziehungen zu einer allgemeinen Krankheit der Einheimischen geworden, war festein Sinne Alles möglich. Im Herbste 1203 waren Walther von Brienne und der päpstliche Marschall Jakob, beide zugleich von Jnnocenz zu Grvßjusti- tiaren des Festlandes ernannt, dabei beschäftigt, dem Letzteren die ihm für seinen Sieg bei Monreale verliehene Grafschaft Andria zu sichern, als sie hören, daß Jnnocenz zu Anagni schwer erkrankt sei H. Sie eilen an sein Krankenlager: während ihrer Abwesenheit aber verbreitet sich dasselbe Gerücht vom Tode des Papstes, welches in Deutschland sogar schon den Namen seines angeblichen Nachfolgers mitzntheilen wußte ch, auch in den Süden, und nun läßt sich die Unzufriedenheit mit dem Rcgimente der Franzosen nicht mehr in Schranken halten. Die Erzbischöfe von Brindisi und Dtranto und der Bischof von Gallipoli machen sich zu Wortführern des Aufstandes, welcher Barletta, Matera, Brindisi, Ltranto, Gallipoli von den Kastellanen des Grasen von Brienne befreit. Er ist nicht gegen den Papst gerichtet, denn die Aufständischen erneuern sogleich den Eid der Treue gegen ihn, sondern nur gegen diejenigen, deren er sich als seiner Werkzeuge bisher bedient hat und die allerdings oft genug die in ihre Hand gelegte Macht mißbraucht haben mögen. So mächtig greift der Aufstand um sich, daß Brienne und der Marschall, von Anagni eilig ^cimkchrend, ihn nicht mehr zu überwältigen vermögen; auch die Strafandrohungen der Kurie bleiben wirkungslos, und der Marschall hat sich allem Anscheine nach zuletzt auf die Wahrnehmung seiner eigenen Interessen beschränkt. Er suchte wenigstens Andria und Mincrvino zu halten, die Hauptsitze feiner Grafschaft. Doch nur mit genauer Noth entging er einem Anschläge auf sein Leben und ist wohl schon im Laufe des Jahres 1204 auch aus Audria vertriebe» wurden ch. Gleichzeitig ist auch in den Provinzen der Westküste der Kampf wieder heftiger entbrannt. Im Herbste des Jahres 1204 gelang es dem Grafen von Brienne, sich des Schlosses Terracina in Sa- ') Olssta c. 37. lieber diese Krankheit vgl. Bd. I. S. 300. -) Bd. I. S. 300. st Uebcr den Aufstand bieten die päpstlichen Drohbriefe vom December 1203 Lpist. VI. 191. 192 die beste Kunde, Einiges auch Olssta c. 37. 3b. Aus den Andeutungen der Elfteren: si coiuss ipss contra vos in atiguo äsli- cznissst, non ctsdnsratis per vos ipsos suinsrs uitiousin, ssci acl nos rscurrsrs st ad so satisbactionsui st ^ustitiaiu postuiars, und: parati snrnns, tam cts coinits ipso cmarn aliis, contra «pnos inovsrs volnsrint c^uasstionsin, ptsnain iustitiain sxlndsrs, dürfen wir ans die Beschwerden der Aufständischen gegen Brienne schließen. Wir erkennen ferner, daß der Aufstand am Ende des Jahres 1203 noch nicht gebrochen war und, da die Ossta c. 38 den geschraubten Ausdruck brauchen: liest reenperars prsclicta nsguivisssnt, mutta tarnen accpnrers stucknsrunt, anch nachher wohl gar nicht gebrochen worden ist. Wenigstens scheint Brienne nicht wieder im Fnrsten- thum Tarent und in Lecce zur Herrschaft gelangt zn sein. Die letzte mir be- 63 Licilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1260. lern» zu bc,nächtigen. Dipold versuchte mit den Bürgern es wieder zu nehmen und bedrängte den Grafen, der bei dieser Gelegenheit durch einen Pfeiischuß ein Auge verlor, mit allem Nachdrucke. Da eilten die Grasen Noger von Ehieti und Jaeob von Triearico zum Entsätze herbei: Dipold wurde am 12. November geschlagen und verlor nun auch Lmlerno, welches bisher sein Hauptstützpnnkt gewesen war. Nur die Burg Dorre maggiore blieb noch in seiner Hand i). Im folgenden Jahre wurde Dipvld selbst in Sarno östlich von Neapel belagert. Da glaubt Briennc des Sieges sich schon so sicher, daß er allen Warnungen zum Trotz die einfachsten Vorsichtsmaßregeln versäumt. Er will diese Deutschen, die er so oft besiegt zu haben behauptet und die doch immer wieder ihm auf den Schlachtfeldern entgegentreten, nicht als ebenbürtige Gegner anerkennen; er meint, selbst bewaffnet würden sie sich nicht an einen unbewaffneten Franzosen wagen. Er sollte die thörichte Ueber- hebung thencr bezahlen. Im Morgengrauen des 11. Juni 1205 bricht Dipold in sein unbewachtes Lager, wo nun die aus dem Schlafe ansgeschreckten Franzosen nackt', unbewaffnet den Feinden in die Hände laufen. Ein Theil wird niedergemacht. Andere entfliehen; Gras Walther selbst siebt sich dadurch, daß man die Spannseile seines Zeltes dnrchschnitt und dieses dadurch über ihn znsa,n- mcnfallen ließ, wehrlos gemacht und wird schwerverwnndet gefangen. Er erlag am 14. Juni ans dem Schlosse Sarno seinen ÄZunden^) und ward daselbst in S. Maria della Fvce begraben^. kannte Urkunde Brienuc's in Angelegenheiten dieser Gebiete ist vom März 1264. Ilrnueneemnn 4. bl. 2. tot. 36'. — Jakob von Andrea erscheint noch am I. Sept. 1204, I'lpist. VII. 124, als 4ln<^. institiarins Xpulis st 'I'srrs Imboris, ist mir aber später in den Angelegenheiten des Königreiches nicht weiter vorgekommen. Leine Erwähnung z. I. 1208 bei Ik^oo. p. 333 must in ihrer Berechtigung fraglich bleiben, da die betreffende Stelle selbst interpolirt ist. S. u. 1208.' Önin,. Osesnn. v.155—160 mit dem falschen Jahre 1203. Xnn. Onsin. n. 1204 p>. 318 und darnach Uvse. cts 8. Osrm. p. 332 mit einigen Ergänzungen, lieber die genannten Sertlichkcitcn s. die Bilderhandschrift des Votrns cts Obnlo 1. 18. 22. 24, in meiner Ausgabe S. 76. — Obren. 8nv88. bei 2n- ebarin, Itsr 1tr>I. p. 227 z. I. 1205: Ooinos On^Iisinns äs Ilrsocln 8nsssas Lapitnnsns ost. Es dürfte wohl On. cls Bronn zu lesen sein. 2) (lostn s. 38. Xnn. Onsin. p. 318. 319 und darnach ll/eo. p. 332. Onrm. Oeoenn. v. 161—180 gicbt den Tag des Ueberfalls, ein ungedrucktes Xesrolox. Oieisnss den Todestag Walthers' Vgl. (tont. (4nill. 4'vr. p. 237, dessen Bericht über Walthers letzte Tage und seine Gespräche mit Dipold dock- gar zu sehr der schon früher bemerkten Tendenz zur Verherrlichung des Grafen dienen. Walther ist ihm geradezu ein Ritter ohne Furcht und Tadel. H. W. Schulz, Denkmäler der Kunst in Unteritalien II, 2 >8. Seit 1701 ist das Grabmal zerstört. — Walthers Tod wird ganz kurz erwähnt im Obrem. 6X Bnntbson vxs. p. 369; Obren. Ilrsporg p. 369; liobsrt. Xltissiocl. in Bsonoil XVIII, 273 und oon Xlbrisus in 41. (4. 8s. XXIII, 879 mit der Bemerkung: rvlisto tnnisn pmrvnlo tilio ncnnins Olnnltsro, enins tiinors icksin 'Obsobnbtus in bospitnls Xleinnnnornin ss rsctcliclit st postsn ctin vixit, lieber Dipold s. meine Bemerkung Forsch, z. deutsch. Gesch. XVI. 163. Walther II. von Bricnne aber wurde erst nach dem Tode des Vaters geboren, woraus der Wafsengefährte desselben, Graf Jacob von Triearico, die Wittwe hei- rathete. Osstn s. 38; 'I'bomas Vussus, 41. (4. 8s. XXII, 499. Vgl. IInill.-Brsb. I, 115 not. 2; Winkelmann, Gesch. K. Friedrichs II., Bd. I, S. 194 Anm. 2. 64 Einleitung. 1203—1205. Die Hoffnungen, welche Jnnocenz an den Tod Markwards geknüpft hatte, waren also vollständig zertrümmert. Es gab nach dem Tode Walthers von Brienne Niemanden, der auch nur mit der geringsten Aussicht auf Erfolg diesem unverwüstlichen Tipold hätte entgegengcstellt werden können: die Nachricht von dem Siege bei Sarno reichte hin, um Dipvld aufs neue die Thore von Salerno zu öffnen und um den Grafen von Celano zum Rückzüge von dem schon halb eroberten Alifc zu bestimmen H. Jene Handvoll deutscher Ritter und Knechte, welche sich um Dipold schaarte, machte durch ihre Ausdauer alle Comlünatioucu der päpstliche» Politik, alle für ihre Vertreibung gebrachten Opfer an Geld und Menschen zu Schanden. Man mußte fortan mit ihrer Existenz im .Königreiche als einer unabänderlichen Thatsache rechnen. Niemals aber war diese Thatsache während der seit dem Tode Kaiser Heinrichs verflossenen Jahre für die Kurie gefährlicher gewesen als gerade in diesem Augenblicke. Denn im Zusammenhänge mit dem entschiedenen Siege König Philipps in Deutschland war auch in Italien die Rcichsidee wieder lebendig geworden, und der von Philipp abgeordncte Rcichslegat, Bischof Lnpold von Worms, brachte im Herzvgthum Spolcto und in der Mark Ankona die aller Rechtsgrundlagen entbehrende Herrschaft des Papstthnms zu Falle, so daß nur ein kleiner Zwischenraum ihn von den deutschen Kapitänen im Königreiche trennte, welche wenigstens in früheren Jahren sich gleichsam als Dieustlcute Philipps betrachtet hatten ^). Die Kurie befand sich also in der That in der größten Gefahr, durch die Deutschen gleichzeitig von Norden und von Süden her aus einem und demselben Gesichtspunkte bekämpft zu werden. Sic mußte besorgen, daß in der nächsten Zeit, gleichviel in welcher Form, jene Verbindung zwischen Deutschland und Sicilicn sich erneuerte, die unter mancherlei Uebeln ihr als das schlimmste erschien. Wenn trotzdem dies Mal jene Gefahr noch vorüberging, so konnte man es in Rom vornehmlich zweien Ereignissen danken, von denen das eine sich anscheinend ganz unabhängig von den Wünschen des Papstes vollzog, das andere aber mit Recht als ein Meisterstück römischer Diplomatie angesehen werden darf, die es versteht, sich auch mit dem Unangenehmsten abzufindcn, wenn cs unvermeidlich geworden ist. Lnpold ging aus bisher noch nicht aufgeklärten Gründen plötzlich nach Deutschland zurück ^), und fast zu derselben Zeit wußte Jnnocenz den siegreichen Dipold von Accrra für sich zu gewinnen. ll^ee. äs 8. b-löi'm. a. 1205 p. 332. 2) Xuntii Xpnli waren 1204 Juni 25 in Augsburg. Kmgerle, Reiserechnungen S. 57. Ueber LupoldS Legation. s. Bd. I. S. 350—300 und unten die Nachträge. Das von Lupold eingenommene '1'urtnrstnm (Xxnmsn testium. s. S. 357 Amu. 4) glaubt Ficker III, 432 in Tortorctto, nordöstlich von Te- ramo an der Knstcnstraste gelegen, zu erkennen. So hätte Lnpold sogar schon die Grenze des Königreiches überschritten gehabt. Vielleicht gicbt Oii'on. i-sMn Union.,51. (I. 8s. XXI V, p. 7, eine Erklärung. (juoäam tsmpvrs änm äegreäanäi snusn aä loca mps cum iuZsuti manu nriuntorum subito i» sos irrusutss, vietorin ziotiti, alios vulusrnvoruut, multos stiam ssoum onptivas nbcluxs- runt, piss^us Impolckus e»>» paucis vix tügn slnpsus, cum mnAwo suo- ru»> clumpuo sntis zu-obross i'sgi'essus est — der Chronist meint offenbar nach Deutschland. Er erzählt jenes zwar z I. 1203; aber er faßt hier die ganze zweijährige Thätigkcit lütpolds zusammen. Nach Deutschland kam dieser jedenfalls erst in der zweiten Hälfte 1205 zurück, s. Bd. I, S. 385. >) (Isst-, s. 38 theilcn allein Dipolds Versprechungen mit. Uebrigens scheinen auch die 2(uu. (Hu. n. 1205 p. 319 ihm die Initiative beiznlegen: 'I'riumpbnns No bosts Diopulclus st ss ipsum bumilinus, cl. pnznr »tissis uuutüs suis (seit ipsum. . . absolvi, orockous sum ssclosias proluturum. Dem gegenüber muß die Nachricht des lt^sc. Ns 8. (Isrm. a. 1206 p. 333, daß Dipolds Absolution erst bei seiner Anwesenheit in Rom stattfand, als eine irr- thümliche bezeichnet werden, und ebenso seine Jahresangabe. Jlchrb. d. dtsch. Gesch. — W in k el m n III,, Otto IV. 5 Einleitung. 1206. 60 Könige Philipp von Deutschland zn treten. Gerade dieses letzte Versprechen war dasjenige, auf welches Jnnoccnz nach der Sachlage dieses Jahres, welche ein baldiges Erscheinen Philipps in Italien in Aussicht stellte, den größten Werth legen mußte. Nachdem Dipold alle diese Punkte beschworen hatte, wurde er mit seinen Leuten vom Banne losgesprochcn. Seinem Beispiele folgten andere Häuptlinge H: es gab einen Augenblick, in welchem alle Deutschen diesseit und jen- jeit der Meerenge in dem Papste ihren Dberherrn erkannten und Jnnoccnz gerade auf sie seine weiteren Pläne in Betreff des Königreiches baute. Dipold kam selbst nach Rom ch, und während seiner Anwesenheit am päpstlichen Hofe werden die Verabredungen getroffen worden sein, welche im Jahre 1206 zur Ausführung gelangten. ISO« 1S«7 Die nächste Aufgabe, welche Juuoecnz als Vormund Friedrichs zu lösen sich versetzte, war die vollständige Befreiung desselben aus der Gewalt Capparone's und im Zusammenhänge damit die Herstellung einer regelmäßigen Regierung auch auf der Insel. Denn im Grunde war nur der Schein einer solchen durch die Versöhnung mit Capparone im Jahre 1204 erreicht worden, indem derselbe zwar die päpstliche Autorität und den Kardinallcgatcn Gcrard als ihren Vertreter gelten ließ, thatsüchlich indessen alle Gewalt so sehr in seiner Hand concentrirte, daß das Kollegium der Familiären während dieser Jahre ganz seine Wirksamkeit eingestellt zu haben scheint ch. Dennoch blieb Capparone's Macht von allgemeiner Geltung weit entfernt. Er übte sie im Namen des Königs; aber denselben Namen gebrauchten oder mißbrauchten auch Andere, der Kanzler Walther von Palcar mit päpstlicher Genehmigung für seine 0 Kestn 1. s. nennen Markward von paviano und Konrad von Sorelta (— Konrad von Marlcnheini, s. Bd. 1, S. kW). Durch die neue Wendung der Dinge wird der Erzbischof von Salerno, Nikolaus von Ajello, endlich die Möglichkeit erhalten haben, in sein Bisthum zurückznkehren. Er hatte früher bei verschiedenen Häusern der Johanniter 7o,000 Tari nnd Pretiosen im Wertste von eo,vlw Tari deponirt, bekam jedoch mit großer Muhe nur einen Thcil zurück. Vertrag vom Juli 1206. IMIsrmo, Ilibl. vom. ^Iss. H- 12. bol. 20. 'h Xnn. Onsin. n. 1205, Ik^ss. äs 8. Oerm. n. 1206 I. e. Der Papst war bis 11. Mai 12o6 in Rom. Xpist. lX, 68. b) Es wird zuletzt im November 1203 Xpist. VI, 159 nnd dann erst wieder am 28. Jan. 1207 Ilpist. IX, 25n erwähnt. Dieser Zeit mag das Ereignis; angehören, dessen eine Zeugenaussage von 1250 gedenkt, daß Bischof Urso von Girgenti vertrieben worden sei, per somitsm OuIIIsIinnm Vnppnronsin, <;ni Inns tsinporis ornt ckoininus Xtz'rlAvnti, pro so anoä «listns splsuoims nolsdnt sl prsestnro inrnmsntnm tnlelitntls. Oieous, .Vomoris storlclis XAiÜK. Vol. l. 1873. Doenm. p. XI. Sicilie» während des deutschen Thronstreites, 1198—120g, 67 Erlasse und Beurkundungen Z und Rainer von Manente zur Rechtfertigung seiner völligen Ungebundenhcit. In Wirklichkeit herrschte also völlige Anarchie^ für welche eine gründliche Abhülfe zu finden nicht leicht war, nachdem alle bisherigen Versuche, ihrer Meister zu werden, nicht die geringste Wirkung gehabt hatten. Es bezeichnet nicht wenig die völlige Rathlosigkeit der Kurie, daß sie zur Beseitigung dieser unerträglichen Zustände gerade Dipold in Anspruch nahm. Denn wenn auch nur ein kleiner Theil der Anklagen wahr- gewesen war, welche zahllose päpstliche Bullen gegen ihn geschlendert hatten, wie durfte man ihm trotz seiner augenblicklichen Unterwerfung eine solche bedenkliche Mission anvertrauen? Man hatte jedoch keine Wahl. Einige Große des Reiches begleiteten ihn, als er im November 1206 2) von Salerno nach Palermo segelte. Welcher Mittel er sich bediente, um ans Capparone zu wirken, wissen wir nicht; genug, er brachte es dahin, daß derselbe um des Friedens willen sich bereit erklärte, den Palast und den jungen König wirklich aus- zuliefcrn. Damals stand es bei Dipold, ob er in die Rolle, welche Markward und Capparone auf der Insel gespielt, eintreten wollte: die Versuchung mag nicht gering, gewesen sein; aber sie prallte ab von der Treue, mit weicher er seinem neuen Herrn, dem Papste, diente. Er führte selbst den König ans dem Palaste in die Stadt und übergab ihn der Obhut des Kardinallegaten und des Kanzlers; er fordert sie ans, ihn nach dem fröhlichen Mahle, welches den erwünschten Abschluß des Bürgerkrieges feierte, in den Palast zurück- zubegleitcn, um auch diesen von Capparone zn übernehmen. Es war nicht möglich, einen Auftrag ehrlicher zu vollziehen, als Dipold es hier that; doch den Glauben an Ehrlichkeit hatte man in der von allseitigem Mißtrauen erfüllten Lust Palcrmo's. längst verloren. So konnte der Verdacht laut werden, daß Dipold nur deshalb den Legaten und den Kanzler zn sich in den Palast eingcladcn habe, um sich mit einem Schlage seiner Nebenbuhler zu entledigen. Wilder Tumult stört das schöne Fest: man fällt über Dipold her und nimmt ihn mit seinem Sohne gefangen^). Die Kanzlei Capparone's scheint seit Juni 1200 ihre Thätigkeit eingestellt zn haben s. o. S. 56 Anm. 2. Ob aber zwei Königsurkunden vom Sept: 1206 mit der gewöhnlichen Jahresrechnnng Iluill.-Ilrslr. l, 120 . >2! aus Walthers Kanzlei hcrvorgcgangen sind, kann zweifelhaft sein, da sie gleich denen Capparone's aller Kanzleiangaben entbehren. 2) Den Monat geben 2 ^nu. Oasin. 1. o., und ungefähr zn demselben Er- - gcbniß führt ei» Rückschluß ans lipist IX, 195 vom 6. Dec. 1206. Iluilt- tü'lw. I, 124. Da an diesem Tage Jnnoccn; schon von der Gefangennahme Dipolds weiß, müssen die Ereignisse in Palermo sich mit großer Schnelligkeit gefolgt sein. °) Die Darstellung folgt dem von Ovstn e 38 gegebenen Berichte, dessen Unparteilichkeit gegen Dipold (s. folg. Anm.) für seine Wabrhcit spricht. Ganz anders erzählt livoo. üo 8. (lornr. p. 333 den Hergang: Diopnlckns tum pn- Intiuin gnnnr rsgeni reeipit nck nnruns suns, ssä nretntns ot obsessus in ipso pnlntio n ttnnltsrio üo IMIsnrin, onptns nt> oo vst — übrigens nicht, wie die Ausgabe der ül. (4. hat, zum Jahre 1207, sondern noch zn 1206. Das 5 * 68 Einleitung. 1200.! Zwei Dinge sind bei diesem Vorgänge ganz unzweifelhaft, nämlich die Loyalität Dipolds, welcher den König schwerlich aus seiner Hand gegeben haben würde, wenn er eigennützige Absichten gehegt hätte, und dann die Urheberschaft des an ihm verübten Ver- rathes. Es gab unter den Bethciligtcn nur einen einzigen Mann, welcher ein unmittelbares Interesse an seiner Beseitigung hatte, und das war der Kanzler Walther von Palcar, von dem wir schon zur Genüge erfahren haben, daß er zu Allem fähig war, wenn seine Eifersucht gereizt ward, wenn er in den Schatten gestellt zü werden fürchtete. Obwohl Capparone den Palast noch ferner behauptete, er war doch jetzt politisch bei Seite geschoben; Dipoid war unschädlich gemacht worden, und so blieb der Kanzler allein im Besitze der königlichen Person und dadurch in seinen Ansprüchen und Handlungen legitimirt. Aber wie durfte Walther jenen abscheulichen Handstreich wagen, mit dem Legaten an seiner Seite? Wie durfte der Legat selbst zur Gefangenschaft Dipolds seine Zustimmung geben, welcher doch im Aufträge des Papstes nach Palermo gekommen war und jedenfalls dem Papste einen großen Dienst geleistet hatte? Darf man bis zu der Annahme gehen, daß überhaupt die Mission Dipolds von vornherein darauf angelegt war, ihn erst anszunützen und dann unschädlich zu machen? Das sind Fragen, welche vergeblich einer ausreichenden Lösung warten, da die Mittel zu einer solchen uns vollständig fehlen. Das wird jedoch schwer ins Gewicht fallen, daß Jnnvcenz, nachdem Dipold mit oder ohne Wissen des Papstes in die Falle gegangen war, seine Gefangenschaft als ein yöchst willkommenes Ereigniß begrüßt, ja sie als eine wohlverdiente Strafe seiner Verbrechen dargcstcllt und durchaus gebilligt hatH. Wie lange hatte sich der Kanzler um seine Wiedereinsetzung in die verlorene bischöfliche Stellung bemüht! Jnnoccnz konnte ihm freilich dieselbe auch jetzt noch nicht verschaffen, Jahr 1207 ist in der Originalhandschrift erst zu dem Satze- tibi snin Xsnpo- litanis sie., am Rande beigeschrieben. Bcmcrkcnswerth ist jedenfalls, daß der Kanzler hier die Hauptrolle spielt, ebenso wie in den Xnn. Oasin. p. 310: enn- osiinrins invitis 'I'bsutoniois bnbuit regem. — Den nur hier erwähnten Sohn Dipolds glaubt Ficker, Forsch. III, 440 in dem 1241 und 1242 vorkom- mcndcn D)'bbo1ckus äs Dragons wicdcrzuerkcnnen, sowohl wegen der Ucberein- stimmnng des Vornamens als auch weil in einer alten Chronik von Foligno Dipold der Vater der Herzoge Dragoni genannt werde. Ich weiß weder für noch gegen diese Annahme etwas beizufügcn. y Hier die charakteristische Stelle ans Dpisi. IX, 105 vom 0. Decembcr 1206 an den Grafen von Celano: niisnäs, (pmliisr äsinnin, nt äioiinr, pvesatornin snornm iünibns sironmplsxns, pro so cznin t'ortasso nobis- snin ainbnlavit in trnnäom, ei boe sibi penn peesati t'nit, czuoä rsoonei- liatns in psrsovsraniiav bono non porstiüi, pro so cznnä äin, ennr pos- sst, rseoneiliari sontsinpsii. Man sieht, welche Mühe Jnnoccnz hatte, sein Verfahren zu rechtfertigen, und man wird beachten, daß der Verfasser der Dssia o. 38, der doch sonst fast wörtlich den Darstellungen päpstlicher Briefe folgt, hier sich von ihrem Einflüsse befreit. Mit Bezug auf den angeblich von Dipolds Seite geplanten Verrätst sagt er: Dnoä n innliis ersäitnr tblso lüisss eon- iisruin, ni bas oosnsions snpsrstnr ab iilis, d. h. vom Legaten und vom Kanzler. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 69 weil wahrscheinlich eben kein Bisthum vakant war. Aber es sieht doch stark nach einer Belohnung für den wohlgelnngenen Handstreich aus, wenn der Papst jetzt dem zweideutigen Manne mit dem Titel „ehrwürdiger Bruder" wenigstens den bischöflichen Rang wieder zuerkcnnt und künftige Erhöhung verspricht. Jnnocenz handelte ferner nicht sehr würdig, als er den Schwager des Kanzlers, den Grafen Peter von Celano, welcher wegen der Versöhnung Di- polds mit dem Papste im Jahre 1205 sich wieder einmal von Letzterem losgesagt hatte H, durch den Hinweis auf die Gefangenschaft des gefürchteten Kapitäns aufs neue an sich zu ketten versuchte. Indem er so aus jenen Vorgängen in Palermo für sich selbst Nutzen ziehen wollte, machte er sich zum Mitschuldigen des an Dipold geübten Verrathes, der übrigens nicht ungestraft blieb. ' Denn was ward im Grunde durch jene Gcwaltthat gewonnen? In überschwänglichen Worten hat Jnnocenz den aus der Gewalt Capparone's befreiten zwölfjährigen Friedrich beglückwünscht, daß er wieder unter die Obhut der von seiner Mutter dazu bestellten Männer gekommen sei ; für das Land selbst entsprang daraus nur neuer Nachtheil. Dipold war für den Augenblick allerdings unschädlich ; dagegen fühlte Wilhelm Capparonc, der vorher wenigstens in keinem direkt feindlichen Verhältnisse zu dem Vertreter des Reichs- Vormundes gestanden, sich jetzt schwer gekränkt durch den Betrug, mit welchem man ihm die Person des Königs entzogen hatte. Welchen Werth hatten die ihm gegebenen Zusicherungen, nachdem nicht einmal einem Dipold Treue gehalten morden war? Capparonc stellte sich also jetzt offen auf die Seite der Gegner des Papstes und ging mit Rainer von Mancntc und den Pifanern eine Verbindung ein, welche nicht Geringeres bezweckte, als durch eine gemeinschaftliche Unternehmung in den Besitz der Stadt Palermo selbst zu gelangen. Der Anschlag, welcher im Sommer 1207 zur Ausführung kam, scheiterte jedoch, und die Pisaner wurden durch h Jnnocenz I. e.: Olnbnlclns, onius rsoonciliatio to torsitan lutem oetoros soauctalmat sto. Wir erfahren bei dieser Gelegenheit, daß Peter von Celano im Deccmber >200 Oberjustitiar des Festlandes war. Vielleicht verlor er wegen seines damaligen Verhaltens das Amt. Wenigstens hat Graf Jakob von Märsico im Juli 1208 geurkundet als I)si st rogia gratia Lomes (Llar- sioi) et inaguus >lies Magister) institiarius Xpulio et 1'srrs Imdoris. Die Ergänzung ist dadurch geboten, daß er in der Urkunde von terra nostra Llar- siei spricht. Hgüeüi VII (eüit. N p. 709. Er ist also der Sohn des Grafen Philipp Guarna von Marsico, nach einer Urkunde desselben vom Februar 1196, itiiU. p. 708, ein Neffe des berühmten Erzbischofs Romoald von Salerno. Lion. Osrm. 8er. XIX, 387 ff. 2) lipist. IX, 249 vom 29. Januar 1207. Iluill.-llrÄn I, 12Z. — Entsprechend schrieb Jnnocenz den geistlichen und weltlichen Großen des Königreiches idiU. nr. 270 (jetzt gedruckt 141VI. cts l'sLolo ckss LÜartos 1873 p. 418), und ähnlich den Familiären, diesen zugleich wegen der aragonesischcn Verlobung Friedrichs, idick. nr. 251. Der Wortlaut des letzten Schreibens ist jedoch unbekannt: wir haben nur eine kurze Inhaltsangabe bei llazm. /Lim. seol. 1207 tz 6. 70 Einleitung. 1207. den Kanzler mit großem Nerlustc ans ihre Schiffe znrückgetrieben H. Umgekehrt aber kam anch der Kanzler nicht znm Ziele, als er die nach in Capparane's Händen befindliche Kvnigsburg angriff ^). Die Aufrufe zur Unterstützung der Regierung, welche Walther van Palcar an die Barone des Königreiches richtete, fanden ebenso wenig Gehör als diejenigen, welche vom Papste ansgingen. „Wenn ihr anch weder von Gott noch vom Könige Strafe fürchtet, wenn Schuld wie Schande euch gleichgültig ist, so müßte euch doch wenigstens die Sorge für euere eigene Sicherheit und Wohlfahrt bestimmen, dem Könige Friedrich, der in der äußersten Noth sich befindet, den schuldigen und nötlstgcn Beistand zu leisten. Solange er in der Gewalt der Fremden war, mochte cs anch noch hingehen; nun aber, da er wieder in der Obhut derer steht, die feine fromme Mutter ihm bestellt hat, habt ihr keine Entschuldigung mehr. Und erkennet ihr denn nicht, daß, wenn Friedrich mit Gewalt oder Vcrrath das Leben oder das Reich verlieren sollte, es euch noch schlimmer ergehen wird als früher, da jene ohne Zweifel wieder die Herrschaft an sich reißen werden, die, wie ihr schon erfahren und hoffentlich nicht vergessen habt, weder Personen noch Nermögcn schonen? Sehet euch vor, solange cs noch Zeit ist. Wir aber unsererseits ermahnen und befehlen euch, unverzüglich und nach besten Kräften den König mit Lebensmitteln, Waffen, Schiffen und Mannschaft zu unterstützen, auf daß er in den ruhigen Besitz seines Reiches komme. Wo nicht, so werden wir thun, was unseres Amtes ist" b). 0 Xuu. öauuas n. 12o7 p. 126. — Mit dieser Niederlage der Pisaner hängt es wohl zusammen, daß sie gleich darauf fick gefügiger zeigen. Jnnoccnz schreibt 10. September 1207 an Pisa Xpist. X, 117: 8atist'nLtionsm, guam nodis tarn super taeto 8arcltnias csunm super t'nvto Lieilmo Häsin nurrtir obtulsrunt, stsi non tüerit. oinnino pert'eeta, pro tempore tarnen cluxirnus krceeptrnräarn. Die Boten hatten nämlich versprochen: czuoä ipsn potvstas Uisana pro eoinnruiiitate ipsius civitatis savedit, csuoä regnin 8iei1ias rrnn .ottsrxtsnt. Man war also jetzt bereit, die im Jahre 1202 (s. o. S. 60, Anm. t) verweigerte Garantie zu geben. ch Uesta e. 40: Oanoollarius, inrrnsrrs eum reZs in oivrtato ?airorrni, rnoüis, «gurvus potorat, iritelratur eripere palatium äs nranrtrrrs Oappa- ronis. (juoä eurn non possst ettiesre, litterrrs et iiunoios rsAis ssps elirs- xit pro suevursu per- reAirurn, ssä nullt vek pauoi sueeurrsre voluorunt. Capparone verschwindet seitdem aus der Geschichte. Die königlichen Urkunden haben nun wieder regelmäßig die Kanzleinotc: psr manus Uuaitsrii sto. Vgl. oben S. 56 Anm. 2. ILpist. X, 141: LNM illr prosul äudio rSKirum sint iuvasuri, gui nss psrsonis paroent. nso rsbus. Diese Hinweisung auf die Möglichkeit eines erneuerten Eingreifens von Deutschland her stützt die Bd. I, S. 432 ausgesprochene Ansicht, daß im Herbste 1207 noch kein Einverständnis; zwischen König Philipp und den päpstlichen Legaten in Deutschland über Siebten erzielt war. — Der Aufruf ist datirt: cl. VuseausIIas XVlIl Kal. Xov. Da dieses Datum auf die Iden des Oktober fallen würde, vermuthet Dslislo, blömoirs p. :>1: XVIII. leal. I)so. — 14. Nov. Wegen des Ortes (s. Forsch, z. deutsch. Gesch. IX, 488) ist aber jedenfalls der Oktober fcstznhaltcn und wahrscheinlich XVII Iral. Xov. zu lesen. Ich benutze die von Abel, Ä. Otto S. 84 gegebene gute Nebersetzung. Licilicn während des deutschcnThronstrcites, 1198—1299. 71 So schrieb Jnnoccnz im Oktober 1207 den Baronen. Doch weder die Kirchenstrafen, mit welchen er die Lässigkeit oder den bösen Willen derselbe» bedrohte, noch die Hinweisnng auf die Möglichkeit einer neuen Invasion von Deutschland her vermochten sie zur Erfüllung ihrer Lehnspflichten zu bewegen. Die Aufrichtung einer starken Regicrnngsgewalt entsprach ganz und gar nicht ihren egoistischen Wünschen. Es läßt sich daher nicht leugnen, daß die Verhaftung Dipolds nicht blos ungerecht, sondern zugleich im höchsten Grade unklug gewesen ist. Denn während ein aufrichtiges Zusammenwirken des Papstes, Dipolds und Capparonc's, wie cs sich im Jahre 1206 anbahntc, ihre eigenen Anhänger und die zahlreichen Elemente ans der Insel, welche jeder Ordnung widerstrebten, ziemlich in Schranken gehalten haben würde, war durch den gewaltsamen Bruch dieser vielversprechenden Combination wieder allen schlimmen Leidenschaften und der wildesten Fehde Thür und Thor geöffnet, welche bei ihrer Fortdauer auch die schon befriedeten Mohammedaner zur Rückkehr in ihre unerreichbaren Ge- birgsfesten und zu neuen Anfällen ans die christliche Bevölkerung ermnthigte *). Die Deutschen ans dem Festlande erachteten sich natürlich auch nicht mehr durch den Vertrag von 1205 gebunden. Dipolds Bruder Sigfrid bemächtigte sich des päpstlichen Notars Philipp, welchen Jnnoecnz zur Schlichtung etwaiger Zwistigkeiten zwischen Deutschen und Eingeborenen entsendet hatte, und Konrad von Marlcnhcim schwang wieder von Sora und Rocca d'Arce ans die Geißel seiner Naubzügc über die Terra di Lavoro und das benachbarte päpstliche Gebiet, zu dessen Schutze der Rektor von Campania und Maritima, Petrus de Sasso, Kardinal von S. Pndcn- tiana, nicht viel zu thnn vermochte ^). Mit der Gefangennahme Dipolds war also für den Frieden des Königreiches nicht nur nichts gewonnen, sondern obendrein das schon Errungene wieder verloren, und dieser Verlust ward noch größer, als man zur Ungerechtigkeit und Unklngheit nachträglich noch die Thorheit fügte, den Gefangenen entspringen zu lassen. Mit welchen Gefühlen er in Salerno den Boden seiner früheren Tüchtigkeit betreten haben wird, läßt sich denken. Er warf sich ohne Säumen auf die Neapolitaner, welche sich seine Abwesenheit zu Nutzen gemacht und am 25. Februar 1207 unter Anführung Gvtt- frids von Montefuscolo die verhaßte Nachbarstadt Cnmae „durch Gottes Gnade von Grund aus zerstört hatten" ^). Eine schwere ') (testn e. 40: Itsrnnrä. tluwnur. bei Onmot p. 246. Jnnoccnz batte noch im Scpt. 1206 die Kadi von Entella, Platani, Giato, Nagalicelsi u. s. w. wegen ihrer Treue belobt Ichist, IX, 158. Ilnili-tlrvü. l. 118. Ueber die Vriinde der neuen Rebellion s. ^nmri, 8tnrin äsi itlnsnlmnui III, 584 ff. 2) ttvstn o. 88. 89. — Der Notar Philipp ist wohl derselbe, welcher schon 1198 in sicilischcn Angelegenheiten beschäftigt und im Jahre 1201 dem Kardinal E'uido von Präneste als Gchiilfc in Deutschland beigcgcben war. Bd. I, S. 205. 3) 'I'rnm-Intin 8. .Inlinimo in Tletn 8!inet. Iloll 16. I^oör. p. 882, gierst bei Abel, K. Otto S. 76 benutzt. 72 Einleitung. 1207. Niederlage, bei welcher jener Gottfrid in Dipolds Gefangenschaft gerieth, kündigte ihnen im Mai seine Wiederkunft an ft. Wie wollte der Papst nun dieses tödtlich beleidigten Mannes Meister werden? Jnnocenz III. hat damals in scharfen Worten das Verhalten der großen Barone des Königreiches verurtheilt: „Ich glaubte, daß der Stachel langer Trübsal die Edlen des Landes gelehrt haben würde, den Pfad des Rechts zu wandeln. Aber mit Schmerz muß ich es sagen, Einige von ihnen scheinen unter den Hammerschlägen des Unglücks so verhärtet zu sein, daß sic um so weniger des Unerlaubten sich enthalten, je hoher die Noth der Verfolgung steigt" ft. Gewiß, Jnnoeenz hatte zu diesen gegen die Barone gerichteten Vorwürfen vollkommenes Recht; aber daß dieselben neuerdings uneingeschränkte Gelegenheit zu Befriedigung ihrer Begierden fanden, das war doch wesentlich durch den an Dipold begangenen Ver- trauensbrnch verschuldet, welchen Jnnocenz selbst sanctionirt hatte. So kam es, daß die Reichsregentschaft des Papstes unter ebenso unbefriedigenden Zuständen zu Ende ging, als sic begonnen hatte. Unehrlichkeit war stets die unvortheilhafteste Politik. Xun. Oasiu. p. 319; äs 8. Onrm n. 1207 p. 333. Wahrscheinlich wurde in Folge dieser Niederlage und da auch der Kapitän der Bürger gefangen war, Richard Graf von Fondi' durch den König, d. t>. durch den Papst, zum rsstor Livitntio ernannt. It/ev. n. 1208. 2) Lpist. X, II2. Die in diesem Briefe angeführten Gewaltthätigkeiten eines Grafen Amfusus in Calabrien gegen den Bischof Peter von Mileto sind ein starker Beweis für den hohen Grad der Anarchie, da jener Graf von Tropea nach einer p. in. Oualtsrii onus, ansgestellten königlichen Begnadigung Fedr. 1200 (ungedrnckt) selbst dem Kollegium der Familiären angehörtc. Drittes Kapitel. Das Ende der päpstlichen Regentschaft 1208 und die Anfänge Friedrichs II. LS1V8 Es ist sehr begreiflich, daß Jniwecnz IH. der fruchtlvsen Anstrengungen. durch welche Ordnung im Königreiche geschafft und dieses in eine zuverlässige Stütze gegen das Kaiserreich verwandelt werden svllte. und ebensv der darauf verwendeten großen Opfer, für welche schwerlich ein Ersatz zu hoffen war. allmählich überdrüssig zu werden anfing. Dem Ende seiner Vormundschaft, die ihm viele schlaflose Nächte gekostet hatte, sah er wie einer Erlösung entgegen l). Freilich, er mußte schon seines Rufes wegen darauf sehen, daß er sie wenigstens mit einigen Erfolgen abschloß; als der Anfang des Jahres 1208 solche brachte, zögerte er nicht, sie für die Ausführung seines Vorhabens zu benutzen. Dem Kardinalabte von Monte Casino war nämlich durch einige ihm verwandte Bürger Soras, im Morgengrauen des 5. Januar das Thor dieser Stadt geöffnet worden. Die Burg Sorella blieb aber noch in der Gewalt Konrads von Marlenheim. und so mußte die größte Sorgfalt darauf verwendet werden, die Stadt sowohl gegen diesen als auch gegen etwaige Handstreiche Dipolds zu decken. Dipold blieb jedoch nnthätig, während der Papst sogleich den Kardinal von S. Pndentiana, Petrus de Sassv. seinen Bruder Richard und seinen Kämmerer Stephan de Fossanuova mit Truppen zum Schutze der Stadt abschickte. Der Letztere mag aus der Zeit, da er Diakon von S. Elia in Ccccano gewesen war, noch manche Verbindungen in der Grenzgegend gehabt haben. Bald darauf wurde h Bgt. die ganz den Charakter des persönlich Erlebten tragende Schilderung in seinem Briefe an König Friedrich vom 29. Januar 1207. Xpist. IX. 219. 74 Einleitung. 1298. Ronrad bei einem Ausfälle geschlagen, und da er Grund hatte, dein italienischen Theile der Burgdcsatznng nicht allzuviel zu trauen, zog er cs vvr. sich freiwillig dem Bruder des Papstes kriegsgcfangcn zu geben. Das geschah am 16. Februar. Diesem ganz unerwarteten Falle von Rvcea Sorclla, die jedem Sturme getrotzt und wegen ihrer reichen Bvrräthc selbst einer langdauernden Einschließung gespottet haben wurde, folgte am 20. April die Uebergabe von Rvcea d'Arcc, der alten Kastellanci Dipolds, in der Hugo von Marlenheim gebot. Um den Preis der Freilassung seines Vetters und der übrigen Kriegsgefangenen, für 1000 Gvldunzcn und 20 Pferde, lieferte er außer Rvcea d'Arce auch Pcschio Solidv und die übrigen Burgen auf den Vvrbergen des Apennin ans, welche die Deutschen bis dahin behauptet hatten. So war die Nachbarschaft endlich von den Deutschen befreit, nachdem sie, wie der Chronist von Ceccano ausrechnet, „siebzehn Jahre lang — nämlich seit dem ersten Einfalle des Kaisers Heinrich VI. im Jahre 1101 — das Land unter ihr Joch gebeugt, in mannigfacher Weise heimgesncht und an den Bettelstab gebracht hatten" '). Der päpstliche Reichsrcgent verlieh den befreiten Städten, welche, „von dem Glücke stiefmütterlich bedacht, so lange das Joch unverschuldeter Knechtschaft getragen", aufs neue die Rechte und Gewohnheiten der nvrmännischen Zeit-). Diese Entfernung der Deutschen ans der wichtigen Grenzprovinz des Königreiches war ein Erfolg, ans den er um so stolzer sein durfte, als derselbe wesentlich durch seine Beihülfe an Truppen und Geld errungen worden war. Es war aber ferner auch der andere Umstand von höchstem Werthe für ihn, daß dieses Resultat gerade in denjenigen Monaten erreicht ward, in welchen die endgültigen Friedcnsverhandlnngen mit König Philipp zu Rom stattfanden. Wie die Nachricht von dem Beginne derselben einen wesentlichen Anthcil an der ziemlich auffälligen' Entmuthigung der deutschen Burgherren gehabt haben wird, so wird umgekehrt ihre Kapitulation nicht ohne Einfluß ans denjenigen Thcil des römischen Friedenswerkes gewesen sein, welcher die Angelegenheiten des Königreiches Sicilien betraf. Philipp hat allem Anscheine nach ans die früher von ihm in Anspruch genommene Vormundschaft über seinen Neffen verzichtet und jeglicher Einmischung in Sicilien entsagt Er konnte es um so leichter, weil ja auch des Papstes Antheil an der sicilischen Regierung in kurzer Frist, sobald Friedrich mündig ward, ein Ende h Usstn o. 39; ^nu. Ososan. p. 286; ^nn. Onsin. 318. Letztere und darnach wohl li^oc. cts 8. Oerin. p. 33 t weichen in dein einen Punkte von den (Issta ab, daß sie Sorella erstürmt werden und bei der Eroberung Konrad von Marlenheiin in Gefangenschaft gcrathcn lassen. Aber die (Isst«, unterscheiden sehr bestimmt zwischen dem für Konrad unglücklichen Kampfe und seiner freiwilligen miraenlosv prnotsr oxinionsin erfolgten Uebergabe. h Lpist. XI, 66: ck. Untsi-sni — also jedenfalls vor dem i>7. Mai, an welchem Tage Jnnocenz in Anagni war, ibict. nr. 87. 89. 2) Bd. I, S. 455. Sicilicu während des deutschen Thronstrcites, 1198—1200. 75 nehmen mußte, wie denn in der Thcit Jnnvccnz sogleich, nachdem die Berhandlungcn zu Rom zu einem erwünschten Abschlüsse gediehe» waren, die Niedcrlcgung der Rcichsvormundschaft in umfassender Weise vorbereitet hat. Am 23. Juni 1208 kam er, von vielen Kardinalen begleitet, nach S. Germanv^), umhin Grafen, Barone und Stadtvorsteher zum Landtage berufen worden waren. Aus der Bcrathung mit dieser Versammlung gingen dann die Verordnungen hervor, welche, von den Anwesenden beschworen, der künftigen Regierung König Friedrichs eine feste Grundlage zu geben bestimmt waren ^i. Man vereinigte sich zunächst zu einer Art Landfrieden und zu dem Versprechen, diesen gegen alle Unfügsamen anfrechthaltcn zu wollen. Der Wurzel alles Uebcls, daß nämlich der Geschädigte sich berechtigt glaubte, wieder zu schädigen, ward durch das Verbot der Selbsthülfe entgcgcngctretcn: der Papst sprach die Erwartung aus, daß die königlichen Beamten im Stande und Willens sein würden. Recht zu gewähren und Schadenersatz zu schaffen. Die gute Absicht, welche diese Verfügungen eingab, ist unverkennbar. Es mußte aber nach den bisherigen Erfahrungen höchst fraglich sein, ob Oberbeamte von der zu solcher Aufgabe unumgänglichen Gcrechtigkeits- liebe, Unparteilichkeit und Festigkeit zu finden sein würden. In der That, keine jener Eigenschaften zeichnete diejenigen Männer aus, welche Jnnoccnz zu Kapitänen der nördlichen Provinzen ernannte und mit außerordentlichen Vollmachten bekleidete, den Grafen Richard von Fondi und den Grafen Peter von Celano, der zugleich das früher inncgehabte Amt des festländischen Obcrjusti- Diese Reise des Papstes wird namentlich in den Lun. Oeecmu. p. 297 dargcstcllt, nnd nach diesen, mit Hinzuziehung der Ilpistolne, der Lun. Oasiu. I>. HI!» nnd Ilvee. p. 332, habe ich in Forsch, z. deutsch. Gesch. IX, 468 versucht, das Jtinerar festzustellen. Vgl. I'ottlmst, lie^-. »out. z>. 296. Zu ergänzen ist, daß Jnnoccnz vielleicht schon am 2. August lihnst. XI, 147, jedenfalls am 5. in Sora war, idicl. ur. 135. — lieber eine gefälschte Urkunde, welche Jnnoccnz angeblich in Palermo 29. Mai I2V8 für die Kirche 8. ?etri Ue II»Ine»ri gegeben babcn soll nnd Pirro nnd llghelli oft benützt haben, vgl. Harter II, 84. -s liest», e. 40: »pucl 8. 9 ihn auch Richard von Fondi geben, so ist das, an den Worten der Urkunde gemessen, ein Mißverständ- niß, aber ein begreifliches. Richard ist aber schon im folgenden Jahre als Oberjustitiar an die Stelle des Grafen Peter getreten, nach einem ungedrucktcn Befehle des Königs vom 14. April 1209. Ficker, Forsch, z. Reichs- und Rechtsgesch. Italiens I, 354. 2) Xun. Osssan. p. 297; Ossta o. 39. Es ist höchst auffallend, daß Richard als er am 0. Oktober 1208 von seinem Bruder mit Kastell Poli und dem übrigen, früher Oddo von Poli gehörigen Besitz (Bd I. S. 352) psr sup- pain ar^sntoain clsauratain belehnt ward und dafür Treuschwnr und Mannschaft leistet u, s. w., auch für die königliche Grafschaft Sora sich in Fehde und Frieden nach dem Befehle des Papstes zu verhalten verspricht, freilich salva. tiäslitats st salvo manäato rssis Zioilias. Kurator!, -iutiou. V. 849. Lpist. XII, S. °) Daß ihr Amt nicht das ganze Festland umfaßte, kann nach der Anzeige ihrer Ernennung Lpist. XI, 133: Oouritidus sto. tielslibus s Lalsruo usczus (ispsrauum, äs inari soustitutis sei ruars, und nach dem Wortlaute der Ordonnanz selbst bei II)-oo. I. o, (s. Anm. 1) nicht bezweifelt werden. Allerdings heißt es in dem Formular IDpist. XI. 132: nt T. Oslaususis st 1i. Tuncianus oornitss sint magistri sapitausi, guibus snpsr üs in Xpu- Sicilicn während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 77 gewisse Truppenzahl zur Unterstützung der Palermitaner Regierung ausgerüstet werde. Junvcenz gab ihnen noch ein Mandat an die Einwohner dieser Provinzen mit, welches dieselben auffvrdcrtc, sowohl die Ordonnanzen von S. Germano allgemein zu beschwören als auch die Kapitäne bei ihrer Ausführung kräftigst zu unterstützen i). In Betreff der übrigen Provinzen des Festlandes, der Basilicata, Apuliens und Otranto's, hat der Papst unzweifelhaft eine ähnliche Organisation beabsichtigt, und er ist, wie es scheint, anfänglich Willens gewesen, seine Reise zu diesem Zwecke bis nach Apulien anszndchncn. Aber sei es, daß in der That, wie er angab, die große Hitze dieses Sommers ihn zu sehr angriff und von der Reise abhiclt^), fei cs, daß die unerwartete Nachricht von der Ermordung des Königs Philipp, welche ihn am 25. Juli in Monte Casino erreichte"), es ihm räthlich erscheinen ließ, sich nicht zu weit südwärts zu entfernen, — genug, er führte die ursprüngliche Absicht nicht aus, sondern blieb selbst bis zum Ende des Sommers in den Grenzdistrikten des Königreiches, namentlich in Sora, der Grafschaft seines Bruders. Im Süden ließ er sich durch den Kardinaldiakon von S. Theodor, Gregor de Crescentio, vertreten. Derselbe erhielt den Auftrag, auch in Apulien die Satzungen von S. Germano in Betreff des Landfriedens und des Aufgebotes befchwö- I > n OINNSS intsnännt. Aber dies Formular war eine Beilage der Instruktion fiir den nach Apulien bestimmten Legalen, der dort erst zwei Kapitäne ernennen sollte, Icpist. XI, 13> : änos, czuos nni^ia iännsos provi äsritis (vgl. ur. 13»), ninpnstros sapitanoos statnsntsa. Der Schreiber von >32 hat also nur aus Berschen aus dem ihm vorliegenden Exemplar der Ordination von S. Germano die Namen der Kapitäne in sein fiir Apulien bestimmtes Formular herüber- gcnonnnen, statt an ihrem Platze eine Lücke zu lassen. Es kann deshalb sein Irrthum nicht gegen obige Auffassung, daß die beiden Kapitäne keineswegs für das ganze Festland ernannt worden seien, cingcwendet werden. Sie werden freilich nicht bloß zu snpitnnvi, sondern zu innAistri sapitansi ernannt, also mit jener Verstärkung des Titels, welche in der Regel den Chef der Rcichshälfte bezeichnet. Ficker a. a. O. S. 353 Anin. 6 hat jedoch gezeigt, daß sogar Kämmerer einzelner Provinzen den Titel nmAistsr führten: wie viel mehr durften es jene Kapitäne, die doch mehrere Provinzen unter sich hatten! h lüplst. XI, 133. h ibicl. nr. 130; LIsstg. L. 40. Vgl. Id^oo. I. s. Daß Jnnocenz durch die Hitze litt, bezeugen auch Xnn. Oasin. p. 319. Philipp starb am 21. Juni, und in der ersten Woche des Juli berichtete der Kardinal Hugo von Ostia dem Papste von Berona aus ausführlich über den Hergang. livA. äs nag', imp. nr. >52. Nach Id/oo. äs 8. (itsrin. erhielt Jnnocenz die 'Nachricht in S. Germano (oder Monte Casino) und zwar, da die Xini. Onsin. sie unmittelbar nach der Festfcicr des 25. Juli in Monte Casino, aber vor der Abreise des Papstes erwähnen, eben am 25. Aus der Verbindung: rsAvin intoriissv nnntiatnr. Osinäs 8ornnr ä. papa oontonäit, darf man doch schließen, daß die Nachricht die Abreise des Papstes beschleunigte. Denn er brach schon am 20. von S. Germano auf, Xnn. Eseoan. p. 297, und ging über Atina nach Sora, wo er nun bis zum 20. oder 21. September blieb. Vgl. S. 75 Anm. 1. I^ottlinst, IdsA. pont. p. 302.^ 78 Einleitung. 1208. re» zu lassen und zu ihrer Ausführung für die Südproviuzeu gleichfalls zwei Kapitäne zu erucnueu ^). Mau darf sich wundern, daß Jnnvceuz nun nicht auch finden Rest des Königreiches, nämlich für Stellten und Calaöricn, gleiche Maßregeln getroffen hat. Oder soll man deshalb sagen, daß sein Interesse au den einzelnen Theilen in demselben Maße abnahm, in welchem sie von der Grenze des Kirchenstaates entfernt lagen? Er hat allerdings die Pisaner dringend ermahnt, ihre Feindseligkeiten auf der Insel einznstcllen ch, weil er wohl hoffte, dadurch der Opposition gegen die Familiären ihren hauptsächlichsten Rückhalt zu entziehen. Jedoch diese vielköpfige Behörde unter dem Vorsitze des Kanzlers Walther, der jetzt wieder das volle Vertrancn des Papstes genoß und natürlich nicht ohne dessen Erlanbniß im Jahre 1208 znm Bischöfe von Catanea erwählt wurdet, bot nnr dann einige Bürgschaft für eine zugleich kräftige und gerechte Regierung, wenn sie selbst unter strenger Aufsicht stand. Eine solche konnte freilich von dem persönlich anwesenden Vertreter des Papstes geübt werden; aber nun geschah es, daß ungefähr um diese Zeit tz Ichiivt. XI, 130 Anzeige der Lcgation an die Stünde Apuliens m»ch in Oestri. o. 10); nn. 131 Instruktion für den Cardinal und Schwnrformcl; ur. 132 Formular der für Apulien zu erlassenden orckinntio, in welches, wie vorhcr gezeigt ist, aus Berschen die Namen der für die Nordprovinzen ernannten Kapitäne hineingerathen sind. Daß der Legat wirklich nach -Apulien ging, lehren seine Anwesenheit bei der Weihe des Erzbischofs Bcrard Eastaeca in Bari Irrens p. !3>, die deshalb nicht, wie Uirrim will, schon I2«>7 stattgcfnnden haben kann, und eine Urkunde des Legaten U. 8ipont! 10. Irnl. Inn. pnnt. ä. Iinioo. III. anno I«> (lies II) --- 17. Dcccmbcr 1208 bei Ill^ImIIi (ockit. I) VII, >it»5. Ob er aber Kapitäne ernannt hat, wissen wir nicht. Man könnte an den Vetter des Papstes, den Grafen Jakob von Andria, denken, wenn nicht gerade der Passus in der orckinntio bei IJwo. cko 8. darin., in welchem Jakob in Verbindung mit dem Legaten genannt wird, intcrpolirt wäre, s. v. S. 75 Anm. 2, und obendrein wird in Xpist. XI, I3o, woraus jener Passus entnommen ist, Jakob gar nicht genannt. Dagegen ist eine Privatschcnkung bei IluiU.-IIröli. I, 175 not. 1 ausgestellt: 1209 in. ssjit. iinta in'Lsontinin ä. OiwA-orii . . . n. s. laz;., vt ä. duAlielnn äs Ustroonvo at U. ^nckrso äs IIn.ro niNM!6 regnu ourio inn^. inotitinriormn. Das Vorkommen von zwei Großhofjnstitiarc» ist ganz ungewöhnlich, und da auch nur Andreas von Bari sich mit jenem Titel in der Urkunde unterzeichnet, bin ich zur Annahme geneigt, daß die Beiden, nämlich Wilhelm von Petrecaco und der Großhofjnstitiar Andreas, eben die Kapitäne waren, welche der Legat für die Südprovinzen ernennen sollte, und daß dadurch der Schreiber zu seinem Jrrthnm verleitet worden ist, als ob Beide auch zugleich Großhofjustitiare seien. Ein gleiches, sehr nahe liegendes Mißverständnis; ist oben in Betreff der Kapitäne der Nordprovinzen nachgcwiesen worden. — Ficker, Forsch, z. Reichsgcsch. Italiens, I. H >90 Anm. 6 vermnthet in Andreas von Bari den späteren Logotheten Andreas. 2) Xpiot. XI, 80 an Pisa vom 11. Mai 1208. 3) Ais Orrtnii. slootns erscheint Walther zuerst in einer Urkunde des Kar- dinallcgaten Gcrard vom 1. Juli I2o8. Iffrrus p. 1199. Da ist es denn höchst auffallend, daß die entsprechende, ans jene sich berufende Könistsurknude llnill-Ilreli. I, 155 gegeben ist >>. IN. (lunltorii I'nnorin. nroliiepi. r. 8ie. eniiv. Hat Walther ähnlich wie im Jahre 1200 (s. o. S. 31) der Entscheidung des Papstes vorzugrcifen versucht? Palermo war in der That damals wieder vakant. Am 20. Oktober heißt W. in einem päpstlichen Briefe I-Hiist. XI, >03: dntnn. opisoopus. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 79 der Kardinallegat Gerard Allocingola starb Z und daß fast ein Jahr verstrich, ehe der Nachfolger desselben, jener Gregor de Crescentiv, feine Geschäfte in Apulien so weit gefordert hatte, daß er daran denken konnte, auf die Insel hcrüberznkommcn ch. Das Familiaren- kolleg^) blieb also zeitweilig ganz auf sich allein angewiesen. Daß aber Sicilien ans sich selbst heraus nicht mehr zu genesen vermochte, ist auch Jnnvcenz nicht entgangen: er rechnete vor Allem ans ein entscheidendes Eingreifen von Aragonien her, welches durch die längst geplante Heirath Friedrichs mit einer aragonesischen Prinzessin veranlaßt werden sollte. Der ursprüngliche Vertrag vom Jahre 1202, nach welchem Friedrich mit der jüngsten Schwester des Königs Peter vermählt werden sollte, war freilich gar nicht zur Ausführung gelangt, obwohl Jnnoecnz an der Rechtsbeständigkeit desselben festhielt und ihn noch im Jahre 1204 zum Vorwände nahm, um die von Philipp von Schwaben beabsichtigte Verlobung seines Neffen mit der Erbtochter von Brabant zu Hintertreiben U- In einer Beziehung hatte jedoch der Papst zu der Zeit, da er dieses Projekt bekämpfte, schon zu einer Abänderung des Vertrages von 1202 seine Zustimmung gegeben, daß nämlich an die Stelle der Prinzessin Sancha ihre älteste Schwester Konstanze treten dürfe, welche mit dem Könige Emmerich von Ungarn vermählt gewesen und eben Wittwe geworden war. Sie war allerdings dem ihr zugedachtcn Bräutigam im Alter mindestens um zehn Jahre voraus, und dieser soll mit dem Tausche zunächst nicht sehr zufrieden gewesen sein ch. Indessen, so sonderbar es klingt, es kam in der That sehr wenig daraus an, ob Friedrich lieber die eine oder die andere Schwester sich als Gattin dachte — von einem Zuge des Herzens konnte in dem einen wie in dem anderen Falle ohnehin nicht die Rede sein —; er bedurfte nicht so sehr einer Frau, als das Land einer Königin, welche die allzugroße Jugendlichkeit des Regenten einiger Maßen anszuglei- chcn vermochte. Jnnvcenz hat vielleicht, als er die ältere Prinzessin zu Friedrichs Gemahlin wählte, damit zugleich dem Aragonjer einen Gefallen gcthan und thun wollen; aber er durfte es mit gutem Gewissen, weil das Bedürfnis; Sicilicns gerade diese Walst empfahl. Bei der Anwesenheit des Königs Peter in Rom im No- 0 Gerard ist zuletzt am l. Juli 1208 (s. vorher) nachweisbar und zwar als vioo ä. paps rs^ui Jiailis bainUm. Er ist auf der Insel scbst gestorben. Xoticos st oxtraits 11, 263. -) Auf der Insel kann ich ihn in eigener Urkunde erst 1209 Sept. 4 zu Milazzo Nachweisen, Ualermo, Lilöl. aoinnr. Nss. II. 12. bol. warn. II, 104; in Palermo erst 12io Oktober. UniU.-UrÄ». II, 175 not. I. Als weltliches Mitglied erscheint 1209 März Paganus de Parisio, Graf von Avellino und Butera. Ilvtzistr. da nsK. nnp. nr. III vom 27. Oktober 1204. Ilnill.-Urelr I, I >2. Bgl. Bd. I, S. 333. Abel, U. Otto S. 131 Anm. 14; oben Bd. I, S. 329. — Irplst. XI, 4 : idem tnutnin (closponsatio) sx parto protati rogls non sino stuäio nostrs Lvllioitrulinis aeozzitutuin. 80 Einleitung. 1208. vember 1204, da er seine Krane vom Papste zu Lehen nahm, wurde über die Verlobung weiter verhandelt'); doch war Jnnocenz noch im Sommer des nächsten Jahres stark im Zweifel, ob er ihre Ausführung entgegen dem Plane Philipps von Schwaben werde durchsetzen können -). Dazu kam, daß auch von Seiten des arago- uesischen Königs die Erfüllung der früheren Abmachungen immer wieder hinansgeschoben ward. Wenn er auch einmal der Negierung in Palermo zwei Galeeren zu Hülfe schickte, er hatte doch offenbar nicht Lust, zur Befreiung feines künftigen Schwagers ans der Gewalt Capparone's große Anstrengungen zu machen, und er nahm die Verhandlungen erst dann wieder auf, als diese Befreiung ohne sein Zuthun gelungen war''). Fast möchte es scheinen, als ob man in Aragonicn sich auch wegen der Zweifel an Friedrichs echter Geburt so zurückhaltend benahm. Denn als Jnnocenz am Anfänge des Jahres >208 die Sache endlich abznschließen gedachte, fand er es nöthig, gerade die erhabene Herkunft Friedrichs zu betonen, dessen Vater und Großvater Kaiser, dessen Mutter eine Kaiserin und Königin, die Laute und die Tochter eines Königs von Sici- lien und die Enkelin des großen Roger gewesen sei. Er schickte damals den Bischof von Mazzara zur Äbhvlung der Braut hinüber, hielt es aber noch immer für sehr wünschenswert!), daß die Königin- Mutter Sancha, wie cs ja schon 1202 ausgemacht worden war, ihre Tochter begleite und mit ihrer gereiften Erfahrung ihrem jungen Schwiegersöhne in Sicilien aushclfe Z. Der Bischof von Mazzara hat dann endlich zu Saragossa den endgültigen Vertrag über die Verlobung seines Königs mit Konstanze abgeschlossen und Jnnocenz denselben am 8. August 1208 zu Sora ratlficirt^). Liegt h Xpist. XI, I an König Peter! super ueMtio rnntrimouii... uliczunucko teouin tniinus vivn voce loouti. Vgl. Owstn e. 120 ff.; IU 1 ./ 11 , Lun. seol. 1204 70 ff. '0 Bd. I, S. 359 Anm. 3. Die Königin Konstanze kehrte erst, als ihr Sohn Ladizlans 1205 gestorben war, etwa im Herbste, nach Aragonicn zurück. Oout. Lckiuuut. LIou. Olsriu. 8er. IX, 590. Später erhob sie gegen ihren Schwager, König Andreas II. von Ungarn, wegen ihrer dort znrückgchaltenen Gelder und Pretiosen, Ansprüche, die sich bis auf 30,000 Mark beliefen) und verlangte ferner 12,o0o Mark für die ihr als Wittthum zugesichertcn 2 Grafschaften. Vgl. Honorius III. 23. Nov. 5. Dec. 1220 kottlmst ur. 0109.0428; 27. Jan. 1222 nr. 6777. h Zu Anfang 1207 haben aragoncsische Gesandte am päpstlichen Hofe darüber verhandelt. bipist. IX, 250; linvn. 1207 t; 0 . 0 Xpist. XI, 4 vom 26. Februar 1208 an König Peter, Iluill.-IZrsIr. I, 131; Xpist. XI, 5 an die Königin Sancha. 6> Er bestätigte in Xpist. XI, 134, Iluill.-IIruU. I, 139, den Vertrag in Betreff der Uno ckoäariu, ckonntiouos vickelioat proptsr nuptias (vgl. ILpist. XIII, 84); dagegen cks tsrtio. czuock sst urvitrio nostro aoiniuissuru, behielt er sich die Entscheidung vor. Die Bemerkung bei Ilöluuvr, IkvA. Inuoo. nr. 254: „Der König und seine «chwester waren gerade drei Tage früher in Palermo gelandet", enthält einen dreifachen Jrrthum. Nicht der König kam herüber, sondern sein Bruder; nicht im Jahre 1208, sondern erst 1209 und, wenn wirklich im August, nicht am 5., sondern am 15., s. u. Erläuterungen III. — Nach 1u- ckioulus rsr. nd 4.rg.§. ragivus xsst. bei (8elrott> llisp. illustr. III, 64 enthielt auch der Verlobungsvertrag: si Urocksrivus nuta inntriiuouiunr elsosclerst, 81 Sicilien während des deutschen Thronstreites, I! 98—1209. dieser Vertrag selbst auch nicht mehr vor, so dürfen wir doch aus der Art, wie er nachher ausgeführt ward, den Rückschluß wagen, daß Aragonien sich in demselben neuerdings, gleichwie im Vertrage von 1202, zu einer militärischen Unterstützung Friedrichs verpflichtet habe. Mit dem Landfrieden von S. Germano, mit den Anfängen einer strafferen Organisation der festländischen Provinzen und 'mit der Sicherstellung der Verheirathung des Königs glaubte Jnnocenz feine zehnjährige vormundschaftliche Regierung Siciliens beenden zu können. Vielleicht wäre die unaufhörliche Anarchie, welche aller Anstrengungen spottete, vermieden worden, wenn er sich gleich am Anfänge entschlossen hätte, die Existenz der Deutschen im Königreiche als eine unabänderliche Thatsachc hinzunehmen. Aber daraus, daß er dies nicht that, kann ihm kein Vorwurf erwachsen: wie darf man verlangen, daß er in dieser Beziehung oder sonst die Dinge von einem anderen Standpunkte als dem der römischen Kurie hätte anschanen sollen? In erster Linie war er Papst, mußte er die wirklichen oder geglaubten Interessen des Papstthums wahr- nchmen. Daher empfand er durchaus keinen Beruf, irgend etwas für die Nachfolge Friedrichs im Kaiserreiche zu thun; aber er setzte in seinem eigenen Interesse alles, daran, ihm wenigstens die sieili- sche Krone zu sichern H. Innerhalb dieser durch seine Stellung gebotenen Beschränkung hat Jnnocenz mit einer bewundernswürdigen Hingabe, die nur zu oft verkannt worden ist, seinen vormundschaftlichen Pflichten genügt. Oder wurden diese etwa dadurch beeinträchtigt, daß er, wenn eine Gelegenheit sich bot, auch seinen Verwandten ervffnctc Lehen im Königreiche anwics? Gerade in ihrer Abhängigkeit von ihm lag die Bürgschaft für ihre Treue auch gegen den König. Ilebrigcns hat Jnnocenz bei weitem nicht alle Rechte geltend gemacht, welche das Testament der Kaiserin Kon- stanzc ihm einräumtc; er hat znm Beispiel die ihm für seine Mühewaltung ansgesetzte Rente niemals erhalten, dagegen aus seiner eigenen Kasse zum Besten des Königreiches immerfort Gelder vor- geschvssen, aus deren Rückerstattung nicht so bald zu rechnen war ^). Darin, daß er nicht einfach auf seine Vorschüsse verzichtete, liegt doch gewiß keine Unbilligkeit. In seiner Vormundschaft sind manche Mißgriffe vorgekommeu: wer wollte sic leugnen? Im Großen und Ganzen würde aber 8ieii!ns rognnnr nd eoelosia ieerclii>s.näo, Oonstnntine tratri, cznsin pater snero orclini Uienverat, äet'srrotur. An sich hat eine solche Zusicherung viel Wabrscheinlichkcit für sich; aber die Bestätigung des Papstes erwähnt ihrer nicht. Oder sollte dies gerade der Punkt sein, über welchen Jnnocenz sich später äußern wollte'? 0 Gregor IX. an den Erzbischof bon Tanterbiirp: erecisns iiinin lindere cietensionis virxnnr et daeuluin sensetutis. blnttd. I'aris. Hist, innior (sei. 10401 p. 401. S. o. S. 48. Die Unkosten des Papstes wurden nachher, gewiß sehr mäßig, auf 12,800 Goldunzen berechnet. ItenUeunx eie OInu^ ur. 21—23. Jobrb. d. dtsch. Gcsch. — W inke lm >in », Otto IV. 6 82 Einleitung. 1209. auch ein Anderer schwerlich größere Resultate erzielt haben als Jnnocenz, der, van seiner persönlichen Begabung abgesehen, zu seiner Aufgabe nicht bloß das Ansehen und die Lcistnngsfühigwit des Papstthums, sondern auch den guten Willen mitgebracht hat. diese für seinen Mündel nutzbar zu machen. Sv hat er noch zuletzt, bcvvr er den König aus seiner Vormundschaft entließ, ihm die Möglichkeit einer selbständigen Existenz zu schaffen versucht, in der richtigen Erkenntniß, daß es dem Papstthnme selbst nur zum Vvr- theile' gereichen könne, wenn in seinem Lehnskönigreiche eine feste Ordnung sich herausbilde. Ob der Versuch gelingen werde, das war freilich, wenn die bisherigen Erfahrungen zu Rathe gezogen wurden, höchst zweifelhaft und hing, da die Verhältnisse und Menschen im Königreiche dieselben blieben wie zuvor, wesentlich von der persönlichen Tüchtigkeit des Königs Friedrich ab, der, mit der Vollendung seines vierzehnten Jahres am 26. Deccmber 1208 mündig geworden ch, sich nicht bloß dem Namen nach, sondern bald auch trotz seiner Jugend in eigenartigster Weise an der Regierung betheiligte. LS««» Daß das Wesen des Mannes durch die Eindrücke der Kindheit bestimmt wird, hat König Friedrich zu seinem Schaden an sich selbst erfahren, er der nur von trüben und erbitternden Erinnerungen zu zehren hatte, soweit er znrückzndcnkcn vermochte. Wie ein Spott klangen seine Namen, Friedrich und Roger, während er in Elend, Noth und Gefahr anfwuchs. Nur in wenigen Monaten seiner ersten Lebensjahre von den Augen der Mutter gehütet und tz Es ist nicht schwer, nachzuweisen, daß Friedrich erst mit diesen Termine und nicht schon, wie Abel. K. Otto 'S. 81 meint, mit Bollcndung des zwölften Jahres im Decembcr >206 oder nach Schirrmacher, K. Fridrich Bd. I, S. oi mit Bollendung des dreizehnten aus der Vormundschaft entlassen worden ist. Tie von Abel angeführten Stellen aus Lpist. IX, 158 und XI, 4 sprechen nur davon, daß der König in jener Zeit geistig heranreifte. Gegen Abels Annahme aber stehen alle von Jnnocen; bis ins Jahr 1208 geübten Regierungshandlungen, namentlich der Landtag des Papstes zu S. Germano, und endlich der Umstand, daß noch am 1. Juli 1208 der Kardinal Gerard sich rsAni 8ioilio dainlus nennt ls. o. S. 79 Anm. 1). Dagegen hat der von 1208 bis ins Jahr 1210 im Königreiche nachweisbare Kardinal Gregor von S- Theodor niemals mehr diesen Titel geführt, sondern nur als apostolischer Legat fungirt. Das allein kann fraglich erscheinen, ob die Mündigkeitserklärnng Friedrichs nicht schon zur Zeit des Landtages von S. Germano erfolgte, da die (Ivvta Innno. s. 40 von derselben sagen: liest, iain tsmpus ftalii vxspii'irskist. Aber der Verfasser tonnte sich so ansdrücken, weil Jnnocenz seitdem sich nicht mehr direkt an der Regierung betheiligt hat. Freilich ist zu beachten, daß Frievrich selbst in seinem Gesctzbuckie Ooustn. lid. II tit. 42, im Anschlüsse LN ein altes Gesetz, den Beginn der Rechtsfähigkeit an die Vollendung des 18. Jahres knüpfte, aber allerdings nur für die llnterthanen. Huill.-Ilrstz, IV, ilo. Sicilien während des deittschen Lhronstreites, 1198—1209. 83 mit vier Jahren vollständig verwaist, war er vvn frühester Jugend an fremden Leuten überlassen geblieben, vvn denen auch nicht ein Einziger ihm wahre und uneigennützige Thcilnahme entgegengcbracht hat. Alle, welche sich nach der Reihe seiner Person bemächtigten, der Kanzler Walther von Palear, der Bruder desselben Gentilc von Manupello, Markward von Auweiler, Wilhelm Capparone und wieder der Kanzler, sie haben sich sämmtlich seiner nur als eines Mittels zur Legüimirung ihrer selbsüchtigen Absichten bedient, nur insoweit sich seiner angenommen, als es ihren Interessen entsprach. Die natürliche Gabe des Kindes, schnell herausznfühlcn, wo es auf Wohlwollen, Gleichgültigkeit oder Abneigung rechnen darf, wird Friedrichs Herz früh seiner Umgebung verschlossen haben, noch bevor er aus ihren Handlungen über ihre Gesinnungen zu urtheilen vermochte. Aber auch das Urthcil konnte nicht lange ansbleiben. Wie hätten die Enthüllungen, welche die einzelnen Machthaber- gegenseitig über ihre Beweggründe vor der Oeffentlichkeit machten, nicht die Binde von den geistigen Angen des Knaben reißen sollen! Aus der Erkenntniß, daß Jeder, der sich ihm näherte, nur bemüht war, ans seiner Hülflosigkeit Nutzen zu ziehen, nahm er sich für sein Leben die Lehre, daß Niemandem zu trauen das Sicherste sei. Ans der Vereinigung aber dieser Erkenntniß mit dem Bewußtsein seiner Ohnmacht entsprang bei ihm die Kunst der Verstellung. Sie ward seine Waffe gegen eine Welt, in der er, ans sich allein angewiesen, von Niemandem geliebt wurde und Vielleicht selbst Niemanden liebte H. Wie er der elterlichen Pflege hatte entbehren müssen, so mangelte ihm auch der Halt, den gutthätige Verwandte gewähren. Er hatte keine. Denn nachdem auch König Philipp dahingcgangen war, war Friedrich allein vom Hause der Staufer übrig, wie er zugleich der letzte männliche Sproß vom normannischen Königs- geschlechte war, dem er durch seine Mutter entstammte. Die Kirche hatte freilich Elternstelle an dem Vereinsamten zu vertreten gelobt; indessen die wirklich wohlgemeinte Fürsorge, welche Jnnocenz III. aus der Ferne her bethätigtc, konnte um so weniger den Mangel tz Diese Vereinsamung rmd Hülflosigkeit drückt sehr gut der Brief Univsr- oio orl>i8 prineipibno aus, der freilich, trotz Raumer III, 99, nur eine Uebungsschrist ist und deshalb von Ilnill.-IIrsb. 1, 78 nicht unter die echten stücke hätte gesetzt werden dürfen. Einzelne Wendungen und Ausdrucke darin scheinen aus Jnnocenz' Brief vom .1. Juli 1291 entnommen, so daß die Schrift immerhin alt sein könnte. Die viel citirte Stelle! agaum intsr Inpoo initiooinino ete. hat Vielleicht schon Xieol. .ianwilia, hinrat. 8or. VIII. 493 benützt: In pupillari astats 8im poot nti-irm^ns parsutio niortsni intsr t^raniioo 8S onainczns 8iil>8taiitiani laesrantso ijiiaoi agnno intsr lupoo reniaiwit. Aehnlich sagt noch die späte Iliot. inioe. Ilonon. ioso. XIV sx.), ibicl. XVIII, 248: Ilsnebs 8i pnö Niro, oliv gnsl tanoinllo riinan688S trat lnpi, perclis 1i baroni si partirono Is eitta st Is oastslia tra loro. — Von den Zeitgenossen ist Friedrichs gefährdete Lage wohl bemerkt worden z. B. Vnn. 8. I'ruckpsrti a. 1292, LI. (4. 88. XVI, 292: Ilio tsinporibin- Vriclericno in 8isilia sx inaterna Iisreclitate liest oboenrs rsAiiabat psrienloss^ns intsi-cluni ob ockium pa- trio st sxportani oaeps regibno psi-lickiain 8ienlornin. 84 Einleitung. 1200. an Blutsverwandten ersetzen, weil Friedrichs sehr nusgebildetcs Mißtrauen allem Anscheine nach sehr früh auch diese Fürsorge wieder beargwöhnte f). Unzweifelhaft sind es die Einflüsterungen Walthers von Palcar gewesen, welche den jungen König auch des Trostes beraubten, wenigstens in der Ferne einen Freund zu besitzen. Friedrich ist mit keinem der Männer, welche abwechselnd sich der Regierung in seinem Namen bemächtigten, sv lange zusammen gewesen als gerade mit dem Kanzler. Vom Jahre 1198 bis 1201 und von 1206 bis 1210 hat Walther von Palcar den jungen König fast ununterbrochen in seiner Nahe gehabt, und obwohl er, der ganz in politischen Geschäften und Jntrignen anfging, sich selbst schwerlich mit dem Unterrichte und der eigentlichen Erziehung desselben befaßt haben wird ^), wie hätte es geschehen können, daß der Knabe und nachher der Jüngling nicht Manches, bewußt oder unbewußt, von ihm angenommen Hütte? In der That, die Gewandtheit, auch in unerwünschten Lagen dem Schicksale stets eine günstige Seite abzngewinnen, die rücksichtslose Boranstellung des persönlichen Vorthcils, die Werthschätznng der Herrschaft an sich, die Geschicklichkeit in der Hcrbeischafsnng und Ausbeutung finanzieller HülsSmittel, kurz alles dasjenige, worin der Kanzler thcils die Kunst, thcils den Zweck der Regierung setzte, hat an Friedrich einen so gelehrigen Schüler gefunden, daß er zuletzt selbst den Meister übertraf. Irre ich nicht, so dürfte für den Konflikt, welcher bald nach der Großjährigkeit des Königs zwischen ihm und dem Kanzler ausbrach, vorzugsweise in ihrer Geistesverwandtschaft die Erklärung zu suchen sein. Das U Daraus scheinen die ersten Versuche seiner Opposition gegen Jnnoccnz psii8i8; von der zweiten Periode heißt es daselbst: snb esns tntslne prnesiäin innr ndnltus. — Jnnocenz 25. Juli 1210 , Iluill.-IIröb. I, 170: errrn ts enstodiorit bnetenns et nntrierit ne pro dslsnsions tun st rsg'ni tui Inboreo et nn- Aores, nnxietntes st nsesssitntss innltiplises 8ustinnit. Jnnocenz war früher nicht immer dieser Meinung gewesen. — Vborrisr, 11i8t. 6e ln lutts äeo pnpS8 et 6s8 oinpsrerrrs (1. Ansg > II, 47 sagt von dem Äardinallegatcn Ccncio Savelli sirrthümüch statt: Cinthins): II mit prS8 6s 8on silsve 1s8 Iionnnso Iso plus in8trnits 6s In 8isi1e st sntrs nntrs8 I'svecgrrs 6s Ontnne, qni 6s bonus bsurs inopirn nn zonno prines le gont 608 , lettreo. Chcrrier hat entweder bei dem Bischöfe von Catanca an eine andere Persönlichkeit gedacht als an Walther von Palear oder sich in dem irrigen Glauben befunden, daß Walther schon im Jahre 12oo Bischof von Catanea gewesen. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198-1209. 85 früh ausgeprägte monarchische Selbstgefühl Friedrichs, für welches fchvn die nächste Zeit zahlreiche Belege bietet, sträubte sich dagegen, dem Kanzler jene Machtsülle zu lassen, welche dieser wie sein persönliches Eigenthum anzusehen sich gewöhnt hatte, und vbendrein mußte Friedrich den Kanzler gut genug kennen, um gegen ihn wo möglich noch größeres Mißtrauen zu empfinden, als gegen irgend einen Anderen. Es ist zwar begreiflich, wenn die lange Berührung mit einer so bedenklich angelegten Natur, wie die Walthers von Palcar war, einen keineswegs günstigen Einfluß auf die Charakterbildung des Königs auszuüben vermochtet ein innigeres Verhält- niß hat zwischen ihnen sicherlich nie bestanden. Man kann zweifeln, ob Friedrich sich überhaupt in seiner Jugend zu irgend Jemandem hingezogen gefühlt habe. Gelegentlich wird erzählt, daß er als zehnjähriger Knabe gern mit dem Kardinal Gerard Allvcingola, welcher im Jahre 1204 als päpstlicher Statthalter nach Palermo kam, zusammen gewesen sei ^). Wenn aber auch Capparone, in dessen Gewalt Friedrich sich damals und bis 1206 befand, dem Verkehre mit dem Kardinal keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt zu haben scheint, konnte dieser Verkehr einem Ersatz für alles Andere werden, was Friedrich entbehren mußte, ein Ersatz für Eltern, Verwandte nnb Jugendfreunde? Die Vereinsamung, in der seine Knabenjahre verstrichen, die Sorge sogar um das tägliche Brot, welche ihm nicht immer erspart worden ist 2), die Zweideutigkeit der Leute, welche seine tägliche Umgebung bildeten, alle schlimmen Erfahrungen, welche von selbst sich ihm anfdrängtcn, haben gemeinschaftlich den König Friedrich zu dem gemacht, als welcher er uns in den Jahren der Selbst- regiernng cntgcgentritt. Sie haben ihn die Menschen kennen und verachten gelehrt; sie haben ihn zur Selbständigkeit erzogen und zur Selbstsucht geführt; sie haben seinen Verstand früh gereift und sich von ihm diesen in seiner Lage allerdings unschützbaren Vvrtheil mit einer unsäglichen Verödung des Gemüthes bezahlen lassen. Es war eine traurige Jugendzeit^). Aber man darf billig erstaunen, daß er trotz der Ungunst der äußeren Verhältnisse in jenen Jahren den Grund für jene Fülle des Wissens zu legen vermochte, welches ihn in reiferem Alter weit über die meisten seiner Zeitgenossen cmpvrhob und von jeher ebenso allgemein ancrkannnt worden ist, wie die merkwürdige Mischung der kirchlichen und der 0 desto, o. 36: rex cts1eetoboti.il' io ssus pressntio st cls sno oonso- lotions gonclebot. Vgl. oben S. 59. Gerard war schon 1172 Kardinaldiakon geworden sTocche, Heinrich VI.. A. 114 Amn. 6), also um 1204 mindestens in den Fünfzigern, wahrscheinlich aber viel älter. '0 S. o. S. 27 Anm. 5. si Ich babe keine Veranlassung, nach dem Erscheinen von Reuters Gesch. d. Aufklärung Bd. 11, der mir eben zukam, als dieser Abschnitt in den Druck gehen sollte, an demselben Veränderungen vorznnehmen. Nur das Eine muß ich gegenüber Reuter II, 256 ff. betonen, daß wir über Friedrichs Geistesrichtung und Glanbensstand in seiner Jugendzeit gar nichts wissen. 86 Einleitung. I2VV. unkirchlichen, der italisch-normännischen und der orientalischen Elemente in seiner Bildung Diese Mischung ward hauptsächlich durch die frühe Berührung mit dem Islam und seiner Kultur veranlaßt, für welche in Sicilien überhaupt und besonders in Palermo mehr als irgendwo sonst Gelegenheit war. In maurischem Stil waren die Schlösser errichtet und ausgcschmückt, in welchen Friedrich auf- wuchs, und aus deren arabischen Wandiuschriften seine normannischen Vorfahren zu ihm sprachen, die Kirchen und Kapellen, in welchen er seine srüheste» Gebete verrichtete. Rings um Palermo lagen maurische Paläste und Lusthäuscr in üppigen Parks und Gärten versteckt, welche mit ihren rauschenden Wassern, ihren Palmen und den Pflanzen und Thieren der Fremde von manchem arabisch-sici- lischen Dichter besungen worden sind'). Ans den Gebirgen aber, welche nach der Landseite hin den Blick hemmte», da hausten in thatsüchlicher Freiheit jene verwilderten mohammedanischen Stämme, welche nur zu häufig als Räuber in die lachenden Landschaften der Küste herabstürmte», während in den Städten der letzteren, vor allem in Palermo selbst, ihre friedlicheren Glaubensgenossen nach wie vor als Handels- und Gewcrbslcute unter ihren eigenen Kadis und im Allgemeinen, wenn nicht die Glaubcnswuth erwachte, im besten Einvernehmen mit ihren christlichen Nachbarn lebte» -). Mit besonderer Vorliebe pflegte man sie in der Stcucrverwaltnng oder für den Dienst im Palaste zn verwenden ^). So hatte man es in den Zeiten der normünnischen Könige gehalten, deren Hof durchweg einen orientalischen Charakter zeigt; ebenso machte Friedrich selbst cs in späteren Jahren, und obwohl die Versolgnngen, welchen die mohammedanische Stadtbevölkcrnng während seiner Jugendzeit wiederholt ausgcsetzt war, sie an Zahl und Geltung herabgebracht haben werden, fehlt es nicht an Spuren, daß sic auch während dieser Zeit wenigstens im Hvfdicnste sich erhielt. Mochte der christliche Siciliancr zn Zeiten die Männer des feindlichen Glaubens fanatisch verfolgen, es kam bei dem Jahrhundert langen Zusammenleben ganz von selbst, daß er aus ihren eigcnthümlichcn Kunstfertigkeiten, ans ihrer Sprache und Literatur, ans ihren Sitten und Gebräuchen und sogar aus ihrer Religion Manches in sein eigenes Leben und in seine Anschauungsweise herübernahm. Er zehrte unbewußt von der Summe der Kultur, welche während des letzten Jahrtausends Römer, Bhzantincr, Mohammedaner und Iluillnrä-Itreliollvs, ltLlwvi'Llivü r>nr los inonnments, not. I. lieber den Garten Gennet-ol-Ardh s. o. S. 25 Anm. I. Gedichte auf die Favara und andere Ünstparks bei ^nniri III, 751 ff. ''l Das bezeugen die vielen Privaturkunden, z. B. für S. Trinitn (Palermo, Staatsarchiv), in denen sich sehr häufig, wie griechische, jo auch arabische Zcngen- unterschriften mitten unter den lateinischen finden. ^) h'nloninlns g. 25b i Kulti tlarrrreenoi nin, gni vel in ngotlnmis suis insroidus vouäsnclis z-rnoornnt, vel in elonnis liscntes roüelitns oolli^oönnt. Vßl. Djemal'eddin bei ülivliarnl VII, 550. Ein Amineddal nennt sich I2D2: oliin maxister rsAÜ staduli. ^.nmri III, 5d5 not. 2. Sizilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 87 sranzösche Normannen auf feinem Boden fo zu sagen abgelagert hatten. Aber wie sehr in dieser Kulturmischnng das griechische und noch mehr das mohammedanische Element übcrwog, das beweisen die erwähnten Schloß- und Kirchenbauten selbst der Normannen H, das lehren die literarischen Bestrebungen der Sicilier bis weit in das dreizehnte Jahrhundert hinein ^). Ein Wunder wäre cs gewesen, wenn allein der junge König, welcher in dieser schon halb der Welt des Orientes angehörigen Umgebung heranwuchs, ihr fremd geblieben wäre. Ihr Einfluß auf ihn hat im Laufe der Jahre offenbar noch Angenommen, zuletzt in dem Grade, daß die Mohammedaner ihn fast als den Ihrigen ansehen zu dürfen glaubten. Dadurch ist sowohl sein sittliches Bcrhaltcn bestimmt worden, welches bekanntlich später die schwersten Anklagen von Seiten des Abendlandes rechtfertigte, als auch sein religiöser Jndifferentismus und vor allem die Richtung, in welcher er Befriedigung für die Bedürfnisse seiner früh geweckten Geistesrcgsamkeit suchte. Wem aber verdankte Friedrich die Anregung zu wissenschaftlichen Studien, welche in diesem Maße bei den Fürsten der Zeit ganz ungewöhnlich waren, und jenen Schatz des Wissens, welchen zu mehren er während seines Mannesalters eifrig bemüht gewesen ist? Ein Eapparone mochte ihn in den Anfängen der Wafsenknnst unterweisen 2), das Beispiel deS Kanzlers ihn in die Geheimnisse der Rcgicrnngsweisheit einführen; doch weder der Eine noch der Andere wird im Stande gewesen sein, einen solchen Unterricht zu crthcilcn, wie Friedrich ihn offenbar genossen hat. So erschloß sich diesem das Verständnis; vielfacher Sprachen, welche entweder wie das Italische, Griechische und Arabische im Lande selbst gesprochen wurden oder wie das Lateinische und Französische als Kirchen- Staats- und Hofsprachen einem Regenten unentbehrlich waren Z. h Bgl. A. Springer, Die mittelalterliche Kunst in Palermo. Bonn s> 09 . 4" und rpirmri III, 817 ff. ^.umri III, 094. An Graf Gentile von Palear und an Markward kann auch in dieser Bestehung nicht gedacht werden, weil ihr Zusammensein mit Friedrich in zu frühe Jahre desselben fällt. >) Ilivod. I'srinr.: IIuAuarum cloetns. (Ilrrou. AVsiu^urt., Origr (luslk. V. 55: linFnarnm osilieot Irrtum st vrrlAnri, grrrsoa, Arrlliorr et srirrrrovnrsg. peritns. Die angebliche Compilation des llieorä. blalespiui, blurnt. 8or. VIII, 954, fügt dazu noch das Deutsche: sspps liuAun latiim s II uostro par- Irrrs 8 4 tsclsseo, t'rrrimsss, Ai-eso 6 srrrrrreiussso. Diese mehr als bedenkliche Quelle ist meines Wissens die einzige, in welcher Friedrich ausdrücklich Kenntnis; des Deutschen beigelegt wird. Dass er später bei seinem langen Aufenthalte in Deutschland sie sich verschafft haben wird, ist allerdings wahrschein- licb. Aber Abel, K. Otto S. 92, und nach ihm Schirrmachcr, Friderich I, 30, behaupten cs schon für die Jugendzeit, weil Friedrich bis in sein viertes Jahr unter der Pflege der Herzogin von Spoleto und nachher auch in Palermo in deutscher Umgebung ankwnchs. Jedoch ist es keineswegs ganz sicher, daß die Herzogin eine Deutsche war, s. Ld. I, S. II Amn. 3, und eine deutsche Umgehung in Palermo ist, abgesehen von Markward, der aber nur kurze Zeit den König bei sich hatte, nicht nachweisbar; denn Capparone war vielleicht kein Deutscher, s. o. S. 58 Amu. I. Immerhin wird Niemand behaupten wollen. 88 Einleitung. >209. Vor allein aber wurde der juiM Fürst auch zu erusteu Studien und so erfolgreich angeleitet, daß die Beschäftigung mit philosophischen, mathematischen, naturwissenschaftlichen und medizinischen Fragen nachher die Lust des Erwachsenen, eine Erholung von den Regiernngssorgcn werden konnte ch. Wer einen.solchen Trieb znm daß da keine Gelegenheit gewesen wäre, Deutsch zu lernen. Im höchsten Grade aber scheint mir der Schluß Abels S. 93 haltlos: „Die Macht, die noch ein halbes Jahrhundert lang deutsche Sprache und Dichtung in Untcritalien behauptet haben, ist der lebendigste Beweis dafür, daß Friedrich sie kannte und liebte." Er beruft sich dabei ans W. Wackernagel, Altfranzösische Lieder und Leiche S. 238 ff., der „von einem deutschen Hofe mit deutscher Poesie in welschem Laude" spricht, ohne irgend einen haltbaren Grund für diese Behauptung beizubringen. Heinrich VI., dein allerdings zwei deutsche Gedichte bcigclcgt worden sind ,Sim- rock bei Abel, Ä. Philipp S. 286 ), aber sehr mid Unrecht >s. M. Haupt iin Iudex leet. Ilvrol. 1857), war doch zu kurze Zeit im Süden und von poetischer Einwirkung auf das geknechtete Land weit entfernt. Friedrich II., der Walther von der Bogelwcide unterstützte, brauckt deshalb noch kein Gönner der deutschen Poesie gewesen zu sein und hat selbst, wenn die ihm zngcschriebencn Gedickte wirklich sein sind, in italischer Mundart gedichtet. (I'neti de! >,ri,uo seecdo della liu^ua ital. stdreims 1816. I, 34—68. Das Gedicht Uoiede ti uiaos amoro setzt 'I'iradosedi, 8tor. >1. lett. ital. IV, 342, um 1212, Vreseimdeue, 6ou>. ä. volß. poesia III, 23, gegen 1230 an). Äonrad IV. kommt gar nicht in Betracht, und von Manfreds Gunst für deutsche Dichter, einer an sich sehr unwahrscheinlichen Sacke, weiß eben nur der über solche entfernte Dinge wenig zuverlässige Ottokar ls. Lorenz, Geschqu. D. I, 2081. Haute, I>o vulgär! eloguio e. 12 rühmt den Hof Friedrichs und Manfreds gerade wegen der Pflege der italienischen Volkssprache. Ein deutscher Hof mit deutscher Poesie hat in Liei- lien niemals existirt, am wenigsten aber in Friedrichs Jugendzeit. Die Einwirkung der deutschen Xunst auf die sicilische, namentlich in der Technik (Wackcr- nagel S. 245 ff.), erklärt sich einfacher und natürlicher ans dem gelegentlichen Aufenthalte von Sicilianern in Deutschland und deutscher ritterlicher Dichter im Lüden seit 1212, ohne daß bewußte Förderung von Seiten des Herrscherhauses stattgcfundcn zu haben braucht. Gesetzt aber, daß Friedrich II. wirklich „deutsche Sprache und Dichtung liebte", was durchaus nicht bewiesen ist, so liegt die Annahme doch am nächsten, daß dazu der Anstoß erst durch seine Berufung nach Deutschland gegeben worden ist. Zn beachten ist jedenfalls, daß Friedrich zwar Uebcrsctznngcn in das Lateinische (s. folg. Anm.) veranstaltete, auch in das Französische, z. B. vom Zauberer Merlin'(llnill.-IIreli., ^nou. Vdrou. dne, praet'. p. 45) und von dem philosophischen Roman luvre de 8idrao fllnill - üreli., Hist. dipl., lutrod. p. 520. Vgl. 8teiusedueidor, il lidro di 8idraed sllstratto (InI (liorualo II IZnouarotti 8er. II. vol. Vllj. lioma 1872 bes. x. II), daß aber keine Spur einer solchen Benutzung der deutschen Sprache sich erhalten hat. In Bezug auf die angeblich im stönigspalaste von Palermo vorhanden gewesenen Bilder, welche Scenen ans dem Leben Friedrichs I. dar- stcllten und wohl als Beweis angesehen sind, daß Friedrich gleichsam in deutscher Luft aufwuchs, s. die Bemerkung in meiner Ausgabe des Vetrus de Ddulo, S. 80 . Die Bilder haben mit dem v. 1503 ff. geschilderten Palaste nur in der Phantasie des Dichters existirt. ') Friedrich an die Universität Bologna e. I232 I'etr. doVin. Ilpist. III, 67. IluiU.-Ilröd. IV, 384: gnaiuguain operosa t'regneutor uegoeiorum turba uos detradat . . ., gnidguid taiusu temporis de rsrnin tluuiliarinin oeonpatloue deeorzumns, transire uou patiinnr odiosniu, sed totvuu in loo- tiouia exsreitatioue xxratnits lideuter expvndiiuus, nt auiiuv elarins viAeat iustruiueutuiu in aoguiöitivue aeieutio ete. Er übersendet der Universität aus seiner Bibliothek: ooiuzulatioues variae. ad ^ristotels aliiagns pdiloso- pliis and x-raseis aradisgue voeadulis aickiguitus oditas i» seriuouialidns et matdematiels dise-ixilinis. stkach illartene II, 1220 soll dieser Brief frei- Sicilien während des deutschen Lhronstreites, 1198— 1209. 89 Wissen seinem Schüler einzuflößen vermochte, mnß nothwendig zu den ausgezeichnetesten Männern deS Jahrhunderts gezählt werden, welches, undankbar genug, neben dem Schüler den Meister vollkommen vergessen hat. Wahrlich, er hat ein Recht darauf, daß sein Name aus dem Dunkel hervorgezogen werde, welches so wenig seinen Verdiensten entspricht. Der eigentliche Erzieher und Lehrer- Friedrichs war ein Geistlicher, Gregor von S. Galgano, welcher, wahrscheinlich mit dem Kardinalstatthalter Gerard im Sommer des Jahres 1204 nach Palermo herübergckommen und nach Vollendung seiner Aufgabe von Jnnocenz III. in das Kardinalskollcgium berufen, etwa 1224 oder 1225 als Presbyter von S. Anastasia gestorben iskO). Jnnocenz aber hatte als Vormund wiederholten Anlaß seit dem Jahre 1204, die schnellen Fortschritte des jungen Königs zu rühmen, der im Wissen seinen Jahren weit vorauseile ^). lich von Manfred an die Universität Paris gerichtet gewesen sein. Wie dem auch sei, man wird übrigens der Jugendzeit Friedrichs nicht mehr als die Empfänglichkeit für derartige wissenschaftliche Dinge vindiciren dürfen, da alle bestimmten Belege für seine eigenen Studien sich auf die Zeit seines Ärenzzuges und auf die folgenden Jahrzehnte beziehen, also z. B. der wissenschaftliche Verkehr mit dem Sultan Elkamil über Geometrie, Mathematik und Philosophie ülalrrim p. 716 und mit dem spanischen Juden Juda Ben Salomon über Geometrie Iluill.-IIreli. IntroUuetion x. 527; die 1231 zu Neapel von Jakob Ben Abba- Mari aus der Provence gefertigte Uebersctzung des Averroes ins Hebräische, in welcher jener Gott dankt, daß er dem Kaiser Liebe zu den Wissenschaften und Sorgsamkeit für ihre Diener verliehen Iluill.-Ureln IntroU. p. 526, Hist. Uixl. IV, 382 not. 2; eine von Michael Scotus verfaßte und dem Kaiser gewidmete Uebersetzuug des Aristoteles aus dem Abriß des Avieenna, deren Abschrift Mag. Heinrich von Köln im August 1232 zu Melfi vollendete, -Archiv d. Gcsellsch. f. ältere deutsche Gesch. IX, 532. XII, 378; ferner wohl auch die für Friedrich geschriebenen Bücher des Michael Lcotns Ue astrologia st äs pdv- sionomia, IIuill.-Lröli. IntroU. p. 52t, Archiv XII, 411, und was überhaupt über die Verbindung mit diesem fruchtbaren Schriftsteller berichtet wird, welcher nach Roger Bacon um 1230 auftrat Iluill.-IIrelr. IV, 385 not. und gleich darauf von Friedrich für sich gewonnen sein mnß, vgl. IlieobalU. Verrar. bei I4oea.rU I, 1170. 12>3. Ebenfalls erst in das vierte oder fünfte Jahrzehent fallen die von entschiedenster Skepsis «angegebenen Anfragen an den im Gebiete von Ccnta lebenden Imam Kotb'eddiu Jbn-Sabui Llierrier III, 515, Iluill.- Ilrsln IntroU. p. 527- 529, Xinari III, 701, namentlich über Logik und Psychologie u. s. w. Aus diesem chronologischen Grunde kann ich hier von einer Erörterung dieser merkwürdigen Beziehungen und der wissenschaftlichen Leistungen Friedrichs absehen und will nur noch bemerken, daß Friedrichs Kenntnisse in der Mcdicin besonders von Djemal'eddin und Hassan Jbn-Jbrahim, ülieliauU VII, 3W. 810, gerühmt werden. Xieol. Uamsilla, Nurat. VIII, 496: praeeixus eirea seisntiam naturalem vigekat. Vgl. überhaupt Xmari III, 692 ff., Gesch. K. Friedrichs Bd. I, 369; Röhricht, Beitr. z. Gesch. d. Kreuzz. 1, 73 Anm. 196—199: Reuter, Gesch. d. Aufklärung II, 258 ff. Die ans Friedrich II. bezogene Sage von Nikolaus „dem Fische" bei Ilieod. Iperrar. >>. 1283 und Vrane. kipinus p. 669 wird schon zu Ende des Jahres 1211, obwohl in einfacherer Gestalt, von Oervas. Rüder., Otia imperialia II. e. 12 auf König Roger zurückgeführt. 0 Erläuterungen III: Gregor von S. Galgano, Kardinalpresbyter von S. Anastasia, als Erzieher Friedrichs II. 2) I-Hiist. VII, 129 vom 4. Oktober 1204: OauUsntss, czuoU Uv Uie in Uiem sieut etats, sie etiam sapisntia zn-otieis et virtute. Iluill.-IIrsd. I, 106; — IX, 157 vom 12. September 1206, vgl. lia^u. Xnn. seel. 1206 8 42: 90 Einleitung. 1205. Neben Gregor mögen immerhin noch andere Männer einen Anthcil an Friedrichs Jugendbildung gehabt haben, ohne daß sich derselbe im Einzelnen genau abmesscn läßt. Ein Mohammedaner, Jbn-cl- Giuzi soll sein Lehrer in der Dialektik gewesen sein '); den Magister Nikolaus, späteren Erzbischof von Tarent, und den Magister Johannes von Tractto, welchem Friedrich nachher als Kaiser das Erzbisthum Brindisi zu verschaffen bemüht war, hat er selbst als seine „Pfleger" bezeichnet^. Sic gehörten jedenfalls wie Gregor von S. Galgano schon damals dem geistlichen Stande an, und so hätten wir denn die merkwürdige Erscheinung, daß die Kirche, welche sich stets darauf etwas zu Gute gethau, daß sie für die Erziehung des verwaisten Knaben gesorgt habe, durch ihre Organe dazu mitgewirkt hat, seiner geistigen Entwickelung diejenige Richtung zu geben, welche sic nachher aufs schärfste verurthcilte und in späteren Jahren mit aller Kraft bekämpfen zu müssen meinte. Leider fehlen genügende Anhaltspunkte zu einem Bilde veräußeren Persönlichkeit Friedrichs. Röthlich-blond soll er gewesen sein, von kleinem Wuchs und in späteren Jahren mit einer Neigung zur Beleibtheit; ein mohammedanischer Geschichtschreiber meint, daß er zur Zeit seines Kreuzzuges als Sklave nicht zweihundert letitin so sxiirs nit, ckuin illuin in spostoliov sockis ^rsrnio ockuoatuin psns sä puöortutis unnos uoeeporat porvsnisso; — IX, 158 September 1208: Vs ctis in ckioin pruäsntia >,rotiert st stnts, IluiU.-vrüIt. I, 110; — XI, 4 vom 28. Februar 1208: 8iout äs sidi puridus soriptuin 68t oosurivus: ,.Virtu8 oontigit unts ckioin", cks ,snnua puvortntis pnssu voloeiori nnnos ckisorotionis inArockitur, otatein uutieipnncko virtutibus. Diese Lobspriiche sind allerdings etwas formelhaft. 9 Nielmuck p. 431. ^.inuri III, 701. Von Nikolaus sagt Friedrich 10. Mai 1210, daß er den Papst pro Inmx. Xiooluo clilseto kninilinri st nutritosro) nostro um die Bestätigtlug seiner Wahl zum Erzbischöfe gebeten habe. U'Itsinor, (lock. ckipl. ckoin. teiup. I, 50. Ich denke, cs wird derselbe sein, welchen Friedrich im September 1218 als seinen Kapellan, Domherrn von Cremona und päpstlichen Snbdiakon bei Cre- mona beglaubigt, Forsch. ;. deutsch. Gesch. VII, 305. 308. 300. Jener heißt noch 10. Februar 1220 Vurontinus olootus, Itu^n. 2, und wurde nach vKlielli (2. sckit.) IX, IZ7 erst 1223 von Honorius III. consecrirt, obwohl derselbe ihn schon früher ausgezeichnet hatte. Nachdem er offenbar in sehr vertrautem Verhältnisse zu Friedrich gestanden, siel er nach dem März 1 224 in Ungnade. Vgl. Honorius III. 1228, IluUI.-IIrelt. II, 504: cpiom npuck ts gunsi rr 8 UINM 0 gratis in protunckuin ockü easus ropsntiili ,uutntio sie ckojseit. nt gui puuUo uutö guasi sor unuin st nniina nun. oum prinoips esnss- viltur, subito prockitor, subito tur, 8uI>ito tui noininis et snnAuinis tiietus sit obtroetutor. Es ist aber sehr ausfallend, daß HonoriuS nicht hervorhcbt, wie Nikolaus sogar der uutritor des Kaisers gewesen sei: welche Gelegenheit zu pathetischen Vorwürfen ward da versäumt! — Johann von Tractto kommt erst December 1210 in Friedrichs Urkunden vor, der am 3. Mai 1222 pro nutritosro) et tickoli, noturio nostro und wieder am 8. Juli 1222 dem Papste schreibt. Ungedruckte Briese bei Ilobiuor, 1is§. Vrick. 537. 438, verbessert bei IluiU.- Ilrelt. II, 258 not.; Gesch. K. Friedrich II. Bd. I, 107 Anm. I. — Nach diesen Ausführungen ist zu berichtigen und zu ergänzen, was irb in Forsch, z. deutsch. Gesch. VI, 394 über vist. ckipl. lutrock. p. 180 gesagt habe. Sicilien während des deutschen Thronstrcites, 1198—1299. 91 Drachmen gegolten hätte ^), Man darf deshalb wohl annehmen, daß er keine äußerlich bedeutende Erscheinung war, untersetzt, obwohl nicht unkrüftig. Tenn neben jenen wissenschaftlichen Erholungen spielt in seinem Leben auch die Waffenübung und die Lust an der Jagd, der er mit Leidenschaft nachging ?), eine hervorragende Rolle, und die Art, in welcher er später als Mann sür seine stark ausgeprägte Sinnlichkeit sich Befriedigung verschaffte, war nur möglich bei einer Körpcrconstitntion, welche den entnervenden Einflüssen einer vollständigen Haremswirthschaft Trotz zu bieten vermochte^). Wenn er diesen, wie überhaupt dem orientalischen Wesen, mit den Jahren mehr und mehr nachgegebcn zu haben scheint, so ist er ihnen doch niemals ganz verfallen, und es ist nicht ersichtlich, daß seine Regicrnngsthätigkeit unter ihnen gelitten hat. V In der Disputntio luter lioinnin et pnpniu, I-oivn. 8er. rer. lirnns- vw. II. 529 wird von den Freunden Otto'?- hervorgchoben in Bezug auf Friedrich: Xemo uegnt czniu ille drovissimus: ergo aut puop nut uavus, und Friedrichs Bertheidiger, der Papst, wagt dem nicht ganz zu widersprechen: lüe- (lerieus re vorn pnrvus, nee vero vrevissiiuus, iunuo plnrihns ost innz'or, s>ui nee >>ueri uec^ue unvi sunt ete. ()unro euin sit Vrockorieus pnrvus et ipso tninen Nuinilis, nilnioininus inlls glorin (Inneln ckeo ete. liieov. Perrnr., blnrnt. IX. 192: non zwoeerus, odsso eorpore, sudrutlns; Hassan Jbn-Jbrahim bei üliednuä VII, 81»: „roth, kahl und kurzsichtig". — Auf Rieovalck. geht wohl Lonvenutus Iinol. (Ilölnner, lieg. p. XXXV) zurück: stature eounnu- nis, tneie letus. eolore sudrutlus, sindous ineindrn ezunckrn, — wenigstens stinnnen die folgenden Epitheta. Ganz anders lautet die Schilderung Salim- benc's: z,nieder Noiuv et Vene tormntus et meckie stnturs. — Zwei Nelief- inedaillons an den Portal-Pilastern der Kirche Santa Porta zu Andria, abge- bildct von Iluill.-Ikreli., Ilsederelies sur los mouuin., pl. XXIX, werden als chorlraits Äkanfreds und Friedrichs ausgegeben. Das betzterc stellt einen Mann mit gewölbter und gefurchter Stirn, ohne Bart, aber mit reichem gelockten Haar dar. Aber die Kirche selbst ist ein Gebäude erst des 15. Jahrhunderts und jene Jdentifieiruug deshalb ganz haltlos. Vgl. H. W. Schulz, Denkmäler Nnter- italicns I, Ü54. Daß aus den Augnstalen in Betreff des Aussehens Friedrichs nichts zu entnehmen ist, habe ich schon Gesch. K. Fricdr. Ld. I, 389 gezeigt. Höckisieus das Eine, daß er keinen Bart trug, da derselbe auch auf den Siegelbildern fehlt. 2) Esirou. >Veiugart. I. c. und üoliann. Viotor. I, e. 3 bei Löluuor, b'out. I. 283: armis streuuus. liolnucliu. Vnck. IV. o. 9: (I23lsi Iliue idnt alignninlo aü vennucluiu. nliciuauilo ac> pnissnuckuiu; ipsum unin^ue pluri- inniu ckeleetndnut Iineo et similin solntia; llieodnlck. I. o.: ^uoupiis avium innxiine cleloctadatur. Lgl. Forsch, z. deutsch. Gesch. XII, 523. h üod. Vietor. I. e. : oeeulto ludrieus; Xieol. eie (kurbio v. 27: (8ar- rnvenos) pnlntiis et enineris sunrum puellnruiu, potius sunrum lusretrioum nck eustockieuckum ckeputnvit: Ilieodnlck. I. o.: hlulisvriuiu nmplexuum ninstor »iiuius, uniu spoeiosnrum temiunruur grogeur servadnt. und darnach Ilcuveu. Iinol.: Ileleotndntur vnlcks nueupio tnleonum, sscl multo inngis nmplexivus inulierum. Ilndsvnt ouim seiuper gregeiu pulelisrri- nmiu. lieber die Existenz der Harems habe ich die betreffenden Stellen aus Friedrichs eigenen Befehlen znsammengcstcllt: Forsch, z. deutsch. Gesch. XII, 525. Vgl. Ilosiiner. lieg. imp. p. XXXVI. Doch bezieht sich alles auf viel spätere Jabrc. In jedem Falle werden wir uns hüten müssen, den sittlichen Maßstab unserer Zeit hier anzulegen, der einem Jahrhunderte wenig passen würde, welches an geschichtlichen Extravaganzen durchaus keinen sonderlichen Anstoß nahm. Bgl. Nitzsck in Snbels hist. Zeitschr. III, 371. 92 Einleitung. 1200. Für seine jüngeren Jahre aber, van welchen hier zunächst geredet wird, fehlt überhaupt jede Spur solcher Einflüsse, obwohl die üblen Gewohnheiten der normänmsch-sicilischcn Hofhaltung wohl kaum versäumt haben dürften, bei dem jungen Könige sich geltend zu machen, als er seine selbständige Regierung begann. Die Schwierigkeiten, welchen er sogleich begegnete, waren erschreckend. Tenn jene Reichsordnung, mit welcher Jnnoeeuz III. seine Regentschaft beschlossen und seinem Mündel den Weg zu ebenen gedacht hatte, verfehlte gänzlich ihre Wirkung, weil diejenigen Männer, welche der Papst an die Spitze der festländischen Verwaltung hatte stellen müssen, nicht einmal selbst einig zu bleiben, geschweige denn irgend etwas für die Anfrechthaltnng des beschworenen Landfriedens zu thun vermochten. Noch war seit den Ordonnanzen von San Gcrmano kein halbes Jahr verflossen, als schon die beiden Kapitäne der nördlichen Provinzen, die Grafen Richard von Fondi und Peter von Celano, in offener Fehde lagen. Jener trat wieder mit Dipold von Aeerra in Pcrbindnng und bemächtigte sich im Oktober 1208 mit Unterstützung der Bürger der Stadt Capna U- Dieser hatte dagegen natürlich seinen Sohn, den Erzbischof Rainald, für sich, ließ sich auch von dem königlichen Kastellan die Burg übergeben 9 und erzwang endlich von seinem Gegner die Räumung der Stadls. Peter von Celano war offenbar der Meinung, ganz zum Vorthcile des Königs zu handeln, der in der That, wie nun einmal die Dinge lagen, die deutschen Kapitäne und die sich ihnen anschlvssen als seine Feinde betrachten mußte. Richard von Fondi hat sich freilich bald von ihnen getrennt und erscheint, ohne daß wir den Ucbcrgang Nachweisen können, im nächsten Jahre wieder im Dienste Friedrichs stehend, als Kapitän und Oberjnstitiar des Festlandes ch. Diese mannigfachen Wandlungen, welche in ihren Ursachen wie in ihrem genaueren Verlaufe vorläufig ganz unaufgeklärt gelassen werden müssen, haben ohne Zweifel ans dem Fest- lande die Durchführung des Aufgebots vollständig verhindert, welches der Satzung von S. Gcrmano gemäß ausgerüstet werden sollte, um für den Dienst des Königs auf der Insel verwendet zu werden. Hier aber stellte vor allem die fortdauernde Rebellion des mohammedanischen Innern jedem auf Herstellung der Ordnung gerichteten Versuche ein unüberwindliches Hinderniß in den Weg. 9 ^nn. (Insiu. n. 1208 p. 010: lentonisis tnetns ex tnno mnnit'sstns ninions; livee. cls 8. (Isrm. p. 304: in oäinin Vsinni ecnnitis. 9 .4.nn. (,'nsin. n. 1208 I. o.: Ipsnin enstsllnin oonservnt ncl rs^is üclslitntein, — It^es. :>. 1200 I. e. Eine Entscheidung über die Zeit dieser Vorgänge läßt sich nicht treffen; nur soviel steht fest, daß sie vor April !2no geschehen sind, s. n. Anm. 4. ') It)-eo. l. o. si Am >4. April 1200 ertheilt der König Ilieenrclo ,Ie .4.c;nil,-r emniti Vnnänno, errpitnneo et nmA. institinrio .Hinliv et 1'crrs I^ndoris einen Befehl zn Gunsten deS Klosters Casamari. Ungcdrnckt, s. Ficker, Forsch. 1,054. Am 1. September urkundet dagegen Matlhens Ge itilis Graf von Lesina als mn^. inst. /Vxulie st U'srrs ImUoris. Xnxol!, OHU. vol. VI nr. 510. Sicilien während dcS deutschen LhronstreiteS, N 98—1209. 93 Andere Schwierigkeiten schuf König Friedrich sich selbst, indem er nach so langen Jahren der Abhängigkeit von dem Willen Anderer seinem monarchischen Selbstgefühl Raum gab und auch an denjenigen Beschränkungen rüttelte, welche ihm das Konkordat seiner Mutter der Kirche gegenüber auslegte. Den Anlaß gaben Streitigkeiten innerhalb des Domkapitels von Palermo, welches nach dem Tode des Erzbischofs Petrusch mit Zustimmung des Königs zu einer Neuwahl schreiten wollte, aber daran durch eine kleine Minorität verhindert ward. Diese appcllirtc an den Papst. Nach den älteren Konkordaten wären nun allerdings solche Appellationen von der Insel nach Rom untersagt gewesen-, aber dieses Verbot bestand eben nicht mehr zu Recht, seitdem die Kaiserin Kon- stanze im Jahre 1l98 in die Aufhebung desselben gewilligt hatte"). Friedrich jedoch kümmerte sich nicht darum. Er sah in dem die Wahl hindernden Thun der Minorität nur eine Auflehnung gegen seinen Willen, daß die Wahl vor sich gehe, und er verbannte die Widerspänstigen ans dem Königreiche. Er glaubte äußerst gemüßigt zu handeln, während er doch in solchem Grade unklug handelte, daß es nur aus dem ersten Eifer seines jungen Königthums zu erklären ist. Tenn das hätte er schon wissen oder von dem Kanzler Walther erfahren können, daß Jnnocenz nicht der Mann war, der sich irgend eine Beeinträchtigung seines Rechtes gefallen ließ, sofern er sich ihrer irgend erwehren konnte: mit warnend aufgehobenem Finger wies er den König, der obendrein sein Lehnsmann war, ans das Gottesgericht hin, das über dessen Geschlecht ergangen sei, setzte ihm daun die mit seiner Mutter gepflogenen Verhandlungen auseinander und schloß damit, daß er kurz und bündig von ihm die Zurüekbernfung der Verbannten verlangtes. Man mag wohl denken, daß diese herbe Zurechtweisung in Friedrichs Brust einen Stachel zurückließ; in der Sache selbst hat er aber ohne Zweifel gehorcht und gehorchen müssen, weil er mehr als je, wegen des von Deutschland hcraufzichcnden Gewitters, des päpstlichen Schutzes bedurfte und auch innerhalb des Königreiches, sogar auf der Insel und in seiner nächsten Umgebung nur dem Namen nach Herr war. Wenn hier im Laufe des Jahres 1209 wenigstens die Möglichkeit zu einer Besserung seiner Stellung sich zeigte, so war das doch auch wieder nur Jnuvccnz zu verdanken, eben der Fürsorge, mit welcher derselbe die Vermählung des Königs betrieben hatte. 0 S. u. Erläuterungen II. -) Bd. I, S. 120 ff.' Itpist. XI, 2i>8 vom 9. Januar 1209. Iluill.-Ilrsli. I, 210. Da Walther von Valeur im April 1209 einem von ihm im Dome zu Palermo gegründeten Altar einen Garten schenkt «.das Original ist nicht mehr im Domarchive, eine Abschrift in dem länbulurium des Xiniao p. 321, hat er vielleicht auch diesmal auf die Wahl nun Erzbischöfe gehofft, und es mögen jene Spal- tundcn im Kapitel mit seinen Bemühungen Zusammenhängen. In dieser Verbindung würde auch auf Walthers ausfällige Titulatur am I. Juli 1208 als lAruoriult. nezius (s. o. S. 78 Anm. 31 einiges Licht fallen. 94 Einleitung. 1269. Diese kam endlich am Anfänge des Jahres 1209 zur Ausführung. Im Februar landete die Königin-Wittwc van Ungarn, Kon- stanze von Aragvnien, in Palermo, zwar nicht, wie ursprünglich verabredet wurden war, im Geleite ihrer Mutter — dem L-ancha war im November 1208 gestorben ff —, aber doch unter dem ihres Bruders, des Grafen Alfons von der Provence und der fünfhundert Ritter, welche König Peter von Aragonien ihr mitgcgebcn hatte, um jeden Widerstand gegen die Autorität ihres künftigen Gemahls endgültig zu brechen. Nach der Hochzeit beabsichtigte das königliche Paar an der Spitze dieses unbedingt zui^rlassigen Heerhaufens feinen Umzug durch die Insel und dann auch durch das Festland zu halten. Im Mai, spätestens im Juni, ward der Zug angetreten und wenigstens der Osten der Insel allmählich zum Gehorsam gebracht. Man kam endlich, nach längerem Aufenthalte in Catauca, im August nach Messina. Da raffte eine plötzlich aus- tretcndc Krankheit im September den Grafen Alfons fort und einen großen Theil seiner Ritter, und die Heimkehr des Restes ließ den König fast ebenso hülflos als zuvor ff. Die von Jnnocenz und den königlichen Rathgebern auf die aragonesische Hcirath gesetzten Hoffnungen lösten sich in nichts auf, und Friedrich hatte am Ende von ihr nur den einen, unter den obwaltenden Umständen allerdings nicht unwichtigen Vorthcil, daß eine an Jahren reifere Gattin ihm mit uneigennützigem Rathe zur Seite stand. Obwohl wahre Liebe zwischen ihnen bei dem Unterschiede des Alters kaum vorauszusetzen ist, spricht doch alles dafür, daß Friedrich seiner ihm durch den Papst zngcführten Gattin volles Vertrauen geschenkt, ihr aufrichtig zugcthan gewesen ist ff. Er bestimmte ihr zur Morgengabe die althergebrachte Ausstattung der sicilischen Königinnen, nämlich Carini im Gebiete von Palermo, in Val Dcmone Caronia, S. Fi- ladello, S. Maria und einige andere Domänen, besonders Taormina, in Apulien aber die Grafschaft Monte S. Angclo mit den Städten S. Angelo, Viesti, Siponto und Casalnuovo und allen darauf ruhenden Herrschafts- und Dienstrechtcn ff. Er hat gelegentlich ihre Zustimmung zu seinen Regierungshandlungen ausdrücklich hervvrgchoben ff und im Jahre 1212, als der Ruf der deutschen h luclioulns rsr. ab ArgK. Aeot. in (Lvbott) Iliopanla. Illnotratn III, 61. ff Vgl. Erläuterungen IV: „lieber die Zeit der ersten Vermählung Friedrichs." 2) Man wird beachten, daß von Friedrichs unehelichen Lindern, soviel deren bekannt sind, allem Anscheine nach keines vor dem Tode Konstanze's geboren ist. Denn der Umstand, daß das unzweifelhaft älteste derselben, nämlich En;io, im Oktober 1238 zum Ritter geschlagen und verheirathet ward (Gesch. K. Friedrichs II Bd. II. S. 116), giebt durchaus keinen sicheren Anhaltspunkt, umseine Geburt mitlliibmsr, lisA. Imp. p. XUIX und 274 um 1220 anzusetzen. i) Friedrichs Urkunde ist nicht erhalten, sondern nur die Bestätigung der Schenkung durch Jnnocenz III. vom !7. Juni 1210. Uplst. XIII, 84. IIuIII.- Lreb. I, 169. Vgl. Hartwig in Forsch, z. deutsch. Gesch. XII, 636 Anm. 3. 9 z. B. Oktober 1209 für den Bischof von Patti. Ungedruckt, im Auszuge bei pirrus x. 776 falsch zum September. Sicilien während des deutschen Thronstreites, 1198—1209. 95 Fürsten ihn über die Alpen lockte, die Regierung des Königreiches selbst seiner Gemahlin überlassen. Kurz, ihr Einfluß mag doch größer gewesen sein, als die spärlichen Fingerzeige der Ueberliefe- rnng nachzuwcisen gestatten. Aber cs war fraglich, ob ihr Rath, und wenn er der beste war, noch einen Ausweg ans den vielfachen neuen Gefahren zu finden im Stande sein werde, welche das sici- lische Königthum Friedrichs umringten und eben jetzt dadurch gemehrt wurden, daß der junge Fürst in seiner Bedrängniß der glänzenden Stellung gedachte, welche ihm durch seine Geburt und von Rechtswegen einst bestimmt gewesen, nun aber durch die Launen des Glücks dem Welfen Ottv IV. zu Theil geworden war. Seine Vermessenheit ging zwar nicht so weit, daß er demselben die Krone streitig zu machen wagte; aber daß er einen Antheil von dem Erbe seines Hauses verlangte, welches Otto in Händen hatte, war unter den gegebenen Verhältnissen eigentlich schon zu viel. Als Friedrich seine Hoffnung, durch die Hülfe der Aragonier endlich Herr im eigenen Lande zu werden, mit dem Grafen Alfons ins Grab senken mußte, erdröhnte das nördliche Italien schon unter dem Schritt der deutschen Heercsmasscn, welche den Welfen zur Kaiserkrönnng nach Rom geleiteten. In Apulien aber harrten Dipold und seine Genossen der Waffenbrüder und des Nachfolgers Heinrichs VI. ; sie haben das Beste dazu gethan, daß. Otto schon nach wenigen Monaten sich entschloß, den Spuren Heinrichs auch ins Königreich Sicilien zu folgen und dem kecken Sohne Heinrichs auch sein mütterlickies Erbe zu nehmen. Dem letzten Staufer schien dasselbe Geschick beschieden, welches sein Vater dem letzten Könige Siciliens von normännischem Stamm bereitet hatte. Erstes Much Die Einigung des Reiches unter Otto IV-, 1208 und 1209. Jahrb. d. dtsch. Gesch. — WinIel m a n n, Otto IV. Erstes Kapitel. Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 12 08 . Die der Monarchie noch in dem Deutschland des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts zukommcnde Bedeutung wird durch den mächtigen Einfluß bezeugt, welchen jedesmal der Tod seiner Herrscher auf das Ganze wie auf das Einzelne ansübtc. Wie Heinrichs VI. unerwartetes Abfcheiden das Land von einer trügerischen Machthöhc in völlige Ohnmacht und zehnjährigen Bürgerkrieg herabgcstürzt hatte, so drohte der grause Mord, welcher die Laufbahn seines trefflichen Bruders Philipp jählings abfchnitt, wieder eine völlige Umkehr aller mühsam fcstgestelltcn Verhältnisse herbci- zuführen ch. Ans diesem Wechsel aber zog Philipps Nebenbuhler, Otto von Brauuschwcig, natürlich den größten Gewinn. Er hatte trotz der ihm von Dänemark gewährten Hülfe nicht darauf rechnen können, dem gewaltigen Stoße zu widerstehen, welchen König Philipp im Juni 1208 gegen ihn vorbereitete, geschweige denn jetzt noch Sieger zu bleiben Menschlicher Berechnung nach war ihm diesmal der Untergang gewiß und sein ganzes streben deshalb nur darauf gerichtet, vor demselben den ihn umringenden Feinden noch soviel Abbruch als möglich zu thun. Während also Philipp von Bamberg ans, welches er nicht mehr verlassen jollte, den Vormarsch seiner Heeresmassen anordnete und seine elbischen Anhänger sich gleichsam als Vorhut derselben zum entscheidenden Einfalle ins Braunschweigische bei Quedlinburg sammelten ^), beabsichtigte Otto selbst, sich noch vorher auf Hildcsheim zu werfen, dessen Bürger und Dienstmannen unablässig seinem Freunde, dem Bischöfe Harbcrt, den Gehorsam verweigerten. Da erscholl die u Vl'nnlü. Oliron, 8Inv. VII, 13 1 lAitnr inoi'tno I'SKS INiilippo SINNES, gni PSI- SINN stni'E viclslinntnr. inüi'inuti EELiclsi'nnt. ') lloi'vns. Vlltsdei'. in seinen Oti-n iniperniliu II, 19 spricht zu Otto selbst: Win rntn tune prospsilt-ntls uü clseiclnUin üsoti viclsbntnr, euin clo- ininns . . . Kliilipipnin Uv ineelio sxeinit. l>) Bd. I. S. 402. 463. 100 Erstes Buch, Kapitel I. 1208. Nachricht von Philipps schmählichem Tode; in dreien Tagen gelangte sie nach Quedlinburg nicht viel später wird sic in Brann- schweig und Hildesheim bekannt geworden sein: Furcht und Hoffnung waren plötzlich vertauscht. Die Hildesheimer selbst drangen nun in den bisher verschmähten Harbcrt, ihr Fürsprecher bei Otto zu werden, ihnen einen gnädigen Frieden zu vermitteln^). Jetzt dachten die in Quedlinburg versammelten Fürsten selbstverständlich nicht mehr an den Beginn ihrer Heerfahrt, welche bei der vollständigen Ungewißheit über die Zukunft des Reiches zwecklos gewesen wäre. Wie die im Marsche befindlichen Heeressäulen Philipps ans der Stelle Kehrt machten und sich anflöstcn, so wird auch die Vorhut bei Quedlinburg auseinander gefahren sein, indem Jeder nur sich selbst zu sichern bedacht wardst Sie mochten zufrieden sein, wenn Otto seinerseits nicht zum Angriffe überging. Dazu empfand aber der Welfe die größte Lust. Wie die ganze Anlage seines Wesens mit Vorliebe ans gewaltsame Lösung von Verwickelungen hindrängtc, so forderte auch die plötzliche Zerfahrenheit des Reiches, welches augenblicklich jedes Mittelpunktes, jeder Leitung entbehrte, zu einer solchen heraus. Sein nächster Nachbar, Bischof Konrad von Halbcrstadt, bisher ein eifriger Wortführer der staufischen Partei, aber jetzt ohne allen Rückhalt dem Welfen preis- gegeben, war der erste Fürst, welcher sich zur Anerkennung Otto's verstand U- Es war die letzte That seines politischen Lebens. Denn erschüttert durch den jähen Wechsel der Dinge und ganz erfüllt von dem Drange nach klösterlicher Stille, meinte Konrad der inneren Stimme mehr gehorchen zu müssen als dem Willen des Papstes, der ihm die Abdankung untersagte. Das Ende des Jahres fand ihn schon als Mönch im Cistcrcienserklostcr Sichern oder Sittichen- bach bei Eislcben ^). Mag nun auch Konrad von Krosigk, lebensmüde wie er war, seinerseits kaum sehr entschieden für die neue Wendung der Dinge eingctrctcn sein, der er sich zwar fügte, welche jedoch seinen persönlichen Wünschen so wenig als möglich entsprach: daß er wenigstens es aufgab, ihr zu widerstreben, war immerhin 0 Bd. I. S. -105. ^1 Brauuschw. Reimchrouik B. 6326. Otto 8. Illasii o. 50. Ossta Ilaldorstaä. N. (1. 8s. XXIII, 122: anno orckiuatiouis suo 7, also vor I. Januar 1209 ls. Bd. I. S.248, wo jedoch 12oo statt 1202 gedruckt ist). Xun. Itoiulmräsvr. p 108 falsch zu >207. Kourad war von je her ein Freund der Cistcrcieuscr gewesen, vgl. Winter, Die Cistercicnscr I, 200—202. b) Xruolcl. VII, 13: Otto vulsns ckatam op>>oi'tu»itatem guosclam llo suis asmulis dello impstsra ootz'itakat. Vgl Oesta Ilalvsrstack. I. e. Ich glaube nicht, daß es wirklich zum Kampfe gekommen war; denn auch die Letzteren berichten nur: Otto . . . Ilalborst. aaclosiam Iiostilltor iuvackars aounda.- tur. Abel, K. Otto S. 4 sagt nun vom Bischöfe: .,cr mußte den Frieden durch die Zahlung von 800 Mark erkaufen'"; die Ossta haben jedoch das Gcgenthcii: 800 maroas so (sol. rogs) situ pro suo ot>seol p. 50 von der Verhandlung zu Arnstadt (s. u.): gno gnaii sorupnlo Ulna cguiäam oonvsnissont, tostis sst oonssiontin ipsoruin. Ileo tnmvn roprodants sotzltationss popn- lorui», äs oisotiono in rSASin Ottonis omnss oonvonernnt in unnm. Nur die hier gebrauchte Interpunktion giebt einen Sinn. Von den Prätaten des Krenzzuges von 1197 lebte nur noch Wolfger von Aqnilcja, von den weltlichen Fürsten aber, abgesehen vom Rheinpfalzgrafcn, Hermann von Thüringen, Dietrich von Meissen, Albrecht von Brandenburg, Konrad von Landsberg und Adolf von Schauenburg. Bon Thüringen und Meissen war freilich trotz Schirrmachcr, Knrfürstcntollcg S. 30, in dieser Beziehung jetzt nichts für Otto zu fürchten. h Jnnoccnz in seinem ersten Schreiben an Otto lloZ'. äs nag-, iinxi. ur. 153: Xuno. antonr nävorsnrio tno sndlnto äs msäio, ns oontra. ts nlius susoitstnr, «gminvis no>ms ipsius jain tidi aävsrsariuin ss o>iponat, äili- Mnti stuäio prusorrvsinns. Wenn ich trotz dieser positiven Angabe im Texte ein „soll" glaubte brauchen zu müssen, so stützt sich dieser Zweifel auf Schwierigkeiten, die sich anS der Berechnung der Zeit ergeben. Denn da dieser Brief etwa in den letzten Tagen des Juli geschrieben ist ls. n. S. l l ü), die Nachricht vom 102 Erstes Buch, Kapitel 1. 1208. Kurie bittere Vorwürfe gemacht, daß sic seine Erhebung nicht nur nicht unterstützte, sondern geradezu unmöglich machte, indem sie sich für den geborenen Feind seines Geschlechtes erklärte'). Aber welche Schwierigkeiten standen einer raschen Verständigung zwischen Sicilien nnd Deutschland entgegen, nnd wäre sie wirklich versucht worden, während sie allem Anscheine nach nicht versucht worden ist, war denn damit etwas anderes gewonnen, als daß die Beendigung des Bürgerkrieges in unabsehbare Ferne gerückt wurde? Man darf nicht vergessen, daß die Fürsten schon vor dem Tode Philipps einem friedlichen Ausgleiche mit Otto sehr geneigt gewesen sind ch: wenn er nun seine Gewallhätigkeit in Schranken hielt und sich zu Bürgschaften für seine künftige Politik und zu Zugeständnissen an die Einzelnen herbciließ, dann war die Anerkennung desselben doch das einfachste Mittel, um den gewiß allseitig schmerzlich empfundenen Kriegswirren schnell ein Ende zu machen. Nur in dem einen Falle Hütte die Kandidatur Friedrichs oder eines anderen Fürsten wohl Aussicht ans Anklang gehabt, wenn Otto sich geweigert hätte, zu paktiren, und, die Rechtmässigkeit seines bisherigen Königthums behauptend, von den Freunden Philipps von Schwaben bedingungslose Unterwerfung verlangt hätte. Ein Mann wie Albrecht von Magdeburg kann sich nicht vor die Entscheidung gestellt gesehen haben, die an ihn zuerst herantrat, ohne daß er die allgemeine Lage und ihre Forderungen erwog. Neben derselben mußten aber bei ihm auch persönliche Verhältnisse schwer ins Gewicht fallen. Er wäre wohl für sich allein nnd nun vollends mit Hülfe seiner bisherigen Bundesgenossen der augenblicklichen Macht Otto's noch gewachsen gewesen: wie aber, wenn der Abfall der Thüringer nnd der Meißner von der Reichspartei, an welchem schon bei Lebzeiten Philipps kaum mehr hatte gezwei- selt werden können, sich jetzt wirklich vollzog? Es war endlich nach der während des letzten Jahrzehents von den Fürsten gehandhabten Hebung selbstverständlich, daß ihm sein etwaiger Anschluß an Otto von diesem thcncr bezahlt werden mußte. Albrecht, eines schnellen Entschlusses ebenso bedürftig als fähig, begab sich in Otto's Lager bei der Somerschcnburg und bot ihm die Hand zu friedlicher Verständigung^). Welche Bedeutung Otto Tode Philipps aber kaum viel früher nach Palermo gelaugt sein wird, wie konnte Jnnocen; da schon wissen, was Friedrich beabsichtige? Er mochte cs allenfalls' vermuthcn. Aber dieser Hinweis ans Friedrich war eine sehr verständliche An- dentung für Otto, daß er sich jetzt bei seinem voraussichtlichen Glückswechsel nicht etwa der Unterstützung des Papstes weniger bedürftig glaube. Vgl. unten Kapitel 11 I. 1209. U Vgl. Schirrmachcr, K. Friderich Bd. I, 267. Anm. 19. Schirrinachcr, Kurfürstcncolleginrn S. 20 Anm. 1. Bd. I. S. 432. h Magdeb. «e:chöppcnchronik S. 133 tP. h. die ihr hier ;n Grunde liegende Lebensbeschreibung Albrcchts): unsv biseop tle. vereinte silr to Iinut mit leo- ninA Otten di clor 8c»rnmerseiien1mrA, clnr ss cknAS lieilcleii. Es ist ohne Zweifel diese Zusammenkunft gemeint, wenn cs bei ^.rnölck. I. e. heißt: ^.,1 ciuenr (Ottonern) aececlens aepus üIsiAei. unn errin cknee Dernnrcko, sie ei ioenti Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1208. 103 diesem Schritte des bisherigen Gegners beimaß nnd wie sehr er die weitreichende Unterstützung, welche Albrccht ihm und seinem Hanse leisten kannte, zu würdigen wußte, darwn legen die dem Erzbischöfe bewilligten Bedingungen beredtes Zeugniß ab, in welchen neben dem Vortheilc der Magdeburger Kirche und dem persönlichen Nutzen ihres Vertreters auch die Interessen des Reiches gewahrt Warden sind. Otto gelabte in dem Vertrage') mit Albrecht allen Rechten aus die viclnmstrittcnen Festen Svmerschenburg und Haldensleben, allem Eigengute seines Vaters in der Mark Brandenburg und in der Wische, und allen Ansprüchen ans Lehen, die einst sein Vater von der Magdeburger Kirche gehabt, zu Gunsten derselben zu entsagen und diesen Verzicht auch durch seine Brüder bestätigen zu lassen. Noch wichtiger waren vielleicht diejenigen Punkte, in denen er sich für die Zukunft zu einer Einschränkung der königlichen Gerechtsame verstand. Niemals wolle er im Gebiete der Magdeburger Kirche neue Münz- und Zollstätten errichten oder gegen den Willen des Erzbischofs und seiner Nachfolger eine Abgabe verlangen oder sich cinlagcrn, auch bei Hoftagcn in den erzbischöfliche» Städten nicht mehr nach der herkömmlichen Weise Zoll und Münze für sich in Anspruch nehmen -). Daß er endlich rücksichtlich des Erzbisthums und der Snsfraganc desselben ans das Spolienrecht verzichtete, mochte wohl dem Erzbischöfe als ein bedeutender Erfolg erscheinen, während Otto darin kaum mehr ein Opfer erblicken konnte, nachdem er schon bei seiner ursprünglichen Wahl im Jahre 1198 sich bereit erklärt hatte, überhaupt für alle Reichskirchen die von seinen Vorgängern aufrcchtgchaltene Forderung der Spolicn fallen zu lassen ^). Neben diesen Zugeständnissen an die Magdeburger Kirche, welche naturgemäß sehr bald ähnliche Forderungen von Seiten an- suut sto. Die Zusammenkunft kann nicht früh genug gesetzt werden, vielleicht noch in die letzten Tage des Juni, jedenfalls nicht später als Anfangs Juli, da schon am 25. Juli eine Fürstcnvcrsammlung in Halbcrstadt stattfand (s. n.j. Dafür aber, daß den Verhandlungen zu Somerschcnburg schon andere voraus- gegangen, wie Langcrfcldt S. 10» aunimmt, weiß ich keinen Anhalt. h Der Vertrag foompositio) in Beurkundung Otto's ohne Ort und Tag bei liioäsi, (toll, ästll. Irrandoul». Abth Bd. XVII, 436 ff. Es ist zu beachten, das; Otto die Ausführung seiner Versprechungen auf die Zukunft verschiebt (oout'vrsinus — rsnuntiadimus — clabiinus u. s. w.); sic bleibt davon abhängig, daß der Erzbischof ihm nun auch wirklich znm Throne verhelfe. Vgl. Otto äii Jnnocenz t. o.: Loire vos volniuus, czuoci aspus HIuAcl. st Ilalvsrst. et Lliucisnsis spiso. nci nostrum auxiliuin st ssrvitiuin aooossoruut. Es kann kein Zweifel sein, daß dieser Vertrag nicht erst zu Halberstadt (Langerfeldt S. l Ol), sondern schon bei der ersten Zusammenkunft Otto s und Albrcchts, d. h. bei der Somerschenburg, vereinbart wurde, besonders deshalb, weil Albrecht erst nach demselben so handeln konnte, wie er im Interesse Otto's gehandelt hat. — Die Ausführung dieser Versprechungen erfolgte bei Gelegenheit des Pfingstfestes zu Braunschweig im Jahre 12og. Darüber unten mehr. '9 Von Abel, K. Otto S. 6 ist dies gänzlich mißverstanden worden, b) Vgl. Bd. 1. S. 87. Es ist zu beachten, daß König Philipp zwar 22. Sep- rember 1204 auf das Rcgalicurecht zu Gunsten Magdeburgs verzichtet hatte, aber nicht auf das Recht der Spolicn, wie ich Bd. I. S. 328 Am». 2 irrthümlich geschrieben habe. 104 Erstes Buch, Kapitel I. 1208. derer Bischöfe Hervorrufen mußten und deshalb in gewissem Sinne eine principiellc Bedeutung haben, wollen die persönlichen Vortheile, welche Albrccht sich bei dieser Gelegenheit zu verschaffen wußte, nicht eben viel sagen. Hatte Otto die Summe von 800 Mark nicht ! zu groß gefunden für die Unterwerfung des Halberstädters, der sie kaum lange hätte verweigern können, so durfte er sich auch nicht besinnen, die Anerkennung des doch immer noch widerstandsfähigen Erzbischofs mit einem ungleich höheren Preise zu bezahlen, mit der Abtretung der Lauenburg bei Quedlinburg *), mit 3000 Mark, die im Laufe des nächsten Jahres entrichtet werden sollten, mit 500 Mark für die Kurie des Erzbischofs und mit 1000 Mark für die Brüder desselben, die Grafen Heinrich und Günther von Käfern- bnrg, denen Otto für jenes Geld die Stadt Saalfeld zum Pfände ! setzte ch. Trotz alledem ist nicht von einem eigentlichen Ucbertritte Al- ^ brechts auf die Seite des bisher bekämpften Welfen zu reden, den er jetzt zu seinem Könige anzunehmen gelobt. Denn in Wahrheit, Otto war cs, der den Boden, auf welchem er früher gestanden, verließ und sich auf einen gemeinsamen Boden mit dem Erzbischof stellte. Wenn er nämlich am Schluffe jenes Vertrages demselben zusicherte, ihn vor anderen Fürsten immer in seine Pläne cinweihcn und in allen Dingen nach seinem Rathe handeln zu wollen^), so war das nicht blos eine höfliche Redensart, sondern die Beurkundung der > Thatsache, daß Otto sogleich damals in den wesentlichsten Fragen dem Rathe des Erzbischofs folgte. Denn man darf cs doch wohl I diesem zuschreibcn, daß Otto jetzt von seiner ursprünglichen Absicht, mit der Wucht der Waffen die Durchführung seines vermeintlichen Anrechtes auf die Krone zu erzwingen, gänzlich zurückkam und ein sichereres Ergelmiß mehr von der friedlichen Verständigung mit den einzelnen Gegnern erwartete, für deren Ausfall Albrccht sich gewissermaßen im voraus verbürgte s. Aber auch in der Verpflich- 0 Zeitscbr. d. Harzvercins IV, 170. 2) Saatfeld, das 1190 durch König Philipp an Thüringen gekommen war (Bd. I. S. 146), war dann wohl wieder 1204 bei der Unterwerfung des Landgrafen für das Reich eingezogcn worden (Bd. I, 028). Da nun der Landgraf bei der neuen Constcliation einigen Grund hatte, auf die Herstellung des früheren Besitzstandes zu rechnen, ist die Verpfändung SaalfcldS an die Käfcruburgcr sehr auffällig. °) Die merkwürdige Stelle lautet: arciiiepiacopum oeinpsr pro aliis principidns in nostris consiliis t'ainiüarem lladediinns et assistemns ei contra omnem principsin, : I.)s eines Ilsrnaräo seintis nnntios vostros so eiis, czuo lens littsras vobis äostiuaviirins, euin ipso t'uisss et so nsgns onin ipso nstnm ssss, nt onm ourniuo spsromus in nostrn killslitnts st ssrvitio pormnnsnrnm. Bernhard war also in den Tagen, da Albrccht sich schon siir Otto erklärt hatte, noch nicht ganz für ihn gewonnen, anscheinend auch nicht mit ihm zusammen, aber allerdings in der Nähe. Wenn Abel aber an jener Stelle den Herzog von Sachsen durch den Bischof von Speier ss. n.) glaubt ersetzen zu dürfen, so ist das doch zu gewagt. ') Ostsrnin enrn nos t-rntnin ooneoreiinm babnsrimns onm prineipi- bns, cznoci rrrobispissopo viclsbitnr, «gnoä somiti ^äolto possimns invnrs, nos si ainieo psr prsoss non potnorimns, per g'nsrrnrn invnbimns suin nä rsonziorntionem tnin puerornin czumn torrs sns nse ningnnin sontrn ipsnm lnnlnnr nlicznoä intenäsinus. Dadurch wurde auf der stelle Otto's Parteinahme im bremischen Streite sehr verändert. Bisher als Verbündeter Dänemarks ein natürlicher Gegner des Erzbischofs Waldemar, schwenkt er wenigstens so weit um, daß er auch den von Dänemark begünstigten Nebenbuhler Waldemars verwirft. Otto an Jnnoccnz I. s.: seisntss pro oorto, gnirr ssonnäa slestio, siont st prior, st sontrn clsnin st sontra ins st rntionsin t'nsta sst st nsu- trins proinotio vsl vobis vel nobis nossitnr sxpsciirs. Er stellt sich also in dieser wichtigen Frage sogleich unabhängig v on. Dänemark. 106 Erstes Buch, Kapitel I. I2Ü8. des Thrones auch in anderen Kreisen die Gemüther in große Aufregung und vcrunlnßtc zahlreiche Beralhnngcn unter denjenigen Fürsten, welche sich durch die Lage ihrer Herrschaften oder durch andere gemeinsame Interessen näher auf einander angewiesen sahen. Ucbcrall hat man auf die Frage nach dem künftigen Könige unreine Antwort gewußt: Wahl des Welfen. Die thüringischen und meißnischen Fürsten, welche schon am Anfänge des Juli in Altenburg zu einer Berathung zusammen- tratcn H, trennten sich zwar wieder, um erst später in Wirzburg, wohin sie auf den 8. September eine größere Versammlung berufen wollten, Verfügung über das Reich zu treffen — in welchem Sinne aber, das war ihnen, die schon bei Philipps Lebzeiten gewisse Verbindungen mit Otto unterhalten hatten, natürlich keinen Augenblick zweifelhaft. Es ist bezeichnend, daß sic selbst dem Welfen das Ergebniß ihrer Altenburger Zusammenkunft mitthcilteu In den Rhcingegcnden hatte Pfalzgraf Heinrich sich gleich nach dem blutigen Ereignisse des 21. Juni für seinen Bruder erklärt: er begriff, wie dessen Aussichten plötzlich gestiegen waren, und er bemühte sich deshalb, dnrch verdoppelten Eifer vergessen zu machen, daß er ahn vor vier Jahren in der Stunde der Gefahr kleinmüthig im Stiche gelassen hatte. Von allen Ecken und Enden des Reiches zogen Boten auf Brannschweig zu, mit Versicherungen der Ergebenheit und Dienstwilligkeit ihrer Herren, und an diesem Wettlaufe um die Gunst des voraussichtlich bald allgemein anerkannten Königs betheiligten sich nicht etwa blos diejenigen, welche vorher dem Staufer nur mit halbem Herzen oder gar gezwungen gedient hatten, sondern auch solche Männer, welche in dein Rathe des verstorbenen Herrschers die Ersten und seine besonderen Vertrauten gewesen waren: der Bischof von Speicr, Konrad von Scharfenberg, und der Reichshofmarschall Heinrich von Kalden. g OIrron. 8ainxetr. ecl. 8tn1>sl p. SO: illortuus rex kleil. XI. Iral. äulii ^ost tssturn apostolorurn ketri st kauli. Osnerals eoneiliunr orien- taiiunr prineipuin eie statu regui üalntuin est ^lalclervurg. Die Interpunktion ist auch hier wieder verkehrt. Es muß offenbar gelesen werden: — -lulii. kost lestuin apost. ketri st kauli (29. Juni) Aenerals eoueilium ets. Statt des unbekannten Malderburg will Abel S. 118 Amu. 4 Magdeburg lesen, und er nimmt auf diese Hypothese hin S. N au, daß die Versammlung unter dem Vorsitze des Erzbischofs Albrecht stattfand. Aber die Thüringer und Meißner waren noch vor wenigen Tagen von der Reichspartei als Feinde betrachtet worden, und jedenfalls bildeten sie eine selbständige Gruppe, die zunächst auf feste Vereinbarung unter sich selbst angewiesen war, bevor sie mit anderen in Verbindung trat. Der wohl korrupten Lesart älalclsrduiA wird das von mir vorgcschlagcne in ^IclenburA ans paläographischen Gründen snbstituirt werden dürfen. 2) Otto an Jnnocenz I. e.: Orientales otiain prineipes eiiein ciueinciain, viclelioet imtivitntsm li. virginis, zVireevureli statusrunt, guasi eis iinpsria orclinaturi, c^uo et alios prineipes venire üortati sunt et nolns cle clie et loco inaneiaverunt. Das stntuerunt kann doch kaum wo anders als in Altenburg geschehen sein, da Oüron. 8ainxotr. außer der Zusammenkunft der orientales daselbst von einer zweiten dieser Fürsten im Juli nichts weiß. Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1208. 107 Jener, der ohne Zweifel zu den befähigtesten Trägern der bisherigen stnnfischen Politik zu rechnen war, obendrein die Reichsinsignicn auf dem Trifels unter seiner Obhut hatte und bei der verwittwc- ten Königin in nicht geringerer Gunst stand als bei ihrem Gatten H, wird von ähnlichen Erwägungen wie Albrccht von Magdeburg geleitet gewesen fein, als er Otto brieflich seine Unterstützung versprach. Heinrich von Kaldcn aber, von dem ein Zeitgenosse sagt, daß die Schwaben keinen berühmteren Mann anfzuwcisen hätten ch, der Repräsentant der in Krieg und Frieden so überaus einflußreich gewordenen Neichsdienstmannschaft, kam Persönlich »ach Brannschweig, um sich dem Welfen mit Rath und That zur Verfügung zu stellen. Sein Entschluß, der Uebertritt eines Mannes, welcher schon dreien Königen des stansischcn Hauses in Hingebung und Treue gedient hatte, darf als vollgültiger Beweis dienen, daß man dieses Hans als vollständig abgeschlossen betrachtete und mit der Unterstützung einer neuen Dynastie kein Unrecht gegen die alte zu begehen meinte ch. Die Strömung war also schon im Juli eine für Otto durchaus günstige, und seine schließlichc Wahl auch von der Seite der früheren stanfischen Partei oder wenigstens eines beträchtlichen y lieber die Neichsinsignicn s. u. S. 124. — Bgl. Bd. I. S. 474 Anm. 1; Abel, Otto I V. L>. I >. y Versus Kninvgräi (s. Bd. I. S. 471 Amn. 3) mit zeitgenössischen Scholien: Usiurieus länläinisusis morivns iusiZuis, guig t'gstis enrinius äiguis o <>n!»n Iguänuäus, o gugm super omnig t'nnäus, strsnnuus st pruäeus») et plurimg prslig luäsns priusipis Iloinrisi pntrisgus sui Priäsriei, ipsius et imti pvilipzü premsmornti. biius ^.sluUsis''j uumguiä non sguipernnäg usonon Ilestorsis sug gostis oouuumerguäg? ") in inilisig, euius vousiliis »muss ovsäisvunt. — (4^-oei nievil slnrius in pu^ng ^.sviils vnvuorunt nee Vroinui uieliil elnrius Ilsetoro, sie 8ivsvl uieliil elnrius Heiurieo äv Onluäiu. 2) Ovo an Jnnocenz I. e. über den Anschluß des Pfalzzrafen und des Bischofs von Spcicr. Er fährt dann fort: Kult! prstsrsg episoopi, vnrouss, »vvgtss et onstellgui et ministeriniss tum in 8usvln gunm eires. pgrtss lilreni superiorss et int'erioros et glins in impsrio voustituti äs suo novis svrvitio et liäsli- tnto seripsoruut st per üäoles uuutios ingnägvsrnnt, ssä pro gngustig tsin>>oris et äistnutig loeorum nä nos näliuo eorpornlitor geooäore non potuerunt. Dieses allgemeine Entgegenkommen schildert auch die Braunschw. Rcimchronik V. 633l> mit Berufung sss)ä äs slrripvt) auf die verlorene Rcichs- geschichte und dann wieder V. 0300: Von Ilsigern, von 8ivgvsu, von Vrgn- ironinnt, von ?olou uuä von llovsiusu Iieriieüe Voten gueineu äsr vursten nllsitgjpelieli 20 im ^o llruuesiviov u. s. w. Im Besonderen wird dort als einer der Boten sendenden Fürsten, also in Uebercinstimmung mit Otto's Brief, der Bischof von Spcier erwähnt und als persönlich gekommen Marschall Heinrich. Dagegen läßt Ovron. 8gmpetr. p. 50 den Uebertritt des Marschalls erst nach dem Tage zu Arnstadt stattfindcn: Inäe ingrsenlous . . . näiens rstz-ein Ottonoin regmi insignin. eivitntes, urvss st sgstsllg sivi utpoto po- tsneis rsAgli suvs^it. Ich folge jedoch der Neimchronik, da nach Otto's Brief schon im Juli Ucbcrtritte ans dem Kreise der Ministerialen geschahen. Bgl. ^.nn. Iloinligräsvr p 117 nach Schilderung des Wettlaufes NM die Gunst Otto's: oosurrunt nulisi äs prioro gula primi st lsstiul ottieinlss uv Ottons lu- touägri letnutnr. In diesem Falle kann die Reise des Marschalls auch nicht etwa durch den ihm vom Papste gewordene» Auftrag (s. n.) erklärt werden, weil derselbe frühestens im August an ihn gelangt sein wird. 108 Erstes Buch, Kapitel I. >208. Thcilcs derselben konnte im Allgemeinen als verläßlich gelten, wie sic denn in der That geradezu eine Nvthwendigkcit war. Aber das gehörte mit zu den bösen, vom Bürgerkriege großgezvgenen Gewohnheiten, daß Niemand das Nvthwendige nmsvnst thnn mochte. Alle diejenige», welche Otto ihre Dienste anbvte», thatcn es unter der stillschweigenden BvranSsetznng oder mit der ausdrücklichen Forderung, daß er sich ihrer durch ganz besondere Belohnungen versichere, und da er nirgends den kleinsten Keim einer neuen Opposition auskommen lassen durfte, mußte er diesem Zwecke znlicb Opfer über Opfer bringen. Von der großen Geldsumme, welche sein Oheim, König Johann von England, ihm im Frühlingc 1207 Patte anszahlc» lassen Z, wird freilich kaum etwas noch übrig, überhaupt Ottv's knappe Kasse durch die letzten Rüstungen gänzlich erschöpft gewesen sein: schon den Bischöfen von Halberstadt und Magdeburg konnte er nur Verschreibungen für die Zukunft geben. Aber man begnügte sich nöthigenfalls auch mit solchen, vorausgesetzt, daß sie reichlich bemessen waren, und man hatte im klebrigen nichts dagegen, wenn Otto, was ihm an Geld und Gut abging, durch Hergabe königlicher Rechte und Verpfändung von Rcichsgütern ersetzte. Es werden nicht Viele hinter dem Beispiele Albrechts von Magdeburg zurückgeblieben sein oder freiwillig znrückcrstattet haben, was Otto ihnen für ihre Stimmen gezahlt, wie die Markgrafen Dietrich von Meißen und Konrad von Landsbcrg cs wenigstens thcilwcise gc- than habe» sollen^), aber sicherlich auch nur deshalb, weil sie durch die Gunst des künftigen Königs in anderer Weise auf ihren Vorthcil zu kommen gedachten. Diese Bereitwilligkeit Otto's, den verschiedenartigsten Ansprüchen zu genügen, hat vielleicht noch mehr als seine Annäherung an die Grundsätze der stanfifchen Mehrheit ihm den weiteren Weg znm Throne geebnet. Trvtzdcm fühlte er sich der Zukunft keineswegs so sicher, daß er der mächtigen Einwirkung auf die Gcsammtheit der Fürsten entbehren zu können meinte, zu welcher vor allen Papst Jnnocenz III. befähigt war. Mochte der Welfe vor der unerwartete» Katastrophe, welche ihn von seinem Gegner befreite, sich noch so bitter über den Wankelmnth des Papstes beklagt haben, er hätte blind sein müssen, um nicht zu sehen, daß Jnnocenz »nr dem Zwange gewichen war, als er ihn zuletzt prcisgab und seinen Frieden mit dem Staufer machte. Otto durfte deshalb mit einigem Rechte annchmcn, daß Jnnocenz jetzt ohne weiteres auf seine alte dem wclfischcn Kvnigthnme günstige Politik znrückkommen und, unterstützt von der Gunst des Augenblickes, alles, was in seiner Macht stand, zur endlichen Durchführung einer Sache thnn werde, von welcher derselbe sich früher die größten Vortheile für die Kirche ') Bd. i. S. w>6. Reiinchronik V 6352. Sie bemerkt dabei: Ivosü Kostoto ix't äoiu kouinAS riolio n'vt 2 ^VL und nevonKoli äusont mark allv^'uo Nun rvoro stark, äs Ns Aupli äou korrou. Daß Otto eine solche Suilmie damals nicht besessen haben kann, ist selbstverständlich. Otto's IV. Erhebung zmn allgemeinen Könige, 1208. 109 selbst versprochen hatte. In dieser Voraussetzung hat Otto sich nicht getauscht. Jnnoccnz erfuhr den Tod Philipps am 25. Juli während seines Aufenthaltes zu Monte Casino'), als er vielleicht gerade im Hinblicke ans Philipps bevorstehenden Römerzng dem sicilischen Königreiche eine festere Organisation zu geben bemüht war: man erkennt aus seinen unmittelbar darauf nach Deutschland geschriebenen Briefen, wie er sich erleichtert fühlte. Obwohl er die verbrecherische That selbst so verabscheute, wie sie es verdiente, sah er doch in dem Umstande, daß sic hatte geschehen dürfen, ein entscheidendes Gottcsurtheil, und seine ganze Sorge war nun darauf gerichtet, daß die Wirkung desselben nicht durch den Fürwitz und Eigennutz Einzelner wieder aufgehoben werden möchte. Den Bischöfen stellte er Bann und Absetzung in Aussicht, falls sie die Wahl eines Anderen als jenes Otto, für den Gott selbst gesprochen, nicht mit aller Macht hindern oder sich gar an der Salbung und Krönung eines so Gewählten bcthciligcn würden. Aehnliche, nur etwas milder gefaßte Aufforderungen wurden den weltlichen Fürsten zu TheilH, allen insgesammt und den wichtigsten von ihnen noch besonders, je nach ihren persönlichen Verhältnissen. Auch die mächtige Bürgerschaft Kölns wurde nicht vergessen, welche in schwerer Zeit fast allein das Königthnm Otto's gegen das übrige Reich anfrcchtgchaltcn, freilich cs nachher auch fallen gelassen hatte. Das war aber nach der Meinung des Papstes kein Grund, es nicht wieder anfznnchmcn. Jnnoccnz.setzte nämlich voraus oder er nahm wenigstens die Miene an, als ob er glaube, daß alle, welche einst von Otto abgcfallen waren, die Stadt Köln, der König von Böhmen, der Landgraf von Thüringen, der Herzog von Brabant, sämmtlich gleich ihm dies nur gezwungen, nicht ans freiem Willen gethan, im Herzen aber stets dem Welfen Treue bewahrt hätten. „Da nun durch Gottes Urthcil der Zwang gehoben ist, werdet ihr keine begründete Entschuldigung ansührcn können, wenn ihr ihm fortan Hülfe und Gunst versagen wolltet." °). Obwohl Jnnoccnz von allen, ohne Unterschied der Partei, nachdrücklichst verlangte, daß sie die Entscheidung Gottes über den Thronstreit achten und sich nun cinmüthig um Otto schaarcn sollten, scheint er doch im Geheimen die Befürchtung gehegt zu haben, daß Otto selbst der schlimmste Feind der eigenen Sache sein, den wunderbaren GlückSwcchscl nicht ertragen, nun seinem Uebermuthe und seiner Gewaltsamkeit die Zügel schießen lassen und so alles wieder in Frage stellen könnte. Nur so ist es zu verstehen, wenn er den ') S. o. S. 77 Amn. 3. liog. No noA. imp. ui-. 154. 155; den einzelnen weltlichen Fürstender stanfischcn Partei ur. 158. zu; im;. Es bedarf keines Beweises, daß die Notiz des Registran- ten zn nr. 157: In onncioin iors inoNnui juNieibus, sonliinis ot viribus Oo- louionsibns: „(lortn uiultoruiu rolntiono NiNioininsJ nicht dorthin, sondern zn ur. 156 gehört; denn so war eben denjenigen geschrieben worden, czni i>rao- t'nto rogi niiguniiNo nciiinossruut. NO Erstes Buch, Kapitel I. 1208 . geistlichen Fürsten, besonders denen von der Partei des Stanfers, nicht verwehren wollte, von Otto Bürgschaften zu verlangen ch, und wenn er an Otto selbst Ermahnnngen spendet, welche an, Offenheit und Herbigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. „Wohl-' wollen und Herablassung, Ehre und Gnade erweise Allen, thener- stcr Sohn, und enthalte dich harter Reden und gewaltthätigcr Werke. Mit Zugeständnissen sei nicht schwierig, mit Versprechungen nicht karg, aber halte sic auch getreulich. Die weltlichen und geistlichen Fürsten musst du durch geeignete Bürgschaften rücksichtlich der Vergangenheit sicher stellen, dich selbst hcranbildcn zur Würde »nv zur Sitte eines Königs^). Dein Leben aber mögest du vorsichtig hüten, überhaupt das gleichgültige Wesen ablegen und in alle» Dingen Wachsamkeit und Sorgsamkeit bcthätigcn." Eben weil Jnnvcenz in seinem eigenen Interesse das dauernde Emporkommen des Welfen von Herzen wünscht, deshalb will er, daß Otto nicht durch sein Betragen hindere, was zu seiner Förderung geschieht. Ans demselben Grunde wünscht er denn auch, daß die längst vvrgeschlagcnc und bei den letzten Verhandlungen zu Rom aufs Nene angeregte Verbindung Ottv's mit Philipps Tochter jetzt wirklich zu Stande komme: er hat zu diesem Zwecke gleichzeitig der Blatter des fürstlichen Mädchens und dem Rcichsmarschall Heinrich von Kalden geschrieben und ebenso dem Patriarchen Wolfgcr von Agnileja und an Heinrich von Schmalncck st, welche Philipps Vertreter bei jenen Verhandlungen gewesen waren. Es ward also von Seiten des Papstes nichts außer Acht gelassen, was irgendwie zur Hebung und Stärkung des wclffschen Königthnmes beitragen konnte, und alles geschah, wie Jnnoccnz nachher mit Recht hervvrhob, ans freiem 'Entschlüsse, noch bevor von Otto eine Aufforderung zu solchem Thun an ihn gelangt war. Der Brief des Papstes hatte sich nämlich mit der ersten Misst iknä. in-. 157. Ebenso auch den Erzbischöfen von Mainz nnd Kol». st In einem zweiten Briefe dcS Papstes an Otto vom 2». August öo neg. imp. nr. IOI wiederholt sich die Mahnung: ouin in vorlns ot operi- stns Arnvitntvin axlnöons et enntelnin. nt in null» repreliensilnlis inerito zuelieeris st So glaube ich das Ilonrio ,Ie blnsseeN des päpstlichen Briefes lieg- (Io nax. iinp nr. 155 deuten ZN dürfen. Dieser ist offenbar geschrieben, bevor Jnnoccnz von Otto eine Mittheilnng erhalten hatte (vgl. Jnnoc. 20. Ang. 12N8 iliiä. ur. INI: k'riusigunm ne> nos post ncwnsnin INiilippi >piis(znuin ex pnrto tun nuntins enin litteris pervenisset. pere^iinus univcrsn. eznua postos. noliis per tuns litterns postnlustis, und er muß sich deshalb mit dem ungefähr gleichzeitigen Schreiben Olto's ibict. nr. Ino gekreuzt haben, welches Jnnoccnz am 20. Ängnst beantwortet. Ottv's Brief kann also nicht, wie Böhmer lieg:. Ott. nr. 22 anniinmt, in den ersten Tagen des August geschrieben sein, sondern er ist früher nnd zwar vor dem 25. Juli entstanden. Denn Otto erwähnt noch nichts von der an diesem Tage abgchaltcnen Versammlung zu Halbcrstadt nnd er bezeichnet den Herzog von Sachsen, der am 25. zu seinen Wählern gehörte, als einen noch nicht ganz Gewonnenen (s. o. S. 104 Anm. 4). Nach Allem möchte ich Ottv's Brief ungefähr in die Mitte des Juli setzen. Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1208 . 111 führlichen Mcldnnc; Otto's ') von dem glücklichen Umschwünge seiner Verhältnisse gekreuzt. Weil ober Otto in derselben die Bitte aus- sprnch, sein Gönner möge auf den Verlaus des nach Wirzbnrg ausgeschriebenen Tages durch eine rechtzeitige und unzweideutige Kundgebung seines Willens einwirken, schrieb Jnnoccnz am 20. August nochmals den deutschen Fürsten zu Gunsten des Welfen und beauftragte den Erwählten Otto von Wirzbnrg, welcher auf jener Versammlung die einzelnen Briefe vcrthcilen sollte, ihren Inhalt auch durch mündliche Erläuterung nachdrücklich zu unterstützen Ganz besonderes Lob empfing bei dieser Gelegenheit der Erzbischof von Magdeburg, weil er, ohne eine besondere Anweisung zu erwarte», gleich von sich ans dasjenige gethan habe, was dem Willen des Papstes entspreche 3). In der That, obwohl Albrccht sich gerade nicht um der päpstlichen Interessen willen mit Otto verständigt hatte, für den Augenblick stand er ganz in ihrem Dienste, da er mit ungemeinem Eifer die Königswahl Otto's betrieb. Albrccht hatte unmittelbar, nachdem er mit Otto einig geworden, die sächsischen und thüringischen Fürsten und Bischöfe zu einer Vorwahl nach Halbcrstadt eingcladen und der Versammlung, welche am 25. Juli im dortigen Dome tagte ^). den Antrag vorgelegt, 0 Ile^. Uv ne^. i»m- UI'. 160 und darnach iVlou. Oerin. Iiist. II, 215, vgl. dic vorige Anmerkung. Die in diesem Briefe erwähnten Thatsachen sind theils schon an ihrem Orte gewürdigt worden, thcils werden sie noch in anderem Zusammenhänge Vcrwerthnng finden. Aber über die päpstlichen Nuntien, welche im Juli für Otto mit Bernhard von Lachsen verhandelt haben sollen (S. 104 Am». 4), weist ich keine Auskunft. Es mögen Agenten dcS Kar- dinallcgatc» Hugo von Ostia gewesen sein. "> Jnnocenz an Otto Ilex. >1o neA. Imp. nr. 161. 162, an den Bischof von Wirzbnrg nr. 164. Dic an letzter Stelle erwähnten Schreiben an die einzelnen Fürsten sind nnS mit Ausnahme des au Albrecht von Magdeburg nicht erhalten. Datirt ist nur no. 161 . aber die anderen Briefe, ebenfalls aus Sora, werden durch ihren Inhalt demselben Datum zngcwiesen. st Ibick. nr. 163. Dieser datnmslose, aber auch zu Sora ausgestellte Brief gehört offenbar zu denjenigen Briefen, welche Otto von Wirzbnrg besorgen sollte. st ^rnolck. (stiron 8brv. VII, >3 ausführlich über diese >nrin sntis tdr- inosn in Ilnlvvrstnel, nbi eonvenornt inuxiinn. §>nrs prolatoruin et prineipnin 8nx«n!o et. Vliurin-zio. Hier, wie in Oestn. llullierst. p. 122, welche zilernzns prinehies, und in Magdeb. Schöppcnchron. S. 133, welche dic ansseselion bereu allein als anwesend nennt, aber auch den Tag der Versammlung (in s. ü-mobns äuM) bietet, ist allerdings überall von einer Wahl (nnnnimiter ele^ernut, koren 8s on) die Rede, und ohne Zweifel wird Otto seitdem von der Gesammt- bcit der Bcthciligten, wie vorher schon von Einzelnen g. den Vertrag mit dem Erzbischöfe von Magdcburgl, als ihr legitimer König betrachtet worden sein. Dennoch kann diese Versammlung nicht mit Abel S. 7 und Schirrmacher, K. Fridcrich, 1. S. 4l als ein eigentlicher Rcichswahltag angesehen werden, sondern „als eine Einigung zur Annahme und Anerkennung des Königs Otto", wie Langerfcldt S. los sich vorsichtig ansdrückt, nur als ein Versuch, die Wahl für einen engeren Kreis sichcrzustcüen. Denn nur für diesen konnte gelten, was Arnold von Albrccht von Magdeburg sagt, datz derselbe primnin voeem bnbero vickelmtur vor Herzog Bernhard und dem Landgrafen enin nliis, nci ,zno8 vlevt.io rogis porlniorv vickebutur. Der Hergang hat die grösste Aehnlichkcit mit Philipps Designation zu Ichtershausen, welcher nachher erst die förmliche Wahl folgte. Vgl. Bd. I. S. 60. Da die Designation aber in der Regel das Entscheidende war, so lag cS nahe, auch für sie ofiAere oder küren zu gebrauchen. 112 Erstes Buch, Kapitel I. 1208. Otto allein auf die künftige Wahl zu bringen. Vom Landgrafen Hermann von Thüringen und ebenso vom Herzoge Bernhard von Sachsen unterstützt, wurde der Antrag gutgcheißen und zwar einstimmig. Denn der ebenfalls anwesende Erwählte von Wirzburg hat anscheinend sich nicht sowohl gegen die Wahl gesträubt, als vielmehr dagegen, daß er schon jetzt eine bindende Verpflichtung übernehmen solle. Er wollte erst von dem Welfen eine Bürgschaft gegen solche Beeinträchtigungen haben, wie sie von den letzten stanfischen Herrschern angeblich seiner Kirche zngefügt worden seien Z, und er verließ die Versammlung, als diese seiner Ansicht nicht beitrat. Wie wenig aber auch er die Wahl an sich zu bekämpfen gesonnen war, zeigte sich gleich am folgenden Tage. Denn er stimmte dem allgemeinen Beschlüsse zu, sobald seine Forderung auf den Rath der Fürsten von Otto bewilligt worden war^). Die Versammlung zu Halbcrstadt war die Vorbereitung für den schon früher nach Wirzbnrg ausgeschriebenen Wahltag, um dort in geschlossener Linie jedem Versuche eines Widerspruchs gegcnüber- trcten zu können. Der Wirzbnrger Tag kam indessen gar nicht zu Stande. Nicht als ob während des August sich wieder eine für Otto weniger günstige Stimmung geltend gemacht hätte; doch Mancher mochte Bedenken tragen, in Abwesenheit und ohne Theilnahme der Erzbischöfe Sigfrid von Mainz und Bruno von Köln endgültig über die Krone zu verfügen. War doch die erste Wahl Philipps im Jahre 1198 gerade deshalb bemängelt worden, weil von den vornehmsten Wahlberechtigten Einige gefehlt hatten! Otto hatte allerdings schon im Juli den Papst gebeten, die Rückkehr jener Erzbischöfe von Rom zu beschleunigen ^), und sie werden ohne Zweifel von selbst sich bald auf den Heimweg gemacht haben, als die Prozesse um Mainz und Köln von der Kurie, die sich jetzt nicht mehr durch politische Rücksichten gebunden fühlte, ganz zu ihren Gunsten entschieden waren. Trotzdem kamen sie erst um jene Zeit in ihren Fürstenthümern an, in welcher der Wahltag hätte gehalten werden sollen, und obwohl weder Sigfricd in Mainz noch Bruno in Köln, wo dieser am 11. September seinen feierlichen Einzug hielt, weiter auf irgend einen Widerstand stießen Z, so dürften 9 /Vrnolcl. I. s.: ssslesinin sunrn ckninpniliontuin u ?Iri1ippo rSAS st sius prockseessors Ilsinrieo iinp. guovis nuno kW 100U innrons, pro ezun stinin ininrin Eonrnclus hwins preclveessor ckolosv oesisus est Eine Erklärung dieser nicht recht durchsichtigen Klage habe ich Bd. I, 260 Anm. 1. zu geben versucht. Näher würde fast noch die Annahme liegen, daß die Könige zu Verleihungen ans dem Kirchengutc gezwungen oder selbst solche gemacht haben möchten und daß Bischof Konrad erschlagen worden sei, weil er das Verliehene an die Kirche zurückziehen wollte. Auf die von der Krone selbst getragenen Kirchlichen kann sich die Klage nicht beziehen, weil Philipp schon l20l dieselben resignirt hatte. Non. Iloisn, XXIX>, 503 . 2) ttzick.: sisetioni prineipnrn neiprisvit, gnornnr nun ennr rsgo orcki- nntions eselesin sun resszät lsvenritntein? . >9 Itog. cts NSA. iinp. no. 160. Xnn. Ool. innx. p. 823: Zilrläus u pnpn nck sscksin proprinin rs- mittitni-, nnatvritntu ipsius siseto Inspolcko, n snnstis Nogontio srun Alorin. suseipitur. 6uin czno etinin llinno nrslüsp. n pnpn lionoriiies ckiinissns, Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1268. 113 doch nach dem langen Schisma ihrer dort unzählige Geschäfte der kirchlichen nnd westlichen Verwaltung gewartet haben, welche ihnen schwerlich einen unmittelbares Eingreifen in die Reichsangclegen- heitcn gestatteten. Genug, die Versammlung in Wirzburg unterblieb vorläufig. Dafür aber traten die Fürsten des Nordostens am 22. September neuerdings in Arnstadt zusammen, um ihren früheren Beschluß rücksichtlich Otto's zu wiederholen nnd zu bekräftigen^, und kaum hatte Erzbischof Sigfrid sich zu Hanse einiger Maßen eingerichtet, so nahm er die Erledigung der Thronfrage in seine Hand, wie es ihm gebührte. Im Einvcrständniß mit dem Pfalzgrafen Heinrich, dem ersten unter den weltlichen Fürsten, schrieb er ans das MartinSfest einen Reichstag nach Frankfurt ans^f, dessen hauptsächlichster Zweck, da Otto's eigener Bruder und rsilisns (st) I'.liron. rej-. >>. 13) in t'eoto s. mnrt.1'rotlii st llnsinsti.. . suosipitnr: ttoüstr. Vitsrv. sont. lilisrdao. p. 316: 8it'r. enm nuckissst mvrtvm lUiilippi, rovorsno tn8 sst ln iklngunsia: OIrron. 8nmpotr. 11 . so: 8. nl> niiootoliso eontirmntn8 rsgrsclitur, bloKoneis 8N8- sipitnr .... st iiloiio lneliionisooiilitns Uomiuio onliroosatnr; st. ^nn. lisin- >l!,l(Is>,r. IN». Eliron. 8nmzistr. p. 56: In tv8to 8 . blnuritii prinsi>ios (lsiino Illillviltss doliliornsionio oonvilluin, so n<1 rsAiiiotatnin lVrnstoto sonvonvrnnt u. s. w. (s. o. S. 161 Anm. 3). Ilolnner, 1ts§. iinii. p. 3!» hält an dem Datum fest, sicht aber iu Arnstadt nur eine Corrnption für Halbcrstadt und idcntificirt also die hier berichtete Bersammluiig mit der von Halberstadt, von welcher (lootn Hall», und -Vrllolli. erzählen. Abgesehen davon, daß kein Grund zu der Meinung vorlicgt, weshalb in der Thronfrage nicht mehrere Versammlungen stattgefunden haben könnten, ist jene Identification einfach unmöglich, weil für die Halber- städtcr Bersammluiig der 25. Juli gesichert ist. Das konnte freilich Böhmer nicht wissen, da zu seiner Zeit die Schöppenchronik noch nicht zugänglich war, aber wohl Abel, der (König Otto S. 7> der Auffassung Böhmers folgt, ohne das Ollron. 8aili>>str., aber auch ohne die Schöppenchronik zu erwähnen. Und doch hatte er selbst (König Philipp S. 271) zuerst den betreffenden Abschnitt aus ihr pnblicirt. Ihm ist dann »nieder unbedenklich Schirrmachcr, Ä. Frid. Bd. l. -tl und Knrfnrstcncollcg. S. 3!» gefolgt, »nährend Langerfeldt S. I6l der Gefahr des Jrrthnms dadurch übcrhobcn geblieben ist, daß ihm die Nachricht des- Vliroil. 8,-rilipotr. überhaupt entging. Die Schwierigkeit, welche die rasche Aufeinanderfolge so vieler Versammlungen (Somerschcnbnrg, Altenbnrg, Halbcrstadt, Wirzbnrg, Arnstadt, Frankfurt» zii bieten scheint, löst sich sehr einfach durch die Erkenntnis;, daß eben jeder Schriftsteller nur die in seinem Gesichtskreise liegenden Versammlungen berichtet, also /Vrnolel. nnd Schöppenchron.: Somerschcn- bnrg und Halbcrstadt; Ksot.-r blnlberst, nur Halbcrstadt; Eiiroii. 8nmpstr. Altenburg nnd Arnstadt. Dem Vers, des Olir. Zmnpstr. »varcn »vcnigstcns andere nicht bekannt, wie das sich ans die Versammlung zu Altenburg zurllck- bcziehcnde clsnno obiger Stelle deutlich zeigt. Uebrigcns ist die an diese Stelle sich anschließende Nachricht von» Ncbcrtrittc des Rcichsmarschalls nicht gerade nothwendig als ein Vorgang ans der Arnstädter Versammlung, sondern vielleicht als ihre Wirkung zu fassen nnd obendrein nicht einmal richtig; s. o. S. 167 Anm. 3. Die rsz-ni inmAnia kann Kalben jedenfalls nicht übergeben haben, da sic gar nicht in seinem Besitze »varcn. ' - ' Oliron. 8m»pstr. ;>. 51: ikloMntinns rexinm enriilin omnidnZ ;iri»si;>i1>n8 I''rnnles»vnrt nUienclm» promniMtvit in tsoto s. illmiritii, »vas allgemein anerkannt wird als Schreibfehler für iAnrtini, veranlaßt durch das voransgegangenc (s. vorige Anm.) ^lmrritii. Die Reimchronik V. 6388 crtvähnt die Betheilignng dcS Pfalzgrafen, von dem ein Staatskalcndcr ans dei»l Anfänge des Jahrhunderts kund vor 1216, s. Hädickc, Knrrccht und Erzamt S. 15) sagt: J.ihrb. d. lisch. Gcsch. — Winkclmanu, Otto IV. 8 l14 Erstes Buch, Kapitel I. 1208, ciiicr seiner treuesten Anhänger die Leitung übcrimhmen, notürlich die Wahl und die allgemeine Anerkennung Otto's war, über welche Nord- und Mitteldeutschland sich in, Großen und Ganzen schon geeinigt Hattein Jedoch nicht ohne Ausnahmen Im Norden, in der unmittelbare» Nähe der w elfischen Hausbesitznngen, stand noch als ein Gegner Otters der dänische Prinz Waldemar, welchen König Philipp als Erzbischof von Bremen bestätigt hatte. Denn obwohl Otto, durch Albrecht von Magdeburg znn, Einlenken in die Reichspolitik seines Vorgängers bestimmt, unmöglich Waldemars Nebenbuhler, den von den Hamburger Domherren erwählten und vom Dänenkönige in- vestirten Burkhard von Stnmpenhansen, als den rechtmäßigen Erzbischof von Bremen gelten lasse» konnte, er durste doch ebenso wenig sich mit der Wahl WaldcmarS befreunden. Ihre Anerkennung hätte ihn auf der Stelle in einen unversöhnlichen Gegensatz z»m Könige von Dänemark gebracht, der »i dem bischöflichen Better seineil Todfeind sah, und daß der Zeitpunkt, in welchen, Otto einer solchen Gefahr nicht mehr zu achten brauchte, bis jetzt noch nicht gekommen sei und so bald nicht kommen werde, hatten selbst Albrecht von Magdeburg und die Genossen desselben von vornherein zngcstanden st. Otto hat deshalb in seinem Berichte an de» Papst vom Juli ihn gebeten, sich durch Niemand, auch nicht durch den König von Dänemark, zu einer voreiligen Entscheidung in dein Streite um Bremen drängen zu lasse», in jedem Falle erst die Ankunft seiner Boten zu erwarten. Sei die Wahl Waldemars ungültig, wie Jnnocenz das allerdings schon erklärt hatte, so sei doch auch die Wahl Burkhards um nichts besser. Weder die Erhebung des Einen noch die des Anderen könne ihm oder dem Papste znm Borthcik gereichen -). Der Gang der bremischen Fehde selbst wandte sich jedoch »»mittelbar nach diesem Briefe Otto's wieder inehr zu Gunsten Waldemars. Zwar war der Anhang desselben sowohl durch den Tod seines königlichen Beschützers als auch durch das gleichzeitige Lantwerden seiner Excommnnication tief erschüttert. Stade war ihm schon früher durch Burkhard entrissen worden, und tsti! nM SNINNIUS in nleotiona im, nrntoris. Das Herkommen wies allerdings die Einladnng zur Wahl dem Erzbischöfe von Main; allein zn, s Schirrmacher, Kurfürsten S>. 49 Anm. 5. Nach ^.nn. Knrlma. p 17, kam der Neiwstag zu Stande mcämnts cmneellnrio sei,, chiironsi omsaopn, und das ist wohl glaublich, daß Kourad von Spcicr sich in dieser Sache bemüht hat. Ans die Bemerkung des Enasnr. klcnsterlmo. Ontnl. nralne>>. Onkon. bei Iwlnnnr, I?ont<:8 II, 289: ourinin bümiilrinbort ünininns Ilrnno in'inehnims NosiA'nn- vsrnt, wird Niemand Gewicht legen, besonders da in der ganzen Stelle der Verfasser unverkennbar Köln herausznstreichen bemüht ist. Äm wenigsten aber wird man mit -Vnn. Iteinlmräsdi'. >,. 1,8. glauben, daß Otto selbst den Frankfurter Tag ausgeschrieben habe. Langerfeldt S. 261. -- Schirrmacber, Kurfürsten S. 4N bezeichnet Frankfurt bei dieser Gelegenheit als seit lange feststehenden Wahlort i invcsscn widerspricht dem der Inhalt seiner eigenen Anmerkung. st Bd. I. S. 459 und oben S. 195. st ItnA. äs nag. inip. nr. 169. Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1208. 115 nun kamen mich noch die Dänen über die Elbe, bunten eine fahrbare Brücke herüber nnd zu ihrem Schutze auf dem südlichen Ufer die Festung Harburg H. Waldemar halte dagegen diesmal die Bauern des Stedingcrganes, welche seinem Vorgänger so oft nnbe- gucm geworden waren, auf seiner Seite, nnd mit ihrer Hülfe gelang cs ihm wenigstens, Stade, wo ein furchtbares Gewitter an Kirchthürmcn nnd Häusern bedeutenden Schaden angerichtet hatte, am 3. August wieder den Feinden zu nehmen ^j. Rührig, wie er war, konnte er sich immerhin noch einige Zeit in dem Äesitzc deS Erzbisthnms halten, besonders da der'Dänenkönig ans Rücksicht ans die jetzt mit Otto verbündeten sächsischen Fürsten seine Intervention nicht zu weit anSdehnen durfte, Otto selbst aber, wie wir wissen, keineswegs dem Gegner Waldemars znm Siege zu verhelfen gedachte. Otto's Protest gegen die Wahl Burkhards nnd seine Auffassung vom bremischen Schisma, welche Jnnocenz bestimmten, die Entscheidung hinanszuzögcrn und erst am 4. November einen neuen Termin ausznschreibcn, brachten Waldemar doch den augenblicklichen Bortheil, daß er seine schwankenden Anhänger unter den Dienstmannen noch eine Zeit lang mit der Möglichkeit einer ihm günstigen L-chlnßentscheidnng des Papstes Hinhalten konnte. Diese Hoffnung war eitel. Eben an jenem 4. November befahl Jnnocenz nämlich dem Erzbischöfe von Magdeburg, den Snfsraganen der bremischen Provinz nnd den Bischöfen von Münster nnd Osnabrück, znm letzten Male Waldemar an den päpstlichen Hof, zur Genng- thnnng für seinen Ungehorsam, vorznladen und, wenn er auch jetzt nicht folge, dann durch den Erzbischof von Lund eine Neuwahl für das ihm bisher offengehaltcnen Bisthnm Schleswig zu veranlassen. Der Bann gegen Waldemar wurde erneuert, die zu ihm haltenden Ortschaften des Erzbisthnms mit dem Interdikte bedroht H. Von den Dänen bekämpft, von Otto nicht unterstützt, eher gehemmt, hatte der bremische Prätendent keine Zukunft mehr. Sein Bestand wäre wichtig gewesen, wenn die Deutschen unmittelbar znm Kriege gegen Dänemark Hütten schreiten wollen. Da das jetzt nicht möglich war, wurde Waldemar nur unbequem, und da die Dänen nicht zu früh einen Einblick in die Absichten bekommen durfte», zu welchen die stanfische Partei den Welfen bekehrt hatte, wurde er einfach fallen gelassen. Die frcnndschastlichen Beziehungen Ottos zu Dänemark dauerten also wenigstens äußerlich fort, nnd es hängt damit 5 (.'Nron. linnleuin bei l-nnAödvk Hl, 26'! nach der Erwähnung des Todes Philipps, nn ,,IInrnestnrA" (zwischen Stade und Harburg) steht. Abel S. >2l zieht die zweite, Nsingcr Dcutsch-Dän. Gcsch 5. >41 Aum. die erste Lesart vor. Eine sichere Entscheidung ist nicht möglich. '') Sächs. Weltchronik Kap. 346; Wnn. 8tnel. >>. 455 mit dem Tage' in invantiono 8tk>>stnni dio dominian. Vgl. Usingcr S. 140, wo jedoch irrig 6. August steht; Schumacher Stedingcr S. 164 Amu. 27. ") Jnnoccn; an den Erzbischof von Lund. Lpist. XI, >73. 8 « Erstes Buch, ikapüet 1. 1208 . 116 zusammen, daß das einst van Otto persönlich und zu seinem eigenen Besten zwischen den Königen vvn Dänemark und von England zn Stande gebrachte Bündniß von den Betheiligtcn selbst noch immer als bestellend betrachtet wurdest, obwvlst die Interessen beider Reiche, soweit sie Deutschland betrase», schon jetzt weit auseinander gingen. Wenn Dänemark allem Anscheine nach im Jahre 12o8 nichts sür die Erhebung des nahe verwandten Welfen gethan hat, während doch die Gelegenheit dazu so überaus günstig war, sv entsprach ein solches Verhalten vollkommen auch der bisherigen Politik des Königs Waldemar, der nur bei einer sv weit als möglich ansgespvnneneu Ungewißheit über die deutsche Krone seine Rechnung zn finden vermochte. Einer ganz anderen Auffassung begegnete aber die neueste Wendung des deutschen Thronstreites bei dem Könige Jvhann von England. Wie hatte Jvhann sich nur allmählich zu der Ucber- zcugnng seines Bruders Richard dnrchgearbeitet, daß des Reffen Sieg in Deutschland auch für England nothwcndig sei, um Frank reichs Meister rn werden! Wie hatte er allen Mahnungen des Papstes zum Trotz mit einer ausgiebigen Gcldnnterstütznng Ottos bis zu dem Augenblicke gezögert, in welchem die Katastrophe des- selben ihm endlich über seine Kurzsichtigkeit die Angen öffnete! Dann hatte Johann freilich gegeben, sogar reichlich gegeben, und als der verhängnißvolle 21. Juni 1208 mit einem Schlage Alles zn Gunsten Otto's veränderte, als der rasch wachsende Anhang desselben die Erwartung rechtfertigte, daß er in Kurzem an der Spitze des ganzen Reiches stehen werde, kräftig genug, um endlich die längst versprochene Hülfe in dem Kampfe gegen Frankreich zn leisten, der eben wieder begonnen hattest, da hat König Jvhann die frühere Gleichgültigkeit gegen den Reffen vollständig abgestreift, und cs wird nicht mehr der etwa im August ihm zngekvmmenen Mahnung des Papstes zur nachhaltigen Unterstützung Ottv's bedurft haben st, um ihn zu bestimmen, daß er sie wo möglich in noch reicherem Maße gewährte als im vorigen Jahre. Jene Gelder, mit denen Otto sich Anhang und Wahlstimmcn warb, woher können sie geflossen sein, als aus dem englischen Schatze? und es ist sehr wahrscheinlich, daß er die anderen Summen, welche er für die Zukunft versprochen, ans derselben Quelle zn beziehen gedachte, als er im Oktober seinen Scneschall Konrad von Wilre mit dem kricgsberühmten Edlen Bernhard von Horstmar nach England hinübersandtest. Man wird nicht behaupten dürfen, daß hier englische Mittel für Zwecke ansgewendct worden seien, welche den englischen Interessen scrngclegen: diese selbst näherten sich ihrer Erfüllung mit jedem h Nöiiig Johann giebt am a. Jnki cimmi Manne von Aipen Erkanbnijz ;um Handelsbetriebe: «jnnnntin nos cN rax Itnnemmreli. iüariinns niniai. llnrest-, Itvbnlns IN. >m,tvi>>. I, 85. st Band I. S. 550. st ltoK. elo nag. Imp. »ix Ivo. st Am 25 Oktober waren sic schon angekommcn. Sudcndorf, Wctfen- urknndcn S 75; llnrel)', I!m. lit. ;mt. 1, 87. Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1208. 117 Schritte, welchen in Deutschland der Welfe auf seinem Wege vorwärts that. Wurde die unerwartete Veränderung der deutschen Verhältnisse von der englischen Regierung freudig begrüßt, so rief sie umgekehrt auf der anderen Seite des Kanals die größte Bestürzung hervor »). König Philipp 1l. hat zwar, wie man weiß, über den endgültigen Sieg des Stanfers keineswegs große Befriedigung empfunden, vielmehr zuletzt seinem früheren Verbündeten so vielfach entgegengehandelt, daß es darüber beinahe zwischen ihnen zum Kriege kam. Gleich dem Dänenkönigc war auch ihm die Zerrissenheit Deutschlands erwünscht, die Einigung unbequem; sic ward ihm aber vollends unerträglich, wenn sie sich unter dem Welfen vollzog, der schon in jungen Jahren als Graf von Poitou Frankreich schwer geschädigt hatte und dessen feindliche Gesinnung gegen Frankreich weltbekannt war. Aber wie sie hindern? Philipp wandte sich direkt an die Centralstelle der europäischen Angelegenheiten, an die Kurie. Bei den Verdiensten, welche seine Vorfahren sich um die römische Kirche erworben Hütten, beschwor er de» Papst, die Erhebung Otto's nicht zu fördern, welche ihn nothwcndig in die schlimmste Lage versetzen müsse. Da er jedoch sehr wohl voraussah, daß die Kurie um seines eigenen Verhaltens willen, namentlich wegen seiner früheren Verbindung mit Philipp von Schwaben, kaum geneigt sein möchte, auf solche Vorstellungen zu hören, bemühte er sich, bei ihr in günstigerem Lichte zu erscheinen, indem er jene Verbindung als nichtssagend und dagegen die Zerwürfnisse, welche ihn zuletzt von dem Staufer getrennt hatten, als möglichst große darstcllte. Er wollte für einen Mann gelten, der znm Besten Roms selbst der eigenen Gefahr nicht geachtet und deshalb ein Recht habe, zu verlangen, daß dort seine Einrede gegen das ivclfische Königthum gebührend gewürdigt werde. Diese kleinen Künste vermochten jedoch an dem einmal feststehenden und inzwischen durch öffentliche Kundgebung unwiderruflich gewordenen Entschlüsse des Papstes auch nicht das Geringste zu ändern. Seine Antwort vom l7. September 2 ) enthielt in allen Punkten die entschiedenste Zurückweisung der französischen Begehren und am bündigsten rücksichtlich einer Gebietserweiterung ans Kosten des Reiches, welche vielleicht als Ausgleichung für die Verstärkung der englisch- welfischcn Macht gefordert worden wardst Die Besorgnisse Frankreichs entbehrten nach der Ansicht des Papstes jeder Begründung, weil Otto ja schon im Jahre 1201 eidlich gelobt hatte, in seinem Verhältniß zum westlichen Nachbar sich ganz nach dem Gutdünken und dem .Befehle Roms zu richten. Der französische König mochte solchen Bescheid erwartet haben ; h Bgl. Schefser-Boichorst, Deutschland nnd Philipp II. August, iu den Forsch, z. deutsch. Gesch. VIII, 52" fs. Iwg' iw nutz', imp. ur. 165. Bgl über diesen Brief des Papstes, ans welchem allein wir die Begehren König Philipps kennen lernen, Bd. I. S. 529. Erläuterungen XII. h Bd. 1. S. 438. 118 Erstes Buch, Kapitel I. 1208. jedenfalls war er nicht gesonnen, sich da, wo seine eigene Sicherheit in Frage kam, durch irgend eine Einrede beirren zu lassen. Mit dem Papste oder ohne ihn, er war von vornherein entschlossen gewesen, sein Bestes dazu zu thnn, daß Otto ip Deutschland nicht allgemein anerkannt werde: er hatte, bevor noch sein Hnlferuf in Rom angclangt sein konnte, schon mit der Wittwe Philipps von Schwaben Verbindungen angeknüpft, diese für sich gewonnen^ und cs war ihren vereinten Bemühungen gelungen, den Herzog Heinrich von Brabant zu bestimmen daß er dem Welfen, der nicht sein Schwiegersohn hatte werden wollen, nun als Mitbewerber um die Reichskronc gcgcnübertrat. Da sein Sohn mit einer Tochter Philipps von Schwaben verlobt war, konnte er wohl als ei» geeigneter Führer für den führerlos gewordenen stanfischen Familien - anhang gelten. Die Sache wurde fertig gemacht, als Herzog Heinrich im August den französischen König in Svissons besuchte; da gab dieser ihm zu den Kosten seiner Bewerbung dreitausend Mark, aber mit der vorsichtigen Klausel, daß Heinrich zur Heim- zahlnng verpflichtet sein sollte, wenn seine Wahl znm römischen Könige nicht gelänge H. Im klebrigen verbündeten sie sich, in guten Treuen gegen Johann von England und „König" Otto znsammen- znstehcn, und sie gelobten, wenn Heinrich von Brabant erst gekrönt sein werde, dieses Bündniß in feierlicheren Formen zu erneuern. Alle Streitigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland sollten künftig durch ein Schiedsgericht bcigclcgt werden und dieses, sobald ein Anlaß vorlicge, ans der Grenze beider Reiche zwischen Cambrap und Pervnne znsammentrcten H. Im Geheimen wird der Herzog damals auch wohl jenen Grenzberichtigungen haben znstimmen müssen, für welche Philipp August sich gleichzeitig, aber vergeblich, wie wir sahen, um die Sanktion des Papstes bemühte. Es kam nun daraus an, dem von Frankreich aufgestellten Thronbewerber Anhänger zuznführen. Heinrich von Brabant konnte zunächst mit einiger Wahrscheinlichkeit ans diejenigen Niederländer rechnen, welche seit dem Anfänge des Jahres 1205^) im französischen 0 INiInno, Hist. cts In. inaison ck'^nvorgno II, 104 und darnach Abcl, König Otto S. Iw Anm. 8; Oolislo, Ontnlo^no ckvs notos elo ststil nr. 1000. Vgl. Lcheffer-Boichorst S. L22. Amu. 2. Nur zwei Quellen wissen von diesen Vorgängen. Östron, rszg. Oolon. p. Ito.inrlens . . . Iiortatn 6t instinotn roxsts stranoio nee non ot rogino, rogis ttstil. eoniiiAis, pro optinoncko rotziio gunsilnin prinoipos Intorpolstrro portoinptiit. Brannschw. Rcimchronik V. 0 W2 (nach der verlorenen Rcichsgeschichte): eistos strrtto (Phil, von Frankr.) elstenn von Itrndnnt gMaAoston gr «2 gut, ela? star an ckn^ riest» inoestto stoinon. Der Bnndcsvcrtrag ist gedruckt Dolislo p. 5>Z. Bemcrlcnswerth ist noch der Passus: st>o älcstr ooinitissa Itolonio sie orit: si Ipso (i>>sn) 6t ojns Illstr slno storocko inorlantur, tilius nostor vol tilin nostrn, >sni ooinitntuin Hol. voliot Iinstoro, Ipsi ro^i lernnvvruin .... faeiet stoniinngiuin litzinin 6t sorvioini» 6t oinnoin Instieinn, . . . , nani si n os 6 s s ein ns rox II o in an o- ruin, non possoinns 6i trrooro st o in In n er In in. Vgl. Ficker, Heer- schild S. 22. 0 Bd. I, S. 404. Otto's I V.'Erhcbung zum allgemeinen Könige, 1208. 119 Solde und Mannschaftsgclöbnis; standen, und ganz besonders aus den Regenten Flanderns Philipp van Namur, welcher, mit einer Tochter des französischen Königs verlobt, sich noch mehr an den letzteren band, als er unmittelbar nach jener Zusammenkunft zu Soissons seine deichten, die Erbinnen der Grafschaft, ihm aus- liesertcH. Der französische Einfluß war auch sonst in den Grenzgebieten des Reiches thätig. König Philipp wird zum Beispiel nicht ohne bestimmten Zweck damals dem Erzbischöfe von Lyon eine Zollstättc znm Geschenke gemacht habe»-), und'wenn der Graf von Bar am 2. November bei der Freilassung seines Schwiegersohnes, des Herzogs Friedrich II. von Lothringen, demselben unter Anderem die Bedingung anflegte, Bürgschaft beiznbringcn von demjenigen Könige Deutschlands, der dem Grafen genehm sei-^), so handelte der letztere hier sicherlich ganz nach dem Willen des französischen Königs, der ihn geschützt hatte und dem eben der Herzog von Brabant als König Deutschlands erwünscht war. Bon der höchsten Bedeutung für die Kandidatur des Brabanters konnte es ferner werden, daß der König von Böhmen, der in gleichem Grade wie jener dem stausischcn Hanse verknüpft war, nicht nur sich gegen das welfischc Königthum durchaus kühl verhielt, sondern ihm sogar ein sehr deutliches Mißtrauen entgegen- brachte, vielleicht gerade deshalb, weil seine Feinde, die Wettiner, sich demselben so schnell als möglich angcschlosscn hatten. Otakar hatte ein Recht zu der Besorgnis;, daß der Welfe ihre Unterstützung mit Parteinahme für seine verstoßene Gattin Adela von Meissen belohnen und die Erbfolge seines Sohnes zweiter Ehe zu Gunsten der Kinder Adelas neuerdings in Frage stellen möchte H. Statt also Otto anznerkennen, wie Jnnoecnz ihm aufgegcben hatte, machte Otakar allerlei Ausflüchte und verlangte, wie es scheint, als er dem Papste sowohl schriftlich als auch durch besondere Gesandte sein Verhältnis; zur Thronfrage darlcgte, erst bestimmte Zusicherungen rücksichtlich feines Ehcschcidungsprozcsses, in. welchem er vor einigen Jahren gebannt worden war. Jnnocenz aber blieb in seiner Antwort vom 12. December^I dabei, daß Otakar nicht blos durch seine Pflicht, sondern auch durch feinen eigenen Bortheil auf freiwilligen Anschluß an Otto hingewicsen sei, und er kam auch den Persönlichen Wünschen des Böhmcnkönigs nur insoweit entgegen, daß er die y Bd. I, S. 105. Am». >. -- IMIisio im. >09> 2) Ilolislo nr. U>!>7. lieber die Stellung des Erzbischofs von Lyon zmn Reiche s. Ficker, Rcichsfnrstcnstand 1. 299. Bd. I. S. -II>. lioeuoil XVIII, 772: Dntuins ost otiniu ckux oniniti in ostNMUm luuns )urois ruA'viu Xlsnmuuinv « gumn Lomes voluerit, eum litorls suis npvrtis. Vgl. Schcffcr - Büichorst S. 725. h In diesem Zusammenhänge wird die angebliche Rückzahlung der Wettiner an Otto (s. o. S.sto8I einiger Maßen begreiflich. Ucbrigcns war der Sohn Adelas: Vrit/.elirus lilius illustris regis Otlmmul llnomorum den 20. November 1208 am Hofe Ottos zu Mainz. Urkbch. f. Riedersachscn II, 57. 5) Kog'. äs NVA. i»ip. nr. 170: 8u,>e.i' ov, guock n Iwdis cko iiLAotio iiigmi'ü per tuum nuntinm et Iltorns reguislsti etc. INiguc hat das irrige Datum >il. Iclns eise. 120 Erstes Buch, Kapitel I. 1208. Aufhebung des Bunucs und die unverzügliche Wiederaufnahme des Prozesses auvrdnete *). Jedenfalls stand Otakar während des ganzen Jahres 1208 dein welfischen Königthnm eher ablehnend als zugeneigt gegenüber, und er hatte »in so weniger Bcranlassnng, ans dieser Stellung herauszntreten, weil sie zunächst auch von feinen Nachbarn, von dem Herzoge Leopold von Sesterreich -) und wenigstens bis zum Frankfurter Reichstage von dem Herzoge Ludwig von Baiern, getheilt wurde. Der Gedanke, den Welfen an die Spitze des Reiches zu bringen, hatte also im ganzen Südosten noch nirgends Wurzel gefaßt, während gleichzeitig der Westen von Frankreich ans für die Erhebung des Brabantcrs nnterwühlt wurde. Wenn diese beide» Gruppen, wie es nahe genug lag, sich zu übereinstimmendem Handeln verständigten, dann allerdings war mit ihm die wilde Handhabung des Faustrechts und dem deutschen Vandc wieder ans lange Jahre hinaus der Bürgerkrieg gewährleistet und die Fort deiner jener furchtbaren Zerrüttung aller gesellschaftlichen Ordnung, welche nach dem Tode König Philipps über das Reich hcreingebrochen war. Frankreich und Dänemark mochten dann triumphiren. Es ist glücklicher Weise damals nicht dazu gekommen. Die von Frankreich genährte Agitation für den Herzog von Brabant kann freilich nicht im Einzelnen verfolgt werden. Das ist jedoch deutlich, daß sic es zu keinem irgend wie ncnnenSwerthen Erfolge gebracht hat, daß der am 27. August erfolgte Tod der Königin. Wittwc Maria für sie ein großes Unglück war und daß sie vor Allem daran scheiterte, weil die großen rheinischen Erzbischöfe nichts mit ihr zu thun haben wollten. Bei Sigfrid von Mainz und Bruno von Köln, deren Stellung durchaus in der ursprünglichen Parteinahme für Otto und in dem Gehorsam gegen den Papst wurzelte, versteht es sich eigentlich von selbst, daß sie Anträgen von jener Seite unzugänglich blieben, und Erzbischof Johann von Trier, der wieder seine beliebte Knust des Abwartens übte und allem Anscheine nach nicht das Geringste für die Erhebung Ottos gethan hat ch. wird sicherlich noch weniger geneigt gewesen sein, einem Unternehmen gegen dieselbe beizntrctcn, welches ihn jedenfalls wieder in sehr mißliche Verhältnisse verwickelt haben würde. Nimmt man hinzu, daß der Pfalzgraf Heinrich und der Bischof von Spcicr, von denen wir es sehr bestimmt wissen, und ebenso auch,wohl manche Nachbarn, von denen cs vielleicht nur zufällig nicht berichtet ist, sich schon sehr früh für Otto erklärt hatten/so wird es begreiflich, daß .die Bewerbung des Brabantcrs einfach im Sande verlaufen mußte, nachdem sic im Rheingcbietc, ans welches sic zu- 0 IPist. XI, 184 an die Erzbischöfe von Main; und Magdeburg, h Junoccn; an vcopold 5. Dcccmbcr 1208 lieg, äs nag-. ur. 175. ") Er wird wenigstens in den Bcrhaudlungcu, welche dein Reichstage zu Frankfurt rwrausgiugcu, nirgends erwähnt. Zur Zeit der Hatbcrstädter Bcr- sauuuluug ;. B. war er in Koblenz. Görz, Regesten d. Erzb. v. Trier S. 28. Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1208. 121 nächst angewiesen war, keine Unterstützung gefunden hatte. Es ist von ihr dann auch weiter nicht mehr die Rede gewesen Z. Die allgemeine Bewegung zu Ottos Gunsten hat dagegen nach und nach auch den Südostcn ergriffen und diesen nicht zu einheitlichem Handeln gelangen lassen. Während die Fürsten von Böhmen und Oesterreich in ihrer abwartcnden Stellung sich gefielen und auch der einflußreiche Patriarch Wolfger von Aqnilcja sich zwar sehr dienstbeflissen wiederholt vom Papste Anweisungen für sein Verhalten erbat, sie jedoch nicht befolgte ^), ist wenigstens Herzog Ludwig von Baicrn der Einladung znm Frankfurter Tage nachgekommen, welcher dem Reiche in der Person des Welfen wieder einen König geben sollte. Ludwig erwarb sich durch sein Kommen, welches die Gefahr einer Doppclwahl so ziemlich beseitigte, ein wesentliches Verdienst um Deutschland, und dieses wird nicht deshalb verkürzt werden dürfen, weil er dabei feinen eigenen Vortheil ebensowenig vergaß, wie alle übrigen Fürsten, welche dem früheren Gegner ihre Stimme» znsagten. Diesem stand von je her als ein Hanpthindcrniß die Besorgniß entgegen, er möchte seine königliche Stellung zur.Herstellung der alten Macht seines Hauses benützen, so daß Alle, welche aus dem Sturze Heinrichs des Löwen Vortheil gezogen hatten, gegen das Emporkommcn seines Sohnes ein wohlberechtigtes Mißtrauen empfanden, welches Ottos Betragen, in früheren Jahren nicht nur nicht vermindert, sondern eher verstärkt haben wird. Man verlangte daher immer wieder von ihm, daß er auf alle Restaurations-- gedanken förmlich und feierlich verzichte, und Otto sah sich wiederholt gcnöthigt, ein solches Verlangen zu befriedigen. Köln und Magdeburg waren damit vorausgegangen; der Herzog von Baiern war in gleicher Lage. Aber es genügte nicht, daß Otto ihm das Herzogthnm Baiern bestätigte und den einstigen Besitzungen seines Vaters ausdrücklich entsagte: Ludwig wollte nicht blos in dem, was er nun einmal hatte, sichergcstellt sein, sondern für seinen entscheidenden llebcrtritt auch belohnt werden, und cs kann keinem Zweifel unterliegen, daß er sich über diesen Lohn mit Otto ver- r; Viiron rLA. Ool p. 13: 8ot Ilrnnnns nspo, 8ilricto aspo, gni so tsinpors, ntpntn äivinn ciisponsnts proviäs.ntin, 208 . älon. Lo. XXIX u, 542. i>1on VVit- tolsd. nr. 3. vgl. Itvg'. Ott. ur. Zs. Waitz iu dem öfter zu citirendcu Aufsätze: Die Reichstage zu Frankfurt und Wirzburg >208 und 1200, Forsch, z. deutsch. Gcsch. XIII, 205 Amu. 2, meint wegen der Worte der Einleitung: Inspootu clovotiono, guum eireu promotiouem nostrum ilt. vir U. clux llsxv. üclelis et etilsetrm noster erit omni tempore Irulnturns, und weil der Urkunde noch die Angabe des Regicrungsjahrcs fehlt, sic sei vor der feierlichen Anerkennung Otto's gegeben. Indessen jene Worte brauchen nicht nothwcndig auf diese bezogen zu werden, da das omni tempore ihren Sinn verallgemeinert, das Futur eher aus den Römerzug deutet. Die Verleihungen sind dagegen nicht im Fuiur, sondern im Präsens ausgedrückt, Ludwig ist auch schon als tiüslis bezeichnet, so daß ich doch eher glauben möchte, daß die Urkunde erst nach der Anerkennung oder Wahl Otto's ausgefertigt ist, wenn auch vielleicht vor der definitiven Besetzung seiner Kanzlei. Wenigstens würde dies einige Mängel und Ungewöhnlichkeiten der Urkunde am besten erklären, lieber ihren Inhalt wird inan sich natürlich vorher vereinbart haben. Bd. I. S. 475. Oefcle, Grafen von Andechs S. 98. ^.rnolck. olrron. 8Iuv. Vtl, 1-1; OUron. roA. p. 1Z: 55 priuoipos; Xnn. Ool. mnx. p. 82Z; vgl. Lonorii ^n^ustocl. eont. zVoinAurt. p. 480: nnivorsis pons prinoipUous et optimutivus llnmuni reAni eouUuiiutis in IsriuieUornvnrtU. ^Viiu. UoinUnrclsbr. eü. >VeAoIo p. II8 über die festliche Ausschmückung der Stadt. Abel S. 15 läßt bei diesem Reichstage auch englische Gesandte anftretcn. Die betreffende Stelle der Xnn. cks VVuvsrleiu bei 1-uurck 11, 261 bezieht sich aber auf die große Gesandtschaft, welche England erst im März 1209 (s. u.) verließ. Otto I V. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1208. 123 Hcwtbcrt von Hildeshcim und dcr Abt Johann von Hcrsfcld, ferner Markgraf Dietrich von Meissen; ans Baiern, wie gesagt, Herzog Ludwig; aus Franken Bischof Konrad von Speier; ans Lothringen Erzbischof Johann von Trier und endlich Otto's alter Freund, dcr Bischof Johann von Eambrai, dcr nin seinetwillen lange Zeit ans feinem Fürstenthum vertrieben war'). Erzbischof Bruno von Köln, der sonst sicher nicht ansgcbliebcn sei» wurde, war kurz vorher, nachdem er eben erst in den Genuß seines Erzbisthnms gekommen war und auch die Unterwerfung feines früheren Gegners Adolf von Altena empfangen hatte, am 2. November verstorben "). Schwabens Rcichsdicnstmannschaft, an ihrer Spitze Heinrich von Kaldcn, mag, wenn auch nicht als die verfassungsmäßige, so doch als eine sehr wohl zu beachtende Vertretung dieses Herzogthnms ohne Herzog angesehen worden sein ; mancher Fürst und Bischof aber außer den zufällig Genannten durch sein Erscheinen dazu beigctragen haben, daß die Versammlung zu Frankfurt sich auch äußerlich als ein allgemeiner Reichstag darstcllte"). Nur der äußerste Nordwcsten, welcher augenblicklich unter dem Einflüsse Brabants »nd Frankreichs stand, Burgund mit dem Herzoge von Zährmgen, dcr sich noch abseits hielt '), »nd endlich dcr Südvstcn scheinen gar nicht in ') Otto's Urkunde vom 15. November (f vorher), welche außer vom Könige von 10 Fürsten besiegelt war, könnte über die Anwesenden die beste Auskunft geben, wenn nicht die Siegel bis ans die des Königs, der Bischöfe von Speier und Hildeshcim und des Markgrafen von Meissen verloren wären. Das scheint nun zu dcr Zeit, da der Abdruck Orig-. Onelt'. III. Vrnek'. p. 33 nach dem Original gemacht wurde, noch nicht dcr Fall gewesen zu sein, da dieser Abdruck — übrigens irreführend in den Text cingcschobcn — die Notiz bringt: lluius roi bestes sunt et siegln snn nppnsnernnt die Erzbischöse von Salzburg und Magdeburg, Nonrad (?) von Frcising, die Bischöfe von Hildeshcim, Straßbnrg, Speier und Passan, dcr Herzog von Lothringen, zwei Markgrafen von Baden, der Landgraf von Thüringen, der Markgraf von Meissen, endlich drei geistliche und zwei weltliche Fürsten, die nicht im Drucke genannt, sonder» nur durch Punkte angcdcntct sind Das würde >7 Siegel geben, während in Wirklichkeit an dem Orignal überhaupt nur I I Siegel gehangen haben, das des Königs eingerechnet. Jene Notiz muß daher als apokryph angesehen werden, obwohl ich nicht zn sagen weiß, woher die Orig. Onelk'. sic überkommen haben. — Vom 20. November besitzen wir Urkunde» Otto's nnd des Erzbischofs Sigfrid (Urkbch für Niedcrsacbsen II, 57. 50), frcilicb erst ans Mainz; doch dürfen wir wohl annchmcn, daß die in ihnen genannten Johann von Trier nnd Heinrich von Kaldcn mit mehreren Grafen ebcnsalls schon in Frankfurt bei dem Könige gewesen sind, wie cs von dem neben ihnen verkommenden ilonrad von Speier noch durch Arnold. I. e. nnd lieg. elc>. neg. imp. nr. 17n feststeht. Die Anwesenheit des Erzbischofs von Magdeburg nnd Johanns von Eambrai ist durch die Antworten des Papstes ans ihre Mittheilnngcn aus Frankfurt idiU. nr. 172. 173 gesichert. Dafür, daß Wolfgcr von Agnileja im Aufträge des Papstes dorthin gekommen sein soll (Ezörnig, Das Land Görz L>. 279), kenne ich keinen Beleg. Das Gegentheil crgicbt sich oben S. 12! Anm. 2. Oliron reg. Oc>I p. 13; Im». Ool. INNX. I. o.; Onosnr. Ileisterk. entnlogns in INmt. 11, 280. Xverel. OInckd. in 1?ont. 111, 301 hat 3. Nov. Darnach ist Schirrmachcr, Kursürstencoll. S. -II zu berichtigen. Otto IV. bezeichnet diese Versammlung später als gonornlis enrin nostrn Vrnnelietdrt. 15. Mai I2W; s. Bd. I. L>. 475. Anm 2. H Vgl. Jnnoccnz 5. Deeembcr 1208 lieg. Uv neg. iinzi. nr. 171, nachdem er von den Vorgängen in Frankfurt unterrichtet war. 124 Erstes Buch, Kapitel I. 1208. Frankfurt vertreten gewesen zu sein. Es waren eben die Franken, Baicrn und Schwaben, welche sich hier am 11. November mit den Sachsen vereinigten, um das Königthum Ottv's, dem die letzteren sich schon zu Halbcrstadt verpflichtet hatten, zu einem für das ganze Reich gültigen zu erheben. König Philipp hat einst im Jahre 1205, als seine Macht nach dem Anschlüsse der wichtigsten Glieder der welfisch-päpstlichcn Partei fast das ganze Reich einte, eine zweite Wahl und eine wiederholte Krönung für unerläßlich erachtet: eS war, wenn man will, eine Förmlichkeit gewesen. immerhin aber bedeutsam durch das in ihr liegende Zugeständnis^, daß keinem Wahlberechtigten die Gelegenheit versagt bleiben dürfe, sein Wahlrecht auSzuübcn. Und Philipp hatte doch stets auf seiner Seite die Mehrheit der Fürsten gehabt! Da mußte Otto, welcher selbst in seinen glücklichsten Tagen immer nur ein Minoritätskönig gewesen war, in noch stärkerem Maße das Be- dürfniß einer neuen allgemeinen Wahl empfinden, weil in dieser Form allein sich die Gesammtanerkennung aller derjenigen ans drücken konnte, welche er bisher nach und nach, einzeln oder gruppenweise, in mehr oder minder geheimen Berhandlungen und durch besondere Zugeständnisses zu sich herübcrgezogen hatte. Er unterwarf sich also nochmals einer Wahl, und diese fiel, wie von vornherein zu erwarten war, einstimmig zu seinen Gunsten aus. Die an ihr Bethciligteu haben dann dafür Sorge getragen, daß der Papst so schnell als möglich von diesem Ergebnisse benachrichtigt wurde 2 ) Von diesem Tage an war Otto IV. der rechtmäßige König der Deutschen, wie cs Philipp von Schwaben gewesen war, dem er jetzt den königlichen Titel nicht mehr versagte^). Konrad von Scharfenberg, Bischof von Spcier, lieferte ihm nun die bisher auf dem Trifels bewahrten Rcichsinsignicn ans und empfing dafür, wohl auch als voransbcdungenen Preis, das Amt des HofkanzlcrS, welches er zeitweilig schon bei Philipps Lebzeiten verwaltet zu 0 Die Zahl der schon angeführten Beispiele ',n vervollständigen, dient eine Urkunde des Nheingrafcn Wolfram (leider ohne Tagesdatnnp, welcher an eine Kirche Renten schenkt, die ihm ctoininns nostor Otto Iroclio in rog-sin otootns vx tlrelonio in Uopardin in solntionein sorvitiorrnn rnsornin Ubers nssiA- navit. Mittelrhein. Urkbch. II, 277. -) Erläuterungen V: Die KönOswahl zu Frankfurt im November 1208. h UlritiMns rox in Otio's Urkunde für Ludwig von Baiern vom 1',. November. — Am 23. November erneuerte Otto die Urkunde Philipps für Berchtesgaden von, 10. Mär; 1205. illon. Union XXIX", 515. Jener Titulatur Philipps widerspricht eS jedoch, daß Otto seine eigene Negierung von 1108 datirtc, so daß er zur Zeit der Frankfurter Wahl nnno ro^nr XI zählte Wenn seine Urkunde vom 20. November Urkbch. f. Nicdersachscn II. 50 nach einem Walkcnriedcr Diplomater nnno rnAiri oins zn-iinn hat. so mochte ich darin nicht sowohl einen vorübergehenden Gebrauch der Kanzlei erblicken, als vielmehr einen Jrrthnm des Abschreibers, der 1 statt XI las. Dagegen haben allerdings der Herzog von Oesterreich, der Erzbischof von Salzburg, der Bischof von Passau und andere frühere Anhänger Philipps das Königthum Otto's regelmäßig erst von der Frankfurter Wahl an gerechnet. Mciller, Reg. d. Babenb. S. 253 Am». 362. Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1208. 125 haben scheint i). Die Geschäfte des Prvtvnotars wurden einem magdcbnrgischc» Geistlichen Namens Walther übertragen, vermuthlich ans dringende Empfehlung des Erzbischofs Albrecht, welcher demselben schon früher sein Wohlwollen bcthätigt hatte Die großen Acmtcr des königlichen Haushaltes sind dagegen denjenigen Reichsministerialen, welche sie bis znm Tode Philipps innegehabt hatten, ruhig verblieben: es will viel sagen und cs ist ein Beweis entweder großer Selbstbeherrschung von Seiten Otto's oder großer Abhängigkeit von seiner Umgebung, daß er nicht einmal zu Gunsten des um ihn in den Zeiten der Nvth hochverdienten und sein unbedingtes Vertrauen besitzenden Truchseß Gnnzelin von Wolfcnbüttcl eine Ausnahme machte oder durchsetzte. Dieser und der Neichsmarschall Heinrich von Kaldcn, die beiden Feldvbcrstcn der früheren staufischcn und welfischen Parteien, konnten am Hofe des neuen Königs friedlich zusammcnstehen ch, weil es nieder eine welfischc noch eine stanfische Partei mehr gab und zur Fortpflanzung der Gegensätze und Feindschaften, welche der zehnjährige Bürgerkrieg in seinem Gefolge gehabt hatte, eine Veranlassung nicht mehr vorlag. Otto selbst war Allen in gleicher Weise Herr und König; er war gleichsam mit seinem Glücke gewachsen oder, wie Bischof Johann von Cambrai zu seinem Ruhme nach Nom berichtete, ein Anderer geworden^). Die schlimmeren Neigungen seines Charakters, welche ihm noch ') Jnnocenz antwortet Konrad von Spcier 4. Tee. 1208, lieg. äs nsg. iinz>. nr. 170: Orntrnn geriinus, (>noü. . . . Ottoni ckisposnisti liriniter ack- Norere chsnzne iinz>erin1iu insiguiu. rosignnro. Vgl. ^nn. KnrUao. p. 171. Die Uebcrgabc der Insignien in Frankfurt erwähnen auch Xrnolck. VII, 14 und Xnn. Ool. sUinUoinn onin m„ovir iinzivrinli), ohne Äonrads zu gedenken; auf Konrad führen aber wieder Oestu Ilulöerst, z> 122: u luiniliu iinperii insig- nin inipvriuliu ei sunt exliiöitu; denn die Familie derer von Scharfenberg gehörte gerade mit zu der Bnrgmannschast des Trifels. Die brannschw. Reim chronik, welche Konrad schon früher irrig als Kanzler bezeichnet, weiß doch, daß derselbe in Frankfurt unOvort iin >Iu 2 rieüe. B. 6423. Die wichtigste Stelle aber ist obron. Ilrsp. zi. 372: in potostute Iiuüedut in eustro Vritsls eoro- nuin nt ernoani et insigniu rsguliu, cznue nee etiuin restitnero votnit, »isi kerot euneellurins inizn uuluv. lieber sein früheres Vorkommen als Kanzler s. Bd. I. S. 385 Anm. I. — Abel S. 1! verlegt irrthümlich die Auslieferung der Insignien schon in den Sommer. V Oiiron. Konti» 8oreni, Kon. (leim. 8er. XXIII, 175. — Konrad als Hofkanzler und Wallher als Protonotar Otto's erscheinen zuerst in der königlichen Urkunde für Walkcnricd vom 20. November, s. vorher Anm. 3. ') lieber die Znhabcr der RcichShofämlcr vgl Ficker, Reichshofbcamtc S. 18. 31. 30. 46. 64. — Obron. 8un,potr. n. 1211 eck. Ltiibvl zi. 53 über Gun- zclin: iloinostiauo tumiliue Ottonis nnns et i>reesi)nns, otlieio ckuintsr, eu! Otto sient ei, enins tickeiitutem et servitntoin iuin priävin l'nerut sxpertus, non solnin z>rivutu, set et pnblieu rsgui negotiu eounnisernt. Am 20. November und dann öfters sind Heinrich von Kaldcn, Gnnzelin und der Schenk Walther von Schipf zugleich Zeugen der Urkunde Otto's. Asfcburgcr Urkbch. Nr. 41 ff. si Jnnocenz i» Antwort an den Bischof von Cambrai 5. Deccmber 1208. IleA. Uv neg. !>np. nr. 172: Uluck in »nriori vxsnltntiono cknevntes, (znock sient per tnns littorus intobexinnis, Kein rox in viruni «znusi ultsrnni iin- inntutus, in institieutionibns ckviuini nnrgis sotito ckeleetutur. kürzlich vom Papste eindringliche Ermahnungen zngezogen hatte», schien er besiegt, die Vergangenheit vergessen zn haben; die anfänglichen Rachegelüste haben bei ihm einer solchen Versöhnlichkeit, einem soweit getriebenen Entgegenkommen gerade gegen die früheren Gegner Platz gemacht, daß, wenn man von Begünstigung einer der alten Parteien reden will, die stanfische es sicher nicht war, die sich zurückgesetzt fühlen durfte. Otto war selbst der Ihre geworden, und er knüpfte so entschieden an die Verhältnisse an, welche der gewaltsame Tod Philipps unterbrochen hatte, daß man am päpstlichen Hofe, trotz aller Gcnngthnnng über seine Erfolge, sogleich darüber sich einiger Maßen beunruhigt fühlte'). Der Staufer hat im Welfen seinen Erben gefunden und seinen Rächer. Otto's legitime Regierung wird mit dein Strafverfahren gegen den Mörder seines Vorgängers und gegen die der Unterstützung des Verbrechens beschuldigten Fürsten inangnrirt worden sein. Eo war kurz und tnmnltnarisch st. Unter dem aufregenden Eindrücke der von Philipps ältester Tochter, der zehnjährigen Beatrix, persönlich vor dem Könige erhobenen Klage sah man von den üblichen Ladungen ab und schritt ans der Stelle zur Aechtnng, nicht blos des Pfalzgrafcn von Wittelsbach, sonder» sämmtlichcr Angeklagten, deren Schuld noch keineswegs erwiesen war und jedenfalls nicht mit der des Wittelsbachers ans eine Linie hätte gestellt werden sollen. Wie jedoch Herzog Ludwig von Baiern sich schon im voraus von dem Könige die Neichslehcn der Beklagten hatte znsichern lassen, so mögen auch Andere ihren Vvrtheil dabei gefunden haben, wenn sie es zu einer ruhigen Prüfung und Abwägung der Schuld nicht kommen ließen, sondern das Rachegcschrei der Reichsdicnst- mannschaftst verstärkten. Ans welchem Grunde man aber augenblicklichen Spruch vctlangte, König Otto durfte am wcnigsten dem stürmischen Andringcn der Versammlung Widerstand entgegensetzen und dadurch den ganz unbegründeten, aber freilich nahe liegenden Verdacht erwecken, als ob er selbst dem Verbrechen nicht ganz fremd sei, welches sein Geschick unerwartet günstig gewendet hatte ^ s. Er selbst bedurfte einer That, die ihn ganz besonders in Schwaben empfahl. st Mau beachte die merkwürdige Mahnung au dcu Bischof von Cambrai I. o. i eirau latus eius iusistns, ut, in legem clomiui snnm ciirigeus votuu- tateiu. . ., cuttui llivino se sellulum, upostolieae salli llvvolum et res^i- eientium jrogni priueipum?) so guieti garere praeuret intontum. 'st Bgl Bd. I. S. 475, dam- Franklin, Reichshofgericht l. UM ff. und jetzt Oefcle a. a. O.; Wittmann, Pfalzgrafcn von Baiern s. 53. 129. st Bgt. Oout ^llmuut. p. 58! : suspooti tum u priueipillus «guum u miuistariuiidus imparii proserilluutur, und die Nachricht des Oiirnu. ittont. 8oroui p. 174, daß Bischof Ekbcrt von Bamberg ans Furcht vor den lilletos regis das Ausland ausgesucht habe. Marschall Heinrich von Salden aber hat sich bekanntlich die Ausführung der Acht zur besonderen Aufgabe gemacht, s. Bd. I. S. 476. 477. st (tont. 6uiil. llstr. p. 296: por goter sei llo lllusmo at por eo «guo llou ki luotoit tu mort (lau lluo sus. Otto's I V. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1208. 127 Die herzogliche Würde war dort durch den Tod Philipps erledig! und der freie» Verfügung des Rcichsoberhanptes heimgefallcn. Was Philipps Eigcugut betrifft, so sollte dies nach seiner Verfügung auf die verwittwctc Königin Maria- übergehen; indessen sie hat in den Wirren des Interregnums es nicht zu schützen vermocht, und als sie am 27. August starb, bevor Deutschland wieder einen König hatte, kümmerte sich vollends Niemand um das Recht ihrer Tochter st. Von diesen waren die zwei mittleren, Maria und Knnignnd, schon vom Vater mit den Erben BrabantS und Böhmens verlobt und wahrscheinlich bald darnach den Eltern ihrer Verlobten überliefert worden. Die älteste dagegen, eben jene Beatrix, welche zu Frankfurt als Blutrachen» ihres Vaters anftrat, und ihre jüngste Schwester gleichen Namens lebten noch zu Hause in Schwaben, und es war die Pflicht und das Recht Otto's, diesen hülflosen Waisen seinen Königsschntz znznwcnden und die Verwaltung ihres Erbes zu übernehmen, wie er es ans dem Frankfurter Reichstage that. Er hatte obendrein seinen persönlichen Vvrtheil dabei, wenn der Zerstreuung des stanfischen Gutes gesteuert wurde. Denn jener Gedanke einer Verbindung des Welfen mit der älteste» Tochter des stanfischen Königs, durch welche man bei den Verhandlungen der letzten Jahre wiederholt, obwohl immer vergeblich, eine fricölichc Bcilegnng des Thronstreitcs herbcisühren zu können gemeint hatte, wurde nach dem Tode Philipps wieder in verschiedenen Kreisen erwogen: Jnnoecnz hatte gegen die Ausführung desselben nicht »nr nichts einznwenden, sondern sic im Gcgcnthcil geradezu empfohlen st, und man dürfte sich nicht wundern, wenn auch Heinrich von Kaldcn. als er sich im Sommer zu Otto nach Braunschwcig begab, jenen Plan neuerdings bei diesem angeregt hätte -st. Nicht nur weil durch eine solche Verbindung ein offenbarer Wunsch des Verstorbenen erfüllt worden sein würde, der um ihretwillen jeder anderweitige» Verlobung seiner ältesten Tochter ans dem Wege gegangen war; sie entsprach vor Allem dem wahren Interesse der Lebenden: des Reiches, weil sic die Kluft anssülitc, in welche immer wieder der innere Friede desselben versankst, der unversorgten Töchter Philipps, deren Zukunft durch sie wenigstens änstcrlich sich erg estellt wurde, und am meisten endlich dem Interesse Otto's selbst. Denn st Bd. I. S. 472. Lst I). II0. st Rebnchrenik V 0372 sagt von Kaldcn: daß er nnreboto rvis äsin Iro- ninv nllai-le^o Nina, dar im not rrns 20 siner ors. st Otto 8. Itlns. o. 71 hebt gerade dieses Motiv beiden Fürsten hervor, welche Otto IV. zu der Verlobung mit Beatrix znrcdcten: iK-itur tortnnn pro- sporis sueoossibns nrrielonto, no zn-inoipos, gui ouin ?I,HH>>>o tuornnt, e.t bi gn! Otto»! i>rirrs nelborontos äsinnnr npostnvornnt, roMin oonsoiontin renx'rdonto Luspoatnin bnboront, »redinin ,o»i, no oeonsiono nlionins elisoorelins intlntn in >>ristinnin rnrsns oxitinm rox>- nuin involvorotnr. rtcl iino nnllnin inngis nlononin invoniri potuit, gnnin nt Otto rox nvoiporot in inntriinoninin Istiilipjn lilinin, guno oonnoxiono insolnbili ounoorclinin inter rogein ot >nineij,es stnbilirot. 128 Erstes Buch, Kapitel 1. 1208. obwohl das staufische Hansgut durch die Vergabungen der letzten Könige gewiß beträchtliche Einbuße erlitten hatte, war es doch noch bedeutend genug, um dem neuen Königthume eine reale Grundlage zu verleihen, die es bisher nur in seht ungenügendem Maße besaß. Ans 850 Burgen wurde der damals noch vorhandene Grundbesitz der stanfischen Erbtöchter geschätzt. Wie hätte also Otto sich sträuben sollen, als die in Frankfurt versammelten Fürsten in ihn drangen, in jene Verbindung zu willigen? Er versprach, Philipps Tochter künftig zur Gattin zu nehmen, wenn die nahe Verwandtschaft das nicht unmöglich mache. Freilich das konnte Otto schon aus dem Schreiben des Papstes wissen, welcher ihn zur Verlobung mit Beatrix ermuntert hattest, daß von dieser Seite die kanonischen Hindernisse nicht eben betont werden und apostolische Dispensationen leicht zu habe» sein würden, wo die politische Nothwendigkeit so laut für sie sprach. Ich möchte aber trotzdem jene Klausel nicht geradezu als eine Komödie betrachten, darauf berechnet, den Schein habsüchtigen Zngrcifens zu vermindern. Denn es ist bei einem Manne des dreizehnten Jahrhunderts sehr wohl denkbar, daß er sich wegen der von der Kirche verpönten Verwandtschaft wirklich in seinem Gewissen beschwert fühlte und daß er deshalb nicht sogleich eine unbedingte Zusage zu geben wagte, bevor er den förmlichen Dispens in seinen Händen hielt. Ja, auch dann, als Jnnocenz ans die Anzeige der vorläufigen Verlobung znrückschrieb, daß ein solcher kaum nöthig sei, daß übrigens die demnächst nach Deutschland zu entsendenden Kardinälc zur Gewährung desselben bevollmächtigt werden sollten st, auch dann scheinen Otto's Zweifel noch nicht völlig gewichen zu sein. Aber sic gewannen andererseits doch nicht so ausschließliche Macht über ihn, daß er, um sich von ihnen zu befreien, ganz auf jene Verbindung mit Beatrix von Schwaben hätte verzichten mögen, deren Nützlichkeit mit Händen zu greifen war. Er nahm vorläufig beide Töchter Philipps in seine Obhut und das gesnmmte Erbgut derselben in seine Verwaltung st. An eine Abfindung der zwei anderen, in Brabant und Böhmen verlobst lieg. Ns lieg. iinp. nr. 155: 81 tidi viNeris sxpsNirs, uN sonsum- mationsm matrimonii mm traotati soours proosNas. Otto war mit Beatrix nach kanonischer Rechnung im vierten, nach römischer im siebenten Grade verwandt, s. die Tafel bei p'angerfeldt S. 265. st Jnnocenz 5. December 12V8 ltvA. äs nsA. im,,, nr. 169. Ans nr. 178 ist ersichtlich, daß Otto durch das Brcoe vom 5. December nicht beruhigt worden war, weil in demselben uuila cts sonsan^uinitatis tinsa montio tiabstiatur. st ^.un. Ool. max. p. 823: tiiia Mn rsgls vnm uuivsrsis, cpiao pnsss- Nsrat, in (totem si Natur, nnd p. 821: proptsr donum paois st souoorNias; dssta ItaldsrstaN. p. > 22 : klia tstr. rSAis si sst traNita in uxorvm vum omni IrsroNitats, (pms at> antossssorivus suis sum sontiMrat, st p-itri- monio univsrso; Tun. ItsinIiarNsdr. p. 11>: ütira ros, rssiNuum pssunio, totuin prioris rSAis Patrimonium sum tiiiavus, una (^uiNsin ipsi rogi trn- NusonNa, altsra voro Notioioss utonNa, rttt'srtur; 7t.rnoiN.VI I, 11: Itsx rogi- nam aNolssssntuiam in sna protsstions sussspit, czuain otirun aN pstitionsnr prinoipum pro bono paois jot. Otto 8. Mas. o. S. 127 Anm 1), si tamsn iN pro liusa sonsanAuinitatis lisri possot, uxorom Nusoro spoponNit. 8nsospit igitur sum sum p-ttrimonüs st Nivitiis muitis st 35V sastris (s. Bd. I. Otto's IV. Erhebung zum allgemeinen Könige, 1288. 129 ten Töchter wird er in diesem Augenblicke um so weniger gedacht haben, weil die Fürsten dieser Länder ihm noch feindlich'gcgenübcr- standen. Der Trieb nach allgemeiner Beruhigung und Versöhnung, welcher den Frankfurter Reichstag beherrschte, spricht sich nirgends deutlicher ans als eben in der Thatsachc, daß die dort Versammelten diejenigen Maßregeln nicht blos guthießen, sondern von sich aus anregtcn, durch welche die Hausmacht der Staufer ans den wclfischcn Nachfolger nbergeleitet werden sollte. Wollte man der während der kvnigsloscn Monate allgemach unerträglich gewordenen Recht- und Friedlosigkeit Schranken setzen, dann mußte man dem neuen Könige auch die Mittel gewähren, wirklich König zu sein. Die in dieser Beziehung vom Reichstage gehegten Absichten bekundeten sich in der Einschärfung des Landfriedens, dessen Aufrichtung die Sage der geheiligten Person Karls des Großen zuschricb und dessen Satzungen zuerst von Otto selbst, dann von den Fürsten beschworen wurden i); Land und Leute haben cs bald gespürt, daß S. -NW Amn 2); T^nn. Uardao. p. 171: univsrsn, prsdia oastra, oivitatos st oppida, cpras lonAo tsmpors divi imporatoros V. st tl. . . . ooavsrvavs- rant, in ipsins ditionsm osssernnt st vtimn, t'avorsm omninm prinoipurn st nmxinro 8uovornnr obtinnit, als Folge der „oopnlatio^; Oliron. Ilrsp. p. 372: 'I'iinons Otto, r,nod ininistsrialos spsotantss ad Idiili,,pnin non t'aoils sno snbdvrsntur iinpsrio, ssd nd suos nativos donrinos rvdirsnt, kiliain Illi.. tainpram doininain omninm rernin, «pras ad Asnsrationsin illam spsotabant, aoospit nxorsm; llsin. Wood. p. 881; --kenn. 8tad. p. 354. Obwohl alle Quellen mit Ausnahme der Iksinlrardsdr. nur von der älteren Beatrix sprechen, ist nicht zu zweifeln, daß auch die jüngere schon damals in den Gewahrsam Otto's gekommen sein wird. Vgl. Reimchronik V. 6578. 6928. tz /Vnn. Lol. max. I. o.: INI rsx prirno, dsindo oster! prinoipss inrant tirinam paosnr torra marlons ssrvandnin, omnss iniustas sxaotionss vsoti- Aalium dsponsndas. oinnia otiam iura a Ixarolo Magno institnta ovsor- vanda et tsnonda; Otto 8. Mas. o. 58: Wegs paois promrdgata rognnin tnrliatnnr panllispsr traue,nillavit; ^.nn. 8tad. p. 355: paosin roddidit st Isgos innovavit; Oliron. 8ampstr. ,>. 5l : I!ox Otto oontirmatus lsges, paosin, odiota Karoli, omnilms priuoipibns saorainontnin inrisinrand! prsstantibns in id ipsnm, oontradidit. Die ^Viin. I!oin1>. p. iig haben diesen Satz, der erst durch die von mir gebrauchte Interpunktion Sinn erhält, ausgenommen, obwohl sie vorher schon einen ausführlicheren Bericht gebracht haben, der nach Auszählung einiger zu Frankfurt gegebener Gesetze schließt: et oinnia oa, guas a diobns Oaroli iinp. in disustndinsin alnorant. omni stndio rsvooars ui- titnr st prsoipns sa, gnas paois snnt, sollioits insditatnr. Die Znruck- führnug des lkandfriedens auf Karl d. Gr.'war herkömmlich; sie findet sich auch, wie Waitz a. a. O. S- 203 erinnert hat, in dem Gesetze Friedrichs I. von 1179 ^eta iinp. ur. 138: paosin auticprain a Ivarolo divo angnsto institntain ronovaviinns oto. Es ist möglich, daß gerade dieses in Frankfurt erneuert wurde; jedenfalls sind von dort auch noch andere, uns ebenfalls verlorene Reichs- gcsctze ansgcgaugen, von denen -Vi>>. Ool. eins über ungerechte Zölle erwähnen, während die ^.nn. Iloinli. zwar eine ganze Reihe anderer anfzählcn: gegen unerlaubten Gewinn Lei Kauf und Verkauf, gegen den Wucher und gegen das Wirthen der Geistlichen und Mönche, — aber gerade jenes Zollgesctz übergangen haben. Nach Arnold, ließ der König ans allen folgenden Reichs- und Hoftagen den Landfricdcw beschwören, VII, o. 16 in Altcnburg: paoe inrata, cpras in oinni- bns enriis proosdsutilins kirinata sst; o. 17 vom Reichstage in Wirzbnrg: lirinata paos, sicut in oinnibns enriis snpradiotis. Wegen des letzteren vgl. Rcimchronik V. 6535, wo gleichfalls auf Karl d. Gr. Bezug genommen wird. Jcchrb. d. dtsch. Gesch. — Win kelman», Otto IV. 9 130 Erstes Buch/ Äapitcl I. 1208. eine kräftige, oft fast rücksichtslose Hand die Zügel führte. Doch hatte schon die Verkündigung des Landfriedens durch König und Reich die gute Wirkung, daß Mancher, welcher zum einträglichcreu Wafscuhaudwerke gegriffen, sich wieder bescheiden dem Pfluge zuwandte, wenn er es nicht etwa vvrzog, auch fernerhin auf Anderer Kosten zu leben, aber jetzt als Bettler. Die Wiederaufrichtung des Friedens und der Ordnung wurde durch eine überaus reiche Ernte gefördert: man war geneigt, sie fast wie einen Lohn für den Abschluß des Bürgerkrieges zu deuten oder als eine Segnung des hergestellten Reichsköuigthums Z. Mau sieht, welche'Bedeutung dem „großen Hof" zu Frankfurt in den Novcmbcrtageu des Jahres 1208 für die deutsche Geschichte zukommt, als dem Abschlüsse einer laugen Lcidenspcriodc und als dem Beginne einer neuen Zeit der Ordnung und des Gedeihens. Standen bei den Verhandlungen die allgemeinen Angelegenheiten des Reiches natürlich im Vordergründe, so werden doch auch andere Fürsten gleich Ludwig von Baicrn oder gleich dem Rhein- grafcu Wolfram, der selbst den Wahltag für sich zu nutzen wußte, diese Tage zur Erledigung ihrer besonderen Anliegen und Wünsche und zur Verbriefung der ihnen früher in Aussicht gestellten Nor- theile verwerthet haben. Viele ließen sich von dem neuen Könige nochmals belehnen 2 ). Ein vielgcschäftiges Leben, eine reiche und zum Theil hoch bedeutsame Thütigkcit drängten sich in wenige Tage zusammen: schon am 20. November war der König in Mainz ^). b Otto 8. IÜN8. 1. c.-, 2zrnoIN VII, 15: Ortn 08 t novn Inx in orve Konnino, ioonnclitns >nnei8 ot 8oenritns (juistis; Oo8tn opiso. IMIöerst. p. 120: Divinn nn 80 rntio torrnin Mntn xrntin i>In8trnvit, i^uoel seising. Inter rsgnnin ot 8noorclotinin nun >n-icloin Iinvituin, lioot ox inworntiili i-o^is I'Il. ooon8u, inirnvili Minen inNioio Noi nä nuitntsin ooolor-ino ost rocluotnni, totlns >inoito oontrn oinnoin oinnionenr Nnini- NNIN tnlt ncl 1>onnin pnoi8 ot oonenrüino eoillplnnntn. Die brannscliw. Rciin- chronik B. 6478 gicbt eine gan; prächtige Schilderung des Friedens. — Itei». iOeoä. p. 661 : t^nnone Inrvunclnntin, (jnnli8 non tuit n 40 nnni8 et sn^n-n. 2) Rcimchronik V. 6453, für deren Quelle es spricht, daß sie auch darnbcr unterrichtet ist, daß Ludwig von Baiern hier die Lehen der Königsnwrder erhielt. Urkbch. f. tlliedcrsachscn II, 59. Zweites Kapitel. Die Vorbereitung der Romfahrt, 1209. Nach dem Frankfurter Reichstage durfte Otto IV. mit einiger Ruhe abwarteu, wie lauge diejenigen Fürsten, welche bisher noch nicht mit ihm in Verbindung getreten waren, solche Zurückhaltung nützlich finden würden. Sic konnten ihm doch nicht mehr gefährlich werden, nachdem die große Mehrheit ihn in förmlicher Wahl zu ihrem Könige angenommen hatte und da er obendrein unter allen Umständen des Rückhaltes am Papste gewiß war. Seine Thätigkcit richtete sich daher zunächst nicht so sehr auf die Ueber- windnng jenes Restes von Widerstreben, als auf die wirkliche Besitznahme des i» verschiedenen Gegenden verstreuten Reichsgutes, auf die Sicherung vornehmlich des stanfischen Erbes in Schwaben und Franken. Er wandte sich zunächst über Mainz in die oberrheinische Ebene, die in jenen Zeiten ja vielfach als das eigentliche Herz des Reiches angesehen wurde. Worms und Speier empfingen Bestätigungen und Erweiterungen ihrer ans den Zeiten der salischcn Kaiser herrührcndcn Freiheiten. In Speier sammelten sich um den König die Grafen, Edlen und Reichsmannen von der Nahe, vom Don- nersbcrgc und von der Hardt — unter den letzteren alle an Bedeutung überragend die Gebrüder Wcrnher und Philipp von Bo- landen , während aus den oberen Gegenden, welche demnächst besucht werden sollten, der Bischof von Straßburg, der Abt von Wcissenbnrg, der Markgraf von Baden zur Begrüßung des Herrn entgcgenciltcn 0- Dann an dem Trifels vorbei, auf welchem er wahrscheinlich in seiner Jugend einige Monate als Geisel für den Oheim Richard von England verlebt hattet, und über Weisscn- burg, von wo er im Winter des Jahres 1201 wieder nach Norden hatte nmkehrcn müssen °), ging es nun südwärts in Gebiete, die sein h irvx. Ott. ni-, 34 Mainz November 20; in-, 35 Worms November 23; nr. 36. 37 Speier December 2 fvql. Ficker, Urkundcnlchre 1, 316, 325). r) Bd. I. S. 508. 0 Das. S, 207. 132 Erstes Buch, Kapitel II. 1208 Fuß noch nie betrete». Jeder Schritt vorwärts eine ernste Mahnung, eine furchtbare Lehre der Geschichte! Welche Gedanken mögen da chn bestürmt haben, als er das Jagdrevier der staufischcn Kaiser durchritt und in ihrem LieblingSsitzc Hagenau von den Gemächern Besitz nahm, in welchen ein Barbarossa und Heinrich VI. und zuletzt sein eigener Nebenbuhler Philipp häufig genug über Pläne gesonnen hatten zum Verderben seines Geschlechts. Alle waren sie dahin, und der Welfe trank ans ihren Bechern, hauste in ihren Burgen und gebot als Herr, wo die Staufer länger als ein Jahrhundert die ausschließlichen Gebieter gewesen waren. Otto war bis Straßburg si gekommen, als die Zwicträchtigkcit der kölnischen Privrcn, welche sich über den Nachfolger des jüngst verstorbenen Erzbischofs Bruno nicht zu einigen vermochte», ihn vcranlaßtc, den Zug in den Süden zu unterbrechen und erst nach Köln zu gehen, dessen Bürger cs allerdings um ihn verdient hatten, daß er gerade ihnen sich sobald als möglich im Glanze seines unbestrittenen Königthums zeigte. Bis zu seiner Ankunft befahl er mit der Wahl zu warten. Am 20. Dccembcr traf er in Köln ein?). Daran war natür lich nicht zu denken, daß der König den Umtrieben des bcrgischen Grafengeschlcchts, welches bei dieser Gelegenheit den abgesetztcn Adolf 3) wieder an die Spitze des Erzbisthums zu bringen gedachte, irgend eine Unterstützung Hütte gewähren mögen/ Als seinen Kan- 0 Hier urkundet er tl. Dccembcr Xengurt, Istnss. Oonstnnt. I, 2 ». 522 für Engelberg, übrigens in wörtlichem Anschlüsse an Philipp 1200 Februar 23. Vielleicht gehört diesem Aufenthalte im Elsaß auch der nndatirte Schutzbrief für Pairis an, der gleichfalls wohl die Erneuerung eines ähnlichen Erlasses Philipps ist, vgl. Ountksr s. 20. — Oüron. I2rs>>.: porngratis purtilins lillsni ucl- venit in Lnsviuin. — Otto s. Itlas. o. 50 läßt irrthümlich den Hostag zu Nürnberg dem zu Augsburg voraugehen. 2) Abel S. 12 > Anm. 3 war berechtigt, im Hinblick auf die Ortsangaben der Urkunden Otto's aus dieser Zeit die Ankunft des Königs in Köln in die letzten Tage des November zu setzen', obwohl die 20in. Oot. mnx. p. 823 sagen: nuts natals ckomini Aber dieser letzten Angabe wird jetzt durch Oüron. reg. Oot. p. 13. 14 zum Siege verhelfen: Vigilin tüomo upost. rsx Oolouinin nck- vsnisns, tnmciunm novns rex nb omni civitnte in lotieiu. . . snseezitus, idickom trickno eommoratns est . . . Vlieocksrieus eligitnr 11. Irak. cknn. ... Ilex natals ckomini IIunns eoledrat. lieber die kölnische Wahl vgl. auch Oassar. Ilsistsrb. Oial. inirne. VII, 40 und Oatal. aop. Ovlon, in Pontes II, 280. Ficker, Engelbert d. Heil. S. 40. st Adolf hatte sich der Entscheidung des Papstes vom 13. Mai 1208 s. Bd. I. S. 454 gefugt und soennclnin preveptnin pnpe (^nn. Oolon.s Bruno bei dessen Rückkehr in den Sprengel sich untergeordnet — aber allerdings seine Ansprüche noch nicht fallen lassen. Wenn Arnold. VII, 7 rücksichtlich jener päpstlichen Entscheidung berichtet: Os ^.ckoito ckisponsutum lusrat, nt 200 innreus cks telonio Onesnsi pereixorst et totickem Uo Oolonisnsi et oeto stipcnckiu in ipsa eivitutv, st bis eontsntns Ornnonom aspnm non incznistarst, so stimmt das weder mit ihrem Wortlaute noch mit ihrem Zwecke, der kein anderer war als, ein Provisorium zu schaffen. Der definitive Spruch war noch nicht gefällt, obwohl sein Inhalt kaum zweifelhaft sein konnte. Aus diesem Grunde wohl wünschte Adolf ihn möglichst zu verzögern und bat den Papst, in Deutschland selbst nochmals eine Nntersnchuugskominission cinzusctzen. Dieses Berlangen Die Vorbereitung der Romfahrt, 1208. 133 didatcn stellte er vielmehr den Bischvf Johann von Cambrai auf, der in den Zeiten der Noth treu bei ihm ausgchaltcn und zu feinem Besten die Aufträge des Papstes gegen dm «('gefallenen Adolf rücksichtslos ausgeführt hatte. Indessen die Wähler wollten von Johann nichts wissen: weil er die Landessprache nicht verstehe, sagten sie; und als auch der Dekan Hermann von Bonn, der allein unter ihnen sür den Günstling des Königs gewesen war, angeblich durch ein Traumgesicht bestimmt, anderen Sinnes wurde und nun den Propst von S. Aposteln Dietrich von Hengcbach vorschlng, so ließ Ottv sich auch diesen gefallen. Dietrich, der zu den Gegnern des belgischen Hauses gehörte und im Kirchcnstrcite sehr entschieden gegen Adolf Partei ergriffen hattest, wurde von dem bevollmächtigten Ausschüsse, obwohl Adolf im voraus an den Papst appcllirte st, am 22. Deccmbcr zum Erzbischöfe erwählt, von den Edlen der Stiftslande genehmigt und von dem Könige sogleich mit den Regalien belehnt. Der kölnische Annalist hält es für gut, zu bemerken, daß auch Pfalzgraf Heinrich zugegen gewesen sei, als Dietrich neben dem lothringischen Hcrzogthnmc „den Ducat Engern" von dem Könige empfing: wahrscheinlich haben beide Söhne Heinrichs des Löwen die früheren Bcrzichtlcistungen ans die alte Stellung ihres Hauses in Westfalen zu Gunsten der kölnischen Kirche bei dieser Gelegenheit erneuert. Wenn Otto hier anfgab, was er selbst nie besessen, wie reich war der Ersatz, der seiner anderwärts wartete! Nach dreitägigem Aufenthalte in Köln st nahm der König den schlug Jnnocen; 23. Oktober lieg'. cls neZ. iinp. nr. 166 ab, weil die Sache spruchreif uud der Schlußtermin längst festgesetzt sei. Da aber Jnnoccnz zugleich unter der Voraussetzung, daß Adolf zu Otto trete, ihm versicherte: spss tivi non ineerta clarstnr, nt >iuo eseickisti nesni'Aeres, et si non all illuru, in nno alius sst losntns, ack uliuiu tainen Araeinnr, in (gno alias sst tovau- ckus, konnte Adolf allerdings meinen, daß der Papst, wenn er erst über Bruuo's Tod und die Erledigung des kölnischen Stuhles unterrichtet sein wurde, gegen seine Wiedereinsetzung nichts einwcndcn werde. g Der Familienname Dietrich steht nicht ganz fest; aber Hengcbach wird er genannt in einer unter Erzbischof Engelbert verfaßten Recension der kölnischen Bischofsliste, wahrend für den ihm gewöhnlich bcigelcgten Namen von Heinsberg gar kein Anhalt besteht, s. Ficker, S. 216 Anm. 4. Er hat von 1 >99—1203 init Engelbert von Berg um die Dompropstei gestritten, aber weichen müssen, das. S. 30—34; über seine Stellung im kölnischen Schisma s. lieg, äs ae§. irap. ar. 123. 124 und Bd. I. S. 559. Im Herbste 1208 ist er Zeuge einer Urkunde Bruno's, (Inntvsr, Oocl. lIveno-KossU. V, 87—89. h llvin. Dsock. p. 661. — Daeoinvlot II. >5 giebt eine Urkunde des Gr. Arnold von HnckeSwagcn mit der merkwürdigen Datirnng: 1209 vaoants iinpsrio, ^.ckolto aepo 6o>oa. satlisclrain spiseopalonr rsgsnts. Wenn die Jahrcsangabe richtig sein sollte, hätten wir hier einen ziemlichen Beweis von den auch nach der Wahl Dietrichs aufrcchtgehaltcnen Ansprüchen Adolfs. Denn Graf Arnold war ein Lehnsmann der Grafen von Berg, denen sein Vater 1189 das Allod anfgctragen hatte. Leo, Vorles. IV. 1028. lieber die Möglichkeit, daß von Seite der Bergischen auch an die Erhebung des Dompropstes Engelbert gedacht sein könnte, s. Ficker S. 46 Anm. 3. o) Dieser Zeit dürfte auch wohl eine nndatirte Urkunde des Königs Otto für Kloster Dunes angehören. Oron. st eartnl. inoimst. cls Dunis p. 178 nach IVantsrs, Davis evronologr III. 314. 134 Erstes Buch, Kapitel II. 120g. unterbrochenen Weg rheinaufwärts wieder auf. Er feierte Weihnachten in Bonn st nnd eilte dann nach Augsburg, wohin wahrscheinlich schon von Frankfurt auS ans den 6. Januar 1209 ein Hvftag angesagt worden war ch. Der Herzog von Baiern mit den Grafen Gebhard von Tollcnstcin,Albrechtvon Tirol, Ulrich von Eppcm und Egeno von Ulten, Herzog Otto von Meran, die Bischöfe Konrad von Regcns- burg, Hartwich von Eichstädt, Mangold von Pasfau, Otto von Frci- sing und Konrad von Brixcn, die geistlichen und weltlichen Würdenträger aus dem Bereiche des alten Herzogthnms Baiern waren ausnahmslos zur Stelle, wahrend aus den übrigen Thcilen des Reiches, sei es daß man diese gar nicht geladen hatte, sei cs daß die Winterzeit die Meisten zurückhiclt, nur sehr Wenige nach Augsburg gekommen waren ^). So trägt die Bcrsammlung einen überwiegend baierischcn Charakter, dem es vollkommen entspricht, daß der König gerade von ihr nochmals über die beiden schon in Frankfurt geächteten Kvnigsmördcr aus Baiern ein Urtheil fragte und daß dieses „nach baierischcm Rechte" und daher auch wohl ans dem benachbarten baierischcn Boden gefunden ward ch, eine Bestätigung des früheren Spruches, welchen Herzog Ludwig nnd der Reichsmarschall von Kaldcn inzwischen schon zu Vollstrecker! begonnen hatten"). Die Anwesenheit des Herzogs von Meran vermochte nicht das Geschick des Markgrafen von Istrien zu mildern, seines unglücklichen nnd, wie cs scheint, mit Unrecht vcrnrtheilten Brndcr-ö. Dieser Prozeß ist übrigens wohl die Ursache gewesen, daß endlich auch Patriarch Wolsgcr von Aguileja, in Begleitung der vornehmsten Männer aus den Deutschland angchvrigen Thcilen seines Sprengcls, des Grafen Meinhard von Gvrz nnd der Bischöfe 0 OW'OII. 1'6A. Ooton. p. II. 2) Otronnr. 8oNir. nun. p. 632; Otto 8. 1tln8. 6. 50: in oiiiplmnin . nxuct ^ugmotnm eotloguinin Irndsns. Ostrom Orsp. p. 373: Oum vonmsot ,4.UAU8tnm in nntivitnto ctomiui innltigns zirinoipss 6t inititss eonvsnissent Act enrinin 6to. irrt in dcr Zeit ss. vor. Anm.). Otto's in Angsbnrg in 8vt- winpni enrin gegebene Urkunden datiren allein vom II., 12. nnd 13. Januar. st Die hier und weiterhin genannten Anwesenden ergeben sich aus de» in Augsburg ausgestellten Königsurknnden lieg-. Ott, nr. 39—40, illostr I. o., Letn iinp. 23t. Es sind noch die Bischöfe Konrad von Sveicr, Engelhard von Naumburg und Reinher von Chur und selbstverständlich der erst im Frühlinge vorher erwählte Bischof von Augsburg Sigfrid von Rcchberg, die Burggrafen Gebhard nnd Burkhard von Magdeburg, dcr Pfalzgraf von Tübingen, 'endlich die Grafen Albrecht von Everstcin und Burkhard von Mansfeld, welche mit dem Bischöfe von Cambrai Otto auf dem ganzen Zuge von Frankfurt an begleitet haben. Zn beachten ist auch das Erscheinen dcS Herzogs Otto von Meran lInilt.-UrÄl. I. 4"3 bei einer Tagfahrt, ans welcher die Vcrurtheilnug seines Bruders wiederholt werden sollte. ' st Bd. I. S. 476. Vgl. Oefcle, Grafen von Andechs S. 97 Anm. 13 ff. Das nächstgclegenc baierische Gebiet war altwittclsbachisch, die Grafschaft Scheiern. st Das. Anm. 2. Nach Lcfflad, Reg. d. Bisch, von Eichstädt S. 45, Nr. 354 hat Bischof Hartwich schon im Deccinbcr 1208 den Reichsbann über Otto von Wittclsbach in den Kirchen seiner Diöcese verkünden lassen. Die Vorbereitung der Romfahrt, 1209. 135 Friedrich vv» Trient und Gebhard van Triest, den Hof des Königs aufsuchte. Nicht die wiederholten Befehle des Papstes, wenigstens sie nicht allein, werden ihm die Anerkennung des Welfen abgezwnngen haben ; übergroße Ehrfurcht vor der Autorität des römischen Bischofs ist nie seine Sache gewesen. Aber jenes Frankfurter Urtheil, auf Grund dessen Otto auch Istrien dem Herzoge von Baicrn verliehen hatte, betraf ihn selbst höchst empfindlich, weil diese Markgrafschaft als ein Lehen seiner Kirche galt. Um Istrien zu retten, blieb ihm kein anderer Weg osten, als diese Frage zu nochmaliger Erörterung und womöglich anderer Entscheidung den unter dein Vorsitze des Königs versammelten Fürsten zu unterbreiten. Darum also kam er herüber, aber schwerlich blos deshalb. Es ist ja undenkbar, daß Wolfgcr von keinem seiner früheren Parteigenossen darüber unterrichtet worden sein sollte, wie der Welfe selbst der in staufischcn Kreisen üblichen Auffassung der Reichspolitik sich anbeguemt hatte und daß der Dienst bei dem neuen Könige von dem Vertrauensmannc Philipps von Schwaben keine Verleugnung der eigenen Grundsätze fordere. Was Wolfger dem Staufer gewesen, konnte er auch dem Welfen sein. Otto aber zeigte seinerseits durch die That, daß er den Mann zu schätzen wußte, der wie kaum ein Anderer namentlich in die Beziehungen seines Vorgängers zum Papste eingewciht war. In drei großen Urkunden bestätigte er ihm am 13. Januar die Besitzungen des Patriarchats, die herzogliche Würde und den Blntbann für Frianl und seine Verträge mit den Grafen von Görz Durch des Königs und der versammelten Fürsten Zusprache ließ sich ferner Herzog Ludwig bewegen, zu Gunsten des Patriarchen die Ansprüche auf Istrien nicht weiter zu verfolgen^), und endlich gab Otto dem in den italienischen Verhältnissen Wohlbewanderten die erwünschte Gelegenes Dieser erwirkte 13. Januar 1209 die Beurkundung von vier Rechts- sprüchcn, 11. (1. 1-e§. II, 215. Der dritte lautet: sl alninis sino rsgin liosn- tiu st nntlioritnts novnni ziossit institnvro tolonvnin? gnoä nnllo modo live üsri xossit vel Uebsat st, si t'netnm lnsrit, irritum sit et innns, Wenn nun Otto 25. Juni 1210 sagt, daß ans dem zu Augsburg auf Klage des Bischofs gefällten Rcchtsspruche die Ungültigkeit des von Ulrich von Arco gehand- habten Zolles dargethan worden sei HonsIU, Hotims II. 521, so will das nicht recht zu dem Spruche des 13. Januar 1209 Passen, dessen Schwerpunkt in sins rsxia lissntia siegt. Denn Arco hat die betreffende Manch, wie Otto selbst bezeugt, durch König Philipp bekommen, dessen Urkunde ebenfalls erhalten ist. IlsA. lüiil. iw. 97. -) Der Verfasser eines dem Patriarchen zugeschriebcnen erdichteten Briefes an den Papst, ^.etn imzi. iw. 1138, läßt ihn freilich sagen: llnns nrsnm ms apprelienUsrs onasistis, (znoninm prsvspto vsstro eoastns III. 0. imzisra- tori tnlslitntsm inravi, st in Iioo tnistis sansn st'tieisns st inatsrin inclno- tiva. Aber stünde selbst diese Stelle in einem echten Briefe, so würde sie doch nichts beweisen, da die Tendenz des Briefes als persönliche Rechtfertigung eine solche Wendung fordert, welche die Verantwortlichkeit des Papstes hervorhebt. Und hatte dieser nicht oft genug zum Anschlüsse an Otto ermahnt? 2) Lnttimoni, Del patriaran Volslisro zi. 41. 49; Iltz'IisIIi (sä. I.) V, 72. es Bd. I. S. 470 Am». 1. 136 Erstes Buch, Kapitel II, 1209, heit, seine hochbedentsame Thätigkcit als Vertreter des Reiches in Italien da wieder aufznnehmen, wo der Tod König Philipps ihn sie zn unterbrechen veranlaßt hatte. Gerade dadurch, daß in Augsburg, wie in anderem Zusammenhänge gezeigt werden wird, sich Beziehungen zn Italien anknüpftcn, greift die Bedeutung des dort abgehaltcncn Hoftages weit über die Grenzen Baicrn's hinaus, für welches 'er doch wohl zumeist bestimmt gewesen war. Otto selbst blieb den ganzen Januar hindurch in Schwaben, indem er mit rnhmenswerther Pietät den Spuren seiner Vorfahren nachging. Er beschenkte die Dvmkirche zu Augsburg zum Gedächtnisse seines Bruders Luder, der früh verstorben in ihr begraben war; er besuchte Weingarten, die Wiege seines Geschlechts, welche jetzt unter die Hoheit des Enkels zurückkchrte; er vergaß auch das von den Staufern begünstigte Salem nicht'). Aber sein ganzes Wesen hat den Leuten dort nicht recht behagt. und der Eindruck, welchen man von ihm bekam, war mindestens ein aus sehr gemischten Gefühlen zusammengesetzter. Daß er mit eiserner Strenge den Landfrieden handhabte und ohne Unterschied der Person dem Rechte seinen Lauf ließ, das war freilich ein großer Segen nach der vor- ansgcgangenen Anarchie und wurde auch von Allen außer von den Betroffenen dankbar anerkannt ?), Welchen Schrecken hat er den zahlreich zu seinem Hoftage nach Augsburg gekommenen Rittern eingejagt — der Chronist von Ursperg, der damals als Mönch in Schussenried lebte, nennt sie gewohnheitsmäßige Räuber —, als er dem Reichsmarschall den Auftrag crtheiltc, den Uebelthütcrn nachzuspüren und sie zur Aburtheilung vorznführen, als er dann von fünf gefangenen Landfricdensbrechcrn einen köpfen, die anderen hängen ließ und als selbst ein Graf von Grcifsbach gewaltsam aufgcgriffen wurde. Wer irgend ein schlechtes Gewissen hatte, machte sich schleunigst fort aus seinem Bereiche. Sogar der Bischof von Augsburg zitterte, weil er auf eigene Faust, allerdings in gerechtfertigter h lieg, Ott, IN-, 49 vgl. Bd, I, S, 503 und Ficker, Nrkundeulehre I, 138; ur, 50, vgl. Stalin II, 152. ch Oüron, Orsp,, das ich meiner Darstellung zu Grunde lege: nclveuit in 8usvinm, Ooepit nutsur prsüonivus st tnsiuorusis tsrroreiu ineutoro st luciiein supsr eos sxsrssrs ste, — Olrrou. 8niiipstr, p. 51 : voutirnurtus in rsgno (Zusatz der lisinlurräskr, p, 110: cpiocl u longo inin tsinpors in klisustueliuem vsnernt, nun tum suis epuuu uliorum coiuinoüis st utilitnti- vus iutsnäensh luotuur iuiguis, iustis vsro st seolssinstiois innximv psr- sonis spsm non inoäienur iugsrsbnt. ü'nlin suiiu srnut prinsipiu, äs c;uidus bonus exitus äigus spsrarstur, — Versus lisinlinreli (s. Bd, I. S, 471. Amu, 3): surrsxsrnt Otto, inors leouiuo, euius vox terruit oiuues, vinelistnm nastus ltnsiens vsl inveuisns) pressoruin (per ;>otentssl spos guoe;us tuotus (ipsoruur; oiunin suiiu nülatn rsücli proeipit), Ipsius st siluit iu eonspsetu tsres ordis. Das Eingeklammerte sind Scholien, — Bgl. auch Otto s, Ill-as, e. 50, In diesem Zusammenhänge verdient unter den Rechtsspriichen des !3, Januar für den Bischof von Trient (s, o, S. 135 Anm, 1' besonders der vierte Beachtung, welcher den König verpflichtet, seinerseits dicjei nigcn zn ächten, von denen der Bischof nachwcist, daß er sie pro sxesssivus st tnstionivus suis geächtet habe. Auf Grund dieses Spruches hat Otto dann sogleich mehr als ein Dutzend geächtet, iüou, Osriu, Oog, II. 215, Die Vorbereitung der Romfahrt, 1209. 137 Nothwchr, die stansische Burg bei Schwabeck gebrachen hatte. Die Landlente, die Geistlichen, Alle, die sich allein nicht zn schützen vermochten, athmcten ans. Aber man hatte zugleich dach das Gefühl, als ob der König nicht eigentlich ans innerem Gerechtigkeitsdrangc so über die Schuldigen hcrfahre, sondern weil es seinem Stolze schmeichele, Niedrige und Hohe in den Staub zn werfen. Jene Unbündigkeit und Brutalität, welche zu zähmen Jnnoccnz ihm so oft dringend empfohlen hatte, versteckte sich unter dem Gewände strengster Gerechtigkeit. „Gott sah Anderes in seinem Herzen" sagt Burkhard. In schroffem Gegensätze gegen die gemächliche Weise des Stammes, der Philipps einnehmende Leutseligkeit in gutem Gedächtnisse hielt, trat Otto Herren und Grafen, sogar Fürsten hochfahrend und barsch entgegen, und es schien fast, als wenn er wie sein Oheim Richard Löwenherz, das Vorbild seiner Jugend, das Recht, gewaltthätig zu sein, nur deshalb Anderen bestritt, weil er cs für sich allein in Anspruch nahm. Mit der niederen Geistlichkeit verdarb er es dadurch, daß er den Bittstellern um vakante Pfründen nicht leicht Gehör gab, solche dagegen mit Vorliebe seinen mitgcbrachtcn Sachsen und Engländern ertheilte; die Prälaten aber entfremdete er sich vollends, als er ohne Rücksicht darauf, daß er rechtlich ja nicht der Lehnscrbe seines Vorgängers sein konnte, sich ihnen znm Vogte anfdrängte und sie zwang, ihm die Kirchlichen Philipps zn übertragen H. ' Durch die ganze Zeit geht unverkennbar das Bestreben, die Kirchlichen wieder unmittelbar unter die kirchliche Verwaltung zu bringen, und unter Benutzung des Thronstrcitcs hatten einige geistliche Fürsten dieses Ziel wirklich erreicht ch. Ließ sich dies nicht mehr rückgängig machen, so hat Otto wenigstens da, wo bei dem Tode Philipps die Kirchlichen und Vogteien noch in der Hand des Königs gewesen waren, ans seine Verlobung mit Beatrix sich stützend, behauptet, Philipps Erbe zn sein und er hat seinen Willen wohl ^ Es ist unverkennbar. das; Burkhard von llrsperg eine gewisse Antipathie gegen Otto hegt, aber gewiß nicht deshalb, weil er unter dein Staufer Friedrich It. schrieb. Was er aber tadelt, läßt sich — vielleicht allein mit Ausnahme der Begünstigung der Stammcsfrcmdcn — auch sonst als zutreffend erweisen, während er den lobenswerthcn Leistungen Otto's keineswegs seinen Beifall versagt. Jedenfalls ist der Ausdruck der /Lun. lieinli. (s. vorige Anm.): non tain suis >.,nnin aiioruin eoininociis et utiiitntilms intenckens, so allgemein nicht berechtigt. -— Langcrfcldt S. 111. 207 (vgl. 3ol) sucht die gegen Otto erhobenen Vorwürfe zn mildern, namentlich auch in Bezug auf die Behandlung der Vogteien. Sie dürfen indessen doch nicht zn dem Vermögen der Töchter Philipps gezählt werden, und daß schon sehr früh Klagen der Geistlichen nach Rom gelangt sind, scheint die Nackischrift anzndcntcn, mit welcher Jnnoeen; seinen Brief vom 16. Februar 1209 lieg, cko neg. iinz>. nr. 179 begleitet: iLcl iineo rognlsin ckeposeimus exeellsntiain, gnntsnus eterieos et eeeiesins ckiligns et iiouores, innnutvnvns et cketoncins, nt ckevotns ne znus zn-inesps in oiuuilms eoin- prodvris. 2) Ficker, Hecrschild S. 42. o) Oonr. cke lUmrin >>. 171 über S. Gallen: en, czuns ?iiilippo ntti- nsvnnt, iure situ proprietntis usurzmönt. uckvoeneinin etinin Imins eeclo- sino, czunsi Iiereckitnrio nck se iure trnnsmissnin eoningis. 138 Erstes Buch, Kapitel II. 1209. 1 meistens dnrchgesctzt. Er fand in manchen Fällen bereitwilliges Entgegenkommen, weil man den unmittelbaren Königsschutz nicht entbehren zu können glaubte; anderswo aber wußte er durch den Truck seiner Stellung sich das zu verschaffen, was er für sein Recht ansgab. Der Äbt Heinrich von Engelberg hat zum Bei- , spiel schon in Straßbnrg dem Könige die Vogtei seines Klosters eingetragen'); der Bischof Reinhcr von Chur, welcher auf dem Teige zu Augsburg dem Könige die Vogtci des Hochstiftcs überließ, verstand es, ihm wenigstens einige Beschränkungen derselben abzuringen-); der Abt Ulrich von S. Gallen erlag dagegen vollständig dem Willen des Königs. Er hatte das Begehren des Herzogs von Aühringen, für 4000 Mark und sonstige Vortheile in den Besitz der cröfsnctcn Vogtci cinzntreten, mit Bcistimmnng seiner Dienst- manncn znrückgewicscn, weil er sie seinem Bruder Heinrich von Sax znwenden wollte; er hatte diesem, wie es scheint, sogar schon einen Thcil der betreffenden Rechte übertragen. Nun kam aber ein Mächtigerer als der Herzog von Zähringcn, und dem Abte blieb nichts übrig, als sich zu fügen und sich zu freuen, daß sein Bruder zur Entschädigung wenigstens die Vogtci von Pfävcrs vom Könige verpfändet erhielt"). Nach dem Willen des Abtes von Pfävcrs wird schwerlich viel gefragt worden sein, wie denn der König auch ganz eigenmächtig eine Wcissenauer Vogtei an den Junker Otto von Schmalneck verpfändete^). So geschah es, daß alle Kreise des schwäbischen Volkes, und < besonders die in politischen Beziehungen maßgebenden, sich von dem neuen Herrscher mehr oder minder abgcstoßen fühlten und mit ihm unzufrieden waren. Sein erstes Erscheinen in Schwaben hat sogleich den Grund zu einer dauernden Abneigung gelegt, welche sich rasch zu dem Grade steigerte, daß man nach wenigen Jahren bei der ersten Versuchung dem Landfremden °) plötzlich und allgemein den Rücken kehrte. Je herrischer und verletzender Otto anftrat, 0 S. o. S 132 Anm. 1. -) iilolrr, Ooä. clipl. linst, I, 243. Lonr. cts Vndnrin p. 169. 170. Im Jahre 1211 urkundet der Abt: cl. Ottouo liom. Imp. gudsrnnnts st nclvoento eoelesis s. OnIIi existente. Ilrkbch von S. Gallen Nr. 841. — Heinrich von Sax hat die Bogtei Pfävcrs und Schloß Wartenstein dann seinem Verwandten Heinrich von Walkenstcin weiter verpfändet, elonev iinperii proeeres eis Uns rs nlitsr elisposituri sint, (s. n.l Jlolir I, 250 ;um Jabre 1210, ein ziemliches Eingeständnis;, daß diese Sache nicht mit rechten Dingen zugegangen war. Friedrich II. nahm in der Lhat 3. Mär; >22! ibiä. I. 273. lieA. ist-nl. nr. 443 Pfävcrs unter seinen unmittelbaren Schutz und befreite die Abtei von jeglicher Vogtci, besonders von oer des Heinrich von Sax und seines Sohnes Albert. Im Jahre 1257 waren > jedoch die Sax wieder in ihrem Besitze und ließen sie sich um 300 Mark ablöscn iiiiä. I, 347, also genau um diejenige Summe, um welche Otto sie ihnen verpfändet hatte. st Zeitgenössische Aufzeichnung im Wirt- llrkbch. III, 481. Daß man sich jedoch hie und da der schwäbischen Abkunft Otto's erinnerte, zeigen die Versus lisinlinräi p. 38: prineeps 8novorum nssnon 8n- . onioruin und dazu das Scholion: clssesuelens ex origins 8uevoruin st 8nxo- Die Vorbereitung der Romfahrt, 120!), 139 um so lebhafter gedachte man des „geborenen und wahren Herren" des Landes und es ist sehr bezeichnend, daß ans dem Kloster Salem, welches doch von Stto mehrfache Gnnstbeweise empfangen hattet, schon im Herbste ein Mönch nach Italien ging, um sich von dem einzig lebenden Staufer die jüngsten Erwerbungen seines Klosters und ebenso die Tcnnenbachs bestätigen zu lassen ^). Friedrich von Sicilien, das war den Schwaben der legitime, der geborene Herr. Vorläufig gehorchten sie zwar Otto, aber widerwillig und weil sic nicht anders konnten. Sein Aufenthalt bei ihnen hat länger gedauert, als für seine Zukunft gut war. Erst gegen Ende des Januar 1209 zog Otto anS dem Herzog- thume nordwärts nach Franken, dem er gleichfalls einen Monat widmete. In Nürnberg Z wurde wieder ein Hoftag gehalten, Wohl mit Rücksicht ans den Herzog von Oestrcich, welcher auf Grund seines Hausprivilegs sich nicht verpflichtet gefühlt hatte, nach Augsburg zu kommen, hier aber sich entstellte und zwar in Gemeinschaft mit dem Herzoge Bernhard von Kärnten und dem Erzbischöfe Eberhard von Salzbnrg. Letzterer hatte sich übrigens schon etwas früher offen für den durch die Wahl zu Frankfurt legitimirtcn König erklärt^) und vielleicht gerade durch seinen Vorgang die NUIU. Der Dichter fügt aber hinzu: lluns < 1 »! Uainpuars vsllsut (Schot, ns ro^narst super cos), posssin nuinsraro piurss, si possent, sect nunc non Uissrs las est. Zu dieser Stelle gehört das längere Scholion Bd. I. S. 473 Amn. I. Die Excommunication Otto's ist nachher 8usvis principibus non ingrata, (pios iain Uictus in suis pcrturbavsrat tain tooUis czuain consus- tuUinalibus iusticiis. 6our. äs l'ab. p. 170. 9 Bd. I. S. 473 Anni. 2. 9 1200 Januar 27, Juli 14. 8artorius, Xpiariuin 8aisin. p. 49. 42. piini^, 8picii. veolss. pars lll, öl I. 508. ") Friedrich für Salem Januar 1210 IluiU.-Ursb. I, 162. 163, für Ten- uenbach oder Himmclspforte INonc, Zeitschr. XI, 18! nach dem Original. 9 Am 20. Januar war Otto noch in Ulm Wirt. Urkbch. ll, 371: am 0. Februar lieg. Ott. nr. 52 schon in Nürnberg; am 20. Februar in Bamberg ibiU. nr. 55. Es ist dies offenbar das apuä eastruni Xorieuin soUocpüuin, welches Otto s. Ilias, irrthümlich vor dem Aufenthalte in Augsburg ansetzt. Jrrthnnicr anderer Art begeht die Oout. ^VUiuunt. a. 1208 p. 501: Asusralsin curiaiu apuct Xuruborcb in meUia ciuaärnAosima (März 6.) eum principibus ccisbravit. Obi oinnes, 71): proeui äuvio tibi mLAis ereäimns sxpoäirs, nt rsi tiusm prsveuions, uon sxspsetaus, unuo, nnts^unm iuvnlssont iu toto, epmsi sx äiseretiouis proposito sntnAns iä sttioors, cpiam äsmnm, sniu iuvnlnisset omuiuo, in usssssitatis urtienlo lorsnn icisiu ssAersris impisrs. r) lieg. äs USA. imp. ur. 177. Otto's Boten waren nach ur. 187: LI. notnrlns uoster st mnA. IlnA. cnpollnuns nastvr. Die Vorbereitung der Romfahrt, 1209. 141 bcrg empfanden haben und, wenn seine dankerfüllte Antwort dafür beweisend fein darf, ohne Arg. Sonst hätte er sich wohl fragen können, weshalb Jnnocenz nicht gleich den Termin der Kaiserkrönung bestimmt habe. Was sollten die angeblich zu Otto's Unterstützung nach Deutschland bestimmten Legaten, da Otto einer solche» Unterstützung in der That nicht mehr bedurfte? Kein Zweifel, daß man in Rom über Alles vollkommen unterrichtet war ^), was sich in den letzten Monaten drüben.begeben hatte, und Mancherlei davon war wohlgecignct, Besorgnisse für die Zukunft zu erwecken: des Ansehen, dessen sich die hervorragendsten Rüthe Philipps bei seinem illachfolger erfreuten, und überhaupt Otto's immer deutlicher hcrvortrctcndes Aufnehmcn staufischer Anschauungsweise. Wie nun, wenn der in den Zeiten der Roth so fügsame Welse als Reichskönig in die Bahnen seiner Vorgänger cinlcnkte? Es war doch denkbar, daß Otto in der neuen Umgebung sich der einst von den Fürsten der staufischcn Partei dem Papste cntgcgcngchaltencn Ansicht anschloß, nach welcher der Papst einfach verpflichtet war, an dem rechtmäßig gewählten deutschen Könige die Kaiscrkrvnung zu vollziehen, also nicht das Recht hatte, sie erst von irgend welchen besonderen Zugeständnissen abhängig zu machen ^). Der untergeordnete Rang der Boten Otto'S scheint dahin gedeutet werden zu müssen, daß er eine eigentliche Verhandlung um die Krönung für überflüssig hielt, vielleicht sie absichtlich ans demselben Grunde zu vermeiden suchte, aus welchem der Papst sie hcrbeizuführen trachtete. Umständlichkeiten und Schwierigkeiten einer solchen Verhandlung konnten von einigermaßen geschickten Händen sehr wohl zu dem Zwecke verwerthet werden, daß der König, um sie zu besiegen, jene Verpflichtungen der Jahre 1198 und 1201 auch jetzt noch unter ganz veränderter Sachlage als zu Recht bestehend anerkannte und womöglich erweiterte. Das aber sollte der Kaiserkrönung, ja der definitiven Zusage derselben und der Festsetzung des Termins Vvransgehen; darin bestand die wahre Aufgabe der Kardinäle Hugo Bischvf von Ostia und Leo Presbyter von S. Crocc, welche Jnnocenz am 16. Januar wieder als seine Legaten bei dem Könige und den Fürsten Deutschlands beglaubigtes. 0 Da nämlich die Antwort Otto's ibiä. nr. 187 vom Papste wieder am 10. Mär", beantwortet ward ibiä. nr. 188, kann sie nicht gut später als in der Mitte des Februar abgesagt sein. -> Johann von Lambrai war geradem ',mn Aufpasser bei Otto bestellt: Liren latus eins Studio sodnlao reeordntionis Lt oxbortationis insistas ote., s. o. S- 125 Anm. 1. Dazu halte man dic Warnung vom 10. Jan. Ilex. clo NVA. iing. »r. 179: acl bov malnin sdissLnsionis seandnlnin) nognitvr opo- raiuinin ninlti jn-oenl «.Inbio snnt pmrati . . ., a gnibus unrein tnain prorsns avortns. Bd. I. S. 176. — Ingnrinns VI, 61V mit den weiteren Ausführungen, dag der Papst non äator, soll Lonllrinator sei. Vgl. Pannenbcrg in Forsch, z. deutsch. Gcsch. XIII, 295. 0 Ilex, clo NLA. iinp. ur. 179 au den König, nr. 180 an die geistlichen Fürsten Bgl. Erläuterungen Nr. VII: lieber die angeblichen Hoftagc zu Hagenau und Frankfurt im März 1209. ') lieg, cks nsg. Imp. nr. 189 und darnach öfters gedruckt; UMeiner, Oock. cthil. cloin. temx. I, 42 nach dem Originale, welches mit Goldbulle versehen war. — Otto s. Ilias. e. bi: Öni all regem venlentos onmrine npo- stoliea. veneclietions satutantes, snnsnnr legationis sns, nt rvintuin sst, rrpsrlnnt eninczne, lidsnti animo eonsentientom nel Iroe, ack cietsnsionsin liorrmns oeelems invitnverunt. Nach diesem Schriftsteller wären also die Legaten nur zur Ertheilung der Ehedispcnsation abgeschickt gewesen. Zwei Punkte der Versprechungen von 1201 kehren jedoch hier nicht mehr wieder: 8tnvo ack eonsilinin st nrvitriuin tnnin de vonis eonsnstnüinivns po;nrlo lionnrno servrrnciis et cks negativ soeivtatis 4'nseino st Ovmvnnlino. 8imilitor etiam eonsitio tuo st irmncknto ;>areüo äs zmes vel eoneorUIa. Ineiencka. Inter ine st ?lrilippnnr regem lO-aneornm. Die Legaten haben Die Vorbereitung der Romfahrt, 1209. 145 bringen müssen, zu der erneuerten Anerkennung des von Jnnoccuz gewollten Kirchenstaates und der päpstlichen Lehnshoheit über Sicilieu und zu der Verpflichtung, die Kirche in der Aufrechthaltung und Handhabung dieser Gerechtsame zn unterstützen, traten nun zum ersten Male das Gelöbniß der Hülfe zur Ausrottung der Ketzerei, die unbedingte Gewährung der Appellation an den päpstlichen Stuhl in allen Kirchensachen und endlich die Hingabe eines jeglichen Einflusses auf die kirchlichen Wahlen. Dieses letzte Zugestündniß aber wog am schwersten. Denn es bedeutete nicht mehr und nicht minder als die völlige Auflassung aller vom Wormser Konkordate gewährten und von der Krone bisher im Großen und Ganzen sest- qchaltencn Rechte an den Papst. Wenn der deutsche König sich der Aufsicht über die Wahlen begab, wenn stets „derjenige einer verwaisten Kirche vorgcsetzt werden sollte, welchen entweder das ganze Kapitel oder die Mehrheit und der vernünftigere Thcil desselben wählt", so waren die geistlichen Wähler dadurch zwar in ihrer Unabhängigkeit von der Krone vollkommen sichcrgestellt, aber nur, um desto willenloser dem Einflüsse Roms auheimzufallcn. In Rom lag dann die ausschließliche Entscheidung nicht blos darüber, ob „der Wahl nichts von kanonischen Satzungen cntgcgenstche", sondern auch die andere, ob „der vernünftigere Theil" sie vollzogen habe, und das unbedingte Appellativnsrccht machte den Weg dorthin noch beguemcr'). Mochte der so „frei und kanonisch" Erwählte immerhin von dem Könige die Investitur mit den Regalien empfangen und ihm den Treueid leisten, die Investitur mußte fortan zu einer Förmlichkeit hcrabsinkcn, und sic konnte der Thatsache keinen Abbruch thun, daß der Gewählte in oberster Instanz dem Papste seine Einsetzung verdankte, von dem er obendrein leichter Absetzung zu befürchten hatte als von dem König. Von jener „Freiheit" der Wahlen war nur noch ein kleiner Schritt bis zu der päpstlichen Forderung der vierziger Jahre, daß selbst zur Vornahme einer Bischofswahl erst noch eine besondere Erlaubniß eingeholt werden müsse. Es war nicht das erste Mal, daß von einem deutschen Könige ein so tief in die Rcichsverfassnng einschneidendes Opfer verlangt ward. Mit Lothar, dem Vorfahren Otto's IV, ist vor seiner Wahl um ein derartiges Zugcständniß verhandelt worden; aber Gesetzeskraft hat es nicht erhalten -), und wie Lothar, so haben Friedrich I. und dessen Nachfolger von den ihnen durch das Wormser Konkordat gewährleisteten Rechten auch nicht das Mindeste nachgelassen. Otto selbst hatte noch eben bei der Wahl in Köln von ihnen Gebrauch die Wiederholung dieser Punkte entweder gar nicht verlangt, oder, da das unwahrscheinlich ist, weil Jnnocenz noch vor der Kaiserkrönung auf den zweiten Punkt znrnckkam, Otto weigerte sich, darauf einzugchcn, und drang damit durch, weil er ja viel Wichtigeres gewährte. Vgl. Roguain im stonrnal äss Lavnnts 1873 >>. 516. 2) Vgl. Bcrnheim, Lothar III und das Wormser Konkordat. Straßburg 1874, 8°/ Jahrb. d. dtsch. Gcsch. — W int el m >rn n, TMo ! V. 10 146 Erstes Buch, Kapitel II. 1209. gemacht, sogar bedeutenden Einfluß geübt und dem Erwählten vor der Weihe und trotz der von der Gegenpartei eingelegten Appellation die Regalien crtheilt. Während dynastische Interessen die Treue der weltlichen Fürsten oft beirrten, war der ans Grund des Konkordates eingesetzte Rcichsklcrus mit vcrhältnißmäßig wenigen Ausnahmen Philipps von Schwaben zuverlässigste Stütze gewesen, vielfach auch dem Papste gegenüber. Wenn cs nun ganz natürlich ist, daß Jnnoccnz jede Gelegenheit ergriff, um auf diesem Gebiete für die Zukunft eine günstigere Position zu bekommen, indem er die Bischöfe unter seinen ausschließlichen Einfluß brachte, so muß es uns doch völlig unbegreiflich erscheinen und es wird auch durch die Besorgnisse Ottos vor dem letzten Staufer und durch seine ungeduldige Sehnsucht nach der Kaiserkrone noch nicht genügend erklärt, wie der König ohne den äußersten Zwang, den der Papst seinerseits doch nicht gut gegen ihn anwenden konnte, in eine solche Herabmindernng des Königthums, in solche Gefährdung der eigenen Zukunft willigen mochte. Oder hat er etwa nur deshalb so viel zngesagt, weil er bei sich schon entschlossen war, cs doch nicht zu halten? In Spcicr hat er es gethan — an demselben Orte, von welchem aus die deutschen Fürsten vor fast nenn Jahren ihre stolze Erklärung über die Rechte des Reiches an den Papst gerichtet hatten, im Beisein eines Mannes, der ihr bcigetretcn war, wenn er sie nicht etwa selbst verfaßt hat, des Bischofs Konrad von Spcier, welcher aber nun als Kanzler Otto's dessen Gelöbniß unter goldenem Siegel ansfcrtigte, ein durch seine Unrühmlichkeit und seine unheilvollen Folgen denkwürdiges Monument deutscher Geschichte. Sonst ist kein Fürst als Zeuge der Urkunde genannt, und keine Spur deutet darauf hin, daß sie in der nächsten Zeit Anderen in Deutschland als den unmittelbar Betheiligten kund ward. Man mag deshalb darüber streiten, ob sie für das Reich mehr Rechtskraft hatte, als Otto's allerdings in weniger feierlichen Formen vollzogene Verpflichtungen von l198 oder l20l U: Otto persönlich war in jedem Falle durch sic gebunden, und wer etwa künftig die Gunst der Kurie gegen ihn suchte, der hatte dafür zu sorgen, daß er nicht hinter seinen Zugeständnissen zurückblicb. Und auch das ist nicht bedeutungslos, daß der König, welchen seine früheren Verbriefungcn zu einer Erneuerung derselben erst nach der Kaiscrkrönung ver- 6 Ficker, Forsch, z. Reichs- und Rechtspesch. Italiens II, 395 bestreitet ihre Rechtsverbindlichkeit für das Reich. Auf ihr Bekanntsein in weiteren Kreisen könnte der Umstand bezogen werden, daß, als Otto am 19. Mai dem Erzbischöfe von Magdeburg seine Zugeständnisse vom letzten Sommer verbriefte, die Verzichtleistung auf das Spolienrecht nicht mehr wiederholt wurde. Aber diese Auslassung erklärt sich noch einfacher durch die Annahme, daß inzwischen schon bekannt geworden war, wie Otto schon 1198 allgemein ans das Spolienrecht verzichtet habe. Daran aber, daß Konrad von Speier persönlich die Ausfertigung veranlaßt habe, kann billig nicht gezweifelt werden, da ein stellvertretender Notar 209 nicht zu haben. 2 ) Daß Otto nicht schon ans einem Hoftagc zu Hagenau in den Fasten cxpeditioucm in Itnlinm priucipidus cdixit (Otto s. IIIns. c. 5k), ist in Erläuterungen Nr. VII gezeigt. Der Jrrthnm mag daher stammen, daß Otto wohl wahrend seines Aufenthaltes auf dem linken Rhcinnfer den Reichstag zu Wirzbnrg ansschrieb, auf welchem dann die Romsahrt beschlossen wurde. V Xmi. ) Einzige Quelle (s. äVicIicrl, De Ottouis IV et Philipp! csrtnm. p. 150 u. 205^ ist 4rnold. VII. 10: iudietn est curia in Xlteuburg, epie alio nomine I'üsue nunenpatur, udi etinm iugeus patrimouium impsrator pos- sidet comltis liavvodouis cum Castro I-isuic et 6'oldiü, ezuod imp. pride- ricus 509 marcis a comite comparavit (vgl. Friedr. I. kl58 Jan. 1. Stumpf .1792). IIInc couveucruut Alisueuses et 6'isususes (von Böhmer und Lappenberg als Zeitzer erklärt; aber was soll deren besondere Erwähnung?), poloui et Ilocmi et IIuMiri. In der einzigen erhaltenen Urkunde des Königs aus Altcnbnrg 2. Mai für Stade. twi^. tluell. III, 781. liiedel, Lad. itrand. 2lbth. II. 1,1) wird dieser Anscnthalt nicht als curia bezeichnet, und es ist zu beachten, daß von den geistlichen Fürsten des Nordostcns nur der Erzbischof von Magdeburg als Zeuge erscheint, während die weltlichen ziemlich vollständig vertreten sind: der" Herzog von Sachsen, die Markgrafen von Meissen und Brandenburg, der Landgraf von Thüringen u. s. w. Bon der Anwesenheit der I'oloni, Noemi', V'ugari keine Spur. Abel S. 23 verlegt hierher die Unterwerfung Otakars von Böhmen; Palackp und Höfler (Mitth. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen VII, 138) nehmen wenigstens seine Anwesenheit an — Beides, wie mir scheint, ohne Grund. Denn wenn überhaupt auf Arnolds Iloemi Gewicht gelegt werden soll, wer will sagen, ob gerade der König gekommen war? Es können auch ihm feindliche Böhmen in Altenburg gewesen sein, wo die Wettiner mit ihrem Anhänge dominirten. Die Anwesenheit der poloni könnte allenfalls auf den Streit zwischen Konrad von der Ostmark und seinem Schwager Wladislaw von Polen bezogen werden, welchen allein LNrou. )Iout. 8eren. äl. 6k. 8s. XXIII, p. 170 !>. a. 1209 berichtet. — Ucbrigens ist Arnold auch sonst hier ziemlich flüchtig. Er fährt fort: ivi mnltis ne^otiis determiuatis et paco iurata, gue in omuivus precedentidus curiis Urmata est, hat aber vorher nur den Reichstag in Frankfurt erzählt. 10 * 148 Erstes Buch, Kapitel II. 1209. dem er hier von den Fürsten und Grafen des Nordostens, welche in ziemlicher Zahl anwesend waren, wie in den vorher von ihm durchzogenen Rcichstheilen den Landfrieden hatte beschwören lassen, kehrte er nach dem Himmclfahrtstage, der noch in Merseburg gefeiert ward ^), endlich in seine Heimath zurück, nach Brannschweig, welches vor einem Jahre sein letzter Halt gewesen war. Welch Wandel der Dinge! Otto mochte des blinden Engelbert von Zülpich gedenken, der ihm in den schlimmen Tagen des Jahres 1205, als alle ihn verloren gaben, Math zngcsprochen hatte. Was Gott voransbcstimmt habe, das müsse sich doch erfüllen, und vvr- ausbcstimmt sei, das hatte Engelbert angeblich schon der Mutter Otto's gesagt, daß er einst Kaiser werden solle ^). Nun, die Erfüllung dieser Prophezeiung stand unmittelbar bevor, und gleichsam um sie und die Rückkehr der Kaiserkrone an den sächsischen Stamm zu feiern, füllte sich Brannschweig mit den geistlichen und weltlichen Würdenträgern des Sachsenlandes, welche Otto zu einem glänzenden Pfingstfeste dorthin geladen und zum Theil gleich von Altcn- burg mitgcbracht hatte. Seine Freunde, hatte der König gesagt, wünsche er bei sich zu sehen, und das waren am Ende jetzt Alle, am meisten gewiß diejenigen, welche von ihm, nachdem er mit ihrer Hülse sein Ziel erreicht, jetzt die Erfüllung seiner früheren Versprechungen erwarteten. Da war der Erzbischof von Magdeburg, dessen verständigem Rathc er hauptsächlich seine schnellen Erfolgte verdankte, die Bischöfe von Hildcsheim, Merseburg und Havelberg und der nach der Abdankung Konrads von Krosigk in Halberstadt erwählte Graf Friedrich von Kirchbcrg, welcher wahrscheinlich damals in Brannschweig die Regalien vom Könige empfing -'). Von Rcichsäbten werden Hugold von Korvei und Heribert von Werden als Gäste Otto's genannt. Die Laienfürsten Sachsens aber waren sämmtlich seiner Einladung gefolgt: Herzog Bernhard, Landgraf Hermann von Thüringen, die Markgrafen Albrecht von Brandenburg, Konrad von Landsberg und Dietrich von Meissen, dazu sehr viele Grafen und unzählige Ritter. Für sie Alle wurde überreichlich auf Kosten des Königs gesorgt Z. An Mitteln fehlte cs 0 ließ. Ott. ui-. 6> ungedruckte Urkunde für Kloster Buch. 2) Orissur. lloistorb. llini. iiiirno. VI, 10. Bgl. Bd. I. S. 77. 2) Olirou, llallierstnd. zi. 122: uil regsm Ottoiioui neeossit et pueto, HiioU d. Oouradus exise. cum eo pvpigsrnt, rnto lindito, rogniis siniul ub oo ueevpit, zum Jahre 1209. Friedrich ist früher am Hofe Otto's nicht nach- zuweisen. Vgl. über ihn Zcitschr. d. Harzvcreins IX, 30. 0 Xriiolä. I. e.: von Altenberg rux tneieiu suniii voiivortit llruusivieli, uvl tostuni psntocostou (17. Mai) soUeiuiniiter oelolirnvit. ^4d quod rox niiiieos tnutum Uimiliarss ndesss voluit. und nun eine Aste der Gäste, die eben nur Angehörige des alten sächsischen Herzogthums und seiner Marken auf- zählt. Aus die entgegenstchende Notiz der Ilist. imperatorum: uuivorsos ziriiieipeo congrognvit et lostuni iioutoeostou llruiissivioli euiu Ulis gloriose perogit, ist gar kein Gewicht zu legen (vgl. Schirrmacher, Kurf. S. 04 Anm. 2). Denn die Zuverlässigkeit der Liste wird durch die Zcugcnreihe einer Urkunde Otto's vom 19. Mai bestätigt, während sic durch diese rücksichtlich der Grafen, in Betreff deren Arnold, sich mit einem non ornt iininsrus begnügt, Die Vorbereitung der Romfahrt, 1209. 149 ihm nicht mehr, da er bei seinem Umzuge durch das Reich selbstverständlich sich auch der verschiedenen königlichen Einkünfte versichert hatte i). Ottv's fürstliche Gäste haben sich indessen nicht ganz ungestört dem Festesjubcl hingcben können: ein unangenehmer Zwischenfall trübte ihnen gleich den Pfingsttag (17. Mai) selbst. Denn Erzbischof Albrccht von Magdeburg, welcher das Hochamt hielt, wies den Markgrafen Dietrich von Meissen als einen Gebannten öffentlich vor der ganzen Versammlung aus der Kirche und nahm auf die Vorstellungen des Königs so wenig Rücksicht, daß Otto selbst mit seinem beschämten Gaste die Kirche verließ. Erst am anderen Tage wurde der ärgerliche Streit beigclegt und zwar dadurch, daß Dietrich den Forderungen des Erzbischofs Genüge that^), sei cs daß dieser wirklich im Rechte war, sei es daß Dietrich nachgab, um es nicht mit dem Kirchenfürsten zu verderben, der in dem Eheschcidungs- proccsse seiner Schwester Adcla von Böhmen päpstlicher Delcgirter war 3). Damit war die Sache abgcthan. Obwohl Otto mit einigem Grunde sich durch das taktlose Verfahren des Erzbischofs hätte beleidigt fühlen können, ihr bisheriges gutes Einvernehmen vauerte wenigstens äußerlich fort, und als Otto am l9. Mai die Zugeständnisse, welche er Albrccht vor seiner Erhebung gemacht hatte, in ergänze wird. Von Grafen waren nach der Urkunde anwesend: Friedrich von Brehna, Adolf von Schauenburg, Bnrchard von Mansfeld, Elger von Hohenstein und Gebhard Burggraf von Magdeburg, in Wirklichkeit aber gewiß noch viele mehr. Denn es läßt sich nicht absehen, weshalb der König z. B. Bernhard von Wölpe, Gnnzclin von Schwerin, Adolf von Dassel, Günther und Heinrich von Schwarzbnrg (die Brüder des Erzbischofs Albrccht!), welche auch in Alten- bnrg gewesen waren, nicht als nmieos tllmiliares betrachtet und nicht auch wie die stncisten der von ^rnolä. und der Urkunde Genannten gleich nach Braunschweig mitgenommen haben sollte. Jene Urkunde enthält zwar auch die Rceog- nitionszeilc des Hofkanzlers Konrad von Speier. Da aber ausdrücklich erwähnt wird, das; sie per inanns IValtlreri protlronot. gegeben sei und da Arnold die Anwesenheit Ronrads nicht erwähnt, wird derselbe kaum zur Stelle gewesen sein, so daß das Fest in Braunschweig in der That als ein ausschließlich sächsisches anznsehen ist. Vgl. die Schilderung der brannschw. Rcimchronik V. 6509, welche indessen von V. 652b an: Do äer Iiol> ivns eren vol, solche Ereignisse, welche nachweislich erst dem folgenden Wirzbnrger Reichstage angehören, schon hierher zieht. st Reimchronik V. 6503 vor der Erzählung des Festes; das gesammelte Geld war nach ihr für den Römerzug bestimmt. st lieber diesen Vorfall haben wir zwei zeitgenössische, aber abweichende Berichte. Nach Xrnolä. VII, 16: nreliiepiseopns mnrelrionein pro notn öx- eoininnnientionis äivinis Interesse uoinit; nach der Schöppenchronik S. 134 aber, d. h. nach der ihr hier zu Grunde liegenden Biographie Albrcchts, hat dieser den Markgrafen selbst nucker äs missen gebannt. Nach Xrnolä. geht der König mit dem Markgrafen hinaus; nach der Schöppcnchronik verläßt letzterer allein die Kirche, der Erzbischof ärot' ou nt äer starken vor allen vorstsn nnä vor äsin koninge. Eine Entscheidung ist nicht möglich, auch ziemlich gleichgültig. Ich kann für Albrechts Auftreten keinen andern Grund finden, als daß der Markgraf dem Kloster Lautcrberg einen seiner Kleriker zum Pfarrer in Niendorf aufgezwungen hat. Oiiron. stlont. 8sr. ül. (I. 8s. XXIII, 176. st Innoe. Xpist. XI. 184 vom 11. December 1208. 150 Erstes Buch, Kapitel 1>. 1209. '1 feierlichen Formen verbriefte, ging er znm Theil über das damals Gebotene noch hinaus H. Hatte der König vorher zugesagt, im erzbischöflichen Gebiete keine neuen Zoll- und Münzstätten cinzu- richten, so dehnte er diese Verpflichtung jetzt auf diejenigen Länder ans, in welchen das Magdeburger Gepräge von Alters her Umlauf halte, das heißt also wohl auf solche, mit denen Magdeburg hauptsächlich in kaufmännischem Verkehre stand. Eine Erneuerung der besonderen Verzichtlcistung auf das Spolienrecht mochte deshalb überflüssig scheinen, weil'Otto schon in die allgemeine Preisgabe desselben gewilligt hatte; doch verzichtete er jetzt auch auf das sogenannte Regalienrecht und zwar in wörtlicher Wiederholung der durch König'Philipp dem Erzbischöfe und feinen Snffraganen am 22. September l204 gewährten Vergünstigung. Ans den Einkünften eines erledigten Bistlmms, weiche bis zur Wicdcrbcsetzung an das Reich zu fallen pflegten, sollten zuerst die von dem verstorbenen Bischöfe hintcrlasfenen Schulden getilgt, der Rest aber zum Besten des Nachfolgers anfbewahrt werden Daß in dieser Acrbriefung nichts von jener Zusage wiedcr- kchrt, welche Otto das Jahr zuvor dem Erzbischöfe in Bezug auf seine künftige dänische Politik und die Wicdcreroberung Holsteins gegeben hatte, kann keinen Anstoß erregen. Die Kenntnis; dieser Abmachung blieb eben am besten auf den Kreis der unmittelbar Betheiligten und Eingeweihten beschränkt, solange die Möglichkeit ihrer Ausführung noch ganz in der Ferne lag, und Herzog Bernhard von Sachsen handelte sehr unklug, als er öffentlich auf sic hinzu- deuten wagte. I» ziemlich erhöhter Stimmung nämlich redete er den ehernen Löwen, welchen Herzog Heinrich im Jahre 1100 vor der Blasienkirche aufgestellt hatte, mit folgenden Worten an: „Was sperrst Du deinen Rachen noch immer nach dem Osten ans? Du hast ja, was du wolltest; wende dich jetzt lieber nach Norden." Man lachte über den unzeitigen Scherz, dessen Sinn unmöglich mißverstanden werden konnte ch. Leute freilich, wie der von den Dänen vertriebene holsteinische Graf Adolf von Schauenburg oder Gras Adolf von Dassel, welcher Ratzebnrg eingebüßt hatte, oder p Was Otto einst gelobt bat h. o. S. 103), wird hier in zwei Urkunden vertheilt, von denen die eine Ovroken. ('>>ä. äh>1 Urmut. IV, 035 einen Theil der auf das wclfischc Hansgnt. die andere, in den Formen des Privilegs ausgc- fertigte Oriw. llnstl. Ill, 639, die auf die königlichen Gerechtsame bezüglichen Zugeständnisse enthält. Da die im vorigen Sommer versprochenen Gelder nicht wiederkehren, dürften sic inzwischen gezahlt worden sein, lieber die holsteinische Frage s. u. — Diese Beurkundungen saßt min Schirrmacher, Kurf. S. II als eine Entschädigung des Erzbischofs dafür ans, daß er nicht auch die Knrwürde erhalten konnte. Er hat übersehen, daß sie die Ausführung eines schon im Juli 1208 gegebenen Versprechens sind — gegeben für Albrechts Unterstützung des welfischen Königthnms — und mit der angeblichen Berthcilnng der Knrstimmen deshalb gar nichts zu schaffen haben. '0 S. o. S. 103. Bgj. Scheffer-Boichorst, Friedrichs I. letzter Streit S. 192. ff -Iriiylil. I. o.: Cum »inninm letitin aunnänret. üornarUus clnx etc. iio» 8ii>6 »Umirations umltornir,, czni lroe äietui» :>kt!»s intelU^elmnt. Arnold hat den Herzog schon vorher totns idotivns genannt. Die Vorbereitung der Romfahrt, 1299. 151 Graf Gunzelin von Schwerin, der erst im vorigen Jahre schwer vvn den Dänen heimgesucht worden war, mögen dem lustigen, znm Kriege gegen Dänemark mahnenden Herzoge aus vollem Herzen beigestimmt haben. Aber in Braunschwcig waren Andere anwesend, deren dynastische Interessen gerade das Gcgentheil forderten: Landgraf Hermann von Thüringen, der Schwiegervater des von König Waldemar zum Grafen von Holstein eingesetzten Albrccht von Qrla- münde, und Otto's jüngster Bruder Wilhelm von Lüneburg, der Schwager des Dänenkönigs, und namentlich Wilhelm hatte, wenn der Zusammenstoß mit dem nordischen Nachbarn erfolgte. Viel zu verlieren. Wir erfahren leider nicht, wie König Otto selbst über die Sache dachte und ob er etwa durch den Verkehr mit dein Schauen- bnrgcr, welcher in der letzten Zeit viel um ihn gewesen war, sich persönlich für dessen Recht hatte begeistern lassen. In jedem Falle war er nach der früheren Abmachung mit Erzbischof Albrccht erst dann für den Grafen einzntreten verpflichtet, wenn jener es verlangte, und Albrccht hat ein solches Verlangen jetzt sicherlich noch nicht gestellt. Da er mit anderen Bischöfen am 4. November vom Papste beauftragt worden war, den nicht anerkannten und längst gebannten Erzbischof Waldemar von Bremen zum letzten Male vvrzuladcn und jeden Verkehr mit demselben durch geistliche Strafen zu ahnden konnte er unmöglich irgend einem Vorgehen in den elbischen Angelegenheiten zustimmcn, welches ganz von selbst zu einer Verbindung mit dem ja schon im Kampfe gegen Dänemark stehenden Waldemar geführt, dadurch den König'mit dem Papste überworfen, die Kaiscrkrönung zum mindesten verzögert und in seinen Cvnscqucuzeu vielleicht sogar den inneren Friede» des Reiches wieder in Frage gestellt haben würde. Statt mit Walvemar gemeinschaftliche Sache zu machen, ließ man geschehen, daß er nun vollends zu Grunde ging. Waldemar verlor Stade neuerdings an seinen Nebenbuhler, den von den Dänen beschützten Gcgcnbischof Burkhard -), und ist noch im Laufe dcS Jahres 1209 ganz aus dem bremischen Bisthum vertrieben worden-'): — durch wen, wird uns zwar nicht berichtet, aber es geschah, wenn auch vielleicht nicht durch unmittelbares Eingreifen des deutschen Königs H, so doch ohne Zweifel durch sein Zulassen und im besten Einverständnisse mit deni Däncnkönige, der ihm das eroberte Stade ausgeliefert hattet. 0 S. o. S, 115. -j Xruolä. VII, II. Linon. Daniarnn bei, Imiigsvole III. 263 (Xun. I,un>I. eil. lVnitx in Nordalbing. Studien V, so). 0 Jnnoccuz hat, da Waldemar auch der letzten Vorladung nicht Gehör gab, am 2. Juli Otto aufgefordert, sieut ckeuin tinros ot oaLlosirun Roinannin äiliAis, ihn aus Bremen zu vertreiben und überall zu verfolgen, bis derselbe zur Besinnung komme. Den Snffragancn wurde gleichzeitig befohlen, gegen ihn und seine Anhänger nachdrücklich Bann und Interdikt zu brauchen, lchüst. XII, 63, berichtigt im Hamburg. Urkbch. S. 331. st Otto für Stade 2. Mai 1209. Orig. Ouell. III, 784: inspsota ticks- liuin nootroruin. gui 8ta6iis inlratzitant, tlsroeione. Diese üir städtische 152 Erstes Buch, Kapitel II. 1209. Da König Waldemar nach der Besitznahme Nordalbingiens seine Aufmerksamkeit überhaupt mehr den vstbaltischcn Küstenländern zugekehrt hatte und deshalb einen Konflikt mit Deutschland offenbar zu vermeiden suchte, ferner da Silo seinerseits allen Grund hatte, einem Zusammenstöße mit Dänemark vorläufig sorgsam aus dem Wege zu gehen, und Erzbischof Albrccht endlich durchaus nicht auf augenblicklicher Ausführung der von Ltto empfangenen Zusage bestand, so blieb die Lösung der holsteinischen Frage auch jetzt wieder der Zukunft aufgespart *). Wichtiger und dringender als die Befreiung der während der Bürgerkriege au die Dänen verlorenen deutschen Gebiete erschien die Besitznahme Italiens durch den deutschen König und die Herstellung der dortigen Reichsrcchte; dem Könige selbst aber lag nnchstdem wohl nichts mehr am Herzen als die Erfüllung der früher seinem Llhcim von England gegebenen Versprechungen und die Befriedigung seines eigenen Hasses gegen Frankreich. Es ist kein Zweifel, auch diese Dinge sind während des Brauuschweigcr Festes zur Sprache gekommen. Im Aufträge deS Königs war sein Bruder Heinrich der Pfalzgraf am Rhein, oder, wie er sich gern nennen hörte, der Herzog von Sachsen, zu Anfang des Winters nach England gegangen^), begleitet von seinem Sohne und von Stto's Seneschall Konrad von Wilre, welchen dieser auch sonst für seine englischen Angelegenheiten zu brauchen Pflegte, besonders wenn cs sich um das Flüssigmachcn englischen Geldes handelte. Das ist auch dieses Mal wieder ein Zweck der Sendung gewesen, und er wurde erreicht. König Johann hat, als der Pfalzgraf sich gegen Ende des Mürz verabschiedete, nicht nur ihn mit beträchtlichen Geldgeschenken und den Sencichall Rechtsverhältnisse sehr interessante nnd ost angezogene Urkunde ist in ihrer politischen Bedeutung bisher nicht recht gewürdigt worden. Sie enthält in der That ein Stück welfischer Restaurationspolitik, insofern Otto's Bruder Pfalzgraf Heinrich, auf dessen Autheil Stade bei der Erbschicht von 1202 gekommen war, nachher zu Gunsten Bremens hatte verzichten müssen, s. o. Bd. I. S. 325. Otto scheint cs ihm jetzt nicht wieder überlassen zu haben, wenigstens nicht gleich. h So ließ Albrccht auch geschehen, daß die Ausführung der früheren Versprechungen über Haldensleben durch Otto vertagt ward, bis äoinino ». parti- >»N8 Italias nostrnin rsclitnm prospsrants post introitnin nostrnin in 8axo- niairi intra Spatium 6 ovckomaüarum. 2) Pfalzgraf Heinrich ist nach dem Frankfurter Reichstage bei seinem Bruder nur bis zu dessen Ausenthalt in Speier im December l208 nachweisbar. IlvA. Ott. nr. 37. Während dieser sich nach Schwaben wandte, wird jener nach England gegangen sein. ümn. cls Ounstaplia sei. Imarck, J.nn. monast. III, 31: 1209 Otto (!) tilius ckueis 8axonias venit in J.nAÜam. Logsr cks lVsnckover sei. Ooxe III, 225: 1209 rsx ,1ol>. ack natals clamini lnit apnä Uristollum. IIsin cls vonit in ^.ngiiam ckux 8uavias (!> Ilsnrieus sx parts Otlionis rsgis THomannoruin aci rsAem ^nAloruin. Nach dem 24. März (s. u.) reiste er heim, ließ aber seinen Sohn Heinrich dort, wie aus vielen Geldanweisungen des Königs Johann pro vacliis, pro 7 ulnis linse tsls, pro tunisis, pro Isetaria, in minutis sxpsnsis sts. Ilsnrisi lilii cluois 8axoinnn und für die Angehörigen seines Haushalts hervorgeht; vgl. die einzelnen Posten im Lotulus misae sei. Ilarckz' (1844) p. 109 fs. Ich finde solcbe bis zum 21. Mai 1210. Die Vorbereitung der Romfahrt, 1209. 153 mit vollständiger Abgabenfreiheit für seine Güter im Königreiche bedachtst, sondern ihnen noch eine ansehnliche Summe für Otto mitgegeben. Indessen, Geld zu erhalten, war dies Mal nicht der einzige und nicht der vornehmste Zweck der Abgesandten. Die Zerwürfnisse nämlich, in welche König Johann mit seinem Erzbischöfe von Cantcrburh Stephan Langtvn und dadurch auch mit dem Papste gcrathcn war, brachten Otto in eine so überaus peinliche Stellung zwischen den beiden ihm befreundeten und gleichmäßig unentbehrlichen Gegnern, daß man in Rvm selbst die Uebcrzeugnng hegte, Johann werde eben ans Rücksicht ans seinen Neffen und in Anbetracht der Vvrtheile, welche ihm dieser bieten konnte, schließlich zum Einlenken bereit sei». Es ist in der That schon im September zwischen dem Könige und Langton verhandelt wurden, und obwohl diese ersten Anknüpfungen ohne ein greifbares Ergebniß geblieben sind, so glaubte doch pangton selbst am Anfänge des Jahres 1209, daß er bald nach England werde znrückkehren dürfen st. Da hat nun Otto Angegriffen: durch seinen Bruder ließ er dem Oheime zur Versöhnung mit dem Papste rathen, und dieser Rath wurde anscheinend von einer Anzahl deutscher Fürsten unterstützt, von welchen der Pfalzgraf Briefe nach England mitbekamst. Johann aber zeigte sich diesem Rathe zugänglich; wenigstens antwortete er den Fürsten, daß er demselben sich fügen wolle, soweit es irgend angehest. Er hatte damals einiges Recht zu der Annahme, daß er um den Preis der Nachgiebigkeit im Kirchenstreitc vom Papste freie Hand, wenn nicht gar Beistand gegen Frankreich bekommen könnte, dessen Verhältnis^ zu Rom sich noch mehr getrübt hatte. Denn nachdem die Einsprache des französischen Königs gegen die Erhebung des Welsen und seine Forderung deutscher Grenzstrichc st Heinrich erhielt am 24. Min-, baar NNW Mark, dann 400 zur Besoldung seiner Knechte und Schuhen, und noch besonders 130 Marl. It:>r!t. patent. I, 89 d. Das Privileg für Konrad von Wilre ist vom gleichen Tage ibid. und ebenso ein Handclsprivileg für die Bürger von Utrecht, welches der König ihnen aus Liebe zu ihrem Bischöfe und zu dem Pfalzgrafen verlieh, ibid. pst 90. 2) Pauli, Gesch. v. England III, 343. 345. st ^nn. Us tVaverleia n. 1208 bei Imard II, 201: IstnArnnto umls- lioio isto fStreit mit den Bischöfen) vsnit llourieus dnx 8axoniao in stnAliam ad avuncnlum sunm rvAem I., supplieans pro paoo veolssia ret'nrinanda et pro aroldspisoopo roooneiliando. Nostea soripsit rrx Otlro reg! I. et pro paee eeelssias et pro aopo. rsoouoiliando. Das; auch deutsche Fürsten an Johann geschrieben haben, ist nur aus seiner Antwort vom 24. MLr; 1209 an zahlreiche genannte Fürsten Ilard^, Itot. tit. patent. I, 91>> bekannt: Ickt- tsras ipiorundain ex vobis snsoepnnus, rpias nepos nooter rsx OtNo nobis «lostinavit. . ., cpras cle voluntats et oonseientnr oinnium vestrui» oina- nasoo ersctimns. Die Briefe waren also wohl ans dem Frankfurter Reichstage vereinbart worden. Leider geht Johann auf ihren Inhalt nicht weiter ein. st Habuiinus super üs, guao nobis eonsnluistis. niagnuiu traotatnm et diligous eonsiliuin euin tidvlibus nostris, gui nobis vousuiusruut, guod nos eonsilio et volnntnti vestrae aclguieseereinns, «pintenns de iure possemus. Das; von Deutschland in dem angegebenen Sinne aus Johann eingewirkt wurde, zeigt die Stelle der .^mi. IVnverl. unten S. 154 Anm. 3. 154 Erstes Buch, Kapitel II. 1269. von Jnnocenz III. zurückgewiescn worden war, nachdem Frankreichs Kandidat für den deutschen Thron gerade deshalb nicht hatte durchdringen können, weil Jnnocenz alle Mittel zu Gunsten Otto's einsetzte, und nachdem des Königs wiederholtes Gesuch um Scheidung von der dänischen Jngcborg am 9. Decembcr neuerdings abschlüg- lich bcschicden worden warst, da hielt Philipp August nicht mehr mit seiner Erbitterung zurück. Etwa im Januar wies er den Kardinallegaten Gualo von S. Maria in Porticu aus seinem Reiche auSst, zwar in höflichen Formen, aber doch so, daß deutlich ward, wie er mit dem Papste nichts mehr zu thun haben wollte, welcher in Allem ihm entgegen war nnd sich als Beschützer seines Todfeindes bewährt hatte. Wie die Verhältnisse nun einmal lagen, bestand doch die Möglichkeit, daß König Otto und Deutschland das Mittelglied ab- gaben für eine gegen Frankreich gerichtete Verbindung des Papstes mit England. An der Bereitwilligkeit Otto's, in diesem Sinne zu wirken, brauchte Johann nicht zu zweifeln: cs kam darauf au, das Reich selbst dafür zu gewinnen. Eine stattliche Gesandtschaft, an ihrer Spitze Johanns Bruder Graf Wilhelm von Salisbury und Raimund, der Prior der englischen Johanniter, begab sich nach Deutschland; es wäre, wie der König am 24. Mürz in ihrer Beglaubigung bei den deutschen Fürsten bemerkte, doch endlich au der Zeit, daß sein Neffe für die vielen Opfer, die er ihm bisher gebracht habe, sich mit der That dankbar erweise und nun auch ihm helfe, besonders da ja schon längst zwischen ihnen ein Bündnis; bestehe, das nicht gelöst werden könne und dürfe st. Pfalzgraf Heinrich war zur Zeit des großen Pfingstfestes wieder in Braunschwcigst, und die englischen Gesandten dürften dort auch nicht gefehlt haben, besonders da sic hier einen großen Thcil der Fürsten, an welche sie gewiesen waren, beisammen fanden. Was sie ausgerichtet haben, wissen wir nicht: aber die Anekdote von der Wette, welche der König von Frankreich an Otto verloren y Upist. XI, 180. 182. et. Oelisls. Outul. äss ustss ur. 1101. 'y Ilslisls I. e., p. 515. o) Johanns Brief 1. s. UvAsr äs IVvuäovsr I. c.: (Ilsurisus) non uaoäiss pseuniu uä opus Otüonis rsveptu rsputriurs inatnruvit. äluttl». kuris. Hist. iniuvi' sä. illuääen II. 17 gestaltet den Satz in folgender bezeichnenden Weise nur: non luoäion pevuuiuv tlissuuro, c;ncnn :rl> Xngliu sxtor- ssrut idem rvx ä., uä »pus Otlionis, muppätisi proinissoris st pureissiiui sxläditoris, reespto vto. — Xnn. IVuverl. I. s..- I'osturoäo inisit rvx in XIsinnnninm uä Otlionvin guutuor muj-uos viros, post guornin rsilituin ovspit rsx aniiunin sunin nlicznnntnlnin initignrs st teinpsrure vsrsns ssslssiuuu Abel, K. Otto S. 15 läßt, dadurch geirrt, daß Xnn: IVuverl. das Jahr über Neujahr hinaus zählen, die Gesandtschaft schon zi»n Reichstage in Frankfurt eintreffcn. Pauli III, 319 An», hat das Richtige. — Unter den Adressaten des königlichen Briefes fallen ans 0. innrelUo Istrius, worunter wohl die Ostmark zu verstehen ist 7. Am 21. Mai urkundet er in Goslar. Heg. Ott. nr. 64. Daß er „mit königlicher Hand die dem Wohlstände der Stadt geschlagenen Wunden thnnliebst heilte" (Langerscldt S. 120), finde ick nirgends berichtet, lieber die Kaiserstratze von Goslar nach Nordhausen s. Zcitschr. des Harzvereins l87ü S. III ff. Der Äbt von Morimund mag ein alter Bekannter Otto's gewesen sein, da er bis 1199 Abt von Walkenried ge wesen war. Winter, Cisterz. I, 161. Ollro». tsnmziotr. p. öl. -) Nach Xruoiä. I. o. ist der 24. Mai der Tag seiner Ankunft, nach Ott» s. Ilias, der für den Reichstag angcschte Termin. Otto hat in Wirzbnrg geurkundet Mai 31. für Kl. Aldersbach No». Lo. XXXI-». 472 und für Wcissen- burg zViirlltv-si». Xov. snks. X. 254 extr.. Juni 2. für Kl. Neuburg will 245. 156 Erstes Bucb, Kapitel II. >209. nehmcr desselben ziemlich vollständig auf Z. Obenan steht der Primas des -Reiches, Erzbischof Sigfrid von Mainz, mit seinen Suffraganbischöfen von Hildeshcim, Verden, Halberstadt, Straschnrg, Spcier, Wirzburg, Augsburg, dem jüngst erwählten Konrad von Konstanz -) und den fürstlichen Aebten von Wcissenburg, Elwangcn, Fulda und Hersfeld. Gekommen waren ferner Erzbischof Eberhard von Salzburg mit seinen Suffraganen von Freising, Regcns- burg und Passau, und Erzbischof Johann von Trier mit dem Abte von Prüm. Das Erzbisthum Bremen war dagegen, wohl wegen der zur Zeit dort herrschenden Wirren, gar nicht vertreten ^), und auch die übrigen Erzdiocesen hatten nur Wenige entsendet: Köln, wo Erzbischof Dietrich gerade in diesen Tagen seine Weihe feierte, den Abt von Korvei, Magdeburg den Bischof von Havclbcrg und Besangon den von Basel. Das aber gab dem Wirzbnrger Reichstage vor Allem Bedeutung, daß neben dem Pfalzgrafeu vom Rhein, den Herzogen von Sachsen, Baiern und Oesterreich, den Markgrafen von Brandenburg, Meissen und Landsberg, überhaupt neben den längst ans Otto's Seite getretenen Fürsten hier endlich auch diejenigen erschienen, welche mit der förmlichen Anerkennung des Königs znrückgchaltcn hatten, wie der König von Böhmen, sein -4.1-noIä. I. e. zeigt sich, wenn auch nicht über alles, was in Wirzburg vorgekomincu ist, so doch in dem, was er davon niitthcilt, ganz vortrefflich unterrichtet. Er muß hier nach einem Augenzeugen erzählt haben: denn daß er etwa in der Liste der Anwesenden die Zeugenreihen von Urtnndc» copirt hätte, scheint deshalb weniger annehmbar, weil die Königsnrkunden aus Wirzbnrg (d. h. die erhaltenen) verhältnißmäßig wenig Zeugen darbieten, umgekehrt aber die Bischöfe von Spcier und Wirzburg, welche unter diesen stehen, dem Verzeichnisse des Autors fehlen. Dasselbe weicht obendrein vielfach von der in der Kanzlei beobachteten Rangordnung ab. — Die Annahme eines 'Augenzeugen schließt nicht aus, daß dieser sich nicht im Einzelnen geirrt haben könnte. Kardinal Leo war nie Bischof der Sabina, und Erzbischof Dietrich-von Köln kann wenigstens am 24. Mai nicht anwesend gedacht werden: -Vnn. (lol. mnx. 824: sablmto poot psntoeostsn (23. Mai) a Vrnioet. sziiseopo i» prosliitornm orUiuntnr et seezusuti äoininioa, icl sst ootava penteeostes (24. Mai), n Oonräo Keo- cliosnsl nntistite (Hugo von Lüttich) prssentibus snÜrappnnsis snis in nepuin conssoratur. Da der Reichstag noch bis 2. Juni dauerte, könnte Dietrich wohl noch nach seiner Weihe gekommen sein; das ist mir aber nicht wahrscheinlich, da auch von seinen Suffraganen Niemand in Wirzbnrg nachweisbar ist. Wenn wir nun Dietrich von Köln aus der Liste 'Arnolds streichen müssen, so müssen wir andererseits die beiven nur ans den Urkunden nachweisbaren Bischöfe ihr hinzu- sügen. Korner p>. 836 hat zum Theil andere 'Namen als Arnold: aber er wirst die Tage von Frankfurt und Wirzburg zusammen. S. n. Erläuterungen VI. ES ist möglich, daß der Bischof von Schwerin, welcher von Otto auf der Reise nach Wirzburg 21. Mai eine Bestätigung des Privilegs seines Paters empfing lieg', nr. 64, mit nach Wirzburg gekommen ist. 'Nach dieser Bestätigung und der Wiederholung derselben von 1211 Januar 4. OriA. (luvltl III prast. p. 48 möchte ich jedoch nicht Ficker, Reichsfürstenstand I. S. 275 bcistimmen, daß er damals als Fürst angesehen worden sei. Otto bestätigt hier cinnntum aä nos xoi-tinst, was Heinrich der Löwe als Herzog von Lachsen verliehen hat, auch die Zollfreiheit innerhalb des Herzogthums Sachsen und weist wenigstens in einer Beziehung das Bisthum ausdrücklich an die Zustimmung cluaiL tune rsAimntis. Die Vorbereitung der Romsahrt, 1209. 157 Bruder Markgraf Wladislaw Heinrich von Mähren und die Herzöge von Zähringcn und Lothringen, oder welche gar offen gegen ihn ausgetreten waren, wie der Herzog Heinrich von Brabant. Der Letzte ist wahrscheinlich erst durch die Kardinallegaten, während ihres Aufenthalts in Köln und am Nicderrhein 0, von der Undurch- führbarkcit jener Pläne überzeugt worden, für welche König Philipp von Frankreich ihn geworben hatte: dem Manne, welcher um 3000 Mark sich dem Fremden verkaufte, ist es wohl zuzntrauen, daß die Hoffnung, durch den Schutz Otto's und Englands die vertragsmäßige Rückzahlung jener Summe umgehen zu können, ihm die Bekehrung bedeutend erleichterte. Sie erfolgte übrigens, wie Jnnoccnz III. ihm und jenen anderen erst jetzt zur Besinnung gekommenen Fürsten vvransgcsagt hatte, viel zu spät, tim für sic noch einen Anspruch auf besondere Dankbarkeit Otto's zu begründen — der Herzog von Brabant wurde vielmehr mit dem Verluste der ihm früher von Otto verliehenen, vom staufischen König für seinen Ueber- tritt im Jahre 1204 bestätigten Abtei Nivellc bestraft —; indessen konnte Otto jetzt doch nicht umhin, bei seiner Verlobung mit der schwäbischen Beatrix das Anrecht der ihm nun verschwägerten Fürsten von Brabant und Böhmen auf einen Thcil des stansischen Erbgutes zu berücksichtigen. Denn nachdem auch in Wirzburg wie bei den voraugegaugenen Zusammenkünften wieder der Laudfricde beschworen worden war ch, Um dieselbe Zeit schreibt König Johann von England an den Braban- ter wie an einen Anhänger Otto's, s. o. S. 154 Anm. 3. Die von Erzbischof Dietrich von Köln vollzogene Erneuernng des von seinem Vorgänger Adolf abgeschlossenen Bündnisses der kölnischen Kirche mit dem Herzoge wird in den Oliro- üignss des dnes de llrnlmnt II. 143 freilich schon dem Jahre 1208 zngewiesen. Doch nmfaßt dies anch die ersten Monate von 1209. 2 ) Otto bcnrknndet den Rechtsspruch der Fürsten, welcher die Reichsuumittcl- barkeit Nivcllc's sicherstellte, am 10. Juni in Spcier. Notizenblatt 1851. S. ISO. Arnold. I. o. Vgl. Reimchronik V. 0528 ff., welche aber die Wirzburger Vorgänge irrig auf das Braunschweiger Fest verlegt. — Dieser Reichstag zu Wirzbnrg hat in 'neuester Zeit sich viel anfbürden lassen müssen, wovon die Zeitgenossen und Theilnehmcr nichts wußten. So erzählt Schirrmacher, Kurfürsten S. 13: „Nicht ohne Widerstreben gegen die rheinfränkischcn Wähler Otto's hatten sich dort auch die sächsischen Fürsten eingefnnden." Dies Widerstreben spielt überhaupt bei ihm eine große Rolle; daß es für 1208 nicht begründet ist, habe ich Erläuterungen V. kam Endes gezeigt, und daß cs sür die Zeit des Wirzburger Reichstages erst recht nicht am Platze gewesen ist, versteht sich eigentlich von selbst, da die sächsischen Fürsten ja unmittelbar vorher Otto's Gäste in Braunschweig gewesen sind. Dessen erinnert Sch. sich leider nur zu spät S. 44. Aber jenes unfindbare Widerstreben ist nicbts gegegcn das viele Interessante, was W. Wilmans, Reorganisation d. Kurf. S. 31 über den Wirzburger Tag weiß. Der Landgraf von Thüringen läßt sich allerdings unter den Theilnehmern desselben nicht Nachweisen —' manche andere sächsische Fürsten auch nicht, denn sie hatten ja eben schon mit Otto in Braunschweig zusammcngesesscn —; Wilmans aber kennt bei dem Landgrafen den Grund seines Ausbleibens: „er hielt es nicht der Mühe wcrth, seinen Groll und seine Widersetzlichkeit zu bergen," und zwar nach S. 41, weil er angeblich mit der Einsetzung des Kurkollegs nicht einverstanden war. Denn nach Wilmans sind ja die Kurfürsten eben hier eingesetzt, resp. „reorganisirt", nach S. 36 zugleich null: mit den Erzämtern ausgestattet worden. Die deutsche Geschichte wird durch die ihr von Wilmans bereiteten Ueber- raschnngen nicht gefördert. Vgl. Svbels hist. Zeitschr. Bd. XXXII. S. 81. 158 Erstes Buck, Kapitel tl. 1209. hat der König in einer engeren Versammlung, zu welcher außer den Kardinalen und einigen Rechtskundigen nur Männer fürstlichen Ranges zugelassen wurden 0, jene von den Fürsten selbst gewünschte, von ihm nur aus Gewissensscrupeln wegen der nahen Verwandtschaft vorläufig beanstandete Verlobung endlich znm Abschlüsse gebracht. Aus dem Throne sitzend, so daß er sich gegenüber die Legaten und' zur Rechten seinen Bruder, den Pfalzgrafen, hatte, setzte er in längerer Rede aus einander, wie durch GotteS wunderbare Führung er nun so weit erhöht worden sei, daß die Verbindung mit der Prinzessin ihm nichts mehr geben könne, was er nicht schon habe. Am wenigsten komme ihr Reichthnm für ihn in Betracht: da sie obendrein künftig die Hinterlassenschaft des Vaters mit ihren gleichberechtigten Schwestern thcilen müsse, bliebe herzlich wenig übrig 2). Der Wunsch der erlauchten Versammlung wäre, daß er Beatrix heirathc, obwohl Jedermann wisse, wie nahe sic " ihm verwandt sei. „Aber", so soll er sich ausgcdrückt haben, wenn ich 6000 Jahre leben sollte, würde ich doch lieber so lange ledig bleiben, als mir eine Gattin nehmen unter Gefährdung meiner Seele." Ob er nun mit gutem Gewissen in diese Ehe eintreten dürfe oder nicht, das sollten die anwesenden Kardinäle, Prälaten und Fürsten bei ihrem Seelcnheile prüfen, und ihrem Beschlüsse werde er sich dann fügen. Um jeden Verdacht auszuschließen, als ob er irgendwie ihre Entscheidung beeinflussen möchte, hielt er seinen Bruder bei sich zurück, während die klebrigen sich zur Berathnng entfernten War die pathetische Scene wirklich nur eine Komvedie, wofür sic zu Zeiten erklärt worden ist'')? Da Jnnoccnz selbst dem Könige 0 .4.inotck. i. e.; Otto s. Olas. <:. 51: sxstrncto tiidnuali rsx eon- soeiulit, ear(tinals8 Iiaben8 eoIIateralo8, reü^nio prineipidn8 oirennme- clsntidus. 2) 8i vsro ipwa ea8tra 350 ckwtribnautur sororilum, >pna8 stse ooutiu- Zit Usrs!titL8, xarnm L8t czuoct rv8tat. Otto erkennt also die Verpflichtung der Theilung zu gleichem Rechte ausdrücklich an. Vgl. Bd. I. S. 435. Anm. 1. b> Ich bin hier und im Folgenden der von .^rnotck. Vit. 17 gegebenen Darstellung gefolgt, welche durch einen zweiten Bericht bei Otto 8. Otaa. o. 51 im Wesentlichen bestätigt, hie und da ergänzt wird. Während Otto von der Rede des Königs, deren Gedankengang bei äa-nolä. ein ganz natürlicher ist, schweigt, weiß Arnold seinerseits weiter nichts von dem Hergange innerhalb der privaten Berathnng. In diese aber sind nothwendig die zuin Beschlüsse erhobenen Anträge des Kardinals Hugo und des Abts von Morimnnd zu verlegen, welche Otto berichtet, freilich in der Weise, daß sie gleich in der öffentlichen Verhandlung im Beisein des Königs gestellt worden seien. Da nun der ganze Vorgang sich in den Formen eines vom Könige gefragten Rechtssprnches vollzieht, der König aber an dem Ausfälle desselben persönlich betheiligt war, scheint Arnolds Darstellung vorgezogen werden zu müssen, nach welcher der Spruch ohne Beisein des Königs gesunden und dann durch den Mund eines Reichsfürsten — der Kardinal und der Abt wären wohl kaum als Organe des Reichstages zulässig gewesen — dem Könige kundgethan wurde- lieber Inhalt und Ausführung des Spruches stimmen Arnold und Otto, von Kleinigkeiten abgesehen, überein. Vgl. Geschichte der päpstlichen Nuntien in Deutschland (Franks, n. Leipzig 17881, deren Verfasser, wie ich glaube, I. I. Moser ist, Bd. I. S- 172 ff. Die Vorbereitung der Romfahrt, 1209. 159 jede irgend nöthige Dispensation wiederholt zugesichert hatte, da die Legaten schon bei ihrem ersten Zusammentreffen mit dem Könige die Vollmacht zur Ertheilnng der Dispensation in der Tasche gehabt hatten und da Otto aus ihrer Beglaubigung dies wußtest, kouute er da als römischer Christ sich wirklich noch in seinem Gewissen beunruhigt fühlen ? Aus dem Gange der Berathung scheint hervorzugehen, daß die Bedenken, welchen er in seiner Rede Ausdruck gab, auch Wohl von Anderen getheilt worden sind und daß die Ermächtigung des Papstes zu einer sonst verbotenen Handlung diese in den Augen der Zeitgenossen nicht weniger anstößig machte. Denn als der Kardinal Hugo in lateinischer Rede, welche der Bischof von Wirzburg verdeutschte, auseinaudergcsetzt hatte, wie die Verbindung Otto's mit Beatrix nothwendig sei um des Friedens im Reiche willen und um die Erinnerung an die früheren Mißhellig- keiteu zu tilgen, und wie sie deshalb vom Papste nicht blos gestattet, sondern als Pflicht dem Könige geradezu vorgeschriebe» werde"), da erhob sich der Abt von Morimund, um im Namen der Cistcrzieuscr und der anderen Orden die Erklärung abzugeben, daß jene Ehe ans Grund der päpstlichen Dispensation allerdings zugelassen werden müsse, daß sie aber immerhin ein Vergehen gegen die Satzungen der Kirche sei und bleibe. Die Sühne desselben möge darin bestehen, daß der König ein eifriger Vertheidiger der Klöster und der Kirche werde, Wittwen und Waisen Recht schaffe, ein Kloster des Cisterzienscrordens auf seinem Grundeigcnthum erbaue und später in eigener Person dem heiligen Lande zu Hülfe ziehe. Dieser Antrag wurde, vielleicht mit Ausnahme der geforderten Kreuzfahrt st, von der Versammlung gntgeheißen, welche dann den redefertigen Herzog Leopold von Oesterreich zu ihrem Sprecher vor dem Könige erwählte. u S. o. S. MI Anm. 4. Otto s. Ilias. I. e.: auotoritato clsi sr deati kstri per apostoliaain bsnsciietionoin in rsinissionein poceatornin snorum xreospit. h Die Kreuzfahrt findet sich in der Rede, in welcher Herzog Leopold an den König Bericht erstattet, nicht erwähnt, und möglicher Weise wurde deshalb, weil die Kreuzfahrt von der Versammlung abgelehnt worden sein mag, zum Ersatz derselben die Verpflichtung des Königs auf die Gründung zweier Klöster ausgedehnt. Aber man wird beachten, daß auch die braunschw. Reimchronik, indem sie freilich das Ergebniß der Tage von Braunschweig und Wirzbnrg zusammenwirft, unmittelbar vor der Verlobung mit Beatrix den König schwören läßt, die Kirche und die Geistlichkeit zu schirmen, ein rechter Richter zu sein und V. 6545 Na? Nsr viAgnt rvsrs Akinsvt kUior cio sielr cisr kristsnüs^t vigsntlioNo rviNeriinüsn. Und daß man von Otto eine Kreuzfahrt wenigstens erwartete, zeigt die von Oaesar. llcnstarbae. Diai. inirae. IV, 15 aufbewahrte angebliche Prophezeihnng eines Saracenen in Accon vom Jahre 1186: 8iout IsKiinns in liüris nostris, eNristinnus impsrator ezniilarn eito snrgst, Otto noinins, gni tsrrain Nunc enin eivitats .lernsalern enitni aNristinno rsstitust, und Cäsa- rius bemerkt dazu im Jahre 1220: I^sos ita nnliientas, spsradawns, iznia xropNstin ista impisnäa ossst in Ottons iinpsrators Laxons, czni ants Nos (Inos annos (iolnnctus est. Vgl. unten Buch II. Kap. 1 über Otto's Kreuz- zngsgelübde vom Tage seiner Kaiserkrönung. 160 Erstes Buck, Kapitel II, 12l>9. Es ist nun deutlich, was Otto mit dem von ihm geforderten Spruche bezweckte und erreichte. Hatte er persönlich, wie durchaus glaublich ist, immer noch einige Bedenken gehabt, so könnte er diese nun getrost dem wohlerwogenen kkrthcilc der Versammlung untcr- ordnen, in welcher das geistliche Element sehr stark vertreten war oder gar übcrwog; er durfte als Sohn seiner Zeit wohl meinen, vor dem eigenen Gewissen gerechtfertigt und beruhigt zu werden, sobald er nur die von solchen Berathcrn ihm anfcrlegtc Buße vollzog. Aber der Rechtssprnch der Fürsten: der König möge um des Friedens und der Wohlfahrt des Reiches willen das Mädchen zur Frau nehmen, stellte zusammen mit der kirchlichen Dispensation die geplante Ehe zugleich nach Außen hin gegen jede künftige Anfechtung ihrer Gültigkeit sicher, und er verbürgte dem Hause, welches Otto zu bauen gedachte, den Schutz des Reiches dadurch, daß dieses bei seiner Gründung mitbethciligt ward. Otto erklärte, daß er der von solcher Autorität gestützten Meinung sich füge. Auf sein Geheiß wurde Beatrix durch geistliche und weltliche Fürsten ch in den Saal und vor den Dhvon des Königs geführt, der sich grüßend erhob. Befragt, ob sic dem Beschlüsse der Versammlung zustimme, gab sie mit erglühenden Wangen zur Antwort: „Von Herzen Ja-)". Da verlobte der König sich ihr durch Anstecken eines Ringes und durch den Brautknß; er führte sie auf den Ehrenplatz zwischen den beiden Kardinälcn und stellte sie den Anwesenden mit den Worten vor: „Schaut euere Königin; ehret sie, wie ihr gebührt". Die in dieser Weise geschlossene Ehe war eine reine Convenicnz- u Stach Otto s. Uias. dagegen a cknea Imopoicio Oriental! kt a Unckk- vioo ckneo Lavaris. *) Obwohl Arnold die Befragung des Mädchens nicht erwähnt, wird man sie doch mit Otto S. Blas, annehmen müssen. Die beiden Berichterstatter weichen auch im Folgenden ab. Nach Arnold hat der König nun sogleich iwole- rsn8 annlnin kam ooram oinnilnm aubarravit ota. Dagegen läßt Otto einen anderen Akt voransgehcn: a einem Ueopoicko ooguato »no per manus oareii- nalinin Ikgs bb-auoornm reg! Ottoni cis8pousatnr. Vgl. Reimchronik V. 65ö6 : els lobkts bsi' 20 Ak (I^rkäsriob) van Osterrlebs eisin IroninKlie eia 20 vibs. Es ist wohl der Akt des Fortgebens gemeint, nnd es mußte hier ein anderer als der Vormund in die Rolle des Brautvaters cintretcn, weil der Vormund eben der Bräutigam war. Herzog Leopold war mit Beatrix durch ihre Mutter verwandt, da seine Frau gleichfalls aus dem Hanse des Königs Isaak Angeles stammte, lieber verschiedene Auslegungen des IkAv bb-aneornm Uk8ponsatnr s. Langerfeldt S. 278. Er selbst erklärt es schließlich dadurch, daß der Akt, „weil in Franken, nach fränkischem Rechte nnd mit einem Franken nach fränkischer Weise vor sich ging". Aber das ist nur eine Umschreibung, keine Erklärung: denn man will eben wissen, worin die fränkische Weise der Verlobung bestand. Daß sie auch in späterer Zeit als eigenthümlich galt, zeigt eine Formel des 1l. Jahrhunderts aus Köln bei Friedberg, Recht der Eheschließung S. 29, nach welcher die Verlobung geschieht np> lä-simsr erden ... na Ilranbon rviss inci Lassen e. Ficker, dem ich diese Stelle verdanke, macht mich auch darauf aufmerksam, daß Ludwig II. im Jahre 8öti «IZöinnsr, Ilex. Ivai-oi. nr. 026) die Angilbcrg inxta IsAsm bb-anoorum dotirt, so daß man vielleicht die Dotirnng der Verlobten durch den Mann als fränkischen Brauch betrachtet hat. Die Vorbereitung der Romfahrt, 1209. 161 heirath und der übergroße Altersunterschied der Gatten — Beatrix zählte höchstens 11, der König fast 37 Jahres — macht es begreiflich, daß Otto die blutjunge Königin nicht auf die Fahrt nach Italien und zur römischen Krönung mitnehim.i mochte, sondern sic zusammen mit ihrer jüngsten noch nicht versagten Schwester sogleich m seine Heimath nach Braunschweig schickte?). Ans demselben Grunde, wegen ihrer Jugendlichkeit, ist dann auch wohl die Erb- theilnng mit den anderen Geschwistern noch unterblieben, so daß Otto nach wie vor das ganze Hansgnt der Staufer unter seiner Verwaltung behalten und namentlich auch für die Romfahrt nützen durfte 3). lieber diese wurden nun in Wirzbnrg endgültige Beschlüsse gefaßt Obwohl der König wohl schon vorher auf den verschiedenen jüngst abgehaltenc» Hostagen einzelne Fürsten durch private Bcr- ständignng zur Bcthcilignng an der Fahrt willig gemacht haben mag, so konnte doch erst jetzt, als die bestimmte Zusage des Papstes in Betreff der Krönung vorlag, von Seiten des Reiches der Termin und die Zahl der Theilnehmer des Zuges festgestellt werden. Zum Sammelplätze wurde wie gewöhnlich bei den Fahrten über die Berge das Lechseld, als Zeit des'Aufbruchs schon der Jakobstag V Otto s. Lias. irrt also, wenn cr von der pnella lain nnlnlis spricht. /Vruold.: Ordinatis stianr le^atis lionorntis Iionostissiins oain arm aain sornrg us>jN6 Ilruneswieli dsdnei in-oaLznt; Otto' reMN» diaxoniain pordnotn apnd Ilrnn. ali(>naindin nmnsura aollocurtnr; Rcimchron. V. 0576: 8in<; suii^Iren vrnt da^ znnevrorvsiin und ir svuster da vovnl Nor Ironine sinain vrudera, oder nllv dina, und sinvn trnwon nmnnsn. Nach derselben hat Beatrix, unterstützt von den Herzögen von Oesterreich und Baicrn, dein Bischöfe von Speier und dem Marschall von Äaldcn, in Wirzburg nochmals gegen den Mörder ihres Baters Recht gesucht: so sßrvetan aber als 6 odor Non inorNors aelr und »rva. Das muß ein Jrrthmn sein, da , der" Mörder- schön von der Strafe ereilt war. Ist etwas der Art vorgekommcn, so richtete es sich nicht gegen den gctödteten Otto von Wittelsbach, sondern gegen den geächteten Bischof Ekbert von Bamberg, gegen welchen seine Gegner damals von den Aardinallegatcu, die mit der Revision des Vrozesscs beauftragt waren (S. 141 Anm. 4), an den Papst appellirten. Bgl. Bd. I. S- 478. h Die meisten Quellen erwähnen die Ilcbernahmc der Bcrwaltnng schon bei dem Reichstage in Frankfurt (s. o. S. 128), freilich auch meist in der Weise, daß Otto's Zusage der Verlobung schon für die Verlobung selbst, Beatrix aber kurzweg als Erbtochter genommen wird. Langcrfeldt S. 278 erklärt ganz richtig, wie jene 'Auffassung aus dem mnndinm entstehen konnte und weist rücksichtlich der letzteren darauf hin, daß Otto selbst die Erbberechtigung der anderen Schwestern anerkannt hat, s. o. S. 158 Anm. 2. Darüber, daß Otto das schwäbische Wappen annahm, s. n. Erläuterungen VIII. 7. ') Einziges direktes Zeugnis; ist nur die Nachricht der Neimchronik V. 6570: Da svoron elo vurstou albvtnlls dax so soltan varsn mit im und daor so re^ta rvnran nl saute dakodas tual,. Wenn aber Arnold. VII, 18 von den Fürsten spricht, welche zur Romfahrt bestimmt sich in Augsburg sammelten, so muß diese Bestimmung doch früher und sie kann nicht gut anders erfolgt sein als zu Wirzburg: ^d lpuod neADtiuin dsjnitati sunt plnriini tnin prelati , pout. Inuoc. a. 13 (— 1210), Ottouis rr. imp. 1 (?) weisen sie doch wohl erst dem Jahre 1210 zu. p Milden 'Angaben .Vrnolcl. VII. 18: post tcstuin d. .lolranuis Imptiste und Otto s. Ilias e 52 : circa fcstum apost. I'etri et Pauli ist, obwohl sie Zusammentreffen, wegen ihrer Unbestimmtheit nichts anzufangen. Jedenfalls war der König am 14. Juli noch nicht in Augsburg. lAinij;, 8picil. eccles. pars III p. 508. Der von mir angenommene Termin der Rcimchronik B. 6573 wird dadurch bestätigt, daß am 24. Juli sowohl Otto IV. selbst ^.u^usts in castris urkundet Xeugart, lipiscop. (konstant. I, 2p. 614 als auch Bischof Sigfrid von Augsburg: apud -VuAustam, uln tune collectio tuit excrcitus illustris re^is Ottouis, cum tenderet liomain pro corona iinperii ovtinenda. älon. Ilo XXXIII, 50. Wirt. Urkbch. II, 378. Weiland a. a. O. S. 134 Anm. 1 hat bei seiner entgegengesetzten 'Ausführung diese Daten eben nicht gekannt. 2) Gras Ernst von Velseck, Bruder des Grafen Lambert von Gleichen, muß, weil er durch den Bürgerkrieg verarmt und obendrein zur Romfahrt anfgcboten ist, dem Kloster Reifenstcin ein Gut verpfänden. Mitth. d. Vcr. f. Gcsch. von Erfurt V, 158. Es mag Zufall sein, daß er nachher unter den Theilnchmern des Zuges nicht nachweisbar ist. 2 ) Otto s. Ilias, c. 51. Die Vorbereitung der Romsahrt, 1209. 168 bedurfte es ja voraussichtlich gar nicht der Entfaltung bedcurcn- dcr militärischer Kräfte. — Nach dein Schluffe des Reichstages in Wirzburg traten die päpstlichen Legaten ihre Heimreife an'). Der König aber besuchte noch einmal Rhciufraukcn und, nachdem er gegen Ende des Juni zu Speier eine letzte Zusammenkunft mit den drei rheinischen Erzbischöfen gehabt hatte, welche sämmtlich zurückblicben ^), begab er sich nach Schwaben. In der Mitte des Juli war er in Ulm; dann schlug er auf dem altberühmten Guuzenle bei Augsburg sein Zelt auf 3). Sein Bruder, Pfalzgraf Heinrich, hatte ihn hierher begleitet^): er sollte während der Entfernung des Königs für ihn, wie cs heißt, die Reichslandc oberhalb der Mosel verwalten"), also in den alten Herzogthümern Franken und Schwaben, aus welchen das auf alten staufischen Grund verpflanzte welfische Königthum vornehmlich sich kräftigen sollte und eben daher wohl eines vesonderen Vertreters, eines zeitweiligen Ersatzes für die erloschene Hcrzvgsgcwalt und für den abwesenden König bedurfte. 'I ivicl. 52; Reimchronik V. 0574. Rsg. Ott. nr. 67. 08 vom 16. 30. Juni (nr. 69 entbehrt im Original der Monats- und Tagesangabe und gehört vielleicht in den März 1209). Der Zweck dieser Reisen ist nicht recht deutlich. Wenn aber Xrnolä. VH. 17 sx. von ihnen sagt: Rsragratis illis partilms äs sonsssrations trastars eospit, und s. 18 von der folgenden Versammlung in Augsburg, daß der König dort mit den prinoipes: lialinit Mysterium sonsilii sui, nt ipsis eoopsrantibns Iionoritiss snm gloria et lionors Rsntonisorum imperialem psroipsrst lisnsäistionsm, so darf man vermachen, daß Otto bei diesen Reisen durch Franken und Schwaben vornehmlich die Kreise der niederen Lehnsleute und Ministerialen des Reiches und des staufischcn Hausgutes für den Zweck der Romfahrt aufgeboten oder willfähriger zu machen versucht hat. 2) (laut, Xämunt. a. 1209 p. 591: Otto rsx apuä Xugnstam euriam sslebravit. Von einem Hoftage in Augsburg wird sonst nirgend berichtet und im Grunde gab cs auch nichts mehr zu verhandeln, lieber Eintreffen und Aufenthalt Otto's bei Augsburg s. S. 102 Anm. 1. — Xotas. Dstri in Xugia herausgegeben von Baumann S. 38: Dum rsx Otto aä oräinanclum ss irst Romain, II. st bl. äs Rronlmksn vsnsrunt Ouimsuls, ndi rsx st mareliio svon Ronsberg) srant. <) Er belehnt Xngusts in sastris den Grafen Wilhelm von Jülich mit der Grafschaft Molbach. Lacomblet II, 16. °) (lass. Iloistsrk. Din!, mirae. I, 3l : Do tsmpors, >gno rsx Otto protsetns sst Romain, iinpsrium snpra Alossllam tratri lienrieo Palatino rsgsnänm eominisit. Ilio nobilsm ^usnäam virum preäousm per inäisiuin sapitali sentsntia äamnavit. Mit dieser Bestallung ist früher irrthümlich in Verbindung gebracht das Rragmsntnm posmatis in lauäsm Ilsnriei eomitis palatini a. 1209 äseantati, zuerst gedruckt in Rssarä, Vst. inounm. czuatsr- »io. I-ips. 1720, dann in Orig. (InslI. III, 641—643 u. ö. Das lateinisch- deutsche Gedicht hat aber mit Otto's IV. Bruder nichts zu schaffen, sondern es bezieht sich auf Otto I. und dessen Bruder Heinrich. Vgl. Müllcnhof und Scherer, Denkmäler deutscher Poesie und Prosa. 2. Ausl. 1873. S. 27. 324. — Der Psalzgras urkundet 28. Nov. (1209) auf Stahleck Orig. Omslt'. III, 650 nr. 165, mit der nicht stimmenden Jahresangabe 1213 inä. XIII. und irrig seinem Sohne zugeschrieben. Der Aussteller ist aber wegen des Titels äux Saxonias st eomss'palat. Rlrsni der ältere Heinrich, der jedoch 1213 unmöglich mehr auf Stahleck sein konnte. Man wird also die Jndiktion d. h. 1209 vorziehen müssen. 164 Erstes Buch, Kapitel II. 1209. Inzwischen trafen die znr Fahrt Berufenen allmählich im Lager auf dem Lcchfclde ein, in ihrer Gesammtheit auch nach jenen Beurlaubungen eine nicht ganz gering anznschlagcnde Hceresmacht Als der König sich dann von Augsburg gegen Innsbruck in Bewegung setztees mag nicht lange nach dem zum Ausbruche bestimmten 25. Juli gewesen sein —, da waren bei ihm der Erzbischof Albrccht von Magdeburg, der Kanzler Bischof Konrad von Speier, die Bischöfe Johann von Cambrai, Sigfrid von Augsburg, Konrad von Konstanz, Hartwich von Eichstädt, Mangold von Passau und Engelhard von Naumburg, Herzog Ludwig von Baicrn und der burgundische Pfalzgraf Herzog Otto von Meran. Herzog Bernhard von Kärnthen und Bischof Konrad von Brsten schlosse» sich an, nachdem der Brenner überstiegen war"). Auch der Landgraf Dipvld von Lcnchtenberg, die Grafen Heinrich von Ortcnberg, Ludwig von Dettingen, Hartmann von Wirtcmbcrg, Albrccht von Dillingen und Markward von Beringen waren im Heere, dessen Hauptbestandtheil natürlich die niederen Lehnsleute und die Dienst- manncn des Reiches, der staufischen Erbschaftsmassc und des wcl- fischen Hausguts gebildet haben werden, obwohl die Zahl der aus diesen Kreisen in den Urkunden des Königs Genannten den Standes- vcrhältnisfen entsprechend nicht eben groß ist. Gerade ans den letzteren setzte sich nachher in Italien, namentlich als der größte Thcil der Fürsten wieder heimgegangen war, die tägliche Umgebung des Königs zusammen, wie denn alle Inhaber der Reichshofämtcr den Krönungszng mitgemacht haben: der greise Marschall Heinrich von Kalden, welchen der Dienst der Könige schon oft genug über die Alpen geführt hatte, der Kämmerer Heinrich von Ravensburg, welcher dem Reichslegaten Wolfgcr nach Italien mitgegeben sich nachher dort dem Hofe des Königs wieder anschloß, dann Schenk Walter von Schipf und endlich der bisherige braunschweigische Truchseß Gunzelin von Wolfcnbüttcl ^). Dem treue» Diener seines ') Oliron. reA. Ool. p. 14: slseto stipatns milits 1500; 4enn. (toi. max. p. 824; Obrou. Lampstr. x. 51: Reimchronik L. 0581, X»n. s. änsti- uas I^atav. p. 120; ^nu. Kstaesnt. stlnslki p. 425 (und darnach Vrnusisl:. I?ipin. bei Änratori, 8origt. IX, 460) u. A. Ganz vereinzelt stehen Ü.NN. Ootnüs. 4Ion. llsrm. 8s. IX, 602: paueis soonin prineipibus ^tsmaunis euutibns, aber die Lesart pnnsis ist gerade zweifelhaft, lieber die Stärke des Heeres vor Rom s. u. Buch I Kap. 4. S. 198. 2) Diese Fürsten ergeben sich als mitziehendc aus einer Vergleichung der Liste Xrualä. VII, 18 (st o S. 161 Anm. 4) mit den ersten während des Rö- merzuges ausgestellten Königsnrkunden; der Bischof von Naumburg aber aus diesen allein; der von Brixen nur aus dem Briefe Otto's au den Papst wog. äs usA. Im», ur. 100; Johann von Cambrai ebenfalls aus diesem Briefe und aus Oaes. lOial. mir V, 25 zusammen mit dem Scholaster Heinrich von S. Gereon in Köln. Bernhard von Kärnthen, nach Xrnolck. zu den Aufgebotenen gehörend, hat noch am 7. August in toro s. VIti und zwar im Hinblick auf den bevorstehenden Römerzug eine kirchliche Schenkung gemacht. Arch. f. Kunde Lsterr. Gefchqu. XIV. 144. 2) Die Genannten nach den Königsnrkunden des Römerzugs. Vgl. Stalin II, 155. Die Vorbereitung der Romfahrt, 1200. 16 ?. Hauses durfte Dtto jetzt, ohne Anstoß zu erregen, die Würde eines Truchseß des kaiserlichen Hofes übertragen, als der letzte Inhaber dieses Amtes aus dem Gcschlechtc der schwäbischen Waldburg entweder gestorben oder wegen hohen Alters vom Dienste znrückgetrcten war >). Nachdem das Heer den Brenner hinter sich gelassen hatte, ging es schnell ans der alten heißen Kaiscrstraße vorwärts in den Süden. Einigen Aufenthalt gab es erst bei der Thalspcrre von Dssanigo, man sicht nicht recht ans welchem Grundedoch Lrnstlichcr Widerstand zeigte sich nirgends, nicht einmal in den blutgetränkten Bcrvncser Klausen bei Ceraino. Die Besatzung der den Engpaß beherrschenden Feste, welche die Deutschen Hildebrandsbnrg nannten, übergab diesen wichtigen Platz ans Feindschaft gegen die in Verona regierende Partei. Verona selbst aber mußte für die Keckheit, daß cs die jetzt in den Kvnigsschntz anfgenommcnen Burglcutc zu befehden wagte, sich sehr bald zu einer Buße von vielen raufend Mark und zur Abtretung der Burg Garda verstehen, welche wieder zur Reichsbnrg gemacht wurde und, da ihr Besitz eine Umgehung der Klausen ermöglichte, niemals ans der Hand des Reiches hätte fortgegcbcn werden sollen. Otto kV. scheint übrigens in Verona nicht eingezvgen zu sein; die Bürger mußten ihm oberhalb ihrer Stadt eine Schiffbrücke erbauen und so führte er sein Heer zum Gardasee. Am 14. Ilugnst lagerte es im Gebiete von Pcschicra ch. ü Uebcr dcn Wechsel des Amtes s. Ficker, Reichshofbeamte S. 01. Heinrich von Walvbnrg fnngirt zuletzt am t. Juni >200 zu Wirzburg licp;. Ott. ur. Ol, und hintcrließ bei seinem Tode nur Töchter; sein Bruder Friedrich starb gleich nach ihm, .4cta s. Petri i» .-Vngia p. 25. 54 Guuzelin erscheint als ilapit'cr impcrii zuerst am 10. August, Ficker, Forsck. z. Reichsgesch. Italiens IV, 260. '6 Vielleicht weil Otto hier Ezeliu von Romano erwarten wollte, den er zu sich entboten hatte. Bgl. Kap. 4. S. 184. lieber den bisherigen Bcrlanf des Römerznges s. Xnn. 8. wrmlpsrti V. <4. 8«. XVII, 200; Xrnol.I. VII, >8. Die oon ihm und Otto s. Lins, gebotenen Daten der Hecrcssammlnng ans dem Lechselde sind aber nicht haltbar (s. o. S. 162 Anm. 1. und deshalb habe ich auch zu Arnolds weiterer Angabe: circa assumptioncm I>. virginis (15. Aug.) alpin.» inga scamlcrc. coopit, kein Vertrauen, besonders da Xnn. ?Iac. Onslb. p. 425 entgcgenstcben: ckic Voncris >4. msnsis angnsti <1. Otto pri.no intravit in Xomoarciiam cnm ma^na Tl.sotonicornm cxpcclitionc, .zuancko lio.nam pcrAcbat, ct ostra ms- tatns tnit in partibus Viscl.criac. Bgl. Xim. Ikrix. p. 818: rcx in planicic Oaräac tentoria posnit. 2lm 18. August war der König in cpiscopata Vereine in pratis s. Daniclis inxta lacn.n Oarcio. Ich kann S. Daniele selbst nicht finden Znriickrechnend von jenem 14. August, dürfte ich dcn Ansbruch spätestens in den Anfang des Monats setzen, nach Magdeb. Schöppenchronik S. 104: In clen. ^Vngustinanc tocl. ü. Otto to Home nncl biscl.op Xlbrscl.t mit om. Man zählte von Augsburg bis Verona bei Reisen Einzelner sieben Tagereisen nach (lass. Ilcistcrli. Oial. mir. I, -40. - Otto s. Ilias, c. 52 weiß nichts von einem Streite mit Verona: Veronam pervenit il.iizns a civi- kns pontc navibns compacto z.cr Xtl.csim cnm toto oxorcitn transckuctns kavoralnlitcr cxcipitnr. Dispnsitis itagno inibi negotiis imperii Oarckam castcllnm ab. imp. klcnrico VI Vcroncusibns trackitnm ab ipsis reespit etc. Heinrich VI. hat 1100 Burg und Herrschaft Garda an Verona verkauft, -rcta Erstes Buck, Kapitel II. 1209. Zum letzten Male hatte ein deutscher König vvr dreizehn Jahren seine Schaaren über die Alpen geführt; eilf Jahre waren vergangen, seitdem Heinrichs VI. Tod Italien fast ganz sich selbst überlassen hatte. Wie wenig es seine Freiheit zu brauchen verstand, haben gleich die ersten Jahre dieser kaiscrloscn Zeit zur Genüge gezeigt. Wenn nicht die Intervention der Kirche hie und,da vorübergehend um der Kreuzfahrten und anderer Zwecke willen Frieden geschafft hätte, wären Alle an ihrer Selbständigkeit zu Grunde gegangen. Zuletzt blieben auch die Bemühungen der Kirche fruchtlos. Der Eifer nun, mit welchem die entgegengesetzten Parteien die Errichtung des neuen Königthnms begrüßten, wird deshalb wenigstens zum Thcil dem unwillkürlich sich aufdrängenden Bedürfnisse nach einer wirklichen Oberherrschaft zugeschricben werden müssen, wie sie allein vom deutschen Könige, vom künftigen Kaiser geübt werden konnte. Man vermochte sic nicht zu entbehren, aber man mußte sie zugleich fürchten. Hatten nicht die meiste» Gemeinden die Jahre der Anarchie dazu benützt, sich mit dem herrenlosen Bcichsgntc zu bereichern und Rechte sich anzucignen, die ihnen nicht zustande»'? Der neue König hatte viel znrückznfordern und viel abznrcchnen, wenn nicht gar zu strafen. Run stand er auf italischem Boden und „cs crschrack und bebte das ganze Land H". iiup. uv. 183 ff. Wenn Otto I V. trotzdem das Perkaufte zurücknimmt, so dnr fen wir scko» hieraus schließen, daß ein Conflikt vorher stattgefnnden, daß also ^.ruokl. reckt und Otto s. III-w. schlecht berichtet ist. Die Wichtigkeit Gardas lehrt ein Blick auf die „Uebersichtskarte f. d. ital. Feldzug d. I. 1859" in der vom Preuß. Generalstabe heransgegebencn Gesckichte desselben. Nämlich vor Leraino, also vor dem Eintritte in die Klausen, fuhrt reckts ein Weg über das Gebirge an Caprino vorbei, das schon zur Herrschaft Garda gehörte, hinab zur Burg am Sec. Im Besitze derselben konnte man also die Klausen umgehen und es begreift sick, daß Otto IV: in so zirvsiclin sm;>vrii luoro nuticznornm posnit. — Aber auch der angebliche Empfang des Königs in Verona scheint mir bedenk lich: wozu dann die Schiffbrücke? Gleich darauf erzählt der Autor: imio blo- cliölnuuiu porveuieus Iiouorlkillo n cüviüns snsostütnr, und das ist vollends nicht wahr. Er kann sich offenbar nicht denken, daß der König an diesen großen Städten vorbei gegangen sein sollte. Auch auf die Nachricht der späten Vitn Rico. vom. Nonit'noü p. 123, daß Otto nach Verona gekommen sei, lege ich kein Gcwickt: ein desto größeres darauf, daß Oornrck. illnnrisins, der in dieser Zeit am Hofe war, davon nichts weiß. Nach Otto Vris. llcwtn I'rick. II, 25 war Verona zu dem Verlangen berechtigt, daß die Stadt selbst nicht vom Zuge berührt werde. Ick glaube, Otto ist gleich hinter Volargne von der Etsckstraße abgebogen, hat bei Ponton den Fluß überschritten und entweder über Papse und dann am Seeufcr oder über Pastrengo seinen Weg auf Peschicra und znm Mineio genommen. p ,4-nu. s. slnstinno 1'ntnv. > 1 . 150: In onins nclvoutn torriüili trouiuit Itnlin uimio i>nvors oononssn, und darnach Oln-ou. Ilsttmso, blnrntnri XV. 391. Die gleiche Wendung findet sich merkwürdiger Weise in der Brannsckw. Reimchron. V. 9917: nent von sinke /oleoiucnxlo» finnt si'sornle null Iniwto nl (In/, inut. Drittes Kapitel. Reichsitalien vor der Kaiserkrönung Otto's kV. Zahlreiche Friedensschlüsse und Waffenstillstände zwischen den einzelnen Gemeinden Sberitalicns haben in den Jahren 1201 und 1202 den verwvrrenen Kämpfen ein Ende gemacht, welche mit dem Tode Kaiser Heinrichs VI. begonnen hatten. Die vererbten Feindschaften und Eifersüchteleien vermochten nun eine Reihe von Jahre» hindurch den Frieden nicht zu stören und noch am 8. November 1207 wurde der Stillstand zwischen Cremona, Parma und Piacenza erneuert i). Jener Frieden kam aber nur dem Verhältniß von Gemeinde zu Gemeinde zu Gute, während innerhalb der einzelnen Gemeinden gerade diese Jahre äußerer Ruhe mit heftigen ständischen Kämpfen änsgesüllt sind. Die niederen Klaffen der städtischen Bevölkerung traten fast überall den oberen mit neuen Ansprüchen auf Theil- nahme an der Verwaltung entgegen?) und während der von den Städten in früherer Zeit erzwungene Eintritt mächtiger Adcls- geschlcchter ins Bürgerrecht wesentlich jenen Gegensatz zwischen Pvpolo und Rittern verstärkte, erleichterte nach dem Erlöschen der kaiserlichen Gewalt der völlige Mangel einer oberen Instanz, der beide Genossenschaften sich hätten beugen müssen, den Ausbruch ihrer Leidenschaften. Die ganze städtische Einrichtung gerüth dabei ins Schwanken. Konsuln und Podesta löse» einander ab oder funktionircn auch wohl gleichzeitig ^); man wechselt zwischen Podesta, die aus der eigenen Gemeinde, und solchen, die ans der Fremde genommen werden; bald wird nur ein Einziger gewählt, bald mehre zugleich, wobei dann öfters den Ständen eine gleichmäßige Vertretung zu Thcil wird — dieser bunte Wechsel in den städtischen Behörden spiegelt die größere oder geringere Heftigkeit wieder, mit welcher die einzelnen Stände ihren Anspruch verfochten, den Erfolg, mit dem sie ihn dnrchgesetzt haben. 0 Abschriftlich aus Creinoua, Munieipalarchio X. 74. Das Original soll sick> daselbst in der Onssa cll Onrinn unter 0. 70 befinden. Italien II, 162 ff. 170; Hegel, Stcidtederfassnng in Italien II, 245. o) z. B. 1198 in Cremona. Xnn. Orsinou. Lion, darin. 8s. XVIII, 804. 168 Erstes Buch, Kapitel III. 1209. Die Stellung der einzelnen Gemeinde znm Reiche hatte zunächst Nichts mit diesen inneren Erschütterungen zu thun, welche Mailand und Cremona in gleicher Weise heimsnchten. In demselben Jahre 1198 setzten die Populären von Cremona die Anerkennung des von ihnen erwählten Podcsta durch und traten die Popolaren von Mailand zur Crcdenza di San Ambrogio zusammen st. Während aber die Parteiungen in Cremona, wenn wir nämlich aus dem Vorkommen doppelter Podestas in den nächsten Jahren und dann ans dem regelmäßigen Wechsel von Pvdesta und Konsuln einen solchen Schluß ziehen dürfen, zu mehrfachen Com- promissen führten, ja die Ritterschaft für das Ganze so sehr maßgebend blieb, daß Cremona im Decembcr 1200 sich den Rittern Brescias gegen die dortigen Popolaren verbündetest, führte das Emporkommen des Volkes von Mailand hier zeitweise zu einer förmlichen Spaltung der Gemeinde. Der Crcdenza trat seit 1201 die ritterliche Genossenschaft der Gagliardi entgegen und als die erstere im Jahre 1205 eigenmächtig Podestas erwählte, welche von der anderen Seite nicht anerkannt wurden, wuchs der Streit in dem Grade, daß die Gagliardi im folgenden Jahre die Stadt verließen und nun von draußen als offene Feinde den Popolv befehdeten st. lieber den Verlauf der Fehde im Einzelnen sind nur nicht weiter unterrichtet; als sie aber am 10. März 1205 durch Vertrag beendigt warbest, war die Crcdenza es sicherlich nicht, welche dabei den Kürzeren zog. Mailand hat wenigstens nachher der demokratischen Partei in anderen Städten Unterstützung gewährt, während Cremona umgekehrt überall die Ritter am Ruder zu erhalten suchte. So vor Allem in Brescia st. Die Parteiungen in Brescia sind namentlich dadurch verschärft worden, daß einige im Bürgerrechte stehende Magnaten hüben und drüben die Leitung Übernahme», bei den Popolaren Graf Narisius von Montechiaro und bei den Rittern Graf Albert von Casaloldo st. >) Leo II, 162 erklärt sie für ein Phantasiegebilde. Aber ihre Existenz ist u. A. durch Xun. illsdiol. illon. (Isrni. 8s. XVIII, 397. 400 sicher gestellt. st Odoriei, 8toris Drese. V, 247. VI, 107. — Xnu. Oreinon. n. :r. 1201. st Nach verschiedenen mailändischen Aufzeichnungen als Xnn. und Xotne iüeäiol. p. 397. 398. 400. 401. st ibiä. p. 39!: pnotnin Iseernnt inilites eum populo (die Ausgabe hat xapast itlscliolanousiuin. st Sehr dürftig sind die aus Brescia oder Cremona selbst herstammcnden Notizen: Xnn. Lrsmou. p. 804, Xnn. lirix. idiä. p. 816: sehr belehrend aber und durch jene im Einzelnen bestätigt die ausführlichen Nachrichten der Xnn. tsiaeent. Onslki ibicl. x. 423. 424. Vgl. Oclorivi V, 244 ff., der mir jedoch vielfach auf iVlalvevius und die Späteren zu sehr zu vertrauen scheint. st Sie müssen nach der Urkunde Otto's IV. vom 22. Februar 1212 bei Oclorivi, 8toris Ürosv. VII,.60 nahe verwandt gewesen sein, nach Odorier V, 259 wohl Abkömmlinge der alten Grafen Lomelli von Montechiaro. Der Beginn ihrer Verfeindung fällt in den Herbst 1200, denn am 1. Oktober 1200 erscheinen sie urkundlich noch nebeneinander als ciomini eoinos Xnrixius et eoinss Xlbsrtns de Oasnlolto, am 9. December aber als Gegner, idicl VI. 107. 109. 110. Reichsitalien vor der Kaiserkrönung Otto's IV., 1209. pgg Nachdem die letzteren durch die Hülfe Cremonas, Mantuas und Bergamos im Jahre 1201 sich wieder des Stadtregimeuts bemächtigt hatten, blieben sie in der Herrschaft bis zum Herbste 1206. Noch am 6. Oktober versprachen sie eidlich, Cremona gegen jeden Feind beizustehen i); in demselben Monate mußten sie jedoch einer neuen Volkserhebung weichen und ihrerseits den Beistand Cremonas an- rufen. Er wurde nicht versagt. In offenem Felde ward 1207 der Popolo von den Verbündeten besiegt und die Rittergcuosseuschaft, an ihrer Spitze der Graf von Casaloldo, mit Waffengewalt nach Brescia zurückgcführt, zu dessen Podesta die Crcmonescn den Marchese Guido Lnpo bestellten. Darf der Geschichtschreiber des Reiches bei solchen Stürmen im engsten Rahmen überhaupt verweilen? Diese im Städtcleben Italiens tausend Mal wicdcrkehrcndeu Wechsel haben ja in der That nur geringe Bedeutung für das Allgemeine, da es dem Reiche an sich vollkommen gleichgültig sein konnte, ob hier die aristokratischen und dort die demokratischen Bestrebungen die Oberhand errangen. Aber ein Moment, das nicht übersehen werden darf, giebt ihnen jetzt höhere Geltung: jene Rivalität der beiden Städte Cremona und Mailand, durch welche bis zum Friedeusschluß alle Verhältnisse der Lombardei bestimmt worden waren, gelangte in der entgegengesetzten Auffassung der Verfassnngsfragen zu einem neuen Ausdrucke. An ihrer Einmischung gerade in die inneren Streitigkeiten Brescias ging der mühsam von der Kirche hcrgestcllte Frieden der Lombardei wieder zu Grunde. Sollte Mailand zusehcn, wie der Einfluß Cremonas, welches auch mit dem gerade damals mächtig emporsteigenden Azzo von Este die engste Verbindung unterhielt, sich in Brescia befestigte, das sonst immer zu Mailand gehalten hatte? Und dies in dem Augenblicke, da an König Philipps baldigem Erscheinen aus italischem Boden, wo eben jene sich zu ihm bekannten, gar nicht mehr zu zweifeln war: wie hätten da die Mailänder geschehen lassen mögen, daß die Gruppe ver reichsfreundlicheu Städte sich noch um Brescia verstärkte! Im April des Jahres 1208 — die Verhandlungen zu Rom zwischen den Gesandten Philipps und dem Papste näherten sich ihrem Abschlüsse, der Festsetzung der Kaiserkrönung, — richteten Mailand lind Piaceuza vereint an Brescia die Forderung, mit ihnen die alte Liga zu erneuern. Der Podesta Lnpo weigerte sich: er habe auch in Brescia dem Befehle und Willen Cremonas zu gehorchen ^). Indessen seine bisherigen Parteigenossen selbst waren 0 Oäoriei VII, 34 und vollständiger VIII, 112. -Vota. imp. nr. 9l4. Unter den eidleistenden Burgern Brescias erscheinen auch Graf Narisius, Graf Azzo und Graf Albert von Casaloldo. 2) Am 12. Februar 1208 hatten gewisse Bürger Brescias in Gegenwart des Podesta Lnpo geschworen cznoü kaaisnt ita, gnoct eoinnnis Lrixis non assoeia- dit so onva 80 INUU 8 Noüiolanl . . . nognv acl annnin novnin nwi paradola Natostatis Oroinons äata ln eonoilio Orsinons ato. Dafür erhielt Jeder von Cremona SO Pfund ansgezahlt. Oclorioi VII, 38 irrig zu 1207. 170 Erstes Buch, Kapitel III, I20V. nicht der Meinung, durch den Beistand, welchen sie Crcmona verdankten, dessen Unterthanen geworden zu sein; die Mehrzahl der Ritter sagte sich van diesem Podesta los, welcher die Unabhängigkeit der ihm anvertranten Stadt preisgab, und Lupv sah sich ge- nöthigt, mit dem Reste seiner Anhänger aus Brescia zu entweichen. Er setzte sich mit ihnen in Pontevicv fest und übergab endlich diesen wegen des Uebergangs über den Oglio wichtigen Grenzplatz förmlich an Cremona. In Brescia selbst war darum der ständische Streit noch nicht beendigt; er trat nur hinter der anderen Frage zurück, welche für den Augenblick wichtiger war, ob nämlich im Anschlüsse an Cremona für das Reich oder im Anschlüsse an Mai land gegen dasselbe Stellung genommen werden sollte, und da Cremona durch seine Herrschsucht bei der Bevölkerung Brescias in Mißeredit gekommen war, fiel ihre Entscheidung jetzt zu Gunsten Mailands aus. Als neuen Podesta wählte man den Mailänder LWizo von Pnstcrlew mit mailündischer Hülfe schlug man einen im Interesse CremonaS unternommenen Angriff des Markgrafen von Este zurück U und, als König Philipps Rcichslegat Wolsger von Aquilcja in der Lombardei austrar, um den Rvmcrzug desselben vorzubereiten, da gehörte auch Brescia zu den Städte», welche am 15. Juni die Liga, wie es hieß, zur Bertheidigung des Koustauzcr Friedens beschworen st. Im Namen der Liga forderten dann Mailand und Piacenza von Cremona die Zurückgabe Pvntcvicos und im Vertrauen auf die Rcichshülfe, welche nicht mehr lange aus- bleiben konnte, schlug Cremona das Begehren ab. Der erste von Deutschland ausgehende Versuch, die Reichsgewalt wieder im Süden der Alpen in Erinnerung zu bringen, rief dort ans der Stelle die alten Gegensätze wieder wach. Der Namen der Guclfcn und Ghibeltinen war den damaligen Italienern allerdings noch unbekannt, nicht aber die Sache. Da starb König Philipp und wenn die Erwartung seines Kommens vielleicht den Ausbruch der neu belebten Verfeindung verzögert haben mag, so gab nun die Gewißheit, für einige Zeit jedenfalls wieder jeder Einschränkung überhobcn zu sein, den Antrieb zu rückhaltlosem Vorgehen. In Mailand und in Cremona und bei ihren beiderseitigen Verbündeten wurde schon während des August aufs Eifrigste gerüstet und im nächsten Monate erfolgte der erste blutige Zusammenstoß, indem mailändische Mannschaften im Dienste Brescias den Cremonesen am 23. September durch glücklichen Ueberfall Pontevico entrissen st. Die mannichfaltigcu Beziehungen aber, in welchen die Hauptkämpfer zu anderen Gemeinden st Nach ü^nu. I'iaoLut, soll dies in oxitn »mnsio ^.prilis geschehen sein! nach ^nn. Ilrix. hat aber Guido Lupo erst im Mai Brescia verlassen und diese Angabe ist vorzupehen, weil nach dem Notariatßinstrnmcnte bei Oävrioi VII. 4b Machtboten Cremona's noch vom 2 b. bis 26. April in Brescia Beeidigungen des Bündnisses empfingen, st Bd. I. L. 461. ^ Bis hierher nach den oben L>. 168 Anm. ö genannten Quellen. Reichsitalien vor der Kaiserkrönung Otto's IV., 1209. 171 standen, pflanzten dann die Entzweiung immer weiter fort. Cremona hat im Oktober dem Markgrafen von Este und den Städten Mantna und Ferrara Zuzug geleistet zur Belagerung vou Suzzara, während Reggio bei der Befreiung dieser Feste Hülfe von Parma und dem ligistifchen Bologna erhielt st. An Bologna schloß sich außer dem unterthänigcn Jmola auch Faeuza an, welches letztere seinerseits durch die Fehden der benachbarten Dynasten in einen Streit mit Ravenna und dessen verbündeten Städten gerathcn warst. Die Fehden der trevisauer Mark hatten freilich einen cigenthümlichen Ursprung und einen von den Vorgängen in der Lombardei unabhängigen Verlauf, aber sie ermangelten doch auch nicht ganz der Verknüpfung mit diesen. Denn Äzzo von Este stand mit den Grafen von San Bonifacio und den damals von ihm abhängigen Städten fest zu Cremona st, während sein Nebenbuhler Ezelin von Romano dem an ihn sich schließenden Vicenza einen Mailänder als Podesta gab und mit dem ligistifchen Brescia gute Freundschaft hielt st. Welche Aufgabe für den künftigen König, hier, wo Jeder Recht zu haben meinte, Niemandem Unrecht zu thnn und Alle gleichmäßig seinem Dienste zu verpflichten! An die Stelle König Philipps trat Otto IV. Als er im Juli dem Papste von seinen ersten Erfolgen Kunde gab, da hat er ihn gebeten, die bisher ihm zngencigten, das heißt, die Philipp feindlich gewesenen Städte Lombardiens und Tusciens für ihr Verhalten zu belobe», die bisher dem welfischcn Königthnmc abgeneigten aber zum Anschlüsse an seine Sache zu ermunternd, — ein Ersuchen, dem Jnnoccnz ohne Zweifel nachgekommen ist. Man wird jedoch in Italien, in weiterer Entfernung von dem Schauplätze des wunderbaren Wechsels, welcher sich während des Sommers und Herbstes m Deutschland vollzog, nicht sogleich im Stande gewesen sein, rück- sichtlich desselben Entschlüsse zu fassen, welche für die Zukunft bindend werden mußten. Als aber die Nachricht über die Alpen kam, daß Otto auf dem Reichstage in Frankfurt wirklich allgemein zum Könige erwählt worden sei und schon an die Romfahrt denke, da wirkte sic so mächtig, daß sowohl diejenige Gruppe der lombardischen Städte, welche unter der Führung Cremvnas an die Reichsgewalt sich anlehnte, als auch die andere, welche um Mailand ge- schaart ihr noch jüngst widerstrebt hatte, dem neuen Könige entgegen- d Vgl. im folgenden Kapitel die Anmerkung über Salinguerra's Aufenthalt in Modena 1268/9. 2 Vssi. Ktoria äi liomiig'ua II. 265. Bündniß zwischen Cremona, dem Markgrafen von Este, dein Grafen von S. Bonifacio, Verona und Ferrara 5. Juni 1268 in mehrfachen abweichenden Ausfertigungen ^iitieü. bist. I, 387; Ociorioi VIII, 114 ff.; Ficker, Forschungen IV, 266. Für Cremona handelte es sich um die Wicderciobernng von Crema und Jnsula Fulcherii. — Bündniß der Ritter Mantuas mit Cremona gegen Brescia, abgeschlossen bei dem Zuge gegen Suzzara propo cmstrum 8nu j.c-i sud tontorio ck. Vmmuis mareliionis w. Okt. 1268 ^ota iinp. nr. 916. st ilsrarcl. Knurisius bei Kurator!, Kor. VIII. 16. 17. st lieg;, cko neK. imp. ur. 166. Vgl. oben S. I IO Nnm. 3; S. III Anm. 1. 172 Erstes Buch, Kapitel 111. 1209. zukommen beschloß, um durch ihn der Erfüllung ihrer durchaus entgegengesetzten Wünsche theilhastig zu werden. Eremona sah in ihm eben den legitimen König, den künftigen Kaiser, der als solcher natürlich die Politik seiner stanfischcn Vorgänger wieder anfnehmcn müsse. Es befand sich also ungefähr ans dem Standpunkte der deutschen Reichspartei, während Mailand in Otto nur den zum endgültigen Siege gelangten Gcgenkvnig erblickte, der demgemäß auch in Italien gewisser Maßen wclfische Politik treiben und, wie er von Anfang an den neuen Kirchenstaat anerkannt hatte, so sich auch den Srmderbcstrebungen der ligistischcn Städte freundlich und nützlich erweisen werde. Tie eine Partei machte das Persönliche zur Grundlage ihrer Rechnung, die andere hoffte Alles von den Traditionen des Amtes; Beide aber beeilten sich, den König im Voraus ihrer Unterwürfigkeit zu versichern. Ihre Machtbotcn überreichten ihm ans dem Hoftage zu Augsburg die Schlüssel der Städte und reiche Geschenke H. Das werden nun freilich die Ercinvncscn wohl kaum erwartet haben, daß Otto sogleich ihren Standpunkt sich aneigne und auf die Gefahr hin, seinen bevorstehenden Römerzug beträchtlich zu erschweren, sich öffentlich als Gegner der Liga bekenne. Für sie war cs genug, daß Otto am 13. Januar 1209 zu seinem Legaten in Italien mit unbeschränkter Vollmacht zur Handhabung der Rcichs- rcchte den Patriarchen Wolfgcr von Agnileja ernannte -), welcher ein Jahr zuvor in Vertretung Philipps sich durchaus als eifrigen Verfechter staufischer Politik bewährt hatte. Die Mailänder aber mochten trotzdem mit ihren Anschauungen von Otto Recht zu behalten glauben. Denn der Brief, in welchem Otto dem Pvdesta, den Konsuln und der ganzen Gemeinde Wolfgers Ernennung kund- that, war in so warmen Ausdrücken des Dankes für die bisher bewiesene Anhänglichkeit abgefaßt, daß die Empfänger ohne Anstrengung die Erfüllung ihrer kühnsten Hoffnungen hcranslesen konnten. Der König versicherte ja, daß er nicht nur Zeit seines Lebens ihre Rechte und Freiheiten unverkürzt erhalten, sondern überdies Mailand über alle Städte der Reiches an Ehren und Besitz erhöhen und die Bürger desselben stets zu seinen vorzüglichsten Freunden und Rathgebcrn rechnen wolle ^). Versprechungen 0 L.uu. ?Iao. Ouelti p. 423: zienso Deeeinbri legati ^leüiolani st klueeutis et alioruru ainieoruin eeruiu at^no l^apieusiuin et Orvinousn- siuin legÄti in XIamannia :ul ä. Ottonsin regeln perrsxsre, inenso lanua- rio apuü euin In e»I1»l(ui» t'uero (darnach bfi-une. kfipin. bei iVIurat. 8er. IX, 639). Ott» s. Ilias, o. 50: llbi (apucl Xu^ustam) IsAutls eivitutuin Italie InsiAnig. eivitatuin eure eluvibus uureis et innltls aliis Neuis »ttereutlbus ae per boe sudisetivueiu protiteutibus sto. Bgl. Olu'unr. 8olur. Xuuales p. 632 und Otto's Brief an Mailand vom Januar 1209 aus Augsburg Xetu iiup. ur. 233. -— Eine irrige Ueberlieferung findet sich bei Oslvuu. Ickuuuuu, lilurut. 8cr. XI, 663: aä säuern leAuti zislli>äuueusiuiu us^ue in OoloiÜLm Iveruut, rogautes euin, nt eoronaiu Ulecliolansuslniu guam eitius ueelperst. Noch in Augsburg. Xetu imp. ur. 232. Bgl. Bd. I. S. 460. .4.e1u Iiup. ur. 2.13: super »inues elvitutss Iinpsril in liouers et robus ves ssrnpsr voluiuus exaltare et Inter prseipues tainiliares et äsvo- tos uostres vos eomputubimus. Reichsitalien vor der Kaiserkrönung Otto's IV., 1209. 17Z wurden gegeben, welche sich höchstens mit der lknkenntniß des Königs über die italischen Verhältnisse entschuldigen lassen, wenn sie ernst gemeint gewesen sein sollten; wenn aber nicht, ihn dem begründeten Vorwurfe bewußter Unehrlichkeit aussetzen mußten; in keinem Falle jedoch in ihrem vollen Umsange ansgeführt werden konnten. Wie ein leichtfertiger Schnldenmacher suchte Otto über die Verlegenheiten des Augenblicks dadurch hinwegznkommen, daß er neue Wechsel ans die Zukunft zog, unbekümmert ob ihre Einlösung ihm möglich sein werde. So handelte er den Lombarden, so handelte er dem Papste gegenüber. Es ist ja undenkbar, daß Wolfger von Aquileja, als derselbe in den Dienst des Königs trat, ihm nicht darüber Mittheilung gemacht haben sollte, wie schlecht es mit dem Rechte des Papstes auf die mittelitalischen Territorien stand und daß Jnuocenz bei den Verhandlungen mit Philipp seine sogenannten Rccnpcrationen in der Hauptsache schon preisgegeben hatte. Die Bestellung des Reichslegaten wurde demgemäß auch auf die Ro- magna, das gauze Tnscicn, das Herzogthum Spoleto und die Mark Ancona ausgedehnt. Damals also wird Otto zuerst einen Einblick in die Täuschung bekommen haben, welche die römische Kirche sich mit der Berufung auf ihre angeblichen alten Privilegien gegen ihn erlaubt hatte: war es nicht seine Pflicht sie zu offenbaren? Freilich, wenn er den versammelten Fürsten von der in der Zeit seines Gegenkönigthums dem Papste zugesagtcu Abtretung jener Territorien Kenntniß gegeben Hütte, unliebsame Erörterungen würden da gewiß nicht zu vermeiden gewesen sein, sei es mit den Fürsten, wenn diese die Verbindlichkeit seiner obendrein auf irrthümlichen Voraussetzungen begründeten Zusagen bestritten, sei es mit dem Papste, wenn er sie aus Andriugen der Fürsten etwa aufkündigcn mußte. Otto zog es vor zu schweigen: er war unwahr zugleich gegen den Papst, gegen die Fürsten im Allgemeinen und ganz besonders gegen den Legaten und er war, ich weiß nicht ob so kurzsichtig oder so leichtsinnig, daß er ganz und gar verkannte, wie ein offenes Be- kenutniß über den Stand der Sache ihm in keinem Falle erspart bleiben konnte. Seine geheimen Verbindlichkeiten gegen den Papst mußten ja auf der Stelle an den Tag kommen, wenn sein Vertreter in Italien, der ihm gewordenen Anweisung gemäß, auch in den noch vom Papste occnpirten Landestheilen so verfuhr, wie das Recht und die Würde des Reiches cs erheischte Wolfger begann seine Amtsthütigkcit im März und zwar an der Stelle, wo er als Legat Philipps aufgehört hatte, in Mailand. Hier und während des April in Pavia, Piaccnza und Cremona g nt ipss in IsAntiono nastra sie prossUat, sisnti bonori nootro st iinpsrii vicisbitnr vxpsUirs. Vgl. Ficker, Forsch. II, 806. Nach LUniini, XIsin. 61 Nilano (sü. 1855) IV, 164 wurde Otto's Schreiben ^.ota imp. ur. 233 im März übergeben. Wolfger hatte wahrscheinlich schon hier den kgl. Kämmerer Heinrich von Ravensburg zur Seite, welcher in dieser Zeit aus Otto's Urkunden verschwindet, in Wolfgcrs Umgebung aber allerdings erst bei den Verhandlungen mit Bologna 36. Mai nachweisbar ist. 174 Erstes Buch, Kapitel 111, 1209. wurde dem Könige Otto ohne Weiteres gehuldigt') und die Autorität seines Legaten war kräftig genug, um auch in Brescia den Hader der Stände gerade in dem Augenblicke zu ersticken, als er ganz Oberitalien in Flammen zu setzen drohte. Die Berfeindcten mußten am 21. April den von ihm aufgcrichteten Frieden beschwören, ihre besonderen Podcsta aus Crcmona und Mailand verabschieden und ihm selbst die Ernennung des neuen Podcsta überlassen, welchen er sich ans Genua wählte Aus der Lombardei ging der Legal in die Romagna, welche ihm noch andere Ausgaben stellte als den Empfang des Trcuschwurs und die Abstellung aller Feindseligkeiten'). Denn gerade hier hatten sich die einzelnen Gemeinden nach dem Tode Kaiser Heinrichs und besonders als die Macht Markwards von Auweiler zusammen, gebrochen war, ans dem in ihrer Nachbarschaft befindlichen Rcichs- gute ganz bedeutend vergrößert und es mag ihnen hart angckommcn sein, als Wolsger, sobald der Treuschwur geleistet war, die vollständige Herausgabe dieses widerrechtlichen Besitzes verlangte. Am 30. Mai gab der bolognesische Podcsta Medisina, Argelata und die Grafschaft über Jmola zurück, dessen Besitz Bologna mit Facnza getheilt hatte; am 5. Juni hat auch Faenza Alles restituirt, dessen es sich seit 1197 in dem Bereiche der Bisthümcr Facnza, Jmola, Florenz und Forli, in der Grafschaft Bagnacavallo und in der des Grasen Guido bemächtigt hatte. Eine Strafe von je 10,000 Mark wurde Bologna und Faenza bei ferneren Eingriffen in die Gerechtsame des Reiches in Aussicht gestellt'). Wie stark namentlich Faenza, welches schon im Jahre 1207 durch den Papst zu Abtretungen au den Erzbischof von Ravenna vcrnrtheilt worden war '), durch diese Restitutionen an das Reich geschwächt ward, ergiebt sich wohl aus dem Umstande, daß bald darnach die der Stadt noch verbliebenen Gebiete ihr den Gehorsam zu verweigern wagten ch. Und wie hier, so scheinen die Unterthancn auch sonst erwartet zu haben, daß die wieder ins Leben getretene Reichsgewalt sie von der vielfach >) Xnu. klaesut. (Inslti I>. 424. — Am 2. 'April hat Wolsger die kaiserlichen Privilegien Pavias bestätigt, nach llodolini (1823) IV», 81 bei Kicker, Forsch. II, 153, wo überhaupt die Thätigkeit Wolfgers aussührlicki dargestellt ist. 2) Odorier, 8tor. Ilreso. VII, 49 — 51. — Vnn. ?las. I. e. Die Vnn. Drix. p. 817 sind gerade hier lückenhaft. lieber eine durch Wolsger in dieser Zeit eingeleitete Auseinandersetzung zwischen Cervia und dem Erzbischöfe von Ravenna s. Ficker II, 153. 154. st Die Urkunden bei 8avio1i II>, 297—299. — Volosanus p. 130: Va- vsntianr vsnisntsin in rnenss blaio eive8 tronoritios rsssperunt. Da Wolsger am 30. noch in Bologna urkundet, müßte er am 31. Mai nach Faenza gekommen sein. 6) Innoo. III. Ilpist IX, 109; X, 30. 116. Olssta Innoe. e. 127. °) Volosanns p. 132 von der Zeit nach Ottos Krönung: t'oronsvs sivl- tatnin Italias ad optatnin, gusin din intendsrant, oonati sunt dsdnssrs tinsnr. Oadorant igitnr doininia eivitatuin esu iinportalnle ingurn a suis längs proiesre eervioibn8. In diesen Zusammenhang gehört auch die 1209 zum Ausbruche gekommene Opposition der Neustadt Cremona gegen die ausschließliche Herrschastsberechtigung der Altstadt. Xnn. Orsinon. p. 805. Rcichsitalien vor der Äaiscrkrönuug Otto s IV., 1209. 175 drückend gewordenen Herrschaft der Stadtgemeinden befreien werde. Die letzteren aber konnten unter solchen Verhältnissen gar nicht daran denken, sich den berechtigten Anforderungen des Legaten zu entziehen, welcher sich offenbar die unbedingte Wiederherstellung aller Rechte des Reiches, wie sie zur Zeit Heinrichs VI. bestanden hatten, zum Ziele gesetzt hat und sich durch Nichts in der Verwirklichung dieser Aufgabe beirren ließ. So auch in Tuscicu. Einer eigentlichen Friedensstiftnng bedurfte cs hier nicht mehr, da das von Florenz besiegte und durch den Tod König Philipps wieder ans sich allein angewiesene Siena schon 1208 sich znm Frieden bequemt und unter Änderem die Unabhängigkeit Poggibonzis zngestandcn hatte H. Dagegen handelte es sich in Tnscicn ebenfalls um die Herausgabe des in den Händen der Städte befindlichen Reichsgutes und es kam dem Legaten trefflich zu Statten, daß der wenigstens znm Theil gerade zur Behauptung desselben gegründete Bund der tnscischen Städte, ans welchen Jnnocenz einst so große Hoffnungen gesetzt batte, durch jene Fehde zwischen Florenz und Siena vollständig gesprengt worden war und sich nicht mehr zu gemeinsamen Entschlüssen znsammenzufinden vermochte H. Jede Gemeinde mußte nun für sich die Auseinandersetzung mit dem Reiche suchen. Die Florentiner, welche übrigens zur Huldigung bereit waren und den Legaten mit allen Ehren bei sich empfingen, ersuchten ihn, die occupirten Reichsbcsitznngen ihnen wenigstens bis zur Ankunft des Königs zu belassen, von dessen Gnade sie wohl eher Nachsicht erwarteten als von dem rücksichtslosen Pflichteifer seines Vertreters. Wolfger aber wollte keinen Aufschub der Restitution gestatten und verhängte über Florenz, als dieses sich nicht fügte, einen Bann von zehntausend MarkZ. Während Florenz sich über ihn beim Papste beschwerte, führte er in derselben nachdrücklichen Weise sein Geschäft in Tnscien zu Ende. Pvggibonzi unterwarf sich und empfing daraus am 1. Juli eine 0 Bd. I. S. 4.VI Am». 2, S. 400. Rücksichtlich der dort erwähnten Niederlage Siena's bei Montalto i. I. 1207 ist außer -lnn. 8enensss p. 227 jetzt der ausführliche Bericht in 8auxr>nornis (Issts Vlorentinorum in Hartwig. Quellen und Forsch. z. Gcsch. d. Stadt Florenz I, 15—17 zu vergleichen und die mir von Hartwig frcundlichst mitgetheiltc Sielle der ungedrucktcn Xnn. Vlorsnt. u. 1207: Vioi'vntini kngsrnnt 8snsnses apnü hlontein liütnm st castrnm ässtrnxornnt tempore (lnaltrsäoeti potestatis. Daselbst über den Frieden a. 1208: t'nota sst pax intor Vlorsntinos et 8euensss, ne p. 18. Die X»n. 8vnsnsss p. 227 schweigen über den nachtheiligcn Frieden, während?nol!no üi ?isro,Oron. Viorsnt. bei ü'artini II. 12 ihn erst z. I. 1210 erwähnt. -) Die letzte Tagfahrt des Bundes ist meines Wissens die vom 5. April 1205 gewesen ^lnratori, Xnticzn. IV. 576 fs. ff lieber das i. I. 1202 eroberte Summofontc (Semifonte) s. die Urkunde Bd. I. S. 550 und Hartung, Die Anfänge von Florenz, in Preuß. Jahrb. Bd. XXXVII (1870), S. 579 , meines Erachtens das Beste, was bisher über ältere florcntinische Geschichte geschrieben ist. ') Inuoe. I-ipist. XII, 78. 176 Erstes Buch, Kapitel III. 1209. Bestätigung seiner guten Gebräuche wie zur Zeit der Kaiser Friedrich und Heinrich i). Siena machte ähnliche Nvrbehalte wie Florenz und berief sich namentlich darauf, daß Wolfger als Legat Philipps das Jahr zuvor sie bewilligt habe: dieser erwiederte am 4. Juli, daß seine früheren Bewilligungen durch die Beendigung des Thron- streites, der sie veranlaßt habe, hinfällig geworden leien. „Wir sind nicht mehr, die wir waren, als zwei zugleich sich Könige nannten; jetzt giebt es nur einen König, nämlich Otto und noch' mals Otto und zum dritten Male Otto." Und Siena gehorchte dieser Logik st, die sich nun auch in den päpstlichen Recnperationen bethätigc» sollte, als Wolfgcr seine Vollmacht durch neue Zweideutigkeiten des Königs gleichsam aufgehoben sah. Als Jnnocenz die Anerkennung Ottos in Italien förderte, ist er natürlich von der Voraussetzung ansgegangcn, daß der König und deshalb auch der Legat, der obendrein ein geistlicher Fürst war, sich in den italienischen Angelegenheiten nach Ottos älteren Verpflichtungen richten würden, und die Art und Weise, in welcher Wolfgcr seine Lcgatenthätigkcit einleitete, war ganz geeignet, jene Voraussetzung des Papstes zu stärken. Wolfgcr nämlich hatte gleich nach seiner Ernennung nicht blos dem Papste dieselbe angezcigt, sondern ihn auch nm eine Empfehlung bei den Städten der Lom- vardci und Tnsciens gebeten — eine Bitte, welcher Jnnocenz am 25. Februar bereitwilligst entsprach st. Der Bote Wolfgers sollte aber auch anfragcn, wie der Papst es mit dem mathildischen Gute gehalten wissen wolle, über welches bekanntlich eine Auseinandersetzung der beiderseitigen Ansprüche des Reiches und der Kirche bis 1197 nicht erfolgt war und wahrscheinlich ebensowenig bei den durch Wolfger selbst im vorigen Jahre in Rom geführten Friedensverhandlungen Philipps mit dem Papste st. Hatte Heinrich VI. daS Ganze vorläufig für das Reich behalten, so war in den anarchischen Zeiten nach seinem Tode ein Theil der Erbschaft zwar an die Kirche gelangt, ein anderer aber gewaltsam von verschiedenen Stadtgemeinden occnpirt worden, so daß weder das Reich noch die Kirche davon Vortheil hatte. In den Händen des Reiches war für den Augenblick wohl gar Nichts, während die Ansprüche desselben, soweit Wolfger von ihnen wußte, noch immer zu Recht bestanden und höchstens darüber ein Zweifel aufkommen konnte, wieviel künftig, wenn erst den Städten ihre Beute wieder abgesagt war, davon der 9 Ficker, Forsch. IV, 268. ^.otn imp. nr. 1136. 1137. Bgl. Bd. I. S. 460. Ficker, Forsch. II, 154. st likA. els nsg. imp. nr. 185. Nach Inn. Istnst. XII, 78 hat Wolfger für diese Empfehlung dem Papste gedankt. st Die Annahme, als ob bei diesen Verhandlungen vom Jahre 1208 das Recht des Reiches ans das mathildische Gut unbedingt hingegcben worden sein könnte, hat alle Wahrscheinlichkeit gegen sich, da es in allen anderen damit zusammenhängenden Fragen gewahrt blieb. Obendrein würde Jnnocenz in diesem Falle Wolfger gegenüber von einer solchen.Prcikgabe, wenn sie vorhanden gewesen wäre, mindestens denselben Gebrauch gemacht haben, wie von Otto's älterer Verzichtleistung von 1201. Rcichsitalicn vor dcr iiaiscrkrönung Otto's IV., 1200. 177 Kirche zu überlassen sei und wieviel endgültig dem Reiche zn verbleiben habe. Wie mochte daher der Legat erstaunen, als er ans seine vertrauliche Ansrage vom Papste die Anweisung empfing, er solle allerdings mit der Zurückforderung des mathitdischezi löutes Vorgehen, aber es nicht für das Reich, sondern ausschließlich im Namen dcr Kirche übernehmen, zu deren Gunsten König Otto auch noch ans das Herzogthum Ravenna und Bertinovo, auf die Penta- poliS und die Mark Ancona, auf das Herzvgthnm Spolcto und die früher streitig gewesenen Grenzgebiete des tnscischen Patrimoniums verzichtet habe. Aus Ottos eidlichem Gelöbnisse vom 8. Juni 1201 wurde dem Legaten der Wortlaut des bezüglichen Abschnittes mit- getheiltZ, ohne Zweifel in der Meinung, daß diese überraschende Offenbarung jeden weiteren Widerspruch von Seiten Wolfgcrs ab- schnciden werde, und allem Anscheine nach hat dieser wirklich nicht widersprochen. Sein Schweigen darf indessen nicht so gedeutet werden, als ob er gesonnen gewesen wäre, sich in seinem amtlichen Verhalten ans Kosten des Reiches den Interessen der Kurie anzn- beqncmen. Während Wvlfgcr vermied sich auf unfruchtbare Erörterungen cinznlassen, handelte er einfach so, wie es ihm als Reichs- lcgaten znkam, ohne Rücksicht ans jene älteren Versprechungen des Königs, denen er von seinem Standpunkte ans unmöglich Rechtskraft beilegen konnte. Hatte nicht dcr König selbst sie durch die Ausdehnung seiner Lcgation auf die angeblich abgetretenen Territorien schon widerrufen? In den Augen Wolfgcrs hatten überdies, wie er cs ja Siena gegenüber offen anssprach, alle allein durch die Noth des Thronstreites bedingten Zugeständnisse mit der Beendigung desselben ihre Verbindlichkeit für das Reich verloren. Wie er also entgegen den Städten fest ans dem Grundsätze bcharrt hatte, daß Alles auf den Zustand zur Zeit Heinrichs VI. znrück- geführt werden müsse, so wandte er diesen Grundsatz jetzt auch auf die Occupationen und die Ansprüche der Kirche an, rcichsgetrencr als dcr König selbst, dcr ohne Wolfgcrs Wissen sich inzwischen »nochmals zn einer Anerkennung derselben hcrbcilicß. Als Wolfger von Bologna die Auslieferung dcr mathildischen Herrschaften Mcdisina und Argclata erwirkte, übernahm er diese nicht, wie der Papst ihm vorgeschriebe» hatte, im Namen dcr Kirche, sondern im Namen des Reifstes und cs fehlt jede Spur, daß sie etwa später durch ihn der Kirche überliefert worden seien. Für die Romagna überhaupt bestellte er seinen eigenen Dienstmann Rudolf von Tricano zum Grafen ^). Wein ganzes Verfahren in Italien lief den Erwartungen der Kurie geradezu entgegen und ihre Mißstimmung machte sich bald in mehrfachen Beschwerden st lieg-, äs iisA. iinp. nr. 186. Aus dem hier besprochenen Briefwechsel geht deutlich hervor, daß Otto dein Legaten seine Verpflichtungen gegen den Papst verheimlicht hat, obwohl die tlnkenntniß derselben jenem die peinlichsten Vcrwick langen zn;iehen konnte. Ans Otto's Loyalität fällt ans diesem Vorgänge ein sehr ungünstiges Licht. st Bd. I. S. 113 Amn. Z. Ficker, Forschungen II, IIS; IV, 273- Jahrb. d. dtsch. Gesch. — W in kelma n n, Otto IV. 12 178 Erstes Buch. Kapitel III. 1209. über den Reichslegnken Lust Z. Jnnocenz beklagte sich am 9. Juli bei dem Könige, bei Wolfger selbst und bei dem Begleiter desselben, dem Kämmerer Heinrich von Ravensburg, daß auf Befrist des Legaten heimkehrendc Kreuzfahrer — wir wissen nicht, aus welchem Grunde — in Crcmvna festgesetzt worden seien: der Bischof dort wurde angewiesen, durch Bann und Interdikt ihre Freilassung zu erzwingen -). Der Hnlfcruf der Florentiner, „die sich immer dem Rothe des Papstes ergeben und gehorsam gezeigt haben", vcranlaßte zwei Tage später eine neue Beschwerde. Der Regelt bemühe sich wohl emsig um die Ehre und den Vortheil des Reiches; wo er aber zu hastig vorgehe, da schöpfe der Papst aus seiner ganz besonderen Liebe für den König die Berechtigung, ihn durch Mahnung und Rath auf einen besseren Weg hinznweiscn und dies um so mehr, weil die Erfolge des Legaten zum großen Theile seinen Empfehlungen zu danken seien. Genug, Jnnocenz verlangte den Widerruf der über Florenz ausgesprochenen Strafe ch. Ob und was König Otto auf diese Klagen geantwortet hat, ist unbekannt: was aber Wolfger betrifft, so hat dessen Zeitgenosse Boncompagnns in dem Briefsteller, welcher seinen eigenen Namen als Titel trägt, den Legaten eine Antwort geben lassen, welche der WolfgcrS Amtsführung zu Grunde liegenden Auffassung seiner Stellung und Aufgabe ziemlich genau entsprechen dürfte. Im Anschlüsse an das durch den Papst selbst gebrauchte Bild von dem Bogen, der nicht stets gespannt bleiben dürfe, schreibt hier Wolfger angeblich zurück: „Der Bogen der Legation ist nicht der meine, sondern der des Reiches, den ich nicht spanne und nicht Nachlasse, den ich aber mit allem Nachdrucke so gespannt zu erhalten suche, wie ich ihn empfangen habe. Und diesen Bogen zu ergreifen, habt ihr selbst mich gelehrt, denn gerade durch eure Befehle bin ich gezwungen worden, Otto Treue zu schwörend." Aber war der Bogen, um bei diesem Bilde zu bleiben, wirklich noch gespannt? Während Wolfger selbst einen Conflikt mit dem Papste nicht scheute, wo es sich um Rechte des Reiches bandelte M b Vgl. Ficker II, .196. °) innao. bipist. XII, 71. 76. 77. Wolfger soll später zur Sühne dieses Vergehens das Pilgcrhospital bei Agnileja 'gestiftet haben. Unttn^oni, löst patriaraa Voloboro p. 32. ") Innoo. Ir^isr. XII, 78 an den König und mit unwesentlichen Aeudc- rungen an Wolfger selbst. E -teta inrp. nr. 1138. Ficker hat hier mit Recht wegen des Otto gegebenen Kaisertitels den fingirten Brief;n 1210 eingcreiht, wohin er auch wegen der am Schlüsse auftretenden Beziehung auf Otto's Revindication der päpstlichen Territorien gehört. Andrerseits knüpft der Verfasser des Briefes mit dem Satze: ourn et areus non ssinpsr (lobet esse tensus geradezu an den von Jnnocenz schon am I I. Juli 1209 gebrauchten Ausdruck an, so daß er bei der Abfassung zwei Zeitmomente,zusammengewürfelt zu haben scheint. Bgl. Ficker, Forsch. II, 396. ') Zur Ergänzung seiner Charakteristik mag auch der.Satz dienen, welcher sich in einer seiner Urkunden vom Jahre 1201 findet: oroclontos osso potissi- inuin, cinocl ingurino por injnriau vioissitndinoin aoourroreinns. Uiod, Ood. dipl. Uatisb. I, 283. — Herr Grion bat in einem Aufsätze über Ib-idano Reichsitalien vor der Kaiserkrönung Otto's IV., 1209. 179 hatte sein König in der Urkunde vom 22. März 1209 diese neuerdings preisgegebcn. Während der Legat sich auf Grund seines Ernennungsdipioms zur Ausdehnung seiner Amtsöcfugnisse auf die augenblicklich noch im Besitze des Papstes befindlichen Reichstheilc anschickte, sah er seine Hände durch denselben König gebunden, welcher ihn zu solchem Verfahren bevollmächtigt hatte. Denn daran kann nicht gezweifclt werden, daß Jnnocenz sich dieser neuen Urkunde Ottos bedient haben wird, um dem unbequemen Vorgehen des Legaten Halt zu gebieten, und Wolfgcr — was konnte er, von seinem Auftraggeber schmählich im Stiche gelassen, Anderes thun als seine Thütigkcit einfach einstellen, obwohl seine Aufgabe noch lange nicht erledigt war*). In der Lombardei, in der Romagna und in Tnscicn war allerdings die für König Otto eingeforderte Huldigung überall bereitwillig zngestandcn und auf Grund derselben aller Streit friedlicher Beilegung entgcgcngeführt worden. Aber das Gebiet des oberen Po war von dem Reichslcgaten ebenso wenig berührt als die Mark Treviso und gerade die letztere, als die gewöhnliche Eingangspforte von Deutschland her, hätte seines Eingreifens und der Fricdcnsstiftung ganz besonders bedurft. Die Machthaber der treviianischcn Mark haben daS allgemeine Friedensbcdürfniß, welches in der Lombardei nach dem Anfänge des Jahrhunderts sich geltend machte, anscheinend nicht mitempfnndcn, sondern auch während jener Jahre, in welchen bei ihren westlichen Nachbarn die Waffen so ziemlich ruhten, wiederholt sich im ernsten Kampfe gemessen. Wir vermögen aber nicht mit Bestimmtheit zu sagen, ans welchem Grunde eigentlich Ezelin II. von Romano und Azzo VI. von Este, früher befreundet und verschwägert, nachher sich feind geworden sind ^), und wir besitzen kein Mittel um die spätere Aussage Ezelins prüfen zu können, nach welcher Azzo lZeitschr. s. deutsche Philol. von Höpfner und Zacher Bd. II L>. 408—410) den Beweis zu liefern gedacht, daß Wolfgcr eine und dieselbe Persönlichkeit nicht blos mit dem Dichter der Bescheidenheit, sondern auch mit dem Vi-clihwotn und dem lA'inms Jakob Grimms und obendrein der Verfasser des Epos über Kaiser Friedrich I. Leben und Sterben sei, auf welches Rudolf anspielt. Leider werden uns statt der Beweise nur kühne Phantasien anfgetischt. Alan wird mir deshalb gestatten, von jeder Verwcrthnng seiner großen Entdeckung für die Charakteristik Wolfgcrs hier abznschcn. 0 Möglicher Weise könnte der von Grion S. 42g ans Rnbeis Handexemplar zu Cividale p. 065 citirte Brief Otto's an den Patriarchen vom 30. Juli mehr Lickt geben, wenn derselbe nicht etwa identisch ist mit Vota iiup. irr. 257 von 1212 Juli 30. -) Daß auch hier die Stimmung im Allgemeinen wieder dem Reiche günstig war, zeigte der Umstand, daß Acqni und Älessandria — dieses hat seit 1205 den dem Papste schuldigen Zins nicht mehr entrichtet, s. Honorius III. vom 17. November 1218 in Jcliinvinns 2 ).uu. ^Isx., Lion. löst. pntr. IV, 174 — das Recht des Kaisers schon in ihrem Bündnisse vom I I. April 1209 ausdrücklich vorbchiclten. h llolnuclin. Urrtnv. I. onp. 9 behauptet, weil Azzo im Jahre 1204 die Erwerbung Camprettos für das Haus Romano (ibiä. enx. 4. 6.1 vereitelt habe. 12 * 180 Erstes Buch, Kapitel III. l2go. während eines gemeinschaftlichen Spaziergangs über den Markns- platz Venedigs gegen ihn Meuchelmord versucht haben svll ff. Wie dem auch sei, die einmal entbrannte Feindschaft dieser beiden Männer, welchen alle andere Große der Mark mehr oder weniger sich nnterordncten, fand in den Parteiungen, von welchen damals Verona zerrissen ward, fortwährend neue Nahrung und die beste Gelegenheit zu leidenschaftlichster Bethätignng. Ein alter Zwist trennte hier das Geschlecht der in Verona einflußreichen 2 ) Grafen von San Bonifazio von den nah verwandten Montecchi. Als nun Ezclin, die Partei der letzteren ergreifend, im Jahre 1206 das Städtchen San Bonifazio niederbranntc, rächte sich der Graf Bonifacins dafür so gründlich an den Häusern der Montecchi in Verona, daß mit denselben am 14. Mai ein großer Theil der Stadt in Flammen anfging. Er vertrieb endlich die Gegner ganz und bewirkte, um sich selbst einen Rückhalt zu sichern, daß Azzo von Este zum Podcsta bestellt wurde ff. Sv ward Verona in die Fehden der trcvisanischcn Großen hincingczogcn und der Tummelplatz wechselnder Partciverbindnngcn, bei welchen Azzvo Oheim Markgraf Bonifacins selbst sich schon im nächsten Jahre mit den Montecchi und ihren Beschützern draußen einigte und nun den Neffen vertreiben half. Odvrici Visconti von Mailand trat am 10. Juni als Podcsta an die Stelle des Vertriebenen ff, jedoch wieder nur auf wenige Monate, bis Azzo, der inzwischen auch in Mantua Podcsta geworden, mit Hüffe der dortigen Bürgerschaft und seiner sonstigen Freunde sich wieder gewaltsam den p So berichtet Gerardns Maurisins von Vicenza, ein Freund EzelinS und sein Begleiter an den Hof Ottos IV., vor dem Ezclin 120!) diese Aussage machte, älnrat. 8or. VIII, 10: Vnm osssnt ncm moelioa clilLotionis ati'votiono oopulati, sms aliczna nova. Ing'ratitnelmo vol olltziisiono, oum ossont :»nl>c> In Vsnstiis ote. "I Die Urkunde über ihre Grafschaftsrechte in Verona bei Voroi, Ztoria. äogli Istoilml III. 3!>. 8tnmpt' nr. 4)>30 ist jedoch eine Fälschung. Paris!! eia (iLrota Xmn Voran., äl. <1. 8s. XIX, 6 n. 1206: Iloni- laoius Lomes ooopit pußnaro oum älontioulis Nie sadlmti 14. älaii. Dies Datum trifft allerdings nicht 1206, sondern 1205 zu und ans dieses Jahr verlegt auch die Vita liiooiarcii oomitis Ilonit'aoii, blnrnt. VIII , 122 das Er- eignitz — übrigens eine Quelle, vic sich für die Jugendzeit ihres Helden nicht überall als glaubwürdig bewährt. Da aber auch die Xnn. iUantnani, äl. gedenken, nehme ich an, daß parisins bei richtiger Jahreszählnng in der Tagesangabe sich geirrt habe. Xnn. blaut. fahren fort: et tune blautuaui in ssrvitio partis oomitis Ivsrnnt acl linrtznm s. /ononis st ipsmu ooinlinssorunt 6t Iioo buit (Io blaio. ^ Oerarä. p>. 15; Paris. I. o.; liolauäiu. I, !1; Xnn. IloAieusos oä. Dovo g 158. — Nach Paris, war es der Graf von S. Bonifazio, der mit den Montecchi zusammen den Este vertrieb, nach Oorarcl. aber vielmehr der Markgraf Bonifacins d. h. Azzos Oheim und dies scheint richtiger zu sein, da auch die Vita llicoiareli, welche die Herstellung der Montecchi in den Mai verlegt, die Lau Bonifazi mit Azzo zusammen vertrieben werden lässt; die Xnn. s. Instinas patav., HI. O. 8s. XIX, 140 stellen die Partcivcrhältnissc ähnlich dar. Aus den letzteren stammen die betreffenden Nachrichten des Obrem. äorelaui,- äluratori Xntig. IV, 987. Neichsitalien vor der Kaiserkrönung Otto's IV., 1209. 181 Eingang in die unglückliche Stadt erzwang. Von der anderen Seite rückte nun Ezelin mit seinem Anhänge ein, einem wohlgemeinten Vermittlungsversuche. deS Podesta von Vicenza wurde auf keiner Seite Gehör gegeben, man ließ lieber die Waffen im blutigen Kampfe auf der Piazza Bra die Entscheidung geben, und dies Mal fiel sie zu Gunsten Azzos aus. Am 8. September waren die Mon- tecchi und ihre Helfer vollständig überwältigt. Ezelin gerietst in Gefangenschaft, Hab und Gut der besiegten Montecchi wurde theils vernichtet theils eingezogcn, diese selbst wurden in ihren Zuflnchts- vrtern Garda und Pcschiera eingeschlossen und endlich im Jahre 1208 zur Ucbcrgabe gezwungen. Azzo, der das Amt deS Podesta auch für dieses Jahr beibchalten, füllte mit den Gefangenen die Kerker seines Stammschlosses Este st. Wie in Verona die San Bonifazi und die Montecchi, so standen in Ferrara Azzo von Este und der durch alten Familienbesitz in der Stadt mächtige Tvrellv Salingnerra II. sich als Rivalen gegenüber^ und dieser Gegensatz führte wieder ganz von selbst dahin, daß der letztere sich mit Ezelin verband, dessen Tochter er heirathete st. Er benutzte dann die Abwesenheit des Ncbenbulsters tz Ich möchte hier nicht für jede Einzelheit einstchen, denn die Quellen sind entweder dürftig und ungenau, wie IMrioins, der z. B. die Gefangennahme der Montecchi zuerst zu 1 207, aber mit dem Zusätze so anno rex IMili^pus mor- tnns ost, erzählt und dann nochmals zu 1208, oder entschieden tendenziös wie tlarnrck. itlnnris. p. 10, der zwar sehr hübsch darstellt, wie Ezelin das belagerte Schloß Garda über den Lee verproviantirte, aber gewiß nicht ohne Absicht mitzntheilen vergessen hat, daß es sich zuletzt doch ergeben mußte. Nack Vita Itiae. p. 123 : Ireolinus ipse onpitur INI Straßcnkampfe von 1207 und lloinncl I. e. berichtet sehr ausführlich über die noble Behandlung des Gefangenen; der Zeitgenosse Oernrcl. dagegen sagt nur: illo elis vix svnsit und die Xnn. s. üustinna >>. 119^ schweigen darüber ganz. Was ist nun richtig? Ferner: Azzo soll nach IMris. in Bcrona in Vesto s. ziielnwlis eingerückt sein, nach Xnu. 8. Ürrstinne aber haben die Montecchi nach ihrer Niederlage ans der Bra schon votnvo cki<; intrnnto SLptainvri die Stadt verlassen. Jaffa schlägt vor oetokri zu lesen, was ganz annehmbar sein würde, wenn nicht auch in einer wohl sehr bald nach 1220 gefertigten Inschrift von S. Stefano in Verona Ilianeoliui. Xotima I, 20 gesagt wäre, daß die Monticuli „sxiernnt menss osptsintzri 1207". Auf die von I'nrio. gemeldete Zerstörung der Häuser und Thürme der Montecchi beziehen sich wohl die Verse des Welschen Gastes 2115—19: idi din niüt alt (Iriöso gär nnel g'sclonüö cloeü, iln^ Ilsrne nn srs truoo cken Irrung, ir tiirns uncl üinosr rvnren ANN 2 , ckio oint deLtrinwet ül clia orck. ^1 lieber die dortigen Kämpfe bis 1 205 s. Bd. I. S. 338. 339. Jnno- ccnz III. schreibt stkovember 1200 an Ferrara lüpist. IX, 181: ve8trn8 sine enn8n oervieos aliöno ckoininio suinnioiotis und weiter iuranrsuta eontrn tickoiitntoiu eavlooina elieiinini prnestitisso. Wann das geschehen, wird nicht gesagt; aber die Wahrscheinlichkeit spricht doch für die Annahme Fickers, Forschungen II, 318, daß der Treueid an den Reichslcgatcn Lupold von Worms geleistet worden war. Dadurch erklärt sich auch die 1200 in Ferrara gebrauchte Datirnng nach der Regierung Philipps (Bd. I. 319, Anm. 5) und die Fehde mit Bologna, welche erst 22. März 1207 durch Vertrag beendet ward. IVIurntori, Lntieg. IV, -121. Salingnerra hielt nach llolainl. I, 9 erst dann offen zu Ezelin, als mit dessen Hülfe Azzo ans Verona vertrieben war, also etwa seit dem Frühlincze 1207. Wahrscheinlich fand damals die Hochzeit mit Ezelins Tochter Sophia statt, idick. I, 3. 182 Erstes Buch, Kapitel III. 1209. in jenen Septembertagen von 1207, welche dem Este die Herrschaft über Berona cinbrachten, um sich vorübergehend seiner Gegner in Ferrara zu entledigen st. Als jedvch Azzo im nächsten Jahre die ihm nun zu Gebote stehende Uebcrmacht gegen Ferrara wandte, mußte Saiingncrra wieder von dannen ziehen. Das Volk von Ferrara aber nahm den Sieger förmlich zu seinem Herrn an und gab ihm volle Gewalt über die Stadt und ihr Gebiet^): ein dcnst würdiger Vorgang, dessen Bedeutung für Italien nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Denn Ferrara war die erste italische Gemeinde, welche sich wieder der Gewalt eines Herrn unterwarf, und ihr Beispiel hat bald Nachahmung gesunden. Berona muß es zunächst befolgt haben, denn Azzo ist auch dann, als er das Amt des Podesta niederlcgte, doch stets Herr der Stadt geblieben. Er hat, wie der Zeitgenosse Tvlosanns von Faenza sich treffend auSdrnckt, dort die Tyrannis gehabt st. Eine Reihe bedeutender Erfolge gab dem Markgrafen eine Alles überragende Geltung in diesen Gegenden. Während seine Rivalen ans allen ihren Stellungen weichen mußten, stieg er selbst zu einer fast fürstlichen Macht.empor. Er mehrte seinen Hansbesitz mit dem Gclde seiner Gemahlin, er hatte sich bei König Philipp gerade in der Zeit, während welcher er aus Verona vertrieben war, die Belehnung mit der Appcllatiousgerichtsbarkeit in den Städten und Grafschaften Verona, Vicenza, Padua, Treviso, Trient, Fcltre und Bcllnno ansgewirktst Lind er stand in gleicher Gunst bei dem Papste, der schon 1203 ihm und allen seinen Besitzungen und Rechten den apostolischen Schutz zngcsichert hattest und ihm im Jahre 1208 auch die Markgrafschaft Ancona verliehst. Als Herr gebot er jetzt in Ferrara und Verona, als Podesta zugleich in Mantua und ein Bündniß, das er am 5. Juni l 208 mit Cremona abschloß, deckte ihm den Rücken gegen Brescia, wo der inzwischen frei gewordene Ezelin einigen Einfluß hattest, nachdem die Gemeinde von Cremona abgeialle» und zu Mailand übcrgetrcten war. Ein glücklicher Handstreich stürzte am 3. April 1209 den Ezelin befreundeten Podesta von Vicenza, ersetzte denselben durch den Grafen Bonifacins und brachte also mittelbar auch diese Stadt unter die Leitung deS Markgrafen, der vann im Sommer 1 t-srnrä. p. 16; ONron. Ilst. Kuratori XV, SOI. Vssi, 8toria äi IloniaKna LI, 265. y Wolusanus bei KittarsIIi, Xeesss. p. 12n; Xnn. Kutin. Kurat. 8er. XI, 56; e'liron. Ost. I. e. Die UntcrwerfnngSnrknndc bei Knratori, Lpnt. Ilst. 1717) I. 380. Vgl. Vssi x. 266. 0 Azzo erscheint urkundlich 1207 Decembcr 31 und 1208 Mär; 10 als 'podesta; dazwischen >208 Februar 17 als rsetor Veronas. Utzlisll! V, 768. 772. Dari» stimmen alle Quellen überein, das; er, obgleich er die Würde des Podesta zeitweilig Anderen überließ ;. B. für 1200 dem Wilhelm Rangone von Modena, doch für sein weiteres Leben das cloininium Veronas behielt. Vgl. auch Xotns Ilstenses, Karat. 8er. XV. 535. 0 Bd. I. S. 110. st I'ottliast, IIs§. pontil nr. 2001. st Ficker, Forsch. II, 389 Anm. 15, 113 Amn. 21. st Osrarck. p. 16 Ist. 1" II. — lieber das Bündniß s. o. S. 171 Anm. 3. Reichsitalien vor der Kaiscrkrönnng Olto's IV., 1209. 183 mit den Mannschaften aller von ihm abhängigen Orte und Großen anszog, um wie er meinte den letzten entscheidenden Schlag gegen den früheren Freund zu führen. Ezelin lag damals in Brescia krank, aber er raffte sich auf, eilte schleunigst herbei, vereinigte die Mannschaften vvn Trcvifo und Padua, welche allein noch zu ihm hielten, und schickte sich an den Uebergang über die Brenta bei Basfano aufs Aenßerste zu vertheidigen, als sein Gegner plötzlich innchielt. Die Nachricht, Ferrara sei wieder verloren gegangen, bestimmte den Markgrafen zur Umkehr H. Salingucrra war nach seiner Versagung aus Ferrara nach Modena gegangen und wartete hier bessere Zeiten ab Sie schienen ihm gekommen, als Azzo gegen Ezelin im Felde lag: in diesem Augenblicke griff Salingnerra zu. Von den Adligen Tre- visvs unterstützt, hat er sich am 6. August 1209 wieder seiner Vaterstadt bemächtigt, viele Anhänger des Este in harte Gefangenschaft gesetzt und ihre Häuser zerstört, zur Vergeltung dafür, daß ihm das Jahr zuvor die eigenen Häuser niedergelassen worden waren ^). Es ist kein Zweifel, diese Fehden mit ihrer stets neu gcbvrenen Laicht nach Wiedcrvergeltung waren schlimm genug, aber sie waren doch noch, wie Rolandin von Padua sich ausdrückt, indem er sie mit den schonungslosen Ausbrüchen wilder Leidenschaften in späteren Jahrzehnten vergleicht, gleichsam gntmüthige Fehden ^). Man nahm Rache, aber doch nur an Hab und Gut bewältigter Gegner, deren feste Häuser regelmäßig gebrochen, deren Vermögen eingczogen ward — in Ferrara selbst soll dies im Laufe von 40 Jahren zehn Mal geschehen scin^i —, aber man war noch nicht so weit verkommen, daß Verstümmelung oder Abschlachtung der Gefangenen und Wehrlosen das wichtigste Geschäft des Siegers war. Salingucrra hat zum Beispiel der mit ihrem Sohne in seine Gewalt gcrathenen Gattin des Markgrafen großmüthig die Freiheit geschenkt. Der Verlust Ferraras brachte Azzo bisher ununterbrochen steigendes Glück erst znm Stillstände, dann zu Falle. Als er in Folge desselben sich von der Brenta zurnckzog und zunächst den V Vgl. Oerarä. p. Id, der nur Trcviso, und ItolauN I, Io, der nur Padua als Bundesgenossen Ezclins nennt, lieber den Ursprung der Parteiungen in Vicenza s. t!eo, Gcsch. d. ital. Staaten II, 175. -) Xnn. Glutin. Llnrnt. XI, 56 : stellt ibi. Die Xnn. livtzlenses sei. Oovs p. t 'id rechnen dagegen Modena mit Mantua. Ferrara und Crcinona zu Azzo's Bundesgenossen bei der im Oktober I2U8 geschehenen Belagerung von Suzzara, welches Reggio mit Hülfe von Parma und Bologna, das seimnscits Faenza und Imola aüfbot, glücklick entsetzte. Aber 'I'otos. in 128 weis; von der Thcilnahmc Modenas nichts und läßt dafür Verona, wie es ja selbstverständlich ist, dem Markgrafen beistehen. Vgl. oben S. 171. >') 4'olos. >i. 132: 1269 in. nngr; Xnn. Vorrnr. Lion. Osrin. 8s. XVIII, 663: 1208 in äio s. 8)-sti (also 8ixti ot x^npitip Das; aber 1209 richtig ist, beweisen die Einreihung des Ereignisses in die zusammenhängende Darstellung des (lornrck. Llnnr. p."l5 und die Xnn. IloAiensos I. o. 4) lik. I. enp. 9: tnno ernnt rvorrs, si lieituin ost iliosrs, dono rvorro. 5) Oliron. I'errnr. L Inrat. 8or. VIII, 482 ans der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Vgl. Welscher Gast v. 2453. 184 Erstes Buch, Kapitel III. 1209. Kampf gegen Ezelin aufgab, fvlgte ihm dieser ans dein Fnßc nach bis hart an die Mauern Vicenzas, in denen die größte Verwirrung herrschte, so daß die Stadt bei einem ernstlichen Angriffe nicht zu halten gewesen wäre. In diesem Augenblicke erschien aber ein Bote des Königs Otto, abgesandt als derselbe aus seinem Zuge nach Italien schon Ossanigo im Etschthale erreicht hatte; der Bote überbrachte Ezelin den Beseht, unverzüglich znm Könige zu kommen und Ezelin gehorchte ans der Stelle. Er entließ seine eigenen Mannschaften und die Verbündeten nach Hanse; der nächste Morgen sah ihn schon auf der Reise und er machte diese so schnell, daß er trotz des weiten Umwegs über Bassano doch noch den König in Ossanigo traf, der freilich dort sich etwas aufgehalten hatte H. Der kluge Mann wußte, wie Fürsten zu behandeln seien, und er berechnete ganz richtig, daß sein bedingungsloser Gehorsam, die scheinbar thörichtc Preisgabe eines fast sicheren Erfolges, ihm reiche Frucht cintragen müsse. Ezelin begnügte sich jedoch nicht mit der Gunst des Königs allein, der ihn bei jeder Gelegenheit öffentlich anszeichnctc: dem Kanzler Bischof Konrad von Speier verehrte er sein durch Größe und Pracht alle anderen übertreffendcs Gczclt ^). u S. o. S. 165. 2) Olerarck. p. 18. 19 kund darnach H.ntcm. Ooclins p. 70). Für die Kämpfe bis zu Ezelins Erscheinen vor Vicenza ist Gcrards Quelle der eigene Vater, der da ein lustiges Stückchen ansführte; für Ezelins Empfang am Hofe ist Gcrard selbst Augenzeuge. Die Hanpistcllc lautet p- 18: nnntins ropis clixit u. Ixoolino, cjnocl sino morn irat oinnivus iliinissis nci ipsuin. uvi ornt. . 18 g Erstes Buch- Kapitel IV. 1200. dem Könige ganz ergebene Bischof Heinrich als Podcsta an Azzos Stelle i). Azzos großartige politische Stellung im nordöstlichen Italien brach mit einem Schlage zusammen. Wie der Reichslcgat die Macht der Städte durch seine Abforderung des Reichsgutes vielfach auf ein bescheideneres Maß zurückgedrängt hatte, so beseitigte der König selbst das neue noch in der'Ausbildung begriffene Fürstcn- thnm der Este durch die Vosrcißung der von ihm abhängig gewordenen * Gemeinden. Wenn aber Ezelin geglaubt haben sollte, den König bis zur persönlichen Vernichtung des Gegners mit sich sortreißen zu können, so mußte er seinen Jrrthum bald erkennen. Denn als er auf dem Weiterzuge eines Tages wagte, öffentlich den Markgrafen wegen des angeblichen Mordanschlags zu Venedig, wegen der Revolution in Viecnza und wegen des früheren Angriffs auf Ferrara zu beschuldigen und ihn darüber zum gerichtlichen Zweikampfe herausfordertc, da hörte Otto zwar Rede und Gegenrede ruhig an. legte aber dann beiden Streitenden Schweigen auf: er wollte offenbar zu einer Verurtheiluug des Markgrafen nicht die Hand bieten. Als am nächsten Tage der ins Lager cinrcitende Salinguerra die von seinem Schwiegervater erhobenen Anklagen und das Angebot des Zweikampfes wiederholte und der Streit sich heftiger erneuerte, da mußte Marschall Heinrich von Kaldcn mit blankem Schwert an der Spitze der deutschen Wache die Hadernden auseinandcrtreiben und der König erklärte ihnen nochmals, daß er von diesen Dingen Nichts mehr höre» wolle. Obwohl Otto auf Ezelins Dienste unverkennbar großen Werth legte, er mochte doch wohl nicht dazu helfen, daß derselbe in jenen Gegenden durch die völlige Vernichtung des Este mächtiger werde, als dieser es bisher gewesen war. Als Otto am folgenden Morgen austritt, mußten Ezelin und Azzo ihn begleiten. „Herr Ezelin, grüßet mir den Markgrafen", rief plötzlich der König in französischer Sprache dem ersten zu, und Ezelin, wie immer äußerst gehorsam, lüftete den Hut und sagte: „Herr Markgraf, Gott erhalte euch". Ter Markgraf erwicdcrte den Gruß, behielt aber stolz den Hut auf dem Kopfe. Da wandte sich der König auch an ihn: „Herr Markgraf, grüßet mir Ezelin", und auch der Markgraf gehorchte und Ezelin erwicdcrte nun seinerseits den Gruß. Begriffen sie, was Otto bezweckte? Er hat doch wohl nur ihnen andeuten wollen, daß ihre privaten Feindschaften Nichts mit dem ihm von Beiden geschuldeten Gehorsam zu thun hätten und in keinem Falle diesen beeinträchtigen dürften. Aber jene erzwungene Höflichkeit bahnte ganz unerwartet den Weg zu einer Versöhnung zwischen ihnen. Denn als die Enge der Straße die Nebenbuhler nöthigte den König voran zu lassen und theils aus Höflichkeit theils wohl auch aus Mißtrauen Jeder den Anderen vorwärts nöthigte, entschlossen sie sich endlich neben einander zu *) -rim. ^laMurml p. 20. Olto's IV. Romfahrt, 1209. l87 reiten, wobei bald Wort zu Wort sich fand und zu freundlichem Gespräch sich uuSsPunu. Diese Annäherung der Tags zuvor noch verbitterten Gegner scheint nun dem Wunsche des Königs so sehr cutgegeugcwescn zu sein, daß er sein Unbehagen darüber und sein Mißtrauen gar nicht zu bergen vermochte. Er suchte im Nachtquartier Jeden einzeln über ihre Unterhaltung auszusorschen; bekam aber natürlich nur dasjenige zu hören, was sie ihm mitzuthcilcn für nützlich erachteten. Als Otto in Ezelin drang, ihm offen zu sagen, ob sic auch von ihm geredet hätten und was, da antwortete ihi» dieser: „Wir sprachen davon, daß Ihr, wenn Ihr wollt, gefälliger und freundlicher seid als irgend Jemand sonst und an Tüchtigkeit in der Welt nicht Euresgleichen habt und daß Ihr wiederum zu Zeiten hart, streng und furchtbar sein könnt, wie kein Anderer". Achnliches soll der Markgraf gestanden haben, obwohl diese Charakteristik des Königs, halb Schmeichelei halb treffende Wahrheit, doch sicherlich nicht der ganze, vielleicht nicht einmal der hauptsächlichste Inhalt des fast zwei Miglien hindurch geführten Gespräches gewesen war, welches so wenig zu den Berechnungen Silos stimmen wollte. Er hatte cs sich vortheilhaftcr gedacht, über Entzweite zu herrschen, und jene Lagcrscene, in welcher das deutsche Schwert die streitenden Italiener auseinander hielt und zu ruhigem Gehorsam brachte, mochte ihm wie ein Abbild der bequemsten und sichersten Negierungsmcthode erschienen sein Z. Nun freilich, als die Versöhnung der trcvisanischcn Partcihänpter zur Thatsache geworden war, blieb ihm kaum etwas anderes übrig, als sie nachträglich wie sein eigenes Werk darznstellcn. In seiner Gegenwart und aus seine Bitte mußten der Romano und der Este sich Liebe und Beistand geloben, bevor sie sich in Jmola trennten °). Im klebrigen ist über Silos erstes Auftreten in Italien nicht gerade viel überliefert und auch die Zahl der ans diesen Wochen uns erhaltenen Urkunden des Königs ist so auffallend klein ch, daß man wohl annchmen darf, er habe die Erledigung der meisten an ihn selbst hcrantrctendcn Fragen mit einer gewissen Absichtlichkeit auf die Zeit nach seiner Kaiserkrönnng verschoben, deren möglichst ') Osrnrü. Knnrisins p. 18. 19 hat in allerliebster Erzählung seine Erlebnisse iin Lager des Königs dargcstellt, die wörtlich wiedergcgcben zu werden verdienten, wenn cs hier nicht weniger ans die Novelle, als auf die in ihr her- vortrctendcn politischen Gesichtspunkte ankämc. Niicksichtlich derselben weiche ich aber von Ilsliinsr. lisg. iinp. p. >15, Abel S. 42 und Langerfcldt S. ist) ab, indem diese annehinen, der König habe wirklich die Aussöhnung beabsichtigt. Aber wie ist das mit dem Satze: sospsrniit qunin ninienbilitsr loqni, sie qnoä Sinnes viclentes plnriinnm mn niinntnr st innxiins ck. rsAi vnicis tnit extruiisniii st, «^nnsi inolostnin vto. zu vereinigen, wie mit Otto's im Ausforschen der Unterhaltung deutlich erkennbarem Mißtrauen? -) ibnl. p. 21 : I'll,nitrivei'ili>t Posten nck inviesni sie loqnciiäo nsqns nel eivitntein Iinnine; sect ibi Uomiuus rox ste. lieber die Zeit dieser Ereignisse s. o. S. 184 Anm. 2. Ü Zn den bei IMIlinsr, lieg-. Ott, nr. 71—76 vcrzeichnctcn Urkunden aus der Zeit vom 18. Anglist bis 1. September, welche jetzt sÄmmtlich gedruckt sind, tritt noch eine zweite Urkunde vom I. Scpt. für die Blandrate, welche sich großer Begünstigungen erfreuten. 188 Erstes Buch, Kapitel IV. 1209. beschleunigte und möglichst glänzende Ausführung ihn vorläufig ganz erfüllte. Wie er gleich noch seiner Ankunft am Gardasee die Gemeinden und Grafe» Oberitaliens zur Heeresfvigc aufbvtsv vergaß er auch, nicht gleichzeitig die sämmtlichen seit dem Tode Kaiser Heinrichs unbezahlt gebliebenen Reichsabgabcn nachträglich auf ein Mal für sich cinznfordcr» und da seinem Gebote schon durch die Bemühungen Wvlfgers von Aquileja in weiten Distrikten der Gehorsam gesichert war, wird es ihm, je weiter er nach Süden vorrückte, desto weniger an Mannschaften in seinem Gefolge, und an Geld in seinen Kassen gefehlt haben. Otto verlegte erst am 19. Angnst sein Lager vom Gardasee nach Baleggio am Mincio"), wo er wieder einige Tage blieb, doch wohl deshalb, weil den Aufgebvtencn Zeit zur Ausrüstung ihrer Kontingente gelassen werden mußte. Eine eigentliche Musterung, wie solche nach dem berühmten Berichte des Otto von Freising wenigstens bei der Krönnngsfahrt üblich gewesen sein soll''), hat allem Anscheine nach dieses Mal nicht stattgefundcn und Ottos Zug bietet auch sonst manche anfstcllende Erscheinung. Denn obwohl 1 ,4mn. INne. (luelti p. 425. Piacenza rüstete für diesen Zweck 3n Ritter aus, Faenza 10 nach Volos. p. 130. Vgl. die folgende Anmerkung. -) Obron. rex. Ool. p. II: Itnlinm protieiseitur, ubi simiü modo eonArs- Anto exereitu etv.; Vnn. Oolon. mnx. p. 824: Otto rox eum ma^no n>>>>n- rntu Itnlinm intrnvit. ulii prineipes totins 1-ongebnrdie in oeeurrentes euin glorin snsesperunt, eivitntes et enstolln eins ckominio snbdiderunt, intinitnm peeuninm veetiAnlium et tribntorum n temporibus lleinriei imp. rsservntnm trndiderunt, Brannschw. Ncimchronit V. 66! 2: ^11 des riebcs quicke, de sink besser llenriebv vnren ^esninnet binnen eiben jnren. de verte inen iin Acj>'bvnv riebe nt bnrren nnd soinvro nigoliebe. Pgl. Obron. Lnmpetr. p. öi : n l^onZobnrdis et Vuseis bonnritiee reeeptus muitislpie st mn^nis munoribus nb vis bonorntus l^Vnn. lleinbnrdsbr. p. 120: et sprnntis sibi expvdiro videbntur eomitibns, de die in disni ndnue- tus), tnm in relius czunm in personis niobil cxperiebntur ndversum. Diese Nachrichten werden dadurch bestätigt, das; Siena cs für nöthig hielt, sich Erlaß der rückständigen Abgaben anSznwirken; Otto 2!1. Oktober 1209: romittentes oinne tribntnin sive tributn nnnunlin et debitn, czuoeum^ue rotinnernnt st non solverunt n tempore mortis lleinriei. ^.etn imp. nr. 1068. Slls Maßstab für die Summen, welche Otto cinfordertc, mag erwähnt sein, daß Siena z B. für jedes Jahr 70 Mark Silber hätte zahle» sollen, ibid. nr. 1070. Ficker, Forsch. lV, 293. Es ist auch wohl hierher zu ziehen, wenn der Rath von Ni- ccnza seinen Podcsta zur Veräußerung von Gemcindcgrnnd bcvollmächiigt: cum commune multis et vnriis expensnruin noeessitntibus ^rnvnretnr, tum proptsr ndvontum in ltnlin dni Ottonis . . ., tum propter rvorrns et svditionos. czue nupor in Vnrebn eonti^eiunt. Vsrei, lüeillini III. 151. Der Rcichskämmcrcr Heinrich von Ravensburg, welcher vorher dem Legalen bei- gegebcn war, findet sich schon am 19. Angnst an Otto's Hof. ^etn imp. nr. 235. ^1 So wird man doch mit Böhmer das in enstris npud eurtem ä^nienm (Var. Vnlum, ob Vnlerum?) der Urkunde vom 19. Angnst, ^etn imp. nr. 235 nnd das npud Vnlerum in enstris vom 21. Angnst, Archiv s. östcrr. Gcsch. X I V, 141 deuten müssen. Oder sollte cs Valese südöstl. von Nerona sein? Alte Abschriften der letzten Urkunde haben jedoch Lderium nnd ^ieium s. Schum im Neuen Archiv I, 131. 132. h Weiland, Reichshcerfahrt, in Forsch, z. deutsch. Gesch. VII, 167. Otto's IV. Romfahrt, 1209. 189 nirgends Widerstand zn befürchten war und, svweit wir zu sehen vermögen, auch nicht gewagt worden ist, ging der König doch mit besonderer Sorgfalt den großen Städten aus dem Wege. Verona war gleich anfangs bei Seite gelassen worden; aber auch von einem Aufenthalte Ottos in Mantua wird Nichts berichtet und, als in den letzten Tagen des August der Po überschritten war, nahm er, ohne Modena zn betreten, sein Lager südöstlich von dieser Stadt bei Spilamberto i). Er war am 1. September am Reno im Gebiete von Bologna 2 ); aber ob er nachher Bologna selbst besucht hat, ist wiederum sehr fraglich ^). Er mag doch wohl der Kriegsmacht der sehr zahlreichen und bunt zusammengewürfelten Mannschaften seines Gefolges nicht recht getraut Habens und Besorgnisse waren in dieser Beziehung vollkommen am Platze. Als man über Jmola, wo die erwähnte Versöhnung zwischen Azzo und Ezelin ihren Abschluß fand^), bis in die Gegend von Faenza gekommen war, wurde das vor der Stadt lagernde Heer von dort aus reichlich versorgt und doch blieben Reibungen zwischen den Bürgern und den Königlichen nicht aus und mehrere Deutsche büßten dabei ihr Leben ein"). Von Faenza ans nahm Otto dann seinen Weg über den Apennin nach Siena, wo wieder einige Tage gerastet ward ^): nur wenige Tagcmärschc trennten ihn jetzt von dem Papste, welcher seit dem Frühlinge in Vitcrbo residirte*). Inzwischen war unter ihnen fortwährend verhandelt worden und wir dürfen annehmen, daß dazu neben der Krönung und im Zusammenhänge mit ihr namentlich die Territorialfrage Anlaß gegeben haben wird, deren Klarstellung nach Wolfgcrs Auftreten als Reichslcgat nicht länger verschoben werden konnte. Wenn Wolfger über die Verpflichtungen des Königs rücksichtlich des Kirchenstaats, wie es scheint, erst während seiner Amtsführung und erst durch den ') VNi'on. illntin. .Ilnrntori-8oript. XV, 558: ln prntis cts 8pilnnr- ücrtis Lnstrninotntns. °) Otto 1. September in ensti'is in tsrritorio kononionsi super ripnin Ileni für die Blandrate )Ion. bist. pntr. Olnrrt. I, 1162; Xnn. Ileglonses eä. Ilovo p. 158: nltzergnvit super Ilennin et nä 8n1vntorrnin. Letzteren Ort kann ich nicht Nachweisen; das Abbiegen von der großen Straße aber nun Lager von Spilamberto deutet schon an, daß Bologna umgangen werden sollte. 9 Erläuterungen VIII tz. 1. 9 Vgl. Ritzsch, Stanfische Studien S. 354. S. o. S. 187 Anm. 2. Vesi, 8torin äi IloinnAnn II, 269 nimmt an, daß Otto schon damals den Bischof Mainardai zum Podesta von Jmola ernannt habe, der er wenigstens bis 1222 geblieben ist sibiä. p. 325 not. 1 nach einer Inschrift'. Die Annahme hat das analoge Verfahren Otto'ö in Mantua für sich. Dolosnnns p. 130. 9 Xrnolä. Iliron. 8Inv. VII, 18. lieber Otto's angebliche Krönung in Mailand und seinen Zug bis Siena s. Erläuterungen VIII. ß. 2. 3. 9 ?ottln>st, liefest. pontil. nr. 3727—3801. Vielleicht schon in dem Palazzo dcgli Alamanni, welchen Viterbo an der Stelle des 1208 zerstörten Ca- stello di S. Angclo errichtete. (Ironien äi Vitsrlio bei IMInnor, Vontes IV, 696. Vgl. Lnssi, Ist. äi Vitertzo p. 113. 190 Erstes Buch, Kapitel IV. 1209. Papst initerrichket'worden ist, so mag sein erstes Zusammentreffen mit Otto') stürmisch genug ausgefallen sein, der nun jedenfalls endlich offen Farbe bekennen mußte. Hat er einen Versuch gemacht, vor den ihn begleitenden Fürsten die Gültigkeit seiner Zusagen zu vertheidigen? Wir wissen wie so vieles Andere ans diesen Jahren auch dieses nicht. Für die Fürsten in seiner Begleitung aber wird das Urthcil Wvlfgcrs als desjenigen Mannes, der über die italischen Angelegenheiten unstreitig am besten unterrichtet war, ohne Zweifel maßgebend gewesen sein und zwar um so mehr, weil das kanonische Recht selbst derartige auf grober Täuschung beruhende Zusagen, wie die des Königs waren, für ungültig erklärt, auch wenn ein Eid auf ihre Ausführung geleistet sein tollte. Es bedurfte gar nicht der Hinzuziehung von Rechtsgelehrtcn ans dem nahen Bolognas, um zu solchem Schlüsse zu gelangen: die geistlichen Fürsten, welche im Rathe Ottos saßen, waren dazu wohl selbst genügend mit Rcchtskenntnissen ausgerüstet, um die Nichtverbindlichkeit jener königlichen Versprechungen anssprechcn zu können, welche Jnnvcenz sich jüngst hatte wiederholen lassen. Wie Otto aber erst dann sich zum wirklichen Abschlüsse des Ehcbündnisses mit Beatrix von Schwaben verstanden hatte, als der Spruch der Fürsten cs gegen seine eigenen Gcwissensskrnpel und gegen jede Bemängelung von anderer Seite deckte, so mag er auch jetzt sich wohl gern einer Eut- scheidnng der Fürsten unterworfen haben, welche ihn von der Erfüllung seiner persönlichen Verpflichtungen gegen den Papst entband. Was aber auch damals im Lager des Königs vorgcgange» sein mag, seine Handlungen befinden sich seitdem in thatsächlichcr Uebcrcinstimmnng mit Wolfgers bekannter Auffassung der Dinge: er hat diese sich vollkommen zu Eigen gemacht. Den von dem Legaten zum Rcichsgrafcn der Romagna ernannten Rudolf de Tricano beließ er in diesem Amte^) „nd von Jmola ans schickte ') Ich nehme au, daß dieses im Lager bei Bologna statt hatte; wenigstens ist Wolfgcr hier znm ersten Male Zeuge. Bereitsten 'mußte die Tcrritorialkrugc jedenfalls einmal werden und wenn vielleicht eine förmliche sentsntia prineijnim über sie gesucht worden ist, würde sich auch erkläre», wie Otto s. I!Ins. e. 52 darauf geratheu konnte, von einer generalis ourin in Bologna zu berichten. 0 So nimmt Langerfcldt S. >32 ohne Grund an, wahrend er S. 280 vortrefflich die mittelalterliche Auffassung des BcrsprechnngseidcS entwickelt. Da die Bischöfe dieser Zeit wohl ohne Ausnahme stndirt hatten, fehlte cs Otto an Rechtskundigen in seiner Umgebung durchaus nicht. Er hatte übrigens gleich nach seinem Eintritte in Italien den Hofrichter Heinrichs VI. Passaguerra von Pia- cenza, dann auch Monachns de Billa von Mailand bei sich gesehen, welchen er wie jenen selbst zu Hofrichtcrn ernannte; ebenso den Bischof Heinrich von Mantua, welcher nachher Vorsitzender des Hofgerichts ward, also doch wohl juristisch gebildet war. S. o. S. 177 Amu. 2. Demselben folgt dann Ovonarclus de Vricnno. Ficker II,-1! 3. Seine Titulatur ist nach den von Ficker genommenen Abschriften der dort erwähnten Urkunden am 28. November k2kOi Ovonnräus de Vricnuo aomes et in tota. Ilomnnin ck. imp. Oetnnis proenrator et Uominus, und in eigener Urkunde 10. December !2I0: Onus Oennardus clo Vrionno totius liomanie eomes. In einem anderen zur letzten Sache gehörigen Schriftstücke heißt er Lomes llomandiolae. Kittarelii, 2^.d serhit. rer. ItnI. rmeess. u. -168. Otto's IV. Romfahrt, 1209. 191 er den Markgrafen von Este in die Mark Ancona, natürlich nicht deshalb, weil sie demselben vom Papste verliehen worden war, sondern als Könipsbotcn zur Wahrung der Rechte des Reiches ft. Die damals in Otto sich vollziehende Wandlung wird auch daran erkennbar, daß in einem ungefähr um dieselbe Zeit, da Wolfger bei ihm erscheint, an den Papst gerichteten Schreiben ft von dem bisher gebrauchten königlichen Titel endlich das demnthigendc „von des Papstes Gnaden" abgestreift ist. Bei seinem Eintritte in Italien von einigen Boten des Papstes begrüßt, ordnete Otto bald nach seinem Uebcrgangc über den Po eine Gesandtschaft an denselben ab, deren Stattlichkeil ebenso sehr dem Glanze seines eigenen Auftretens als den früher geäußerten Wünschen ft des römischen Bischofs entsprach, welcher gerade durch Fürsten um den Bollzng der Krönung hatte gebeten sein wollen. Der Kanzler selbst, Bischof Konrad von Speicr, stand an ihrer Spitze; ihm waren die Bischöfe Konrad von Bripen, Johann von Cambrai und Heinrich von Mantua, dann der von Jnnocenz oft verwendete ft Scholaster von S. Gereon in Köln Magister Heinrich, der Reichstrnchscß Gunzelin, der Kämmerer Kuno von Minzenberg ft und ein gewisser Finabuche beigegcben O Am K September sollen sie in Vitcrbo eingetroffen sein ft. Was auch ihre Aufträge gewesen sein mögen — denn jede nähere Bezeichnung des Gegenstandes ist ft OsrnrU. älnnris. p. 21 : IIP ü. rex inisit inarelnouem in innrelram ^.nsonns, und einige Zeilen weiter: st sio ivit nnirelno in nmreüain ^neo- uno. Für die von mir angenommene Deutung dieser Stelle, welche Ficker entgangen zu sein scheint, fällt außer dem Zusammenhänge, in welchem sic erscheint, auch der Umstand ins Gewickt, daß Azzo in den Urkunden Otto's nicht innr- süio Vneonas heißt und daß Otto in dem vor Azzo's förmlicher Erhebung znm Markgrafen von Ancona gegebenen Privileg für Matclica 12. Oktober 1209 wiederholt von seinem nnntins in der Mark spricht. Vota iinp. nr. 210. Vgl. auch die Gclcgenhcitsarcnga in Otto's Lchnsnrknndc für Azzo 2 n. Januar 12 lO: IinporirUio sininontio sslsitnclo prselara snornin tickslium ssrvitin prs venlis ssinpar Iialisrs oonsnvvit, noüilss gnogns viros st sos, gni ^iro üilatancko iniperinlis oorons so! io teinpors paeis st iverrs ticls- litsr st strsnno plnrimos Inöoros sts. toleravernnt. oongwnis üouoridns ste. üseorars. ft USA. Us NSA. imp. nr. 100. ft Us^. Uo naz;. inrp. nr. 177. S. 0. S. 140. p) Vgl. z B. ibick. nr. 174. ft lieber den Kämmerertitel desselben s. Ficker, Reichshofbeamte S. 64. ft Itvtz'. tellnng schuldig zu sein, daß auch der Schein eines gegen ihn geübten Zwanges vermieden werde. Die Krönung solle ihm bedingungslos gewährt werden; darnach wolle er gern Alles ihn», was Rechtens sei H. Es war genau derselbe Standpunkt, welchen die stanfischen Kaiserin diesen territorialen Fragen eingenommen hatten, nur dadurch einiger Maßen gemildert, daß die Kirche, wenn cs zu einer Nach- wcijnng ihres Rechtes kam, dabei von Otto's persönlicher Dankbarkeit immerhin einige Nachsicht und Erleichterung erwarten durfte. Der König blieb im klebrigen fest und Jnnoeenz wich zuletzt auch hier. Er begnügte sich mit jener allgemein gehaltenen Zusage Otto's, daß er das wirklich erweisbare Recht der Kirche anerkennen wolle, und er ließ die Forderung eines besonderen Eides fallen, da die Rechte, welche wirklich der Kirche im mathildischcn Gute , im tus- cifchen Patrimonium und ohne allen Zweifel über das Königreich Sicilicn znstandcn, ja durch den in jedem Falle zu leistenden Krönungscid sichergcstcllt wurde». Im Grunde blieb dem Papste Anderes gar nicht übrig als dieses Nachgcben. Jnnoeenz hatte freilich es in seiner Hand, durch Versagung der Krönung im letzten Augenblicke dem Könige eine empfindliche Demüthignng zu bereite», und es heißt, daß einige Kardinale ein solches Vorgehen gebilligt haben würden^). Doch was wäre damit gewonnen gewesen? Bestand auch nur die geringste Aussicht, daß aus diesem Wege günstigere Ergebnisse erzielt werden konnten? Das Reich war jetzt geeint, seine Fürsten selbst schienen eifersüchtig über die Gerechtsame desselben zu wache» und der König, 9 Reimchronik V. 0044: Ido pndos «mlto, da? dar Im e Indto gs- grvoreu, ova? da üs)'ssi-i- didovoren dos padsges dottou Utensil, dos solto der Irgerwn, da? solts der im rvider Ia?en. ... 1)sr doniue dat. «in,? liebsten ssgen im gebe nnct de rvignnge snnder v>>rdeglldnnge. 8va? der dnnns 20 rsedte gölte, »Idetalla der da? tlmn wolts; nent I? dnedte im ninl den sinen der droncu uledt derlied selnnon, da? der in so ddnngds. Id er pndes giuer gernngs volgete. nt da? nedevn ?)vennge ^vorte. de der vorodte sere. Nach llodsrti de klonte eont. lieeneil XVIII, 0-13 wird Otto gekrönt nnninvis onrdinnles >>auei et pars ade,na geuatorum eontrndieerent; nach Onill. Ilrlto idi>>. Xdll. 84 eontrn volnntntem kdidppi regls Vran oorum et eontrndioentidns pro nnaxlma pnrte Itoinnnig, iinmo et innltis de magnatidus imperil non nssentientidns. Mit dem Widerspruche der Römer hat es seine Richtigkeit nnd ebenso daß die Krönung Otto's dem französischen Könige sehr ungelegen kam. Vgl auch Schcffer-Boichorst in Forsch ;. deutsch. Gcsch VIII, 520 Änm. Aber es scheint wenig glaublich, daß nnd welche Reichsfnrsten widersprochen haben sollten, nnd so wird auch der angebliche Widerspruch einiger Kardinale nicht zu stark betont werden dürfen. Die französischen Schriftsteller haben vielleicht, was sie wünschten, für Wirklichkeit genommen. Abel, S. 40: ,,französische Einflüsse machten sich geltend"' und Schirrmackcr, K. Frid. Bd. I, 53: „von Frankreich ans wurde gegen die Krönung operirt", geben als Thaisachen, was allenfalls wahrscheinlich sein mag; Vangcrfcldt S. 114 braucht besser ein „vielleicht". Otto's IV. Romfahrt, 1209. 195 der ihrer Leitung folgte, konnte an der Spitze eines zahlreichen und wohlgerüstetcn Heeres, wenn der Bruch nicht vermieden ward, ohne Weiteres sich nehmen, was er für sein Recht hielt, und mehr als das. Denn ein Widerstand' mit den Waffen mußte ganz undenkbar erscheinen, da die päpstliche Autorität nicht einmal im eigentlichen Patrimonium ausreichend begründet war Z, das sicilische Königreich aber, welches sonst wohl einen Rückhalt hätte gewähren können, allen Bemühungen des Papstes und der Hülfe der Arago- nier zum Trotz noch immer in völliger Anarchie darniederlag ^), selbst wieder eine bedenkliche Lockung für einen deutschen Eroberer. Jnnocenz handelte also vollkommen den Umständen gemäß, wenn er durch Nachgeben in solchen Angelegenheiten, in welchen ihm keineswegs ein unbedingtes Recht zur Seite stand, einem Bruche mit dem gekräftigten und einigen Reiche aus dem Wege ging. Sein auf der Ohnmacht des Reiches begründeter mittelitalischer Staat brach allerdings zusammen; aber er rettete aus dem Einstürze desselben wenigstens die nicht ganz unbedeutenden Trümmer, in deren Besitz seine Vorgänger entweder schon gewesen waren oder doch hätten sein können, wenn eine friedliche Auseinandersetzung der beiderseitigen Anrechte des Reiches und der Kirche zu Stande gekommen wäre. Diese Auseinandersetzung nun befördern und die begründeten Ansprüche der Kirche achten zu wollen, das also hat Otto versprochen und auch die Integrität des sicilischen Königreichs, auf welches Jnnocenz, wie man sehen wird, noch mehr Gewicht legte, als auf die unmittelbaren Besitzungen der Kirche, wird von dem künftigen Kaiser im Allgemeinen anerkannt worden sein. Aber eine feste, wohl gar beeidigte Abmachung, welche für die Zukunft alle Zweifel über das Einzelne ausschloß, ist sicherlich nicht das Ergebnis; der Zusammenkunft gewesen, geschweige denn eine Erneuerung der vom Könige im März gemachten ziemlich weit gehenden Versprechungen Ebenso wenig erreichte Jnnocenz sein Ziel, als er in Viterbo das Gespräch auf Otto's Verhältnis; zu Frankreich brachte und sich zum Vermittler eines festen Friedens anbot. Otto wies den Vorschlag rundweg ab. „Wenn ich", soll er gesagt haben, „heuchlerisch auf einen Frieden eingehcn wollte, ich könnte ja vor Scham nicht die Augen anfschlagcn, so lange Frankreich ein Land meines Oheims in Händen hat." Und als Jnnocenz den König darauf hinwies, daß er schon im Jahre 1201 durch Brief und Eid versprochen habe, sich in dieser Angelegenheit seinem Gutachten zu fügen, da erwie- derte Otto ganz kurz und nicht ohne Spott, daß das päpstliche 0 Orvicto hatte eben erst im Sommer das benachbarte Acgnapendente befehdet und beraubt. Innoo. Xxist. XII, 80. -) S. o. S. 92 ff. Dag man auf päpstlicher Seite die Werthlosigkcit derselben erkannte, scheint dadurch bestätigt, daß Jnnocenz, als er am l l. November 1209 Otto's IV. Unterstützung gegen die Albigenser zu erlangen suchte, sich auf das Versprechen desselben vom 22. März gar nicht bezog. 13 196 Erstes Buch, Kapitel IV. 1208. Archiv freilich ein solches Pergament von ihm besitzen werde. Er hatte offenbar sich ganz zu Wolfgers Ansicht von dem vorübergehenden Wcrthc solcher durch die Noth abgcpreßten Zugeständnisse bekehrt. Eine befriedigende Einigung wurde auch in dieser Sache so wenig erzielt, daß Jnnoccnz vielmehr ausdrücklich damals schon seine Absicht erklärt haben will, nvthigensalls dem Könige von'Frankreich zu helfen Z. Zwei schwere Jrrthümer haben die fast vollständige Niederlage der päpstlichen Politik herbeigeführt. Jnnocenz hatte einmal seine Berechnungen überhaupt auf die Voraussetzung gebaut, daß ein König welfischen Blutes an der Spitze des Reiches wesentlich anders handeln würde oder könnte als ein Staufer, und er hatte dann in blindem Vertrauen auf die persönliche Gefügigkeit Ottos die förmliche Zustimmung der Fürsten zu den Versprechungen des Königs cin- znyvlen versäumt. Er übersah, daß der Welfe wohl dankbar sein mochte, aber das Oberhaupt des seiner Kraft und seines Rechtes sich wieder bewußt gewordenen Reiches cs nur in sehr beschränktem Maße sein durfte. Jnnocenz hat diese Jrrthümer mit großen Demüthignngen und mit bitteren Erfahrungen bezahlen müssen, die dann freilich bei ihm nicht verloren waren, sondern ihm später reichliche Frucht brachten. Wie tief er aber auch im Augenblick sein Mißlingen empfunden haben mag, er war groß genug, cs nicht den König entgelten zu lasse», welchen die Umstände und seine Stellung wohl mehr als sein eigenes freies Wollen dazu gebracht hatten, sich den Wünsche» des Papstes zu versagen. Ihre Trennung war ebenso herzlich als ihre Begrüßung -). Dem von Vitcrbo nach Rom vorausgehcnden Papste folgte der Vortrab des königlichen Heeres unter dem Kanzler Konrad von st Erläuterungen VIII. ß. 4. 2) Reimchronik V. 6008. st Nach Oron. äi Vitsrdo, Vontss IV, 686 haben die jungen Männer der Stadt nslla üssta äi s. iVIaria dem Papste ein Fest gegeben st il pnpn ol ssßgisnts äi äs pnrti äa st anäo aä Iloina per In vsnntn äi Osts sto. Diese lokale Ueberlieferung bereitet große Schwierigkeiten. Denn nach der Reim- chronik haben Otto's Gesandte am 8. September den Papst in Viterbo getroffen und da sic erst nach Otto's Ucbcrgang über den Po abgeordnet waren, kann es jedenfalls nicht früher geschehen sein. Gesetzt, daß Otto ihnen ziemlich schnell naebfolgtc, so hat er doch immer die Antwort des Papstes abgcwartct, ehe er sich selbst nach Vitcrbo aufmachtc. Daß aber hier und nicht etwa sonst in der Gegend seine Znsammenknnfi mit Jnnocenz statthatte, kann nach den Stellen S. 182 Anm. 4 nicht bezweifelt werden. Jnnocenz ist also nicht am 8. Scpt., sondern erst später von Viterbo abgercist. Ferner giebt es eine noch ans Viterbo datirte Urkunde des Papstes vom II. September spöttln nr. 3801) und die sonst wohl zulässige Annahme, daß die Kanzlei noch einige Tage nach seiner Abreise dort geblieben sein könnte svgl. Forsch, z. deutsch. Gesch. IX, 468. pottin nr. 35031, muß hier abgewiescn werden, da eben gezeigt ist, daß Jnnocenz in der Tyat über den 8. September dort sich anfhielt. ilnssi, Ist. äi Vitsrüo hat wohl deshalb die Nachricht der Chronik vorsichtig so umschrieben, daß das Fest gefeiert sei in nn Aiorns nlln saer. vsi-Zins äsäiento z ihre Schwierigkeit wurde einigermaßen gehoben werden, wenn wir annehmen dürften, daß unter jenem Ottos IV. Romfahrt, I20'9. 197 Speier und dem Reichstvuchses; Gnnzelin, welche die Znrüstuiiizen des Krönniigsfestes besorge» sollten und um Freitage, dem 2. Oktober in Rom eintrafen. Der König mit dem Hanptheere machte ans dem Monte Mario halt: hier wurde das Lager anfgeschlagen und wie vordem Feinde durch Befestigungen und'Wachtposten ringsum geschützt r). Man hatte von L-eiten der Römer kein freundliches Entgegenkommen zu erwarten. Denn ihr Unwille kannte keine Grenze, weil Otto nach der Einigung mit dem Papste nicht für nöthig gehalten hatte, sich den Eingang in die ewige Stadt, welche seiner Krone den Namen gab, noch durch besondere Zugeständnisse oder Zahlungen an die Bürgerschaft zu erkaufen. Mit den Waffen in der Hand waren die Städter über die eingerückten Mannschaften der Vorhut hcrgefallcn und diese haben sich nur durch eilige Flucht rückwärts über die Tiberbrücke der Vernichtung durch die Uebermacht zu entziehen vermocht -). Dem Bischose Sigfrid von Augsburg erging cs noch schlimmer, als Maricnseste die ootnvn nntivitntis (15. September zu verstehe» sei. Vorläufig jedoch müssen wir gestehe», »übt genau zu wissen, wann die Unterredung des Papstes mit dem Könige stattgefunden hat und wann der Elftere, dem Könige voraus iReimchron. V. 6071; X»n. Oeoonn. p. 298), nach Rom abgercist ist. Päpstliche Urkunden fehlen uns vom I I. Scpt. bis I I. Okt. ganz und gar. ') Arnold. VII. III i I^itnr VI. toria, >gno t'nit post t'sstnm I>. bliolmolis. venit <1. rox ad limiua ö. I'otri eum maK'nn dovotions ndornro sanotos doi npostolos, simul otinm nrdom reAiam omuidns modis Iionoraro. Daß unter limina b. lUatri hier nicht die Peterskirche, sondern die Stadt überhaupt zu verstehen ist, zeigt der Vergleich mit Reimchronik V. IW84 ff. Stach der letzteren ist jedoch die Vorhut, nicht Otto selbst am 2. Oktober vor Rom cingctroffen; da er NN vzmr tnz;o trist NIM 30 Home gekommen sein soll, scheint er er bis 29. September in Viterbo geblieben zu sein. Otto s. IIIns. v. 52: oxor- eitnin oastra motnri nute portns nrliis t'ooit. Ebenderselbe sagt aber auch: n pnpn et liomanis Iionoritioo snsoipitnrz et'. ^Vnn. Ool. max. p. 824: ocenrrente silii pnpn onm onrdinalilms et soiiatn onm lionoro snsoipitur et segnenti dominicn ete. Ich wage diese Nachrichten wegen der sonst bezeugten feindseligen Stimmung der Römer nicht zu verwcrihen, obwohl es ja wohl möglich ist, daß ein Theil der Stadtbchörden den König begrüßt hat. Abel S. 45 und vangerfeldt S. 28.'! lassen das vager in der Ebene anfgeschlagen sein, also etwa zwischen Billa Mcllini und dem nördlichen Thorc der Leonina. DaS ist aus Gründen der Gesundheit sehr unwahrscheinlich, abgesehen davon, daß Otto in monto blalo urkundet. Die Höhe selbst bot Raum genug für das Vager, das auch so NIM NN do mnron (Reimchronik) reichen konnte. '-p Meine Darstellung der Vorgänge in Rom weicht von der Anderer deshalb beträchtlich ab, weil ich ihr den Bericht der Reimchronik B. >>7011 ff. zu Grunde legte, welche sich auch rüdsichtlich der wichtigen Verhandlungen vor der Krönung zwischen Jnnoeenz und Otto bewährt hat. Die Stadtbehörde scheint die Ansrcgnng geschürt zu haben: Hinnen des ivns der sonnt nnd der rat nlliotnllo Irnmon oliorein: so xorneten eto, Gregorius V., 84 Amn. 2 bemerkt, daß die Besetzung dieser Behörden für diese Zeit unbekannt ist. lieber die Unzufriedenheit der Römer mit Ottos Kaiscrthnm überhaupt vgl. die französischen Nachrichten oben S. 191 Amn. 2 Nach Ouill.-Ürito I. o. hat man dann am Krönnngstage selbst gekämpft proptor ipinsdam oxponsns, izuns liomani ^ nk iinporntoro ox dovito potodnnt, ot propter cinnsdnni ininrias, o^nns lioinnnis 4'Iiootonioi irrogmliaut. Vgl. Vino. Dollov. XXIX, 106. Es muß daran erinnert werden, daß auch Jnnoeenz sich nach seiner Wahl kein Dona- tivum hatte abprcssen lassen, Bd. I. S. 97. 198 Erstes Buch, Kapitel IV. 1209. er mit seinen Dienstmmincn und Anderen sich dic Merkwürdigkeiten welche das Ziel chrer weiten Reise barg, näher beschauen wollte. Er sah sich plötzlich in ein Handgemenge verwickelt, Mehrere der Seinen wurden zu Tode getroffen, dic Meisten trugen ans dem ungleichen Kampfe Wunden davon '). Otto aber mußte »ach diesen Vorgängen wohl befürchten, daß dic leidenschaftliche Erregung der Römer trotz seiner 6000 Panzerrciter, der vielen Schützen und des zahlreichen Gefolges seiner Fürsten auch den Vollzug der Krönung gewaltsam zu stören versuchen würde. Er versicherte sich deshalb bei Zeiten der die Peterskirchc umgebenden Levnina und ließ ihre Zugänge von der Stadtseite her, nämlich die Brücke bei der Hadrians- bnrg und das Thor nach Trastevere stark besetzen -). Ter Krvnnngstag selbst, Sonntag der 4. Oktobers, begann mit einer feierliche» Handlung ans dem Monte Mario. Fürste», Grafen, Edelherrcn und Lehnsleute des Reiches gelobten auf Befehl und in Gegenwart dcS Königs dem 'Papste, den Kardinälen, der Kirche und dem Volke Roms unbedingte Sicherheit für Person und Eigcnthum während der Dauer ihres Aufenthalts in und bei der Stadt; der König selbst bestätigte dies in einer besonderen Urkunde''), bevor er sein festlich geschmücktes Heer zur Stadt hin in Bewegung setzte. Von der Geistlichkeit Roms begrüßt und geleitet zog er durch das Thor. Aber man kam nur langsam vorwärts, da allen Vorkehrungen zum Trotz die Straßen der Lcosstadt von dichten Mcnschcnmasscn erfüllt waren, welche nur dann sich theilten, wenn der König mit vollen Händen Silbcrgeld answarf oder dic Lanzcn- schäftc und Stöcke seiner Diener ihm Raum schafften ch. Dieser im Vbron. Ilrsp. erzählte Vorgang kann nicht mit dem der Reimchronik entnommenen zusammengeworfen werden. Nach der letzteren waren die Angegriffenen ein? gvsiucko unel ! stanüo et incks reckennüo. ItsA. cko ne^;. iinp. nr. 192. — IMInnor, lieg. im>> p. 17 hat irrthümlich diese inrninenta. soouritatio für eine Erneuerung der Versprechungen Qtto's vom 22. Mär; 1209 genommen. Daß es nicht gelungen war, die Lcosstadt zu säubern oder daß die Absperrung der Zugänge zu spät erfolgt war — nach -Lun. lioiuluricksür. z>. 120 waren auch viele Fremde wegen der Krönung nach Rom gekommen —, das müssen wir aus Reimchron. V. 6783 schließen, nach welcher während der Krönung Bewaffnete vor der Kirche der souinpliortuiv ckor lioinoro zn wehren - hatten. Damit stimmt dic Notiz des Vi-nolü.: tuet» ost zmoosura uckvonion- tium et oooursautinin nck tzwnckus inonnstorii b. I'etr! 6t oinuis nLj-aüntur via proeossiovi, sock Inrgu manus regis cum inaxima oozna sznu-^obnt nrAsutoos ot tanckoi» vix obtinotur asocnsus. Xov ckoküoruut iniuistri ouin lanesis ot fPtibus roxrimoro tuinultns. Otto's IV. Romfahrt, 1209. 199 Jnnvcenz III., von ollen Kardinalen umgeben, erwartete auf den Stufen der Peterskirche den Zug. Als der König nahte, gingen drei Bifchöfe — es waren wahrscheinlich die Kardinale von Ostia, Porto und Albano, — ihm entgegen, segneten ihn und geleiteten ihn die Stufen hinauf zum Papste, von welchem er, sobald er hier den üblichen Krönnngscid geleistet hatte ^), mit dem Fricdens- knßc begrüßt und nun in die Kirche selbst geführt ward. Während aber in ihren Hallen Gebete und Segnungen in reicher Fülle, wie solche das umständliche Ritual vorschreibt, über den neuen Kaiser sich ergossen, erscholl draußen Kampfgeschrci und das Stöhne» der Verwundeten und Sterbenden. Denn mit blanker Waffe mußten Otto's Ritter dem ungestümen Andrange der Menge zur Kirche wehren, während die anderen Abthcilungcn, welche die 9 Daß der Eid vor der Kirche geleistet ward, scheint um diese Zeit als herkömmlich erachret worden zu sein, vgl. die beiden Rituale Non. Oerm. Osx. II, 188. 193, und Otto 8. Illns. e. 52 sagt es ausdrücklich, was bei seiner sonstigen Unzuverlässigkeit in diesem Abschnitte freilich nicht viel beweist. Reimchron. Vi <>800 erwähnt den Eid nur gelegentlich, aber mit dem Zusatze: der rvns dem gelisli, den Irer srvor nc> Ilrnnsrvieli. Daß Otto jemals gerade in Braun- schwcig dem Papste geschworen haben soll, ist sonst nicht bekannt und gehört mit zu den vielen Jrrthumern des Chronisten über das Braunschweiger Pfingstfest. Vgl stangerfeldr S. 270. lieber den Inhalt des Eides kann nach den in Erläuterungen VIII. Z 4 gesammelten Zeugnissen kein Zweifel sein. Wenn aber Oni». Lrito. lieo. XVII, 84 von diesem Krönnngßcide sagt: instrnmontis pntzlieis super lioe oonteotis et. nnpernll elmrnetero vontirinntis, so dürfte dem wohl eine Verwechslung mit jenen, Sicherhcitscide zu Grunde liegen. — Bei dieser Gelegenheit kann ich den Wunsch nicht unterdrücken, daß Jemand endlich einmal den Verlauf der Kaiscrkrönung in ihren einzelnen Stufen und die Wandlungen derselben so im Zusammenhänge und gründlich darlegen möge, wie Zöpffcl cg in seinem Buche über die Papstwahlcn gcthan hat. Eine solche Arbeit ist jetzt durch Waitz, Die Formeln der deutschen Königs - und der römischen Kaiscrkrönung, Abhdl. der Gott. Ges. d. Miss. Bd. XVIII, wesentlich erleichtert worden. Vgl. besonders das. S. 49 ff. Von jenen beiden Ritualen, die ich ungefähr dieser Zeit zurcchne, dürfte das zweite kürzere vielleicht bei Friedrich II. in Anwendung gekommen sein, da nach A. Mai fick an dasselbe seine Krönungs- gesctzc anschließcn. Jelirsilier, l>s eereinonlis ete. Hiss. IInI. 187! p. 32 will es gerade auf Otto IV. beziehen, lieber das erste vgl. Waitz S 54. 55 Anm. 2. Ein ordo liomnnns, wie mir scheint, unbenutzt: Nnroinnn, Imt. elnss. XIV. eod. 228. toi. 119. — Llervnsins 'I'illier., der wohl zur Zeit der Krönung Otto's in Nom gewesen ist, knüpft in seinem I-iüsr de mirnlnlibns mundi ' an die kaiserlichen Insignien folgende Bemerkungen: I, ! o Imperator pomnm nnreum lsrt in sinistrn planum tnvilln at oinara, nt par nur! t'nlgorem Alorin notetnr imperii at. per t'nvillnm levis Alorino tem>>ornlis trnnsitns designetur. I, 1t> vom Schwert des Engels im Paradiese: Iluius Alailii vxeinplo, sorsnissims imp., plndins tuns ntrnczne pnrte seenrs dedst, eo mz-sterio, nt nui per dsnin enstiAn.tor dsbes esse nliornm, primo tun. seees vitin. — II, 18: Xees ünee uovn et inusitntn eommutntio lnoit, nt pnpn solus insignin lernt imperinlin at imperntor Romnnns nomsn iinpv- rinle tenent suü vnlgnrilius nliornm regnm insiFnibus etv. Xovn disere- tione imperntor nominntur nt dominus, eonseorntnr nt non dominus. Xsinpe imperinlin non neeipit insiAnin, nnno sil>i sol! pnpn oollntn eon- servnt, st nd nltnrs modionm in clextro lntere ünsiliens s. IVtri sonss- erntnr n solo pnpn, enni s diverso pnpn imperntoris insixnin tenent et nd nltnrs s. I^otri tnntnin innnstionem snseiplnt. Erstes Buch, Kapitel IV. 1209. 200 Eingänge zur Leosstadl hüteten, längst schon im heftigsten Kumpfe mit den Römern standen. Solche Storungen ölieöen sreilich kaum einer Kaiserkrönnng erspart; die Krönung Otto's IV. zeichnete jedoch sich durch die Hartnäckigkeit ans, mit welcher gefochte» wurde. Diese läßt sich übrigens keineswegs ans nationaler Antipathie der Römer gegen die deutschen Krieger ablciten. Denn Otto hatte nicht blos Deutsche, sondern offenbar mit guter Absicht auch Italiener und in erster Linie gerade diese de» Städtern entgegcn- gestcllt H. Neckereien der letzteren, welche die Wachtposten auf der Tiberbrücke nicht ruhig hinnchmcn mochten 2), haben hier schon am frühen Morgen zu einem blutigen Zusammenstöße geführt, in welchem indessen die Römer den Kürzeren zogen. Da sie nun an dieser Stelle nicht durchdringen konnten, eilten sie zu ihren Landsleuten hinüber, welche gleichzeitig die Kaiserlichen an der Porta S. Spirito ch angegriffen hatten. Die Verluste ans beiden Seiten waren bedeutend; doch konnten die Römer ihren Zweck hier ebenso wenig erreichen. Erst Nachmittags st, nachdem die Krönnngsfeicr- lichkcitcn beendet waren, räumten die Kaiserlichen ihre Stellungen und da, bei dem Rückzüge durch enge und überfüllte Straßen, mögen sic noch manche schwere Einbuße erlitten haben st. Die Krönung war vollzogen: Papst und Kaiser erschienen wieder in ihren Prachtgcwändern draußen auf den Stufen des Domes. Nun pflegte sonst der kirchlichen Feier ein vom Papste gegebenes Festmahl zu folgen und Jnnoeenz hat in der Thast das Herkommen beobachtend, den Kaiser zu solchem geladen. Der Weg zum Lateranpalastc wäre indessen unter den obwaltenden Umständen nur durch neues Blutvergießen zu eröffnen gewesen und dieses zu 0 Mailänder an der Tiberbrücke livin. I.eod. p. 062 und gerade hier begann der Kampf. Auch die IO Ritter von Faenza haben mitgefochten Wolos. p. 120, und Ezclin von Romano wird von lierard. Kauris, p. 21 das Lob gespendet, daß er super oinnss üeiiandi optinuit prineipatum. Vnds t'ortius Aratiain iinpsratoris ei oinnium prluelpnm ampliavii. 2 ) Sehr anschaulich Reimchronik B. 0735: befunden se ul de uuse sesren (up de vüts stets 2h, desellien des nlne lenen u. s. w. lind.: ul dar sucler ende. 0 idid. N. 6750: Der Kampf dauerte tun ro none. st Dafür, daß der Kampf beim Abzüge am heftigsten war, scheinen livin. wsod. p. 662 (in poria civitatis) und (dsrard. Kauris. I. v. sin reditu) zn sprechen. Da werden die Römer eben nachgedrängt haben, während die Kaiserliche» sich erst durch die Straßen der Leosstadt Bahn brechen mußten. Nach Rcimchron. L. 6828 kamen sie ins Lager zurück sunder Prosen seiradvu. Aber liein. Weod. i. e.: inuiii vuinerati, pauei inortui, vepn inuiti ex utrague parte eveidsruni. Ttmn. Oasin. z>. 310: iioinanoruni ipiiiiusdam, d'iieuto- nivnruin piurivus intervinptis. Der Bcrlust scheint am meisten gesteigert bei 6uüi. llrito i. e.: inuiti de wiieutonieis oeeisi sunt st piuriinuin dainiiiti- vati, adso ut, eum de dainnis siüi rssarviendis axerst postva Imperator euin liomanis, diesrst, ss in iüo iisiio 1100 eguos ainisisse prvtsr iroini- nss oevisos et aüa dainna. sDiese Stelle ist von ^.ün-ivus p. 8uu nnd dord. eiiroii. bei Karat, ^.ntiiz. IV, !W8 wiederholt.) lioverti de Konto vont., liseuvü XVIII, 313: in url>v lioma luit iieüuin tribus disdus inter partes — ganz riibtig, wenn die Zusammenstöße der früheren Tage mitgereckmet werden. Otto's IV. Romfahrt, 1209. 201 vermeiden, lag sowohl im Interesse Otto's als auch in dem des Papstes, welcher gewiß nicht wünschte, daß jener zu sehr iu die Streitigkeiten mit den Römern verstrickt werde. So geschah es, daß Otto zwar die Einladung des Papstes ablehnte, dieser aber auf die Bitte des Kaisers, vielmehr sein Gast sein zu wollen, mit Freuden einging. Otto hielt ihm beim Anfsteigcn den Bügel, ritt dann ins Lager voraus, um den Gast gleichsam an der Pforte seines Hauses zu empfangen, und führte ihn noch zwei Meilen weiter bis zu dem Orte, wo die Gezelte zum fröhlichen Schlüße des großen Tages bereitet waren H. Als sie hier schieden, war cs für immer. 0 Arnold. VII, >9 und Rennchron. V, 0832 stimmen hier in der Hauptsache überein, daß nämlich der Papst zu Otto kani. Mit der Darstellung dieses Pfahles schließt die der Reimchronik zu Grunde liegende Reichsgeschichte, die offenbar über die Ereignisse vor und bei der Krönung vortrefflich unterrichtet ist. Unmittelbar darauf V. 6847 ff. wird die Reimchrouik auffallend dürftig. Ihre Angabe: ss trslrüstsu dnunsn oder 2 (vs mils, nämlich von Rom öder von Pf. Mario, trifft auf Jsola Farnese, wo Otto noch am 7. Oktober 'I'lleiusr, Lod. (11x1. dom. tsmp. I, 43 geurkundet hat. Die Rllckwärtsbewegung seines Heeres scheint also schon am Nachmittage des Kröunngstages selbst begonnen zu haben. — Den beiden sächsischen Berichten gegenüber, welchen zu mißtrauen kein Grund ist, da sie sich sonst bewährt haben, steht die ganz vereinzelte 'Nachricht der äuu. Oessau. 298: Oslolirnto saeritisio eoronntionis d. pnpa volsns rsvsrti Itomam, non poterat proptsr Innumsrnldlss sczuitss Veutonieos, . ttstri, 'I'Iioiusr I. 43, erkennt die Hcrrschaftsrechte der römischen Kirche auf Massa Trabaria das obere Thal der Foglia, westlich von Urbino) an. Uebrigens scheint es auch nach der Krönung noch zu allerlei Gewaltthätigkeiten zwischen Kaiserlichen und Römern gekommen zu sein. In der visMtatio iutsr Iloiuaiu et zmzuriu vom Jahre 1215 I-sibu. Her. rvr. IZruusviv. II, 527 wird wenigstens der Ikoma, vom Papste eingeworfen: ttostizuniu ckiackoiua susoepit, vires exereuit iu ts use tun suseipers voluit vsualia. vsunm, iiumo prus- ckuri, Piock vt i>,sa t'atsdoris. Die lloma entschuldigt es jedoch p. 528: czuock non Otouis ex iruperio t'nit; iiniuu czuuin oito eoAuovit. vetuit uodisczuo libsutor iucke satistisri inssit. lieparutio prneclns uiuplius iu cleonplo va- luit guam praecka: czuick Oto ulterins potnit, ? 2) IIsA. cke usA. irup. ur. 103. Der päpstliche Kämmerer 8. (—Stephan de Fossauova Vluuuer I, 40; Ficker IV, 276), welcher diesen Brief dem Papste iiberbrachte, wird wohl auch die Ausfertigung des Kaisers vom 7. Okt. (s. vorher) erwirkt haben, der Brief also ebenfalls in Jsola Farnese geschrieben sein. Daß die hochwichtige Angelegenheit n. A. ein usAvtiuiu torras betraf, zeigt die Antwort des Papstes (folg. Anm.), und daß es sich vornehmlich um die tuscischen Streitobjekte handelte, Erläuterungen VIII. §. 4. Jahrb. d. dtsch. Gcsch. — Will leliiiaiin, IV. 14 210 Zweites Buch, Kapitel I. 1209. Otto selbst bemerkt hotte, leicht unberechenbare Weiterungen veranlassen, wegen derer Jnnocenz gern auf einen solchen Besuch des Kaisers verzichtete. Der Papst seinerseits scheint von den Römern mit Gewalt zurückgehalken zu sein und sah sich außer Stande, der Einladung des Kaisers nach einem Orte außerhalb der Stadt Folge zu leisten War aber wirklich eine Unterredung der beiden Souveräne nothwendig, war sie überhaupt nur geeignet, um jene Territorialfragen zu erledigen, deren Detail vielmehr eine rein geschäftsmäßige Behandlung in historischen und juristischen Deduktionen erheischte? Darin daß Jnnocenz der letzteren den Vorzug gab, lag doch keine Unfreundlichkeit gegen den Kaiser, wenn dieser vielleicht auch lieber summarisch verfahren wäre, und in des Papstes Aufforderung an Otto, im Vereine mit ihm auf ein Mittel zu sinnen, wie die Ansprüche des Reiches und der Kirche am besten ausgeglichen werden könnten, spricht sich doch eben nur das Vertrauen ans, daß es jenem aufrichtig um einen solchen Ausgleich zu thun sei. Jnnocenz nimmt auch sonst während der nächsten Wochen an, daß Otto im Allgemeinen geneigt sei, seinen Wünschen gerecht zu werden, und derer giebt es mancherlei. Er ersucht ihn, dem Abte von S. Sisto zu Piacenza den von dem reichsfrcundlichen Cremona vorenthaltenen Besitz von Guastalla und Luzzara wieder- znverschaffen -); Angriffe von Deutschland her ans den zum Kampfe gegen die Heiden gerüsteten König von Dänemark nicht zu dulden ; dem Grafen Simon von Montfort gegen die Albigenser Beistand zu gewähren 4); die Revision des Prozesses nicht zu hindern, in welchem Bischof Ekbert von Bamberg wegen Mitwissenschaft bei der Ermordung König Philipps geächtet worden war^). Würde Jnnocenz alle diese Wünsche geäußert haben, wenn er nicht auf Berücksichtigung derselben durch den Kaiser gerechnet hätte? 0 Jnnocenz versichert in seiner Antwort vom I i. Oktober ItsK. de neZ. wrp. NW 194: IkoLninus iKitnr, lpmtenus Iioe pro rnalo non buben», euin non vvlnntntis nn'eetus, seit ueeessitnlis nrtienlns sit in euusa. Der kaiserliche Kaplan Mag. I. sollte seinen Herrn über die Motive der Ablehnung näher unterrichten, der päpstliche Kämmerer Stephan (s. vorher) über die territorialen Fragen Auskunft geben. — Mit diesem Briefe schließt leider das berühmte RsAistrnin, dem wir zum größten Theile unsere Äenntniß der päpstlichen Politik in den Reichsangelegenheiten 1198—1209 verdanken. Der Mangel einer ähn- licken Sammlung macht sich bei den folgenden Jahren sehr empfindlich geltend. '0 Xotn bnp. nr. 919 vom 10. Oktober. Die Auffassung, als ob in der an Otto gerichteten Mahnung: ealninpnbrtores buiniliss, cpii nitnntur in bonis eoelesinstieis äsgrassnri, schon ein Mißmuth des Papstes sich ausspreche (Forsch, z. deutsch. Gesch. VII, 296 Anm. 6) theile ich jetzt ebenso wenig wie die vulgäre Ansicht, daß der Zwist zwischen Otto und Jnnocenz gleich nach der Krönung ansgebrochcn sei. I'ipiüt. XII, 104 vom 31. Oktober. Es ist dabei wohl an Angriffe von Seiten des Bischofs Waldemar oder seiner Anhänger gedacht. 0 lliiist, XII, 124 vom I I. November. Es ist sehr der Beachtung wcrth, daß Jnnocenz sich hier keineswegs auf Otto's Versprechen vom 22. März bezieht, XkA. äs new. bnp. nr. 189: super erncliennclo beretiee prnvitutis .srrore unxilinin äubbnus et operain et'kienevin. r) I-ipist. XII, 118 vom 13. November. Vgl. Bd. I. S. 478. Kaiserliche Restauration in Italien, 1209 und 1210. 211 Dieser aber ist, als die Zusammenkunft mit dem Papste sich zerschlug, schon in der zweiten Woche des Oktober von Jsola Farnese aus auf derselben Straße, auf welcher er gekommen war, wieder nordwärts gezogen. Am 12. lagerte er schon bei Monte- fiascone^); am 21. kam er nach Siena 2 ). Obwohl er auf diesem Rückmärsche gerade die zwischen ihm und dem Papste streitigen Gebiete durchschnitten hatte, wird Nichts berichtet, was als einseitiges Vorgreifen, als Versuch einer gewaltsamen Entscheidung der schwebenden Fragen gedeutet werden müßte Dem Schweigen der Ueberlieferung entspricht die Thatsache, daß unter den verhältniß- mäßig vielen Urkunden, welche die Kanzlei des Kaisers in diesen und den folgenden Wochen über mittelitalische Verhältnisse ausfertigte, nicht eine einzige sich findet, welche auf die dem Ausgleiche Vorbehalten»« oder gar ans die unzweifelhaften Bestandtheile des ') 2^ctn imp. nr. 230. ^ ^.nn. 8sucuses, K. 0. 8s. XIX, 227 auch über den Empfang durch die Geistlichkeit vor der Domkirche. h Ich bin mir vollkommen bewußt, hier in einen Widerspruch gegen alle bisherigen Darstellungen der Geschichte Otto's zu treten, nach welchen derselbe gleich nach der Krönung die tuscischeu Gebiete gewaltsam occupirt haben soll; vgl. Ilölimcr, licA. iinp. p. XVIII und 48; Abel S. 50; Schirrmacherl, 55, Langerfeldt S. 141; Ficker II, 400. Dafür kann man sich eigentlich doch nur auf Onill. Lrito p. 84 berufen: e 0 äein dis, H u 0 corauaiu suscepit, contra Inrninsntuin teurere veuiens, siguitienvit papas sc non possc er ckiinit- tsrs castra, ^nns ab antecessorilnis suis nliczuibus tcinporibus Ineraut posscssa. Scheint hier — abgesehen von der sehr bedenklichen Zeitangabe — eine dunkle Kenntniß von den Ergebnissen der Zusammenkunft zu Viterbo vorzuliegen, so wird doch auf diese Stelle kein großes Gewicht zu fegen sein, weil der Autor von jener angeblichen Weigerung des Kaisers auch seinen Kampf mit den Römern herleitet: kropter Iroc et proptsr lzuasänm sxpeusas, czuas lio- unuri petevnut, orkn luit iutsr cos äiscoräin etc. Ferner: licäicns iuäe iiuperntor, sicut ckuckniu in nuiuro coucezierat, occupavit cnstrg, et uiuui- tioucs, izune ernnt iuris d. ?etri, ^.«zuaurpeuclenteiri, llnckicolnuuiu, s. (jui- ricuiu, Konten! Idlascouis et Isre totaur Itonrnniain et inäs trausiens in ^.pulianr etc. (Darnach Xldric. >I. 890.> Es ist aber den Früheren entgangen, daß Onrill. hier die Ereignisse eines ganzen Jahres znsammenfaßt, so daß ein Schluß ans seiner Darstellung auf den Moment, in welchem die Besetzung jener Orte erfolgte, gar nicht möglich ist. Böhmer I. c. führt für seine Ansicht, daß die Einnahme von Montefiascone re. in den Oktober 1209 fällt, freilich auch (lalvrin. Vlainina und Isrnnc. kipini an, hat aber völlig übersehen, daß der Erstere Kurnt. XI, OKI das Ercigniß mitten unter Borkommnissen des Jahres 1210 berichtet und in der bestimmtesten Weise dafür den 13. Juli angiebt, was doch eben nur 1210 sein kann, während der Andere idiä. IX, 040 die Krönung berichtet und dann fortfährt: Xnuo vsro ssczuenti etc. Unbegreiflicher Weise sind dann alle Späteren Böhmer gefolgt. Rücksichtlich Montcfias- cones läßt sich aber mit größter Sicherheit Nachweisen, daß die Eroberung erst viel später erfolgte, etwa zu Ende August oder zu Anfang September 1210 Xuu. 1Xac. kuslti p. 425 (s. n.); ebenso steht fest, daß die Belagerung von Viterbo wirklich erst im September 1210 vor sich ging. Ficker IV, 287. Die Auffassung des Conflikts mit dem Papste wird durch diese neue Zeitordnung der einzelnen Ereignisse wesentlich nmgestaltct. 14 ' 212 Zweites Buch, Kapitel I. 1209. Patrimoniums Bezug hätte»). Otto also hat nicht nur das nicht gethan, wessen man ihm gewöhnlich Schuld giebt, nämlich unmittelbar nach der Krönung durch srevelhaften Uebcrmuth und Leichtsinn den Bruch mit Rom hcrausbeschworen, sondern er hat vielmehr noch längere Zeit unbedingt an seinem dem Papste gegebenen Worte festgehalten, daß er einer friedlichen Auseinandersetzung ihrer beiderseitigen Ansprüche nicht entgegen sein wolle. Die deutschen Fürsten aber, welche sich, als man am 29. Oktober zur Reichsburg S. Miniato gelangt war 2), in ihrer Mehrzahl sich hier vom Kaiser verabschiedeten^), mochten in die Heimath mit der Zuversicht zurückkehren, daß dem guten Einvernehmen mit der Kirche keine Störung drohe. Nur wenige Deutsche blieben bei Otto zurück; außer dem Kanzler und den Rcichshofbcamten der Patriarch Wolfgcr, die Bischöfe van Naumburg und Cambrai, die Grafen von Görz^) und IPirtembcrg — ein deutliches Zeichen, daß man bei der weiteren Durchführung jener Restaurationspolitik, welche Wolfger schon als Legat erfolgreich begonnen hatte, nirgends Widerstand zu finden und eines bewaffneten Rückhalts in dem fremden Lande ziemlich ») Eine Ausnahme scheint UvA. Ott. ne. 106 sür das Kloster S. Salvator im Gebiete von Perugia zu sein. Aber diese Ausnahme ist sehr bezeichnend: das Kloster war schon von Heinrich VI. unmittelbar unter das Reich gestellt worden, .^otn iinp. ur. 168. Böhmer hat schon bemerkt, daß lieg. Ott. nr. 8s angeblich vom 28. Oktober aus Poggibonzi nothwendig früher sein muß als ur. 82 angeblich vom 27. ans Fiorcntino. Die Ortsangabe in jener ist wohl auf die Handlung zu beziehen. Ficker, Urkundenlehrc H.' 152. Zu den in S. Miniato ansgestellten Urkunden lieg. Ott. ur. 84—88 kommen noch hinzu: Vota. irup. ur. 1968 und Ficker, Forsch. IV, 271 vom 29. Oktober und mehrere bisher ungedruckte vom 30. Okt.. 1. und 2. Nov. 3) Oirrou. I7rsz>.: Iiup. oorountus ckiinisit sxvroituin st ipso euiu Musis in Italia Mriuansit, aoeipiens tsrraiu iu potestateiu. Der Chronist sagt nicht, wo das Rcichshecr entlassen ward. Aus den Zeugenreihen der vervollständigten Regesten verschwindet zuerst gleich nach der Krönung der Bischof von Augsburg (der Grund crgiebt sich aus S. 198 Anm. 1), dann seit 12. Oktober der Bischof von Constanz und der Herzog von Meran; der Erzbischof von Magdeburg aber, die Bischöfe von Wirzburg und Passau, die Herzöge von Baiern und KLrnthcn fehlen erst seit dem 29., so daß die eigentliche Entlassung eben in S. Miniato geschah. Magdeb Achöppenchronik S. 154: uuss disoliM Wackele ckar (Io liours) ^rote rickckersowop uuck sowati'ocks vsle ckes keissrs sro. In cksr iveckelervart to ckarn wauAsuckeu natsr (Acquapcndentel vart sin kriew twisoweu ckvu Kaisers uuck ckeiu wisowoM TVIdreelit, ckat cks bisswop orlok uain uuck ss^o» sik ckar na uieiit mer — in keinem Falle genau, da Albrccht noch bis 29. Oktober am Hofe blieb. Ianickc sieht mit Schirrmachcr I, 62 den Grund des Zwistes in Otto's Vorgehen gegen den Papst und Langerfeldt S. 290 schließt sich dem an, da Albrecht ,.stets sehr päpstlich gesinnt" gewesen sei. Wir wissen, daß das ans Albrccht nicht zntrifst, und da überhaupt bis zum 29. Okt. von einem Zerwürfniß zwischen Otto und dein Papste nicht die Rede sein konnte, müssen wir die Ursache des Zwistes wohl eher in dem Umstande suchen, daß Otto dem Erzbischöfe die Ausführung gewisser Versprechungen nach seiner Heimkehr zugcsagt hatte (lisA. Ott. 63), und da diese ins Unbestimmte vertagt war, es auch an jener fehlen ließ. Albrecht traf am 5. Deccmbcr wieder in Magdeburg ein. Schöppenchron. S- 135. *) Dieser ist vielleicht erst jetzt angekommen, wenigstens erst seit I. November nachweisbar. Kaiserliche Restauration in Italien, 120t» und 1210. 213 entrathen zu können meinte. Und war es noch ein fremdes? Jene nationale Erregung, welche bei dem Tode Kaiser Heinrichs die Halbinsel durchzittert hatte, war in dem dazwischen liegenden Jahrzehent längst wieder geschwunden: die Mannschaften der italischen Städte haben an der Seite der Deutschen ohne Bedenken gegen ihre römischen Landsleute gefuchten und die geistlichen und weltlichen Magnaten der Halbinsel fortwährend den kaiserlichen Hof gefüllt. Jeder bedurfte des Kaisers für seine besonderen Angelegenheiten. Während der nächsten Monate sind so nach und nach mit Otto in persönlichen Verkehr getreten die Erzbischöfe Hubald von Ravenna und Lothar von Pisa, die Bischöfe Mainardin von Jmola, Petrus von Ascoli, Gualtervtto von Luni, Robert von Lucca, Soffrcd von Pistoja, Johann von Florenz, Guido von Arezzo, Gualfred von Chiusi und Jldebraudin von Volterra, der früher selbst Vorsitzender des gegen das Reich gerichteten tuscischen Bundes gewesen war. Unter den weltlichen Großen erscheinen die versöhnten Gegner Azzo von Este, Ezelin von Romano und Salinguerra von Ferrara jetzt wiederholt zugleich am Hofe; neben ihnen die märkischen Grafen Bono von Montefeltre lind Verliest» von Carpegna, zeitweise Graf Albert und sein Sohn Maginard von Prato und der tuscische Pfalzgraf Jldebraudin. Ein Mal gesellt sich ihnen auch der römische Stadtpräfekt Petrus de Vico mit seinem Bruder Theobald zu H. Der kaiserliche Hof wird durch diese Gäste zeitweise fast mehr italienisch als deutsch, besonders da Italien außer jenen ab- und zugehenden Großen noch eine dauernde Vertretung an demselben in dem Hofgerichte hatte, welches nach der Krönung wieder hergestellt und in herkömmlicher Weise mit rechtskundigen italienischen Laien besetzt ward -). Als ihr Vorsitzender fungirte seit dem Decem- ber der Bischof Heinrich von Mantua mit dem Titel eines Reichshofvikars 3). Es geschah gewiß nicht zufällig, daß diese Behörde zum größten Theile aus solchen Männern gebildet ward, welche dem Reiche in gleicher Eigenschaft schon unter Heinrich IV. gedient hatten. Wir Ich beschränke mich hier absichtlich auf die Zeit bis Ende Februar 1210 und benütze für die Liste der wichtigeren Gäste außer den bei Böhmer verzeich- neten Urkunden auch die ziemlich zahlreichen neu entdeckten, welche entweder meist in den -Vota irnp. und bei Ficker, Forsch. Bd. IV abgedruckt sind oder künftig von mir herausgegeben und durch Ficker in den vervollständigten Regesten mit- getheilt werden sollen. 2 ) Was vjx Ait der Erneuerung betrifft, so ist zu beachten, daß Passa- guerra und Monachus de Billa zwar schon 10. August am Hofe sind, Ficker, Forsch. IV, 269, doch offenbar noch nicht als Richter, sondern als Vertreter ihrer Vaterstadt Mailand. Mit dem Titel als Hofrichter kommen sie und Albert Struzius von Cremona zuerst in den zu S. Miniato seit 29. Oktober ausgestellten Urkunden vor. Ficker, Forsch. III, 164 vgl. 464 giebt ein Berzeichniß der unter Otto IV. fungirenden Hofrichter und eine Uebersicht ihrer Thätigkeit. °) Von Otto zu Anfang September an den Papst gesandt (S. 191) erscheint er erst 18. November unter den Zeugen einer ungedrnckten kaiserlichen Urkunde, als Hofvikar jedoch zuerst 12. December, Llomorio Imooüsss I, 204 für Lucca. lieber seine Thätigkeit s. Ficker, Forsch. I, 907/ 214 Zweites Buch, Kapitel I. 1209. müssen nur beachten, daß ein Wvlfger don Apuileja fortwährend um den Kaiser war, ein unentbehrlicher Rathgeber, wenn italienischen Ansprüchen und Bedürfnissen gegenüber von Rcichswcgen Stellung genommen werden mußte. Wie nun sein Grundsatz, daß Besitz und Recht überall und unbedingt ans den Bestand zur Zeit Heinrichs znrückzuführcn sei, schon vorher für Otto's Verhalten gegen den Papst maßgebend geworden war, so wurde er jetzt auch die Richtschnur der kaiserlichen Politik in ihrer Behandlung der Reichs- unterthanen H und Otto folgte ihm durchaus, als es sich zunächst darum handelte, die erschütterten Rechtsverhältnisse Mittelitaliens neu zu ordnen. Die Thätigkeit des Kaisers hat sich bis zu Ende des Februar beinahe ausschließlich dieser einen Aufgabe zngekehrt -) und sie wurde in den meisten Fällen dadurch gelöst, daß er entweder gleich an Ort und Stelle oder nach der dort gewonnenen Erkenntlich an einem der nächsten Rastorte seine Entscheidung traf. Im Allgemeinen aber erfolgte sie ziemlich schnell. Der Kaiser brach am 4. oder 5. November von S. Miniato auf und besuchte in diesem Monate nach der Reihe Fucecchio, Lucca, Pisa und zu Anfang des December endlich Florenz "). Von hier wandte er sich in das dem Reiche zurückgewvnnenc Herzogthum Spolcto: er war am 12. in Foligno H und feierte Weihnachten in Terni °). Foligno sah ihn dann in den ersten Tagen des Jahres 1210") nochmals bei sich, als er von hier aus seinen 0 Vgl. Ficker II, 105. 2) Aus einer Zusammenstellung der im angegebenen Zeiträume.für Italien erlassenen Urkunden ergab sich mir, daß sie — unt Ausnahme allein der Urkunden für den Erzbischos von Ravenna 30. Okt. livA. Ott. ur. 85, für Savoua 18. November lungedruckt), und für Jmola 5. Jan. Archiv XII, 573 — sich nur auf Reichstuscien, Spoleto, Ancona und die Pentapolis bestehen. Die umgekehrte Wahrnehmung läßt sich bei den Urkunden seit Beginn des März 1210 machen: nur ausnahmsweise betreffen sie die mittelitalischen Gebiete. Es ist aber zu bedauern, daß der Mangel eines Registers Lei Stumpfs trefflichem Regesten- werke die Nachweisnngen älterer Beurkundungen so sehr erschwert! in vielen Fällen hat Otto IV. sich diesen ganz angeschlossen. 2- livK. Ott. ur. 89—95. h >Isiuoris Imoalrsss I, 204 vom 12. December; ^leta üup. ur. 1069 vom 13.; lisA. Ott. ur. 96, Xcts iiup. ur. 1070, Oaiuurriui VauuAlis 1,286 für die IIpsmuK-Iü und Urkunde für S. Martin in Lucca, sämmtlich vom 14. December. h Die erste Urkunde aus Terni ist IIsZ. Ott. ur. 97 vom 20. Dec., die letzte ur. 101 angeblich vom 1. Januar. Das Original dieser Urkunde (im Stadtarchive daselbst) hat aber nach TlsiKsIoiu x. 90 den 24. December, so daß die letzte bisher bekannt gewordene aus Terni ur. 100 vom 27. December ist. — Archiv XII, 713 wird eine Kaiserurkunde für die Domherren von Lucca citirt, angeblich vom 3». December, doch ohne Ortsangabe. °) Ilex. Ott. ur. 102 vom 5. Januar 1210. Böhmer ibick. ur. 106. 107 nimmt einen dritten Aufenthalt Otto's IV. in Foligno während des Februar an, weil die Urkunde bei >IittareIU, Xuu. Oswald. IV, 219 für S. Salvator bei Perugia ex spogrsplus veterlbus siusckoiu ruouastsrü datirt ist spuck Vul- giuiuiu 6. ickua Vsbr. Da es nun einfach unmöglich ist, daß der Kaiser am 6. Febr. in Prato, am 8. in Foligno und 10. in S. Ginesio hätte gewesen sein können, verlegt er D. Ginesio über den Apennin und bezweifelt die Datirung der Kaiserliche Restauration in Italien, 120!» und 1210. 215 Rückweg euitrot. Auf diesem ist er durch das südliche Tuscieu über Citta delle Pieve, Chiusist und vielleicht auch über Sicim st zu Anfang des Februar wieder an den Arno gekommen. Nach flüchtigem Aufenhalte in Prato und S. Ginesivst wurde anscheinend in S. Miniato wieder auf einige Tage Rast gemacht st. Dieselben Urkunden, deren Daten es ermöglichen den Kaiser ans seiner Rundreise durch Mittelitalien zu begleiten, sind willkommene Belege für die Conscqnenz, mit welcher die Restauration dort durchgcführt ward. Siena, welches sich aus einer unmittelbaren Verhandlung mit dem Kaiser größere Nachsicht versprochen hatte, als der Legat üben zu dürfen glaubte, wurde zwar der seit Heinrichs Tod rückständige Zins und jeder Ersatz für an- gerichtetcn Schaden erlassen, durch Otto's Gnade und vielleicht auf Fürsprache des Kanzlers"); aber die Grafschaft wurde der Stadt doch nicht wieder zu Thcil, Recht und Pflicht ihr überhaupt nur so zngemcsscn, wie es Heinrich VI. im Jahre 1186 gcthan hattest. Urkunde ans Prato. Ucbcr das Erstcre s. n. Daß aber nicht die Urkunde ans Prato, sondern vielmehr die angeblich vom 8. Februar ans Foligno erlassene (die auch nicht nach dem Original gedruckt ist) eine Unregelmäßigkeit enthält, das schließe ich ans dem Umstande, daß in ihr,1olr. Oamsrincmsis episcopus keinen Bischof von Camcrino dieses Namens scheint es damals nicht gegeben zu haben) d. h. Johann von Cambrai als Zeuge genannt ist, der doch fönst nach dem 5. Januar bei Otto nicht mehr verkommt. Ich glaube annchmcn zn dürfen, daß in der Datirung der Ort der Handlung und die Zeit der Ausfertigung verbunden worden sind. Wenn wir also jene Urkunde und ebenso die nndatirte nr. 107 der Handlung nach in den Januar verweisen dürfen, dann können wir auch verstehen, weshalb gerade Dipold von Accrra unter den Zeugen derselben fehlt, der sonst 0.—12. Februar am Hose nachweisbar ist. st Ilog. Ott. nr. io3. 104; ^ota iinzi. nr. 230. Hier hat wenigstens am 20. Januar das Hofgericht gesessen Ficker IV, 275, und da der Vorsitzende desselben vor und nach diesem Tage Zeuge kaiserlicher Urkunden ist, darf man wohl annchmcn, daß das Hofgcricht auch am 29. den Aufenthalt des Kaisers gethcilt haben wird. st lieg-. Ott. nr. 105. 108; 2 Vot:> iinp. nr. 240. Ein undatirtcs Privileg ck. apnck Oinssnnn für Graf Bcrnelius von Carpegna s. Notizenblatt 1852, S. 369. lieber die von Böhmer irrthümlich angenommene Identität dieses S. Ginese mit einem anderen westlich von Fermo s. Ficker zn ^.ota imp. nr. 240. st Es fehlen Urkunden Otto's zwischen dem 12. Februar (aus S. Ginesio) und seinem ersten Auftreten in Ravenna am 28. Februar, s. u. Dazwischen ist er aber auch in Faenza gewesen. Tolos. p. 132. Ucberfliissig aber ist es zu untersuchen, ob Otto's Aufenthalt in Florenz, ans welchem Viklani (ocl. 1729) I, 140 II die Erzählung von der schonen Gnaldrada bringt, in den Februar 1210 oder etwa in die letzten Tage des Jahres 1211 zu setzen sein möchte, da Philalethcs zur Hölle Dantes Ges. >6, V. 37 bemerkt, daß Gnaldrada, die durch Otto >V. mit dem Pfalzgrafen Guido Gnerra vcrheirathet worden sein soll, schon 1207 urkundlich als dessen Frau nachweisbar ist. Nach Bernard Daniello's Connnentar zu Dante (s. Orig. Onelt'. III, 332) wäre die Scene mit Gnaldrada am Tage Johannis des Täufers passirt: das ist nun vollends unmöglich. V -Vota imp. nr. 1068 vom 29. Oktober. Vgl. oben S. 176 Anm. 2. Die 100 Mark, deren Empfang ein Nuntius des Kanzlers am 17. November guittirt (Ficker Forsch. IV, 272), mögen wohl als Handsalbe gedient haben. °) ibick. nr. 1070 vom 14. December. Der kaiserliche Nuntius Eberhard von Lautern empfängt am 27. December von Siena für den Kaiser 04» Mark, Ficker IV, 275; wir erfahren leider nicht wofür? 216 Zweites Buch, Kapitel I. 1209. Ganz ähnlich erging es Lucca. Nachdem Morianv schon am ZO. Oktober gegen etwaige Ansprüche der Stadt sicher gestellt worden wcirZ, mußten die Konsuln der letzteren am 16. November in Gegenwart des Kaisers und seines Hofes auch die Leute der Gar- fagnana und Verfilm aus der ihnen während der kaiserlosen Zeit aufgezwnngenen Nnterthänigkcit wieder entlassen -), so daß diese -Landschaften unmittelbar unter das Reich kamen, dem Friedrich 1. sie ausdrücklich Vorbehalten hatte Durch diese Gefügigkeit erkaufte Lucca sich dann die Bestätigung einer Menge einzelner Rechte und Freiheiten für die Bürgerschaft selbst Z. — Pistoja durfte gewisse Hcrrschaftsrechte außerhalb des engeren Stadtbezirkes beibehalten; indessen es hatte auch nachznweisen vermocht, daß es diese schon unter den früheren Kaisern bis auf Heinrich VI. besessen Habens. Wurde dem Bischöfe Sofsred von Pistoja durch Wiederholung einer Urkunde jenes Kaisers der damalige Besitzstand bestätigt und gesichert ^), so ging Otto zu Gunsten der Domkirchc von Arezzo noch etwas weiter zurück, indem er alle seit Friedrich I. geschehenen Veräußerungen ihrer Güter für nichtig erklärte'). — Der Bischof von Chiusi hatte in den Jahren der Anarchie seine Stadt, welche übrigens sammt ihrem Gebiete ursprünglich von Jnnvcenz III. für die Kirche in Anspruch genommen worden war, der Gerichtsbarkeit des mächtigeren Orvieto unterwerfen müssen: er empfing sie jetzt mit allen Rechten zurück, welche Heinrich VI. ') Ungedr. Urkunde. Vgl. Friedrich l.: 1185 Juli 25. und Heinrich VI. 1180 September 26. 8truupk. .Vct» nr. 108. 178. Otto's Urkunde wird von Karl IV.: 1355 Februar 3. bestätigt. liox. IxnroU vcl. Huber nr. 1980. 2 ) betreffende Urkunde ist 1228 von der Garfagnana zum Beweise ihrer Unabhängigkeit dem Papste Gregor IX. cingercicht und dadurch im liez-istr. Oweg'. IX Ub. I ur. 175 erhalten worden. Vgl. bln^nrosn, 8torin cki l.ueeu I, 90. Daraus stammen die Drucke in Illustrrm. ck! uu nutieu sitz)Uo cki Ourt'. lvon Oius. Onraiupi). Roma 1759 p. !1, bei INeobi und' nach letzterem bei Ficker IV, 272. Was die Annalen des INalein Iure., blurat. 8er. XI, 1278 darüber berichten, ist fast das Gegentheil von dem wirklichen Inhalte der Urkunde. -) Ficker IV, 198. <) Lleinoris Imeeb. I, 204—206 vom 12. December; in Anbetracht der uurltu obssguia. i^nae tickslss uostri Imovusso eives in priiuo aävsutu nostro hrsi maisstati nostro bouorabilitor oxbibuoruut, erhalten sie das Be- festigungsrccht, Verzicht auf den Bau eines kaiserlichen Palastes, Freiheit vom Fodrum u. s. w., Erleichterungen des Verkehrs nach Parma und Borgo S. Damno und die für die Rcchtsgeschichte wichtige Bestimmung, daß kein iuckox Iboiu- barckio in Imooa plaoituiu oxsi-oeat außer in Gegenwart des Kaisers oder des Kanzlers. Vgl. VaxLnrosa I, 84. — Außerdem erhielten in Lucca Privilegien: die Stiftskirche St. Frediano 2. November und die Kathedrale S. Martin 14. December (ungedrnckte Urkunden, die letzte fast wörtlich wie Heinrich VI.: 1180 September 8. Jtuiujck', Xctn ur. 177 — von Karl IV.: 1355 Februar 4. bestätigt), ebenso Bischof Robert 14. December Heg'. Ott. ur. 90 lbestatigt von Karl IV.: 1355 Februar 15.). Bcthmann erwähnt Archiv XII, 713 uock, eine Urkunde für die Domherren vom 30. December 1209. ^) IlAboUi (ockit. I) III, 307 ot' 8oLoiu. INstor. bist. bei Uartiui I, 89. °) lisA. Ott. nr. 90 vom 8. November: ur. 95 vom 3. December enthält besondere Vergünstigungen durch Otto. ') 24 December 1209, ungedruckt. Kaiserliche Restauration in Italien, 1209 nnd 1210. 217 dem Bisthume verbrieft hatte ft. Der Stadt Foligno wurde zwar die ihr vom Kaiser Friedrich verliehene Besitzurknndc im Allgemeinen bestätigt; Bcvagna jedoch und Coeorone, das heutige Montefalco, wurden ihr von Otto IV. entzogen und zu Reichsbnrgen bestimmt -), ebenso wie in der Mark Matclica, dessen Wiederaufbau er anordnctc und durch verschiedene Begünstigungen zu fördern suchte ft. Die Zurücknahme verlorener Rechte und Güter des Reiches betraf ausschließlich die Communen, weil diese nach dem Tode Heinrichs allein in der Lage gewesen waren, solche sich auzucigneu. Jetzt erfolgte der Rückschlag. Die Selbstverwaltung der Städte wurde freilich wohl nirgends angetastet, aber ihre ganze Stellung erlitt doch eine tief einschneidende Veränderung, als der Kaiser ihre Besitzungen nicht blos auf den alten Stand znrückführte, sondern auch noch über diesen hinaus gelegentlich verkleinerte, in jedem Falle aber ihnen die Handhabung der Grafschaftsrechte wieder entzog ft. Wo diese nicht wie in Äscoli di Marca ft, in Chiusi und wahrscheinlich auch in Voltcrra herkömmlich den Bischöfen zustanden und daher ihnen bestätigt wurden, sind — wenigstens in Tnscien — besondere Reichsbvtcn für die Ausübung derselben bestellt worden, nnd es ist wiederum für den Geist dieser Restauration recht bezeichnend, daß Otto auch iu dieser Beziehung mit unverkennbarer Vorliebe auf die schon unter Heinrich VI. und Philipp von Schwaben verwendeten Beamten zurückgriff, von denen einige, wie Heinrich von Widenwaug, der frühere Graf von Arezzo, sich wohl inzwischen im Lande behauptet, andere aber, wie znm Beispiel der frühere Graf von Siena Eberhard von Lautern, sich wohl erst mit der neuesten Wendung der Dinge wieder dort cingefunden hatten ft. ft Bd. I. S. 355. — ^atn Imp. NI'. 1009 vom 13. December verglichen mit einer vielfach abweichenden Abschrift Betbmanns. — Der Bischof von Vol- terra, der sich im Genüsse der Grafschaft behauptet hatte und damals viel am Hofe war, wird sich wohl eine ähnliche Bestätigung verschafft haben. ft Friedrich I.: 1177 bei Ficker IV, 191 vgl. mit Otto IV. «ohne Datum) das. S. 274: axoipimns vtlam älsvaneam et Oaaooronnm ouin oinnibns suis pei'tinentiis, quin ea sziaaialitsr ack inanur- nostras et ssrvitinin iin- lieili rotinvinns. Die durch Markward im December 1200 geschehene Verleihung von Coeorone an die Monaldeschi, das. S. 258, wurde also nicht anerkannt, ohne Zweifel weil sie im Namen des gänzlich unberechtigten Königs Friedrich von Siciüen geschehen (s. o. S. 37 Aum. 3) nnd natürlich nie wirksam geworden war. Erst im Dienste gegen Friedrich haben die Monaldeschi sich 1211 eine neue Belehnung durch Otto IV. selbst ausgcwirkt, das. S. 299. ft ^.eta iinzn nr. 230 vom 12. Oktober. Die von Friedrich I. im Jahre 1185 Ficker IV, 203 aufgelegten Bedingungen wurden erleichtert: die Einwohner sollten auf dem aasti'niii dem Kaiser statt zweier Häuser nur eins erbauen re. ft Da das bei Lncca und Siena geschah, hat Hartwig, Anfänge von Florenz S. 38 ganz Recht zu der Annahme, daß Florenz nicht besser davon kam. ft Lgl. Bd. I. S. 109 Anm. 5. Bischof Petrus hatte sich erst April 1208 (s. Neues Archiv I, 138) von Kg. Friedrich von Sicilien bestätigen lassen, was er als dessen Inic-Iis aus Verleihung Kaiser Friedrichs I., Heinrichs VI. und seiner Gemahlin tnin In iinpvrio gnain in regno üinosoitur tsnuisse. Ilnill.-Ilröli. I. 130. Vgl. IIvA. Ott. nr. 82 vom 27. Oktober 1209. ft Ficker II, 416. Eberhard von Lautern war 1208 als Begleiter Wolf- gers in dessen erster Legation wieder nack» Italien gekommen. Bd. I. S. 433. 46«». 218 Zweites Buch, Kapitel 1. 121». Eximirt waren und blieben jedoch die Bischöfe, die wichtigeren Klöster und Stifter und einzelne mächtige Geschlechter mit ihren Besitzungen, insofern ihnen Verleihungen früherer Kaiser zur Seite standen, welche sie sich vielfach von Otto bestätigen ließen. Und säst möchte es scheinen, als ob er diesen Elementen bis zu einem gewissen Grade vor den Städten den Vorzug gab; denn dem Einen und dem Anderen unter ihnen hat er doch eine Vergrößerung ans Kosten der Reichsrechtc zugestanden H. Etwas anders gestaltete sich die Organisation der beiden an das Reich zurückgekommenen Landschaften Spoleto und Ancona. Während ein oberster Beamter für das gestimmte Tuscien nicht bestellt worden zu sein scheint, hatte Otto schon ans dem Hinwege nach Rom die Mark Ancona als Amtsbezirk dem gedcmüthigten Azzo von Este Angewiesen ^). Diese Landschaft, in welcher das derbe Auftreten des Legaten Lupoid von Worms doch tiefere Spuren zurückgelassen haben dürfte, als wir jetzt zu übersehen vermögen, hat sich jedenfalls rasch und leicht in den Wechsel der Herrschaft gesunden, so daß Otto seine Rundreise, ans welcher Azzo ihn fortwährend begleitete, dorthin anszndehncn nicht für nöthig smid^) und dem Begründer kaiserlicher Autorität im Küstcnlandc die Herr- schaft desselben dauernd zu überlassen beschloß. Das vom letzten Kaiser gegebene Vorbild hat auch hier wieder bestimmend cingewirkt. Wie Markward von Auweiler die Mark inne gehabt habe zur Zeit des erlauchten Kaisers Heinrich, so übergab Otto sie am 20. Januar 1210 dem jetzt wieder vollständig zu Gnaden anfgcnommcncn Este „seinem geliebten Verwandten" als ein einheitliches Rcichslchcn, welches nach der Belehnungsurknnde die Städte und Grafschaften Ascoli, Fermo, Camcrino, Umana, Ancona, Osimo, Fest, Sinigag- lia, Fano, Pesaro, Fossombrone und Cagli umfassen sollte, und dazu Sassoferrato und Rocca Pcnnini ch. st Das Privileg für dm im südlichen Tuscien mächtigen Pfalzgrasen Jldebrandin vom I. November Eingedruckt) ist nur eine Erneuerung der Urkunde Heinrichs VI. vom 27. April 1195. Bon Privilegien für andere weltliche Große notire ich das vom 4. November 1209 für Graf Albert von Prato und das vom Januar 1210 für dessen Sohn Maginard lieg Ott. nr. 88. 107; vom 21. Januar die Belehnung der Bostoli von Arezzo mit der Burg Cignano (westlich von Gubbios ^.otn imp. nr. 239 und endlich aus dem Februar die allerdings etwas bedenkliche Bestätigung für den Grasen Vernelius von Carpcgna, Notizenblatt 1852 S. 369. Die Zahl der kirchlichen Privilegien aus diesen Monaten ist sehr groß und ihre Aufzählung bleibt daher besser den vervollständigten Kaiserregesten überlassen. Fast durchgängig findet sich aber in ihnen der Ausschluß jeder städtischen Gerichtsbarkeit und Besteuerung. 2) S. o. S. 191. st Außer den schon erwähnten Beurkundungen sür Matclika 12. Oktober, Bischof von Ascoli 27. Oktober 1209, Graf von Carpegna Februar 1210 fällt in diese Zeit noch das Privileg für das Kloster L>. Croce von Fonte Avellana 29. Oktober 1209. Itsg. Ott. nv. 84. Andere Urkunden Otto's für Angehörige der Mark sind mir aus dieser Zeit nicht bekannt geworden. 0 OriA. Omslf. 111, 326 ; livg. Ott. ur. 104 vgl. oben S. 191 Anm. I. Rocca Pennini kann ich nicht Nachweisen , es wird am Monte Pennino westlich von Camerino gesucht werden müssen. Am 13. Mai 1210 nrtheilt Uberians, Kaiserliche Restauration in Italien, 1209 und 1210. 219 Die Ntichkommen Markwcwds haben anscheinend ans seine Stellung in Italien niemals Anspruch erhoben und der Kaiser ivar daher in der Verfügung über die Mark durch Nichts behindert gewesen. Sehr auffällig ist aber seine Vergebung des Hcrzogthums Spoleto, bei welcher die Söhne des früheren Herzogs Konrads von Urslingcn vollständig übergangen wurden, obwohl sie für ihr Anrecht auf die Lehnsfolge daselbst die Anerkennung König Philipps gefunden hatten. Nun mag freilich jener Herzog Heinrich, welcher durch seine Verbindung mit dem Reichslegaten Lnpold von Worms bekannt geworden ist, inzwischen gestorben sein; aber es waren Brüder desselben noch am Leben') und diese sind gleichfalls nicht berücksichtigt worden. Was den Kaiser, welcher doch sonst möglichst an die zur Zeit Heinrichs VI. in Kraft gewesenen Verhältnisse anzuknüpfen suchte, hier zu einer Abweichung von seiner Regel veranlaßt«:, war nicht etwa die Jugend der Urslingcr, sondern das Verbrechen, welches ihr Vater nach Otto's Ansicht am Reiche begangen hatte, als er 1198 zum Schaden desselben in die Unterwerfung Spvletos unter die Kirche willigte. Je mehr der politische Horizont sich zu verdüstern anfing, um so nothwcndiger wurde cs, die wichtige Stellung von Spoleto unter die Obhut eines solchen Mannes zu geben, von dem eine ähnliche Schwäche nicht leicht zu befürchten war. So hat Otto IV. denn, als er im Februar 1210 von seiner Rundreise zu den Burgen des Arnothals znrückgekehrt war, das Herzogthum Spoleto dem zu ihm gekommenen Dipold von Schweinspcnnt verliehen, dem noch lebenden Genossen Konrads von Urslingcn und Markwards von Auweiler, dem einzigen von den Kapitänen Heinrichs VI., welcher an der Spitze deutscher Kricgs- lente sich wirklich in Italien behauptet hatte. Einst ein unfreier Dienstmann der Grafen von Lechsgemünd, war Dipold durch die jenem Kaiser geleisteten Dienste gleich Markward frei und Graf von Accrra geworden; daß er nun sein bewährtes Schwert in den Dienst Otto's stellte, brachte ihm mit der Herzogswürde von Spoleto einen fast fürstlichen Rang ^). juilex ü. J/, 20 nis in Macerata. I'sruLM, kRorin ,1'J.nccmn II, 357. — Ilebrigens hatte Otto schon am 5. Januar für Azzo die Urkunde Kg. Philipps 18. Juni 1207 über gewisse Lehnsgüter im Bisthum Vicenza nnd weibliche Lehnsfolge in denselben erneuert, IIsA. Ott. nr. 102. Eine Erneuerung der von Philipp gleichzeitig ihn, verliehenen Appellationsgerichtsbarkeit liegt wenigstens nicht vor. st S. o. Bd. I. S. 357. r) Dipold kommt bei Otto IV. zuerst am 6. Februar 1210 zu Prato vor und zwar als Graf von Accrra, lieg'. Ott, nr. 105; als Herzog von Spoleto aber schon am 10. und 12. Februar zu S. Ginesio, lieg. ur. 108. 109 und in der erwähnten Urkunde für den Grafen von Carpegna. Die Belehnnngsurkunde ist nicht erhalten, wohl aber eine Erneuerung oder Vervollständigung derselben vom 22. Nov. 1211. OoUer. stnr. ^Inrcl,i§innn II, 69, aus welcher wir sowohl den Grund kennen lernen, weshalb die Urslingcr übergangen wurden (ciux 0. äsmsruit, Incisncio st pncisccnüo contra Imperium, translerenclo Uuentum et eins mnni- minn in nimm in prciuUicium impsrii st nostrnm), als auch den lang vermißten Geschlechtsnamcn Dipolds. Vgl. meinen Aufsatz: die Herkunft Dipolds :c.in Forsch.;. 220 Zweites Buch, Kapitel I. 1210, Es wird bald in anderem Zusammenhänge zu erörtern sein, wie durch die Ernennung dieses Mannes, in welchem seit Jahren aller Widerstand gegen die sicilische Politik der Kurie recht eigentlich verkörpert war, das bisherige Verhältniß des Kaisers zum Papste nothwendig sich verschlechtern mußte. Indessen wenn Otto IV., wie man annehmen muß, damas schon entschlossen war, seine Hand nach Sicilien anszustrecken, so hat er wenigstens die Ausführung des Entschlusses jedenfalls nicht übereilt. Wichtiger als die Eroberung des Südens, der ihm nicht leicht mehr entgehen konnte, und im Hinblick auf diese Unternehmung geradezu unerläßlich, war die weitere Befestigung seiner Herrschaft im Norden der Halbinsel, welchen er bei seiner Krönnngsfahrt nur ganz flüchtig und auf dem kürzesten Wege durchzogen hatte. Das damals Versäumte wurde nun nachgeholt, sobald die Organisation Mittelitaliens vollendet war'). Die letzten Tage des Februar, die ersten des März sahen den Kaiser schon in Ravennas; doch ist von diesem Aufenthalte ebenso wenig zu berichten als von dem Besuche der abgelegenen Ortschaften an den südlichen Pomündungen Volana ch und Pomposa ^). Der dann folgende Aufenthalt in Ferrara ist aber ausgezeichnet durch ein merkwürdiges Edikt gegen die dortigen Ketzer, durch welches geg en sie und ihre Freunde der Reichsbann ansgesprochen und Vermögenseinziehung verfügt wurde ch. In seiner Ausfertigung Gesch. XVI, ISO ff. und dic Bemerkung RiezlerS S. 273. Das dort S. I6'> über sein Wappen Gesagte wird bestätigt durch eine Urkunde des Königs Ladislaus Xapoli, Or. ^reliiv., Ilroesssi Ui 1'SAio paclrouato vol. 188 p. 23, in der eine Urkunde Dipolds für das Bisthum Aversa U. 8alsrui in palatio lerraosu. 1198 Februar confirmirt und das Siegel desselben beschrieben wird: eins siß'IUo aU darum porsi uuius siivsstris in siscism litsris impresso. ') Die Nachweisungen für Otto's wechselnden Aufenthalt in Oberitalien gebe ich, um die Anmerkungen nicht unnöthig anschwellen zu lassen, nur dann, . wenn das mir vorliegende Material genauere Bestimmungen ermöglicht, als sich in Böhmers Regesten finden, oder wenn es wenigstens die Angaben derselben ergänzt. -) Otto kam über Faenza (s. 'I'oiosauus p. 132) nach Ravenna. Hier ist er zuerst am 28. Februar nachweisbar, lisA. Ott. ur. i io mit der von Schum s. Neues Archiv I, 135 gebrachten Berichtigung des Datums; am 2. März ist eine ungedruckte Urkunde für Jmola ansgestellt Archiv XII, 573; vom 4. aus Ravenna Xota imp. ur. 241. Ein wohl nach ächter Vorlage gefälschtes Privileg für Kl. Sesto und eine Vergleichsbcstätigung für Kl. S. Maria della Colomba sind ungedruckt. Dem Aufenthalte Otto's in Ravenna gehört auch vielleicht das nicht zur Ausfertigung gelangte Privileg nir S. Severo de Classc an, ebenfalls ungedruckt. ") 9. März für E. Jakob iu Ursula Volaus, ungedruckt, und in abgekürzter und im Einzelnen auch veränderter Form 2l.sta imp. ur. 245. Eine beglaubigte Copie der elfteren vom Jahre 1346 im Municipalarckuve zu Jmola, mitgetheät durch Ficker, ist durch Ausradiruug des Namens b. staoobi iu Ursula Voiaus in ein Privileg für die Kirche U. I-aursnsii martiris iu Ossaria verwandelt worden. — Dem 9. März, also wohl auch dem Aufenthalte zu Volana,, soll wieder eine ungedrnckte Urkunde für Jmola angehören. Archiv XII, 573. 0 Hier am >4. März, ungedruckte Urkunde für S. Jakob von Volana. 25. März. ließ. Ott. ur. 113. In Äou. Irist. patr. 8oript. III, 1149 ist eine ungedruckte Urkunde aus Ferrara iiir Kl. Staffarda erwähnt, ohne Tagesangabe, aber mit 1210, imp. I. reZu. 12. also hierher gehörig. Kaiserliche Restauration in Italien, 1209 und 1210. 221 im Besonderen auf Verhältnisse in Ferrara berechnet, scheint dieses Edikt doch nur die gelegentliche Aeußerung eines Glaubeuseifers zu sein, welchen der Kaiser damals allgemeiner zu bethütigen für angemessen hielt. Dem Bischöfe von Turin wurde aufgegeben, seine Diöcese besonders von den Waldensern zu reinigen ^). Es ist aber ein wunderbares Zusammentreffen, daß die Kaiser des 13. Jahrhunderts solchen Glaubenseifer gewöhnlich erst dann an den Tag legten, wenn für sie selbst kirchliche Censuren in Aussicht standen. Uebrigcns hat Otto seinen Aufenthalt in Ferrara auch dazu benützt, um die durch den raschen Wechsel der städtischen Oberleitung gewiß gründlich aufgeregten Portcileideuschaften zu besänftigen und weiterer Rivalität zwischen Azzv von Este und Salingnerra vorzu- beugen. Der Frieden, welchen sie auf Befehl des Kaisers damals eingingen, ließ jenem freilich Herrschaftsrechte in der Stadt, zu deren Podesta Otto aber von sich aus einen früheren Dienstmann König Philipps in Tuscieu, Hugo von Worms, ernannte; die Anhänger Salinguerras durften jedoch heimkehrcu ?), und dieser selbst ist für das, was er aufgab, reichlich entschädigt worden, indem Otto ihm wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit die dem Reiche wieder gewonnenen Herrschaften Medisina und Argelata verlieht). In diesem Falle dürfte Otto die Belehnung an Ort und Stelle vorgenommcn haben, als er von Ferrara nach Jmola ziehend jene Herrschaften berührte. Er war wenigstens schon am 29. März in Jmola ^), welches die Herstellung seiner Rcichsfreiheit Wolfger von Aguilcja verdankte und mit Hülfe des von ihm eingesetzten Grafen der Ro- magna endlich im Januar die Einwohner von Castel Jmolese zur Unterwerfung gebracht hatte, vorbehaltlich der Zustimmung des Kaisers. Diese scheint nun nicht erfolgt zu sein ^); ja es würde nur u Vloir. bist. pntr. 8oript. II, 488 freilich ohne Daten. Daß man in der Umgebung des Kaisers die Verhältnisse der obcritalischen Ketzer längst ins Auge gefaßt batte, zeigt die Nachricht des Lassar. Ilsistorl,. vial. miras.V, 25 über den Besuch, welchen auf dem Hinwege nach Rom Bischof Johann von Lamk-rai, Scholaster Heinrich von S Gereon und Mag. Hermann von Bonn der solioln eniusckain Irvrssinrslms abstatteten. 2) Xnn. Vsrrar. VI. 0. 8s. XVIII. 063 (ob. LIrron. Hst. Vlurat. XV, 302: llist. miss. Ilouon. idick. XVIII. 250); Xnu. VIntin. Vlnrat. XI, 57.— Volos. p. 132 sevt den Frieden in den April, jedenfalls zu spät, da nach Xun. Lsrr. derselbe von Otto persönlich in Ferrara diktirt wurde. Vgl. Ficker II, 412. — Die Xnn. Lromon. VI. (4. 8s. XVIII, 805 nennen Hugo von Worms potestatsin Vsrrarino st pro ipso iinperntoro; die Vitn Ilissiarcki, VInrat. VIII. 123 imporatoris viearium. Diese Bermuthung von Vssi. 8toria äi llornaKua II, 274 hat daran einigen Halt bekommen, daß Salingnerra sich später seinen Ncbertritt zum Papste ebenfalls mit Medisina ec. bezahlen ließ. Urvinsr, Lock, ckorn. tsinp. 1, 46. ») Ungedruckte Urkunde für die Abtei Montmajour bei Arles. °) 8avioli II '>, 305. 3o7. -- Vgl. Vssi, 8toria cki Iloma^na II, 270. 272 not, und Ficker II, 407. IV, 273. Die Entscheidung dieser Frage ist von der Publikation der drei Urkunden Otto's für die Stadt Jmola 1210 Jan. 5., März 2., März 9 (s. Archiv XII, 573) abhängig. 222 Zweites Buch, Kapitel I. 1210. der allgemeinen Richtung seiner Politik auf Aufhebung der städtischen Unterthänigkeitsverhältnisse entsprechen, wenn er, wie Jnwla selbst von der Herrschaft Bolognas und Faenzas losgemacht worden war, nun wieder Castel Jmolese von Jmvlas Herrschaft befreit Hütteft). Obendrein wurde dadurch dem stark verkürzten Bologna einige Genugthuung bereitet. Im April ist er dann über Bologna, Modena und Reggio, überall nur flüchtig verweilend, nach Parma gegangen, wohin eine „Sprache" berufen gewesen sein soll ^). Wird uns nun gleich nirgends ausdrücklich gesagt, welches der Zweck dieser Versammlung gewesen, so dürfen wir doch vcrmuthen, daß sie im Hinblicke auf die vom Kaiser geplante Unternehmung gegen Sicilien anberaumt war und daß cs sich hier namentlich darum handelte, die oberitalischen Städte für die Unterstützung jener Unternehmung willig zu machen. Sei cs, daß man sich über das Maß der Leistungen schnell einigte, sei es daß die Anforderungen des Kaisers, wie eine späte Nachricht lautet, hie und da auf Widerspruch stießen 3), jedenfalls ist die Tagfahrt bald geschlossen worden. Er ft Dafür, daß dies wirklich geschehen ist, scheint auch der Umstand zu sprechen, daß Otto in seinem späteren «chntzbriefe für Jmola eben nur die in Jmola selbst Wohnenden seines Schutzes versichert. Ficker IV, 287. Diese kai serliche Politik mag vielfach dazu beigetragcn haben, daß die Unterthanen der Städte auf gewaltsame Befreiung dachten, s. o. S. 171 Anm. 6. 'I'olosanus p. 132 sährt dann fort: Xiino itagus ck. 1209 eomss zialvioinus et rckis öatz'naealiallsiisss rolietis ckoinidus, Mas eoaeti Vavsntis tseerant, ckoniuin rsversi, llurgum IlaAnaeaballi inuuirs ospsrunt pro viribus. (Quorum Knickern exempio inontanarii nostri eolisetas ne alia cksbita ssu eonsusta svr- vitia prorsus nsAantss, Auerram eivibus laeers prssumpserunt. ' J.nn. klaesnt. Ouelti p. 425 über die Reise des Kaisers. Oalvau. Vlamma Nurat. XI, 664 setzt den Einzug in Bologna anf den 5. April. Für die Feststellung des Aufenthalts in Bologna- kann Otto's Ernennung eines Notars lieA. nr. 117, ^vta imp. nr. 244 nicht verwerthet werden mit: Ilononie 5. ickus apr. 9. April), da die Jahresdaten inck. 3 imp. 7 offenbar in dem Formelbuche, aus welchem diese Ernennung stammt, der ars notaria des Lai- nerius ?srusiuus, ebenso fingirt sind, wie bei der in der Handschrift folgenden, welche Otto zu Bologna 10. Februar 12!4 in Gegenwart des Markgrafen Dietrich von Meissen, des Grafen Guido von Tuscien und «alingnerras von Ferrara angeblich vollzogen haben soll. Die Tagesangabe der ersten steht obendrein im Widerspruche mit einer am 8. April schon in Parma super palatium ck. impsratoris durch Otto geschehenen Investitur, llianeolini Veseovi s g-overn. äi Verona p. 23. Zwei üudatirte Urkunden aus Parma für Kl. Ceredo ungedr. lieber den dortigen Hoftag haben wir nur die Nachrichten der ^nn. lillaeent. 1. v. -. in czua statuit eolloczuium, und Xnn. ?arm. p. 667: Isoit ooueilinm in ei- vitats Uarms. Vgl. folg. Anm. ft (ikalvan. Vlamma. Llurat. XI, 664: vsnisns karinam idi eoneilium oonKrsAavit, Obi liest a Nsckiolausnsibus et ipsorum parte, czuock vellst, obtiiieret, attamsn nsczus mareliio Ilstensis oum 't'srononsibus et Verra- riensikius subckitis nee (Irvmonsnsss nee Vapisnses impsratori obeckirs volusrunt. Ist die Beziehung ans den Feldzug gegen Sicilien richtig, dann sind wir auch berechtigt, den Inhalt der kaiserlichen Forderung Xuu. lÜae. Oaislt'. p. 425 : per eivitates I^ombarckiae petiit a reetorivns uuiusvuiusigus eivi- tatis auxiliuni militum, czui in Xpulie exereitu ssvuiu prolieisei ckebsrsut — hierher zu ziehen. Uebrigens hatte Otto schon im Februar von Faenza Diannschasten für den Feldzug erbeten. Volos. p. 132. Kaiserliche Restauration in Italien, 1203 und 1210. 22Z hat schon am 12. oder 13. Parma wieder verlassen ^), um am 14. in Piacenza einznzichen, dessen Bürger schon sehr früh mit Mailand zusammen für ihn Partei ergriffen hatten und deshalb, indem sie ihn mit größtem Jubel bei sich aufnahmen, in ihrem Gaste gewissermaßen sich selbst feiern durften 2). Ein mißliches Geschäft fand hier seine Erledigung: die Stillung der von Handelscifersucht genährten Fehde zwischen Pisa und Genua, an welcher das Jahr zuvor die wohlgemeinte Friedensvermittlung des Papstes völlig gescheitert war ^), der Rcichslegat Wolfger aber, wie es scheint, sich nicht einmal versucht hatte. Otto aber hatte die beiden Städte schwören lassen, daß sie sich rücksichtlich ihres Streites unbedingt seiner Entscheidung unterwerfen wollten, und zum Empfange derselben ihre Abgeordneten zu sich berufen. Wem sollte er aber Recht geben? Von beiden Seiten war in den letzten Jahren dem Gegner möglichst viel Schaden zngefügt worden, von beiden Seiten wurde die Beschuldigung erhoben, daß die Gegenpartei damit zuerst vorgegangen sei: es mußte einfach unmöglich sein, über die zum Theil an fernen Küsten erfolgten Zusammenstöße nachträglich ins Klare zu kommen. Nachdem die städtischen Machtboten von Bologna an dem kaiserlichen Hoflager bis Piacenza gefolgt waren, wurde ihnen hier die Weisung, daß Genua und Pisa zunächst ans zwei und ein halb Jahr die Waffen ruhen lassen, inzwischen aber ihre beiderseitigen Gefangenen dem Kaiser in Verwahrung geben sollten. Das ist dann auch geschehen: die Genuesen wurden in Fucecchio und San Miniato, die Pisaner in Alessandria internirt und, obwohl fast sämmtliche Jnternirte sehr bald entkamen, blieb die vom Kaiser befohlene Waffenruhe anscheinend doch in Kraft 4). Von Piacenza gelangte Otto am 17. April nach Mailand"), in die Stadt, welche er selbst an Ehren über alle anderen Städte des Kaiserreiches zu erhöhen gelobt hatte, wohl ohne recht zu wissen, wie das bewerkstelligt werden könnte. Die Mailänder mochten die Erfüllung dieses Versprechens darin finden, daß Otto ihrer Obhut die Reichsinsignien übergab ; denn dazu ließ er sich auch den ') Otto hat am 12. April noch in Parma geurkundet ^ota iinp. nr. 245. Die Zeugen einer aus Borgo S. Donino für Kl. Columba (ohne Tag) datirten ungedruckten Urkunde: Erzbischof Lothar von Pisa, Bischof Bernard von Pavia, Sicard von Cremona, Heinrich von Mantua und die Podesta von Bologna und Cremona, sind ohne Zweifel auch Theilnehmer der Sprache von Parma gewesen, lieber die Sicherstellung Borgo's für das Reich s. Ficker IV, 405 Amn. 4. 2) Xnn. klae. Ouslti I. o.: ckis insrourii XIII. insnois aprilis. Mittwoch war der 14. April. Am 15. ist Otto dort geblieben, ließ. Ott. nr. 119. ") Xnn. stanrms p. 127. 128.— lüpist. Innoo. XII, 55 vom 20. Juni 1209. ') ^ui>. stanuae p. 129 einzige Quelle. Es ist wichtig zu bemerken, daß von dem genuesischen Stadtschreiber dem Kaiser durchaus nicht Parteilichkeit für Pisa vorgcworfen wird. ^un. Itlsckiol. Non. darin. 8vr. XVIII, 391. Östron. Ilrsp.: InsiAnia iinpsrialia npnck Nsckiolauuin eoininisit, nncks innAnnin tstvoroin a Neckiolanonsistns ae^nisivit. lieber die angebliche Krönung zu Mailand s. Erläuterungen VIII. Z. 2. 224 Zweites Luch, Kapitel I. 1210. treuesten Freunden gegenüber nicht leicht herbei, zu ihrem Besten auf wirkliche Rechte seiner Krone zu verzichten oder um ihretwillen von seinen sonst festgehaltenen Grundsätzen abznweichen. Nur der Inhalt ihrer von Friedrich t. und Heinrich VI. erhaltenen Privilegien wurde erneuert Z, nur diejenigen Besitzungen ihnen gelassen, auf welche sie ein Recht beweisen konnten. Die Edelherren von Locarnos und die Gemeinde Trcviglio^) wurden aber als reichs- Nnmittclbnr anerkannt. Dem Hoflager in Mailand, welches sich bis zum 23. April ausdehnte ^), folgte am nächsten Tage der Besuch von Pavia P und diesem gegen Ende des Monats oder am Anfänge des Mai ein Aufenthalt in Lodi^), dessen Besorgniß, Otto könnte ans Kosten dieser Gemeinde und ihrer Unabhängigkeit seinen Dank an Mailand abgestattet haben, erst einer ausdrücklichen Erklärung des Kaisers wich, daß dies nicht geschehen sei. Uebrigens erhielt auch Lodi nur diejenigen Besitzungen und Rechte bestätigt, welche es zur Zeit Heinrichs gehabt hatte. Cremona, wohin Otto sich demnächst begab'), konnte nicht einmal soviel erreichen. Denn wenn dieser Stadt einfach die Verleihungen Heinrichs erneuert worden wären, hätte man ihr auch die Jnsula Fulcherii und Crema überweisen müssen, welches doch seine Unabhängigkeit mit Hülfe Mailands bisher glücklich bewahrt u Auszug ohne Daten nnd mit hehr verstümmelten Namen der Zeugen bei (linlioi, Ooenmsnti illustrativ! s8toria cli 4lilano. Nom. VII. sä. 1857) p. 150. ^ Xota imp. ur. 210 vom 10. April. Erwähnt bei (liulini, 4'om. IV sä. 1855, x. 177 zum 21. April. Das Original soll in Mailand sein, war aber 1874 nicht zu finden. Außer den bei Böhmer und Amn. 2 verzeichnet«: Urkunden aus Mailand notire ich noch: April 22. für Chiaravalle, ungedruckt. Das von Chiara- valle aus gegründete S. Maria de Flastris bei Camcrino hatte sein Privileg schon am 20. empfangen, ks§. Ott. ur. 120. ^1 Zu den drei bisher bekannten Urkunden aus Pavia Itsg. ur. 121. 125. 126 lvon letzterer ist in Mailand ein Transsumpt von 1262) treten hinzu: April 25. für Guido de Rhodes, nach Mittheilung Fickers im Auszuge gedruckt bei 8os.elßa, 8toria äi Domo ä'Ossola 75; April 27. für Kl. Breme Ilist. patr. monum. Oluu-t. II, 1257. Der Kaiser hat wenigstens am 27. sein Quartier in der Reichsabtei S. Salvatore vor der Stadt gehabt, lisx. uv. 126. Hierher gehören neben UsA. ur. 127—129 noch: 'Mai l. für Lodi Ficker IV, 279; Mai l. für Chiaravalle, ungedruckt; Mai 2. für Bischof von Bobbio, ungedruckt, Archiv XII, 692; endlich eine undatirte Urkunde aus Lodi für Kl. Cercdo (blos mit 1210, inä. 13), von der mir ein Auszug aus einem Copialbuche des Klosters im Mailänder 'Archive durch Wüstenfeld initge- theilt ist. Eine der Daten ganz ermangelnde ungedruckte Urkunde für S. Paul in Parma, kann wenigstens nicht später ausgestellt sein, weil Wolfger von Aquileja noch unter den Zeugen ist. ') Daß der Aufenthalt in Cremona während des Mai, vgl. Xnn. Orsmou. Vlou. tlsrin. 8er. XVIII, 805, vor dem Besuche in Brescia stattfand, wird gegen Böhmers Bedenken durch ein Notariatsinstrument vom 6. Mai, betr. Abraam de Malfiastris, sichergestellt. I Kaiserliche Restauration in Italien, 1209 und 1210. 225 hatte ff. Für Ottv IV. aber sind hier natürlich die gleichen Erwägungen maßgebend gewesen wie bei seiner Entscheidung über Castel Jnwlese. Wenn er überhaupt, wie es scheint, die Freiheit der früher vom Reiche preisgegebenen kleineren Gemeinden sich angelegen lassen sein wollte, konnte er unmöglich damit beginnen, eine bisher freigebliebene Gemeinde von sich ans ihrer Freiheit zu berauben, ganz abgesehen davon, daß bei Crema die Rücksicht auf Mailand mindestens ebenso sehr ins Gewicht fiel, wie bei Castel Jmolese die Rücksicht ans Bologna und daß Cremona, welches auf der Sprache zu Parma den sicilischen Plänen des Kaisers sich nicht angcschlossen haben soll-), dadurch seiner Gunst sich eben nicht empfohlen hatte. Da aber andrerseits Cremona sich doch auf den Vorgang des letzten Kaisers berufen konnte, es auch mißlich sein mochte, dieser an der Spitze der stets dem Reiche getreuen Städte stehenden mächtigen Gemeinde allzusehr vor den Kopf zu stoßen, scheint Otto den Ausweg gewählt zu haben, daß er seine Entscheidung vertagte, jedenfalls die Freiheit Cremcks nicht ohne Weiteres anerkannte. Aber daß er diese Frage offen hielt, das Waran sich schon für Cremona wenig günstig. Cremona lag ferner mit dem Adle von S. Sisto in Piaeenza über Gnastalla und Lnz- zara im Streite, indem Heinrich VI. diese Güter der Stadt verpfändet, die Kurie sie aber dem Abte zugesprvchen hatte ff, und auch hier scheint Otto der unbequemen Entscheidung vorläufig ans dem Wege gegangen zu sein. Die Cremoncsen aber haben unter diesen Umständen wahrscheinlich lieber ganz auf eine Bestätigung ihrer Privilegien durch Otto verzichtet, als von ihm eine Urkunde empfangen wollen, welche nicht voll und ganz die früheren Rechtstitel ersetzte ff, und sie werden dieser Vorgänge gedacht haben, als nicht allzulange darnach an sic die Wahl herantrat, ob sie Otto IV. treu bleiben wollten oder nicht. Dinge wieder anderer Art harrten des Kaisers, als er am 15. Mai in Brescia eintraf. Es handelte sich hier nicht um territoriale Streitigkeiten, sondern um den Hader der städtischen Faktioncn, welcher durch das Dazwischentreten Wolfgers von Aqui- leja doch nur vorübergehend gedämpft worden war'. Hatte dieser dadurch zu helfen gemeint, daß er den Bürgern die Wahl ihrer Beamten entzog und von sich aus einen Podesta ernannte, so wußte Otto auch hier nicht Besseres, als seinem Beispiele zu folgen. Er machte am 22. Mai den Thomas von Annone, seinen Lehnsmann im königlichen Palaste zu Turin, zum Podesta von Brescia ^). » «MS»»«!».-« Heinrich VI. vom 25. November 1191. Toeche S. 610. 612. Vgl. Bd. I. L. 645 und oben S. 171 Anm. 6. ff S. o. S. 222 Anm. 3. ff Vgl. Jnnocenz 71 l. IZ. Oktober 1209. VMa Imp. nr. 919. ff Ficker, Forsch. II, 407. ff ^rm. Ilrix. LI. 6. 8or. XVIII, 817. Daß Otto doch wohl der Ritterpartei günstiger war, scheint sein Privileg für den Grafen von Casaloldo vom Juhrb. d. dtsch. Gesch. — W i Iikc lm,111 II. ento IV. 15 226 Zweites Buch, Kapitel I. 1210. Bcrganw wurde auffallender Weife gar nicht besucht. Der Kaiser ging nämlich van Brescia, welches er spätestens am 25. verließ, unmittelbar nach Lodi zurück^), und dann sogleich über Vercclli -) weiter in das obere Gebiet des Po, in welchem das Reich seit dem Tode Heinrichs gänzlich unvcrtrcten geblieben zu sein scheint. Drei Wochen wurden dieser Gegend gewidmet, Turin und Alba, weiterhin auch wohl Asti besucht, nachdem dieses seinen Frieden mit dem Reiche ebenso wie andere Gemeinden gemacht hatte, nämlich durch Auslieferung des vccnpirten Reichsgutes und insbesondere der wichtigen Burg Annonc. Es war als eine besondere Gnade zu betrachten, daß Otto auf einen Ersatz für den ans solchem Gute gezogenen Nutzen verzichtete; die rückständigen Jahrcszinse hat aber Asti wohl nachzahlen müssen d, lieber Alessandria-'), 25. Juni (s. u.) zu zeigen, lieber Tiiouun- äs Toriuo s. Bd. I. S. -tl Amu. 8. — Zu den drei Urkunden BöhmerS aus Brescia vom 15 20. Mai ist zu bemerken, daß ur. 130 bei Sudendorf, Braunschw. Urkbch. I, 4, ur. 131 aber bei 8ouusumuu, Dst'susio Limit, s. Xuärsas, Beilage zu 4 gedruckt ist. Vom 15. Mai (ohne Ort) ist eine in der vorliegenden Form sicherlich unächtc Urkunde für den Patriarchen von Aguileja bei Duttasvui, Del patr. Volclisru p. 45, vgl. Bd. I. S. 476 Aum. 1: vom 16. für s. Prosper zu Reggio nach dem Vorgänge Ä. Heinrichs (7. Juni >104) bei Xtt'arosi, blsm äi s. Droszi. 1, 141: vom 20. aus Brescia aber ein Schntzbrief und Exemplion für den Hofvikar Bischof Heinrich von Mantua bei ä'Xrco, 8t»ria äiblautova Vli, 171. Eine mir von Ficker mitgetheilte neuere Abschrift hatte VIII. Kat. iuuii (— 25. Mai), wohl kaum richtig. p ItöA. Ott. ur. 140. — Beurkundung eines Rechtspruches zu Gunsten des Bischofs Friedrich von Trient ä. apuä uastruin izuoä äivitur Drei (Orzi östlich von Soncinol steht an falscher Stelle. Es muß des Ortes wegen mit einer gleichzeitigen Copie in Wien statt 7. Irak. iulii vielmehr 7. üal. iuuii gelesen werden (— 26. Mai). An demselben Tage urkundet der Kaiser auch schon in Lodi, lieg. »r. 134. D In I1s§. Ott. ur. 135, Privileg für Bologna, ist mit Recht ä. apuä Vsroellas 3. Iral. iulii in iuuii (— 30. Mai) verbessert worden. Aber auch in dem Vertrage des Kaisers mit Pisa Xota imp. ur. 1071: ä. iu eivitats Vsrosllsusi 3. uouas iuuii scheint das Datum einen Fehler zu enthalten, weil es mit der Richtung der kaiserlichen Reise ganz unvereinbar ist. Ist nicht eine Verwechslung von Datum und Xotuiu anzunehmen, so wird ebenfalls 3. Ical. iuuii gelesen werden müssen. ^1 Für Vezzolano NisosII. äi storia ä'ltal. I, 318 mit azmä Tanrinuu, 6. uouas iuuii aus einer Bestätigung Heinrichs VII. von 1310, vielleicht IV uouas iuuii — 2. Juni. Denn an diesem Tage empfängt dort Kl. Casanova bei Carignan ein Privileg (vgl. 8tuiupl, Xsta ur. 422), im Auszuge bei blu- letti, 8tor. äi 8aIu^oo 11, 157. ^) Für Asti Xotum apuä Xldaiu 13. Juni, Dat. 14. Juni Xsta iiup. ur. 248, vgl. Ficker, Forsch. II, 406. Eine aller Daten entbehrende Urkunde für die Domherren von Verona idiä. IV, 282 ist ungefähr in diese Zeit zu setzen. 5) Dsriuauuus xitau. bl. 0. 8or. XVII, 374: Otto überträgt hier prasssuts eines Daevaris inultisgue tsrro uostrs uobilidus dem Herzoge von Baiern die Entscheidung des Streites zwischen Niederaltaich und den Grasen von Bogen. Kaiserliche Restauration in Italien, 1209 und 1210. 227 Tortona, Piacenza und Borgo S. Dvnino H kehrte der Kaiser- endlich am 25. Juni nach Parma zurück^). Sein Verhalten auf der damit beendeten Rundreise durch Oberitalien entspricht durchaus dem vorher in Tuscieu beobachteten. Nirgends gewährte Otto mehr, als von seinen Vorgängern im Kaiscrthume gewährt worden war. Die Parteistellung der einzelnen Städte, ihre früher bethätigte Anhänglichkeit oder Gegnerschaft hat dabei keinen bemerkcnswerthcn Einfluß gehabt: die erwähnten Privilegien für Mailand, Lodi und Asti, ebenso die für Parma, Bologna H und das kleine LonigoH beruhen durchaus auf jenem Prinzipe der bedingungslosen Restauration. Ucbrigcns wurden in Oberitalien auch die weltlichen und geistlichen Herren, welche in sehr großer Anzahl dem heranziehenden Kaiser cutgegenzukommen und ihn dann eine Zeit lang zu begleiten pflegten °), mit demselben Maße gemessen, auch für sic, wie ziemlich zahlreiche Urkunden namentlich für Bisthümer und Klöster beweisen, die Zustände des Jahres 1197 zur Norm gemacht. Um nur Eins auzuführeu: das Privileg, welches Erzbischvf Hubald von Ravenna sich schon am 30. Oktober 1209 verschafft hatte, enthielt nicht mehr als eine Bestätigung der Verleihungen früherer Kaiser; er verlor also damals die Reichsherrschaft Bertinoro, deren er sich im Jahre 1202 bemächtigt hatte, wenn sie ihm nicht etwa schon durch den Legaten Wolfger genommen worden war Wo der Kaiser aber von seinem Prinzipe abwich, wie zum Beispiel bei Jmola und Cremoua, geschah es immer in der Weise, daß sowohl die Reichsgewalt als auch die Unabhängigkeit der einzelnen Gemeinden dabei gewann. Es ist ihm ferner nicht eingefallen, Alessandria, welches sich erst nach dem Tode Heinrichs VI. der Herrschaft der Markgrafen von Montferrat entzogen hatte, denselben wieder zu unterwerfen. Ales- 0 24. Juni Ficker IV, 281; demselben Tage gehört das auS Borgo gegebene Privileg für Albcnga an Hoxs- nr- 136, wo jedoch 8. knl. inin statt innii zn lesen ist. '-) 25. Juni rrpnä pnrinaui fiir den Grasen Albert von Casaloldo, in schlechtem Abdrucke Oäorivi VII, 58, mir durch Ficker zugänglich ans einer besseren Abschrift von 1285 im Archive zu Mantua. llvs-. Ott. nr. 134 vgl. nr. 143; nr. 135 vgl. S. 226 Anm. 2. ') ck. npnck 5Intiim.ni 29. Juni, nngcdrnckt z. B. die Erzbischöfe Lothar von Pisa, Hubald von Ravenna, Ubert von Mailand; die Bischöfe Meinardin von Jmola, Matthäus von Ceneda, Adelard von Lerona, Johann von Brescia, Wilhelm von Como, Aldrich von Lodi, der berühmte Sicard von Cremoua, Opizo von Parma, Bernard von Pavia, Ali- prand von Bercelli, Jakob von Turin, Bonifa; von Alba, Guidotto von Asti, Hugo von Alessandria und Acqui, Opizo von Tortona; die Markgrafen Wilhelm von Montferrat, Manfred von Sajnzzo, Berenger und Manfred Lanza von Busea, Otto und Heinrich von Carretto, Wilhelm von Malaspina; die Grafen von Castclio, Rufin von Lomello, Egidins von Cortenuova; A;zo von Este, Ezelin von Romano, Salingucrra von Ferrara, Petrus Travcrsara von Ravenna n. A. °) ützlielli (1. cnlit.) II, 377. Vgl. Bd. I, 114 Anm. 5. 115 Anm. I. Die an lebter Stelle über Bertinoro ausgesprochene Ansicht ist bei Ficker III, 449 berichtigt. 15 228 Zweites Buch, Kapitel 1. 1210. sandria hat vielmehr durch ihn am 26. Juni 1210 vom Reiche die erste Anerkennung seines Rechts auf Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit erhalten, „wie andere edle Städte unbeschadet der kaiserlichen Justiz sic haben Z". Die Reichsgewalt wirkte also auf manche Theilc viel unmittelbarer als früher ein, und natürlich am kräftigsten da, wo der Kaiser sei es wegen innerer Parteiungen, sei es um den Nebenbuhlerschaften benachbarter Dynasten zu begegnen, für die Verwal- tung der Städte selbst die Podesta ernannte. In Vicenza hatte er damit gleich nach seinem Eintritte in Italien den Anfang gemacht und einen Bürger von Piacenza Wilhelm de Andito zum Podesta bestellt 2 ); dieser mußte jetzt Ezelin von Romano weichen, weil derselbe als Podesta und Rektor von Vicenza die gewaltige Strafsumme einzutrciben versprach, in welche die Stadt von dem Kaiser vcrnrtheilt worden war 3). Die Spaltungen in Ferrara waren, wie wir sahen, die Ursache, daß Otto dieser Stadt ebenfalls von sich aus einen Podesta gabU. Aus gleichem Grunde empfing auch Brescia seinen Podesta aus der Hand des Kaisers und Aehuliches mag doch öfters geschehen sein, als zufällig berichtet wird. Daß aber Otto IV. mit solchen außerordentlichen Maßregeln m die Selbstverwaltung der Städte eingreifen und vielfach ihre Macht durch Entziehung der Grafschaften und Befreiung der im Laufe der Zeiten untcrthänig gewordenen Gemeinden untergraben durfte, ohne dadurch einen sichtbaren Widerstand hervvrzurufen, wird zum Theil aus dem wirklichen Bedürfniße der von langer Parteiung heimgesuchtcn Gemeinden nach einer festen Ordnung zu erklären sein, wie sie allein der oberste Herr zu verbürgen schien, zum Theil aber auch wohl aus der Erkenntniß, daß Otto sich dabei durchaus nicht von einseitigen Parteirücksichten leiten ließ. Sein ganzes Verfahren in Tuscicn und noch mehr in Oberitalien zeigt im Gegcntheil das deutliche Bestreben, sich eine Stellung über den Parteien zu bewahren, von der aus dann den Einzelnen zugethcilt und gewährt werden mochte, soviel das Interesse des Reiches und die politischen Anschauungen des Kaisers gestatteten. In seinem Hosgerichte waren Mailand und Piacenza, aber auch Cremona, Pavia und Ferrara durch einheimische Juristen vertreten ^). Schwierigere Fragen, welche die augenblicklich schweigenden Parteileidenschaften wieder Hütten wecken können, ließ er lieber in der Schwebe, als daß er durch eine förmliche Entscheidung dem einen Theilc Anlaß geboten hätte, ihn für einen parteiischen Begünstiger des anderen y Ungedruckte Urkunde aus Parma. Bgl. Bd. I. S. 41; Ficker III, 438. 2) S- o. S. 185 Amu. 3. y llerarck. cVIaurio. p. 22: lisversus ost nunc Imperator et aoucksm- uat eto., also wohl als er nach Oberitalien kam; Luton. OocUus p. 87. ') S. o. S. 221. lieber dies Bestreben des Kaisers vgl. außer den im Obigen angeführten einzelnen Thatsachen die allgemeinere Darlegung bei Ficker II, 406 fs. « Kaiserliche Restauration in Italien, 1209 und 1210. 229 Theils zu erklären. Das konnte er freilich nicht vergessen machen, daß er der König war, zu welchem die mailändische Städtegruppe von Anfang an gehalten hatte; aber er hat Mailand nicht mehr zugestanden, als was auch Cremona hätte empfangen können, wenn es sich mit der Anerkennung seiner wirklich unzweifelhaften Rechte begnügt hätte. Der hauptsächlichste Gesichtspunkt, dem Otto in Reichsitalien gefolgt ist, war und blieb die Zurückführung des Standes von 1197 und diesen wandte er nun auch auf sein Verhältniß zur Kirche und zu Sicilien an. weites Kapitel. Ursachen und Beginn des Zerwürfnisses mit dem Papste, 1210. Als Jnnocenz am 11. Oktober 1209 seinen Kämmerer Stephan zur Verhandlung über das tuscische Patrimonium an den Kaiser absandte i). war er durchaus zu der Erwartung berechtigt gewesen, daß mit einigem guten Willen ein befriedigender Ausgleich sich werde finden lassen. War nun der gute Wille nicht da oder, wie es wahrscheinlicher ist die Schwierigkeit einer glatten Abgränzung der beiderseitigen Ansprüche zu groß — genug, die Verhandlung, an welcher zeitweise auch die Bischöfe von Mantua und Cambrai betheiligt gewesen zu sein scheinen^), führte gleich ähnlichen Versuchen früherer Jahrzehnte zu keinem anderen Ergebnisse, als daß die Stimmung sich verbitterte. Der weitere Vorschlag des Papstes, die Entscheidung über die Rechte des Reiches und der Kirche einem Schiedsgerichte zu überlassen, wurde von Otto IV. verworfen ^); -) S. o. S. 209 Anm. 3; S. 210. >) Die Bischöfe, welche in den ersten Wochen nach der Krönung unter den Zeugen der Kaiserurkunden nicht Vorkommen, tauchen gemeinschaftlich am 18. Nov. 1209 (s. ungedrucktes Priv. s. Savona) ans, um dann am Hofe zu verbleiben. Vielleicht ist auch der Stadtpräfekt Petrus, welcher L. und 6. November vorübergehend am Hofe war, Rc§. Ott. ur. 88. 89, wie schon früher, zu Verhandlungen mit Otto verwendet worden. Später hat er sich freilich ganz auf die Seite des Kaisers gestellt. b) So versichert Jnnocenz später ^cta imx. x. 631 ob. 632: Otto habe das Patrimonium angegriffen contra msrita uostra, cum ssmpcr xarati lusrimus st sspc ovtulcrimus, s! iustttis plenituckinsm cxlrivcrs coram arditris communitcr cliAcnäis. Wann kann diese Verwerfung des Schiedsgerichts frühestens erfolgt sein? Ich meine, etwa Januar 1210, da die erste Handlung Otto's, welche wirklich Feindseligkeit gegen den Papst athmet, die Erhebung Dipolds zum Herzoge von Spoleto, in den Anfang des Februar fällt. Eine Spannung zwischen Kaiser und Papst kann freilich schon früher eingetreten und eine Ahnung des bevorstehenden Bruches berechtigt gewesen sein. Vielleicht Ursachen und Beginn des Zerwürfnisses mit dem Papste, 1210. 231 dieser soll, als Jmweenz ihn an sein im Krönungseide enthaltenes Versprechen, die Rechte der Kirche schützen zu wollen, erinnern ließ, nicht übel geantwortet haben, daß er zn dem Gleichen auch dein Reiche verpflichtet sei. Er könne der Kirche nicht lassen, was ihr nicht von Rechtswegen znkomme, wenn ihn der Papst nicht zuvor von dem älteren dem Reiche geleisteten Eide entbinden wolle'). Das mochte und konnte dieser natürlich nicht. Eine andere Angelegenheit war noch mehr dazu angcthan, hüben und drüben Mißstimmung und Mißtrauen hervorznrufcn. Da Ltto selbst früher die Zusicherung gegeben hatte, daß er nach seiner Krönung um des allgemeinen Besten und des Friedens der Kirche willen sich mit Kaiser Heinrichs Sohn »ach dem Rathe der Kirche vergleichen wolle, dürfte Jnnocenz bei jenen Verhandlungen wohl auch diesen Punkt zur Sprache gebracht haben. Lag es doch so recht in seinem eigenen Interesse, daß jeder Anlaß zur Zwistigkeit zwischen Ltto und Friedrich bei Zeiten aus der Welt geschaßt werde, und schien dies doch so leicht, nachdem jener anerkannt hatte, daß dieser allerdings gewisse Ansprüche zu erheben berechtigt sei^). Aber während es sich ursprünglich doch nur um die Abfindung Friedrichs für feinen Anthcil an dem staufischen Hausgute gehandelt haben kann, scheint derselbe nachher seine Ansprüche weiter, auf das Herzogthnm Schwaben selbst ausgedehnt zu haben. Er hat im Januar 1210 schwäbischen Klöstern, die darum bei ihm nachsuchtcn, allerlei Privilegicu crthcilt, Verleihungen König Philipps bestätigt^. Ansuchen und Gewähren mag freilich im Geheimen geschehen sein: aber ist cs darum geheim geblieben? Die leiseste Andeutung, daß der letzte Staufer dauernd mit Deutschland in Verbindung zu bleiben und dort einen Fuß zn behalten gedenke, war an sich völlig ausreichend, um in Ltto IV. die kaum beschwichtigten Besorgnisse vor dem natürlichen Nebenbuhler wieder wachzurufcn. Und in diesem Augenblicke, da der Kaiser vielleicht schon anfing.die Abfindung Friedrichs für viel weniger wünschenswerth zu halten als die völlige Beseitigung desselben, da stellt sich bei ihm jener Dipold von Accrra ein, der bei seinen zwölfjährigen Kämpfen gegen den Bischof von Rom und dessen königlichen Lehnsmann in Palermo im Grunde doch nichts Anderes bezweckt hatte als das mit deutschem Blute gedüngte Land des Südens dem deutschen Reiche und dem ist so schon die Notiz bei ItarU/, Not. Über. no misav p. 142 zu deuten: 12. Deccmber 1 200 oniänm nnntio vuuti onm Uttoris No rumorUius imporaroris Nom. ml oxnm IVinto». 2'/r Nom, als ob Johann damals die erste 'Nachricht erhalten, daß das Verhältnis; zwischen Otto imd Jnnocenz nicht mehr das beste sei. N Erläuternngen VIII. tz t>. S. o. L>. 143. ß S. o. S. 139: ml iimtnntmm 1'rntris l.!ournäi von Salem. In der einen Urkunde für Salem heißt es: imNUnomns, ut gnionmizuo tiUolinm nostroruin sive. miiiistormlinm slvo nnornmouiuzne Nominnm uostrorum . . . ocmt'orro volnorit, — ein Satz, der wie überhaupt der wesentliche Inhalt dieser Urkunde, einfach aus Kg. Philipps Bestätigung für Salem 29. Mär; (1200—1283?) s. o. Bd. I. S. ööö wiederholt ist. 232 Zweites Buch, Kapitel II, 1210, künftige» Kaiser zu bewahren. War er van Otto herbeigerufen worden? kam er von selbst? H Die Ueberliesernng erlaubt weder das Eine noch das Andere mit Sicherheit zu behaupten; wir bedürfen ihrer aber kaum, da jene Beide früher oder später doch znsammen- geführt werden mußten. Wenn Dipold den wahren Erben Kaiser Heinrichs nicht in dem Sohne desselben, der ganz znm Normannen und anscheinend ein Werkzeug des Papstes geworden war, sondern in dem Welfen fand, in welchem jener gleichsam wieder zum Leben erstand: wie hätte Stto, wenn er sich nun einmal durch den Siei- lier herausgefordert und bedroht glaubte, nicht den Mann mit offenen Armen bei sich anfnehmen sollen, welcher seinem Vorfahren im Kaiserthume lange Jahre Weg und Steg ins Königreich offen gehalten und unbesiegt sich dort behauptet hatte! Es ist erzählt worden, daß der Kaiser seinem neuen Freunde sogleich das der Kirche abgewonnene Herzogthum Spoleto übertrug, lind er ließ es geschehen, daß der neue Reichsvasall sich zugleich nicht blvs Graf von Acerra nannte, sondern bald auch Großkapitän von Apulien und Terra di Lavorv mit dem Titel also einer sehr hohen steift- Auf eine frühere Anknüpfung Dipolds mit Otto konnte man daraus schließen, daß etwa ;ur Zeit der allgemeinen Anerkennung Otto's in Deutsch land Gras Richard von Fondi sich wieder von Dipold trennte, s, o, S, 02 , und daß Otro sich sckion Februar 120!» auf Nachrichten auS dem Königreiche beruft, die sebr geeignet waren, ihn gegen Friedrich zu erbittern, s, o, S, 143, Andrer seits steht es fest, daß Otto nicht gleich nach seiner Krönung die Absicht hatte, gewaltsam gegen Friedrich vorzugehcn, Als er am 25, Oktober 120,» das den Pisanern von Heinrick» VI, erthcilte Privileg vom I, Marz 111»! s8tumps, tV-tn nr, 184), erneuerte UeA. Ott, nr. 81, that er cs noch mit Auslassung der auf Sicilien bezüglichen Stellen, Er sagte z, B, Xegotiutores I'isuni pur totum Imperium nostrum libere sint et vuckuut, während Heinrich VI, verfügt hatte: sieget, I'isuni per 8ieiIIum et Oulubrism et ^pulium et I'rineiputum et per totum Imperium nostrum libere sint et vnilant ste. Diesem Wortlaute schließt Otto sich erst in seinem Vertrage mit Pisa vom 3, Juni 1210 ;s. u.) an, — Nach Lliron rsZ. Ool, p, 15 ging die Aufforderung znm Angriffe von Insassen des Königreiches aus: guickum ex prineipibus Vpulie ucl eum vsnien- tes, licksm et Iiominium ei tseerunt , ,. ulunxius uclliortuntes. «,uutenus imp, T^pulium intruret, reguum terrumgue «litioni sue subiujpuret, suoru- meuto liäei tirmitsr uttestuntes. in -Xpuliu nullum «lebere regnure, uisi rstzwum et eoronum ab Ilomuno Imperutoro suscopissot. Pgl, Oliron. 8ie, lluili,-Urei», I. r>!»4. Daß unter diesen namentlich Dipold das Sciuige dazu that, um Otto's Berhältniß zu Friedrich zu verschlimmern, ist an sich wahrscheinlich und die Oont. Ouill. Ift-r. p. 297 hebt es besonders stark hervor: tjunut Vibuuv, «pn buillm ostoit en I-'uills, ,. , sot «pro Otes ot portck eorone, si uls u lui et li «list, «;uo il ulust en l'nille et il ii remlreit tunte terre; upres iroient en Oesile, si prsmlruient Oeckrio st Is oeirrolent. I'.t se il ns le tuisoisut, sonst il bien «zue, se il vsnoit en uuKe, il tuilruit su terre. Die erste Fortsetzung der Kaiscrchronik giebt als Grnnd des Angriffs auf sicilien V, 17701 au: sü er vorlite «ler lcrono vor im, nämlich vor dem ,,eclol leint von I'ullo", - «so im Mär; 12lo für Foliguo: Oiepulcius ilei et imp, >;nutiu «lux ftpoleli, oomes Leerrurum et mugistsr enpituneus ^pulie et 1'erre Oubo- ris. Ficker, Forsch, IV, 277, Dipold ließ nach dem Abzüge des Kaisers aus Unreriralien diesen siciiischen Amtstitel fallen, vgl. seine Urkunden von 1213 für Spoleto. Ficker 304, und nir Fabriano t'ollex, st«ir, Äureliipchmu II, 84, Ursachen und Beginn des Zerwürfnisies mit dem Papste, 121p. 238 lischen Würde, welche Dipold sicherlich nicht der Regierung in Palermo verdankte, sondern nur sich selbst und der Zustimmung des Kaisers. Das war eine unverhüllte Kriegserklärung gegen König Friedrich, aber ebenso auch eine Absage an den päpstlichen Lehnsherrn desselben und wurde als solche von diesem verstanden. Zwischen dem 6. und 10. Februar war Dipold Herzog geworden: zu Ende desselben Monats sorderte Otto in Facnza Mannschaften zum Kriege gegen Friedrichs; in denselben Tagen glaubte die Kurie schon gegen einen Angriff des Kaisers ans das Patrimonium selbst Vorkehrungen treffen zu müssen-) und am Anfänge des März sprach Jnnvccnz wie über eine allbekannte Sache, daß Otto sich nicht mehr mit der Borenthaltnng des stanfischen Hausgutes begnüge, sondern seine Hand nach der Krone Friedrichs selbst ansstrecke ^). Er selbst war ohne Zweifel schon damals zur entschiedensten Vcrthci- dignng des Bedrohten entschlossen. Der Zusammenstoß war allerdings seit dem Eintritte Dipolds in den Dienst des Kaisers unvermeidlich, aber er erfolgte doch nicht so schnell als Jnnocenz gemeint zu haben scheint, und zwar deshalb nicht, weil Otto zu irgend einem gewaltsamen Vorgehen zunächst gar nicht gerüstet war. Seine der entscheidenden Wendung der Dinge unmittelbar folgende Rundreise durch Oberitalien diente nichl blos dem einen Zwecke, die dort schwankend gewordenen Rechtsgrundlagen herzustellcn, sondern ebenso sehr dem anderen, die dortigen Gemeinden und Magnaten für den beabsichtigten Feldzug in den Süden heranznziehen. Und durch Verhandlung sowohl mit Einzelnen als auch mit größeren Gruppen ist ihm dies im Allgemeinen gelungen. Facnza bot acht Ritter an, Siena nahm zur Anfbringnng der Kosten für das nach Apulien bestimmte Fußvolk eine Anleihe von 855 Pfund ans, Piacenza stellte und bezahlte wolosanns p. 132. Bgl. o. S. 232 Alim. 3. 2) Vertrag des Kämmerers Stephan — also des Mannes, der vorher mit Otto unterhandelt hatte. — mit Perugia 28 Februar 1210. Ficker, Forsch. V, 270. Aehnliche Verträge sind damals anch wohl mit anderen Städten geschlossen worden. Perugia verpflichtete sich zur Unterstützung des Papstes auf dcr Strcckc bis Rom, aber nicht weiter. Der Papst versprach, si vvnsrit. nä >moein eain imporutorv sen eoin>m8N6rit, die Stadt einzuschließcn und sie jedenfalls unter päpstlicher Herrschaft zu behalten sEs ist dies das früheste Eingeständnis; von Seiten der Kurie, daß ein Zerwürfniß mit dem Kaiser bestand ) zu Thät- lichkeiten war es aber noch nicht gediehen, wie denn Jnnocenz am 4. März (s. folg. Anm.) sich nur über Otto's Absichten ans Sicilicn beklagt, nickt über einen Angriff aufs Kirchcngut. Ig>>ist. XIII. 210 vom 4. Mär; 1210, an den Erzbischof von Ravenna wohl deshalb gerichtet, weil man wußte, daß Otto sich um diese Zeit dort anf- halten werde. Die ausdrückliche Hervorhebung des stanfischen Allods, die dann in späteren Klagschriftcn wiederkehrt, berechtigt eben zu der Annahme, daß die Verhandlungen über dasselbe, zu welchen Otto sich bereit erklärt hatte, ganz ohne Ergebniß geblieben waren. Der Schluß des päpstlichen Briefes fehlt leider und damit die Andeutung dessen, was Jnnocenz zunächst zu thun gedachte. 234 Zweites Buch, Kapitel II. 1210. zwanzig Rilter, Mailand hat sicherlich alle anderen Commune» durch seine Leistungen übcrtroffcn st. Zu gleicher Zeit wurde der Angriff ans Sicilien auch von der Leeseite vorbereitet. Jene anfängliche Zurückhaltung, mit welcher Otto in dem Streite zwischen Pisa und Genna jedem Spruche aus dem Wege gegangen war, durch welchen ein Theil sich hatte gekränkt fühlen mögen, machte der entschiedensten Parteinahme für Pisa Platz, sobald er sich überzeugte, daß seine sicilische Unternehmung in keinem Falle ans die Unterstützung Genuas zählen könne. Als gute Christen fürchtete» die Genuesen, wie ihr Stadtschreiber uns erzählt, den Bann des Papstesst, als noch bessere Kauslcute die Concurrcnz Pisas. Sic standen sich obendrein bei der Schwäche der sicilischcn Regierung sehr gut und sic konnten nur verlieren, wenn ein ans seine Herrschcrrechte so eifersüchtiger und zugleich so mächtiger Fürst wie Otto lV. dort an Stelle des schwachen Friedrichs das Scepter in die Hand nahm. Dazu kam, daß sie gleichzeitig sich mit Marseille in Seefchde befanden und endlich einem neuen Kriege mit Venedig entgcgcngingen, weil sie dem Grafen Heinrich von Malta sehr beträchtliche Behülfe zur Wiedererobcrung der an die Vcnetianer verlorenen Insel Kreta gewährten^). Otto aber hatte schon ans dem Wege zur Krönung den alten Freundschafts- und Handelsvertrag des Reiches mit Venedig erneuert st. Genug, die Genuesen waren nicht gesonnen, sich au dem bevorstehenden Kriege gegen König Friedrich zu bcthcilig cn und nun trug Otto kein Bedenken, um sich wenigstens die Unter-, stützung der Pisanischen Flotte zu sichern, die Rcichsgewalt ganz in den Dienst der Feindin Gennas zu stellen. Ein förmlicher Vertrag, bei welchem Pisa nicht in seiner Eigenschaft als Glied des Reiches, sondern wie eine unabhängige Macht dem Kaiser gegenübertrat, ward während des Aufenthalts des letzteren zu Vercclli zwischen ihnen vereinbart. Otto versprach damals, ihnen Bönisacio zu vcr- ') S. o. S. 222 Amn. 3 über die spräche zu Parma. Die .4,,». I'Ino. x. 425 fügen hinzu, das; die einzelnen Städte soonnckum tüenltntcm cmrurn si sudsickium inilitum prostrrveruut. lieber Siena s. Quittung vom 10. November 1210 über Rückzahlung der Anleihe Ficker IV, 203: über Faenza 'I'olos. p. 132; über Piaccnza Xnn. KUno. I. o.; <4nlv. Vllunmn p. 004 erwähnt die Mailänder bei der Eroberung von Montefiascone. 2) ^nn. cknn. n. 1211, p. 130. st ^4nn. Nun. n. 1208 p. 127; n. 1210 p. 120. Bgl. die Urkunde Hein richs ck. gr. oomss Nnlto ot ckomiuns Vrsts vom 25. Juli 1210, in der er sich nur freie Hand vorbehält, guock pro torris Ulis, guns tonoinus vol teuo- biinus pro rsAg Jioilino, mnnckntis ipsins roAM, gnno noöis Inoorot, pn- rsrs possiinus. st Jncir. OuuckuU Vlirou., 5Iurnt. tzer. XII, 330' änx Ottoui rsxi . . . Komnin porASnti per suos sinlinsoiatoros ItoAsrium I'rsninrino ot >Iuriuuin Ilnnckulo cks prosporis oius suoosssiüus oonAratuIntns, npprolintiouom so- litnrum immunitntum in torris imporii susespit. Qtto's Beurkundung vom 19. August 1209 ^.otn iinp. nr. 235 (vgl. Valentinelli, Reg. d. Marcnsbibl. 1871 ist eine wörtliche Wiederholung von Heinrich VI. 6. Juni 1197, 8tu,npt'. ,4e>n nr. 200. Ursachen und Beginn des Zerwürfnisses mit dem Papste, I2lü. 235 schaffen oder, wenn er das nicht vermöge, über Genna die Reichsacht zu verhängen, den Nachbarn Pisas Beseht zn geben, daß sic gegen Genua Hülfe leisteten, und wenn der sieilischc Feldzug beendet sei, in eigener Person dazu mitzuwirken, daß Porto Vensre in die Hand der Pisaner gelange und zerstört werden könne. Ohne sic einzuschließcn, wolle er keinen Frieden oder Stillstand mit König Friedrich oder irgend einem anderen Inhaber Sicilicns cingehen; er sagt ihnen ferner die Genehmigung aller Privilegien seiner Vorfahren zn und insbesondere, soweit sic sich auf Sicilien beziehen. Sind damit die umfänglichen Zugeständnisse gemeint, welche Heinrich VI. einst zn gleichem Zwecke den Pisanern gemacht hatte, so hebt Otto eins von diesen noch besonders hervor: die völlige Handels- und Zollfreiheit, welche sie „in Sicilien, Calabrien, Apulien und im Principatv" genießen sollen ff. Das Alles aber dafür, daß sie ihn: für den Dienst gegen Sicilien bis zum 1. August auf ihre Kosten vierzig wohlausgerüstete Galeeren und weitere auf seine Kosten, soviele er sonst noch uöthig haben würde, bereitstellten und ihre Vermittlung bei der Miethe der Privaten zugehörigen Schiffe zusagten. Dieser Vertrag ff wurde auf Befehl Otto's von dem Hoskauzler Kourad von Speier und den Markgrafen von Mvntferrat, Salnzzv, Caretto und Malaspina beschworen und ebenso von den pisauischen Bevollmächtigten, von welchen einer schon an dem ähnlichen Vertrage seiner Vaterstadt mit Heinrich VI. Anthcil gehabt hatte. Man sieht auch hier wieder, wie Otto so ganz sich von dem Beispiele leiten ließ, welches ihm dieser Vorgänger gegeben. Aber deutsche Fürsten, Grafen und Reichsdieustmauucn hatten den Vertrag von l IUI durch ihren Eid bekräftigt, während Otto zu gleichem Zwecke außer dem durch seinen Dienst an den Hof gefesselten Kanzler nur italienische Magnaten hcranzuzieheu vermochte. Denn gerade in jenen Monaten, in welchen das Zerwürfniß mit dem Papste deutlicher hervvrtrat und Otto's Absichten eine bestimmte Gestalt annahmen, waren auch noch die letzten deutschen Fürsten, welche bei ihm in Italien geblieben, ans seiner Umgebung verschwunden: schon zn Anfang des Januar der gut päpstliche Johann von Cam- brai ff, zu Anfang des Mai aber auch Patriarch Wolfger von Aguilcjaff, und dessen Weggang ist im höchsten Grade bedeutsam. Wolfger hatte der Wiederherstellung der Rcichsgcwalt in dem Umfange, wie Heinrich VI. sie besessen, überall mit Wort und That nachgestrebt, ja recht eigentlich den Welfen erst für diese große Ausgabe gewonnen. Als nun Otto aber entschlossen war, in u S. darüber oben S. 232 Amn. I. ff ^.otn iinp. p>. 767 nr. 1071 nach dem zu Pisa befindlichen Originale, dessen Datirung: Bcreelli 3. Juni jedoch Bedenken erregt, s. o. S. 226 Amn. 2. ff Zuletzt in Rag. Ott. nr. >02 vom 5. Januar l2l». Der »loN. Onrne- riuonsis sxrrs in nr. >06 ist ohne Zweifel nur eine Ccrruption für Onrnsrn- c.ensis; über die Zeit dieser Urkunde s. jedoch S. 214 Anm. 6. ff Zuletzt bei Otto am 2. Mai zu Lodi nachweisbar, Reg. Ott. nr. 128. 236 Zweites Buch, Kapitel II. ILIO. den Besitz Heinrichs auch über die Grenzen des Reiches und seines Rechtes hinaus einzutreten, da schieden sich ihre Wege und dies für immer. Wolfgers Programm ließ sich verwirklichen und war schon zum größten Theil verwirklicht worden, ohne daß selbst von Seiten der am härtesten betroffenen Beacht, nämlich der Kirche, eigentlich über Unrecht geklagt werde» konnte; die neue kaiserliche Politik aber, welche von der Aufnahme Dipolds von Aeerra in den Rath Otto's datirtc, fragte Nichts nach ihrer eigenen Berechtigung und stürmte blind der Zukunft entgegen, unbekümmert um den sicheren Bruch mit der Kirche und die wahrscheinliche Störung des inneren Friedens im Reiche. Es scheint doch, daß Wolfger die Verantwortlichkeit für eine solche Ueberspaunung des ursprünglichen Programms nicht mittragen mochte und daß er deshalb bald nach der Sprache zu Parma, wo offen über die sicilische Expedition verhandelt ward, den Hof des Kaisers verließ. Er hat trotzdem die weiteren Schicksale desselben noch lange mit seiner Theilnahme begleitet r), obwohl er den von ihm eiugeschlagcncn Weg nicht billigen konnte. Bei Ltto blieb aber von deutschen Fürsten außer dem Hofkanzler nur noch der Bischof von Ratzeburg zurück und auch dieser hat sich bald entfernt^, so daß der wichtige Vertrag mit Pisa durchaus als das persönliche Werk des Kaisers und seiner neuen Be- rather gelten muß. Gedachte er denn den Krieg allein mit italischen Mannschaften zu führen? Es wäre auffällig, wenn er nicht auch die kriegerischen Gelüste diesseits der Alpen für seinen Zweck in Bewegung zu setzen versucht haben sollte. Dies aber mußte um so leichter gelingen, je weniger die strenge Handhabung des Landfriedens daheim den unruhigen Geistern Spielraum offen ließ. Während Graf Markward von Beringen gegen die Mitte des März, Graf Meinhard von Görz einige Wvchen später und Graf Hartmann von Wirtem- berg im Mai heimkehrten, sind Andere wieder südwärts dem Kaiser zugezogen: Markgraf Friedrich von Baden, die Grafen Emicho und Friedrich von Lciniugen, Georg von Wied, Hermann von Harzburg, Heinrich von Schwerin, der Edelherr Kuno von Winzenberg, später im Sommer unmittelbar vor dem Beginne der Feindseligkeiten auch noch die Grafen Adolf von Schauenburg und Adolf von Dassel, Konrad von Zollern, der Burggraf von Nürnbergs), Gerhard von Dietz, Hermann und Friedrich von Saarbrück und gewiß noch manch Anderer, dessen Namen blos zufällig in den Zengenreihen der kaiserlichen Urkunden dieser Zeit nicht genannt 0 S. Otto's Dank vom 20. Zuli 1212 für wichtige Mittheilungcn des Patriarchen. -4.ota iinp. nr. 257. -) Philipp von Ratzcburg ist bei Otto nilept in Brescia am 18. Mai nachweisbar. ^ti'ni'osi. Nein, äi 8. krasporo I, 141. Bgl. über ihn Böhmers Bemerkung ;u lisA. Ott. »r. I4ö. Ursachen und Beginn des Zerwürfnisses mit dein Papste, 1210. 237 worden sein mag Z. Sv hat Otto im Sommer immerhin eine recht stattliche deutsche Schaar unter seinen Fahnen gehabt, obwohl von einer Reichsheerfahrt keine Rede war und kein einziger Fürst ihm Zuzug geleistet hatte. Jenes Verschwinden der deutschen Bischösc von seinem Hose, diese absolute Nichtbctheiligung der deutschen Laienfürsten an der sieilischen Unternehmung des Kaisers — sic sprechen laut genug es ans, daß das Reich mit ihr Nichts zu scharfen haben wollte. Im Juni, während Otto in den Städten des südlichen Piemont verweilte, trafen bei ihm der Erzbischof Eberhard von Salzburg und die Herzögc Ludwig von Baicrn und Bernhard von Kärnthen ein, jener, wie uns ausdrücklich gesagt wird, ans Befehl des Kaisers, diese vielleicht in der Absicht, ihn noch in letzter Stunde vor dem Ungeheuern Brande zu warnen, den er zu entzünden im Begriffe stand. Vierzehn Tage lang sind sie ihm bis nach Parma gefolgt: eine Sinnesänderung haben sic jedoch so wenig zu bewirken vermocht, daß der übelberathenc Mann jetzt vielmehr ans dem Wege des Zwanges zu erreichen trachtete, was sic ihm freiwillig nicht gewähren mochten, nämlich den unbedingten Anschluß an seine Politik. An die Herzoge freilich wird er sich nicht gewagt haben und diese scheinen nun von Parma hcimgezogen zu seines. Aber als Eberhard aus die drei Mal wiederholte Bitte des Kaisers, mit ihm gegen den Papst zusaminenzuhaltcn, nicht eingehen wollte, da wurde er gefangen gesetzt und ans dem Weiterzuge von Parma zum Passe von Pontremoli mitgcschleppt, bis er that, was Otto verlangte. Am 3. Juli hat der Gefangene zu Fvruuovo beurkundet und aus das Evangelium beschworen, daß er in der obwaltenden Zwistigkeit des Kaisers mit dem Papste erstereu nicht verlassen, ihn vielmehr in Allein, was die Ehre des Reiches und der kaiserlichen Person angehc, fördern und selbst entgegenstchenden Befehlen des Papstes zum Trotz gegen diesen und gegen Jedermann unterstützen u Belege für die Anwesenheit der Genannten künftig in den vervollständigten Reichsregesten. Der lieg'. Ott. nr. >14 und ^.eta imp. irr. 250 erwähnte eomes Iloinricrrs de 8axonia ist ohne Zweifel der sonst nachweisbare Graf von Schwerin. In Log. Otr. nr. >46 steht unter den Zeugen: Heinrich Pfalzgras , und Jeder wird dabei an den Bruder des Kaisers denken. Aber seine Erwähnung entstammt einem Jrrthume. Denn aus der Zeugenreihe bei Oamur- rini, warn. not). I, 220: . . . ItLinrieus seomes cts tuA., IlclLdrancluss Lomes Palatinos Lto. hat Ikena. 8upp>. cl'istoris woso. (1774) p. 92, dem Böhmer hier wohl gefolgt ist, die eingeklammerten Worte ausgelassen. PfaUgraf Heinrich hat, soviel wir wissen, sich während der Abwesenheit des Kaisers nicht aus Deutschland entfernt. 2) Bernhard von Kärnthen ist am 13. Juni in Alba s. o. S. 226 Amu. 4; pudwig von Baiern zwischen 13. und 2w Juni in Alessandria, das. Anm. 5; Beide und dazu Eberhard von Salzburg am 20. in Tortona, am 22. in Pia- cenzv Itc^. Ott. nr. 138. 139; letzterer am 24. auch in Borgo S. 227 Anm. k. In Otto's noch ungedruckter Urkunde vom 26. Juni für Alessandria zeugen jedoch nur die beiden Herzoge. War der Erzbischof etwa damals schon gefangen? 238 Zweites Buch, Kapitel II. 1210. werde'). Was war aber mit diesem Eide gewonnen? Denn gesetzt, daß Eberhard in seiner Zwangslage nicht etwa die Berechtigung fand, sich sogleich wieder von ihm zn befreien, so wog doch die erzwungene Unierstütznng des Salzburgers sicherlich nicht das Aufsehen auf, welches dieses eigenthümliche Verfahren des Kaisers in Deutschland erregen mußte. Hatte seine Neigung zum gewaltsamen Durchgreifen sich bisher höchstens an Grafen gewagt, so war hier nun einer der höchsten Fürsten von ihr betroffen worden. Wer war denn noch sicher? Indem Otto gleich seinen englischen Oheimen im Zwange die beste Bürgschaft der Treue erblickte, sücte er selbst den Samen der Untreue aus; er flößte dem deutschen Fürstenthnmc ein bedenkliches Mißtrauen ein und das in demselben Augenblicke, da sein Bruch mit der Kirche zur Thatsachc ward. Weil über die zwischen dem Reiche und der Kirche streitigen Gebiete im nördlichen Thcilc des Patrimoniums eine Vereinbarung nicht hatte erzielt werden können, beschloß er sie vorläufig wieder unter die Verwaltung des Reiches zn nehmen, ohne Zweifel im Hinblick darauf, daß dieses ja bis 1197 im Besitze derselben gewesen war ch. Eine solche Occnpation griff an sich noch keineswegs der schließlich«:!! Entscheidung ans dem Weged cs Rechtens vor und sie ist daher auch nicht ohne Weiteres einer Verletzung oder einem Bruche der vom Kaiser vor seiner Krönung gemachten Zusage gleichznsetzcn, daß er die Rechte der Kirche achten wolle, da sich diese Zusage doch nur ans die wirklich nachgcwiesenen beziehen konnte. Freilich, wenn vor dem Vollzug der Occnpation überhaupt noch verhandelt worden ist"), dann wird dabei wohl schon von päpstlicher Seite der Einwurf erhoben worden sein, daß Otto eben jenen Nachweis selbst unmöglich gemacht habe, nämlich durch die Ablehnung der ihm vorgeschlagencn schiedsrichterlichen Entscheidung, und in dieser Beziehung war Jnnocenz allerdings berechtigt, nachher den Kaiser vor aller Welt der Unfreundlichkeit und Undankbarkeit anzuklagen. Unzweifelhafte Rechte der Kirche wurden aber durch die Occnpation des streitigen Gebietes nicht verletz t und es kann nicht genug betont werden, daß Otto, obwohl cinz lnc Ausschreitungen vorgekommen sein mögen, gar nichts Anderes hat, als 0 Xun. 8. Iluclb. 8alisb. LI. O. 8s. IX, 770 : Irberlmrclnsnb «Ntons in Italiarn voentnr ibigns ab so contra papam consziirars der rogatnr. Ono rsnnentc, ab so caxitnr. Der Revers Eberhards nach dem Originale LI. «X Xvg'. II, 218. Der Ausstellungsort apnä Xovum t'ornin ist natürlich nicht das Neumarkt südlich von Bozen, welches Lloillor, 1is§. asp. 8alisb. p. 518 meint. Was den Kaiser bestimmt haben kann, bevor er sich dem Passe zn- wandte, zum 29. Juni nach Modena zn gehen (s. nngedr. Urk. siir Lonigo), weiß ich nicht zu sagen. -s ^nu. 8. Vruüpei'ti p. 293: sicnt antcccssorss sni iinpcratorcs. Vgl. die Stellen in Erläuterungen VIII. Z 4. 0. — 9 Auch hier ist wieder zu beachten, daß der Stadtpräfekt (s. o. S. 192. 213. 230) von Zeit zn Zeit, fast alle Monate, bei Otto erscheint: um 20. Mai in Brescia, llsA. Ott. 133 und IloncIIi, Xotims II, 521; am 22. Juni in Piacenza lieg', nr. 140; am 10. August in Mont'Amiate nr. 142 und lO.Iept. vor Biterbo, Ficker, Forsch. IV, 2d7. Ursachen und Beginn des Zerwürfnisses mit dem Papste, >210. 239 was die Kirche unter ihr günstigeren Cvnstellatwnen selbst in den Jahren 1197 und 1198 gegen das Reich gethan hatte. Sie wollte trotzdem sich begreiflicher Weise nicht ohne Weiteres aus ihrem augenblicklichen Besitzstände verdrängen lassen und darüber kam es nun wirklich zum Kampfe. Der Kaiser führte sein aus Deutschen und Italienern gemischtes Heer etwa im August st an die Grenze von Reichstuscien und nahm in der zweiten Hälfte des Monats sein Quartier in der Abtei San Salvatore am Mont' Amiate st in unmittelbarer Nähe des von Natur festen und durch den Papst noch verstärkten Radi- cofani. Nach einigem Widerstande st mußte sich dieses ihm ergeben, ebenso das südlicher gelegene Acquapendente. Daraus wurde Mvnte- fiascvne angegriffen, während gleichzeitig andere Hecrhaufen unter Otto's eigener Führung schon bis gegen Viterbo vorgingen. Da er jedoch die Stadt nicht ciuzunehmen vermochte, ließ er ihr Gebiet furchtbar verwüsten und die benachbarten Festen Mugnano und Bctralla besetzen, damit auch nach seiner Entfernung die feindselige Bürgerschaft befehdet werden konnte. Das geschah um die Mitte des September und nun erst, nach der Rückkehr des Hauptheeres von Bitcrbo, fiel endlich auch Montefiascone in die Hände der Kaiserlichen st. Andere Ortschaften haben sich freiwillig unterworfen, so daß bis gegen Ende des Monats der Zweck, welcher den Kaiser st Ick schließe das daraus, daß die Ritter Piaeenzas erst am 16. Juli von Hause ausbracheu, Xuu. Ulao. p. 425. Otto selbst stand am 12. Juli noch am Aruö zwischen Pisa und Ponte d'Era, s. hofgerichtl. Urtheil in oomi- tatu Uisauo in villa, gua cliaitnr Oassiua, in gurr cl. Otto imp. orat. Ficker IV. 282. 283. st Otto's Urkunde vom 16. Aug. für S. Salvatore Xota imp. ur. 249 (übrigens wörtliche Erneuerung Heinrichs VI. vom 1194 ibicl. ur. 193) fehlt der Ausstellungsort, doch scheint es die Abtei selbst gewesen zu sein, da Rsx. Ott. ur. 143 vom 17. dort ausgestellt ist. Mit Hülfe jener Bestätigung und eines Diploms Otto's 1. ist noch im 13. Jahrhundert eine ausführliche Besitzconstitution fabricirt worden, welche Karl IV. 135.1 bestätigte (Abschr. in den Sammlungen der Non. (lerm.). Bielleicht hat der Abt um die Zeit, da Otto hier hauste, jene 124 Pfund geliehen, um sie an Eberhard von Lautern pro ä. Ootouv imperatora zu geben, welche erst 1220 abgezahlt werden konnten (Mitth. Fickers aus Siena). Die letzten Urkunden Otto's aus der Abtei sind vom 29. August, USA. Ott, ur. 145. Xota imp. ur. 251. st Wenigstens erklärt Otto 21. August die Leute von Radicofani als Rebellen gegen ihren Lehnsherrn den Abt vom Mont' Amiate ihrer Lehen verlustig. Xata imp. ur. 250. st Zur Feststellung der Zeitfolge der einzelnen Ereignisse haben wir nur dürftige Mittel. Zunächst ist die Angabe llalv. Vlamma, Nurat. 8er. XI, 664 i enm auxikio NsUiolaueusinm die 13. ^nlii iVIouteui-VIaseousm espit zu beseitigen; sic ist falsch, weil die am 19. Juli von Piacenza ausgezogenen Ritter (s. Anm. 1) den Kaiser noch in eastrio auts Lloutem Vlaseousur treffen. Jenes Datum wird ebenso aus der Luft gegriffen sein, wie der Tag der angeblichen Mailänder Krönung bei Onlvau. — Otto urkundet selbst 16. September iu oastris auts Vitsrbium. Ficker IV, 287. Nun berichten die Orouiobo Ui Viterbo, Voutss IV, 697 ausführlich, obwohl wenig durchsichtig, über die Kämpfe in der Umgebung und sie lassen den Kaiser zu denselben wiederholt von dem noch nicht eroberten Montefiascone her eintrefsen. Wie dies erobert worden, wird nicht erzählt, aber daß es erobert worden ist, ergiebt sich 240 Zweites Buch, Kapitel II. 1210. hierher geführt hatte, in der Hauptsache erreicht war. Das ganze Gebiet, in welchem die Rechte des Reiches und der Kirche sich durchaus nicht scheiden lassen wallten, befand sich jetzt, mit Ausnahme allein Viterbo's, in seiner Gewalt und die dortigen Großen, welche bis zur Katastrophe von N07 sich als Rcichsangehörige betrachtet hatten, wie der Stadtprüfekt Petrus de Rico, oder solche, welche wie Psalzgras Jldebrandin von Montalto zugleich vom Papste und vom Kaiser Lehen getragen hatten, traten jetzt ganz auf die Seite des letzteren über. In Verbindung mit ihm waren sie längst gewesen. Jldebrandin aber empfing jetzt als Belohnung für seine Dienste die Lehen des verstorbenen Grafen Rainer di Bartolvmev, alles Land am westlichen Abhange des Bolscncr Kratersees bis in die Nähe von Svvana und an den Fluß Fivra 0. Man mochte wünschen von dem Eindrücke zu Horen, welchen diese ersten Erfolge der kaiserlichen Waffen auf Jnnoeenz gemacht haben. Die päpstliche Kanzlei freilich fährt mitten in diesem Kriegslärm fort die Geschäfte der entferntesten Länder mit gewohntem Mechanismus zu erledigen und unter den Ucberrestcn ihrer Thätig- keit deutet Nichts darauf hin, daß der Feind inzwischen so gut wie daraus, daß die Bürger von Piterbo einmal dem Kaiser bis Montesiascone nachgezogen sein sollen nnd onoviarli por t'orrm äsntro la pwrtn. Also muß er doch schon drinnen gewesen sein. — lieber die Belagerung Viterbo's vgl. Ontillotzus pnnt. Iloin., VI. (4. 8s. XXII, .152, wo sie ausdrücklich in das der Krönung folgende Jahr gesetzt wird; Oatal. 'I'idnrt. ib. 358 nnd Immentatio Vitsrd. il>. 375: Iinp. propckdr sedosinin Vitsrlusnsnini tzona onniia clvpo- pnlavit extrinsscn, czuain äspopulationsin Xpostolious vnnüiänrs vnluit. Ouoä per inviäiain nninseuinsczus Vitsrdionses rsoipsro nsAlvxsrnnt. Ferner bittet 1211 Bischof Rainer von Tuscanella den römischen Senator Johannes sich ;u erinnern, daß die Römer, «min Vitsrliisnses ad Ootons imp. proptor oos clsvastati t'nsrant, äioebant: Vitsrlnsnses sunt trntros st aiuioissiini »ostri. Oocuin. cli 8tor. Ital. per Is prov. äi 'I'ose. V, 335. Daraus er- giebt sich, daß die Römer dem Kaiser feindlich waren, und aus dem prozitsr sos, daß er gegen sie Forderungen geltend machte. Sollte an den Ersatz des in den Krönnngsgefechten erlittenen Schadens zu denken sein? — Neben Radicosani, Acquapendente und Montesiascone rechnet Ouil. lirito, Osstn ttl>il. Ilso. XVII, 84 auch die alte Reichsburg S. O-nirico zwischen Montcpulciano und Montal- cino zu dem der Kirche Entrissenen — wir wissen nicht, mit welchem Rechte, vgl. Ficker II, 400 Anm. 7 — nnd in der ktzilippis I. X v. 035 ff. außerdem noch Listsrdinnr — Niterbo, das nicht erobert worden ist, Ultimi — Vetralla, das Otto auch nach Oron. äi Vitsrbo I. v. genommen, und ttiecmin ^ Vico, das er wohl durch den Stadtprafekten Petrus de Vico erhalten hat. Derjenige, welcher jenen Abschnitt des Dichters in Prosa umsetzte als eine Rede des Kaisers (s. meinen Aufsatz: „lieber eine angebliche Rede des Kaisers Otto IV/' Sitzgsb. d. hist. Cl. d. Bair. Akad. d. Miss. 1876 S. 06!), machte aus dem dichterischen ttaäloliot'ollis aräna zwei Orte: liaäielrotonsin, Xränain. Wir brauchen deshalb nicht mit Ficker a. a. O. S. 40 l dieses auf Mißverständnis) beruhende Xräna mit Orta zu deuten. Die Vita Iliocinrcli VInr. VIII. 123 endlich führt als Städte, welche Otto in suain äitionsin rsäsAit, neben Viterbo auch Orvieto und Perugia an. Jenes ist ein Jrrthum, den auch Xnn. 8. '.I'rnäparti p. 293 theilen, und was Perugia betrifft, so scheint vielmehr aus der Verfügung des Kaisers zu Gunsten Gubbios gegen Perugia 1211 November 14. Ilex.'Ott. nr. 150 der Rückschluß zulässig, daß Perugia dem Papste treu blieb. in osstris in eomitatn '1'uäortinn 1210 Okt. 11, ungedruckt. Ursachen und Beginn des Zerwürfnisses mit dem Papste, 1210. 241 vor den Thoren stand'). Der Papst-Fürst selbst aber konnte unmöglich mit solchem Gleichmuthe den Ereignissen in seiner Nachbarschaft znschauen, besonders da zn fürchten war, daß der neueste Verlust an Land und Leuten nicht der letzte sein werde. Am Anfänge des Oktober erwartete Jnnocenz nicht Geringeres, als daß der Kaiser auch noch in den Rest des Patrimoniums einbrcchen werde, um so auf kürzestem Wege zur Grenze des Königreichs Sicilien zu gelangen. Er gab den Konsuln von Terracina die Weisung, darauf bedacht zu sein, daß dann „der Andrang des schnell vvrüberschicßenden Bergstroms ihrer Stadt nicht zu schaden vermöge 2)"; ihn aufzuhalten hatte er keine Macht. Er war im Augenblicke völlig hülflos und das Bewußtsein es zu sein bestimmte ihn wohl zn dem Versuche, ob sich nicht durch weitere Verhandlungen mit dem übermächtigen Sieger ein Ausweg aus seiner verzweifelten Lage finden ließe. Damit wurde der Alit von Morimund betraut, ein Deutscher von Geburt und Otto wohl bekannt^), und ein ausführliches Schreiben, welches Jnnocenz an Otto selbst richtete, sollte das Gemüth desselben empfänglich machen für die Anträge des Unterhändlers. Nachdem der Papst dem Kaiser vorgehaltcn hatte, daß die Occnpation kirchlicher Besitzungen eine Verletzung der ihm eben als Kaiser obliegenden Pflicht des Kirchenschntzes sei, weist er ihn auf das Beispiel großer Monarchen, vor Allem aber seiner staufischen Vorgänger hin, welche durch ein derartiges Verfahren die Rache Gottes gegen sich und ihre Nachkommen herausbcschworen hätten. „Da wir aber mit dem geistlichen Schwerte das Gut der Kirche zu vertheidigen und über jegliche Sünde zum Tode jeglichen Christen zn tadeln und, wenn es Noth thut, mit kirchlicher Ccnsur zn zwingen gehalten sind, so erinnern, veranlassen und ermahnen wir Dich und geben Dir bei Strafe des Bannes den Befehl, daß Du die Rechte des apostolischen Stuhles fernerhin weder selbst noch durch einen Anderen beeinträchtigest. Wir aber können nicht umhin, wenn Du lange in Deiner Verstocktheit beharren solltest, Dich mit dem Anathema zu bestrafen^)." ') Wenn nicht Etwas der Art in einem schreiben an Propst und Kapitel von S. Cristina vom 17. September, also ans den Tagen, da Viterbo und Montcfiascone belagert wurden, enthalten ist. 6002a, OriAius ckslla oittü cii Lolsonn (Orvisto 1856), p. 156. 2) i'gttMi-t ui-. 4101 zum 5. Oktober 1210 ans dem mir nicht zugänglichen Oontator, bl Ist. Vorrneiu. 58. Da Otto hier aber Hiatus imxsrntor heißt, möchte ich fast vermuthen, daß das Pontificatsjahr einen Fehler enthält und daß dies Mandat zum 5. Oktober 1211 gehöre, also vielmehr Vorkehrungen treffe für den andern Fall, daß Otto seinen Rückmarsch aus Apulien durch das Patrimonium nehmen wollte, °> Olirou. llrsp. lll. 61. 8s. XXIII, 374. Darnach trat der Abt seine Mission nach Michaelis an. lieber ihn s. 0. S. 155 Anm. 3. S. 159. „tjuamvis — tsriamus". Dieses vielfach verbreitete Schriftstück (über seinen Inhalt vgl. Erläuterungen VIII ss 4) ist bei Ilalru, 60II. rnou. I, 149 als von Jnnocenz IV., bei kluill.-llrelr. II, 552 als von Honorius III. an Friedrich II. gerichtet, gedrucktworden. Die richtige Adresse hat es jedoch schon in dem Abdrucke bei Gebauer, Leben Richards S- 611; ebenso bei Mone, Anzeiger Jcilirl'. d.dtsch. Gcsch. — W Intel m an», Otto IV. 16 242 Zweites Buch, Kapitel II. 1216 . Der zeitgenössische Jurist Buvncvmpcigiw hat an einer Stelle der nach ihm selbst benannten Rhetorik gesagt, daß die Italiener in ihren amtlichen Schriftstücken große volltönende Worte zn brauchen liebten, und als solche dürfte Otto diese päpstliche Drohung, als Curialstil die Härten der Mahnung um so mehr angesehen haben, weil sie ihn im Grunde gar nicht trafen. Denn ich finde nicht, daß der Papst von ihm die Rückgabe des schon occnpirtcn Landes verlangt hätte, sondern er bedrohte ihn nur für den andern Fall mit dem Banne, wenn er fernerhin (cko eotsro) die Rechte der Kirche beeinträchtigen würde. Es scheint doch, daß Jnnocenz schon damals als die Basis für die Herstellung des Friedens den durch die tus- cische Oecnpation geschaffenen Besitzstand anzunehmen geneigt war, natürlich unter der Bedingung, daß Otto nun nicht weiter um sich greise und vor Allem von dem Angriffe ans Sicilicn abstche. Indessen Otto dachte gar nicht daran, den kleinen noch übrigen Kirchenstaat anzntasten. Er hatte das genommen, worauf er mindestens gleich gute Rechte zu haben glaubte als der Papst; im klebrigen wollte er ebensowenig diesem in seinem unzweifelhaften Eigenthumc nahe treten als sich selbst von ihm in der Ausübung der eigenen Befugnisse behindern lassen, zu welchen er eben den Angriff auf den Äönig von Sicilicn rechnete. So soll er denn in seiner Antwort auf jenes päpstliche Schreiben unter unbedingtester Anerkennung der geistlichen Gewalt des Schreibenden gclüugnct haben, daß hier irgend ein Anlaß zu ihrer Anwendung vorlicge. Ihr Streit beziehe sich nur ans weltliche Dinge: „über diese aber, darauf achtet, gedenken wir im ganzen Reiche als Kaiser zu ur- theilen r)". Ja jenes halbe Entgegenkommen des Papstes, welches die Hülflvsigkeit desselben bezeugte, hat wahrscheinlich den Kaiser gerade in dem Glauben bestärkt, daß auch die Drohung nicht ernst gemeint sein werde. Er lebte unter Männern, welche sich sehr Wohl 1838 S. 346 und Balentinelli, Reg. der Marcusbibl. 180, und daß mau schon im 13. Jahrhundert wußte, daß cs von Jnnocenz III. au Otto IV. gerichtet worden sei, zeigt üoli. Victor, p. 277 und eine Abschrift in der Xinbrogirrnn. Archiv XII, 612. b'ottli. ItcA. pont. ur. 4133 und 7662 hat dasselbe.Stück einmal Jnnocenz III. und dann wieder Honorius III. zugeschrieben. Vgl. Gott, gel. Anz. 1873 S. 1692; 1874 S. 173. Es ist übrigens das letzte'uns bekannte Schreiben des Papstes an Otto. Die Antwort Otto's bei llalin, Ooll. >non. I, 149. Ori^. Knclt'. III, 821 kann ich in der vorliegenden Form nicht als authentisch ansehen; höchstens kann sie als ein Auszug gelten, bei dem aber doch sehr Wesentliches übergangen worden wäre. Abgesehen aber auch davon, daß sic die vom Papste «»gezogenen Thatsachen gar nicht berührt und genau genommen ans dessen Vorhalte gar nicht antwortet, scheinen mir solche Ausdrücke unmöglich zu sein, z. B. mirnri non possumns non iinincrito, cznock nck iucliAunin nostri rcprclisnsiousm in tnntn vsrvornm innltituckins npostolicn clcincntia Inbornvit. Onius pro- lixitnti uolcntso, sicnt vnlcinns, rssponclcrc ctc. Nach solcher Antwort hätte der Papst die Verhandlungen durch den Abt unmöglich weiter führen lassen können; das ist aber doch geschehen. Das Ganze ist wahrscheinlich eine Uebnngs- schrift, die sich der während des Konflikts üblichen Anschauungsweise Otto's und seiner Umgebung einigermaßen anpaßt, ähnlich wie der oben erwähnte angebliche Brief Wolfgers an den Papst. Ursachen und Beginn des Zerwürfnisses mit dem Papste, 1210. 243 der Thatsache erinnern konnten, daß Coelestin III. in ganz ähnlicher Lage ebenfalls Sicilien durch seinen aufgehobenen Finger zu schützen gemeint und schließlich docki Nichts gegen den Eroberer zu unternehmen gewagt hatte: wie nahe lag der Schluß, daß auch Jnnocenz III. sich zwei Mal besinnen werde die angedrohtc Ex- communication zur Wahrheit zu machen, wenn Otto den Erfolg für sich hatte und erst wirklich, wie einst Kaiser Heinrich, Herr des ganzen Italien war! Denn abgesehen von der Ungeheuern Uebermacht, welche Otto IV., auch ohne so zu sagen officiell vom Reiche unterstützt zu sein, gegen König Friedrich ins Feld zu führen vermochte, der im Grunde gar keine Verkheidigungsmittel besaß, kam ihm noch der Umstand wesentlich zu statten, daß in gleicher Weise, wie früher bei dem Angriffe Heinrichs VI., auch jetzt wieder ein großer Theil der Barone des Königreiches mit dem Landesfcinde gemeinschaftliche Sache machte. Allen ging Graf Peter von Celano mit seinem Beispiele voran, der große Virtuose in der Kunst des Verraths^). Die Sorge des sici- lischen Königspaares, daß auch seine nächste Umgebung von der allgemeinen Krankheit angesteckt sein möge, war deshalb eine sehr berechtigte und sein Verdacht richtete sich vor Allem gegen den höchsten Beamten des Königreiches, den Kanzler Walther von Palear, der allerdings sowohl durch seine Verwandtschaft mit Peter von Celano als auch ganz besonders durch seinen Charakter und seine zweideutige Vergangenheit solchem Verdachte stark blosgestellt war. Wenn man einer freilich späten Nachricht Glauben schenken darf, war gerade' die von Jnnocenz selbst dem jungen Könige gegebene Berathcrin, die Königin Konstanze, die Urheberin des Ausschlusses des Kanzlers aus dem hohen Rathskollegium der Familiären, die Ursache seiner Entfernung vom Hofe, und sie hat dies ungefähr in derselben Zeit dnrchgesctzt, in welcher auch des Grafen von Celano offener Ucbertritt zum Kaiser erfolgte 2). Die politische Tragweite st Für Peters Einverständnis; nüt Otto IV. bieten Xnn. Osooan. n I2>0 p. 300, Xnn. Oasln. n. 1200 p. 310; II)'va. äo 8. Oorin. a. 1210 p. 334, OUron. Xtinenss bei II§ksI1i (ockit. I) I. Xppeucl >>. 502 u. A. genügende Belege. Auch die Oont. vlrrou. ex ?antliso oxo. (Al. O. 83. XXll, 369); Otto acl snAKestionein et vonsilinm lznornnckain eoinituin rsg'ni et prseipns Vstri eoinitw Oelani, 8ieilis i'SAnrun intrnvit. Es bleibt nur zweifelhaft, von welcher Zeit an dies Einverständnis; datirt, da er es anscheinend nicht früher als 1210 bethätigt hat. Ich möchte aber annehmen, das; er schon Anfangs 1209 wieder mit Dipold zusammen gegangen ist, da im April 1200 sein Gegner Graf Richard von Fondi sich der Gunst des Palermitancr Hofes erfreute, s. 0. S. 03 Anm. 4. st Olirou. 8io. drevo, IlniU.-IIrsIi. I, 803: Onao (Oonstautia) nmlo eousilio äueta nun enm viro onncksm onnvollarium a onria oornin oxeln- sernnt, Bgl. Jnnoeenz an Friedrich 25. Juni 1210 Istnst. XIII, 83: a tun ipsnm lamilinritats rvosäsro pormisisti. Walther zog sich also wohl in sein Bisthum Catanca zurück, nachdem er noch im Januar 1210 die Urkunden Friedrichs für die schwäbischen Klöster (s. S. 139 Anm. 3t reeognoscirt hatte. Aus den Monaten Februar und März fehlen uns königliche Urkunden; in einer vom April llnUI.-IIrell. I, 105 kommt Walther als Kanzler nicht mehr vor. Als solcher fnngirt er erst wieder im Mär; 1213, idiä. p. 253, als also keine Gefahr mehr war. 16 244 Zweites Buch, Kapitel II. 1216. dieser Veränderung am Hofe erhält noch mehr Licht durch die gewiß nicht zufällig zusammentreffcnde Thatsache, daß seitdem einer der früheren Gegner Walthers, der genuesische Graf von Syrakus Alaman da Costa an seiner Statt den Familiären zugczählt ward ^). Denn gegenüber der engen Verbindung, welche Otto IV. mit Pisa eingegangen war, kam es ganz von selbst dahin, daß der bedrohte König Siciliens bei Genua Schutz suchte, und wie wir sahen, bis zu einem gewissen Grade auch fand. Die Schuld des Kanzlers ist nicht erwiesen, ja nicht einmal wahrscheinlich, da Jnnocenz III. sonst dem in Ungnade Gefallenen bei dem Könige gewiß nicht das Wort geredet haben würde. Mochte nun Walther wirklich Verrath gesonnen haben oder nicht, in solcher kritischen Zeit war es unmöglich, einem auch nur Verdächtigen die Leitung der Geschäfte zu überlassen und Friedrich gab deshalb dem Fürwortc des Papstes nicht nach, obwohl dieser — auch durch andere uns unbekannte Handlungen Friedrichs einigermaßen gereizt — an die Mahnung die Drohung geknüpft hatte, daß die Kirche, um sich selbst vor Schaden zu bewahren, der aus bes Königs Unachtsamkeit entstehen könnte, unter Umstünden auf Anderes sinnen, das heißt doch wohl, sich ohne weitere Rücksicht auf ihn mit Otto IV. anseinandersetzen werdet- War aber diese Drohung ernst gemeint? Friedrich hat offenbar begriffen, daß die Kirche um ihrer selbst willen, und möge er thun, was er wolle, ihn in diesem Augenblicke nicht fallen lassen durfte, und er hat gerade in diesen Tagen ihr allgemeines Interesse an dem Bestehen seines Königreiches noch dadurch zu verstärken gewußt, daß er ihr als Ersatz für die während der Vormundschaft gehabten Unkosten das Gebiet des Klosters Monte Casino und die Herrschaften Aquino und Sora verpfändete^), also jene Landstriche, welche dem feindlichen Anprall zunächst ausgesctzt waren. Die Entfernung des Kanzlers vom Hose und die' Ueberweisung dieser Grenzgebiete in den unmittelbaren Schutz der Kirche werden als die ersten Vorbereitungen der sicilischcn Regierung auf den bevorstehenden Angriff des Kaisers zu betrachten sein. y Vgl. oben S. 60. 61 Anm. 1. y Jnnocenz an Friedrich 25. Juni 1210 Lpist. XIII, 53: Uuäs uisi Nass st gllu, gnas cts 1s non avsgus clolors Irsczusntsr gnciimus, oslo- ritsr rstormars stnäusris, . . . nos lioel luvitos oportsrst onpsr Iros alinä oogilars, ns od-tnam nSAÜASntiain Hornung, ssslssig Aravitvr laeciorstnr, czuno pro 1s non solnrn gliis, ssä stiam irnpsralori, ss polsulsr opponil. Man sieht, daß Jnnocenz auch in anderen uns unbekannten Dingen nicht mit Friedrich zufrieden war. Vielleicht gehörte dazu des Königs Einmischung in die Bischofswahl von Policastro, die wieder nicht dem Konkordate gemäß war. Vgl. Lpist. XIV, 8! vom 17. Juni 1211. b) Ilonlsanx cis OInn)- ur. XXI vom Juni 12Il>. Der defensive Charakter der Verpfändung tritt recht deutlich bei ihrer Erneuerung im Decembcr Ilüä. XXII hervor, indem Friedrich damals — der Krieg mit Otto war schon ausgcbrochen — die Ilnterthancn jener Gebiete riicksichtlich ihrer Hccrespflicht an den Papst weist. Ursachen undiBeginn des Zerwürfnisses mit dem Papste, 4210. 245 Dieser aber ließ nun nicht mehr lange auf sich warten. Zu Anfang des Oktober wandte Otto von Tuscicn sich östlich zum Tiber und bewerkstelligte dort die Bereinigung mit Herzog Dipold von Spoleto, welcher bei der Eroberung des Königreichs nicht fehlen durfte, da sie doch wohl vornehmlich auf seinen Äntrieb unternommen ward '). Aus den nächsten Wochen liegen keine andern Nachrichten vor, als daß der Kaiser am 4 November in Assisis, am 7. jenseits des Apennin zu S. Scverino in der Mark Ancona gewesen sein soll^). Ist das richtig, dann muß man annchmcn, daß in der Zwischenzeit das kaiserliche Heer an dem noch zum Papste haltenden Rieti vorbei Z sich allmählich gegen die Grenze von Spoleto vorgeschoben und diese wohl schon um jene Zeit überschritten hatte, als Otto selbst noch in der Mark verweilte. Mit kluger Berechnung wählte man als Eingangsthor diejenige Provinz des Königreichs ans, in welcher Dipold von Spoleto und Peter von Celano durch ihre alten Verbindungen die besten Dienste leisten konnten, so daß um Martini schon das Land bis nach Capua hin für den Kaiser gewonnen galt. Inzwischen kam dieser selbst herbei. Unter dem Geleite jener beiden Männer zog er das Thal des Garigliano hinunter und in das von seinen Einwohnern verlassene San Gcrmano ein. Die Furcht vor Raub und Mord hatte sie davon getrieben, doch der Abt Petrus von Monte Casino wußte durch rechtzeitige Nuterwcrsung seiue Unterthanen vor der Wiederholung der Knegsgrencl früherer Zeiten zu bewahren. Daß diese (üirou. 8ivni. IlniU.-IIröli. I, 894: (Inni essvt in vivitatv Ortv (voU. Xeapol.: One), aU instantiani et vooatiousin ignornnUain nniAnornin vi- rornrn rs^ni rvKunin iutrnvit. Es dürfte dies zunächst auf Dipold gehen, da dieser am 11. Oktober in enstris iu ooinitatn PnUsrtino Zeuge der Urkunde Otto's für den Pfalzgrafen Jldibrandin s. o. S. 240 ist; doch kann inan weiter an Peter von Celano n. A. denken. Vgl. oben S. 232 Anm. I. 2) November 4. auf Bitte des Abts Nikolaus von S. Croce in Sassovivo für die Kirche S. Liberata im Gebiete von Mnggiano. Ans dem livMstum sig'. -s- kok. 279 im Archiv von Sassovivo citirt von UaoovsUo, Lron. Uvl invuast. cU Lass. (1653. 4") 62. Böhmer notirt in dem Handexemplar der Regesten die „wunderlichen Daten" !1209, inU. 12, inip. 1, welche zum Orte nicht passen. b) Nov. 7 (so im Orig.) für die Reichskirche S. Severino Xvtn imp. nr. 252, (wörtlich gleich Friedrich I. im Jahre 1177 iviä. nr. 136), zwar mit inU. 14, aber ino. 1211 und dies im Original s. Archiv XII, 563. Obwohl das Siegel das rechte ist, zweifelte B. an der Authcnticität. Für die Reise nach S. Severino (westlich von Macerata) weiß ich keine Erklärung. Vielleicht wollte Otto die Truppen ans der Mark persönlich übernehmen; doch scheint der Kampf gegen Friedrich von der Mark anS schon früher begonnen zu haben. Denn Polos, p. 132 knüpft an die Nachricht, daß Faenza schon im Februar dem Kaiser acht Ritter gestellt habe, die weitere Bemerkung: gnos ills onin aliis inilitivns Itaiis sud Xsokino inarobionv in Xpuiiain inisit aU IHrienm lioAvriuin impnAnnnäuin; d'. Liearcki (Un-on. p. 622: nmrolrionein onin vxsreitu inisit in .lpulinin. Aus den folgenden zwei Monaten ist keine Urkunde Otto's erbalten. U Uvce. Uv 8. (Isrin. p. 334. Vgl. Houorins III für Rieti 1225 September 26. Ficker, Forsch. IV, 356. 246 Zweites Buch, Kapitel II. 1210. Gebiete von König Friedrich der Kirche verpfändet wvrden waren, hat weder die Eingesessenen abgchalten, dem Kaiser zn gehorsamen, noch diesen, ihre Unterwerfung anznnehmen oder nvthigenfalls zu erzwingen >). Capna ward ihm durch den Grafen von Celano geöffnet ch, Aqnino, welches die Uebergabe verweigerte, durch Dipvld, allerdings erfolglos, belagert ch, Aversa, welches ebenfalls sich noch zum Könige Friedrich bekannte, durch den Kaiser selbst bis Weihnachten zn vertragsmäßiger Ergebung gebracht st. Inzwischen hatte sich Neapel für ihn erklärtst und schon war auch Salerno ihm gewonnen, theils durch die alte» Beziehungen Dipolds zu dieser Stadt, theils durch den Uebcrtritt der früheren Gegner desselben und vor Allen der großen Familie der Ajelli "s. Kurz, Otto konnte mit den Ergebnissen dieses ersten Feldzuges von wenigen Wochen wohl zufrieden sein, obwohl der mächtigste Baron der Terra di La- voro, Graf Richard von Fvndi, seinem Könige und dem Papste treu st Die Lokalnachrichten Xnn. Csssan. AI. auf Otto's Seite zn stehen scheint, so ist er selbstverständlich nicht damals erst übergetreten. Ursachen und Beginn des Zerwürfnisses mit dem Papste, 1210. 247 blieb *). Es war die größte Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß der Feldzug des nächsten Jahres, für welchen Otto während des Winterlagers'zu Capua Maschinen und sonstige Bedürfnisse vorberciten ließ 2), ihn völlig znm Gebieter des ficilischen Königreiches machen würde. Odrou. Xtlu. 1. c. 2) Xnu. tlsoeau. 1. v.; Olrrou. Licmräi Llurut. 8or. VII, 002; Ovrou. Virsp. LI. O. 8s. XXIII, 374. 6Iu-yu. 8usssnu. gicbt entschieden ;u reichlich die Taner des Aufenthalts in Capua auf 5 Monate an. » Drittes Kapitel. Otto IV. im Kampfe mit Friedrich von Sicilien und dem Papste, 1211. „Da das Interesse der Kirche eine Stütze heischt, sv fordert es zur Ausrechthaltung ihrer allerheiligste» Rechte vor Allem die Erhaltung eines Königs und eines Königreichs, auf welches sie rechnen kann." Von der Idee, welcher diese von Pius IX. im Juni 1860 gesprochenen Worte Ausdruck gebend, hat sich schon Jnnv- ceuz III. stets leiten lassen. Darum verhinderte er nach dem Tode Heinrichs VI. den Uebergang der deutschen Krone ans den König von Stellten; darum beförderte er aus allen Kräften die Erhebung des Welfen, welche die dynastische Trennung Siciliens vom Kaiserreiche besiegeln sollte, und darum beguemte er sich erst dann znm Frieden mit Philipp von Schwaben, als er theils in der Mündigkeit Friedrichs von Sicilien, theils wohl auch in ausdrücklichen Erklärungen des deutschen Staufers Bürgschaften für die Dauer dieser Trennung zu besitzen glaubte. Den Verlust der Reknpcra- tiouen und die Herstellung der kaiserlichen Herrschaft in Mittelitalien hatte er verschmerzt: verblieb doch wenigstens das Reich der Normannen der Verfügung der Kirche! Er hätte auch die tus- cischeu Occupationen des Kaisers sich schließlich gefallen lassen, wenn Otto sich damit begnügt und seine Hand nun nicht auch nach dem Lande im Süden ausgestreckt hätte, auf welches sich vie Hoffnungen und Sorgen der Kurie jetzt um so mehr conccntrirtcn, je weniger sie sonst noch zu hoffen und zu sorgen hatte. Jnnvcenz vermochte viel zu ertragen, nur das Eine nicht, daß der neue Kaiser wie der vorige seine Herrschaft über ganz Italien erstreckte und, um dies zu verhindern, that er, was sein schwacher Vorfahr auf dem päpstlichen Throne Heinrich VI. gegenüber nicht gewagt hatte: er sprach 0 v. -Lvbels histor. Zeitschr. Bd. XII, 143. Otto IV. im Kampfe mit Friedrich und dem Papste, 1211. 249 auf die Nachricht, daß Otto IV. die Grenze des Königreichs überschritten habe, am 18. November 1210 über ihn und seine Helfer den Bann aus und entband die llnterthanen des Kaisers von der Verpflichtung zur Treue *). Als Jmiocciiz in dieser Weise gegen den Welfen einschritt, dessen Erhebung er einst als eine besondere Gnade Gottes gegen seine Kirche begrüßt hatte, scheint er immer noch nicht der Meinung gewesen zu sein, damit alle Brücken zur Verständigung und für immer abgebrochen zu habe». Es war doch denkbar, daß Otto vor dieser unzweideutigen Kundgebung des päpstlichen Entschlusses Halt machte und sich gründlich überlegte, ob die Eroberung Sici- licns die Gefahren eines Kampfes ans Leben und Tod mit dem Papstthnme aufwicgc. Jnnoccnz hat deshalb, wie später gezeigt werden soll, die Verhandlungen mit ihm keineswegs nach der Excommu- nicativn abgebrochen, zugleich aber für den anderen Fall, daß sie. auch jetzt fruchtlos blieben und daß der Kampf wirklich geführt werden müßte, bei Zeiten nach Bundesgenossen Umschau gehalten. Sein Verkehr mit der Außenwelt ward freilich dadurch stark behindert, daß die Straßen nach Rom von den Kaiserlichen streng überwacht wurden, wie das namentlich von Montefiascone aus ge- 0 >tnn. (.'»sin. p. 320, denen Ilxec. äs 8. Hierin. folgt. Ihre Angabe wird gegen andere Quellen, welche den Bann erst am Gründonnerstage 1211 erfolgen lassen ff. u.) — vielleicht weil er erst damals feierlichst verkündigt ward —, dadurch unterstützt, daß Jnnocenz am 22. Decembcr den Visanern schreibt, IPnst. XIII, 193: si pro>wsito illi «Inxsrltio insistancluin, nt contra nos st Ituain seelain Ottoni llivto iinzioratori sxcoininnnivato st inalsdieto Iiupsnelsrltls nnxilinin ad rsgnnin 8icilio oecnpanclnin ste. und in dsvotions ssvlae psroiotvrs studsatio, atz ssnsdsin sxcoinrnunioati vos auxilio outztratzendo, -i ansus tidslitats iain sstis psr ssnournin canonicanr st dsunntiatlonein apooiolisain atzoolnti stc. (Da ist es allerdings merkwürdig, dass Jnnocenz 1. Februar 1211 au den König von Frankreich ^.eta Iinp. ur. 920 nur von der Androbung, nicht von der Verhängung des Bannes spricht: Intsrdixinnw si sntz posna sxcoinin., na contra nos . . . st rsAenr 8isiIIs tantain psros- cntiousin sxsraeat sto., epnoel si 8v in osntontiain sxcoinin. iuiovsrit, nni- vcrsos n tidslitats sna novorit atzsolutos.)— Die Oontin. lio^sri de Ilo- xsdsn in Nsnior. Ir. V'ntt. ds (lovsntria sä. 8tntztzs II, 202 legt die Ex- communication der Anhänger Otto's und seine eigene in verschiedene Zeiten: Vriino in vlus 8ato>IitS8, doinds In Ip8n>n anattzsinatio oentsntiain con- torizneno. atz sino tidslitats st tzmnaAio totin8 iinperii ^rineipso atzoolv-it etc. Wollte mau aber darnach annehmen, daß Otto'S Anhänger schon vor 18. November gebannt seien, so widerspricht dem wieder liz-se.: lüxconnnnuioat stiain 01 NNS 8 iantorso illins in octavis tz. ülartini. — Onül. Ilrito p. 85 zieht Bann und EideSlösnng zeitlich ans einander: vonnnunicato t'ratruin oonoilio. sxeonnnnnisativnio iii snin ocntsntiain proinulANvit. Ist cnnr nov sic rs- oipiocero vollet . . ., atzoolvit oninss ontzditoo siu8 atz ipoino tidslitats. antz intsrininatinns anattzsinatio intzitzsns, ns gnis surn tzatzsrst vsl noininarst Iinpsratorsm. Auch das wird durch den Brief des Papstes an Pisa widerlegt. Vollends unhaltbar ist die Nachricht der Otzron. rsß-. Ool. p. 15, daß der Papst am 11. November die schon vorher ausgesprochene Excommunication des Kaisers zu verkündigen befohlen habe. 250 Zweites Buch, Kapitel III. 1211. schah st. Die Sperre ist indessen nicht einmal auf der Landscite vollständig gelungen und da zugleich der Seeweg offen blieb, wird es den Agenten und den Schreiben des Papstes nicht allznschwer geworden sein, an ihren Bestimmungsort zu gelangen. Jnnoccnz dürste übrigens so gut wie wir darüber unterrichtet gewesen sein, daß die kaiserliche Unternehmung gegen Sicilien nicht den Beifall der deutschen Fürsten hatte, und cs liegt in der Natur der Sache, daß er ihre Mißstimmung für sich zu nützen und durch sie einen Druck ans Otto zu üben suchte 2 ). Eine geeignete Mittelsperson, wenigstens für den Nordwestcn, glaubte er in dem abgesetzten Erzbischof von Köln Adolf von Altena zu finden, dessen Abfall von Otto er jetzt mit ganz anderen Angen ansah, nachdem Otto sich auch ihm gegenüber rücksichtslos betragen hatte. Er meinte jetzt, daß Adolf doch wohl Grund gehabt haben mochte, sich von einem so undankbaren Menschen losznsagen st, und da Adolf durch gehorsame Unterwerfung unter die ihm für seine Eigenmächtigkeit anserlegte Strafe sein Vergehen gesühnt hatte, gab er ihm am 12. November einen Thcil der bischöflichen Befugnisse zurück und die Ermächtigung, jedes Kirchenamt, zu dem er berufen werden möchte, anzunehmcn, nur nicht ein Bisthnm. Nicht als ob Jnno- eenz dieses ihm für immer versagen wollte, aber er machte die Annahme desselben von einer besonderen Erlaubniß abhängig, welche Adolf sich durch sein weiteres politisches Verhalten erst noch verdienen solltest. Der entthronte, jetzt aber wieder der Gnade theil- haftig gewordene Erzbischof war überdies eine sehr zweckmäßige Bedrohung des regierenden Erzbischofs von Köln für den Fall, daß dieser dem päpstlichen Vorgehen gegen den Kaiser nicht seine Unterstützung zu leihen geneigt sein sollte, und Bedrohung einerseits und Lockung andrerseits sind ja stets die wirksamsten Mittel l) (Inillo Urit. p. 85 vor dem Banne: llomipotas kaeiebat a snis vispillionibns, epcos in eastra posnerst, spoliari weiter ansgeinalt Udilippis VIII, 919 ff.); nach dem Banne: Lum nee sie rssipisesre vsllet, imo magis ae magis res eeelas oeenparet et iter liomipetarnm impsclirst eie.; Xnn. Ool. max. p. 82t: per oivitatss st sastslla enstoäidns Ueputatis, »s eni aäeuncli papam pro a1i>iseop>ornin totins ^Isinnniiinv robnrntns und iustiiretu prsäietornin spiseopornin. In dieser Allgemeinheit wohl kaum richtig, während einzelne Bischöfe immerhin den Papst ermnthigt haben möchten. Dieselbe Quelle hat auch über Otto's letzte Verhandlung mit Friedrich besondere Nachrichten. -) November I2lü. Ilnlu^s, Llise. VII, 245. Orig. (Insll. III, 470. Bgl. Scheffcr-Boichorst in Forsch, z. deutsch. Gesch. VIII, 533; Menzel bei Knochenhauer, Gesch. Thür. S. 271, 1 gegen das von Abel S. 103 und Schirr- macher I, 67 angenommene Jahr 1211. st S. o. S. 153. 207. ü Unter den Ausgaben Johanns im Jahre >210 finde ich bei Ilni'ist', Hot. libvr. ne inisno p.' 151: Februar 21 llilslisrto clv 8nuss enutl all iinpsrntnrsin 15 mnro.: p. >54: März 7 Hvsrnräo servisnti O. imp. eunti nd äoininnin sunin 20-2 innre.; p. 156: März 18 n>I soonlin iinpsrntoris Eismann. 200 innre.; Ilsnrieo iniliti sinsäsin iinp. äs äono 20 innre.; liobsrt» elerieo <1. spiseopi cls 8pires äs äano 10 innre.; p. 164: Mai 2 Ktetl'nno nuntio ä. iinpvrntnris suuti nä äoniinuin sunin innre. Am 21. August 1210 war stnillölinns Iligot äs ^iiAlin am Hofe des Kaisers, -lein iinp. i>r. 250, vgl. S. 207 Anm. 3. 252 Zweites Buch, Kapitel III, 1211, Philipp nicht durch nnzeitige Betonung der Streitpunkte zu erschweren, Aus den salbungsvollen Worten, mit welchen er am 7, Mai 1210 die unglückliche Königin Jngeborg tröstete und zur Geduld ermahntes blicktldoch eben doch das Gestündniß hervor, daß er jetzt für sie Nichts thun könne oder möge. Man durfte in Rom dem Gatten nicht Unrecht geben, weil man den König brauchte. Inzwischen muß sich das Verhältniß des Papstes zu letzterem immer freundlicher gestaltet Habens so daß Jnnocenz schon im Herbste mit bestimmten Anträgen hervortrat. Er verlangte durch seinen in Frankreich weilenden Kapellan Percgrin, daß Philipp ihm 200 Ritter hcrübcrsende und das zur Ncrtheidigung Apuliens und des Patrimoniums »öthige Geld beschaffe, vor Allem aber die Fürsten des Reiches bearbeite, damit durch ihre Empörung Otto Italien zu verlassen genöthigt werde ^), Welche Ge- nngthnung mag der König empfunden haben, als der Papst in dieser Weise seine Hülfe gegen den Welfen erbitten mußte, vor dem jener sich früher von ihm nicht hatte warnen lassen wollen! Mit welcher Beruhigung konnte er nun dem Zusammenstöße mit dem Kaiser und England entgegensehen, da ihm fortan die Macht der Kirche gegen die gebannten Gegner zur Seite stand! Er entschloß sich die Wünsche des Papstes zu erfüllen, soweit sie mit seinem eigenen Interesse übereinstimmten, Mannschaft könne er ihm freilich nicht schicken, weil die Häfen des mittelländischen Meeres im Besitze des Reiches seien, HAfsgelder mochte er ebenfalls nicht geben, konnte es auch vielleicht nicht; aber er wußte dafür einen Ersatz, Der Papst solle nur der französischen Geistlichkeit ein Drittel ihrer Einkünfte absordcrn, da diese der Kirche und dem Könige beiznstehen verpflichtet sei, Beiden aber jetzt Gefahr drohe. Er für seine Person erklärte sich bereit, von dem ihm schuldigen Leistungen des Klerus gleichfalls ein Drittel hcrzngebcn. Was aber die Einwirkung auf die deutschen Fürsten betraf, da konnte König Philipp, als sie ihm von Rom ans empfohlen ward, sich selbst sogar schon seiner Erfolge rühmen. „Wisset, so schrieb er dem Papste zurück, daß wir dies gut und gründlich schon besorgt zu haben glauben. Aber die Fürsten verlangen von uns ein offenes Schreiben von Euch und den Kardinälen, daß Ihr nie und nimmermehr mit Otto Frieden schließen werdet, und auch ein Schreiben, in 0 Xxlst, XIII, 66, Die Art, in welcher Jngcborgs Angelegenheit in Nom betrieben ward, ist ein ebenso trefflicher Wärmemesser für die politischen Beziehungen der Kurie zu Frankreich als der analoge Prozeß der böhmischen Adela für ihre Beziehungen zum Könige von Böhmen und dessen znm Rcichsoberhanpte. -) Die Vorschläge des Papstes kennen wir nur aus der Antwort des Königs (s. folg, AnmO. Uslisls, OntnI. p. 287 u, 4 und Scheffer-Boichorst in Forsch, VIII, 528 meinen, daß sie wohl im September gemacht seien, weil Jn- noccnz damals dem Peregrin einen Auftrag crtheilte (Vpmt, XIII, 130, 131). Daraus ergiebt sich aber doch nur, daß Peregrin im September 1210 in Frankreich war. Man könnte meinen, daß die päpstlichen Vorschläge erst nach der Excommnnieation Otto's gemacht seien, weil der König in seiner Antwort von Otüo czni äieltnr imxsrrrtor spricht; aber er hatte ihn anch früher nicht anerkannt. Ttto IV. im Kampfe mit Friedrich und dem Papste, 1211. 253 welchem Ihr Alle von der Treue gegen ihn lossprccht, so daß sie dann einen Anderen erwählen können. Eine entsprechende Bürgschaft wollen wir Euch und der römischen Kirche geben. Wenn Ihr uns derartige Schreiben von Euch »nd den Kardinälcn schickt, werden wir zu Anfang des Sommers den Krieg beginnen und mit unserem Heere ins Reich einfallen. Ihr aber möget dem Magister Peregrin "oder irgend einem Anderen Vollmacht geben, diejenigen Reichscmgehörigen, welche sich unS widcrsctzcn werden, durch den Bann zur Ruhe zu bringen." Der König gab außerdem dem nach Rom heimkehrenden Peregrin noch allerlei mündliche Aufträge mit*) und man mag glauben, daß er die gute Gelegenheit nicht vorüber gelassen haben wird, ohne sowohl für die Scheidung von Jngeborg als auch für die seit Jahren angestrebte Grcuzerwcitcrung auf Kosten Deutschlands die Genehmigung des Papstes zu erbitten. Der Augenblick war in der That so günstig wie nie zuvor. Die entschiedene Parteinahme des Kaisers für den Bischof Johann von Cambrai gegen die dortigen Bürger, welche Stto zu Anfang des Jahres 1209 des ihnen von Friedrich I. verliehenen „Friedens" beraubt und, weil sie mehr als drei Jahre im Banne geblieben waren, auch geächtet Haltes, mußte die letzteren früher oder später zu dem französischen Nachbarn hinübertreibcn, welcher sich durch seine wohlbcrechnetc Förderung der municipalen Entwicklung den Bischvfsstüdtcn empfahl. Aber König Philipp hatte seine Augen auch schon auf die lothringischen Bisthümcr gerichtet und wußte daraus Nutzen zu ziehen, daß sic sämmtlich in diesen Jahren zur Erledigung kamen. Es geschah wohl kaum ohne sein Zuthun, daß an die Stelle des Bischofs Albert von Verdun, welcher im Kampfe mit seinen Bürgern am 25. Juli 1208 erschlagen worden war^), ein Geistlicher aus der Cchampague kam, nämlich Robert de Grand- pre, und französischer Einfluß wird sicherlich dazu mitgcwirkt haben, daß dem wegen seines schändlichen Lebenswandels vom Papste am 7. Januar 1210 abgcsctztcn Bischöfe von Toul, Matthäus von Lvth- h Undatirter Brief des Königs, erhallen nur in einer schlechten Abschrift des kgl. Registers aus dem 14. Jahrhundert und anscheinend hie und da verkürzt: Dslisls p. 517. Er ist abgefaßt, wie Scheffer-Boichorst S. 531 richtig bemerkt, vor 1. Februar 1211, da an diesem Tage der Papst den Wunsch des Königs rücksichtlich der Ausschreiben erfüllt. 0 1209 Januar I I. 12. Lnill.-lirsü., Hist. äipl. I, 403. ^eta imp. nr. 231, übrigen« im Anschluß an eine schon 1201 getroffene Entscheidung, s. Bd. I. S. 225, 2. Die Aufhebung der pax wurde, ehe Johann aus Italien heimzog, am 19. Januar 1210 gleichlautend wie am 11. Januar 1209 beurkundet,' nur daß der Zeitraum, wahrend dessen die Bürger im Banne geblieben, jetzt gnnisrieiuiinm ist, ^.ata imp. nr. 238. Auffällig aber ist, daß die Strafe der Uebcrtretnng jetzt nur auf 200 Pfund, statt der früheren 1000, normirt wird; doch ist die Lesart wegen der Zerstörung des Pergaments gerade hier nicht ganz sicher. 2) ^.nn. 8. Viti Virclun. 51. (4. 8s. X, 527; .51dricus ibicl. XXIII, 889. Bgl. Innoa. Lpist. XI, 261. 254 Zweites Buch, Kapitel III. 1211. ringen *), zum Nachfolger Reginald de Senlis gegeben ward, dessen Vater des französischen Königs Schenke war, ein Vetter des von diesem gegen Lothringen unterstützten Grafen von Bar-). Als endlich am 6. April 1212 der hochbejahrte Bertram von Metz starb, da ward wieder ein Franzose Wilhelm de Joinville als Kandidat für den erledigten Bischofsstnhl aufgestellt und, wenn andere Ursachen schließlich diesen Kandidaten zu Falle brachten, so waren doch jetzt immerhin zwei lothringische Bisthttmer in den Händen solcher Männer, welche früher Angehörige des französischen Reiches gewesen und durch ihre Familienbezichungcn ganz dorthin gekehrt waren. Wenn Frankreich die förmliche Erwerbung dieser Gebiete beabsichtigte, so war ihr durch die Neubesetzung jener Bisthümer ebenso trefflich vorgearbeitet worden als rücksichtlich Cambrai's durch die lang dauernden Streitigkeiten zwischen dem Fürsten und seinen Unterthauen. Mag iinn König Philipp damals, als Juuoccuz seiner drin gend bedurfte, vor demselben solche Absichten auf deutsches Land enthüllt haben oder nicht, sie konnten den brennenden Fragen des Tages gegenüber nur als nebensächliche betrachtet werden. Die Uebcreinstimmnng des Papstes und des Königs in der Hauptsache') litt wenigstens nicht darunter, daß Jnnocenz, um die französische Lust nach dem Lande des Nachbarn nicht allzu großer Versuchung ausznsetzen, den von Philipp vorgeschlagenen Einfall in das Reich nicht gebilligt zu haben scheint ^). Aber er war vollständig mit demselben darüber einverstanden, daß das Ziel ihres gemeinschaftlichen Vorgehens die Entthronung des Kaisers sein müsse, und ergab dieser Uebcrzcngung in seinen ans die Oeffcntlichkeit berechneten Schreiben Ausdruck, welche ganz nach dem Wunsche des französischen Königs abgefaßt wurden. Das eine vom l. Februar 12l1 beginnt mit dem schmerzlichen Bekenntnisse, daß er sich in Otto getäuscht und daß der König denselben viel richtiger bcnrthcilt habe. „O wenn doch, thcnerstcr Sohn, der Charakter Otto's, der sich Kaiser nennt, mir so bekannt gewesen wäre, wie er dir bekannt war! Dann würde ich von ihm nicht so grausam überlistet worden sein." Jetzt genügt ihm nicht h luuoe. Ihilst. XII, 149; val. liieli. 8vuou. III e. I. 2 im lisLuuil XVIII, 683. st liioli. 8suou. III, o. 3; Xllwleus p. 891. st ^Idrious p>. 891 erzählt Bertrams Tod zu 1210. Bon den Neueren hat I^ottliust, Ilibl. löst. 8uppl. p. 361 ihn zu 1211, Remling aber zu 1212 angesetzt und das Letzte ist richtig nach dem von Uaurisss, llist. äo älotL (1634. lol.) p. 438 mitgethcilten unzweifelhast alten Epitaph: anno inillouo äuueutsuo äumlouo. Den 6. April als Todestag giebt Meurisse nach dem Nekrologium der Kathedrale, lieber die Kandidatur Joinvillc's s. Ouliuot, llist. äs I^orruiuö II (1728) ji. 270 nach Ilouoit, Hist. inss. Ns st Diese ergiebt sich sowohl aus den gleich zu besprechenden Manifestationen des Papstes, als auch aus einem Briefe des Königs vom März 1211 au den Erzbischof von Sens. Oalliu elu-lst. XII. Instr. 63. st Scheffer-Boichorst a. a. O. S. 532. Otto IV. im Kampfe mit Friedrich und dem Papste, 1211. 255 mehr, daß er Friedrichs Erbtheil in Deutschland in Besitz genommen; schon streckt er die Hand nach Sicilicn ans und „sein Uebcrmuth überschreitet so alle Grenzen, daß er öffentlich verkündigt, in Kurzem würden alle Könige der Welt seiner Herrschaft unterworfen sein". In diesem Hinweise auf Ottv's Eroberungssucht liegt gerade der Schwerpunkt des päpstlichen Briefes und Jnnocenz sorgte dafür, daß keine Ungewißheit darüber bestehen blieb, wer von ihr am meisten bedroht sei. Denn er enthüllte nun Ottv's Aeußernngen bei der Zusammenkunft zu Bitcrbv und die derbe Abweisung, welche er sich dort von ihm geholt hatte, als er sich zum Vermittler zwischen dem Kaiser und Frankreich anbot. Der von Otto unverhohlen zur Schau getragenen Feindschaft gegen Frankreich stellte er endlich seine eigenen Bemühungen um den Frieden und die Sicherheit dieses Landes gegenüber und er schloß mit der Versicherung, daß die Kirche niemals sich Frankreich versagen werde, das in guten und in bösen Tagen ihr hülfrcich zur Seite gestanden habe H. Dieser Brief ist allerdings an König Philipp selbst gerichtet. Da er aber Nichts enthält, was dieser nicht schon längst gewußt hätte, und da die Anffvrdernng am Schlüsse, dem Papste mitzu- theilen, was der König nun zu thun gedenke, keinen Sinn hat, nachdem zwischen ihnen schon feste Verabredungen getroffen worden waren, kann er kaum zu einem anderen Zweck geschrieben worden sein, als um den König selbst bei den Verhandlungen mit seinen Vasallen und Untcrthanen rn unterstützen. Diese sollten mit gehöriger Besorgniß vor dem Kaiser erfüllt und dadurch williger gemacht werden, diejenigen Lasten zu übernehmen und zu tragen, welche der König zu seinem eigenen und zu des Papstes Besten von ihnen fordern würdet. Noch viel offenherziger giebt Jnnocenz sich in einem für die deutschen Fürsten bestimmten Schreiben, welches wohl gleichzeitig mit jenem abgesendet worden ist, um dann von Frankreich aus über die deutsche Grenze verbreitet zu werden^). Es enthält zn- 5 blotlrioo st sxtrmts II, 282; 2sretn Imp. nv. 920. 2) Dcr oben S. 254 Anm. 4 erwähnte Brief des Königs an den Erzbischof non Sens, durch welchen der Kapellan Reginald zur Einsannnlung der für den Papst bestimmten Subsidicn des französischen Klerus ermächtigt wird, lehrt uns, daß der ursprüngliche Vorschlag des Königs über die Art, wie der Klerus herangezogen werden sollte, oom Papste nicht gebilligt worden ist. Denn Philipp verzichtet jetzt auf alle ihm von der Geistlichkeit geschuldeten Leistungen, damit diese desto besser dein Papste beistehen könne, jedoch mit dcr Ausnahme: nioi, (gnoä ilsus uvovtut, iäein o. SUN, INiiANU. Fonts 8NPSV nos st VSKNNIN nosti'nin vsnirst vsl tuiituin st tgtsin ^sntoin inittovst, e>uocl nppuvsus 08 sst, qnoä Iintzlo st VLM10 N08tv0 livesro p088St. st t4otiss8 et oxti'nitv II, 284; ^.otu irnp. uv. 921. Der überlieferte Text enthält manchen Fehler; am letzteren Orte S. 631 Z. 1 v. o. ist uuetovi- tuts dontovuin, Z. 10 statt oosnvvsinlniu vielmehr ooenpnnilnin, zu lesen, wie die Vergleichung mit dem Briefe an den Bischof von Crcmona S. 632 lehrt, lieber Äbfassnngszcit und Verbreitung des Briefes s. Scheffer-Boichorst in Forsch. 256 Zweites Buch, Kapitel III. 1211. nächst die amtliche Anzeige der gegen den Kaiser ausgesprochenen Excommnnicativn und Eideslösnng und begründet diese damit, daß Otto, um bei den von Jnnoeenz gebrauchten Worten zu bleiben, „unserer Wohlthaten uneingcdenk und seiner eigenen Versprechungen nicht achtend, böswillig den König von Sicilien, welcher als Waise unter päpstlichem Schutze steht, verfolgt und mit Unrecht das Königreich desselben und anderes Land der römischen Kirche angrcist, gegen seine Eide und Verbriefnngen und gegen unser Recht und Verdienst". Nimmt hier die Besetzung päpstlicher Territorien durch den Kaiser nur die zweite Stelle ein, während in den Vordergrund die bedrohte Unabhängigkeit Sicilicns gerückt ist, so entspricht das ebenso sehr der Wahrheit, als cs sich aus ZweckmäßigkcitSrücksichten empfahl. Denn Jnnoeenz wußte wohl, daß er nicht bei allen deutschen Fürsten Gehör finden würde, wenn er sich über die Entziehung solcher Gebiete beklagte, welche noch bis 1198 theils im Eigentum theils in der Verwaltung des Pcichcs gestanden hatten. Einen unwiderleglichen Grund zur Klage hatte er doch nur in Betreff des kaiserlichen Angriffs auf Sicilien und er verstand cs vortrefflich den deutschen Fürsten begreiflich zu machen, daß dieser auch ihnen ein Recht zur Klage gebe. „Wie hoch er Euch achtet, das könnt Ihr daraus zur Genüge erkennen, daß er ohne Enern Rath cinzuholen, eine so wichtige und gefährliche Sache einzig nach seinem eigenen Gutdünken begonnen hat." Doch nicht blos die Ehre, nein die ganze Stellung des Fürstcnthnms ist vom Kaiser bedroht. „Erreicht er hier seinen Zweck, dann wird er Euch in solche Verhältnisse herabdrückcn, in welche die englischen Barone durch seine Verwandte gebracht worden sind; in England erzogen, wird er nach Kräften die Gewohnheiten dieses Landes auch im Reiche einzuführen trachten." Und wenn man einwerfen wollte, daß der Papst ja selbst die Schuld trage, wenn es mit Otto so weit gekommen ist — Jnnoeenz weiß sich auch hier, wie bei den Franzosen, mit dem offenen Eingeständnisse menschlicher Schwäche zu decken. Er habe sich eben in Otto geirrt, wie Gott selbst, der doch das Zukünftige w.eiß, den von ihm erhobenen Saul nachträglich wieder habe verwerfen müssen; endlich, wenn er ans Unwissenheit gefehlt, so habe er auch dafür gebüßt und Anderen als Beispiel gedient, daß sic sich vor List und Trug des Kaisers in Acht nehmen könnten. „Ihr z. deutsch. Gesch. VIII, 531 Amu. 2. 3; über den Inhalt auch S. 278. — Bei Lang, Log. Loion II, 40 ist eine päpstliche Bulle au den Bischof von Regeusburg verzeichnet, ut so oontrn Lrickorionm opponnt oou mnrnm pro äoino Isrusl, 15. sink. t'obr. u. 12. Abel S. 134 Amu. 3 will Ottonoin lesen und setzt deshalb das Stück zuin 18. Jan. 1211, ohne Rücksicht auf das Pontifikatsjahr zu nehmen, welchem 1210 entsprechen würde. Lottli. »r. 3880, der seinerseits an 1210 fcsthält, hat aber übersehen, daß cs damals keinen Kaiser Friedrich gab, und wenn statt dessen Otto gelesen werden sollte, daß Jnnoeenz am 18. Jan. 1210 noch nicht Veranlassung hatte, so gegen Otto zu schreiben. Mit jenem Regest ist, so wie es vorliegt, gar nichts anznfangen; das Pontificats- jahr widerstreitet auch der Vermuthung, daß darin eine Bulle Gregors IX. gegen Friedrich II. versteckt sein möchte. Otto IV. im Kampfe mit Friedrich und dem Papste, 1211. > 257 aber, sa ruft er am Schluffe deu deutschen Fürsten zu, lernet an mir, damit es euch nicht etwa so gehe, daß ihr nicht wvllt, wenn ihr könnt, und nicht könnet, wenn ihr wollt." Er versprach endlich diejenigen, welche feinen Mahnungen gehorchen würden, wirksam schützen zu wollen, was auch daraus werden möge. Mit anderen Worten: Jnnocenz sagte sich so vollständig, als es irgend möglich war, von seinem früheren Schützlinge los und gab den Abfallsgelüsten, welche König Philipp bei den deutschen Fürsten vorgefnnden zu haben behauptete, im Voraus seine vberhirtliche Sanktion. In ähnlicher aufreizender Weise ist damals den italischen Reichs- angehörigcn geschrieben worden, nur daß jene vielsagenden Hindcn- tnngen auf das, was weiter zu geschehen habe, hier fortblciben konnten, weil ja nicht die Italiener über die Zukunft des Reiches zu entscheiden hatten. Jnnocenz beschränkte sich daher ihnen gegenüber ans die ausführliche Darlegung der Gründe, welche ihn zur Excommunication des Kaisers und seiner Helfer gezwungen hätten, und auf die ernstliche Mahnung, demselben gegen die Kirche keine Unterstützung zu gewähren. Die Bischöfe erhielten den strengen Befehl, mit Hintansetzung von Furcht und Vorthcil den Bann so häufig als möglich zu verkündigen, die Bürger ihrer Städte zur Beobachtung desselben anzuhalte» und, sobald der Kaiser an einem Orte erscheine, sogleich dort den Gottesdienst einzustellen H. Römische Geistliche wurden zu gleichem Zwecke in die einzelnen Gemeinden entsendet?). Jnnoccnz III. an Bischof Sicard von Cremoua Xeta imp. nr. 922. Der erste Theil dieses Mandats bis Xck üoo novvritis ist offenbar die uns sonst nicht erhaltene Eucycliea über die Excommunication des Kaisers; was aber weiter folgt, im Besonderen auf die Aufreizung Cremonas berechnet. Das Original, aus welchem der fleißige Cereda dies Stück abgeschriebcn, soll datirt sein: 2. uou. inlii >>ont. uostri anno tortio cksoimo, was dem 6. Juli 1210 entsprechen, aber wie Ficker in der Ausgabe bemerkt, mit dem Inhalte ganz unvereinbar sein würde. Ficker meint den Fehler im Pontificatsjahr suchen zu dürfen. Da dieses jedoch nicht durch Zahlzeichen, sondern durch Worte im Original ausgcdrückt sein muß, ist es im höchsten Grade unwahrscheinlich, daß sich die päpstliibe Kanzlei gleich bei der Ausfertigung oder Cereda bei seiner Abschrift geirrt haben sollte. Der Fehler muß vielmehr in der Angabe des Tages stecken. Jnnocenz bezieht sich hier auf seine Anweisungen an ülsckiolaneusi arclriszüs- onpo, s. 11. s. cmräiuali. Das ist aber der Titel, welchen llbert de Pirovano, früher Kardinal-Diakon von S. Angelus, als Erzbischof von Mailand führte und mit dem der Papst selbst ihn oft genannt hat. Da nun dieser Ubert im Marz l21l starb Hinlini, blkiiiorie eck. 1855. IV, 184), muß der vorliegende Brief geschrieben sein, bevor Jnnocenz von Ubcrts Tod wußte, und zwar, da kein Grund uns zum Zweifel an dem Pontifieatsjahrc zwingt, vor 22. Febr. 1211, mit welchem das 14. Jahr des Papstes beginnen würde. Nach Inhalt und Zweck gehört er in eine Zeit mit den entsprechenden Schreiben an Frankreich und die Fürsten. 2 ) Forsch, z. deutsch. Gesch. XV, 37ö: Beglaubigung eines zur Verkündigung der Excommunication abgcsandten Subdiakon, in dieser Form schwerlich echt und wohl eine Erfindung des Boneompagnus, die jedoch als Mittheilung eines wohlunterrichteten Zeitgenossen lehrt, wie die Agitation gegen den Kaiser organisirt ward. Das Stück ist auch dadurch merkwürdig, daß von Alexander III. gesagt wird: ckorsum Vrocksrioi imperutorls euleavit, ckiesuo: Xiudulo supsr uoplckcnn ot vasilisonm sto. Es scheint dieses die früheste Anführung des apokryphen Dictums zu sein; wenigstens erinnert auch Prof. Reuter sich keiner älteren. Jnhrb. d.dtsch.Gcsch. — Winkeln: ann, Otto IV. 17 258 Zweites Buch, Kapitel III. 1211. Mit Frankreich war ein Plan über gemeinsames Vorgehen vereinbart, den deutschen Fürsten verräthcrischer Abfall von ihrem Kaiser mundgerecht gemacht, den Italienern Empörung gepredigt worden und trotz alledem hat Jnnocenz die Verhandlungen mit Otto noch bis in die Mitte des Februar 1211 weitergcsponnen. Hielt er selbst einen erträglichen Frieden noch für möglich oder war es vielleicht das fast vollständig in Rom anwesende Kardinalskvllcgium H, welches auf einen letzten Versuch drang? Wir wissen ans bester Quelle, nämlich von dem päpstlichen Beauftragten selbst, dem Abte von Morimund, welcher bis zu jener Frist sich fünf Mal nach Ottv's Hauptquartier zu Capua begeben mußte, daß Jnnocenz alle an seinem eigenen Territorialbesitze erlittenen Verluste ruhig hinzn- nehmen bereit war, wenn Otto um diesen Preis von der Vernichtung des ficilischen und von der beabsichtigten Bekriegung des französischen Königs abstehen wollte^). Friedrich von Sicilien soll außerdem seinerseits für den Frieden die Vcrzichtleistung auf das deutsche Allodialerbe und obendrein eine beträchtliche Summe Geldes geboten haben b). Aber Otto IV. wies Alles zurück^). Was der Papst ihm abtreten wollte, das hatte er schon und meinte cs mit Recht zu haben und, was jener von ihm verlangte, das konnte er von seinem Standpunkte aus nicht gewähren. Er hatte ja schon vor der Krönung dem Papste erklärt, daß er es seiner Ehre schuldig zu sein glaube, Wenn ich richtig gewählt habe, gab es damals überhaupt 24 Kardinale i die Namen von 19 stehen unter dem Privileg für L>. Croix d'Angle vom 25. Februar I2II Dslisls, illemoirs p. 37, so daß Jnnocenz zu der Zeit, da die Verhandlungen mit Otto geschlossen wurden, jedenfalls die Mehrheit des Kollegs bei sich gehabt hat. 2) Lliroa. Krsp. p. 374: Ho tempore enin vouissomns ad onriam Ilo- manam, vidimns adbatom äs illoriimmt oto. Volnit ci. papa snstinors omns dummem, qrrod sibi Imperator in torris ooolosiao Iloae mtnlissot aut int'srret, lieber die Glaubwürdigkeit s. Erläuterungen VIII. H 4. 8. Die Verhandlungen scheiterten also nicht daran, daß der Kaiser, wie Knill.-Ilrito Ilse. XVII. 85 sagt, unllo modo vollot ea, (pras ooonpavorat, rssignars — wobei der Autor an die Territorien des Kirchenstaats denkt. Kontier. Vdmeent. V. (4. 8s. IX, 591. 592: Vridorions . . . IsKatos misit, patsrnas suooessionls addioationem promittsns, mnlta qnoqus milia lilereernere anri st argeilte otbsrsees, nt sneer in gratiam rsoiporot st eet i'SAieum 8ieiles tairtnm in pass ellnnr tseesrs psrmittorot. Daß diese Nachricht vereinzelt steht — vielleicht ist in der Konten. Ilogori ds Ilovedoee das rstz'o 8ieilis ad dsditioneeer aompnlso ähnlich zu deuten — ist kein Grund ihre Glaubwürdigkeit zu bezweifeln. Die Sache hat, namentlich in Verbindung mit jenen Anträgen des Papstes, alle Wahrscheinlichkeit für sich. Andrerseits verdient der Umstand einige Beachtung, daß Friedrich seit Jan. 1211 auch darin Otto sich gleichstellt, daß er die von demselben angenommene Veränderung des Siegelstempels nachahmte, s. Erläuterungen Nr. VIII. 8 4. Es ist das an sich eine Kleinigkeit, aber es spricht sich doch'auch darin Rivalität und L-clbstbcwnßt- sein aus. klrron. Ilrsp. I. L.: llauo tormam oompositioms enm reeusassst Imp. admittsro eto., und koirt. Vdmnirt. in Bezug auf Friedrich von Sicilien: Imp. non bono nsns oonsilio omnia situ ovlata rsspusns, mobil sorum, qnas pstsbantnr, adwisit. Otto IV. im Kampfe mit Friedrich und dem Papste, 1211. 2Ö9 das seit Jahren dem Oheime in England verpfändete Wort mit französischem Blute cinzulöscn, und er mochte jetzt mehr als je sich dem Verwandten verbunden fühlen, seitdem er mit ihm in gleicher Lage, im Banne der Kirche wa>O). Was endlich den Sicilicr betraf, nun da war gerade die ängstliche Bemühung des Papstes um die Rettung desselben so recht dazu angethan, die Besorgniß Ottos vor dem „Sohne des Kaisers Heinrich" zu rechtfertigen. Man darf auch nicht übersehen, daß Otto's Umgebung selbst ein Interesse daran hatte, solche Besorgnisse in ihm zu unterhalten und zn verstärken: die deutschen Tienstmannen, welchen bei einer Eroberung des Königreichs Rittcrlehen und Grafschaften winkten, Dipold von Spoleto und seine Brüder 2), dann die sicilischcn Barone, welche dem Kaiser schon geschworen hatten, Graf Peter von Celano, sein Sohn Thomas, der Graf Gentilc von Manupello^) — es waren sämmtlich Leute, denen unendlich viel daran liegen mußte, daß in Otto keine versöhnliche Stimmung anfkam. Die Verhandlungen mit dem Papste waren endgültig abgebrochen und unmittelbar darauf zn Anfang des März begann der Kaiscr den neuen Feldzug. Seine verwüstenden Einfälle in die Nachbarschaft der Städte Tcano und Sessa, welche mit dem Grafen von Fvndi Richard von Aguila noch zu dem Könige Friedrich und dem Papste hielten, war freilich nicht sonderlich erfolgreich gewesen, als er um die Mitte des Monats nach Capna zurückkehrte U, und seine Stellung in der Terra di Lavoro hatte sich sogar ciniger- h Um die Zeit des Schlusses der Verhandlungen hat Otto wieder Botschaft aus England erhalten, ol. Ilarcl/, llot. lib. ne inisas zn 238 zum 23. Jan.: Vsrrioo 'I'sntonieo snnti in nnusinin Uni rSAis rrU ein. nnpsrntorsin 40 nrars. 2 ) Dipold selbst scheint bald in sein Herzogthum zurückgegangcn zu sein; er wird wenigstens unter den Mithandelnden des apulischen Feldzugs von 1211 nirgends erwähnt und kommt ebenso wenig unter den Zeugen der kaiserlichen Urkunden vor. 'I'Uonms 'Unsens LI. (4. 8s. XXII, 509: (Ottos in Urineipatn «pnasi baUnin snnin 'UibnIcUnn eoinitsin posnit — beruht vielleicht auf einer dunkeln Erinnerung an den von Dipold 1219 geführten sicilischcn Amtstitcl. — Bgl. folg. Anm. 2 ) Ueber Otto's Umgebung geben seine Urkunden vom 4. Jan. 1211 für Stadt Asti rl.sta Unp. nr. 253 und Bisthum Schwerin Meklenb. Urkbch. I, 190 Auskunft Den in letzterer vorkommenden Grafen Sifrid von Alifia halte ich für Dipolds Bruder. Bon Deutschen, welche früher bei Otto nicht nachweisbar sind, bemerke ich die Grafen Hermann von Woldenberg, Heinrich von Lutterberg und Friedrich von Altena. Die meisten der im vorigen Jahre aufgebotcnen Italiener werden inzwischen heimgekchrt sein —den Rittern von Piaccnza hatte man nur auf 6 Monate Verpflcgnngsgelder gegeben, Xnn. UUae. I. s. —; dafür erscheinen jetzt Andere bei Otto, z. B. die lombardischen Grafen Albert von Casa- loldo, Girard NarisinS von Montechiaro und Egidius von Cortenuova. Z Ausführlich darüber OIrrou. 8usssannm bei Aaolraria, Itsr Ital. p>. 227. Daß Graf Richard dem Könige treu blieb, sagt auch OUron. ^Utin. Nurat. 8s. VII, 919. Er urkundet im Juli, wie es scheint zu Fondi, für das dortige Bisthum als lUeearclns eis ^.cinila I)sl st rsgla ^ratia sssuncins Unnärrnns eonrss, IlglrsIU I, 782 und im Sept. 1211 zugleich als Oapltansns st innA. institiarins Xpnlis st 'I'errs I-aboris: Xapoli, (4r. Xrslr. Olpl. nr. 538. — lieber die angeblich erst in den Mai fallende Eroberung von Aversa s. 0 . S. 246 Anm. 4. 5. 17 ^ 260 Zweites Buch, Kapitel HI- 1211. maßen dadurch verschlechtert, daß am 28. Januar der ihm gefügige Abt Peter von Monte Casino gestorben war. Denn die Mönche des Klosters, welche das von diesem Abte mit dem Kaiser getroffene Abkommen gar nicht gern gesehen hatten, gehorchten nun einem ihnen vom Papste zugesandten Rektor, einem gewissen Adennls von Caserta ch. Indessen diese Freunde des Papstes im Grenzlande waren doch nicht so bedeutend, daß Otto um ihretwillen von wetteren Unternehmungen gegen König Friedrich abznstchen nöthig gehabt hätte, um so weniger, da bald hernach Verrath vollendete, was seiner Gewalt nicht gelungen war. Roger, des Grafen Richard Sohn, trat znm Kaiser über und vertrieb den Vater ans Tcano, Scssa, Tractto und anderen Orten -). Oder sollte Otto etwa deshalb Halt machen, weil Azzo von Este, den er znm Markgrafen von Ancona gemacht, wieder von ihm abgefallen war? Solange der alte Kriegsheld Dipold das Herzogthnm Spolctv behauptete, brauchte er für seine Verbindungen mit dem Norden nicht zu fürchten. Daß endlich der Papst am Gründonnerstage, dem 3l. März, öffcnt- lich seine Excvmmnnicativn und die Eidcslösung der Untcrthanen verkündigte und seinen jeweiligen Aufenthaltsort unter das Interdikt stellte ch, machte ihm nun gar keine Sorge. Er war sicher, darum des Gottesdienstes nicht entbehren zu müssen. Die Geistlichkeit nämlich von Capua, welche den vom Papste angedrohten Diseiplinarstrafen znm Trotz, in Gegenwart des gebannten Kaisers Gottesdienst gehalten hatte ch, stand mit ihrem Ungehorsame keineswegs allein, vielmehr gestaltete sich der Marsch des Kaisers nach Apulien gerade durch die Beihülse de§ Klerus mehr und mehr zu einem mühelosen Trinmphznge. Wo etwa noch Neigung znm Widerstande sich zeigte, da wurde sie durch das Beispiel der höheren Z li/oo. äs 8. Oman. n. 1211 p. 331. Vgl. Innoe. Istnst. XIV, 67. 2) Lürron. 8ness. I. s. Für Sessa dadurch bestätigt, daß dort 1212 nach Jahren Otto's gerechnet wird. Xapoli, Ur. Xreü. Dipl. ur. 545. Der Tag ist durch 1I/ev. äs 8. Ksrin. I. e. und Vuri. 8. ü'rnäpvrti p. 293 gesichert. In den L.nn. Ousin. p. 320 und bei llz-ee., welche schon die Excommunication vom 18. Nov. berichtet haben, stellt sich der Akt des 31. März naturgemäß als eonlirinntio dar. Andere Schriftsteller lassen cs unentschieden, welches Datum sie gemeint haben. Von einer Synode zu Rom aber, auf der Otto gebannt worden (Hcfele, Concilicn V, 721), ist mir nichts bekannt. >> Xnn. Onsin. n. 1211 p. 320; Ilz-ee. 1. s. schon zu 1210 über die Excommunication des KleruS von Capua durch den Papst. Vgl. Clirou. Xlti- nnt. I. e.: iinpsrntorein et secpmees Ines äs onnsn oxeoininunienvit st innltns vivitntes st tvrrus rsKni st'lieio privnvit. Erzbischof Anselm von Neapel sprach über seine Stadt das Interdikt aus, welches Jnnocenz 16 . Juni 1211 bestätigte, Dpist. XIV, 74; Ilnill.-Ilrsli. I, 188. — Ucber Otto's Verhalten zum Banne s. Jnnocenz an Sicard von Cremona Xetn inip. nr. 922 (vgl. oben S. 257 Anm. 1): elavss rsAui eslornin eontempnit . . . Ineisnäo sibi äivina olüoin eslsvrnri, postgnain exeommunisntionis ssntontinin in- enrrit, gnainvis Iroe ei vsrnoitsr iunotnit per nnncios nostros et snos st stiarn per^Iittsrns nostrns, czns Insrnut in eins presentin rseitnts. I'orro, nisi n tnli rssipnsrit srrors, nos suin üsretienin ssss äivino inäieio äs- esrnsnrus. Vgl. Otto's späteren Brief an den Dompropst von Hildesheim, in dem er die Aufnahme des Gottesdienstes verlangt. OriZ. Ouslt'. III, 829. Otto IV. im Kampfe mit Friedrich und dem Papste, 1211. 261 Geistlichkeit gebrochen, welche dem Kaiser mit freiwilliger Unterwerfung cntgegenkam, ja geradezu für ihn thatig war und trotz Bann und Interdikt des Papstes Gottesdienst zu halten fortfuhr. Sorrento schwor ihm im Mai auf Betrieb des Erzbischofs Alferius selbst U; um dieselbe Zeit begann man in La Cava schon nach Jahren des Königthnms Otto's in Apulien zu zählen ch; in Amalfi scheint die gcsammte Geistlichkeit ähnliche» Sinns geworden zu sein 3); der Erzbischof Andreas von Accercnza nahm aus Otto's Hand das Amt eines Justitiars an'') und der Bischof von Meist, welcher kurz vorher den Bürgern einen Eid für König Friedrich abgcfordert hatte, ging selbst zuerst dem Feinde desselben entgegen. Er wolle lieber an seiner Ehre als an seinem Einkommen Einbuße erleiden, sagte der getreue Untcrthau und würdige Priester"). So kam es, daß Widerstand, wenigstens so weit wir zu sehen vermögen, nirgends geleistet worden ist"), vielleicht nicht einmal von den großen Städten Apuliens, von Barletta, bei welchem Otto in der Mitte des Juni'), und von Bari, bei welchem er am 1. August im Lager stand"). Tancrcds Tochter Alberia, welche nach dem Tode Walthers von Brienne den Grasen Jakob von Tricarico ge- hcirathet hatte und für ihren Sohn erster Ehe Walther II. Lecce Vgl. den 1213 gegen ihn bei der Kurie geführten Prozeß lipist. XVI, 139. 2) Im Mai 1211 hieß es dort noch tvinpsrs Vriä. rsZis; im Juni aber anno I. Ott. iinp. Vgl- Inciiss cislis earts üi 16a Oava, voi. IV. Neapel, Staatsarchiv. Nach der Iwgsnüa ssel. Xnmipü. bei Oainora, iilsrn. stor.-üipl. üi X. I (1876), p. 398 hat auf Otto's Befehl eine deutsche Abtheilung sich des oberen Kastells von Scala bemächtigt. Daß Otto in Amalfi anerkannt war, zeigen die nach Jahren seines dortigen rsAnuin datirten Urk. von 20. Jan. 1212 bis 2. Dcc. 1213, iiüü. p. 399 not. 4. Ein Priester Constantin urkundet dort noch 15. Juni 1213 tvinporidus <1. Ottonis ci. Ilnin. iinp. s. n. st ss- onnüs anno rsß'ni eins XnuiipNins mit Zustimmung des Erzbischofs Matthäus und zwar im Beisein des Nardinalprcsbyters Petrus von S. Marcellus. Ilg- üslli VII, 282. ') Gregor IX. sagt von ihm bei seiner Absetzung im Jahre 1231: läsin nopns tsinpors st. inoi». O. eiuonünin iinp. ollisinin lustieiuriatus sxsresns, üusdus üoininidus, uni pvcisin st altsri inunuin ksoit impis mutilnri. IlLÜblli VII, 61. 5) Vgl. Inuos. lipist. XV. 115. 235 vom 5. Juni 1212 und 30. Jan. 1213. Der Bischof, der Accursius geheißen zu haben scheint, rechnete noch 1214 Jan. nach Jahren Otto's. Xapoii, Or. Xroüiv. Dipl. nr. 565. °) Xun. Oevsan. p. 300; Lüvsnisnts tvinpsrs asstatis tota Xpuiia st Vsrra iOavoris et inkixinni, pars Onlabriae cksvsnsrunt all ticislitatsin Oci- cisnis; Xnn. Oasin. p. 320: si in Xpuliain clssosucksnti oivitatss st villas oinnos sponts iurnrunt; li^ss. p. 334: Xpulis tinss inArsciitur, vstsris sibi coila tisstentidns tuin voluntaris, tnin snusa instus: Oüron. Liearcii )Iurat. VII, 623: progrsciisns per Xpulsain oivitatss st loea per üsüitio- usin usnus kollooruin aovspit; Xnn. Oolon. innx. x. 825: prospsris utsns sueeessidus, totain sibi Xpuliain st Laladriaiu subisoit, eivitatss in cis- äitiousm asvspit, onstra inilitidus suis inunivit. ') USA. Ott. nr. 149 (Orig, in Straßburg). ") Otto für die Johanniter, ü. in sastris ante IZaruin, uugedr. 262 Zweites Buch/ Kapitel III. 1211. regierte, erkannte den Welsen als König von Sicilien aiO). Die folgenden Atonale brachten dann den Anschluß der Basilicata und des größten Theils von Calabrien an die Sache des Kaisers -), während schon die Mohammedaner der sicilischen Berge ihn ciuluden, die Meerenge zu überschreiten und sich ihrer Dienste gegen die Regierung von Palermo zu bedienen, gegen welche sie feit dem Jahre 1206 ihre Freiheit glücklich behauptet hatten ^). Die pisanische Flotte war freilich noch nicht zur Stelle; indessen konnten wohl die Schiffe von Neapel, Amalfi und Salerno aushelfen und es fehlte überhaupt so wenig an Transportmitteln, daß der alte Wässerige- führte Markwards, Graf Rainer von Manentc aus dem tuScischen Geschlechte der Grafen von Sarteanv, welche cifrigst für Otto Partei ergriffen hatten, nach Sicilien hinüberzngehen vermochte, wo er dann mit allen Gegnern Friedrichs in Verbindung trat^). Mit Ausnahme der Grafschaft Fvndi, Gaeta's, der Abtei Monte Casino und einiger benachbarten Orte auf dem Fcstlande und der Städte Messinas und Palermo und des von den Genuesen be- si Vgl. ihre llrk. 1211 Dec. 11: rsgn. cl. Ott. Imp. a. I et eoinitatns dns. iplberis oomitis ss Ilrsnns st Tricar. a. 11, ind. XV u. s. w. Xa- poli, Lraneaee. 4. X. 2 t. 37. Das Gleiche that übrigens der von ihr verdrängte Graf Robert ibid. und ohne Zweifel auch ihr Gemahl, der Graf von Tricarico. r) Die Aufenthaltsorte des Kaisers vom 1. Aua. bis 11. Nov. sind völlig unbekannt. Nach Xnn. .lanusnsss p. 130 soll er bis Tarent, nach 8ieard. (s. vorher) bis Policoro gekommen sein; Oontin. ebron. sx Uantbeo sxo. III. O. 8s. XXII, 309: nsczns Oalabriam oooupavit, vgl. Oiiron. 8is. bei IIniU.- Lreb. I, 894, Xnn. Oeeean. und Xnn. Ovlon. I. o. (vorher Am», 61. Kaiserchronik, Fortsetzung I V. 17707: da^ leint er über den arm vortreip; clor steissr dissüalp bsioip. Xuu. Ool. max. p. 825. Die Aufforderung ist fast natürlich, da die sicilische Regierung überall gegen die Mohammedaner für die christlichen Grund- Herren Partei ergriff, so z. B.' noch 15. Jan. 1211 für den Erzbischof von Mon- reale. IlsZ. Vrid. nr. 29. Aus einer anderen ebenfalls noch ungedruckten Urkunde für denselben ur. 33 vom April, möchte man schließen, daß damals Moureale selbst schon bedroht gewesen sei. — Es ist viel von dem kostbaren Gewände gesprochen worden, in welchem später Friedrich II. begraben wurde. Da in den Stickereien desselben der Name Otto gefunden wurde, entstand die Meinung, daß cs 1211 zu den Geschenken der Mohammedaner an den Kaiser gehörthabe, s. OrsKorio, Iler. Xrab. 8icu1. soll. p. 178: IluiU.-Ilreb., liueüsr- oliss snr Iss monum. p. I0l> n. 5: id. Hist, dipl. Introd. Uartis bistor. p. 378. Nach ^mari, 8toria dsi Illnsulm. III, 589 not. 1 ist jedoch nicht Otto, sondern „Sultan" zu lesen, so daß die ganze Hypothese hinfällig wird. *) Uromas Tnsous, ill. O. 8s. XXII, 509 freilich als einzige Quelle: Oomss Ilanerins ds 8ortiano, Asnsrs tnsens, 8ieiliam oeoupavsrat st divers! divsrsos invaserant oomitatus, nt Vrsdsrieo nibil psnitus roinausissst. lieber Rainer s. o. S. 59 ff. Die Grasen Tancred und Reinbot von Sarteano sind zur Zeit des Angriffs auf das tuscische Patrimonium beim Kaiser, ^.eta imp. nr. 251. 1072. °) Friedrich hatte im Frühlinge die Planern von Messina Herstellen lassen und dazu auch die dortigen Templer herangezogen, auf deren Klage Jnnocenz den Erzbischof von Messina zur Einwirkung auf den König auwcist 1211 Juni 10. Ungedruckt. Otto IV. im Kampfe mit Friedrich und dem Papste, 1211. 263 setzten Syraens auf der Insel dürfte Friedrich damals kaum mehr viel von seinem Königreiche übrig gehabt haben. Um den Rest ihm zu nehmen, beabsichtigte der Kaiser selbst auf die Insel überzusetzen ^), sobald die Pisanische Flotte cintrefscn würde, welche schon zu Anfang des September in See gegangen war Alle Welt glaubte damals an Friedrichs Untergang ch und dieser soll selbst von her Hoffnungslosigkeit seiner Lage so sehr überzeugt gewesen sein, daß er im Hafen von Palermo schon eine Galeere für die Flucht nach Afrika bereit halten ließZ. Er schien verloren und in demselben Augenblicke sah er sich gerettet. Das dankte er der Arbeit des Papstes, deren Bedeutung für Friedrich durch die Thatsache nicht beeinträchtigt wird, daß Jnnocenz III. sie zunächst und zumeist im eigenen Interesse that. Die Kirche hatte doch ein Recht sich in späteren Zeiten dessen zu rühmen, daß durch ihr Borgehen Friedrich vor dem sonst sicheren Untergange bewahrt worden sei^). Denn sie war es, die den Kaiser zwang Sicilien fahren zu lassen, indem sie die Grundlagen seiner Macht in Deutschland und in Italien untergrub, dort sich mit einem Theile der Fürsten gegen ihn in Verbindung setzte und hier daraus Nutzen zog, daß eben damals bei den Italienern der übliche Rückschlag gegen die Begeisterung cintrat, mit welcher sie im Jahre 1209 Otto's Kommen begrüßt und ohne Unterschied der Partcifarbc sich um ihn gcschaart hatten. 0 Das sagen ausdrücklich die Xnii. Olaovnt p. 42S, welche hier wobl auf dcu Bericht der von Piacenza au Otto Abgesandten zurückgchcu: in illis partidns (so. Xpnlisl ststit nsgns acl inockinin Oetnlircin. Ounigns ä. iinp. in Lisilianr prolleissi pnrnrst ste. Vgl. unten Aum. I. 0 Jnnoccnz warnt 4. Sept. die Häuptlinge Sardiniens vor den Pisanern Ilpist. XIV, 101 : Onin Oisnni contra proliibitionvin st sxeoininunientioneni Ottoni ilieto iinpsrntori kick iinpng'inun.In»r rSAiinin gisilio navulsin sxsr- sitnin cksstiiikirint ots. Diese Stelle in Verbindung mnit Xnn. ,Ian. p. 130: Oisruii nrinnvernnt si Anlons 40, gn,-is inisernnt nscgns Xsnpoliin, idicpno psr pnnsnui tsinpns stotsrnnt, st non vicksntss nss invsnisntss Ottonsiii. Oisns SINN Anisis rsckisrnnt — zeigt, daß Pisa zwar auf die Abinahnnng des Papstes f22. Dcc. 1210 Lpist. XIII, 193) nicht gehorcht und seine vertragsmäßige Leistung gemacht hat, daß die Flotte aber nicht mehr zur Verwendung käni. b) Welsche Gast V. 10571: ckö inan Asvvis sin rvolcks, f ckki 2 sr Oiillsn vliesvn solcks sie.: Kaiserchronik V. 17709: ckki 2 leint sutivsioli iin änrcli not; Iiistsr: srvistsn, 62 rvnsr sin tot; Hionnrs Vnsens I. o.: Vrscksrisus rolins gnasi oinnilins spolintus, sastris perclitis st rstzln potsstato priva- tus, inni non rox ssck rkAnlns ctieelmtnr, t)'imnni8, czni rsAiinin invnssrant, potins snliisetns gnnnr cloininns. ch Xldsrtns liolieinns, Bibl. d. Lit. Ver. XVI, 2 S. 74: äuin nck 8kirrasoiios tiiAsre nsiiirnliat, Iindsns Anlsanr inl Iros snxtn snnnr palatinin prnspnrntnni, so c^nock Otto rLAno Xpnlias ossupato ckisponsdat Var! ainno trnnsinisso in 8isilinni trnnslrstars. Vgl. n. A. Honorins III, 1220 Mai llnill-Ilrsü. II, 593; XIli. Iloli. I. e. Wertes Kapitel. Die Rebellion in Italien nnd in Deutschland, 1211 . Die vom Papste ins Reich geschlenderte Brandfackel zündete zuerst in Italien, wo in der Eifersticht der einzelnen Gemeinden nnd Dynasten ein reichlicher Brennstoff vvrlag, der in den letzten Jahren nur durch die Sorgfalt der Reichsgewalt vor dem Äuf- flammen bewahrt worden war. Der Bannfluch des Papstes entfesselte die alten Leidenschaften nnd Mailand nnd Cremona übernahmen wieder wie früher die Führung der entgegengesetzten Parteien, nur mit dem Unterschiede, daß diese jetzt die Fahnen wechselten, unter welchen sic am Anfänge des Jahrhunderts gestritten hatten. Denn während Mailand sich damals rücksichtlich des Reiches in möglichster Uebereinstimmung mit der Kurie zu halten Pflegte, folgte cs dies Mal nicht den von Rom kommenden Weisungen, sondern es entschloß sich dem Kaiser treu zu bleiben, von welchem es Auszeichnungen empfangen hatte lind, wenn er erst der Hülfe der mächtigen Stadt bedurfte, auch greifbare Vorthcile erwarten konnte. Ergriff aber Mailand für Otto IV. Partei, so verstand es sich von selbst, daß Cremona, welches sich überdies von ihm zurückgesctzt glaubte, auf die Seite des Papstes trat. Des Letzteren an die italischen Gemeinden gerichtete Aufforderung, der Verkündigung des Bannes gegen den Kaiser keine Hindernisse zu bereiten, ist hier sicherlich nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen, besonders da Jnno- cenz. das Versprechen hinzufügte, daß Mailand für eine etwaige thatsüchliche Unterstützung des Kaisers — und dazu gehörte doch auch ein Angriff auf das der Kirche gehorsame Cremona — durch die Loslösung des letzteren von der Metropolitangcwalt des mailändischen Erzbischofs bestraft werden solle H. y Jnnocen; au Sicard von Cremona ^Vetn irnp. nr. 922: .-VN Noo no- verwis, tgroct enin ^Isäiolaiieuss8 nd nnticjno trnmits clevinntss, tnin^nnrn improviNi tütnrorunr, principnlitvr t'rrvennt in Nis INI etc. lieber die Zeit dieses Schreibens s. o. S. 257 Anm. I. Die Rebellion in Italien nnd in Deutschland, 1211. 265 Einen zweiten Mittelpunkt einer dem Kaiser feindlichen Parteibildung gab der Markgraf Azzo von Este ab, welcher wirklichen Grund zur Klage hatte. Denn cS kann nur unter Zustimmung des von Otto IV. zum Podcsta vvn Ferrara eingesetzten Hugo von Worms geschehen sein, daß Azzos Nebenbuhler Salinguerra am Ende des Jahres 1210 oder zu Anfang des folgenden sich wieder seiner Vaterstadt bemächtigte Z. Nun glaubte auch Azzo sich nicht mehr durch den vom Kaiser vermittelten Frieden gebunden. Er ries die Hülfe seiner alten Freunde an, der Grafen Ludwig und Richard von S. Bonifacio, Crcmona leistete bereitwillig Zuzug und so gelang es den Verbündeten durch plötzlichen Angriff am 1. März sowohl Salinguerra als auch den kaiserlichen Podesta aus Ferrara zu vertreiben ^). Mit dieser That rascher Selbsthülfe sagte Azzo dem Kaiser ab und sie ward sogleich von dem Erzbischöfe Ubald von Ravenna nachgeahmt, welcher dem besiegten Rcichsbeamten auch noch Argenta entriß ^). Wie viel der Papst selbst oder durch seinen damaligen Legaten in Obcritalien Gerard da Sessa, den Erwählten von Albano Z, zu dieser Erhebung bcigctragcn haben mag, läßt sich allerdings nicht erkennen; aber in dem Augenblicke, da er den Kampf gegen Otto aufnahm, mußte sie ihm höchst willkommen sein und so hat er sic denn auch nachträglich von Herzen gebilligt. Jnnoccnz empfahl dem Erzbischöfe von Ravenna das eroberte Argenta sorg- samst zu hüten, und wenn er sich dessen nicht getraue, den Markgrafen, seinen „geliebten Sohn", darum anzugchen; er bemühte sich wegen der obwaltenden Verhältnisse die Vakanz des bischöflichen Stuhles von Ferrara so viel als möglich abzukürzcn und er hatte 0 Vita Hiss. soin. bei blnrat. VIII, 123. Wann ist das geschehen? Man könnte zu der Annahme versucht sein, daß damit des Kaisers auffälliges Erscheinen in dem Amtssprengcl des Este, in der Mark Ancona, zu Anfang Nov. 1210 Zusammenhänge. Da Azzo jedoch noch 22. Dec. in vastro blontis- Aranarii als I)si st iin p. Ar. bist. et Tbusou. rnaroliio Fabriano den Bann erläßt, in welchen es wegen einer äialxäiea suasious verbrannten Frau verfallen (Abschr. für Von. Osrin., vgl. Ficker II, 414) nnd zwar ex auotoritats Iinpsriali, czua plouariv äs surr g'ratia tnng'irnnr, meine ich, müssen die Ereignisse in Ferrara wohl später angesetzt werden. — Salinguerra hatte den Kaiser bis 26. Mai begleitet, verschwindet dann aus den Zeugenreihen und erscheint erst 16. Sept. und I I. Okt. 1210 wieder am Hofe, zur Zeit des Einfalls in die päpstlichen Territorien. -> Amu. Vsrrar. bl. (4. 8s. XVIII, 663 geben den Tag (darnach OIrron. Lst. blnrat. XV, 302); Auu. Orsin. Idiä. p. t>05 ; Vita liiee. I. s.; Aun. blntiu. blnr. XI, 157; liieod. Vsrr. bei lüeoarä I, 1282; Hist, iniss. Loncm. blnr. XVIII, 250. Bgl. V soi, 8tor. äi ItoiuaAna II, 475. ^ lliood. Vsrrar. I. 6. 0 Lgl. meine Notizen über ihn in Gott. gcl. Anz. 1873 S. 1605. Päpstliche 'Aufträge erhielt er 1211 Mai 9., Juni 7., Dec. I'ipist. XIV, 50. 76. 78 ss. 130. Gerard war am 27. Mai in Modena 8avioli IIV 311, urkundet 10. Juli in Crcmona Viradosvlri, 8tor. äi Xcmantnla I, 347 und 6. Ott. in No- vara IlAllsIIi IV, ,970. Op. Innoo. sä. bliAns IV nr. 160. Daß er die am 4. Mai >211 erfolgte Wahl zum Nachfolger Uberts de Pirovano als Erzbischof von Mailand nicht aunahm, wurde wohl durch die politische Stellung dieser Stadt veranlaßt. 266 Zweites Buch, Kapitel IV, 1211, Nichts dagegen einzuwendcn, daß Azzv in der von ihm eroberten Stadt ein Kastell errichtete. Bologna dagegen, welches nach einigem Schwanken sich doch für den Gehorsam gegen den Kaiser entschieden hatte und deshalb an Salingncrra Unterstützung gewährte ch, wurde vom Papste nicht blos mit Bann und Interdikt, sondern auch mit dem Verluste seiner berühmten Hochschule bedroht, der Legat aber angewiesen, sowohl hier den Willen seines Herrn durchznfetzen als auch überhaupt darauf zu achten, daß die Bischöfe Oberitaliens den über den Kaiser und dessen Anhänger ausgesprochenen Bann wirklich verkündigten ^). Schlug man sich in der Romagna herum, so konnte auch die Mark Treviso nicht ruhig bleiben, in welcher während des Jahres 1211 Azzo als Podesta von Mantua, sein Verbündeter Graf Ludwig von S, Bonifazio als Podesta von Verona, Ezelin von Romano aber als vom Kaiser ernannter Podesta von Vicenza fnnctio- nirte. Da jene für den Papst Partei ergriffen, blieb Ezelin, der obendrein Salingnerras Schwiegervater war, natürlich kaiserlich: er sammelte bei sich die Gegner der Bonisazi ans Verona und gab dem mit seinem Neffen zerfallenen Markgrafen Bonifaz von Este ein Asyl in feinem Palaste zu Vicenza, während umgekehrt Alle, welche vor seinem harten Regimente aus dieser Stadt flüchteten, auf freundlichen Empfang in Verona zählen durften Kurz, man that sich eben gegenseitig so viel Abbruch als, ohne geradezu die Waffen anznrnsen, nur möglich war. Für die Zukunft aber war es wichtig, daß die päpstliche Partei im Besitze von Ferrara, Mantua und Verona schon jetzt über den kürzesten Weg von Mittelitalien nach Deutschland gebot, Graf Richard, der Sohn Ludwigs von S. Bonifazio, hat sich dann noch im Jahre 1211 des überaus festen Osfanigo oberhalb der Klausen des Etschthales bemächtigt Z, h Den anfänglichen Zwiespalt der Meinungen in Bologna schildert sehr anschaulich das am 27, Mai an den Legaten gerichtete Gesuch, jetzt nicht nach Bologna zu kommen, gnia eins nüvsntus poternt ^enernre Uisooräiain inter vivss etc, Lnvioli 11i>, Zip lieber Bolognas Parteinahme für Salingnerra s, Kattü, cts OriÜonibus Nnrat. XVIII. 109, 2) lüpist, XIV, 76—80 vom 7. Juni 1211. Osrnrrl. Kauris. p, 22; Xun, Vsron, p, 6, wo jedoch die Ereignisse 1269—1212 nicht nach den Jahren geschieden sind. In Wirklichkeit ist in diesen Annalen das Jahr 1210, in welchem Rcaldinns de Carceribus Podesta war Vita llieeiarüi p. 123, ohne Aufzeichnungen geblieben; die weiteren Nachrichten aber, welche jedes Mal mit Irostoin anno beginnen, gehören nach 1211 resp, 1212, wie sich aus den dort genannten Podestas crgiebt, — Die 2V>n, Kau- tuani, 2l.nu. 8. stustiuae Vatav. und Ilolanäinns bieten für diese Jahre gar nichts. Daß Ezelin 1210 sf. in Vicenza Podesta war, sagen (lerarü, und die Urkunde bei Vsrei III, 152; der Graf von S. Bonifazio erscheint als Podesta von Verona urkundlich 1211 März II., im August und November 1211 vgl, Vita Lieo, 1. o,: Azzo als Podesta Von Mantua 1210, 1211: ^nn, Kant, p, 20. Z Xnn, Vorou, I, o.; Vita Iliov, 1, o. Daß cs 1211 geschah, wird durch die vorhergehende Erwähnung des Grafen Ludwig als Podesta bewiesen. Die Turisendi, welchen die Burg — gnam latrociniis aliis>,ns seoloritzns liibal- ). Sogar der verwickelte Streit um das Erzbisthnm Bremen konnte für abgethan gelten, nachdem der gebannte Waldemar sich etwa um die Zeit der Kaiserkrönung vollständig den Verfügungen des Papstes unterworfen hatte. Für ihn gab cs in der That bei der damaligen Eintracht zwischen Kaiser und Papst keinen andern Ausweg: er mochte sich noch freuen, daß Jnnocenz ihm wenigstens die Ehrenrechte eines Bischofs ließ ch. In Bremen selbst ward, da auch Waldemars Gegner, Burchard von Stumpenhansen, zurücktrat, nun der bisherige Bischof von Osnabrück Gerhard von Oldenburg zum Erzbischöfe erwählt, und diese Wahl fand dann auch die Zustimmung dcS Papstes, der hocherfreut, das Schisma beendet zu sehen, dem Erwählten am 30. Oktober 1210 die Erlaubniß zur Annahme der Berufung ertheilte, zugleich mit der Ermächtigung bis zum Empfange des Palliums das frühere Bisthnm neben dem neuen fortregieren zu dürfen ^). Dieser Ansgang des bremischen Kirchenstreites kam aber endlich auch dem Frieden des Reiches mit Dänemark zu Gute. Denn einerseits haben die ASkanier und deren Freunde mährend der Abwesenheit des Kaisers wohlweislich ihre Kriegslast gezügelt; andrerseits war jetzt Nichts vorhanden, was den König Waldemar II. über die selbstgezogene Grenze seiner deutschen Eroberungen hinaus zum Eingreifen in die Angelegenheiten seiner niedersächsischen Nachbarn hätte veranlassen können. Was er hatte, wollte er auch behalten; im klebrigen gingen seine Gedanken damals auf ganz andere Dinge als ans die Erwerbung irgend eines kleinen deutschen Grenzstrichs. Nachdem er sich die Bürgschaft des Papstes dafür verschafft hatte, daß Niemand ihn, der das Kreuz genommen, während seiner Anwesenheit angreiscn werde ch, zog er im Jahre 1210 mit Flotte und Heer aus zur Verwirklichung des baltischen Domininms. Ein Kreuzzng war cs, insofern der Däncnkönig an der Prcnssischen Küste in dem heidnischen Samlande Fuß faßte; aber er zwang auch den christlichen Herzog Mestwin von Pvmmercllen ihm zu huldigen und Tribut zu zahlen °) und schloß den Feldzug mit der Eroberung 0 Osuenl. bVettiu. bl. 6. 8s. XXIII, 230: gro 15 luililurs umreis. — LIrrou. blout. 8oreui ilucl. g. 178 fügt hin,;n: ex (gridus 10 inilin solvit, quiugus vero img. ei reiuisit. lieber den Hergang der Belchnnng berichtet eine ältere Zeugenaussage: iu enstro ImuclsdvrA iu groseutin priueipis WIreocleriei, gui griueigntuiu in Husit? tune reeegit eorniu Ouueeliuo cin- xitero. cl. Ottouis uug. uuutio. Assebnrger Nrkbch. S. 57. 0 XruolcI. Olirou. 8Iav. VII, 21. bj Xuu. 8tnc1 g. 355; lipist. luuoe. XIII, 158; Hamburg. Urkbch. s. 334 ff.; Ogern luuoe. ecl. bligue IV ur. 141»—151. — Gerhard hat sich erst 6. Mai 1215 Erzbischof von Bremen genannt. Ehmk, Brcm. Urkbch. S. 127. Xgist. XII, 102—104 vom ZI.Okt. 1201»; XII, 157 vom 30. Jan. 1210. h Olu-ou. Onuieuin ecl. OnuLebelr p. 203 (Xuu. II)'ou8cs bl. 6. 8s. XVI. 405). Pgl. Xoruer bei Osiou. 8er. rer. Lruusvie. II, 751: X. 1211 kDie Rebellion in Italien und in Deutschland, 1211. 209 vieler Städte im Herzvgthum Stettin, zu dessen weiterer Bekämpfung damals Stadt und Schloß Demmin ausgebaut ward h. Die Deutschen hatten von seiner Seite Nichts mehr zu fürchten, wenn nicht etwa sie selbst ihn zur Vertagung seiner baltischen Pläne nöthigten. Bedenklicher sah es im Südwcsten des Reiches aus, in Hoch- bnrgund und in den benachbarten Landschaften. Der neue Pfalzgras von Burgund, Herzog Otto von Meran, mußte gleich nach der Heimkehr vom Römerzuge sein Fürsteuthum gegen die Ansprüche verthcidigcn, welche der Graf Stephan II. von Auxonnc schon gegen seinen Vorgänger erhoben hatte, und seine Lage war gewiß eine recht schwierige, da Stephan sowohl den Herzog von Zühringen als auch den Herzog des französischen Burgund für sich gewonnen hatte. Im Einzelnen ist freilich über den Verlauf der Fehde, in welche sich dann auch noch Graf Thomas von Savoien gegen den Zähringer hineinmischte, Nichts weiter bekannt, als daß Herzog Otto allmählich seinen Gegnern unterlag ^). Der Streit war aber noch nicht beendet, als der vom Papst ausgehende Ruf zur Empörung auch das übrige Reich nach kurzem Genüsse des lang entbehrten Friedens wieder mit Verwirrung erfüllte. Jener Aufruf traf, wie man weiß, die deutschen Fürsten nicht unvorbereitet: Die Klagen über Otto IV. welche Jnnocenz kurz vor der Excommunicativn desselben an Adolf von Altena gerichtet, waren sicherlich nicht dazu bestimmt gewesen, in Adolfs Brust verschlossen zu bleiben, und die Aufreizungen des Königs von Frankreich werden sich nicht auf den Landgrafen Hermann von Thüringen beschränkt haben, der allerdings am vollständigsten in seine Absichten cingeweiht gewesen zu sein scheint und seine Kunst, heimliche Verbindungen zu schürzen, auch jetzt wieder bewährte-'). Genug, obwohl die Wege ziemlich im Dunkeln liegen, aus welchen die gegen den Kaiser ins Werk gesetzte Agitation schlich, das Eine ist sicher, lVoiei. seounclum coutiuuntorem slrrouiens 8Invorum (?!) tvrram I^rutvs- uorum sune suUsuANvit elitioui st beeit enm .tridutnrinm virtuts Zinclii. Unsicher bleibt der innere Zusammenhang zwischen Waldemars Krenzzug und der Notiz OIrrou. blaut. 8er. p. 176: I?rimi prsciisntorss ASuti Xrutsuorum misst sunt. Vgl. Ichüst. Inuoe. XIII, 128 vom 4. Seht. 1210 an den Erzbischof von Gnescu: Empfehlung des Mönchs Christian und seiner Genossen riicksichtlich der Mission bei den Preußen. *) Ivoruer 1. e.: (sstio sxpeciito sxsreitum äirsxit tu 8tstiu. äusntum, in >zuo sibi suviuAnvit sivitntos st onpiän muitn. ?ro tune stinm rsscii- tienvit onstrum Deinen st op>>iciu»r stus. Vgl. Oliron. I)nu. I. o.: Onstrum I>)uniu rssäitientum sst n Dnuis et XisudurA Usstruotum st lÜAliteu- Ungeu. Oomos Xldsrtus enstrum Oruuer eäilionvit. Langebek war die Lage von Lichtenhagcn und Pruncr unbekannt: sollte crstcrcs nicht das Pfarrdorf im LiLtO. von Dobbcran sein? Wnrstembcrger, Peter von Savoien 1, 75. 77 ff.; liiere, Hist, cie In Xrnuolrs-Oomtö p. 398 ff.; Ocfele, Grafen von Andechs S. 101. 2) S. o. S. 250 ff. Hermanns Autheil an der Agitation läßt sich darnach bemessen, daß er in -Inn. Oolou., Oiirou. I7rs^>., Oiirou. 8nm>istr. und von Ouill. Ilrito einstimmig als Theilnehmcr aller gegen Otto abgehaltcncn Fürsten- Zweites Buck, Kapitel IV. 1211. 270 daß sic Erfolg hatte, da König Philipp selbst ja schon zu Anfang des Jahres 1211 ihre Ergebnisse rühmtest. Und als dann der ausdrückliche Befehl des Papstes, Otto's Bannung überall zu verkündigen, zugleich mit seiner Aufforderung zum Abfall in Deutschland eintraf st, da mußten die einzelnen maßgebenden Persönlichkeiten wohl oder übel ins hellere Licht heraus und namentlich die geistlichen Fürsten waren in die Nothwendigkeit versetzt durch ihre Thaten zu bekennen, ob sie lieber dem Papste gehorchen oder ihrem Kaiser treu bleiben wollten. Unendlich viel kam da auf das Beispiel des Erzbischofs von Mainz an. Sigfrid hat um diese Zeit vielfach mit seinen benachbarten Genossen verkehrt: in Gemeinschaft mit dem im Herbste ans Italien hcimgekvmmcnen Hofkanzlcr Kvnrad von Speier soll er den Erzbischof Johann von Trier in Koblenz besucht Habens, am L. März hatte er den letzteren wieder bei sich in Mainz zu Gaste st und es ist undenkbar, daß bei diesen Zusammenkünften nicht die großen Fragen des Augenblicks erwogen worden wären. Während aber der Kanzler, welchen Otto IV. doch wohl gerade wegen der hcrannahenden Krisis nach Hanse znrückgeschickt haben dürfte, allem Anscheine nach fürs Erste das Vertrauen seines Herrn rechtfertigte ch, während der Erzbischof von Trier auch jetzt wieder wie früher jede hervorragende Rolle möglichst ablehntc st, hat Sigfrid von Mainz sich von Anfang an mit unverkennbarem Eifer auf die Seite des Papstes gestellt. tage, von letzterem sogar an der Spitze der von Otto Abgefallcnen genannt wird, x. 85: (pnxn) iuliivens ns cznis snin Irndsrst vsl noiniuarst iinpsrn- torsin; et itn rsossssrnnt ad so Innllegrnvins 1'linrinAins st itlvL'nntinns nsxns st 1'rsversnsis nepns, Uux ^nstrins st rsx llosnrins (Zusatz eines Codex des brit. Museum, ibiä. x>. 772: dnx Vrigins flies /nringinsj, dnx Lnvnrins) st mnlti nlü, gnnin ssonlnrss gnnni esvlesinstions psrsonns. st S. o. S. 252. st S. o. S. 255. Darüber allein Oostn. ürsvir., aber innerhalb einer chronologisch ganz verwirrten Erzählung. Der Besuch kann wegen dcS Kanzlers nicht früher stattgesunden haben als Ende Sept. 1210, aber auch nicht sehr spät im Jahre 1211, weil Konrad kaiserlich blieb. Sigfrid von Main; war übrigens noch 31. Jan. 1211 für den Kaiser rhätig. Scriba, Hess. Reg. I, 20. 0 Rossel, Urkbch. d. Abtei Eberbach I, 147. st.Konrad recognoLcirte zuletzt die kaiserliche Urk. vom 28. Aug. 1210 zu Mont' Amiatc ^etn iinp. nr. 1072, also zur Zeit als der Angriff auf das päpstliche Lnscien begann. Ich sehe keinen Grund, ihn schon für 1211 als einen im Geheimen mit den Gegnern Otto's Verbündeten zu betrachten, wie cs noch Scheffer-Boichorst in Forsch. VIII, 534 gcthan; unter den Thcilnchmcrn der kaiscrfeindlichen Fürstentage wird er niemals genannt und cs würde schlecht dazu passen, daß er 1212 sich wieder zu Otto nach Italien begab und dort wieder als Kanzler diente. Heg. Ott. nr. 156—100. Für das Gegenthcil, daß Konrad zunächst dem Kaiser treu blieb, spricht die Zengenschaft des Pfalzgrafcn Heinrich in seiner wegen der Jndiktion vor 1211 Sept. ausgestellten Urkunde für Hemmenrode, Remling Urkbch. S. 167. st Onill. IZrlto 1. s. bezeichnet ihn freilich als einen Abgefallcnen und Vitn Riss. eom. illnrnt. VIII, 124 als einen Wähler Friedrichs; in den deutschen Quellen wird er nicht genannt und hat jedenfalls nicht Ausfälliges gcthan. Die Rebellion in Italien und in Deutschland, I2II. 271 Zu Landgraf Hermann nnd Erzbischof Sigfrid gesellte sich als der Dritte im Bunde König Otakar von Böhmen, lieber den Kaiser zu klagen hatte er freilich keinen Anlaß und wenn man einen solchen etwa in der Borenthaltung desjenigen Antheils am staufischcn Allod finden möchte, welcher der mit seinem Sohne Wenzel verlobten Tochter Philipps von Schwaben znkam, so ist dagegen zu erinnern, daß Otto die Ansprüche derselben ja keineswegs bestritt st und den Vollzug der Erbtheilung wohl nur deshalb verzögert hatte, weil die Töchter Philipps fämmtlich noch unmündig und möglicher Weise auch die Anrechte des sicilischen Friedrich in Betracht zu ziehen waren. Otakars Auftreten gegen den Kaiser läßt sich auch nicht aus seinem sonst deutlich genug hervortrctcnden Wunsche erklären, die Beziehungen zwischen Böhmen und dem Reiche noch weiter zu lockern: denn da er vor Allem darauf ausging, das kirchliche Band zu zerschneiden, welches Böhmen noch an Mainz knüpfte-), wäre jede andere Parteinahme zweckdienlicher gewesen als gerade die für Erzbischof Sigfrid, der jenen Bestrebungen des Königs natürlich aufs Aeußerste entgegen war. Die Wahrheit dürfte sein, daß Otakars Verhalten einfach durch die ängstliche Rücksicht auf die Kurie bedingt worden ist, welche in seinem unglückseligen Ehehandel mit der verstoßenen Adela von Meissen eine überaus wirksame Handhabe besaß, ihn ihrem Willen dienstbar zu machen. Oder war es ein Zufall, daß Jnnoccnz gerade um die Zeit, als an den Absichten des Kaisers zu zweifeln nicht mehr möglich war, am 13. April 1210 jenen Prozeß wieder in Gang brachte^)? Der 11. November war damals zur Verhandlung bestimmt worden, wurde aber nicht cingehalten nnd es ist nicht einmal wahrscheinlich, daß die Kurie sonderlichen Werth darauf legte, die Entscheidung selbst zu beschleunigen, welche der Abhängigkeit Otakars so oder so ein Ende gemacht haben würde. Darüber ist dann die unglückliche Frau am 2. Februar 1211 gestorben, ohne daß ihr ans Erden Recht geworden wäre. Otakar jedoch konnte trotzdem nicht frei anfathmen: noch lebte sein nnd Adelas Sohn Wratislaw als eine beständige Drohung für die aus seiner zweiten Ehe mit Konstanzc von Ungarn entsprossenen Kinder und die Liebe zu diesen und die Furcht vor jenem dürfte das Meiste dazu beigctragcn haben, daß Otakar, um sich des Papstes zu versichern, für diesen gegen den Kaiser Partei ergriffst. So war cs denn den vereinten Bemühungen Frankreichs und des Papstes wirklich gelungen, eine Anzahl bedeutender Fürsten für eine Schilderhebnng gegen Otto IV. zu gewinnen, ohne daß darum diese sogleich erfolgt wäre. Es ist nicht einmal der Bann auf der Stelle verkündigt oder gar das Ausschreiben, des Papstes st S. o. S. 158. st S. o. Bd. I. S. 283. 2) Xpist. XIII, 50. st Alle Nachrichten über die folgenden Verhandlungen und Unternehmungen gegen den .genfer, ^un. Oolou., Oliron. Vrsp., Oliron. 8uiupstr., 6miII. lirito gedenken stets des Bohmeukönigs als eines der hauptsächlichsten Agitatoren. 272 Zweites Buch, Kapitel IV. 1211. öffentlich bekannt gemacht wurden. Denn es liegt in der Natnr der Sache und es wird ausdrücklich berichtet, daß Mainz, Thüringen und Böhmen, ehe sic mit ihren Absichten hervortraten, sich erst noch durch den Beitritt Anderer zu verstärken suchten, und das wollte anfangs nicht recht gelingen. Jene drei Fürsten sollen im Frühling ein Mal zu Naumburg im tiefsten Gehcimiüß mit dem Erzbischöfe von Magdeburg und dem Markgrafen von Meissen über die geplante Empörung verhandelt Habens; das Ergebniß entsprach aber nicht ihren Erwartungen. Was in aller Welt hätte den Markgrafen Dietrich veranlassen können, gegen den Kaiser, dem er eben einen bedeutenden Machtznwachs verdankte, in eine Gemeinschaft mit dem Böhmen einzntrctc»,' der seine Schwester aufs Schmählichste betrogen hatte und den Kindern derselben noch immer ihr Recht verweigerte ^ ? Erzbischof Albrccht hatte sich freilich auf der Heimkehr von Rom in Unfrieden von Otto getrennt^): wie sehr er sich aber gekränkt fühlen mochte, er koniste nicht übersehen, daß der Aufstand gegen den Kaiser gerade für ihn, den Nachbarn der treu zu demselben haltenden Askanier und der Welfen von Braunschwcig und Lüneburg, mit ganz besonderen Gefahren verknüpft war. Der ihm wie allen übrigen Bischöfen aufgetragcnen Verkündigung de§ Bannes ist er das ganze Jahr hindurch aus dem Wege gegangen ^). i) LNi-oii. 8amzmtr. p. 52 ob. ^nn. IloiulmrNsbr. p. 123 mit einigen Zusätzen. Wenn hier als Motivirung der Auflehnung Otto's schlechter Charak- und "besonders seine Nichtachtung der hierarchischen Wurden angeführt wird: oodssiaLtiois NiAuitatibns iusultans, ardiiprosulss simplidtsr olsiNoos. ablmtss luouasbos, rsvsrsuNas nmtronas inulisros aMollanL etc., so mochte ich zweifeln, ob das schon in der ursprünglichen thüringischen Auszeichnung gestanden habe. Andernfalls wäre cs die früheste Bezugnahme auf jene angebliche Acußerung Otto's. — Die Zeit dieser Zusammenkunft läßt sich nur annähernd bestimmen und zwar mit Hülfe der späteren zu Bamberg (s. n.f. lieber eine ans den Naumbnrger Lag zu beziehende Notiz der Magdeb. Schöppenchron. s. Erläuterungen Nr. IX: Der Fnrstcntag zu Nürnberg. Der thüringische Chronist meint allerdings, daß Dietrich — und ebenso Albrccht — den Plänen der Verschworenen zngestimmt habe. Aber der Inhalt der Besprechung ist ja nach seiner eigenen Angabe geheim gehalten worden; der Meißner wird sonst nirgends zu Otto's Gegnern gerechnet und endlich erhält er von Walther S. 12, 3 (Lachm.) das bekannte Zcugniß: io Ns Nissonaors Nsrst ismsr iuv'er aus n-llu: vou Aots umreis sin onAsI s verlsitot. °) S. o. S. 213 Anm. 3. Stach Lbrou. 8ampstr. wäre auch Albrccht mit den Feinden des Kaisers einverstanden gewesen. Abel S. 101 läßt ihn sogar schon vor dieser Versammlung am 2. Febr. 1211 den Bann verkündigen, ans Grund einer durchaus irr- thümlichen Auffassung der Magdeb. Schöppenchr. S. 135: In Nsm 1211 jare sauNs No pan-ss drsvo ovsr al und ünnNig-sNs leoiLor Ottsu to Imnus. Dss bot bisobox ^Ibroobt tavistuut; to Nom NriNNon snboN sin No zm^vos u. s. w. Harun in uussv Ibm'vsu NaAS <2. Febr.) . . . bsilt bs äss pa^vos bot unä Nsäo Neu bsissr to bauus. Da die osficiclle Anzeige des Bannes erst am 1. Febr. 1211 erging, kann Albrccht ihn nicht am 2. verkündigt haben. Das meint der Chronist aber auch gar nicht: da er einen dreifachen Briefwechsel mit dem Papste dazwischen legt, ist für ihn der Frauentag erst der von 1212. Er fährt fort: Larua na ostoru üaiu Iliniüc Ns pallauNss^rovo van Noms liins sto. Das ist auch nicht Ostern 1211, sondern 1212, denn der Pfalzgraf war nachweislich bis in den Herbst 1211 am Rheine beschäftigt. Uebrigcns ist Albrccht auch nicht in der Liste der sogleich von Otto AbgcfaUenen bei Ouill Iwito. Die Rebellion in Italien und in Deutschland, 1211. 273 Wenn also in Naumburg Etwas erreicht wurde, so kann cs höchstens das Eine gewesen sein, daß jene Fürsten, welche bisher einzeln für die Opposition gewonnen waren, sich nun unter einander über das weitere gemeinschaftliche Vorgehen verständigten *). Erzbischof Sigfrid wurde veranlaßt in seiner Eigenschaft als päpstlicher Commissar zur Untersuchung der Schuld oder Unschuld des geächteten Bischofs Ekbcrt von Bamberg und angeblich zum Zwecke der Wiedereinsetzung desselben eine öffentliche Versammlung nach Bamberg zu berufen, bei welcher dann weiter gegen den Kaiser geworben werden sollte. Hermann von Thüringen und Otakar von Böhmen waren natürlich zur Stelle und wir dürfen entnehmen, daß jene in den Vordergrund gerückte Angelegenheit auch die bei ihr besonders intcressirten Hcrzöge von Baiern und Oesterreich nach Bamberg geführt haben wird, welche später sich allerdings als für die Opposition gewonnen erweisen M Im Großen und Ganzen aber ging es den Verschworenen nicht viel besser als in Naumburg: der, wie cs scheint, hier zum ersten Male vor einem größeren Kreise anftanchendc Gedanke, Otto durch Friedrich von Sicilien zu ersetzen, fand nicht den Beifall der Mehrheit und die Versammlung löste sich auf, ohne in der Rcichsfrage irgend Etwas beschlossen zu haben 3). Dadurch kamen nun die Führer der Opposition in eine überaus mißliche Lage, sowohl dem Kaiser als dem Papste gegenüber. Jenem hatten sie doch schon die Treue gebrochen und diesem noch lange nicht genug gethan. Sic hatten durch die Vermittlung Frankreichs dem letzteren Vvrgcstellt, daß sie nur auf seinen endgültigen klirou. 8nmpstr.: jurisjurnncli saoramsuto ss solliAautso, aoutra Ottononr ... so vsuturos pollisiti sunt . . . Uroinäs tnoits äisA-rsäisutos, estsros prinoipos sa latnsrs sonsilia. Das ist wohl der Grund, daß jener Zusammenkunft sonst nicht gedacht wird. 2) Knill. Ilrito zählt Beide zu den von Otto Abfallenden, kürou. Ilrsp. zu den an der Wahl Friedrichs Betheiligten, lieber Leopolds Anwesenheit in Bamberg s. n. S. 27K. Anm. 1. Encnkel bei ?6n, 8or. rar. .-Lnstr. II, S41 weiß auch die Ursache seiner Feindschaft gegen den Kaiser. Er hat diesem 200 Mark Gold als Geschenk gebracht, Otto diese aber als zu wenig verschmäht und unter Drohungen mehr verlangt. Da ist der Herzog entzürnt heimgckehrt und sendet nach dem jungen Friedrich. Daß Dietrich von Meissen erschienen sein sollte, ist kaum wahrscheinlich, daher auch Walther 18, 18 (Lachm.l nicht ans diesen Fnrstcntag zu beziehen. Wie die Naumbnrger Zusammenkunft eigentlich nur im Klrrou. 8am- pstr., so ist die Bambcrger nur in 2 l.nu. Kol. max. p. 82S. 826 überliefert: szckriäns üloA. aop. st lsAntus a pnpa ooiistitutus, ennr II. InutAravio st rSAS Losinis st gnibnoclam prinsipibus st uovilibus tsrrs apuä Ilaviu- üsrA solloguinin lurlinit, uvi spisoopnm. . . rsstitnsrnnt. Kanon, stinin Irnins nSAotii Init, nt sosunclnin prsosptnm pnps imp. rslingnsront st I?riclsrisnin sIiAoront. 8scl onnr plurss nssonsnnr non prslisrsnt, intssto nsgotio rsossssrnnt, Bedenken erregt, daß Sigfrid schon Legat heißt. Auch 2 Vnn. Llnrbns. p. 172 lassen ihn den Bann verkündigen pro pnpn ls^ntions snsssptn. Aber Sigfrid ist erst etwa im März 1212 (s. u.) znm Legaten ernannt worden, so daß jener Jrrthuin aus seinem außerordentlichen Aufträge in der Bambcrger Angelegenheit entstanden sein mag. Jahrb. d. dtsch. Gesch. — Winkelma n n, Otto IV. 18 274 Zweites Buch, Kapitel IV. 1211.^ Bruch mit dcm Kaiser und auf seine Autvrisntiou warteten, um sich offen zu erheben: der Bruch war erfolgt und sie hielten selbst mit der amtlichen Verkündigung des Bannes noch zurück. Andrerseits konnten jene Versammlungen und Agitationen ans die Dauer den Vertretern des Kaisers in Deutschland nicht verborgen bleiben: man war schon viel zu weit gegangen, um nicht noch weiter gehen zu müssen, selbst auf die Gefahr 'hin, daß man für den Anfang einigermaßen vereinzelt dastand. Erzbischof Sigfrid sprach also noch in Bamberg den Bann über den Kaiser aus und erließ an alle Bischöfe die Mahnung das Gleiche zu thun ^). Da sagte auch Otakar von Böhmen offen dem Kaiser ab, indem er sich zugleich für König Friedrich erklärte, früher als irgend ein anderer Fürst-). Tie Fahne des Aufstandes war aufgcpflanzt: es fragte sich nun, wie viele unter dem Eindrücke des jetzt bekannt gemachten päpstlichen Manifests sich zu dieser Fahne bekennen würden. Von den Erzbischöfen des Reiches haben im Ganzen doch nur zwei oder drei dcm Befehle des Papstes gehorsam den Bann verkündigt, nämlich außer dem Mainzer Eberhard von Salzburgs, der sich natürlich durch den ihm vom Kaiser in Italien abgczwnngencn Revers nicht fesseln ließ, und vielleicht Johann von Trier. Die Erzbischöfe Albrccht von Magdeburg und Dietrich von Köln versagten sich dagegen dem Ansinnen und haben, wenn sic auch wohl kaum Etwas zu Gunsten Otto's unternahmen, doch eben Nichts gegen ihn gethan. In Bremen endlich kam gerade jetzt der schon ganz gcdemüthigte Waldemar wieder obenauf. Denn auf Befehl Otto's, der gleichsam an diesem Beispiele dem Papste zeigen wollte, wer im Reiche der eigentliche Gebieter sei, ward Waldemar durch Herzog Bernhard ') Xun. Volon. p. 826. — Dagegen Vliron. 8ampotr. p. 53: iiclem gnrati in oppiäo Xnrenßero voUsoti pnblios Ottonsm üerstionin nominant st . . . Vricksrieum. . . Intnrnin imperatorem Useiarnnt. Da die Xnn. Voi. ausdrücklich sagen, daß der Vorschlag Friedrichs in Bamberg nicht dnrchdrang, nach dem Lüron. 8ampstr. aber in Nürnberg die Wahl Friedrichs beschlossen ward, darf die letztere Versammlung nicht nur nicht mit der zu Bamberg iden- tificirt, sondern sie muß vielmehr etwas später angesetzt werden. Dafür daß die Verkündigung des Bannes und die erste Wahl Friedrichs zeitlich getrennt sind, spricht auch eine Urkunde Leopolds von Oesterreich, Meiller, Babenb. Nr. 93: Ottons iinp. sxeominnnieato 121 l (und zwar Juli s. Meiller, Salzb. S. 200 Nr. 134), denn da Leopold sehr bestimmt denen zugezählt wird, welche Friedrich wählten (Olrron. Ilrsp.', würde er nicht so datirt haben, wenn Otto's Excom- munication und die Wahl Friedrichs zusainmciifielcn. Dieselbe Urkunde hilft auch die Tage von Naumburg und Bamberg einigermaßen zu fixiren. Denn da Erzbischof Sigfrid Dcc. 1210 bis 6. April 1211 in Mainz urkundet (Scriba, Hess. Reg. III, 78. I, 29; Rossel, Eberbach I, 146. 147; Baur. Hess. Urk. II, 44s und Otakar ebenfalls im April noch in Prag ist (Lrdon, Ilex. Uoll. nr. 525), wird der Naumburg er Tag wenigstens nicht früher zu setzen sein. Ferner: Leopold ist noch am 27. Mai in Wien oder überhaupt in Oesterreich gewesen (Meiller Nr. 92), nach dem Obigen aber im Juli schon wieder zu Hause, so daß der Bamberger Tag etwa im Juni stattgcfundcn haben dürfte. 2) Xnn. ?rax. a. 1211 HI. (4. 8s. IX, 70: Ilex Vrri. rsdellat Imperator!. Vgl. Friedrich II. am 26. Sept. 1212. IluiU.-IIrälr. I, 216. ') Das ergiebt sich aus der Datirung des in Gemeinschaft mit Herzog Leopold im Juli 1211 (s. o. Anm. I) beurkundeten Vergleichs. Die Rebellion in Italien und in Deutschland, 1211. 275 von Sachsen mit Waffengewalt nach Bremen znrückgeführt nnd das nun über die Stadt verhängte Interdikt hinderte ihn um so weniger sich dort zu behaupten, weil er durch rücksichtslose Wegnahme der Güter und Einkünfte seiner Gegner über reichliche Mittel zur Belohnung feiner Freunde unter Geistlichen und Laien verfügte. Vor Allen thateu sich auch jetzt wieder die Bauern des Stedingerlandes hervor: sie waren für Waldemar und gegen den vom Papste bestätigten Gerhard, weil dieser dem ihrer Freiheit gefährlichen Oldenburger Grafenhause angchörte st. Da nun die Erzbischöfe keineswegs allgemein dem Beispiele Sigfrids von Mainz gefolgt sind, werden die Bischöfe und die unteren Geistlichen wohl ebenso zwischen Kaiser und Papst getheilt gewesen sein 2 ). Der Bischof Lutold von Basel publicirte den Bann noch früher als Sigfrid; als aber der Propst des in seiner Diöccse gelegenen Marbach das Gleiche that, wurde er von seinen Stiftsherren schmählich fortgejagt 3). Bei den Schwaben, deren Herzen Otto nie für sich cinzunehmen vermocht hat, erregte die Nachricht von seiner Excommunication eher Freude als Mißfallen st, während umgekehrt die Sachsen dem Unwillen über das dem Könige ihres Stammes zugefügte Unrecht lauten Ausdruck gaben st. Mit der Verkündigung der Excommnnication war jedoch dem Willen des Papstes erst zur Hälfte Genüge gethan: er verlangte von den deutschen Fürsten auch die Absetzung Ötto's, die Erhebung eines anderen Königs, nnd zwar unverzüglich. „Sehet zu, mahnte er in seinem Manifeste, daß es euch nicht so ergehe, daß ihr nicht wollt, wenn ihr könnt, und nicht könnt, wenn ihr wollt." Aber da er bei dem früheren Thronstreite Gelegenheit gehabt hatte zu lernen, wie empfindlich die Fürsten gegen jeden Eingriff in ihr Wahlrecht waren, hütete er sich, ihnen den Kandidaten ausdrücklich zu bezeichnen, welchen er schon in Bereitschaft hatte oder vielleicht genauer: für den er sich durch seinen französischen Verbündeten hatte bestimmen lassen. Denn wenn vornehmlich Landgraf Hermann von Thüringen, wie berichtet wird, für die Erhebung des staufischen ') Xllll.'8taä. p. 355; Innos. 28. Febr. 1212. üxist. XV, 3. lieber den Antheil der Stcdinger vgl- Ehmck, Brem. Urkbch. I, 127; Dehio in Hist. Zeitschr. Bd. 30 S. 233; Schumacher, Stcdinger S. 61 ff. 2) ^Nll. 8. Itnäb. 8alisb. n. 1211 p. 780: Otto n rnnltis sxisLopis Xlsnr. cisnnntiatnr. lüpist. Innos. XVI, 24 vom 6. April 1213: iani aunis slaxsis clnobus. st Oour. cts Vab. p. 170: Iluins tainn sxsomnnisationis psrvolnt 8nsvis prinsipibns non inAratn, c^nos in snis psrtnrbavsrat tarn ksoäis n-oenrutui'. Aber die Sache stimmt zu den älteren Nachrichten, nach welchen Hermann bei der Agitation gegen Otto überall in erster Reihe stand, s. o. S. 269 Anm. 3 und Schefser-Boichorst: Forsch. VIII, 533 Anm. 2. -> 6tuili. Ilrito p. 85: baronss Xteinnnnis insdinnts oonsilio Vintipgl regis Urans. etsAsrnnt Vrsdsrieuin und nachher de eonsilio rsgis Uraneis. ch Ouill. Ilrito I. o. in Bezug auf den späteren Moment, als die Wäbler Friedrichs dem Papste ihren Beschluß mittheilteu: gui liest I>oo dsns vsilst, tarnen dissnnnlavit, guia Itoa sestesia ssinpsr Aravitatsin odssrvars st nova non uisr ounr dibtienttats st inaturitats eouesderv oonsuovit, aber der Verfasser fügt doch auch hinzu: st gnia xrogsnisin iilain non ainadat. Die Rebellion in Italien nnd in Deutschland, 1211. 277 Entschluß dcs Papstes erklärbar wird. Von Otto nämlich, der seinen Vorgänger Heinrich VI. sich überall zum Vorbilde nahm und ein ungeheures Bewußtsein von der Würde der Kaiserkrone in sich trug, war nicht zu erwarten, daß er für Sicilicu den Lehnscid leisten würde, welchen Heinrich als unvereinbar mit dem Kaiserthume zurückgewiesen hatte; Friedrich dagegen war schon ausgewachsen als Vasall der Kirche und es lag völlig in ihrer Hand, von ihm nochmals die ausdrückliche Anerkennung dieses Verhältnisses und sonstige Bürgschaften zu erwirken st, bevor sie ihm zu einer ganz unerwarteten' Erhöhung verhalf, welche zugleich seine Rettung war. Das Verhältnis^, in welchem Friedrich der Kurie im Jahre 1211 gegenüberstand, war aber auch ein ganz anderes als das dcs Jahres 1198, da sie sich zum ersten Male über die Union hatte schlüssig machen müssen. War Jnnocenz damals durchaus zu der Vermuthung berechtigt gewesen, daß Friedrich als schon rechtmäßig erwählter deutscher König „wegen der Würde des Reiches" ebensowenig wie sein Vater geneigt sein werde, den Lehnseid für Sicilicu zu leisten st, so war umgekehrt jetzt diese Lehnsabhängigkeit eine Thatsache und cs handelte sich für Friedrich darum, erst wieder deutscher König zu werden. Das gewichtigste Bedenken, welches Jnnocenz gegen Friedrichs Erhebung in Deutschland hätte haben können, fiel also fort; ja sic empfahl sich gerade als das im Augenblick geeignetste Mittel, um jene Fusion Der beiden Reiche zu verhindern, welche Otto IV. in Nachahmung Heinrichs VI. offenbar anstrebte. Der Umstand, daß ein Vasall der Kirche ans den Stuhl Karls des Großen erhoben ward, konnte endlich auch dazu helfen, daß man sich gewöhnte, die kaiserliche Gewalt als Ausfluß der päpstlichen, das Kaiscrthum selbst als ein päpstliches Lehen zu betrachten. Die Ansätze dazu waren vorhandenst. Der sicilischc König war und blieb freilich immer ein Staufer, der Enkel Barbarossas, der Sohn des „Hammers der Erde" und er hatte in den wenigen Jahren, welche seit seiner Mündigkeit verflossen waren, dem Papste schon wiederholt Anlaß zur Klage über seinen Eigenwillen gegebenst: was ließ sich da erst von der 9 Die Beurkundung dcS Lehnsverhältnisscs und die Anerkennung des von der Kaiserin Konstanze geschlossenen Konkordates Rsg. IViä. nr. 30. 31 sind vom Febr. 1211 datirt nnd es könnte scheinen, als ob Jnnocenz sie sich habe geben lassen, bevor er den französischen Vorschlag in Betreff Friedrichs annahm. Sie gehören aber vielmehr in den Febr. 1212 (s. n.) und sind die Bürgschaften, zu welchen Friedrich sich herbeilasscn mußte, als er nach Deutschland ging. Im Jahre 1211, als man noch gar nicht wußte, ob Friedrichs Kandidatur in Deutschland Anklang finden werde, wäre dergleichen wohl verfrüht gewesen. 11vA. äs NVA. imp. nr. 2b. st Wenn nicht in dem Satze der Osliösratio, lisg. äs ns^. imp. 29: iinpsrator a summo poutsüos. . . bsnsäioitur, ooronatnr et äs imperio Investitur — denn iuvsst. ist allerdings vieldeutig —, so doch in dem der Decretale Vsnsrndilein, welcher das Wahlrecht der Fürsten von Rom ableitet. Zeitgenossen gingen schon viel weiter, s. u. über Gervasius von Tilbury. S. 290. *) S- ö. S. 93 und 244- 278 Zweites Buch, Kapitel IV. 1211. Zukunft erwarten? Dem gegenüber mochten doch die schlechten Erfahrungen ins Gewicht fallen, welche man eben an Otto machte, obwohl dieser dem Gcschlechtc der Beschützer der Kirche entstammte und an Versicherungen seiner Ergebenheit und Dankbarkeit es wahrlich nicht hatte fehlen lassen >).' Wer doch wüßte, was Alles in den entscheidenden Stunden, da Jnnoccnz über den Vorschlag seines französischen Bundesgenossen ins Klare kommen mußte, den Kopf des Mannes erfüllte! Ob er ein Bewußtsein davon besaß, daß er mit der Zulassung Friedrichs zum deutschen Königthnme im Grunde nur auf den Weg einkenktc, welchen schon das Testament Heinrichs VI. vorgczeichnct hatte? Die Voraussicht des verstorbenen Kaisers feierte nachträglich den glänzendsten Triumph. Oder gedachte Jnnvecnz vielleicht der Mahnungen des ebenfalls schon dahingegangenen Kardinal-Erzbischofs Kvnrads von Wittelsbach, welcher im Jahre 1199 vergebens der doch zu Recht bestehenden Nachfolge Friedrichs in Deutschland bei ihm das Wort geredet hatte? Seine Erörterungen mögen immerhin bei dem Papste nachgcklnngcn haben nnd so der Entscheidung zu Gunsten Friedrichs förderlich geworden sein -). Hatte Jnnvecnz doch selbst, als er sich im Jahre I20U die Gründe für und gegen die Anerkennung Friedrichs, Philipps und Otto's zurechtlegte, soviel zugeben müssen, daß die Zurückweisung des ersteren sich nur aus augenblicklichen Nützlichkeitsrücksichten empfehle 9- Was er damals an seinem Mündel gesündigt, jetzt konnte er es gut machen Als Jnnocenz in seinem etwa zu Anfang des Februar 1211 erlassenen, aber wohl erst mehrere Monate später in weiteren Kreisen bekannt gewordenen Manifestes an die Reichsfürsten diese zur Wahl eines Königs an Otto's Stelle anffordertc, gehörte nicht viel Auslegungsknnst dazu, um seine Anspielung auf Saul richtig zu verstehen, welchen Gott durch einen „Jüngeren" ersetzt habe, nnd das Verständniß wurde noch durch die beigcfügte Bemerkung erleichtert, daß jener alttestamentliche Vorgang ein Abbild der gegenwärtigen Lage seich. Die Handreicher des französischen Königs, die Führer der deutschen Opposition, mochten weitere Erläuterungen geben. 9 Scheffer-Boichorst a. a. O. S. S33: schlimmer als der Welfe konnte der Stanfer schwerlich werde». V Leo, Borles. III, 08. ') Usliberntio gegen das Ende: ex prasäietis cuusis i>ro ;>usrc> non erscliinus insistenünna, nt ncl prssens äsvont iinpsrinin ovtinere. ch S. o. S. 255 Anm. 3. Die Publication kann nicht früher erfolgt sein, als bis Sigfrid von Main; sich offen herauszntreten entschloß, also etwa auf dem Tage zu Bamberg d. h., wie ich S. 274 Anm. gezeigt zu haben glaube, im Juni 1211. 9 Deus... 8nnlsin reprollavit et ei piuin ouvstituit snniorsin, czui rsAnuin optinuit st posaeäit; ^uae res instnntis teinporis >est li^nrn. Ich stimme Scheffer-Boichorst S. 532 ff. darin ganz bei, daß die Kandidatur Friedrichs von Frankreich aufgebracht ist: die früheste öffentlich gewordene Hindeutung Dic.Rebellion in Italien und in Deutschland, 1211. 279 Doch was kannte der sicilischc Jüngling, welcher gerade in diesen Tagen der völligen Vcrjagnng aus seinem Erblande entgegensah, mittellvs und fern von Deutschland, dvrt der Opposition gegen den Kaiser helfen vder nützen? Er bot ihr nichts weiter als einen Namen, aber in diesem Namen, wie sich bald zeigte, eine Waffe von furchtbarer Wirkung. Man hätte unter den deutschen Fürsten sehr viele Reiche und Mächtige, aber Niemanden zu finden vermocht, dem die Volksmeinung günstiger war als dem sicilischen Staufer. Sein früher erworbenes Anrecht auf die Krone und die ruhmreiche Tradition seines Hauses schlossen jede Mitbewcrbung aus und halfen zugleich denjenigen, welche sich für ihn erklärten, über den Makel des Ncrraths an dem regierenden Kaiser hinweg. Das mögen ungefähr die Gründe gewesen sein, mit welchen Graf Albrecht von Everstein, von Otto geschädigt und gekränkt, die Wahl Friedrichs, dessen Gemahlin außerdem ihm verwandt war, nach Kräften befürwortete; feinen Bemühungen schrieb man das Verdienst zu, daß sie trotz mancher Verzögerungen schließlich doch zu Stande kamst. Als etwa An Anfang des September dic der Opposition gewonnenen Fürsten in Nürnberg zusammentrafen: der König von Böhmen, die Herzöge von Baicrn und Oesterreich, der Landgraf von Thüringen und Ändere auf dieselbe ist aber diese im Manifeste des Papstes und Eliron. 8ampstr. x. 53, das offenbar von demselben Kenntniß hatte, ist dadurch veranlaßt zu sagen, daß Jnnocenz die Wahl Friedrichs angeordnet habe: Ottonsna sonstantsr aü- jisiant st vrieloriso novo rSAi clsnominato ss üsvotos sxüivsant st ticislss. So läßt auch Vita Ilissiaräi vom. x. 124 sie geschehen sx austoritats ponti- liois und insofern mit Recht, als Jnnocenz durch die vorher erzählte Eideslösnng den Anlaß zur Wahl gegeben hat. st Magdeb. Schöppenchron. S. 136: Varna in clem 1212. fars rvart zreüorsn l'rselerile up,,s Otton. Oissss leorss msstsr evas grsvs Lldrsoiit van vvsrstoin. . . elarninins ininrocis üs (hier doch kaum in der Bedeutung „vermindern") üsn üors; closlr gal inen els seünit üisslrop Hvrsolrt van ^laAcleborg' ni»1 clarnnnns clat Irs in clos lesissrs aeüt Avclan evas. Nach dem letzten Satze müßte sich der Bericht ans Friedrichs Königswahl vom S. Dec. 1212 beziehen und so ist er in der Regel gedeutet worden. Indessen um diese zu Stande zu bringen, bedurfte es gar keiner Anstrengung: anders bei der Vorwahl von 1211. Das wäre freilich nur ein Wahrscheinlichkcitsgrund, um auch Eversteins Thätigkeit in dieses Jahr zu verlegen. Doch geht jenem Berichte, und zwar ebenfalls in Ereignisse des Jahres 1212 cingeschobcn, eine Notiz vorher, welche auch nach 12l l gehört fs. folg. Anm.1. Der Text ist hier überhaupt durch Compilation aus verschiedenen Quellen arg verwirrt, jene Stelle aber unzweifelhaft ans den verlornen Vitas aroüisp. Uax>U. entnommen und deshalb glaubwürdig. — Eversteins Interesse an Friedrich wird dadurch erklärt, daß äs IroninK van Osoilisn clss snivsu grovsn nieütslsn äs IroninAinns van ^rragonisn to evivs Imcläs gsnomsn und das ist richtig, daß eine weitläufige Verwandtschaft bestand. Albrecht >oder sein Vater?! hatte eine polnische Prinzessin Richen,za zur Frau, welche in erster Ehe mit König Alfons VII. von Castilien, in zweiter mit dem aragonischen Grafen Raimund Berengar v. d. Provence verheirathet gewesen war. Leo, Vorles. V, 654. Letzterer aber war der Vetter des Königs Alfons II. von Aragonicn und dieser der Vater der Königin Konstanze. Brömmel, Gcneal. Tab. Nr. 63. Der Graf ist übrigens seit Anfang >213 sehr oft bei Friedrich nachweisbar und von diesem später dazu gebraucht worden, Konstanze nacb Deutschland zu geleiten. Oürou. 8is. brovs. IInill.-vrÄi. 1, 894. 280 Zweites Buch, Kapitel IV. 1211. — auch Erzbischof Sigfrid dürfte schwerlich gefehlt hoben —, da beschlossen sic Friedrich zum künftigen Kaiser zn erwählen und zwar, wie cs scheint, mit ausdrücklicher Berufung ans den ihm schon früher geleisteten Eid H. Zwei freie Herren aus Schwaben, Heinrich von Reifen und Anselm von Justingen, wurden dadurch, daß man ihnen 1500 Mark aus den Einkünften des Reiches zu zahlen versprach, zur gefährlichen Reise nach Italien willig gemacht: sic sollten in Rom die Bestätigung und bei Friedrich die Annahme der Berufung erwirken und den letzteren selbst nach Deutschland herüber geleiten 2 ). Zu ihrer Beglaubigung bekamen sie von Jedem der an jenem Beschlüsse betheiligten Fürsten ein Schreiben mit, welches die Versicherung enthielt, daß er sogleich nach seiner Ankunft ans deutschem Boden förmlich zum Könige erwählt werden solle ^). Die Gegnerschaft des Stanfers trat kräftig genug ins Leben, da Mittel- und Süddcutschland in ihren bedeutendsten Vertretern sich aus ihn vereinigten und um diese Zeit auch im Bnrgnn- dischen die dem Kaiser feindlichen Elemente, an deren Spitze Herzog Berthold von'Zühringen stand, die Oberhand erhielten Z. Die daraus dem welfischen Kaiserthume erwachsende Gefahr schien so groß, daß Otto's Brüder und Freunde es für angemessen hielten, ihn zur schleunigsten Rückkehr nach Deutschland aufzufvrdern; alle anderen Unternehmungen möge er fahren lassen M Inzwischen bemühten sie sich, die feindliche Bewegung zurückzudümmen. Pfalz- 'I S. u. Erläuterungen Nr. IX. 2 ) Linon. Ilrsp. zi. 373: nobilis vir llsinrieus äs Xoitsn st T^us. äs äustinAsu vir inAsnnns. Xotns 8. Ummer. LI. 6-. 8s. XVII, 574 neunen letzteren: vir maAnus st inAsnnns. Was H. v. Reifen betrifft, kann ich die Nothwendigkeit nicht einsehen, den seit 1207 vorkommenden Heinrich von dein sogenannten Heinrich II. zu trennen. Stalin II, 574, der diese Trennung fcst- hält, hat doch zugleich Bedenken. — 6niII. Orito x. 85: slsgerunt Vrici., ... rognntss papam, nt sleotionsm sg'us vontirmarskt. In Laut. Xämunt. p. 591: oosnitis litsriv st nnusiis in ^Ismnnniam rsvoeavsrunt, ist das ose. nicht zu sehr zn Pressen, da der Nürnberger Beschluß geheim bleiben weder konnte noch sollte und, wie die Stelle ^nu. klas. p. 425 zeigt, auch in der That sogleich bekannt geworden ist. b) Es ist kein Grund, diese Nachricht der ersten Fortsetzung der Kaiserchronik V. 17714 fs. zn beanstanden. Der littsras gedenkt auch Oont. ^.ämnnt. is. vorher). Das jüngst wieder in ^eta imp. nr. 923 abgcdruckte Schreiben der Wähler ist aber längst (Lölnner, Itsg. imp. x. 369) als Stilübnng erkannt, die sich obendrein, wie Bussen in Forsch, z. deutsch. Gesch. XI, 135 äusführt, vielleicht gar nicht auf die Wahl Friedrichs, sondern auf die 1262 beabsichtigte Konradins bezieht. 0 Die burgnndischen Dinge dieser Jahre (s. o. S. 269) sind sehr dunkel. Onill. Lrito I. e. rechnet den Zähringer zn den vom Kaiser Abgefallencn. Derselbe schloß am 18. Oktober im Kl. Hantcröt mit Graf Thomas von Manrienne Frieden, (lisnsst. äs In 8nisss liomnnäs p. 190, vgl. Wurstcmbcrgcr, Peter von Savoi IV, 18 ), während sein Verbündeter Graf Stephan II. von Auxonne den Pfalzgrafen Otto zwang, am I I. Okt. zu Dijon einem nachtheiligen Vertrage zuzustimmen, in welchem er m A. versprach, mit dem Kaiser keinen Frieden zu machen, falls dieser etwa «tcphan wegen der burgnndischen Angelegenheiten bekriegen wollte. Llsro, Hist, äs In Vranolis-Oomts p. 40Ü. 0 Vuu. I?Ineent. Olnslii x. 425. Die Rebellion in Italien und in Deutschland, 1211.s 281 graf Heinrich warf sich schon um Michaelis mit Hülfe des Herzogs von Brabant und des lothringischen Adels auf das Erzstift Mainz, verwüstete das platte Land, soviel er konnte, vermochte indessen den befestigten Plätzen Nichts anzuhabcn H. Größere Erfolge hatte der Rcichstruchseß Gunzelin von Wolfcnbüttel aufzuweiscn, welchen der Kaiser das Jahr zuvor, noch vor dem Angriffe auf Apulien, als seinen Statthalter in den Erblanden und sogar als seinen Vertreter in Rcichsangelcgcnheitcn nach Hause zurückgesandt hatte ^). Dieser besetzte nämlich auf die erste Kunde von den hochverrätherischen Umtrieben unter den Fürsten die Reichsstädte Nordhansen und Mühlhausen, welche durch ihre Lage und Befestigung sich ganz vorzüglich zu Ansgangs- und Stützpunkten des Angriffs auf Thüringen eigneten. Von Mühlhausen aus machte dann der kaiserliche Feldherr von Zeit zu Zeit mit seinen Sachsen und den Bürgern der Stadt verheerende Einfälle in das Gebiet des rebellischen Landgrafen, der sich bald ans die Behauptung seiner Burgen beschränken mußte, weil die thüringischen Grasen und Herren unter Vvrtritt des Grafen Friedrich von Beichlingen in Hellen Haufen zu dem mit Geld nicht knickernden Feinde übergingen. Die Schuld des Fürsten büßte auch hier blos die wehrlose Landbevölkerung, welche entweder sich durch Kriegssteuern Sicherheit erkaufen mußte oder Haus und Hvf in Flammen aufgehen sah ^). Nur wenige Friedcnsjahre waren den Deutschen zur Heilung der Wunden vergönnt gewesen, welche der Thronstreit zwischen Philipp und Otto ihnen und ganz besonders denen der Mitte ge-' schlagen hatte. Am Schlüsse des Jahres 1211 standen sie wieder in den Schrecknissen eines neuen Bürgerkrieges und es war nicht abznschcn, wann und wie er enden, ob die Sache des rechtmäßigen Kaisers oder der Anhang des staufischen Gegenkönigs von Frank- ') ^.nu. Lol. max. p. 826. '— Xnnolsrus, Llrronogr. n. L. 1211 macht dazu allerlei Zusätze, z. B. daß der Pfalzgraf ins Feld gezogen onm oivitatidna, czuas Ottonis xartos t'ovsbant. Wichtiger ist die folgende Stelle: Vorum 8i- triclns, czni llnoo oinnia sidi mala proptar odsäiontinm Idol. xont. svsnirs soioöat, viclans gnoniarn ox aeeino rssistoro non valoöat use snoruin oui- (zuam bsns oontnloro anäslmt... in zmrtos l'IinrinAio so isospit at apucl 11. lanttz'raviuin . . . uliHuainlliu parinansit. Vgl. die von Abel S. 134 Anm. 4 angeführte Stelle gleichen Inhalts aus der Handschrift des 8orrarins, Notznnt. Liegt den Zusätzen des Nauclerus irgend eine alte Ueberlieferung, vielleicht ein Marginale zu den Kölner Annalen oder dergleichen, zu Grunde und wollen wir die Flucht Sigfrids als Faktum annehmen, so hat seine Abwesenheit doch nicht lange gedauert; am 18. November urkundet er wieder in Mainz. Scriba 111, 78. — Lehmann, Grassch. Spanheim S. 22 nach llritlr. Lliron. 8ponll. 1. 261 nennt unter den Angreifern auch den Grasen von Spanheim und der mag immerhin unter den nooilos LotllnrinAio „st snxsriornm zmrtiuin" der nun. Lol. gewesen sein. Die Grafen Gotsrid von Spanheim, Emicho von Leiningen, Eberhard von Ebcrstein u. A. haben allerdings 1211 zum Pfalzgrafen gehalten. Vgl. klrk. Konrads von Speier: Remling, Urkbch. S. 167. 2) Lllron. 8ampstr. p. 53. Vgl. oben S. 268 Anm. I. Lliron. 8amzmtr. p. 53. 54 mit einigen sachlichen Zusätzen in ^.nn. Hoinlmräsbr. x. 124. 125; Sachs. Weltchron. Kap. 348 und Braunschw. Reimchronik V. 6901 fs. 282 Zweites Buch, Kapitel IV. 1211. reichs und des Papstes Gnaden den Sieg erringen werde. Sehnsüchtig harrten die beiden Lager, in welche das Reich sich gespalten, auf das Kämmen des Einen und des Andern ans dem fernen Süden, wohin ihre Boten unterwegs waren. Daß die bisherigen Gegner des Kaisers in Obcritalicn, Cre- mona mit den verbündeten Städten, der Markgraf von Este und die Grafen von S. Bonifazio in Verona, sich auf die erste Nachricht von dein Ergebnisse des Nürnberger Fürstcntages für König Friedrich erklärten Z, war ebenso natürlich, als daß Mailand und sein Anhang unter den Städten nun erst recht der Fahne Otto's treu zu bleiben beschlossen. Abgeordnete dieser Städte schlossen sich den Boten au, welche im Aufträge seiner Brüder ihm die Berufung des Gegenköuigs melden und den Stand der Dinge in Deutschland darlegcn sollten. Diese trafen mit ihrer schlimmen Nachricht um die Mitte des Oktober 1211 bei Otto ein, als er eben im Begriffe war, nach Sicilien überzusetzen und auch dort die Herrschaft des Staufers zu Falle zu bringen. War denn nun die Ausführung dieses Vorhabens, die völlige Vernichtung Friedrichs, welche doch damals unzweifelhaft in Otto's Macht stand, nicht das geeignetste Mittel zur Beseitigung des Gegenkönigthums in Deutschland? Der Kaiser selbst scheint anfangs dieser Meinung gewesen zu sein, bevor es den Vorstellungen jener deutschen und lombardischen Abgesandten gelang ihn zu überzeugen, daß die sicilischc Unternehmung aufgegeben und der Rückweg in den Norden angetrcten werden müsse ^). Man setzte wohl voraus, daß in diesem Augenblicke ein rasches Niederwerfen der deutschen Empörung noch möglich sei und daß dies genügen werde, den Papst zur Nachgiebigkeit zu stimmen. Damit wäre dann freilich auch Friedrichs Schicksal endgültig besiegelt gewesen. In jedem Falle sollte das, was von dem Königreiche desselben bisher erobert worden war, also bei Weitem der größte Theil des Festlandes, auch nach dem Abzüge des Kaisers festgehalten werden. Noch ein Mal hat Otto die Großen Apuliens um sich versammelt und sich ihres guten Willens für die Zukunft zu versichern >) Vits. Risviaräi ooin., Nurst. VIII, 124. Vgl. die Meldung der mai- ländischen Gesandten an den Kaiser, äam. ?Iao. I. s.: pspam st guosäsm 2 ltainsnis prinsipss, marsirionsm äs Hssts st Lrsmonsnsss st so» omnss äs sorum parts, RoASrium Vriäsrieuin pro Imperators stsAisss st ooro- nam si äsäisss st promisisss. 2 ) Idnn. ktao. I. o. Gesandte der Mailänder waren vielleicht Albert de Mandello und Galin de Alliate, welchen Otto auf dem Rückwege (zu INiKus?) 15. Nov. 1211 die Lehen von Fornovo und Mezzanica verleiht und Alles, was das Kloster s. ?stri in oosto snreo von Pavia im mailändifchen Gebiete besitzt. Nach dem Extract bei Corio: Oiuliui IV (1855) p. 167. Friedrich II. hat diese Schenkung 30. Aug. 1216 cassirt, ungedr. Urkunde. Die Rebellion in Italien und in Deutschland, 1211.1 283 gesucht i), ehe er den Rückweg mitrat. In den ersten Tagen des Nvvembcr verließ er das Königreich. Er war tief erschüttert^). Der Ungewißheit, vb er sein Werk im Süden je werde vollenden können, mochte sich der Zweifel zugesellen, ob er denn wirklich noch stark genug sei, der heimischen Empörung Meister zu werden. Denn diejenigen Reichstheile, welche sich jetzt gegen ihn erhoben, waren ziemlich dieselben, denen er im Kampfe gegen Philipp unterlegen war, trotzdem daß er damals noch die Autorität des Papstes für sich gehabt hatte, welche jetzt den Gegnern zu Gute kam. Nur solche augenblickliche Entmuthigung vermag zu erklären, weshalb er nach seiner Ankunft in Mvntesiascone sich wieder in Unterhandlungen mit dem Papste cinließ. Sie blieben natürlich ohne Ergeb- niß. Aber fast der ganze Monat November war darüber hingcgangench. Welche Angebote von der einen, welche Forderungen von der anderen Seite während jener Verhandlungen gestellt worden sind, ist nicht bekannt und nur das Eine ergiebt sich aus Otto's gleichzeitigen Ncgierungshandlnngen als sicher, daß er von der in Mittelitalien eingenommenen Stellung Nichts preiszngebcn gedachte. Während seines Aufenthaltes in Montefiascone und als er dann gegen Ende des Monats allmählich sich nordwärts wandte, sind die Großen und Barone ans den dem Papste entrissenen Landes- theilen seine steten Begleiter: der tuscische Pfalzgraf Jldebrandin, der römische Stadtpräfekt Petrus de Vico, die Grafen Pandulf von Angnillara, Napolcone Rinaldi ans dem Hause der Monaldeschi, Konrad Gotteboldi von Sinigaglia ch. Gegen den zum Papste ab- gefallcncn Markgrafen von Ancona, Azzo von Este, sucht Otto sich die Anhänglichkeit der märkischen Städte zu sichern: Fabriano und namentlich Fermo erhielten damals ausgiebige Privilegien ^). Die- ') ^.un. Oseonn. — Daß Otto sich auch nach seinem Abzüge als Herrn des Königreichs betrachtete, zeigt das Privileg für Fermo 1211 Dec. 1., Canetti, ^inova rneoolts. lll, 276 und daß er von den Apuliern auch ferner als ihr König angesehen wurde, die Datirung ihrer Urkunden nach seinen Regierungsjahren. ll^oo. äs 8. Osrm.: rsAnnrn tsstinus SAroäitnr insnss Hoveinbris ; ^.nu. Ososau.: taotns äolors soräis. Es ist nicht bekannt, wo die Grenze überschritten ward; vielleicht bezieht sich jene Mabnung des Papstes an Terracina, auf der Hut zu sein .s st 7l.xn1ias; Recht der Denarprägung re. Pnbliration dieses Münzrechts Dec. 1: nstti I. s. p. 488. 284 Zweites Buch, Kapitel IV. 1211. jenigen Herren, welche dem Kaiser bei der Eroberung Apuliens Dienste geleistet, empfingen nun dafür ihre Belohnungen: so die Monaldeschi die Reichsburg Coccorone bei Folignv, der sie schon lange nachgetrachtet hatten st, und später noch die Burg S. Maria di Lvrenzo im Gebiete von Todist; ebenso Guido Cacciaconte wegen gleicher Verdienste die Burg Terqnanda im Südosten von Siena 3). Herzog Dipold von Spolcto endlich, welchem nach Otto's Abzug die Aufgabe zufiel, in Mittelitalicn die Rcichsfreunde um sich zu sammeln und die Reichsfeinde niedcrzuhalten st, wurde zu diesem Zwecke in seiner Macht und in seinen Befugnissen erheblich verstärkt. Er erhielt zu seinem bisherigen Lehen noch die Vogtei über die Abtei Farfa in der Sabina, ferner die Grafschaften am Tiber, soweit sie bisher dem Papste entrissen waren, Amelia, Todi, Assisi und weiter im Norden Gubbio hinzu und endlich für den ganzen Umfang seiner nunmehrigen Herrschaft den Genuß aller Regalien und Gerichtsbarkeiten und die Handhabung des kaiserlichen Bannes st. Das Alles spricht dafür, daß Otto jene Entmuthigung, von welcher die Verhandlungen zu Montefiascone zeugen, sehr bald überwunden hatte und daß er den Kampf gegen den Papst mit allem Nachdrucke fortzuführcn gedachte. Dem Verkehr und namentlich dem der Geistlichen nach Rom wurde wie früher möglichst gesteuert ) den von Rom Kommenden nahm man ihre Briefschaften weg st. Als der Erzbischof von Pisa im December, während des Aufent- ') apuck HIoutsm V1n8lloui8 Nov. 21: OsosursIIi, Iliot. äi sasa Hloualcl. (X8vo1I 1850) p. 13; Ficker, Forsch. IV, 299 (nach Abschrift von 1338): attsn- cksutss Ickousa st Arata ssrvitia ssns, czus iainprlcksm in partibuo 2vpulis noüis lauäalillilsr sxlribult. Vgl. oben S- 217 Amn. 2. st np. 8. Osnssinin Dec. 22 Ficker IV, 301: sonssnsu st voluntats atczus notitin sxpsrti tickslis nostri Diopulckl ckuoio 8polsti sie. In Friedrichs II. Bestätigung vom Mai 1219 Ibiä. 310 wird Dipolds natürlich nicht mehr gedacht. st np. Ist-atum Dec. 28 ^.etn iinp. nr. 1073 mit der gleichen Motivirnng wie in der ersten Uri. für die Monaldeschi (s. o. Anm. 1). Dieselbe kehrt merkwürdiger Weise aber auch in Friedrichs Bestätigung 1220 Nov. 25. idiä. nr. 1083 wieder. Da aber letztere ebenso wie die Urkunde Otto's nur in einem Transsumpte von 1355 (Idiä. ur. 1125) erhalten ist, darf man vielleicht annehmen, daß der Transsument bei der Abschrift der sonst gleichlautenden Urkunden irrthümlich die Motivirung Otto's in die Urkunde Friedrichs übernommen hat, wo sie ganz widersinnig ist. st Oont. 6uiU. i (Otton) Huuuck II vlt, ^u'il ns 1'srait rlsn Hugo, sl laioos. Vivant sn son IIsu — ist unrichtig, wenn es, wie es scheint, sich auf das Königreich beziehen soll. Denn Dipold blieb nicht dort zurück, wie seine Zeugenschaft in den kaiserlichen Urkunden 1211 Nov. 21, Dee. 22. 28 zeigt. Aber für Mittelitalien hat jener Satz Gültigkeit. st ap. Nontsin Istussonls Nov. 22, Oollsri. 8tor. HlareliiAiana II, 69. S. o. S. 219 Anm. 2. st Außer den S. 250 Anm. 1 angeführten Stellen vgl. Xmonio slrron., HI. 61. 88. XXIII, 471. Wir lernen aus letzterem, daß mit einiger Schlauheit doch durchzukommen war, wie denn aus den päpstlichen Regesten sich deutlich erkennen läßt, daß der Verkehr des Papstes mit der Außenwelt nicht hat unterbrochen werden können. Die Rebellion in Italien und in Deutschland, 1211. 285 Halts des Kaisers in dieser Stadt, den Bann zu verkündigen wagte, belegte Otto sogleich die Güter und Einkünfte des Püpstlings mit Beschlag und dieser hielt cs für gerathen, sich persönlich nach Gor- gona in Sicherheit zu bringen H. Von Pisa zog der Kaiser den Arno aufwärts über S. Gincsio 2 ) nach Prato ch. Hier entließ er die mittelitalischen Großen bis auf Jldebrandin und Petrus de Vico ch und überschritt dann um den Jahreswechsel das Gebirge. Er war am 2. Januar 1212 in Jmola, deren Bürgern er nochmals ihre Reichsunmittelbarkeit gegen Facnza und Bologna anfrechtznhalten verspracht); am 7. finden wir ihn in Bologna °); am 13. hielt er unter großen Feierlichkeiten seinen Einzug in PiacenzaH. Er hatte inzwischen die Rektoren der Städte und die geistlichen und weltlichen Großen Oberitaliens zu einem Hoftage nach Lodi entboten. Am 22. Januar begab er sich selbst dahin ch, gleichsam um über den ihm verbliebenen Anhang Musterung zu halten. Nun hat wohl die Mehrzahl der Städte seiner Berufung gehorcht und von den Großen des Landes waren Thomas von Savoicn, die Markgrafen Wilhelm von Montferrat, Manfred von Salnzzo und Wilhelm Malaspina, ferner Graf Egidius von Cortennova, Ezelin von Romano und Salinguerra erschienen, welche den zu ihnen übergetretenen Bonifaz von Este mitgebracht hatten ch. Von den Bischöfen jedoch kam auch nicht ein Einziger nach Lodi, — sie >) Oroulsa äl ?isL aus dem 14. Jahrh. ülnrat. XV, 977. Der Erzbischof wird hier Ubaldo genannt; es müßte Lothar heißen, da jener schon 19. Jnni 1209 gestorben war. IlAbsIII (1. sä.) III, 478. Gegen die Sache selbst habe ich kein Bedenken Otto's Aufenthalt in Pisa ist zwischen Dec. I., als er apuä Iioopitals 8. XuAsli äs 8ubtsrrn (?) für Fermo urkundet (s. oben S. 283 Anm. 5) und Dec. 22 upuä 8 . Osusoluiu (s. S. 284 Anm. 2) anzusetzen. -) S. 0 . S. 284 Anm. 2. Dec. 28 für Cacciaconte s. 0 . S. 284 Anm. 3 und für die Pisaner Ven- terriliuS und Guido IlsA. Ott. ur. 154. Die letztere Urk. hat im Orig. (Florenz) V. üal. zun. Sie ist von Friedrichs II. Reichslcqaten Äonrad von Metz 1221 Jan. 4 bestätigt und erweitert worden. Ficker IV, 32S. <) Sie sind noch zu Lodi 1212 Jan. 24 Zeugen kaiserlicher Urkunden: 8a- violi l! >>, 232; Xsta Iinp. ur. 255. °) Xsta iinp. »r. 254. Die erwähnte Zusage ist aber erst Jan. 24. (vgl. Archiv XII, 573i beurkundet worden. 8svloli 1. e. Vgl. Vom II, 280. °) ItsA. Ott. nr. 155. U Xuu. ?Inoout. Ouolii p. 425: äls Vsusrlo, 13. in. äau. Aus 8s1ria- viua, Xuu. XIsx. p. 149 crgicbt sich, daß Otto auch Parma berührte, dieses also noch treu war. s) ibicl.: ckis äoiuiursa osgusnti, 9. üal. Vsbr. vsult Imuäs. Die Daten stimmen nicht, Sonntag fällt auf den 22. Januar. Es wird IX für XI gelesen worden sein. Die Anwesenheit der Genannten (über die Tuscicr s. 0 . Anm. 4) ergiebt sich aus den drei erhaltenen Urkunden des Kaisers von Lodi 24. 27. 30. Jan.: 1ioA. Ott. ur. 156. 157, ^sta üup ur. 255, und einer nugedruckten für die Dalesmanini von Padua (Lion. Osriu.). Von Deutschen waren darnach anwesend der Hofkanzler Bischof Konrad von Speier, Mag. Johann Domherr von Aachen, die Grafen Heinrich von Schwerin, Hermann von Harzburg und Markgraf Friedrich von Baden. 286 Zweites Buch, Kapitcl^IV. 1212. bannten vielmehr diejenigen, welche der kaiserlichen Einladung folgten st. Weder Crcmona noch Pavia war vertreten; Markgraf Azzo, seine Freunde und die Abgeordneten der von ihnen abhängigen Städte fehlten ebenfalls und man wußte in Lodi sehr wohl, weshalb 2 ). Verona war geradezu der Hcerd der gegen den Kaiser gerichteten Agitation geworden, seitdem Heinrich von Reifen, der eine von den Boten der deutschen Fürsten an den Papst, auf den Rath des Grafen von S. Bonifazio daselbst zurückgeblieben war und nun von dort aus unter den Lombarden zu Gunsten König Friedrichs wirkte 3). Diese Auflehnung zwang den Kaiser noch am Schlüsse seines Aufenthalts in Italien das zu werden, was er bis dahin mit gutem Erfolge vermieden hatte, das Parteihaupt der einen Hälfte der Lombarden, mit deren Hülfe er allein die andere zu zwingen und zu strafen vermochte. Jetzt bedachte er sich nicht mehr, die Unabhängigkeit und Reichsnnmittelbarkcit Cremas förmlich und feierlich anzuerkennen 4); was das rebellische Crcmona verlor, kam den getreuen Mailändern und dadurch wieder ihm selbst zu Gute. Markgraf Azzo aber ward öffentlich vorgeladen und dann geächtet, als er binnen drei Tagen nicht erschien 5). Ihm wurde nachher auch die über seinen jungen Oheim Bonifaz geführte Vormundschaft entzogen, indem der Kaiser denselben für mündig erklärte und ihm die Hälfte von der Hinterlassenschaft seines Vaters Opizo zusprachst. Mit dieser kaiserlichen Gerichtshandlung empfingen Ezelin und Salinguerra, die Beschützer des mündig Gewordenen, die Vollmacht zu jedem ihren Interessen entsprechenden Vorgehen gegen den Markgrafen; sie konnten dem Kaiser nicht besser dienen, als indem sie dem Bundesgenossen des Papstes nach Kräften Abbruch thaten. Mancherlei Geschäfte mögen sonst noch hier in Lvdist und während des darauf folgenden Aufenthaltes des Kaisers in Mai- ') 8oliigviug I. e. st 2luu. klgssut. 1. o.; 8isgrck. Orsuiou. bei illurgt. VII, 623: gpuä Imuclgiii ouilg.ni oslsdravit inanem. 2) Oliron. Ilrsp.: guatsnus lgvorem istomliarcioruin asguirerst rs^i st prsoipus Vsronsnsiuin; Vits, liieeiaräi p. 124: nt Vricksrioo stückig Veronsnsium oonipgrarst. st 1212 Jan. 24. ^.ota inip. nr. 255. Vgl. o. S. 225. st ^.nn. Haosnt. I. o., wo jedoch die Variante I) sicherlich an falscher Stelle steht und in den Text hätte ausgenommen werden sollen, st Mailand Febr. 16. Ori§. UusII. III, 802. 804. st Aus Lodi eine Urkunde für die Schwertritter, Livl. Urkbch. 1, ur. 19 zu 1211. Vgl. Hildebrand, Chronik Heinrichs von Lettland S. 170 zur Verteidigung der Echtheit. Irrig ist aber die eine Behauptung, daß Anfang und Schluß verstümmelt seien, und wohl nicht leicht wird die andere zu begründen sein, daß der „ganze Ton (?) ein Documeut Otto's IV. erkennen läßt." Sehr auffällig bleibt es immer, daß der Bischof von Riga schon areliispisooxus heißt und wenn man mit H. darin einen Fehler oder eine verkehrte Conjektur des Abschreibers des 15. Jahrh. sehen möchte, steht dem wieder entgegen, daß schon ein Transsument von >283 ebenso gelesen hat. Eine ächte Vorlage muß jedenfalls existirt haben, denn das ist richtig: kein Fälscher konnte ohne solche die mit ächten Urkunden für ganz andere Zwecke stimmende Zeugenreihe erdacht haben. IDie Rebellionen Italien und^in Deutschland, 1212. 287 land ?) an ihn herangctreten sein und wegen der Ungewißheit, wann er wähl wicdcrkommen werde, sofortige Erledigung geheischt haben, so daß sich seine Rückkehr nach Deutschland viel länger verzögerte, als an sich zu erwarten gewesen wäre. In Mailand selbst mußte erst noch der neuerdings entbrannte Streit der großen Faktionen der Ritter und des Popolo geschlichtet werden: Otto meinte das durch gleichmäßige Bertheilung der städtischen Aemter erreicht zu haben 2 ). Achnliches wurde noch von Como aus, wohin er am 18. Februar abrciste, für Brescia versucht Das Ergebniß entsprach hier freilich nicht feiner Berechnung; denn die nunmehr geeinigte Gemeinde ist sogleich, nachdem er den Boden Italiens verlassen hatte, vollständig ins feindliche Lager übergegangen und dem Bunde derjenigen Städte beigetretcn, welche unter der Führung Cremvnas für König Friedrich zu kämpfen Vorgaben ^). Einige lombardische Magnaten, die Grafen von Cortenuova und Blandrate, Salinguerra von Ferrara und zwei mailündische Nobili Wilhelm von Pnsterla und Albert von Mandello haben den Kaiser nach Como begleitet °), wo er wenigstens bis zum 22. Februar geblieben ist"). Gleich nach diesem Tage scheint er aufgebrochen zu sein. Unter der Bedeckung des Grafen Friedrich von Tarasp und einiger anderer Herren von jenseits der Berge, welche ihm bis Mailand entgcgcngckommcn waren?), wurden die im Winterschnee ^nn. lUaosnt. p. 425: stellt ibidem t'ei-s 15 dies. Oie vorn sabbati s18. Febr.s 12. Kal. innrtii jes ist das Schaltjahr nicht berücksichtigt psrrsxit ad oivitatem Ouinanain. Darnach müßte Otto c. 4. Febr. nach Mailand gekommen sein; am 5. war er jedenfalls dort, /vnn. Nsdiol. N. O. 8s. XVIII, 391. Die Nachricht der ^nn. Leidem, ibid. p. 809: vsnsrat in «zuadraAS- sima transaata Nadiolannin, ist also falsch. 2) Xnn. Nediol. I. e. Anders kann ich die merkwürdige Urkunde vom 22. Febr. Odorioi VII, 60 nicht verstehen. Otto verleiht hier den Grafen Albert von Cafaloldo und Narisius von Montechiaro zusammen das Schloß Gonzaga re. unter der Bedingung, daß der letztere ihm Treue schwöre, wie Albert schon gethan; widrigenfalls das Lehen diesem und seinen Erben allein verbleiben solle. p Urk. 1212 März bei Odorioi VII, 52 irrig zu 1211. An der Spitze Brescias stehen jetzt drei Podesta, nämlich die früheren Häupter der städtischen Faktionen, die Grafen von Montechiaro und Cafaloldo (letzterer also trotz der Begünstigung vom 22. Febr., s. vorige Anm.j und ein wahrscheinlich Neutraler Jakob de Pontecarali «vgl. ^nn. IZrix. p. 817). Brescia aber vereinigte sich mit Cremona, Verona, Mantua, Ferrara und Azzv gegen Mailand, Piacenza, Crcma, Ezelin und Salinguerra, d. h. gegen die Partei Otto's, und verspricht sich in keine Verhandlung einzulassen absguo xarndola oonsnium st potssta- tis Orsinons. Vgl. Urk. 1212 Febr. 22 s. o. Anm. 3. Wilhelm von Pnsterla hat dort am 21. zum Danke für seine Dienste ein Kammerlehen aus den Einkünften von Asti erhalten, Xota imp. nr. 256. lieber die spätere sagenhaste Ausdeutung dieser Belehnung s. Erläuterungen Nr. VIII tz. 2. — Albert de Mandello war schon 15. Nov. 1211 belohnt worden, s. o. S. 282 Anm. 2. °) Der Bischof von Como hielt sich von jedem Verkehre mit den Gebannten fern und wurde deshalb in einer vor dem Kaiser anhängig gemachten Streitsache vernrthcilt. Lpist. Innoo. XV, 31. ') Vgl. lieg. Ott. nr. 160 vom 16. Febr. Die Zeugennamen H. Graf von Cusete und Hartmann Graf von Rychbcrg vermag ich nicht zu deuten; in früheren Urk., auch in den am 10. Febr. zu Mailand ausgestellten nr. 158. 159 kommen sie nicht vor. 288 Zweites Buch, Kapitel IV. 1212. begrabenen Alpenjoche überwunden und darauf das Herzogthum Schwaben, wegen der dort herrschenden feindlichen Stimmung *) wohl mit möglichst geringem Aufsehen, jedenfalls mit solcher Schnelligkeit durchzogen, daß der Kaiser in der Mitte des März schon in Frankfurt sein konnte^), welches doch in der Luftlinie 65 Meilen von Como entfernt ist. ü Oonr. äs Vad. p. 170 vom stanfischen Standpunkte und wohl übertreibend: Ornvis Ikaliois, Ulainnnnis Aravior, suis ingratus kinss nktiglk ilUainannis; n nnllo sibi xrinoips osonoriknr; nulli Arnkns sxolpiknr. — Nnnelsrns Olironoxr. n 1211 berichtet, daß Otto, weil er die Unzuverlässigkeit der Fürsten kannte und ihnen nicht traute, nnnkios gni ssersko rss äisßui- rsrsnt, ants ss in Osrnnrninm prsmisik, ^ni oikins nä onin rsvsrsi omnia kninnltn plsna rslsrunk. k^nibns anäikis mosrorein animi sknäio oslnrs voluik, ns ad Iris, gni eum soinikadankur, vslnki psrplsxns insimnlnrstnr. Die Quelle dieses Berichts, dessen Inhalt sonst nicht unwahrscheinlich ist, läßt sich ebenso wenig Nachweisen als die der S. 281 Anm. 1 angeführten Zusätze zu den 2 ^. 1111 . Ovlon. 2) Olrron. rsg. Ool. p. 16: in pnlinis npnä Vranlrsnvort ourinnr vsls- Irravit. 2l.nn. Ovlon, x. 826: oiroa ^nncira^ssiinnin äs Italia roäiik s2. Rc- cension: sk npuä Vrnnüiirvork in äis xrrlmnrum (18. März) . . . oollogninrn Irnbniks. Dagegen llsin. Osoä. x. 665: Oskars äsrnsnlsin (4. März) Vran- Irsnlort suriam Iradet ssledrsin. Wäre diese letztere Nachricht begründet, so müßte der Kaiser die Reise von Como bis Frankfurt in 10 Tagen gemacht haben; das war aber bei den verschneiten Gebirgen geradezu unmöglich. Urkundlich ist er erst 16. März Log. Ott. nr. 162 in Frankfurt nachweisbar und dazu passen die übereinstimmenden Angaben der 2lmn. Ool. und des ^.SAiä. 2 knrsnsvs.il. sä. Odnpsnvills II, 204, der für den Hoftag gleichfalls den Palmsonntag hat. Die Angabe Rciners kann daher stammen, daß der Hoftag vielleicht ursprünglich auf Letare 4. März ausgeschrieben war, und diese Erklärung darf sich darauf stützen, daß Otto am 16. schon eine große Anzahl Fürsten bei sich in Frankfurt hatte, die doch nicht erst nach seiner Ankunft geladen sein können, ihn also in Frankfurt erwartet haben. — Lisnrä. Orsrnon. Llnrnt. VII, 623: InAlorins iAitnr LIninnnninin inkrnvit, wohl wegen der wenigen Deutschen, die so lange bei Otto ausgehaltcn, s. o. S. 285 Anm. 0. Aber der Autor setzt überhaupt den Kaiser herab, nennt den Tag zu Lodi snrinin iunnsin, weil Cre- inona und die Freunde der Stadt dort fehlten. — Uebrigens wird Otto jetzt die 1210 in Mailand gelassenen Reichsinsignien (s. o. S. 223) mitgebracht haben, da er sie zur Zeit seines Todes in Deutschland bei sich hatte. Jünfies Kapitel. Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. Unter den Verwürfen, welche Jnnocenz III. in öffentlichen Kundgebungen gegen seinen früheren Schützling Otto IV. schleuderte. Hut wvhi keiner dein letzteren mehr geschadet als der Vorwurf der Undankbarkeit, weil dieser auch dem einfachsten Manne cinleuchten mußte. Es giebt daher nur wenige geschichtliche Aufzeichnungen aus jenen Jahren, in welchen diese Beschuldigung nicht wiedcrkehrte, meist wie eine solche, die keines Beweises bedürfe, und oft geradezu mit den Worten, deren Jnnocenz sich selbst bedient hatte. Die öffentliche Meinung scheint sich in dieser Beziehung entschieden auf die Seite des Papstes gestellt zu haben und zu um so härterer Ver- urthcilung des Kaisers geneigt gewesen zu sein, weil er es an Dankbarkeit gegen den fehlen ließ, dem man immer mehr einen Anspruch auf unbedingten Gehorsam sogar in weltlichen Dingen beilegte. Es wurde endlich der Versuch gemacht, den schuldigen Kaiser selbst zu der Ucberzcngnng zu bekehren, daß cs Christenpflicht sei dem Papste auch dann noch zu gehorsamen, wenn er im Unrechte sein sollte. Magister Gervasius von Tilburh fl fühlte sich zu diesem Versuche berufen, ein Engländer, welcher einst in Bologna über das kanonische Recht gelesen hatte, dann wohl im Gefolge der englischen Prinzessin Johanna, der Gemahlin Wilhelms II.. von Sicilien, in den Dienst des letzteren gekommen war, später in eine angesehene bnrgnndischc Familie geheirathet und von Otto IV. selbst die Würde eines Marschalls von Arelat empfangen hatte. Dieser als Schriftsteller auch sonst bekannte Mann hatte in früheren Jahren für König Vgl. Erläuterungen Nr. X: Mag. Gervasius von Tilbury und Mag. Johannes Marcus von Hildesheim. Jahrb. d. dtsch. Gesch. — Winkclinann, Otto IV. 19 290 Zweites Buch, Kapitel V. 1212. Heinrichs II. von England gleichnamigen Sahn eine Beschreibung der Welt und ihrer Merkwürdigkeiten verfaßt, das Buch aber nicht vcrwerthcn können, weil der junge Fürst schon 1183 starb. Es wird dann liegen geblieben, allmählich auch noch vervollständigt worden sein, bis der Verfasser im Herbste des Jahres 1211 sich entschloß, es dem Resten des Verstorbenen, eben Otto IV. zu widmen, dem er ja persönlich zu Dank verpflichtet war. Er ersuchte den in der kaiserlichen Kanzlei beschäftigten Propst Johann Marens das Werk seinein Herrn zu überreichen und er nannte es jetzt „Kaiscrtrost", lpeil er mit seinen namentlich ans England, Burgund und Italien gesammelten Gcschichtchen zur Erheiterung des Kaisers in seiner Bedrängnis) beitragen zu können glaubte. Aber er will zugleich ihn auch belehren und, wie gesagt, wo möglich bekehren. Ueberall sind Beziehungen auf die Zeitverhältnisse eingestrent; an harmlose Erzählungen werden oft Ermahnungen angcknüpft, deren Zweck eingestandenermaßen kein anderer ist, als Otto um sein Seelenheil besorgt zu machen und dadurch zur Unterwerfung unter den Papst zu bringen. Gervasius beschwört dazu selbst Tvdtc herauf Eine wunderliche Weltanschauung, die sich bei Otto Eingang verschaffen soll! Die königliche Gewalt stammt nach Gervasius zwar ebenso wie die priesterlichc unmittelbar von Gott und es kann daher zwischen ihnen eigentlich keinen Streit über höhere Würde oder Vorrang geben. Aber in Christo sind dann Beide Eins geworden und diese Fülle der Gewalt stüanituäo potsstaUs) ist von ihm ans den Papst übcrgcgangen. Dieser ist also absolut und man darf deshalb, wenn er den Sünder richtet, weder seine persönliche Heiligkeit noch die Berechtigung seines Spruches in Zweifel ziehen"). Der Verfasser des „Kaiscrtrostes" erörtert allerdings auch die Frage, wie der Christ sich Verhalten soll, wenn in weltlichen Angelegenheiten kaiserliche und päpstliche Befehle sich gebietend und verbietend gegenüberstehcn; er erklärt sich bereit, in solchem Falle dem weltlichen Befehle, wenn dieser nur nicht geradezu gegen Gott ist, zu gehorchen, weil der Gehorsam hier dem Gesetze erwiesen werde, nicht dem Kaiser, sondern dem Reiche, und er warnt sogar den Papst, nicht Etwas zu befehlen, was in das Recht des Reiches cingreifc ^). Indessen dieser schüchterne Versuch, die beiderseitigen Machtgebietc Otin impsrinlin III, 103: In gnidus Deo plnesns, In Anilins äm- plioess, xrinooxis sersnissiins, sverotn elvi soni^tnrn, sieut nd so (dem beschworenen Tobten) neeeptnin imüoo, per nuntium üäslvin trnnsnntto . . . . Dees pninoeps snerntissiins, gunntn sLntvIn von» elnlstinno est iniseri- soräin, ns in Incinsnin enänt äindoli, ns sun enlpn, eonsortiuni -unittnt eonnnnuionis snnstnv ete. lpi-otsA.: (Ilnlstns nnivit in ss regnuin st önvsnäotiuin, tollsns cls nonunlitnts inviäinin. . . äoeeus, nnllnin inten eos Imdenänin äs äigni- tntv in.->^oritntec)ns äiseoräinin.... Vennintninen in sninmo pontiiies ple- nituäo vixet potsstntis. — I, 16: (,'nin (M8 sxsoininnnientun, cluiwns nvisöns Aluäius (sselssino) nrotnt pseontoreiu . . . I>on äs eins snnetitnts vsl ssntentin orit änbitnnänin. III, 35. Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. 291 abzngränzen, konnte unmöglich zu einem unparteilichen Ergebnisse gelangenda Gervasius dem Reiche an sich zwar auch einen göttlichen Ursprung znspricht, als seinen eigentlichen Inhaber aber den Papst ansicht und den Besitz desselben von dem Papste und nicht durch die deutschen Fürsten verliehen werden läßt'). „Nicht dein ist das Reich, ruft er Otto IV. zu, sondern Christi; nicht dein, sondern Petri. Nicht von dir hast du es, sondern von dem Stellvertreter Christi und dem Nachfolger des Petrus""). Aus solcher Grundanschaunng ließ sich in Wirklichkeit nur die eine Folgerung ziehen, daß der jeweilige Besitzer der weltlichen Gewalt in allen Streitfragen dem Papste nachzngebcn habe, und Gervasius meinte, daß Otto noch mehr als Andere wegen der vom Papste empfangenen Wohlthatcn zu solcher Nachgiebigkeit verpflichtet sei. „Es giebt Nichts, worin du ihm mit Recht entgegcntrcten darfst, und keinen Lohn, der seine Verdienste um dich aufwiegt. Glaubst du aber, daß er in irgend einer Sache das Recht des Reiches mindern will, nun so gieb im Kleinen dem nach, der das Ganze auf dich übertrug. Höre ans, denjenigen zu bekämpfen, durch welchen du deine Gegner besiegt hast." Von dem Einwande des Kaisers, daß gerade sein Krönnngseid ihn zur Anfrechthaltnng der Reichsrcchte verpflichte, ist etwas auch dem Verfasser zu Ohren gekommen; aber er kann diese Vertheidigung nicht billigen. Er begegnet ihr sowohl mit dem Hinweise ans das allgemeine Urtheil des Publikums, welches den Kaiser der Undankbarkeit zeihe"), als auch mit dem Tröste, daß derselbe von dem Sinnigen ja Nichts einbüße, wenn er einfach anfgebe, was so wie so dem Papste gehöre Z. Konstantin hat diesem den Westen, das Import um Oeeiclontis geschenkt. Gervasius will also, daß Otto um jeden Preis mit dem Papste Frieden mache, und zwar zu dem Zwecke, dann desto besser seiner Rcgcntcnansgabe im Inneren des Reiches genügen zu können. Da es nicht sowohl ans den Umfang desselben ankomme, sondern vielmehr auf seine Beschaffenheit, möge der Kaiser, bevor er auf Eroberungen ansgche, zum Beispiel erst einmal in dem an allen Dingen reichen, aber eines guten Fürsten entbehrenden Arelat Ordnung schaffen, dessen Bevölkerung sich durch die Schilderung des Engländers nicht gerade geschmeichelt gefühlt haben wird Z. Aber n II, 19: Uso cedit Iinpeilnin, eu! ll'eutonln, sed eni eeclsudnin deersvlt papn. 2 ) Idld.: IVoteeto Iinpoi'Iuin tnnin non sst, sed Ldrlsti; non tunin, sed I'eti-I. Hon n to t!di odveuit, sed ^ vlenvio Odristl et snoesssors I"stri. 3) Idid.: 81 tiines eonselentinin turun u. s. w. (s. o. S. 23>>, eonsule Innnun pndlionin, tidl injnnAit ei'nninntiouein äs InM-ntltudine, U Idid.: dliliik ninlttls, guocl tunm sst, sl diinlttis Vctro, c^nod SUNIN est. II, 12: Onin In oinnldns ndundot, solo nsetore dono ne principe cgenn cst. Vidi doe cst, doinins, gnod iinpntetur, gni enpnt tcnes iin- porii ct enm incnidrn oxtrnnen inodsrnris, cinod non ininns esset coinnio- inci>ätato tuas äsvstni: ruiAustas. y S. o. S. 20V. Jnnocmz an Sicard von Cremona, ^.eta iinp. nr. 023: siorro, uisi a tali et tant» rssipnsilt soi-oos, nos snin Ilsostieuin ssss äivino Inäieio äsoeoueinuö. Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. 293 einige Spuren weisen darauf hin, daß Otto, je länger der Kampf mit dem Papste dauerte, um so mehr an kirchlicher Devotion einbüßte, und die eine oder die andere Mahnung des Gervasius mag gerade dadurch veranlaßt worden seinMan wollte im Jahre 1213 wissen, daß die Unternehmungen des Grafen Raimund von Toulouse gegen die Streiter der Orthodoxie vom Kaiser gebilligt worden seiend, und zum Verwundern wäre es nicht, wenn Otto in seiner damaligen Lage die Verlegenheiten, welche seinen Feinden, der Kirche und ihrem Oberhaupte, aus dem Vorgehen Raimunds erwuchsen, mit einiger Schadenfreude begrüßt hätte. Der Lehre selbst der Ketzer braucht er darum nicht zugcthan gewesen zu sein und dies ist im Grunde ihm auch nie vorgcworfen worden. Aber man traute ihm allerdings einen Angriff auf die bestehende äußere Ordnung der Kirche zu, nämlich die Absicht, durch eine umfassende RcVuctivn der Kirchcugüter die Geistlichkeit politisch und gesellschaftlich um einige Stufen herunterzudrückcn, seine eigenen Machtmittel und Einkünfte aber bedeutend zu verstärken. Der Hofkauzler Bischof Konrad von Speicr soll nach seiner Rückkehr aus Italien öffentlich in Mainz die auf eine solche Beraubung der Kirchen abzielenden Pläne des Kaisers als die Ursache seiner Lossagung von ihm bezeichnet, die Wahrheit seiner Enthüllungen durch einen Eid bekräftigt Habens. Nun ist es richtig, daß Konrad, welcher bis i) Otia nnp. III, 57 knüpft er z. B. an eine sehr schauerliche Geschichte, welche von der Strafe solcher Verächter handelt, die nicht schnell genug aus der Kirche hcrauskouuucn können, folgende Mahnung an: Ilinc tibi, t'slix anAusts, doctrina sumsnda sst circa cos, gui circa divina sacrainsuta dsvoti sunt st contra iklos, czui tbrnicantnr, adoo contsmnvntos sacranisnta per inauus nostri teinporis sacordoturn ininistrata, gnasi acl vcritatein virtntoingus sacrarnontoruin dippritas aut ludi^nitas opsretur ininistrantiuin. -) betri Vatlis 8arn. bist. XlbiA. Lecucil XIX, 2!>: llsdisns coinss d'olosao a lioa curia vsnit ad Ottonsrn, ut oz'us M-atiain adguirsrot et eins contra comitsin iilontist'ortis auxilinin iinplorarst. Da Jnnocenz zu Ende Jan. 12 >0 das Ergcbniß der Verhandlung mit Raimund publicirt, Vuttb. nr. 5883 ff., wird des letzteren Abreise von Rom nicht viel später fallen, er also mit Otto IV. wohl in TuScicu zusammengctroffen sein. Daß dieser ihm wirklich Hülfe zugesagt, wird nicht behauptet; es würde übrigens in solcher Zusage damals keine Feindseligkeit gegen den Papst gelegen haben. Otto hat noch im März 1210 Strafgesetze gegen Ketzer erlassen, s. o. S. 22». Dagegen behauptet im Jahre >213 ein Schreiben der Synode von Lavaur an den Papst, ibid. p. 75. Aliens, Opsra Innoc. III, 837: Lang (conios ll'olvsas) psr Otbousin I)si st scclas iniinicuin opinatus contra Ipsain scciain virss assninsrc, snb ipsins conüdentia inanikosts, nt assoritnr, minabatnr, guod scciain ds linibns suis radicitus sxstirparst stv. Da der Graf von Toulouse 1213 mit Johann von England in Beziehungen trat, konnte er allerdings damals auch als Verbündeter Otto's betrachtet werden. b) Aus dem Fürstentagc zu Naumburg 1211 (s. o. S. 272) wird Otto vor- geworfeu, daß er sccissiasticis di^nitatibus iusultaus, arcbiprssulss siin- plicitsr slsricos, abbatos inonacbos, rsvsrondas inatronas nrnlisrss appsl- lans, univsrsosgus, guos Usus bonorars prsccpit, inbonoravit stc. Lbron. 8ainpotr. p. 52. Vgl. Oisputatio intsr lloinanr et papain p. 526: Lloro dstraxit; non abbas, innno inonacbos stc. Das ist aber doch etwas Anderes als was Xnn. Iloinbardsbr. p. 133 berichten: 8ans 8pir. 6PNS intsbocta iuognalitats inoruin Ottonis . . . czuod disposusrat contra diZnitatsin occlo- 294 Zweites Buch, Kapitel V. t2I2. in den Anfang dcs Jahres 1212 Otto IV. tren geblieben war, sich nach ihrem letzten Zusammensein in Mailand jedenfalls von ihm getrennt und der Gegenpartei angeschlossen hat H, und an sich würde cs vollkommen begreiflich sein, wenn dieser Kirchcnfürst, dessen Einnahmen für seinen verschwenderischen Haushalt nicht einmal dann zureichten, als er später mit dem reiche Sporteln tragenden Kanzleramte und dem Bisthnm Speier noch das von Metz vereinigte ch, dem also eine Schmälerung seiner Einkünfte ganz unerträglich sein mußte, sich gerade aus dem Grunde vom Kaiser losgcsagt hätte, weil er iu jene bedrohlichen Pläne desselben Einblick erhielt. Tie Uebcrlicfernng jedoch, welcher wir die Bekanntschaft mit ihnen schulden, ist eine viel zu späte und überdies sich selbst zu sehr widersprechende als daß wir allein auf Grund derselben mit Sicherheit behaupten mochten, daß Otto IV. wirklich sich mit derartigen Absichten getragen habe, welche Konrad von Speier zur Beschönigung seines eigenen Abfalls allerdings ihm zngeschriebcn haben mag Sic stimmen endlich auch schlecht zu den Schenkungen, mit welchen siastionm suis privancinm Irnotibns et llonorilins, mninit innooontor nl> eo rooocloro, gnanr prrrvis ejus oouutidus iiwpiinnri. liooockvus ei-M net dloAuutiuuin uevessit seelaiu, udi oorain eetu pontitienm et olvri eopirr eslebi'utui'us jnrrrtns ckixit: Ottonam äaini>nnl>iiivns usuiu oonsiliis, ur- olriopnm aontontum euni 12 pnlolrickis osso üsdero, itoiu sntlrngnnouni 6 6t nvdntein . . . torims tuntnxnt oiinitntrrrns ckoboro oonckncoro; rusicknnin voro aoeiasinstionrnin passionum (lies possess.) suis usidus posso eonr>>o- tsro. Nachdem dann noch die Pläne Otto's für eine Rcichsstener dargelegt sind, schließt der Bericht: bit üao, iiujuit 8pirsusis, ckivertonck! oeensio. b S. o. S- 270. Rcinling, Gesch. d. Bisch, v. Speier i, 434, behauptet, Konrad habe noch Otto's Hoftag zu Frankfurt Ntärz 12 >2 besucht: „Selbst sein bisher so ergebener Hofkanzler bot mit dem Bischof von Worms und dem Erzbischof von Mainz W Alles auf, ihn zur Nachgiebigkeit gegen den Papst zu bewegen. Vergebens." Alles beruht auf gänzlichem Mißverständnis; der das Gegentheil bezeugenden Stellen lioin. I^oock. p. 664: ^.opus Vo§;. ot rVor- mat. ot 8pir. opi . . . imporntori bortitor so oppouunt cto mniilinto p-rpo. Konrad nannte sich trotz seines Abfalls imp. aulo vnuoollnrius ;. B. ls. April 1212, s. Remling, Urkbch. S. 146 irrig zu 1213 (Innocenz III. bestätigte diese Urk. schon 4. Aug. 1212), ebenso wie der Protonotar Walter, welcher nach In- noccn; 1212. April 3. 8. b'ottli. ur. 4413. 4423 wenigstens schon einige Monate vorher den Kaiser verlassen haben muß, in jenen Breven immer noch mit seinem Amtstitcl bezeichnet wird. -) 4.1drious LI. <4. 8s. XXIII, 891: N6L utorczuo episoopntus iili suk- looit rr<1 inciisorotns oxpansns. b) Nämlich die 4mu. Iloinli. haben schon vorher p. 128 einen anderen Bericht über die Aussagen Konrads gebracht, in welchem der Einziehung der Kirchcngüter gar nicht, sondern nur der «teuerpläne Otto's gedacht wird, die aber hier auch keineswegs so umfassend erscheinen als an der späteren Stelle und auch sonst abwcichen; z. B. p. 128 heißt cs, Otto verlange von jedem Pfluge ein Goldstück, p. 134 sind daraus zwei geworden. An der einen Stelle macht Konrad die Enthüllungen anscheinend gleich nach seinem Abfalle; an der anderen scheinen die betreffenden Aeußernngen etwa vor Friedrichs Krönung im Dec. 1212 zu Mainz geschehen zu sein. Daß Konrad sich wirklich über diese Dinge ausgelassen, bezweifle ich nicht; die 4.un. lioinlr. p. 133 wissen hier auch sonst mehr als andere Quellen und Einiges davon läßt sich in der That erhärten, wie z. B. p. 134 der Schwur der Fürsten, was auch geschehen möge, Otto nie wieder zum Herrn anzunehmen. Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. 295 Otto, obwohl im Banne, fortwährend kirchliche Stiftungen bereicherte. Aber sie wurden geglaubt und nicht blos das. Sie waren ja ein vortreffliches Mittel, um den zum Theil noch dem Kaiser an- hangendcn Rcichsklerns ängstlich zu machen, und sie wurden deshalb weiter und weiter ausgcfponncn, bis der Historiograph des französischen Königs, Wilhelm der Brite, endlich den dankbaren Stoff in eine festere Form goß. Er läßt nämlich in seiner epischen PhilippisH den Kaiser bei dem Feldzuge von 1214 eine lange Rede halten und seinen Getreuen auseinandersetzen, wie er nach dem erwarteten Siege über Frankreich mit dem widerspenstigen Klerus nmznspringen gedenke. Am Tage seiner Kaiscrkrönung habe er dckrctirt, daß derselbe sich mit den Zehnten und den freiwilligen Gaben der Gläubigen begnügen, seinen Grundbesitz jedoch zur Ausstattung der Krieger hcrgeben solle. Weil die Geistlichen aber nicht gehorcht haben, nehme er ihnen nun auch noch den Zehnten, wie er den Trotz des Papstes und dessen Unterstützung Friedrichs von Stellten durch die Wegnahme von Moutefiascone, Radicofani und der übrigen tuscischeu Plätze vergolten habe. — Diese Rede nun, das Phantasiegebilde des dem Kaiser feindlichen Dichters, wurde von den Zeitgenossen so sehr als den wirklichen Gedanken Otto's entsprechend angesehen, daß man sie sehr bald in Prosa nmsetzte, durch die Unterschrift des Kaisers vervollständigte und in dieser Form wie ein beglaubigtes Aktenstück nach Italien nnv Deutschland verbreitete ch. Ward in dieser Weise die öffentliche Meinung zu Ungnnsten Otto's beeinflußt, so fehlte es doch auch nicht an solchen, welche seinem Auftreten, besonders in Bezug auf die früheren Reichslande von Mittelitalien, eine gewisse Berechtigung zuerkanntcn ^). Andere sahen überhaupt das Recht ausschließlich auf seiner Seite und namentlich Walther von der Vogelweide hat sich an dem Kampfe für den Kaiser mit einer ganzen Reihe seiner Sprüche betheiligt, welche ohne Zweifel in das Fleisch des Gegners tiefer einschnitten, als die gelehrtesten Argumente vermocht hätten. Die Schenkung Konstantins ist freilich auch ihm eine Thatsache, aber eine solche, welche er von Herzen beklagt und wo möglich rückgängig gemacht haben will. Als Konstantin dem Stuhl zu Rom Speer, Kreuz ') Vlrilipx. lid. X v. 566 ff. Der Anlaß zur Einkleidung in eine Rede wurde vielleicht dadurch gegeben, daß Otto i. I. 1212 auf den Tagen zu Frankfurt und Nürnberg (s. uv sich ausführlich über sein Verhältniß zum Papste und zu Frankreich auslicß. Dazu kam, daß während des Feldzugs von 1214 in seiner Umgebung Wünsche laut wurden, welche ans eine systematische Beraubung der Kirchen, auf Bertheilung des Kirchcngutes abzielten und wenigstens in Bezug auf den Bischof von Lüttich von Otto nicht zurückgewiesen worden sein sollen. 'I'riumxüuo 8 . Imuivorti ecl. Oliapoavills p. 650. 63 >. 'i „lieber eine angebliche Rede hes Kaisers Otto IV." s. Sitzgsb. der phil.-hist. Kl. d Bair. Akad. d. Miss. 1876 S. 661 ff. 2) Erläuterungen VIII ß. 6. 206 Zweites Buch, Kapitel V. 1212. und Krone gab, da habe ein Engel laut aufgeschriecu: dar: cvirt clor vcrit darin»cd vil Icit. Nun aber hat sich das erfüllt: dis plati'en vellent leien rebt vsrbsreu; der engst bät uno var geooit ^). Konstantin selbst würde nach Walthers Meinung seine Schenkung bedauern, könnte er sehen, was aus den Pfaffen, welche durest 6oi tz ivürcu aliuuosuakrö, seither geworden ist?). Bei solcher Gesinnung konnte der Dichter in der Absetzung des Kaisers durch den Papst vollends nur eine frevelhafte Anmaßung erblicken, welche Christus selbst schon mit seinem Worte vcrnrthcilt habe: da? si dsu Icaiscr ii 626 u dadcn sin sciiiicpc8 rciit, und got 8va-» gotcs rvacrö^). Die Ucbergriffe der Kirche scheinen ihm Maßregeln zur Beschränkung ihres Könnens zu rechtfertigen; er läßt den alten Klausner, welcher während des ersten Thronstreits die Jugend des Papstes beklagt und den Herrn um Hülfe für seine Christenheit angcfleht hatte H, jetzt die Befürchtung aussprechcn, daß die Gotteshäuser überhaupt schwer die Thorhcit ihres Meisters werden büßen müssen: er 8sit, ob si die guoten barmen und den Übeln oingen, inan svsnbs in engogens den vil 8vinden vidsrovane: au nlrüenden und au birebon mügs in mi88slingen: der 8i vil dis dar üt iesuo liabon gedingeu dass ir guot verdienen ninb das riebe in lieldsn ringen''). Walther gehört darnach unverkennbar nicht zu denjenigen, welche eine Einziehung des Kirchcngntcs durch den Kaiser als ein schlimmes Verbrechen betrachteten. Obwohl aber sein Ideal, die von Almosen lebende Urkirche, nicht ganz von der zu allen Zeiten hcrvvrbrechen- den Neigung der ritterlichen Kreise, der verweltlichten Kirche die Uebcrlast ihres Besitzes abzunehmcn, unbeeinflußt geblieben sein mag, so ist doch vor Allem seine Entrüstung eine sittliche. Die Kirche hat den Kaiser gesegnet und seinen Widersachern geflucht und die Kirche hat dann wieder die Widersacher gesegnet und dem Kaiser geflucht: NN tuons dur got und dur ir 8siber ers und sagen uns bi ir triuven, an selber rede vir sin betrogen. un8 dunbet eines s! gelogen. svo sungen staut unebne in einem munde"). Welcher Weisung soll der Christ nun folgen ? Walther macht den Papst für diese Verwirrung der Gewissen persönlich verantwortlich: Iler bubest, ieb mae vot gvno8eu, van ieb vil iu goborsam vsson. ') Walther, von Lachin. 4. Ausg. von Haupt 25, 11 vgl. Haupts Anm. S. 118. Wilmans in Haupts Zcitschr. XIII, 257 setzt diesen Spruch uni I2ül an, Abel und Ricger auf 1211 und wohl mit Recht, da W. überhaupt nach der Absetzung Otto's sich in schärfster Weise aeaeu die Ueberariffe des Papstes auslaßt. -) 10, 30. II, 28. ^) S. o. Bd. I. S. 228. "> 10, 33. ") 12, 35. Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. 297 vir Iiörtsn ineb ävr leristsnlmit Asbiotsn, vss vir äsm leeissr Lolton ;>tlsgsn, clö ir iiu gabsnt gotos ss^sn, äari vir in IÜS2SN bsrrs riucl vor im llnistsn. onsb soll ir nibt vorASx^en, ir sxrstebsnt „sver äiob ssxpsno, si Assensnt, svor äir tlnosbs, si vsrtlnoobst mit nnoebs voImS 22 Sn." änrob Aot bsäsnleont inob äst bi, ob ir äer plnstdn sro ibt Asruoobst '). Wie gewaltig die Gemüther schon beunruhigt und aufgeregt waren, zeigt die wunderliche Bewegung unter der deutschen, besonders unter der rheiuländischeu Jugend, welche von der zuerst in Frankreich ansgebrochcnen Erweckung angesteckt, sich ungefähr um dieselbe Zeit zur Befreiung des heiligen Landes aufmachte st, als nach der Heimkehr des Kaisers die Hoffnung auf einen Kreuzzug unter feiner Führung wohl aufgcgebcn werden mußte. Der Kinderkrcuzzug des Jahres 1212 war nur dadurch möglich, daß selbst die Erwachsenen nicht mehr wußten, was Vernunft oder Unvernunft, Recht oder Unrecht auf Erden sei. Wir haben aber das Zeugnis; des doch gewiß kirchlichen Cä- farius von Heisterbach, daß Walther mit jener Anklage nicht allein stand und daß „von Vielen" das Verfahren des Papstes einer ähnlichen herben Kritik unterworfen ward st. Und wie in Deutschland, so in Italien. Als Jnnoccnz einst in Rom predigte, wurde er von Johann Capocci mit den Worten unterbrochen: „Dein Mund ist Gottes Mund, aber deine Werke sind Werke des Teufels." Eine derartige Parteinahme für Otto bei Capocci zu finden, dem Haupte der dem Papste feindlichen Faction unter den Römern st, wird freilich nicht auffallen, und ebensowenig, daß König Johann von England, da er dem Papste persönlich Nichts anhabcn konnte, seinen Zorn über die Excoinwunication des Neffen an der ihm erreichbaren englischen Geistlichkeit ansließ. Seit Jahren selbst im Banne, war er übrigens fast darauf stolz, daß er dieses Schicksal jetzt mit einem Kaiser thcilte st. -Otto zählte aber auch unter dem st Dieser Spruch 11,6 kann selbstverständlich nicht älter sein als das Be- kanntwcrdcn der Excommnnication, also frühestens in das Jahr 1211 fallen. st Ich gehe auf den Kinderkren;;ng nichi weiter ein, nachdem jüngst Röhricht in Hist. Zcitschr. Bd. 36 ausführlich über ihn gehandelt hat. Doch scheint mir bedenklich, wie die Kinder, wenn die Bewegung erst im Juni zu Vendome ausgebrochen ist und sich dann nach Deutschland verpflanzt hat, schon 20. Aug. in Piacenza, 25. Ang. in Genua sein konnten. ,4nn. 1'lns. p. 426: ä.n». änn. p. 131. st Onosnr. 1)ial. miruo. II. 30: itn nt onm äiesrsnt sinsäsm svbismu- tis antorom, jiriino zmrtsm Ottnnis nimis lovsnäo, postsa snm nmplius porsognsnäo. st ibicl. gni Ottoni tnvsbnt. Vgl. Bd. I. S. 351—354. st 1-it lioa oäium rogis änb. st iram st'tionsitsr obäurnvit. Zusatz des itlattb. Istn-is. Obron. mai. sä. I.nnrä II, 528 zu 11oA. äs 4Vsnä. 111, 233; Oontin. Ilog'vri äs lloveäen in Ir. zValt. äs (lovsntriu sä. 8tubbs 11, 202. Bei dieser Gelegenheit mag auf das merkwürdige Gespräch hingewicsen werden, welches Joh. i. A. 1212 mit einem päpstlichen Gesandten gehabt haben soll. 1!sx: „Vos prot'ertis minus? Oroäitis ms sie snbiosrs vobis, siont msnm 298 Zweites Buch, Kapitel V. 1212. Klerus warme Anhänger, welche indem sie die Gerechtigkeit seiner Sache zugaben, vffenbar die des Papstes vcrnrthcilten. Patriarch Wolsgcr von Aquilcja halte sich zwar seit dem Jahre 1210 von der unmittelbaren Betheiligung an den Reichsgeschästcn zurückgezogen, nahm aber doch an Otto's Ergehen aufrichtigen Antheil und crthcilte ihm noch im Sommer l212 treffliche Rathschläge st. Ein Frater Sibcrt, anscheinend Borstand irgend einer Congrcgration, will noch am Anfänge des Jahres 1213, als Otto's Aussichten in Deutschland sich schon äußerst bedenklich gestaltet hatten, von der heiligen Jungfrau, ja von Christus selbst die bestimmte Zusage erhalten haben, daß der Kaiser schließlich doch triumphircn solle, und er schreibt ihm das, um ihn zum Ansharren zu ermnthigen st. Allerdings Erzbischof Albrecht von Magdeburg, welcher während des Jahres 1211 der Aufforderung zum Absalle widerstanden hatte, gab derselben zuletzt nach, als Jnnocenz ihn geradezu mit Absetzung bedrohte, und er verkündigte am 2. Februar 1212 auch seinerseits den Bann gegen den Kaiser, der damals noch in Italien verweiltes. Erzbischof Dietrich von Köln ließ sich dagegen auch nicht durch den Bann, welchen sein Mainzer Kollege gegen ihn schleuderte, zur Untreue gegen Otto, nicht einmal zur Einstellung seiner bischöflichen Verrichtungen bewegen st, und Andere, zum Beispiel Friedrich von 0. impsratorsin? eniin al> Ipso rvsspi, gnocl nlinm Issistis eligvro iinpsratorsin In Xleinannia." bla^. ttanänlt'ns: .,Verum ost. ttt ersckit 6. papa sl ssrtus sst, so IM istuin I'krssro impsratorvm, sisut leeit alium, st sie ts snbieers sibi, u.t loeit alium." Lun. tturton. bei ttunrci, ^.nü. monast. I, 215. Dieser Bericht wird freilich nicht für authentisch gelten können, s. Pauli III, 365 Anm. 4. Winkclmann, Gesch. König Friedrichs I, 47 Anin. I. Das Zusammentreffen selbst ist aber besser begründet als P. meint. 0 Otto au Wolfger imp. nr. 257i niliil ulinel ts vells vel ässi- clsrars NAuossimus. nisi donnm nostruin st au, I 1 Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. 299 Halberstndtsi und Hartbcrt von Hildeshcim, haben es ebenso gemacht. Die Lage der Dinge hatte sich nm diese Zeit überhaupt wieder viel günstiger für Otto gestaltet, als im Herbste 1211 vorauszusehen gewesen war. Walther von der Vogelweide sagte nicht zu viel, wenn er in seinem herzlichen Willkommengruße dem Kaiser versicherte, daß zwar Markgraf Dietrich von Meissen vor Allen treu sei - von poto rvurcls oiu ongol 6 vorleitst —, daß aber überhaupt äis Kirsten sint in uuäsrtstn, si llullvut mit nullten innrer lluntt erlleitst^). In der That, eine große Wandlung muß während des Winters mit den deutschen Fürsten vor sich gegangen sein. Denn sei es, daß Otto's Gegner vergebens ans eine Nachricht aus dem Süden gewartet hatten, wie ihre Erwählung Friedrichs von diesem selbst und vom Papste ausgenommen worden war, sei es, daß sie bei ihrer Erhebung gegen den Kaiser daraus gerechnet hatten, ihm werde die Rückkehr nicht möglich sein, - in jedem Falle war ihr Muth bis zu dem Grade gesunken, daß sie nicht mehr zusammcnhiclten, als Otto's Kommen zur Gewißheit ward. Der Hoftag zu Frankfurt, welchen derselbe unmittelbar nach seiner Ankunft am Palmsonntage abhiclt Z, machte den Zwiespalt innerhalb der päpstlichen Partei wcltknndig. Der Hostag war zwar nur von wenigen Bischöfen Z, aber wie es scheint von ziemlich vielen Laienfürstcn besucht. Neben dem 9 Das folgt aus seinem Verhalten in den Jahren 121! (s. o. S. 275 Äum. 5 und 1201, s. Vllrou. ülout. 8sr. p. 184. 217. Vgl. Xpist. Inuoe. XVI, 71 und über Hartbcrt XVI, 70. -1 12,1. Vgl. WilmauS in Haupts Zeitschr. XIII, 258. ^ si Die Nachrichten über diesen Hoftag, über dessen Zeit s. o. s. 288 Anin. 2. sind ausserordentlich mager. Vllrou. rag. Voll >0: multi priusi- pss oouvsueruut, sot prvlatorum »ullus aeeeäsrs auäsllat. — Xuu. Voll mnx. p. 820 (2. Receus.): cum czuillusäum priueifüllns st uollilillus sollo- guium llalluit, ulli äs iuiusta sxsoiniunuiontious ^nzis in sum tllstn efnsri- inonium tssit. — lisiu. Vsoä. p. 604: surium llallvt Lslsdrsm. ulli osto- giuta s?!) priueipss ei oosurrsruut luuituin Usuti st äs rsAS Vrausis eou- (susreuti. llli euris sszii st epi pauei iutsrt'noruut, so czuoä äs inuuäato ä. >mps äeuuutiavsraut. Der an beiden Stellen erwähnte Herzenserguß Otto's, welcher bitter genug ausgefallen sein mag nnd auf dem folgenden Reichstage zu Nürnberg (s. u.) wiederholt worden zu sein scheint, kann den Anlaß znr Erdichtung der ihm untergeschobenen Rede (s. o. S. 295 Anm. 1.2) gegeben haben. — XoFiä. Xuronsvall. Vllapsav. II. 204: X. 1211 Otto rsx vsuit Aognutiaiu, ulurimos nä ss viros uollitss oonvooavit in rnmis paiinarnm a>>nä vaänin sirnusorum. Intsr i>isos autsin äux Urallnut. ulillit. "Nach Mainz selbst kann Otto nicht gekommen sein, da Erzbischof Sigfrid sich in der Stadt behauptet hatte. Derselbe urkundete dort wenigstens noch 17. Jan. und 4. Febr. 1212. Scriha III, 7v Baur II, 46. — Xnn. lilarllns. p. 172: sslsllrnvit suriam aziuä Vraullsuvurt. Wichtiger als die erzählende Ucberlieferung sind hier die Urkunden. 9 lisiu. Vvoä. I. s. Bor Allen möchte Dietrich von Köln dort gewesen sein. Aus den Urkunden läßt sich aber kein Bischof in Frankfurt Nachweisen. Xegiä. I. s. sagt ausdrücklich vom Bischof Hugo von Lüttich: iutsrssss non potnil, uaiu in ipsuur rsASiu. . . soutsutin nun tllerat promulf-uta. 300 Zweites Buch, Kapitel V. 1212. Bruder des Kaisers, dem Pfalzgrafen vom Rhein, treffen wir zunächst dort den Herzog von Brabant, den Herzog von Limburg, die Grafen von Geldern, Jülich, Berg, Looz, Sain und Kesselst, also fast die sämmtlichen Großen Nicderlothringens, welche schon zur Zeit der ersten Erhebung Ottws den Kern seines Königthnms gebildet hatten und wie damals so auch jetzt wohl ausnahmslos im englischen Solde standen. Köln war wieder ihr Ccutrnm: der Anhänglichkeit des dortigen Erzbischofs an Otto kam cs wesentlich zu statten, daß er sich in dieser Sache mit seinen Bürgern eins wußte. Es war nun ein Akt kluger Fürsorge, daß Otto die weitere Befestigung der Stadt forderte, indem er ihr dazu die Erhebung einer Mahl- und Branstcuer bewilligte; daß aber er selbst in nicht zu langer Frist sich wieder hinter ihren Mauern, werde bergen müssen, das hat er damals in Frankfurt sicherlich nicht befürchtet, als aus den Reihen der bisherigen Gegner sogar der Herzog Ludwig von Baicrn erschien und eidlich gelobte, Zeit seines Lebens in guten Treuen zu ihm zu stehen, gegen den Papst und gegen Jedermann, und durch Nichts sich ferner vom kaiserlichen Dienste ab- bringcn zu lassen. Zwölf bairische Grafen und Edelhcrrcn, darunter der Pfalzgraf Rapoto und sein Bruder Graf Heinrich von Ortenberg, schworen, daß sie, falls Ludwig seinen Eid brechen sollte, dem Kaiser gegen ihn helfen, und zwölf Ministerialen Ludwigs, daß sie dann in Augsburg Einstiger halten würden. Der Herzog mußte außerdem zwölf Söhne seiner Lehnsleute auf zwei Jahre als Geiseln stellen. So gewann er für seinen Abfall die Verzeihung des Kaisers, der ihm nun wieder ein guter und gnädiger Herr zu sein und in jeder Weise seinen Nutzen zu fördern versprachst. In ähnlicher Weise hat Otto sich auch wohl der übrigen in Frankfurt anwesenden Fürsten auf die Dauer zu versichern gesucht, nur mit dem Unterschiede, daß er denjenigen gegenüber, welche seiner Verzeihung nicht bedurften, weil sie die Treue nicht gebrochen hatten, sich zu allerlei Gegenleistungen verstehen mußte. Dem Herzoge von Brabant wurde gegen den Bischof von Lüttich freie Hand gegebenst, und dem Markgrafen von Meissen, der sich noch besonders znm Beistände gegen Thüringen und Böhmen verpflichtete, außer anderen Gnaden die bestimmte Zusage crtheilt, daß der Neffe desselben Wratislaw, Adela's ältester Sohn, mit dem Königreiche seines Vaters belehnt und mit kaiserlicher Hülfe dort eingesetzt werden sollest. st Urk. Otto IV. für Köln, März 12: Quellen z. Gesch. Kölns II, 41. st 1212 März 20. itl. (4. ImA. II, 220: lies 68t t'orinn eoinpositionis Irrels oto. Ueber die erhaltenen Ausfertigungen der Verträge mit Baicrn, Meissen und Brandenburg s. Ficker, Nrknndenlehrc 1, 187. st ^ogicl. ^nrorrsvrrli. sä. OIrrrperrvills II, 204. st 1212 März 20. itI.l4.ImA.il, 218: Ilse S8t iormrr oonvsntionis ste. Schon der Titel zeigt, daß Dietrich von Meissen ans andere Behandlung Anspruch hatte, als Ludwig von Baicrn; noch mehr aber der Inhalt. Den Verpflichtungen des Markgrafen stehen Verpflichtungen des Kaisers gegenüber und wie jener für die Einhaltung seinen Bürgen stellt, so umgekehrt auch der Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. 301 Lassen diese Vorgänge einerseits erkennen, daß Otto den deutschen Fürsten ohne besondere Bürgschaften nicht mehr recht traut — wie er denn auch gleich darnach wegen der unsicheren Haltung des Erzbischofs Johann von Trier mit dessen Rittern und Dicnstmannen ein förmliches Bündniß gegen Jedermann geschlossen hat H — so liefern sie andrerseits den Beweis, daß er nicht nur an dem Siege seiner Sache nicht zweifelte, sondern im Gcgenthcil überzeugt war, in Kurzem auch über die noch in Waffen stehenden Gegner zu trinmphircn, um so mehr, da deren Zahl sich jetzt rasch verminderte. Während er selbst auf dem Zuge nach Hagenaus, wo er in der Mitte des April verweilte, an dem Gebiete der mit Sigfrid von Mainz zusammenhaltenden Bischöfe von Worms und Spcier und des mächtigen Rcichsdicnstmanucn Werner von Bolan- dcn gewiß nicht vorübcrgcgangen sein wird, ohne ihnen den größtmöglichen Abbruch zu thun^), trat im Osten Herzog Leopold von Oesterreich auf seine Seite zurück'H. Leopold erschien daun mit Kaiser. Psalzgraf Heinrich, Albrecht von Arnstein, Truchseß Gunzelin u. A. müssen nicht blvs sür den Kaiser schwören, sondern auch, im Falle er sein Versprechen bricht, in Meissen einreiten (Gunzelin in Wolfenbüttcl). Die oben dnrchgcsührte Ansicht, daß Dietrich keinen Augenblick von Otto abgcfallen sei, wird durch diesen Vertrag bestätigt. — Aus Bitte Dietrichs hat Otto an demselben Lage ein Privileg sür das Hospital in Inlnrw (S. Thomas zu Leipzig?) gegeben, Oersdorf Ood. 8nxon. XUtli. II. Ild. IX, 1. Daran daß es mit Iler ^rntin Otto Horn. ots. beginnt, ist nicht Anstoß zu nehmen, da diese Form auch in anderen Urkunden Otto's aus derselben Zeit, z. B. für Trier sich findet und gegen Ende seiner Regierung sogar vorherrscht. Die Umschrift seines Kai- sersiegcls lautet ebenso, s. Hcffncr S. 12. Die an sich richtige Zeugenreihe jener Urk. ist aber wörtlich in eine unzweifelhaft gefälschte entsprechende Urk. Friedrichs II. ivid. >L. 5, livx;. I'rid. nr. 286 zum 25. Znli 12111 übernommen worden. 0 April 18. Mittelrhcin. Urkbch. II, 317. In einer zweiten Urkunde von demselben Tage idid. nimmt Olto sie in ihrem Verkehre durch das Reich in seinen Schutz, tnnc^rnun szieeinles iinpsrii lidsiss. Die den Schädigern entgcgcngchaltene Drohung: ssirrt sa pupiUnm ocmU uostri tstiglsss, kehrt in lieg-. I'rid. nr. INS für Kl. Pairis wieder. 2) S. ungcdr. Urk. sür Hert April 16 und die beiden Urk. für Trier April 18. 0 In Hagenau waren wenigstens Truchseß Gunzelin und Graf Emicho von Leiningen, der schon im Herbste die päpstliche Partei befehdet hatte, s. o. S. 281 Amu. 1. Die im Texte genannten Gegner des Kaisers bezeichnet Iloiu. Iwod. p. 664 (über ein Mißverständnis) dieser Stelle S. 294 Anm. 1). Der Bischof Lnpold von Worms aber urkundet noch 2. Dec. 1212 als rsvsrsns nh oxtorminio, in liuo diu dosudnvi, indem er einen Akt des Erzbischofs Sigfrid bestätigt, lzui so tsinpors, cjno sxtrn tsrininos nostrs dioevsis, innno ötirrnr totius iinpsrii rslsgntns t'uernin, ordinntionsin a snirnno pontiliss in nostro spisoopmtn ImUetznt. Ondsn'iA, IIuI. Hiss. II, 107. Daraus konnte man schließen, daß er erst etwas später heimgckchrt sei. Er zählt schon April 22. wieder nach Jahren Otto's: nuno imp. sni III. Archiv f. öst. Gesch. X, 99 vgl. I?ont. rsr. Xnstr. 2. Abth. Bd. VIII, 289; und Mai 13 (Variante Juli'19) in Passau: rsgunnts iinp. Ottono. Archiv XIX, 197. Er war damals also auf dem Wege nach Nürnberg, wo er Mai 21. als dilsetns ovnsnnguinsus nostsr in llsgx Ott. nr. 172 Zeuge ist. Nach der Heimkehr von dort urkundet er Aug. 8 in Ens anno ossnris Otto- nis III. Archiv XIX, 199. 302 Zweites Buch, Kapitel V. 12>2. dem Herzoge Bernhard von Kärnthen ans dem Reichstage, welchen Otto nm Pfingsten (13. Mai) in Nürnberg nbhicltst, und er hat wohl auch bei dem Fnrstengcrichte mitgewirkt, welches dort ganz nach dem Wunsche des Kaisers dem Könige Otakar Böhmen ab- svrach. Mit diesem aber wurde, wie cs dem Markgrafen Dietrich versprochen war, Otakars verstoßener Sohn Wratislaw im Beisein vieler böhmischen Znpanc und Edeln vom Kaiser belehnt st. In Nürnberg waren ferner die beiden Söhne des Herzogs Bernhard von Sachsen erschienen, welcher bald, nachdem er von der im Aufträge des Kaisers vollzogenen Einsetzung des Erzbischofs Waldemar in Bremen heimgekehrt war, im Februar 1212 in Bcrnbnrg sein Leben beschlossen hatte. Der ältere der Brüder Heinrich folgte dem Bater in der Grafschaft Anhalt nach, der jüngere Albrecht aber in dem offenbar geringer und unsicherer geachteten Herzogthnme; die Belehnung werde» sie eben in Nürnberg empfangen haben st. Alles ließ sich nun wieder für Otto überaus günstig an, obwohl Sigfrid von Mainz, der jetzt mit den weitreichenden Vollmachten eines päpstlichen Legaten ausgerüstet war st, ernstlich gegen die dem Kaiser gehorsamen und dem Papste unbotmäßigen Bischöfe vorzugehen nnsing. Derselbe hat im April den kölnischen Erzbischof wegen fortgesetzter Nichtachtung der über ihn verhängten Excvmmnni- cativn und weil er dem Kaiser treu blieb, abgesetzt und an seiner Stelle den einst wegen des umgekehrten Vergehens, weil er gegen den Willen dcS Papstes von Otto abgefallcn war, entthronten Adolf von Altena wieder als Erzbischof von Köln anerkanntst. st Lun. Ool. UNIX. : Olli oiuuilius HUI prsssntos erant pi'i'iiohiibus causam rverre intsr stisuiu et papam iuuotescit (encl. 2: et oiuues sivi t'ävoradilss reelclit). Also eine ähnliche Darlegung wie in Frankfurt, s. o. S. 299 Anm. 3. Xauelvrus Olirouo^r. a. 12! 2 weiß, daß die Rede Otto'S sich auf die Beeinträchtigung fürstlicher Rechte durch den Papst bezog: hat dieser den Kaiser abgcsctzt, so wird er ihn auch bald einsctzcn wollen. Ich glaube, dieser Inhalt ist ans Grund jenes Satzes der 2 ^uu. Ool. fingirt worden. — Die in Nürnberg Anwesenden ergeben sich ans den dort Mai Ul—21 ausgestellten Urkunden. lieg'. Ott. ur. 169—172. Die 2 puu. 8. Iluclv. 8alisl>. p. 789 kennen nur den Nürnberger, nicht den Frankfurter Tag. st 2 ^ 1111 . Ool. iiuix.: cum 6 vexiliis (coä.st. fügt als Grund der Absetzung Dtakars hinzu: cum ^lo^outiuo etiam st lautAravio contra imsicratvreiu ael eliAcncluiu alium regem sons)iiraverats. Palacky II, 71 vermnthct, daß der Partei Wratislaws sich auch der Kämmerer Graf Eernin angeschlosscn habe, über den 2 t.nu. I^rag. ül. (1. 8s. IX, 170: a 1211 rex 1'inr. revellat imzie- ratori st Olivrniuus sieitur cls Ilnliemia und in anderer Handschrift: a. 1212 Ovrininus canierarius regis xsllitur äs zirovincia a rege et ab universis zirimatibus. 2 ^iin. 8tag. p. 355. Die Bruder erscheinen mit ihren Titeln zuerst in lieg. Ott. nr. 171 vom I I. Mai, während Tags zuvor ur. 169 Otto's Bruder Heinrich als Herzog von Sachsen fignrirt, als ob die Welfen damals den As- kaniern das Herzogthum bestritten hätten, st Vgl. unten S. 305 Anm. 2. st 2^un. Ool. ruax. p. 826: ln ipsa vigilia ascsusiouis (2. Mai) A.clol- tns Oolouiam veuisus prioribus st slsro so a >ingn iuvestituin st 1'enäs- rieum ottieio st benelicio äestitutum attirmabat. Olornm etiniu sib! nbe- elirs apostoliea auctoritats prsecziit. Vgl. lisiu. Oeoä. g. 661 zum ststai Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. 803 Diese Verfügung änderte indessen an dem dortigen Stande der Dinge so gut wie gar Nichts. Denn obwohl die kölnische Geistlichkeit, bei welcher Dietrich von Hcngebach nicht sonderlich beliebt warst, in ihrer Mehrzahl sich nun gcc)en denselben anflehnte, so hat doch die Stadt und der größte Theil der Magnaten, höchstens mit Ausnahme der näheren Angehörigen Adolfs st, nach wie Vörden abgcsetzten Dietrich als ihren rechtmäßigen Herrn betrachtet. Es war ein großer Fehler, daß Dietrich in dem irrigen Glauben, bei dem Papste einer weniger befangenen Beurtheilung zu begegne», sogleich nach Nom eiltest, statt sich mit Hülfe jener Hingebung seiner Unterthancn einfach an seiner Stelle zu behaupten, wie das der in eine ganz gleiche Lage versetzte Bischof von Wirz- bürg Otto von Lvbdcburg that. Sigfricd hatte nämlich auch diesen wegen seiner Parteinahme für den Kaiser abgcsctzt und einen Domherrn aus dem mit den Lobdeburgcrn verfeindeten Ministerialen- geschlechte der Ravensburger Namens Heinrich znm Gegcnbischofe ernannt. Aber Bischof Otto, anders geartet als Dietrich von Köln, gab darum sich noch nicht verloren. Wohl hatte er im ersten Augenblicke vor dem Gegner ans seiner Hauptstadt flüchten müssen, aber er sammelte nun die ihm treuen Lehnsleute des Hochstifts, eroberte Wirzburg zurück, ging dann den Ravcnsburgcrn aus ihren eigenen Festen zu Leibe und jagte sie endlich völlig mittellos znm Lande hinaus st. 1212. Die upost. nnotoritao war eben durch Sigfrid von Mainz gehaudhabt, vgl. Ouosnr. Lntal. nop. Lol. Vontll8 II, 280: Luiu VI>ooäoriLN8 Ottoui t'nvsrst, u 8ilriäo, sui ploiur potsotno IsAntlonio uci Lttonio äsieetionsin äntn t'usrnt, äspooitno 68t; Lues. Vita Xnz-olv. I, 3: 8itriän8 Vlisoä. äs- ponsno, ^.äolt'uiu rcstituit. Die Losta 'I'rsvir. o. 101 machen aus Sigfrid und dem Legaten zwei Personen. 0 Lnoo-ir. Ilial. inirns. VII, 40. VIII, 46; Ilomil. III p. 22. st Ficker, Engelbert S. öl. st Xnu. Lol. mnx. I. o.: ssrnsno 86 a elsro äsrelistum, nä ontiotno- tionsm lloinnm progroclitnr, udi per longmin tsmpno äsinorntnr. Am 10. Mai war Dietrich bei Otto IV. in Nürnberg, lieber seinen Aufenthalt in Rom s. n. z. I. 1210. V LNro». Llont. 8orsn! HI. (4. 8o. XXIII, 170: Lnin Otto spno Ilvr- vipol. olsnt st vvtori spioeopl sxsominnnisnto Iin^orntori oppooitrw 6880 t, illi (die Ravensbnrgcrl sollvotio In oivitnts nrnmtio plnribns spioeopuin sxpulsrnut, invonsm >;nenä:tin, seolo8ias ip8iN8 snnonienin, nltorin8 Ip8v- ruur tilium, pro so nuotoritnto imporatoris Inotitnsntso. Der äußere Hergang ist richtig erzählt, die Parteistcllnng der Betheiligten aber gerade die umgekehrte, wie sich aus Innoe. Xpiot. XV, 220 und XVI, 50 von 1213 Febr. 3. und Juni 6. mit Sicherheit ergicbt. Wir erfahren an der letzten Stelle ferner, daß die Absetzung Otto's und die Einsetzung Heinrichs ziemliche Zeit vor 3. Febr. 1213 geschehen sind, daß Heinrich tiliuo Ilsnrioi clo liavsnovnrA tratrio Ilo- tonio war und daß des neuen Bischofs pntvr st pntrnuo tnsrunt in ueosm spiosopi (Lonrnäi s. Bd. I. S. 20l)j nmolnnati, dann daß Sigfrid von Mainz diesem Heinrich persönlich sehr zugcthan war (cirmntninonngnö iponm äilse- tionio tzrneliüo nmplsst!un8) und ihn auch dann noch als Bischof hat erhalten wollen, als Otto, pnrts Otlionio (Imp.) psnitno nliäientn, pudlieo nä ooslns äsvotlonsm rovsrsno ontliolisas parti patsntsr Ntllmo8srlt und sogar schon von dem andern Legaten, dem Erzbischöfe von Magdeburg, nä ooinmunionsin 304 Zweites Buch, Kapitel V. 1212. Die Autorität des Papstes reichte also, wie mau sicht, für sich allein nicht aus, um die Bischöfe in geschlossenen Reihen dem Kaiser entgcgcnzuführcn; im Gegentheil, die Zahl derjenigen Bischöfe und Geistlichen, welche sich um die Excvmmnnication und Absetzung desselben nicht kümmerten, war eher im Zunehmen begriffen. Der deutsche Ritterorden und die Vorsteher mancher Klöster scheuten sich nicht von dem Gebannten allerlei Gnaden zu erbitten und auf dem Reichstage zu Nürnberg waren neben dem damals schon abgcsetzten Dietrich von Köln auch die Bischöfe von Passan, Eichstädt und Naumburg erschienen, ja selbst Ekbcrt von Bamberg, dem eben erst durch Sigfrid von Mainz die kirchliche Restitution zu Thcil geworden war. Um aber auch die über ihm noch schwebende Reichsacht los- zuwcrden, kehrte er jetzt in Gemeinschaft mit seinem Bruder, dem Herzoge von Meran, der päpstlichen Partei den Rücken; er soll damals sogar mit der Leitung der durch den Abfall Konrads von Spcier und des Protonotars Walther verwaisten kaiserlichen Kanzlei betraut worden sein Z. Kurz, nur noch wenige Bischöfe haben den Befehlen des Papstes pünktlich nachzukvmmen gewagt und es war wenig Aussicht, daß diese dem nun von Seiten des Kaisers gegen sie geübten Zwange lange widerstehen würden. 'In den unteren Landen war Bischof Hugo von Lüttich eben von dem Herzoge Heinrich von Brabant gezüchtigt worden, welcher am Himmelfahrtstage den noch nicht ummauerten Bischofssitz erstürmt und ausgeplündert hatte. Bürger und Geistliche von Lüttich mußten vor seinem Abzüge dem Kaiser schwören ^). In Sachsen sah sich Erzbischof Albrecht von Magdeburg von einer ähnlichen Vergeltung bedroht. Er war ans einer Versammlung scelns cts mauclato uostro rsseptus et acl rsgiinsu IlerUipol. seslas rsstitntus war. Darnach müßte Bischof Otto von dem Kaiser, der 1212 Scpt. 5. selbst in Wirzburg war, lieg. Ott. nr. >76. 177., etwa zu Ende des Jahres 1212 abgefallen sein. Bei Friedrich II. erscheint er 1212 Juli 12 zu Eger. lieber vcn Wirzburger Streit vgl. Urkunde des Domkapitals 1212 Juli 8sUanunt, Vinci. Ut. I, 189, wo dasselbe erzählt, wie cs zur Zeit der Wirren seinen Wcinbcrgshof vorder Stadt habe zerstören müssen, ns niicznis noelvns noöis nn^nlus Iiostibns acl odslclsnclurn nos In sirenitn renmneret. lieber den Gegenbischof Heinrich vgl. Schiedsspruch des Kard. Hugo von Ostia, d. Rom 1216 Febr. 10. Lion. IZo. XXXVII, 197; Honorius III. 1226, Olt. I I bei IVUi-cttcvein, Xova snbs. IV, 131, und über den feindlichen Gegensatz der Navcnsburger und der Lobdeburger Hon -I II. 1218 Aug. I. ibici. III, d2 und überhaupt: Hcnner, B. Herm. I. v. pobdeburg (18751 S. 7. Xnn. Osl. inax. p. 826 (voä. 2). Der Herzog von Meran ist 5. Scpt. Zeuge Otto's IV. Ekberts Parteinahme für den Kaiser wird durch Innoo. Xxist. XV, 225 bestätigt, aber er selbst läßt sich weder als sein Kanzler noch während der nächsten Zeit in seiner Umgebung Nachweisen. Die kaiserlichen Urkunden entbehren zunächst der Rccognition überhaupt; die von 1212 Sept. 5., Nov. 30 und 1213 Jan. 13 sind dann gegeben per nmuus öolmnnis prspos. IVerclensis cl. Imp. elerivi it'nmlliai-isl s. u. Erläuterungen Nr. X. 2) U'rinmpNus s. 1-,-undei-ti sU. Olmpenville II, VÖ8 ff. — ein förmliches Tagebuch, das hier nicht erschöpft werden kann; Hein. I-s»U. p. 664; XUn-ieus p. 893; Xnn. IVaroUsuses ill. 61. 8s. XVI, 606; Xnu. Ool. irmx. I. e. Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. 305 der medersächsischen Fürsten, welche Pfalzgraf Heinrich im April zu Halberstadt abgehalten hatte, schon in die Reichsacht gethan worden; man hatte seinen Boten nicht hören wollen und seine Entschuldigung nicht gelten gelassen, daß er gar nicht anders gekonnt habe als dein Papste gehorchen ^). Der Umstand, daß Älbrecht damals ebenso wie Sigfrid von Mainz zum päpstlichen Legaten bestellt worden war^), mag die Erbitterung gegen ihn gesteigert haben, obwohl er offenbar mit der bloßen Verkündigung des Bannes gegen den Kaiser und dessen Freunde seinen Pflichten gegen den Papst schon Genüge geleistet zu haben meinte und, wie weiter aus seiner Entschuldigung geschloffen werden darf, Wohl kaum daran dachte, sich an einem thätlichen Angriffe auf dieselben zu bctheiligen. Von Gegnern, mit denen wirklich zu rechnen war, waren also zu der Zeit, da Otto IV. von Nürnberg in seine Erblande zurückging, nur noch König Otakar, Erzbischof Sigfrid von Mainz und Landgraf Hermann von Thüringen übrig geblieben, sämmtlich aber in solcher Berfassung, daß sie sich ans die Vertheidigung beschränken und froh sein mußten, wenn diese nur einigermaßen gelang. Otakar von Böhmen sah sich durch eine starke feindliche Partei im eigenen Lande zur Genüge beschäftigt und sein Bruder Markgraf Heinrich von Mähren trat geradezu zum Kaiser über^). Dieser stand auch schon in Unterhandlungen mit den Vasallen und Dienst- ') Schöppenchronik S. 135. Der Pfatzgraf war am 10 . Mai wieder bei seinem Bruder in Nürnberg. lieg. Ott. nr. 160. Als Albrechts Bote wird Gebhard von Querfurt genannt; es darf anffallen, weil er im Vertrage des Kaisers mit Dietrich von Meissen März 20. einer der Bürgen für die Treue des letzteren gewesen war. 2) Ilölinisr, IIsA. iinp. 1198—1254 p. 321 hat mit treffenden Gründen die Ernennung etwa in den März gesetzt. Ich möchte sagen: spätestens in den Anfang des März, wenn nicht etwas früher, da Älbrecht zu Ostern 1212 (März 25) schon als Legat fnngirt Ollron. Limit. 8sr. p. 181; in seinen Urkunden vom 21. März Ooel. äipl. TLuNalt. II, 3 hat er sich freilich noch nicht so genannt. lieber seine Handhabung der Legations. Oliron. Limit. 8sr. x. 183: iinp. crsvro sxcoiniiinnicatnni ctsunnsiadat, st ns posna oxcmiiiiinnicationis proliilisbat. Ferner p. 217i3'sin- pors Innossnsio sinslisin IsAations innstns sst, contra Vi'iäsricuiii iialvsrst. spum pro so, gnoä a tavors inipsratoris sx- soinniunicati rscselsrs nolsdat, sxcoininnnicationis ssutsntlani prmnnlAa- vit. Vgl. ivicl. p. 184 a. a. 1213. — lieber Sigfrid als Legaten iisin. Osocl. p. 664 anscheinend znm April 1212: tznalsiii liavst U. papa potsstatsm, talsni coritnlit Llognutiiio in Vlsinannia st nt oisäsin vsstibns utatur st sgnniii albnin liabeat. Sigfrid aber braucht den Legatcntitcl in seinen Urkunden noch nicht 12. Sept. 1212, s. Scriba II, 25, zuerst 25. März 1213. Baur II, 49. Indessen hat er doch wohl schon als Legat Dietrich von Köln gebannt, was nach Vun. Ool. p. 826: pro so cznoä a 8/triäo aspo st Isg-, ap. ssä. sxsoiiininuicatns inissas cslslirassst st srisina conisci8sst, vor 22. März 1212 (vgl. OsvolcU catal. Voutes II, 291) geschehen sein muß; die Absetzung Dietrichs im April 1212 (s. o.) wurde jedenfalls auf Grund der Legation verfügt. 0 Zeuge in der Urk. 1212 Mai 10. zu Nürnberg. Ls§. Ott. nr. 169. Jahrb. d. dtsch. Gesch. — Wiiikelmann, Otto IV. 20 306 Zweites Buch, Kapitel V. 1212. mannen von Mainz st, indem er durch sie den schwer geschädigten Erzbischof entweder auf seine Seite hinnberznziehen oder wenigstens so lange Hinhalten zn können meinte, bis er den dritten Feind, den Landgrafen von Thüringen, niedergeschlagen haben würde. Hermann hatte seit der ersten Heimsuchung durch die Kaiserlichen seine ganze Sorge der Verstärkung der wenigen ihm noch verbliebenen festen Plätze zngckchrt und dazu namentlich auch das Kricgsgerüth verwendet, welches im Herbste vom Truchseß Gunzelin gegen Wcisscnsee herangeführt, aber am 6. Deccmber bei einem glücklichen Ueberfallc von der Besatzung erbeutet worden war-). Im Frühlingc erfuhr er dann, daß der hcimgekehrte Kafser in den Rheingegcnden ein gewaltiges Heer sammle mit der offen ausgesprochenen Absicht, dasselbe gegen Thüringen zu verwende» st. Die Absicht bestand in der That; ihre Ausführung verzögerte sich jedoch wegen der dringenderen Verhandlungen mit den einzelnen Fürsten bis in den Sommer: erst im Juli erschien Otto von den Erblandcn her auf dem thüringischen Kriegsschauplatzes. In seinem Heere waren die Bischöfe von Halbcrstadt und Hildcsheim st, die Grafen Heinrich von Schwerin, Adolf und Ludolf von Dassel, Bernhard von Dorstadt, Hermann und Heinrich von Harzburg st. Die Markgrafen Dietrich von Meissen und Albrecht von Brandenburg leisteten auf Grund besonderer Verträge Zuzug st und von Süden rückten st Orig. (InsII. III, 802 vom 10. Juni aus lloveilingsdurg d. i. Scheverlingeuburg oder Süpplingenburg. Ungefähr derselben Zeit mag ein Briet au den Dompropst von Hildesheim istick. x. 820 augehören, in weichem Otto die Aufnahme des dort magis ovonsions porsecmtionis nostrs (gnain alianins ostsckisutis tiinors eingestellten Gottesdienstes verlangt. -) Xnn. Iloinstarcksstr. p. 128 zu 1212 und 1213. Daß cs aber 6. Dec. 1211 geschah, beweist der Anfang der Erzählung: ^.utelpuam I'iotaviensis ^.1- ßnm staeuin ostsickiouo vaUaret. Damals gerietst auch Graf Friedrich von Beichlingen (totstes mal! inosutor s. o. S. 281) in die Gefangenschaft der Landgräflichen: ebenso ein Graf von Stolbcrg. Lndwig von Stolbcrg (bei Leo, Vorles. V, 364 nicht verzeichnet) ist 1212 Sept. 5. Zeuge einer kaiserl. Urkunde. 2 ) Östron. 8ninpotr. p. 54. Daß die Nachricht begründet war, festen wir aus Östron. Ottsnstnr. AI. (4. 8b. XXIII, 623: Lortostlns nmrostio (der letzte v. Ronsberg) mein Ottons iinp. prostoisei volsns in Jnxouiain, inxta llauuin ässtenotns ast, nämlich 2. April 1212 nach Feierabend, Jahrb. v. Ottcnbeuern 11,278. st Östron. reg. Ool. p. 16: In m. ckulio onin iininenso exereitu Tstu- ringiam ingressns; ^.nn. Alarstao. p. 172: Oiroa insssos ooacknnato exer- eitu inovit oxpeckitionsin. Otto hatte zuletzt 16. Juni in Süpplingenburg s. o. Anm. 1 und 7. Juli in Helmstädt nach Bunge, Livl. Urkbch. I, 32 Itr. 25 geurkundet, wenn nämlich die letzte Urkunde hierher gezogen werden darf, was nach ihrer Datirung 1212 rsAiii a. 14 (— 1212), iinp. 4, inck. I (^ 1213) doch zweifelhaft ist. st Jnnoc. 1213 Juni 7—8. Istnst. XVI, 71. 76. st Die Grafen sind Zeugen des Vertrages mit dem Markgrafen von Brandenburg, s. folg. Anm. st Dietrich von Meissen hatte 20. Mär; (s. o. S. 300) ausdrücklich gegen Thüringen Hülfe zugciagt und wird von Östron. Lainpstr. vor Wcissensee erwähnt; Albrecht von Brandenburg aber schloß upuck IVieonso in oastris einen ähnlichen Vertrag mit dem Kaiser Alon. Oorin. stvA. II, 220, in welchem er Beistand in 8sxonia ot TurinAia oontra oinnein stoininenr gelobt. Die Herstellung kaiserlicher Autorität in Deutschland, 1212. 307 Schwaben und Baiern gegen den rebellischen Landgrafen heran H. Die übliche Verwüstung erging zum zweiten Male über das arme Land, während der Kaiser mit Hülfe einer bis dahin in Deutschland nicht gesehenen Belagerungsmaschine, die man Dreilwck nannte ^), die Mauern der landgräflichen Festen niederwarf. Zuerst ward Rotenburg im Gebiete von Schwarzbnrg zerstört, dann Langensalza zur Ergebung gebracht, als den Belagerten die Lebensmittel ans- gingcn 2 ). Nun zog sich die Hauptmacht der Kaiserlichen — man schützte sie auf 2500 Ritter — vor dem starken Weissensee zusammen: Otto zweifelte nicht des Platzes bald Meister zu werden, obwohl derselbe im Jahre 1204 einem kaum minder kräftigen Angriffe König Philipps erfolgreich widerstanden hatte Z. Den Landgrafen, meinte Otto, solle sein Unterfangen gereuen; der und seine Helfer würden künftig dergleichen Machinationen nicht leicht wieder wagen 5). Der Kaiser fühlte sich wieder völlig obenauf. Da aber, im Lager vor Weissensee, empfing er die Nachricht, daß der von den Unzufriedenen im vorigen Jahre erkorene junge König von Sicilicn wirklich nach Deutschland unterwegs und schon bis Genna gelangt sei. Diese Meldung, welche der befreundete Patriarch Wolfger von Aguileja durch einen Eilboten ihm znsandtc, erregte zunächst nur seine Spvttlnst: „Höret die neue Märe, soll er zu seiner Umgebung gesagt haben, der Pfaffcnkaiser kommt und will uns vertreiben §)." 0 Olirou. 8nmpetr. p. 57. Wegen des Markgrafen von Rollsberg s. o. Anm. 3; Herzog Otto von Meran, Graf Meinhard von Gör» und der bairische Pfalzgraf Rapoto, welche nach dem Rückzüge aus Thüringen am 5. Scpt. bei Otto I V. in Wirzburg sind, dürften an dem Feldzüge Theil genommen haben. 0 ivick. p. 54: onm tridrnelio (^un. Ilsinln: evAiioineuto tridoest) und p. 55: instaurato illo instruiueuto ckiadolieo, das inestimaucks inngni- tuckinis snxa soweit. Der Name ist doch wohl Verdeutschung des italienischen tradueeo. Vgl. Mittelhochd. Wörterb. III, 89. — liiiliiusr, LeA. Ott. zu 60 weist hier auf eine noch nicht erklärte Verwandtschaft des Oliron. 8ampetr. mit Xun. ölnrvao. hin, die ich jedoch nicht entdecken kann. Eher wird man den letzteren: Ist! tune primnin espit Iraker! usus instrninvnti Kollier, rprock vnlM trikolr appellari solot, die Niagdeb Schöppcnchron. S. 136 zur Seite stellen dürfen: äar rvart erst kestairt clou Ducksselroii ckat rverst, clat tribolr Ireitet, besonders da beide die Anwendung des Drcibocks erst vor Weissensee erwähnen. Okron. 8ampetr. mit einem Zusatz der x»n. lieinlr. p. 126; Xnn. lllarlrae. I. o.; Xun. kreves lVorrrrat. p. 75. Otto urkundet am 16. Juli noch i» eastris apuck 8alsaek. lieg. nr. 174; am 3". schreibt er dem Patriarchen Woffger vor Weissensee: super lautgravium prockitorsnr uostrum eunr exsroitri nragno et t'orti potenter eousistimus et torrain eins st eastra vastaviinus et inesssantor vastamus ete. Xeta iinp. nr. 257. 0 Bd. I. S. 327. lieber die Belagerung durch Otto IV. s. die in voriger Anm. genannten Quellen; sehr allgemein Schöppcnchron. S. 136. Sachs. Weltchron. Kap. 348 und darnach Braunschw. Reimchron. V. 6907 ff. Otto an Wolfger I. e. 0 Vgl. daselbst und Erläuterungen Nr. XI über den Monat, in welchem Otto von Friedrichs Kommen zuerst hörte. Wenn das, wie dort nachgcwiescn ist, vor der Hcirath mit Beatrix geschah, kann Otto die von der Magdeb. Schöppcnchron. S. 137 anfbcwahrte Äenßernng nicht erst nach dem Tode der Beatrix gcthan haben. 20 » 308 Zweites Buch, Kapitel V. I21L. Und berechtigt war dieser Spott immerhin, da die Wähler Friedrichs damals entweder schon wieder zum Kaiser zurückgetrcten waren oder sich in so bedrängter Lage befanden, daß sie voraussichtlich sich bald unterwerfen mußten. Wer konnte jedoch bei der Unzuverlässigkeit der deutschen Fürsten, welche Otto eben erst an sich selbst erfahren hatte, für die Dauer ihrer Treue irgend eine Bürgschaft übernehmen und wo lag die Gewähr dafür, daß die alten Freunde des stanfischcn Hauses, sobald der Gcgcnkönig wirklich im Lande erschien, sich nicht mehr erinnern würden, daß dieser ein Staufer war? Wenn cs überhaupt noch ein Mittel gab, die letzteren dem Kaiser zu verbinden st, so war cs seine förmliche Vermählung mit König Philipps Tochter, weil er dann selbst als ein Glied des staufijchen Hauses gelten konnte. Eben deshalb hat Wolfger dringend zur Beschleunigung der Heirath gemahnt und Otto, dem Rathe des fernen Freundes folgend, sie mitten im thüringischen Kriegslärm am 22. Juli zu Nordhausen vollzogen 2 ). Er kehrte aber sogleich zur Belagerung von Wcisscnsec zurück und hegte noch am 30. Juli, als er Wolfger über seine bisherigen Erfolge Nachricht gab, die feste Ucberzcngung daß es in Kurzem fallen werde. Die Eingcschlosscncn begannen in der That schon an Ergebung zu denken und unter Vermittlung des Markgrafen Dietrich wurde mit ihnen ein Vertrag geschlossen, nach welchem sie die Stadt, zu deren Vertheidignng ihre Kräfte ohnehin nicht mehr ausreichcn wollten, freiwillig räumten und sich in die Burg znrückzogcn; über diese sollte die Entscheidung dem die Wartburg, hütenden Landgrafen Vorbehalten bleiben, den sie von ihrer Bedrängniß unterrichten durften. Hermann aber befahl den tapfern Kämpfern anszuharren: er mag Wohl auch schon von Friedrichs Kommen gehört und deshalb ans einen baldigen Abzug des Kaisers gerechnet haben. Diese Hartnäckigkeit erbitterte den letzteren noch mehr. Die Bestürmung der Burg wurde jetzt mit verdoppeltem Eifer betrieben; Das „teuflische Instrument" der Dreibvck schleuderte Steine von gewaltiger Größe hinein; die Mauer der kleinen Feste war unterhöhlt und ihre Einnahme schon unzweifelhaftst — in diesem Augenblicke, da Kaiser Otto den Sieg in Händen zu haben meinte, kehrten Glück und Erfolg für immer ihm den Rücken. h Ooutiu. 14ogeri äs Itovscteu im ülemor. tr. Walt. Ns Ooveutriu vä. 8tut>ds It, 204 hebt als Otto's Motiv zur Heirath hervor, ut suus in-ovicls- rst seeurituti und per czuuiu (Iteutr.) sidi eout'oeelvrutiousiu et soNuli suuv iu eluoutu 8uuvius Neroäituriuiu speruöut sueeessiousiu i>roeurnri. Der Vcrf. meint freilich, dass Beatrix die einzige Tochter Philipps gewesen sei. 2 ) Der Tag des Beilagers steht jetzt durch Otto's eigene Aussage im Antwortschreiben an Wolfger fest. Den Ort neunen übereinstimmend tz'Nrou. 8umzistr. p. 54, ONrou. reg'. Ool. p. 16 (vireu t'vstum s. ^tnrgurote), Ttmu. Ool. luux. p. 827 und Sachs. Wcltchron. K. 548. von deren Ableitungen aber die Schöppenchron. S. 158 dafür XorNIieiiu gesetzt hat. st Aussührlich über die letzten Borgängc bei Wcisscnsee ONrou. 8a>upotr. p. 55 mit einigen Zusätzen in ^uu. tiviulmreistu'. zu 128. Bgl. ^uu. blur- due. p. 172: odssclit oxxielum tVirwuse, Piocl expug'uuvit us^ue net ureeru. Die Herstellung kaiserlicher Autorität iu Deutschland, 1212. ZY9 Am 11. Augusts starb ganz plötzlich seine junge Gemahlin Beatrix von Schwaben. Der Tod der „Erbherrin" riß das letzte Band entzwei, welches die Schwaben an den wenig -beliebten Sachsen knüpfte; sie verließen ihn auf die Kunde von der bevorstehenden Ankunft ihres rechten Herrn. Heimlich des Nachts mit Preisgabe ihres Gepäcks brachen sie aus dem Lager auf; die Baiern gingen mit; ihr Beispiel ward von Anderen nachgcahmt, welche im thüringischen Feldzüge an Kleidern Waffen und Rossen Verlust erlitten und von Otto keinen Ersatz bekommen hatten; sein Heer schmolz zusehends und in dem Maße zusammen, daß er schließlich auch die fast schon znm Ende gediehene Belagerung von Wcisscnsee aufgeben mußtet- lieber Erfurt und Wirzburg, wo er am 5. September verweilte ^), strebte er dem Süden zu, um so früh als möglich dem erwarteten Gcgcnkönige die Spitze zu bieten und ihn zu verhindern, daß er im Heimathlande seines Geschlechtes festen Fuß faßte. Otto hatte während seines Aufenthalts in Untcritalien einmal geträumt, daß ihm ein Bür ins Bett kroch. Der war anfangs klein, wurde aber größer und größer, so daß er zuletzt das Bett ganz allein nusfüllte und ihn selbst hinausdrüugte. Die Freunde des Kaisers hatten damals den Traum auf den jungen Friedrich gedeutet'); jetzt sollte er sich erfüllen. 9 Obrou. dneniu ds Ilrnusv. CLP. 15; den Monat nennt auch lisiu. Ilsod. p. 665. Die Nachricht der Luu. Lol., daß Beatrix nach der Hochzeit czuarta dis rsbns sxesssit buinauis, wird schon dadurch widerlegt, daß sic jedenfalls am so. Juli noch lebte. Olirou. rs§. Lol. p. 16: dsoiiua dis nach der Hochzeit und Brannschw. Reimchron. V. 6017: diu vsr^sn uaoliteu, ebenso unrichtig. Sie stirbt nach lieiu. I-sod.: uoots sann, maus mortna und diese Plötzlichkeit gab Späteren zu allerlei Erfindungen Anlaß, z. B. in Xuu. lisinb. x>. 126 erfolgt der Tod iu ixsa sopula maritali und in einer thüringischen Compilation sss. XVII (soll. Ilsidslb. 362 ^ ur. 14) heißt es: Xtlisirs sa- wsu, cleo steissrs sououbinsu bsttsu ii- mit Allst voruedsu. liltlislis rusiusu, der keissr liabs sololis selbst bslvlsu, u-gil sr sis lesius junAtsta^v Inudsu. Hefele, Concilgesch. V, 722 weiß noch bestimmter von italienischen Concubinen. — Beatrix ist in der Blasiuskirche zu Braunschwcig vor dem Chor begraben. Obrou. vetus 1. o. Dort wurde ihr eine Memorie gestiftet, doch wohl von Otto selbst, nach Xsorol. s. Illasii bei Wedekind, Noten l, 431: Iu XuAnsto: a. d. 1212 Ileatrix imp. obiit. 16 sol., euilibst domiuo 6 dou. Llu-ou. 8aiupstr. p. 55 nennt die Schwaben und Baiern als die zuerst Heimziehenden, Schoppcnchron. S. 137 die aiumoslitlnds, was gleich dem zuweilen gebrauchten ot'tieialss die Dieustmannen, hier also die des Reiches, bedeutet. Bgl. Sachsenchron. K. 348: do leardsu vau dsms leslsers almsistisli das riless disusstmau, darua ds vorstsu al sut.elsu. Im 8amp. erfolgt der Abfall noch vor Weissensec, in Schöppenchron. erst nach dem Eintreffen in Erfurt, lieber die freilich mehr scheinbare Verschiedenheit in der Motivirung s. Erläuterungen Nr. XI. Ucbrigeus sind nicht alle Süddeutschen sogleich abgc- fallcn, s. o. S. 307 Anin. 1 über die noch in Wirzburg Anwesenden; von den Rcichshofbeamten ist keiner vor 2. Jan. 1213 bei Friedrich II. nachweisbar, was freilich nicht ausschließt, daß sie sich nicht schon vorher von Otto IV. zurückgezogen haben könnten. IIsA Ott. uw 176. 177. Vgl. Ficker, Urkundenlchre I, 95. 0 Oln-ou. iVIout. 8sr. p. 179. Drittes Much Friedrichs II. Gegenkönigthum, 1212—1215. Erstes Kapitel König Friedrichs 11. Fahrt von Sicilien nach Deutschland und seine ersten Erfolge, 1212. Als die mit Otto IV. unzufriedenen Fürsten im September 1211 den letzten Sprossen des staufischen Hauses zum künftigen Kaiser dcsignirten, müssen sie in irgend einer Weise, wahrscheinlich von Frankreich ans, schon unterrichtet gewesen sein, daß Jnnocenz III. ihrer Absicht nicht widersprechen, der Wahl Friedrichs seine Bestätigung nicht versagen werde Z. Daß man aber einer solchen bedurfte, war in der Natur des Verhältnisses begründet, in welchem der von ihnen auf den Schild Erhobene znm Papste stand, und wiederum weil man der Bestätigung bedurfte, konnte auch darüber kein Zweifel obwalten, daß sie nicht umsonst zu haben sein werde. Die Kirche mußte vor allen Dingen eine Bürgschaft verlangen, daß die Zulassung des Königs von Sicilien zum Kaiscrthnme, der sie früher widerstrebt hatte, ihre eigene Stellung wenigstens nicht verschlechtern werde. Während der eine der fürstlichen Abgesandten, Heinrich von Reifen, in Verona zurückblicb, um von dort ans bei den Lombarden für König Friedrich zu wirken^, führte der andere, Anselm von Justingen, in Rom die Verhandlungen mit dem Papste. Worin die Forderungen des letzteren, die Anerbietungen Anselms bestanden, wird nirgends gesagt. Wenn aber die Verhandlung sich einigermaßen in die Länge zog, so geschah das doch Wohl nicht blos deshalb, weil die Kurie, wie ein Zeitgenosse sagt, durch Verschleppung der Geschäfte an Würde zu gewinnen meinte sondern weil Schwierigkeiten zu überwinden waren, welche aus dem Miß- verhäitniß von Forderung und Angebot erwuchsen. Das Schluß- V S. o. S. 276 f. -) S. o. S. 286. 3) Onill. klrito, Lse. XVII, 85 s. o. S. 276 Anm. 3. 314 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. crgcbniß aber kann kein anderes gewesen sein, als daß Anselm alles dasjenige bewilligte, was nachher im Juli 1213 durch Friedrich II. verbrieft, vvn den Fürsten aber durch ihr Zcngniß und förmliche Willebricfe bestätigt worden ist. Es kam für die Kurie nicht so sehr darauf an, mehr zu erlangen, als von Otto früher versprochen worden war, sondern cs in einer solchen Form zu erlangen, daß cs rcichsrcchtliche Gültigkeit hatte und nachher nicht weiter bestritten werden konnte. Dazu verhalf aber jetzt der Umstand, daß dies Mal die Fürsten selbst cs war.en, welche den Papst für ihre Zwecke nöthig hatten: in ihrem Namen wird Anselm dafür, daß Jnnoccnz die Berufung Friedrichs ans den deutschen Thron geschehen ließ, die Zusicherung gegeben haben, daß sic mindestens dasselbe gewähren würden, was Otto zwar versprochen, aber dann mit Berufung auf seine Reichspflichtcn nicht ansgeführt hatte'). Nun handelte cs sich darum, Friedrich selbst zur Annahme der ihm zngcdachten Krone zu bewegen, und das wurde Anselm, als er jenen in Messina anfsuchte"), allerdings nicht ganz leicht. Die Königin Konstanze gab sich, wie uns erzählt wird, alle Mühe, den jüngeren Gemahl zur Ablehnung des gefährlichen deutschen Antrages zu bestimmen: sic mochte fürchten, daß er bei dem Wurfe um eine neue Krone auch die einbüßen könnte, die er bisher nicht einmal zu vertheidigen vermocht hatte. Tic sicilischcn Großen gedachten der harten Regierung Heinrichs VI. und der Gewaltthaten seiner Häuptlinge: sie wollten keine wie immer geartete Verbindung mit Deutschland. Friedrich selbst hat eine Zeit lang geschwankt und schließlich sich wohl nur deshalb dem deutschen Gesandten zur Verfügung gestellt 3), weil der Rest seines eigenen Königthums in Si- cilicn nur dann sich retten ließ, wenn Otto in Deutschland gestürzt h Oliron. Hrspsr^. p. 37.8: innAno lavore et psrisulis plnrimis l!o- nnun pervsnit ilncpto sonsilio et intsrvontu cl. Innoevntii papv ovtinnit, nt a oivilnis et popnio liomano IN-itlerieus impsrator eoliantlaretnr; et Vs ip8o kaetam slsetiouvin papa sontirmavit. Auch sonst wird dcr nachge- suchtcn oontirmatio gedacht, (luill. llrlto I. e.: daronos .44enninnis . . . els- Zsrnnt I?ricl. . . . ro^antss papain, nt eleetionein sontirmarvt. Östron. 8ampstr. p. 55 erklärt Friedrichs Erfolge in Deutschland daraus, das; der Papst eitlem in postvrum imperialem steneclietionoin proiniserit. Und solche Zusage, meine ich, wird die Form gewesen sein, in welcher Jnnocenz die Bestätigung der ähnlich gehaltenen Nürnberger Dcsignation (S. 280> aussprach, so daß Friedrich sich nicht ohne Grund in iinpvratorom Ilomnnornm oleetus (s. n. S. 318 Anm. 3) genannt hat. 2) In Anselms Begleitung war vielleicht jener Hermann von Stribcrg dcr im März >212 bei Friedrich in Messina als imp. anle oamorarins st comss Kssnnlcli vorkommt, s. n. S. 317 Anm. 2, S. 334 Anm. 8. Okron. 8isnlnm strsvs, lluill.-llrsl, l, K94: Intorim «pritlain nosti- lss Nsteotonis all lsricl. venerunt, exponontes guia nnanimi volnntato ip- snm lmperatorsm sligsrs volestnnt. Wir wissen nur von Anselm von Jn- stingen, über dessen Bemühungen bei Friedrich das Östron. Ilrsp. 1. s. ausführlich berichtet, u. A. vix osttinuit apuil ilstim, nt irst in .4Inmanniam. Friedrichs II. Fahrt von Sicilien nach Deutschland/ 1212. 315 wurde. Da kein Anderer den Versuch wagte, mußte er ihn selbst unternehmen Z. Weil sein immerhin bedenklicher Entschluß auch dem Papste Rettung bringen svllte, brauchte er ebenso wenig die Erlaubniß desselben durch besondere Zugeständnisse zu erkaufen, als Jnnocenz umgekehrt der Zustimmung des Königs zu dem mit Anselm geschlossenen Abkommen bedurfte. Es genügte, wenn dem Könige mitgcthcilt wurde, daß seine Berufung nach Deutschland eben ans Grund jener Vereinbarung zwischen dem Papste und den Fürsten geschah, und diese schloß sicherlich auch eine Bestimmung ein, daß dadurch an dem bisherigen Verhältnisse Sicilicns zur Kurie nichts geändert werden dürfe. Vorsichtig aber, wie letztere war, verlangte sie doch noch eine ausdrückliche Anerkennung jenes Verhältnisses, namentlich wegen des früher geltend gemachten Grundsatzes, daß der Kaiser nicht zugleich Mann des Papstes sein könne. Diese Ansicht des Vaters hielt Friedrich nun jedenfalls nicht aufrecht und cs mag der Ilmstand, daß er von frühester Jugend an mit dem Papste als mit seinem weltlichen Oberherrn zu verkehren gewohnt war, dazu ebenso viel beigctrage» haben als die Erkenntniß, daß ohne die Erfüllung, der päpstlichen Forderung der Weg zur deutschen >üro»c ihm ans immer verschlossen bleiben würde. Friedrich hat im Februar 1212 diejenigen Rechte, welche die Kirche über Sicilien besaß, durch drei Urkunden ausdrücklich anerkannt. In der ersten schwört er, als Getreuer der Kirche an keinem Anschläge gegen Jnnocenz III. oder seine Nachfolger Thcil zu nehmen, Mitgetheiltcs geheim zu halten, den Papst und das Land des heiligen Petrus zu schützen, den jedeomaligcn rechtmäßig gewählten Papst anzucrkennen und ihm treu zu sein, der ihm und seinen Erben bestätige, was Jnnocenz ihm verliehen Halles. Es ist ans den ersten Blick klar, daß dies nicht mehr noch weniger ist als die Beurkundung des Lehnseides, wie ihn zuletzt Wilhelm II. und Tancrcd geschworen hatten und von dem Friedrich in seiner zweiten Urkunde Z sagt, daß er selbst ihn in Gegenwart des Legaten p Diesen Gesichtspunkt hebt Friedrich selbst in dein Rückblicke auf seine Jugend 1227 Dec. 6. UniU.-Lröli. Ill, 39 hervor: Lnm non iuvsniretnr nlins, cjui odlatnin iinperii (ÜAuitntsin contra nos st nostrain sustitiain vellst assninvro et ^srislitanti uavisnle äs xortus solatio provicksrst, vo- eautilnrs nos prinsipilius sts. 2) Ohne Zweifel durch den im Königreich anwesenden Legaten Gregor Äarddiak von S. Theodor, vor welchem Friedrich dann den Lchnseid leistete. ") guock in privilsAio tno sst iniüi oouosssnin. Itoul. üs OInn^ p 295; Iluill.-Ilrsli. I, 299. Die päpstliche Belehnungsurknnde ist verloren. Die Friedrichs Urkunde fehlenden Daten sind aus der folgenden zu entnehmen, da diese auf jene Ausfertigung sich beruft: tiäelitatein volns vsstris^ns snssessoridns et s. 1t. eeolo iuraviinus, sient in cluodus siiniiistus oapitularüs est sxprossuin. Itoul. cko Oinn)'p. 295; IluiU.-IIrölr. I, 201: ck. in oivitatv >Isssa- nsnsi. I''olir. 1211, inä. 15, regn. 14. Diese Angaben entscheiden gegen Ilölnnor, Log. Lrick. nr. 30, der diese und die folgende Urk. nr. 31 zu 1211 gesetzt hat. Vgl. Winkelmann, Gesck. Kaiser Friedrichs des Zweiten 1212—1235. Berlin 1893 '(weiterhin als W. I. citirt) S. 28 Anm. 2. In der Handschrift des Ccncins Laris nr. 4188 s. Archiv XI, 345 ist diese Urkunde vom 13. Fcbr. datirt. 316 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. Gregor von S. Theodor geleistet habe und vor dem Papste persönlich noch durch den Mannschaftseid vervollständigen wolle Z. Er bezeichnet hier die Gebiete, welche er vom Papste zn Lehen empfangen hat, den Zins, welchen er ihm dafür schuldet. Die dritte Urkunde endlich enthält die Bestätigung des von der Kaiserin Konstanze im Jahre 1198 eingcgangcnen Konkordates^). Das Königreich Sicilien blieb also ein Lehen von der römischen Kirche und es war mithin jede Möglichkeit einer Realunivn desselben mit dem Kaiserreiche auch für die Zukunft rechtlich ausgeschlossen. Jetzt erst, nachdem dem Papste sein Recht geworden, nannte Friedrich sich König von Sicilien und erwählten Kaiser der Römer und ließ zugleich seinen Sohn Heinrich, der damals erst wenig über ein Jahr alt war, zum Könige von Sicilien krönen Z. Da dies auf Verlangen des Papstes geschaht), liegt die Vermuthung nahe, daß Jnnvcenz dadurch schon die künftige Lösung der für den Augenblick allerdings unvermeidlichen Pcrsonalnüion vorzubereitcn gedacht habe. Die Gefahre», welchen Friedrich entgegen ging, waren außerdem so große, daß cs an sich vollkommen begreiflich 1) aooodsmus IiAiuiu Iiomaginm prostitnr!. . . vsnisinus sins trnudo ad liZinm IionmAinir, t'aeieudnm. Vgl. Jnnoe. IV Absctznngsbultc 1215 Juli 17. Ilnill.-IIreN. VI, 321. 2 ) llonl. I. e.; Iluill.-Ilrsli. 1, 203: d. Vsssano ssör. 12ll, i»d. 15. Das Jahr der Regierung ist corrumpirt. Ilsg. Vrid. nr. 31 zu 121 l s. o. Anm. 4. Das Original war nach Latul. olmrt. 8. I!. 41. von I3I>l> damals noch vorhanden, älnrat. Xntiep VI, 104. So zuerst in der Urk. für Erzbischof von Monreale 1212 Fcbr. Iluill- Lrsli. 1, 2(>4 ^vgl. über die Titulatur S. 314 Auin. >). Da diese ebenso wie die selbstverständlich vorausgegangcnen für den Papst in Messina ausgestellt sind, dürfte Anselm hier seine Werbung angebracht haben. 3 In Urk. der Königin Konstanze Iluill.-IIrölr. I, 253 ist der März 12! 3 als Heinrichs zweites Jahr angegeben. Da nun Krönung jedenfalls vor Friedrichs Abreise statthatte, dieser aber im Mär; schon in Gaeta war, wird sie wohl schon im Februar 1212 geschehen sein. — Die Angabe Eliron. Drsp. p. 370 über Heinrichs Alter z. I. 1221: eireitvr oeto nnnos fällt dadurch, das; der Verfasser vorher selbst erzählt hat, daß Friedrich bei der Abreise parvulnm tilium zurückließ. Auch die Nachricht der iVarlme., daß zur Zeit der Wahl zSchirr- machcr I, 272) II. paar eznasi dsosunis gewesen, ist keine genaue, kommt aber der Wahrheit wohl ziemlich nahe. Seine Mutter hatte Fcbr. 1209 (s. Erläuterungen IV) gchcirathet. Da es nun im Oliron. 8io., Iluill.-Ilrsli. I, 893 heißt: sooundo anno dssponsationis Ipsins tiürun snssspit, muß Heinrich zwischen Fcbr. 1210 und Fcbr. 1211 geboren sein, und vielleicht näher dein letzten Termine, weil idid. >>. 895 znm Juni I2!i> von ihm gesagt wird: lgni tune (grnmgnvnnis erat. Aber die sonst vielfach bessere Lesarten bietende Handschrift Xnpvli, lüdl nn 2 . VIII. (1. 19 hat dafür ssptsnuis. Die Frage nach Heinrichs Alter ist schon in einer Wittenberger Diss. von 1 752: Ilo oloetiono Ilsnriei VII. prass. R I). liittor, dol. Id II. Xoolntlins. 4" >i. 5 ausführlich erörtert. Für die Annahme, daß er erst zn Anfang 1212 geboren sei Ilnill.- Lröl,. I, 209, kann ich keinen Anhalt finden. In der Reimchronik des Phil. Mousket wird ausführlich darüber gehandelt llvonoi! XXII, 50—53, daß H. von der Königin Konstanze an Stelle eine gestorbenen eigenen Sohnes untergeschoben sei. Die Entdeckung des Betruges sei nachher für Friedrich ein Anlaß zur Beseitigung des Sohnes i. I. 1235 geworden. :-) lieg. Vrid. ur. 323. Friedrichs II. Fahrt von Sicilien nach Deutschland, 1212. 317 wäre, wenn der Lehnsherr für den unglücklichsten Fall Sicilien wenigstens dem Sahne, das heißt mittelbar sich selbst erhalten, sehen wallte, und das mußte am Ende dach auch des Vaters Wunsch sein Abenteuerlich genug ist nun Friedrichs Zug von Messina nach Deutschland, wvhin er sich in der zweiten Mürzwoche mit wenigen Schiffen aufmacht 2 ), begleitet van Anselm van Justingcn"), dem Graßconnetable des Königreichs Walter Gcntilech, dem Lvgatheten Andreas, dem Erzbischöfe von Bari Bcrard von Castaca "), dem Erwählten Parisins von Palermo") und einigem KanzleipcrsonaN). In Gaeta, wo man am 17. März landete, mußte schon Halt gemacht werden, weil die Kreuzer der mit dem Kaiser verbündeten Pisancr dem Nebenbuhler anflauerten, und es verging ein Monat"), che die Wciterfahrt nach Nom möglich schien, wo Papst, Senat und Volk den Ankömmling trotz seiner Dürftigkeit mit großer Freude ') Oont. OniU. XXX, 4 p. 228: Hiss nneois, gn'il i nlnst, por ss on'U „s snvoit. oni 1i estoit ä vonir, soronn nn sie» lil. Vgl. ICrnus. I'ipi». bci Hlunct. IX, 044. Eine vom 8. Mar; datirte Schenkung des Lermannns äs 8tribsrA, iin;>sri!,Iis nnls eninsrnrius st ooinss Oesnnläi wird von Friedrich noch im Mär; zn Messina bestätigt; beide Urk. nngcdrnckt. Nach OUrou. 8is. fuhr Friedrich mit 8, nach Oont. OuiU. mit 4 Galeeren ab. Daß dieser mitging, ist in der Natur der Sache begründet und wird von verschiedenen Sagen angedcntet, welche sich mit der Abholung Friedrichs beschäftigen. Vgl. Bd. I, S. 118 Anm. I und Encnkel bei lÜs^, 8er. r. ^nstr. I I. 843, wo Anselm den immer als Kind gedachten Friedrich in einer „Krächsen" auf dem Rücken nach Deutschland trägt. 3 Er ist zu Genua im Mai, zusammen mit einem Berard Gentile (Bruder?). und ;n Speicr Dcc. 1212 beim Könige. Iluill.-IlrsU. I, 21 1. 232. iündrcas ist Zeuge der kgl. Urk. 1212 Dcc. ans Spcier IIuiU.-UiPU. I, 232 für Erzbischof Berard, <;ni »os in tsmptntiouo nostra non clssorsns uos liäslitc'r SSt ssqnntns . . . psrsono etinnc psrionln non evitnns, inansnclo noUissn», st in 'Ulisotonin snv psrsono äiserimins psrsonalitsr vonionclo. In der Ncap. Hdschr. des Oln-on. 8ie. heißt Berard cls (ünstnnsn. °) Dieser (vgl. Erläuterungen II) suchte unterwegs am päpstlichen Hofe die Bestätigung nach, erhielt sie aber nicht, entfernte sich ohne Erlaubnis;, wurde 18. Mai von Zunoccnz für abgesetzt erklärt, bipist. XV, 43, ist aber mit dem Könige nach Deutschland gegangen (vgl. seinen Brief auS WormS 1212 Dcc. 3. Ilnill.-Ilrsli. I, 228) und führte den Titel von Palermo vorläufig weiter. ') Von den in Rom gegebenen Urkunden des Königs sind die für den Papst von I'strns notnrins, die für Casainari und Casanova von äolinnuss cls 8. aV'sIiniiA'vIo not. ausgestellt; der Notar äonnnss äs 8n>inonn „nobis- snin in /PIninnnniniu nä ssrvitin nostrn. äsvotns aeosssiUv Friedrich 1212 Dec. 3 I. e. " >Vnn. OssLnn. HI. (4. 8s. XIX, 388: I'Hä. rex, soln misorieoräin Itsi vosntns in ^Ismnnniam >8. Irnl. npr., gnoci tnit saUUnto pnlinnruin, npplisnit tlnistnin ivi^us. . . mnnsit por insnssin, Posten ivit lioinnin. Der >7. Mär; scheint nicht der Tag der Abreise von Messina, sondern der der Ankunft in Gaeta zu sein, lieber den dortigen Aufenthalt 1!)wo. äs 8. Osrin. p. 334, nach welchem Graf Richard von Fondi und die Herren von Aguino sich einfandcn. Nach der ungedrnätcn Urk. lieg. Vriä. 37, abschriftlich bei mir, scheint auch der Kardprcsb. von S. Marcellus Petrus von Amaifi dort bei dem Könige gewesen zu sein. DcS Letzteren Ankunft in Rom fällt dann in die Mitte des April. 318 Drittes Buch, Kapitel 1. 1212. und hohen Ehren begrüßten'). Ja er scheint nm diese Zeit in Rom förmlich zum Kaiser erwählt und ausgernfcn worden zu sein, wie einst im Jahre 1201 Sttv I V., sobald Jnnocenz sich für die Anerkennung desselben entschiede» hatte "). Es war aber daS erste Mal, daß Friedrich den Vormund seiner Jugend und den Begründer seines künftigen Glückes von Angesicht zu Angesicht sah, ohne Zweifel den bedeutendsten Mann, der ihm je begegnet war, und wie er es vorher versprochen hatte, leistete er ihm nun persönlich den schuldigen Mannschaftscid für Sicilien "). Den Eindruck, welchen Jnnocenz auf ihn machte, können wir darin spüren, daß er sich damals in Rom König von Sicilien und erwählter römischer Kaiser „von Gottes und des Papstes Gnaden" nennt'), und diese viel gebrauchte Formel bedeutete hier mehr als bloße Schmeichelei. Denn Friedrich schuldete in Wirklichkeit dem Papste Alles, seinen Bestand in der Vergangenheit und die Möglichkeit einer Zukunft, jetzt die Mittel eines anständigen Unterhaltes in Rom und nachher wieder die Kosten der weiteren Reise. Nächst Gott verdanke er jenem alle seine Macht, bekannte Friedrich damals in einer Urkunde, durch welche er der römischen Kirche znm Ersatz der auf ihn verwendeten Unkosten, welche sich ans 12,800 Unzen Gold beliefen, außer dem längst verpfändeten Lande des Klosters Monte Casino und den Grafschaften Agnino, Pagano und Sora auch noch die Grafschaft Fondi und das Land bis znm Garigliano verpfän- 0 W. 1, 3» Anm. 1. Dazu Ulliomns U'nseus, dl. 0. 8s. XXII, 510: monäiens et pnnpor nnvignns lloinnm. Nach Xu», Loeenn. I. o. hat Jimo- eenz die Kosten des Aufenthalts bestritten und nachher noch dem Könige eine Summe Geldes mitgegcben. '0 Bd. I. S. 2>0. Auf einen ähnlichen Vorgang weisen die Worte der Linon. i'SA. Lol. x. 17: n cl. pnpn et cznidnsünin prineffnvns Uoinnin vo- ontus, ln reAsm erontnr und der Xnn. dlstenses Loci. Ilern, nr. 20 f. 190 V l?rsel. in impsratoroin n lioinnnis elvetns et n stnpn est lwnnre snseop- tns, ebenso die vom Lliron. Lrsp. s. o. S. 314 Anm. 1 gebrauchten Ausdrücke hin (nur hat das wenig Wahrscheinlichkeit, dass die oollnuUntio popnli vor Anselms Reise nach Sicilien stattgesnndcn haben soll) — sehr deutlich aber die Bannbulle Jnnocenz IV. vom 17. Juli 1245 Ilnill-Urüln VI, 321 ff., wonach die elvetio ncl »»per» cÜAnitntsin geschieht nach der Ableistung des Lehnseides vor dem Legaten Gregor, also nach 13. Febr. 1212, und vor Friedrichs Ankunft in Rom und der Leistung des Mannschaftseides vor dem Papste. — Xnnelorns. Llironogr. n. 1213, der für diese Jahre einige selbständige und sonst wohl zulässige Nachrichten hat, laßt Friedrich in Rom konocliotionis pnritor ot eoro- imtiouis innnns erbitten, was Jnnocenz abschlägt, clioons so leN>tnin enrcll- nnloin in Oormnninin onm oo clostiuntnrnm, der die Fürsten zu seiner Unterstützung veranlassen solle. Das ist bekanntlich so nicht geschehen. ') Jnnoc. IV, 1245 Ilnill.-llrüli. VI, 322: (tiäolitntis inrnmentnin) postgrcnin vonit all nrvoin, vornan luuoooutio snisgno trntrilncs vnrclinn- lilius et nlüs multis zavrsonis, liginin lromiuium in eins Ineions innnivus, innovnvit. Vgl. Xlbert. Ilolrem. heransgeg. v. Höflcr S. 74 und dazu die Bcmerkinlg W. I, 3» Anm. 1. 0 Doch nur in den für den Papst selbst bestimmten Urkunden, Non. Korm. I-o§. II, 223. Vgl. Schirrmacher, Kurfürsten S. 20 Anm. 2. Friedrichs H. Fahrt von Sicilien nach Deutschland, 1212. Z19 dcte Z, Grenzgebiete, über welche Jnnoccnz stets eine Art Mitbc- stimmungsrecht angcstrebt hatte. Eben war Letzterer twm Grafen von Fondi Richard vvn Aquila zum Allvdial-Erbcn eingesetzt worden -); jetzt gab Friedrich ihm auch die freie Verfügung über die Grafschaft nach dem Tode des augenblicklichen Inhabers''). Friedrich konnte darauf vertrauen, daß Jnnoccnz an dieser wichtigen Stelle keinen Baron cinfctzen oder dulden werde, der sich ihren gemeinschaftlichen Interessen nicht fügte. Kurz, wenn er in diesen Zugeständnissen irgend ein Opfer brachte, so brachte er cs der eigenen Sache, deren Bestand und Fortgang für die nächste Zeit ganz mit den Erfolgen der Kirche znsammenfiel. Er war recht eigentlich der Sohn der Kirche, wie ihn Jnnoccnz genannt haben soll Z. Vorläufig sah es freilich mit ihren gemeinschaftlichen Aussichten bös ans. Man hat möglicher Weise zu der Zeit, als Friedrich sich der ihm in Rom gewordenen Ehren freute^), dort noch nichts von dem unerwarteten Rücktritte vieler Fürsten auf die Seite des Kaisers gewußt. Daß aber die Rebellion während des Winters sich jedenfalls nicht weiter in Deutschland ausgebreitct hatte, das muß nothwcndig in Obcritalien und durch den Markgrafen Azzo von Este, durch Petrus Traversara von Ravenna und andere Edel- hcrrcn, welche zur Begrüßung Friedrichs nach Rom gekommen waren §), auch dort bekannt geworden sein. Da war es wohl nöthig, >) Uoul. 1. O. I,og. II. 223; IIuill.-IIiPst. I, 208. Daß die Landeshoheit über diese Gebiete nicht fortgcgcben war, zeigt sich daraus, daß sie in dem Privileg von Eger 1213 nicht unter dem Eigcnthum der römischen Kirche ausgezählt sind. Nach dem Tode des Grafen Richard hat sein früher zu Otto IV. abgcfallener Sohn Roger dem Könige gehuldigt, Jnnoccnz im Namen des Königs die Huldigung empfangen. II)mo. Uo 8. Ilerm. a 1215 p. 337. I-Vodorieum . . . imporatorom Isoit, <>uem tiliuin uominnvit ooolo- sias, in einer Wcltchronik des 13. Jahrhunderts, welche im lüksr äs tomxo- rivus des eoä. bist, benützt ist, s. Dove, Doppelchronik von Reggio S. 150. nodis Homo I'olioitor oxistontibus, heißt es in zwei ungcdr. Urk. Friedrichs für die zu ihm nach Rom gekommenen Aebte von Casanova und Casamari, >212 April. ,4,nn. lUao. (Inolli p>. 426. Azzo ist am 21. März 1212 noch in Mantua gewesen. Not. Jnstr. im Muuicipalarchive Crcmona. I). 24. — Die Vita Iticciaräi s. IlonilaoH m 124 erzählt nach Otto's IV. Abzug aus Italien: lüam uaetus oz>i>nrtuuitntsiu Innoesntum ^^onsm in Iltruriam voouvit, czui nun cum Ilicoiarcio oomito ot. nliguot alüs militia olnris Vorou novi- Uvus, guos urvs ipsa zmntitioi auxilium cum Iiaucl moäiou suoruiu manu in cain oxzmäitionoin pis trnnsinisorat, occlno omnia z>sr bltvonsm in on. roxziono oeoupata rostituit. Das könnte, da Azzo nachher in Obcritalien thätig ist, nur im Frühjahre 1212 geschehen sein, etwa im Anschluß an die ihm 10. Mai crtheiltc Belehnung mit Ancona, durch welche er auch zum Dienste zwischen Radicofani und Ceperano verpflichtet wird. Nlisinor, Ooä. dipl. dom. 320 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. daß der im Wechsel der Zeiten gereifte Jnnoccnz den jungen König in seinem Vorhaben ermnthigte und bestärktes. Da der Landweg wegen der kaiserlichen Besatzungen in Mittcl- italicn viel zu unsicher war 2 ), wurden genuesische Schiffer gedungen, um den König nach Genna zu führen, welches sich ans Rivalität mit dem kaiserfreundlichen Pisa jetzt offen auf die Seite des Prätendenten stellte und ihn höchst ehrenvoll empfing, als er am 1. Mai in den Hafen cinliefo). Nene schlimme Nachrichten aus Deutschland und die Ungewißheit, wie dorthin zu gelangen sei, mögen ihn veranlaßt haben, seinen Aufenthalt in Genna, wo er im Hause des Nicolaus Doria wohnte, über alle Erwartung auszudehnen. Von hier an begannen erst die eigentlichen Gefahren, denen er begegnen sollte, ohne Heer, ja auch von Geld wieder so entblößt, daß die Bürger von Pavia, wie in einer freilich sehr sagen- rcichcn Quelle berichtet wird, die Kosten seiner Ueberfahrt nach Genua nachträglich bezahlt Habens. Genna selbst schenkte dem Könige zu seinem Unterhalte mehr als 2400 Pfund Z und begnügte sich dafür mit einer Anweisung ans die Zukunft. Friedrich nämlich versprach, sobald er Kaiser geworden sein werde, die Privilegien der Stadt zu bestätigen und durch Verleihung des kaiserlichen Fod- rum in der Riviera zu vermehren, obendrein auch noch 9200 Gvld- unzcn baar zu entrichten Die Unsicherheit des Schuldners mag tsinpor. I, 44. Da. alle anderen Nachrichten fehlen, kann man jene weder bestimmt bejahen noch verneinen. Noch schlimmer steht es mit Oronislw di Vi- tsrbo p. 608 zu 1211: 1i Viterdesi ni'inntn nmnu rnzipero 0 distrnssero sl inarelress, slrs ern stuto nmndnto elnl rs Osderiso (?!) 0 enosinrlo da Llonts lOuseons in sino ul Onliuno. Auch andere Dinge, die fast als Unmöglichkeiten zu bezeichnen sind (vgl. S. 196 Anm. 3, S. 229 Anm. 4>, erregen gegen diese Quelle große Bedenken. p Olrron. 8ie. krsve x. 894. 0 Die Absperrung war allerdings nicht vollständig, s. 0 . S. 250 Anm. 1, und Azzo n. A. hatten ja dnrchkommen können. Aber Gefahr war vorhanden und für Friedrich natürlich mehr noch als für Andere. Vgl. Oout, Ouill. 4)'r. XXX, 5 in 299: tpmnt Otss oi dies (daß der Papst Friedrich nach Deutschland schicke), il envoin en Ooindnrdis st sn UPssnns sss insssn^ss 0.2 sits 2 et es elrastsnus st snvoin gwun 2 presouL st Arnrm dons st usssr: proinist :r oenrm, c^ui poroient c^us Is prsisssut st rstenisssnt, Darnach Ornnv. Oixin. Llurnt. IX, 644. si Xnn. dnnuns p. 131; rl.uu. ?Ino. Onslti p. 426. 0 Uroirms Oussus LI. (4. 8s. XXII, SU). Die Oont. Ouill. I. e. läßt irrthümlich die Genuesen den König schon von Gacta abholcn. Z Xnn. dnnuns p. 131. Merkwürdiger Weise erwähnt der Verfasser die von ihm selbst beschworene Urkunde Friedrichs (folg. Anm.j gar nicht. Vgl. Oont, Ouill. U')'r. 1. s.: gsnant li rois Uo 10'unes oi ckirs, (,us n rois dll Ossils estoit n Oenos st gus Otss Urisoit gneitisr Iss eiisinius et Iss dsstroits por Ini prsudrs, il inan (In n Osnosis, (zu'il insissent sost s peius, Diese Begleiter nennen Xnn. INao. Wie der Friedrich begleitende Legat hieß, sagen sic selbst nicht nnd auch in Ilpist. Innoo. XV, 189 fehlt der Namen. Da der Kardinal Gcrard zs. o. S. 265 Anm. 4) am 18. Dccem- ber l2Il gestorben war, s. Xeerol. Eroinon. Neues Archiv III. 137, könnte an Sicard von Cremona oder Lothar von Bcrcelli gedacht werden, welche meines Wissens zwar zuerst 4. Ang. lipiot. XV, 142 als Legaten erscheinen, sicherlich cs aber schon einige Zeit vorher waren. Weil indessen über ihre Anwesenheit in Genna nichts bekannt ist, andererseits aber der Erzbischof von Bari nachher bei Konstanz wirklich als Legat bezeichnet wird nnd handelt, Oonr. elo Vab. p. 171, wird letzterer wohl auch in ^nn. IKne. gemeint sein. Als Legat nä Iioo, zur Förderung blos der Reise, sehe ich ihn deshalb an, weil er neben den Landcslcgatcn, ;. B. Sicard von Crcmona Xota imp. nr. 1074, nicht den Titel führt. DaS Gebiet des Markgrafen von Montserrat wird schon 1212 wegen seines Abfalls durch Alcssandria, Piaccnza nnd Mailand verwüstet. 8dönvinna Xnn. Xlox. p>. I4!>. — Oalv. I'Iannna hinrat. XI, 664 nennt unter den nach Genua Gekommenen auch Azzo von Este und Petrus Traversara. Bon ersteren wissen wir durch Xnn. INao., daß er den König erst am Lambro erwartete. 2) Xnn. I'Iaoont.: Nie vonoris, 11. Iral. anx. Freitag siel aber nicht auf den 22., sondern ans den 2». Juli. 0 Xota im>>. nr. 1142. b) Er übertrug 16. April die dem Bisthum Piaccnza znstehende geistliche Jurisdiktion über Crema auf das Bisthum Crcmona, weil Piaccnza im Bunde mit Otto die Kirche verfolge, Xota iinp. nr. 1139. Am 13. Juni rügt er das Berhaltcn 'Mailands, am >3. Juli das AlessandriaS. lipist. XV, 122. 138. Jahrb. d. dtsch. Gesch. — Wi»kclmann. 17 tto IV. 21 322 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. ihnen ganz ohne Wirkung geblieben. Die Königlichen mußten jedenfalls hier besonders auf ihrer Hut sein. Es war deshalb verabredet worden, daß gleichzeitig von Crcmona her eine Abtheilung unter dem Markgrafen Este sich durch das Gebiet von Lvdi dem Lambroflussc nähern sollte, um nach dem Uebcrgangc des Königs ihm zur Bedeckung zu dienen st. Frühe nun am 20. — man war die ganze Nacht hindurch geritten — kam Friedrich am Lambro an und der Verabredung gemäß erschienen ans dem anderen User die Cremonesen. Aber auch die Mailänder hatten sich Tags zuvor ausgemacht, um rechtzeitig zur Stelle zu sein und den „Zaunkönig" st wegzufangen. Sie fielen über die Mannschaft von Pavia her, brachten ihr eine tüchtige Einbuße an Dodten und Gefangenen bei, haben aber gerade ihren Hauptzweck nicht erreicht. Das Wild, dem die Jagd galt, war schon entkommen. Wie berichtet wird, schwamm Friedrich auf einem ungcsattelten Pferde durch den Fluß, und mochten die Mailänder nachträglich spotten, daß er „seine Hosen im Lambro gewaschen habe" st, er war bei den jenseits harrenden Cremonesen schon in Sicherheit gebracht, als diesseits das Gefecht sich entspann. Am 30. Juli traf er wohlbehalten in Crcmona ein 'st. Neuer Aufenthalt von drei Wochen aus uns unbekannten Gründen. Wahrscheinlich mußten erst wieder Erknndignngen nach einem Wege eingezogcn werden, auf weichem cs möglich war, trotz der Wachsamkeit der Mailänder und der anderen Frcnnde des Kaisers sich durch die Berge zu stehlen. Sv verließ Friedrich erst am 20. August die schützenden Mauern Cremona's st; über Mantua, welches ja längst mit Crcmona im Bunde stand und damals Azzos 0 lieber den, wie es scheint, zu demselben Zwecke beantragten, aber wohl kaum gewährten Zuzug Parmas s. n. Urkunden Vit. st Xotae s Oeoi'g'l lälediul. iVl. (1. 8s. XVIII, 388. st Xuu. Llodiol. iniuorss, Und. p. 388. st Nach Xnu. dun. p. 404, Uluesut. (duolii p. 426, I'Iuevilt. Oidell. p. 468 und in einer sehr frühen Interpolation der von Salimbene bcniitztcn Fortsetzung des Sicard cs- Dove, Doppcichron. von Reggio S. 138. 138) erfolgte der mailändische Angriff, als die Pavesen heimzogcn, Friedrich also schon abgeliefert war, und das wird bestätigt durch Jnnocenz' Strafbnlle gegen Mailand 1212 Okt. 21. Upist. XV, 188: eum Uuplcusks b'rod. da uoslr» innudato voudu- esreut, iiuo iuru eouduxissout st reesssisseut atz vc> . . ., dietos uslpritor iuvusistis. Dagegen Olirou. Oreinou. Urove ill. 61. XV11I, 806 und UIw- uurs Unsens id. XXII, 510 lassen den Angriff geschehen, als Friedrich noch westlich vom Lambro war, und der Spott der Mailänder scheint zur Boraussetzung zu haben, daß er nur mit knapper Noch und in Eile ihnen entrann. — Die Angaben über den Verlust Pavias gehen sehr weit auseinander. Vgl. W. I, 134 Amn. 4 und dazu Xnu. 1'Iueent. p. 426: uiuplius inille do umio- i'IUns et lusliorivus IMpiv eeporuut, während Xotae s. (denrg-. illvdiol. 1. o. nur usczus ad 140 clv ineUorivus Unpie angcben, und dies Letzte dürfte der Wahrheit mehr entsprechen als Jenes. Oulvau. IPIniuinu p. 664: plus gunm 200 urilites de Uapia. eapti. — Ulioiuus I. e. fügt in Bezug ans Friedrich hinzu: Ilie eins odiuiu eontru illsdiol. ueeopit iuitiuiu, >prod Ipsuiu oupsre volusrunt. st Tun. illlneeut. I. o.: die luue (20. Aug.), 14. Irul. 8ept. (18. Aug.). Friedrichs II. Fahrt von Sicilien nach Deutschland, 1212. Z2Z Sohn Aldobrandin von Este zum Podcsta hatte, gelaugte er am 25. nach Verona Z. Ju allen Städten aber, welche er auf seiner Reise berührte, empfing man ihn schon mit kaiserlichen Ehren ch; überall glaubte man an seine Zukunft, machte sich aber auch mit dieser bezahlt. Wie gering der Werth seiner Versprechungen im Augenblicke auch sein mochte, Cremona hat solche ebenso wenig wie Genua verschmäht. Als die Cremonesen ihn in Mantua abgclicfert hatten, mußte Friedrich am 22. August ihnen geloben und von dem Erzbischöfe von Bari in seine Seele beschwören lassen, daß er nach Erlangung der Kaiscrwürde das thun wolle, was Otto IV. verweigert hatte, nämlich Crcma und die Jnsula Fulcherii an Cremona zu überliefern; ans der nächsten Station in Verona ward darüber eine Urkunde ausgenommen, welche in ihrer Formlosigkeit die damalige Dürftigkeit und Eilfertigkeit des königlichen Hofes getreu wiederspiegelt Großen Gefahren war Friedrich bisher glücklich entgangen; aber alle Anstrengungen waren verschwendet, wenn es ihm nicht bald gelang über die Alpen zu kommen und auf deutschem Boden den Zauber seines Namens zu erproben, bevor Otto IV. dort die letzten Reste des Widerstands nicderwarf. Friedrich ist nun vvn Verona erst das Etschthal hinaufgegangen bis Trient U; statt aber weiterhin der großen Straße zu folgen, welche ihn in den Bereich der Herzögc von Meran und Baicrn geführt Hütte, die damals ') Inschrift an S. Stefano zu Verona (anscheinend erst nach 1220 verfaßt, aber nicht viel später): VII. sxeunts nunusto HI. 00. Xll. ruck. XV. rsx vsirit priino Vseromim). Ilinueoliui, Xotims I, 20. Die Urkunde für Cremona hat zwar die Angabe: Ilntn Versus ckis snbnti XXIIIl. nngarsti, aber Samstag war der 25. ") /Lim. INneout. 1. o. über den Empfang in Pavia — pnllium srrpsr sum portnutsb, nt No eousrrstuckius imperraiis ost lunguitrrckruis — und in Cremona; Lienrckus p. 025: älnutunm st Vorounm st 'I'ricksutrrm Islisitsr trnusieus, in siubulis nrbibns oxstrtit gloriosus; a^uu. Verou. p. 6: Vrrit in mniors eeelssrn. Versus Ireuiguo rossptus. 2 Vetn imp. irr. 1074 von italienischen Notaren wie ein Notariatsinstru- ment concipirt, aber datirt von dem Protonotar viosckomiurrs Vricksutimrs Bertold von Reifen, der hier zuerst auftritt und in dieser Würde blieb, bis er 1217 Bischof von Brixen wurde. Stalin II, 578 ff. Vgl. Ficker, llrkundenlehre I, 41. 142. 286. 347. ch S. o. Anm. 2. Graf Richard von S. Bonifazio hat sich hier wohl verabschiedet: Vita p. 124: ennr ennr Vsrousnsibrrs nscino nck Xlprrrur nngrrstins sst prosseutus. Bon Azzo von Este heißt es Ilolnuck. 1, II p. 44: Vreck. pvr I^ombarckinm srnn mngmn muitrtnckius militrrnr rrsrprs in 2l.1e- innnnimn soeinvrt. Azzo ist nachher in Deutschland nicht nachweisbar, wird also den König vielleicht nur bis zur Grenze geleitet haben, wo Andere seinen Schutz übernehmen konnten. Auf seine Leistungen für Friedrich bezieht sich der folgende Satz, daß das Imperium sxnltntum psr sum st a mrrurbrrs «guö- rumlnm tvrnuuornur prncksutsr st snpivutsr srsptum worden sei. — Begleiter über die Alpen war dagegen unzweifelhaft der Bischof von Trient, der schon am 20. Scpt. bei Friedrich in Basel vorkommt. 21 * 324 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. wieder für gut kaiserlich gelten kannten, verschwand er gleichsam in den Bergen: plötzlich erscheint er in Chur st. Es war gewiß nicht gleichgültig, daß Friedrich zu seinem ersten Auftreten in Deutschland gerade Gebiete geistlicher Fürsten wählte, für welche das Wart des Papstes dach von ganz anderem Gewichte sein mußte, als bei irgend einem weltlichen Herrn. Der Bischof Arnold van Chur, ein geborener Graf von Matsch, gehorchte der Weisung von Rom und geleitete den König weiter-); der Bogt von Psäffers Heinrich von Sax, von Otto IV. in seinen eigenen Interessen geschädigt, verstärkte das Geleit; als Friedrich über den Ruppen st nach S. Gallen kam, wurde er vom Abte Ulrich mit Ehren empfangen; schon hatte er 300 Mann um sich, mit welchen er sogleich auf Konstanz zog. Aber der dortige Bischof Konrad von Tegcrnfeld schwankte, und war eigentlich mehr geneigt, den Kaiser in die Stadt ausznnchmcn, der auf der anderen Seite des Sees bei lleberlingcn stand, Diener und Köche schon herüber- geschickt hatte und in wenigen Stunden selbst eintreffen sollte. Es war ein Augenblick, in welchem für Friedrich wieder Alles zweifelhaft wurde. Bon Konstanz ausgeschlossen, in die Alpenthälcr zn- rückgedrängt, würde er in Deutschland, wo man Otto's Autorität kaum mehr zu bestreiten wagte, schwerlich je aufgekommen sein; selbst der Rückweg nach Italien hätte bedenklich werden können. Da war cs doch wieder der Papst, der, wenn auch nur mittelbar, des Staufcrs Retter wurde, indem sein Legat Berard von Bari dem Konstanzer Bischof die Excommunication des Kaisers ins Gedächtnis) rief: endlich faßte jener sich ein Herz, sicherte die Rheinbrückc gegen den Kaiser und ließ den Practcndentcn in die Stadt einst. h 8ienrü. 1. s.: Xxincls (von Trient: por Onrinnr intrnviVXInnmnninm; OIrron. Vrsp. p. 377: . 827: a ennetis prinestnlms et noiuuims snpsrlo- rnm partium lotns susohntnr; llüron. dünnpotr. p. 55: t'orma erodresosnts üe aiivontu Drülcriei, oastra, oivitates et oppicka illnstrautur, populi acl eum tavoraUUitar eoackunantur et contra Ottoncm elarnor cxoritnr etc. st läirou. Drsp. p. 377. Hnrter III, 121 Amu. 10 t hcruit sich auf Calmct dafür, daß Friedrich dem Ilouriens 000 Mark versprochen habe, iiuantoci'us Deo «laute poenniam Uadncri- mus — ein SRißverständisi der Urkunde für den Herzog von Lothringen (s. u.), nach welclicr die Genannten vielmehr des Königs Bürgen für jene Gelder sind, st (lock. tradit. IVvissounu;;. )Iss. bei Stalin II, 162 Anm. 2. ') lieber die bei Friedrich in Basel Anwesenden geben die drei Urkunden vom 26. Scpt. für Otakar von Böhmen und Heinrich von Mähren (s. u.) Auskunft. Geschrieben sind sic per manus IlenricI Uc Darioius ubairis?k notarii ot tlilelis uostri, ausgchändigt p. m. Illrici vlceprotonotarn, welche beide nur hier Vorkommen, und zwar während der Protonotar Bertold von Reifen unter den Zeugen steht. Zur Besiegelung diente noch die sicilische Goldbulle des Königs, II. II. I. 216. Bgl. Ficker, Urkundcnlehre II, 345. 326 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. sach festsetzte. Er rechnete außerdem auf die Unterstützung des Herzogs von Zähringen ') — mit welchem Grunde, wissen wir nicht. Dieser aber rührte sich nicht und die Zuchtlosigkeit der kaiserlichen Truppen, es werden geradezu die Sachsen genannt, verhalf dem Gegner wieder zu einem mühelosen Triumphe. Denn die frechen Ucbcrgriffe der Besatzung trieben die Einwohner zu männlicher Selbsthülfe; sie erschlugen alle ihrer Peiniger, deren sic habhaft werden konnten, und jagten durch ihren plötzlichen Aufstand dem Kaiser selbst solchen Schrecken ein, daß er sich Hals über Kopf aus der Burg davonmachte Unter dem Schutze des Markgrafen von Baden zog er mit den unzureichenden Trümmern seiner Mannschaft nordwärts ab^). So waren nun auch die gewaltigen Hülfs- mittel der rheinischen Ebene ihm verloren, und was das heißen wollte, wird er ebenso gut gewußt haben als die Zeitgenossen, welche ganz richtig hcrausfühlten, daß cs ihm schwer fallen würde, diese entscheidende Wendung auszuglcichcn Z. Man meinte, daß ihm doch die rechte Vorsicht und Umsicht mangele; zur Unrechten Zeit sei er dann minder störrisch ^). Friedrich aber zog nun ohne jedes Hinderniß durch das Elsaß, von Stadt zu Stadt. Bischof Lutold von Basel geleitete ihn bis zur Grenze seines Sprcngcls bei Kalmar"); dort trat der Straßburger Bischof Heinrich von Beringen ein, der 500 Ritter bis Basel dem Könige entgcgcngeführt hatte?). Die Reichsburg Hagenau >) Xnn. Ulnrbne. p. 113: nckbue turnen bubens lickrrobun in solo clrreo cle Geringen. -) Oliron. Hrsp. I. o.; Xnn. ltlurbue. I. e.; Oliron. Xbersb. ltl. O. 3s. XXIII, 450 und am ausführlichsten, aber fast novellistisch Hieb. 8enon. I II, 13, Xontss III, 35. Als des Kaisers Retter wird hier der Herr von Nscnbcrg (bei Kenzingen) genannt, der ihn aus einem Pförtchen läßt; nach Oliron. Xbersb. muß er per erepirlbrern rnontis hcrabspringcn. Bgl. auch Sachscnchron il. 348; Schöppenchron. S. 137; Orrill. Urito p. 85. — lieber die Lvkalvcrhältnissc — der Kaiser wohnte wohl in dem an der südöstlichen Ecke des Schlosses gegen die Stadt hin gelegenen sog. Rittcrhaus — s. Martin, Die Zerstörung Breisachs i. I. 1793 (Freib. 1874) S. 5. in. 2) Oliron. Xbersb I. e.; Xnn. ltlurbuo.: eonrlrresntibrrs eum czrribrrs- rlunr terre uobilibrrs. Diese Sachlage haben auch wohl Xnn. Ool. nrux. p. 827 im Auge: Otto eum exervitrr Uli oeeurroro stutrrit, soll vicksns in- lii'miorsm purtvnr suurn, ckinrisso oxsreitu overrlte nct inleriores partes se eontullt. Otto datirt am 7. Oer. Xotu Imp. nr. 178 aus Ill'ret (ob Bop- pard?) h Obron. Xrsp. im Anschluß an die Flucht von Breisach: brboriosv sntis in Luxoniurn rvcliit et eie regno pellitnr; Olrron. Xberslr. ebenso: in rozpno Posten non eompuruit, und Hieb. 8vnon.: Xt bev trrorrrrit initiu clolornin snornnr ote. h Xnn. ülurbrre. I. o. rücksichtlich des Mißgeschicks bei Konstanz: pre- vulere non potnit, iprriu pro tenueitute srru nrrrltu ouin relincprebuut. Schöppenchron. 1. v. in Bezug auf den allgemeinen Abfall: ckes nebtecke cke beisvr nivlrt, rvente be stricbbeb rvus nnrl nielrt vorsielrtieb: rbrr norme verlos bs vsle rverckiebsit in sinen ckuAen. Hieb. 8enon. III, 18. Xontes III, 42. ') So Oliron. Ilrsp. Aber Obron. Xberslr. I. e.: Uusileum äeveniens et incle Iluglnorvrrrn cknetns, ab XrAvrrt. epo reeipitur irr rez-no. Aber sollte das Komma nicht besser hinter episeopo stehen? Friedrichs II. Anfänge in Deutschland, 1212. 327 war noch von Kaiserlichen besetzt: Herzog Friedrich von Lothringen unternahm es sie für den Staufer, seinen Vetter, zu erobern. Zu Anfang des Oktober konnte der König schon hier zeitweilig seinen Aufenthalt nehmen Z. Inzwischen mehrt sich die Zahl der Fürsten au seinem Hofe oder derer, die mit ihm in Verbindung treten, und die Schenkungen und Verheißungen, welche fast allein den Inhalt seiner Urkunden aus diesen Wochen ansmachen, geben eine ziemlich sichere Vorstellung von den Mitteln, mit welchen jenes Wachsthnm befördert worden ist. Dem Könige von Böhmen, der seine Forderungen, wie cs scheint, schon zu Basel an Friedrich zu bringen gewußt hat, war gleich dort das große Privileg Philipps von Schwaben, welcher Böhmen zum Königreiche erhoben und die Pflichten desselben gegen das Kaiserreich normirt hatte, bestätigt morden und zwar in ausdrücklicher Anerkennung der Verdienste, welche Otakar sich um Friedrichs Königswahl erworben Habens; er erhielt außerdem noch eine Anzahl Rcichsgütcr zum Geschenke und ebenso sein Bruder Markgraf Heinrich von Mähren ^). Herzog Friedrich von Lothringen läßt sich geradezu dafür, daß er übcr- getreten ist, 3000 Mark versprechen, wozu noch 200 Mark für sein Hofgesinde kommen: der König hat natürlich kein Geld, hilft sich aber damit, daß er für ein Drittel jener Summe dem Herzoge Ros- H Ilisic. 8suou. III, s. 10. 20. Ooguutus ist der Herzog, well seine Großmutter Bertha und Friedrich I. Geschwister gewesen waren. Stalin II, 163 Änm. I. Als Berthcidiger Hagenaus wird hier ein uovilis luilss äomiuus Na Oosiuvsi-sl« genannt, und die Burg ergab sich nicht so bald: I?riä. nä iu- tm-ioi-ss zuiitss ^Visiunimis ässssuäsrs voleus, «Inosin enin sxsrcitu in odsiäious Il!>Nsno>'o äimisit. Dein steht entgegen, daß Friedrich selbst anscheinend nicht über Hagenau hinansgegangen ist; daß Ilsiu. Usoä. p. 664 sagt: 10-, ab omuidus enrns Imvstni': llngchsuou iu^rsältur msuss Octobri; daß cs entsprechend in Lun. blarb. heißt: ovsssso st äsciito silä Castro IlgAS- uocvs, guoä uäkuis tsuvlmut liäsiss Ottonis, veuislmt äs sivituts in civi- tntsin sts. und endlich, daß Friedrich selbst hier schon 5. Ott. wiederholt urkundet, während er 26. Scpt. noch in Basel gewesen war. 0 1212 Scpt. 26. IIsp;. 10-iä. 41. Außer an den dort angeführten Stellen gedruckt in OnIIcncva s. 60 (blsuslrsu III, 1710), II. II. I, 216 und nach Orig. I'irvsn, IlsA. Iloli. ur. 531. lieber Philipps Urkunde s. Bd. I. S. 135. Vgl. Kontny, Der Przemyslidcn Thronkämpfe S. 72. ->) 1212 Sept. 26. Ilex. lO-iä. 42. 43; II. II. I, 218. 220; nach Orig. Irrbsn nr. 532. 533. lieber die Kanzlei in diesen Urkunden s. o. S. 325 Anm. 4. Schirrmachcr I, 83. 250, 5 schließt aus dem Umstande, daß Otakar und Heinrich in den Urkunden nicht genannt werden, auf ihre Abwesenheit; aber selbst wenn sie anwesend gewesen wären, hätten sie doch nicht in den für sie bestimmten Urkunden als Zeugen genannt werden können. Eine Urkunde, in der Otakar sisiKsus Ilntisvoiuuu in occursuin 10-iä. Ilom. regis äs Hpulia. veuisutis oon den Kauflcuten zu Äladrnb 50 Mark entliehen zu haben bekennt, Ilrbsu uw 530, läßt sich aller Daten entbehrend mit Sicherheit weder auf Otakars Reise nach Basel, Scpt. 1212, noch ans den Besuch des Hoftagcs in Regensburg, Fcbr. 1213, deuten. Die Sache liegt so: daß Otakar den König bald nach seinem Eintreffen in Deutschland zu besuchen gedachte — ob er cs ausgcfnhrt hat, muß dahingestellt bleiben —, zeigt der Ausdruck äs äpulin vsuisntis; daß er znm Hoftagc in Frankfurt, Dcc. 1212, kommen wollte, sagt Oiiiou. 8niupstr. p. 55, und die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß er dort war; nachweisbar ist er aber bei Friedrich erst in Rcgcnsburg Fcbr. 1213. 328 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. heim im Elsaß verpfändet und einige seiner Anhänger willig macht für den Rest Bürgschaft zu leisten '). Anselm von Justingen ward für die Gefahren, welche er um Friedrichs willen ausgestandcn hatte, mit der Würde des Rcichshvsmarschalls bedacht, deren eigentlicher Inhaber Heinrich von Koldcn anscheinend damals noch znm Kaiser hielt. Da bei dem kaiserlichen Truchseß Gunzelin von Wolfen- büttcl von vorne herein an einen Uebcrtritt nicht zu denken war, übertrug Friedrich das gleiche Amt an seinem Hofe dem mächtigen Rcichsdienstmannc Werner von Bolandcn: es war der Lohn für die Hülfe, welche er den Pfaffcnfürstcn am Rhein gegen Otto geleistet hatte 2). Umsonst will Niemand Eide gebrochen und Eide geschworen haben. Man sollte denken, daß es wenigstens bei den geistlichen Fürsten eines solchen Aufwandes nicht bedurft hätte, da sie ja nur den Befehl des Papstes erfüllten, wenn sie sich Friedrich anschlossen, und aus ziemlicher Bcdrängniß befreit wurden, wenn er emporkam. Lohn heischen jedoch auch diese und nehmen ihn sich, indem sie dem geldarmen Könige die Verzichtlcistung ans die Kirchlchen der Krone abdringen, welche Otto IV., insofern sie nicht etwa schon früher verloren gegangen waren, zähe festgehaltcn hatte. Erzbischof Sigfrid von Mainz und Bischof Lupold von Worms ließen sich das gleich bei ihrem ersten Erscheinen vor Friedrich in Hagenau neben anderen weniger wichtigen Dingen vcrbricfen, der letztere zugleich rücksichtlich der Abtei Lorsch ^). Der wcltklnge Bischof von Speicr Konrad von Scharfenberg dürfte ebenfalls in dieser Beziehung die Gunst der Verhältnisse nicht ungenützt vorübergelasscn haben, obwohl er persönlich noch in anderer Beziehung Nutzen zog. Er verschaffte sich nämlich von Friedrich die Belehnung mit dem Bisthum Metz, zu welchem er im Frühlingc erwählt worden warH, ohne u 1212 Okt. 5. II. 8. I, 222: ejnock nck nostrum ckllelinavit olwesininni. Ilieli. 8enon. III, 20 gicbt die Summe, für welche RoSheim verpfändet war, irrig auf 4000 Mark au. Vgl. obcu S. 225 Am». 2. Anselm und Werner erscheinen in iliren neuen Würden zuerst 5. Olt. in der Urkunde für Lothringen. lieber Kaldcn s. Ficker, Reichshofbeamte S. !8 ff. Doch ist IteA. Ott. nr. 185, auf die Ficker Bezug nimmt, so bedenklich, daß die Urkunde nicht als Beweis für eine andere dunkle Sache herangczogcn werden darf. Kabdcn ist mit Sicherheit bei Otto zuletzt 1212 Mai 21 Itvx. nr. 172 nachzuweisen; während des thüringischen Feldzugs wird er nicht genannt. Ob er der Marschall Heinrich ist, der in Otto'ö Urkunde ans Wirzburg vom 5. Sept. vorkommt, ist mir sehr zweifelhaft, da dieser am Ende der ganzen Zcugenreihe steht und eher ein Würzburger Amtmann sein dürfte. ") 1212 Okt. 5. II. 8. I, 223. 225. Vgl. Ficker, Hccrschild S. 43. st Oslmot, Hist, clo 8orr. II. (1128) p. 270 gicbt als Ursache, weshalb Wilhelm von Joinville (s. o. S. 254) nicht dnrchdrang, nach Ilsnoit, Ilirck. inss. üa blet-i, seine Geburt als Franzose an. Die bei blllnrisss, llist. cks blstx, >>. 441 ff. mitgctheilten Urkunden Ronrads beweisen, daß die Epoche seines Metzer Pontificats zwischen 28. April und 28. Juli 1212 fällt. Die unumgängliche Erlaubnis; zur Annahme der Wahl unter Beibehaltung von Speicr, wird ihm ohne Zweifel Sigfrid von Mainz als Legat crtheilt haben, mit welchem er gegen Otto zusammen gehalten hatte und hier zn Friedrich kam. Auffallend aber ist, daß Jnnocenz ihn 1212 Okt. 18, lipist. XV, 687, bloS Bischof von Metz nennt. Friedrichs II. Ansänge in Deutschland, 1212. 329 daß cr durum sein bisheriges Bisthum aufgab. Indem er ferner das Amt des Rcichshvfkanzlcrs, welches er unter Otto IV. verwaltet hatte, ohne Weiteres auf Friedrichs Seite wieder antrat ^), ward dieser gewandte, stattliche, mit allen Vorzügen des Geistes und des Körpers glänzende, aber stets ehr- und geldbednrstige Mann geradezu die Seele des staufischen Hofes — der beste Beleg, wenn cs eines solchen noch bedurfte, für die allgemeine Wahrnehmung, daß der Begriff politischer Ehrenhaftigkeit den Großen Deutschlands, wenige ausgenommen, vollständig abhanden gekommen war. Während also „Friedrichs Reich von Tag zu Tag sich mehrte", hatte Otto sich ganz nach dem Niederrhein zurückgezogen, nach Köln ?), in die Gcburtsstätte seines HcrrscherthumS. In Aachen hielt er dann zu Ende des November eine Musterung über seinen dortigen Anhang: er sah bei sich den Herzog Heinrich von Brabant, auf den fr'eilich frühere Erfahrungen kein großes Vertrauen zu setzen erlaubten, die Grasen von Berg, Jülich und Kessel, den Edelherrn von Heinsberg, manche kölnische Stiftsherren und Vasallen, von Rcichsbcamten den Schultheißen Arnold von Aachen und Gerhard von Sinzig, den Burgvogt der feste» Landskron ^). Aber cs fehlten schon die Grafen von Äre und von Hochstaden, und sämmtliche Angehörige des mächtigen Grafenhanses von Berg und Altena, welches nicht mehr kaiserlich sein konnte, nachdem von gegnerischer Seite Adolf von Altena der Rückweg auf den erzbischöflichen Stuhl Oder ist dieser Titel gebraucht, weil eS sich um Metzer Angelegenheiten handelt? jronrad selbst bat oft nur einen Titel gebraucht. Die desto. epor. Llott. V. O. 8s. X, 547 charaktcrisiren ihn übrigens bei Gelegenheit seiner Wahl als vir strennns, ex Ventonieornm proxenie ortnnr (Kreons hm Gegensätze zu Joinvillc?), ekrrus sunxnine, serl nokilior irrorikns 6t virtrrte et intsr prin- cipes imperii vennstute Personals st corporis elexuntia deeorutns, und in seinem Verhältnisse zu Metz selbst, da er fortwährend mit Reichsangelegcnhciten beschäftigt war, nee possst in LIetensi diocesr nisi raro et invclieo snain pressntianr exikere, turnen in eins aksentia. tama prokitutis provictentis et virtntis eins militante, terrum spatns contra lortes et potentes viri- litvr protexit. Ein llrthcil des Xlkriens über ihn s. o. S. 264 Anm. 2. Pi Daß cr nach dem Abfälle von Otto IV. den Kanzlcrtitel fortführtc, s. o. S. 264 Anm. l. Am -l. Ang. erhielt er eine Bestätigung vom Papste, I'. nr. 457 l, NM die er also spätestens zu Anfang des Juli nachgesucht haben muß. Inzwischen hatte er noch im Sommer 1212 , wir wissen nickt worüber, mit Johann von England verhandelt, et'. Ilotnlns misas rex. dotr. n. XIV zu 1212 Scpt. 24: .Kux. lioberto elsrieo epi cle 8piru snnti ucl clominnm snnin de rlono 4 mre., in Iloennr. illusrr. ot'Ixnxlisk Irrst, in tks 13. esrr- tnr)-, k)- II. Ools (kond. 1v44. t'ol.), p. 242. Als I'. List, st 8pir. epns, imp. unle euneellarins erscheint cr zuerst in Friedrichs Urkunden 5. Okt. für Mainz und Worms. p Lstagd. Schöppcnchron. S. 137; Hein. k,eod. p. 665, vgl. Xnn. Ool. mux. p. 827, s. o. S. 326 Anm. 3; Oont. Olunstroneok. III. p. 635: Otto Lstnestres copius I'rid. rsxis deelinuns tines Oolonis udiit. Oolonia et Xrznisxruni eunr Ottone sno rolrellunt. 2) .kein. Imod. p. 665 zum Nov. 1212. Vgl. die Zeugen in Ilex. Ott. nr. 176: Aachen 3V. Nov. Allster den Genannten waren in Aachen noch Gras Rainald von Bonlogne und Otto's Nesse, Heinrich d. I. von der Pfalz, beide ohne Bedeutung für diesen Schauplatz. 330 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. vvu Köln eröffnet worden war. Der Bischof Hngo von Lüttich hatte schon längst dem Kaiser den Gehorsam anfgekündigt; Erzbischof Johann von Trier war am 15. Jnli gestorben und durch den Propst von S. Panlin Dietrich von Wied ersetzt worden, der aber znm Gcgenkönige hieltst, und als am 5. Dccembcr auch der Bischof Dietrich von Utrecht starb, da erschienen dort die bischöflichen Brüder Otto von Münster und Gerhard von Osnabrück, welche dem Kaiser wegen der Begünstigung des gegen den letzteren in Bremen erhobenen Waldemar zürnten; sic setzten es im Vereine mit den Grafen Gerhard von Geldern und Wilhelm von Holland bei dem Domkapitel durch, daß dasselbe die Bestimmung des Nachfolgers einfach dem mitgckommcncn Erzbischof Adolf von Köln überließ, der dann den achtzehnjährigen Otto von Geldern, den Bruder des regierenden Grafen, zum Bischöfe von Utrecht ernannte^). Sv erhob sich selbst im Rücken der kaiserlichen Aufstellung bei Köln und Aachen schon ein weitverzweigter Widerstand. Der Kaiser war an den Nicderrhein znrückgcgangen, um hier frische Kräfte zur Offensive gegen Friedrich zu'sammeln, und am Geldc mangelte cs ihm nicht, da König Johann von England eben 10,000 Mark st z„in Geschenke gemacht und gleich darauf wieder 1000 Mark geschickt hatte st; etwas Ordentliches kam aber trotzdem nicht zu Stande. Otto gedachte anfangs Friedrichs Wahltag in Frankfurt zu sprengen, setzte auch dazu an, mußte aber die Unternehmung wieder anfgeben, weil die verfügbaren Strcitmittcl nicht recht ans- rcichcn wollten st. Nachdem er Weihnachten in Bonn gefeiert hatte o), verwüstete er daS Gebiet des rebellischen Grafen von Hoch- staden und zog dann weiter rheinabwärts gegen den Grafen von Holland, der sich nun allerdings dazu beqncmtc, am 13. Januar 1213 zu Nimwegen seine Rcichslchen aus der Hand des Kaisers zu empfangen st. Aber konnte dieser im Ernste glauben, daß er h Gör;, Reg. d. Erzb. v. Trier S. 31. Dietrich ist im Dcc. bei Friedrich II. zu finden. H. II. I, 233. -) Oost.-r op. Tr-usiN. HI. 61. 8s. XXII, INI»; Xnn. 8t.acl. 353. Gerhard von Geldern erscheint wenigstens >213 als Feind des Kaisers und daß der Graf von Holland am Ende 1212 nicht zn den Freunden dcS letzteren zählte, beweist gerade seine Bctheilignng an den Borgängen in Utrecht. 2) Sndcndors, Wclfennrk. 'S. 88. 0 Das Geld (nä opns im>wratoris clo äono) wurde nach Ilotulns inisno a. XIV 1ol>. in Doenin. illustr. ob IIiiKl. Iiist. Ii)- II. Oslo (s. o.l pi. 213 am 27. Scpt. dem kais. Boten Konrad von Wilde angewiesen. Dieser ist am 30. Nov. in Aachen, lieg. Ott. nr. 170. lloln. Oeocl. p. 665: olsationoin Vroäorioi iinjioiliro voluit, socl non pvrt'oeit ot Ita onin Hanois revosslt. ", Oliron. re§. Ool. p. 17: In ouins oonlinio ot oiron llliouuin Uno IIInccjUL nliljuanto so toinporo ntzons. 0 lioin. x. 666 zn Anfang 1213: Otto annr X^nonsivus ot ooinltom Inlinoansi eoinitoin Ilostackio iinpatit .. . . eni illo virilitor rosistit. Ich denke mir die Verwüstung non Hochstaden so in Verbindung mit dem Vorstöße gegen Frankfurt,, daß sic erfolgte, als dieser scheiterte, also auf dem Rückwege. Ilölinioi', lio^. Iinp. IN 6> hat für llostnclie stillschweigend Ilollanckio gesetzt, und obwohl die Nothwendigkcit solcher Aendernng nicht einleuchtct, muß doch Friedrichs II. Anfänge in Deutschland, 1212. 331 mit solchem Umhcrtcistcn dem Gange der Dinge in Deutschland eine günstigere Wendung zu geben vermöge? Irren wir nicht, so war Otto schon zur Zeit jener Tagfahrt in Aachen, welcher auch Graf Reginald von Boulogne beiwohnte, zu der Ueberzcngung gekommen, das; die Entscheidung des Thrvnstreites nicht auf dem deutschen Schauplätze, sondern in dem großen englisch-französischen Conflikte zn suchen sei, wo er der unmittelbaren Hülfe Englands versichert sein konnte und seinerseits auch diesem wieder Hülfe zn bringen im.Stande war H. Während er selbst etwa in der Mitte des Januar 1213 nach Sachsen zurück ging ch, mochte das von seinem Oheim in verschwenderischer Fülle über den Nordwesten anSgestreute Geld dort statt der Waffen den Bestand der kaiserlichen Sache aufrcchthalten. bis der große Alles entscheidende Schlag gegen Frankreich geführt werden konnte. Die Solidarität der englischen und welfischen Interessen führte von selbst den engsten Anschluß Friedrichs an Frankreich herbei, welches den ersten Anstoß zu seiner Erhebung gegeben hatte. Auf Veranstaltung des Hoskanzlcrs begab Friedrich sich nach Toul und in die Gegend von Baneonlenrs, wo er am 13. November zwar nicht mit König Philipp selbst, der angeblich verhindert war, aber doch mit dem französischen Thronfolger Ludwig znsammentras ^). Von den Ergebnissen ihrer Verhandlungen ist indessen nur dasjenige bekannt geworden, was Friedrich von seiner Seite versprochen hat. Er verpflichtete sich nämlich, mit Otto oder Johann von England oder deren Helfern keinen Frieden cinzngehcn ohne Wissen des französischen Königs und keinen Gegner desselben in seinem Lande zu hegen, — soweit seine Macht reiche, fügt er im daszugegeben werden, das; Otto'S Aufenthalt zn Nimwegen und die dort ausgestellte Belehnnngsurknnde für Graf Wilhelm von Holland vom 1.1. Jan. 1213 joorlrdaelr. vnn llollnnä 1 nr. 2291, znsammcngchaltcn mit Wilhelms feindlichem Verhalten einige Wochen zuvor ls. o. Anm. 21, zn der Annahme drängen, daß der letztere in irgend einer Weise zur Unterwerfung gebracht worden ist. Vgl. folg. Anm. si Auf eine solche Auffassung deutet auch die von Kg. Johann am 28. Jan. I2!3 aceeptirte Absicht des Kaisers, seinen Bruder und die Grafen von Holland und Boulogne nach England zu senden. OorüonUenIi. v.-rn llollnnel I. nr. 239. Am 27. Jan. ist er schon in Brannschwcig. Orig. Orrslt'. III, 818. Die Vermittlung Konrads von Metz erwähnt Orrill. Ilrito p. 85, den Tag Ilel». I-eoU. p. 665. Vgl. Xldrieus z> 896. lieber die oft zu Zusammenkünften gebrauchte Stelle IMInnsr, IleA. imp. 1216—1313 p. 217. Calmct erzählt nach Ilenoit, Hist. Kss. ela Älotü, das; der Congreß dargcstellt sei in einem Bilde der Kirche S. Martin szn Vaucoulcurs?) und daß Rignu, der Ort desselben, deshalb IliKninens nä nnlnni rsgünm, Rignu-la-Salle, genannt worden sei. — Oont. Orrill. 'I'vr. XXX, 6 p. 302 berichtet von einem gegen Friedrich während seines Aufenthalts in Lothringen beabsichtigten Mordanschlage; er spricht davon vor der Erzählung vom Congreß, aber nach der von Friedrichs Krönung in 'Aachen 1215, so daß eine Zeitbestimmung nicht möglich ist. Der Graf von Bar soll von der Sache erfahren, den König von Frankreich und dieser wieder Friedrich unterrichtet haben. Online!, Ilist. Us Oorrnins III, 3 entnimmt die Verschwörung einer nngcdrncktcn Geschichte des Herzogs Friedrich von Lothringen, der 1213 starb, hält aber mir Recht 'Alles träs perr provnvls. 332 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. Einklänge mit der thatsüchlichen Lage einschränkend hinzu ^). Die Gegenleistung Frankreichs scheint vornehmlich in der Auszahlung sehr beträchtlicher Hülssgelver bestanden zu haben, so daß nun der drückenden Geldnoth, über welche Friedrich wiederholt hatte klagen müssen, sürs Erste abgeholfen ward. Daß Friedrich dann das Geld, sobald cs cintraf — cs sollen 20,000 Mark gewesen sein —, sogleich unter seine Anhänger anstheilen ließ ^), verschaffte ihm überall den 3kns der Freigebigkeit, welcher für die deutschen Großen wohl mehr Anziehungskraft besaß als Otto's oft gerügte Sparsamkeit oder die angeblich von ihm beabsichtigten Reichsstenern ^). Französische Gesandte wirkten nun offen in Deutschland für die Sache Friedrichs und drängten dazu, dem Praetcndcntcnthum desselben, wie es sich in seinem etwas abenteuerlichen Titel eines zum römischen Kaiser Erwählten noch aussprach ^), durch eine ordentliche Königswahl und Krönung ein Ende zu machen. In demselben Sinne war auch der Hofkanzlcr thütig und so kam denn fast in derselben Zeit, als Otto den erwähnten kümmerlichen Hvftag zu Aachen hielt, zu Anfang des Deccmber in Frankfurt 5) est, großer 0 Ausgcfertigt zu Toul 1212, Nov. I!>. LI. O. woz;. II. 223: II. I!. I, 227. Lluill. writo I. o.: pvronssornnt t'oäns intor so ot renovnvorunt nini- oitias poi'iiLtuas, siont tuornnt intor oornin ziroäooessoros; Oliron. 8n»iziotr. x. 55 (irrig nach dein Frankfurter Wahltage): toäus nä inviosnis poxij-ornnt, nt iznivis nitori in nooossitnto nstnrot. Lgl. .4»». woinlinräspr. p. I2n. Die französische Gegcunrliindc fehlt hier, wie bei dem Bündnisse Philipps von Schwaben von 1108 (Bd. I, S. 155), und wird mit dem alten Rcichsarchivc zn Grunde gegangen sein. Oont. Ouill. 1)'r. XXX, 7 z>. 302: LInis äo lor oonsoil no vos sni so' rioim äirs, tvrs tunt gno nnonnos gons äistront, ,,uo li Olioliges 1i xrsstn j-rnnt nvoir por sn gnorro oontro Oton. Oliron. diainziotr. I. o. gicbt die Snminc an und fährt fort: worzuisitns n Lziironsi opo, cinibns in loois eaäoin poonnia rooonäi äoNorot, rosiionäit: poonninm illnin vol ^nninlidot aliain niiuimo toro roeoiiäoinUiin, soä prinoiziidns orognnänin; Xnn. woinir. p. 130: czuntonns äo ea iUornm oxponsis oiron ro^ni onnlir- inntioneni Iinbitis satistiorct ot Udorioridns nniinis Inro roAia äonntiono nä porvootionoin rogis pnrntioros oxistoront. °) Xnn. IteinImrclsOr. angeblich nach Anssage des Bischofs von Spcicr, in zwei Versionen (s. o. S. 204 Anm. 3) z>. 128: Ottonis tnisso propo- sitnin, nt äo sinAnIo nrntoruin... nnnnnuin unnin nuronrn vollot iznoinvis nnnis oinnuAvro. .. wrstoron, äs inorotrioio ot Inpannriäus novnin sns siln oontingons, äo oriininoso oriinino grntin Ineri sni (inorodnt (poenninrni olieoro, — aber z>. 134: 14o NArionItnra nnins nrntri änos nnnnnos nnroos ot tnntnnräoin äo vortico oonsoornti onzntis ox snoris oräinibns rosiiltnro judeinr. Bgl. Äiitzsch in Histor. Zcitschr. III, 350. '1 In dein Regest einer UrUinde vom 21. Nov. II. w. I, 228 heißt er zwar schon woinnuoruin rox, aber diese Urkunde erregt auch durch den Ort Bedenken. Denn wenn Friedrich am 10. in Toul war, wie konnte er am 21. in Worms sein? Doch auch wc§. wriä. 48 vom 3. Dec, also jedenfalls vor der eigentlichen Königswahl, hat den Titel rox Wonnen, und es scheint daher, daß er für die nach Sicilicn bestimmten Urkunden, welche lange;n laufen hatten, als eine ganz sichere Sache anticipirt worden ist. "0 Gs ist ganz gewöhnlich, daß die Anfänge großer Cnricn ungenau angegeben werden, indem der eine Schriftsteller dies, der andere jenes Kirchcnfest als Ankniipfnngspnnkt benutzt. So auch hier. Xnn. Ool. x. 827: Lloxori- oinin (?) venions in tssto s. wuäroo npost, (Nov. 30) eoiobrom onrinnr Friedrichs II. Anfänge in Deutschland, 1212. 333 Fürstcntag der päpstlich - staufischen Partei zu Stande, in deren Reihen außer dem Herzoge von Zähringen, der hier znin ersten Male auf Friedrichs Seite erscheint, Herzog Ludwig von Baiern und Landgraf Hermann von Thüringen wohl das größte Aufsehen erregtenJener wegen seiner Wortbrüchigkeit, denn er hatte nun im Laufe eines Jahres drei Mal seinen König gewechselt, dieser aber wegen der großen Opfer, welche er zum Besten Friedrichs gebracht hatte und für welche die ihm bei der Ankunft erwiesenen außerordentlichen Ehren keinen Ersatz gewähren konnten ?). Von dieser Versammlung und in Gegenwart der päpstlichen Legaten und der französischen Gesandten ist nun Friedrich am 5. Deccmber auch zum römischen Könige erwählt und dann nach Mainz Imlmit; lisin. I-soll. p. <165: Dominien Finnin nllvsutus Domini sDec. 2) mnximus sonvsntns x>rineiz>nm sonvenit; OIrrou. 8nmxotr. p. 55 ganz falsch: einen sgipünninin. p Anwesend waren außer den Sicilicrn, die Nichts mit der Wahl zu thun hatten, doch sicher alle Fürsten, welche unmittelbar darnach im December bei Friedrich in Speicr waren, II. 11. 1, 2112, also außer dem Kanzler und den im Texte Genannten die Erzbischöfe Sigfrid von Mainz, Adolf von Köln, Dietrich von Wied, der Nachfolger des am 15. Juli verstorbenen Erzbischofs Johann von Trier (Görz, Regesten d. Erzb. v. Tr. S. 31), Bischof Lupold von Worms und Herzog Friedrich von Lothringen. — Kein. Dooll.: intor cznos l'nsrnnt. nrmtii ll. pnps st unntii regis Dinureis st sieut novis rslatum ost, t'nsrnnt idi 5 milin inilitnm. Oüron. 8amp.: llox Ilosmio st Irrntgrnvins onin estsris rsgni Imronidns all. .. enrinm in Dr. aeeiuguntnr, nl>i lantgr. s^.nn. Ilsinü.: n rsgs sum 500 tsrs militidns grntissimo oeonrsns grntautsr rs- csptns sst. lieber den König von Böhmen s. o. S. 327 Anm. 3. 8ivarlli Lüron. xi. 623 läßt die Huldigung desselben allerdings erst in Regensbnrg geschehen. Möglicher Weise hat Otto von Wirzburg, s. o. S. 303 Anm. 4, in Frankfurt sich an Friedrich angcschlossen; aber seine Anwesenheit ist wie die deS Böhmen keineswegs so sicher, als Abel S. 115 glaubt. Die Bermuthung Pa- lacky's II, 76, daß in Frankfurt Friedrichs Sohn Heinrich mit Otakars Tochter Agnes verlobt worden sei, ist vorläufig ganz haltlos. 2 ) Knochenhancr, Gcscb. Thüringens S. 280, vermuthet. daß der Landgraf außer anderem Machtzuwachs damals auch Nordhanscn endgültig erhalten habe. Die bez. Urk. desselben für Walkcuried beweist aber nur seinen Anspruch, während aus den Urkunden des Königs, z. B. II. II. I, 806, mit Sicherheit hervorgeht, daß Nordhaufen bei dem Reiche behalten wurde. 2) IInill.-IIrÄi. Introll. Dnrtie llipl. zi. 50. Was im Herbste 1211 zu Nürnberg geschehen war, ist weder eine Königswahl gewesen, noch als solche angesehen worden. Ebensowenig konnte cs Jemandem entfallen, die alte Wahl von '<106 als ausreichend anzusehen, da, um von Philipp zu schweigen, Otto doch jedenfalls nach 1208 legitimer König gewesen war. Friedrich hat daher, obwohl er für seine Person andere Ansichten gehabt haben mag, s. Schirrmachcr, Kurf. S. 20 A. 1, das Königthnm Otto'S 1208—1212 dum sssst sntlmlieus durchaus als legitim gelten lassen müssen, vgl. lieg. Drill. 79. 142. 143. 145. Anders stand es natürlich mit allen auf Sicilien bezüglichen Akten Otto's. — lieber den Antheil des Grafen Albrecht von Evcrstein an dieser Wahl s. o. S. 279 Anm. 1. Friedrich selbst scheint sich nach Empfang der Gäste zeitweilig ans Frankfurt entfernt zu haben; er urkundet Dec. 3 in Worms, lieber den Hergang bei der Wahl fehlt sonst jegliche Nachricht. Höchstens könnte die Aeußerung des Kanzlers (s. folg. Anm.): uos vnm estsris 2 l.Ismanis Inm seelssinstieis einam seenlnridns prineipidus.. . nnitormitsr slsgimns, gegen die Annahme des Vorrechts einzelner Wahlfürstcn ins Gewicht fallen. Daß die Wahl eine einmüthige war, erscheint unter den obwaltenden Verhältnissen als selbstverständlich. 334 Drittes Buch, Kapitel I. 1212. zur Krönung geführt worden, welche Erzbischof Sigfrid am folgenden Sonntage (9. Dec.) vollzogt). Adolf von Köln verzichtete nämlich freiwillig ans sein Ärönnngsrccht -), fei cs deshalb, weil feine eigene Würde noch bestritten war, sei es weil er Sigfrid als dem Stellvertreter des Papstes Aufmerksamkeit oder ihm als dem Urheber seiner Wiedereinsetzung Dank schuldig zu fein glaubte. Uebrigens mußten bei der Krönung nachgcahmte Insignien gebraucht werden, da die echten, solange Otto IV. lebte, im Besitze desselben blieben: aber die feierliche Handlung selbst verlor dadurch Nichts von ihrer politischen Bedeutung, von ihrem Charakter einer förmlichen und endgültigen Absage an den Welfen. Selbst wenn Friedrich sterben sollte, so hatten die Fürsten ausgemacht, wollten sie Stto doch nicht wieder anerkennen^). Und dafür, daß man an einen Umschlag zu Gunsten Otto's überhaupt nicht mehr glaubte H, spricht sowohl der Eifer, mit welchem viele Fürsten sich von dem neuen Könige nochmals belehnen ließen^), als auch die Thatsachc, daß diejenigen Inhaber der großen Rcichshofämtcr, welche bis dahin Stto treu geblieben waren, nach der Mainzer Krönung mit alleiniger Ausnahme Gnnzelins von Wvlfenbüttel in den Dienst des Stansers übertratcn"). 9 Hanptgnclle über Wahl uud Krönung ist der Bericht des Hofkanzlcrs an den König non Frankreich, tl. 14 1, 23n, wo auch die französischen Gesandten genannt werden. Ngl. Xnn. 8. 'I'rnckp. zu 203. Die Xnn. stau, haben Ort und Zeit der Krönung richtig, geben aber als Wahltag den Tag S. Nicolai lDec. 6) an; ebenso )L»u. 8. linUV. 8n1isli. p. 78U: in Issto s. Xieolni I'r. intrnvit regnuni pntris sni slsetus I'rnnedonvnrt. Der Krönung in Mainz gedenkt auch 8isnrU, Llurat. VII, 023 izu emendircn anS Dove, Doppclchronik S. 1381. 2 ) Konrad von Metz: nd nopo iUoguntino, rogntn ä. Ooionieusis nein, in Ilom. regem est, prout ckesnit et oportnit, eoronntns. ilnct.: licls intsrpositn eompromisimus, . 65. Das ist vielleicht kein anderer, als der in ungedrucktcr eigener Urkunde ans Messina 1212 März 8. sich llerm. cls 8triderg nnporiaiis anlo sninsrnrins st ooinos (4s8nalcli nennt und den Titel sei es als Reiscgcnosse Anselms von Znstingcn, sei es als Uebcrläufcr von der Seite Otto's IV. damals von Friedrich erhalten haben wird, als dieser selbst den Titel in liom. imp. oleetns annahm. Zweiies Kapitel. Der Verlauf des Throustreites im Jahre 1213. Walther S. S4, 4. „Das Kind von Apnlicn" — so war dcr Staufer besonders in den romanischen Gegenden halb liebkosend halb mitleidig genannt worden h, als er dem kriegsgenbten und unendlich überlegenen Kaiser entgegen zu treten wagte. Drei Monate aber waren erst seit seinem abenteuerlichen Zuge über die Berge vergangen und schon hatte ein beträchtlicher Theil des Reiches, von den Alpen bis an die Mosel und bis an die Grenze des alten Sachsen den achtzehnjährigen Jüngling zu seinem Herrn und Könige angenommen. Wer ihm wohlwollte, freute sich mit dem Verfasser des Ü 81gsd. kniet. Alortuiinaris Al. 61. 8s. VI, 467, 468: inlans Xpulis; Uiod. 8snon. lll, Ul: Uricl. gui inlans /Azinlis, csuia iuvenis erat, tuns appslladatur; 6!ont, Ouill. V)'r., Ilse, ilss orois. Il, 284: roi Uoclrlo, uni entos ostoit, gni puls tu apslsr: sn inains lass li Unter: cts Uuillo. Daß das nicht etwa, wie man auch gemeint hat, der Titel Jnfant war, beweisen sowohl jene Erklärungen des Ausdrucks, als auch seine Veränderungen, z. B. Odron. Vuron. aeiolssssns Xpulns; Xnn. Mao. 61uo1ll a. 1212 i>. 426: xusr 8ioilio. Die verbreiteteste Form ist aber puor XMlio. So in Xnn. AViAorn. a. 1212, I-narck. /Vnn. inonast. IV, 460; Xnn. AVavorl. noch zu 1239 idicl. Il, 321: Ursel, iinp. gui e^nonelnin p. X. appollatns est; 6!dron. Xnckreuss, Uso. XVlll, 577; Odron. lmncknn. U>. 716; 8igod. eont. UsrA. AI. 61. 8s. VI, 440; Lein. Usoel. id. XVI, 665 . In der eigentlich deutschen Ueber- liefernng erinnere ich mich nicht dem Ansdrucke begegnet zu sein, mit Ausnahme jedoch dcr I (nach 1250 verfaßten) Fortsetzung der Kaiserchronik, in der ela? leint von l'nllo fast die stehende Bezeichnung Friedrichs ist, z. B. V. 17579. >7697. 17704 ff. 17738 ff. 17748. 17763. Weitere Stellen hat H. Nnckert im Welschen Gast S. 558 gesammelt. Wenn es nun im letzteren V. 10569 heißt: Xu nsinst ouolr diläo ein dl, vis unser leint Asstigsn si, so ist die liebkosende Bedeutung recht deutlich. 336 Drittes Buch, Kapitel II, 1213. Welschen Gastes, daß „das Kind gestiegen war". Da erhebt sich nnn die natürliche Frage: Wem verdankt er eigentlich diesen überraschenden Erfvlg? War es allein der Einfluß des allgewaltigen Papstes, der Kaiser und Könige zu erheben und zu stürzen vermeinte? dessen bannende Worte den Funken der Empörung nach Deutschland geworfen und den Welfen, welcher treu dem Vorbilde seines Vorgängers Heinrich VI., die eine Hand auf Unteritalien legte und die andere über das Meer nach Sicilien ausstreckte, aus Italien gescheucht hatten? Ohne Zweifel, Jnnoccnz und sein Verbündeter, der König von Frankreich, haben wesentlichen Antheil an den Ereignissen des Jahres 1212 gehabt, aber cs wirkten auch andere und kaum weniger geltende Faktoren mit, um ihre» Absichten bei den Deutschen zum schließlichen Siege zu verhelfen. In dem Vorwürfe, welchen der Hofkanzlcr Konrad zur Beschönigung seines eigenen Abfalls gegen den Kaiser erhoben hat, daß derselbe nämlich das Kirchengut für die Krone cinzuzichen und derselben durch ein ganzes System von Reichsstencrn weitere ungeahnte Einkünfte zu schaffen gedenke, liegt nach unserem Gefühle eher ein Ruhm für Stto IV.: 'überall sehen wir ihn auf eine starke Ccntralgcwalt hinarbciten und cs ist wohl möglich, daß das Beispiel seiner Verwandten, der Könige von England, ihn namentlich in Beziehung auf die Finanzen lockte. Tie fürstlichen Zeitgenossen aber hatten eine andere Meinung von dem, was dem Reiche Noth thüte. Vom Papste gewarnt, daß sie aus ihrer Hut sein möchten, wenn sic nicht durch Btto auf die Stufe englischer Barone herab- gcbracht werden wollten H, sahen sic in den Enthüllungen Konrads einen Beweis, daß der Kaiser wirklich auf eine ganz unerhörte Tyrannei und auf eine gründliche Beraubung Aller abzielc. Kein Wunder, daß sic sich lieber dem neuen Könige znwandtcn, dessen Schwäche für das Gegenthcil bürgte, für die Förderung der fürstlichen Tendenzen?). Ihr Vorthcil — und ich denke dabei zunächst nicht an die allerdings oft genug mitwirkende gemeine Habsucht und Geldgier — bestimmte einen großen Theil der Stände, sich Friedrich II. anznschlicßen. Indem man nur augenblicklichen Gewinn zu suchen schien, baute man mit mehr oder weniger Bewußtsein weiter an dem künstlich gefügten Gebäude der Territorialhcrrschaft, welches aus den Trümmern des alte» Kaiserthums sich erhob. S. o. S. 256. 2) In der Arenga der ersten Urkunden Friedrichs, welche nach der Neber- nahine der Kanzlei durch Konrad von Metz und Spcicr ausgestellt sind, wird das offen eingcstanden: nt eeelesiis et psrsonis eoel. inaxiine prineipilms et illis prseipue, gni pro nostra prornotione res pnriter et psrsonns non clubitarnnt sxponere, non soluin oa, gne ncl ipsos pertinent, eliinittainus, vernin etiain ang'inentars stnüennnis, et ipsn rntio persnaäet et eon- siäeratio nostri aäversarii nos inäncit, ejni propter t'aeta contrario prvnotati.s aetversita! ein Iioniinnin et ot'k'ensain tliviuain inernit snstinere. Friedr. 1212 Okt. ö für die Bischöfe von Mainz und WorinS. II. II. >. 22t. 225. Alan beachte, daß auch hier wieder der Kanzler Konrad es ist, von dein die Anklagen gegen den Kaiser ausgehen. 337 Der Verlauf des Thronstreites im Jahre 1213. Mit vollem Bewußtsein geschah das wenigstens von den geistlichen Fürsten. Wie sie die Gelegenheit des Thronwechsels benützten, um der Krone, wo sic irgend konnten, Kirchlichen und Vogtcircchtc abzujagcn'), so sind auch die Forderungen, welche Jnnoccnz III. an Friedrich stellte, wie wir später sehen werden, zum großen Thcilc gerade in ihrem Interesse gestellt worden, um ihnen eine ähnliche Unabhängigkeit vvn der Krone zn verschaffen, wie diejenige, deren sich die Weltlichen durch die thatsächliche Vererbung ihrer Rcichslchcn oder Aemter schon erfreuten. Dadurch daß Friedrich gegen seinen verfluchten Gegner mit der Autorität des Papstthums bewehrt in die Schranken trat, stattete er die Rebellion zu seinen Gunsten gleichsam mit göttlichem Rechte aus; dadurch daß er gar nicht anders konnte als die fürstlichen Befugnisse mehren, erwarb er sich den Anhang der Stände; aber cs war, wenn ich nicht irre, noch ein dritter Factor für ihn wirksam: die Volksmcinnng. Denn nimmermehr war in Deutschland die Erinnerung an die große» Thatc» der Staufer erloschen, welche Ruhm über Alles, was deutsch hieß, verbreitet hatten. Erst als man nicht mehr an ihnen sestgehaltcn hatte, war Verwirrung cingctreten, ein zügelloses Jagen des Einzelnen nach Gewinn. — lVio rooinvseN rlelis stllt! clu audist niüt giiot ^ äü lindst dielt an dis selinuds sin teil 20 sero! sang damals betrübt über den sittlichen Verfall des Vaterlandes ein deutscher Dichter 2 ) und seine Klage mochte auch bei Manchem wicdcrhallen, der den politischen Standpunkt des Dichters sonst nicht thciltc. Wenn aber alle Ucbcl, welche seit Kaiser Heinrichs Tod über Deutschland gekommen waren, am Ende darin wurzelten, daß man die durch des Herkomme» und durch Eide geheiligte Thronfolge mißachtet hatte, dann war auch die Hoffnung berechtigt, daß umgekehrt mit der Rückkehr zu derselben wieder eine bessere Zeit anbrechen werde. Denn die Volksstimme blieb dabei, daß das. staufischc Geschlecht das zur Krone berufene sei, und sie erinnerte sich sehr wohl, daß dem einzig lebenden Vertreter desselben vor langen Jahren schon ein Mal von den Fürsten geschworen worden war 3). Schwäbische Klöster haben, wie erzählt worden ist, ehe noch an Friedrichs Berufung nach Deutschland gedacht werden konnte, von ihm die Bestätigung ihrer Privilegien erbeten H und nicht blos in Schwaben galt er von vorne herein als der recht- 3 S. 0 . S. 328. Es gelang freilich nicht allgemein, wie z. B. aus der Urkunde Friedrichs 1213 Mar; für den Bischof Arnold von Chur zu ersehen ist. ktoür, Ood. UHU. tiaat. h 251. 2 ) Walther S. 31, 21. lieber die Abfassungszcit des Spruches s. Wil- mans bei Haupt XIII, 250. o) Erläuterungen dir. IX: Der Nürnberger Fiirstcntag. S. 0 . S. 231. Jahrb. d. dtsch. Gcsch. — Winlelmann, Otto IV. 22 338 Drittes Buch, Kapitel II. 1213. mäßige Herr und Erbe'). Als er nun ins Land kam und ein wunderbares Glück, fast so märchenhaft wie die Gefahren seiner Kindheit, ihm über alle Hindernisse hinweg und seinem Anrechte auf die Krone zur Erfüllung half, wie freute man sich des Sprossen ans dem alten Fürstenhaus! Wir waren da, um mit der Kaiscr- chronik^) zu sprechen, ckos dünoAos alle vrü, cka .2 in rvnoro rvidor leoinon Ns .2 ^oslodto, das in nurs denoinon. Jedoch nicht Alle. Denn das einst in Sicilien nmhergctragcnc Gerede, daß Friedrich gar nicht Kaiser Heinrichs Sohn sei, hat in etwas veränderter Fassung auch den Weg nach Deutschland gesunden und würde, von den Gegnern absichtlich in Umlauf gesetzt, vielleicht Unheil gestiftet haben, wenn nicht Friedrichs Persönlichkeit der Lüge allen Glauben benommen Hütte"). Also die Autorität des Papstthums, die Empfehlung und das Geld Frankreichs, die Befriedigung fürstlicher Interessen, der Ruf seines Geschlechts und zum Thcil der Eindruck seiner eigenen Persönlichkeit waren es, welche Friedrich in unerwartet kurzer Zeit aus jene Stufe der Macht stellten, ans welcher wir ihn zum Könige gekrönt am 9. Dccember 1212 verließen. Seine Aufgabe war zunächst, sich in Obcrdeutschland, wo ihm Otto von selbst das Feld geräumt, zn befestigen, in seinem Bereiche die ans dem Doppcl- königthnme entspringenden Unordnungen zu beseitigen H und dann tz Den mehr auf Schwaben bezüglichen Ausdrücken Bd. I. S. -173, Amu. 2 gesellt sich die von Scheffer in Forsch. VIII, 532 angezogene Stelle des 'I'rinn,- pdns 8. Immdsrti bei (Idnponvillo p. 017, nach welcher Friedrich in das roAnuin zintruin snoruin kommt. Aehnlich iVnn. 8. Iludd., s. o. S. 331 Anm. I. Endlich ist die Ansfassung eines gleichzeitigen Kaiscrkataloges ^1. O. 8o. X, 137 zn beachten, als ob Philipp nur in Vertretung Friedrichs (vgl. Bd. I. S. 58) regiert habe und deshalb die Wahl Otto's i. I. 1208 völlig ungesetzlich gewesen sei. B. 17792. Wenn so noch nach 1250 das Bewußtsein vorhanden war, daß die Anhänglichkeit an die Staufer Friedrich den Weg geebnet, wie stark muß sie 40 Jahre vorher gewesen sein! Bd. I. S. 498. Hinzuznfngen ist, daß auch die Oont. Onill. IPr. x. 232 davon weiß, daß die Kaiserin Konstanzc 1198 die Acchthcit ihres Sohnes, czno Ipodrio ostoit sss 1Ü2 ot I 1 I 2 do I'oinporeur beschwor, NM den Zweifeln der sicilischen Barone — vos esto? do si Avant ago, lino noo na onidons inio, r>no vos Io n)-v8 portä on votro oors — ein Ende zn machen. In Deutschland hieß es nach Edron. 8ainz>otr. n. 1214 (es sind aber hier Ereignisse von 1213 erzählt) p. 50, Friedrich sei illordotonis oninsdain anlo nziosto- lioo lilinin, aber - fügt der Annalist bei: Dnin Noo t'atalis divorsoruin Indioruin linAua psrstropit, ooeo rox ickoin.... ndost, nodititntonr Aonoris inoruin donostato proinonstrnns. Daß er sich das sogleich angelegen sein ließ, sagten Xnn. 8. Koorgli in XiAva 8ilva n 1213 : Urick. znroöick taoious inult 08 tooit doomntnri. Bgl. Ried. 8on. I V omn 2: (jnotcznot potnit invoniro raptoros noolnrnos, in- oondinrios, tnros ot alias roAni inolsstatoros.... 8ino nlilzna rodornptiono dooapitadnt, alias rotis intrinAodat.... t)naro inorontoros onin, czui ot vias ot roMonuin stratas ita paoitioavorat, cznod soouri porgodant, rnnAno atldotn diligodant. Dcr Verlauf des Thronstreites im Jahre 1213. 339 den Gegner durch einen Angriff auf dessen Stützpunkte in Nord- dentschland wv möglich zu vernichten. — Dcr übliche Umzug durch das Reich, soweit Friedrich cs schon sein nennen konnte, füllte die ersten Monate des Jahres 1213 ans. Nachdem Weihnachten, wie es scheint, in Hagenau gefeiert worden war, brach der völlig gegen Ende des Januar') nach Negensbnrg auf, wohin er auf Mariä Lichtmeß'einen Hoftag ausgeschrieben hatte, welcher den Anschluß des Südostens besiegeln sollte-). Neben manchen der schon früher übcrgctretcnen Fürsten und Großen erschienen und huldigten hier namentlich König Otakar I. von Böhmen und sein Bruder Markgraf Heinrich von Mähren"), dcr wohl erst kürzlich von seinem Kreuzzugc nach Spanien hcimgckchrtc Herzog Leopold von Oesterreich ^) und Herzog Bernhard von Kärnthen, die Grasen Albert von Tirol und Ulrich von Eppan, dann die sämmt- lichcn bairischen Bischöfe, welche dem Hofe des Staufcrs bisher fcrn- gcblieben waren: Konrad von Regcnsburg, Otto von Frcising, Mangold von Passan und Hartwich von Eichstädt, endlich eine Anzahl weniger hervorragender Grafen, Edeln und Dicnstmanncn"). st lieg'. tUN. nr. NI. SU. N Ui». Juliüb. p. 780: onriuin Uutispono Ckckobruvit iu pnritioution«, uliuin euriuin iu pussiono Domini u;,nck Oonstuneium, tortium lUorsbnreb oolobruvit; Oont. Olunstronsob. p. 662: Uutispons evlobrom eurium bu- buit, plnrimis jninoipibnü sibi iuroinruncko t'oockorutis; Obonnr. 8obir. Nuu. p. N ie: iu >§nu >,rinLipLs lickolitutonr ot boininnnn inruvorunt. lieber die einzelnen Theilnchmer s. die Urkunden (ausgenommen lieg. 51). Nach der Äaiscrchronik V. I777I sind sic dazu nach Regcnsburg entboten, cku/ oio n-ur Uo/on, Nu/, üio inr />: UnUs Acbis/on, cku/ rvurt uUes p'vtu». Man wird dabei besonders an Otakar denken. Da die obcritalischcn Städte dcr päpstlichen Partei dorr vertreten waren, ^.otu inip. ur. 1075, ist es natürlich, daß auch 8iourcki Obron. 623 von der soloiuuir- enriu weiß, wo Friedrich u rvAn Ilobomiuo vt ub uliis innltis prineipibns tiNslitutss uvoepit. lieber die Möglichkeit ihrer Anwesenheit schon in Basel oder in Frankfurt s. o. S. 327 Anni. 3; S. 333 Amn. 1. st v. Mcillcr, Babenb. Reg. S. 254. ES ist für die Unbefangenheit der großen politischen Wandlung charakteristisch, daß Leopold, bevor er die Ärcnzfahrt antrat, noch 8. Ang. nach Jahren Otto s datirt, ibicl. nr. 164, gleich nach der Heimkehr sich aber zu Friedrich schlägt; daß er von diesem ein Privileg für S. Florian, lieg-. I-'rick ur. 51, auswirkt, ähnlich dem, welches er sich bei seiner- letzten Anwesenheit am Hose Otto's im Mai 1212 von diesem hatte geben lassen, Itsg. Ott. nr. >72; endlich daß trotz der Verschiedenheit der Aussteller die Zeugen in beiden Urkunden die gleichen sind. Vgl. Ficker, Urknndcnlchre I, 322. Sie sind eben einfach in die Urkunde Friedrichs hinübcrgcnommen worden, so daß wir ans dieser nicht auf ihre Anwesenheit in Negensbnrg schließen dürfen. Die Urkunde selbst wird dadurch noch nicht verdächtig; obendrein soll Friedrich sein Privileg von 1213 selbst 1237 Febr., Uog-. nr. 877, bestätigt haben. — Auch die Regensburger Schotten ließen sich ein von Otto 1212 erhaltenes Privileg, .Uetz-, nr. 171, jetzt nochmals von Friedrich ansstelleu, lieg. nr. 53, wahrscheinlich ohne jenes vorznlcgen; erwähnt wird es wenigstens nicht. st Auffällig ist das Fehlen des bairischen Pfalzgrafen Rapoto von Orten- bcrg; cs hängt vielleicht mit seiner 1212 ansgcbrochenen Fehde gegen Mangold von Passan zusammen, vgl. -Vnn. 8. Unckb. p. 780; stenn. chVsssotont. bei Dontner, Hist. VVessok. II, 27. Weitere Nachrichten giebt-st.vontiu, J.nn. Ilo. eck. 1580 p. 528. 22 * 340 Drittes Buch, Kapitel II. 1213. Der Anschluß Obevdeutschlauds au das staufischc Köuigthum war hiermit so ziemlich vollendet; die wenigen Fürsten, welche jetzt noch fehlten, wie der Herzog Otto von Meran, der Erzbischof Eberhard von Salzburg uud der Bischof Sigfrid vou Augsburg, mögen nur durch zufällige Umstände am Erscheinen in Rcgcnslmrg verhindert gewesen sein und fanden sich bald hernach am Hofe Friedrichs ein, als dieser in Fortsetzung seines Umzuges Nürnberg und Augsburg besuchte. Wie Eberhard von Salzburg durch den ihm vom Kaiser abgezwuugenen Revers sich nicht hatte hindern lassen, dem Papste zu gehorsamen, so hat ihn jetzt weder die Pflicht dieses Gehorsams noch sein schwäbisches Blut abgehaltcn, sich dafür noch besonders belohnen zu lassen, daß er dem Schützlinge des Papstes und seinem angestammten Landesherren huldigte. Er erwarb dafür sogleich alle Rcichsgchörigkeitcn im Lungau und etwas später die Erlaubniß, ans dem Kloster Chiemsee ein Bisthum zu machen und dem neuen Bischöfe die Regalien zu verleihen; die Dicnstmauneu des zu Salzburg gehörigen Hochstifts Gurk haben seitdem in dem Eide, welchen sie ihrem Bischöfe leisten, einzig und allein den Erzbischof, sonst Niemanden auszunehmen ^). Andere der neuen Anhänger erhielten Zollfreiheitcn, Andere das Recht Zölle zu erheben: so fiel ein Rcichsgut nach dem andern dem nothwendigcn Bestehen des Königs zum Opfer. Dem Hoftage zu Regensburg, zu welchem übrigens auch die italischen Freunde Friedrichs Abgeordnete gesendet hatten, um die Erfüllung der ihnen früher gemachten Versprechungen zu betreiben H, folgte am Ende des März ein anderer zu Konstanz, wo sich um den König die geistlichen uud weltlichen Großen des Hcrzogthums Schwaben schaarten, welches auch er gleich seinen Vorgängern Philipp und Otto unmittelbar bei der Krone behielt. Der Besitz dieses herrlichen Landes mit seiner streitbaren und ihm herzlich ergebenen Bevölkerung fiel aber um so schwerer ins Gewicht, weil cs von den Bürgerkriegen bisher verhültnißmäßig wenig zu leiden gehabt hatte uud daher größerer Leistungen fähig war als das wiederholt hart hcimgesnchte Rheinland oder Sachsen, in welchen fast allein das Kaiserthum Otto's noch Geltung hatte. Der Niedergang des letzteren hängt zum großen Thcil eben damit zusammen, daß er einer wahren Hausmacht entbehrte, welche ihn von dem guten Willen der Fürsten einigermaßen unabhängig gemacht haben würde. Dazu reichten die wclsischcn Güter bei Weitem nicht aus 0 llnill.-IIrüli. I, 25V; ^.eta Imp. nr. 258 und Itvg'. IVnI. 56 (nngcdr.s. lieber die italischen Angelegenheiten s. u. Buch I V Kap. I. Gehört, wie ich allerdings glaube, der Brief des Bischofs von Trient, ^Vota imp. ur. U25, diesem Jahre an, so kann die onrln sollvmpnis, über weiche derselbe berichtet, wohl nur die Regensburger gewesen sein, uud die Fürsten haben schon hier dem Könige eine Heerfahrt ans den Sommer zugesagt (innKnnm sibi oxvroltnm in tntnrn Lstuto änevi'L pi-mnlssrnnt), von der ein Theil für Italien, der andere aber doch wohl gegen Otto I V. verwendet werden sollte. 3) 2 t.nn 8nlisb., s, 0 . S. MV Anm. 2. Friedrich ist durch Urkunden vom 27. März bis I. April in Konstanz nachznweisen, am letzten Tage Itog. nr. 63: In errrin solsmpni. Dcr Verlauf des Thronstrcitcs im Jahre 1213. 341 und das einzige wirkliche Fürstciichnm der Seinigcn, die Rheinpfalz seines älteren Bruders Heinrich, war gerade durch Friedrichs Vordringen am Rheine abwärts unhaltbar geworden. In ähnlicher Bedrängnis; hatte Pfalzgraf Heinrich sich im Jahre 1204 von dem Bruder lvsgesagt. Das that er allerdings jetzt nicht, er thciltc vielmehr fortan die Geschicke Otto's und nahm besonders die Vcrtheidignng der Erblande auf sich H, für welche dcr jüngste Bruder Wilhelm von Lüneburg stets merkwürdig wenig geleistet hat. Aber als jener Verstoß Otto's im Dccember 1212 vom Niederrhcinc auswärts, der vielleicht auch der Zurückeroberung der Pfalz galt, völlig mißglückt war, da hat Heinrich, um dieses Bcsitzthnm den Nachkommen zu retten, anscheinend ans die Regierung dcr Pfalz zu Gunsten seines gleichnamigen Sohnes endgültig Verzicht geleistet und ihm den Uebertritt ans die Seite des Stanscrs gestattet st. Die Belehnung dieses jüngeren Heinrich und die Ordnung der pfälzischen Angelegenheiten überhaupt — daß mögen die Gründe gewesen sein, welche den König Friedrich von dem Besuche eines von ihm selbst auf Ostern (14. April) nach Koblenz ausgeschriebenen Hoftages abgchaltcn haben, so daß die dort versammelten Fürsten und Herren zu ihm hinanfziehcn mußten st. Jener Uebertritt des Stammhalters des welfischen Hauses darf st Am 27. Jan. 1213 urkundet cr in Braunschweig. Asscburger Ilrkbch Nr. 8l. st Uebcr Heinrichs II. früheren Aufenthalt in England s. o. S. 152 A. 2. Die Abtretung dcr Pfalz an ihn ist nicht 12II geschehen, als noch kein Anlaß dazu war, und ebensowenig ist cr gleich bei Friedrichs 'Ankunft sein 'Anhänger geworden sHänsser, Gcsch. d. Pfalz I. 67. 681: cr war noch 60. Nov. 1212, und zwar ohne Titel, bei dein Kaiser in Aachen, lieg-. Ott. nr. 179. Um diese Zeit mag auch seine Bcrlobnng oder Berheirathung mit Mcchtild, der Tochter des gleichfalls dort anwesenden Herzogs von Brabant, erfolgt sein. Vgl. Orig. Ouelt. III. 212 not. wo jedoch gegen die Auslegung Einspruch erhoben werden muß, daß dcr in dcr Urkunde eines pfälzischen Dienstmannes für Schönau 1211 erwähnte II. pnlntiuns ooinos lilmni, Unx Jnxonio der jüngere, dcr unter den Zeugen erwähnte II. ooinos lilioni dcr Vater sei; das Verhältnis; ist, wie der Titel Unx 8:rxonio beweist, gerade das umgekehrte. Daß Heinrich d. j. dann an Fricorichs Reichstag zu Frankfurt im Dec. thcilgcnommen habe, beruht nur au; dcr Autorität des Trithcmiuö. Die Abtretung dcr Pfalz an ihn wird aber nicht, wie Cohn, Stammtafeln Nr. 19, Anm., meint, blos deshalb angenommen, weil cr >6. April 1213 als llvinr. rl. ^r. invonis ooinos.palntinus lioni urkundet, Ori-e. III, 617, sondern weil er es in Schönau bei Heidelberg rhnt, also im unbestrittenen Bereiche des stanfischen Königthums. Obendrein wird cr amtlich wiederholt zu den regierenden Pfalzgrafen gerechnet, z. B. König Heinrich VI I. fuhrt 1229 als solche auf: Oonrarlns, Ilainrions Unx 8:>xuuio ' cliotns, soä ot Ilviuriens oiusclem II. ülins. Ori§. III, 858; Pfalzgraf Otto bestätigt Schönau 1228 gewisse Rechte, die dcr ältere Heinrich verliehen: post^ onm tilio sno II. palnt. ooinito iä ipsnin kaolonto, iliid. 656. Nach Obonnr. 8obir. Xnn. 1215 51. O. 8s. XVII, 632 erlangen die Wittelsbachcr die Pfalz mortnn tilio Iloinrioi, tratris Ottonis n. s. w. Bgl. Hänsser a. a. O., Böhnier's treffliche Note Uag. iin>i. ;>. .170 und unten Erläuterungen XIII. st lioin. I-ooil. p. 666: Vrocl. ooenpatns maiorilius negotiis non venit. Am 13. April urkundet der jüngere Heinrich in Schönau, s. vorher, am 11. sollte dcr Koblenzer Hoftag sein. Wenn die Fürsten sich von Koblenz znm Könige begeben, muß man voranssctzcn, daß cr nicht allzu weit entfernt war, und Friedrich urkundet wenigstens 1. Mai in Worms, lieg-. nr. 61. ES ist letzteres 342 Drittes Buch, Kapitel II. 1213. wohl als cin weiteres vollwichtiges Zciigniß für die allgemeine Am schaumig gelten, daß Friedrichs Stellung im Reiche nicht mehr so leicht zu erschüttern sei. Damit war aber auch für die Kirche der Augeu- lllick gekommen, sich des Lohnes zu versichern, welcher ihr für ihren Amheil an seiner Erhebung von den Wühlern Friedrichs verheißen worden war. Als Friedrich sich im Lvmmer 1213 mit einem überaus stattlichen fürstlichen Gefolge in Egcr aufhiclt, da hat er am 12. Juli unter goldener Bulle alle Versprechungen und Zugeständnisse, welche Otto IV. der römischen Kirche gegenüber eingcgangen war, unbedingt zu den sinnigen gemacht >). Er bestätigte also seinem „Beschützer und Wohlthätcr Jnnveenz, durch dessen Güte, Mühe und Sorge er erzogen, beschützt und gefördert sei',', alle jene Besitzungen, auf welche die Kirche seit dem Tode Heinrichs VI. theils mit theils ohne Grund Rechtsansprüche erhoben hatte: das alte Patrimonium von Eepcrano an nordwärts, jetzt aber bis Radico- fani, dann Spolcto und Aneona, das Gut der Gräfin Mathilde, die Grafschaft Bertinvro, den Exarchat von Ravenna, die Pema- polis und selbstverständlich auch ihre Rechte über das sicilischc Königreich. In einer anderen Ausfertigung, welche später als Norm angesehen ward, sind auch ihre Rechte über Korsika und Sardinien gewährleistet worden H und ebenso die Massa Trabaria, welche Otto noch nach seiner Kaiserkrönung als ihr unzweifelhaftes Eigenthum anerkannt hatte M Alle diese Gebiete will der König der Kirche bewahren, und diejenigen, aus welche sic noch unausgeführte Ansprüche hat, ihr dazu erwerben „als treuer Sohn und katholischer Fürst". In einer zweiten Urkunde von demselben Tage, ausgestellt in der Burgkapclle von Eger, bezeugt und beschwört er, daß er dem Papste, seinem Herrn, diese Besitzungen und die Lehnshoheit über Sicilien erhalten und Urkunde und Eid darüber nach seiner eigenen Kaiserkrönung erneuern wolle Z. Er verzichtet ferner in dem Haupt- die einzige Nachricht von ihm ans der Zeit vom I. April bis 12. Juli. — Als Veranlassung des Koblenzer Tages vcrmuthe ich ff. nh das Zerwürfnis; zwischen dem Bischöfe von Vüttich und dem Herzoge von Brabant, der nun auch die Partei Otto's verlassen hatte. In dreifacher Ausfertigung: I. nach einem Original im Vatikan, K. 0. I,SA. II, 221. — II. ohne die Sicilicr unter den Zeugen und ohne den Vermerk: pvr innuus Ilsrtoläi Ne Xili'sn vte., erwähnt in Xotiess et sxtrnits XXI1- p. 287: Hunt, äs EInnv nr. 2l. — III. mit Einschluß von Massa Trabaria, Korsika und Sardinien, mit Hervorhebung der Zustimmung der Fürsten, mit p. in. Ilsrtoläi, aber ohne die sicilischen Zeugen, 11>iä. nr. 22, und nach einem Vidimns der deutschen Fürsten von 1271 bei 'I'Iisinsr, Eoä. äipl. äom. tsinp. I, 182. lieber die Veranlassung und Tragweite der verschiedenen Ausfertigungen s. Ficker, Forsch. ;. Rechtsgesch. Jtal. II, 122 ff. Wer von römischer Seite die Beurkundung betrieben, ist nicht bekannt: ich vcrmuthe, der päpstliche Subdiakon und Notar Alatrin, der 1213 des Krenzzngs wegen nach Deutschland kam, Kein. Osoä. 607, und unter Honorius I II. gerade zu den Verhandlungen benutzt wurde, welche auf der GoldbnUe von Eger fußen. 2- Vgl. Ficker II, 311. S. o. S. 20l» Anm. 2. ') In zwei Ausfertigungen: I. wie Otto IV. mit dem Satze: 8tabo »ä sonsilinin st grditrnnn tnum äs bvnis sonsuolnäinilnis ziopnlo Koing.no ssrvgnäis st sxlnbsnäis, erwähnt Koni. äs OIun^ nr. 21. — II. ohne diesen Satz (s. Ficker II, 421) ibiä. nr. 23; Ilurll.-Ilrslr. I, 272; Tlrvinsr I, 183. Der Verlauf des Thronstrcites im Jahre 1213. 343 Privilegium wie Otto IV. auf jegliche Beeinflussung der kirchlichen Wahlen und ans jede Beschränkung der Appellation in ooelssirwlieis »ach Rom; er läßt endlich das sogenannte Spolienrecht seiner Vorgänger fallen und verspricht wirksame Unterstützung zur Ausrottung der Ketzerei, für welche die Kirche gerade um diese Zeit auch in Deutschland die gegen die Albigenser erprobten Gewaltmittel in Anwendung zu bringen anfing. Der Bischof Heinrich von Straßburg -war darin seit dem Jahre 1211 vvrangegangen H und der Herzog Leopold von Oesterreich verschaffte sich durch seine „Kctzer- siedereicn" eine traurige Berühmtheit-). Die Bedeutung der Goldbulle von Egcr liegt nun nicht etwa darin, daß Friedrich II. Alles, was die Kirche irgend sich wünschen konnte, von sich aus gewährte und beschwor — denn das war auch von Otto geschehen und doch ohne Bestand gewesen —, sondern daß er es in der Form eines Rcichsprivilcgs that, in Gegenwart -und unter dem Zeugnisse der Fürsten ^), und wir hören nicht, daß von dieser Seite irgend ein Widerspruch laut geworden wärW)! Welchen Werth man in Rom gerade ans den letzten Umstand legte, ergicbt sich daraus, daß der Papst hernach in die Normalaus- fcrtignng noch einen Latz anfnchmcn ließ, der die freie Zustimmung der Fürsten zu der endgültigen Abtretung der früheren Reichslande so unzweideutig als möglich aussprach ^). Und als ob selbst damit nicht genug Sicherheit für die Zukunft gegeben sei, mußten sie nachtrüg- ') Xnn. Knrbno. p. 174 n. 12U>: Lnto tsinporn bnins oonoitü tsro trlonuio oto, d. h. nicht 1212, wie u. A. Henke, Konrad v. Marburg, oder 1213, wie Strobel, Gcsch. d. Elsasses I, 474, will, sondern 1211, weil Jnnocen; 111. schon am U. Jan. 1212 die dort gemeldete Anwendung der Eisenprobe dem Bischöfe untersagt. Ilpist. XIV. 138. Ans jene Verfolgung bezieht sich denn auch die Erzählung bei (,'nosnr. Ilsistortmo. Dinl. inirno. 111, 17. 'Thomasin, Welsche Gast V. I2V84 — er fügt mit grausamem Humor hinzu: or evil nilit, cln .2 clor vnlnnt nobrsollo sin xoiulo nobnnt, sevonnor si 0220 , Nn, von böigst er si sioüon ninlo brüten or. Der Verfasser, unbedingt dem Papste gehorsam, V. IIUM) fs, zeigt sich auch sonst fanatisch gegen die angeblichen Ketzer. Der Herzog hatte schon 1207 die Errichtung eines Bisthnms in Oesterreich wegen der Ketzer gewünscht. Innoe. Ilpist. X, .72. In dem Eide wird hcrvorgchobcn: prosontibns subsorixtis prinoipibus iinporii ot nobilibus sz>onüov oto. Privileg und Eid haben zahlreiche Zeugen. Nachdem Jnnocenz sich eben mit Johann von England versöhnt hatte, lag cs immerhin im Bereiche der Möglichkeit, daß er auch Otto IV. zu Gnaden aiifnahm, wenn dieser den Ansprüchen der Kirche ähnlich nachgab, wie sein Oheim. -) Oinuin ixitnr snprnäiotn ot cineonnmno alin portinont sä 11o. ooolosinin, äs votnntnto ot oousoiontin, oousilio st oousensn prinoipnin iinporii illi äiinittiinns, ronnnoiainus ot rostitnirnns, uoonon ncl oinnoin sornirnlnm rsmovonünrn, pront inolins valot ot ottisnoius intollitzl, eonoo- cliinns, oonkoriinns, Nonnmns, nt snblnta onrnis eontontionis ot äisssnsionis inntorin, lirinn zinx st züoinr in psrpotuum intor ocolosiain ot iinporiunr ziorsovvront. 344 Drittes Buch, Kapitel II. 1213. lich sowohl einzeln Z als mich in Gesammtheit 2) ihr Einvcrständ- iiiß mit den Berbriefungcn des Königs noch besonders beurkunden und diese Beurkundung selbst später nochmals wiederholen. Die Kurie hatte an Otto IV. die Erfahrung gemacht, wie wenig die persönlichen Zusagen eines Königs bedeuteten, solange ihnen die Gewähr der Fürsten fehlte, und diese Erfahrung ist für sie nicht verloren gewesen. Die Gvldbnlle von Eger, welche dem Kirchenstaate erst seine rechtliche Begründung und durch die Zusage der Neichshülfe auch die Möglichkeit des Bestandes gab, kann als Beginn der langen Reihe von Gebictsverlnsten betrachtet werden, welche seitdem über das Reich gekommen sind. Unendlich vcrhängnißvvller ist sie jedoch für die deutsche Bcrfassnng geworden. Die Preisgabe des Spolienrechts, obwohl die Krone mit demselben immerhin ein unter Umstünden recht wirksames Mittel der Einwirkung ans die geistlichen Fürsten und auch an ihren Einkünften einbüßte, fällt weniger ins Gewicht, da es stets bestritten gewesen und schon bei einer ziemlichen Anzahl von Bisthümern fallen gelassen worden war. Aber mit der Gewährung der völligen Freiheit der Wahlen, neben welcher jenes von dem Wormser Konkordate dem Könige eingcränmtcn Auf- sichtsrcchtes mit keinem Worte gedacht wird, und mit der unbedingten Zulassung der Appellation nach Nom in allen kirchlichen Angelegenheiten, nach welcher zum Beispiel auch für eine königliche Entscheidung streitiger Wahlen kein Platz mehr war ^), änderte sich der Charakter sowohl des geistlichen Fürstcnthnms als auch der deutschen Monarchie überhaupt. Jenes mußte jetzt rettungslos den römischen Einflüssen verfallen, diese aber sich nach anderen Stützen umsehen, als die trotz mancher Abirrungen im Einzelnen doch im Großen und Ganzen wirksamste Stütze ihr fvrtgczvgcn ward. Wenn sie sich nun dadurch in Autorität zu erhalten suchte, daß sie sich den fürstlichen Tendenzen einfach anbcqucmte, so thnt sie am Ende nur das, was unter den gegebenen Verhältnissen das einzig Mögliche war. Jede Regierung wird obendrein mehr oder weniger durch ihren Ursprung bedingt werden und das Königthnm Friedrichs II. war eben aus der vereinigten Opposition Roms und der Fürsten entsprungen. Ihm selbst ans dem Eingehen ans jene Bestrebungen einen Borwurf zu machen, wäre daher sehr ungerecht, ganz abgesehen davon, daß der junge und den deutschen Bcrhält- *) Auch andere Fürsten werden solche Willebriese haben ausstcllen müssen, wie Herzog Ludwig von Baiern, der 6. Okl. 1211 erklärt: grntn, Imvemus st rntn, promittsutes pro uovis et omuivus susesssorivus uostris, (piock eoutrn priviloginm ipsum ... nullo tempore veuiemus. Böhmer, Wittclsb. Reg. 135; Ficker I V, 3vl. Das Datum zeigt, daß diese Willebricfe nachträglich gcsordert sind. ') Bgl. den Gesammtwillcbrief >220 Apr. 23. Iluiü.-Nreli. I, 7t>3; Vüvi- uor I, 52: siaut oiim nck petitiouss .... rsgis Vr. tempore I>. m. >1. Iimo- eeutii III p., pro llouo paeis nck omuin senucknln evitnuckn ipsi s. I!. eeelo super privilegiis ipsius regis sibi clntis uostrnm tum voluutntom prevui- inus st eousausum. b) Lgl. oben S. 145. Der Verlauf des Thronstreites im Jahre 1213. 345 nisscii gewiß noch ziemlich fremde König anfangs wohl kaum im Stande gewesen sein dürfte, die Tragweite feiner Verpflichtungen zu überblicken, in keinem Falle aber in der Lage war, sie zu verweigern. Man darf nicht vergessen, daß die Macht Otto's zwar im entschiedenen Rückgänge, aber doch nicht so weit gebrochen war, daß die Möglichkeit seiner Wicdcrcrhebnng unbedingt ausgeschlossen gewesen wäre. Im Besitze verhältnißmäßig bedeutender Geldmittel, welche ihm die Freigebigkeit seines englische» Lhcims gewährte — am 28. Januar 1213 waren ihm neuerdings 9000 Mark angewiesen worden Z —, Hütte Otto IV. dem Gegenkvnige wvhl bedeutenden Abbruch thnn können, wenn er seine Kräfte nicht in vereinzelten planlosen Unternehmungen verzehrt Hütte. Unruhig fuhr er hin und her, bald gegen die Gegner am Niedcrrhein, bald gegen die Nachbarn seiner Ällodien-). Im Juni siel er dann, in das Magdcbnrgische ein, dessen Erzbischvf als eifriger Verkündiger des Bannes gegen ihn und seine Anhänger sich seinen besonderen Haß zugezvgen hatte. „Er wollte all sein Leid an ihm rächen." Am 9. Juni schlug er sein Lager bei Osterweddingen auf, zwei Stunden südlich von Magdeburg, und verheerte von hier aus die Umgegend. Zwar zvg er sich, als er von der starken Rüstung der Bischöflichen durch Verräthcr erfuhr, gleich wieder zurück; aber als Albrecht nun lebhaft nachdrängte, nahm Otto am 11. Juni bei Remkersleben den Kampf auf. Das hatte er gerade gewünscht, den Feind vor sich im freien Felde zu haben, wo nun seine persönliche Tüchtigkeit und seine unvergleichliche Körperkraft sich bewähren konnten. Sein stürmischer Angriff entschied bald das Treffen zu seinen Gunsten: die Bischöflichen flohen; der L-chnltheiß aber von Magdeburg, der H Oi-iA. Ouelt'. 111, 816; Sndendorf, Welfcnurk. S. 88. 2) Ilcin. Osocl. p. 666: Otto ... nscprerpmcpis tatet oiren Ootonianr st in sastro c>noü IVerUens voeatnr...., ntirpmnclo vero in 8axouin. Otto war im 3an. 1213 in Brannschweig, s. o. S. 331 Anm. 2. Iloiu. OsoU. I. e.: Otto enin pnneis nd Ootoninin rseessit st in 8axoninm ss trnnstnlit. In Naiscrswcrth ist er im Febr. gewesen nach der Urkunde IlsA. Ort, nr. >82 und noch am ». Mär;, wenn nämlich eine nngcdr. Urknnde für Attenberg hierher gehört nnd nicht etwa »ach >211; eine andere ct. npnü Ooen (Stadtlohe) Mai 12. bei Wilmans, Wests. Urkbch. III, Nr. 82, entbehrt ganz der IahreSdatcn nnd kann vielleicht auch in 1211 fallen. — Eine cigenthnm- liche Nachricht bringt ItnAsIIiusins bei Osibn. 8er. rer. Urnnsv. II, 1116: Oost K. post cbw 0. nnnos, treüseiin supsraUUe, Ore^orius valtnt urbem, lieneäietus enin >1nt, Ilartssborw üietnni, per 8nxones nrdnv vietnni. 1'elix bonwnrdn, enin tn vioisss äiearis Ilnne priinnin: „gnnrdn" sie vietrix eognorninaris. Daß Har;bnrg 12.—21. März bestürmt worden, mag schon sein. Aber was soll die bomImrUn bedeuten? Eckard, der mit ihr die Erfindung des PnlverZ durch die Welfen bewiesen zu haben meint. Orig. Onolt'. III, 316, hat übersehen, daß Engelh. auch sonst zu altbekannten Versen lz. B. zu rlpntus et Ontnber, 8ieuins mibi servit st /Her) andere hinzugemacht hat, und die beiden letzten V:rse deuten auch durch ihren Bau ans einen von den drei ersten abweichenden Ursprung. 346 Drittes Buch, Kapitel II, 121«. Tompropst und 36 Ritter pcriethen in die Gefmigcuschast des Kaisers, der jetzt wieder bis in die Nähe van Magdeburg vorrückte und dort den Monat mit weitere» Bcrwüstuiigeu zubrachte. Einstmals wurde sogar der Erzbischos selbst von einem seiner Basallen, welcher zum Kaiser hielt, gcsangcn und cs war sür ihn ein großes Glück, daß die treuen Bürger seine Freilassung erzwangen,'bevor Ltto zu seiner Ucbernahme herbcikam. Das konnte er aber nicht hindern, daß der Kaiser nun auch die Borstädte von Magdeburg abbranntc und sich dann anss diene über das Stiftische ergoß H, Biellcicht hängt der oben erwähnte Fürstcncvngrcß der stan- fischcn Partei in Eger mit dem Angriffe des Kaisers so zusammen, daß man sich dort verständigt hat, wie diesem zu begegnen sei?), Dem Könige von Böhmen, der in Eger erschienen war, fiel wenigstens nachher bei dem Fcldznge gegen Ltto die Hauptrolle zn und Friedrich II,, der von Eger, nach Schwaben zurückging ch, that dies wohl deshalb, um persönlich dvrt das Ansgebot zu betreiben. Wie dem auch sei, ans den Herbst war wieder ein Hvstag nach Merseburg angesagt worden H, also gerade in jene Gebiete, welche damals von der Hand des Kaisers schwer zn leiden hatten. In der Mitte des August griff dieser mit neu geworbenen Truppen Halle an; als er hier abgeschlagen wurde, verwüstete er das flache Land um Zeitz und Naumburg herum und wandte sich dann weiter nach Thüringen, ') Hauptgncllc Magdcb, Schöppenchron,'S, 138 ff,, d, h. die (losta XI- borti, aus welchen die Saibscnchron, L, 230 Kap, 350 nur einen dürftigen Auszug gicbt. Vgl, Weiland in Forsch, z, d, Gcsch, XIII, lol, Einen zweiten selbständigen Bericht über diese kämpfe bietet Ebron, älont, 8er, >>. I8l. Die Braunschw, Rcimchronik L, 70'-8 ff, lägt sic nach der Schlacht von Bonvincs statlsinden. Vgl, auch Rathmann, Gesch, d, Stadt Magdcb. II, 30 und Ja- nickc's Amn, zur Schöppenchron, Die Daten derselben wollen nicht recht zn einander passen. Wenn es richtig ist, daß der Kaiser zwischen seinen mehrfachen ilagcrungen vor Magdeburg Ende Juni wieder einmal in Brannschwcig gewesen ist, könnte vielleicht auch eine Urkunde von ihm ans Helmstadt, Juli 7 (s, o, S, 306 Amu, ls, hierher gezogen werden, '-p Pgl. jedoch S, 340 Amn, 2, In Eger urkundet er noch 10., 21, Juli, lieg, Krid, 67, 68.; am 31, Juli ist er in Nürnberg, am 1, Scpt, in Ucberlingen, lieg, IX-iel, 60—71. i) Xun, Lalisb. I, e. und darnach llerm, Xitab. als dritter Hoftag Friedrichs, ohne Angabe der Zeit. Böhmer scheint für den Juni zu sein, weil im Juli die Versammlung zu Eger stattfand und cs unglaublich wäre, dass die Lalisb. diese nicht mitgezählt haben sollten. Aber sic erwähnen sie überhaupt nicht und sie wird auch in den Urkunden nicht als enrin bezeichnet. Ferner da Otto im ganzen Juni gegen 'Magdeburg beschäftigt war, kann er nicht zu gleicher Zeit den Hoftag zu Merseburg gehindert haben. Im Juli war Friedrich in Eger, später noch weiter im Süden/ Einen Anhalt gicbt die Saebsenchron. K, 352: Ilarna rot de üeissr mit bero to Alsrsbnreb, dar de Ironing Vr. «neu Not' Imelda gelegst, Ilvn rverdo üu und brande dat laut to Ilorin- gsn nnds vieng grsve Onnters von Iveverenbereb. (Vgl, Xnn. 8tad. p> 356.) l)o gnemen aver nt de Ilebemen, bei denen nach Schöppenchron, S, Ilv König Friedrich sich befand und mit denen er 16. Okt, im Magdcburgiscbcn erschien, . p, XXXXIIl, in W, l, ll Änm, 2 benutzte Urkunde Friedrichs, !2I3Okt, 13 ist vielmehr nach Einsicht des Elmrtnl, llngistorl. f, II» Philipp 1207 Okt, 2, lieg, ?bil 107.) Daraus folgt, dass der Hoslag zu Merseburg etwa zu Ende des September gehalten werden sollte. Der Verlauf des Thronstreitcs im Jahre 1213. 347 wo er, wie auf dem ganzen Zuge, schrecklich hauste H. Es gelang ihm in der That, den Hoftag zn Merseburg zu verhindern-), bis im Oktober Friedrich ebenfalls nach Thüringen vorrückte, wo cs nun zwischen den beiden Kämpfern um die deutsche Krone unmittelbar zur Entscheidung kommen zn müssen schien. Die Stärke des königlichen Heeres soll sich auf 60,000 Mann belaufen haben, außer den staufischen Lehnsleuten und Dicnstmanncn wohl größten- thcils Böhmen und Mähren, welche von ihren eigenen Fürsten herangeführt wurden ; ihnen schloffen sich die von Otto angegriffenen Fürsten an, der Landgraf von Thüringen, der Bischof von Naumburg und Albrecht von Magdeburg"). Dieser Uebermacht vermochte der Kaiser nicht die Spitze zu bieten; ohne geschlagen zu sein, zog er sich in seine feste Hauptstadt Braunschwcig zurück, indem er das platte Land dem Grimme der Feinde prcisgab. Schon am 19. Oktober hatten diese sich vor Quedlinburg gelagert ft, welches von einem kaiserlichen Hanptmanne, dem gefürchteten Cäsarius, mit Erfolg vcrthcidigt wurde: der hatte das hochgelegene Nonnenkloster von den Insassen geräumt und dieses zn seiner Burg gemacht"). Diese Vcrtheidignng Quedlinburgs bewahrte Braunschweig selbst vor der ihm zngedachtcn Belagerung. Denn da das starke Heer Friedrichs in dem von beiden Parteien wetteifernd verheerten Lande keine Hülfsqncllcn für seine Ernährung fand und bald großen Mangel litt und als nun auch noch ein recht frühzeitiger Winter cintrat, blieb dem Könige bei der damaligen kümmerlichen Organisation des Kriegswesens nichts übrig, als die Belagerung von Quedlinburg anfznhebcn und den Rückzug anzntretcnch. Beladen mit Beute ans Freundes- und Feindesland kehrten die böhmischen Schaaren heim'), und kaum waren sie fort, als Otto aus seinem st Schöppeuchron. S. WO; Sachscnchron. (s. vor. Amn.); Xuu. Ltncl. p. 355. st (stiron. 8ninpetr. p. 56 n. 1214 1213, wie das folgende sud- LvoMn nostntv zeigt: In ül. ourin eslevrnnün iuüioitnr, ssü oum pnneis pro temporio nrtioulo cousummntur. Die pnuei werden die wenigen Fürsten gewesen fein, welche Friedrich ans dem Fcldznge begleiteten. st Außer den Genannten kommt in der einzigen von diesem Feldzuge übrigen Urkunde (s. u.) von Fürsten nur noch Bischof Otto von Wirzburg vor; dann der Abt Heinrich von Reichenau und Graf Albert von Everstcin. Oürou. 8-rmpvtr. I. c. nennt auch Baicrn. Vornehmlich wird aber in Magdcb. Schöpp., Sachscnchron., iluu. 8tnä. und bei Itsiu. Iwoä. p. 666 der Böhmen gedacht. st lisx. Vriä. 72. Vgl. W. I, 45 Anm. 3. Die Zengenrcihe, welche in die Erneuerung von >218, lieg. Vriü. 2?o, nbergegangcn ist, hat irrthümlich Iloiurieus lunroüio Hlissususis entweder als Fehler für ülornv. oder durch Auslassung von fitlornvino, 'I'Iiooä. runrvli.) itlissu. st Schöppeuchron. I. e.; tstrrou. rgA. t)ot. p. 17; ^uu. LInrdao. p. 173; vgl. Qucdlinbnrger Chronik soo. XVII. Ilibl. Ilsrol. ülss. Dior. 0. 4° st!r. 65. st Schöppeuchron. I. o.; Sachscnchron. I. o.z ^uu. Ltnü. I. e.: Lruuo- rvioli ovsossurus, seä (witolingobureli rovortitur. ') Olirou. 8niupetr. p. 56. 348 Drittes Buch, Kapitel II. >213. Schlupfwinkel Hervorbruch und ringsum in dem wieder schutzlosen Lande sengte'). Hatte Friedrich erwartet, sich durch diesen Hcrbstfeldzng die Anerkennung der Sachsen zu erringen und die Macht des Kaisers auch in dessen Stammlanden zu zerstören, so war diese Hoffnung im Allgemeinen gescheitert. Die einzige Frucht des Feldzugs bestand darin, daß Markgraf Dietrich von Meissen, unter dem Drucke der großen stausisch-böhmischen Hceresmacht und znm Thcil wohl auch durch das Beispiel seines Schwiegervaters Hermann von Thüringen bestimmt, den Kaiser verließ nnd znm Gegcnkönige übertrat M Niemand aber kvnnte verkennen, daß dem Siegesläufe des letzteren im ersten Jahre die Erfolge des zweiten durchaus nicht entsprachen. Ein bedenklicher Stillstand war in seinem wunder- baren Glücke eingctrcten und cs kvnnte nicht fehlen, daß ans der anderen Seite das Ansehen des Kaisers jetzt wieder stieg, nachdem jene, wie es scheint, doch ziemlich großartig angelegte Unternehmung Friedrichs vhne entscheidende Ergebnisse geblieben war. Dieser vermochte nicht einmal die eigenen Anhänger dauernd gegen die Angriffe Ltto's zu schützen. Während Friedrich, zufrieden mit dem, was ihm vorläufig Niemand streitig machte, ruhig in Spcier das Wcihnachtsfest beging nnd dem von Bamberg übcrgeführtcn Leichname seines Oheims Philipp von Schwaben einen Platz in den Königsgrübcrn des dortige» Domes gab ^), kvnnte Otto sogar daran Schöppenchron. I. e. 2) Schoppenchrou: Ilo selinUsäs cto niolU mer, ivcnto Uv nmrlr- Arsvo vui> Kissen om Uulcls srvor. Kein. Uaocl. 1. e. Erzbischof Albrecht, die Bischöfe Engelhard von Naumburg und Bruno von Meissen, der Landgraf von Thüringen, die Grafen von Brehna nnd Mansfeld n, 21. sind anwesend, als Dietrich die Urkunde, VoU. äipl. 8nx. ro§. II. Bd. IX, 2, ansstcllt. Das muß wegen der Jahresraten 1213, inä. I, vor dem 25. Sept. geschehen sein, d. h. also: zu der Zeit, als die Anhänger Friedrichs 11. in Erwartung seines Kommens znm Hoftage in Meissen sich sammelten, hatte Dietrich schon dem Kaiser abgesagt. Daher kann er auch ganz wohl mit vor Quedlinburg gewesen sein, s. o. S. 317 Anm. 1. "I ^.nn. Kardae. p. 171; Rein. Rsocl. p. 676; Vliron. Ilrsp. p. 371: Loi'pns uoluit in Rndindsrv esse sepultum (wahrscheinlich wegen des Antheils am Tode Philipps, den Bischof Ekbert gehabt haben sollte), svU leoit... in 8pirnin äetsrri et äo eonsilio (Oonrnäi) Ue 8enr^>1iindere epi 8»!r. iviäein sspeliri enin proASnitorivus suis. Rt od eoinineinorntionsin tnnti re^is eanonieis veelas 8pir. .. . oontulit vevlmn in RKIin^in enin zisrtinontiis suis. Friedrich sagt in der betr. Urkunde Dcc. 36., RuiU.-Rreli. I, 283: ml kusta iinperatorum et rej-uin pnrentuin et anteesssoruin nostroruin, czui ibiclein sopulti sunt, teeiwus sepeliro. Aus dem stanfischcn Hause selbst war aber erst Beatrix, Gemahlin Friedrichs I., dort begraben, Stätm I I, 250. Jene Stiftungsurkunde wurde von Jnnvcenz III. 1214 April 5., Wirtemb. Urkbch. III, 8, von Friedrich selbst 1225 Juli, ivnl. 176, IIuill.-Rreli. II, 567, von Heinrich VII. 1226 Nov. 26., ibiä. 265, IIu!II.-IIreI>. II, 866, bestätigt. Der Herzog von Brabant gab 1215 Ang. 22. im Namen seiner Schwiegertochter, der Tochter Philipps, seine Einwilligung, IIuill.-IIrLlr. I, 111. Die ans Eßlingen ruhenden Einkünfte des Bischofs von Konstanz wurden 1225 von dem speierischcn Kapitel abgclöst- Remling, Urkdbch. L>. 176. Philipps bleierner Sarg war nach Remling, Gesch. I, 137, der erste rechter Hand in der zweiten Reihe des Königs- Der Verlauf des Thronstrcites im Jahre 12IZ. 349 denken, von dem Reste seiner Herrschaft in Deutschland aus das Ringen zwischen England und Frankreich und damit auch deu deutschen Thronstreit in seinem Sinne zu entscheiden. chores ^ die Aufschrift des Grabsteins nach Amn. 992: .-Vuno Domini LIOOVIII INUüppns rax DamdorZno ooeisus XI Iral. ,suiii odiit. lieber sein Jahres- gcdächtniß s. Xsoi-ol. 8pir. it>. Amu. 993. 214. König Philipp von Frankreich hatte am Anfänge des Jahres 1211 dem Papste mitgctheilt, daß er den fortwährend drohenden Angriffe Otto's IV. znvorzukommcn und während dessen Abwesenheit im Süden selbst ln Deutschland einzurücken gedenke, damit die Fürsten sich um so leichter zur Erhebung gegen den Kaiser entschließen möchten H. Hat diese Absicht wirklich bestanden, so wurde sie doch nicht ansgeführt, vielleicht weil Jnnoeenz aus Furcht vor weiteren Verwicklungen ihr widersprach, vielleicht weil cs sich bald zeigte, daß der von Philipp angegebene Zweck sich auch ohne das unmittelbare Eingreifen seiner Truppen, allein mittels der von Frankreich und Rom aus betriebenen Agitation, bei den deutschen Fürsten erreichen ließ. Obwohl nun in demselben Maße, in welchem in Deutschland die Auflehnung gegen den Kaiser wuchs, die Wahrscheinlichkeit abnahm, daß er in nächster Zeit feindlich gegen Frankreich werde Vorgehen können, hielt Philipp doch keinen Augenblick mit den Vorkehrungen inne, welche sein Königreich gegen den gemeinsamen Angriff des Kaisers und des mit ihm Verbündeten England sichern sollten. Die Ostgrcnzc scheint ihm damals, nachdem in den letzten Jahren schon Mancherlei für sie geschehen war^), viel weniger Sorge bereitet zu haben als der verwundbarere Norden, wo gerade solche Vasallen saßen, deren Treue sich während des letzten englisch-französischen Krieges schlecht bewährt hatte. Und von Reginald de Dammartin, dem mächtigen Grafen von Bonlognc, Varennes und Mortain, wollte man am französischen Hofe wissen, daß er, trotzdem seine Erbtochter Mathilde seit 1209 mit einem 9 S. o. S. 253. 2) S. o. S. 2t)8. Die Entscheidung des deutschen Thronstreitcs, 1214. 351 Sohne des Königs verlobt warst, auch jetzt wieder mit England und Otto IV. Verbindungen unterhaltest. Das Gerücht war vielleicht nicht begründet, aber es erhielt dadurch Nahrung, daß der Gras der Forderung des Königs, sich zu ihm zu begeben und vor Allein bis zum 15. September ihm Mortain zu offnen, seine Hauptfeste in der nördlichen Normandie, allerlei Ausflüchte entgegensetzte und offenbar Zeit zu gewinnen suchte, man sagte wieder, nur deshalb, damit Hülfe von England hcrbcikommen könnet. Ta griff Philipp zu: er bemächtigte sich Mortains, dann auch der übrigen Besitzungen des Grasen und ließ überall die Städte und Lehnsleute schwören, daß sie ihm treu beistchen würden gegen England, gegen den Kaiser und gegen Reginald selbst st. Dieser aber hatte sich zu seinem Verwandten, dem Grafen von Bar, geflüchtet und als seine Bitte um Wiedereinsetzung vom Könige mit dem Befehle beantwortet wurde, zuerst sich ihm zu stellen, da that Reginald das wirklich, dessen er beschuldigt war: er trat jetzt offen zu den auswärtigen Feinden des Königs, zum Kaiser und zu England über st und setzte fortan seine ganze Rührigkeit und Gewandtheit daran, dem Bunde jener wo möglich die sämmtlichcn niederloth- ringischcn Fürsten und Herren znznführen st. In anderer Weise meinte König Philipp sich Flanderns zu versichern. Um Johanna, die ältere Tochter des als Kaiser von Byzanz verschollenen Grafen Balduin, warb nämlich damals Fer- rand von Portugal, der Lohn des Königs Sancho, und seine Tante Mathilde, die Wittwe des auf dem dritten Krcuzzuge gestorbenen Grasen Philipp von Flandern, brachte es in der That dahin, daß der französische König, welcher als Oheim und LchnSvormund nicht zu umgehen war und obendrein seit 1206 Johanna und ihre Schwester Margarethe in seine eigene Obhut genommen hatte st, dem Jnfanten die Hand der flandrischen Erbin gewährte. Ferrand Dslisiv, CntnI. cios -miss äs I'bil-/änzp. nr. I>78. Sogar Onill. llrito, Ossta INiil. lies. XVII, 86 thcilt das eben auch mir als ein Gerücht mit, während Philipp in den Briefen an den Grasen Dc- lisls nr. 1269. I3oo bestimmte Kenntniß zu haben behauptet. Ich habe aber in den englischen Docnmcntcn gar keinen .Anhalt für die Annahme solcher Beziehungen gefunden und so hat die Versicherung des t'bron. Itotomng'. Ilse. XVIII. 360: lies omnin bnlsn fnsrnnt, doch einiges Gewicht, st Ovnt. Kob. (Io Llonto, lies. XVIII, 313. 0 Dsbsls nr. 1301 —1301 vom Scpt. und Okt. 1211. lieber die Zeit dieser Fehde s. IVIisIo, Introd. p. OXI (wonach W. I, 47 zu verbessern ist: und Scheffcr-Boichorst in Forsch, z. deutsch. Gcsch. VIII, 536. — Onill. Oi'ito p. 87 : trnnstnlit SS priino N(I Ottonsin st post per lAnndrinm nci .lob. rSASm ot loodus onm ntrocins psronssit. Reginald muß in der That gleich nach Ollü's Ankunft in Deutschland Lei ihm erschienen sein, da König Johann schon am 4. April 1212 sein Eintreffen in England mit Aufträgen des Kaisers melden kann Ori§. Ouslt. III, 813. o) Onill Ilrito, Obilippw X, 130: chnos omnss inibi Itolouns somss nddidit bostes ete. Er stellt nach (lonsal. som. Istnndr. o. 16, LI. O. 8s. IX, 331 den Niederländern vor, daß der Krieg gegen Frankreich unbedenklich sei, innxims cum auxilinm impsrntoris 0. sis dsssso non possit. y Ilolislo nr. 1001. 1002, vgl. Bd. I, 405 Amn. 1. 352 Drittes Buch, Kapitel III. 1211. hat dann am 22. Januar 1212 zu Paris dem Könige den Lehns- cid für Flandern geleistet'). Er mochte denken, damit allen Anforderungen, welche von Frankreich an ihn gestellt werden konnten, gerecht geworden zu fein, und er war mit seiner Gattin auf dem Heimwege fchon bis Peronne gekommen, als der französische Thronfolger Ludwig, dessen Mutter eine Schwester des Grafen Balduin gewesen war, einen Theil der flandrischen Hinterlassenschaft für sich verlangte. Aus Fcrrands Weigerung, diese Ansprüche zu befriedigen, folgte seine und seiner Gattin Gefangennahme und cs blieb ihm am Ende Nichts übrig als mit der Abtretung von St. Omer und Aire Ludwigs Vcrzichtleistnng auf das klebrige zu erkaufen"). Dann erst wurde ihm gestattet von Flandern Besitz zu ergreifen und den Widerstand Gents zu brechen, welches ihn nicht als Herrn anfnchmcn wollte ch. Ter Anfang seiner gräflichen Herrlichkeit war sonnt nicht darnach angcthan, ihn mit sonderlicher Vorliebe für Frankreich zu erfüllen: man scheint indessen dort überhaupt weniger auf seinen guten Willen gerechnet zu haben als darauf, ihn in eine solche Lage zu versetzen, daß er gar nicht anders konnte als gehorsamen. Gerade in dieser Beziehung war der Besitz von St. Omer für Frankreich allerdings von ziemlicher Wichtigkeit, besonders da cs zugleich die Behauptung der «ungezogenen Grafschaft Bonlogne erleichterte. Die flandrischen Vasallen und Stadtbehördcn mußten außerdem sich eidlich zu unbedingter Unterstützung des Königs verpflichten, falls Fcrrand sich gegen ihn anflchnen würde. Auch der Burggraf von Gent, obwohl Angehöriger des Kaiserreiches, hat damals dem französischen Könige als seinem Herrn geschworen ch. Mit ähnlichen Mitteln bereitete König Philipp sich übrigens auch gegen einen Angriff von Westen vor. Er selbst begab sich, während sein Sohn sich noch mit Fcrrand von Flandern anscin- andcrsetztc, im Februar 1212 nach Le Maus: der mächtige Baron Amanri de Craon, welcher vielleicht wie Reginald von Bonlogne beargwöhnt war, mußte dem Könige sein Schloß Chantocü an der Loire überlassen und Bürgen für seine Treue in beträchtlicher Anzahl bcibringcn °), und Amanri wird dort nicht der einzige gewesen sein, der zur Pflichterfüllung eines solchen Zwanges bedurfte. Solche Vorkehrungen waren aber um so mehr am Platze, weil die deutschen Dinge gar nicht gingen, wie Philipp berechnet hatte, nüd die Gefahr eines baldigen doppelten Angriffs von England und von Deutschland her deshalb wieder näher rückte. Der auf ') IleliKe nr. IM. Vgl. ^Idiiens a. 1213 p. 890: Data rcgi I-Xau- cis nmxiing. summa psenniv lUniielrüun oplinnit z,ost nntnlo Doinini. 1212 Feb. 25. Dellsls nr. 1349 ff. Vgl. (Ions,alo^ln z). 330; XvMÜ. cts Ilovn, ^.nn. ItelK'., lioo. XIX. 250; Pauli, England III, 307; Scheffer S. 537. Xnn. Illlltz'. I. L. ') S. die einzelnen Urkunden bei Dellsla nr. 1324 ff. Dslislo nr. 1339—1318. Die Entscheidung des deutschen Thronstreites, 1214. 353 Frankreichs Betrieb von den deutschen Fürsten erkorene Gegenkönig ließ Nichts von sich hören; statt des Staufcrs erschien vielmehr Otto IV. selbst wieder diesseits der Alpen und die Meisten seiner bisherigen Gegner beeilten sich Frieden mit ihm zu schließen. Sein Groll gegen den westlichen Nachbarn war durch die Vorgänge der letzten Zeit natürlich noch gewachsen und machte sich, wie man weiß, gleich auf dem ersten Reichstage in Frankfurt iu erbitterten Worten Luft st. Wie hätte da der von gleichem Hasse erfüllte Reginald von Boulogne nicht Gehör finden sollen, wenn wenn er dem Kaiser ricth, den seit langen Jahren Frankreich zugedachten Schlag nun auch wirklich zu führen! Wohl standen einige Reste der päpstlich-französischen Partei noch in Waffen und diese mußten zuerst überwältigt werden, che an einen Rcichskrieg gegangen werden konnte. Aber schon jetzt sandte Otto durch Reginald seinem Oheime von England die Versicherung zu, daß er mit aller Macht zu seiner Unterstützung bereit sein werde, wo und wann derselbe cs wünsche. Er wies seine Getreuen in den unteren Landen an, dem englischen Könige zu dienen, wie ihm selbst, und erklärte ein vielleicht von Frankreich ans absichtlich in Umlauf gesetztes Gerücht, daß er Gesandte Philipps angenommen habe, als abscheuliche Lüge und die Verbreiter desselben als Verrütherst. In der That, Nichts lag ihm ferner als der Gedanke, in Frieden mit Frankreich zu leben. Wie Otto IV., so hat auch König Johann den Werth Reginalds zu schätzen gewußt, als dieser mit der Empfehlung des Kaisers zu Anfang des April 1212 in England anlangtc. Eine große Rcichsvcrsammlnng wurde auf Himmelfahrt (3. Mai) nach London berufen, um Zeuge des Lehnscidcs zu sein, welchen der vertriebene französische Baron dem englischen Könige leisten würde 3). Man erwartete nicht mit Unrecht von seinem Vorgänge und von seiner reichlichen Ausstattung mit Gütern und Renten in England eine mächtige Rückwirkung auf das Festland st und besonders auf die Niederlvthringer, bei denen Reginald schon wacker vorgcarbcitet hatte. Seine Bemühungen waren zum Theil wohl durch ältere Beziehungen zu England erleichtert worden; sic wurden ohne Zweifel auch durch die kaiserliche Hinweisung auf den englischen 5 S. o. S. 299 Attili. 3. st Der Inhalt des kaiserlichen Briefes ist nur bekannt aus den Mittheilungen des stönigs Johann an den Vicomte von Thouars in Poitou 1212 April 4. Orig. Onslt'. II l, 813 n. ö. Daraus läßt sich auf den Zeitpunkt schließen, in welchem Reginald mit Otto IV. zusammen,ictroffcu ist. s. o. S. 351 Amu. 5. Ilolimoi', lieg. im,,. 389 nr. 35 ändert das Datum des Briefes in 4. Mai, hat aber übersehen, daß es von Reginald dort heißt: in äis asosn- sionis Domini Mai) iiäelitatsm Ina turn 8 Li'it. lieber das Gerücht von Verhandlungen Otto's mit Frankreich s. Schcfser S. 538, Anm. 4. b) Johann April 4, s. vorher; über die Ausführung s. die Beurkundungen Johanns und Reginalds vom 4. Mai. Ilnril)-, liot. alnrrt. Rnrrio Doncl. I, 188. Vgl. ItvAvr clo tVoncl. oä. Ooxo III, 238. >) Johann April I: Hase antem itn pmvlios lisri volnimus, nt amioi uostri Mtuäinin vt inimiei nostri conlumonem Iinveant mauilestnm. Jahrb. d. dtsch. Gesch. — W i II k e l III li IIII, Otto IV. 2 3 354 Drittes Buch, Kapitel III. 1214. Dienst wesentlich gefördert; den Ausschlag aber gaben am Ende dach die großen Vortheile, welche mir demselben verbunden waren. Selbst Fernand von Flandern, dem doch die Franzosen auf dem Nacken saßen, hatte den Anträgen Reginalds soviel Gehör geschenkt, daß König Johann ihm am 4. Mai ein förmliches Bünd- niß anbietcn zu dürfen glaubte Z. Der Herzog Heinrich von Limburg aber und sein Sohn Walram, der Graf Theobald von Bar und sein Sohn Heinrich ließen durch Reginald geradezu erklären, daß sie Mannen des englischen Königs werden wollten, und der Herzog Heinrich von Brabant versicherte ihn solcher Ergebenheit, daß gewisse leicht zu crrathcndc Wünsche, welche jener Reginald mitgegeben hatte, auf der Stelle Erhörnng finden mußten Hatte nun Johann schon aus der ersten Botschaft seines kaiserlichen Neffen, welche Reginald überbracht, die Hoffnung geschöpft, bald stark genug zu sein, um an die Wiedererobcrnng der festländischen Besitzungen gehen zu können ch, so war der bereitwillige Anschluß der Niederlothringcr an die welfisch-englische Sache ganz darnach angcthan, diese Hoffnung zur Gewißheit zu steigern. Eine neue Botschaft des Kaisers, welche zu Pfingsten in London eintraf H, enthielt neben sonstigen guten Nachrichten über das Ergehen desselben allem Anscheine nach auch schon allerlei Vorschläge über den beabsichtigten Feldzugs. Genug, zu Ende des Mai war Johann offenbar der Meinung, daß in kürzester Frist losgeschlagcn werden könne, und er entfaltete nun eine fast fieberhafte Thätig- kcit nach allen jenen Seiten hin, von welchen Unterstützung zu erwarten war. Eine Gesandtschaft, aus deren Zusammensetzung auf die Wichtigkeit der ihr anfgetragcnen Sache geschlossen werden darf — sic bestand aus dem Kanzler Walther Gray, dem Grafen Saycr Quency von Winchester, dem Truchsessen Wilhelm von Cantilupo und dem Ritter Robert Tresgoz — wird an den Kaiser abgcordnct, doch wohl um mit ihm für den bevorstehenden großen Schlag das *) IHmrsr I. 50. Johann lieh zugleich, vielleicht UNI eine Fürsprecherin zu gewinnen, der Gräfin Margarethe von Flandern 3000 Mark. Sie ist aber nicht, wie Schcffcr S. 538 meint, die Wittwe des 1101 gestorbenen Philipp, sondern des 1105 gestorbenen Grafen Balduin V. von Hennegan, der seit Philipps Tod auch Graf von Flandern war. S. u. die Antworten König Johanns, r) Johann April 4.: Orediinns riutsm, guocl Dei et umicorum nostro- rum nuxilio nollis in llrovi ncl iura nostrn eonguiromln nvoresest tllrtitullo. Träger derselben waren Konrad von Wäre, Oonrnärm äs Dille und Roger von Merham mit 28 Pferden. Ools, Doe. illustr. ot Dugllsll llist. in tlis 13. oent., p. 232. Am 25. Mai werden die Kosten ihrer Hcimbefördcrnng angewiesen. Sudendors, Welfenurk. S. 85. 6) Johann nach Poitou Mai 23. Orig. Duell. III, 814: inittimus völlig trunsgerizitum literurum cl. impsrutoris, guns nuper soll llullu nuron zier nuneios suos solempiiog völlig triinsrnisit, und deutlicher an den Herzog von Brabant: p. 815: Leintis, rzuoä ipgs all nos uuneiov snos soloinjinss et litsrng ninionlliles trnnsmisit, ziroptsr guos in ziroximo, Deo volents, utrigus uostrum ooinmollum et llonorsin et vollis et omnillus nmiois uostris gnuclium oreclimus proventuruin. Die Entscheidung des deutschen Thronstreites, 1214. 355 Nähere zu verabreden'). Der Herzog Heinrich von Brabant, welcher von seinem glücklichen Handstreiche gegen Lüttich Mittheilung gemacht hat, empfängt reiches Lob ob seines Eifers für die gemein- stimcn Interessen Englands und des Kaisers und zugleich die Weisung, bei dem letzteren die Vorschläge der englischen Gesandten persönlich oder schriftlich zu befürworten-). Der Graf von Bar und der Herzog von Limburg werden anfgefordcrt, unverzüglich znm Empfange der gewünschten Lehen nach England herüberzukommen ^). Reginald von Bonlvgne und der Pikarde Hugo de Boves sind inzwischen in Flandern und Brabant mit Werbungen beschäftigt. Als König Johann Höflichkeits halber bei dem Bra- banter diese zu gestatten bittet^), sind sie thatsächlich schon in vollem Gange. Er kann schon am 1. Juni die von den Werbern mit einer großen Menge flandrischer Ritter abgeschlossenen Dicnstver- träge bestätigen ö), während allerdings Graf Ferrand selbst mit seiner Entscheidung noch zurückhält und auch im Juli noch keineswegs für das englische Bündnis) gewonnen ist o). Ebenso wurde in Poitou für England geworben H. „Ihr sollt, so schreibt Johann seinen dortigen Getreuen, in Kurzem etwas hören, was euch und Allen, die uns lieben, rechte Freude verursachen wird ch." Er meinte ohne Zweifel demnächst melden zu können, daß der Kaiser schon gegen Frankreich im Felde stehe. Da konnte denn ein erneuter Versuch des Papstes, durch direkte Verhandlung mit dem Könige ihn zur Nachgiebigkeit gegen die Kirche zu bestimmen und ihn noch in der letzten Stunde von der Verbindung mit -Otto IV. abzuziehen, unmöglich irgend einen Erfolg Haben s. Gerade im ll Johann an den eben erwähnten Stellen und in der Beglaubigung der Gesandten beim Kaiser 11),nsr p. La, Sndendorf S. 83. 2) U)-mor p. 51 ; Orige Onvlf 111, 812; Sudcudorf S. 84. Dieser Brief und die Gesandtschaft selbst werden in ihrer Zeit durch den erwähnten Brief nach Poitou vom 23. Mai bestimmt. 2) Ebenso an die Söhne derselben Mai 23. 24. 11/nrsr p. 51: die Geleitsbriefe für sie bei Ilnrcl/, Hot, lit. put. I, 02>>. ch Heiner p. 52. Der Scueschall des Herzogs war damals schon im englischen Dienste. Ü llnrä/ I. a. z>. !13. Daselbst vom 25. Mai ein allgemeiner Geleits- brief für die Angeworbenen. 6) Aus Johann an Ferrand Juli 20. 11)nnsr p. 52 lernen wir, daß es sich damals erst um eine Unterredung mit dem Grafen zu Dover handelte. Johann Mai 24. Heiner 1. o. "s Mai 23. Orig. (Inelf. III, 814, s. o. S. 354 Anin. 5 . ") Ich habe oben S. 207 A. 5 der Meinung Pauli's 111, 385 A. 4 beige- stimmt, daß der in den ^.nn. Ilurton. mitgetheiüe Wortlaut der Unterredung Johanns mit den päpstlichen Agenten Pandnlf und Durand kaum authentisch sein dürfte. Aber Pauli geht zu weit, wenn er die Verhandlung im Jahre 1212 überhaupt bestreitet, weil Stephan Langton und seine bischöflichen Genossen erst Jan. 1213 von Rone in Frankreich cingctroffcn seien. Diese aber hatten mit jener Verhandlung gar nichts zu thnn, sondern außer den Genannten der Bischof von Winchester. Vgl. Inn. 111. Instruktionen für sie und seinen Brief an Johann 1212 Fcbr. 28., Mär; 1. Vottlr. nr. 4302 ff. Möglicher Weise steckt nur in der Zeitangabe der dlmu. Dnrtou., daß Pandnlf mit Johann am 28. Aug. in Northampton znsammengetrofsen, ein Fehler, da nach Pauli der König seit dem Juli nicht mehr in Northampton gewesen sein soll. 356 Drittes Buch, Kapitel III. 1214. Bunde mit Otto meinte Johann des Sieges über Frankreich und damit auch des Sieges über den Papst völlig gewiß zn sein. Mit viel geringerer Zuversicht ging König Philipp dem unvermeidlichen Kampfe entgegen. Er nmschanztc gleichsam sein Land mit Reversen und Bürgschaften, aber da er selbst in Deutschland zur Empörung aufgercizl hatte, mit dem Fürsten vvn Nvrdwalcs ein Einverstündniß unterhielt Z, Beiträge abschlvß mit Johanns Vasallen in Poitou und Gnienne"), den Widerstand der englischen Geistlichkeit crmnthigte und mit unzufriedenen englischen Baronen in Verbindung tratP, — wie hatte er den von ihm erzwungenen Eiden größere Haltbarkeit zntrauen können als denen, welche auf seine Bcranlassung gebrochen wurden? Die umfassende Nenbcfesti- gung von Paris, welche er damals begann H, muß als Ausdruck seiner ernsten Befürchtung gelten, daß alle jene Gelöbnisse zum Schutze der Grenze sich in der Stunde der Gefahr nicht bewähren mochten. Ihr zn entgehen, konnte er nur dann hoffen, wenn der Kaiser irgendwie in Deutschland festgchalten und so nochmals außer Stand gesetzt wurde, seinen Verpflichtungen gegen England zn genügen. Der zähe Widerstand des Landgrafen von Thüringen verhinderte den Losbrnch des Kaisers wohl für das Jahr 1212,— was aber dann, wenn jener, der Erzbischof vvn Mainz und der König von Böhmen unterlagen? Wie eine wahre Erleichterung wirkte deshalb auf Philipp die Nachricht, daß der stanfische Gcgen- könig endlich nach Deutschland unterwegs, daß er schon in Genna sei: er verhieß den Genuesen großen Lohn, wenn sie ihn sobald als möglich über die Berge schaffen würden ch, und man weiß, daß er dann, als Friedrich glücklich an Ort und Stelle war, seinerseits durch bedeutende Summen den Anhang desselben vergrößern half Als das halbe Reich sich sogleich gegen Otto anflehnte und dieser vor dem allgemeinen Abfalle sich in den Norden zurückziehcn mußte, da konnte Philipp doch darauf rechnen, daß er cs vorläufig nur noch mit England und mit dessen niederländischen Bundesgenossen zu thun haben werde und ihnen fühlte er sich nicht blos gewachsen, sondern sogar überlegen, weil die moralische Autorität der Kirche auf seiner Seite war. Er stellte bei verschiedenen Gelegenheiten absichtlich dies in den Vordergrund, daß seine Feinde auch die Feinde der Kirche seien und daß Gottes Fluch auf ihnen laste. h Ilelisls nr 1416. Vgl. Hurter, Jnnoc. III. Bd. II, 429. h vslislo nr. 1981. 14119—1411. vgl. nr. 1421. »j Pauli III, 366. Ü tluill. Ilrito p. 85. Dollsle nr. 1336 bestätigt die Nachricht jenes, daß der König den Grund und Boden für die Festungswerke, den er einfach hätte nehmen können, bezahlt habe. Vgl. itlurtün, llint. 6,666 M., am 6. Okt. 1066 und 28. Jan. 1213 wieder 9066 M., s. o. S. 336 und 345. Oder waren die beiden letzten Posten nur Auszahlungen der am 27. Sept. angewiesenen Summe? Die Entscheidung des deutschen Thronstreites, 1214. 357 Diese moralische Ueberlcgcnheit vervollständigte Philipp endlich noch dadurch, daß er zu Anfang 1213 die seit sicbenzehn Jahren verstoßene Jngeborg plötzlich wieder zur Gattin annahm, zur höchsten Befriedigung seiner Unterthanen, welche in dieser Angelegenheit stets das Unrecht ans Seiten des Königs gefunden hatten'). Man müßte Otto IV. schlecht kennen, wollte man annehmen, daß der Niedergang seiner Macht in Deutschland ihn dazu hätte bestimmen können, seiner Bctheiligung an der großen Aktion gegen Frankreich nun endgültig zu entsagen, obwohl er sie wieder vertagen mußte. Die Verhandlungen, welche er nach seinem Rückzuge an den Niederrhcin zu Aachen mit Reginald von Boulogne gehabt hat-), und die Mitthcilnngen, welche er durch diesen, den Grafen von Holland und seinen Bruder den Pfalzgrafen im März 1213 dem Oheime in England zukommen ließ "), werden vielmehr darauf hinausgcgangen sein, daß Otto zwar die Fortdauer seiner Verpflichtungen anerkannte, aber andrerseits die Unmöglichkeit ihrer augenblicklichen Erfüllung nachwies. In der That, von einem Angriffe ans Frankreich von den Niederlanden her und unter der Führung des Kaisers ist seitdem vorläufig nicht mehr die Rede; Johann von England traf im Gegentheil die nöthigcn Vorkehrungen, um die Vasallen, die er sich dort erkauft hatte und zu denen sich jetzt auch Wilhelm von Holland gesellte, nöthigenfalls auf die Insel selbst hinüberzuziehen ^). Das Ver- hältniß der beiden Wcstmächte hatte sich seit dem Sommer des vorigen Jahres völlig umgekehrt: nicht Frankreich, sondern England hatte jetzt einen feindlichen Einfall zu fürchten. Im Januar l2I3 war nämlich bei König Philipp der vertriebene Erzbischof von Cantcrbnry erschienen und hatte ihn im Aufträge des Papstes ermahnt, dem Bannspruchc gegen Johann mit den Waffen zur Ausführung zu verhelfen. Das war cs gerade, was Philipp seit lange ersehnt hatte, eine päpstliche Vollmacht zur Entthronung des Gegners, eine Eroberung Englands und den Ablaß des Kreuzfahrers °). Die Stände, welche auf den 8. April 1) Onill. Ilrito p. 88. - 2) S. o. S. 320 Am». 3; S. 331 Amn. I. ft Diese Gesandtschaft war schon-zu Anfang 1213 bei Johann angeincldet, der sich am 28. Jan. bereit erklärte, sie zu empfangen und anzuhören. Oorllon- äenb. vau Holland I, nr. 230. Vgl. Orig. Ouslt'. III, 810. Dem Träger der Meldung 8>vano olsriso impsratoris snnti aä >Io-ännin snnm werden 29. Jan. äs äono 5 M. angewiesen. Ilotulus misao a, XIV bei Oslo p. 29. Die Gesandtschaft langte im März in England an ^.nn. äs Ilunstaplia sä. Iniarä III, 34 und zwar kaum vor der Mitte des März, Wenigstens werden dem Grafen von Holland erst 17. März äs t'soäo 400 Mark und als Ersatz seiner Anfcnthaltskostcn noch 100 M. angewiesen. Oolo, Oosnm. p. 257. Am 29. März sind alle drei Gesandten in London, s. folg. Anm. ft Lehnsvcrtrag vom 29. März zwischen Johann und Wilhelm von Holland, der sich für ein Lehen von 400 Mark znm Dienste mit 25 Rittern gegen Jedermann und im Falle einer feindlichen Landung in England auch dort verpflichtet und aus Kosten des Königs 500 oder 1000 oder noch mehr Knechte zu stellen verspricht. Ilarä)-, Hot, turris I^onä. I, 190 1>. ft Ilog. äs Ilovsäsn oont. in illeinor. Ir. IValt. äs Oovsntria sä. 8tnI>Iis 11, 209; liogsr äs IVsnäoevsr III, 243: rein cllu ässiäsratain in- tvlllgons. 358 Drittes Buch, Kapitel III. 1210. nach Soissons berufen waren, wurden von dein Enthusiasmus des Königs fvrtgerisscn und stimmten seinen Vorschlägen bereitwillig zu. In dcr'Osteroktavc sollte» alle Dienstpflichtigen sich bei Rouen versammeln; in den Häfen wurden die Schiffe für den königlichen Dienst in Beschlag genommen und ausgerüstet; man meinte ihrer l500 für den Ucbergang des Heeres von Calais nach England zu bedürfen st. Schon wurde die Möglichkeit ins Auge gefaßt, daß der Erzprinz Ludwig dort König werden könnte, und sein Verhält- niß zu Frankreich für diesen Fall im Voraus geregelt 2). Vor allen Dingen aber mußte dafür gesorgt werden, daß.die überseeische Unternehmung keine Störung von der niederländischen Seite zu befürchten hatte, und in dieser Beziehung kam cS de» Franzosen zu Statten, daß unter den dortigen Großen, auf welche England glaubte rechnen zu dürfen, doch wieder Zerwürfnisse bestanden, welche gemeinschaftliches Handeln ihnen fast unmöglich machten. Als nach kurzem Stillstände die Fehde zwischen dem päpstlich gesinnten Bischöfe Hugo von Lüttich und dem zum Kaiser haltenden Herzoge Heinrich von Brabant im Sommer 1212 aufs Neue in Gang kam, da bekam der Bischof nicht blvs von Lothringen und von Frankreich her, sondern auch von dem flandrischen Grafen st solche Unterstützung, daß der Herzog um Frieden bitten und auf die Dggsburger Lehen verzichten mußte. Cr hat freilich nachher die Ausführung der Fricdensbcdingnngcn verzögert. Wie Graf Ferrand aber hier ganz den Wünschen seines französischen Lehnsherrn entsprach, so hat er gleichzeitig auch in Bezug ans England zunächst noch zu Frankreich gehalten und, soweit wir sehen können, die von dort kommenden Anträge sehr kühl ausgenommen. Heinrich von Brabant dagegen erscheint durchaus als VerbündetcrEnglands, wird wiederholt für seine Unterstützung des Kaisers und für seine Förderung der englischen Interessen von Johann belobt und erstattet seinerseits ihm über die Vorgänge im Lüttichschcn regelmäßigen Bericht 4). Noch im November 1212 machte er zusammen mit Reginald von Boulogne dem Kaiser einen Besuch iu Aachen st. Aber Otto, der obendrein bald nach Braunschweig zurückging, vermochte damals beim besten Willen ihm keine Hülfe zu gewähren, welche die Unterstützung des Bischofs durch Frankreich anfwog, und um dem Feinde diese zu entziehen, entschied Heinrich sich nun selbst zum Uebertritte auf die französische Seite, von welcher er sich außerdem wohl in Betreff der Erbschaft des am 15. Oktober verstorbenen Grafen Philipp von Namur irgend welchen Vorthcil vcr- Iloveclen oont. I. e.; IloAor k. e.; Osueal. coiri. kplnnär. c. 16. -) Dolii-Io nr. 1737. lioiu. I,so 666. v) lisin. iOsoü. p. 666: non venit, 86t rsopouoalso inioit, ns regio pstitionibno nä insonvonisno clneorstnr. Scheffer S. 543 übersetzt: „um nicht anzustoßen, schickte er Gesandte". 0 S. o. S. 34> A. 3. Wie dringend Bischof Hugo den König zu sprechen wünschte, sieht man daraus, daß er ihn, als derselbe doch nicht nach Koblenz kam, weiter oberhalb am Rhein anfsuchte. lisin. I^soci. 1. e. °) lisin. stsoel. I. 6.: Onm apucl Imnclnnnm 6886t vitatn8 ab SX6VN- toribu8 8NI8 , onggsotions regm st einem rssxonoalso inmit n. s. w. Das Komma ist richtiger wohl hinter einem zu setzen. Die Hochzeit fand nach Onill. IZrito p. 88 statt otatiin p 08 t oetavrm zmoebas (21. April). 360 Drittes Buch, Kapitel III. 1214. wie denn in der Thai Jmwcenz III. schon am 25. Mai dem Erzbischöfe von Reims Vollmacht gegeben hat ihn vom Banne zu befreien, wenn er dem Kaiser absagc und dem Bischöfe Schadenersatz leiste ^). Der letztere hatte sich nun allerdings durch Fernhaltcn der französischen Vermittlung sein Recht unverkürzt bewahrt^ aber darüber die Freundschaft des französischen Königs verscherzt, der brieflich zu verstehen gab, daß er eine Beeinträchtigung seines nunmehrigen Schwiegersohnes um so weniger dulden werde, weil er der vollen Kraft desselben für seine englische Unternehmung bedurfte -). Doch kehren wir noch ein Mal zu dem Reichstage in Soissons zurück, auf welchem sich also der Anschluß Brabants an die französische Sache, aber auch der unheilbare Bruch mit Flandern voll zog. Denn auch Graf Ferrand war dort erschienen, sicherlich nichts weniger als erbaut von der Gunst, welche seinem feindlichen Nachbarn von Seiten des Königs zu Thcil ward. Durfte er sich aber darüber beklagen? Wenn sein gelegentlicher Verkehr mit England sich auch vielleicht der Kcnntniß des Königs entzog, so waren die Werbungen, die er Reginald von Boulogne in seinem Lande gestattete, doch ein offenkundiger Beweis, daß er cs mit der Lchns- treue wenigstens nicht allzu genau nahm ^). Als Verbündeten Englands darf man ihn trotzdem noch nicht betrachten: er hat zu Soissons den Erobernngsplänen des Königs gegen dieses Reich nicht geradezu seine Unterstützung versagt, sie nur an die Rückgabe der ihm vom Erbprinzen Ludwig abgezwungenen Festen St. Omer und Aire geknüpft. Darüber wurde dann verhandelt: der König bot einen Ersatz an, Ferrand aber beharrte ans seiner Forderung und verließ endlich Soissons mit dem heimlichen Entschlüsse, sich auf Englands Seite sein Recht zu erstreiten ^). Sein Abfall ward natürlich eine große Behinderung für die überseeische Unternehmung, eine noch größere aber wurde ihr durch die beispiellose Selbstsucht der päpstlichen Politik bereitet. König Johann war den französischen Rüstungen gegenüber nicht müßig geblieben. Mit strengen Befehlen wurden seit dem Anfänge des März die Dienstpflichtigen einberufen. Sei cs nun, 1) Ihüst. XVI, 56. h Lrininplrns s. Lninberti 1. o. b) Lew. Level. I. o. sagt, der Bruch sei erfolgt oeensionv eoinitw Lo- lonias, cznein eonrs8 ineoiwnlto ckstinsönt. Auf das vom Könige gebotene exeninlnuin bezieht sich anscheinend ein Punkt in der Abmachung Philipps mit seinem Sohne Ludwig, lislwls nr. 1437. Nicht richtig ist die Motivirung bei Knill. Lrito z>. 88: iLerr.) reeessit, «zulu Mn, nt po8t uppui'nit, eontoscleratus erat regi üonnni. Ans Johanns Brief an Ferrand Mai 25. Ilnrcl/, Lot. lit. pat. I, 69 geht vielmehr hervor, daß letzterer erst kürzlich die Hülfe Englands nachgesucht; Johann wirst ihm gewissermaßen vor, daß er cs so spät gethan: oi zn-ins nck nos inisissetw, inasorsin Lnoonrsuin t'sewoeinrw. — Aehnliches wie 6uiII. berichtet Lager cls lVenä. III, 256 — aber er läßt die Berhandlnng erst nach Pandolss Rückkehr aus England stattfinden, also nach 15. Mai. Die Entscheidung des deutschen Thronstreites, 1214. 361 daß die drohende Landung einer feindlichen Armee die Nation zur Gegenwehr anspornte, sei es daß man die Härte des Königs lind die angedrohtcn Strafen fürchtete, genug es sammelte sich Anfangs Mai in der Gegend von Canterbury bei Barhamdowne und in den fünf Häfen ein starkes Heer, welches nach Hcimsendung der Unbrauchbaren auf 60,000 Streiter geschätzt ward; die Häfen füllten sich mit Schiffen, andere Geschwader kreuzten auf dem Meere und beunruhigten die feindliche Küste durch Landungen Z. Wenn Johann auf diese überlegene Flotte schaute, glaubte er allem Kommenden gewachsen zu sein, die Feinde vernichten zu können, bevor sie den Fuß auf englischen Boden setzten ch. Es war damals doch höchst zweifelhaft, welches von den beiden Heeren, die sich am Canale gegenüberstanden, den Sieg behalten würde. Aber das englische Heer war von Verräthcrn nnterwühlt und die Gewißheit, daß ihn solche umgaben, ließ Johann an dem Erfolge seiner Sache irre werden^). Später schob er alle Schuld auf den andauernd ungünstigen Wind, der seiner Ueberfahrt hinderlich gewesen ch: größere Stürme warfen ihn selbst hin und her, von einem Extrem ins andere. Diesen Augenblick erfaßte der päpstliche Subdiakon Pan- dulf, welcher seit der. mißglückten Verhandlung im vorigen Sommer drüben in Frankreich auf einen Gesinnungswechsel des Königs wartete. Er bat um eine Unterredung, kam mit Genehmigung Johanns nach Dover herüber und überzeugte ihn vollends, daß er Schutz vor dem Angriffe der Franzosen und Rückhalt gegen die Unzuverlässigkeit seiner Barone nirgends sonst finden könne als bei der Kirche. Am 13. Mai 1213 bewilligte Johann Alles, was Pandulf von ihm verlangte; zwei Tage später bekannte er sich znm tributpflichtigen Vasallen des apostolischen Kirchenfürsten ^). Jnnoccnz III. hatte nun Wohl seine eigenen Zwecke erreicht, aber dabei auf seine bisherigen Verbündete nicht die mindeste Rücksicht genommen, geschweige denn ihnen genützt. Vielmehr war die nothwcndige Folge dieses Separatfriedens, daß er zu denjenigen, welche er selbst in Waffen gebracht, in eine schiefe und wenig loyale Stellung kam. Weil er als Lehnsherr Johanns jetzt die Verpflichtung, und, wie die nächste Zeit lehrte, auch den Willen hatte, ihn vor Schaden zu hüten °1, wurde den englischen Baronen, welche der kirchlichen Aufforderung zur Empörung Gehör gegeben hatten, bei N liog'. äs Ilnvsäen eont, p. 211. st lio^sr äo IVenäorvor III, 246. 2) lioger I. e.: gsuidus sr erZa rogern st äetensionenr patriae eor unrun esset et rrninra uns., non tuissst priuoeps sud eoslo, contra gusrn rsgnrnn ^nxlias non äelsnäerent. Bgl. Pauli III, 376. Rauke, Engl- Gesch. I, 66. ' U So iu dcu Briefen an die Grafen'von Toulouse und Auvergne 1213 Aug. 17. liznner I, 57. y Pauli S. 374 ff. st Itartliol. äs Ootton eä. Inrarä p. 103 macht zu ItoAsr äs IVsuä. III, 336 dcu Zusatz: diovu» oniin papalis vasallus in oinnidus rnoruit ta- voradilitsr exauäiri. 362 Drittes Buch, Kapitel III- 1214. Strafe des Bannes anbefohlen, sich wieder dem Könige zu unterwerfen nnd ihm gegen Frankreich Beistand zu leisten, das auch im päpstlichen Aufträge sich eben zu seinem Sturze anschickte nnd sich nun ebenfalls schmählich im Stiche gelassen sah ff. Jnnoccnz war der Verbündete Friedrichs II. gegen Otto IV. — aber wir erfahren nicht, daß er seinem neuen Vasallen untersagt hätte, den letzteren gegen Friedrich zu unterstützen: der eine König von Papstes Gnaden durfte die Mittel hergeben, um den andern König von Papstes Gnaden und dessen Anhang zu befehden. Aber was bedeuteten für Jnnoccnz überhaupt die Streitigkeiten der Könige? Er war Feind jedem, der sich ihm nicht beugte, Freund jedem, der nach seinem Willen that. Ans seinen Befehl hatten sie Kriege zu führen und auf seinen Wink die Waffen niederzulcgcn, Alle insgesnmmt nur dazu da, um an ihnen die schrankenlose Gewalt der Kirche auch auf dem Gebiete des Weltlichen zu erweisen. — König Philipp geriet!), wie cs nicht anders sein konnte, über den einseitigen Frieden seines Bundesgenossen in den größten Zorn; es fiel ihm gar nicht ein von dem vielversprechenden Kriege, dessen Rüstung ihm schon 60,000 Pfund gekostet, jetzt abzustehen, weil Pandnlf cs so wollte ff. Ohne die Besorgnisse, welche die Haltung des Grafen von Flandern erregte, wäre er sogleich nach England übergegangen; jetzt wollte er erst mit jenem ins Reine kommen. Als Ferrand trotz seiner Zusage, daß er am 22. Mai in Grave- lingen Gcnugthuung leisten werde, sich dort nicht einstellte ff — er hat offenbar im Hinblick ans die von England erbetene Hülfe nur den Einmarsch der Franzosen zu verzögern beabsichtigt —, da brach Philipp gegen ihn los, um ihm das Schicksal Reginalds von Boulogne zu bereiten ff. Eine Stadt nach der anderen, Cassel, Ipern, Brügge, das ganze Land bis an die untere Schelde fiel in seine Hemd. Noch immer in der Absicht, wenn er hier seinen Zweck erreicht, sogleich nach England überznsetzen, ließ er seine große Transportflvtte von angeblich 1700 Segeln längs der Küste Nachfolgen. Er belagerte gerade Gent, als diese Flotte im Hafen von Brügge, dem Zwin -ff, von einem 400 Segel starken englischen Geschwader überfallen ward, welches unter dem Befehl der Grafen Wilhelm von Salisbury und Reginald von Boulogne stand und den flüchtigen Grafen Ferrand ausgenommen hatte. Alle französische Schiffe, welche außerhalb des eigentlichen Hafens ankerten, Rartlrol. cls Ootton. x. 107 regem Rraueornm, cznom contra Pr-run exacuerat, et darones, ouos crexerat, clsssrnit. ff Pauli III, 378. ff Oluill, Rrlto p. 80 (der Tag nach cocl. Ootton. lbicl p. 772). Nach (lensal. vom. Rlanclr. c. 17 p. 331 wurde Cassel schon am folgenden Tage Himmelfahrt) von den Franzosen besetzt. ff Kattli. Inaris. Olrron. Itlajora ecl. Ruarä II, 518 macht zu Roger cls IVencl, III, 257 den Zusatz: snravit clicens per sanctoo Rrancias: vel Rraneia orlt Rlanclria vel Rlauclrla Rrancla. 0 Roger cls IVenci. I. o.: 8rvlne RIanclriae portns. Vgl. über den Hafen W. I, 50 Anm. 1. Die Entscheidung des deutschen Thronstrcites, 1214. 363 wurden erobert und mit ihrer vollen Ausrüstung nach England fortgeführt. Als die Grafen am nächsten Tage landeten und die Befestigungen des Hafens selbst zu erstürmen versuchten, wurden sie zwar durch den von Gent herbcieilcndcn König wieder auf die Schiffe getrieben '); aber die Hauptsache war doch, daß Philipp nach jenem Verluste den Gedanken einer Landung in England anfgeben mußte -). Er hat den Rest feiner Flotte nachher selbst verbrannt. Und nicht einmal Flandern getraute er sich zu behaupten, obwohl auch Gent kapitulirte. Nachdem dieses, Brügge und Ppern Brandschatzungen erlegt, Conrtrai, Lille, Cassel und Douai Garnisonen erhalten hatten, traten die Franzosen den Rückzug an^). Hinter ihnen her hat dann Fcrrand, mit Beihülfe Reginalds und zeitweise auch Wilhelms von Holland und von England reichlich mit Geld versehen '), in kurzer Zeit sein ganzes Land wiedergcwonnen. In Lille erhob sich die Einwohnerschaft gegen die französische Besatzung; durch Berrath bemächtigte er sich auch Tonrnai's; dann warf er sich auf den Verbündeten Frankreichs, den Herzog Heinrich von Brabant, das bis nach Brüssel hin furchtbar verwüstet wurde. Seine Erfolge waren so bedeutend, daß König Philipp selbst nochmals gegen ihn im Felde erschien. Tonrnai wurde am 30. September den Flandrern wieder entrissen, Lille durch Ueberfall genommen und für seinen Verrath mit gründlicher Zerstörung bestraft, Cassel und Conrtrai erlitten ähnliche Heimsuchungen. Da mußte Fcrrand wohl von dem Brabantcr ablassen, um sich selbst gegen den Angreifer zu wehren; doch that er cs mit solchem Nachdrucke, daß als die Franzosen in der Mitte des Oktober und wie es scheint ') Onill. Ilritn, Oestn I. o. (vgl. soll. Eottoii. p. 772) und kbilippis IX, 337 ff.: IlousnI. som. INnuclr. I. s.; Itoger äs Ilovsclsu eont. p. 211 ; Xu». Ns IViMruin bci 1,nnrN, Xnu. mounst. IV, 402. Alle stimmen darin überein, daß die Engländer nnr einen Theil der Flotte nahmen, der König aber den Rest verbrannte. Nach lioger Ns IVsucl. III, 258 sind von den Engländern, bei denen nach ihm anch Wilhelm von Holland war (Obilipp. IX, 613 läßt diesen erst später in Flandern thätig werden), 300 Schiffe fortgcfuhrt, 100 andere, die fcstsaßcn, verbrannt worden. DaS Ereignis; fällt in die letzten Tage des Mai oder Anfang Jnni. da König Johann am 25. Mai den Grafen Fer- rand die Abscndnng der Hülse meldet, s. o. S. 360 Anm. 4. -) Ilovsüou svutiu. p. 21 l: sis liberavlt clsus XnAliaiu a psrisnlo im>>oiuleuti. Orolesto suiiu, si xroopornti in proposito st via sna Xußlinin acliisssut, Sxtermiuio änretnr. Bgl. Liged. nustar. Llortuimaris, LI. (I. 8s. VI, 467. st S. die oben Anm. 1 angeführten Quellen. Philipp urkundet im Juni in enstris aznnl lusnlain, im Juli zu Paris. Delisiv ur. 1451. >456. st lisin. I-socl. p. 666. 1IoA. äs IVsinI. p. 258. König Johann weist Juni 22. zur Bcrwendnng ans dem Festlandc 20,000 Mark an, wie cs nach dem Briefe Juni 26. an Fcrrand scheint, hauptsächlich znm Besten desselben. L/msr p. 56; Ilarcl^, liot. lit. pnt. I, 101. Dann sollte Scpt. 20. wieder Geld und Mannschaft dorthin abgehen, 1i) insr p. 57, und endlich Rov. 10. werden wieder 3000 Mark zur 'Ncrwendnng in Flandern angewiesen, Ilnrä^, liot. lit. elans. turr. I^ouä. 1, 130. Fcrrand urkundet Nov. 10. in Pions. IVantsrs, Tabls eltrouol. III, 675. 364 Drittes Buch/ Kapitel III. 1214. nach großen Verlusten wieder hcimzogen, nur Douai und Cassel von ihnen besetzt gehalten wurden^). Durch ihren Rückzug geriet!) aber nun Heinrich von Brabant in die übelste Lage. Er hatte die Erleichterung/ welche ihr zweites Erscheinen in Flandern ihm gebracht, zu einem neuen Angriffe ans Lüttich benützt, aber Nichts ansgerichtct, weil die Stadt gegen eine Wiederholung der Schrcckenssccncn des vorigen Jahres jetzt mit Wall und Mauer wohl verwahrt war. Als er dann mit der Beute der Umgegend beladen zurückging, wurde er von den Bischöflichen, welche durch den Grafen von Lovz verstärkt waren, bei Steppes ereilt und erlitt am 13. Oktober eine vollständige Niederlage. An dreitausend Brabanter sollen in der Schlacht geblieben, zweitausend gefangen worden sein. Dem Herzoge kam sein Anschluß von Franst reich, welches ihn gerade in diesem gefährlichen Augenblicke im Stiche ließ, jetzt theucr zu stehen. Die Lütticher verwüsteten den Osten, Fcrrand seit dem 20. Oktober wieder den Westen von Brabant, bis Heinrich seine Ohnmacht erkennend, erst bei den letzteren und durch ihn auch bei dem Bischöfe um Stillstand nachsnchte. Derselbe wurde am 28. Februar 1214 in einen förmliche» Frieden verwandelt. Heinrich mußte im Dome zu Lüttich Kirchcnbuße thnn, zu sehr bedeutenden Gcldentschädignngen sich verpflichten und dafür, daß er dies Mal wirklich seine Versprechungen erfüllen werde, zwei Söhne dem Bischöfe als Geisel geben. Wer konnte dem wetterwendischen Manne sonst trauen? Nicht mit Unrecht haben die Flandrcr, als er demüthig bei ihnen um Frieden bat, ihn dem Fuchse der Thicrfabel verglichen, der sich in die Mönchskutte steckt. Sic waren ihrerseits wenig damit zufrieden, daß Fcrrand auf das Gesuch des Herzogs cingegangen war und daß auch er sich mit einer Geldcntschüdiguug begnügte, für welche der Erbe des Hcrzog- thums ihm Geisel sein sollte ^). Der Grund der verhältnißmäßigen 0 Hauptgnellc ist die Lliilippis IX, v. 007 ff., viel ausführlicher als die für sich allein kaum verständlichen Notizen in den Uosta p. 80, die das zweite Eintreffen Philipps in Flandern ganz verschleiern. Dieses dürfte nach Triuin- )>I>us s. Oainlisrti p. 020 nicht früher als etwa in den letzten Tagen des September stattgefunden haben, lieber die Zerstörung von Lille und Conrtrai und die Einnahme von Tournai s. Xnu. Linon, DI. V, 17 und den Brief des Bischofs von Tournai live. XIX, 257. Die Erwähnung von Donai, welches Scheffer S. 547 Anm 1 durch Tournai ersetzen will, beruht auf Kuitt. Ilrit» x. 89. Dass es sonst den Franzosen nicht gut ging, ergicbt sich ans Itoin. Looll. P. 006 und Triuinptius p. 627 : blvnsis Oet. Nie 20. ooinss Larranäns, rogo n terra sua rspulso, ete. Philipp urkundet im Okt. wieder in Pcronne. Ilslisls ur. 1460. 6!. 2) Triumplius s. Lainlwrti p. 620—029 (vgl. XsAiü. Xuroasv. z>. 216 ff. mit abweichenden Zahlen der Lobten und Gefangenen); lieiu. Lsoll. cte Victoria Leoäiensiuin p. 067— 670 und Xun. p. 672. Kürzere Nachrichten in Xnn. Llorstk. p. 620; Xwrieus p. 099; 4nn. Ovlon, inax. p. 827; Xnu. 8taä. p. 355 n. A. lieber die Sage, daß die Geister der Erschlagenen Nachts aus dem Schlachtfcldc von Steppes weiter gekämpft, s. Oavoar. Iloistsrv. Ilial. inirao. XII, 16. Lange Jahre wurde der Schlachttag in Lüttich kirchlich gefeiert, fl'riuuipliuo p. 639. Die Entscheidung des deutschen Thronstreites, 1214. 365 Milde Ferrnnds und seiner eifrigen Vermittlung für den Herzog bei den Lüttichern möchte wohl der gewesen fein, daß der letztere sich zugleich zum Rücktritte auf die Seite Englands verpflichtete Z, der Ferrand nun mit Leib und Seele angchvrte. Zu Anfang 1214, während Reginald von Boulogne vergeblich das noch von den Franzosen besetzte Cassel belagerte, hat Ferrand zu Canterbury dem Könige Johann geschworen^). Wie also in Deutschland Friedrichs II. Hcrbstfeldzug gegen Otto IV. ohne durchschlagenden Erfolg geblieben, so waren auf dem westlichen Kriegsschauplätze auch die Entwürfe des französischen Königs auf England gescheitert, thcils durch den Papst, welcher unbekümmert um die Bundesgenossen seinem eigenen Nutzen nachging, thcils durch die Bernichtnng der französischen Transportflotte und den tapfcrn Widerstand des Grafen von Flandern. Ohne Zweifel war die englisch-wclfische Coalition am Ende des Jahres 1213 wieder im Vortheil und sic kam unter dem Eindrücke jener Erfolge nun auf den alten Plan eines von allen Seiten gleichzeitigen Angriffsstoßes auf Frankreich zurück. Mit einem einzigen großen Schlage meinte man Alles entscheiden zu können. Es handelte sich jetzt nicht mehr darum französischen Eroberungsgclüsten, wie sie eben hcrvorgetretcn waren, ein für alle Male einen Riegel vorzuschieben: es sollte vielmehr die Monarchie in Frankreich, welche sich auf Kosten der feudalen Gewalten, und zu diesen gehörte ja auch der englische König, immer mächtiger erhob, in ihre frühere Schwachheit zurückgedrängt, cs sollte durch eine vorher wohlüberlegte Thcilnng der staatlichen Existenz Frankreichs überhaupt ein Ende gemacht werden^). Der darauf berechnete Kriegsplan ist wahrscheinlich schon im Sommer 1213 festgestcllt worden, als König Johann, nachdem der erste Einfall der Franzosen in Flandern abgeschlagen war, seinen Bruder Wilhelm Langschwert, den Grafen von Salisbury, an Otto IV. sandte Z. Während Johann, der auch Für diese Annahme spricht der Umstand, daß auch Reginald bei den WaffenstiUstandsvcrhandlungen im Ott. 1213 persönlich bethciligt war und dazu selbst nach Lüttich kam. 1 rininplins >>. 627 ; Kain. x. 670. Im Olrron. Ilnlck. Xinov. bei No 8inot, Ilse. Nos oliron. Ns Planck. II, 719 wird ausdrücklich gesagt, der Brabantcr habe Geiseln geben müssen, ns fuvarot rsgsin Pranoiao. 2 ) lwo. cks Pranos XVIII. 565 wird dies ohne ausreichenden Grund bezweifelt gegen Xnn. IVavorl. ib. 2n3, Knarck Xnu. rnonast. ll, 280 (Reginald hatte aber schon früher geschworen, s. o. S. 353); 2 pnn. No kunsta- plin Idick. III, 46; stack. Ns Oo^osln sck. 8tsvsnson p. 168 und Konsul, vom. Planckr. o. 18 p. 332. lieber die Zeit s. Pauli III, 391 Anm. 4. Heimgekehrt beurkundete Ferrand ;n Gent das Bnndniß mit England; ebenso die Gräfin Johanna und die Schössen und Bürger von Gent, Upern und Brügge. Ilarck)-. Ilot. tnrr. Kouck. I, i',17. 2) Knill. Ilrito, Kesta p. 11)2; Ilioli. 8snon. III, 14. h Juli 25. 1I)nnor x. 57,. Sndcndorf, Wclfcnnrk. S. 90. Salisbury war am 21. Scpt., als Johann an Ferrand schrieb, Ii)-inor p. 57, wieder in London. Gegen die Ansicht Schcffcrs S. 518, daß der Kriegsplan erst bei Anwesenheit Fcrrands in England Jan. 1214 entworfen sei, verweise ich auf Itoxsr cks IVonck. III, 259. 366 Drittes Buch, Kapitel III. 1214. mit den Grafen Gnido von Auvergne und Raimund von Toulouse in Verbindung stand ^), von Poitou her vorzndringen gedachte, sollte der Kaiser mit den niederländischen Verbündeten und den in Flandern stehenden englischen Soldnern von Norden her auf Paris losgehen-). Hier mochte er sich, wenn er dem leidenschaftlich gehaßten Feinde, dem Verbündeten des staufischen Rivalen, ins Herz traf, die Herstellung seiner eigenen Autorität in Deutschland und einen seiner Auffassung entsprechenden Frieden mit dem Papste erkämpfen ch. Noch im Winter 1214 gingen die Verbündeten ans Werk. Im Januar hatte Johann, wie erwähnt, zu Cantcrburh die Huldigung des flandrischen Grafen empfangen; am 2. Februar ging er mit einem bedeutenden Heere von Portsmouth in See, landete am 15. Februar in La Röchelte, das von den Engländern stets fcstge- halten worden war, und konnte schon am 8. März nach Hause melden, daß viele Schlösser der Nachbarschaft ihm übergeben oder bei seiner Annäherung verlassen worden seien ch. Wenn wir ihn trotzdem im April sich um einen Waffenstillstand bemühen sehen, so kann das keine» anderen Zweck gehabt haben als die Entscheidung hinauszuschiebcn, bis das Eingreifen des Kaisers im Norden wirksam würdet- Als dieses in sicherer Aussicht stand, in der Mitte des Mai, griff Johann wieder zu den Waffen. Anfangs ging Alles ganz vorzüglich. Mittels geheimer Einverständnisse, welche der hohe Adel der von Philipp eroberten Landschaften Poitou und Anjou und sonst in Frankreich mit dem englischen Könige unterhielt 6), konnte dieser den Erbprinzen Ludwig, der bei Mvncontour stand, hinter die Loire zurückwerfen, ganz Poitou besetzen, die Bürger von Nantes bei einem Ausfälle schlagen, bis Angers Vordringen Z und diese Stadt befestigen. Während er aber Rochcs- aux-Moines belagerte, kam der Erbprinz wieder heran (24. Juni); Johann hob darauf die Belagerung auf und trat den Rückzug über die Loire an, welcher sich unter unfähiger Leitung bald in volle Flucht verwandelte. Die Folge war, daß die Engländer nicht nur ^ L/msr i>. 56. 57. Vgl. Pauli S. 391 Am». 3. -) LoZer cks VVenck. p. 259; Kiew 8suon. III. 14. Daß der Sieg über Frankreich auch den deutschen Thronstreit entscheiden mußte, haben schon die Zeitgenossen begriffen, wie die Rede zeigt, welche (will. Ilrito in seiner lüiilippis Iil>. X. dem Kaiser in den Mund legt. Vgl. über die Prosabearbcituug dieser Rede oben S. 295. i) Eine eingehende Darstellung dieses Feldzugs in Poitou liegt außerhalb meiner Aufgabe. Ich verweise auf Pauli III, 392. Einige Vervollständigungen ließen sich noch aus Johanns Briefen bcibringen. Anfänglich scheint' König Philipp selbst den Engländern gcgenübergestanden zu haben, s. Delisle nr. 1480 aus Chatellerault au der Vienne. P Die Rücksicht auf den Papst ist jedenfalls noch nicht maßgebend gewesen, da der Brief desselben, in welchem er Einstellung der Feindseligkeiten fordert, erst vom 22. April ist. ltligns, Op. Innoo. '4. IV. ur. 186. °) W. 1, 53 Anm. 1. Vgl. Iloveckon eontin. p. 215; Itackulpli. äs OoAg'ssli. sä. Stevenson p. 169. Delisls nr. 1474. 1 191. I50V. ?) Johann urkundet hier Juni 17. Ihunor p. 62. Die Entscheidung des deutschen Thronstreites, 1214. 367 ihr Gepäck und Belagcrungszcng einbüßten, sondern ohne Feldschlacht Poitou räumen mußten. Am 15. Juli war Johann wieder in La Röchelte*). Von dieser Seite also hatte Komp Philipp vorläufig nichts mehr zu fürchten und die Vasallen des Westens und Südens, welche allerdings sehr bedenklich geschwankt, wurden der Krone erhalten. Die Entscheidung über den Bestand Frankreichs fiel aber, wie immer, an der nordöstlichen Grenze. Am Anfänge des Jahres war Fcrrand, als er von der Huldigung in England zurückkam, bei Gravelingcn gelandet; er verwüstete die Grafschaft Guines und nahm in Gemeinschaft mit Reginald von Bonlogne einige Landstädte und Schlösser ein, ohne gerade Wesentliches auszurichten. Das von ihnen belagerte Aire wurde von König Philipp selbst entsetzt 2). Dann trat auch auf diesem Kriegsschauplätze, wie gleichzeitig in Poitou, vorübergehend Ruhe ein. Der König kehrte nach Paris zurück^), wohl um persönlich die Rüstungen für Poitou zu leiten, und welchen Sinn hätte es für die Grafen gehabt, jetzt ihre Kräfte zu vergeuden, da doch erst mit dem Eintreffen Otto's IV. die große Aktion beginnen konnte? Sic zu beschleunigen, gingen sic selbst dem heranrückendcn Kaiser bis Aachen entgegen '). Herzog Heinrich von Brabant hatte ihn schon bei Köln ausgesucht, wie man meinte, um sich im Voraus seiner Gunst gegen den Bischof von Lüttich zu versichern. Ein Jahr war kaum vergangen, seit Heinrich seinem königlichen Schwiegervater von Frankreich Beistand gegen den Kaiser und Jedermann, zwei Monate erst, seitdem er dem Bischöfe Urfehde geschworen. Jetzt waren diese Schwüre wieder vergessen ch. Otto IV. traf am Palmsonntage (23. Mürz) in Aachen ein ch, nachdem er auf dem Wege in den Westen die Dienstmannen und Bürger von Münster znm Abfalle von ihrem Bischöfe bestimmt hatte, der zur päpstlichsttaufischen Partei gehörte. Der Bischof selbst wurde, da er unvorsichtig genug war über Köln an den Hof Friedrichs gehen zu wollen, dort verhaftet und nach Kaiserswerth abgcführt, welches schon einen anderen kostbaren Gefangenen des Kaisers, den Grafen Günther von Käfernbnrg, beherbergte*). Es Istmer i. 0. st IloMr >1e IVoncl. III, 270; (IsnsaloAm oomit. Istanär. e. 18. 19. Dslisln in-, 1487 ff. st Henenl. 0. 20; stein steocl. p. 671. st 'I'i'inin;,I,ns s. Immtzerti p. 629. st denen!. I. 0. Bon Otto's Aufenthalt und THLtigkcit während des Winters ist nichts bekannt. st Bischof Otto, ein Oldenburger und Bruder des vom Kaiser befehdeten Scrhard von Bremen (vgl. seine Betheiligung an der Einsetzung Otto's von Utrecht, s. 0. S. 33»), hat seit 1212 anfgehört nach Jahren des Kaiser« zn rechnen. Ein Mal datirt er — und man bemerke die verschiedene Titulatur — tempore eontroversis, (pro tüit inter regem 15-0(1. st Ottoirom. Wilmans III, 37. lieber seine Verhaftung in Köln ^.nn. 8tncl. n. 1214 p. 356; Olrron. rvA. Ool. n. 1214 p. 18; Hirn. 60I. mnx. n. 1213 x. 827: drrnproptor elvi- 368 Drittes Buch, Kapitel III. 1214. scheint, daß Otto, bevor er an die größere Unternehmung in Flandern ging, erst, die seit 1212 deutlich bemerkbare Opposition am Niederrhein erdrücken wollte, welche durch die jetzt allenthalben ertönenden KrenMgspredigten und die von ihnen unzertrennlichen Auslassungen gegen das gebannte Rcichsoberhaupt noch genährt wurde. Non Aachen rückte Otto auch gegen den Grafen von Geldern ins Feld und verbrannte dessen „beste Stadt" Noermonde; Bischof Hugo von Lüttich und Gras Ludwig von Looz wären demnächst an die Reihe gekommen. Der Bischof gedachte durch Abtragung der Brücke von Mastricht das weitere Vordringen des Kaisers anfznhalten; erst auf die Bitten seines alten Helfers Fcrrand, welcher ihm vorstellte, wie jener ja nur komme, um ihn, den Grafen, gegen die Franzosen zu schützen, gestattete er den friedlichen Durchzug des kaiserlichen Heeres. Aber bei diesem war auch Herzog Heinrich von Brabant und er reizte den Kaiser gegen den Bischof auf, welcher nun Vorkehrungen traf, um wenigstens Lüttich selbst mit Nachdruck zu vertheidigcn. Sein Können war, wie der Sieg bei Stcppes gezeigt hatte, doch nicht zu verachten und seine feindliche Aufstellung würde zunächst den Brabanter von der Thcilnahmc an dem weiteren Feldzuge abgehalten haben: so legte sich denn wieder Fcrrand ins Mittel und brachte am 29. April einen Vertrag zu Stande, nach welchem der Kaiser seine friedlichen Absichten verbürgte, der Bischof aber seine Truppen auseinander gehen ließ ^). Vielleicht zu früh. Denn gerade mit seinem ärgsten Feinde, dem Herzoge von Brabant, verband Otto sich nun näher, indem er sich am 19. Mai zu Mastricht mit Maria, der ihm schon im Jahre 1198 verlobten und später verschmähten Tochter des Herzogs, jetzt neuerdings verlobte. So wurde Heinrich, der Schwiegersohn des Königs von Frankreich, der Schwiegervater zugleich des Kaisers und er mochte um so mehr glauben jetzt durch seine Familien beziehungen gegen jede Möglichkeit gedeckt zu sein, da sein Sohn und Erbe obendrein mit der staustschcn Maria, der Tochter Philipps las a 8^IrIäo II. 8. üi. sxooininunleatnr. Luden XII, 287 versteht unter eivltas Münster, verleitet durch den Baun, welchen Sigfrid von Main; 1214 März 26. Wilmans III, 42 über die Münsterischen verhängt, welche „nnpsr" bei einem Angriffe des Kaisers verräthcrisch von dem Bischöfe abgefallen sind. Indessen kann mit oivitas hier nur Köln gemeint sein, das wegen der Gefangennahme des Bischofs (rr cjnldusämn lantoribns Impsratorls) gleichfalls vom Legaten gebannt wird. Ollron. rsA. I. e.: uncls Ipsa oivitns Lxaoininunlim- tions subiaonlt. Das Jahr 1214 ist dadurch gesichert, daß der Bischof nach derselben Quelle auf dem Wege zum Hoftage Friedrichs II. in Koblenz ,12>4 März Iw) war. 9 So that Oliver von Köln zu Pfingsten 1214 in Fricsland, Imnonls olii-on. N. (4. 8s. XXIII, 474. Am 26. Febr. war er in Lüttich gewesen. Ilsln. chwoä. p. 671. 9 wrinmplrns p. 631 : z'nrnvlt rsx s,noc1 Intra dionninin niliit Mali patrarst In splsvoplo, sset ctnals eonsilio elto llnius Inrnmonti ruplsset vlnvnlnm ote. Hain, stsocl. I. a. weiß nur von einem Stillstände bis I.Juli und diese Angabe scheint mir vorzuziehen, da Otto selbst nach 4'rlnnrpli. im Juli doch wieder dem Bischose Schaden bereitet. Die Entscheidurig des deutschen Thronstrcites, 1214. 369 von Schwaben, verlobt war. An solche Zweideutigkeiten fürstlicher Stellungen aber waren die Zeitgenossen gewöhnt Z und sie nahmen daran viel weniger Anstoß als an dem Umstande, daß kein Geistlicher diese von der Politik cingegebene Verbindung Otto's IV. mit Maria von Brabant cinzuscgncn wagte; statt des Priesters führte Graf Wilhelm von Holland die Braut dem mit den Flüchen der Kirche beladenen kaiserlichen Bräutigam zu. Bald hernach wurde zu Aachen die Vermählung vollzogen-). Es ist nun völlig unbegreiflich, weshalb die Alliirten noch zwei ganze Monate verstreichen ließen, ehe sie gegen Frankreich ins Feld rückten, dessen Streitkräfte zum Theil noch in Poitou beschäftigt waren ^). Aber es mag allerdings seine Schwierigkeit gehabt haben, die mancherlei Differenzen zu beseitigen, welche, wie unter Anderem das Gcgcnübcrtretcn des Brabauters und des Fland- rers in der Lütticher Angelegenheit zeigt, unter den Genossen des Kaisers bestanden oder neu erwuchsen, da jeglicher Thcilnchmcr des großen Zuges zugleich die Befriedigung seiner Sondcrinteressen erstrebte. Da war über die Grafschaft Namnr Entscheidung zu treffen: sie wurde natürlich nicht dem auf der französischen Seite stehenden Grafen von Anxerre Peter von Courtcnai zu Theil, dessen Ansprüche sich ans seine Berheirathung mit der Schwester des letzten Grafen vom henncganischen Geschlcchte gründeten, aber doch seinem Sohne Philipp, der dafür mit den Kaiserlichen gegen Frankreich und seinen Vater zogest Otto scheint mit dieser Belehnung den Wünschen Ferranvs von Flandern nachgegcben zu haben; aber nun mußte der Herzog von Brabant für seine Ansprüche auf Namnr entschädigt werden und das geschah noch in dem Momente, als die Heere sich gegen die Grenze in Bewegung setzten, auf Kosten des Bischofs von Lüttich, dem jetzt die streitigen Herrschaften Huh und Namnr förmlich abgcsprochen wurden, wie die Lütticher meinten, weil der Kaiser überhaupt das Kirchengut durch Vergebung desselben an Weltliche nutzbarer für das Reich zu machen gedachte. Da aber Brabant sich vergrößerte, wollte Fcrrand nicht leer ausgehen: er ließ sich die Lütticher Güter im Hcnnegau zusprechcn, Reginald von Boulogne sich Dinant verleihen 0). Der zu Anfang des Jahres erfolgte Tod des Grafen Theobald von Bar-le-Dnc war auch ganz darnach angethan, unter den Verbündeten Zwietracht zu erregen, da seine Wittwc Erminsind nun wieder die freie ^ Ein anderes Beispiel ans demselben Kreise und derselben Zeit: Waldemar II. beirathete damals, obwohl seine Schwester Jngeborg jetzt wieder die anerkannte Gemahlin des Königs von Frankreich war, die Schwester Fcrrands von Flandern. Dieser, ein Anhänger Otto's IV., verschwägerte sich mit Dänemark, dessen Beziehungen zu Otto damals schwerlich freundliche gewesen sein werden. 2 ) iloiu. ihaoä. p. 671. Itogsr äs zVenclovc-r III, 287: (?1ri1. rsx) tirnsns, ns 8ntlissrst nä illins pnrtis clotsnsiousnr, cM nuper tilinm snm sxsreitn eopioso in I*iets.vinnr dirsxornt. h Ouill. Ilrito 98; ^Idrisns p. 899. 'I'rinmpiins I. s. Jahrb. d. dtsch. Gcsch. — Winkel», i>„ n, Qito l V. 24 370 Drittes Buch, Kapitel HI. 1214. Beifügung über ihr väterliches Erbe, die große Grafschaft Luxemburg, zurückerhielt und mit ihrer Hand dieselbe im Mai 1214 auf Walram von Arlou, den Sohn des Herzogs Heinrich von Limburg, übertrug H. Das muß Weiterungen veranlaßt haben, besonders da Walram im Namen seiner Gemahlin jetzt auch auf Namnr Ansprüche geltend machte. Wenigstens ließ er sich und ebenso Graf Ludwig von Looz, der ein Vetter der Erminsind war, von dem Bischöfe von Lüttich durch kleinere Abtretungen leicht dahin bestimmen, daß sie an dem großen Heereszngc gegen Frankreich schließlich nicht theilnahmcn, sondern zum Schutze des Bisthnms gegen die im Rathc des Kaisers mächtigen Widersacher desselben daheim blieben-h. Derartige Auseinandersetzungen und Cvllisioncn mögen die Ursache gewesen sein, daß erst am 12. Juli zu Nivclle die Vereinigung der Kriegshäupter mit dem Kaiser erfolgte, der ein großes Gefolge von norddeutschen Grafen, Edlen und Soldrittern mitgebracht hatte. Die Herzöge Heinrich von Brabant und Heinrich von Limburg, die Grafen Ferrand von Flandern, Wilhelm von Holland und Reginald von Boulvgne trafen hier zusammen; Wilhelm von Salisbury mit den englischen Hülsstruppen schloß sich auf dem rechten Flügel an; weiter vorwärts bei Valcnciennes sammelte sich ans Fernands Befehl der Landsturm von Flandern und Hcnnegau»). In langer Linie von Conrtrai bis Valcnciennes, wo der Kaiser am 23. Juli sein Hauptquartier hatte H, wurde die Schelde und die Reichsgränze überschritten. Jetzt kam cs schnell zur Entscheidung. König Philipp hatte schon im Juni sich in Peronne eingefnn- den^). Das Heer, welches er hier zusammcnzog und welches zu einem guten Theil aus den Mannschaften der Commnncn bestand, war an Zahl dem der Verbündeten lange nicht gewachsen"), aber ') Lsin. Looä. p. 071. 672 ; ^wrions I. v.; zvrrntsrs, Lulilo eüro- nvl. HI, 406. 407. Vgl. Mittelrhcin. Urkbch. II. S. LXII. 2) Lrinmxlius I. v. lieber die Verwandtschaft mit Looz s. ^.Idrisns p. 004. °) OmiU. Lrito z>. 04; Lager äs zVsuck. III, 287; Lrinmxü. I. e.; Ksnsntog. e. 21 u. A. Stach Llrron. Imnckun. Lev. XVIII, 717 ist Otto schon am 4. Juli ein Mal in Valcnciennes gewesen. — 6niII. Lrito führt in der Llrilixpis X, 381 auf der kaiserlichen Seite auch die Lotlraringi tzilingnss mit ihrein Herzoge auf. Stach dem ganzen Zusammenhänge ist hier wirklich Theobald I. von Oberlothringen gemeint, der aber nachher in der Beschreibung der Schlacht nicht weiter vorkommt. (INorrisr, Hist. cls Inttv (Iss pupss st (Iss smpsronrs I, 194. >) Dslisls nr. 1500. °) In Bezug auf die Zahl, die Märsche und die Aufstellungen der Heere verweise ich auf meine frühere Erörterung W. I, 102 Beilage II; „Die Schlacht bei Bouvines". Ich habe in derselben nichts Wesentliches abznändcrn oder hinzu- znfllgen, obwohl ich noch zuletzt zweier älterer Abhandlungen über denselben Gegenstand habhaft geworden bin: v. Bosse, Die Schlacht'bei B„ im Neuen vatcrl. Archiv d. Äönigr. Hannover von Spangenbcrg, Jahrg. 1820, Bd. I, 177 —101 (bloger Abdruck des betr. Abschnittes bei Raumer) und N. Lsvou, LIe'm. snr Imtnills äs II. Lnris st Lills. 1835, 172 S. gr. 8°, eine sehr anerkennenswcrthe und mit einer trefflichen Karte des Schlachtfeldes ausgestattetc, auf genauer Ortskenntnis) beruhende Arbeit. Die Entscheidung des deutschen Thronstreitcs, 1214. 371 es hatte vor diesem das erhebende Bewußtsein des pro aris st koeis und den großen Vortheil eines Führers voraus, während die Masse der Verbündeten von Rachsucht, Habgier und Abenteuerlust getrieben oder um Dold zusammcngebracht war und unter ihren zahlreichen Führern, die alle gefragt und gehört sein wollten, fortdauernd Uneinigkeit herrschte. Obwohl Philipp noch Zuzüge zu erwarten hatte und vielleicht auch darauf rechnete, daß Friedrich II. vom Rheine her ans den Rücken der Verbündeten wirken werdet, glaubte er doch mit seinem Heere, dem der jüngst in Poitou erfochtene Sieg schon bekannt war, sogleich den Angriff wagen zu können. Ein in Kriegs- und Fricdensgcschäftcn Wohl erfahrener Mann, ein Priestcrbrnder des Johanniter-Ordens, der jüngst zum Bischöfe von Senlis erwählte Guarin^), war ihm zur Seite. Philipp brach also am 23. Juli von Pervnne ans hervor und warf sich, planmäßig Alles verwüstend, über Bonvincs auf Tvnrnai. Indem dieses am 25. genommen, auch etwas weiter nach Rechts Mortagne besetzt ward, drohte er die Feinde von der Verbindung mit dem Meere abzudrängcn und ihre gedehnte Aufstellung im Ccn- trnm zu sprengen. Aber nur die Kühnheit dieses Unternehmens konnte die Gefährlichkeit desselben übersehen lassen. Denn Otto stand nun mit seiner Hauptmacht in der rechten Flanke der Franzosen und bedrohte seinerseits von Valeneienncs her ihre Rückzugs- linic: schlossen sich ihm diejenigen Truppen an, welche in der linken Flanke des französischen Heeres bei Conrtrai standen, so war dieses ohne Zweifel verloren. Wirklich hat Otto den Versuch gemacht, ihm den Rückzug abzuschnciden, indem er Mortagne zurückgcwann ^! und davor, durch Sümpfe gedeckt, Stellung nahm. Gegen ihn rückte Philipp am 20. Juli von Tournai heran; da aber die Festigkeit der feindlichen Stellung einen Angriff nicht rathsam erscheinen ließ, welcher dem französischen Heere hätte Luft machen können, so war auch Tvnrnai nicht mehr zu halten und Heil allein in einem schleunigen Rückzüge ^), der denn auch früh am Morgen des 27. in der Richtung auf Lille angctretcn wurde. Der Weg der Franzosen führte westlich von Tournai über das kleine Flüßchen Marqnc, welches sich unterhalb Lille in die S. u. S. 370. Vgl. Ouitl. IZi-ito p. 01. 04. Guarin versah gleichsam die Geschäfte eines Gcneralstabschefs. 3) Onitl. tti-ito, als Kaplan des Königs Augenzeuge dieser Ereignisse, Oesta p. 04: Otto venit act eastimm, ignacl hlooetania nnnenpatnr, üistans n 'loonaeo pan 6 inikliai'in, izuoct a iv^is exoreitu, osenpsrata oivitata kt'ornneo, vi enptuni t'nsrnt ot ovorsuin. Onili. I. o.: ctissnasci-nnt tmi-onos; non eniin patodat aäitus uisi ku-otns at ctit'licilis. Inäo propositnin iiintavlli'nnt, nt iiicis oeäii'ont ot per niiain vinin pinnioroin Houoniao tinos invaitoi-eut et psnitus clovastru'sut. Nach Hcnncgan wäre inan freilich auf dein dann eingeschlagencn Wege nach Lille nicht gekommen. Nach desselben Verfassers IMiiippm X., v. 67 l, soll ein vom Herzoge von Brabant abgeschickter Geistlicher dem Könige von dem Angriffe auf Mortagne abgcrathen haben. 24« 372 Drittes Buch, Kapitel III. 1214. Lhs ergießt, an sich zwar nicht bedeutend ist, aber damals seine User weithin versumpft hatte und dadurch den Bewegungen eines großen Heeres unter Umständen große Schwierigkeiten bereiten konnte H. Die Marqne wird von zwei Straßen überschritten, deren nördlichere von Lille nach Tvurnai, die südliche ebenfalls von Lille über den Flecken Bouvines nach Valencicnnes führt. Gelang es nun Otto, welcher auf die Nachricht vom Rückzuge der Franzosen sogleich sich zur Verfolgung derselben ansmachte -), vor ihnen sich der Uebcrgünge über die Marqne oder auch nur des südlichen bei Bouvines zu bemächtigen, so hatte er sie in dem Tcrrainabschnitt zwischen Schelde, Scarpe und Marqne wie in einem Netze fest. Daraus erklärt es sich, daß Philipp plötzlich — Gunrin recognoScirtc und meldete das Heranrücken der Kaiserlichen in voller Schlachtordnung — von der nördlichen Straße ans die südliche ablenkte; denn wenn er, bevor der Kaiser erschien, noch bei Bouvines überzngehen und hinter sich die Brücke zu zerstören vermochte, war der weitere Rückzug zunächst gesichert; er konnte dann der Umfassung durch die Kaiserlichen answcichen und bei Peronne oder Cambrai oder wo er sonst wollte, sich für die Entscheidungsschlacht das Feld aussuchen ^). In diesem Sinne also gab Philipp den Marsch nach Lille ans und wandte sich nach Bouvines. Ein Theil seines Heeres, nämlich die städtischen Mannschaften, hatte hier schon die schmale Brücke überschritten, welche den Ucbergang nur in der Breite von zwei Mann gestattete, als die Verbündeten sich näherten und den Nachtrab der Franzosen, welchen Herzog Otto von Burgund führte, stark drängten H. Philipp mochte wollen oder nicht, er mußte den Kampf unter den ungünstigsten Bedingungen annehmcn. Die Lage der Franzosen war in der That höchst bedenklich Vor sich hatten sie den übermächtigen Feind, hinter sich einen Fluß und ein ungangbares Snmpfgclände; falls die Schlacht verloren ging, war der Rückzug unmöglich. Die einzige vorhandene Brücke war dann ganz nutzlos und wurde während der Schlacht ans Be- ^1 tl-sbon p. 148- W. I, S7 Slum. I. 6mi11., INiilipx. X, v. 886 ff.: rstro vsrtrrmns MANN, Uovina8 praetsi'sainrm, item Oainsraei plsna pstainrm, üostss niläs graän l'aeili possimns aäire. Auf diesen Moment würde auch die Motivirung in Anin. 4 vor. Seite passen. W. I, 57 Anm. 3. 6) Ouill., Ossta p. 94: I'ilsetus (8ilvnnset. spwv.) ssntisbat asser- tissiins proelainano, vsl pu^nanänin ssss cts nsosssitats vsl onm eonlu- sions et äainno rsesäsnänin. INülipp. X, v. 7!16 : euin nrwqnain patsat a äsxtris atqno sinistris, vontinnis 8patiis itsr iinpsäisnts j-aincis, tran8itu8, sxsspto 8ati8 rrreto >ivuts llovino. Vgl. Obron. I7r8p. p. 377: snin non paterst sis loens ln^ao proptsr Irv8tS8 sx aävsrso st lininiuis sxnbornntianr. Der Verfasser hat in anderen Beziehungen einen ihm zngekommenen Bericht von der Schlacht (sisnt quornnäain rsIiAio8orrun virorunr rslations äiclisimuo) sehr mißverstanden- Die Entscheidung des deutschen Thronstreites, 1214. 373 fehl des Königs abgebrochen, damit Niemand seine Hoffnung auf feige Flucht fetzen könne. Hier vor Bouvines mußte man siegen oder sterben, und das war auch die Meinung in der Umgebung des Königs; das sprechen die Reden ans, welche sein Hvfhistorio- graph ihn an das Heer halten läßt^). Man hatte ihn gebeten, sich feiner Sicherheit wegen vom Schlnchtfelde zu entfernen; aber davon mochte er nicht hören. Er soll gesagt Habens: „Das sei ferne von mir, daß ich fliehe, so lange ich Leben und Gesundheit habe, oder daß ich meine Leute im Stiche lasse, welche bereit sind, mit mir und für mich zu sterben. Ich werde mit den Letzten auf dem Schlachtfelde bleiben, entweder ehrenvoll gefallen oder als ruhmreicher Sieger." Im Kricgsrathe der Verbündeten waren anfangs, als man auf die Franzosen stieß, die Meinungen getheilt gewesen, ob man gleich an diesem Tage, einem Sonntage, die Entscheidung suchen solle oder erst am nächsten. Endlich siegte die Ansicht des ungestümen Pikardcn Hugo de Boves, welcher die geworbenen Fnßknechte aus Brabant führte"), und so begann noch am Nachmittage des 27. Juli 1214 die große Schlacht bei Bouvines H. Der rechte Flügel des verbündeten Heeres, auf welchem die Grafen von Flandern, Salisbury und Boulogne standen, cröffnetc den Kampfs) und warf die gegenübcrstehcnde französische Abtheilung, deren Flucht die linke Flanke des Centrums entblößte; die Kaiserlichen drängten hier heftig nach und schienen es besonders ans den König abgesehen zu haben, neben dem das Lilienbanner wehte. Ferrand vermochte nicht bis zu ihm durchzudringcn, aber Reginald brach sich Bahn und als er in die Nähe des Königs gekommen war, jedoch selbst an seinen Lehnsherrn Hand zu legen sich scheute"), da rissen die ihm folgenden Fnßknechte mit den Haken ihrer Hellebarden den König vom Pferde: es wäre um ihn geschehen gewesen, wenn nicht ein Getreuer mit seiner Brust den ihm Wesentlich andere Reden,' in denen ein gewisses Mißtrauen des Königs gegen seine Barone durchblickt, in der Kicronigns äs Hains (Reims) pnbl. Milli. Konis. Inaris 1837. 8". nach Oirsri-isr (1. sclit.) II, 197. Diesen nähert sich Hieb. 8snon. 2 ) Konsul. somit. I?1nnckr. s. 21. 2) KsnonloA. o. 22 p. 333: cls Lra^banto psäitss gniclsm, sscl in ssisntiu st virtnts bslluncki sgnitidns non inlsriorss; lluu. äs Ounstuxliu, Inrarcl III, 41: tnsrut clux innttornin lmrbarornm. (Nach Hoger äs IVencl. III. 288 und 291, im Widerspruch mit allen übrigen Quellen, hätte die Schlacht zwar auch am 27., aber am Tage nach der Ankunft bei Bouvines stattgefunden. Die genauen Daten bei Knill. Lrito erledigen dies. Ebenso seine Nachricht, daß die Communen, x. 97: grms Isrs nsgns ncl Iiosxitin xroossssruut, noch rechtzeitig in die Schlacht eingrcifen konnten. ch W. I, 58 Anm. 6. °) So nach Knill. Ilrito, Kestup». 98. Dagegen llogsr cls IVsncl. III, 290 : lisginnlclns, enin rsgom, gn! ipsnm sxlisroclutnin u oomitntn sno sxpnlsrut, eognovissst, lanssain clirsxit in snin rogsingns in tsrrmn prostrutnrn gln- clio intertiesrs sutugsbut sto. 374 Drittes Buch, Kapitel III. 1214. zugedachten tödlichen Stvß aufgcfangcn hätte. Während andere nach den Fugen des Panzers suchten, rief der königliche Fahnenträger durch Schwenken des Banners Hülfe herbei; der König kam vom Boden auf und auf ein anderes Pferd, bevor die Deutschen des kaiserlichen Ccntrums in das hin und her wogende Gefecht eingreifen konnten. In diesem Augenblicke, als schon drei Stunden heftig gekämpft war und die Wagschale sich zu Ungunstcu der Franzosen neigte, trafen die Mannschaften der Commnnen, welche die Marque schon vor Beginn der Schlacht überschritten hatten, aber dann wieder hcrangeholt waren, mit dem Banner des heiligen Dionhsius auf dem Schlachtfelde ein h; sie rücken durch die Lücken der Rciterhaufen in das vorderste Treffen und haben den Gang der Schlacht gewandt und entschieden. Denn der geschlagene linke Flügel, welcher wegen des Flusses im Rücken nicht weit hatte zurückgehen können, faßte jetzt neuen Mnth und machte Kehrt gegen die Angreifer, welche zugleich vom französischen Centrnm her gefaßt, von einer Unterstützung durch ihr (Zentrum abgcschnitten und von den sumpfigen Flnßnfern eingeengt, nach tapferster Gegenwehr unterlagen. Mit Wunden bedeckt gcrieth Fcrrand in Gefangenschaft. Reginald, dem selbst die Feinde den Ruhm bewundernswürdiger Tapferkeit zncrkanntcn, stürzte mit seinem verwundeten Pferde, konnte sich nicht hervorarbciten und mußte sich dem Erwählten von Senlis ergeben. Der Graf von Salisbnrh thciltc das Schicksal seiner Freunde. In der Zwischenzeit war ans der ganzen Linie mit gleicher Erbitterung und wechselndem Glücke gestritten worden. Als aber die Franzosen ihren linken Flügel frcigcmacht hatte», gingen sie selbst überall zum Angriffe vor. Der rechte Flügel, geführt von den Grafen Gaucher von S. Pol und Theobald von der Champagne 2), stürzte sich ans den linken der Verbündeten und schlug ihn aus dem Felde. Dasselbe Geschick, welches zuvor dem Könige gedroht, ward nun dem Kaiser zu Theil, welcher allein mit dem Centrum sich noch hielt. Er hatte hier bei seiner ans einem Viergespann angebrachten Standarte, welche einen Drachen und darüber einen vergoldeten Adler trng^), seine deutschen Helden zur Seite, die Grafen Otto von Teklenburg und Konrad von Dortmund, den Herrn Gerhard von Randerath und vor Allen den bei Freund und Feind wegen seiner Tapferkeit viel gerühmten Bernhard von Horstmar. Dem kam, sagt Wilhelm der Brite, keiner gleich unter allen Deutschen, keiner war größer an Gliedern noch an Hoheit i) Knill. llrito p. 97. Darin, daß er im August vom Könige zur Ableistung des MannschaftS- eides zugelassen wurde, lag wohl eine Belohnung sür seine bei Bouvines bewiesene Tapferkeit. Lsiisls nr. 1504 fs. 1518. 1531. iöicl. p. 95: siln pro voxillo eroxerat a^nikam cieauratnm super clraeonem psinlsntsin in pertiea oblonAa orseta in (lunari^n. Lgl. klii- tippis XI, 25. Schon >V1äukincI I, I I erwähnt ein ähnliches Feldzeichen bei den alten Sachsen. Die Entscheidung des deutschen Thronstreites, 1214. 375 des Sinns; so groß war sein Ruhm, so geehrt sein Name, daß der des Kaisers kaum mehr gefeiert wurde in Sachsen Z. Da stürmten nun von Rechts und Links und zugleich von Vvrne die siegenden Franzosen herauf. Es entstand ein entsetzliches Getümmel, in welchem die Begleiter des Königs sich bis zum Kaiser durcharbeiteten. Einer derselben, Peter Malvoisin, ergriff Otto's Pferd am Zügel; ein anderer, Gerard Scroph, führte auf seine Brust einen Stoß, der jedoch nur das Auge des Pferdes traf. Hoch sich bäumend, überschlng cs sich und warf den Kaiser zur Erde. Ihn rettete der treue Bernhard von Horstmar, indem er ihm sein Pferd gab und selbst zu Fuß sich den Feinden entgegenwarf. Otto war gerettet, aber die Schlacht unrettbar verloren. Die einzelnen Ab- theilnngen des gesprengten Centrums wandten sich zur Flucht, mit ihnen Hugo von Boves, der Herzog von Limburg, der Herzog von Brabant. Otto selbst entschloß sich endlich das Schlachtfeld zu verlassen, das zuletzt nur noch eine geschlossene Schaar Vvn 700 brabantischcn Fußkncchten behauptete. Gegen sic schickte König Philipp am Abende den Herrn Thvmas von S. Valerh mit 50 Rittern und 2000 Mann Fußvolk und von der Uebcrmacht erdrückt, fielen die Brabanter, wo sie gestanden. Alle bis auf den letzten Mann. Die Verbündeten erlitten eine vollkommene Niederlage. Obwohl wir ihren Verlust nicht sestznstellen vermögen und die auf uns gekvmmenen Listen der Gefangenen nur den vornehmeren Theil derselben umfassen^), so spricht dvch die Thatsache, daß Otto IV. nicht einmal mehr den Versuch gemacht hat, den Krieg fortzusctzen H, genügend für die entscheidende Bedeutung des empfangenen Schlages. Die unmittelbare Folge desselben war, daß die große welfisch- nicdcrlündisch-englischc Allianz sich anflöste. Flandern ward gleich nach der Schlacht von den Franzosen überschwemmt und that- sächlich auch dann im Besitze behalten, als die Gräfin Johanna am 24. Oktober mit dem Könige Philipp sich vertrug, unter den dcmüthigendsten Bedingungen und so, daß das Schicksal des gefangenen Fcrrand ganz der Willkür des Siegers anheim gestellt >) twilippls XI, V. 393 ff. lieber Bernhards Antheil an der Schlacht s. Ficker in Ztschr. f. valerl. Gesch. N. F. Bd. IV, 296. 2) Auf diesen Moment scheint fick) die Darstellung im Otrron. IlrsxsrA. p. 377. 378 zu beziehen. S. Erörterungen XII. *) Knill. IWito, Hsstn p. 169, erwähnt, daß der gefangene Reginald von Bonlogne in Bapaume Gelegenheit gefunden, dem Kaiser eine Botschaft zukommen zu lassen : nt (Isnclnvnin asescksrLt st virs8 rsvolliASns nnxilio 6nn- cknvoruin st nliornin dsltnin rsnovnrst. Vgl. Vvitippis XII, v. 99. — Daß Otto nach der Schlacht sich eine Zeitlang in Cambrai aufgehalten habe (Reim- chron. V. 706S>, hat wegen der Lage wenig für sich. Deshalb wohl ließ Johann schon im August auf die flandrischen Güter Beschlag legen, der erst am 10. Seht., wahrscheinlich in Folge seiner Verhandlungen mit Frankreich, wieder aufgehoben ward. Ilnrä^, liot. lit. stnns. I, 211 . 212 . 376 Drittes Buch, Kapitel III. 1214. blieb'). Es gestaltete sich bekanntlich traurig genug, da von Fer- rands Genossen weder der Herzog von Brabant, als er sich mit dem Staufer, noch König Johann von England, als er sich mit Frankreich anscinandersetzte, auf den Gefangenen weiter Rücksicht nahmen. Jeder trachtete nur darnach, die Wirkung der Niederlage von sich selbst abzulenken, vor Allen Johann, der jetzt alle Lust am Kriege verloren hatte und mißmuthig bemerkte, daß seit seiner Unterwerfung unter die Kirche ihm Nichts mehr gelingen wollte ^). Als König Philipp nach seinem triumphirenden Einzüge in Paris sich sogleich gegen den Westen wandte und thcils mit bewaffneter Hand, theils durch kluge Verzeihung die abgefallcneu Vasallen zur Unterwerfung brachte, da wagte Johann gar nicht mehr, ihm im offenen Felde entgegenzutretcn ^), sondern bemühte sich um einen Waffenstillstand, dessen Abschluß dann der Kardinallcgat Robert de Coupon vermittelte. Man vertrug sich am 18. September zu Chiuou dahin, daß die Waffen bis Ostern 1220 ruhen, Eroberungen und Gefangene gegenseitig znrückgcgeben werden sollten. Beide Theile behielten sich aber vor, ihre Verbündeten innerhalb des deutschen Reiches auch fernerhin zu unterstützen, falls dieselben es nicht vorziehen sollten, dem Stillstände beizutreten "). Man sieht: dem französischen Könige wäre die Fortdauer des Bürgerkrieges in Deutschland das Erwünschteste gewesen und er war jetzt genau so wie zur Zeit Philipps von Schwaben weit davon entfernt, in einem endgültigen Siege seines staufischen Verbündeten seinen eigenen Vortheil zu erblicken, wie denn auch Nichts von weiterer Unterstützung desselben verlautet. Jene Bestimmung des Vertrages von Chinon war aber doch für Friedrich 11. nicht so ungünstig, als sie zu sein scheint. Denn es ließ sich schon damals voraussehen, daß Johann von England bald in seinem eigenen Lande 0 vslisls, OatnIoAus ur. 1508, und wegen der flandrischen Geiseln ur. 1518 ff. Vgl. Erörterungen XII, auch über die Gefangenschaft FcrrandS und Reginalds von Bonlognc. 2 ) lioger cts IVeuä. 111, 292. Weiter auSgesponnen in blattlr. Varls. Iiist. uriuor II, 152. 2 ) Vgl. 6uiII. IZrito p. 109. vlülippis XII, v. 258 ff., besonders über die Theilnahinc der Studenten; blattlr. Inaris. Iiist. maior eci. VuarU II, 581 (Zusatz zu llog. de zVeuä.); Ilielr. 8enou.; Xnn. iVlardae. p. 173: post psraetaiu vietoriain tertia äis (?) vouit varisius. Der Tag des Einzugs ist nicht nachweisbar; im August war Philipp, wohl nach jenen:, in Melnn. vollste nr. 1503. Johanns Aufenthalt wechselt zu Ende des August und zu Anfang des September zwischen S. Maixcnt und Partenay. Heiner I (ecl. 1738), 03. An letzterem Orte stellte er 13. Sept. die Vollmachten für den Abschluß des Vertrages ans. °) Vuill. IZrito I. 0 .; Radnit'. de OogAesIi. od. 8toveusou p. 170, nach welchem Johann auch 60,000 Mark zahlte; liox. de ZVeud. I. 0 .; keiner I. e.; Oritz-. Vuelt'. III, 823; velisls ur. 1506. Daß in den Vertrag keine Bestimmung zu Gunsten Friedrichs II. ausgenommen wurde, obwohl ein päpstlicher Legat an dem Abschlüsse betheiligt war, entspricht ganz dein päpstlichen Verfahren bei Aussöhnung der Kirche selbst mit Johann, s. 0 . S. 362. °) Scheffer-Boichorst, a. a. O. S. 550. Die Entscheidung des deutschen Thronstreitcs, 1214. Z77 mehr zu thun bekommen werde, als daß er noch an eine ausgiebige Unterstützung seines Neffen, des Kaisers oder, wie er auffälliger Weise im Vertrage genannt ist, des „Königs" Otto werde denken können und mögen, der ihm obendrein nicht weiter zu nützen vermochte. Nachdem er sür jenen ungeheure Anstrengungen gemacht und noch im letzten Feldzuge vicrzigtausend Mark vergeblich anf- gewendet hatte*), iiberließ er ihn svrtan wieder wesentlich sich selbst-). Dem Sinken des englischen Einflusses auf dem Kontinente entsprach das Steigen der französischen Macht, ihre Erstarkung zugleich nach Innen und Außen. Der 27. Juli 1214 gab im Gegensätze zu dem, was die Verbündeten erstrebt hatten, der französischen Monarchie die Weihe, lieber das bunte Ritter- und Söldnerheer, welches der Kaiser von Norden her gegen die Grenze herangcführt, und über die ungetreuen Vasallen siegte der französische König hauptsächlich mit den Truppen der Commnnen, deren Anschluß an die Sache des Königthums bei Bonvines seine Bluttaufe empfing und in den überschwänglichen Festen, mit welchen Paris den Einzug des Siegers feierte, sich beredt genug anssprach. Aus einer furchtbaren Krisis ging Frankreich kräftiger hervor als je, weil in sich fest geschlossen und als eine Nation, welche ihr Können erprobt hatte. Mag der Hofhistoriograph des Siegers zum Ruhme desselben und seines Volkes hie und da auch etwas zu stark in die Posaune stoßen: unberechtigt war dieses stolze Siegesbewußtsein ebenso wenig als das niederdrückende Gefühl, in einem wichtigen Wendepunkte der Geschichte unterlegen zu sein, ans der Seite der Deutschen. „Seit dieser Zeit, sagt der Chronist von Lauterbcrg, sank der Ruf der Deutschen bei den Welschen" ^), und er ist nicht der Einzige, der den Tag von Bonvines als eine Schande des römischen Reiches empfand ff. Mit ihm beginnt die lange Reihe der Schlachten, welche zwischen Franzosen und Deutschen im flandrischen Gebiete geschlagen werden sollten, und mit ihm empfing Deutschland die Entscheidung seiner Geschicke zum ersten Male aus fremder Hand. Recht bezeichnend sür das wirkliche Ver- hältniß war es, daß König Philipp nach der Schlacht den vergoldeten Adler von der kaiserlichen Standarte, dessen gebrochene Schwingen er sogleich Herstellen ließ, an Friedrich II. übersandte: nicht dieser hatte den Flug des Welfen gehemmt, sondern der Franzose, der nun über das Kaiscrthum gleichsam wie über ein *) llo^sr äs IVsnä. III, 291; Nattlr. karis. Irist. rnaior II, 581. ff Die letzte größere Anweisung sür Otto IV. ist vom I. Sept. im Betrage von 2000 Mark, ilarä^, Rot. lit. pat. I, 121. Llrron. blont, 8srsni p. 186. ff Vgl. Braunschw. Neimchron. V. 7031 mit Bezug ans die bekannte Wette >vo, äar: äa? loväo is irleos uinl> sin ros älisr rm UnAlisIaut, äuroli äar: liomsssü risirs Asssant ^vart so vsrns nk s)msu taeü! ^ 378 Drittes Buch, Kapitel III. 1214. Beutestück zu Guusteu des Staufers verfügen zu können meinte *). Und war dem nicht etwa so? Der Tag von Bouvines hat in der That die Zukunft des Kaisers besiegelt ^). ?dilippis XII, v. 40 ff. bei ttebersendung des Adlers an Friedrich: Iioe 8vint nt ctouo tüscss, Otüons rspulso, ium nnuo ctiviuo truuslutos wnusrs tu ixsum. 2) ONrou. Lunrpotr. p. 56: Incts sors Ottouis 8uprsinn ourclills Inp88. siris 8ps rsonpsrnnüi inorsäidilitsr äs8esnäit — mit Anspielung auf die weitverbreiteten Abbildungen der rotn IHtuims. Die Wirkungen der Schlacht von Bouvines auf Deutschland, 1214. 1215. Saumseligkeit auf staufischcr Seite trägt die Schuld, daß der Ruhm, dcu dcutscheu Throustreit entschieden zu haben, voll und ausschließlich den Franzosen zufiel. Denn ursprünglich scheint auch die Mitwirkung Friedrichs II. auf dem nordwestlichen Kriegsschauplätze beabsichtigt gewesen zu sein und dieser hatte auf einem zu Ostern (30. März) in Koblenz abgehaltenen Hoftage die Anwesenden schwören lassen, daß sic sich nach Pfingsten zu einer Heerfahrt gegen Aachen cinsiellcn würden H. Aber zu dieser Zeit war weder das Heer noch der König am Platze ; ja der letztere scheint sich erst jetzt aufgemacht zu haben, um die Hecrcspflichtigen aus Franken und dem Egerlande^), und dann gegen Ende des Juni zu Ulm 0 auch die Btannschaften des schwäbischen Herzogthnms in 0 Oliron. rs§. Lolon. p. 18; Oliron. Zninpstr. W 56: liox NUN. st rex Isranoio proxiinn sstnts provinoinlibns lisni st tnntoriUus Imininsnt st rsx Ornnois Ottonsin in luKain oonvsrtvns sts. Hier scheint die Absicht für die That genommen zu sein. 2 ) Die Herstellung des kgt. Jtinerars macht hier einige Schwierigkeiten, lieber die Urkunde für Asti ^otn iinz>. nr. 268: U. npnck (loilsnlinsou 1214 März 3., welche sich so durchaus nicht einordncn läßt, vgl. Ficker, Urkunden!. I, 217. 258. Ferner: da Friedrich März 30. in Koblenz gewesen ist, kann er nicht gut April 1. schon wieder in Lantern gewesen sein, Itsg. nr. 82, eher am 4., ^.eta iinp. nr. 262. Aus Worms sind Urkunden vom April 21-, RsZ. nr. 123 (da die Jndiction und die Erwähnung Lupolds von Worms sie hierher weisen), und vom Mai !>., ^eta nr. 264. "> UsA. I^riU. 82—85 aus Eger: Juni 2—10. Unck. 86—80 ans Ulm: Juni 26—28. Hier ist vielleicht ein Hoftag gehalten worden, wenn die undatirte Urkunde IluUI.-Uräll. I, 306: in pnblloa onrin nostra UUins, in dieses Jahr gehört. Dafür spricht, daß die ihr zu Grunde liegende Urkunde des Grafen Hugo von Montfort „Illins 1214" datirt ist, s. Monc, Zcitschr. II, 341. Jedenfalls haben wir auch hier wieder einen Beleg für die Regel, daß der König vor einem Feldzuge Schwaben besucht. 380 Drittes Buch, Kapitel IV. 1214. Bewegung zu bringen. In der Mitte des Juli, als Ottv IV. schon den Franzosen gegenüberstand, war Friedrich erst bis Worms herab- gekvimncn st, und die Würfel waren dort langst gefalle», als er am 15. August endlich seine Hceresmassen über die Mosel führte-), gerade noch zeitig genug, daß ihm die Früchte des von seinein Verbündeten erfochtenen Sieges nicht entgingen. Im offenen Felde trat ihm Niemand mehr entgegen: der Kaiser hatte sich nach der Niederlage von Bonvines in die Mauern Kölns zurückgezogenst und die Reste der welfischcn Partei am Niederrhein, die Grasen Heinrich von Sain, Adolf von Berg, Walram von Limburg und selbst Wilhelm III. von Jülich ans dem Hause Hcnge- bach, also ein naher Verwandter des nm Otto s willen abgesetzten Erzbischofs Dietrich, hielten es für angemessen, für sich bei dem Gegenkönige eine Art Neutralität auszuwirken. Erst dann, als diese von staufischcr Seite verletzt wurde, haben sic mit Feindseligkeiten erwiedcrt und den Herzog von Baiern, der im Vertrauen auf jene Waffenruhe sich vom Heere entfernt hatte, gefangen genommen^). Den Zug des Heeres selbst vermochten sic natürlich nicht zu stören und Friedrich gelangte ohne Hinderniß bis Aachen. Aber die Berennung dieser Stadt und namentlich der am 23. Angnst unternommene Hauptsturm scheiterte an der Tapferkeit der Bürger ^), welche mit den Kölnern in der Treue gegen den Kaiser wetteiferten, und Aachen war unbezwungcu, als Friedrich am 25. zur Freude der Lütticher die Maas überschritt und in den nächsten Tagen bis Hamal bei Tongern vorging, nm den mächtigsten der uiederloth- ringischen Fürsten, den Herzog Heinrich von Brabant, nöthigenfalls mit den Waffen zur Unterwerfung zu bringen. Jedoch Heinrich gehörte nicht zu denen, welche um eines Gelöbnisses willen Alles aufs Spiel setzen. Im Rücken zu gleicher Zeit von den Franzosen bedroht, kam er freiwillig ins stanfische Lager, gelobte Treue und st Friedrich Urkunde! Juli 10. zu Worms für die Bürger von Cambrai, da der Bischof noch auf welfischer Seite stand. Ilnill.-ilrslr. I, 310. st 6bron. rog. 6o1ou. I. s. giebt den Tag. Die überaus große Anzahl der fürstlichen Zeugen in den während des Feldzuges ausgestellten Urkunden stimmt dazu, wenn es dort heißt: onin insstiinsdili innltitnäins, oder 2änn. st-ol. insx. p. 827: onin vsliclissiino sxsrsitn, oder Kein. istsocl. p. 672: onin innuinsradilidus prinoipidns. 8iinilis sxeroitni eins non l'nit slicznsuäo in tsrrs ists visus. Die genannten drei Quellen kommen für diesen Feldzug fast allein in Betracht und unter ihnen wieder am meisten Iloiu. istsoü., vor dessen Augen ein großer Theil der Ereignisse sich vollzog. 6-ssts st>d..TVniIon. geben dem Könige 5000 Ritter. st Lein. stsoä. (hier natürlich nur vom Hörensagen): ^ Loionisnsidus Nstinstur onin nxoro sns, soll nnncznsin eloinnin snsin sankst sxirs. Wohl richtiger ^nn. Ool.: Oolonis cliu VUIN nxors ooininorstns st sv omniüns Nsrsliotns; 2t.nn. Ilsinlrsräsbr. x. 153: Ildi lonAv toinporo toäinin tovsns in Istsüris, psnois os otisin xlsusidns st Inelioris sxsroitns ostsnelit. Vgl. Lsiä. iblinov. bei cls 8inst II, 720. st 6llron. NSA. Ool. I. e.; Lsin. Osoä., nach welchem Ludwig .in der jülichschen Burg Nideck westlich von Zülpich verwahrt wurde, st Itsin. 1/soci. I. o. Wirkungen d. Schlacht v.Bouvines aufDeutschland,1214.1215. Z81 bot seinen Sohn und Andere als Geiseln seines künftigen Verhaltens i), mußte aber doch, gleich dem Herzoge Heinrich von Limburg, der ebenfalls jetzt Frieden suchte, dem Könige folgen, als dieser, zufrieden mit jenen Ergebnissen, am August über die Maas zurückging, am nächsten Tage die Mannschaft des Lütticher Dvmstiftes an sich zog und über Valkenburg sich ostwärts wandte. Noch ein Mal drohte das Kriegswcttcr sich über Aachen zu entladen, als Friedrich in der Nähe der Stadt, bei Würselen, sein Lager nnf- schlng -). Hier wurde das Schicksal des Brabanters entschieden. Dieser Mann, welcher Eide im Handumdrehen zu vergessen verstand und sich mit dem staufischen, französischen und wclfischen Hanse verschwägert hatte, um sic alle nach der Reihe zu betrügen, durfte wohl erwarten, daß endlich einmal gerechte Strafe sein treuloses Treiben treffen werde. Wie ganz anders geschah es! Denn sei es, daß die Vermittlung des französische^ Königs, seines Schwiegervaters, für ihn eintrat, dem Heinrich unmittelbar nach der Schlacht von Bvuvines sich wieder genähert haben soll ch, sei es daß Friedrich auf die durch die Tochter Philipps von Schwaben geknüpfte Verwandtschaft mit dem Herzoge Rücksicht nahm oder ihn für die Verrätherei zu belohnen gedachte, die derselbe an seinem kaiserlichen L-chwiegcrsohne zu begehen im Begriffe war — genug, Heinrich verfiel nicht nur nicht der verdienten Vergeltung, sondern empfing am 2. September obendrein vom Könige Mastricht als Lehen; Friedrich versprach sogar cs für ihn von dem Grafen von Looz auszulöfen H, dem es wohl für die dem Bischöfe von Lüttich und daher mittelbar auch der staufischcn Sache geleisteten Dienste kurz vorher verpfändet worden war st. Man sicht, Friedrich II. kannte den Preis, um den solche fürstliche Herren zu haben waren, während deutsche Treue fast allein noch in städtischen Mauern weilte. Trotz aller Bedrohung öffnete Aachen doch nicht seine Thore zur Krönung st Itein. Imock.; ONron. reg. Ool.; Xnu. Ool. max. I. e. st in eastris np. Xrpiisgr. Scpt. I. tVaktendnoli, Itor Xustriaeum p. 24. 25; apuck tVnrsele Lept. 2. Iluill.-Ilrsli. 1, 31 l. 312. st Nach Xlbriens p. 302 mit Glückwünschen. Der König soll durch zwei Briefe geantwortet haben, von denen der eine Nichts, der andere aber folgende Worte enthielt: 8ient prior sslrsckula seriptura t'nit vaeua, itn. est ckux kicks VNLUU8 st institin. Tegick. ock. Oliapeavills II, 23V. Die Sache sicht sehr apokryph aus. Daß aber König Philipp sich ans bloße Versprechungen des Herzogs nicht mehr zu verlassen gedachte, ergiebt sich daraus, daß er sich im Fricdensvcrtrage mit Johanna von Flandern' von ihr die llebergabe des in ihrer Hand befindlichen einen Sohnes des Herzogs zusichcrn ließ. st iluill.-IIrsli. 1, 311. 317. Vgl. Ficker, llrknndcnlehre II, 330. — Die (Isstn. nlw. Iruckou. ist. (I. 8s. X, 393 nennen als Vermittler den Bischof von Lüttich. st llnlck. Xiuov. I. o. Der Sohn Heinrichs soll darnach bald der Geiselhaft entlassen worden sein, freilich wohl nicht, weil Friedrich oiko ooaotus est rsckcksrs prrtri. Die Entiassnug geschah aber noch nicht, als Friedrich an den Obcrrhein zurückging. Iloiu. I^oock. Vgl. /^sgick. ^.ureasva». p. 237: ss vuiu lilio primogenito suückickik per omnia regis ckitioui, -zuos al> sorum rex seeuin nvckuesus kiuiöus revvrsus sst ack propria. 382 Drittes Buch, Kapitel IV. 1214. des neuen Königs, welcher sich darauf gegen Jülich wandte') und dieses so lange öcstürmte, dis Graf Wilhelm sich zum Frieden verstand. Dadurch wird auch Herzog Ludwig vvn Baiern seine Freiheit wieder erhalten haben, obwohl wie es scheint merkwürdiger Weise nicht umsonst^). Dem Beispiele des Jülichers folgten noch die Grafen Dietrich von Cleve und Heinrich von Kessel ch, ebenso Wal- ram von Limburg, welcher durch seine Heirath mit Ermcsindc von Luxemburg einer der Mächtigsten in Niedcrlothringen geworden war. Aus der Thatsache, daß Aachen sich gegen den staufischen König hatte behaupten können, haben Spätere wohl den Schluß gezogen, daß dessen Feldzug an den Nicderrhein im Wesentlichen mißglückt sei ^). Es ist nun ja auch richtig, daß des Kaisers Zufluchtsort Köln und das noch in seinem Besitze befindliche Kaiserswerth nicht einmal angegriffen worden ist und daß Friedrich, der in dem weit und breit verwüsteten Lande für sein Heer keinen Unterhalt mehr fand, sich sehr bald wieder rheinanfwärts ziehen mußte, dem auf dem Strome hcrabkommcnden Proviante entgegen ^). Glänzende Versprechungen, die er am 18. September im Lager vor der Landskron ihrem kaiserlichen Befehlshaber Gerichwin von Sinzig machte, hatten auch keinen Erfolg: derselbe übergab die ihm von König Philipp anvertrantc Rcichsbnrg doch nicht dem Neffen ch. Trotzdem war die Aufgabe, welche Friedrich 1214 in die nieder- lothringischen Gebiete geführt hatte, eigentlich gelöst. Denn nachdem dort dem Kaiser alle bisherigen Anhänger H und in erster Linie sein Schwiegervater den Rücken gekehrt hatten und als seine Fahnen nur noch ans den Mauern von Landskron, Köln, Kaiserswerth und Aachen wehten, da war wohl kaum noch irgend eine Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß seine Adler von diesen vereinzelten Plätzen ans wieder über jene Lande fliegen könnten, in denen auch h Nach Uoili. I^soel., der über die Bewegungen des klanglichen Heeres genaue Auskunft giebt, beginnt die Belagerung Jülichs erst am 8. Sept., während eine Urkunde Friedrichs für den DO. schon am 5. Sept. in oastris proxa Untmvnin datirt ist. Unter den sehr zahlreichen Zeugen ist auch Heinrich von Brabant. 2) Das muß aus den in Baiern zum Loskanfe des Herzogs erhobenen Steuern geschlossen werden. (Iliounr. 8oIUr. N. 6. 8s. XVII, 632. lieber die Zeit seines Frcikommcns s. Schirrmachcr I, 97 Anm. 2. 2) Der scheint doch unter dem Grafen cts Oasinl bei liein. 4,socl. verstanden werden zu müssen. Am stärksten Ilalänin. Xinov. 1. o.: psrclitis c>natuor inillibns U. an: Rossel, Urkbch. d. Kl. Eberbach 1, 155. Am 23. Okt. urkundet Friedrich npuel 8znrmn: 11sA. IXiel. 04 (in 2 etwas abweichenden Ausfertigungen, Wirt. Urkbch. III, I I. 12). 384 Drittes Buch, Kapitel IV. 1214. in Flandern Zuzug leistete H: als Otto's IV. Stern auf den Feldern von Büuvincs erblichen war, da wandte auch Theobald sich schleunigst wieder der staufischen Svnne zu. Er war mit im ^agcr vor Jülich -) und suchte seine Abirrung dadurch vergessen zu machen, daß er mit seinem Oheime, dem Grafen Heinrich vvn Bar, Frieden schloß Z und sich mit ihm und den besten Freunden des Königs, dem Erzbischöfe von Trier und dem Kanzler Konrad vvn Metz und Spcier, zu Schutz und Trutz gegen Jedermann verband, natürlich ausgenommen den römischen König H. Ein weiterer Verlust traf die wclfische Sache in Bezug auf die Rhcinpfalz. Sie war allerdings schon früher der unmittelbaren Vcrwerthung für das Interesse des Kaisers dadurch entzogen worden, daß des letzteren Bruder Heinrich sie seinem einzigen Sohne gleichen Namens abgetreten und dieser sich dem staufischcn Könige gefügt hatte Z. Für die Zukunft des Hauses konnte sie aber noch sehr wichtig werden und die Hoffnung desselben war gerade ihr jugendlicher Inhaber, da weder der ältere Heinrich aus seiner zweiten Ehe mit Agnes von Landsberg noch Otto IV. selbst Kinder hatten und der einzige Sohn ihres am 12 . Decembcr 1213 Z verstorbenen Bruders Wilhelm von Lüneburg viel zu jung war, als daß schon bestimmte Erwartungen von ihm sich hätten hegen lassen. Unter diesen Umständen war cs für die Welfen ein ganz besonders harter Schlag, daß jener Heinrich II. von der Pfalz, der etwa 18 Jahre alt sein mochte, schon verheirathct war und eben Ritter zu werden gedachte, im Frühlinge des Jahres 1214 kinderlos starb U- Friedrich II. konnte nun'völlig frei über die Rhcinpfalzgrafschaft verfügen und er belehnte noch im Herbste desselben Jahres, gleich ncich der Beendigung der niederrheinischcn Heerfahrt, des Herzogs Ludwig von Baiern jungen Sohn Otto mit dem erledigten Fürsten- thume, den Herzog selbst ab er mit der Lehusvormundtschaft in dem- S. o. S. 370 Am». 3. Er urkundete noch >213 Dec. 17. als dux Hotll. st mnraldo, lilius Vrid. dnvis, und zwar unter seinem Siegel und dem des Vaters, Mone, Zeitschr. XIII, 50 — vielleicht weil er noch nicht belehnt war. 2) lieg. Vrid. 02. Iluill.-Uröll. I, 313. Er erscheint hier merkwürdiger Weise hinter IlEinrious llrnbnntio ot Imtlrnringio als Illmohnldus iut'orioris Imtlrnringis dux. Wenn Theobald hier, wie cs wahrscheinlich ist, die Belehnung empfangen hat, könnte der König bei dieser Gelegenheit die Verpfandung von Roshcim, s. o. S. 327, widerrufen haben, worüber dann 1218 wieder zwischen ihnen Streit ausbrach. Gesch. K. Fr. Bd. I, IN. 12 >4 Nov. >3. Online! 111, 9. ') 1214 Dec. 20. Iluill.-llrÄi. 1, 345. °) S. o. S. 341. Sachs. Weltchron. K. 351. (Ironien, dueum äs llrunsrv. e. 15. Xn». 8tnck. p. 355 zu 1212. Vrolrer, Orig. Nnlnt. (1013) p. 80, theilt eine Inschrift ans dem Kloster Schönau mit, in dem Heinrich II. begraben wurde: iNino .... ünl. innii obiit illustris prineops dominus Ilonrious eomss xnlntinus lilioni dux 8nxonio, snzn'ndieti Oonrndl ox lilin uepos. Bor Irnl. kann außer der Jahreszahl auch eine Tagcszahl ausgefallen sein, so daß I. Mai als Todestag nicht unbedingt feststeht. Das Jahr 1214 geben Xnn. 8tnd. p. 356. Der eigentlichen Grabschrist gehört wohl ein anderes Fragment bei Freher ans Schönau Wirkungen d. Schlacht v.Bonvines anfDcntschland, 1214.1215. Z85 selben. Jenem Otto wurde ferner die zweite Schwester des Verstorbenen Agnes von der Pfalz zur künftigen Gattin bestimmt und dadurch auch der pfälzische Allvdialbcsitz gesichert. Wie die ältere Schwester Irmgard nbgcfnnden sein mag, welche später als Gemahlin Hermanns V. von Baden erscheint, ist nicht weiter bekannt: die Hauptmasse der Allodien ging aber jedenfalls zusammen mit den Rcichslchcn und wohl auch mit den Kirchlchen der früheren Pfalz- grafcn auf die Wittclsbacher über ^), welche also auch am Rheine und an der Mosel festen Fuß faßten. Während die Welfen in der Nebenbuhlerschaft gegen das stanfischc Hans eine Position nach der anderen cinbüßtcn und jeden augenblicklichen Aufschwung mit um so tieferem Falle büßten, dienten ihre Fehler den Wittelsbachern als Stufen zu immer glänzenderer Stellung, welche sic im Gefolge der Ltaufcr erstrebten. Daß aber Herzog Ludwig die welfische Verlassenschaft anzntrctcn wagte, kann wohl als Beweis dafür gelten, wie hoffnungslos ihm die Sache des Kaisers erschien. Aus einem in November 1214 zu Basel abgehaltcnen Hoftage vollzog sich auch der Anschluß Burgunds an Friedrich II ^). Herzog Otto von Burgund wurde von ihm zum Reichsvikar für dieses Königreich bestellt^). Von den Mündungen der Maas und des Rheins bis zu den Usern der Rhone und bis in den äußersten Südvsten des Reiches, in Frianl und in Istrien erkannte man Friedrich als den an der Macht befindlichen König an; nur der an: Driuoops nmMliiions, oomos nnino, glorin Ilüoni s inuior Ilonrions .... Das Ollron. s. Niob. Imnob. HI. (.4. 8s. XXIII, 307 berichtet von Heinrich: gui cknm militari voiiot, nt ^niclnm ckionnt, vensno mortnns sst. Seine Wittwc Mechthild, Tochter des Herzogs Heinrich von Brabant, also Schwester der Kaiserin Maria, wurde schon 5. Nov. 1214 wieder dem Grafen Florentius von Holland verlobt, Oorkomi. van IloilnncI I, 192; sie wurde die Mutter des späteren Gcgenkönigs Wilhelm, überlebte Mann und Sohn und starb erst 22. Dcc. >2117. S. Erläuterungen XIII.: Der Ilebcrgang der Rheinpfalz auf die Wittelsbacher. 2 ) Die Anwesenden ergeben sich aus den von dort Nov. 21—24 datirtcn Urkunden meist für Burgund, lieg, Drick. 05—104, zu denen andere hinzukommen: Ebovnlior, Diplom, clo Ilour^. pur Diorro clo IlivnL p. 82. 83; Doonm. inöciits roint. nn Dnnpbiuo II, il; Xotn imp. 267 und eine nn- gedruckte für Pairis mit Ilnsiloo 1214, opnotn 18, aber ohne Tag. Als solcher nrknndct er 1216, Juni für Vienne. Ilivl. DIorino. 93 smitgetheilt von Ficker). Er ist vor Aug. 1218 gestorben. Dolislo, Ontnlogno nr. 1844 ff. — Im Widerspruche ist damit eine ungedruckte Urkunde Friedrichs II. n. ck. i. 1214, inck. 3., älotis. Dntn 6 ickns inn., rogn. n. 3 — 1215 Jan. 8, in welcher er Wilhelm von Banx rs^nnm Vionnonso, gnock ot Xrointonss clieitnr, onm omnidns portiuvnt.iis überträgt und ihm verspricht, ihn zur Zeit seiner Kaiserkrönung gleichfalls krönen zu lassen. (Sainnil. d. Non. Dorm.) Die Urkunde ist aber ans diplomatischen und der Sachlage entnommenen Gründen für unecht zu erachten. Wohl hatten die Banx eine bedeutende Stellung in der Provence, Wilhelm als Fürst von Oranges >so in eigener Urkunde >215, Hist. eis Dnnguockoo III, Dronvos p. 2101, sein Bruder Hugo als Erbe des Dominats über Marseille, Innoo. Dpist. X, 101; aber ich kenne keinen Beweis, daß sie je den Titel eines Reichsvikars, geschweige denn den Königstitel geführt haben. Der Reichsvikariat in Burgund ging nach dem Tode des Herzogs Jahrb. i>. lisch. Gcsch. — Wiukclmann, Lttto IV. 25 386 Drittes Buch, Kapitel IV, 1214, Norden, das eigentliche Sachsen, hatte sich ihm erst zum Theile gefügt und daß es nicht ganz leicht sein werde, den Rest zu überwältigen, datwn war Friedrich selbst durch seinen sächsischen Feldzug von 1213 belehrt worden. 11m so werthvoller konnte die Mitwirkung des Dänenkönigs erscheinen, welchen die Lage der Dinge an der Elbe ihm von selbst als Bundesgenossen zuführte. Für König Waldemar II. war die von den sächsischen Anhängern Otto's IV, bewirkte Zurückführung seines verhaßten Vetters, des auf seinen Betrieb abgesetzten Erzbischofs Waldemar, nach Bremen geradezu eine tödtliche Beleidigung gewesen. Hielt er trotzdem an sich, so haben wir darin die Fortsetzung seiner früheren Politik zu erkennen, nach welcher er sich nicht tiefer in die deutschen Angelegenheiten einlassen mochte, als es für seine eigensten Interessen unumgänglich war. Er wartete also ab, wie der Streit um das Erz- bisthum Bremen zwischen jenem Waldemar und seinem Nebenbuhler Gerhard von Osnabrück weiter verlaufen werde, den die Kirche anerkannte; er vermied es sorgfältig, sich über den neuen deutschen Thronstreit zu erklären und er stand noch im Sommer 1212 in ganz freundlichen Beziehungen zu Englands, lind da begreiflicher Weise auch -Otto IV. sich hütete, dem Drängen seiner sächsischen Freunde zu offensivem Vorgehen nachzugeben und, wenn er während der Belagerung von Weissensce dem Markgrafen Albrccht von Brandenburg seine Unterstützung gegen Dänemark zusagtc, in erster Linie doch nur friedliche Vermittlung im Auge hatte ^), so blieb auch im Jahre 1213 jenseits der Elbe Alles ruhig und der dänische Annalist konnte als besondere Merkwürdigkeit dieses Jahres eintragcn, daß gar keine Heerfahrt unternommen worden sci^). Das wird dann auch dem Kaiser bei seinem Angriffe auf Magdeburg und Thüringen trefflich zu Statten gekommen sein, daß er von Dänemark nicht beunruhigt wurde. Dann aber änderte sich das ganze Verhältnis;, Als die Stadt Bremen, welche die Anwesenheit des Erzbischofs Waldemar trotz des aber sic verhängten Interdikts ruhig ertrug, weil jener als Freund des Kaisers galt, für ihre Parteinahme mit Handelsfreiheiten in England belohnt wurde Z; als des Kaisers Bruder, Pfalzgraf Heinrich, offen in den Kampf zwischen Waldemar und Gerhard Otto ans den Markgrafen Wilhelm von Montserrat über, s, Honorius III. 1220 Dec, 13: Vr. Ilom. nng>. rsgnnm ^relatonss dil. III, nod. viry (4, inarolr. DIontisI. ooininisit (Rno XIX, 713), und von weiteren Ansprüchen der Nachkommen Wilhelms von Banx, der 1218 im Kampfe gegen die Albigenser fiel lHonor, ,1218 Aug, 11. Ilse. XIX, 065, vgl. Odron. Xiool. do kirnen ilücl. XVII, 339), ist nicht eher etwas zn hören, als bis sie 1257 ihre angeblichen Anrechte an Karl von Anjou verkauften. IIniII.-IIreI>. I, 353 not. 1. Ü Damals kam Xdsalon oomos (Io Daeia nach England ad videndnin d. rogsm, der ihm beim Abschiede am 16. Ang. 1212 zn Nottingham 200 Mark schenkte. Oole, Iloonm illnstr. ol Ilnal. Inst. (London 1844. lol.) i>. 238. -) LI. (4. Osg. II, 220. 2) Illiron. Danimim zi. 263: liixiiodieio in Daoia unisvit. Brem. Urkbch. 1, 127. Wirkungen d. Schlacht v.Bouvincs auf Deutschland, 1214.1215. Zg? zu Gunsten des crstcren eingriff und als unmittelbar darauf, nachdem des Kaisers Vertreter in den Erblandcu dem Dänen diese Herausforderung zngeschlendcrt hatte, Otto IV. selbst wieder die Widerstandsfähigkeit seiner sächsischen Anhänger durch seinen großen Äriegszug in den Westen schwächte — da war für König Waldemar die rechte Zeit gekommen, endlich einmal mit diesen norddeutschen Nachbarn abznrechncn, und er that es gewiß um so lieber, weil er dadurch auch dem Könige von Frankreich, von dem seine Schwester Jngeborg jetzt wieder als rechtmäßige Gemahlin anerkannt war-), einen wichtigen Dienst leistete und zugleich den Forderungen der Kirche genügte, welche bei ihm wie überall gegen Otto IV. und für Friedrich II. wirkte^). Wir vermögen nun zwar nicht, ans den dürftigen und abgerissenen Nachrichten, welche über den dänischen Feldzug des Jahres 1214 vvrliegen, ein deutliches Bild von dem Verlaufe desselben zu gewinnen; das unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß der Erfolg überall ans der Seite Waldemars II. war. Die Grafen Gunzelin von Schwerin und sein Bruder Heinrich, der in den letzten Jahren und namentlich während des Römerznges kaum von der Seite des Kaisers gewichen war, wurden zur Huldigung gezwungen; dem Markgrafen von Brandenburg wurden Pnscwalk, Stettin und andere Plätze wieder abgcnvmmcn, welche er in dem unter dänische Oberhoheit gebrachten Pommern erobert hatte; der Markgraf selbst wurde hinter die Elbe znrückgeworfcn Z. Was aber Waldemar so im Kampfe gegen die Anhänger Otto's für sich gewann, wer wollte es ihm nach der großen Niederlage desselben wieder entreißen? Die Schlacht bei Bouvines ist auch für die Verhältnisse an der Elbe entscheidend geworden und nicht minder für die Stellung Waldemars zu Friedrich II. Indem jener dort die Gunst der Lage rücksichtslos für sich ausbeutcte, förderte er mittelbar auch die Interessen Friedrichs und er hatte ein Recht zu verlangen, daß dieser cs anerkannte. Am Ende des Jahres 1214 hielt Friedrich einen Hoftag zu Metz °), zunächst wohl zur endgültigen Beilegung der Streitigkeiten zwischen dem Herzoge von Lothringen, dem Grafen von Bar, dem h ^Vnn. 8tnck. p. 355: OUornrckns apiso. 8elutter6 (Schlutter bei Delmenhorst) nvckiticmt, cknx Ilcinrieno VaUronbereü. Sachs. Weltcbrvn. K. 351. Bgl. die Anmerkung Lappenbergs zn 8tnä. und Schumacher, Stedinger S. 63 ff. 168. Auf die einzelnen Kricgsthatcn der Stedinger zn Gunsten WaldemarS kann ich hier nicht cingehcu; sie sind erschöpfend bei Schumacher besprochen. -) S. o. S. 357. °) Bgl. Usingcr, Deutsch-dänische Gesch. S. 157, dessen ausführliche Darstellung auch weiterhin naebzuschen ist. >> Die Stellen bei Usinger, Note IV S. 144. Itoin. I^sock. 672: Onrin Vroäsrio! Ksttis Iindita in spipUnnin. Diese Angabe ist schwerlich genau. Wir haben — abgesehen von der gefälschten Urkunde für Wilhelm von Banx, s. o. S. 385 Aum. 3 — keine Urkunde Friedrichs von dort, die später wäre, als Dcc. 20. UoA. ur. 109; dagegen muß die Urkunde für den König von Dänemark mit ct. npuck lVIsoioo >214 inä. II früher sein; wenn nicht in der Jndiktionszahl ein Fehler steckt — was wir aus Mangel des Originals nicht behaupten können — ist sie unter Annahme der 388 Drittes Buch, Kapitel IV. 1214. Erzbischöfe vmi Trier und dem Bischöfe von Metz H; doch waren unter Anderen auch der König von Böhmen, die Herzöge von Oesterreich und Bniern und der Markgraf Dietrich von Meissen erschienen und die Anwesenheit des Böhmen und des Meißners, welche in verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem dänischen Äönigshanse standen dürfte wohl damit znsammenhüngcw, daß gerade sie sich um das Bündniß zwischen Friedrich und Waldemar bemühten. „Mit Rath und Beistimmnng der Fürsten des römischen Reiches" hat Friedrich dort in Metz, wie er selbst sagt: „um die Feinde nnscrs Kaiscr- thnms zu bezwingen", dem dänischen Könige alle früheren Reichs- landc jenseits der Elbe und Eldc und, was von ihm und seinen Borgängern in Slawen mit den Waffen gewonnen war, für immer abgetreten und mit solchem Preise die Freundschaft desselben bezahlt ^). Es ist wahr: Waldemar erhielt Nichts, was er nicht schon hatte; aber für diesen thatsächlichen, nur im Rechte ver Eroberung wurzelnden Besitz erwarb er in Metz die völkerrechtliche Sanction durch die Anerkennung des Königs und der Fürsten dcS von ihm beraubten Reiches, und daß er diesen kostbaren Besitztitcl zu schätzen wußte und gegen alle etwaigen Anfechtungen in der Zukunft sicher zu stellen wünschte, erkennt man aus seinem übrigens mit Erfolg gekrönten Bemühen um eine Bestätigung der Abtretungsurkunde selbst durch Jnnocenz III. und, sobald dieser gestorben war, durch dessen Nachfolger Z. Friedrich II. ist wegen jener Metzer Urkunde oft und manchmal mit einiger Bitterkeit getadelt worden und vom nationalen Standpunkte auch gewiß nicht mit Unrecht; denn eines deutschen Königs, des künftigen Kaisers würdig war jene Abtretung ebenso wenig als der Rcichsfürstcn, welche ihr beistimmtcn, wenn nicht gar sie anricthcn. Aber es ist, auch wohl zu beachten, daß das Gefühl der Zusammengehörigkeit allem Anscheine nach noch nicht so stark war, daß man den Verlust eines Theils, wie es heute geschehen würde, als Verletzung des Princips, als eine Zertrümmerung des organischen Ganzen betrachtete. Die Auflassung der mittclitalischen Reichslande an den Papst ist von der zeitgenössischen Geschichtsschreibung fast mehr bemerkt worden, als die dänische Eroberung päpstlichen Jndiktionszählung in die Zeit vor Weihnachten zu setzen. Es ist ferner zu beachten, daß der Kanzler jedenfalls schon Dec. 20. in Metz war, Ilnill.-Ur^N. I, 345, während der König von Böhmen 1215 Jan. 6 schon wieder in Prag ist. Uröeu, ItsZ. Iloü. nr. 558. ') S. o. S. 384. Auf andere Friedensstörungen weist die Notiz der /vnn. ^Istsnsss f6oä. Lsru. ur. 29 s. 19t>r): Onstruin äs Itiotro n elvivns Ns- tsnsibns oloruitur. 2) Usinger S. 182. Die Urkunde (über ihre Zeit s. o.) ist zuletzt gedruckt Ilnill.-IIrslu I, 346 und nach dem ältesten der erhaltenen Transsnmpte (von 1301), Urkbch. d. Schlcsw. Holst. Lauenb. Ges. II, 129. Ngl. Usinger S. 158 ff. und S. 409 ff.: Geschichte der Urkunde von 1214. Jnnocenz 1216. Mai 14. Mekl. Urkbch. I, 21» (k. ur. 511» -- 5263). Honorius 1217. Jan. 31 das. 218; IIniI1.-IZii!I>. 1, 497. Wirkungen d. Schlacht v.Bouvincs auf Deutschland, 1214.1215. Z89 Nordalbiugieiis: der Abtretuiig des letzteren selbst gedenkt Keiner. Friedrich war ferner noch keineswegs im Stande, den Dänen und ihrem kriegsmächtigcn Könige dasjenige zu entreißen, wozu ihnen in der Hauptsache schon die frühere Zwietracht der Deutschen und besonders Otto IV. vcrholfcn hatte; er war vielmehr von ihnen noch durch Fürsten getrennt, die wie Feinde der Dünen so auch seine Feinde waren. Sollte er nun durch hartnäckiges Festhalten an dem unzweifelhaften Rechte des Reiches auf jene Gebiete, die wie die Sachen nun einmal lagen, seinen Feinden abgewvnnen waren, in dem nordischen Eroberer sich einen neuen gewaltigen Gegner erwecken oder sollte er durch freiwillige Aufgabe des that- sächlich Verlorenen sich an ihm einen Bundesgenossen zu sichern versuchen, der als solcher ebenso nützlich werden konnte, wie schädlich als Feind? Philipp von Schwaben hatte in ähnlicher Lage das Ehrenvollere gewählt: Friedrich II. wählte das Sicherere. Er hat hier unleugbar sein persönliches Interesse über das allgemeine des Reiches gestellt; aber daß er es that, im gewissen Sinne thun mußte, das war doch mehr in seiner Stellung als Gcgenkönig begründet, als daß es ans freiem Entschlüsse hcrvorging st. Nach einer späteren Aeußeruug von ihm hat er das Schmachvolle jener dänischen Uebergriffe selbst gefühlt"), und es ist bekannt, daß er die erste ihm sich darbietcndc Gelegenheit ergriffen hat, das rückgängig zu machen, was an dem Reiche gesündigt war. Das Beste dabei wurde freilich auch daun von den Geschädigten selbst und besonders durch die jugendstarke Kraft des anfblühenden deutschen Bürgerthnms gethan. Unbekannte. Gründe b) führten noch im Januar st 1215 den ') Es wäre überflüssig, hier auf abweichende Urtheile einzugehen, die ja wohl auch einige Berechtigung haben mögen: die vertretene Auffassung ergab sich mir aus der Gesannntanschanung der Sachlage. Die Metzer Urkunde ist das Scitenstück zur Goldbnlle von Eger, ans demselben Boden erwachsen. 2) Anfangs 1224, llnill.Hröli. II, 394, an Bischof Kvnrad von Hildes- Heim : rox, sieut tu ipse nosti, . . . mnlta cks bonis imperii oavnpnvit, ad nos ot Imperium respootnm, cziwm clebnit, non bnbvnclo; nmlo onm acl reenperntionem bonorum imporii totis viribus nnlmlemus, nt ipsn possimus ml Imperium revoenre etc. Seiner Abtretung gedenkt Friedrich freilich nicht. Darüber, daß der Abfallsversuch des Landgrafen nicht nach 1215 zu setzen ist, wie ich cs noch Gesch. K. Friede. Bd. I, 67 that, s. u. Wenn die Zeit der Fehde, welche der Landgraf gegen Graf Hermann von Orlamünde zu führen hatte, weil Letzterer sich der Güter seines abwesenden Bruders, des Grafen Albrccht von Holstein, bemächtigen wollte, Xnu. Itsinlmräsbr. p. 142, nicht ganz unbekannt wäre, könnte diese eine Ursache des plötzlichen Uebcrgangs des Königs von Metz gewesen sein. Der Graf von Orlamünde ist Jan. 28 beim Könige in Naumburg, liox. 112. — Oder hatte dieser Zug etwas mit dem Aufstande der Bürger von Leipzig und eines Theils der Ministerialen gegen den Markgrafen von Meissen zu thnn, der zu Ende 1214 crsolgt zu sein scheint? Poscrn-Klett in OoU. elipl. 8ax. rs§. Abth. II. Bd. VII S>. XIX ff. Leipzig soll daran gedacht haben, sich dem Kaiser zu übergeben, -4mi. I'oAav. p. 269. '> Dem Zuge nach Thüringen gehört wohl die eingedruckte Urkunde ans OosIemIUsen (Gelnhausen?) vom 12. Jan., 11o§. 74, an; über das Jahr derselben s. Gesch. K. Friedr. Bd. I, 67 Anm. 2. Vom 21 . Jan. ist eine Urkunde ans Erfurt, 1Is§. 111. 390 Drittes Buch, Kapitel IV. 1215. König von Metz nach Thüringen, wo er etwa bis Ende des Februar blieb und seinen Anhang allerdings wieder vermehrte. Indessen das Gerücht, ans welches hin Reiner von Lüttich in sein Tagebuch eintrng: „Die Großen Sachsens, wenige ausgenommen, machen mit dem Könige Frieden')", hatte doch stark übertrieben. Es stellte sich Graf Adolf von Schaumburg am königlichen Hofe ein, weil er wohl daran verzweifelte mit Hülfe des Kaisers wieder zu dem Besitze Holsteins zu gelangen"), und der Einfluß Albrechts von Everstcin auf der einen, der Schwarzbnrger auf der anderen Seite, mag außer dem Edelhcrrn von Plesse und dem Grafen Elger von Hohenstein 3) vielleicht noch einen oder den anderen Herrn dazu bestimmt haben, ihnen auf die Seite Friedrichs zu folgen. Aber von den fürstlichen Freunden des Kaisers in Sachsen that das doch nur Bischof Friedrich von Halberstadt'), während die Askanier, der Markgraf von Brandenburg, der Graf von Anhalt und der Herzog Albrecht nach wie vor an jenem fcsthicltcn, vielleicht gerade deshalb, weil sie von Friedrichs Einigung mit dem Düncnkönige erfahren hatten. Sie zur Unterwerfung zu zwingen, ist aber, soviel wir wissen, damals nicht versucht worden. Die beiden folgenden Monate wurden dann vom Könige zu einer Bereisung Frankens und Schwabens verwendet, überall Ruhe gestiftet, Streit ausgeglichen, alte Rechte bestätigt und neue gegeben, Kirchen und Klöster wie gewöhnlich reich bedacht 5). Gegen Ende des April aber eilte Friedrich von Hagenau, wo er Ostern gefeiert hatte, über Speier hinunter nach Andernach °), wohin er auf den 1. Mai seine Freunde entboten hatte, um sich mit ihnen über die weiteren Schritte gegen Otto, den Kaiser ohne Kaiserreich, zu verabreden. Die überaus stattliche Versammlung, an'wclchcr auch die 0 Loiu. Loock. p. 672. 2) Usiuger S. 163. °) Leg. 74. 112. '> Zeuge seit Jan. 21. Vgl. die Datirmiq seiner Urkunde l.'ock. ckipl. ^ulialt. II, 16. 0 Log. 117—125, mit Ausnahme von >23, das zu 1214 gehört, wie die neu hiuzugekomincnen Urkunden, HuiU.-IZrsU. I, 371. 372 zeigen. Dem Aufenthalte in Augsburg im April gehört noch eine ungedruckte Urkunde für S. Nicolo von Bari an, im Auszüge bei UoatiUo, List, Ui s. Xioolo (sei. 3. i615> p. 471. "1 Am 23. April urkundet er in Speier, Log. 124. 125; am 211. für Remigsbcrg zu Boppard, denn so ist doch wohl in der Urkunde, Mone, Ztschr. XI, 184, für Np. voatum Lotrniu zu lesen; am 2., 3. Mai zu Andernach, Lsg. 126. 127. 128. Die Zeugen der letzten Urkunde lehren die Anwesenden kennen. Nr. 127 ist freilich von llnW, ckipiom. guackrag. p. 53, für unecht erklärt worden, ohne Zweifel nicht weil in der Inskription zwei Schreibfehler sind, sondern wegen der auffälligen Anordnung des Protokolls, da die Zeugen zwischen Xotum und Latum geschoben und Orts-, Tages- und Jahrcsangäbcn eigen- thümlich auf beide vertheilt sind. Dasselbe gilt so ziemlich auch von ur. 128. Wir haben aber nun durch Ficker so viele Unregelmäßigkeiten kennen gelernt, daß ich mich nicht ohne Weiteres der Verwerfung jener beiden Urkunden anschließen möchte, besonders da Zeit, Ort und Zeugen zu einander stimmen. Den Ucbcr- tritt des hier vorkommenden Grafen Heinrich von Sain meldet Loiu. Loocl. x>. 673. Wirkuugensd. Schlacht v.Bouvincs auf Deutschland, 1214.1215. Zgl beiden päpstlichen Legaten nnd Erzbischöfe Sigfrid van Mainz und Albrecht van Magdeburg theilnahmen, einigte sich zu dem Beschlüsse nnd bekräftigte durch einen Eid, daß zum Jvhnnnistage eine Reichs- Heerfahrt stattfinden nnd znm Angriffe auf die Städte Köln und Aachen vcrwerthct werden svlliB). Es galt den Kaiser ans seinen letzten Stutzpunkten im Rheinland«: zu vertreiben. Wie so häufig, ist auch dies Mal wieder der für die Heerfahrt eingesetzte Termin nicht eingehaltcn wurden. Der König selbst war inzwischen nachmals über Frankfurts nnd Wirzburg nach Schwaben znrückgegangen, wahrscheinlich um seine eigenen Lehnsleute und Dienstmanncn zu sammeln, und erst im Juli zog er vom Elsaß zur Ausführung der besprochenen Pläne wieder gen Norden. Man war dort nicht müßig gewesen. Seit der Mitte des Februar lag Graf Adolf von Berg vor Kaiserswerth, in welcher Burg Otto IV. den Bischof von Münster, den im Feldzüge des Jahres l2I3 gefangenen Grafen Günther von Käfernbnrg nnd die zwölf Geiseln der Stadt Aachen verwahrte. Die Kaiserlichen schlugen tapfer alle- Sturmangriffe ab; als aber die Mauern untergraben waren, da mußten sie sich wohl ergeben. Das geschah an demselben Tage, an welchem auch Aachen ficlH. Hier hatte nämlich bei Friedrichs Anzug nnd, da die Ohnmacht Otto's augenscheinlich war, die staufische Partei selbst z» den Waffen gegriffen, um der Stadt den Jammer einer zwecklosen Belagerung zu ersparen. Ilsin. I.soä. p. 672: In Kat. mai! curia »sä. Valuta apnä 2l.n- ärsnacnm, ibiczus tractatuin st inratnin a zn-incipilms äs obsiäions täo- lonisnsis civitatis st Jazusnsis opzüäi, czus obsiäio äilata sst usgus aä Isstuin ». .lovannis. Xnn. Ool. nmx. p. 827: ul>i äux Ilaioarias st plurinn nobilss crncc siguantnr. Ovron. rs^. Ool. p. 111: ubi äux Ilrabantis, comitss pluriini, nobilss innunrsri rsgi liäsm Iscsrunt. "1 Mai 19. lieg. 12V. Der Bischof von Utrecht, Otto II. von Lippe, Nachfolger des März 27 gestorbenen Otto von Geldern, empfing hier die Belehnung. Ilssta vp. 'I'raisct. bl. (4. 8s. XXIII, 41(1. h äou^clinus IIP 4l): Erzbischof Sigfrid von Main; beurkundet die Ausstattung des Kl. Anlisburg. Testes: Triä. sl. rox liom. ns ssmpsr au§., rsx 8icil. st änx Xpulis, Xlbsrtus blaz-ä. acp. st a. s. I., Otto, Bischof von Wirzburg re. Xcta sunt bsc apnä Tritslar a. ä. I. 1215, 3. non. lnnii st aä linsm usczus äsäucta apnä lVirt^cburg corain rsgs st juüncipi- bus nobil!bus. wird gerade der Verleihungen der beiden genannten Kaiser gedacht. tluill.-Lräln I, 398. 9 Die Nachrichten der drei genannten Quellen stimmen vollkommen zusammen. o) Eine solche Motivirnng erscheint mir natürlicher, als jede andere, die in Friedrichs Gelübde Berechnung sucht. Will man aber in ihm schon 1215 den feinen Politiker der späteren Jahre sehen, dann wundert es mich, daß die Nächstliegende Erklärung des Gelübdes bisher nicht beachtet ist. Er konnte durch Bischof Johann von Cambrai von dem Äreuzzugsgelübdc Otto's (s. 0 . S. 266) erfahren haben und es im Hinblicke auf das bevorstehende Concil nützlich erachten, nicht hinter dem Gegner zurückzubleiben. 9 Itein. I^socl., ^nn. Ool. I. o. Es waren nach Itein. mehrere Kreuz- Prediger thätig; daraus erklärt sich, daß der Name dessen, der Friedrich zur Annahme des Kreuzes bestimmte, verschieden angegeben wird; in den ^Vnn. (toi. ist es Johann iLcholastieus von Tanten (über ihn als urcuzprediger d. I. 1214 s. (tliron. reg. p. 18; (lass. Dinl. mirna. II, 7. III, 21), in den ^.ina. Nnrtzae. -Md»»-'" Wirkungen d.Schlacht v.Bouvines aufDentschland, 1214.1215. 393 Rückblicke auf diesen Vorgang viele Jahre später einmal gesagt hat, Gott für so viele empfangene Wohlthaten sich selbst als Dankopfer darzubringen Z. Schon vorher, bei der Zusammenkunft zu Andernach, hatte der Herzog von Baicrn nebst Anderen dasselbe gethan ^): aber erst das Beispiel und, wo dieses nicht ausreichte, die Bitte des Königs gab der Sache den rechten Anstoß und so nahmen noch am selbigen Tage der Erzbischof von Mainz, die Bischöfe von Lüttich, Äambcrg, Passau und Straßburg, die Herzöge von Meran, Brabant, Limburg und Lothringen, der Pfalzgraf von Tübingen, ein Markgraf von Baden, die Grafen von Looz, Jülich, Sain und Berg — der letzte mit seinem Bruder dem Dompropste Engelbert von Köln —, viele Edle und Ritter nebst einer großen MwM Volks das Kreuz ans sich ^). Auch an den folgenden Tagen dauerten die Kreuzprcdigten fort, untermischt mit anderen kirchlichen Feierlichkeiten, und zu diesen gehörte, daß die Gebeine Karls des Großen am 27. Juli in einen neuen Schrein gelegt wurden, welchen die Aachener sehr kunstvoll nnd kostbar hatten anfertigen lassen. Der König selbst, der Zeichen seiner Würde dcmüthig entkleidet, schlug die Nägel einZ. Das war auch sonst ein Tag hoher Freude, da p. 173 der Dekan Mag. Konrad, der spätere Bischof von Hildesheim (vgl. ('krön. ep. Ililckonsk. p. 860; llorclnnns elo (linno v. 9; Zeitschr. d. Vcr. f. Nicdersachsen 1860; Gesch. K. Fricdr. Bd. I, 434). Iloin., der über die Vorgänge in Aachen vortrefflich unterrichtet, wenn nicht Augenzeuge ist. sagt: Friedrich habe ox inspornt» das Kreuz genommen, nnd Gregor >X> hat in der Encyc- lica gegen ihn >227 Okt. 10. offenbar viel Gewicht darauf gelegt, daß er es sponto, non inonitns, socko npostolion ißnornnto that, Ilnill.-Ürök. III, 25. Das Erste und Dritte ist ohne Zweifel richtig, aber das ganze Verhältnis) wird durch das so unscheinbare nnd unrichtige non inonitns verschoben. Friedrich war allerdings ermahnt durch die Krenzzugsbnllc nnd durch das auch an ihn ergangene Einladungsschreiben zum Concile von 1213, dann direct durch die vom Papste und dessen Agenten bestellten Kreuzpredigcr, die schon vorher in Andernach vor ihm gepredigt hatten, lieber die ganze, besonders am Niederrhein durch die Kirche erregte Bewegung s. Röhricht, Beitr. z Gesch. d. Krcnzz. I, 55 Anm. 22. Räthselhaft ist mir in zwei Urkunden des Bischofs Konrad von Konstanz vom 28. April 1215 (das Jahr ist gesichert durch inck. 3., a. pont. cl. Innoo. 181 der Zusatz der Datirnng: ro^unnto roAL krickorivo ornoo signato. Wirt. Urkbch. III, 18. Nur die Ansicht der Originale könnte ergeben, ob diese Worte, die so aller unserer Kenntmß entgegen sind, etwa später hinzugcfügt sind. 9 1227 Dec. 6. als Antwort auf die erwähnte Eneyclica Gregors, Unilk- Ilrök. I I I. 39. Das Motiv der Dankbarkeit wird in zahlreichen Quellen hcrvor- gchoben: ^.nn. 8. Vrnckp. p. 293; Oototr. Vitork. oont. IDKorb. p. 347: Vkron. ikanclnu. p. 718; (ikron. Rnron. Nss. In I'voo. cko 8. <4orm. p. 337 ist gerade die bctr. Stelle in roponelinm — triumpki eine Ergänzung von neuerer Hand auf Rasur. 2) S. o. S. 391 Anm. 1. °h lloin. I. o.; Him. Ook p. 828 erwähnen die Genannten mit Ausnahme Engelberts, über den vgl. Ficker, Engelbert S. 14». lieber die Erfüllung jener Gelübde s. Röhricht a. a. O. Anm. 11—21, und Dcrs., Die Deutschen aus den Kreuzzügen, in Ztschr. f. deutsche Phil. Bd. VII, 303 ff. über Andere, die wahrscheinlich in Aachen das Kreuz genommen. lloin. I. o.: onrpns Konti Onrloinanni, was, da der Erhebung durch Friedrich I. gedacht wird, nur Cvrrnption aus Elinrloinnj-no sein -kann, wie schon Böhmer bemerkt hat. Vgl. Bock, Pfalzkapclle I, 101. 394 Drittes Buch, Kapitel IV. 1215. an demselben der durch Adolf von Berg aus der Gewalt des Kaisers befreite Bischof von Münster in Aachen cintraf^). Ein großer Reichstag, als welchen die Fcstversaimnlung sich demnächst eonsti- tuirte 2), erhöhte die Bedeutung dieser Tage von Aachen, welches selbst bei dieser Gelegenheit eine umfassende Bestätigung seiner Rechte und Freiheiten vom Könige empfingt). Wo dagegen die Reichsfürsten sonst über städtische Dinge zu nrtheilen hatten, wie auf die Klage des nun endlich auch den Kaiser aufgebcndcn Bischofs von Cambrai oder des Bischofs von Verdun, da fielen ihre Sprüche durchweg für die bürgerlichen Freiheiten sehr ungünstig aus^); der Bischof von Münster, welcher vor solcher Versammlung die Kölner wegen seiner Gefangennahme verklagtes, wird hier gern gehört worden sein und zwar um so lieber, da Köln selbst in diesem Augenblicke eine feindliche Stadt war. Noch während der Krönung und des Reichstags zu Aachen war Otto IV. mit seiner Gemahlin in Köln°). Seine Aussichten waren seit dem vorigen Jahre nur schlechter geworden, seine Verlegenheiten gewiß nicht geringer, da der Oheim Johann, nachdem er im Januar die Schulden der Kaiserin bezahlt hatte, nichts mehr gespendet zu haben scheint?). Die Stimmung der Städter mußte, da er nicht das Geringste für sich und für sie unternahm, nothwcn- dig allmählich gegen ihn sich kehren; schon siebcnzehn Monate lastete auf ihnen um seinetwillen das Interdikt. Wohl hätte Köln mit seinen starken Mauern auch jetzt noch eine Zeit lang dem von Friedrich herangeführtcn Rcichsheere Trotz bieten können, wie es einst gegen Philipp von Schwaben geschehen war: aber war damals das Ergebniß der heldenmüthigcn Aufopferung für Otto zuletzt doch ') Lew. I. c.; iOllron. reg. Ool. x. 1!>. Ist Adolf von Berg, wie es nach letzterer scheint, auch erst am 27. angekommen, dann kann er natürlich nicht schon am 25. das Kreuz genommen haben. Lni rcx castrnm rcsiAnavit — aber Kaiserswerth scheint auch in der Folge in der Hand des Reiches geblieben zu sein. Its^. Ilsiur. iVII), ur. .111. 2) Urkunden Friedrichs aus Aachen sind vom 28.—31. Juli datirt, die vom 29. und 31. iu solisiuzuii curia. b) Ill-iel. >41; Iluill.-Urslr. I, 399. Eine nugedrnckte, sicherlich dieser Zeit ungehörige Urkunde für S. Salvator bei Aachen abschriftlich bei mir; eine andere IluiU.-IIrcIi. I, 411. ') S. die Beurkundung der Rechtssprüche gegen Cambrai und Verdun, RsA. Idrill. 142. 144. und die Erneuerung der Privilegien Otto's IV. (cluur esset catlrolicus, nämlich 1209) für den Bischof Johann von Cambrai, ur. 143. 145, Juli 29—31. Daraufhin heißt es wohl in 6aII. cllrist. III, 34, daß Johann am 29. dem Könige geschworen habe. Olirou. rsA. 6ol. °) liein. Vsoll.: Vuit celeliris 4.guis curia, Ottcmc acilruc rcsiäeuts iu Oolouia. Die sächsischen Zeugen in Heg. Ottou. 184 vom 3. Aug. können gar wohl den Hofstaat des Kaisers in Köln gebildet haben, so daß die Urkunde noch in Köln ansgestellt sein mag. Hurter, Jnnoc. Bd. II, 595 Anm. >7 nimmt es als gewiß an, Langerfeldt, S. 318, bestreitet die Möglichkeit, die ich behaupte. ,') Doch — am 3. März weist er einem Boten des Kaisers ein Schiff an, um die geschenkten 20 Faß Wein hiuüberzuschaffen. Ilarä/, Hut. lit. xat, I, 129 V Wirkungen d. Schlacht v. Bouviucs auf Deutschland, 1214.1215. 395 nur die Unterwerfung unter den Gegner gewesen, wozu dieselben Lpfer jetzt nochmals bringen, da das Ende noch weniger zweifelhaft war? Als nun Friedrich am 3. August von Neuß gegen Köln vvrrücktc, da war ihm unter den Bürgern schon so vvrgearbeitet, daß der Erzbischof von Trier ungefährdet in die Stadt hineinkvmmen und die Bürger zur Eintracht und zur Unterwerfung unter Friedrich ermahnen durfte, — da war es für Otto die höchste Zeit, aus seinein bisherigen Ashle zu entfliehen. Es wird nicht unglaubhaft berichtet, daß die Kölner, um nur den gefährlichen Gast ohne Weiterungen loszuwcrdcn, ihm feine Schulden erließen und noch 600 Mark dazu gaben. Seine Anhänger versuchten freilich noch im letzten Augenblicke die Ausführung der Capitulativ», welche der Herzog von Brabant vermittelt hatte, zu durchkreuzen; sie konnten jedoch hier so wenig wie in Aachen durchdringen und am 4. August zog der Staufer in die eben vom Interdikte befreite Stadt ein. Die Kaiserin Maria entkam in der Vermummung eines Pilgers H. Nach dem Falle Kölns ergab sich auch Landskron; Trifels mag schon etwas früher zu Friedrich übergcgangen sein ^). Sieben Tage blieb der König in der großen Rhcinstadt, deren Unterwerfung wie die frühere von 1207 unter Philipp von Schwaben fast wie der endgültige Abschluß des Bürgerkrieges betrachtet worden zu sei» scheint. Wir hören, daß Friedrich wenigstens schon bemüht war, die Übeln Wirkungen desselben zu beseitigen, und daß er von den anwesenden Edeln des Ober- und Unterlandes verlangte, daß sie der unrichtigen Münze und ungerechtfertigten Zollerhebungen entsagten und den Landfrieden beschworen ch. Auch ein folgender Aufenthalt in Metz war, wie uns gesagt wird, durch solche Friedcns- bcstrebuugen veranlaßt: cs scheint sich da um heftige Zerwürfnisse zwischen den Bürgern und dem Bischöfe gehandelt zu haben, der schon als Kanzler Friedrichs die königliche Äutorität für sich hatte H. h lieber die Reihenfolge der Begebenheiten s. Gesch. K. Friede. II. Bd. I, 71 Anm. 3. Der durch llein. vom Kaiser gebrauchte Ausdruck i liosntiatus u Ooloniviisitzus scheint seine Erklärung durch den Bericht des Ouill. Ilrito p. 107 über die letzte Zahlung an Otto I V. zu finden, und was lisiu. über Friedrichs Einzug sagt: inultis, gui Ottoui nckirsroönnt non leviter Isroiitidus, stimmt zu OUron. rsA.: liest inultis resistoutibus pInriinuinPrs reelamantilms, tuiulsin oeckntio tuinultuutionuin soutrovsrsiis. Auffallender Weise erwähnen beide kölnische Quellen die Entfernung des Kaisers mit keinem Worte. ONron. 8:u»petr. n 57 nach der Einnahme Kölns: 510.x st urbs illa reAnr Ilrivsls st oa, guo Imucksssrous ckisitur, a IMiiizipo priinitus iu- Ltuurutu, rvAis I'rid. xotestnti suvisiuntur; Oürou. rsg'. I. o. ebenso in Betreff von Landskron; ^nn. 8tacl. x>. 550; 6uiII. Ilrito I. o. erzählt die Einnahme von llotrivella vor der Krönung. /5uu. Ool. inax. p. 828. 6uiII. Ilrito p. 108 berichtet von dem Aufenthalte in Köln, daß Friedrich hier unter Krone gegangen sei: vguitavit Ooloniuin st imjiosuit sis (sibi?) ibickeiu oorouniu zwoptor loei st oiviunr rvvorontiuin st uinorsin. lisiu. Weock.: Ir. Ooloniuin sxivit st Glottis vsuit, ^ussin intsr sos non sing ilamun soruin. ezui clissiclsvnut, t'osit. Damit ist der an die Schöffen gerichtete Schutzbrief des Königs für die Metzer Kirche zusammen- zuhaltcn, ck. aprnl s. bsavoroin (S. Avold), Aug. 23. Ilöümsr, 1is§. imx. 396 Drittes Buch, Kapitel IV. 1215. War es für Friedrich cm und für sich eine Sache der höchsten militärischen Wichtigkeit, dem Kaiser seinen letzten starken Stützpunkt am Rheine entrissen zu haben und nun Herr des ganzen Stromlaufes zu sein, so hatte der Fall Kölns auch noch eine weittragende politische Bedeutung, indem dieses durch Volkszahl, durch Handel und Reichthnm geradezu die erste Stadt Deutschlands war und durch seine Capitulation die Unterwerfung des deutschen Bürgerthnms unter das neue Regiment besiegelte. Aber ist es allein die Uebermacht Friedrichs und die Hülflvsigkcit seines Gegners gewesen, welche diese Unterwerfung herbciführten? Gewiß hatten diese Momente daran den größten Antheil, aber es waren nicht die einzigen, wenigstens nicht bei Köln und solchen Städte», die sich in ähnlicher Lage befanden. War für diese wohl der wichtigste Grund, um zu Otto IV. zu stehen — abgesehen von der Möglichkeit durch unmittelbaren Anschluß an ihn die Herrschaftsrcchte der Bischöfe zu verkürzen, die wiederholt zur Gegenpartei hielten st — das Bcrhältniß des Kaisers zu England gewesen, so hatte dieses in der That dem deutschen Kanfmanne und seinem Handel ganz unberechenbare Borthcile cingebracht. Die Bremer haben noch am 26. Juli 1213 vom Könige Johann für ihren Handel nach und in England einen Schutzbricf erlangt, wohlverstanden nur diejenigen, welche sich als Getreue des Kaisers answciscn konnten st. Äber hingen solche Handclsvorthcile auch jetzt noch von der fortdauernden Parteinahme für Otto IV. ab? König Johann selbst hatte durch den einseitigen Frieden mit Frankreich sich eigentlich von seinem Neffen losgesagt und als tributpflichtiger Vasall des Papstes konnte er natürlich diejenigen, welche zu dem Schützlinge desselben übertratcn, nicht durch Entziehung der früher eingcränmten Begünstigungen bestrafen. Dazu kam ein Zweites. Wohl haben die Städte während der Bürgerkriege des dreizehnten Jahrhunderts im Allgemeinen länger als andere Stände an dem rechtmäßigen Oberhaupte festgchalten: aber der Legitimität Otto's IV. stand nun Friedrichs Legitimation durch die Krönung zu Aachen st entgegen und wie sehr diese letztere ins Gewicht fiel, zeigt Walther von der Vogelwcide, der zwar nicht dem bürgerlichen Kreise angehört, aber in der Wandlung seiner politischen Anschauungen der allgemeinen Stimmung offenbar ebenso p. XXXXIII, der ohne Zweifel hierher gehört, da Friedrich selbst von dort Aug. 2l. an die vereinigten Cisterzienseräbte schrieb (s. Pannenborg in Forsch, z. deutsch Gesch. XIII, 328 auch über die merkwürdigen Anklängc an ImKuri- nnsl und der Herzog von Brabant eben dort Ang. 22. urkundete, 1IuiII.-ÜröI>. I, 411. Wirt. Urkbch. III, 31. st Vgl. in Betreff Kölns Bd. I, S. 253 und Hegel, BerfassungSgcsch. von Köln im Mittelalter S. XXXIV ff. Aehnliche Borgange auf Seiten Philipps bei Hildesheim Bd. I, S. 148, Trier S. 264, Cambrai S. 368, Straßburg S. 375. st Gesch. K. Fricdr. II. Bd. I, S. 72. Die beste Ucbcrsicht über die seit 1198 dem deutschen Kanfmanne in England gewordenen Begünstigungen giebt Höhlbaum, Hans. Urkbch. I, 27 fs. st Sachsensp. Laudrecht III, 52 tz 1. Wirkungen d. Schlacht v.Bonvines auf Deutschland, 1214.1215. 397 sehr folgt, als er sie dann durch seine Sprüche zu verstärken sucht. Mit welchem Enthusiasmus hat er Otto bei der Rückkehr nach Deutschland begrüßt, mit welcher Leidenschaft für ihn gegen den Papst Partei genommen und noch kürzlich des letzteren Aufforderung zu Gaben für den Ärcnzzug und die Aufstellung des „Stocks" in den Kirchen mit Hohn überschüttet H! Jetzt ist ihm der Kaiser nichts mehr als „Herr Otto", Friedrich aber der König So bedachte nun das Bürgerthnm sich ebensowenig wie das Fürsten- thnm und die ritterlichen Kreise zu Friedrich überzntrcten, welcher obendrein als thatsächlichcr Inhaber des größten Theils vom Reiche befähigt war, den dem bürgerlichen Verkehr unumgänglich nvthigen Frieden zu handhaben, und dieser Aufgabe schon mit allem Nachdrucke nachkam Der Fall Kölns ist eben der letzte und wichtigste Akt jener Wandlung, durch welche Friedrich so zu sagen auch des dritten Standes in seinem neuen Reiche mächtig wurde. Der Kämpf mit Otto war zwar noch nicht beendigt, aber doch schon zu seinen Gunsten entschieden^) und er brauchte, wenn nicht ganz außerordentliche Zwischenfälle eintraten, nicht mehr für seine Krone zu fürchten, nachdem der Kaiser auf sein sächsisches Hausgut und die alleinige Unterstützung der Askanicr zurückgewvrfcn worden war. Otto IV. hatte sich von Köln nach Brannschweig zurückgezogen ch, aber er war weit davon entfernt, in irgend einer Hinsicht freiwillig von seinen Ansprüchen zurückzntretcn oder, an seinem Geschick verzweifelnd, nun auf den heimathlichen Burgen zu ver- ') Walther, 4. Ansg. v. Lachmann, S. 34, 4: ^sti rvis stristonliasts S. 34, >4: 8ngt an, stör stoo. Tomasin, Welscher Gast V. I>163—1I2U0 vcrthcidigt den Papst gegen die Anschuldigung, daß der ganze Kreuzzugsapparat nur zur Erpressung diene- Vgl. Maßmann, .Kaiserchron. lll, 1141 Anm. 2 über den Widerhall der Walther scheu Sprüche bei zeitgenössischen Dichtern. Nun richtet Walther 28, i seine Bitten an den von Itöuro vogt, von stAUIs stiineo, dessen Gaben ihn freilich anfangs, 27, 7, nicht befriedigen, bis er endlich 28, 31 jubelnd rufen kann: lost Iran inin lösten, nl . 5, regu. 17, würde nach den letzten Daten in die Zeit Juli 12 bis Okt. 4. 1214 fallen, in welcher aber Otto IV. in Köln war. In dem angeblichen Original, Ilrkbch. für Rieder- sachs. ll, 73, ist jedoch der Platz für die Zahl der Rcgicrnngsjahre offen gelassen, der Platz für nnnns regni von anderer Hand mit anno prlino ansgefüllt. Ist an der Urkunde überhaupt etwas zu retten, so haben wir in ihr eine nachträgliche Beurkundung einer, wie Langcrfcldt S. 320 richtig gesehen, etwa 1212 zu Nordhauscn geschehenen Handlung, bei der dann auch der hier als Zeuge genannte Heinrich von Kaldcn gewesen sein mag Möchten die Walkenriedcr Urkunden doch mal im Zusammenhänge geprüft werden! 398 Drittes Buch, Kapitel IV. 1215. traucrn, wie man ihm angedichtct hat'); im Gegcuthcil, er hielt fest an dem Bewußtsein seiner Würde und an der Hoffnung, trotz allem den Platz zu behaupten. In dem Lande seiner Väter, wo er schon ein Mal Jahre lang gegen die Angriffe des ganzen übrigen Reiches Stand gehalten hatte, fand er wenigstens zeitweise die Spannkraft jener früheren Zeiten wieder, welche er während des müßigen Anfcnhaltes zu Köln eingebüßt zu haben schien, und seine stausischcn Nachbarn spürten noch oft genug seine Anwesenheit. Non den Ereignissen des Jahres 1215 auf dem sächsischen Kriegsschauplätze wissen wir nur soviel, daß der Däncnkönig mit einer starken Flotte in der Elbe erschien und Stade angriff, welches jedoch von dem Bruder des Kaisers, dein Pfalzgrafen Heinrich, mit Erfolg vertheidigt wurde-). Wahrscheinlich geschah dies noch vor der Vertreibung Ötto's ans Kol», und dieses die Schwäche desselben an den Tag legende Ereigniß mag dazu beigctragen haben, daß die Askanier im Herbste mit den Anhängern Friedrichs in Verkehr traten"). Indessen, wie die Lage war, konnten sie wirksame Unterstützung gegen Dänemark nur bei den Welfen finden und Herzog Albrecht von Sachsen war deshalb dabei, als der Kaiser in Gemeinschaft mit feinem Bruder und dem bremischen Waldemar jenen Angriff der Dänen auf Stade durch einen Einfall in Holstein crwiederte. Man gewann Hamburg, vielleicht durch ein Einverständniß mit der Bürgerschaft; als aber nun König Waldemar mit einem überlegenen Heere herbeikam — wenn wir den dänischen Angaben trauen dürfen, waren dabei allem 60,000 Friesen —, da zog sich Otto sogleich und, wie es scheint, mit einigem Verluste wieder über 0 Vgl. Gesch. K. Friede. II. Bd. I, 85 Aum. I. Den richtigen Ausdruck hat Oürou. Imncknn. p. 718 gefunden, daß obwohl die Freunde, «jnornni osczui- tur et luvor psennium st tickos toi-tunum, den Kaiser verlassen, er dennoch unimnm nd impsrio non ckeposnit. Die Dürftigkeit seiner Mittel wird freilich allseitig anerkannt, z. B. Oüron. Vnrvn. illos.: iortuns osclsus, uw int'ortnnio non ckisescksns, in j)utriinouio 8no . . , clstz'nit lonM tempors r;nusi imperio äoiinckutno, nsonon st sosiornin snornin solutio cissolutus; 2Vin. 8. wrnck- psrti p. 293: Otto . . . vir oinnivns nons, czns nrslior t'ortnnu ziotS8t, utrzns oinniu PU88N8 gns zrsior, sx uuANvto tuucksin zirops privutnv . . . inoritnr. Mit dieser Stelle mag man den Welschen Gast N. 3423 sf. vergleichen, wo ich doch eher eine Beziehung aus Otto IV., als mit H. Rückert das. S. 500 auf Johann von England finde: ieli orleenns oneli lürto clsn leünis, ckor rvol stervsn Iiisto vin8 risdsn leoiooro inullt nnck l>ut nn uiolrt sin8 IcünsASs lerult. Nsin. Iwock. p. 675 u. 1216: Ottons in 8uxoniu inunsntv omni unxilio cksotituto, exsspto cks Ilruncksbroio inursliiono. 2^nn. 8tuck. p. 356. Markgraf Albrecht von Brandenburg, Herzog Albrecht von Sachsen und sein Bruder Graf Heinrich von Anhalt sind mit dem Erzbischöfe Albrecht von Magdeburg, den Bischöfen Balduin von Brandenburg und Sigcbvdo von Havelbcrg, den Grafen Hoier und Konrad von Falkcnstcin am 21. Sept. 1215 ganz friedlich in Ziesar zusammen. Oock. clipl. ^.nlmlt. II, 18. Das Jahr ist durch die Uebereinstünmung der Daten iuä. 3., oi>uetu nnllu, sousnrr. 3 gesichert. Wirkungend. Schlacht v.Bouviues auf Deutschland, 1214.1215. Z99 die Elbe zurück H. Mag auch in Hamburg kaiserliche Besatzung zurückgeblieben sein, so hat doch jenes Aufraffen Otto's und die ganze Unternehmung gegen Dänemark jedenfalls nicht den beabsichtigten Erfolg gehabt. Otto war wieder eine Stufe auf der Leiter zu feinem völligen Untergänge herabgestiegen und seine augenscheinliche Ohnmacht, die Dinge in Deutschland noch zu seinen Gunsten zu wenden, hat wohl wesentlich dazu beigetragen, daß auch der Versuch seiner italischen Anhänger, das große Koncil des Jahres 1215 für seine Herstellung zu gewinnen, klüglich im Sande verlief. 9 lieber diesen Feldzug haben wir einen Bericht von dänischer Seite in (lbrou. Danioum p. 261 und mit einiger Erweiterung in ^lun. Il^susos p. 406 (über deren Unzuverlässigkeit s. Usingcr, Dän. Annalen S. 75 ff., u. Deutsch- dän. Gesch. S. 415), und einen Bericht von deutscher Seite in den verlorenen Stader Annalen, aus welchem Sachseuchronik K. 653, ^.nn. 8taä. I, c., Xuu. Hamburg, p. 382, Xnu. Urem. 857 abgeleitet sind (vgl. Weiland in Forsch, z. deutsch. Gesch. XIII, 170). Der dänische Bericht verschweigt den Berlust Hamburgs, der deutsche — mit Ausnahme der Sachseuchr. — den Rückzug Otto's; beide sind in der holst. Reimchronik V. 168-186 verschmolzen, die auch von der Stimmung der Bürger Hamburgs weiß, lieber den Lerlauf des Feldzugs s. Usinger, Deutsch-dän. Gesch. S. 170. Ich setze ihn gegen Ende des Jahres, sowohl wegen der Usinger unbekannten Urkunde vom 21. Seht. (s. vor. Anm.), als auch, weil König Waldemars Uebergang über die Elbe im folgenden Winter oder Frühling (s. u.) offenbar mit seinem Anrücken gegen Otto zn- sammenhäugt. "7 > Wiertes Auch. Der Ansgang des Kampfes zwischen Otto IV. und Friedrich II-, 1215—1218. Jahrb.d. dtsch. Gcsch. — Winkelmann, Otto IV. Lrstes Kapitel. Italien während des deutschen Thronstreites und das Koncil von 1215. Während die große Mehrheit der Deutschen sich verhältniß- müßig schnell dem stnnfischcn Könige gegen den welfischcn Kaiser anschloß, war die Stimmung Italiens nicht nur zwischen Beiden gctheilt, sondern noch längere Zeit so überwiegend dem Kaiser zu- geneigt, daß von einer wirklichen Herrschaft Friedrichs II. nicht einmal in seinem Erbkönigreiche, geschweige denn in Rcichsitalicn die Rede sein konnte. Es ist früher gezeigt worden, daß Friedrich während der wenigen Jahre, welche zwischen der Uebernahme der selbständigen Regierung Sicilicns und seiner Berufung nach Deutschland lagen, nicht im Stande gewesen ist, die Ordnung des Königreiches herzu- stellcn: der Angriff Otto's IV. hatte es dann vollständig zerrüttet und auch sein Rückzug an diesem Zustande nicht das Geringste geändert. Denn diejenigen, welche zu ihm abgcfallen waren, hielten an der Ileberzeugung fest, daß er in dem deutschen Thronstreitc Sieger bleiben und dann, wie er es verheißen hatte, zur Vollendung feines unterbrochenen Werkes in den Süden znrückkehren werde. In Nicsti, Siponto, S. Leonardo und Foggia, in Lecce und Mclfi, in Ebnlo, Amalfi, La Cava, Neapel, Capua und Seffa hat man bis spät ins Jahr 1213 hinein und zum Theil noch länger nach den Jahren des sicilischcn Königthums Otto's gezählt*). In schneidendem Gegensätze aber zu der Thatsache, daß die Autorität des Kaisers in einem großen Thcile des Königreiches trotz seiner Abwesenheit fortdanerte, steht die Ohnmacht der im Lande weilen- ') Die Belege sind in sehr zahlreichen Urkunden des Staatsarchivs zu Neapel enthalten, welche, Privatverhältnisse betreffend, für uns weiter kein Interesse haben als durch ihre Datiruug: nun» rv§ni 8iv. cl. Ott. imx. oder ähnlich. 26 ' 404 Viertes Buch, Kapitel I. 1212—1218. den Regenten im Namen Friedrichs. Während nämlich dieser auch von Deutschland aus gelegentlich Verfügungen erlassen hat, welche Sicilien betreffen'), lag die eigentliche Regierung doch in den Händen seiner dort zurückgebliebenen Gemahlin Konstanze, welche auf Grund des ihr von Friedrich gewordenen Regimcntsauftrags und im Namen ihres zum Könige gekrönten Sohnes Heinrich die Rechte des Sonvcrains handhabte?), wir müssen annchmcn, mit Beirath des Familiarenkolleginms und jedenfalls mit Unterstützung des nun wieder zu Gnaden angenommenen Kanzlers Walther von Palear H. Der Sitz dieser Regierung war fast unausgesetzt Messina; ihre Wirksamkeit aber scheint nicht eben bedeutend gewesen zu sein, obwohl ein abschließendes Urtheil aus dem einfachen Grunde nicht gut gefällt werden kann, weil gerade für die der Entfernung Friedrichs zunächst folgende Zeit nur sehr wenig über Untcritalicn überliefert ist. Jnnoccnz III. ließ natürlich die Verhältnisse des Königreiches nicht aus den Augen. Auf der Insel blieb der Äardinaldiakon Gregor von S. Theodor auch ferner fein Vertreter und auf dem Festlande griff Jnnoccnz selbst ein, indem er zunächst die Bischöfe, welche zu Otto abgefallcn waren, zur Verantwortung zog, zum ') Von Ende 1212 an, als nach Friedrichs Krönung zu Mainz seine sici- lischen Begleiter heimgekehrt sein werden, bis zum Frühlinge 1215 ist keine auf Sicilien bezügliche Urkunde Friedrichs auf uns gekommen. Dann werden sie ziemlich zahlreich. Er scheint sich die Besetzung der Stellen an der aapella zm- latina zu Palermo Vorbehalten zu haben (vgl. 1212 Dec. 3., 1215 Juli lä. Ruill.-Rrelr. 1, 22V. 394) uud die Zustimmung ;n den Bischosswahlen. Denn, wenn z. B. Erzbischof Berard von Bari, den nach seiner Heimkehr ans Deutschland Jnnocenz 1213 Sept. IO. an Stelle des von ihm verworfenen ParisiuS (s. o. S. 317 Anm. 6) zum Erzbischof von Palermo ernannte (Rpist. XVI, 119. Luill.-Rrelr. 1, 279), schon >214 Nov. 7. auf dem Hoftage zu Basel wieder bei Friedrich erscheint, Iluill.-Ilrsü. I, 323, so dürfte der Zweck der nsssusus I-6AIU8 gewesen sein, der übrigens vielleicht nicht sogleich erfolgte. Die Generalbcstätiguug der Privilegien seiner Kirche ist erst 1215 April 2. geschehen, ibick. I, 305. — Auch das Bisthum Sprakus wurde in dieser Zeit ncn besetzt, ivick. I, 394. 2 ) Die Formel ist: Oonst. ci. gr. Rom. rs§. s. nug-. st rsZ. 8io. una cum Pnrissiino lilio sun Ilsurieo III. reg'S 8io. Rx soinmissa nodis aura rsgimiuis stv. Zu ihren Regesten: Gcsch. König Friedrichs I I. Bd. I, 220 kommen hinzu: 1215 Jan. für Casamari und S. Giovanni de Fiore und 1216 Juni für Erzbischof Nikolaus von Salerno, sämmtlich ungedruckt. Oürnn. Süsss. p. 227 vervollständigt das Jtinerar 1220—21. 2) Dieses zählte bisher folgende Mitglieder: Carus von Monrcale (1215 Aug. in eigener llrk. Ralermo, Rißt. somm. II. 12 p. 321, Berard von Messina, Berard von Bari und jetzt von Palermo, und Johann von Ccfalu. Ausgcschie- den ist natürlich Parisins von Palermo, anscheinend aber auch der Kanzler; eingetrctcn der Rcichsadnüral Wilhelm Porcns (1214 in eigener Urk. Rnlsrmo, Ridl. eomm. R. 142). ^) Urk. Konstanze's 1213 März für ihn lluill.-IZrsü. I, 253. Er erhält 1212 Mai 10., 1213 Sept. 10. Weisungen des Papstes über das Erzbisthum Palermo, Rzüst. XV, 43. XVI, 110, und bestätigt die in voriger Anm. genannte Urk. der Königin 1213 März 14. Rirrus I. 534. Italien während des deutschen Thronstrcites. 405 Thcil freilich ohne Erfolgs). Am meisten aber lag ihm die Befestigung der königlichen Autorität in der nächsten Nachbarschaft mir Herzen. Der bisherige Proknrator von Monte Casino Adennlf verdiente sich bei ihm durch entschiedenes Vorgehen gegen rebellische Kastellane die Ernennung zum Abte ; die Grafschaft Fondi wurde 1215 nach dem Tode ihres bisherigen Inhabers vom Papste ans Grund der durch Friedrich ihm ertheilten Ermächtigung an Roger von Aguila verliehen, welcher in seine Hand dem Könige Treue gelobte ch. Die politischen Interessen des Papstthums vereinigten sich hier, seitdem sein Bruder Graf von Sora geworden war, mit seinen Persönlichen und er wußte diese zu befriedigen, ohne jene zu verkürzen ch. Es fehlte also nicht an solchen, welche berechtigt waren, im Namen Friedrichs Gehorsam zu fordern, und ihre Zahl vermehrte sich noch dadurch, daß der König den Markgrafen von Ancona Aldobrandin von Este zu seinem Vikar und Legaten für das Festland bestellte ch. Indessen ist Aldobrandin wohl kaum als solcher wirklich in Dichtigkeit getreten und ebenso wenig giebt die an sich, wie gesagt, spärliche Uebcrliefcrung dieser Jahre einen Anhalt zu dem Glauben, daß von irgend einer anderen Seite her eine größere Unternehmung gegen die Anhänger Ottv's IV. im Königreiche ins Werk gesetzt worden sei. Woher hätte man auch die Nüttel nehmen können? Eine gewaltige Hnngcrsnvth hatte zu allem anderen Unheil im Jahre 1212 diese Gegenden hcimgesncht °) und die Verwaltung scheint vollständig gestockt zu haben'). Wenn die Partei des Kaisers trotzdem allmählich an Boden « verlor, so ist das thcils unberechenbaren Zwischenfällen zuzuschrei- ben, zu denen der noch 1212 erfolgte Tod des Grafen Peter von Celano gehörte ch, thcils aber der Rührigkeit einzelner dem Könige treu gebliebener Barone, wie znm Beispiel Simon Gcntile unmittelbar nach dem Abzüge Dtto's in der Terra d'Otranto wieder die Fahne des rechtmäßigen Königs entfaltet haben soll o). Den größten Anthcil wird jedoch an jenem allmählichen Umschwünge der offenbare Rückgang der kaiserlichen Macht in Deutschland gehabt haben, ') >213 Nov. 6. Hpist. XVI, >39 gegen Erzbischof AtferiuS von Sorrent; 1212 Juni 5. und 1213 Jan. 30. ibick. XV, 115. 235 gegen den Bischof von Mclfi, der aber trotz der Absetzung weiter sungirte, s. Urk. Xapoli, <4r. Xrell. Uoimst. soi>pr. nr. 565 von 1214 Jan. mit Datirung nach Otto IV. 2) äs 8. Kerin. p. 335 a. 1212. °) li^ee. p. 337 a. 1215 (etwa Juni bis Aug.). Vgl. oben S. 319. h Vgl. seine Weisung an Bcncvent 1213 Ang. 30. Xxist. XVI, 103. ^>) 1214 totino rsgni ^.pnlis rsgalis anls viearins st IsAatrzo. Unrat., chntieli. Ust. I, 418 vgl. Ficker, Forschungen II, 169 Anm. 5. Die Ernennung wird nach der dort angeführten Stelle wohl noch ins Jahr 1213 fallen. Vgl. unten S. 409 Anm. 6. °) U/ee. p. 335; 8iearcki eliron., Unrat 8er. VII, 624. U Ist eS blos Zufall, daß wir für lange Jahre nicht einen einzigen königlichen Provinzialbeamten nachzuweisen vermögen? 1i)'ee. 1. e. Oliron. Xerit. sse. XIV. Unrat. XXIV, 895. 406 Viert-S Buch, Kapitel I. 1212—1218. welcher Otto's Wicdcrauftrcten im Süden sehr unwahrscheinlich machte. Man bcqucmte sich nach und nach dazu die Jahre des Königs Friedrich zu zählen, im September 1213 in Fvggia und S. Leonarda, im Dccembcr in Calabrien, zu Anfang 1214 in Amalfi, im Mai zu Aversa, etwas später in La Cava und Melsi ^). Neapel freilich, das sich thatsächlich zur Republik constituirt zu haben scheint, wie cs eine solche unter der nominellen Oberherrschaft von Byzanz noch bis 1140 gewesen war, hielt sogar noch 1216 an dem Kaiser fest °), und der Anhang, welchen derselbe auch sonst wohl noch im Lande gehabt haben mag, wird die Ursache gewesen sein, daß Friedrich nach dem Tode Aldobrandins wieder einen Legaten ins Königreich abordnetc, den kriegerischen Bischof Lupvld von Worms 2 ), welcher sich schon ein Mal auf italischen Gefilden versucht hatte. Doch mag Lnpolds Bestellung zugleich auch von der Absicht Angegeben worden sein, durch ihn die Königin Kon- stanze gleichsam ablösen zu lassen und ihre und ihres Sohnes llcbcr- siedlnng nach Deutschland zu ermöglichen, eine Absicht, welche, wie wir sehen werden, im Jahre 1216 zur Ausführung gelangte. War nun damals mit dem Siege Friedrichs in Deutschland auch die Fortdauer seiner Herrschaft in Sicilien schon entschieden, so fehlte doch viel, daß damit die Anarchie im Königreiche beendet gewesen wäre. Bon den Zuständen auf der Insel wissen wir freilich so gut wie gar Nichts, das Wenige aber weist auf völlige Ohnmacht der Gesetze hin^). Ein Thcil der Insel war auch noch in ' 0 Wieder »ach den Urkunden des Staatsarchivs zu Neapel. Sehr auffällig ist das Schwanken in den Urkunden von va Cava lvgl. daselbst Incliee vot. IV. V.), in denen 1213 April — Mai Friedrich, Juli — Aug. Otto, im Okt. wieder Friedrich, im Nov. Otto u. s. w. abwechselnd als Regent aufgcfiihrt wird, bis zum letzten Male eine Urkunde des Abtes datirt ist: 1214 Okt. a. 5 Ott. iinp. 2) Gcsch. König Friedrichs II. Bd. I, 157 Amn. 4. Damit hängt zusammen, daß das Castel dcll' Uovo und Lastellamare noch 1216 in der Hand der Pisaner waren, welche von dort ans Secranb trieben, sehr zum Schaden Amalfi's. Urnnslntio 8. L.n6rsas bei Ikinnt, lixuviao Oonotant. I, 17>>, 177. 1214 Apr. 21. war er noch beim Könige in Deutschland, lluiU.-IIr^U. I, 297. Schirrmacher II, 21: „er durchzog das ganze Königreich". Wir wissen jedoch von Lupold nichts weiter, als daß er a. 1215 Apr. 28. zu Bari als totins ragni 8io. leg., rrä pnrtoo ^.zmlie inxta innnUatnin reMum ässeenclentsZ, cznin invenimuo eivitntoin 1'rnni i» iiäslitata ragis pwrmstentein, Trani privilcgirte IlniU.- Iliäli. I, 375; b. 1215 Juli in eaotris proxs Lieaciain (?) dem Bisthnm Aversa aastrum Ouinaruin ata. schenkte, im Auszuge: Xnxoli, Or. J.rcli., Uroeassi äi rogio paclronnto vol. 188 p. 22; o. den Bischof von Teano sür eine Geldsumme begnadigt haben soll, lluiU.- liröli. I, 377 not. A Ein Graf Hermann (— Stribcrg? s. o. S. 317 Anm. 2; S. 334 Amn. 6) und Simon Fimeth von Lentini bemächtigen sich gewaltsam der Gitter des Erzbischofs von Messina, LtarrnUIm, I)i>>1. Uolla oattoär. cii illvss. p. 66. Der thatsächlich von der Regierung unabhängige genuesische Graf Alaman von Syrakus (s. o. S. 61) versucht dort die Wahl seines unehelich geborenen Vetters Walther de Palcna (— Palcar?) zum Bischöfe zu erzwingen, lUrrns I, 624. Italien während des deutschen Thronstreites. 407 Der Gewalt Rainers von Manente, welcher von den zum Kaiser haltenden Pisancrn unterstützt wurde während die Genuesen durch ihren Landsmann, den Grafen Alaman, Syrakus thatsächlich in ihrem Besitze hatten. Auf dem Festlande stand es nicht besser. Der von Jnnocenz III. im Jahre 1212 eingesetzte Abt Adenulf von Monte Casino lehnte sich schon 1215 gegen den Papst ans und obgleich cs gelang, ihn unschädlich zu machen, behielten seine Verwandten doch wichtige Burgen des Klostcrgebietes in ihrer Gewalt^). Der von Jnnocenz erst im Jahre 1215 belehnte Graf Roger von Fondi griff das Jahr darauf das päpstliche Gebiet selbst an, wie es scheint, als Verbündeter der damals gegen den Papst aufständischen Colonna und der Herren von Supino. Der Aufstand wurde zwar unterdrückt, Roger geschlagen^), aber nun erhob sich ein für den Bestand des fridcricianischen Königthums noch viel gefährlicherer Gegner. Denn in demselben Jahre versuchte Herzog Dipold von Spoleto, als seine durch Otto IV. geschaffene Stellung in Mittcl- italien sich nicht mehr halten ließ, wie einst Markward von Auweiler in ganz ähnlicher Lage, auf dem zerklüfteten Boden des Königreiches sich nochmals eine Existenz zu begründen. Verkappt wollte er sich dorthin durchschleichen. Er wurde nun allerdings beim Ilebcrgange über den Tiber erkannt, gefangen und unter die Obhut des römischen Senators gestellt; indessen er wußte sich um Geld z» lösen ch und erschien plötzlich auf dem Schauplatze seiner früheren Kricgsthaten. wo sein Bruder Sigfrid doch immer noch einige feste Plätze inne hatte und der Graf von Molise Thomas von Celano sich sogleich den: alten Waffcngcfährten seines verstorbenen Vaters angeschlossen zu haben scheint. Der am 17. Januar 1217 erfolgende Tod des königlichen Legaten Lupold von Worms y DaS geht zwar nicht aus den Anführungen bei Tlioinas Susans p. 500. 511 hervor — denn diese beziehen sich unverkennbar auf Verhältnisse vor 1212 mql. Bd. I, 125 Amn. 2. Bd. 11, 59. 61) —, aber wohl aus den Gründen, mit welchen Friedrich 1220 Apr. 7. IlsA. ur. 328 die Gefangennahme Rainers rechtfertigt, der zu ihm nach Deutschland gekommen war, als des Kaisers Tod jede weitere Opposition hoffnungslos machte. Vgl. HonoriuS III: 1220 Juni 20. Juli 4. Iluill-UrÄ>. I, 794. -) li^ao. äs 8. (lärm. n. 1215. Große Anstrengungen für die Sache des Königs in der Terra di Lavoro hatte der 1215 Juni 22 verstorbene Erzbischm Anselm von Neapel gemacht, s. die Fürbitte des Kardinals Thomas von Capua für die dadurch verschuldete Kirche Neapel: Urkunden IX. lieber die Zustände in Untcritalien vIl. auch Welsche Gast V. 10580: velt verneinen, s vis Virile nvir Lervüsret ist § ctureii ir untriuvs in kurzer vrist § uncl snvil noelr nilit Irin; s sin erzeige, ciein si Uiictvrtän j soläo sin, untriuvs vil. si Xiin. Ooeean. p. 300. 301. Der Aufstand im Päpstlichen wurde furchtbar unterdrückt: bei der Eroberung des Schlosses Morolo im Sacco-Thale verbrannte man mit demselben 424 Personen jedes Geschlechtes und Alters. Einzige Quelle Ilziee. p. 338 a. >216: Og-opuläus cto äueatu Jpolsti in rsAnuin oeoults reüiens, super nsinuin ssäens proclitus st ooAnitus npuci P'/berain eaptus sst et ssnatori urbis in eustocliam traciitus et tan- clein iutervsntu peeunie liberatus. Das Letzte deutet auf ein schlechtes Verhältnis) zwischen Rom und Jnnocenz in seinen letzten Tagen. y hlonaolius Ivirsxart. p. 105. Vgl. 8eliannat, Üist. ^Vorinat. I, 366. 408 Viertes Buch, Kapitel I. 1212—1218. wird ihm beträchtlichen Vorschub geleistet haben und trotz des Kanzlers Walther von Palear, der von allen früheren Vertretern Friedrichs im Königreiche nun allein noch an Ort und Stelle war und sich jetzt auch auf dem Festlande um die Herstellung der Kronrechte bemühtes, hätte Dipold vielleicht noch längere Zeit sein altes Wesen im Königreiche treiben können, wenn nicht im nächsten Jahre der Tod des Kaisers dazwischen gekommen wäre, welcher seine Schilderhcbnng auch des letzten Scheins des Rechtens entkleidete und sie völlig hoffnungslos machte. Dipolds eigener Schwiegersohn, Graf Jakob von S. Scvcrino, gehorchte nun dem Befehle des Königs und nahm ihn gefangen °). Friedrich aber wird bei der Nachricht kaum größere Freude empfunden haben als die Kurie, welcher der deutsche Kriegsmann zwei Jahrzehnte lang ein nie rastender Feind gewesen war, und nicht am wenigsten, 'als er ihr in Spoleto so zu sagen ans dem Nacken saß. Der Streit zwischen Jnnvcenz HI. und Otto IV. war ans anderer Quelle entsprungen, als darüber, daß letzterer die von der Kirche seit 1197 in Besitz genommenen mittclitalischcn Gebiete wieder für das Reich eingezogen hatte. Als aber einmal der Bruch erfolgt war, da war es sehr natürlich, daß Jnnvcenz ihn nun auch zur Wiedererlangung dcS Verlorenen ansznnützcn strebte. Er soll sich gleich, nachdem Otto Italien verlassen hatte, mit Hülfe des Markgrafen Azzo VI. von Este der streitigen tnscischen Landstriche bemächtigt Habens und ist das wirklich gelungen, so konnte dieser Erfolg wohl zu weiteren Unternehmungen in Bezug auf Spoleto und das adriatische Litorale crmuthigcn. Indessen der erste Versuch in dieser Richtung, sich durch die am lO. Mai 1212 wiederholte Belehnung Azzo's mit der Mark Ancona H eine kräftige Stütze zu verschaffen gegen den damaligen Vertreter des Kaisers in Mittel- italicn, gegen Herzog Dipold von Spoleto, blieb schon deshalb wirkungslos, weil Azzo gar nicht dazu gelangte, das Lehen anzn- trcten Er starb im November 1212 °) und sein ältester Sohn Aldobrandin konnte zunächst ebenso wenig daran denken, sich der Mark zu bemächtigen, wie Jnnocenz am 11. Januar 1213 von ihm ver- 0 Walther für S. Peter von Amalfi, s. u. Urkunden X. 2) Il^eo. x. 330 a. 1218. lieber Dipolds ferneres Schicksal s. Forsch, z. deutsch. Gesch. Bd. XVI, S. 162. 2) Vita IUeeiarcki com. 8. I-ouilaeii p. 124, s. o. S. 319 Anin. 6. >) Vbsiusr, Ooä. ckoiu. tviup. I, 44. Das ergiebt sich aus des Papstes Aufforderung an Azzo's Sohn Aldobrandin 1213 Aug. 28. bipist. XVI, 102; Hieiuvr I. o. °) Xuu. blaut, p. 20; Xuu. s. ckust. katav. p. ISO; liolauck. I, o. 11; Ilioob. Vsrrar. bei IliLaarck I, 1108 oder blnrat. IX, 127. Er ist begraben in S. Maria di Vangadicia, heute Badia. Italien während des deutschen Thronstreitcs. 409 langte i), weil er als gleichzeitiger Podest« von Verona, Mantua und Ferraras vollauf mit den Heunischen Gegnern, mit Ezelin von Romano und Salingnerra, zu thnn hatte. So geschah es, daß Jnnocenz zu der Zeit, als er durch die Goldbulle von Eger den ersten haltbaren Rechtstitel ans die früheren Rccuperationen empfing, von denselben außer jenen tnscischen Strichen wohl kaum irgend Anderes in seinem Besitze hatte, und daß auch das Jahr 1213 vorüber ging, ohne daß sich an dieser Sachlage Etwas geändert hätte. In Spoleto hielt sich Dipold durch rücksichtsloses Eingehen auf die Bestrebungen der größeren Communcn^) und sein Einfluß erstreckte sich auch bis in die aneonitanische Mark, wo der Kaiser sowohl unter den Nachkommen der alten Reichsgrafen als auch unter den Städten zahlreiche Anhänger hatte. Namentlich Fabriano wurde für ihn ein wichtiger Stützpunkt s, während von den Abruzzen her auch die Grafen von Celano den Kaiserlichen in der Mark wirksame Unterstützung geleistet haben sollen"). Seit dem Anfänge des Jahres 1214 trat jedoch ein Wechsel ein. Die Drohung des Papstes, daß er die Mark, wenn Aldobrandin cinzugreifen zögere, einem Anderen verleihen werdet, scheint im Zusammenhänge mit der Lcgation in Apulien, welche Friedrich II. an Aldobrandin übertrug, diesen wenigstens zu einem Versuche bestimmt zu haben, wieviel sich dort machen ließe, und dieser Versuch, welcher von Jnnocenz mit nachdrücklichen Ermahnungen an Klerus und Volk der Mark unterstützt wurde und für den derselbe auch seine Getreuen im Hcrzogthume Spoleto aufbot hatte in der That einigen Erfolg. Fano wurde durch Verzicht ans die Güter des früheren Reichsgrafen Walther gewonnen ch; Fabriano, Fermo und wahrscheinlich auch Dsimo wurden durch Bestätigung der zu Markwards Zeit genossenen Freiheiten ebenfalls zur 9 Kuvrnori, 4mtiLli. Hst. I, 109. ^uu. Älnnt. I. e.; 4.NII. Vsrou. p. 6; Ockovisi, 8tov. Lvsss. VII, 68. 69. VIII, 121. Dipold verspricht 1213 denen von Spolcto mit ihrer Hülfe das Kastel von Trevi zu zerstören. Ficker, Forsch. IV, 301. Vgl. Hist. VnlMn. bei 4'n.v- tiui I, 819: Vuit ässtruotum onstrum Vrsvil psv 8polsts.uos. Vostsn tnsta Idi pnos per cos n VulAiimtidus rslmdltum st rspavntum tuit. 9 Gegen Ancona verbünden sich Osimo und Canierano 1212 Mai VeinmK I, 358; Canierano aber 1211 Februar 26. impsrauts cl. Ottous mit Fabriano. L 0 II 02 . stov. Kareliix. II, 85. In Fabriano aber wurde fortwährend nach Otto's Jahren datirt, ibicl. p. 69. 75. 77, und die Stadt ließ sich 1213 Oktober 25. von dem anwesenden Oiopulclus clsi st imp. Kv. clux 8polsti, eomes Assisi, st ^.oervs allerlei Vortheile zusichern, wobei Konrad Gottiboldi Graf von Sinigaglia, Hugolin von Coccorone (L-poleto) u. A. Zeugen waren, idicl. p. 81. Am 5. November wurde dort Dipolds zweite BelchnungSurkunde über Spoleto von 1211 Nov. 22 (s. 0 . S. 284) vidimirt, ib. x. 69. Daß Fauo ebenfalls zu Otto hielt, zeigt der Brief des Papstes 1211 April 22. .4miaui II, 25 nach Ficker. 9 ^nn. s. llustiuns sintav. p. 151 ; Ilolnuck. I o. 15 p. 17. °) 1213 Ang. 28. s. 0 . S- 105 Anm. 5. st 1214 Mai 5. 23. Dliwue, Op. luuoo. Vom. IV ur. 188. 189. 192. 193. 9 Ficker, Forschungen III, 412. 410 Viertes Buch, Kapitel I. 1212—121?. friedlichen Unterwerfung gebracht ^); im Herbste bemühte man sich Ascoli ans die päpstliche Seite herüberznziehen -). Da ist nun gerade Aldobrandin, von dessen Mnthe noch viele tapfere Thaten erwartet wurden, plötzlich gestorben ch. Die Kurie wußte jedoch auch in diesem scheinbar so widrigen Zwischenfalle für sich einen Vortheil heraus,znfinden. Denn da Aldobrandin keinen Sohn hatte und sein achtjähriger Bruder Azzo Novell» ch natürlich nicht der päpstlichen Partei in der Mark als Führer gegeben werden konnte, zog Jnnoccnz das erledigte Lehen wiederum ein. Der Kardinal- prcsbyter Johann von S. Praxedis wurde als apostolischer Legat und päpstlicher Vikar dorthin entsendet, um die von Aldobrandin glücklich begonnene Unterwerfung deS Landes unter die Kirche, für welche er große Mittel anfgcwcndct, ja sein gesammtcs Erbgut verpfändet hatte, jetzt für die unmittelbare Rechnung der Kurie weiter,zuführen. Wie viel oder wie wenig dort der Legat ausgerichtet haben mag, läßt sich allerdings nicht mit Bestimmtheit erkennen. Wenn cs ihm aber gelang, eine Fehde Osimo's und An- cona's gegen Recanati gütlicher Entscheidung cntgcgcnzuführen ^), so setzt das doch die Anerkennung seiner Autorität ans beiden Seiten voraus und es kann ja nicht anders sein, als daß das unzweifelhafte Unterliegen des Kaisers im Kampfe gegen Frankreich und Friedrich II. auch hier seine Partei allmählich zur Auflösung brachte, die Herstellung der päpstlichen Herrschaft förderte. Sind nun die Nachrichten über dasjenige, was während des 0 Jlclevraiulinus clei et npost. Ar. Hstensis et mnreliie (Vuruerie mnroliio für Fabriano ä. in territorio (tnstri Vieuräi 1214 Mai 22 (tolles, stör. KInreliiA. II, 88; für Fermo (ohne Tag) 11s;;. lärm. p. 341; für Osimo Mai 27 perussi 1. 303. Osimo lieh dem 'Markgrafen 3000 Pfund, welche Azzo VII. im Jahre 1219 zurückzahlte. Auffallend ist, daß in Fabriano auch ferner tempore Inuoe. paps st Ottonis imp. oder bloS imp. ä. Ottoue datirt wird, zuletzt 1217 Mär; 4. (tolles, p. 100. Jnnocenz 1214 Scpt. II. KIiAns 1. e. nr. 196. b) ^nn. s. äustinas I. c.; liolnuck I. o. zu 1215. st Sein Alter erzieht sich daraus, daß er 1264 bei seinem Tode 58 Jahre zählte. 2 (nn. 8. äust. p. 1?6, wo ans seiner Rede auf dem Todbette der Satz bemerkenswert!) ist: (Llclevr.) in tnntum ss ne sun exposuit pro ckomus nostre Zlorin clilntnnckn, czuock etinm ms ipsum nckline inlnntnlum äs vrnelriis rnpnit Asuetrieis et ms simut cum toto pntrimonio läorentinis lonerntoridus odÜANvit, n czuivus neeepit ncl sxereitum eonäueencluin pecuuinin, ut rekslleo eccl. Ilom. in mnreliin ^neonitnnn et in J.pulin oxpuAnnret, cls czuivus clivinn wratin triumplinvit. lieber Apulien s. 0. S. 405. llrk. des .lovnnnss 8. Vrnxeäis preol,. cnrcl., n. s. IsA. in ltlnrclun, cl. nostri pnps vienrius in spiritunlilius et tempornlidus, ans OompNAnoni, Klein, clelln elriesn Ooim. II. 101 n. 2 ausziizlich bei stsrussi I, 351 zu 1199. Dieses Jahr ist jedenfalls falsch, s. Bd. I, il> Anm. 3, und wahrscheinlich durch irrige Reduktion der Induktion entstanden. Am 21. April 1214 war der Kardinal noch beim Papste ?ottl>. nr. 4912. Der Ausdruck in tsmporn- libus weist darauf hin, daß zur Zeit die Mark keinen weltlichen Inhaber hatte, d. h. daß Aldobrandin schon todt war. Am päpstlichen Hofe erscheint Johann erst wieder 1217 März 4 IlAlisll! I, 919, um Tags darauf zum Rektor der Campagna ernannt zu werden, Vkeiner I, 47. — Mit dem Jahre 1199 werden die von Peruzzi ans jener Urkunde gezogenen Folgerungen über das Aufkommen der Podesta in Ancona hinfällig. Italien während des deutschen Thronstreites. 411 deutschen Bürgerkrieges in der Mark Ancona geschah, leider nur dürftige, so fehlen selbst solche für das übrige Mittelitalien fast ganz. Perugia stand auf Grund des Vertrages von 1210 zwar auf der päpstlichen Seite, war aber in erster Linie auf möglichste Unabhängigkeit bedacht. Es wahrte sich sogar das Recht selbständiger Fehde 0 und wird ohne Zweifel zur Ausübung desselben Gelegenheit genug gefunden haben, da es einerseits den Herzog Dipold, andrerseits solche Gemeinden zu Nachbarn hatte, für welche das Kaiserthnm Stto's IV. immer noch Gültigkeit besaß. In dieser Beziehung scheinen Arczzo-), Florenz") und Pisa'') vollkommen übcreingcstimmt zu haben, vielleicht auch Siena, welches in dieser Zeit sein Gebiet gegen die Meeresküste hin auf Kosten des Bischofs von Voltcrra zu erweitern bestrebt war°). Die Autorität des Kaisers war hier so fest begründet, daß um die Zeit seines Todes in Tuscicn ziemlich umfangreiche Rüstungen betrieben werden konnten, welche auf nicht Geringeres gerichtet gewesen zu sein scheinen als auf eine Eroberung der Insel Stellten. Rainer von Manente stand mit seinen Gcschlechtsgenossen in Tnscien und mit den Pisanern in fortwährender Verbindung"). In Obcritalicn, in der trcvisancr Mark und in der Romagna hatte der Name des Kaisers zwar nicht ganz so ausschließliche Geltung wie in Tnscien, aber immerhin noch zahlreiche Freunde, vielleicht mehr als das stanfische Königthum. Die wiederholten Mahnungen, welche Jnnocenz 111. an Mailand H und Alcssandria ") und wahrscheinlich ebenso auch an die anderen Städte der kaiserlichen Partei richtete, machten dort nicht den geringsten Eindruck und die von ihm verhängten Strafen, außer dem Interdikte die Los- lösnng der Suffragane vom Erzbisthnm Mailand und die Ver- b Jnnocenz 1214 Sept. 19. Tüeiner I. 45: oolloata. vel inulota non liet nisi pro cpmtnor enusis, seil, pro servitio Laote Itour., populi lionmui, iinperntoris vet nnnaii eins et euin populns I^erusinus inovvrit gnerrnm >1a aoinmuni volnntate. 2) Vertrag zwischen Arezzv und Castiglione Aretino 1214 Ott. 14: Inuoe. papn residente, Otlroua imperntoro. Imini, Dstie. IV, 216. Ans der Notiz des iOnolino cii piero a. >218 bei 'I'nrtini II, 13: 1 I?iorontini sottoinisero it oontaäo e kooerli inrare sotto toro, poroivaalre lo'mparntore era inorto — darf man schließen, daß sie vorher die Autorität der Rcichsbeamtcn über die Grafschait geachtet haben. Inzwischen war in der Stadt selbst in Folge der Erinordnng des Buondelmontc durch die Ubcrti 1215 der Partcizwist entbrannt et ex tuno pnllniavit divisio Vlorentinornin sub nomine (Inolti et Olrivellini et nd divorsns so etl'ndit partes. Vtoi. Ona. nun. nach den Oestn Vlorent., in Doanin. per Io prov. cii Tose. VI, 67. 0 S. o. S. 406 Anm. 2; S. 407. °) Xnn. 8onensos a. 1215 p. 227. Die Oroniolro Lanoss soe. XIV. Llnrnt. XV, 20 leiten von der Treue gegen den Kaiser die Verleihung der Krone auf dem Haupte des Löwen im Stadtwappen her. °) ItvA. Vrid. ur. 328 leider noch ungedrnckt. Vgl. o. S. 407 Anm. 1. ') Jnnocenz 1212 Juni 13., Okt. 21. lipist. XV, 122. 180. S) Jnnocenz 1212 Juli 13., Okt. 29.; 1213 Juni 4., Nov. 12. Lpist. XV, 138. 189; XVI, 59. 140. 412 Viertes Buch, Kapitel I. 1212—1218. legung des Bischofsitzcs von Alessandria nach Acqui, haben die politische Haltung jener Städte durchaus nicht beeinflußt. Im September 1212 nahmen Mailand und Piaccnza die Markgrafen Mala- fpina für den Dienst des Kaisers in ihren Sold'); sie verwüsteten in Gemeinschaft mit Alessandria das Stadtgebiet von Pavia und das Land des Markgrafen von Mvntscrrat st, welcher dem Gegenkönig durch die Lombardei geholfen hatte. Für die stanfisch-päpstliche Partei in der Trevigiana war cs ein schwerer Schlag, daß ihre hauptsächlichsten Führer, Gras Richard von S. Bonisaziv, Azzo VI. von Este und sein durch Tapferkeit weit über die heimathlichcn Grenzen hinaus berühmter Gefährte, Albert von Baonc, rasch nach einander im Laufe des November 1212 wegstarben st. Tic kaiserliche Partei aber, zu welcher Trcvisv, Vicenza und Ezelin von Romano zählten, gewann auch Padua für sich, als Azzo's Sohn und Nachfolger Aldobrandin im Jahre 1213 seine Herrschaft Este von der Hoheit dieser Gemeinde losznlöscn versuchte: er konnte es nicht durchführen und hatte Nichts erreicht, als daß Padua ihm auch an anderen Stellen Abbruch thatst. Nun verlor er den bisherigen ausschließlichen Einfluß seines Hauses ans Verona: die seit sechs Jahren verbannten Montccchi dursten aus Fürsprache Padua's am 10. November 1213 heimkchrenst und, wenn Verona auch nicht sogleich zu den Gegnern übcrtrat, so wurde cs ihnen doch stark genähert st, jedenfalls aber in seiner Leistungsfähigkeit durch die Unruhen beschränkt, welche der Herstellung der Verbannten fast unmittelbar folgten st. Ta war es noch ein Glück für den Este, daß er sich bei Zeiten, schon am 10. April 1213, mit dem früheren Nebenbuhler Salingucrra versöhnt hattest, da ihm sonst auch der Besitz von Ferrara mit Hülfe der entschieden kaiserlich gesinnten Städte Bologna, Jmola und Facnza st leicht Hütte st Hist. patr. rnon. Olmrt. II, 1269 ff.: I'reclietnm ecmeorcliam et sc>- eietntem tneimna st inramns acl Ironorein et ntililntem doinini uostri 0. Rom. imp. st 8eliiavina x. 149. 0 S. die Stellen oben S. 498 Anm. 6. 0 wnn. s. Instinns p. 159: Ilolanä. I. o. 12. Vgl. Jnnocenz 1213 Nov. 2. Xznst. XVI. 129. 0 Inschrift von S. Stefano in Verona. Ili-rneolini, Xotirns 1, 20. Xnn. Vsro». p. 6; Xnn. s. ,Inst. p. 151 : Vita Itieeiarcii p. 124. st Vgl. den durch den Podcsta von Padua, den Vcnctiancr Marino Zeno, aufgerichteten Landfrieden zwischen Padua, Vicenza und Verona 1213 Dcc. Verei, Leelini III, 155. st Xnn. s. lustinne 1 e. st Oüron. Xstsuse. blnrnt. XV, 302. Vgl. Leo, Italien II, 195. Ich habe keinen Grund die Nachricht jener späten Chronik über die Aussöhnung zu bezweifeln. Obwohl dieselbe schon im Herbste durch eine Frevclthat des Neffen Salinguerra's gefährdet wurde sxaltaticmi prinaipis lUiclariai summa (lesiclsrio aklsetadaut. si lieber die Glaubwürdigkeit der ziemlich zahlreichen Berichte von diesem Zuge f. meinen Aufsatz: Forsch, z. deusch. Gesch. VIl, 299 ff., auf den ich auch rücksichtlich der Belege des Folgenden verweise- Ich sichre nur noch die damals mir entgangenen Stellen an. Italien während des deutschen Thronstrcites. 415 detcn. Sie wollten hier den Zuzug ihrer Bundesgenossen abwartcn; diese waren aber noch nicht eingetroffcnH, als am Pfingstsonntage, dem 2. Juni 1213, die Mailänder und die Truppen der ihnen befreundeten Städte von Crcma her zum Angriffe anrückten. Mnthig zogen die Crcmvnesen der Uebcrmacht entgegen; sie wurden jedoch bald ins Lager zurückgcdrüngt und dieses selbst von den Angreifern erstürmt. Die Cremoncsen verloren dabei viele Gefangene, während die Uebrigen, von der Hauptmasse der Feinde verfolgt, in wilder Flucht vom Schlachtfelde forteilten. Der Sieg der Mailänder war vollständig. Da nahm eine Schaar von angeblich nur 300 Cre- monesen, welche bei ihrem Carroccio ausgehaltcu hatten, den günstigen Augenblick wahr, in welchem der Carroccio der Feinde von Vertheidigern.ziemlich entblößt war: sie griffen an, eroberten das feindliche Heerzcichcn und machten nun ihrerseits wieder Gefangene. Dieser unerwartete Angriff wandte die Schlacht. Die Mailänder und ihre Bundesgenossen, welche bei der Verfolgung wahrscheinlich stark ans einander gekommen waren, zum Theil sich auch schon bei .den brodelnden Feldkcsfcln der Cremoncsen gütlich thatcn, mußten nun vor der kleinen, aber geschlossenen Schaar das Feld räumen und mit ihrem Carroccio den eben noch geschlagenen Cremoncsen den Ruhm des Sieges lassen. „Von dieser Zeit an ward das Lob der Cremoncsen kund unter den Völkern und durch den Ruhm eines solchen Sieges ihre Tapferkeit und Kühnheit sehr gesteigert -)." Zum Andenken an diesen Sieg von Castel Leone haben sie das vergoldete Kreuz vom mailändischen Carroccio nebst einem Stücke der Fahnenstange in der Domkirche aufbewahrt ^). Die kaiserliche Partei erlitt dann im Herbste noch eine zweite Niederlage durch Pavia. Tausend mailäudische Ritter waren mit den Mannschaften von Novara, Vcrcelli, Alessandria und Tortona und den Markgrafen Wilhelm und Konrad Malaspina in das Gebiet von Pavia eingefallen. Bei Cassello wurden sie jedoch von den Pavesen besiegt und mußten nach ihren eigenen Angaben etwa 200 Ritter und große Beute in den Händen der Sieger zurücklassen ^). Im folgenden Jahre wurde das Gebiet Piacenza's von den Cre- 0 .4uu. 4au. p. 133: autsguam 8uoonr8uiu 6rsurousu8il>u8 cts sorum amioiolm voiiisset, ^Isäiol. iurmitniu Isosruut. Cremona hatte am 2. Mai den Beistand Parma's nachgesucht, s. u. Urkunden VIII; ob er zugesagt war? I'olosnnus p. 148: In guo bsUo soll 6rsiuoueuss8 tusrs. Eine Ausnahme dürfte vielleicht nur in Betreff Brescias gemacht werden, s. o. Anm. 3. ") Xuu. s. ,1u8tiuas p. 150. °h So heißt die Schlacht allgemein, außer bei 8olriaviua x. 150: aU Lo- tssluam, oppleluiu Llrsruousumuiu,. Lattaliaiu uuuoupataiu. 0 .-Iota iinp. x. 038. 1?olv8. p. 148: 2IecUoI. oarooiuru amissrunt st arinornur st 8outorunr luultltuäiueiu oopiosirm. Ilucts Iroäis palatinm Orsmoneusinm clssoratur. s. Forsch, z. deutsch. Gcsch. VII, 301. Der Tag des Gefechts von Cassello bleibt unsicher; es war nach ^uu. 4au. Sept. 29. nach Xotas s. Osor-AÜ iilsäiol. iil. S. 88. XVIII. 388 aber Okt. 2. 416 Viertes Buch, Kapitel 6 1212—1218. monescn verwüstet, denen sich damals auch Reggio angeschlossen hatte i). Man würde jedoch sehr irren, wollte man meinen, daß diejenigen Städte, welche angeblich für Otto IV. stritten, durch solche sich wiederholende Verluste irgendwie zur Nachgiebigkeit gestimmt worden wären. Ständische Streitigkeiten, welche in Mailand während des Jahres 1213 ausgebrochcn waren, mögen vielleicht an jenen Niederlagen sich entzündet haben, aber sie wurden schon 1214 gestillt 2 ): Mailand blieb kaiserlich und die Zahl seiner Verbündeten mehrte sich im Jahre l215, als Aldobrandin von Este gestorben war, durch den Hinzutritt von Verona und Mantuas. Während nun Cremona von diesen neuen Gegnern einerseits, von Piacenza andrerseits genügend beschäftigt war, warfen die Mailänder und ihre Nachbarn sich mit voller Wucht auf den Markgrafen von Mvnt- fcrrat. Sie nahmen mit Hülfe des Grafen Thomas von Savoyen am 2. .August Casale ein und zerstörten es von Grund ans ch. Das war ihre Antwort auf die Forderung eines damals in der Lombardei erschienenen Legaten, des Capellans Pcllegrin, daß wegen des bevorstehenden Koncils und Kreuzzuges Alle ihre Streitigkeiten dem Schiedssprüche der Kirche unterwerfen sollten, Pavia war natürlich dazu bereit °), wahrscheinlich auch Cremona; aber wie konnte die Kirche überhaupt beanspruchen als Vermittlerin auch bei Mailand zu gelten, da sic selbst doch im höchsten Grade Partei war? Sie war von ihren Bundesgenossen so sehr abhängig, daß Jnnocenz III. zum Beispiel dem Wunsche Cremona's mit mathildeschcm Lande ausgestattet zu werden, kein entschiedenes Nein cntgegcnzusetzen wagte °), und die Unterstützung Salinguerra's durch die Uebergabe von Mcdisina, eines Thcilcs von Argelata und vieler einzelner Güter in den Bisthümern Bologna, Modena, Reggio und Parma erkaufen mußte ^). Bedurfte es solchen Kittes, um die stansische Partei zusammcnzuhalten, wie denn auch Friedrich II. seinen lombardischen Anhängern gegenüber mit Reichsrechtcn und Reichsgütern 6 Xuu. Lrsmon. p. 806; I^uu. IIkK. p. 160. Leo, Italien II, 186. y Erfolgreicher Feldzug der beiden Städte zur Befreiung des von Cremona und Reggio belagerten Schlosses Gonzaga Xun. Vsrou. p. 6. Vgl. die diesen Zug vorbereitenden Verhandlungen zwischen Mailand und Vercelli. (Inaeiaaouti, Lrurnnarinur inonum. Vsreell. p. 91. 93. — Xun. Xstsnsss, Hist. patr. inon. III, 731; 8alriavius p. 151 ; Tun. I'Iaasut. (luslti p. 429 sehr ausführlich. y Xata iiup. p. 639. 6) ibick. p. 638. y Die Belehnung geschah zu Carpi 1215 Sept. 7. durch den Capellan Pellegrin 4'üsinsr I, 46; 8avioU IIV 361. Vgl. Tun. iblntin. LInrat. XI, 57. Nach Ficker, Forsch. I, 339 dürfte der Reichslcgat Friedrich von Trient — der seit 1213 Mai mit Berthold von Reifen nach Deutschland zurückgegangen war, s. Friedrich II. 1214 Febr. 19. Xcta iiup. p. 235, — bei Salinguerra's Belehnung anwesend gewesen sein. Italien während des deutschen Thronstreites. 417 nicht kargen durfte ft, so hat die kaiserliche Partei offenbar zu ihrem Bestände nicht ein solches Festignngsmittel nöthig gehabt. Sie zeigte ungleich weniger Selbstsucht bei ihrer Hingabe an Otto IV. obwohl die Verbindung mit ihm nur eine spärliche, von Belohnungen seinerseits gar keine Rede sein konnte ft. Die Verbündeten Akai- lands haben in diesen Jahren vielerlei Verträge unter sich abgeschlossen, aber niemals ohne die Trenpflicht gegen den entfernten Kaiser vorzubchaltcn ft, und sie gaben die Sache desselben, indem sie allerdings ihrer einseitigen Berechnung nur das Verhältniß der Parteien in Italien zu Grunde legten, so wenig verloren, daß sie vielmehr mit Hülfe des Koncils, welches im Herbste 1215 in Rom znsammentretcn sollte, noch seine völlige Herstellung bewirken zu können meinten. Nur unter der Bedingung nämlich scheinen sie sich zur Anerkennung des Schiedsspruches der Kirche über ihre Streitigkeiten begucmt zu haben, daß derselbe nicht vom Papste und der Kurie, sondern von dem Koncile gefällt werde, welches auf diese Weise Veranlassung bekam, sich auch über den Streit Otto's IV. und Friedrich II. zu äußern ft. Viele Jahrhunderte haben den Grund zu dem mächtigen Ban gelegt, in welchem das Papstthum sich zur Zeit Jnnoccnz' 111. darstellte. Nichts konnte im Bereiche der abendländischen Welt mehr ohne Zuthun des Papstes geschehen: Alles und Jedes, Großes und Kleines mündete schließlich in der Kurie aus und erwartete dort seine Entscheidung. Während durch das allgemeine Recht der Appellation an den apostolischen Stuhl und durch den jetzt durchgängig vom Papste beobachteten Brauch, für seine Entscheidungen mittels außerordentlicher Kommissionen den Thatbestand an Ort und Stelle erheben zu lassen, die Autorität der Bischöfe sich fortwährend verminderte, deren Urthcile die Appellation suspendirte und oft um- stürztc, wuchs die Autorität des Papstes ebenso stetig bis zur ausschließlichen Geltung empor. Sic verschlang alle Selbständigkeit in dem Grade, daß zuletzt Niemand eine eigene Meinung zu haben wagte und Jnnoccnz selbst wohl gelegentlich seine Verwunderung ft lieber die Bcrwilligung an Cremoua s. o. S. 413. Au Asti wurden auf dem Hostage ',u Basel I2i4 Nov. 22. die Reichseiukiiufte aus der Stadt und die Burg Amwue verpfändet, ^ota i,»j>. p. 238 , letztere dann der Stadt bis auf Weiteres ganz überlassen, ibick. p. 23b. Vgl. Ficker, Urkuudcnlehre I, 217. 258 ft Der Hofrichtcr Presbyter von Piacenza war nach der Schlacht bei Bouviues noch bei ihm, s. o. S, Z8Z Amu. 4. ft sulvu ticlelituts cl. Otirouis iinpsrutoris. ft ^.uu. INueeut. Ouelli p. 431 vom jtoueil: ibiclsurgus klscliolausu- sss st Iftueoutiui et totius eoruur Mrtis leK'ati. st Oreuroususes st Iftr- pieuses st totius eoruur purtis aiulmxutoros, cle urauäato cl. pups Mrsxers, suerautss et erecieutss, ciiseorclimu gus sst luter cl. Ottousur iuM st Ve- clerieuur 8ls. rvMur ueeorcluri clevere pmritor st Meisei. J>ihrb. d.dtsch. Gesch. — Wilitcl manu, Otto IV. 27 418 Viertes Buch, Kapitel 1. 1214. aussprcich, weshalb man über ganz selbstverständliche Dinge erst von ihm Auskunft begehre. Und doch hätte er solche Anfragen nicht missen mögen. Er verwies es selbst den am höchsten gestellten Würdenträgern der Kirche als Ueberhcbnng, wenn sie irgend etwas halbwegs Wichtiges von sich aus zu erledigen wagten s). Das Bewußtsein seines Amtes vereinte sich in'ihm mit dem Gefühle, demselben vollkommen gewachsen zu sein: für einen beengenden Einfluß der Kardinale war da schwerlich der rechte Boden-), obwohl sie allerdings zahlreicher und häufiger in seiner Umgebung erscheinen als bei seinen nächsten Nachfolgern. Dieser kirchliche Absolutismus sollte nun aber nach der von Jnnocenz gleich bei seiner Thronbesteigung ausgesprochenen Ansicht^) auch alles Weltliche umspannen und gewaltige Anläufe sind von ihm auf dieses Ziel hin gemacht worden, ohne daß er es doch recht zu erfassen vermochte. Man darf sich nicht durch die von ihm begründete Lehnshohcit des apostolischen Stuhles über verschiedene kleinere Reiche und zuletzt sogar über England blenden lassen: in allen wesentlichen Dingen ist es ganz anders gekommen, als Jnnocenz gewollt hat. Er hat Philipp von Schwaben verworfen und ihn schließlich doch anerkennen müssen; er hat den Welfen gefördert und dann zu seiner Entthronung geholfen. Die Vereinigung Siciliens mit Deutschland unter einem Herrscher war ihm als das größte Unglück für das Papstthnm erschienen und er hat zuletzt nicht anders gekonnt als dazu die Hand bieten, daß sie zu Stande kam. Er hatte Mittelitalien in Besitz nehmen zu können gemeint allein ans Grund der angeblichen Privilegien der römischen Kirche und sich überzeugen müssen, daß die Schöpfung des neuen Kirchenstaates ohne die Zustimmung des Reiches unmöglich sei. Indem er aus jeder Wendung der Dinge für das Papstthnm Vortheil zu ziehen suchte, dabei aber zugleich dieses als die bestimmende Macht erscheinen zu lassen bemüht war, verwickelte er sich in die auffallendsten Widersprüche. Die Wendung des vierten Krcuzzuges gegen Konstantinopel wurde von ihm mit Kirchenstrafen bedroht, jedoch die Frucht desselben darum nicht minder angenommen und ') Es dürfte nicht viele Legaten geben, deren Handlungen nicht einmal seinen Tadel erweckt hätten oder umgestiirzt worden wären. Beispielshalber verweise ich auf Guido von Praeneste Bd. I S. 322 Anm. 2. Ans Ungnade weist auch der Umstand, daß ihm bei seiner Ernennung znm Erzbischöfe von Reims der Kardinalstitel nicht belassen wurde, während dies doch damals ganz gewöhnlich war. lieber die Behandlung des Kardinallegaten Cinthius von S. Laurentius s. o. S. 34 ff. 2) In diesem Punkte kann ich der Ansfassung Roqnains üonrn. des 8a vants 1873 x. 527 nicht beistimmen, so sehr ich sonst für die ebenso maßvolle als geistvolle Charakteristik Jnnocenz' dankbar bin. lieber des Papstes weltliches Handeln Vgl. Olrsrrisr, Hist, cks la lutts (l. eckit.l II, 230. Bd. I S. 95. Das Citat aus Dxist. II, 209 bei Janus, Papst und Koncil S. 178 ist nicht ganz genau. Es heißt da nicht: Dominus, sondern: ckaoobus Iratsr Domini . . . Detro non soium Universum eeelesiam, seit totum religuit sseulum Auvernanckum. Das Koneil von 1215. 419 genossen. Der Eharaktcr Jvhanns von England war von ihm so schwarz als möglich dargestellt worden und sein Urtheil war da wohl berechtigt; er vergaß jedoch Alles in dem Augenblicke, in welchem Johann sich ihm unterwarf, und er kehrte nun die römischen Blitze gegen Frankreich, blos weil dieses darauf beharrte, den früheren Willen des Papstes zu vvllstrecken. Den deutschen Fürsten hatte er von Seiten Ltto's eine Behandlung in Aussicht gestellt gleich der, welche die englischen Barone durch Johann erfuhren; aber das hielt ihn nicht ab, in England die Willkür des königlichen Vasallen zn sanktioniren und dessen Eid ans den großen Freiheits- bries zu vernichten. Ging es nach ihm, so sollte Dtto IV. nicht Kaiser bleiben, weil er dc§ Reiches nicht würdig sei; die Berufung demselben jedoch ans den englischen Thron schien ihm im Jahre 1216 nicht ganz archer dem Bereiche des Zulässigen zn liegen 9- Gewiß, auch der größte Staatsmann wird daraus verzichten müssen, daß die Ereignisse immer gerade den von ihm vorgczeichnetcn Lauf iuuchalten, und er wird sich vielfach begnügen, zu ihnen stets aufs Reue Stellung zn nehmen. Jnnocenz indessen war nun einmal nicht blos Staatsmann, sondern zugleich Haupt der Kirche, und er wirkte gerade dadurch, daß er seine politischen Entschlüsse mit der kirchlichen Autorität begründete und deckte, welche ihrer Natur nach den Anspruch erheben mußte, unwandelbar zu sein. Wurde sic dazu verwendet, um das gestern Gcbrandmarkte heute zu rechtfertigen, so mußte sie selbst die größte Einbuße erleiden. Es ist daher kein Zufall, daß gerade in derselben Zeit, in welcher die alles Geistliche und Weltliche in ihren Bereich ziehende Papstgewalt selbstbewußter und unbedingter Gehorsam heischend auftrat als je zuvor, die kirchliche Auflehnung so nachhaltig sich hervorwagte, daß Jnnocenz selbst sic nur noch mit brutaler Gewalt bemeistern zn können meinte. Was er als Recht, Pflicht und Aufgabe des Papstthums hingestellt hatte, die Herrschaft der in ihm cvncentrirten Kirche auf allen Gebieten, zeigte sich so schon bei seinen Lebzeiten undurchführbar und vielleicht hat er das selbst gefühlt. Der Satz, mit welchem seine am 19. April 1213 erlassene Einladung 2 ) zu einem Koncilc anhebt, welches am 1. November 1215 in Rom zusammcntretcn sollte, klingt doch wie ein Hülferuf oder wie ein Eingeständniß, daß sein absolutes Können allein nicht ansreiche. „Vielfältiges Geilster arbeitet daran den Weinberg des Herrn zu vernichten und mit solchem Erfolge, daß in einem großen 9 Jnnocenz betonte bei den Verhandlungen zwischen den Gesandten der Barone und des Prinzen Ludwig von Frankreich auf der einen und den Gesandten des Königs Johann auf der anderen Seite die Nothwendigkeit, daß falls Johann und seine Nachkommenschaft vom Throne ausgeschlossen werde, entweder die Schwester des todtcn Herzogs Arthur oder Otto IV. als Sohn der älteren Schwester Johanns zur Nachfolge berechtigt sei. lio^sr äo tVenäover eä. Ooxs 111. 375. -) Istüöt. XVI. 30 ff. Unter den Adressen der Ausfertigungen findet sich nicht die Friedrichs II. Doch ist wohl kaum zu bezweifeln, daß er eine Einladung erhalten hat, da er beim Koncile durch Gesandte vertreten war. 27« 420 Viertes Buch, Kapitel I. 1215. Theile schon Dornen an die Stelle der Reben getreten sind und, was ich nur mit Seufzen berichte, die Stöcke selbst statt der Trauben nur Windbecren tragen." Aber war der Hüter des Weinbergs nicht allmächtig? Jnnocenz fühlte das Bedürfnis;, die Verantwortlichkeit aus die gesummte Kirche abzuladen, während er durch ihr Aufgebot den Glanz seiner persönlichen Stellung noch vermehrte. Er setzte seine ganze Macht dafür ein, daß das Koneil so stattlich als möglich zu Stande komme: Entschuldigungen der znm Besuche des Koncils Verpflichteten ließ er nicht leicht gelten st. Jene im Sommer 1215 in Angriff genommene Friedensstiftung in der Lombardei, durch welche ja der größte Theil der Rennfahrer kommen mußte, sollte ihnen die Wege öffnen; Zölle von ihnen zu erheben, wie der aus der Seite der Mailänder stehende Markgraf Malaspina versuchte, wurde für unstatthaft erklärt-). . Jnnocenz III. genoß nun in der That die Gcnngthuung, daß das von ihm berufene Koneil seines Gleichen bis dahin nicht gehabt hatte: der Erdkreis schien in ihm verkörpert zu feinst. Es fanden sich ein 71 Primaten und Metropoliten, darunter die fränkischen Patriarchen von Konstantinopel und Jerusalem, 4l2 Bischöfe, über 800 Acbte und Prioren; der Patriarch von Antiochiast, welcher durch Krankheit, und der von Alepandria, welcher durch seinen Sultan verhindert war, die Könige von Deutschland, Frankreich, England, Arragon, Castilien, Ungarn, Evpcrn und Jerusalem, wie unzählige Fürsten und Städte waren durch Abgeordnete vertreten 5). Indem Jnnocenz diesem Reichstage der christlichen Welt vorsaß, welche ans sein Geheiß sich versammelt hatte, erschien er als ihre wirkliche Spitze, als ihr einziges Haupt. Nur drei allgemeine Sitzungen haben stattgcfunden, am I I., 20. und 30. November; ihr Ergebnis; wurde in 70 Kanones zusammcngcstclltst, und Jnnocenz konnte mit demselben zufrieden sein. Denn wenn er bei der Berufung des Koncils gesagt hatte, daß zwei Dinge ihm besonders am Herzen lägen, die Gesammtverbessernng der Kirche und die Befreiung des heiligen Landes, so durften jene Satzungen wohl als die Erfüllung des ersten Wunsches gelten. Rücksichtlich st z. B. Patriarch Wolfger von Aguileja, der seine Bitte um Erlaß der Koncilsreise auf sein Alter und die Schuldenlast seiner Kirche stützte, wurde 1215 Sept. 9. rundweg abgewiesen, Ilnttnxoni, eist pntrmren Vollrsro p. 62 mit dem irrigen Datum 5. lllus Nee. Daß Wolfger nach Nom ging, zeigt llottb. nr. 5074. -> 1215 Juni S. Illbor inr. Inn. 1, 570. st Oliron. LaviAu. inounst. Itsensil XVIII, 232; Lbrou. Nnnpotr. p. 57: sstimans sui preoinin Inboris, si pro onnvtis suis partieipibus (? proäsesssoribns) tarn vopiosam olsri innltitnllinein nä sui presenciain npostolstns evoonssst. Ausfallend ist die wegwerfende Aeußernng der Xnn. Lol. mnx. p. 828 : Xieliit cliAnnm msinorias, hnoä eominvneinri possit, ibi actum sst. Auch der maronitische Patriarch Jeremias war anwesend, krcssutti, 1 rsMsti pontil. p. 19 not. st Bgl. Erläuterungen XIV; Vom Protokolle des Lateran-Koncils. st l'ottli. ItcA. pont. p. 437. Hefele, Concilicngesch. V, 777—810. Das Koncil von 1215. 421 des heiligen Landes aber faßte das Koncil den vom Papste am 14. Dcccmber verkündeten Beschluß, daß zn dem allgemeinen Krcnz- zuge, welchen Jnnocenz schon 1213 ausgeschrieben hatte und für welchen reiche Jndulgcnzen bewilligt wurden, die Theilnchmcr sich am 1. Juni in Brindisi und Messina sammeln sollten. Der Papst versprach selbst die Einschiffung zn leiten'). Es ist leider nicht überliefert, unter welchen Formen die Berathungen gehalten wurden, wie die Beschlüsse zn Stande kamen und welchen Antheil an denselben die weltlichen Abgeordneten hatten. Die äußeren Veranstaltungen mögen nicht die besten gewesen sein, wenn es wahr ist, daß im Gedränge sogar Bischöfe und Aebte erdrückt worden sind ff. Auch ist es im Schoße der Versammlung nicht immer ordentlich und friedlich zngegangen: Klagen wurden laut über die bisherige Handhabung der Kirchcngewaltff und das Koncil zeigte sich zuweilen weniger fügsam, als Jnnocenz erwartet haben mochte. Die Excommunicativn der englischen Barone fand vielfachen Widerspruch ff und der Beschluß, welcher die endgültige Vertreibung des Grafen Raimund VI. von Toulouse ans seinen Besitzungen anordncte, wurde gegen des Papstes ausgesprochene Ucbcrzcugung, daß dem Grafen Unrecht geschehe, von der Versammlung angenommen. Daß Jnnocenz ihn trotzdem prvmulgirt hat^), wohl nur um des Friedens willen, ist ein häßlicher Flecken aus seinem pricsterlichen Gewände. Die 'Hereinzichnng weltlicher Am gclegcnhcitcn in die Bcrathungen des Koncils führte auch sonst zn ärgerlichen Zwischenfällen; der ärgerlichste aber war wohl, daß des Papstes Verfahren gegen Otto IV. zur Sprache gebracht und kri- tisirt wurde. Der erste Antrieb dazu scheint merkwürdiger Weise ans der Kurie selbst gekommen zu sein. Der Botschafter des Königs Johann am päpstlichen Hofe hatte wenigstens schon im Frühlingc seinem Herrn berichtet, daß einige Kardinäle ihm dringend anriethcn, dem Kaiser nachdrückliche Unterstützung, namentlich auch an Geld, zn Thcil werden zu lassen; dann könne Alles wieder gut werden ff. Die lombardischen Anhänger Otto's hielten gleichfalls einen Umschlag noch für möglich und zur Vorbereitung desselben mag in ff I^ottli. nr. 50 >2. "j (?t>i'oil. 8nmpetr. p. 57 mit dem auffälligen Zusatz: ucm paps seä äso rsääitnri rneionsm cts ennetis, eentiu 8 , sondern noeonkius, nicht apostolierw, sondern aii08ta- tüeu 8 sei. Das Koncil lehnt nun freilich diese letzte Zumuthung ab, ist aber im klebrigen ganz der Meinung der Noma; es erklärt ihre Klage über den Papst für gerecht und beschließt, daß Otto IV. wieder in seine kaiserliche Würde eingesetzt werden solle Z. Man sicht, zu welchem Zwecke Mailand, Piacenza und ihre Freunde das Koncil beschickt hatten ^). Diesen Umtrieben gegenüber war auch die stauftschc Partei nicht müßig geblieben. Gesandte von Pavia, welche Anfangs September znm Könige nach Deutschland gingen st, mögen ihn darüber unterrichtet haben, daß seine Sache aus dem Koncilc Vorkommen werde: der Erzbischof Bcrard von Palermo, welcher zu gleicher Zeit am königlichen Hofe zu Hagenau und Spcier erscheint st, konnte, da er-in diesen Jahren vielfach zwischen Sicilien, Rom und Deutschland in Bewegung war, wahrscheinlich aus eigener Kcnnt- niß über die dem Kaiser günstigen Strömungen innerhalb der Kurie selbst Auskunft geben; man mußte etwas Außerordentliches thun, um ihre Ausbreitung zu hemmen. Da hat denn Friedrich, wie er selbst sagt, um dem Papste seine Dankbarkeit zu bezeugen und ihm eine Annehmlichkeit zu erweisen, schnell am 1 t. Oktober die Grafschaft Sora, welche schon des Papstes Bruder Graf Richard von der sicilischen Krone zu Lehen trug, in eine Baronie der römischen tnr antein in enria, r. Liebcrmann erfahre ich eben, daß eine gegen Mitte des 13. Jahrhunderts entstandene Handschrift in der Univ. Bibl. Cambridge I)cl. 78. toi. 96 ff., schon das Gedicht enthält. 2; S. o. S. 417 Anm. 4. In dem überall verbreiteten Koncilsbcrichte lesen die Lun. 8taä. statt IsAnti regis 8ie. in lioin. imp. slssti: lexati imp. Ottonis ibi erant et Im-iä. rez-is 8io. Daß Otto selbst Gesandte zum Koncile geschickt, wird sonst nirgends gesagt. Die Ann. 6ol. max. p. 833 wissen nur, daß Otto „öfters" mit Rom pro impstrancla venia verhandelt habe. Jene Meinung entstand wohl ans dem Auftreten der Lombarden für ihn. 2) Aeta imp. p. 646. Sept. 24-Okt. II. Uex. I'riä. 152 -154. Das Äoncil von 1215. 423 Kirche verwandelt'), und mit diesem Pergamente in der Hand reiste nun Erzbischof Berard als Friedrichs Abgeordneter znm Koncile ab 2), zu welchem auch Crenwna und die übrigen Städte der staufischen Partei in Oberitalicn Vertreter entsendet hatten ^). Auf beiden Seiten war man zur Entscheidungsschlacht gerüstet. Ein Mailänder erklärte, daß der Kaiser sich den Geboten der Kirche unterwerfen wolle, und das war eine, wenn sie beglaubigt werden konnte, für die Königlichen sehr bedenkliche Erklärung, weil dem Reuigen nicht gut die Lossprechung vom Banne hätte versagt bleiben dürfen. Erfolgte aber diese, dann ließ sich gar nicht ab- sehcn, was weiter geschehen konnte. Darum setzten die Vertreter Friedrichs Alles daran, daß es nicht einmal zu einer Verhandlung über das angebliche Anerbieten Otto's komme, und der Markgraf von Montfcrrat, welcher als der politische Gegner Mailands sogleich das Wort ergriff, führte sechs Gründe ins Feld, ans welchen -Otto gebannt bleiben müsse. Den der römischen Kirche geleisteten Eid habe er nicht gehalten, die Territorien, wegen derer Occupation er gebannt worden, noch nicht zurückgcgebcn, einen excommunicirten Bischof — es ist offenbar Waldemar von Bremen gemeint — beschützt, einen Bischof eingesperrt, zur Schmach der römischen Kirche den König Friedrich Pfasfenkönig gescholten und ein Nonnenkloster — der Redner hatte wohl Quedlinburg im Angc^) — in eine Burg verwandelt. Die Mailänder aber hätten überhaupt keinen Anspruch, vor dem Koncile gehört zu werden; seien sie doch selbst als Compliecn des Kaisers im Banne und offenkundige Beschützer der Ketzer. Nun blieben natürlich wieder die Mailänder die Antwort nicht schuldig, beide Thcile warfen sich Schimpfworte zu, so daß Jnnoccnz es zweckmäßig fand, die stürmische Sitzung abzu- brechcn ^). Er wird verstanden haben, es so cinzurichten, daß keine weitere Verhandlung über die Sache selbst stattsand: nachdem das Koncil, wie es scheint, in der letzten allgemeinen Versammlung die Bannung und Absetzung Otto's gebilligt hatte, verkündigte Jnnoccnz diesen Spruch und bestätigte von sich aus nochmals die von tz äl. o. II, 220. Dlnünsr I. 46. Berard ist noch Zeuge der mit Goldbulle versehenen Urkunde, die als Zeugnißbrief für den Grafen Richard ausgefertigt ist. 2) Als solcher bei 1i)-es. äs 8. Osrm. p. 338 genannt. Doch möchte Berard Friedrich als König von Sicilien, der Markgraf von Montfcrrat ihn dagegen als römischen König vertreten haben. So würde sich erklären, weshalb gerade der letztere bei der Verhandlung das Wort ergriff. ') S. o. S. 417 Anm. 4. U Langerfeldt, König Otto S. 333 Anm. 307. Vgl. Isstam. Ott. LI. O. 4/SA. II, 222. 6) 1!)'es. äs 8. Osi'm. p. 338 einziger Bericht über diese Verhandlung: äs solio sno ä. papa mann innuit st SArsäisntidns cstsris ipss seslsslam SSt SArS88N8. s 424 Viertes Buch, Kapitel 4 1215. den Fürsten vollzogene Erwählung Friedrichs zum künftigen Kaiser H. Die Tragweite dieses Vorgangs, als das Koncil unter dem Vorsitze des Papstes über den Bestand der Kaiserwürde abnrtheilte, bedarf keiner Erörterung: die Absetzung Ltto's IV. auf dem römischen Koncile fand zwanzig Jahre darnach ihre Nachahmung in der Absetzung Friedrichs II. auf dem Koncile zu Lyon. Für den Augenblick hatte letzterer freilich alle Ursache, den Ausgang jener Verhandlungen als einen Sieg zu betrachten, da nicht blos der Anlauf der Gegenpartei abgcwicscn, sondern auch ein Gesammturthcil der christlichen Welt erzielt war, welches nothwcndig eine gewaltige Wirkung zu seinen Gunsten üben mußte. Hatten Ottos Anhänger und ganz besonders die in Italien bis dahin noch an die Möglichkeit eines Umschwunges im Ccutrum selbst, an eine Sinnesänderung des Papstes glauben können, so war nun jeder derartigen Hoffnung für immer der Boden entzogen: der Beschluß des Koncils stand auch für den Papst gut. Jetzt hat auch die Stadt Neapel sich endlich vom Kaiser losgcsagt -); jetzt brach die Herrschaft des Herzogs Dipold in Spolcto so vollständig zusammen U, daß er sein Glück lieber nochmals auf dem Boden des apulischc» Königreiches versuchte; jetzt kommt auch in Oberitalien der Namen König Friedrichs mehr zur Geltung ch, und wenn die mailündische Städtegruppe dabei beharrte, den Namen Otto's IV. ins Feld zu führen, so geschah es eben nur, weil man einer sie von den Gegnern unterscheidenden Fahne bedurfte. Jnuoceuz wenigstens hat jene fortdauernde Parteinahme für den Kaiser nicht mehr als eine ernstliche betrachtet, und als er nun zum Besten des beschlossenen Krcnzzuges in der Lombardei Frieden zu vermitteln sich bemühte, nahm er darauf weiter keine Rücksicht, ob die einzelnen Städte für Friedrich II. oder für Otto IV. waren. Die erste Spur dieser neuen päpstlichen Politik — bei welcher wohl auch der Hintergedanke maßgebend gewesen sein mag, eine Einigung aller Lombarden könnte unter Umständen auch Friedrich st So scheint mir der Hergang gewesen zn sein, nach den abgerissenen Notizen bei Il/oo. 1. L.: /tun. islst.t. K. <4. 8s. V, 159; Kein. 4aoä. iv. XVI, 674; Xnn. 8xir. iv. XVII, 84; LIrron. 8amxetr. p. 57. — Ich schreibe hier keine Koncilsgeschichte, sonst würde auch die Stelle des Knttlr. Inaris. Inst, ininor sä. Naääen II, 17! (Zusatz zn IIo§. äs Vsnä. sä. Voxs III, 260) geprüft werden müssen: Hüino mitsm tsrnporis solntnm sst eonoilinm Asns- ralv. I'npa. vero prslntis >mt6ntil>us liovntiam i-c>mtrianäi minima eon- osssit; immo ,-r sin^ulis nuxilinm in pesnnin postnlavit, c,nam reaessuri sum vintiois oogsbnntnr n msroatorivns enriv lios. änris eonäitirnrilms mntnnro. lüt sis enm Vsnsüietionv pnpnli kul zrroprin rsmsarnnt. Kürzer in der trist, malen- sä. Onarä II. V.'15. — Erzbischof Sigfrid von Mainz war noch >8. Dec. in Rom. Wirt. Ilrkbch. III. !4 irrig zu 1214. S. o. S. 406 Am». 2. st Wie, davon wissen wir auch nicht das Geringste. Vgl S. 407. st In Vomposia z. B., wo bisher nach Otto IV. gezählt war, wird nun nach k'säsrisns Ilngerius äs liomnno imperio datirt. 4eäsi-iei, Ooä. äizrl. ?omxos. itlss. Italien während des deutschen Thronstreites. 425 gegenüber nützlich werden — ist jene Fricdensmission des Capellans Pellcgrin im Semimer 1215; sie tritt deutlicher hervor in der am 29. Decembcr 1215 vollzogenen Aufhebung des noch auf Piacenza lastenden Interdikts ^), welche damals auch Wohl Mailand und den anderen Verbündeten desselben zu Theil geworden sein wird ?). Es fragte sich nur, ob diese Städte geneigt sein würden, nun auch ihrerseits das zu erfüllen, was Jnnoccnz von ihnen erwartete und verlangte; die erste Probe aber, die er mit ihnen machte, fiel sehr ungünstig ans. Tenn als er im Mai 1216 durch gewisse Kardinale den Placentincrn und Mailändern den Befehl zngehen ließ, Pavia nicht weiter anzugrcifcn und Frieden zu halten, da nahmen jene Gemeinden lieber wieder das Interdikt auf sich, als daß sie ihrem Belieben und ihrem Hasse entsagt hätten. Größeren Erfolg hatte die dem Patriarchen Wvlfgcr von Agui- lcja übertragene Friedcnsstiftung in der östlichen Mark, wo bei Gelegenheit eines im Jahr 1214 von der Stadt Treviso gegebenen Festspiels Padnancr und Vcnetianer so hart an einander gerathen waren, daß darüber die Städte selbst zur Fehde schritten ch. Wolf- ger aber stellte in der That im Jahr 1216 den Frieden zwischen Venedig und Treviso -u, und Venedig und Padua glücklich wieder her. Ter Umstand, daß die Partei der Este wegen der Jugend Azzo's VII. eines Hauptes entbehrte, wird dazu beigetragen haben, daß in der Mark eine verhältnißmäßige Ruhe sich erhielt. Aber der Seekrieg zwischen Venedig und Pisa auf der einen und Genua auf der anderen Seite mußte vor Allem ein Ende Inn. Ulao. Onslli p. 431. Wir sehen daraus, das; die Aufhebung des Interdikts, welche der Bischof von Parma vollzog, von den Gesandten Piä- cenzas auf dem Koucilc erwirkt war. ") Das ist daraus ;n schließen, daß das Interdikt 1216 für Piacenza und Mailand erneuert wird. In». lUaeont. I. e. dnlvan. Vlnmma, illnr. XI, 686 weiß noch mehr, daß die Kardinale den Mailändern befahlen, (pnoU liogsrio l-VUerioo pmrarent nnxilinm contra Ottonom. Darum hat es sich bei jenen päpstlichen Pacificationen nie gehandelt. Die Kardinäle werden nicht genannt; cs sind aber unzweifelhaft dieselben, ans welche folgende päpstliche Briefe sich beziehen. l!n- brieo 11t. pontit'. a. XIX nr. 177: potsstati vt popnlo Lloäiol., otestatikns, mngnatidns et poxnlm I-oin- Irnrclis. 'I'Iieiner. illon. 8lav. meriU. I, 69. IlolnnUin I. e. 13 ff. p. 45; Inn. 8. ünstinnv p. 151. 1216, April 9. ^linotto II, 35. Tie päpstliche Bestätigung: UottU. nr. 5279. °) vancluli oliron., >lnrnt. XII, 339. 340. Beurkundung des Podcsta von Padua April 22. I'.nttnMni p. 63. — Um den Thronstreit scheint sich Venedig nicht sonderlich ' bekümmert zu haben. Ans Otto's Brief an Wolfger 1212, Juli 30. Ietn iinp. p. 232 ergiebt sich, daß er über die Stellung der Republik noch im Unklaren war. Aber sie war eher für ihn als gegen ihn. Der Doge Petrus Ziani heirathete 1213 Konstante, eine Tochter König Tankreds, OanclnI. p. 338; die Bcnctianer hielten mit dem kaiserliche» Pisa zusammen gegen Genua, Jim. 4 an. p. 136, und haben erst Mär; 1218 Frieden geschlossen, ibicl. p>. 139. 426 Viertes Buch, Kapitel I. 1216. haben, wenn überhaupt der Kreuzzug zu Stande kommen sollte, und wie Friede auf dem Meere, ebenso mußte auch auf den Straßen Frieden sein, aus welchen die Pilger zu ihren Sammelplätzen zu ziehen hatten. Da alle Ermahnungen aus der Ferne nichts wirkten, glaubte Jnnoccnz für den heiligen Zweck, der seine Seele jetzt ganz erfüllte, mit seiner mächtigen Persönlichkeit eintreten zu müssen Z. Er machte sich selbst nach dem Norden auf; im Mai kam er nach Perugia. Hier ergriff ihn ein Fieber, dem er Samstag den l6. Juli unterlagt). Es erfüllte sich an ihm der Bibelspruch, welchen er, gleichsam seinen nahen Tod ahnend, zum Texte seiner Eröffnungsrede des Koncils gewählt hatte, Ev. Luc. XXII, 1ö: „Mich hat herzlich verlangt, dies Osterlamm mit euch zu essen, che denn ich leide". Begraben wurde er am folgenden Tage im Beisein von sechszehn Kardinälcn und vieler Erzbischöfe und Bischöfe und zwar in der Kathedrale S. Lorenzo in einem marmornen Sarkophage unter dem Fenster bei dem Altar des heiligen Herkulanus von Perugia, den er selbst noch am 5. Juni geweiht geweiht hatte b). Er war ein Mensch gewesen von hervorragenden Talenten, großer Beharrlichkeit, einem Alles, das Geringe wie das Große, umfassenden Geiste, „so gewaltig in Wort und That, daß er, wie ein Jüngerer meinte, die ganze Welt unterworfen und zu einem Glauben gebracht Hütte, wenn ihm noch ein Jahrzchcnt beschicden gewesen wäre"'Z. Seine geistigen Eigenschaften haben stets die größte Bewunderung tz Llartiui Opxav. odrou., LI. (4. 8s. XXII. 438. 2) Der Todestag ist gegen abweichende Angaben gesichert durch die Encpc- lica Honorius III. 1Ia)m. 1216 Z 18. 10 und durch die Aufzeichnung bei Lla- riotti (s. folg. Amu.). lieber die Krankheit berichtet ausführlich Ouill. Lrito p. 109: wsrtia.us.iu passus st iu drsvi ouratus, msäieis iAuorautidus, iuoi- äit in aeutsiu; rzuam sum innltis äisdus tovisset uss a oidis, czuidus iu magna czuautitats sx eousustuäius vssssdatur (das stimmt nicht mit der sonst bekannten Lebensart des Papstes), utpots illius sgrituclinis iguarus, adstiusrst, clsiuuin paral^si zisroussus st aä ultimum in Istdargiam ^ro- iapsus vitam linivit. si Zeitgenössische Notiz in einem Hecks der didl. satdsär. zu Perugia bei Llariotti, 8aggio eil msm. istor. I^srug. I, 2 (18061 zi. 122. Daraus erklärt sich das Mißverständnis; der Xuu. s. IZsuigni viviou. LI. O. 8s. V. 48: sepultus in sselssis s. Hsroulani. Es giebt allerdings eine Kirche dieses Namens im Bezirke der Porta S. Pietro. Das ursprüngliche Grabmal besteht nicht mehr; die Gebeine Jnnocenz' III. ruhen jetzt mit denen Urbans IV. und Martins IV. zusammen in einem Sarkophage hoch an der Wand der Dom- kapelle S. Stefano, nach der darunter befindlichen Inschrift ad duius tsmpli sasrario dus translata Xuuo LI. 1). OX. — Am Tage des Begräbnisses kam Jakob de Vitry in Perugia an. Er erzählt in cinem Briefe Llsm. äs laeaä. äs LruxsIIss XXIII, 30: papam Innoesutium iuv°sni inortuuiu, ssä uss- clum sspuitum, czusm äs uosts czuiäam turtivs vestimsutis prsoiosis, eum guidus (vestitus?) erst, spodavsruut. Lorpus autsm eins kers uuäuin st istiäum in svsissia rsliczusrunt. lügo autsm essissiam intravi st osuiata liäs soguovi, czuam drevis sit st vaua duius sseuii lailax gloria. Weltchronik sse. XIII., verarbeitet im dibor äs temporidus, Ooä. üst. bei Dove, Doppelchronik von Reggio S. ISO. Italien während des deutschen Thronstreites. -127 erregt; sein Charakter schließt Bedenken keineswegs ans und sein Tvd hat nicht überall ansrichtige Trauer erweckt'). Der päpstliche Thron blieb nur einen Tag^ verwaist. Unter dem Drängen der Pcrngincr schritten die anwesenden Kardinale sogleich zur Wahl, für welche die Bischöfe von Ostia und Praeneste von den übrigen Vollmacht erhalten haben sollen : schon am 18. Juli wurde der Kardinalpresbytcr Cencins Savelli von S. Johann und S. Paul als Honorins III. zum Papste ansgcrufcn. Am 24. Juli empfing er, noch in Perugia, die Weihes. Auch Cencins war wie sein Vorgänger ein literarisch gebildeter Mann°), der obendrein schon 1192 sich als Kämmerer der Kirche durch Abfassung des berühmten Zinsbuches derselben ch verdient gemacht hatte. Außerhalb der Kurie aber war er in den letzten Jahrzehnten nicht verwendet worden und er war schon stark vom Alter gebeugt ^), als man ihm den Platz des in voller Manneskraft dahin geschiedenen Jnnocenz anwics. Manches wurde nun anders. Während jener sich stets im Kreise seiner zahlreichen Verwandten bewegt und diesen allerlei Vvrthcile in der Kirche und in der Welt zugcwendet hatte, vermögen wir in der näheren Umgebung des neuen Papstes 1) Onill. Ilrito p. 110 von einseitigem französischen Standpunkt, weil Jnnocenz damals für England einschritt: Vinis eins, epria in inultis usgotiis ri^orem nimiuin opram inaxims attenäers viäsllatur, Istniam potins czuam tristitiam Asnsravit suviostis. Bgl. die Legende in Vüom. Oantipr. Vita s. Iwrtgaräas II s. 7, aus welche Chcrricr anfincrksam gemacht hat, und welche zeigt, daß man den Papst langer Purgation bedürftig glaubte. Dem gegenüber ist an den Nachruf II^ss. äs 8. Osrm. p. 338 zu erinnern: 8i spssism, si msntis opss, sl munsra linAus ^.ttsnäos, oeäst liugua saästczus stidus. ülartinus I. e. 2) Forschungen z. dcntschcn Gesch. XV, 376. *) äasovus äs Vitriaso l. e. Vnn. (Iseean. p. 300. Bgl. die Encyc- lica vom 25. Juli ?. nr. 5317 f. in vielen Ausfertigungen unt kleinen Abweichungen je nach den Adressaten. Bgl. l'ressutti p. 27. 28, wo ancb die an Friedrich II. gerichtete erwähnt wird, lieber den Ursprung der eigentlich erst mit Honorins III. in die Geschichte eintrctendcn Savelli s. Grcgorovius V., 117, wo übrigens auch, was das Verhältnis; des neuen Papstes zu Friedrich II. betrifft, Cencins mit dem Kardinal Cinthins verwechselt ist. Vgl. oben S. 22 Anm. 4. °) Vottü. lieg. pont. p. 468 vgl. ur. 7129. X. ülai, 8pioil. Ilom. V, 239 führt als sock. vidi. 8essor. an: Ilonorii paps ssrmouss äs tsmpors, äs sanstis, äs variis ksstis, und bemerkt: Haas äisuntnr in 8srmous äs rosa aursa parum äiilvrunt all üs, Iag. H(otlriüns äs ^.naAuial soriptor st tamil. 1216. id. p. 54. 55. IVillsIrnns ssrizit. st tarn. 1217. id. p. 92, seit 1220 8. II. ff. viss- sauo. Forsch. S. 253. ff ^rm. Lsseaii. Sein ostiarius wurde ein Römer Petrus Capotins, also ans einer bisher die Opposition führenden Familie. LnIIar. Ilom. III, 326. Derselben gehörte auch ein Capellan des Papstes an, Johann 1219—1224. Lavioli IIV, 413 . Pdsinsr I, 81. ff Roch ans Perugia. Krsssutti p. 29. ff Kottd. nr. 5329 mit irrigen Daten; nach Kress, p. 15 aus Narni, also s. Ang. 22—24. Vgl. idiä. p. 31. Wartens, st'dss. anseü. I, 852. Italien wahrend des deutschen Thronstreites. 429 Bologna und Facnzci, weil sie gegen päpstliches Verbot den Cese- naten bei einem Einfälle ins Gebiet von Rimini Hülfe geleistet hatten i). Salingucrra, welchen Jnnocenz mit einigen Theilen des mathildeschen Gntes ausgestattet hatte, bekam Gelüste nach mehreren -); dem Frieden in diesen Gegenden wird es nicht sehr förderlich gewesen sein, daß Honorins ihm nun Carpi u. A. wieder entzog und unter die Obhut von Modena stellte 3). Kurz, man war am Anfänge des Jahres 1217, in welchem der auch von Honorins eifrigst betriebene Kreuzzug stattfinden sollte, noch sehr weit von dein Fricdcnsstande entfernt, in welchem Jnnocenz eine Vorbedingung für das Gelingen desselben erkannt, den er aber selbst nicht mehr zu begründen vermocht hatte. Da nahm der ihm bluts- und geistesverwandte Hugo von Ostia die Ausgabe auf sich: am 23. Januar 1217 ließ er sich von Honorins zum apostolischen Legaten für Tnscien und die Lombardei ernennen st- Sogleich kommt ein anderer Zug in die Dinge. Salinguerra wird bestimmt, sich jene Verkürzung seiner mathildeschen Lehen gefallen zu lassen b), während auch die Zukunft der Este wieder an das Papstthnm gekettet wird, von welchem der junge Azzo VII. die Mark Ancona zurückempfängt ch. Im Mai treffen wir Hugo in Genna: die Genuesen mußten ihm schworen, in ihrem Streite mit Pisa sich der Entscheidung der Kirche zu unterwerfen. Den gleichen Schwur empfing er in den ersten Tagen des Juni auf einer Tagfahrt zu Lerici von den Pisanern?). Andere geistliche Herren — natürlich im Austrage des Legaten — lassen fick) zu derselben Zeit die Vermittlung der die mittlere Pocbene verheerenden Fehden angelegen sein ch und das erste Ergcbniß ihrer Bemühungen ist, daß Pavia wieder wie im Jahre 1201 sich von Cremona lossagt, am 31. Mai einseitig mit Mailand, Piacenza und ihren Verbündeten st Tolas. p. 138. Vssi II, 294. Daß auch Reggio betheiligt war, sehen wir aus -lim. lieg. sä. Oovs p>. 160. Der durch den Einfall erzwungene Friedensvertrag umfaßt einerseits Bologna, Cescna, Reggio, Faenza, Forli, Bcrtinoro und Ferrara, andrerseits den Bischof Ventura und die Stadt Rimini, Fano, Pcsaro, Urbino, die Grafen von Montefeltre und Carpegna. Lnviolilir, 370. Vssi j). 300. 306. 2) Vlivinsr, Ooä. äixl. äom. Icinx. I, 46. Ebenso der Bischof von Ferrara, I'ress. p. 38. idiä. I, 47. Vgl. Vottli. nr. 5404. Vamassstti, Lull. Itoin. III. 314. Nach Vottli. nr. 5440 scheint die Ausdehnung der Lcgation auch auf Ungarn beabsichtigt gewesen zu sein. lieber Hngo's Aufenthalt in Perugia s. illnriotti I, 2 x. 429. Erneuerung der Belehnung 1217, April 27. 4'ksinsr I, 48. Vgl. Ho- norius 1218, Jan. >9. V. ar. 5671. b) April 14. Voinnssstti p. 326. 's ^nn. ä:ui. p. 138. Hugo scheint noch Juni 16. in Genna gewesen zu sein. Die Entscheidung des Streites fand nachher in seiner Gegenwart zu Rom statt, s. 4.NN. ,1nn. I.'o. und die päpstliche Beurkundung Dcc. 1. V. ur. 5626 nebst dem folgenden Notariatsinstrnment. ^nn. änn. 1. e. 430 Viertes Buch, Kapitel I. 1210 —1218. Frieden schließt und cnn 3. Juni jedem Befehle Mailands und Piaccnzcis, auch in Betreff „des Zwistes mit dem Könige von Sici- licn", zu gehorchen schwört-). Alle bisherigen Verbindungen in der Lombardei werden aufgelöst, neue in der auffallendsten Weife geschaffen, indem die Kirche, unabsichtlich oder in Erwägung der Zukunft, durch ihre Bemühungen um Pacificativn doch nur die Macht derjenigen stärkt, welche zunächst ihr noch gegennberstehcn und noch jetzt in allen Aktenstücken ch den von ihr gestürzten Welfen als den rechtmäßigen Kaiser anerkennen, und das auf Kosten der anderen Städte, welche dem von ihr erhobenen Friedrich anhängen. Crc- mona und Parma haben nun fast allein den Anprall der Gegner auszuhalten ch und müssen cs schon für Gewinn achten, daß die Consuln von Piaccnza für sich mit ihnen am 18. Januar 1218 einen Separatstillstand auf zehn Jahre schließen, bei welchem beide Bheile sich jedoch Vorbehalten, auch ferner ihren Verbündeten bci- znstchen und, falls Otto IV. oder Friedrich II. ins Land kommen, diesen ihre Pflichten zu leisten ch. Aber dieser Vertrag gelangt nicht einmal zur Ausführung; er wird von der Bürgerschaft Piaccnzas für unverbindlich erklärt, weil die Consuln ohne Wissen der Mailänder und ohne Zustimmung der meisten Nobili und des Po- polo gehandelt haben, und am 24. April ziehen die Placentincr, vereint mit den Mailändern und ihren alten Bundesgenossen, miss Neue ins Feld ch. Doch auch dieses Mal werden sie von den Königlichen, den vereinigten Truppen Cremvnas, Parmas, Modenas und Reggios am 7. Juni bei Zibcllo besiegt"). Tie allgc- 0 idicl.; /Vnn. Lias. Ouslti p. 434. Eine Reihe von Aktenstücken aus dem Mai über die Verhandlungen zwischen Vercclli, Mailand, Piacenza und Pavia bietet Oaoviaoonti, 8n,nin. mon. Vors. p. 90. 100. Am 12. Okt. verbünden sich Vercclli und Alessandria, außer gegen Pavia, und mit Vorbehalt der liclelitas imp. Otlmnis und der Verpflichtungen gegen Mailand, Novara, Jvrea, Turin, die Grafen von Savoyen u. A. ilncl. p. 103. 2) Xotas s. (Isoi-Aii illsckiol. p. 380. Oaeeiaeonti p. INI. Privaturkundcn z. B. aus dem Gebiete von Ferrara sind datirt: 1217 tsmpors cliosorclis orts intsr <1. Ilonorium p. st ci. Ottonsm imp. Rom, Staatsarchiv, Verkam, vol. I nr. 20—22. Como hatte 1216 sich Friedrich II. zngewendet und Juni 15. von diesem die Appellationsgerichtsbarkeit erhalten pro tiäsi ssrvitio, cpiock sivitas vsstra in proximo nodis sst kaetnra. Llber 1217 ist Como wieder unter den Feinden Cremona's, welches jene zwischen Azzancllo und Genivolta besiegt. 4.nn. Orsmon. p. 806; 8eliiavina p. 152. Daß Crcmona selbst dabei von inneren Unruhen heimgesucht war, lehrt Honorius 1217, Fcbr. 18. -Vota imp. p. 640, aber auch, daß eine Schmähung Cremona's und seiner Partei wenigstens nicht in des Papstes Absicht lag. Ob aber in der Hugo's? Xsta imp. p. 641. Xnn. lUassnt. p. 435: clis lilartis, 4. Kal. Vaclii, in Issto U. Oeorgii. Dienstag fällt ans April 24., an welchem in Oberitalien S. Georg gefeiert wurde; es ist also 8. Kal. Llaclii zu lesen. 0 Xuu. Llaesnt. l. s.; Xnn. Orsmon. p. 806; Xnu. Lärm. p. 666; Vnn. lieg. sei. Oovs p. 161; 8eIUavina p. 152; Lsiron. blntin., illnrat XV, 558: Lrsmonsnsso kavusrunt sarosium Vseiiol. aU Oastrnm novnm cks Losen ci'Xclcla. Die Annalen von Cremona erwähnen davon nichts. Schirrmacher hat Juni 1.; an diesem Tage aber überschritten die Mailänder erst den Po. Der Schlachtort liegt nämlich ans dein rechten Ufer, zwischen Cremona und Parma gerade in der Mitte. Italien während des deutschen Thronstreites. 431 meine Pacification, zu welcher der Kardinal Hugo ausgczogcn st, war vollkommen gescheitert und zwar unverkennbar nicht daran, daß die Kirche sich der mailändischen Städtegruppc zu wenig, sondern vielmehr, weil sie sich ihr zu sehr entgegenkommend bezeigt hatte. Das im Verlaufe der Verhandlungen aufgehobene Interdikt mußte im Juli 1218 aufs diene über die widerspänstiacn Städte verhängt werden st. Sie hatten, da inzwischen Otto IV. selbst gestorben war, jetzt gar keinen Vorwand mehr für ihre Opposition, sei cs gegen das Friedenswcrk, sei es gegen die Anerkennung Friedrichs II. Die letztere aber war durch das eigenthümliche Verhalten der Kurie jedenfalls nicht gefördert worden. st Hngo war 1217. Dcc. 1. jedenfalls wieder an den päpstlichen Hof zu- rückgekoinnien, s. o. S. 429 Amn. 7. Leo, Gesch. Italiens II, 206 läßt das Interdikt durch Honorius 1218, Febr. aufgehoben werden; ich kann nur finden, daß es jedenfalls 1218, März 3. aufgehoben war V'. nr. 5712. Die Erneuerung erfolgte 1218, Juli 13. gegen Piacenza, weil dieses den Mailändern wortbrüchig beigestanden, 4t.etn p. 643, vgl. Juli 22. idicl. p. 644. Jin August wurde die Bulle von 'einem Notar Martin von Pavia dein Klerus von Genua, Tortona, Alessandria, Vcrcelli, Novara, Pavia und Piacenza insinuirt. Cremona, ^rslr. mnnioip. O. 59 i^ir. 1—6. — 1218, Juli 14. gegen Mailand 2 votw p. 644. 645 Amn. Damals wurde auch wohl Alessandria interdicirt pro so, cznoci rssistontibus parti rs^is eontra. proüiditiousin apost. acllrsssrnnt, s. Honorius 1218, Nov. 17. 8vlna- viua p. 174. Zweites Kapitel. Friedrich II., die römische Kurie und Otto IV., 1216 . Nachdem Jnnvceiiz III. während der ersten Jahre des Thrvn- streites sich in Deutschland allein durch die beiden Erzbischöfe von Mainz und Magdeburg hatte vertreten lassen, welche von ihm zu Legaten ernannt worden wareiV), ordnete er bald nach dem römischen Koncile den Kardinalpresbyter von S. Pndcntiana Petrus de Sasso dorthin ab und dieser nahm schon an dem Hoftagc zu Wirzburg Theil, welchen Friedrich II. um Kreuzerfindung (Mai 3.) 1216 abhielt 2 ). Die einst in den päpstlichen Ncgisterbuchern ver- zeichnctcn Aufgaben des Legaten sind leider niemals bekannt geworden; doch dürfte zu ihnen auch die Beendigung des kölnischen Schisma gehört haben, welche sich an das erstc'Anftreten desselben knüpfte. Dietrich von Hengcbach nämlich, welcher nach Rom gegangen war, um seine durch den Erzbischof Sigfrid von Mainz ausge- fprochene Absetzung rückgängig zu machen, hat dort ebenso wenig y Beide erscheinen mit dem Legatentitcl noch 1215, Juni 10, ckougolinus III, 59; Sigfrid von Mainz auch auf der Krönung zu Aachen, Juli 25. und in eigener Urkunde zuletzt Aug. 15. Rossel, Eberbach S. 170. Die Lcgation erlosch wahrscheinlich mit dem Koncile, das wenigstens Sigfrid bestickte, s. o. S. 424 Anin. 1. 2) IMVrlos lit. pont. a. XIX nr. 124 sf. bei 'I'lieiusr, Lion. 8lav. inorick. I, 67. Der Legat ist, wohl auf dem Wege zum Könige, Zeuge einer Urkunde des Herzogs Ludwig von Baiern für Kloster JndcrSdorf, s. Bd. I, 477 (wo jedoch 1216 zu lesen ists, und zwar zusammen mit Eberhard von Salzburg. , Onron. rsA. Ovlon, p. 19. Dagegen ^luu. Ool. inax. zi. 828: ln lesto npost. IMil. st ckaoovi (Mai 1) und in einer Handschrift npnck Xnrln- ueren statt Als solleiniiuis eurin wird der 'Tag auch in livA. I rül. 167- 174 von Mai 6. und 15. bezeichnet, aber im Texte, nicht in derDa- tirung, so daß die Versammlung damals wohl schon geschlossen war. Val. Ficker, Urkundcnlchre II, 363. / , n o WM, Friedrich II., die römische Kurie und Otto IV., 1216. 433 Gnade gefunden als Advlf von Altena st, welchen Sigfrid ihm zum Nachfolger gegeben hatte: die Prioren der kölnischen Kirche erhielten vielmehr von Jnnoccnz die Weisung, eine andere Wahl vor- zunchmen. Diese erfolgte am 29. Februar 1216 und traf einen Netter Adolfs, den bisherigen Dompropst Engelbert von Berg, der wie sein ganzes Haus eifrig für den stanfifchen König Partei ergriffen hatte und in seiner rücksichtslosen Energie das rechte Heilmittel für die gänzlich zerrütteten Verhältnisse des Erzstiftes mit- brachtc?). Und in welchem Sinne Engelbert, der erst wenig über dreißig Jahre alt war, Fürst zu sein gedachtes, das bekam sehr bald die Stadt Köln zu spüren, deren Bürgerschaft sich in den Wirren des letzten Jahrzchcnts an fast völlige Selbständigkeit gegenüber den Erzbischöfen gewöhnt hatte. Der Erwählte benützte einen Zwist der Schöffen und Zünfte, um Beide wieder seiner Herrschaft zu unterwerfen. Die widcrspänstigen Zünfte wurden mit einer Geldstrafe von 4000 Mark belegt, die Schöffen aber zu geordneter Rechtspflege angchaltcn; der eigenmächtig eingesetzte Stadtrath wurde aufgehoben, aber dem materiellen Gedeihen der Bürgerschaft jede denkbare Fürsorge gewidmet Z. Engelbert hat selbst ihr die Bestätigung der Befreiung von den Reichszöllen bei Boppard und Kaiserswerth ansgewirkt ch, als er sich zu jenem großen Hoftagc nach Wirzburg begab, um dort von dem päpstlichen Legaten die Bestätigung seiner eigenen Wahl und vom Könige die Regalien zu empfangen °). Der Umstand, daß der Legat später selbst nach Köln kamst, wird Engelbert bei der Befestigung seiner Autorität im Erz- bisthume und bei der Zurücknahme der unter feinen Vorgängern abhanden gekommenen Rechte und Güter wesentlichen Vorschub geleistet haben, obwohl das Pallium ihm fürs Erste von Papste ver- 9 Ucber das weitere Leben Dietricbs und Adolfs s. Laosar. Hoisterb., Latal. aop. Lolon. in Lolriner, Vontos II, 280. Ficker, Engelbert d. Heilige, S. 53 Anm. 1. st ^nn. Lol. geben den Wahltag. In Lllron. roß'. I. a. ist vor leal. wohl die Zahl ausgefallen. Laosar., Latal. I. c.; Vita Vu^olb. 1 e. 3; Vo- volel. Latal. aop. Vontos II, 261: ^lvrions p. !10I wegen der Verwandtschaft. Durchweg ist ans Fickers Engelbert zu verweisen. Engelbert erscheint als arolri- elootns zuerst 1216 Mär; 7. Lacomblet, Urkbch. II, 31. o) Laosar.. Latal. l. c. : in principio oloetionis iuvenis ezniäorn corpore, sock pruelous, äisoretus ot inaAnaniinus valcks, maZIs aniinl snl vir- tntoin tactis eznain vordis inanitostans. 9 Laosar., Vita Vngold. III c. 37. Ficker S. 87. Hegel in der Einleitung zu Köln. Chron. l, S. XXXVII. st 1216 Mai 6. Quellen z. Gesch. Kölns II, 56. st ^nn. Lol. inax. I. c. '' Laosar., Dial. inirac. VI. 28. Kardinal Petrus hat am 16. Scpt. in Koblcn; geurkundet. Böhmer, Reichs;', nr. 11. Weitere Urkunden desselben liegen nicht vor; er hat jedoch den Bischof Robert von Verdun — wahrscheinlich weil derselbe trotz seiner llntnchtigkcit nicht resignircn wollte, s. Hist, spiso. Virckun. soc. XIII. bei Lalinot, Uist. cko Vorr. II. Vronv. p. 61 — in den Bann gcthan, den Papst HonorinS III. 1217 Febr. 13. anfhcb, als Robert sich bci einer Anwesenheit in Nom zur Resignation verstand. Vrossntti p. 79. Der Leaat war 1217 Jan. 1«. wstder in Rom. Jahrt..d.otsch.G.'ss. 29 ;r, : u: 28 434 Viertes Buch, Kapitel II. 1216. wcigert wurde. Nicht als ob man in Rom an der Persönlichkeit Engelberts Etwas anszusetzcn gehabt hätte. Die Vvrcnthaltnng des PaÜinms sollte nur ein Mittel sein, um ihn zur möglichst beschleunigten Zahlung der sehr beträchtlichen Schulden zu zwingen, welche die Erzbischöfe Adolf, Bruno und Dietrich während und wegen ihrer Prozesse bei der römischen Kurie und bei römischen Kaufleuten gemacht hatten Z. Wenigstens ein Thcil derselben wird getilgt gewesen sein, als Engelbert am 24. September 1217 von dem Erzbischöfe Dietrich von Trier im Beisein der Bischöfe von Lüttich, Minden und Osnabrück die Weihe erhielt?) und als am 24. April 1218 endlich das für ihn bestimmte Pallium von Rom abging 3). Jener Hoftag zu Wirzburg, auf welchem Engelbert in den Stand der Reichsfürstcn eintrat, ist aber auch dadurch bedeutsam, daß der Krone hier wieder ein Recht entzogen ward, welches sie wenigstens feit Friedrich I., obwohl nie unbestritten genossen hatte. Dem Spolienrechte, welches durch die Goldbulle von Eger hinfällig geworden war und jetzt nochmals verurtheilt wurde, folgte das Rcgalienrccht nach, auf Grund dessen die Einkünfte eines erledigten geistlichen Fürstenthnms während eines ganzen Jahres für die Krone in Anspruch genommen wurden, so daß sie weder zur Bezahlung der von dem letzten Inhaber hinterlasfcncn Schulden noch für den Unterhalt feines Nachfolgers verwendet werden konnten H. Philipp und Otto IV. hatten auf dieses Recht schon zu Gunsten Magdeburgs verzichtet und es ist möglich, daß gerade der Wunsch des ebenfalls in Wirzburg anwesenden Erzbischofs Albrecht, von Friedrich II. eine Erneuerung jener Vcrzichtlcistnng zu erhalten 5), den U Aktenstücke über diese Schulden bei Ficker, Engelbert, Beil. dir. 12—18. Quellen z, Gesch. Kölns II, Nr. 10. 57. 58. 61 . 60. 70. 2) Östron. rog. stoion. p. 2o. h V. nr. 5761. 5762. Dazu stimmt das Ergebnis Fickers, S. 59 Anm. 1, daß die Epoche der erzbischöflichen Zählung Engelberts nicht lange nach 1218 Mai 13. zu liegen scheint. st Beurkundungen über die Aufgabe des Spolienrechts für Magdeburg, Wirzbnrg, Rcgensburg, Quedlinburg und Korvei lieg. Rrstl. nr. 168—170. 172. 4,cta iinp. zu 239 (Ficker, Urkundenlehre I, 179). Vgl. Scheffcr-Boichorst, Friedrich I., S. 189 ff. st Reg. strick. nr. 170; IIniU.-Rröst. I, 159. Es ist zu beachten, daß in dieser Ausfertigung für Albrecht der König uck xreees desselben zugleich die besonderen Zugeständnisse u czuistusckain nntseessoridns nostrls bestätigt, womit, wie Inhalt und Wortlaut zeigen, Otto IV. 1209 Mai 19 ls. o. S. 150) gemeint ist. Daß Albrecht überhaupt nach Wirzbnrg kam, um für seine Kirche, welche nach jener Urkunde nonnullus pro sxaltutions »ostra (strick.) pussu est solli- eituckinss et lustorss, allerlei Vortheile zn erwirken, lehrt auch Friedrichs Schenkung oon Obcrwesel, cznock olinr Llagä. eoels rseoiitnr extitisss, und Schönburg an ihn, 1216 Mai 11. Mittelrhein. Urkbch. III, 52: onin pluriinu pro nostru sit sxultations psrpvssns. Können diese Ausdrücke allgemein gedeutet werden, so beziehen sie sich wohl auch ans Albrechts vorübergehende Gefangenschaft im März 1216 (s. u.S.441). lieber seine persönlichen Beziehungen zum Rheinlande s. Bd. 1 S. 377. Auch seine Schwäger, die Burggrafen von Quer- surt, hatten Besitzungen an der Lahn rc. Mittelrh. Urkbch. III, 16.'. Friedrich II., die römische Äuric und Otto IV., 12! 6. 435 Anstoß zur Ausdehnung derselben auf alle Rcichskirchen gab. Friedrich gewährte sic, wie der die Urkunden ausfcrtigcndc geistliche Herr ihn sagen läßt, „zu Ehren des Gekreuzigten, dessen Zeichen wir an unserem Leibe tragen" und „aus der Liberalität unsers guten Willens"^). Wie aber die Freiheit dieses Willens beschaffen war, lehrt ein anderer Borgang ans demselben Hoftag. Der König hatte am 22. Decembcr 1215 für Nvrdlingen und Anderes, was an das Reich fallen sollte', die Fürstabtcicn Obermünster und Niedcrmnnstcr zu Regensburg der Hoheit des dortigen Bischofs unterworfen und zwar mit Zustimmung einiger gerade damals bei ihm weilender anderen Fürsten -). Die Herzoge von Oesterreich und Zähringcn bezeugten, daß der Tausch dem Reiche zum Bor- thcile gereiche st, und dennoch wurde er jetzt von der Wirzburgcr Bersammlung rückgängig gemacht, in welcher das geistliche Element bedeutend überwog. Kein Fürsteuthum, so lautete der fürstliche Rcchtsspruch, dem die anwesenden Edeln, Barone und Dienst- inanue» sich anschlosfcn, dürfe ohne Zustimmung feines Fürsten und seiner Dicnstmannen dem Reiche entfremdet werden st. Löblicher Eifer um das Eigcuthum des Reiches hat aber diesen Spruch viel weniger dictirt, als die Besorgnis; der geistlichen und besonders der kleineren Reichsstünde vor Mediatisirnng, wie denn viele der in Wirzburg Anwesenden auch Zeugen gewesen sind der Abtretung Nordalbingicns an Dänemark, ohne dagegen Einsprache zu erheben. Ihr persönliches Interesse war eben von letzterer nicht berührt worden und sic hatten darum geschwiegen. während mit dem vom Könige vorgeuommencu Tausche die Fürstlichkeit jedes Einzelnen von ihnen 'in Frage gestellt zu werden schien. Der Widerspruch zwischen jener Entscheidung, welche den Bestand des Rcichseigcnthums gegen Verkürzung sicherte, und den von denselben Fürsten bezeugten Beurkundungen über das Rcgalienrccht, durch welche eine Nutzung des Reiches beseitigt wurde, ist daher nur ein scheinbarer: Beide sind ans demselben Boden entsprossen. Daß aber die geistlichen Fürsten die erste Gelegenheit ergriffen, um sich allgemein einen Bortheil zuznwenden, dessen ein Genosse sich schon erfreute, das war mit den nun einmal in jenen Kreisen obwaltenden Tendenzen vollkommen im Einklänge. Offen bleibt nur die Frage, was denn den König bewogen haben mag, in die allgemeine Preisgabe eines höchst nutzbaren Gewohnheitsrechtes zu willigen. Die Besorgnis;, daß die geistlichen Fürsten sich sonst wieder dem st oll reverentinin erneelixi, cnins in nostro eorgors Uninlkunns iu- signiu — n Uono volnntutis nostrs lidvi'.alitnte. st Wirtcuib. Urkbch. III, 33 nach Orig. st Dgl. ihre Willcbricfe llieel, (lock. egiso. lintmp. I, 309 ff.: eni oon- onmbio, gn!n innAis ntilö sst iinpsrio gnnm secüssis lintisp., nssönsnm nostrnm nUIUIivntes etc. st Nachträgliche Ausfertigung vom 15. Mai des In enrin svlloinpni Lrbi- pol! gefundenen Spruches. Wirt. Urkbch. III, 13. IlniU.-IIreU. I, 164, vgl. Ficker, Urkuudenlchrc II, 363. lieber die Sache: Ficker, Rcichskirchcngut S. 37. 28 * 436 Wertes Buch, Kapitel II. 1216. Kaiser znneigcn möchten, kann cs nicht gewesen sein; denn ein solcher Umschlag war durch das Urtheil des Koncils gerade für jene ganz ausgeschlossen. Aber Friedrich mag sich von der Absicht haben leiten lassen, die geistlichen Fürsten und, so dürfen wir wohl gleich hinzusetzen, die Kurie durch sein Eingehen auf ihre Wünsche für eine bestimmte Gegenleistung zu gewinnen. Man darf nicht vergessen, daß das Regalicnrccht stets von der Kurie bestritten worden war H und daß der Verzicht auf dasselbe gerade in der Anwesenheit eines päpstlichen Gesandten erfolgte. Um dieselbe Zeit fanden damals zu Nom in Geheimnis; gehüllte Unterhandlungen statt, welche für Friedrich der Abt Ulrich von S. Gallen führte, ein Mann, der sonst sehr häufig am königlichen Hofe zu finden war und dem, wie sein Biograph sagt, gerade die schwierigsten Rcichsangelegcnheiten zur Behandlung zu- gcwiesen zu werden pflegten ^). Jnnoccnz IU. ehrte die Persönlichkeit des Botschafters durch besondere Vergünstigungen und mit Recht, denn Ulrich hatte im September 1212 durch seinen muthigen Anschluß an Friedrich II. dessen und des Papstes Sache wesentlich gefördert. In seinen Aufträgen scheint jedoch der Abt allerlei Schwierigkeiten begegnet zu sein und es dauerte einige Zeit, ehe er seinen uns unbekannten, jedenfalls aber wichtigen Zweck erreichte und dem Könige und den Fürsten gute Botschaft zurückbringcn konntet. Welches waren nun die Rcichsangclegenheitcn, wegen deren er in Rom zu verhandeln hatte? Zur völligen Sicherheit wird man da nicht leicht gelangen, aber Mancherlei scheint doch dafür zu sprechen, daß sich seine Sendung auf die Herüberkunst des Kvnigssohnes Heinrich nach Deutschland bezogen hat, welche Friedrich betrieb, sobald seine dortige Stellung durch den Entscheid des Koncils unanfechtbar geworden war, Jnnoccnz dagegen nicht ohne besondere Cautelen zulassen wollte. Eins war so gerechtfertigt wie das Andere. Wir wissen ja, welchen Werth Jnnoccnz auf die Sonderstellung Siciliens legte, und daß diese dann sowohl von Friedrich selbst als auch von den Fürsten durch die feierliche Anerkennung der päpstlichen Lehnshoheit über jenes Land gewährleistet worden ist. Sie hatte in gewissem Sinne ihren Ausdruck darin gefunden, daß die Königin Konstanze zugleich im Namen ihres zum Könige von Sicilicn gekrönten Sohnes dort die Regierung führte, während allerdings auch Friedrich sich nach wie vor König von Sicilicn nannte und ') Scheffer, a. a. O. S. 191. h Oonr. äs I?nbnrin, Lnsus s. knlli, ^l. (-. 8s. II, 171: tzulä^niä in orrusis sudtils et in rsß'ni negoeiis, nostro inänAnnäum reservnüatnr ndünti. h idiä.: Ipss Itoinnnr vsnisns in cnnetis, propter spis vsnsrnt, ns- Zotiis rsAni tnlsin ss sxlriduit, nt niinio ornniuin vsnsrnrstur nll'sstn st intnlnm pro vitn snn Asrsnänrn gratis äs Innoeeutio rseipsret. Die us- goti«. i'Stz'ist werden nicht näher bezeichnet. ibiä. : leiuito uSKOtio, pro yno vsnsrnt, innltis npostolioo X6NÜ8 trnnsnässis, nnetns üsneäletions ipslns nä proprln reiuenvit, rs§i ne prin- eiplbns Iionurn, pro ppro ivernt, nnnvium reportnus. Friedrich II., die römische Kurie und Otto IV., 1216. 437 als solcher nicht blos gelegentlich von Deutschland ans thätig war, sondern sogar einen Reichsfürstcn als seinen Legaten dorthin abordnete. Friedrich war, da die Kurie bei seiner Erhebung zum künftigen Kaiser Anderes nicht ansgemacht hatte, noch immer der rechtmäßige Träger des sicilischen Lehens, der ausschließliche mindestens bis zur Mündigkeit seines Sohnes. Mit anderen Worten: während die päpstliche Lehnshoheit über Sicilien von keiner Seite bestritten wurde, bestand doch auch die Union desselben mit dem Kaiserreiche in der Person Friedrichs völlig zu Recht, aber freilich mit dem wichtigen Unterschiede, daß jene eine dauernde Institution war und sein sollte, diese jedoch nur zeitweilig von der Kurie zn- gclassen worden war. Als letztere im Jahre 1212 vor Friedrichs Abreise nach Deutschland die Krönung des kleinen Heinrich zum Könige von Sicilien vcranlaßtc, hat sic dabei vielleicht schon die künftige Auslösung der ihr jedenfalls sehr unbequemen und nur von den Umständen abgezwnngcnen Personalunion angestrebt; sie batte aber unzweifelhaft ein Recht zu verlangen, daß ohne ihre Einwilligung Nichts geschehe, was dazu helfen konnte, den augenblicklichen Bestand in einen dauernden übcrznlcitcn, und sie machte dieses Recht aufs Nachdrücklichste geltend, als Friedrich die Ueber- sicdlung seines Sohnes, das heißt, die förmliche Verlegung der sicilischen Regierung nach Deutschland betrieb. Der Gang der Dinge scheint mir nun folgender gewesen sein. Nach dem günstigen Ausfälle der Koncilsverhandlnngen sandte Friedrich den seiner Frau verwandten Grafen Albrecht von Ever- stcin nach Italien, um im Verein mit dem Erzbischöfe Berard von Palermo, der sich schon dort befand, die Königin und ihren Sohn nach Deutschland zu geleiten U Die Reise derselben verzögerte sich, weil der Abt von S. Gallen, der sich gleichzeitig nach Rom begab, um die Einwilligung des Papstes zu erwirken, dort auf Gegenforderungen stieß, zu deren Erfüllung er wohl nicht bevollmächtigt war. Die eine dieser Forderungen mag die Verzichtlei- stnng auf das Rcgalienrccht gewesen sein, welche schließlich durch das Zusammenwirken der geistlichen Fürsten und des am königlichen Hofe weilenden Legaten erreicht wurde; eine zweite aber scheint ihre Befriedigung in Friedrichs Urkunde vom l. Juli 1216 gefunden zu haben, mittels derer die Kurie gleichsam nachholte, was sie bei der Erhebung Friedrichs auf den deutschen Thron versäumt hatte. Sobald er selbst die Kaiserkrone erlangt haben b Oliron. 8ionl. drovo Ilnili.-IIrei:. I, 894. lieber Albrechts Verwandtschaft mit Konstanze s. o. S. 279. Er erscheint zuletzt 1215 Dcc. 22. am Hofe, Ilox. I'r. NI-. 157. Freilich heißt cs in Friedrichs Versprechen an Philipp von Bolanden, Ilex. nr. 198 ä. ,az,r. 17., n. 1217, incl. IV. das ich nach der Jn- diktion zu 1216 ziehe: et nt Noe lirinnin sit cleciiinus ei ticlsinssorss, nämlich den Bischof von Speicr, den Bischof oon Worms, den Grafen Albrecht von Eversten: n. A.; ans die Anwesenheit des letzteren aber braucht daraus nicht gerade geschlossen zu werden. Der Bischof von Worms war jedenfalls nicht an« wesend. — Berard von Palermo war schon znm Concil nach Rom gegangen, s. 0 . S. 422 Anm. 4; S. 424 Anm. 2. 438 Viertes Buch, Kapitel II, 1210, werde, verspricht er seinen Sohn ans der väterlichen Gewalt zu entlassen, sich selbst nicht mehr König Vvn Sieilicn zu nennen und die Regierung dieses Landes bis- zur Mündigkeit Heinrichs einem im Einvernehmen mit dem Papste zu bestellende» Verwalter zu übergeben, „damit man nicht daraus, daß er zugleich das Kaiserreich und das Königreich inne habe, schließe, das Letztere habe irgend eine Union mit dem Erstercn, weil ans solcher sowohl dem apostolischen'Stuhle als auch seinen eigenen Erben Nachthcil entstehen könne" U- Jn diesem Versprechen liegt in der That eine Weiterentwicklung der früheren Verträge und zwar zu Gunsten der Kurie, in- dem Friedrich nicht nur die Realnnion verwirft, welche eigentlich allein von jener Begründung -getroffen wird, sondern auch die Personalunion aufzugebcn sich bereit erklärt, wenigstens vom Augenblicke der Kaiserkrönung an. Wie sich beide Theile das künftige Arrangement dachten, laßt sich schwerlich mehr ansmachcn; wir haben aber jedenfalls in der Urkunde vom l, Juli 1216 einen festen Rechtsbodcn, von dem aus die weitere Entwicklung mit Sicherheit beurtheilt werden kann, Friedrichs Versicherung, daß er eine Union der beiden Reiche als schädlich für seine eigenen Erben erachte, war, wenn wir sie zunächst auf die Realnnion, auf die einst von seinem Vater geplante Einverleibung Siciliens ins Kaiserreich, beziehen dürfen, sicherlich eine durchaus aufrichtig gemeinte: er selbst hat in späteren Jahren zwar italische Reichstheile enger mit dem sicilischen Königreiche zu verknüpfen versucht, aber er ist niemals darauf ansgcgangen, dieses dem Kaiserreiche zu in- corporiren und von dep Geschicken desselben abhängig zu machen. Bei der Unzuverlässigkeit der deutschen Fürsten konnte es doch noch ein Mal für seine Erben wichtig werden, daß die Nachfolge in Sieilicn sich unabhängig von der Nachfolge in Deutschland vollzog. Anders freilich ist Friedrichs Stellung gegenüber der Personalunion. Er hat in jener Urkunde allerdings auch auf diese verzichtet, aber er hat auch selbst später zugcstanden, daß er von Anfang an die Wahl seines Sohnes, des Königs von Sieilicn, znm römischen Könige erstrebt habe^), welche mit der Fortdauer der Personalunion gleichbedeutend war. Ein solches Streben war so natürlich, so selbstverständlich, daß man schwer begreift, wie ein Jnnocenz III. es nicht geahnt und vorausgesetzt haben sollte, und weshalb er anscheinend Nichts gethan hat, um von Friedrich eine ausdrückliche Verzichtlcistung auf die Nachfolge seines Sohnes im Kaiserreiche zu erhalten. Rechnete er auf die Abhängigkeit der geistlichen Fürsten von Rom, welche sich eben gegen Otto IV. erprobt hatte, oder auf die Abneigung der Fürsten überhaupt gegen -) LI, (4, USA, II, 228, Iluill.-Ilrdl, I, 160. st Friedrich >220 Juli 13, Huill-Ilrsli, I, 802: lu eouspeotu dsiusutis vssti-o iutiduri uev possuiuus uee dsdeiuus, uuiu oi-A.-r proiuotionviu uuid ülii uosli-i, tkuiuiiruiu cjui i^suiu puternis uusdidus uou possuiuus irou Liuuro, ludoruvLriiuus Iiudeuus luxtu i>osss. Friedrich II., die römische Kurie und Otto IV., 1216. 439 die Vererbung der Kremes? Tic Rechnung wäre sehr unsicher gewesen. Eher möchte anzunehmcn sein, daß Jniwceuz eine sulche Erklärung gar nicht verlangt hat, etwa ans Scheu, die Fürsten durch eine Vvrausbcschränkung ihres Wahlrechts gegen sich ansznbringen, vder daß Friedrich eine Verzichtlcistnng auf eine Möglichkeit verweigert hat, deren Verwirklichung in erster Linie gar nicht von ihm abhängig war. Wie dem auch sei, der Wvrtlaut des königlichen Versprechens vom 1. Juli wird zwischen Jnnoccnz und Friedrichs Bevollmächtigten, dem Abte von S. Gallen, schon festgestcllt gewesen sein, als letzterer mit „guter Botschaft" nach Deutschland zurückkehrte ^), aber cs war Jnnoccnz nicht beschicken, den Werth jener Versicherungen zu erproben. Als die Ausfertigung derselben anlangte, weilte er nicht mehr unter den Lebenden. Zu der Zeit, als Abt Ulrich seine Mission für beendet ansah, waren auch die Hindernisse beseitigt, welche die Uebcrsiedlung der Königin Konstanzc und ihres Sohnes bisher verzögert hatten: im Juli 1216 traten sie ihre Fahrt nach Deutschland an ^). Bis S. Enfemia an der westlichen Küste von Calabria ulteriore nahmen sie den Seeweg; hier aber trennte die Königin sich von Heinrich, welcher unter dem Geleit des Reichsadmirals Wilhelm Porcus, des Erzbischofs von Palermo und des Grafen von Everstein zu Schiffe über Gacta H nach Genna wcitcrging, während sie selbst den Landweg einschlng und, überall mit großen Ehren ausgenommen, über Faenza und Bolognas in Reggio") eintraf. Hierhin ließ sie von Genua ihren Sohn kommen, welcher wegen der feindseligen Haltung Piaecnzas einen weiten Umweg über das Gebirge machen mußte. Bei dem Kloster S. Pcregrino an der Grenze des Bisthums Modena nahm ihn der dortige Pvdcsta Frogcrius de Corrigia aus Parma in Empfang und geleitete ihn durch das Gebiet der Stadt bis mitten ans die Brücke der Guiligna, welche die Grenze gegen Reggio bildete. Da wurde der junge König am 8. Oktober 1216 9 Schirrmacher, Knrfiirstencolleg S. 23. 9 Abt Ulrich ist nicht unter den Zeugen einer königlichen Urkunde auS Konstanz vom >3. Juli bei Mone, Zeitschr. XI, 184, aber wohl am 14. in Ueberlingcn, Ilnill.-IIrelr. I, 471. 9 Konstanze urkundet im Juli noch zu Messina für den Erzbischof Nikolaus von Salerno (unqedrnckt). Hauptquelle für die Reise ist Olrrou. 8io. ürsvo bei IIuiU.-Lreü. 1, 504. Den Monat der Abreise gebe ich nach dem besseren Oocl. Xsupol. 9 It)-ee. Us 8. dorm. p. 338' erwähnt die Ankunft in Gaeta (irrig von Palermo) noch vor dem Tode des Papstes. Daß fiir Heinrich der Seeweg gewählt wurde, erklärt Schirrmacher II. 446 daraus, daß ihm vielleicht Nachstellungen drohten; aber diese Gefahren bestanden doch auch für die Königin. Den Ausschlag für den Seeweg mag die Bequemlichkeit gegeben haben, auf welche die Königin vielleicht wegen ihrer Geschäfte verzichtete. ö) lvolosnüus m 155! Olrron. miss. Ilonon. alurat. XVIII, 252. Der feierliche Empfang in diesen Städten ist auffällig, da sie ja noch Otto IV. anerkannten. 9 Xnu. IleAisnsos sä. Dovo p. 166. 440 Viertes Buch, Kapitel II. 1216. den Gesandten von Reggio und Parma übergeben '), welche ihn zu der Mutter brachten. Beide reisten nun zusammen über Crcmona nnd Eerona^) nach Deutschland, wo sic Anfangs Dccembcr mit Friedrich II. in Nürnberg zusnmmentrafen^). Jnnocenz lll. war inzwischen gestorben, Papst jetzt Honorius III., dem Friedrich persönlich nicht das Geringste schuldete und von vorne herein ganz anders sich gcgcnüberstcllen konnte. Er empfing die Anzeige von der Thronbesteigung des neuen Papstes si und ließ Monate vergehen, ehe er sie beantwortete. In der Zwischenzeit aber führte er seinen Plan bezüglich des SohncS um ein gutes Stück weiter, indem er dem Knaben gleich nach der Ankunft das Hcrzvgthnm Schwaben verlieht) und ihn damit zum Reichsfürsten machte. Eine solche engere Verknüpfung Heinrichs mit Deutschland war nun zwar nicht durch den Wortlaut der Urkunde vom l. Juli ausgeschlossen, aber doch ganz und gar dem Sinne derselben entgegen. Dennoch hat die Kurie die Einsetzung Heinrichs in Schwaben nicht angefochten, gewiß nicht deshalb, weil sie die Tragweite seiner Einreihung unter die Rcichsfürstcn verkannt hätte, sondern doch eben wohl nur, weil ihr jegliche Handhabe zu erfolgreichem Einsprüche fehlte. Man konnte doch Friedrich nicht zumnthen, daß er das schwäbische Erbe seines Hauses lieber einem Fremden zuwende als dem einzigen Sohne, dem cs mit demselben Rechte gebührte als Sicilien! Darin aber bestand gerade die Staatsknnst des erst zwciundzwanzigjährigcn und doch schon den ergrauten Diplomaten der römischen Kurie bedenklich überlegenen Königs, daß er cs verstand, Verträge hinfällig werden zu lassen, ohne daß er sie verletzte, und Thatsachcn zu schaffen, welche, so wenig sie mit jenen stimmten, sich doch nicht bestreiten ließen. Nun erst, als sein Solni in Deutschland gleichsam eingebürgert war, erinnerte Friedich sich 0 Notariatsakt in msclio alvoo tiuiuiuis bei Llurat., tintig. IV, 224 - IluiU.-IIrsti. I, 483. Linon. 8ioul. >i. 895: Xain cum ipsa esset in loin- dai-Uia. inisit pro kiiio sno, nt aU ss vsniret et sie insnnnl in Ilrsotoniam protooti sunt aä vii-nrn et patrom snum. Hier waren sie noch im Oktober. -Vnn. Llantuaui, LI II 8s. XIX, 20. 2) Vgl. ^.nn. ItsA. I. e.; LUrou. inise. Ilonon. I o.: klein. I,eoä. p.'675. li/ee. cts 8. (Isrin. setzt zwar Heinrichs Reise zu 1216, die der Königin aber irrig erst zn 1218 an. Aus den sicilischen Zeugen der Urkunden Friedrichs 1216 Dec-, IluiU.-IIrsk. I, 4>8. 492 (Erzbischof Bcrard von Palermo und Rainald Gcntile von Capna, Admiral Wilhelm Porcus, Bcrnard Gcntile, Gras von Nardo-, darf man wohl auf die Zeit der Ankunft schließen und diese wird vor 4. Dec. stattgefunden haben, da Friedrich an diesem Tage fiir die Capella Palatina urkundet. IluiU.-IIröli. I, 487. si Vom 25. Juli. Irossutti p. 28. Da mau in Wirzburg Ang. 27. schon Ilonorii p. anno primo datirte, Wirtemb. Urkbch. III, 55. muß Friedrich, der zu dieser Zeit in Mirnberg war, auch davon gewußt haben. Heinrich ist als rex 8io. vt cinx 8usvio zuerst in Friedrichs Urkunde 1217 Febr. 13., lieg. nr. 191, nachweisbar. Vgl. Gesch. K. Fricdr. Ii. Bd. I, 83 Anm. ^.uu. s. Druäperti p. 293 zu 1218 bringen das iilio sno II. Uuoo 8nsvorum Ussiguato mit der erst 1219 erfolgten allscitigen Anerkennung Friedrichs in Verbindung. Weiter heißt es zn 1220: Iloiur. guoin pritloin 8uovorum cluoein Uiei iussit. Friedrich II., die römische Kurie und Otto IV., I2IK. 441 der lang versäumten Höflichkeitspflicht gegen Honvrius III. und schickte etwa zu Ende des Februar 1217 eine Gesandtschaft nach Rom, welche sein Beileid über den Tod des vorigen und seinen Glückwunsch zur Thronbesteigung des neuen Papstes übcrbringcn sollte. Sie war zusammengesetzt aus dem bewährten Abte Ulrich von S. Gallen, dem Markgrafen Wilhelm von Montferrat, dem Domdckan von Spcier und dem Kastellan von S. Miniato, und aus dein höflich dankenden Antwortschreiben des Papstes ist ersichtlich, daß sic bei ihm namentlich auch wegen des Krcnzzugs zu verhandeln hatten welchen Friedrich gelobt hatte, aber zu dem von der Kirche bestimmten Termine unmöglich ausznführen vermochte. Denn gerade kurz zuvor, ehe jene Gesandtschaft abging, hatte es sich deutlich gezeigt, daß die Grundlagen seiner deutschen Stellung, deren Befestigung man in Nom sowohl aus Abneigung gegen seinen Gegner als auch gerade wegen seiner künftigen Bcthcilignng am Krcnzzuge gewiß aufrichtig wünschte, viel unsicherer waren, als seine äußere Geltung vermuthcn ließ. Der Kaiser für sich allein und solange er nicht irgend eine unerwartete Verstärkung erhielt, war allerdings zunächst wenig zu fürchten, da das Glück hartnäckig ihm den Rücken kehrte. Wohl fiel der Erzbischof von Magdeburg ans einer Reise von Seebnrg nach Halle wieder in die Hände der Kaiserlichen, des Hauptmanns auf Quedlinburg; jedoch seine Gefangenschaft dauerte auch dieses Mal nicht lange. Graf Bnrchard von Mansfeld, der Ritter Hagen von Fricdeberg und die Mannen von Seebnrg und Frccklcben bestürmten das Schloß Westdorf bei Aschcrslcben, ans welchem Al- brecht in der Eile verwahrt worden war, mit solchem Nachdrucke, daß die Belagerten sich des unfreiwilligen Gastes so rasch als möglich entledigten. Albrecht kam am 15. März nach Magdeburg zurück ch und empfing im Mai aus dem erwähnten Hoftage zu Wirz- bnrg von seinem Könige reiche Entschädigung für die ausgestandene Noth und Ängste). War aber mit seiner Befreiung dem Kaiser nur ein möglicher Vortheil entgangen, so traf ihn anderwärts Verlust auf Verlust. Tod und Abfall verengten den kleinen Kreis der ihm noch getreuen Geistlichen immer mehr: Bischof Harbert von ') Einzige Quellen über diese Gesandtschaft sind des Papstes Antwort 1217 Avril 8., Ilnill.-IIi'äll. I, 504, nnd Oonr. cts Vuburiu, Oasus s. dalli p. 171: (nvlms) Ilonorium pro rexui uexoeiis acliens; in beiden werden diese usxoeiu leider nicht näber bezeichnet; nach jenem Briefe bezogen sie sich auf die sxultatio Friedrichs. Der Abt nnd der Markgraf sind zusammen Zeugen in lisx. VriU. ur. 102 vom Febr. 1217 für S. Miniato, der Abt allein in einer ungedrnckten Urkunde für den Dcntschorden vom 17. Febr. 2) Schöppcnchron. S. 142 nnd Quedlinb. Stiftschronik (vocl. Lsrol. Dis^. 0. 4" nr. 65) zu 1210. Aber in der elfteren sind vorher zu 1215 Ereignisse erzählt, die in Wirklichkeit dem Jahre 1217 angchören. Eine sichere Zeitbestimmung wird erst möglich sein, wenn Albrechts Regesten vorliegen. — Cäsarius Vogt zu Quedlinburg ist 1210 März 9. Zeuge einer Urkunde Otto's IV., der leider die Ortsangabe fehlt, Ilex. Ott. ur. 186; einer uugcdrucktcn Urkunde Otto's für Volkoldcroth ei. up. Lruueswlc März 15. fehlt wieder das Jahr. °) S. o. S. 434 Amu. 5. 442 Viertes Buch, Kapitel II. 1216. Hildcsheim, der um seinetwillen dem Bunne getrotzt hatte, starb am 21. März 1216^) und der Propst von Brannschweig machte seinen Frieden mit der Kirche, welche sich dafür durch reiche Pfründen erkenntlich bewies ^). Und nun erschienen auch die Dänen im Felde ^). König Waldemar benützte den Umstand, daß das Eis der Elbe ungewöhnlich lange stand, am 3. April ch zu einem Einfalle ins Stadische; als der drohende Eisgang ihn zur Umkehr bestimmte, warf er sich mit aller Macht ans das im vorigen Jahre abgcfallene Hamburg. Er selbst baute eine Burg oberhalb, Albrccht von Orla- münde eine zweite unterhalb, der Stadt, so daß ihr auch der Verkehr ans dem Flusse gänzlich abgcschnittcn wurde ch. Die Bürger hielten tapfer Stand; als aber die Noth sie endlich zur Ergebung an Albrccht, ihren früheren Landesherren, zwang "), da war die Elbmündung endgültig für den Kaiser verloren und schon drohte ihm auch der Verlust der Weser. Dadurch nämlich, daß die rüstigen Bauern des Stedinger Landes, bisher des kaiserlichen Gcgenbischvfs Waldemar von Bremen eifrigste Helfer, den Beschlüssen des Kon- cils und einer erneuten Aufforderung des Papstes gehorsamten, s) Xssrol. Ililcksvli. Lüntzel I, 515. lieber seine Excommnnication s. Honorius 1216 Nov. 24. Würcktn'siu, Xovn snds. III, 51. Harberts Nachfolger Sigfrid, ein Mönch von Fulda, der 1218 Jan. vonsssrntionis nostrs n, t datirt, Asseburger Urkbch. Nr. 92, muß sich, um Bestätigung und Weihe zu erhalten, der päpstlichen Seite angeschlossen haben; nachher hat er sich aber auch mit Otto auf guten Fuß gestellt, P Ilsg. Ott. ur. INI. Honorius 1216 Nov. 24. s. vorher und Dcc. 19. Il nr. 5697: gni so per npsrtiosiinn rsrnin iucliein soels lios tickslein oxUivnit st cksvotum. b) Wie Lei 1215 stehen auch hier der dänische Bericht, vertreten durch ^un. Regimes x. 406 und Oliron. Onnie. Imngsbslr III, 264, und der deutsche in den Ableitungen der größeren Stader Annalen: ^.nn, 8tnck. p. 356, It,nn. Ilrsm. p. 858 und sachsenchron. K. 353 (vgl. Weiland, Forsch, z. deutsch. Gesch. XIII, 167. 184), in einzelnen Punkten sich gegenüber. Der deutsche weiß »nr von Verwüstung der Grafschaft Stade (sxpu^nnrs voluitö, der dänische aber von wirklicher Unterwerfung, wobei Odrou. Onn. sogar die näheren Bedingungen angiebt. Aber Pfalzgraf Heinrich war auch nachher unzweifelhaft im Besitze von Stade. Erzählt die holsteinische Reimchronik V. 186 von einer Verwüstung des bremischen Erzbisthnms durch den König, so ist das nicht unrichtig, da Stade bremisches Lehen war. Vgl. Usinger, Deutsch-dän. Gesch. S. 171 fs. Dehio, Erzb. Hamburg-Bremen II, >36 ff. ') ^.nu. Ursin. I. o. Usinger S. 172 nimmt an, daß diese Zeitangabe an Unrechte Stelle gerathen und auf den Rückzug der Dänen über das Elbeis zu beziehen sei. b) Holstein. Reimchron. V. 205 bezeichnet die Stellen dieser Schlösser. ^.nu. 8tnck.: ntt'svti tneckio ss cksäsrunt. Die holst. Reimchr. beschreibt sehr ausführlich den Gang der Belagerung, welche ein halbes Jahr gedauert haben soll, die Noth der Bürger und die von den Dänen nach der Einnahme verübten Gräuel. Nach der Sachsenchron. ergab Hamburg sich an Graf Albrecht, und das dürfte richtig sein, da der König N!ai 1. zu Jnrisbnrg für die Stadt Lübeck und Juli 29. zu Lübeck selbst für das Bisthum urkundet. Urkbch. d. Stadt L. I, 22, des Bisthnms I, 33. Vgl. Albrechts Urkunde sür Hamburg: Lappcnberg S. 353. Friedrich II., die römische Kurie und Litto IV., 1216. 443 Waldemar absagten und zn dem von Jnnoccuz bestätigten Erzbischöfe Gerhard übcrtraten, kamen die Bremer in solche Bedräng- niß, daß sie zu ihrem Schutze wieder deu Pfalzgrafeu Heinrich hcrbeiricfcu. Dieser konnte ihnen aber nicht viel nützen, da er selbst bald in große Bedrängnis; gerieth. Albrecht von Orlamünde kam nämlich nach der Eroberung Hamburgs nochmals über die Elbe, vereinigte sich mit Erzbischof Gerhard, besetzte Harburg und errichtete in der Nachbarschaft von Stade selbst an der Schwinge ein festes Schloß. Pfalzgraf brachte dieses zwar hernach wieder in seine Gewalt und er ist überhaupt um diese Zeit, was Rührigkeit betrifft, ganz an die Stelle seines kaiserlichen BrnderS getreten, von dessen Kriegsthatcn das Jahr 1216 auch nicht das Geringste zu berichten weiß. Aber jener kleine Erfolg Heinrichs reichte natürlich nicht ans, um den Bund mächtiger Gegner zu sprenge», welcher die Verbindung des Kaisers mit dem Meere und seinen Verkehr nach England schon sehr erschwerte. König Johann vermochte bei seiner eigenen Bedrängnis; freilich nicht mehr viel für den Neffen zu thnn , und doch war cs für seine eigene Rettung unerläßlich, daß der Kaiser wieder zu Kräften kam und in den Stand gesetzt wurde, ihm wo möglich durch eine nochmalige Diversion gegen Frankreich Luft zu machen. Johann bemühte sich daher, in Nicderlothringcn die weksisch-englischen Beziehungen der früheren Jahre zu erneuern. Hatte Wilhelm von Holland sich an dem Einfälle des französischen Erbprinzen in England betheiligt, so wandte Johann sich im Juni 1216 an Wilhelms alten Rivalen, den Grafen Ludwig von Looz, indem er ihn ermunterte zum Kaiser zurückzntreten und sich dafür verbürgte, daß derselbe seine Ansprüche ans Holland anerkennen werde Z. Mit solchen Einflüsterungen wurde jedoch Nichts erreicht! ans welchen Werth konnte in diesem Augenblicke eine Anerkennung von Seite des Kaisers geschätzt werden? Graf Ludwig wandte sich p Den Anstoß hat wohl der gegen Waldemar gerichtete Beschluß des Koncils gegeben, auf Grund dessen Jnnocen; 1216 Mär; II. den Friesen der bremischen 'Provinz für den ikampf gegen ihn Ablaß verheißt. Lgl. Jnnocen; 1216 Mai !>. Lappenberg, Hamb. Urkbch. S. 350. Schuhmacher, Stedinger S. 17». Dehio a. a. O. Vgl. die oben genannten deutschen Quellen und LUron. Dan. a. 1216 I. o. über die Ereignisse im Bremischen und Stadischen. Die letzteren fallen, wenn die Belagerung Hamburgs wirklich ein halbes Jahr gedauert hat, in den Herbst, und dafür spricht, daß der Pfalzgraf in Ilex. Ott. nr. 187 vom 8. Okt. nicht als Zeuge erscheint. Er ist Zeuge in nr. 188 ans Braunschwcig Dec. 14. Asscbnrg. Urkbch. Nr. 87, aber die Jahresangabcn dieser Urkunde sind so widersprechend, daß mit ihr 'Nichts anznfangen ist. Harburg war noch 1219 dänisch: Hamb. Urkbch. I, 375; da die Dänen nach 1216 nicht wieder über die Elbe gekommen sind, kann cs wenigstens nicht später besetzt worden sein. 2) 'Anzeichen, daß die Verbindung des Erzbischofs Gerhard mit den Dänen immer enger wurde, sind bei Usinger S. 175 angeführt. ->) Johann Juni 8. an Otto IV., Ilarcl/, Lot. Ut, xat. I, 200, und Juni 26. an Ludwig von Looz, iviä. 189: nndatirte Beurkundung des englischen Gesandten Walter Bertrand über die Bürgschaft iliicl. 200 V Hl 444 Viertes Buch, Kapitel II. 1216. lieber nach Rom und verschaffte sich von dort eine Bestätigung des bisher unausgeführt gebliebenen Beitrages von 1206, der ihm Holland zngc'sprochcn hatte Der Kredit des Kaisers in Niederlothringcn war unwiederbringlich dahin und der am 19. De- cembcr 1216 erfolgende Tod König Johanns machte den von England ausgehenden Bemühungen um die Herstellung desselben ein Ende 2). Die allgemeine politische Lage war nicht eben dazu angethan, zum Rücktritte ans die Seite des Kaisers zu ermuthigen, und doch soll Landgraf Hermann von Thüringen, durch Rncrbietnngen Otto's verlockt, einen solchen geplant habend. Wir besitzen nicht die Mittel, die Richtigkeit dieser Angabe zn prüfen, welche den von unheilbarer Krankheit hcimgcsuchten Fürsten fast im Angesichte des Todes noch auf Verrath sinnen läßt und ans Bcrrath an dem Könige, für dessen Erhebung er nicht nur selbst thätig gewesen war, sondern größere Opfer gebracht hatte als irgend ein Ändcrer. Aber waren ihm diese von Friedrich II. gebührend gelohnt worden? Der heiß ersehnte Besitz von Nordhausen ist ihm jedenfalls entgangen und von anderweitigen Entschädigungen ist Nichts bekannt. 0 S. u. Nachträge zu Bd. I S. 112. Honorins III. 1217 März 21. ?. ur. 5501 (565!!), vgl. März 22. Mai 27. ur. 25873. 25871. 25860. 2) Iu dem Friede», welche» die Vormünder Heinrichs III. am I I. Sept. >217 mit dem französischen Erbprinzen Ludwig abschlossen, wird der Kaiser nicht erwähnt. Ii)'rnoi-I, 71. lisenml XVII, I>>. Friedrich gegenüber betrachtete man sich in England als im Kriegszustände. Wenigstens heißt cö noch in der von England am 21. Juli 1218 ,s. Ilvmor 78) nachgesnchtcn, am 13. März 1220 erfolgten Verlängerung des Stillstandes von Chinon: IWx nntein lioirmnornm et 8ic. Vreel. eilt In ist» trenn», si volnerit. Iteeneil p. 772. ^ Oüron. 8nmpetr. p>. 57: Otto «lietus imperntor vires mlllne snns reenpernre gestions, peeunin. nggreüitnr nnimos i>rineh>nm oorrnm;iers, jweeipns II Inntgrnvinm sivi eonNnunrv, e,ni euin ex oronieis znwsionllins mortein sibi proximnm inetiretnr (Ilsiub.: longitnrnos tnmen somzminns vite terminos), sps tninsn psennio ltransitumi pnrat ncl ipsninz seü inors ipsnm prvveniens ete. Obwohl diese Stelle beim Jahre 1215 steht, kann sie doch nicht zu demselben cingereiht werden, wie ich es in Gcsch. K. Friedr. II. Bd. I, 67 gethan habe. Sie sicht nämlich zwischen zwei Nachrichten über den Tod Jnno- ccnz' III. und ihre chronologische Verwcrthbarkeit ist abhängig zn machen von der Bestimmung des Todesjahres Hcrmans, die allerdings vielfach schwankt. Vgl. Wcgele in Hist. Ztschr. V, 361; Cohn, Stammtaseln Nr. 68: Knochenhauer, Gesch. Thür. A. 288, 3. 288, 3. Die Sache liegt jetzt insofern einfacher, indem alle ans einen früheren Zeitpunkt als 121» Ott. 6. abzielendcn Behauptungen dadurch hinfällig werden, daß Hermann an diesem Tage noch als Zeuge IsM. lO'ill. nr. 181 (nngcdrnckt) erscheint. Rücksichtlich des Todestages schließe ich mich an Knochenhancr an. Ol,von. reg. Ool. p. 2V hat zn 1217: Imclorvieus lantgr. odiit 8. iüns njirilis. Der Spruch Walthers: Xu sol clsr Irsissr Vers, kann nicht mit Lachmann zn 105, 13 ans die 1216 beabsichtigte Wandlung des Landgrafen bezogen werden, da Waltber damals schon zn Friedrich übergcgangen war, s. o. S. 397. Wilmans in Haupts Zcitschr. Xlll, 259 wird darin Recht haben, daß er gedichtet worden sei, als Otto IV. 1212 in Thüringen einfiel, gleichsam eine Fürbitte sür den Wohlthätcr. ^ 0 S. o. S. 333 Anm. 2. Knochenhancr S. 288 weist darauf hin, daß Digfrid von Mainz, mit dem Hermann nicht zum Besten stand, bei Friedrich viel galt, und Sigsrid hat behauptet, daß Hermann im Banne gestorben sei. ^nn. lieinli. p. ,55. 160. Friedrich II., die römische Kurie und Otto IV., 1216. 445 Denkbar wäre cs immerhin und mit Hermanns Charakter wohl vereinbar, das; er nun wieder seinen Vorthcil ans der anderen Seite gesucht hätte. Sein Tod — er starb zn Gotha am 25. April 1217 — vereitelte die Hoffnungen, welche Otto IV. auf seine Begehrlichkeit gesetzt haben mochte. Da Hermanns ältester Sohn gleichen Namens schon vor ihm am 31. December 1216 gestorben ivar, ging die Landgrafschast auf den zweiten Sohn über, ans den noch nicht siebzehnjährigen Ludwig IV., welcher sich vom stansischen Könige belehnen ließ und diesem unwandelbar treu geblieben ist. Wie Ludwig, der Meinung seines Hofes entgegen, an dem Verlöbnis; mit Elisabeth von Ungarn fcsthielt"), jo ging er trotz seiner Jugend auch in der Politik einfach den rechten Weg. Hermann von Thüringen soll jedoch nicht der einzige Fürst gewesen sein, welchem der Kaiser Anerbietungen gemacht habe, und cs ist immerhin ein eigenthümliches Zusammentreffen, daß von ganz anderer Seite über Zwistigkeiten des Herzogs von Baicrn und des Markgrafen von Meissen mit dem Könige berichtet wird, welche gegen'Ende des Jahres 1216 ansgcbrvchen seien Z, und Herzog Ludwig war der L-chwagcr, Markgraf Dietrich der Schwiegersohn Hermanns. Wir erfahren leider Nichts über die Ursachen") des Streites und müssen uns begnügen darauf hinzuweisen, das; jeder der beiden Fürsten allerdings einigen Anlaß zur Unzufriedenheit geliabt zu haben scheint, Dietrich namentlich wegen der etwas zweideutigen Stellung, welche der von Friedrich II. hochgeehrte und begünstigte Erzbischof Albrecht von Magdeburg zu Leipzigs Rebellion gegen die markgräslichc Herrschaft einnahm"). Durch die Vermittlung Albrcchts war ihm schließlich am 20. Juli 1216 ein Vergleich') aufgenöthigt worden, der ihm offenbar sehr wenig be- ü Obrem. 8nnipstr. p. 58, s. o. Aum. 3. 2) ^mn. licinlmrelsbr. p. 146. Ist das Datum der bei Knochenhaucr S. 299 Aum. 2 angeführten Urkunde richtig reducirt, so scheint Ludwig nach dem Tode des älteren Bruders vom kranken Vater zum Milrcgeutcu angenommen zu sein. Bei Friedrich II. finde ich ihn zuerst 1217 Nov. 8, lieg. 1?r. nr. 209. ») Wcgele a. a. O. S. 367. Ü Itein. OeoU. p. 675' Orta cst soclitio intsr lOcü. rsgom ot Uueem Lrnvarie et inaroliionvm eis blisno; sscl cito i-säata, Ottone in 8nxono rnanente omni uuxilio clvstitnto, exespto äs Lrnnclsvrois »mrolrione. ") Ihre Ergriiudung wird dadurch erschwert, daß wir i. I. 1216 zufällig Dietrich von Meissen und Ludwig von Baicrn nickt gleichzeitig am königlichen Hofe finden. Jener war Sept. 23. und Nov. 10. bei Friedrich in Altcnbnrg, dieser Anfangs December in Nürnberg, als der Königssohn dort anlaugte. War Ludwig mit der Verleihung Schwabens an denselben nicht einverstanden? Oder stehen Friedrichs Urkunden 1217 Jan. 21. 24., bctr. .die Ucberwcisung gewisser Lehen, welche Ludwig hatte, an den Bischof von Passau, der sic dem Herzoge wieder verleiht, in einem Zusammenhänge mit jenem Streite? lieber andere Anlässe zu Meinungsverschiedenheiten s. u. °) Tvnn. iUognv. p. 269. Vgl. o. S. 389 Anm. 3. 0 8elrnltcs, Iliroet. clixl. II. 508. Friedrick II. ist von Altcnbnrg aus am 26. Okt. nach Leipzig gekommen, lieg. Vricl. nr. 208 (wegen der Jndiktion 5. nach 1216 zu setzen); aber das kann nicht der Aufenthalt sein, über den die 2Vun. Vegav. berichten, daß unter dem Schutze des Königs Dietrich sich der Stadt bemächtigt und dann von den Bestimmungen des Vergleichs frcigemacht habe. Denn nach der Sachsenchronik geschah das erste 1217. 446 Viertes Buch, Kapital II. 1216. hagt hat. Vielleicht waren die genannten Fürsten anch damit unzufrieden, daß Friedrich am 26. Juli die von dem böhmischen Adel vollzogene Erwählung des Prinzen Wcnceslaw zum Könige bestätigt und den Erwählten auf Bitte seines Vaters Otakar sogleich mit Böhmen belehnt Halles. Friedrich hatte dies allerdings in Abwesenheit aller weltlichen Fürsten gcthan und unstreitig unter einseitigster Berücksichtigung der Verdienste, welche Otakar sich um ihn selbst erworben. Dessen zweiter und begünstigter Sohn, der Verlobte einer Tochter Philipps von Schwaben, mußte dem Staufer als künftiger Herrscher Böhmens natürlich viel lieber sein, als der ältere, jener Wratislaw, der sich einst von Otto IV. mit dem Rcichssürstenthume seines Vaters hatte belehnen lassen. Dietrich von Meissen war aber der Oheim Wratislaws und er hatte stets sich der Rechte dieses Erstgeborenen seiner unglücklichen Schwester- warm angenommen: sollte er jetzt geschwiegen haben, als dessen Aussichten ans die Nachfolge in Böhmen durch die Wahl und Bestätigung Wenceslaws endgültig beseitigt wurden^)? Ludwig von Baiern endlich mochte als Gemahl der Ludmilla, der einzigen noch lebenden Tochter des böhmischen Herzogs Friedrich, bei jener Entscheidung über die Zukunft Böhmens nntintcressirt sein. Welches nun immer die Gründe der Entzweiung jener Fürsten mit dem Könige gewesen sein mögen: sie hätte, wenn sie nicht bald bcigelcgt worden wäre, in ihrem Zusammentreffen mit den englischen Jntri- guen in den Niederlanden, mit den Anerbietungen Otto's IV. an Hermann von Thüringen und Andere und mit den mancherlei Verwicklungen, welche in dem ganzen Machtbereiche Friedrichs hcrvor- traten, das Königthum desselben vielleicht ernstlich zu gefährden vermocht. IluiU.-IZrsIu I, 478. Das Original hat VII. stul. wnA. Im-deu, lieg. Loli. ur. 568. h Das war gewiß der hauptsächlichste Zweck der Wahl Wenzels bei Lebzeiten des Vaters. Ich muß aber Höfler, Gnelf. u. Ghibell. in Ztsäw. s. Gcsch. d. Deutschen in Böhmen VII, 142, und Kontnp, Der Przcmysi. Thronkämpfe S. 73 gegen Palacky II, 77 und Dndik, Mähr. Gcsch. V, 99, unbedingt beistimmen, daß Friedrich nur den Wahlakt bestätigt hat, aber keineswegs die Abschaffung der Seniorat-Erbsolge und die Einführung der Primogenitur. Bon einer solchen fundamentalen Festsetzung ist in Friedrichs Urkunde keine Rede und andere Nachrichten über den Vorgang in Böhmen haben wir nicht. Auch Pul- kawa Kap. 70, Lleuvstsu III, 1713 hat nur aus der Urkunde geschöpft. Drittes Kapitel. Schwächungen des staufischen Königthums, 1217. Mit einiger Verwunderung bemerkt man, daß Friedrich II. nach dem Beschlüsse des römischen Koncils, welcher gleichsam das göttliche Recht in seinen Dienst stellte, sich nicht zu einem gewaltigen Stoße anfrasfte, der in Verbindung mit den Angriffen der Ääncn dem wclfifchen Kaiscrthume wahrscheinlich ein rasches Ende bereitet haben würde. Zwei Dinge haben jedoch unverkennbar dazu bcigctragen, die Leistungsfähigkeit des staufischen Königs zu beeinträchtigen, die Kreuzzngsbcwegung, welche ihm eine Menge sonst verfügbarer Kräfte entzog, und dann die gleichzeitig in fast allen Reichstheilcn überhand nehmende Zerrüttung, welche die Verwendung der von jener übrig gelassenen Mittel sehr erschwerte. Houorins III. betrieb den Krenzzug mit demselben Eifer wie Jnnocenz und hatte cs sein erstes Rcgicrnngsgcschäft sein lassen zu erkläre», daß er hierin ganz in seines Vorgängers Fußstapfen treten wolle H. Am Anfänge des Jahres 1217 verlangte er sogar, daß die Kreuzfahrer sich noch früher als ans dem Koncile bestimmt worden war, schon am 1. April in den Häfen einfinden sollten^). Es mußte sich indessen bald zeigen, daß von einem wirklich allgemeinen Zuge, wie Jnnocenz geplant hatte, kaum die Rede sein konnte, da alle Länder noch gar zu sehr an den Nachwchcn des großen Sturmes litten, der um 1212 ganz Europa erschüttert hatte. Was zunächst England betrifft, so kam es für den Krcuz- zng bei der Fortdauer des Bürgerkrieges so gut wie gar nicht in Betracht. Frankreich war theils an den Vorgängen in England bctheiligt, theils aber auch durch den Krieg gegen die Albigenser ') 1218 Juli 25. an den König von Jerusalem, Ra^ii. 8 18. Vgl. die Aufforderungen zum Krcnzzuge, Ang. 7. kottli. nr. 5325. 2 ) 1'. nr. 5435. Der Erzbischof von Cosenza wurde 1217 Juli 8. zum KrenzzngscommissariuS in Messina ernannt, nr. 5575. Nach ?rsssutt! p, 130: item tlrunänsino aepo. 448 Viertes Buch, Kapitel III. 1217. abgezogen, welcher ja auch de» Ablaß des heiligen Landes gewährte und überdies gerade damals eine für die Albigenser und den Grafen Raimund von Toulouse günstigere Wendung nahm. Die Christen der spanischen Halbinsel hatten genug mit den maurischen Feinden zu Hause zu thnn; wie cs in Italien anssah, ist früher erzählt worden; die Dänen und die Leute des sächsischen Stammes gingen im Allgemeinen lieber nach Livland als nach dem entfernten Syrien; die Polen konnten bei sich selbst den heiligen Krieg gegen die heidnischen Prcnssen und Littauer führen. So war, außer etwa von Ungarn, nur von Deutschland eine beträchtlichere Leistung für den Krenzzng zu erwarten, besonders da König Friedrich selbst mit vielen Fürsten und Großen des Reiches das Kreuz genommen hatte. Als Jnnocenz III. gestorben war, ließ zwar auch in Deutschland der Eifer für die große Heerfahrt einigermaßen nach ch; indessen er belebte sich wieder, als von einer schon 1187 geschehenen Prophezeiung vcrlautbarte, von welcher schon zwei Punkte ihre Erfüllung gefunden hätten, der dritte aber, nämlich die Wicdererobernng Jerusalems unter dem Pontifikate des Honorins, jetzt offenbar verwirklicht werden sollte?), Andere meinte» die Bollendung dessen, was Konrad III. und Friedrich I. begonnen hatten, von dem jetzigen Könige desselben Geschlechts, der die heilige Dreizahl voll machte, mit Sicherheit erwarten zu dürfen 3). Der Termin des Aufbruchs nahte heran und allerwärts bereiteten die Pilger sich ans den Zug vor; der König selbst machte indessen keine Miene sich an ihre Spitze zu stellen. Jene Gesandtschaft an den Papst, an deren Spitze der Abt von S. Gallen stand H, hat doch wohl auch den Zweck gehabt, die Gründe dar- y Obron. Ilrsxsrg. p. 378 a. 1217: lam tspssesrs ospsrunt prelli- eatorss itinsris Ilierosoiimitan! proptsr mortem Inuovsntii. 8ans spisoo- j>us Ilaiberstat. et mag. Lnonrallns äs Aiarbnre in inksrioribns smrtibus st mag. 8aiomou Ilsrbipoi. in snporioribns allbne insistsbant buis nsgotio. y ibill. p. 379: lüama buius rninoris per ^.iamanniam llivnigata mnitos all sumsnllam ernesin animavit, y Tomasin, Welsche Gast V. 11787 : Ullsi bnnie 1?riäsrieb, llu bist sinns null ^nnotss rieb null mabt tnon irarts vii, ob llrm gsrns tnon rvü. Hu ist sebün lla 2 llu sist rvis null besage llir civu nr!s, llsr nimmer solle iiabsn soi. Und dann weiterhin im Rückblicke ans Conr. III. und Fr. I. V. 11807: llu bist llsr llritts null soit voiiromsn null voituon. icb bau vsruomsu, lla^ au llsr llritten ^ai ist srvoiiungs saiisr vrist. y S. o. S. 441. Abt Ulrich erhielt 7. April Mitra und Ring. I>. nr. 5512. Ib-sssutti p. 104, lieber einen interessanten Zwischenfall berichten Oasus s. Oalli x. 171 : (abbas) impsratorsin Oonstantinop., c^ui iutsriur so in oivitats mansnts promovenllus in imp so ioei cum magno vsnerat apparatu, ns Schwächungen des stanfischen Königthum?, 1217. 449 zulegcn, welche seinen eigenen Aufbruch unmöglich machten, und diese Gründe müssen auch von Hoiwrius als zutreffende erachtet .worden sein, da er nicht nur am 8. April durch einen besonderen Legaten Bescheid zu geben verhießZ, sondern auch die Fürsten ermahnte, fest zu Friedrich zu stehen ^), und nachweislich letzterem eine Fristverlängerung gewährt hat^). Es ist ja möglich, daß Friedrich schon anfing, nur mit Unlust an die Erfüllung des in der feierlichen Stimmung der Krönnngstage übernommenen Gelübdes zu denken, und daß er schon damals sich überlegte, wie dasselbe zur Erreichung anderer Zwecke verwerthet werden könne. Aber wir haben keinen Beweis, daß er cs that, und ein Blick auf die Zustände seiner Reiche genügt zu der Erkenntniß, daß in diesem Augenblicke von ihm den Antritt des Krcnzzugcs zu verlangen, eine Thorhcit gewesen wäre. Nicht blos in Sicilicn, auch im römischen Reiche entbehrte man, wie unter Anderem die Jntriguen Otto's IV. lehren, noch durchaus einer sicheren Bürgschaft für die fernere Entwicklung. Friedrich II. blieb also zurück, als seit dem März 1217 Z, hier früher, dort später, die Kreuzfahrer sich in Bewegung setzten. Sein Bleiben wird nun ohne Zweifel, obwohl es verhältnißmäßig spät bekannt geworden zu sein scheint, manchen Pilger bestimmt haben, gleichfalls die Erfüllung des Gelübdes zu verschieben, wie das auch vom Erzbischöfe Engelbert von Köln geschah Dennoch npu>1 s. Vstrurn oonsoernrstur, nllegneionivus inrpsckivit cprnur plurirnis clioens: oo pro Iloinnn! statu imp. ibi nranents non liesrs iinpsratorein eouseernrl, nisi äs voluntnte priueipuin prinoipis. Venisnte Imperators Oonst., eunr assurgsrotur si1>1 n enrckinalidus et a ouuetis llom. ckignitatis optiinutidus, alidas loco ssclens llom. prinoipis non movevatur, inckignantis nniini signnns olügiem, wo si non logntorio, seck posssssionnliter looum sollt tenerot iinpsrialis. Lonseeratus ost autsnr imp. non in soola d. 1->etri, ssck in eool. d. I-aurentii extra muros. <4ui oum ooronatus in eivi- tatem vellet psragrare, toto eonatu ns üsret sladoravit ot optavit sop- tinuit). Die Krönung Peters von Anxerre und seiner Gemahlin Jolanthe fand 9. April 1217 statt und nach Kein. I-oock. p. 075 waren es die Römer selbst, welche non sunt eunr passt Intra Iloinain deneckioi. Vgl. Honorius 1217 Apr. 12. und außer Den Stellen bet Vottlr. p. 485: 6ni». Prr. oont. p. 2911; OIrron. Vuron.; Sleues Archiv 11, 337. Der König von Thessalonich war anwesend. Honor. >217 Apr. 14. Ili. krsssutti p. 108. r) 1!ui».-11rs1r. I, 504. ES ist nicht bekannt, daß nachher wirklich ein Legat abgescndct worden ist. Aber man möchte an den päpstl. Snbdiakon und Capellan Blag. Alatrin (Forsch, z. deutsch. Gesch. X, 253) denken, der schon ein Mal in Deutschland verwendet war und zu dessen Gunsten Honorius 1218 Febr. 1. 14 nr. 5685 dem Könige gestattet, ihm die durch Engelberts Wahl znm kölnischen Erzbischöfe erledigte Propstei von 'Aachen zu übertragen. "s 14 nr. 5514: April 9. Das crgiebt sich aus der 1219 Mai 18. gewährten Fristverlängerung, welche als die vierte bezeichnet ist. Forsch, z. deutsch. Gesch. XV, 377. Die Bewilligung des Papstes für den König war den zu Ende Mai aus den niederländischen Häfen absegelnden Pilgern noch nicht bekannt; sie erwarteten Friedrich im heiligen Lande anzutreffen. Röhricht, Die Krcnzzugsbewegung i. I. 1217. Forsch, z. deutsch. Gesch- XVI, >49. >) Olrron. regln Oolon. p. 20. Ficker, Engelbert S. 140. Jcchrb. d.dtsch.Gesch.— Winkelmann.OttoIV. 29 450 Viertes Buch, Kapitel III. 1217. ist die Zahl derer, welche Deutschland für den Zug des Jahres 1217 stellte, eine sehr beträchtliche gewesen und zwar haben alle Theile des Reiches zu derselben beigesteuert, der Nordwesten und der Südostcn allerdings in höherem GradeJener hat die Grafen Wilhelm von Holland und Georg von Wied gestellt, welche von den in den letzten Maitagen aus den friesischen und holländischen Häsen Abscgclndcn zu Anführern gewählt wurden; ferner die Bischöfe von Utrecht und Münster, die Grafen Wilhelm 111. von Jülich, Adolf von Berg, Heinrich von Sain, Gottfrid von Arnsberg und Otto von Tecklenburg, dazu eine fast unübersehbare Menge Adliger, Geistlicher, Bürger und freien Bauern ans dem Rheinlande, Westfalen und den Küstengebieten"). Die von dem großen kölnischen Scholaster Oliver in Gemeinschaft mit anderen Kreuzpredigern ansgestrente Saat hatte reichliche Früchte getragen! Die Kreuzfahrer des Binnenlandes und des Südostcns, welche im Anschluß an den Reiseplan des Königs Andreas von Ungarn meist Häfen des adrintischen Meeres für die Einschiffung wählten, brachen etwas später auf, wohl erst dann, als sie die Gewißheit hatten, daß der deutsche König ihnen jedenfalls in diesem Jahre nicht mehr folgen werde: Herzog Leopold von Oesterreich ch, dann die beiden Schwäger des ungarischen Königs, Bischof Ekbert von Bamberg und Herzog Otto von Meran; Bischof Hartwig von Eichstätt, Graf Albert von Tirol, zwei Grafen von Bogen, Ludwig von Oettingen und Poppo von Henncberg H. Das Moselland stellte die Grafen Johann von Sponheim und Simon von Saarbrücken; Schwaben aber, dessen Kräfte der König vielleicht absichtlich zu seinem eigenen Besten zurückhielt, nur einen Pfalzgrafen von Tübingen und den Mark- ') Wie ich keine Geschichte des Krenzzngs von 1217 zu geben gedenke, so beanspruche ich auch für die folgende Uebersicht der hervorragenderen Pilger, welche gleich 1217 aufbrachen, nur annähernde Vollständigkeit. Ich bin in der glücklichen Lage, fast ganz ans die Arbeiten Röhrichts verweisen zu können: Beitr. z. Gcsch. d. Krenzz. 1, 5 ff.: Die Krcuzzngsbewegnng i. I. 1217: Forsch, z. deutsch. Gesch. XVI, 137—156; Die Deutschen auf den Krenzzügeu: Ztschr. s. deutsch. Philol. VII, 303 —312 «vgl. das. S. 168 ff. über die Kreuzfahrer, welche Johann von Wirzburg in seinem Gedichte Wilhelm von Oesterreich irrthümlich schon dem 3. Kreuzzuge zumeist); endlich über die Kämpfe vor Damictte: Histor. Taschenbuch. 4. Folge. Bd. VI (1876), S. 50 — 78. 2) Viele von ihnen werden in zwei vor Damictte ansgestellten Urkunden des Grasen Adolf von Berg und des Swedcr von Dingden genannt. 8Ioet, Oorlc. vnn (lelve nr. 451. 153. Er war beim Könige Mai 25. zu Augsburg, lieg-, I?ri. 441 nr. 148. Leopold ist dann nochmals nach Oesterreich zurückgcgangen, urkundet aber schon Juli 7. in Gemona snördl. von Udine) im Beisein des den Ärenzzug mitmachenden Erzbischofs von Colocsa. LIsIIIsr nr. 152. — Albert von Tirol ist sogar erst Juli 25. im Begriff, den Zug anzutreten. Chronik d. Abtei S. Gcorgcnberg <1874) S. 242. ^) änn. ülnrUno. p. 174; ,4nn. 8. Unelb. 8nlisb. p. 780; Herrn. Xltnü. p. 375. Otto von Meran ist noch im August Zeuge einer Urkunde Ekberts. Oesele, Andechs. Reg. 507; vgl. über seinen Zug 508 d ff. Schwächungen des staufischen Königthums, 1217. 451 grafen Friedrich von Baden, welcher wie sa viele Andere die Heimat!) nicht Wiedersehen sollte ^). Ans Burgund ging Erzbischof Amadeus von Besaniwn übers Mecr^) und Bischof Berthold von Lausanne ließ sich durch die allgemeine Bewegung fortrcissen, noch nachträglich das Kreuz zu nehmen^). Sogar aus jenen Gegenden, welche der Kampf zwischen den Kaiserlichen und den Königlichen in Athem hielt und fortwährend mit Verheerung bedrohte/zogen Kreuzfahrer dem fernen Osten zu: Abt Heinrich 'vom Kloster Berge bei Magdeburgs) und Ritter von Schwerin, Wernigerode und Quedlinburg °). Der greise Konrad von Krosigk mußte wieder seine Klosterzelle in Sichern verlassen, um für den pilgernden Engelhard von Naumburg die Leitung dieses Bisthums zu übernehmen"). Während nun die Entfernung zahlreicher Fürsten und Großen, denen viele Andere demnächst zu folgen beabsichtigten, die Mittel des staufischcn Königs beträchtlich einschrünkte, erlitt die Stellung desselben eine noch größere Einbuße,durch die gleichzeitig an allen Ecken und Enden des Reiches ansbrechenden Zerwürfnisse und Fehden. Die Stadt Passau hatte sich schon I2l6 gegen ihren neuen Bischof Ulrich ll. aufgelehnt und Regcnsburg in demselben Jahre durch Aufruhr seinem Bischöfe Konrad IV. den Besuch einer vom Erzbischöfe von Salzburg abgehaltcnen Provinzialsynode unmöglich gemacht, welche auch dadurch merkwürdig ist, daß sämmtliche Äebte der Erzdiöccse sich weigerten zu kommen und deshalb gebannt werden mußten ch. 1) Markgraf Hermann V. von Baden bekundet (ohne Daten), daß sein Brnder Friedrich: euin ig-uo s. Spiritus suooonsus, so ipsuiu nvuogrrssst st nssuiuptn oruoo äoiuiuuiu seezui closickerrrssot, . . . cum nck terrnin pro- nrissiouis prosporo vonisset, ul>! tuuckorn viniu uuivsrso onruis iu^ro- ckisus oto., dem DO. sein Gnt in Nlm geschenkt habe. Wirt. Nrkbch. III, UN. Friedrich kommt nach 1216 nicht mehr in der Heimath vor. 2) I^o (Iloro, ilist. clo in I'rnuoUo Oornts p. -192. ") 1217 Juki 7. UvA. No In 8uisso Iwinnnäo p. 197. Er starb aber vor dem Antritt 1220 Jnli 13. äis gun propurntus ornt iisr nrriporo in sudsiäiuur torrv ÜUoros., Ibiä. p. 19». Er starb auf der Rückkehr in Monte Casino 1218 Mär; 29. Oestn nbv. IZsiA. p. >4. Ding-. wliotmnri perogrinntio 1217, herausg. von Laurent. Hamburger Progr. 1857, mir nicht zugekommen. Vgl. Krause in Forsch. ;. deutsch. Gesch. XV, 153 ff. o) Lepsius, Naumburg I, iw. Wegen dieser Stellvertretung erscheint Konrad wohl Nov. 8. am königlichen Hofe zu Altcnburg. ') >Vuu. Oremitnu. DI. ll. 8s. IX, 549. Ulrich von Diesten ist der Nachfolger des 1215 Juni 9. gestorbenen Mangold, ^.uu. Dlollie. ib. p. 5»7. 2 Duu. s. Iluckb. 8nlisb. p. 789. Die Opposition bezog sich wohl auf die von Erzbischof Eberhard beabsichtigte Älosterresorm. Dloiilor/ llox. nop. 8nlisd. ur. 195. Lluf dieser Lpuvde erscheint zum ersten Male der Bischof Rüdiger von Chiemsee. Die Genehmigung zur Stiftung dieses Bisthums, dessen Regalien wie die Gurks vom Erzbischöfe empfangen wurden: hatte Friedrich 1213 Mär; 27. 1215 Apr. 5., Iluili.-Ilrüll. I, 25b. 336, und Jnnoccnz 1216 Jan. 28. crthcilt, s. DIoiiisr I. o. p. 298 irrig zu 1215. Vgl. Ficker, Reichsfürstcnst. I, 287. Eberhardt ging nun an die Gründung des Bisthums seckau, s. I'otiU. uv. 5627. Iluili -IlrM. I, 569. 29 * 452 Viertes Buch, Kapitel III. 12! 7. Sehr schlimm stund cs in Böhmen. War der am 4. April 1214 verstorbene Bischof Daniel van Prag im Allgemeinen dem Könige Otakar gefügig gewesen, so zeigte sich sein Nachfolger, der königliche Kanzler nnd Dvmpropst Andreas, sobald er die Weihe erhalten hatte p, als ein Mann von stark hierarchischem Bewußtsein 2), der die vielfachen Beeinträchtigungen seiner Stellung und seiner Güter durch den König und die Magnaten nicht ruhig hin- znnehmen gedachte. Der Gewalt weichend verließ er am 26. Oktober 1216 das Land 2 ) und unterwarf dasselbe einige Monate später dem Interdikt s. Dieser kirchliche Streit traf nun mit einer neuen Schilderhcbung des Theilfürsten Dipold zusammen st, welcher sich wohl durch die Wahl Wcnccslaws beeinträchtigt glaubte, lieber ven Verlauf des Aufruhrs sind wir nicht weiter unterrichtet; der kirchliche Conflikt aber verschärfte sich durch die Einmischung des Metropoliten über Böhmen, Sigfrid von Mainz, indem dieser ganz im Einklänge zu der Gunst, deren Otakar sich bei dem stanfischen Könige erfreute? am 2V. Mai 1217 das Interdikt wieder anfhob st, ungeachtet dessen, daß Otakar nach der Entfernung des Bischofs alte Güter desselben an sich gerissen hatte. Der Papst dagegen, bei welchem Andreas inzwischen gegen Otakar persönlich Klage erhoben, vernrtheiltc wieder das Verfahren des Metropoliten und ordnete die Erneuerung des Interdikts an st. Es dürfte überflüssig sein, hier den weiteren Gang des Streites im Einzelnen zu verfolgen st: bedeutsam ist bei demselben besonders die Stellung des böhmischen Königs zu seinen Magnaten, die ihn, obwohl er sich selbst auch manche Gewaltthätigkcit gegen den Bischof und die Kirchen des Landes erlaubt haben mag, doch weiter gedrängt zu haben scheinen, als er seinerseits zu gehen wünschte, nnd die ihn namentlich von einem Einlenken zurückhielten. Da das Verhalten des Bischofs von Olmützst den Papst nöthigte, sich für seine Commissionen deutscher Prälaten zu bedienen, machte sich bei jenen eine st Bei dem römischen Concile 1215 Nov. 22. Dudik, Mähr. Gcsch. V, 91. 97. st Charakteristik desselben bei Honorius 1224 Okt. 4. iViiriltnvoin, Xovrr snbs. IV. 130. Vgl. IV nr. 7302. 7303. st Xnu. krag', zi. (4. 8s. III, 121. st 4.nn. IV-NA. I. o.: Iloo anno, laeto intoräieto, Andreas op. vsnit lionnnn 12. Iral. npr. n4 prosociusnäns iniurias avelo IV-ax. scheint im Widersprach mit 2l.un. Ura^. ill. 61. 8s. IX. 170: 4. iilns apr. .-Vinlrons SP. posuib interdietnin in Ilolronnn . . ., äonnlu Itoinain Uoelinavit. Letzteres Datum dürfte aber daS der Publikation in Böhmen selbst gewesen sein. st Honorins 1217 Fcbr. 18. IV nr. 5421 ff. Der Papst wußte sicher noch Nichts von dem Exil des Prager Biscbofs; sonst hätte er ihn nicht mit dem kirchlichen Schutze des Königs beauftragen können. Vgl. Dudik V, 104. o) Xnn. I'raA. p. 170. st Honorins 1217 Juni 22., Juli 20. Lrlion, lisx. Uoln nr. 578. 580; IV nr. 5500. 5582. st Vgl. Palacky II, 80. Dudik V, 05 ff. Höfler, Gnelf. u. Ghib. S- 145 ff. Die Akten und Urkunden bei Xrbsn I, 270 ff. st Honorius 1218 Mär; 27. 20. Urlmn nr. 591. 592. Der Bischof ist April 7. wieder bei Otakar, id. nr. 593. Schwächungen des stanfischen Königthnms, 1217. 453 gewisse nationale Erregtheit geltend und es mag damit, wie mit diesen Wirren überhaupt, zusammcnhängcn, daß bei Friedrichs Feldzüge gegen den Kaiser im Jahre 12l7 die Böhmen nicht wieder wie 1213 in seinem Heere waren. Die große Hnngersnoth, welche 1317 den ganzen Südvsten des Reiches heimsnchte, kann für sich allein ihr Ausbleiben nicht erklären -). Das Fehlen besonderer Nachrichten über Schwaben darf vielleicht so gedeutet werden, daß dort, so zu sagen, unter den Angen des Königs, der wiederholt längere Zeit im Lande war, der innere Frieden nicht gestört worden ist st. Dasselbe scheint auch für die deutschen Thcile von Burgund zu gelten: eine zeitweilige Ungewißheit über die Besetzung des Bisthums Basel veranlaßte doch keine kriegerischen Bcrwicklnngen. Nachdem nämlich dort der Bischof Lntold von Röteln am 16. Januar 12l3 gestorben wardst hatte man dort einen seiner Verwandten des Namens Walther erkoren ch. Aber es gelang ihm nicht sich die päpstliche Bestätigung zu erwirken. Seine Wahl sollte den canonischen Bestimmungen zuwider erfolgt sein und da er, nach Rom Vvrgeladcn, solche Beschuldigung nicht zu widerlegen vermochte, wurde er von Jnnocenz 111. abgesetzt ch. Hatte er sich nun dadurch zu halten versucht, daß er dem Herzoge Berthold von Zähringcn eine Anzahl Güter zu Lehen gab, so erkaufte sich sein Nachfolger Heinrich von Thun?) die Stimmen der Wähler durch das eidliche Versprechen, daß er sie der Baseler Kirche zurückschaffcn wolle. Ohne Kampf wäre das wohl nicht möglich gewesen und so hielt Bischof Heinrich es trotz seines Gelöbnisses schließlich für angemessener, sich mit dem mächtigen und ') S. die Stellen bei Hefter S. 146. Amu. 1. 5. 2) .-Vnn. IVessot'ont. bei I-entnvr, tlist. IVvss. II, 28. Der Herzog von Baiern, dessen Land gleichfalls litt, nahm doch an der Heerfahrt theil. 2) Vrvssntti p. 99 führt ein Breve an 1217, Mär; 21. über den Streit intvr II. dineonnin et . . . prepositnnr Oonstnnt., eznorl enin 11. Uine. a. I?. rege 8ie. in iin,n eloeto rrel eoelesinin <1o älontiUl, in cirnr iUsni rax ins pntronntns ovtinot, t'uissst (iioessnno epo prssontatns, spiseopns Ottonis tiinore, vires nUIine in pnrtidus Iltis Irndentis, gni presontnvornt prsposi- trnn, II. Unreonrnn roensnvoi'nt. Wie der Friedrich gegebene Titel zeigt, ist ein Vorgang anS dem Herbste 1212 gemeint. Dag Otto noch 1216 dort Anhänger gehabt haben sollte, ist ganz unglaublich, und am wenigsten könnte Bischof Konrad II. von Konstanz zn ihnen gerechnet werden. '1 Xeorol. I>ns:I. Kontos IV, 147; konstant, iviä. p. 138. 6) Die Wahl erfolgte vor 1213, Seht. I., an welchem Tage er als vlvetns beim Könige ist. Allerdings unter den Zeugen königlicher Urkunden 1214, Mär; 7. und in einigen in Basel selbst 1214, Nov. 23. ausgestellten, erscheint er als IVnItli. Uns. episenpns, aber in anderen ebcndorther, wie sonst auch, als eleetns, und so noch zuletzt 1215, 'April 5. 23. '9 Xnn. Ilnrvrre. p. 173; Xnn. Oolnnrr. n. 1215 p. 191. Ob auf dem Ällneil'? Xnn. älnrv. I. e. Eine Urkunde des Abtes Arnold von Mnrbach hat die wunderliche Datirung: n. ine. 1216. inU. 4., eoneurr. 5. int'rn eonoilin, Innoe >>npo, IInsII. oeel. tnnr eleeto IVrrltlisro ns^us nU eins Uspositin- nen, Islieitor esrtnnte, vvn. Ilenrieo llnsil. spo in lllrro. sneceelonte. 6laII. elirist. XV. Instr. p. 215. 454 Viertes Buch, Kapitel III. 1217. nicht allzu rücksichtsvollen Nachbarn friedlich zu vertrage», das heißt, ihm zu lassen, was er einmal hattiO). Der Frieden blieb also gewahrt, bis der am 18. Februar 1218 erfolgte Tod des kinderlosen Herzogs und die nothwendigc Sonderung seiner Hintcr- lasscnschaft zu ernstlichen Zerwürfnissen in den oberen Landen führten. Die Zustände in den westlichen Grenzgebieten des Reiches waren viel bedenklicher. In dem transjuranischen Burgund wollte die alte Eifersucht zwischen dem Pfalzgrafcn Otto von Meran, der fast jedes Jahr dorthin kam, und dem Grafen Stephan II. von Auxonne nicht cinschlnmmern. Als der Meraner auf dem Kvcnz- znge war, nahm Stephan das sonst immer von der Pfalzgrafschaft zu Lehen gehende Macon unmittelbar von dem Herzoge des französischen Burgund zu Lehen, der jene Nebenbuhlerschaft, da beide Parteien sich um seine Unterstützung zu bemühen pflegten, auch sonst bestens für sich ansznnützcn verstand^. Ganz arg aber ging cs um diese Zeit in Lothringen zu. Der im Jahre 1210 abgcsctztc Bischof von Tonl, Matthäus von Lothringen, ein in jeder Beziehung zügelloser, trotz seines geistlichen Kleides auch Wegelagerei nicht verschmähender Mensch, ermordete am 28. Mürz 1217 auf offener Landstraße seinen Nachfolger Reginald von Scnlis, fiel aber selbst am 10. Mai von der Hand seines Neffen, des regierenden Herzogs Theobald H, der wüthcnd, daß man ihn halb und halb des Einverständnisses mit dem Mörder fähig glaubte, die an ihn von dem deutschen und dem französischen Könige ergangene Aufforderung zur Rache bei der ersten Begegnung mit dem Oheime selbst vollstrcckte 5). In anderen Beziehungen scheint Herzog Theobald jedoch weniger gefügig gewesen zu sein und feine Einmischung in den Erbfolgestrcit um die Champagne brachte ihn geradezu in einen Gegensatz zu den beiden Königen. 0 Honorins 1218, März 13. Jelmpllin, Ilist. /5nrinAo-IInä. V, 145. 2> Stalin, Wirt. Gesch. II, 557. Das dem 14. Jahrhundert entstammende Dcutschordensnekrologium von Bern hat Februar 18. Forsch, z. deutsch. Gesch. XVII, 362. -') Ve Viere, Ilist. els In Vrnnolie Vointe p. 4V1. 403. Macon war t'chen des Pfalzgrascn vom Herzoge von Burgund s. die Urkunde von 1215: Oefelc, Andechs S. 178 dir. 481. p Die Daten nach Itieln Jenen. III v. 3. 4. Ileonsil XVIII, 685. Xllnlens p. 866 läßt den Tod Reginalds am 16. April, den des Matthäus noch im selben Monat erfolgen. 5) Die Aufforderung der beiden Könige ergiebt sich aus dem päpstlichen Breve 1217. Nov. 13. Ilse. XIX, 638, durch welches Theobald für seine Thal Absolution erhielt, und die in der Aufforderung enthaltene Hindentung: ipuoct nisi tnnti ntrooitntein sceleris vinclienrst, onin Ime nei ipsins et geueris sni reilunclnrent opproln'inm, Imins eriininis eonseius poternt, inerito repn- tnri, erscheint bei IlieUer c. 4 p. 686: cinocl mors vpiseopi nd nmieis suis iinpropernvntnr ipsi, und bei Xlvr. I. e.: ns Us manu eins rscprireretnr sniiAnis spiseopi, als Motiv seiner schnellen Rache. Schwächungen des staufischen Königthums, 1217. 455 Erard von Briemie, ein Vetter*) sowohl des damaligen Titn- larkönigs Johann von Jerusalem, als auch jenes Walther, der in Apulien sein Glück versucht und sein Grab gefunden Hai, hatte sich im heiligen Lande mit Philippa, einer Tochter des einstigen Königs Heinrich von der Champagne, vermählt?) und ans Grund dieser Ehe, die übrigens von der Kirche ebenso wenig anerkannt war als die legitime Geburt der Philippa selbst, Anspruch auf die Champagne erhoben, obwohl diese nach einer Verfügung Heinrichs auf seinen Bruder Theobald übcrgegangen war und nach dessen Tode mit Genehmigung des französischen Lehnsherren auf die Wittwe desselben Blanca von Navarra und ans ihren noch unmündigen Sohn Theobald den Jüngeren. Von der Kirche mit dem Banne bedroht, wenn er de» letzteren in seinem Besitze beunruhigen werde; von dem Könige von Frankreich auf die Zeit der Großjährigkeit Theobalds verwiesen, in welcher nach französischem Rechte erst eine richterliche Entscheidung angernfcn werden durfte suchte Erard sogleich nach ber Rückkehr aus Syrien, im März 1216 H, seine Ansprüche mit Gewalt durchzusctzcn. Die so entbrennende Fehde erhielt aber nicht nur eine für Frankreich sehr bedenkliche Ausdehnung, indem dortige Große theils für theils gegen Blanca und ihren Sohn Partei ergriffen ch und sich dadurch vom Krcuz- zuge abhalten ließen o), sondern sie zog auch die deutschen Nachbarländer in Mitleidenschaft hinein. Der Herzog von Lothringen namentlich, welcher schon im Oktober 1216 von König Philipp gemahnt worden war, einen zwischen den Streitenden vereinbarten Stillstand auch von seiner Seite beobachten zu lassen H, konnte schon aus dem Grunde bei jenem Erbfolgekricge nicht gleichgültig st Xldrivns p. 903. Vgl. Oniil. üstr. eont. p. 309. 319. 320 2 , DaS ist geschehen, gleich nachdem ihm das päpstliche Verbot dieser Ehe von 1213, Dec. 10. Innoe. Lpist. XVI, 150 und die Wiederholung desselben von 1215, Fcbr. 20. blixno, Op. Innoo. III, 971 nr. I mitgetheilt waren, iviä. nr. III. st S. die Briefe des Königs Philipp und seines Sohnes Ludwig 1215, Mär; II. bligno I. v. IV, V.. st Jnnoccnz weiß 1210, Febr. 3., daß Erard eben in Gacta gewesen und nach Genna unterwegs sei, wo er ihn verhaften zu lassen wünscht, ibicl. nr. VI. Im April vermittelt König Philipp einen Stillstand zwischen den um die Champagne Streitenden, Delislo OntnI. nr. 1658. Die Fehde kann also nicht schon 1215 ansgcbrochen sein, wie Xldrious I. o. hat. Vgl. (luill. Istr. oont. I. o. 2 ) Fiir die Gräfin war Herzog Otto von Burgund, welcher als Erard im März 1217 einen von Frankreich diktirten Stillstand gebrochen, Dslisls nr. 1706, denselben beim Papste verklagtest. Honorins 1217, Altai 2. bliz;ns 1. e. nr. XIII. Wir erfahren dabei die Motive für des Herzogs Parteinahme. Französische Gegner Biancas lernen wir ans Delisls nr. 1712 kennen. st Honorins III I. e. So ist Otto von Burgund gestorben, ehe er den Krcuzzug antreten konnte. Vibrio, x. 907; Xnn. 8. Uvuigni Divion. bl. 0. 8s. V, 19. Dolislo nr. 1811. st Dalislv nr. 1689. Als Herzog Theobald am 16. Mai 1217 seinen Oheim tödtete, war er von Simon von Joinvillc begleitet (llieü. 8enon p. 686), von dessen Burg Joinvillc ans Erard hauptsächlich die Gräfin befehdete. Iblvrlaus p. 903. 907. 456 Viertes Buch, Kapitel III. 1217. bleiben, weil er selbst von den Grasen der Champagne Lehen hatte i). Sein Versuch aber, durch Unterstützung Ernrds von Bricnne sich dieser Lehnsabhängigkcit zu entledigen, während Friedrich II. durch die Rücksichten ans Frankreich zur Anerkennung der Rechte des jungen Theobald bestimmt wurde, mußte den Herzog ganz von selbst in ein übles Verhültniß zu dem staufischen Könige bringen und cs scheint, daß der Herzog sich deshalb zuletzt geradezu für den Kaiser erklärt hat "), freilich zu spät, als daß es letzterem noch hätte nützen können, sich selbst aber znm Verderben. Der Neuzeit mag es unfaßbar sein, daß die Macht eines Königs von Frankreich, welcher England und den Kaiser besiegt hatte, trotz der Unterstützung durch die kirchliche Autorität und des Einverständnisses mit dem deutschen Könige, nicht ansgcreicht haben sollte, um die Fehde eines nicht gar zu bedeutenden Ritters gleich im Keime zu ersticken. Aber der ganze damalige Apparat weltlicher und kirchlicher Zwangsmittel leistete in der That nur Ungenügendes, wenn diejenigen, auf welche sie Anwendung finden sollten, Kühnheit genug hatten, sich einfach um sic nicht zu kümmern. Wie Erard von Bricnne nicht nur eine verbotene Ehe eingchen, sondern aus ihr sogar Erbansprüche ablciten konnte, welche Theobald von der Champagne zuletzt doch mit sehr beträchtlichen Summen hat abfinden müssen"), so hat gleichzeitig auch noch ein zweiter Abenteurer in den französisch-deutschen Grenzgebieten mit Erfolg dem gültigen Rechte zu trotzen vermocht. Burkhard von AvesneS, Dom- Kantor von Laon und Subdiakon, verließ 12 kl den geistlichen Stand, befehdete seinen Bruder.') und wurde von dem Grafen Fcrrand von Flandern mit der Statthalterschaft über Hennegau, von der Gemahlin desselben, der Gräfin Johann, nachher mit der Hut ihrer jungen Schwester Margarethe betraut, die er dann aber entführte und als seine Gemahlin ansgab, um durch sie dereinst Anrechte auf Flandern geltend machen zu können ch. Er wurde auf dem römischen Koncilc gebannt und das über seinen jeweiligen Aufenthaltsort verhängte Interdikt sollte die Auslieferung. Margarethens und Burkhards Rückkehr in den geistlichen Stand erzwingen: Letzterer fand trotzdem in den Diöcescn von Laon, Cambrai und Lüttich immer wieder freundliche Aufnahme und nicht blos bei Weltlichen °). Margarethe sagte sich zwar später von ihm los, h Vgl. Ficker, Hcerschild S. 118. 2) Auf Theobald von Lothringen, gegen den Friedrich II. 1218 ins Feld ziehen muhte, glaubeich, kann allein gedeutet werden, was Xlbr. p. 907 sagt: eum uuneintn. tuissot mors Ottouis imp., ckisshmti suut omues siusckom Xrnrcli eonckintoros. 2 ) Vertrag von 1220 Nov. I. illigus I. o. ur. XVII. st luuoe. Istüst. XIV, 133. 5) Jnnocen; 1215, Fcbr. 20. hligue, Oporu luuoo. T,.m. III, 530 ur. I. °» Jnnocen; 1^16, San. 19; Honorius 1210, Aug. 17. 1219, April 24. Ibiä. ur. II-IV. Schwächungen des Musischen Köuigthnms, 12 >7. 457 nachdem sie ihm zwei Söhne geboren hattet; aber am Ende hat die Gräfin Johanna diesen sehr unwillkommenen Neffen doch einen Erbanthcil auswcrfen müssen ^). Die Ohnmacht von Recht und Gesetz gegenüber offener Nichtbeachtung wird auch dadurch beleuchtet, daß Graf Wilhelm von Holland dem Vertrage von 1206 zum Trotze, bios mit Hülse wechselnder politischer Kombinationen, zehn Jahre lang sich unangefochten im Besitze von Holland behaupten konnte. - Die Bestätigung aber jenes Vertrages durch Honorins III., welche Graf Ludwig von Looz sich, wie erwähnt, im März 1217 zu Gunsten seiner Ansprüche verschaffte, und das an den Klerus der Niederlande ergehende Gebot des Papstes, diesen Ansprüchen mit allen kirchlichen Zwangsmitteln zur Verwirklichung zu HAseiM), verfehlten schon ans dem Grunde ihre Wirksamkeit H, weil Graf Wilhelm wenige Wochen darnach unter der Krcnzcsfahne in See ging. Die Nachrichten, welche nun bald von seinen unterwegs vollbrachten Thatcn in die Hcimath und an den Papst gelangten, mochten den Grafen Ludwig mit Bcsorgniß erfüllen, daß sein Nebenbuhler ihm schließlich doch noch bei der Kurie den Vorsprung abgewinnen könnte: auch er nahm das Kreuz. Aber in dem Augenblicke, da er den Zug antrcten wollte, ist er gestorben, am 29. Juli 1218 und der lange Streit um Holland hörte mit seinem Tode Plötzlich ans, da aus der Ehe mit Ada von Holland, auf welcher seine Ansprüche beruhten, keine Kinder entsprossen waren. Eine weitere Beunruhigung der unteren Lande entsprang ans dem Bemühen des Erzbischofs Engelbert von Köln, die Großen innerhalb seiner Herzogthümer wieder an Unterordnung zu gewöhnen und sic dahin zu bringen, daß sie auf die der kölnischen Kirche unrechtmäßig entzogenen Güter und Burgen Verzicht leisteten und wo möglich sich zu Vasallen derselben bekannten. Durch ') ^Idriens x. 005. 2 ) Vertrag von 123». Aliens 1. o. nr. VIII. Die dem Baudoin d'Aves- nes beigclcgtc Chronik llocusil XXI, 167 enthält Uber diese Dinge viele Irr- thmncr. Leo hat seine Darstellung: Vorles. über die Gesch. d. deutsch. Volks III, 550 nachher V, 187 ff. berichtigt. ^ S. o. S. 114 Anm. 1. Daß trotz der päpstlichen Bullen, welche mit Hintansetzung aller anderen Rücksichten ausgesührt werden sollten, die Ausführung nicht einmal versucht worden ist, schließe ich daraus, daß Bischof Otto II. von Utrecht kein Bedenken trug, au der Kreuzfahrt sich zu bcthciligcn, während welcher die Verwaltung der Teuiporalien des Bisthums seinem Bruder Hermann von Lippe überlassen blieb, dostn oplse. Trnioet. lll. (1. ss. XXIII, 1>0. Für Wilhelm von Holland blieb Graf Balduin von Bentheim als Procnrator zurück. Oork. vnu Ilol- Inucl. I ur. 261. 5) Ilvin. I^oock. p. 077 zieht den Todestag (und das Gerücht von Vergiftung). Vgl. die Urkunde Arnolds von Looz >218 bei IVantsrs, Dndls ollronol. III, 502. Leo, Vorlcs. V, 315. Ada heirathete nicht wieder. (Inu- tlror II, 151. 153. 458 BicrteS Blich, Kapitel Hl. 1217, Verwendung bedeutender Geldmittel hat Engelbert oft Eins oder das Andere erreicht; aber an anderen Stellen mußte er doch Gewalt brauchen und wieder an anderen scheint er selbst die Grenzen seines Rechtes nicht immer beachtet zu Habens. Gestützt ans die bedeutenden Besitzungen seines Hauses und die Beziehungen desselben zu anderen großen Familien des NordwestcnS, im Bündnisse mit dem Erzbischöfe Dietrich von Trier, welcher sein persönlicher Freund war^l, und seit dem 5. Juli 1217 auch wieder mit dem Herzoge Heinrich von Brabant-st, warf er die widerstrebenden Limburger nieder, obwohl deren Macht durch die Erwerbung Luxemburgs bedeutend gestiegen warZ. Er zog die Grafen an der Mosel und aus dem Hunsrück in die kölnische Lehnsmannschaft hinein und wagte zur Verstärkung dieser Stellung sogar mit dem neuen Inhaber der rheinischen Pfalz, Herzog Ludwig von Baicrn, anznbinden. Unter dem Vorwände, daß die starke Burg Tnrvn oberhalb Alken an der Mosel, welche Pfalzgraf Heinrich von Brann- schweig nach der Heimkehr von feiner Kreuzfahrt erbaut haben soll, Räubern zum Schlupfwinkel diene, bemächtigte Engelbert sich derselben mit Gewalt und zugleich auch anderer pfalzgräflichcr Güter in der dortigen Gegend. Mochte selbst der Papst auf Klage Ludwigs dem Erzbischvfc die Zurückgabe der widerrechtlichen Erwerbung anbcfehlcn Z, Engelbert hielt die wichtige Burg nicht nur fest, sondern verstärkte sie noch durch weitere Bauten, Er scheint sich höchstens zu einer Abfindung in Geld verstanden zu haben °). Die durch sein stemlich gewaltsames Vorgehen offenkundig gewordenen Zerwürfnisse, welche bei der drohenden Gestaltung der Verhältnisse im oberen Mosellande doppelt bedenklich erscheinen konnten, mögen wohl den nächsten Anlaß dazu gegeben haben, daß König Friedrich im Laufe des Jahres 1217 zwei Mal am Niederrhcin erschien und daS eine Mal in Boppard einen Hoftag abhielt?). Das waren wenig erfreuliche Zustände innerhalb des staufischcn Anhangs selbst, während der König sich eines anderen beträchtlichen *) Vgl, im Einzelnen Ficker, Engelbert S, 66 ff, Bcnrkundung Dietrichs auS der Zeit, da Engelbert noch elvotns war, Ficker S, 317, Uostu 15-evir.: Iwernnt czuasi vor nnnin et nninm nun, Lacomblct kl, 35, Evronicznes ckos eines eko I-ruvunt II, 157, Ficker S, 71 ff, Lnn. Ool. mnx, zi. 839: Intivnlnin preclonuin. Vgl. Honorius 1218, Jnni 1, bei Ficker S, 325 und daselbst S, 69 ff, °) Das möchte ich doch aus dem Ausdrucke der ^nn, Ool, I, e, entnehmen : enstruin ucl nmxirnnin eonnnoclnin eeelesinrum et nutrie eoinnuruvit. Vgl. ivicl, u 1237 z>, 847, ') Vgl, I-eg, 1516, nr, 194 ck, Ilozmrckie März 19, Vielleicht ist in Boppard auch die Aussöhnung zwischen Engelbert und den Limburgern erfolgt, Ficker S, 283 Nr. 45, 46. — Hein, Imoel, zi, 676: enrium luvet eeievroin liovarckis, ohne Angabe eines Monats, aber nach der Reihenfolge der Ereignisse im Sommer. Friedrich datirt Juli 17, ans Koblenz, Ilex,' nr, 206. Schwächung des staufischen Kömgthiiins, 1217. 459 Theils seiner Anhänger durch den Kreuzzug beraubt sah. Alles war wieder ins Schwanken gerathen. Hätte der Kaiser nur irgend einen hervorragenderen Waffencrfvlg für sich anfzuweiscn gehabt, wer weiß, ob nicht den Einen oder dem Anderen, der bei dem Staufer nicht seine Rechnung gefunden, dann der Muth gekommen wäre, sich wieder offen auf die Seite des Welfen zu stellen. Ein Glück für Friedrich kl., daß der Gegner in dieser kritischen Zeit zu einer größeren Leistung gar nicht mehr fähig war. Wertes Kapitel. Die letzten Kämpfe Otto's IV. und sein Ende, 1217 . 1218 . Im Jahre 1217 schloß sich der Ring um Otto IV., als die Bürger von Bremen endlich dem Beispiele der großen rheinischen Städte folgten und ihren Frieden mit Reich und Kirche machten. Sie vertrieben den Gegenbischof Waldemar von Dänemark, dessen stürmische Laufbahn nun in einer Klosterzelle zu Lvkknm ihren Abschluß fand ch, und nahmen den vom Papste längst als Erzbischof anerkannten Gerhard von Oldenburg als Herrn in ihre Mauern auf^). Mochten nun der Kaiser und sein Bruder das Land umher jammervoll verwüsten ^), sic konnten doch nicht mehr die Küste den Feinden abgewinnen, welche, durch die Anlehnung an Dänemarks ihnen an Kräften weit überlegen waren. König Waldemar aber fühlte sich von dieser Seite so sicher, daß bei ihm jetzt wieder die Pläne auf die östlichen Küstenländer des baltischen Meeres in den Vordergrund traten: ihre Ausführung begann schon im Sommer 1217 mit der Kreuzfahrt, welche der von ihm als Graf von Holstein eingesetzte Albrccht von Orlamünde dorthin machte, und ihre erste Frucht bestand darin, daß den im nächsten Jahre heimkchren- vomier, Cistercienser I, 209; Dehio, Erzbisthum Hamburg-Bremen II, t39 über Waldemars weiteres Sckücksal. 2) Vertrag zwischen Erzbischof Gerhard und Bremen 1217 lud. V: Ehinck, Brem. Urkbch. 1, nr. 129. Vgl. Usinger S. 171; Schumacher, Stedinger S. 67; Dehio II, 137. Die Aufnahme Gerhards in Bremen dürfte in den Anfang 1217 fallen, da Honorius schon April 28. für das Bisthum Osnabrück eine Neuwahl anorducte. Nrsssutti p. 114. Gerhards Nachfolger dort, ein kölnischer Domherr Adolf von Teklenbnrg, empfing 1217, Sept. 24. zusammen mit Engelbert von Köln die Weihe. Llrron. rsz;. Oolou. p. 2o. N ^nu. 8tacl. p. 356; ^un. Nrsm. p. 858. *) König Waldemar II. und Erzbischof Gerhard verbünden sich 1218 der Art, daß jeder dem anderen aus eigene Kosten gegen jeden Angriff beizustehen hat. Mekleub. Urkbch. I, 224. Bgl. Usinger S. I7S ff. Die letzten Kampfe Otto's IV. und sein Ende, 1217. 1218 461 dcn Grafen die Bischöfe von Livland und Estland und der Abt von Dünamünde an den Hof des dänischen Königs begleiten, dessen Hülfe in ihrer Russennoth anrufen und sie um den Preis der Abtretung des ganzen Estcnlandes zugesichert erhalten H. Aber auch von der einst durch König Philipp ausgesprochenen Zugehörigkeit Livlands zum deutschen Reiche ist fürs Erste nicht mehr die Rede: König Waldemar besaß ja in Lübeck und in dem 1217 befestigten Travemünde-) die Schlüssel zum deutschen Livland. Diese Wendung der dänischen Politik gegen den Osten kam insofern dem Kaiser zu Statten, als Waldemar, dem es nie um völlige Niederwerfung des nahen Verwandten zu thun gewesen ist, jetzt von unmittelbarer Bekämpfung Otto's und seiner Manischen Verbündeten abstand und sich darauf beschränkte, für alle Fülle Harburg als Brückenkopf und Beobachtnngspostcn besetzt zu halten ^). Otto konnte nun selbst wieder nach der deutschen Seite hin angreifend Vorgehen, gegen den Erzbischof von Magdeburg und gegen Markgraf Dietrich von Meissen, von denen der letztere — ein deutlicher Beweis, daß er mit König Friedrich II. völlig ausgesöhnt war — sich eben auf das Anhaltische geworfen und Aken, obwohl vergeblich, berannt hattest. Da, im Spätsommer 1217, erschien der Kaiser im Felde. Er lagerte vor Kalbe und verwüstete von dort aus erst die magdebnrgischen Besitzungen auf der linken Seite der Elbe; dann ging er über den Strom hinüber und verheerte auch das jenseitige Land, wobei der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg ihm getreulich halfen. Seine Angriffe auf Burg und auf das westlich davon an der Elbe gelegene Nie- gripp wurden jedoch abgeschlagen und er erlitt außerdem einen großen Verlust bei dem Rückzüge über dcn inzwischen angeschwollenen Strom. Immerhin hatte Magdeburg, das förmlich im Kreise umzogen worden war, die Rache des Kaisers empfindlich zu kosten bekommen und man begreift, daß Erzbischof Albrecht sehnsüchtig nach der Erlösung von diesen ewigen Heimsuchungen ansschaute, welche König Friedrich bringen sollte. Aber freilich, bevor dieser tz Nach (lürou. Oauicum p. 264 ist Pfalzgraf Heinrich 1217 mit Gerhard von Bremen zusammen beim König in Schleswig gewesen. — lieber Albrechts Krenzzug s. Usinger S. ISS, der die L-ache aber etwas zu harmlos auffaßt; Hildebränd, Chronik Heinrichs s. 105 ff.; am besten Hausmann, Ringen der Deutschen und Dänen S. 9—17; Dchio il, 180. Der von Heinrich von Lettland wiederholt überlieferten Behauptung der Dänen, daß ihnen durch Bischof Albrecht von Livland ganz Estland abgetreten worden sei, hat wohl der Schwertorden widersprochen, aber nie der Bischof selbst. 2s ^nn. Ilvousss p. 406; Holstein. Reimchronik V. 239 ff. st S. o. S. 443 Anm. 2. Ü Hanptquclle für die Ereignisse in den Elbgegenden sind die der Magd. Schöppenchr. S. 141. 142 zu Grunde liegenden verlorenen (testa. ^.Iberti, aus welchen auch wohl die kurzen Nachrichten der Sachsenchron. K. 354 stammen, s. Weiland im Forsch, z. deutsch. Gesch. XIII., 192. lieber die Einreihung der Ereignisse z. I. 1217 s. meine, wie es scheint, allgemein gebilligte Ausführung: Gesch. K. Friedrich II. Band I. S. 89 Anm. besonders gegen Schirrmacher I, 108. 109. 462 Viertes Buch, Kapitel IV. 1217. herbeikommeu konnte, erschien der Kaiser nochmals im Lande: er lagerte sich bei Hamcrsleben, vereinigte sich wieder mit dem Brandenburger und dem Sachsen und verwüstete nun den westlichen Thcil des'Erzbisthums, der wahrscheinlich bei jenem ersten Zuge weniger gelitten hatte. Friedrich rückte inzwischen zum Schutze seiner sächsischen Freunde vom Rheine heran, über Gelnhausen und Fulda, wo der Herzog von Baiern zu ihm stieß st. Er zog weiterhin quer durch den Harz und traf am 14. September bei Gernrode ein, ohne Zweifel mit überlegenen Kräften, fo daß der Kaiser, wie vor vier Jahren, auch jetzt wieder der Entscheidung im offenen Felde anszuwcichen für- gut befand und nach Braunschweig znrückging, dessen feste Mauern schon mehr als ei» Mal seine Rettung gewesen waren. Friedrich seinerseits hielt sich jetzt bei dem vom kaiserlichen Hanptmann Cäsarius vertheidigten Quedlinburg ch nicht lange auf. Als Erzbischof Al- brecht „mit großer und schöner Ritterschaft" zu ihm gestoßen war, folgte er über Königslutter dem abziehenden Gegner nach Braunschweig, dessen Umgebung jetzt alle jene Schrecken des Krieges ertragen mußte, von denen Magdeburg eben befreit worden war. „Das mußte der Kaiser leiden und anschen", aber der Stadt selbst vermochte Friedrich auch jetzt wieder Nichts anznhaben und er zog ab, als Nichts mehr zu verheeren war ch. ? Erfolglos ist darum dieser Herbstseldzug von 1217 doch nicht gewesen. Denn als Qtto sich in Braunschwcig cinschloß, da haben auch der Markgraf von Brandenburg und der Graf von Anhalt sich von ihm losgesagt ch und er hatte seitdem keinen weiteren Anhang als seinen Bruder, deu vertriebenen Pfalzgrafcn, und den schwächsten von den Askaniern, den Herzog von Sachsen, welcher aber um keinen Preis, selbst dann als Friedrich sein eigen Land ü Friedrich urkundet (nach dem 'Hoftage zu Boppard? s. o. S. 458) Juli 17. zu Koblenz Ito^. ur. 2»6, ist dann nach einer Urkunde Gerlachs von Büdingen, IluIII-Ursü. I, 522 not., in Gelnhausen gewesen und datirt Aug. 15. kex. nr. 207 aus Fulda, wo der Herzog von Baiern unter den Zeugen steht. Den Tag der Ankunft in Gernrode giebt die «chöppenchronik. *) Die Vertreibung dieses schon öfters genannten Mannes war ein Hauptpunkt in dem nach Ottws Tod zwischen seinem Bruder und Erzbischof Albrecht geschlossenen Frieden. Oi-ix;. III. 656. Später finden wir ihn für Herzog Otto von Braunschwelg gegen Hildesheim thätig. dock. ckipl. TinlnUt. II, 511. 2) Vgl. auch Rein. I>eo217 Jnd. 6. Aug. 18. (Isrsckort, (loci. äipl. 8ax. II, 9 p. 4 kommt Graf Heinrich von Anhalt unter den Zeugen vor. Die Jahresangaben stimmen aber nicht. Die letzten Kämpfe Otto's IV. und sein Ende, 1217. >218. 46Z verheerte, von seinem Kaiser lasse» wallte'). Das war an sich rühmlich, aber konnte dem Welfen wenig helfe». Tie Lage der Dinge war für Qtto IV. viel ungünstiger als im Frechlinge des Jahres 1208, als König Philipp ihn mit dem letzten Angriffe bedrohte. Damals hatte er doch noch die Dünen für sich gehabt, die jetzt mit dem Staufer verbündet waren. In der Hauptsache auf seine Hansbesitznngen znrückgedrüngt?), war er für den Untergang reif. Die Krone des Stanfers konnte er nicht mehr gefährden, obwohl er immerhin noch soviel Kraft besaß, an unbequeme Nachbarn empfindliche Schlüge auszntheilcn. Im Frühjahre 1218 nahm er dem Grafen von Anhalt Aschersleben und verbrannte die Stadt, nachdem die dortigen Vorrüthe nach Quedlinburg abgeführt worden waren"). Wer vermag zu sagen, wie lange diese Zuckungen des Todeskampfs Hütten dauern können, wäre nicht dies Mal an Qtto selbst jener Ruf ergangen, welcher ihn im Jahre 1208 in gleicher Noth plötzlich von seinem damaligen Nebenbuhler befreit hatte. Es war aber die höchste Zeit, daß das Ende kam, denn das Sachsenland, seit Jahren der Schauplatz wildester Kriegsgrüncl, war seinem Ruin nahe. „Wer das Ungemach und den Jammer, welchen die Feindschaft des Kaisers und des Erzbischofs von Magdeburg über das Land brachte, schreiben will, der muß ein großes Buch dazu nehmen" st. Man sagte auch: „Ein Kaiser Qtto und ein Erzbischof Albrccht haben das Bisthnm Magdeburg gestiftet, ein Kaiser Qtto und ein Erzbischof Albrecht es vernichtet""). Am 13. Mai war Qtto IV. von der Harlingsburg auf die Harzbnrg gekommen: er sollte diesen eines Kaisers würdigen Sitz 0 Friedrich zerstörte StaSfnrt. Schöppcnchr. I. o., Sachsenchron. K. 354. Für den weiteren Rückweg des Königs möchte ich einen Aufenthalt Friedrichs in Leipzig ansetzcn, welchen Dietrich von Meissen benützte, um sich zum Herrn der Stadt und von den Bestimmungen des Bergleichs von I2l«i frei zu machen. -Vnn. IV-Anv. >>. 21W ff. o. S. -ML Anm. ». 7). Vgl. Sachsenchron. I. o., während Dietrichs Anfällen auf Anhalt: 10s irmregrevo ^knvnn ckarnn Inlmolro ivsckor, äat tobralr No. Friedrich urkundet weiter Nov. 8. >7. zu Altcnbnrg, liox. ur. 2lw. 211 (nicht 210, denn dieses ist — nr. 185 und gehört zu !2!6s. Die Zeugen von nr. 2u9: Bischof Otto von Wirzbnrg, Ludwig von Baicrn (s. oben S. 402 Anm. I). Dietrich von Meissen, Ludwig von Thüringen und Hermann von Baden sind wohl auch an dem Feldzuge gegen Braunschweig bctheiligt gewesen. 3 DaS hebt auch die offenbar von einem Augenzeugen und, da sie in einem brabantischcn Kloster anfgefunden worden ist, wohl für die Kaiserin verfaßte Xarratio cko Isstninonto ot rnorto Ottonis, OriA. OnoII. III, 84» hervor: vix in nlliinis iinporii torrniuis Irorockitaris ack so cksvolutis, Iravitaro porinittitnr. Räthselhaft ist mir, woher das viele Geld gekommen sein mag, das Otto zur Zeit seines Todes noch in Brannschweig gehabt haben soll, ibick. x. 843. 2) Sachscnchronik K. 355. Destameutnin Ottonis, LI. (4. IwA. II, 222. — Magd. Schöppcnchr. S. 142: In ckeur 1218 iaro Arovo Ilinrilr van rLnIralt boleicko 2 LsaIlcrsIovo nnck rvan ckat nnck vorvranäs cks stack. Ist das Mißverständnis; der Quelle oder ein anderes Ereigniß? ') Magd. Schöppenchronik 1. o. st Oliron. Llontis 8oreni p. 183. 404 Viertes Buch, Kapitel IV. >218. nicht wieder verlassen. In der folgenden Nacht erkrankte er. Eine Arznei, deren er sich in jedem Frühlinge zn bedienen Pflegte, war dies Mal wohl in zn großer Portion von ihm genommen worden und ihre Wirkung, welche zur bösartigsten Ruhr ausartete, richtete schnell seinen an sich kräftigen Körper zu Grundes. Am 15. begann er an die Möglichkeit des Todes zu denken und bestellte ans den folgenden Tag den Abt von Walkenried zu sich, der ihm die Absolution von dem Banne crtheilcn sollte. Denn unkirchlich war er nichts. Er hat fortwährend um seines Seelenheils willen den Kirchen seines Bereichs mancherlei Schenkungen zngcwcndet und wohl auch dadurch bewirkt, daß cs ihm trotz Bann und Interdikt an Gottesdienst niemals fehlte^). Diese Thcilnahme am Gottesdienste war nun freilich ein neues kirchliches Vergehen, und obwohl Otto die Gerechtigkeit des päpstlichen Bannsprnches bestritt, daran hat er, voll »nd ganz.ein Sohn seiner Zeit, nicht gezweifelt, daß derselbe die Macht habe, ihn im Jenseits zu binden. Ihn ergriff Angst um seine Seele. Als der Abt nicht rechtzeitig cintras, wurde der Propst der Cisterzienscrinncn von S. Bnrchardi zn Halberstadt gerufen und dieser erthcilte dem Kaiser, welcher den Befehle» des Papstes gehorchen zn wolle» schwor, die Absolution vom Banne, nahm ihn durch Oclung und Abendmahl wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufH. Die nächsten Tage brachten dem Kranken keine Besserung, nur Steigerung der Schwäche, welche ein baldiges Ende voranSschcn ließ, und ein immer dringenderes Verlangen nach Bürgschaften für das Jenseits. Am 18., als der Abi endlich angekommen war, befahl Otto allen mit Ausnahme der Kaiserin und der Priester das Gemach zn verlassen; cs wurde das „Milten wir im Leben sind" und manch anderes Kirchenlied gesungen und dann bekannte der Kaiser, vor dem Abte auf dem Boden hingcstreckt, nochmals seine schweren Vergehen gegen den Papst und seine Absicht, wenn Gott ihm das Leben schenke, demselben fernerhin zu gehorchen. Erst bei dieser Gelegenheit bekannte er, daß er gleich nach der Kaiscrkrönung das Kreuz genommen, aber sich durch Ein- ') Xarratio I. o. auch für das Folgende Hauptquclle. Vgl. Schöppeuchron. und Sachscnchron. van der roro; Vlrrou. reg. Volon, p. 20: üuxu oanAninis. Laugcrfeldt, S- 330, hat mit Recht auf das Zcugniß des Bischofs Sigfrid von Hildesheim hingewicsen, der in Bezug aus die Stacht vor dem Tode Otto's sagt OiÜA. III, 661: Ipso sieut vir dovotns ot ezui sompor dsum prao ooulis Imlnwat, nolnsonin cls saluts uninnrs snno diliAsntor por- traotavit. Vgl. Konrad von Hildesheim bei VIwinns Oantixr- s. u. S. 168 Anm. 2. Wegen ^es Gottesdienstes in Unteritalien s. o. S. 260, in der Hildesheimer Diöeese S. 308 Anm. i. Stach der Xarratio p. 813 Pflegte Otto täglich das Abendmahl zn nehmen. lieber Otto's Beziehungen zn dieser Propste! s. Braunschw. Reimchron. V. 7222 ff.; Oron. eins. Hruiisvio. o. 15. Da Otto auf den von Goslar herbeigebrachten Reliquien von S. Simon und S. Judas schwor, ist dadurch wohl die Nachricht der Goslarer Stiftschronik, 51. 0. Dontselm Olnon. II, 596 entstanden, daß er die Absolution durch den Dekan Ambrosius von Goslar empfangen habe. Richtig aber ist (s. u.) ^.un. 8tml. p. 357: a, 8ilrido Ililäosü. sp. Ldsolutus. Die letzten Kämpfe Otto's IV. und sein Ende, 1217. 1218. 465 gedungen des Teufels von der Erfüllung des Gelübdes habe abhalten lassen st. Auf feinen Wunsch löste die Kaiserin von seinem Halse ein bisher verborgen getragenes Kreuz; der Abt hieß es ihn fortan öffentlich tragen als Zeichen, daß er Vergebung aller Sünden empfangen habe. Otto scheint auch dieser Verheißung noch nicht recht getraut zu haben; er meinte an seinem siechen Leibe abbüßen zu können, was er an seiner Seele gesündigt. Er befahl Ruthen herbeiznschaffen und die Streiche, welche die Geistlichen widerstrebend ihm versetzten, während das Miserere ertönte, dünktcn ihm viel zu milde: bis aufs Blut solle man ihn peitschen. Erschöpft wurde er in sein Bett znrückgetragcn. Wunderliches und zugleich nutzloses Gebühren! Denn welchen Werth konnte die Kirche auf diese unwürdige Selbsterniedrigung, das Schuldbekenntnis; und den wiederholten Schwur des Gehorsams legen, da Otto letzteren stets wieder durch die Klausel beschränkte, daß er ans seinem Rechte als Kaiser bestehe st. Das war aber gerade der Grund, weshalb die Kirche ihm feind war, und die Ursache, weshalb der Bann solange auf ihm lastctest. Selbst die Milde eines Honorius III. würde jene Absolution, wenn Otto am Leben geblieben wäre, schwerlich als eine gültige anerkannt haben; er hätte^ es sowohl nach der herrschenden Praxis als auch nach dem Beschlüsse des römischen Koneils nicht einmal gedurft. Gott und das Kaiscrthnm thciltcn sich in die Gedanken des todkranken Welfen, und nachdem Otto jenem gegeben hatte, was er nach seiner Auffassung ihm schuldig zu sein glaubte, sorgte er noch darum, daß auch der Hoheit der Kaiserkrone ihr Recht werde. Noch am 18. Mai machte er sein Testament s. Er verfügte, was der st S. o. S. 296. st Xnrr.atio p. 812: „inrnvi.eprod kW onrnia, eznno vita ooinitv pro8vipd poloro, 8t,asto innndnto >1. papas, 8nlvo tnmon inso iinperio, ad eznod cnnonieo 8n»i vlaotim et 8olsin»it6r provsotuv'st gumn sxasptionorn oennpor npud »muss Imvevnt, 2) ^m>. llol. max. p. 833 meint, daß Otto, der nun per 8 nniio8 vin- onio vxaonininnicntionm n duolirm npo8tol>ei8 innndntn8, enni 8vpin8 liono- imt 08 vii '08 PID iiipvtrnndn vvnin llonmm mittsrot (wir wissen davon Nichts), 8Li1 tninen 8tnrv nmndnto aorum non nämitteret, jetzt auf dem Todbette die unbedingte Unterwerfung gelobt habe. Das wird durch die Xnrratio ebenso widerlegt als droniea äue. liriumvie. e. 15: Orarv oolstznt, czuod eunr do- uiinu8 nnvorieorditor at>8olvsret et de rege utilicw! provideret. Nach dem Orig. öl. 0 1-eA. II, 221; Asfeburgcr Urkbch. 'Nr. 05. ES ist datirt: Ilartmlinreb 15 kul. iuuü und in der Xarrntio in die Erzählung von den Vorgängen des i8. Mai eingeschaltet; die wirkliche Ausfertigung kann jedoch nicht am 18. erfolgt sein, da der unter den Zeugen genannte Bischof von Hildeshcnn erst in der Nacht vom 18. auf I!1. auf der Harzbnrg anlangte. Dasselbe gilt von der gleichfalls des Datum des 18. tragenden besonderen Beurkundung der im Testamente enthaltenen Schenkung Schevcrlingebnrgs an S. Blasius IIap'. nr. 193, die von derselben Hand und mit den gleichen Abkürzungen wie das Testament geschrieben ist, s. Asscb. Urkbch. Nr. 94; es gilt aber auch von der als miprsma voluntN8 gleichfalls mit 18. Mai datirten Restitution an Hildesheim, livp-. nr. 192, falls letztere überhaupt echt sein sollte. Der Abdruck Orix. IlnslI. III, 845 ist nicht genau, der Anfang z. L. IlM Otto, das Siegel ganz ungewöhnlich, ans.der Rückseite befestigt. Jak»'b. d. dtsch. Gesch. — Wi n kclmann , Otw IV. 39 466 Viertes Buch, Kapitel IV. 1218. Kaiserin Maria zufallen sollte, entschädigte die Klöster der Nachbarschaft für die Kriegsschäden, verordnete, daß die auf Kirchengut errichteten Burgen zerstört würden, und sicherte den wenigen Getreuen, welche ihm zuletzt geblieben waren, dem Reichstruchseß Gun- zelin von Wolfenbüttcl, dem Grafen Heinrich von Waldcnberg und Anderen den weiteren Besitz ihrer Lehen; er befahl die Hnrz- burg, welche er selbst verstärkt hatte, wieder dem Reiche zurückzustellen r), — aber was den Kaiser vorzüglich beschäftigte, das spricht doch der an die Spitze der Urkunde gestellte Satz ans, welcher von den Reichsinsignien handelt. Sein Bruder, der Pfalzgraf, solle diese 2 ) keinem ausliefern als demjenigen Könige, welchen die Fürsten ein- müthig erwählen würden, oder „dem, der jetzt erwählt ist", wenn die Fürsten sich über ihn einigen; er solle cs zur Ehre Gottes und zum Scclenheile des Kaisers und daher nncntgeldlich thuu oder höchstens gegen Sicherung des wclsischcn Patrimoniums, aber in keinem Falle früher als zwanzig Wochen nach seinem Tode^). Otto wollte auch im Tode nicht gezwungen erscheinen; im klebrigen lassen seine Anordnungen den Schluß zu, daß er eine Fortsetzung der wclfischen Opposition gegen das staufische Königthum als Unmöglichkeit erkannte. In der folgenden Nacht kam auch der Bischof Sigfrid von Hildcshcim an. Er wurde sogleich vom Kaiser empfangen und bestätigte und beurkundete die geschehene Absolution. Des Morgens wurde der Kranke sehr schwach; er ließ sich noch ein Mal von seinem Beichtvater das Abendmahl reichen '), dann ist er gestorben am 19. Mai 1218, noch nicht ganz 36 Jahre alt. Er wurde, wie er Tags zuvor angeordnet hatte, in königlicher Kleidung, eine Krone aus dem Haupte-'), das Sccpter in der Rechten, den Apfel in der Linken und ein Schwert zur Seite, in S. Blasien zu Braunschweig begraben, vor dem Chore, wo seine Eltern ruhten und seine erste früb verstorbene Gemahlin Beatrix von Schwabens, ll Vgl. Langcrfeldt «. 333. 2 ) protor pallinm nostrnrn iznoct äanctnrn est ack s. Xgiäiuin. Jetzt im Museum zu Braunschweig. Vgt. Fr. Bock im Organ f. christl. Kunst 1858 Nr. >1, wo jedoch die Bermuthung, daß Otto diesen Mantel „von den kunstgeübten Saracencn Siciliens" zum Geschenk erhalten habe, abzuweisen ist. Denn die verwilderten Mohamedancr des Inneren waren es, welche mit Otto in Verbindung getreten waren, s. 0 . S. 282 Amn. 3. Irrig ist also istuill. 'I')-r. eoirt. XXX, 10 p. 304, daß Otto vor seinem Tode die Insignien an Friedrich gesandt habe. 9 Hier bricht die Xarrrrtio'ab. Den Todestag geben 6ron. äuo. ürnns- vio. o. 15; Xnn. 8tack. p. 357; Oliron. reA, 6!ol. p. 20. Die Xnn. Ool. irmx. p. 833 haben 15. Mai, die Vnn. Varl. ^1. 6l. 8o. XI, 500 — die einzige italische Quelle, welcke das Datum anmerkt — 21. Mai. Lonomvnns kistorisnsis sso. XV bei Vartini I, 00 läßt Otto auf dein Krenzzuge von >217 sterben. (Etwa daraus dann in liieorcl. Kalos^. o. 103. 100 ?) b) Es ist bezeichnend, daß Otto diese Krone schon früher für seinen Todesfall hatte anfertigen lassen. X-rrratio p 813. (Iran, cknonnr, Xnn. 8 tacl., Xnn. 60 I. I. o. Der Tag des Begräbnisses ist nicht bekannt; die bei demselben Anwesenden ergeben sich ans den Be- Die letzten Kämpfe Otto's IV. und sein Ende, 1217. 1218. 467 Otto IV. hinterließ keine Kinder. Seine zweite Gemahlin Maria von Brabant kehrte bald zum Vater zurück >) und hcirathcte daun den hochbetagten Grafen Wilhelm von Holland, welchen sie um viele Jahrzehnte überlebte ?). Otto's Erbgut aber ging auf seinen Bruder, den Pfalzgrafen Heinrich über, welcher'zugleich über Otto von Lüneburg, den Sohn des schon 1213 gestorbenen dritten Bruders, die Vormundschaft führte und somit augenblicklich Alles unter sich hatte, was von den Ehren und einzigen Besitzungen des welsischen Hauses noch übrig warb). Die nächste Zeit mußte lehren, ob selbst das gegen die vielen Feindschaften, welche der verstorbene Kaiser gegen sich wachgcrufen hatte, zu behaupten sein werde. Ausdauernde Tapferkeit, wer wollte diese Eigenschaft dem Sohne und Neffen löwcnhcrziger Fürsten bestreiten? Aber zu den übrigen Tugenden ist Otto IV. nur unvollkommen herangereift Dadurch daß er nicht Maß zu halten, nicht sich auf die Grenzen seines Rechtes und seines Könnens zu beschränken vermochte, ward das Leben des ersten und letzten welsischen Kaisers unfruchtbar für ihn selbst, verhängnißvoll für die Seinen, verderblich für das Reich. Das welfische Haus büßte durch ihn die fürstliche Stellung am Rheine wieder ein, welche manchen anderen Verlust hätte aufwiegen mögen; die Geschichte des Reiches aber wird nicht nur die zwanzig Jahre seines Königthnms als eine für viele Jahrhunderte entscheidende und zwar ungünstige Wendung zu verzeichnen haben, sondern auch anerkennen müssen, daß Otto IV. zu dieser Wendung das Meiste selbst beigctragen hat, erst als Gegenkönig durch den urkundungen des Pfalzgrafen Heinrich und des Bischofs Sigfrid über die Schenkung von Schevcrlingebnrg und unter ihnen ist auch Bernhard von Horstmar. Orig. III, litio. 661. Die Grabschrift bei Havemann, Geschichte von Braun- schwcig I, 296; über die heutige Stelle des Grabes Langerfeldt S. 331. 0 Auf der Harzbnrg 1218 bestätigte sie als N. clsi gr. glorios! 0. Lom. imp. viclua die Schenkung der vakanten Kirche S. Jakob in Osterrode, gpmm dominus nostsr iratsrnitati slsrioorum st milituin oomprovineialium iir rsmsdium anims sus oonosssit. Orig. Oluelt'. III, 846. Ihr Siegel als Kaiserin bei Heffner Taf. VIII Nr. 42, als Wittwe Taf. VII Nr. 43. lieber ihr das persönliche Wappen Otto's enthaltendes Secretsiegel s. u. Erläuterungen VIII. tz 7. 2) llrk. des Grafen Wilhelm über ihr Wittthum 1226 Juli Oorlr. van Holland 1, nr. 276; er starb schon 1222, Febr. 4. Orig, Olusls. III, 371. Durch diese Hcirath wurden cigcnthümliche Verwandtschaftsverhältnisse begründet. Denn Wilhelms Sohn erster Ehe Florentius (Vater dcö Königs Wilhelm) war mit ihrer Schwester Mathilde vermählt, die ihrerseits wieder früher den Neffen Otto's IV., Heinrich II. von der Pfalz, zum Manne gehabt hatte. Die neue Bearbeitung der Lsg. imp. wird auch die Regesten der Kaiserin Maria bringen. ") Brannschw. Reimchron. V. 7378 ss. In Otto's Testament findet sich nur eine Bestimmung für seinen Neffen: Oastrum lOsvesnburolr rsclclatnr Ot- toni da Lunsbursli nepoti nost^o, ^uia Patrimonium suuin sst st eins ssssit portioni. Vgl. Langerfeldt S. 332 Anm. 366. Z S. die verschiedenen llrtheile der Quellen über ihn Bd. I, S. 73 ff. Vgl. Oliron. s. stlioli. Lunsv. stl. Ol. 8s. XXIII, 397: Iluius imp. virtutss st prslia st laborss adlius in memoria vivsntiuin liabsntur st in ssrip- tis invsniuntur. 468 Viertes Buch, Kapitel IV. 1218. illegitimen Ursprung seiner Krone, dann ebenso sehr als an sich legitimer Herrscher durch eigensinniges Verharren in einer unhaltbar gewordenen Position. Trotz seines hohen Bewußtseins von der Bedeutung der Krone hat er sie durch seine Concessioncn an Papst und Fürsten gründlicher geschwächt als irgend einer seiner Vorgänger und zugleich seinen Nachfolgern es unmöglich gemacht, den Schaden wieder zu heilen. Sein Wirken ist rein negativ und keine hervorragendere Leistung knüpft sich an seinen Namen, an welcher die Nation ihre Freude haben könnte. Dankbare Erinnerung schuldete ihm im Grunde nur eine Anzahl geistlicher Stiftungen in seinem Erbgute und vor Allen die Stadt Braunschweig, um deren Emporkommen er sich unleugbare Verdienste erworben hat H. Die Schriftsteller der Zeit rühmen seine Herzenszerknirschnng, die reuige Unterwerfung unter die Kirche auf dem Krankenbette : ein ehrlicher Rcitertod im letzten Ringen um die zäh vcrtheidigte Krone möchte ein stimmungsvollerer Abschluß jenes kampferfüllten Lebens gewesen sein. ^ lieg-. Ott. ui-, 10. Vgl. Langerfeldt S. 328. Amn. 300. Man knüpfte daran weitere Fabeln, unter welchen die bei Xld. 8tad. p. 357: IneUadili eontritiono oompunetus, ita nt eoguinarüs suis preeo- perit, nt Ineollum suum eoneuloarent, wegen des Ursprungs in einer Gegend, wo man den Hergang besser hätte wissen können, am auffallendsten ist. Odounr. 8edir., bl. O. 8s. XVII, 032 erzählt, Otto habe sterbend besohlen, seine Gebeine nach Rom ;u bringen, damit der Papst selbst sie vom Banne löse. Dies sei auch geschehen und erst dann habe man sie zu Braunschwcig begraben. Auch llielmr. 8snon. III, c. 10 erzählt davon, setzt aber hinzu, er wisse nicht, ob der Befehl ausgeführt worden sei. Der leichtgläubige 'I'doinas 'Unsens, bl. 0. 8s. XXII, 50n lies; sich diese Geschichte nicht entgehen und fügt hinzu: lueet poooator tusi'it, tamen in doo signum tidelitatis omuibns de ss dodit, undo divitur 1uratori VII. 617; vgl. Toeche, König Heinrich VI. S. 343 ss.), vsuit Ibulsius irrt 1'SASIU Vrgueigs st obtulit si, c^uoci sr ipss eousilio suo geczuissosrst, Igssrst snnr iiupsratorsiu lioiuguoruiu arrt Oonstgutinopolitguoruiu, utrunr sibi sls^srit. Our rex Viuuoirrs lasiisiu prgsbsus gsssusum, prg.spnra.vit itl- irsri suo usssssgrig in s 200 / 1 2»I (s. o. S. 32. 39.), namentlich wenn mit ihnen zufällig die Anwesenheit Margaritone's am französischen Hofe zeitlich zusammen- gcfallen sein sollte, zur Erzeugung jenes Geredes von seiner officiellcn Unterstützung durch den König ausgereicht haben können. 1) Majo, ein Enkel Margaritone's, war damals noch Herr von äkevhalenia, Jthaka und Zakynthos. Hertzberg, Gesch. Griechenlands II, 65. 2) Raumer (1. Ausg.)III, 92 Anm. 2 nimmt sogar an. daß Margaritone mit Walther nach Rom gekommen sei. II. Die Erzbischöfe Petrus und Parisius vvu Palermo. (S. o. S. 4g. 317.1 Die Reihe der Er'biscköfe von Palermo, welche dem 1199 oder 1209 gestorbenen Bartholomäus >s. o. S. 17 Anm. 6) folgten, nachdem Jnnocenz III. die Wahl des Kanzlers Walther von Palcar verworfen hatte, vgl. 6ssta e. 33, ist bisher nicht sichergestellt. Es ist namentlich fraglich, ob Petrus c,uonäam ^lanariensis ezuseopus, czui per (ei. paz>ae) manckatmn erat in areliieinseo- PNIN panorm. assn>n;,tus, Oesta e. 39, der unmittelbare oder erst der zweite Nachfolger des Bartholomäus bez. Walthers gewesen sei. Zur Entscheidung werden folgende Stellen in Betracht kommen: 1209. e. August Petrus iVaxari eovlesiv minister schreibt dem Papste über den Sieg von Monreale. liudries lit. seorst. pont. n. III nr. 158 bei VUeiner, Ilion. 8Inv. meriel. I, 51. 1201. e. August 1'anormitano eleeto su;>er eontirmntione slsotionis eins per arelrispiseopum ^lontis Ilegalis auetoritats az>ost. aUeo lssclis?) eeledrats. — Oancmieis panorm., czuocl ixsnm in areliiepisvopum reeipiaut st ei parsant st intenclant. Iliicl. pont, a. IV nr. 157. 158 ei. >59. 160. Vlrsiusr 1. o. 1, 60. 1202. Mai 15. p. ezuseopo, in pauorin. areliiepiseoxum vlssto et regio lamiliari. ppist. V, 39. — lia^n. Xun. eoel. 1202 2 löst hier die Sigle in Petrus, pirrus p. 128 in parisius ans. — Sept. 24. 6. arelriepiseoxo Llontis Ilegalis st parisio spiseozm, in panorm. aroliiep. eleeto, regis Lieiliae kamiliaribus. ppist. V, 89. Vielleicht verdankt die Lesart parisio nur einer Con- jektur des Herausgebers ihre Entstehung. 1203. Novbr. p. episoopo, in pnnorm. aroliiep. eleeto, regio lamiliari. ppist. VI, 159. 1204. Okt. 5. p. episoopo, panormit, eleeto. ppist, VII, 136. 1211. Januar parisius, panormit. eeele. slsetus in einer Urkunde Friedrichs II. Iluill.-IIrölr. I, 182. 1212. Mai 10. parisius, panorm. eleetus, von Jnnocenz III. verworfen. pziist, XV, 43. Die gewöhnliche Annahme, daß schon der Erwählte des Jahres 1201 ParisiuS geheißen, ist offenbar nicht haltbar; denn der damals Erwählte war schon vorher Bischof gewesen nach dem Wortlaute der Urkunden, Parisius aber nicht. Andere gewichtige Gründe kommen hinzu, z. B. 1> der Erwählte von 1201 hat nachher das Pallium erhalten zkssta e. 36), Parisius niemals; vielmehr wurde seine Wahl cassirt; — 2) Jnnocenz III. schreibt 9. Jan. 1209 ppist, XI, 208: nostris sst anribus iutirnatum, czuocl panorm. eeelesia vi cl uat a pastors, und er verfügt in Betreff der Neuwahl. 474 Erläuterungen II. Der erzbischöfliche Stuhl von Palermo war also am Ende des Jahres 1208 vakant i). Dieser Umstand aber beweist, daß der i2ll und 1212 vorkommende Parisius doch erst nach jener Vakanz gewählt sein kann und daß deshalb diejenigen, welche das p. in den Adressen vom >5. Mai und 24. Sept. 12N2 schon als ?arisins lesen wollen, entschieden Unrecht haben. Es liegt kein Grund vor, die Angabe der 6ssta zn bezweifeln, daß der im Jahre 1201 Gewählte vorher Bischof von Mazzara gewesen, und Petrus geheißen habe. Dieser hat dann also nach dem ö. Okt. 1204 das Pallium erhalten und ist spätestens 1208 gestorben. Ans diesen Erzbischof Petrns von Palermo dürfte sich auch die bisher ungedruckte Eorrespondenz im Iloneoinpaxnns, Iil>. V. tit. 4 (dock. Ilern, ur. 322. toi. I 7 d) beziehen, welche ich bei dieser Gelegenheit mittheile, ohne ihre Originalität behaupten zu wollen. Indessen mag sie erfunden sein, sie ist doch im höchsten Grade bezeichnend für die am Anfänge des 13. Jahrhunderts in Italien übliche Anschauung von der Praxis der römischen Kurie. IloZat I^anorinitanus eleetns cznenckain earckinalein, nt suain olsetionein taeiat oontirinari. t^nannxnain sntt'rax-anei et eapitulnin eeelosie l?anormitane nos sls- §srit in arelnpresnlein et pastorein, nielnloininns tninen in inontidus sÜFentium inopinate trauclis et Uoii terrngo remansit et nos panei sunt inter oos, csni lnlUent consoiontins vnnterintns et liliontissiino seanckali matsriain seininarent. (jnars ckoininntioncin et ainieitiain vestrnin ckuxi- inus attentins ckepreeauckas, nt electionis nostrs eontirmationsin latenter a snnnno clignsinini pontitieo iinpotrare, seientes cinock treeentos Inexan- oios volns per latorein presentinm clestinamns, rogantss propeneius, nt eoutsmpnsrs non velitis inuneris parvitatein. liesponsiva earUinalis. Vestrain provicksntiain UiAnis non inmerito lanckikns eommsnckamns, esrnsntes csnock vokis in posternin eantius proviäistis, kznoniain oantor l'anorinitanns iain venerat st snbckolis passidns euriam rej-iranUo, tin^e- bat se longins properare, set, velnt postinocknin intsUsxiinns, cznsckain in- Iionesta eoutra lionestatein vestrnm proponerv anslakat. Ilnäs nos slev- tionis vestre eontirinatiouein bestinantins enravimns iinpstravs ao ipsain vodis transmittiinns per spiseopnm 8iraeusann,n, lideralitati vestre äs treeentis anreis grates omniinockas retsrsntes. Möglicher Weise schon vor I. Kult 1208, wenn die damals vorkommende Titulatur Walthers von Palear als Nanorm. aopns ts. o. S. 78 Anm. 3) mehr ist als eine Erfindung des erste» Herausgebers der Urkunde, lieber Bemühungen Walthers, sich während der Vakanz bei dem Domkapitel beliebt zu machen, s. S. 93 Ainu. 3. III. Gregor von S. Galgano, Kardinalpresbyter von S. Anastasia, als Erzieher Friedrichs II. (S. o. S. 89.) In den Forschungen zur deutschen Geschichte VI, 301—405 habe ich zur Lösung der nicht unwichtigen Frage: „Wer war der Erzieher Friedrichs?" die Reihe derjenigen Persönlichkeiten gemustert, welche allenfalls in Betracht kommen konnten, eine bestimmte Antwort jedoch damals noch nicht zu geben vermocht. Nach einer Reihe von Jahren zu der abgebrochenen Untersuchung znrllckgekchrt, hofjc ich endlich zu einem befriedigenderen Ergebnisse gelangt zu sein. Das freilich war schon dort klar geworden, dass die meist nur kurze Zeit im Königreiche weilenden und noch kürzere Zeit mit Friedrich in Berührung gekommenen Statthalter-Legaten (Iiniuli) selbst keinen ncnncnswerthcn Einfluß auf die Entwicklung Friedrichs geübt haben können, obwohl die Kirche noch in der Zeit Jnnoecnz' IV. sich dessen rühmte, daß sic sich Friedrichs Jugend angenommen per (zninczuo snrckinrrlinnr snsssssionvnr visnrini» ipsunr uutrions. Xldart Voll., Bibl. d. lit. Ber. XVI, 2 zi. 73. Es sind da die Kardinale Gregor von S. Maria in Porticu, Cinthius von L-. Laurentius in Lncina, Noffrid von S. Mar- cellin, Gerard von S. Adrian und Gregor von S. Theodor gemeint. Ein viel größerer Einfluß mußte den Familiären und unter diesem dem Kanzler Walther von Palcar zugcschricbcn werden, wie er oben im Texte des Näheren begründet worden ist. Der Ruhm aber, die eigentliche Erziehung Friedrichs geleitet zu haben, gebührt jedenfalls der Kirche, da man doch die Encpclica Gregors IX. Leckes npostolien vom 7. April 1230 gelten lassen muß, Iluill.-Ilrslr. V, 200: Onin icksi» (bVick.) protootionis eoelssinstiss el^pso prsnrnuitns, psrsons et reg'ni sui I>one ineinorie (4: cke Onal^nnsin titull 8. Xnnstasis prss- I>)'tero snräinnii a secks nziostollen per nrnltos aunos ckspntato oustocko, inrrjoris inetas nttiAisset etntis n. s. w. Diese Stelle darf nicht so verstanden werden. daß (4. cke (4nalgansnr etwa rvAni dninlus gewesen sei, wie andere Kardinale in der Zeit der Unmündigkeit Friedrichs, da wir sehr genau wissen, welche Kardinale nach der Reihe Inriuli waren und da ein Kardinal (4., der mit diesem (4. äs <4nalAN»sin identisch sein könnte, unter ihnen nicht vorkommt. Seine Thätigkcit muß eine so sehr von politischen Geschäften abgekehrte, so zu sagen, private gewesen sein, daß sich auch nicht einmal ein Anlaß bot, ihn in Staatsakten der Zeit zu nennen und daß sie ohne jene späte Erwähnung des Jahres 1230 ganz vergessen sein würde. Aber auch seine kirchliche Stellung während der mnlti nnni seines Aufenthalts bei Friedrich muß eine andere als die eines Kardinals von S. Anastasia gewesen sein, da gerade in den für Friedrichs Entwicklung entscheidenden Jahren diese Würde ein Roger inne hatte, wenigstens vom 21. April 1206, ÜAlrslIi I, 680, bis 30. Dec. 1211, Dslisls, Llöln. snr Iss nates ä'Innoeent III p. 43. Ein Jrrthum in der Person von Seiten der päpstlichen Kanzlei oder gar Gregors IX. ist natürlich nicht anzunehmcn, da der Kardinal (4. cks OnalAansin selbst noch sein Kollege gewesen war. Derjenige, den er meint, kann nämlich kein anderer sein, als t'r. <4rsAorins äs Omlgano tit. 8. Xnastasis prssb. enrck., wie er in der Urkunde eines anderen Kardinals im März 1218 genannt wird, Quellen z. Gesch. Kölns II, 69, und den ich bisher in einigen dreißig päpstlichen 476 Erläuterungen III. Privilegien zwischen dem 7. März 1216, Uottli. nr. 5086, und dem 23. Mai 1221, ibicl nr. 7261, als Subskribent Nachweisen kann. Im Jahre 1230 war er nach der Art, wie Gregor seiner gedenkt, jedenfalls schon todt. Die Schwierigkeiten, welche sich an ihn knüpfen, liegen also nicht in seiner Nachwcisung als Äardinalpresbyter, sondern in der Dunkelheit jener Periode seines Lebens, welche dem Eintritte in diese Würde voranging. Wenn er nun bei Eiassonins, llesta pontit'. st enrcl. nl> JnZ. Olcloino reeogn. Iloirms 1001. Tom. I zu 1139. 1153: Oregorius llalgnnus äs 8. Xpostolo genannt wird und (Xnbsirvs Hist. Mnsirnlo äes enräinnnx. Tarls 1042. Tom. I. p. 2!3 diese Bezeichnung damit erklärt, daß (Ia.Ign.nns ans die Hcimath gehe, eis 8. Xpostolo aber der Familiennamen unseres Kardinals gewesen sei, so ist das vollkommen falsch. Ciacconi hat nämlich zwei ganz verschiedene Personen zusammengcworfen unfern Gregor den Presbyter von S. Anastasia und einen Gregor Diakon von S. Maria in Partien, der sowohl in einem Briefe Coclestins III. Xsta i»i>>. 965 als auch in eigener Urkunde Innoo. lüpist. I, 272: cls 8. Xpostolo heißt. Daß aber der Letztere später nicht gut znm Presbyter von «. Anastasia promovirt worden, also auch nicht mit nnscrm Gregor de Galgano identisch sein kann, habe ich schon in Forsch, z. deutsch. Gcsch. VI, 164 erwiesen. Ich meine aber anch, daß daS Uo 6algano vielleicht nicht sowohl auf die Hcimath geht, als auf ein Kloster, ans welchem Jnnoccnz III. unfern Gregor zur Erziehung Friedrichs berufen — denn daß er wenigstens I2t8 ein Mönch war, zeigt seine Bezeichnung als Irntsr. Sehr bekannt ist das Kloster 8. (lalgani in monts 8ezsii in der Diöccse Volterra, Hglielli isilit. 1) Tom. I. Xppsiul. zu 356. ES mag freilich anch noch andere Klöster dieses Namens in Italien gegen haben. Darf man nun annehmcn, daß dieser Mönch etwa wegen seiner Verdienste um Friedrichs Erziehung und wegen seiner besonderen Begabung unmittelbar zum Kardinalpresbyter erhoben worden sei? Vor dieser Schwierigkeit mußte ich anch bei der Revision meiner früheren Untersuchung in den Forsch, z. deutsch. Gxsch, IX, 461 rathlos stillstehen. weil es sich bald ergab, daß keiner der bis dahin bekannt gewordenen Kardinaldiakone des Namens Gregor später zum Presbyter von s. Anastasia promovirt worden war. Seitdem fand sich in den Talmlas or,I. Tlwnton. oll. 8troI>IIro ne. 362 znm 18. Febr 1216 ein Orsgorins 8. (leorgii aU velnin nnronm Ums. und da derselbe später mit diesem Titel nicht mehr vorgckommen ist, halte ich es für sehr wahrscheinlich, daß er mit dem späteren Presbyter von S. Anastasia identisch ist. Darnach würde das Leben des Mannes, der von Gregor IX. als Erzieher Friedrichs bezeichnet wird, also verlaufen sein: Mönch in einem Kloster S. Galgano; Erzieher Friedrichs per mu)tos annos und zwar seit 1204 , weil auf die folgenden Jahre sich die Lobsprüche Jnnocenz' III. über die raschen Fortschritte des Zöglings beschränken, s. o. S. 89 Amn. 2. Gregor kam also wahrscheinlich als Begleiter des Kardinal-Statthalters Gerard von S. Adrian nach Palermo und blieb vielleicht dort, bis Friedrich 1212 nach Deutschland ging. Kardinaldiakon von S. Georg und zwar nicht vor dem 1. Nov. 1213, an welchem Tage noch ein Berlin mit diesem Titel erscheint, Ilelisls p. 38, jedenfalls aber vor dem 18. Februar 1216, an welchem Tage er selbst den Titel führt. 8trelilke, I. s. Kardinalpresbyter von S. Anastasia, ernannt zwischen dem 18. Februar 1216 4, eine Compilation des IS. Jahrhunderts, aber mit Benützung älterer Quellen, zu welchen hier auch die >i. «>8 citirten oonnnsntnrii roMs stnooki gehören dürften: Xlt'onsns Nrovinoino ooinos llnroinono solvous, (lonstnntinin roxinnn, sorororn ncl k'roclorionin innritnin . . ., inngno Nro- vinoinlinin ot (lntnlnnorum proooruin ooinitntn, ckoclnoons in Jioilinin, l^okrunrio inonss Njipollit. IXinostno ons nnzitino inorto ^lltonsi ot pln- rinin prooernin, czni Innung. vi inorki iiiArnvosoonto ?nnlior,ni ckooscinnt, lnorunt. Oont. (ilnill. 4'r. im lioouoil clos Iiist. clos oroisnäos, 4Nin. II. Zi. 298: (N> rois cl'XrnAon) lit nrinor ^nloos et uoe:, oknrAor cl'arinos ot cts vinnclos, ot tist sn soror outror ons, si l'onvoin en Lösilo an roi Nscirie, st si onvoin son Iroro nvoo lni, czni onon 2 sstoit clo kroronoo, ot VO. oiisvnliers por In! rricler n rooovror oo czns si Iioino toiioient äs Ini. Xpros eo ^no il luront inon ä'Xrngon, nrrivoront il n uns oit6, czni n noin INIorino, In on li rois clo Ossilo ostvit. (^unut i> tnront nrrivä, si closooiicliront n torro, li rois nln enoontro, czni inonlt Kol los roont; ot si tost oomo il tnront vonu, il ssziosn ln clnino. t^nnnt il ot ln clnino ospo- sso, il so pnrtiront clo ?nlorino ot nloront pnr tltzsilo, innis po oon^uis- tront clo In torro; innis tnnt tirent li rois ot ln roino ot li okovnlior, czno il nloront clo knlerino znscgns n Nossins tot oongnsrnnt.... Xpros oo >) Die. so weit ich setze, einzigen deutschen Erwähnungen der Sache sind 6ont. Olaustronoob. ^lon. 6srm. 8er. IX, 634 und Ootilr. Vitsrd. Oont. Ddsrdae. p. 346, welche lehter.e sehr naib Konstauze durch die günstigen Nachrichten über Friedrich bestimmt werden läßt, nach Sicilien zur Bräutigamsschau zu gehen. Sehr wunderlich ist der Bericht der Oliron. rsg. Oc>1. x. 14 schon zu 1208: ttliam rsgis Xrrag. et aüüuo xaxauam, sst xostsa eliri- stianam kaotuin, äuxit uxorsm. 478 Erläuterungen IV. c^us li roio st li susn 2 Inrsnt srrivso n Nessiuo, us äeinora Anirss, czus li SUSU 2 tu rnoi '2 st Arnut partis cts sss elisvuliers, st l'sntvs s'sn rstorna srrisrss sn sou pais s li rois clsmora s blsosins uvse sss bovAsis, ^us äss obsvaUsrs n'avoit il Auirss uvso lui ^). b. Sicilische Quellen. Xnuslss 81suli in Non. Ksrin. 8er. XIX, 496: Xnno Domini 1209. IS. msnsis Xugnoti 12. inclistionio ck. Oonstsnsin cls Xrsgonia sppli- suit Dsnormnm st <1. rsx Driclsrions in soclsnr msnss clssponosvit sain ^). Ob von. 8ieuluin brsvs bei IInill.-Dröb., Iliot. clipl. I, 893: (Oon- stansisin) ciuxit in 8ieilisin euin nnvs.il sxvroitn trstsr 8uus soinss Dro- vineio s.. ck. ine. 1209 insusis suguoti. (jui post mockisnm tsinpu8 iäsin eoinS8 in Dsnorino inortuus luit st inslor psrs inilitnin, cpii ourn ipso vsnsrnnt. Zu den einheimischen Quellen tritt noch eine ungedruckte Urkunde Friedrichs aus Palermo vom Oktober 1209. in welcher er uns. euin eonsorts nootra Oonstsnvis. iliu8tri8siinn rsMna 8ieilis dem Bischöfe von Patti eine Schenkung macht. Nach dem IncUsuluo ist Graf Alfons im Februar (1209) gelandet und nach der Hochzeit seiner Schwester in Palermo gestorben. Aber cs wird nicht gerade gesagt, ob die Hochzeit gleich nach der Landung stattgcfunden habe oder erst später, und ebenso wenig, ob der Tod des Grafen bald nach der Hochzeit erfolgt sei. Es bleibt daher die Möglichkeit, daß zwischen ihnen ein gewisser Zeitraum lag, in welchen der im Hcirathscontrakte ausgemachte Kriegszug durch das Land zu Gunsten des Königs fallen könnte. Die Hauptpunkte in der Oont. Knill. UZn-. weichen von dem aragone- sischeu Berichte sehr bedeutend ab. Die Hochzeit findet gleich nach der Landung in Palermo statt; dann folgt der Zug durch Sicilien bis nach Messina und Hier, nicht in Palermo, stirbt der Graf. Es wird die Frage gestellt werden müssen, ob diese scheinbar bestimmteren Angaben von dem Jtinerar deS Königs unterstützt werden, welches nach den bisherigen Publikationen und den erst von mir auf- gesundcnen Urkunden sich folgendermaßen gestaltet: 1209 incl. 12. rsAn. II. Febr. Dnnorini Ilnill.-llrsb. II, 442. März 18 . März — April — April 14. — Mai — — iuel. — incl. — incl. ib. I, 144. ib. I, 145. für den Abt von Casamari. Ungedr. Ungedr., s. Ficker, Forsch. I, 354. Iluill.-llrsb. I, 146. vSAL. 12. Juni Ostanis ib. 145 not. vLAn. 11 (?) Juli — ib. 148. rsKn. 12. — — für S. Maria de Krypta. Ungedr. — Aug. LIs88s.ns Ilnill.-IIvsb. I, 149. — — — für die Templer. Uugedruckt. Sept. — Ilnill.-llrsb. I, 152. Okt. Ibrnorini für den Bischof von Patti. Ungedr. — — Ilnill.-llröb. I, 153. 156. Oskslucli ib. 156. Nov. 27. Ostsnis Dirrus p. 703 sxtr. NachlnvSAks bei II.-II. I,180 jedoch mit incl. 14. 13. 12 . — 13. — Dec. — Ilnill.-llrsb. I, 159. I) Auf diese Quelle ist zurüllzufütireu d'raneiso. llipin. bei ^lurut. 8er. IX, 644. die damit zusammenfallende kurze Notiz der üxistola Oouradi llanormit., dlura- lieber die Zeit der ersten Vermählung Friedrichs. 479 1210 iuci. 13. rogu. 12. Jan. Latuuio IIuili.-LiPd. 161. 162. 163. — — — Febr. 13. — für S. Pietro maggiore. Ungedr. — — . . April iVlsssaus IIuill.-LiPIi. 165. — — — Mai — für S. Maria in Messina. Ungedr. — — rsgu. 13. Juni — für die Templer. Ungedr. — . . . . — — Ikouleuux äs LIuuv ur. XXI. — — — — — IIuiU.-IIr6!i. I, 168. — — — Juli — ib. 173. 175. Es zeigt sich zunächst, daß zwei chronologische Möglichkeiten für jedes der drei Momente vorhanden sind, nämlich es geschah die Landung der Kricgszng der Tod des Grafen entweder: Febr./Mai 1209 Juni/Jnli 1209 ; Aug./Sept. 1209; oder: Olt. 1209. Olt. 1209 bisApnl 1210. April ff. 1210. Die Erwähnung Konstanzen als Gemahlin Friedrichs in seiner Urkunde vom Okt. 1209 hilft hier gar nicht weiter, da Leide Termine, in welchen die Landung resp. die Hochzeit stattgefundcn haben kann, in die vorhergehenden Monate fallen. Eher möchte in Betracht kommen, daß Friedrich im März seinen Ucbergang aufs Festland in Aussicht stellt (IIuill.-IZrÄi. 1, 144: cionso aä pnrtos Xziulio, cznock orit Ilomiuo ciispouvuts ln proxiino, pwrsoualitor voui.-unus), dieser aber ohne irgend eine außerordentliche Unterstützung, wie sie der eben in Palermo anwesende Graf Alfons gewähren konnte, fast unmöglich war. Diese Notiz würde also die bestimmte Angabe des luckiouino, daß die Landung im Februar erfolgte, unterstützen, die (/out. OniU. ihr aber nicht entgegen sein. Die sicilischcn Quellen dagegen verlegen die Landung des Grafen übereinstimmend zwar auch nach Palermo, aber erst in den August, die Xun. 8ie. noch bestimmter auf den 15. August und die Hochzeit in denselben Monat. Diese Daten sind zwar bisher als die Genaueren und besonders als die Einheimischen bevorzugt worden, erregen aber in der That großes Bedcnkeiz, Denn, abgesehen von der anders lautenden, ausführlichen Erzählung der Laut, Ouiil., ist cs an sich glaubhaft, daß Friedrich znm Empfange seiner Braut nicht in Palermo gewesen, oder daß die Hochzeit an einem anderen Orte als Palermo gefeiert sein wird? Friedrich aber war im Juli in Catanca und kehrte erst nach einem Aufenthalte in Messina während des August und September nach Palermo zurück. Ferner, wenn wir im Anschlüsse an luäioulus und (/Iirou. 8ioul. wirklich fest- haltcn wollten, daß der Graf in Palermo gestorben sei, das wäre in diesem Falle im Oktober, wo bleibt dann, wenn die Hochzeit in den August verlegt wird, der genügende Raum für den Kricgszng durch Sicilien, dessen Schilderung bei Oont. 6uil. doch unmöglich aus der Luft gegriffen sein kann und der obendrein doch der Hauptzweck bei der Heirath gewesen war? AuS diesen Gründen glaube ich den von der ersten Ouellengruppe gebotenen Daten — weil sic mit dem Jtincrar Friedrichs im Einklänge stehen, während die sicilischcn ihm widersprechen —, den Vorzug geben zu müssen. Da aber, wo luäioulus und (/out. Ouil. von einander abwcichen, nämlich in Betreff des Ortes, wo der Graf Alfons gestorben (und in Folge dessen auch in Betreff der Zeit des Todes), schließe ich mich der Laut, an, deren spezialisirte Mitthcilungen einer guten Quelle zu entstammen scheinen. Ich halte also daran fest, daß im Februar die Landung geschah, gleich darauf die Hochzeit; dann ward im Mär; der Umzug durch das ganze Königreich in Aussicht genommen, dieser etwa im Mai angctrctcn, aber nur bis Messina fortgesetzt, weil dort im September der Graf AlsonS starb. V. Otto's IV. Königs Wahl zu Frankfurt im November 1208 . (S. o. S. 124.) Sehr entschieden hat Abel, König Otto S. 15 seine Ansicht über den Vorgang in Frankfurt ausgesprochen: „Otto wurde nicht etwa als der berechtigte und siegreiche Nebenbuhler König Philipps anerkannt, sondern als sein Nachfolger neu gewählt." Dagegen spricht Langcrfeldt S. 103 nur von einer Anerkennung Otto's an der hergebrachten Wahlstellc, und meint s. 202: dass der Hergang nicht so ungünstig für Otto sei, wie Abel ihn dargcstellt habe. Waitz endlich, welcher die Geschichte des Frankfurter Reichstages wegen des mit demselben neuerdings in Verbindung gebrachten angeblichen Vorkommens der Kurfürsten einer Erörterung unterzogen hat (Forsch, z. deutsch. Gcsch. Bd. Xlll), bestreitet die Neuwahl ebenso entschieden, als Abel sic behauptet hat, z. B. S. 205: „An eine neue allgemeine Wahl des ganzen Reiches ist sicher nicht zu denken, nicht, daß der Erzbischof von Köln, der Otto zuerst ausgestellt hatte und dessen Triumph nun Cäsarius feiert, sich dazu verstanden habe/durch eine Neuwahl seine frühere für ungültig zu erklären, nicht, daß der Herzog von Sachsen, der eben in aller Form in Halbcrstadt gewählt, das hier wiederholt habe." Aehnlich gelangt Schirrmachcr, Kurfürstencollcg S. 4! Anm. 2 „zu der lleber- zeugung, daß Otto zu Halberstadt gewählt, zu Frankfurt aber nur bestätigt wurde." Indessen die Möglichkeit einer wiederholten Wahl muß von vornherein zugegeben werden, besonders wenn wir an das von Philipp gegebene Beispiel denken, der sich mehrmals einer Wahl unterzogen hat. Die Halberstädtcr Versammlung hatte nun, wie ick oben gezeigt zu haben glaube, gar nickt zu einer definitiven Wahl geführt, sondern nur zu einer Vereinigung der sächsisch-thüringischen Fürsten für die künftige Wahl, zu einer Desiguation Otto's, wie ich cs nennen möchte. Wenn Wach S. 204 darauf hinweist, daß edruolck. VII, 14 jene als xlsuuria elsetio auffaßt und von einer Wahlhandlung zu Frankfurt schweigt'), so wird der Einwand: „er kann als Sachse ans die Vorgänge im Norden größeres Gewicht gelegt haben", ganz gewiß berechtigt sein, denn er trifft auch mut. mut. bei anderen sächsischen und thüringischen Quellen rücksichtlich derjenigen Versammlungen zu, welche der in Frankfurt vorausgingcn (s. o. S. 113 Anm. 1). — Was ferner den von Waitz hineiugezogcncn Erzbisckof von Köln betrifft, so kann er hier gar nicht in Betracht kommen, weil Erzbischof Bruno kurz vor dem Frankfurter Tage gestorben war. Hätte er indessen noch gelebt und hätte er selbst an demselben theilgenommeu, so wäre doch die Beziehung ans „seine frühere Wahl" Otto's nicht statthaft, weil er selbst nie zuvor bei einer Wahl Otto's mitgcholfcn hat, diese vielmehr schon von seinem Vorgänger . m,?, chO'b, dessen bez. Nachrichten sich unverkennbar als ein Auszug aus -lrn. III, IZ. 14. 16 darstcllen, braucht aber doch die Wendung: veinLo in drunlesukora u Irancombus, Susvis ot Itaionriis unauimiter reoiiutnr Otto's IV. Königswahl zu Frankfurt im November 1208. 481 Adolf ausgegangen war. Jedoch hatte Bruno allerdings von Otto sich die Regalien leihen lassen, ihm also auch schon geschworen. Während W. eine neue allgemeine Wahl in Frankfurt bestreitet, scheint er geneigt, die Möglichkeit zuznlassen, daß wenigstens die bisher Otto feindlichen Fiirsten dort „nun auch ihrerseits in der Form einer Wahl ihre Anerkennung aussprachcn". Daß Otto in Frankfurt gewählt worden ist, darf schon nach dem Zeugnisse des Rhcingrafen Wolfram ls. o. S. l2l Anm. I), welches W. leicht entgehen konnte, als gewiß angesehen werden; es bleibt nur die Frage offen, von wem? ob von allen anwesenden Berechtigten ohne Unterschied oder nur von denen, welche an früheren Wahlversammlungen nicht Theil genommen hatten, weil sic erst jetzt auf seine Seite getreten waren')? Das Eine wie das Andere hätte für Otto dasselbe augenblickliche Resultat ergeben; aber — abgesehen von der Bedeutung, welche die Entscheidung zwischen beiden Fallen für die Auffassung der deutschen Königswahlen überhaupt hat — cs wird doch auch in Anschlag zu bringen sein, daß eine neue allgemeine Wahl, wie Abel das ganz richtig Hervorgehoben hat, eine Ncrnrthcilung des früheren wclfischen Gegenkönigthnms in sich schloß. Hätte durch die Unterlassung einer solchen allgemeinen Wahl die große unbesiegte staufische Partei ihr Verhalten in den letzten zehn Jahren nicht für ein ungesetzliches erklärt! An einer aUgemciucn Wahl glaube ich aber unbedingt fcsthaltcn zu müssen, denn gerade die Zeugnisse, welche Waitz die Möglichkeit einer Wahl blos durch einen Theil der Versammlung allenfalls annehmbar erscheinen ließen, sprechen von mehr, eben von der allgemeinen Wahl: Tun. 8znr. p. 84: ooinmnnl iN'inoiMM noooclsnto oonsilio st ocm- sonsu olootns ost. Tn». 8. 'I'rnckpvrti p. 202: ad univorsls prinoipibns in rsASiu sino omni oontrovorsnr sliAitnr. Tun. Lolon. »MX. p. 823: nln nl> omni Uns in rogsnr olitz'itur. Tun. Vmrlma. zu I7l: List ab univorsls prinoiiüdus unnnimi son- sousu olootns t'uit ot oonlirnurtus in rogoin. Brannschw. Reimchronil B. 0305: 8o lrorou S)mro ck i ^li o!r o Otto» cka 20 ckom Ironinoriolro. Obendrein berichte» wenigstens die Tim. Lol. max. nach der Erzählung von 'Augenzeugen. Endlich — und das muß meines Erachtens den letzten Zweifel über die Frankfurter Wahl beseitigen — Albrecht von Magdeburg, der doch gewiß am besten die Bedeutung des Halbcrstädter Tages kannte, Bischof Johann von Cambrai und Heinrich Scholastikas von S. Gereon in Köln, die letztere» des Papstes Lcrtrancnsmänner, sic haben übereinstimmend, was zu Frankfurt geschah, als die eigentliche >uomotio Ottonis aufgcfaßt. Das zeigen uns die Antworischrcibcn des Papstes liox. cko nsg. im;>. nr. l72. l73. 174, in welchen er das von ihnen gebrauchte Wort promntio, seinem Standpunkte ganz entsprechend, in oonlirm.-rtio zn-oinotionis und oonsuinmatio promotionis verbessert, also nicht gelten lassen will, daß Otto erst durch die Vorgänge in Frankfurt König geworden sei. Die richtigste Auffassung bieten die auch sonst über die Vorgänge in Frankfurt sehr gut unterrichteten Tun. Iloiulmrclsdr. ock. lVo.Mio z>. N8: cznock nntoa in soorotis aotitmtum ost oonoilnrlmlis ckö oonstitltvncko rSAS, nnno in Inosin zirocliit. Wenn nun Limo», Orssiorg. p. 372 sagt: (Otto) in Vrnnolrsnknrt nck- vsnions oonsonsnm znnnoipnm nooopit, oder Llirou. 8umpatr. z>. 51: in onius ourio ovlodrituto rox Otto oonlirnmtus, oder Ootot'r. Vitsrlz. oout. Ildorlnro. p. 340: oonvoontis prinoipidus in Lr. auxilio 8itricki oonmruni oinnium oonssnsu oonlirnurtus ost in rsgno, so berechtigen diese an sich unbestimmten Ausdrücke uns natürlich nicht, das Zengniß des Rhcingrafen, daß eine Wahl stattjand, und das zweite eines anderen Augenzeugen in Tim. Lol., daß sie eine allgemeine war, die deshalb den Betheiligten als die eigentliche 0 Die letzte Auffassung scheint in der Magdcb. Schvppenchronik vertreten. S. 133: Die sächsischen Fürsten voräsa on to l'ranirenkort. 'l'o Ilnnt ilnrna I1N0IN6N lies riiees vorsten nnli «lroxon init ilen Sassen over ein nn «leine icore. Vgl. ä.nn. Ltaä. g. 3öl: aecelontidns sidi xrimum öilxonidus, «ieiinlo grineigivus. Jahrb. d. dtsch. Gcsch. — Winkelmann, i7tto IV. 3l 482 Erläuterungen V. xroinotio erscheinen konnte, unter ihrem Wcrthe anznschlagen; jene werden vielmehr umgekehrt durch diese bestimmteren Anssagen erst ihre Erklärung empfangen müssen. Dasselbe gilt von der Oliron. rsA. Ool. p. 13: votivn eonoorclin st rrunnimi inspirntions in regem sst ckseinrntns, — mit cleelarnre wird p. 17 auch die unzweifelhafte Erwählung Friedricks II. ansgedrückt — ; es gilt ebenso von der Oontiu. IVoingart., DI. <4. 88. XXI, 480: in I?rg.ne1ronrvnrti> orn- niunr voiuntnts neenou Invors regne potitus est, und von der etwas geschraubten Aeußernng des Onssar. Iloistsrl,. in seinem Ontnl. nreliisx. Ool., Identes II, 280: daß Philipps erste Wahl habe für ungültig erklärt werden müssen, weil ein Erzbischof von Köln nicht dabei thätig gewesen sei, aber Otto's erste Wahl, die von einem Erzbischöfe von Köln veranstaltet worden war, in Frankfurt ihre nppwod.-rtio empfangen Hab. Für diese upprolmtio oder conlrr- mntio, omninm volnntns, prinsipmn eousvnsns sts. gab es schließlich keine andere staatsrechtliche Form als die der Wahl. Wir haben also ein Recht, auch solche Stellen wie bei Osi-vus. 'I'ild., der an Otto IV. selbst schreibt, Olia imxermlin II. in I.vilm. 8eriz>t. I, z>. 943: clominns cknns itsrntn slsetions . . . t!l>i ponciontis, ^uin immo iam props Inbsntis ckomiuatiouis st.atum, und andere, in denen blos von einer allgemeinen Wahl, die Rede ist, ohne daß der Ort genannt wird, auf Frankfurt zn beziehen, z. B. Oonrnckns cls Vnlmrin DI. <1. 8s. II, 170: IIsx nnimosns, iuckiov ckso slsetus, czniegnick in slvotions prins Imlmit inlirmnm, eoncknnntis in slso- tions prinsipistus, vmni tergivvrsntions p»ostz>ositn, nniversniitsr ast omni- dns elsvatnr in rogsm. Um die Bedeutung dieser allgemeinen Wahl recht hervorznheben, gicbt der Berfasscr dem Könige unmittelbar vorher noch den Titel lüstavis vomss. Oont. EInnstroneobnrg. ibicl. IX, 621: 1209 Ottoni rvgi ol> son- sorciinm rsgni üiin regis ckslünoti ckssponsntur: il.. 1210 Otto... in rsgsin eligitur. Die letzte Notiz steht in ^nn. 8. Iluckl). 8niisli. idick. z>. 779 ebenfalls, jedoch zn 1209. Dagegen versichert Oont. ^.ämnnt. ibiei. p. 391 allerdings geradezu, daß Otto nicht durch allgemeine Wahl König geworden sei: XUüiuv (nach Philipps Tod) igitnr Uivsrsis czniclsm tsmzmribns, svck sockein nniino et ini'rn spn- eium nuni, prineipes omnss Ottoni nckiisrentss suüi nnnniinitsr in regem llonmuornm eiegornnt. et eontirmnvernnt. Aber sollte für diese Auffassung nicht vielleicht der Umstand maßgebend gewesen sein, daß der Landesherr und ebenso der Erzbischof von Salzburg in der That erst später dem Königthume Otto's beigctreten sind? Ucberdics ist die Oont. ^ckinunt. gerade um diese Zeit sehr schlecht unterrichtet, indem sie, was nicht znsammcngehört, bunt durch einander wirft, s. o. S. 139 Anm. 4. Wie die Wahl im Einzelnen vor sich gegangen sei, vermögen wir nicht zn sagen; aber darin wird jeder Unbefangene Waitz a. a. O. S. 201 gegen alte und neue Phantasien bcistimmen müssen: „Es fehlt an jedem, man kann sagen dem allergeringsten Fundament, um diesem Tage irgend eine Bedeutung in der Entwicklung des Borrechts der deutschen Kurfürsten beiznlegen." Wir kennen ja die Namen der Anwesenden nur zum kleinsten Thcile (s. o. S. 123) und auch von den vier Fürsten, welche zuweilen ein gewisses Vorrecht bei der Wahl ausgeübt zn haben scheinen (Waitz S. 217), läßt sich der Herzog von Sachsen wenigstens nicht in Frankfurt Nachweisen und der Erzbischof von Köln war jedenfalls nicht dort, weil er schon gestorben war. lieber den jüngsten Versuch, der von Schirrmacher, Die Entstehung des Kurfürstenkollegiums, bes. S. 41 ff. gemacht worden ist, den wesentlichen Inhalt der von Waitz in ihrer Nichtigkeit nachgewiesencn Oonstltntio Oolänsti doch noch und dadurch zn retten, daß der Erlaße der betreffenden Bestimmungen über die Kurrcchte auf einen (unbekannten) Hoftag zu Frankfurt März 1209 verlegt wird, habe ich schon in der Histor. Zeitschr. Bd. XXXII. S. 79 ff. (1874) meine Ansicht geäußert. Sollen ferner diese Bestimmungen dazu gedient haben, um die sächsischen Fürsten mit Otto zn versöhnen, durch besondere Bevorzugung bei der Wahl, so muß auch das aus das Bestimmteste als hinfällig znrückgewicsen werden. Denn es zeigt sich nirgends eine Spur von der „schroffen Haltung der sächsischen Fürsten" (Schirrm. L>. 42) oder von einer „Kluft zwischen Sachsen und Rheinfranken" (S. 40) oder von Otto's IV. Königswahl zu Frankfurt im November 1208. 483 „unausgeglichenen Gegensätzen zwischen den beiden Wahlparteien" lS. 4l Anm. 2), welche dem Berfasser die Motive für jene angebliche Bevorzugung Herleihen müssen, und ebensowenig ist die Behauptung richtig (S. 43), „daß die sächsischen Fürsten nicht zu Frankfurt (Nov. 1208) erschienen waren". Ein Theil derselben läßt sich Nachweisen und es können ebenso gut auch noch andere dort gewesen sein, auch Markgraf Albrecht von Brandenburg, von dem Schirrmacher gar zu bestimmt behauptet, daß er nicht dort erschienen sei. Der Tag der Wahl wird freilich unbestimmt gelassen werden müssen; denn das Martinsfest (11. Nov.) war nach Olrrou. Lampstr. und Reimchronik nur der Tag, ans welchen die Fürsten berufen waren, nach ^.uu. Ool. und ölarimc. der, an welchem sie znsammcnkamen. Wenn es in Oout. '(VsinAart. heißt: Otto coaclunatis priucipibus in I?r. in tcsto s. Nartini rsAuo potitus sst, so wird man nicht sagen können, ob daS Datum ans coaäuuatis oder xotitus zu beziehen ist und ebenso steht es mit der Angabe bei (lass. Usist. 1. s.: In t'ssto s. blartiui Otto In curia Vranle. contirmatus sst. Endlich ist das circa tsstuin 8 . Klartini der ^.nu. 8z>ir. zu beachten. Dennoch möchte ich die Wahl vor dem IS. Nov. ansetzen (s. o. S. 122 Anm. 1) und jedenfalls darf man sie eher etwas früher als später annehmen, da Jnnocenz III. schon am 4. und 5. Dec. auf die, wie es scheint, gleichlautenden Benachrichtigungen oder Willebriefe der einzelnen an ihr Betheiligten antwortet. lisZ. cis ns§. imp. ur. 168 ff: VI. Die Provinzialsynode zu Mainz im Februar 12 09 . (S. o. S. 143.) Diese Synode ist nur durch zwei Urkunden für Kloster Eberbach bekannt (Ilsserinann, (lärm saor.-r I, 80; Rossel, Urkbch. v. Eberbach I, 120. 130), von denen die eine vom Erzbischöfe Sigfrid gegeben ist in oonoilio >>sr nos axnä ^lo^nntinin oolsUrato, die andere vom Bischöfe Otto von Wirzbnrg als apisoozms und merkwürdiger Weise von ihm sowohl mit seinem Siegel als IViroab. sloetuo als auch mit dem anderen als lVireod. ooel. ozfiseopus versehen. Ich möchte deshalb glauben, daß er gerade hier von seinem Metropoliten die Weihe empfing. Jnnocenz hatte ihn am 20. August 1208 noch elootns genannt; ob er an dem Reichstage von Frankfurt thcilgenommen. lassen uns die wenigen Nachrichten über diesen Tag nicht erkennen; im Dccembcr ist er dann bei dem Könige in «Peicr, allerdings als WiroslinrALnsis 6pisvo>,us, jedoch von den anderen Bischöfen durch den Abt von Weissenburg getrennt, diesem nachgestcllt. Nag. Ott. nr. 37. Die königliche Kanzlei nahm es mit dem Unterschiede zwischen opis- eopms und alaotno nicht allzu genau; so erscheint z. B. Sigfrid von Augsburg 11. Jan. 1209 als aleotns IlniU.-Nrest. I, 404, ebenso am 13. Januar NnttnMni, I)sl patr. Volelisro p. 41, am gleichen Tage aber auch als epis- eoxms, ivick. z>. 49. Auch Sigfrid von Augsburg dürfte erst in Mainz geweiht worden sein. Um die Zeit der Mainzer Synode und vielleicht dort selbst scheint der im Jahre 1206 zum Bischöfe von Konstanz erwählte Wernher von Staufen iBd. I. S. 411) resignirt zu haben. Wenn sein Nachfolger Oonraäus elvotus Oon- stant. als Zeuge einer Urkunde Lntolds von Regensberg vorkommt ck. Zürich 16. fink, inart. 1209, Hauj-art, Ooä. Uipl. pilain. II, 312, so muß das doch wohl Febr. 1210 sein, da im Februar 1209 Vntold mit seinen sämmtlichen Verwandten am königlichen Hofe in Nürnberg war, s. o. S. 139 Slum. 5. Ich kann den Bischof Konrad überhaupt erst im Mai 1200 Nachweisen und zwar auf dem Reichstage zu Wirzburg, ^rnolä. VII, 17. Was Wernher betrifft, so behauptet XsuAnrt, Liiiso. Oouot. 1, 2 p. 418, daß er Anfangs 1209 gestorben sei. Sollte er aber nicht identisch sein mit Uilsotus oapsllanus nostar iVoruIroims Oonstantionsis aanonieus in Otto's Urkunde vom 24. Juli 1209 IdiU. p. 614 und mit Wornligrrw cko Ztoukin eanoiiieu8 rnaioris ooolssia 1213 in der Urkunde des Bischofs Konrad II. von Konstanz ib. p. 616? Denselben Titel führte Wernher vor seiner Erwählung. Die Synode war vielleicht vor dem 20. Februar schon beendet, da an diesem Tage Bischof Hartwich von Eichstädt und Abt Kuno von Elwangen beim Könige in Nürnberg erscheinen. Bon Hefclc ist sie gar nicht berücksichtigt worden. VII. Heber die angeblichen Hoftage zu Hagenauund Frankfurt im März 1209. (S. o. S. 144.) Otto 8. Ilias. c. 51 erzählt: Otto rsx Avucralc Colloquium in quaUra- ACvima Iial>cu8 npull IlaACnon's, cxpcclitiousm in Itnliam priucipilius celixit idiquc occisum C88C Ottoncm palatinum ilc lV. a inarscalco llsiu- rico cls Kalliuclin in vimlictüm I^liilippi regio nuucium acccpit. Diese für sich alleinstehende Nachricht scheint durch Ooutin. ^riinnnt. p. 591 ss. o. S. 139 Anm. 4) wenigstens darin bestätigt zu werden, daß überhaupt in mcäia qua- elragcoima ein Hoftag gehalten worden ist, den diese Annalen freilich nicht nach Hagenan, sondern nach Nürnberg verlegen. Und was sie von diesem angeblichen Hoftage zu Nürnberg erzählen, daß die Mörder Philipps hier geächtet seien, könnte ganz wohl Mißverständnis^ jenes von Otto 8 . Nina, ans Hagenan gemeldeten Vorgangs sein, ebenso gnt wie die Behauptung, daß hier schon die Romfahrt von den Fürsten beschworen worden sei, jener Nachricht des Otto 8. NIns., welcher auf seinem Hoftage zu Hagenau wenigstens die Ansage derselben geschähen läßt, nicht ganz fern steht. Daß keine Kömgsnrkunde uns von einem Fiirstcntage erhalten ist, welcher doch ein generale Colloquium gewesen sein und recht wichtige Dinge behandelt haben soll, wird allerdings die Abweisung der lleberliefcrung noch nicht rechtfertigen. Wir müssen indessen in Anschlag bringen, daß Otto 8. Ilias, unmittelbar vorher, rücksichtlich der beiden Hoftage zu Augsburg und Nürnberg, sich schon die gröbste Verwechslung hat zu «Lchnldcn kommen lassen (s. o. S. 139 Anm. 4) und daher auch mit seiner Nachricht über Hagenau nicht ohne Weiteres Glauben beanspruchen darf. Wir dürfen ferner betonen, daß von Ende Februar bis Ende April 1299 in der Umgebung des Königs außer dem Kanzler sich auch nicht ein einziger Reichsfürst Nachweisen läßt. Das Entscheidende aber scheint mir die Thatsache zu sein, daß des Königs Urkunde für die römische Kirche erst am 22. März und in Speier ansgestellt ist. Otto kV. aber konnte die Romfahrt unmöglich früher ansagen, als bis er sich mit den Kardinallegaten über die Forderungen des Papstes verständigt hatte. Das generale Colloquium zu Hagenau wird also vorläufig zu streichen sein, obwohl cs ganz wahrscheinlich bleibt, daß der König sich in quaclrageoima hier ansgehaltcn und hier auch die Meldung Kalbens über das Ende des Wittelsbachers zBd. 1. S. 477 Anm. 2) empfangen haben mag. Ebenso wird die andere Annahme nicht blos zulässig, sondern geradezu nothwendig sein, daß der König in diesen Gegenden und während des März mit den Kardinallegaten zusammengetroffen ist. Die Legaten waren nämlich noch 23. Jan. 1209 am päpstlichen Hofe, müssen aber fast unmittelbar darauf ihre Reise angetreten haben, da sie unter den Zeugen des päpstlichen Privilegs vom 3. Febr. für Bisthum Bovino Ogllslli VIII, 259 nicht mehr Vorkommen. So konnten sie allerdings ganz wohl schon einige Wochen vor dem 22. Mär; mit Otto IV. Zusammentreffen, d. h. vor dem Tage, an welchen! Otto die Urkunde ausstellt, welche zn erwirken sie abgesandt waren. 486 Erläuterungen VII. Schirrmacher, Die Entstehung des Kurcollegiums, S. 45 hat neuerdings die Annahme aufgestellt, daß im Mär; ein oolloguiuin zu Frankfurt stattgefundeu habe, um dann auf dieser problematischen Grundlage weiter die von ihm behauptete dort geschehene Einsetzung der Kurfürsten aufzubauen. Was nun die- sen angeblichen Frankfurter Hoftag betrifft, so genügt es, um die Haltlosigkeit der ganzen Annahme deutlich zu machen, Schirrmachers eigene Worte anznfllhren: „Die vorhandenen Quellen wissen zwar nichts von einer im Jahre k209 zu Frankfurt in Gegenwart der Legaten mit den Fürsten abgehaltenen Besprechung, sie schließen aber auch die Möglichkeit des Faktums nicht aus", — und in der Anmerkung: „Daß Arnold von Lübeck von einer Frankfurter Versammlung nichts weiß, spricht nicht gegen sie; die Sprache zn Hagenau kennt er ebenso wenig, wie Otto von S. Blasien die von Altenburg und Braunschweig." Dieser Vergleich ist schief. Für den Tag zu Altenburg ist zum Beispiel allerdings nur Arnold Zeuge, dessen Angabe aber durch eine Urkunde gestützt wird; für' Schirrmachers Tag zu Frankfurt aber haben wir keine andere Gewähr, als Schirrmachers Wunsch, daß er stattgefundeu haben möchte. Die angeblich dort getroffenen Bestimmungen über die Kurrechte sind schon oben Erläuterungen V berührt worden. VIII. Zu Otto's IV. Romfahrt. (S. o. S. 185 ff.) lieber Otto's IV. Krönungszug haben sich manche Zrrthümer in die neueren Darstellungen eingeschlichen, indem man einerseits gewissen deutschen Nachrichten über diesen Zug, andrerseits späten italienischen Ueberlieserungen zu viel Glauben schenkte. Daß durch Zurückweisung derartiger Annahmen unser Wissen von jenem Zug zusammenschrumpft, ist freilich wahr; aber dieses Wissen war eben nur ein scheinbares. 1 . D er angebli che Hoftag zu Bologna. Ottos.Ilias. o.52,dessen Erzählung über Otto's Aufenthalt in Verona sich nicht bewährt hat (s. o. S 165. Amn. 3), führt nach derselben fort: liixiu Ilououiam eoxias traioisus, Ksus- ralom ii)i onriam onm priiieipidus Italio oelsdravit. Ilülimsr, lieA. imp. p. 46 hält diese Angabe mit Rücksicht auf die Urkunden des Königs für die Blandrate iS. 187 Anm. 3.) nicht für unwahrscheinlich und Abel, König Otto S. 44, dem Schirrmacher, König Friedrich Bd. I, 53 folgt, spricht ganz bestimmt von einem „durch die italischen Großen und Städte zahlreich besuchten Reichstage". Aber jene Urkunden beweisen doch nur, dvß Otto im Gebiete von Bologna gelagert hat, aber nicht, daß er nach Bologna selbst gekommen ist, und noch weniger,' daß dort ein Hof- oder Reichstag gehalten wurde. Unter den Zeugen der einen Urkunde — die andere entbehrt derselben ganz — kommen gar keine Italiener vor als allein Azzo von Este, Ezelin von Treviso und Salinguerra von Ferrara, welche durch ganz bestimmte Gründe dem Zuge des Königs zu folgen sich veranlaßt sahen (S. 186). Es ist ferner fast undenkbar, daß ein solcher Hoftag, der als der erste, welchen Otto auf italischem Boden abhielt, als der erste üb'erhanpr, welcher seit I1!>7 abgehalten wurde, doch gewiß Eindruck machen mußte, an der keineswegs ärmlichen annalistischen Literatur des Italien dieser Zeit spurlos vorübergegangcu sein sollte. Die Hauptsache aber bleibt, daß Otto s. Mus. wie im Vorhergehenden, so auch im Folgenden Falsches berichtet und daher, weil er sich überhaupt in Betreff des Römerzugcs unzuverlässig erweist, als einziger Zeuge für den Hoftag in Bologna diesen schwerlich sichern kann. 2 . Otto'S Ansen thaltundKrönung inMailand. Otto s. Mus. berichtet im Anschluß an den Hoftag von Bologna: ao iuäo LIsäiolauuur xsrveuious Iionoritios a, eividus susvipitur. Ildi moraiu taelsus usMtiaguo rsipudii- oao ckisziousus, valickum ox oinui Italia oontruxit oxoroltum. Böhmer verwirft diese Nachricht gänzlich, freilich aus falschem Grunde, indem er sich auf ^.ruoick. Olirou. 8Iav. VII, 18 beruft, der sich, wie gleich gezeigt werden soll, hier ebenfalls irrt. Abel S- 123 Anm. 13 und Schirrmacher I, 270 Anm. 14 möchten dagegen Otto's Besuch inMailand nicht aufgebcn. Langerfeldt 132 488 Erläuterungen VIII. erklärt ihn nur für ungewiß und auch das ist noch zu viel. Denn falsch ist die Nachricht dcS Otto s Ilias. zunächst darin, daß der König von Bologna direkt nach Mailand gegangen sein soll. Wir wissen nämlich aus (loi-ni-«!. lllnuris. x. 21, der wahrscheinlich selbst noch im Gefolge Otto's war. daß dieser vielmehr sich nach Jmola begab, und wir erfahren von einem anderen Augenzeugen, der Abel und Schirrmacher entgangen ist, nämlich von Tolosanus p. 130, daß der König weiterhin zu S. Procolo bei Faenza lagerte. Statt die Richtung auf Mailand zu nehmen, verfolgte er also gerade die entgegengesetzte. Aber er kann auch sonst im Jahre l2tt!t gar nicht in Mailand gewesen sein, nicht blos weil hierüber alle italienischen Berichte der Zeit, und, was die Hauptsache ist, selbst die mailändischen, schweigen, sondern vor Allem ans dem von Thomä, Die Chronik des Otto v. S. Blasien «Leipzig 1677), S. 68 angeführten Grunde, weil ihm gar nickt die Zeit dazu blieb. Er wird frühestens am 3. September bei Facnza gewesen sein; dann hat er noch in Siena einige Tage Rast gemacht (-O-nnIä. VII, 18); endlich ist er in Biterbo mit dem Papste zusammengctroffen, der, wenn auch vielleicht nicht gerade am l>. September (Oron. ro surr eoronations nee unuin zmrvuin cleunrinin reoizierv voluit, eives tlleUiv- Iruwnses iniro inoäo äilexit, Ouiltotino 6e I'usterln eivitatein L,stvnsuin in tduUuin Uonavit, per LlecUolanenses usczuo liomain clectueitur onm inira- biti gloria. Tan «Io in ctio II. augusti in Flocliolano per ITiortuiu Us Tirovano aep. LIe«I. ooronatus luit et 10. eiio ootvlnis per znrinnn in Iloina inrpoiials äiacloina susvexit. Hier ist fast jedes Wort eine Verkehrtheit und, um nur Eins hervorzuheben, Otto ist überhaupt niemals im August in Mailand gewesen. Im Jahre 1210 war er dort vom 17. April Xnn. ^lerliol. lll. O. 8s. XVIII , 301 bis 23. April lieg. Ott. nr. 123, und daun erst wieder im Jahre 1212 etwa vom 6. Februar Xnn. Dlodiol. 1. e. bis zum 18. Februar -^.nn. Tlaoout. Ouelti p. 425. Wenn die Erwähnung des Wilhelm von Pustcrla — der zwar auch nicht die Stadt Asti zu Lehen erhalten hat U, aber doch einige Einkünfte aus derselben, Xsta imp. nn. 256 — ängstlichen Gcmüthern immer noch die Möglichkeit einer Rettung der mailändischen Krönung zuzulassen scheinen sollte, indem man sie in dasselbe Jahr 1212 verlegt, dem die beglaubigte Belehnung des Pusterla angehört, so ist dagegen wieder zu erinnern, daß dieser Moment, als Otto Italien um der Rebellion in Deutschland willen räumte, schwerlich der für eine Krönung geeignete war. In anderer Version kehrt die langobardische Krönung in dem zu Fulda redigirten Llartinus wieder bei Tooarel I, 1703: Lunnnus xontitox a. 4. L1LOIV (lies IX) tooit Ottonoin in Lloctoeiu ') cf. II Valixions, Illnrat. 8er. XVI: (Otto) conoe68it in tsuäum illustri miiiti ünliormo äs Iwstorla, eivitatsin ^stsnssin st suuin vsxillnm, in sst aiiniln. ni^ra. in eamxo ^lauoo. I-ntsntlo suxsrarst. Zugleich soll Ublert della Grocc die Grafschaft Ben'af (?) Zusehen erhalten haben. An Allem — 6a1v. k'amms erzählt von Pusterla und Croce höchst wunderbare Geschichten — ist nur das wahr, daß die Pusterla spater wirklich den kaiserlichen Adler im Wappen geführt haben, f. Oinlini IV (1855), x. 179. Zu Otto's VI. Romfahrt. 489 I^omdnräias eorona Herren. Innrenri. Dies nur deshalb, um ihr für die Zukunft möglichst ungestörte Grabesruhe zu sicher». 3. DerUebergang über den Apennin. Wer an dein von Ottos. Mas. erzählten Aufenthalte des Königs in Mailand festhält, wird es dann mit Böhmer und Abel S. 44 leicht glaublich finden, das; derselbe den bekannten Paß von Pontremoli für seinen Uebergang nach Tuscien benützt habe, wie Lrnoick. VII, k8 andeutct: post transitum nacki ?nrmsnses et Vontremnlensss reAsm onm Aanciio reveperunt. Wer aber die Stelle Arnolds im Zusammenhänge liest, wird wohl den Eindruck empfangen, als ob der Autor eben nur die Gelegenheit ergriffen hat, seine Kenntnis; von Städten und ihrer ungefähren Lage anznbringcn, im Einzelnen aber über das, was an jedem Orte geschehen sein möchte, ganz und gar nicht unterrichtet ist. Er fährt z. B. fort: Xse cietnsrnnt Aieckioinnenses, Oenuensos, I.neenses enin aiiis eivitntibns . . . mnnerilms enn> Iionornntes. 01>i enin per tompus stetisset et in eivitatilnrs illis mnitn oreiinasset ote. Hier schwebt das nin vollständig in der Luft und wer nichts mcbr wüßte, möchte zu dem Glauben verleitet werden, daß Otto u. A. auch Genna besucht habe. Achnlich, wie Raumer (3. Ansg.I III, 8 anS dem Grunde, weil Otto mit Pisa verhandelt hat, gleich die Anwesenheit des Königs in Pisa annahm. Otto aber, dessen Zug wir auf der Nordscite des Apennin bis Faenza verfolgen können und der wenige Tage später in Siena anftritt, hat ohne Zweifel nicht den viel zu weit nordwestlich obliegenden Paß von Pontremoli benützt, sondern irgend einen Weg über das Gebirge im Osten von Florenz, diese Stadt selbst aber, da sie obendrein im Rcichsbannc war, ans der Reise nach Siena wohl kaum berührt. lieber die während eines Aufenthalts des Kaisers in Florenz angeblich vor- gckommenc Scene mit der schönen Gnaldrada (Dante, Hölle XVI. 37) s. o. S. 215. Anm. 4. Wie ungenügend der oft überschätzte Otto s. Mas. über den Römerzng unterrichtet ist, dafür zum Schlüsse noch ein Beispiel: V^rsneum inontos trnns- isns Vusenun nppiienit, nnnlios aä ck. npostoUenm pntrinreirnm Xizuii. et episeopnm 8pir. enneelinrnim suum liomnm premisit. Daß der Bischof von Spcier Gesandter war, ist richtig; der Patriarch aber wird hier irrthllmlich der Gesandtschaft zngczählt, et. Ilex, eis nexot. imp. nr. 190, und diese selbst wurde nicht erst nach dem Eintreffen in Tnseien, sondern schon nach dem iiebcr- gange über den Po abgeordnet, lieber die Botschaft, welche sie angeblich vom Po znriickgebracht haben soll, s. o. S. 192. Anm. 1. 4. Otto's Versprechungen vor oder bei seiner Kaiserkrönnng. Während die bisherigen Darsteller dieser Periode als zweifellos annahmen, das; Otto noch besondere eidliche Verpflichtungen rücksichtlich des Kirchenstaates vor seiner Äaiser- krönung übernommen habe, hat Ficker jüngst in seinen Forsch, z. Reichs- und Rechtsgcsch. Italiens II, 398 ff. auf Grund sorgfältigerer Erwägung der Onellcn- zeugnisse dies bestreiten zu müssen geglaubt, namentlich in Bezug auf den ganzen Umfang des seit !I97 gegründeten neuen Kirchenstaates. Bei dieser Gegensätzlichkeit der Auffassung wird eine nochmalige Revision um so mehr am Platze sein, weil ja von ihrem Ergebnisse die Bcnrthcilung des der Krönung später folgenden Bruches zwischen Papst und Kaiser abhängig sein muß. Die Untersuchung wird davon ausgehen, daß nach der eigenen Aussage des Papstes vom II. Okt. 1209 Ilex, cio neg. imp. nr. 194 wenigstens in einer Tcrritorialfragc eine bindende Vereinbarung noch nicht erfolgt war: I)s uegotio vero torrne, gnock eUI. lii. 8. onmernrins nostor ex tun notzis pnrts propo- suit, Iiov tibi cinximns responckeminm, nt et tn moclum exeogites ncl tnnin st nostrnm rsckuncknntom Imnorem et nos exeoxzitnkimns mocknin nck tnnin st nostrnm eommocknm pertinentem. Am wenigsten lag in dieser Beziehung 490 Erläuterungen VIII. ein präciscr Eid vor, da doch sonst wohl Jnnocenz den Kaiser auf denselben hin- gcwiesen haben wurde. Und als nach der Besetzung des tuscischen Patrimoniums durch Otto dieser im Jahre 1210 vom Papste darüber zur Rede gestellt wird, geschieht es auch dies Mal nur unter dem Hinweise ans das Mißfallen Gottes und aus die allgemeine Pflicht eines Kaisers, als solcher die Kirche und das Kircheugut zu schützen, IInIm, OoU. monum. I, ISO; Iluillarck-IlrslioUos, Ilist. ckipl. 1'rick. II. 4'om II, 553: Xou attomlons, cpmlitor Uispliooat cloo et ounokis ckodoat mortalidus Uispliooro, euin per Io »ou clodoat iniuui, sock nuAori.(pria uilril ost, czuock mn^is imporinlo Uoons rodorot vol oxorust, czuam ooolosins, porsouas ao ros ooolosiastions vouorari oto. Schützer der Kirche zu sein und mit ihr Frieden halten zu wollen, das wird allerdings auch Otto, aber in dem bei der Krönung üblichen Eide (ol. 41. <4. Oox. II, 188) beschworen haben und und dieser Krönungseid.reicht völlig ans, uni die andere Stelle am Schlüsse jenes Mahnbriefes zu erklären, in welcher allein ans einen Eid Otto'S Bezug genommen wird: cpmo uodis iurasti, sorvnro stueloas siuo trnuelo. Als die Excommnnication erfolgt war, hat Jnnocenz sie gleichfalls nicht mit dem Bruche eines speziellen Eides, sondern anfänglich nur mit der Unwürdig- keit und Undankbarkeit Otto's motivirt. Es kommen da namentlich folgende Stellen in Betracht: Ilpist, XIII, 177 an Adolf Erzbischof von Köln 12lnNov. 12. : Otto contra uos imliguo so Avrit; UiiU. ur. 103 an Pisa 1210 Nov. 22.: cpü czualsm post laotuin UsnolaotorUius suis viooin ropouckat, opora inanilostant, und ähnlich noch Ilpist, XV, 122. 180 an Mailand 1212 Juni 13. und Okt. 21., und Unä. nr. 138. 189 an Alessandria 1212 Juli 13. und Okt. 20..W0 Otto zwar improlms, iugratus, O'rannus gescholten wird, aber nicht eigentlich eidbrüchig. Indessen in anderen Schriftstücken war dieser Borwurf damals allerdings schon erhoben worden. Nachdem die Verfeindung einige Zeit gedauert und sich verschärft hatte, wurde in päpstlichen Ausschreiben auch auf iuraineuta des Kaisers Bezug genommen, die er verletzt haben sollte, z. B. /Vota imp. p. 020 an den König von Frankreich 1211 Febr. 1.: Uuin douoiioiorum iuxratns ot promis- s Ion um suarum immsmor rotrilmit uotzis mala pro douis . . . . czui al> oo por muuimouta ot iustruinouta. oinuinioclas rooopimus oau- tiouos. Noch bestimmter werden die Gründe der Excommunicatiou in Xota imp. p. 031 an die deutschen Fürsten (>>. >>32 an Bischof sicard von Ereniona 1211 Juli 7.) mitgetheilt: pro oo, cpiocl deuotioiorum uostrorum in^ratus ot promis sionuin suarum odlitus pvrsecplitur rogom Licilio, uo- ciuitoriuvaclsuUo regnumipsiusot (aliud) Itom. ooolo Patrimonium, oon tiuc saoramonta (iuramonta) ot soripta sua ot contra iura ot merita (moniinonta) nostra. Der Plural saoramonta ot soripta der letzten, munimonta ot instrumenta der vorigen Stelle läßt sich schlechterdings nicht durch den Krönungseid erklären, ganz abgesehen davon, daß es gar nicht feststcht, ob derselbe in urkundlicher Form ausgesertigt wurde (Ouill. jirito p. 84, vgl. oben S. Ivo Anm. 1). Andrerseits wird mau die Unbestimmtheit jener Ausdrücke beachten und daß Jnnocenz in den Briefen an die italischen Gemeinden die soripta gar nicht angezogen, geschweige denn gesagt hat, bei welcher Gelegenheit er sie empfangen habe. Es scheint mir deshalb durchaus angemessen, hier mit Ficker II, 403 an die anti- quirten Nerbriefungcn Otto's von (1198 und) 1201 zu denken, und diese Deutung empfiehlt sich um so mehr, weil Jnnocenz in dem Schreiben an Philipp August von Otto's Verpflichtung, mit Frankreich Frieden zu halten, aussagt: czuocl ick laoionckum iuxta uostrao arliitrium voluutatis tam iuramouto czuam soripto sit ackstriotus, was sich eben nur ans die Ausfertigung von 1201 beziehen kann, s. o. Bd. I. S. 218; Bd. II. S. 141 Anm. 5. Diese älteren Berbriefuu- gen werden also im Jahre 1211 wieder hervorgcholt, um Otto's Undankbarkeit recht grell erscheinen zu lassen durch den Umstand, daß sie einen Eidbruch in sich schließt. Wie die Erlasse des Papstes selbst zur Genüge nnS erkennen lassen, daß Otto IV. außer dem allgemeinen Krönungseide keinen anderen Eid bei seiner Romfahrt geleistet oder beurkundet hat, so geben sie auch vollständige Auskunft über die eigentliche Ursache des Bruches. Jnnocenz schreibt 1210 au Otto selbst, Zu Otto's IV. Romfahrt. 491 Iluill.-Urvli. II. 553 : Xon onim viäsutnr sut'sioers tidi Kues, (guilius lusrnnt sontonti, rzur te iu imzrvrio prsossssrnut; immo prrtrimonium sioatl kstrr jam invackors prssumpsisti st ipsnm uuäi^us uitsris oosnpars. Die Einziehung von Spolcto und Ancona für das Reich war mithin nicht der Grund der Beschwerde 9, sondern daß Otto über die tinss der alteren Zeit hinaus im Patrimonium occnpirt habe. Das ist nun bekanntlich im tuscischen Patrimonium geschehen und wir sind deshalb berechtigt, auf dieses zunächst jenes negotium tsrras zu deuten, wegen dessen gleich nach der Krönung verhandelt worden ist. lieg, eis USA. imp. nr. 1N4, s. oben. Ans dieses Gebier, in welchem Rechte des Reiches und der Kirche durch einander liefen, aber auch nur auf dieses, patzt dann die Versicherung des Papstes in den Briefen an die Fürsten und Bischof L-icard I. s.: sum snepo parati tusrimus st saopo odtnisrimus, si iustitins pienitueiinsm exlrilrers, eornm arditris sommunitsr eligsnciis — ein Satz, der übrigens wiederum beweist, daß man in dieser Beziehung vor der Krönung nicht zu einer Vereinbarung gelangt war. Hatte Otto nun schon dadurch, daß er es zu einer Nachweisnng der kirchlichen Rechte über die streitigen Gebiete gar nicht kommen ließ, seinen Krönungseid verletzt, der ihn verpflichtete, als Kaiser die Rechte der Kirche zu schützen, so war das noch viel mehr bei seinen: Angriffe auf Sicilien der Fall, rücksichtlich dessen das Recht der Kirche nicht im Geringsten bezweifelt werden konnte und daher am wenigsten noch eines besonderen Eides neben dem Krönungscidc bedurft hätte. Daß dies Alles im Krönnngscide schon inbegrifsen lag, ist auch die Auffassung des Zeitgenossen Ii)mo. cks 8. (Isrm. a. I2t)l): eoronatur . .. . prsstito iurnmonto cls eonssr- varrcko rsgnlibus d. Vstrr st eis non otlvnclonclo rogem Zioilis; von Späteren z. B. der Vita Hiss, somitis, illurat. 8er. V!II, 123, welche Otto's Vorgehen deshalb beschuldigt, uulln pontilivis, nnlla saeramsnti liadita rations, czuo ss soslosinm 1!om. st Patrimonium eins nssnorr rsgnnm 1'ricksrisi, ipsi sselssiao oommsuckatum, ckofsnsurum iuravit. Eben dieser Angriff ans Friedrich dient in allen Aeußerungen das Papstes zur Begründung der Excommuni- cation, wie ihre Verkündigung ja auch erst durch ihn hcrbeigesührt war. Es ergicbt sich mithin Folgendes: Es liegt kein Grund vor. welcher die Annahme eines besonderen Eides Otto's zur Sicherstellung der päpstlichen Territorien neben dem Krönnngscide nothwendig machen könnte, und Jnnocenz selbst hat sich nie ausdrücklich auf einen solchen speziellen Eid bezogen. Die Kirche hat zwar die Zurücknahme von Spolcto und Ancona sich gefallen lassen, weil sie ein wirkliches Recht hier nicht Nachweisen konnte, dagegen ihre Rechte auf das tnscische Patrimonium behauptet, ohne zu bestreiten, daß auch das Reich hier und da berechtigt sein möchte. (Dasselbe wird von den mathildischcn Gütern gelten, obwohl Jnnocenz in seinen Beschwerden über Otto ihrer nicht besonders gedenkt.) Eine Auseinandersetzung über diese concurrirenden Rechte ist vor der Krönung nicht erfolgt und die Verhandlung darüber nach derselben hat dazu auch nicht geführt. Jnnocenz hat trotzdem erst dann zur Excoinmunication gegriffen, als der Angriff auf das Königreich Sicilien erfolgte. Blessen wir nun an diesen Ergebnissen, welche ausschließlich aus den eigenen Mittheilnngen des Papstes, also hier des Anklägers selbst, gewonnen worden sind, die Berichte der hauptsächlichsten Schriftsteller. Da zeigt es sich bald, daß diese sämintlich entweder falsch oder wenigstens höchst oberflächlich und unvollständig Damit steht Boncvmpagnus in Uebereinstimmuna, wenn er in einem fingirten, aber aus guter Kenntniß beruhenden Briefe Wolfger von Aquileja an den Papst schreiben läßt, ^cta imp. i>. 825: Oemuin si non-possum eum (Ottonem) inäuesre nä restituLiiäniii eeolasle lieber diesen Brief st m S. 178. Anm. 4. 492 Erläuterungen VIII. über die Ursachen des Bruches zwischen Kaiser und Papst unterrichtet sind, und wir dürfen kaum Anderes erwarten, da ja die Motivirungeu des Papstes ziemlich allgemein gehalten sind, von der Seite Otto's allem Anscheine aber Nichts der Arr veröffentlicht wurde. Woher sollten also Fernerstehende eingehende Äennt- uiß schöpfen? Indessen, wenn Uo§. de Ilovsdsu eont. im I!ee. XVIII, 600 und Ills- morials tr. ^Valt. de Oovsntria ed. 8tnbbs. Il, 202. sagt: impsratore cito post eorouationsin czuaedam oeeupants, >. 270, der Otto gekrönt werden läßt: cpdbusdam ul> so prestitis inrmnsntis snzier tidelitate Iloiu. eeelesias st super re^uo 8ieiliae iirrllutenns iiupuAuaudo. Daß der Krönnugscid gemeint ist, zeigt der Ausdruck tickelitus — den auch Juuoccuz von demselben braucht, au Otto 1210 Iluili.-IIreb. II, 551: eznaliter viuenlo tirlelitutis es nobis uostrisiirrs sueeessoribus obli^atus —; der Krönnugscid aber schloß die Anerkennung des Rechts der Kirche über Sieilicu in sich. Wenn der Verfasser diese besonders hcrvorhebt, so mag er dazu wohl durch die. Mvtivirnng in den päpstlichen Manifesten bestimmt Worten sein. Am bestimmtesten tritt aber die ausschließliche Beziehung auf den Äröuungs- eid bei Ouiil.-Ilrito hervor, Ileo. XVII, 81: I'ixeg'it papa ul) eo in ipsu oo- rouutiouo insiuraudniu eie patrimouio et iure I). Petri inrlemniter ei et eeelesiae Ilom. in paee dimittendo st contra czuoslibet deteudendn. Iks- oepto iAitrrr iursirirunclo et instrunrentis pnblieis super Iroe eouteetis et impsriali ebaraetere eoutirmatis, sorlem rlie, rzuo vorouam susvepit, voutra iurumeiitrrin teinors veniens. si^nitieuvit ziapae, ss non posso ei ckiinitters eastra, cznae ab anteeessoribus suis alicpribns teiuporibus t'ueraut pnssessa .... lisdisus incke Imperator .. . oeeupavit eastra st inrruitiones, czrrae srant iuris I). Petri, ^^uapenclons, Iladieotaunm, 8. Ouirienm, illontenr Plaseouis et kere totam liomauiam et incle transiens in ^puliain ste.O. Der Llutor hat sich nur darin geirrt, daß er anscheinend den augenblicklichen Besitzstand der Kirche in Tnscieii durch den Krönnugscid anerkannt glaubt, während nicht einmal der Papst dies behauptet, sondern denselben dahin deutet, daß Otto der Kirche Dasjenige zu lassen und zu schützen gelobt habe, was sie als ihr Recht erweisen könne. Die englisch-französischen Berichte kommen im Allgemeinen der Wahrheit näher als die deutschen. Doch ist Otto s. Ilias, 52, obwohl seine sonstigen Nachrichten über den Römcrzug wenig zuverlässig sind, wenigstens über die Krönung ganz gut unterrichct, wenn er sich nicht etwa einfach an das Herkömmliche gehalten hat: dato savrsmsnto eoram seelssia, so iustum iuclieem ae vidnarum et orpbanorum tutorem usauou oeelesiarum st preeüpie patri- mouii s. Petri detensorem pro posss existere, ab apostolieo eoussoratus eorouatur ... Lonseerationsm iAitnr acleptus, eum mnAno tripndio ab urbs rsesdens, in partes Rusois ciivertit. Damit schließt die Chronik Otto's ohne den eben über Tuscicn ansbrcchenden Streit zu erwähnen. Nitzsch, Stans. Studien tHistor. Zcitschr. III) S. öno: „Wir wissen nicht, ob das mit Absicht geschah; aber der Sieg des Papstthums über das Kaiscrthnm, jener Grundgedanke des Hauptwerks lOtto PrisinA)., trat in jener Handlung gewiß in ein neues und schlagendes Licht/' Nach meinen oben gegebenen Ausführungen darf man doch nicht gut von einem Siege des Papstthnms sprechen, nachdem Jnno- cenz die Schöpfung seiner srühcren Jahre, den neuen Kirchenstaat, zusammen- brechcn gesehen hatte. i) Llbrieus x. 890, den Ficker II. 400 citirt, hat nur diesen Bericht mit der sehr differi- renden Angabe des lisin. I^oü. p. 662 (s. u.) verbunden. Zu Otto's IV. Romfahrt. 493 Gau; für sich allein stehen die Nachrichten der beiden Kölner Annalisten. Oliron. i-ejp. Ool. p. I I: ^Vorrn . . . oritur pro «pnibnsdnm prodiis sntis inngnis ot latis no zireeipno pro terra Notliildis, eins omuia papa oeolosio Iloinano, Imperator voro re^no oa attinoro eontostadatnr. J.nn. Ool. mnx. p. 824: Ono oonsoorato oritur intor oos eontrovsrsia ziropter mareliiain domne Älatliildis (Hieraus hat wohl Laos. ent. aop. Ool. I?ont. II, 286 ge- schöpfti . . . Ilano itzltur terrain papa nute oonsserationem silii rostitni postulans, Imperator ut novns Ilomo et rei noseins annnit et promisit; soll post ooronationom n potostatilins et maAistratiUns revooatns et prosti- bitns, minime restituit. Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, daß bei der Zusammenkunft Otto's »nt dem Papste in Viterbo auch von dem mathildischen Ente die Rede gewesen sein wird; daß aber nicht dieses, sondern das tuscische Patrimonium nach der Krönung den ersten Anlaß zum Streite gegeben hat, wissen wir vom Papste selbst, der übrigens in den gegen Otto gerichteten Anklagen niemals das mathildischc Gut erwähnt. Aber man begreift, wie jene Annalisten in ihren Jrrthum hineingcrathen sein mögen. Hatten sie gehört, daß Papst und Kaiser um streitiges band zerfallen seien, so konnte der den Verhältnissen Fernstehende sehr wohl auf den Gedanken kommen, daß auch jetzt wieder wie in früheren Zeiten es sich um die Güter der Gräfin Mathilde handle, über deren Leben der Bi. der 2pnn. Oolon. bei dieser Gelegenheit auch nur äußerst confuse Andeutungen zu geben weiß. Dem Schweigen des Papstes gegenüber, der vielmehr ausschließlich Tnscicn und in noch höherem Grade Sicilicn als Ursachen der Verfeindung hinstclll (vgl. Ficker II, 36!U, wird man sich um so weniger auf die Annalen von Köln berufen dürfen, weil diese neben jener Erklärung des Bruchs zwischen dem Kaiser und dein Papste noch eine andere und zwar die richtige geben, p. ^24. 825: ä,puliam otiam imporio restitnere volsns, cpmm 8,ven!ns n papa in toucko so teuere atlirmaUat, .... inxtn Oapnam connno- rntnr. Hins gwavissimao disoordiae intor papnm ot ipsnm orinntnr. Imperator n papa exeommnnicatnr. Auch die erste Fortsetzung der Kaiserchronik kennt als Ursache des Zwistes nur den Angriff auf Sicilien B. 17603: sollt, ein evns ein nroevnn Ui. van dax laut vas vor im vri. Dar steisor Iioto an UnUo nilit noeil nn OoeUjo, so man ^ilit. Heiner. I-ood. p. 662 irrt wieder in anderer Hinsicht: impsrntor ants- tjnnm oonseernretnr, apostolioo jiromisit st inrnvit. iznod vona illn non repeturot, iznao ickein n>>ostolions tamzioro elissonsionis regnm oevnpnvornt et possodernt. Otto nntom ziotitns plenitnckins Iionoris sni, Iioo saora- montnnr pro nieliiio regnitavit, nt possessiones iinperii npostolien ot Iratri suo roliinpreret oto. Der Autor scheint der Meinung zu sein, daß die Ge- sammthcit der Territorien, welche seit I l!!7 für die römische Kirche in Besitz genommen waren, also nicht bloS Tuscien, sondern auch Spoleto und Ancona, von Otto abgetreten worden sei. Das bedarf jetzt nicht mehr der Widerlegung. Andrerseits scheint die Erwähnung des Bruders des Papstes, dem König Philipp das streitige band in Tnscicn hatte zu Lehen geben wollen (Bd. I. L>. 458), wieder einer Beschränkung der Uona czuao ooonpavorat ans dieses letztere das Wort zu reden, und wenn Hein. p. 663 fortfährt: (Otto) itncpro eastelia ot eivitates, cznas papa ooonpavorat, ml clockitionom eompniit, so paßtauch dies eben nur ans Otto's Vorgehen gerade in Tuscien. Der Jrrthum bleibt aber dann doch bestehen, daß Otto sich eidlich zur Abtretung der tuscischen Güter überhaupt verstanden haben sollte, von denen wir im Gegeuthcil wissen, daß über ihre Ausscheidung noch nach der Krönung verhandelt worden ist. Daß gerade um ihretwillen Otto gebannt worden sei, behaupten die ^nn. 8. T'rnd- porti p. 293: Otto imp. lütorlnnrn eivitntom 'I'nsois aliascpro oivitatos et eastelia sieut nntoeessvrvs sn! imporatoros in snnm dominium trnxit ot oU Iioo a. d. npostolioo, ondom loen sni inris esso eausante, exeommnniontnr. Ollron. 8nmpetr. endlich, ed. 8tiil>ol p. ö>, dehnt die Forderung des Papstes (Inn. Ileinliardsdr. p. 126 haben seine Motive noch weiter ansgesponnen) und ebenso die eidliche Zusage Otto's ans Alles aus, was überhaupt jemals 494 Erläuterungen VIII. zwischen Reich und Kirche streitig gewesen war: cl. papa äs kpribnsäaur, cprorniu occasious iaru priäsru intsr re^unur st saseräotiuru non ssursl ssä pluriss perniciosus äisssirsioirss siusrserant, a re^s, prinscznkurr ei luaünnr lrsns- ciistiouis iiupousrst, sssrrritatsur sibi prsstari postnlavit, Ilsx vsro aä propositi sui soirsuirriiratioiisur tsstruaus, cis ^nibrrscrrurzus et cpralitsr- suucjns postrrlatns tnsrat, promittsuäo, tiäsur änuäo, inrauäo sssnrrtatsm prsstars uou äistulit stc. Alle diese deutschen Quellen — auch die unten noch anzuführenden Lun. Llarlias. kommen in Betracht — haben das gemeinsam, daß sie bei den Verhandlungen vor der Krönung den König eine bestimmte Zusage geben, einen Eid ablegcu lassen, während sie rücksichtlich des Inhalts dieses Eides auseinander gehen. Eins wie das Andere ist ja leicht erklärlich, wenn wir in Betracht ziehen, dass der Papst in seinen Bcschwcrdeschriften nur ganz allgemein der prourissiouss und der irrrnursnta Otto's gedachte, und daß selbst der eine von Otto jedenfalls abgelegte Eid, sein Krönnngseid, vielfache Ansdentnugen zulieb. Daß vor der Krönung zwischen dem Papste und Otto theils durch Gesandtschaften, thcils Persönlich verhandelt worden ist, steht ja auch sonst fest; über Inhalt und Er- gebnib dieser Verhandlungen vermögen wir jedoch jenen Quellen keine Aufklärung abzugewiunen, da sie selbst offenbar nur dunkel berichtet waren und da das wenige Faßbare, was sic bieten, im Widerspruche steht mit dem, was sich uns aus den eigenen Auslassungen des Papstes ergiebt. Dieses aber findet nun thcils seine Bestätigung, thcils seine Ergänzung in der verlorenen Quelle, welche der Erzählung der Braunschweiger Rcimchronik V. 6625 ff. Uber die Zusammenkunft in Viterbo ZN Grunde liegt. Es ist oben S. 192 Anm. 6 darauf hingewiesen worden, daß sie sogar in untergeordneten Einzelheiten sich bewährt, und das erweckt ein günstiges Vorurthcil auch für die Hauptsache. Es heißt dort: I)s paliss rvolts, Iran isir voruoureu, clan Irer iiu s Irstte gssvorsu, sv»2 äs Kaisers Iribsvorou äos pabssss Irettou besehen, äss soits lrsr irgs^su, äa? soits lrsr iur rviälrsr laLSir. Um welche Gebiete es sich handelte, wird nicht gesagt. Da jedoch Juno- cenz vom Könige eine Verzichtleistung ans Land verlangt, welches vorher zwischen Kirche und Reich streitig und früher ganz und gar vom Reiche „besetzt" war, dürfen wir wieder zunächst an Tnscien'denken, in welchem das Reich bis 1197 allerdings einige Uebergriffe gemacht hatte und Uber welches in der Lhat nachher weiter verhandelt worden ist: wir wollen aber gern zugeben, daß jene Bezeichnung auch auf das mathildische Gut passen würde, welches nach Reimchron. V- 6871 ebenfalls streitig geblieben war. Auch die Antwort des «önigs ist bezeichnend : Da ivart ssrvsäsrsit sva^ lrsr äauirs 20 rscirts soits, lrssprsslrsirss vii ASpIrlsASir. aldstalls lrsr äw 2 tirou rvolts. Dsr Irouius bat, äa 2 lrsr äsu ssALir rvsrrt i 2 äncirt iur nnä äsu siueu iur gslis nuä äs rviAiuAS äsr lerousu rriclrt Irsrlisir ssiusrr, snucler voräsZsänuAs; äa 2 lrsr in so änuAS. Daß die Kirche in den fraglichen Gebieten Rechte haben könnte, läugnet Otto also nicht. Im Gegentheil, er ist bereit sie in diesen anzucrkennen, wenn sie sie nachzuweisen vermag, und Jnnoceuz giebt sich endlich mit diesem allgemeinen Versprechen zufrieden: Uvr padss silier ASrnvAS volgsts, als rcir Irorts, nt äa2 uslrs)'ir 2vsnnAS rvorts äs lrsr vorslrts ssrs. Man sieht, Zug sür Zug stinrmt mit dem, was wir aus den päpstlichen Erlassen schließen zu' müssen glaubten: Tuscien ist streitig geblieben, eine unbe- fZu Otto's IV. Romfahrt. 495 dingte Abtretung des Streitigen nicht Ungesagt, geschweige denn beeidigt worden. Wir dürfen also auch dem Neuen, was die Rcimchronik bringt, der einzigen Zusage Otto's, daß er thnn wolle, waS sich ans dein Wege Rechtens zu Gunsten der Kirche hcransstellc, einen Platz in der beglaubigten Geschichte cinrämnen. Diese allgemein gehaltene Zusage verwandelte sich dann nachträglich bei den Chronisten in einen förmlichen Eid und zwar, wie niir gar nicht zweifelhaft ist, gerade unter dem Einflüsse der päpstlichen Schreiben, welche absichtlich die pro- inissionss und inrninontn des Kaisers möglichst unbestimmt ließen. Vgl. auch ^IM. illurtzas. >>. 171 : oonsvoratnr iurainsuto zwlns prsstito, iznock tvrram et dann 8. kotri, czuo sui iiiitvesssorvs nsezuo nä ick tsmporis sontrrr inst lein in toiinisss viclelinntiir, lioin. ssolesis lidsrn ckimittsrst. Was die Reinichronik über die Ziisairnnenkunft in Viterbo berichtet, ist richtig; der Bericht hat jedoch schwerlich die Gegenstände der Verhandlung erschöpft. Wird unter dem Lande, das die Kaiser früher besetzt gehabt hätten, das inathildischc Gut ohne Weiteres mitvcrstandcn werden müssen, so wäre das rücksichtlich des Königreichs Sicilicn ebenfalls nicht umnöglich. lind gerade ans die Sicherstellung der Unabhängigkeit desselben ist es Jnnoccnz immer in erster Line angekommen, mehr noch als auf die direkten Besitzungen der Kirche. Wenn er nun von Otto in Betreff der territorialen Anrechte der Kirche ursprünglich einen Eid verlangt hat, so wird er mindestens ebensoviel in Betreff seiner Lehns- Herrlichkeit über Sicilicn gefordert haben, .die ihm so wichtig erschien, daß er nach erfolgtem Bruche wiederholt Otto das Anerbieten machte, wie Oliion. Ilrsp. p. 374 nach dem Abte von Moriinund berichtet: volnit »nstinsrs omus ckam- liiiin, «iiiock silck i,n>,oi'!itor in tsrris seolsois liomuns iiitnlissst, wenn Otto nur von seinem Angriffe ans Sicilicn (und Frankreich) abstehc. Rücksichtlich Sicilicns konnte Jnnocenz ui» so mehr einen besonderen Garantieeid fordern, weil er dabei nicht zu fürchten brauchte, daß die Neichsfürstcn eine einseitige Verpflichtung Otto's wieder für ungültig erklären würden. Es würde nichts Anstößiges gehabt haben, wenn Otto ihn geleistet hätte: aber, wie wir gesehen haben, cs liegt kein Grund zur Annahme vor, daß cs geschah. Indessen der Nachdruck, mit welchem in den Klageschriften des Papstes gerade der Angriff auf Sicilicn hervorgehobcn wird, macht cs sehr wahrscheinlich, daß Jnnocenz auch in dieser Beziehung eine allgemeine Zusage erlangt hat, deren Bekräftigung er nachher in dem Krönnngseide finden mochte: ms protevtorom st ckot'snsorom tors Imins lioin. oeelssis . . . '. in omnitzns ntilitrititzus 8ms Iruncks st mslo iiiASiiio. Denn zu den utilitntos gehörte Sicilicn selbstverständlich mit. Obige Behauptung daß noch andere Dinge, als die Rcimchronik ausdrücklich angiebt, bei der Zusammenkunft zu Viterbo verhandelt worden seien, läßt sich nmnittclt'ar durch den Brief des Papstes an den König von Frankreich vom 1. Febr. 1211 erhärte», i» welchem cs heißt, ^.etn Imp. z>. 63o: Ostarum ssirs ts vol»mN8, (znock enin vivn voss snpsr pass intsr ts st izwnm rvl'oi'mnnckn, enm eonvsniinus, sio inUatv notzis rssponckit, iznock ciuamckin ckstinsrss turrnin nvnnLnli sni. znus niinia sontnsiono non pwssot tKoioin Isvurs, (znninvis siinnlutions volit tesuin paevin trasturs .8sck nos proxosituin nostriii» zintsntvr sxprsssiinus, czuock nnncjnnin ckotissreinns rsAno I/Vun- cornin vto. Die Ausdrücke vivn voos, enin oonvsniinns und die kurze schlagende Antwort Otto's scheinen mir trotz Scheffer-Boichorst in Forsch, z. deutsch. Gcsch. VIII. 528 nur auf eine persönliche Zusammenkunft zu Passen, wie Abel S. l«>2 sic schon gedeutet hat, d. h. da bei dem Äröiinngsmahle man sich schwerlich mit solchen Spitzen unterhalten haben wird, eben ans die Zusammenkunft zn Viterbo. Man könnte aber weiter die Glaubwürdigkeit des vom Papste gegebenen Berichtes anscckitcn; denn zn der Zeit, als er so schrieb und in solcher Weise sein Interesse für Frankreich versicherte, handelte cs sich ihm darum, den vorher beleidigten französischen König zn versöhnen, ihn zum Werkzeuge gegen Otto zn gewinne» und zn verwenden. Daß Jnnocenz in der That jedoch.einen Krieg Otto's gegen Frankreich nm jeden Preis verhindern wollte, das sagt uns wieder im Vlii-oii. Drsp. jener Abt von Morimnnd, der im Winter 1210/11 zwischen Jnnoccnz und Otto verhandelte und nach dessen Mitthcilung die Verhandlung gerade daran scheiterte, daß Otto nulla rutiono tissti potent, cpiin vollst ox- psllero cks terra Vricksrienm rsAvm Lisilio et cls INiilippo rSAv Vransis 496 Erläuterungen VIII. nltionem czunersrs, so epiock teirns nvunouli sui .... sndo^isset ste. Was Jnnoccn; 1210 anstrebtc, wird er auch >209 versucht haben; was Otto 1210 verweigerte, wird er das Jahr zuvor nicht freundlicher aufgcuoiuuien haben. Der Bericht des Papstes über das Ergebnis; ihrer Znsammcntunft rücksichtlich der französischen Frage erweist sich also durchaus glaubwürdig. Er fuhrt uns aber auch zu dem Punkte zurück, welchen wir aus der Gcsaimuthcit der päpstlichen Auslassungen glaubten schließen zu müssen, daß inan nämlich zu Viterbv in keiner Beziehung zu einer festen, alle Zweifel für die Zukunft anfhcbeuden oder gar durch einen Eid bekräftigten Abmachung gekommen ist Der Kröuuugstag Otto's wird in den Quellen sehr verschieden angegeben. Da aber Otto am 4. Okt. in enstris in 5Iouto lilnlo noch als König urkundet, lieg'. cko neg. imp. 102, wäre eine weitere Prüfung derjenigen Nachrichten überflüssig, welche die Krönung schon vor diesem Tage geschehen lassen. Ganz unbestimmte Angaben, z. B. Xnn. Onsin, p, 410: in. 8ept., bleiben vollends bei Seite. Es ist also einfach falsch: der 20. Sept. bei ^vnolck. VII, 19: Dominien, Da pnoom Dnmius, übrigens eine Angabe, welche mit der unmittelbar vorhergehenden anderen Da- tirung Dominien post t'estum I>. Plielmslis nicht zu vereinigen ist; der 27. Sept. bei Otto s. Dins. e. 52: ckominien nnto lestu,n s. Illiolmelis, ipins so nnuo 5. lenk. oot. evenit, also anscheinend sehr genau; Oliron. Lnmpotr. p. öl; der 29. Sept. ^.nn. Oremon. p. 805 ; um 29. Sept, Oliron. Drsp, und Duron.; der 1- Okt. Xnn, Oseenn. p. 298. Ferner das Datum des II. Okt, in ^nn. Imnsickl. mniores Geschichts- freundl, 150 und in^nn. Itegionsss bei Dove, DoppelchronikS. 158, fällt gleichfalls von vorncherein ans der Prüfung, da Otto am 7. Okt. jedenfalls schon Kaiser war, lieg. Ott. nr. 79 ; 'I'I,einer, Oock. Doin. tsmp. I, 44. In Frage konimt also nur der 4,, 5, oder o, des Monats. Der 4. Oktober findet sich bei 4,ruolck. (s. o.) und zwar nachdem vorher für das Eintreffen des Königs vor Rom sextn tsrin post lsstum Vielinelis — 2. Okt, angeführt ist. Die gleichen Daten ergeben sich, wenn man Rcim- chronik V. 0085: Eintreffen der Vorhut am Freitage nach Michael, und L. 0754: Krönung am Sonntage, znsammenhält. Ferner: 4,n», Ool. nmx, p, 824: cko- iniuion post lsstum s. lilioli. ick ost 4. Xon. Ost,; Hein. Deock. p. 002: 4. Pion. Oot, sdarnach ^.Idrions p. 890j und nochmals in einem Verse: Oetv- Iiris ciunrto Xonns ote,; Oalsncknriuin s, Oeor-zi! Pleckiol. bei Oiulini I V (eck, 1855), p. 173; ^.nn. Pleäiol. ill. (4. 8s. XIX, 491; Xnn. Dl-ru. Ouelti p, 425; ^.un. IViuton. bei Duarck, /^nn, Llonnst. II, 80; Xnu. >VnverI. idick. ;>. 204;^.un. cks Dunstnplin ibiä. III, 42: lioger cks ^Vonckover eck. Ooxo III, 227. Für den 5. Oktober weiß ich blos ^Vun. Dinsickl, iil. (4. 8s. III. 149 und Dontil. liom, entnl, Vitsrst. idick. XXII, 452 anznführcn. Der 0. findet sich allein bei Dolosnnns eck, PlittnrsIIi p, 140. — Für den 4. Oktober wird nicht sowohl die größere Menge der Zeugen entscheiden, als vielmehr der Umstand, daß selbst nach den im Tagesdatum irrenden Berichten die Krönung doch an einem Sonntage stattgesnndcn hat, und da die Sonntage 27. Sept, und I I. Okt, aus obigen Gründen nicht in Betracht kommen können, bleibt eben nur der Sonntag des 4. Oktober übrig. Ferner ist dies der gerade von der Rcimchronik gemeinte Tag und wir haben schon in anderen Beziehungen erkannt, wie derselben für die Geschichte des Römerzugcs eine ganz besondere Bedeutung znkommt. Endlich die englischen Annalen geben ausnahmslos diesen Tag und man wird beachten, daß ans der ganzen Pinie, auf welcher die Botschaft gelaufen sein wird, in Köln, Lüttich und England, darin Ucbcreinstimmung herrscht. Denn eben vom Niederrhein kam sic nach England hinüber und zwar den 12. November, an welchem Tage König Johann auszahlen läßt: Osrarcko nuneio Ilouriei äs Jrmsutorp, czui prius tulit ru- Zu Otto's IV. Romfahrt. 497 mores äs eousooratione ä. Otlrouis imp. äs äono 10. mare. psr rsKSm. Ilarä^, llotulus über, as misas p. 138. Dieser Uebereinstinnnimg gegenüber fällt auf, wie schlecht man im größten Theile des übrigen Deutschland über die Krönung unterrichtet war, wenn auch die irrtümlichen Angaben des Tages hier und da aus Rechnung der Abschreiber zn setzen sein mögen. In Regensburg hat man am 25. Okt. von dem Vollzüge derselben noch Nichts gewußt; denn damals wird dort noch datirt rs§s Ottons rsZnants, liisä, Ooä. liatisp. I, 299. Umgekehrt urkundet Markgraf Albrecht von Brandenburg schon am 18. Sept. rsAnants ä. Ottons impsrators, Ooä. äixl. ^nlralt. I, 575, und der Bischof Daniel von Prag sogar schon am 3. Sept. „a. ä. i. 1209 tsmpors czuo rsx Otto äs Lrunsrvie)i lioms in sesarsm unZsbatur", Lrbsu, lieg. Loli, st Norav. ur. 519 — Beide natürlich blos nach der Muthmaßung, daß um die angegebene Zeit die Krönnng in Rom wohl schon stattgefunden haben könnte. Abel, König Otto S. 47, hat sich schon für deu 4. Okt. entschieden, im Uebrigen aber die Datirung sehr verwirrt. Nach ihm kommt Otto Samstag nach Michaelis (also 3. Okt.; die Isria ssxta bei ^.rnolä. ist aber natürlich Freitag — 2. Okt.) in die Stadt; dann entbrennt ein dreitägiger Kamps unh trotzdem soll am anderen Morgen Sonntag 4. Okt. die Krönung stattgefunden haben. 0 . Verhandlungen nach der Krönung. Manches, ja das Meiste ist über diese schon in der vorletzten Untersuchung vorweg genommen worden (vgl. auch S. 230). Ich stglle hier nur noch diejenigen Berichte zusammen, aus welchen hervorgeht, daß in weiten Kreisen dem Papste rücksichtlich der Territorial- sraae nicht unbedingt zugestimmt wurde. Man hatte das Bewußtsein, daß dabei doch auch'Rechte des Reiches in Betracht zu ziehen seien und daß Otto nicht aus Frivolität oder Ländersucht den Conflikt heraufbeschworen habe, sondern weil er der Meinung war, jene schützen zu müssen. In dieser Voraussetzung redet Oervas. Villsber. Otia impsrialia II, 19. den Kaiser an: 81 timss sonsaisnliam tuam, «guasi iniustitiam proptsr saeramsntum auAustals patiatur, eonsuls lamam publicum ctc. In der Oisputatio intsr Itomam et papam, Osibn. 8or. rsr. Lruusv. II, 528 endlich wird Otto gegen die vom Papste erhobene Anklage, seine Gelöbnisse gebrochen zu haben, von der lioma also entschuldigt : — non sontsmnens anatlmma soslssias uolnit vobisHus rooonoiliarl (Ito, ssä iguia ss iuravsrat intogritatsm imzrsrii ssrvars sui: tu vsro ps- tsbas, eguas äars nou potsrat. lisliczuum ssrvanäo tonorsin psrplsxus äulntabat, utrnm periuria vsra iinmsritumvs ina^is auatliorna savsrst ste. Andere Stellen dieses Sinnes finden sich bei liogsr äs >Vsnäovsr sä. Ooxs III, 232. biuntiis ä. papas tals perliibstur äsäisss rssponsum: 8i, imguit, summus poutilsx impsrü iura iuiusts possiäsrs ässiäsrat, a saoramsnto, cproä tempors oonssorationis insas aä äignitatsm impsrialsm ms iurars eowpulit, absolvat, czuoä viäslieet äispsrsa imperii iura rsvosarsm (NattU. Laris. Oliron. mag. sä. Ouarä II, 529 und Ilist. minor sä. Llaääsn II, 121 mit dem Zusatze: simul st Iiabita sonssrvarsm). Vgl. Lont. IdoAsri äs Ilovsäeu in Nsmor. Ir. VValtsri äs Oovsntria sä. LtubbsII, 202 (s. o. S. 492). — Obrou. ülontis 8srsni p. 179: Otto imp. enm In eonsssrations eua, ut tisri solst, iurassst, ss bona impsrii sonssrvare st a czuolibst äs- tsuta rspsters, Vitsrbium et cguasäam alias civitatss sts. eospit impstsrs. — lisin. Osoä. p. 003: Otto potitus plsnituäins Ironoris sui, Iroo sasra- msntum (sei. cproä bona illa non rspstsrst, czuas iäsm apostolieus tempore äisssnsionis rsZum oosupaverat) pro nioiiilo rsputavit, ut posssssiouss impsrii apostolieo et Iratri suo rsliiuzusrst, st oontra saeramsntum, «guoä prinsipibus in -VIsmannia Isosrat, rss aä Imperium portinsntss suü tsm- pors äiniinutionsm patsrsntur. Zur richtigen Würdigung dieser im Allgemeinen übereinstimmenden und, wie ich nicht zweifle, glaubwürdigen Nachrichten möge man sich erinnern, daß Otto auch sonst sich viel -mit Gewissensbedenken zu Jcchrb. d. dtsch. Gesch. — Winkeln: an n, Otto IV. 22 498 Erläuterungen VIII. schaffen machte. Sehr merkwürdig ist die Erwähnung des päpstlichen Bruders bei lisiu. Tsock. Sollte auch damals wieder, wie bei den Verhandlungen des Jahres 1208 mit König Philipp, von päpstlicher Seite der Borschlag gemacht worden sein, das streitige Land als Lehen an Richard von Sora zu geben, vielleicht mit der Hand der früher ihm zugesagten Tochter Philipps? U eber Otto's IV. Kaiser siegel und sein Wappen. Ein Wachssiegel des Kaisers, das rechts von seinem Haupte die Sonne und links die Mondsichel zeigt, ist u. A. Ovitz. 6uslk. III. 'lab. 22. ur. 2 (zu p. 373) und bei Ilstkusv Tab. V. ur. II abgebildet. Goldbullen sind nicht erhalten. Was nämlich an erster Stelle uv. 3. als Goldbnlle Otto's IV. von unbekannter Herkunft mitgetbeilt wird, ist das sicher nicht, sondern — wenn überhaupt acht - eine Goldmünze der sächsischen Ottonen. Die Goldbnlle des Kaisers wird aber in einer mir von Wüstenfeld mitgetheilten Vidimation von 1338 der Urkunde bei Ficker, Forsch. IV, 289 uv. 252 so beschrieben, daß der auf dem Throne sitzende Kaiser in der Rechten eine iinago halte nach Art eines Blondes. Die Rückseite ist die gewöhnliche, das Bild der Stadt Rom mit der Umschrift Ilomrr oaput oto. Sollte aber auf den Goldbullcn die Sonne gefehlt haben, die doch auf den Wachssiegeln vorhanden ist? Das scheint kaum glaublich, da auch ans einem der Siegel der Kaiserin Maria von Brabant Sonne und Blond zu beiden Seiten des Kopfes stehen (Ovig. I. a. zu der Urkunde ibick. x>. 816) und in der That findet sich in anderen Beschreibungen der Goldbnlle, welche ich den Sammlungen der -Uou Gsviu. verdanke, ausdrücklich Sonne und Blond erwähnt. Wir haben es hier mit einer durch Otto IV. erst nach seiner Kaiserkrönung und daher in bestimmter Absicht aufgebrachten Darstellung, zu thun. Denn wenn man sonst auch wohl ineinen könnte, daß er eben nur das Beispiel Richards von England nachgeahmt habe, Orig. p>. 371, warum finden sich dann Sonne und Mond nicht auch auf seinen königlichen Siegeln? Das Beispiel Otto's scheint aber wieder seinen Rivalen, den Staufer Friedrich von Sicilien bestimmt zu haben, sich eine gleiche oder ähnliche Auszeichnung zu erlauben. Auf dem, nach normannischer Weise, parabolisch zugespitztcn kleinen Thron-Siegel nämlich, das ich seit dem Jahre 1200 an seinen Originalurkunden im Dome zu Palermo gefunden habe (das Wachs ist in eine hölzerne Deckelkapsel gegossen) und das die Umschrift trägt TliTVTT. VI 6lTX Itl-IX 8IVIT. OVO. L.TH I'XÖ. O^TTT, ist später rechts vom Thron eine liegende Diondessichcl und links ein Stern hin- zugefügt worden. Diese Zeichen fehlen noch dem Sicgelabdruck der Urkunde USA. Trick. 27 von 1210 Dec., erscheinen aber auf dem Siegel an lioZ. Trick. 28 von 1211 Januar, so daß die Aufnahne derselben merkwürdiger Weise fast mit Otto's IV. Angriff auf das Königreich znsammenfällt, gleichsam als Wirkung des letzteren erscheint. Beiläufig sei bemerkt, daß der Gebrauch dieses Stempels (und des Kapselsiegels) fortgedauert hat bis zu Friedrichs Uebersiede- lung nach Deutschland 1212, aber — soweit ich Siegel von ihm gesehen habe — nicht länger. Auch in die Umschrift der sicilischen Königssiegel mußte nun der Titel Hornau, vsx sto. ausgenommen werden. Otto's Wappen findet sich als Randminiatur in der Originalhandschrift der Hiktovia iniuov des ülattlrsus Tavisisusis, sck. blackckeu II, 83: im senkrecht getheilten rothen Schilde rechts drei halbe nach rechts schreitende Löwen, links ein halber schwarzer Adler. Daß die Darstellung richtig ist, beweist uns eine Vergleichung mit Thomasins Welschem Gast V. 10178 ff. (vgl. Lachmanns Walther, 1. Ausg. von Haupt S. 135), dessen Verfasser acht Wochen lang in Otto's Gefolge auf der Romfahrt war (V. 10177), den König damals einen so gezierten «child führen sah und die drei Löwen als zu viel, den halben Adler als zu wenig bemäkelt. Das gleiche Wappen führt Otto's zweite Gemahlin Maria von Brabant nach 1258 in ihrem Sekretsiegel (Heffner, Kaiser- und Königssiegel Taf. V Nr. 11). Der halbe Adler wird indessen nicht, wie I. Grimm gemeint hat, auf das Herzogthum Sachsen gedeutet werden dürfen, denn Otto hatte mit diesem Nichts zu thun, sondern er mag sich darauf beziehen, daß Zu Otto's IV. Romfahrt. 499 Otto erst römischer König war, wie z. B. auch der römische König Heinrich VII. nach illattl,. ?aris. I. ö. II, 488 in seinem Wappen einen halben schwarzen Adler geführt hat. Die drei Löwen aber sind das staufische Familienwappen ;Stälm, Wirtemb. Gesch. II, 246), welches damals schon zum Wappen des Herzog- thums Schwaben geworden sein muß, da Otto es offenbar als Inhaber desselben führte. — Otto's Münzen OriZ. OnsII. III, 874 zeigen jedoch nur einen Löwen und den halben Adler, sei es weil mehr Löwen anzubringeu kein Platz war, sei es daß sie für Braunschweig geprägt waren, in welchem Falle dann der eine Löwe das welfische Wappen darstellt (Stalin II, 251). Ein solches Wappen aber scheint Walther im Auge gehabt zu haben, wenn er S. 12, 25 von Otto IV. singt (Iss aren tngsnt, clss Iswsn krackt: clio sink cle? Irsr^eiclrsn an clsin solrilts. Ich oermuthe, daß das zu den Kleinodien des alten Reiches gehörende sogen. Schwert des h. Mauritius in der Schatzkammer des österreichischen Kaiserhauses (s. Uebersicht der Sammlungen S. 141; Winckler, Reichskleinodien, Berlin 1872, S. 21 — das große Werk Bocks war mir eben nicht zugänglich) durch Otto IV. in den Reichsschatz gekommen sein mag, da dessen Knopf mit dem halben Adler und den drei Löwen geziert ist und die Arbeit ungefähr auf diese Zeit weist. Freilich könnte das Wappen auch von einem Könige staufischen Geschlechts geführt worden sein; aber wir wissen nicht, daß es geschehen ist, während der Gebrauch dieses Wappens bei Otto IV. und seiner Gemahlin festfteht. IX. Der Fürstentag zu Nürnberg im September 1211 . (S. 0. S. 27!). 280 ) Die auf dem Tage zu Nürnberg erschienenen und an der Berufung Friedrichs betheiligten Fürsten nennt Oliron. Ilrsp. p. 373; den Ort'allein Ollron. 8ampstr. p. 53. lieber das von Schirrmacher S. 65 behauptete Münzenberg s. Menzel bei Änochenhauer, Gesch. Thür. S. 270, 2. Das 6liron. 8nmp. läßt aber ^uch die Bekanntmachung der Excommunication erst hier geschehen, vgl. oben 274. Anm. I. Riicksichtlich der Wahl ist zu bemerken, daß sie nach beiden Quellen erfolgt in imperatorem und man wird darauf Gewicht legen müssen, daß Friedrich nach Annahme derselben von Februar 1212 sich selbst'in Nomanorum imperatorem (Ilölimer, lieg. Nrici. nr. 35 irrig regem) oleetus nennt (Ilnill.-Urelr. I. 204), nach seiner Ankunft auf deutschem Boden einige Male sogar Nom. Imperator slsetns (Null. p. 216 ff.). Dann schwankt er eine Zeit lang zwischen beiden Titeln; er nimmt erst kurz vor dem Frankfurter Wahlreichstag Dec. 1212 den Titel Nom. rex. an, aber nur in Urkunden sür Sicilien (s. o. S. 332. Anm. 4). Es stimmt dazu, daß er in dem Privileg für Otakar von Böhmen vom 26. Sept. 1212 IIuill.-Lröll. I, 216 diesen rühmt, czuoä a primo iuter alias priueipss, speeialiter pro esteris nos in imperatorem elsgerit. Auch die Xrm. Nlae. p. 425 berichten, daß man Veäsrieum pro Imperators elegisse, und AehnlicheS findet sich an andern Orten. Der lebte Zweifel muß schwinden, wenn wir in dem Berichte das Hofkanzlers Äonrad von Metz an den König von Frankreich über die definitive Wahl am 5. Dec. 1212 IInill.-Lrelr. I, 23o lesen: 1 liomanornm imperatorem oleetum in regem Nomanorum elsgimus. Die Magdeb. Schöppenchron. S. 135.136 erzählt mitten unter Ereignissen d. I. 1212: 8itriä lüseliop van illsirm, lantgravs llerman, Iconing Ociaeller van Lelrmsn czuemen to Xursuksrcli uncl diselrop Xllueelit. ^Daß diese Zusammenkunft nicht die von Pfingsten 1212 sein kann, auf welche der Herausgeber sie bezieht, hat Weiland in Forsch, z. d. Gesch. XIII, 191 gezeigt. Wenn dieser sie aber auf die im Herbste 1211 abgehaltene Versammlung deutet, in welcher Friedrich berufen ward, so kann ich dem nicht beistimmen, da wenigstens Erzb. Albrecht sich bis zum 2. Febr. 1212 (s. o. S. 272. Anm. 4) nicht offen gegen Otto IV. erklärt hat. Meiner Ansicht nach kann jene Notiz nur aus die frühere Versammlung zu Naumburg (Xmvenboroli) gedeutet werden, an welcher Albrecht noch theilgenommen hat- ^.rm. stiusiill. maiores (Geschichtsfreund d. 5 Orte I, 146), welche den Wahltag Philipps vollkommen richtig aufbewahrt haben (Bd. 1,501) lassen Friedrichs Wahl iäibns cloosmlwis geschehen. Sollte Tschudi, in dessen Abschrift die Annalen allein erhalten sind, sich hier statt ssptsmbris verschrieben haben? Später kann die Wahl nicht gut stattgcfnnden haben, da Otto in Calabrien sie um die Mitte des Oktober erfuhr, tlum. INae. Ouslti I. c., andrerseits aber auch nicht viel früher, da der Einfall, welchen Otto's Bruder Pfalzgraf Heinrich, um 29. Erläuterungen IX. 501 Lept. in das Erzstift Mainz machte, ^.nn. Ool. max. p. 526, doch wohl mit der Theilnahme des Mainzers an derselben zusammenhängt.. Die von (Inill. Lrito p. 85 (s. o. S. 269. Anm. 3) genannten Fürsten sind nach dem Wortlaute der Stelle nicht nothwendig sämmtlich als in Nürnberg Anwesende zu denken; Einige können auch erst in Folge deS Nürnberger Beschlusses von Otto I V. abgefallen sein. Die Vita Ilieeiarcli s. Lonil. bei Llnra- tori VIII, 124 stellt aber eben dieselben ;mit Ausnahme des Herzogs von Zähringen) allerdings als Wähler Friedrichs hin: rsx Ilobsmias, cknoss läustrias et Lavariae, lantgravins Vbnringias st aspi üloguntinns st Irsvsrsusis ipsis Otbonsm eoneorclibns voeibus ckssernsre ao Vriclerienm ... Osrmanias regem ex auetoritats pontiüeis clesignant snmgns all oorouam iuvitant. Oont. Llanstroneob. ül. (1. 8s. IX, 622 berichtet über die Betheilignng an der Opposition gegen Otto: mnlti prinoipss orisntalinm . . . eoninrant ackvsrsns Ottonsm. Wie wenig auf solche allgemeine Redensarten zu geben ist, mögen die ^un. 8. Vrnckpsrti p. 293 zeigen, nach welchen Friedrich mngekehrt a ennetis (Isrmanias oosiclsutalis znüueipibns cingeladen wird. Daß aber die Erinmrung an den Friedrich schon i. I. 1196 geschworenen Eid eine große Rolle bei seiner Berufung spielte, dürfte aus folgenden Stellen hervorgehcn. Lbron. Lam^str. p. 53: Vr.. antea ab nnivsrsrtats slsetnm tnturnm impsratorem clselarant und x. 55 als Grund seiner Erfolge: asss- rentes regem Vrick., äsdito armornm ministerio sxsscpci tsnsor, so nennt er sich im Schlußbriese nochmals: bla- Aistsr Osrvasins in rvAno ^relatensi impsrialis anlas marisoallus. Von seinem weiteren Leben ist mir Nichts bekannt als die Einsendung der sog. Otia impsrinlia an den Kaiser, welche etwa im Herbste 1211 beendigt wurden. Denn III, 163 wird der Juli 1211 erwähnt; andrerseits scheint Otto noch in Italien, die Eroberung Siciliens noch nicht aufgegeben zu sein. Das Werk selbst war lange in den Händen des Verfassers geblieben. Wir erfahren nämlich aus dem Prologe, daß es wie der früher abgefaßte lidsr tasötiaruin, «pcsm ex manänto clomini mel illustriommi rogls LmAlornm Ilsnrlei niorls, avuueull vostrl, clietaveram, ursprünglich für diesen Fürsten bestimmt gewesen war, an dessen Stelle und gleichsam in dessen Erbschaft nun Otto treten sollte: (jnonlam iZitnr . . . clomini avunsnli vestri znäioio clsvotnm opus servitntis msas sudtraliltnr, äslilisravi eelsitnclini vsstras i(l oklatum Isrrs, nt c>nl ox clivlna clispobitlons cligniorsm loeum impsrii tsnstlo illi in clsvoto traetatn8 moi 8ervitio onseeäatia. Aber wenn auch Plan und Anlage unverändert blieb, im Einzelnen hat der Verfasser, als er sein Buch dem Kaiser bestimmte, wohl Mancherlei geändert und vor Allem die kirchenpolitischen Erörterungen eingeschaltet, welche die Besprechung desselben oben S. 286 ff. veranlaßt haben'. Er sagt im Prologe: Hnia ergo Optimum naturas Iati§a- tns romoclinm sst amaro novitatoo st Anuäsvo varÜ8 nss äsest tam sa- orn8 nnrv8 spiritn mimorum lallnei ventilari, cÜAnum clnxi aliczuiä auridua vs8tri8 inKsrsrs, c;no lcnmana opsrstnr rseupsratio. Und das war, wie oben ansgeführt wurde, gerade dem Vf. die Hauptsache, durch seine Hinweise ans das Jenseits die Unterwerfung des Kaisers unter die Kirche anzubahnen. Gervasius bat den äolmunso Narsue prspoeitua äs Iläsusallsim, den er in seinem Briefe asorotarius ä. imporatorm nennt, das Buch durchzusehen und, wenn er es billige, dem Kaiser zu übergeben. Wer ist das? Olu-cm. sx. lliläsoli. Usilm. II, 794 spricht von einem Zeitgenossen des Bischofs Hart- bert von Hildesheim (1169 — 1216): 8ul> ozns guksrnaticms tnnäavit äolmnnS8 Oalliouo impsvntori8 Ottonis IV. sanssllarius, sx parooliia s. ^närsns aanonisornm ossulai'inm eollsAium. Man möchte diesen für identisch halten mit dem .lol>. blarsuo des Gervasius, da Beide mit der Kanzlei Otto's in Verbindung gebracht werden. — äolmimso blarens soll ferner 1261— 1264, vielleicht bis 1266 Dompropst von HildeSheim gewesen sein, s. Ztschr., f. Niedersachsen 1866 S. 21 ff., während unter den Zeugen der kaiserlichen Urkunde ÜsA. Ott. nr. 131 vom Mai 1216 ein einfacher blsA. äolmimsa Alavslnis ä. imp. elerious aufgesührt wird. Wie kommt denn aber Gervasius dazu, den, an welchen er sich wendet, doch noch prspooitus äs IIävns8ksim zu neunen? Ich meine, daß äs Ilcl. hier nur als Bezeichnung der Herkunft oder der früheren Stellung zu gelten hat, nicht zur Bezeichnung des Amtes. Die Hildesheimer Dompröpstei hatte Johann zu der Zeit, als Gervasius ihm schrieb, jedenfalls nicht mehr; war er Propst, wie G. ihn titulirt, so kann er es nur für eine andere Propstei gewesen oder genauer erst nach Mai 1216 geworden sein. Aus dem letzteren Grunde ist bei ihm auch nicht an äolnmnss llaväsvisönois xrsp. zu denken, der als Zeuge kais. Urkunden 1269 Dec. 24. und 1210 Mär; 9. verkommt, seitdem aber nicht mehr. Als Zeuge der Urkunden 1211 Nov. 11 und Dec. 22. figurirt jedoch ein bla§. äoli. L arä. lsio) pvspcw. ä. imp. slsrions. Man hat auch dieses Ilarä. in ll.n-äsvissiwia auslvsen wollen, aber abgesehen davon, daß Johann von Bardewick länger als ein Jahr vorher aus der Umgebung des Kaisers verschwunden ist, kommt doch auch in Betracht, daß er während seines früheren Aufenthaltes am Hofe niemals als ä. imp. elsriono bezeichnet worden war. Jene Urkunden von 1211 sind nur in späteren Abschriften erhalten, welche die Vermuthung einer Verstümmelung des fraglichen Wortes zulassen, und diese Vcrmuthung erhält eine große Unterstützung in der Thatsache, daß wenigstens im Jahre 1212 Sept. 5. und Nov. 30, dann auch 1213 Jan. 13. äolmimss 504 Gervasius vou.'sTilbury undl JohauncS Marcus von Hildesheim. prexasitu^ ^Verä susis 4 iwx. slsricus (in der letzten Urkunde oleriens tamiliaris) Vorsteher der kaiserlichen Kanzlei war. Dieser 5Vsrci. prsp. dürfte also lener Ooiianues Llarens sein, der früher Dompropst von Hildesheim qe- wesen ist und an den als an den sserstarius cl. imp. Gervasius sein Buch Otia Mpemalm oder, wie es wohl richtiger heißen sollte, 8c>Intium impsratoris zur Uebergabe an den Kaiser einschickt. Außer dem iibsr taestiarnin ss. o.) erwähnt Gervasius von seinem früheren Arbeiten noch III. 25 Uber cks transitu d. ViiAipis et cks sestis ckissipnlo- inlu, welcher vielleicht mit dem III, 5ii citirten trastatns cis vita b. Viiuinis et^oeiornin st sornm trausitn einL ist. lieber andere ihm zugesckriebene Werke Ausl 11 ^ 34 ,""'°^'' b' Oerv»8in8. Vgl. Wattenbach, Deutschs. Geschqn. 3. XI. Otto's IV. Hochzeit mit Beatrix von Schwaben. Es ist nicht ohne Werth festzustellen, wann Otto zuerst vom Nahen Friedrichs gehört haben mag. Die Magdeb. Schöppenchron. (d. h. die Elosta Hdsrti aroliiopisoopi) sagt S. 136: binnen ckes cts koissr ckar laali (vor Weissensee), cko starb sin kirnt nnck ivsrt to örunsvrile begravsn. cko nnsinon to Iiant cls moro ckat IroninK Vrockorile mit orakt in cknckosolis lauu ciuoins. Darnach würde also die Nachricht erst nach 11. Angnst, dem Todestage der Beatrix, angelangt sein. Otto zieht dann — die Aufhebung der Belagerung von Wcissen- see wird nicht ausdrücklich erwähnt — nach Erfurt und hier verlassen ihn die Reichsdienstmannen. Mit dieser Darstellung will nun Oln-ou. Lampotr. p. 54. 55, die Hauptqnelle für den thüringischen Feldzug, nicht ganz stimmen: das Heer lagert vor Weissensee, Otto heirathet Beatrix (22. Juli), kehrt zur Belagerung zurück, die Eingeschlosscnen übergeben die Stadt (nach 36. Juli, da Otto zur Zeit seines Brieses an Patriarch Wolfger ^.ota Imp. nr. 257 sie noch nicht hat). Während der weiteren Bestürmung des Kastells erfahren die Baiern und Schwaben den (am I I. Aug. erfolgten) Tod der Beatrix und entfernen sich, worauf Otto von Weissensee ab- und nach Erfurt zieht. II is ita peraotis, kaina oro- drssesnto cko ackventn Vricksrioi rogis ote. Die beiden Quellen stimmen also darin überein, daß sie den Abfall erst nach II. August geschehen lassen, unterscheiden sich aber sowohl rücksichtlich des Zeitpunktes, als auch der Ursache. Die Oosta ^.Ibsrti scheinen sie in dem Tode der Beatrix u n d in dem Gerücht von Friedrich zu finden, der thüringische Annalist allein im ersteren. Indessen sein Ausdruck kaum orodreso. schließt auch nicht aus, daß das Gerücht nicht schon früher vorhanden war; es trat nur allgemeiner, in bestimmterer Form ans, als Otto südwärts abzog. Das aber dürfte jedenfalls feststehen, daß das Heer vor dem Tode der Beatrix von Friedrichs Kommen Nichts gewußt hat. Aber auch Otto IV. selbst? An sich wäre es ja natürlich, daß er die Nachricht so lange als möglich gehcimgehaltcn, sie höchstens einem engeren Kreise mitgetheilt hätte, und ich meine, wir werden zu dieser Annahme gerade durch die Heirath mit Beatrix gezwungen, weil diese offenbar improvisirt worden ist. Hätte Otto sie unmittelbar nach seiner Rückkehr ans Italien vorgenommen, so würde eine solche Beschleunigung ihre Erklärung in der Thatsache finden, daß er damals noch gar nicht wissen konnte, wie sich die Lage in Deutschland für ihn gestalten würde. Zur Zeit der Belagerung von Weissensee aber war er wieder obenauf, selbst die Schwaben hatten ihm Heeresfolge geleistet; es ist gar kein anderer Grund denkbar, weshalb gerade in diesem Augenblicke, mitten im Kriegslärm, die Hochzeit statifinden musste, als daß die Kunde von Friedrich es dein Kaiser wünschenswertst machte, sich für alle Fälle die unsichersten Unterthanen, die Schwaben, und den staufischen Familienanhang überhaupt fester zu verbinden. Otto hat die Heirath vorgenommen, wie er im Briefe an Wolfger sagt, tno volnntati ao oonsilio satiskaoiontos, und zwar aus Nützlichkeitsrücksichten: Huoä tno volnntati tanto akkootnosius osso rsoognosoimns, cxnock ma^is 506 Erläuterungen XI. nolus ne döusvolis nostris non clubitaiuus xrot'uturum. Das Beilager geschah am 22. Juli, Beatrix hatte auch erst noch von Braunschweig herbeigeholt werden müssen, Wolfger kann also den Boten, welcher den Brief überbrachte, der Otto das Beilager empfahl, nicht gut später als etwa in der Mitte des Juni abgesendet haben. Damals aber mußte er davon wissen, daß Friedrich von Si- cilien schon seit l. Mai in Genua war; es ist einfach unmöglich, daß er oder sein Bote dem Kaiser das nicht gemeldet haben sollte. Otto wußte, als er, dem Rathe Wolfgcrs folgend, die Heirath vollzog, daß Friedrich möglicher Weise sehr bald in Deutschland auftauchen konnte, und eben deshalb hat er sie eiligst vollzogen. Bemerkenswerth ist, daß die Oliron. reg. Ool. p. lt> von der Katastrophe in Thüringen nichts meldet, sondern das Heer durch Otto selbst entlassenwerdenläßt: sxareituiu absolvans Tliurinjpiaingus rslingusus, in partss superiores ss aontulit, rsl puiolias oonsulans ntilitati. XII. Die Gefangenen von Bouvines. Wenn Ried. 8si,on. III, o. lg sagt, daß Otto IV. an Todtcn und Gefangenen bei Bouvines 30,000 Manu verlor, oder iNugnuin okron. Lsig. 6000 Gefangene angiebt, so haben diese Zahlen für uns selbstverständlich ebenso geringen Werth als die weit auseinander gehenden Nachrichten Anderer (p. 74): 8Ient soripsit ci. 14, akkas äo Ilrsioainpo akkati Oistoroisnsi, oapti inornnt ex parts Otsionis ooinos Vlanärias, ooinos Loloniao, oomos 8aliskirias, ooinss clo Tonkrosi, oomss piiosns (s. n. Anm. 2) et Karonos et karonnin silii äo Vlansiria et TLIeinannia inelioros et nokiliorss sOIiron. eis ^laiiross, I4ee. XIX, 257 :

os ipso akkas nominancio noininavit üors soptios viginti Xnnrorns inilitnin oaptornm 220, intorlootornni militurn 70, pselitnin Intorkoetoruin 3000 si>lailros: 1000), clo Vranois antoin tros inilitss tantnnr u Obron. äs dlailros Leo. XIX, 257 giebt dem Kaiser so.ooa zu Pferde, 200.MÜ zu Fuß. '-) .Vnn. äs vnnstaxlia bei lluarä. Lau. monast. III, 41 nennen irrthiimlich auch den Grafen Wilhelm von Holland. — iUbricus I>. goi, oomss äs linlisnsbnrcb, gui äioobatnr oomos Ilirsutns tdnins comitw Itratsr init Läolkus episo. Osaab.) hat offenbar zwei Personen zusammen- qcworfen, den Gr. von Teklenburg und einen andern, den der Abt von Ourscamp oomss nilosns nennt. Gs ist also ein Raugraf gemeint, aber ich vermag nicht zu sagen, welcher und wie er zur Theilnahme am Feldzuge kam, Oniil. Lrito weiß obendrein nur von fünf gefangenen Grafen. 508 Erläuterungen XII. (vgl. den einen bei der Vernichtung der Brabanter (luill. Lrlto p. 99 verwundeten Franzosen!). In Betreff des Schicksals der Gefangenen giebt die Liste Ilse. XVII, 102 interessante Aufschlüsse über die Gesichtspunkte, nach welchen sie behandelt wurden. Bernhard von Horstmar ist vielleicht gegen die drei französischen Ritter ausgewechselt worden, welche König Johann am 23. Febr. 1215 ans seinen Gefangenen von Nantes dem Kaiser ansliefern läßt. Ilarck/, Hot. lit. pat. I, 129. — Gerhard von Randerath verpfändet 1216, um ans der Gefangenschaft sich loszukaufen, dem Erzbisthum Köln für 360 Mark seine Güter im Roergau, stmeonr- stlst II, 32. — Graf Wilhelm von Salisbury wurde vom Könige dem Grafen Robert von Dreux geschenkt, damit derselbe ihn gegen seinen bei Nantes gefangenen Sohn Robert (liogor cks ^Vsncl. III, 286) auswechsle. Onill. Ilmto p. 100. Dir Auswechslung verzögerte sich, aber nicht weil König Johann, wie dieser Autor ihm imputirt, sich aus seinem Bruder nicht viel machte, sondern weil er fürchtete, daß nach der Auswechslung seine Verbündeten Ferrand und Reginald der Rache des Königs verfallen würden (s. Johanns Brief 1214 Lept. 6. Ilse. XVII, 100 not.; Ilnrck)-, liot. lit. pat. I, 140): Der Stillstand von Chinon machte den Grafen frei; im Herbste 1215 kämpft er aus Seite des Königs gegen die Barone, Hon- cko Ilov. oont. p. 225. Niel härter war daö Schicksal der gefangenen Vasallen Frankreichs, Fer- rands von Flandern und Reginalds von Boulogne. König Philipp hatte den elfteren mit Ketten beladen bei seinem Trinmpyeinzuge in Paris anfgeführt tOmill. Ilrito p. 103), während seine Truppen sich an die Eroberung Flanderns machten. Courtrai, Lille u. s. w. wurden genommen (s. das Verzeichniß der dabei Gefangenen -dick. p. 102), aber Valcnciennes, Ipern, Cassel und Onde- narde scheinen sich noch gehalten zu haben, so daß der König mit der Gräfin Johanna von Flandern in Verhandlung trat. In dein von ihr ain 21. Okt. 1214 zu Paris beurkundeten Vertrage (Uso. XVII. 105; vgl. Delislo nr. 1509) versprach sie, die Festungswerke jener Städte schleifen zu lassen und die zu Frankreich haltenden Burggrafen von Brügge und Gent wieder einznsetzen; wenn das geschehen sei, wollte der König Verhandlungen über den Loskauf des Grafen zulasten. Der Vertrag wurde aber nicht ansgeführt, weil die Einwohner von Valenciennes die Zerstörung ihrer Befestigung verweigerten (Onill. p. 108), und Ferrand mußte nun noch viele Jahre gefangen bleiben. Im Jahre 1221 bot Johanna für die Freilassung ihres Gemahls 35,610 Pfund (LInrtouo, Rstes. nnseck. I, 886) und sammelte dafür bei der Geistlichkeit ihres Landes ^liraons, Ox. clixlom. III, 677). Am 9. April 1223 verwandte Honorins III. sich für den Gefangenen (liso. XIX, 723); man hatte sich auch schon über die Bedingungen der Freilassung und über die Höhe des Löscgeldes geeinigt, als der Tod König Philipps dazwischen kam. Ans diesem Grunde legte Honorins nochmals am 22. April 1224 und am 27. auch das Kardinalkolleg Fürsprache bei dem Nachfolger ein (ist. 752). In England hieß cs im Frühlings 1225, der Graf sei frei, und König Heinrich III. wünschte ihm am II. April dazu Glück, indem er ihn ansfordcrte, sich sogleich wieder mit ihm gegen Frankreich zu verbinden (Ilz-insr I, 94 — ^Vantors, Rastlo estronol. III, 636 angeblich an den falschen Balduin); aber erst nach Ludwigs VIII. Tode kam'Ferrand durch einen Vertrag (liso. XVIII, 316. 553 not. vgl. Xlstrieus n. 1227 p. 919) wirklich srei. Reginald von Boulogne war nach der Schlacht nach Bapanme gebracht worden. Gegen ihn war König Philipp besonders erzürnt und soll cs noch mehr geworden sein, als entdeckt wurde, daß Reginald auch jetzt noch den Kaiser zur Fortsetzung des Krieges anstachelte (s. o. S- 375 Anm. 4). Da begab Philipp sich selbst zu dem Gefangenen, hielt ihm seine eigenen Wohlthaten und die Reihe der von jenem begangenen Verräthereicn vor und schloß: ,,Das hast du mir gethan. Das Leben werde ich dir nicht nehmen, aber sitzen sollst du, bis du dies gebüßt hast" (6miII. p. 100). Das (Ilioon. clo blailros I. o. weiß auch von dieser Begegnung, stellt sie aber etwas anders dar. Reginald habe sich dem Könige zu Füßen geworfen, um Verzeihung gebeten, aber Philipp gerufen: ,,Schweig oder bei den Gebeinen des h. Jakob, ich lasse dir die Augen ausreißen. So lange ich lebe, sollst du nicht ans dem Kerker kommen." Und er hielt sein Wort. Im festesten Thurme von Peronne unlösbar in Eisen geschmiedet, lebte Die Gefangenen von Bouvines. 509 Reginald, ein Jahr nach dem andern: Niemand legte für ihn ein gutes Wort ein (Ouill. p, 108), König Philipp, König Ludwig VIII. starben und er blieb in Haft. Als endlich auch Ferrand frei ward, seine Gefangenschaft aber fortdauerte, da soll er um Ostern 1227 seinem Leben freiwillig' ein Ende aemackit haben (Hbrieus p. 919). Nach SiAsd. Laut, ^(guiciuot., LI. o. 8s. VI, 437 starb er auf dem Schlosse le Goulet bei Vernon an der Seine. Die Härte seiner Strafe tritt noch mehr hervor, wenn wir bedenken, daß König Philipp die Tochter des Gefangenen, Mathilde, i. 1.1216 seinem eigenen Sohne Philipp vermählt hat, der mit ihr die Grafschaft Boulogne empfing. Hugo von Boves, um auch dieses Waffeugcfährten der Besiegten zu gedenken, war schon 1215 umgekommen. Als er dem Könige Johann gegen dessen Barone vom Festlande Söldner Zufuhren wollte, ertrank er im Schifsbruche an der Küste von Aarmouth. Ilaäult'. sto OoMssii. sä. 8tsvsusou p. 174; lioAsr äs LVouä. mit Zusätzen in Llattd. Varis. Iiist, ums. sci. Imurä II, 622. XIII. Der Ueberqang der Rheinpfalz auf die Wittelsbacher. (S. o. S. 384.) Obwohl nach dem, was über diesen Gegenstand in den Orlx. Ouelk. 111^ 185. 217, von Böhmer, lieg. Imp. 1198—1254 S. 370 und Wittelsb. Reg. 5. 7 und von Hausier, Gcsch. d. Pfalz I, 68 gesagt wurde, besonders wichtiges Material nicht hinzugekominen ist, scheint es mir angemessen, doch noch einmal den Stand der leider etwas dunkeln Frage zu zeichnen. Es ist zunächst gar nicht sicher, zu welcher Zeit des Jahres 1214 die Wit- telsbacher die Belehnung mit der Pfalz erhalten haben: ob vor oder nach dein Feldzuge Friedrichs II. an den Niederrhein Da aber Herzog Ludwig während desselben nur als Herzog genannt wird, dagegen sogleich nach demselben am 6. Okt. 1214 zu Worms, wo damals auch der König gewesen sein wird, seinen berühmten Willebrief für die römische Kirche (Ficker, Forsch. IV, 304) als Rheinpfalzgraf und Herzog ausstellt und in einer gewiß nur wenige Tage jüngeren Urkunde, nach welcher er als Pfalzgraf im Kloster Schönau gehandelt hat, ausdrücklich hervorhebt: eS sei von ihm geschehen, als rsversus a inilitla ck. Vrlck. rsgls cls iulsriorl (lermauia, OrI§. III, 651, — scheint mir die Annahme die Nächstliegende, daß die Belehnung ertheilt worden sein wird, als König Friedrich in diese Gegenden kam, das heißt etwa zu Anfang des Oktober 1214. .Man kann nicht einwenden, daß Olwuur. 8oIUr. p. 632 den Satz: I-oneNv. ck. Nanv. aclsptuo est cklAultatein palatlul lllieui dein anderen: Dockern anno ckux eaxtlvatur voranstellt; der Autor hat in diesem Abschnitte überhaupt die Zeitfolge ganz verwirrt. Hinsichtlich der Rechtsfragen, welche bei dem Uebergange der Pfalz auf die Wittelsbacher in Betracht gekommen sind, ist zunächst Allod und Reichslehen zu unterscheiden. Für das Erstere ist aber der Umstand wirksam geworden, daß Otto, der Sohn des Herzogs Ludwig von Baiern, mit der einen Schwester des verstorbenen Psalzgrafen Heinrich II-, Agnes (im (Ilirou. änourn Uruu8>v1o. o. 16: Ilsi-Iusst) verlobt war, vielleicht auch erst durch den König verlobt wurde. Aber sie hatte noch eine ältere Schwester Irmgard jlluill.-llrsli. I, 488), die — wir wissen nicht wann — sich mit den: Markgrafen Hermann V. von Baden ver- heirathete. Wenn daher Herzog Ludwig in der zuerst erwähnten Urkunde für Schönau (Okt.) 1214 sagt: IIuls ckouationi aeesoslt stiam koua voluutas st plus soussusus ^^asts . . . spouos 11111 uostri, czus vsra Irsrss sst slus- cksiu rsl, so kann dieser letzte Ausdruck sich nur darauf beziehen, daß das Geschenkte, die Fischerei in Oppau, bei der Theilung der Allodien auf Agnes gekommen war. Wie diese Theilung der Allodien sonst vorgenommen wurde und was bei dieser Gelegenheit etwa an Baden kam oder wie dieses abgesunden wurde, Alles ist völlig unbekannt; nur das Eine steht fest, daß solche Abfindung sich nicht zugleich auf die noch zu erwartenden braunschweigischen Allodien erstreckt hat. Vgl. Gesch. König Friedr. II. Bd. I, 264. 487. Rücksichtlich der pfälzischen Allodien tritt aber Herzog Ludwig, wie jene Urkunde das sehr deutlich zeigt, als der landrechtliche Vormund der Verlobten seines Sohnes ein- Der liebergang der Nheinpfalz auf die Wittelsbacher. 511 Schwieriger ist die Frage nach der Behandlung, welche daS Reichslehcn hier erfahren hat. An sich wäre es ja nicht unzulässig gewesen, wenn der König aus besonderer Gnade (s. Homeycr, Sachsensp. Lehnrecht II, 298; Kraut, Vormundschaft III, t>5) die Pfalzgrafschaft an Agnes selbst geliehen hätte, für welche dann zunächst ihr Verlobter als Lehnsträger und, weil auch dieser zur Zeit unfähig war, den Neichsdienst zu leisten, der Vater desselben aus königlicher Einsetzung als LchnSvormund eingctreten sein könnte. (Stobbe, Deutsches Privatrecht II, 385.) Nun wurden ja die Fälle, in welchen eine Nachfolge im Lehen durch Töchter vermittelt wurde, immer häufiger (Waitz, Verfgesch. VI, 63 ff.) und die Psal; selbst war schon einmal aus Grund einer Heirath der Allodialerbin, der Tochter Konrads von Staufen mit Heinrich I., dem Vater der Agnes, vergeben worden. Die Sache lag aber jetzt doch wesentlich anders. Denn Agnes war nicht die Tochter, sondern die Schwester des letzten Lehnsinhabers; sie war obendrein weder die einzige, noch die nächste Allodialerbin und wir finden i i keiner der allerdings spärlichen Urkunden der ersten wittelsbachischen Pfalz- grafcn eine Andeutung, daß daS Recht der Wittclsbacher von jener sich ableitete. Diese haben durch Agnes einen gewissen Anspruch auf Berücksichtigung auch im Lehen erhalten; ihr Recht aber wurzelt in einer direkten Verleihung der Pfalzgrafschaft an sie selbst, wie eine Urkunde des Herzogs Ludwig von 1216, Orig. Ouolt'. III, 653, besagt: nos nun cum zirseorciinli uniALnito nostro eauäsm zialatiam aclsziti. Wer von Beiden aber war der eigentliche Inhaber des Lehens? Der Vater, der etwa fürsorglich gleich den Sohn mitbelehnen ließ, oder der zwar unmündige, aber darum doch lehnSfähige sStobbe S. 384) Sohn, für welchen dann der Vater nur die Lehnsvormnndschaft führte, d. h. die Leistungen machte und das nnevvUs genoß? (Homeycr S. 487. 460.) Wir wollen sehen, wie cs mit der Pfalz gehalten wurde, als Otto selbst leistungsfähig geworden war. Da ist nun zu beachten, dass er jedenfalls nicht zu der Zeit, da er den gewöhnlichen Termin der Lehnsmündigkeit erreichte, zugleich selbständig die Pfalz übernommen hat. Zwar heisst es in Xotas Lmmsrammi x. 574: Otto äux Ilnavai'io tiliam zmlatini äuxit nxorom ot xrinoipatum Lins obtinsns, Iloililorboro ot omnia ffisius Iioraclitnrlo posssclit. Darnach könnte es scheinen, als ob Otto zugleich mit der Hochzeit, die nach der Urkunde dcS Bischofs Heinrich von Worms 1225 März 24. über die Belehnung des Pfalzgrafen Ludwig mit Schloß Heidelberg n. s. w. (Vrsüer, Ori§. Ualat, p. 81) wegen deS 2 V nxori hin vestri vor dem genannten Tage stattgefunden haben Mliß, auch die selbständige Regierung der Pfalz angetrcten hätte. Indessen kommt Otto noch 1227 Juli 17. IN der Urkunde Heinrichs VII. (Wirt. Urkbch. III, 214) neben seinem Vater, der Herzog und Pfalzgraf heißt, einfach als tUius äueis L-wa- rio vor, hinter dem Herzoge von Oesterreich und vor dem Sohne desselben, so daß er damals keineswegs regierender Pfalzgraf gewesen zu sein scheint. Diese Stellung fiel ihm offenbar erst nach seiner Wehrhaftmachnng zu, die nach ^un. 8eüsltlarn. p. 338 zu Pfingsten 1227, nach ^nn. 8. Ituäl,. mit Zusatz des Iloriu. ^ItaU. p. 391 aber erst 1228 erfolgte. Obwohl Böhmer dieses letztere Jahr, das er Itsg. Imp. p. 231 angenommen, nachher in den Wittelsb. Reg. S. 12 zu Gunsten von 1227 fallen ließ, ist es doch das richtige, gesichert, wie schon in der Ausgabe der Lvlist'tl. bemerkt wurde, durch das Vorkommen des Bischofs Siboto von Augsburg in jenem Zusätze des Ilsrm. HItaü. über die Lei der Wehrhaftmachnng zu Straubing anwesenden Gäste. Denn Siboto ist der Nachfolger des am 23. Aug. 1227 zu Brindisi gestorbenen Bischofs Sigfrid, ^ioorol. Ottonlmi-. 8toial>ols 1l, 59. Nach dem Straubinger Feste hat dann Ludwig persönlich den Sohn in die Regierung der Pfalz eingesührt, ihn gleichsam in Heidelberg iustallirt, wie Otto's Bcstätigungsurkunde für Schönau von 1228 Witt. Reg. S. 15 zeigt, die von Otto als clivinn permittLnto olsmsntia Palatinos eoines lloni ausgestellt ist, czuia ciispouLutv clomiuo palatiam tsns- mus, und in Anwesenheit Herzog Ludwigs. Letzterer hat seitdem, soviel wir wissen, keine weitere Regiernngshandlnng über die Pfalz geübt, sie auch nicht mehr besucht, während Otto umgekehrt fast ganz da geblieben ist, meist in Heidelberg, das nun zur gewöhnlichen Residenz wurde. Wo Vater und Sohn später neben einander erscheinen, führen sie verschiedene Titel, z. B. 1230 Febr. 22.: 512 Erläuterungen XIII. I-ucksrvicmo äux Lrnvaris et Otto lilins suus pniatinus aomss llsui. Als aber Ludwig 1231 Sept. 16. ermordet ward, hörte die Trennung der Pfalz von Baiern wieder auf und es erneuerte sich jene Verbindung der Leiden Länder, über welche die Xotrrs s. Xmmsramrni p. 575 schon in der Mitte der zwanziger Jahre geklagt hatten. Aus obiger Darstellung crgiebt sich, daß Otto von der Berechtigung (Ho- nieyer S. 478. 494; Kraut III, 25), sich über das Mündigkeitsalter hinaus durch seinen Vormund vertreten zu lassen, allerdings Gebrauch gemacht hat und zwar, wie es scheint, bis zu dem auch sonst üblichen 21. Jahre. Aus dem Umstande aber, daß er dann wirklich die Pfalzgrafschaft antritt und der Vater sogar den pfalzgräflichcn Titel ablegt, muß meines Erachtens auch auf die Natur der Belehnung von 1214 zurückgeschlosscn werden. Der damals Belehnte ist der Sohn gewesen und der Vater konnte nur insofern von sich sagen: nos nun aum uiri^ouito nostro pnlatinin ackspti, als er, der Allodialvormund, zugleich von: Könige zum LehnSvormunde des Sohnes durch Beleihung mit dem rrnsvslls bestellt worden war. Eine andere Frage würde es sein/weshalb man gerade diese Form der Belehnung gewählt hat, aber eine Frage, die mit Vermuthungen zu beantworten wohl überflüssig sein dürfte. Reichslehen und Allod — wir müssen dahin gestellt sein lassen, ob letzteres ganz oder nur zum Theil — blieben also wieder in einer Hand beisammen und tm Allgemeinen dürfte das auch mit den Kirchlichen der Fall gewesen sein. Sehr interessant ist jene Wormser Belehnung mit Heidelberg. Denn indem diese an Herzog Ludwig, die Frau Agnes und ihre männlichen Erben erfolgt, fignrirt hier der Herzog offenbar nicht wie bei den Reichslehen als Lehnsvormund seines Sohnes, sondern als Lehnsträger der Frau desselben; er hat nur ein Gewere „von der Frauen halben" (Kraut S. 69), das erlöscht, falls sie keinen männlichen Erben hintcrläßt, und dann auch nicht auf ihren Gemahl und dessen Kinder aus anderer Ehe übergehen kann. Der bischöfliche Lehnsherr hat also die für sich vorteilhaftere Form der Belehnung gewählt, diese selbst aber auch erst gewährt, als Agnes wirklich verheirathet war. — Um Kirchlichen hat es sich vielleicht auch in dem Streite Herzog Ludwigs mit Engelbert von Köln um die Burg Turon an der Mosel n. A. gehandelt; wenigstens machte Ludwig beini Papste geltend, daß dieses all ipsunr st nobilain pnsllam natrrm II. > mitten unter anderen Dingen und in Ooä. Illaris nr. 4825 --V bol. 5 am Rande eines Papstcatalogs zu Znnocenz III-, vgl. DI. (4. 8s. XXII, 362. — Vsrsus msinorigiss aui das Koncil: Xnu. IlgiuburA ibiä. XVI, 382. 1 "I 4 -I Jalllb. d. dtsch. Gesch. — W i n k e l m a n », Otto IV- 33 N rkunde n. I. Protest gegen die Wahl Rainalds von Celano zum Erzbischöfe von Capua. (1100. Sept. - 1200. Jan.) Lublato cts boo srgastulo varesris Ibüeis rssorclationis arsbispissopo Oapuano, aüciuot sanoniei maioris seslssis cts cpiorunctain sutkragsnorum sonssnsu . . liünin eoinitis ?. in arebispiseopum slsgerunt, babentes respsetuin ad sseularsin potsntiam, ijua potsrit iura seslssis prstusri. I» vsritats cjuidem seitur st taina pubüoa protsstatur, cprocl nondum ad viassimum annum psrvsnit, uucis iüoruin slsetio dsbst psnitus irritari, prssertiin eum manikests sit attsntata eontra saerorum eanonum saue- tionsin. krstsrsa pater st t'ratrss sius arcsin usurpars sibi sata^unt Oapuanam, uucts ipsa seetssia statuin ainittsrst st bonorsm. Oro seslssis igitur utilitats sanetitatsm vsstram prseamur dsvotissims supplieantss, «juatinus slsetionsin ipsarn psnitus irritetis, clantss eapitulo st sutkraga- neis tirmitsr in mandatis, ut aliciusin sligsrs studeant in pastorsin, l^ui rnsritn vite inoribus st seisntia in arebispiseopaü valsat eatbsdra rssidsrs. Aus IIoneompaAnus (s. Bd. I. S. 546) tib. III. tit. 7. tz 1. mit der Ueberschrift: Os büs c,ui ro^ant pro servando statu seslssis Lapuans. Bgl. oben S. 19. II. Päpstliche Telegirte »leiden, datz sic ihrem Aufträge, die Unterstützung Dipolds gegen den Grafen von Bricnnc bei Strafe des Bannes zu verbieten, nicht Nachkommen können, (e. 1201, Juli.) ^luinsrosa popuü inultituclo, c^us sibi Irena vsresuuctis non imponit, nostruin prvpositum latitsr impsdivit, 8is episcopus sincsrain tiäsm, inte- Zram äevotioneiu st eoutinnas orationss aä äomiuum. lisksro si sins eessations Aratias, <^ni vota Irumilrrnn respieit stgno aä protSASnäunr soo äextsram 8ns inaiestatis extenäit, >gnia nrsgnitiesvit ipse bacsrs uobiscnm st t'aeti 8nmn8 letantes. kretscit sniin populo sno virum spsciosum tdrrna pre siliis iroininrnn, strennissiinuin virilrns, vita äseormin, ornatnm rnori- Irns, sanetitate preäiturn, virtuts coustantis roiroratum, äominum ouum älresnrn OIrristnin rsco^nosesntem et spousanr eiu8 secissianr sinesrissims äiligsntsm, gni proplrsties eantars potsst: ,,I)extsra äoinini kscit virtn- tem, äsxtora äoinini sxaitar^t ms; non inoriar sscnnänin putationsur ini- nrieornnr msorum, seä vivain et uarrabo opora äornirri et rnsrito, (^nia eripuit uro äonrinus äs iniinieis nreis tortissimis, cpii co§itavornnt inigni- tatos in eoräe et contra ms eonstitusdaut prelia st aeusruut linKuas suas sicnt ssrperrtes et vensnuin aspiäunr erat snir ialriis eoruin. Oicslrant enim, äisperäanrns eum äs terra st non insinoretnr noinsn ipsins anrpiius, iron iirtenäentes ^noä äicitnr: Doposnit potentes äs ssäs et exaltavit chninils8, beeit potentiain in liraelno suo, äispersit supsrdos Ineute voräis sni." Oocinar aä äominnin meniu rsgein 8tilo Iruunli st preeor ipsnm, nt auäiat ins sidi damiliaritsr coUounm bumilitas retulgsrs, rscolsns Uluci llominicum: „Uiscits n ms, z.nnc> dominies inearnationis millesimo dnesntssimo duodseimo, in- dietions «juintadeeima, die Inns nono exennts iulio, In palatio eommnnis I'arins, prssentia domini >Iatliei de Oorsvs et domini Druglesrü de Oo- rexs st doinini Doverii de Darma st domini Isaedi de Laldo et domini Dernardi de doenino ösreino et domini Ouilislmi de Dovaria st domini ^.rdoini de Oomitidus et domini Doxardi ds Dnr§o et domini Onilielmi de Dnvi^nano testinm roZalornm. Dominus Lelsngerins ^lastagins, tune temporis eonsnl Oremous, paradola soeiorum suoruw et totins eonsilii, nt diesdat, eommnnis 6rs- mone ivit Darinnen st denuneiavit st oravit et dixit st prsespit, o»ias von bapna cinpficlilt Friedrich II. die Ilnterstntzung der i» fcincin Dienst verarmten Neapolitaner Kirche. (1216—1220.) Deprsssam multum st oppressam nimium Xeapolitanam seelesiain, prout possum, exoellsutis rsgie rseommeiiäo. Ostsrum ns ersäatur, c^usä pro sa cjuasi sxtraneus aä olüeium intereessionis accsäam, noveritis, eiuoä ipsa in minoridus auuis ms aämisit in elsriemn '), et in maioridus ms slsZit in patrsm. Vnäo licet seäes apostolica ine, prout äomino plaeuit, retinusrit aä sua ssrvitia, nimio^) iuNratituäinis vitio ladorarem, si tot dsnsdeioruin immemor in illius atklietions äoloris aeulsos non ssn- tirem. Xonns in statum missiÄdilem eorruit, cjui äs uno s^uo ut äicitur iion possst proviäsrs pastori?°) Xonns in statum miseraliilsm eorruit, euius inopia missus nuueius vaeuus in vestra eogitur prsseotia eompa- rers, eum olkerrs tanto äomino moäicum timeat st niultum non liadsat, epioä pressutet? 8ans a uonuullis nota sxprolirationis odieitur, c^uoä si Pons msmoris I^ussiinus prslatus ipsius 1101 D) immsnsas in 8ieilia iseis- sst sxpsusas st si noii in Rvrra Dadoris contra livstss vsstros maiora viridus suis assuinpsisset nsgotia, noii tot ssntirst ousra äsliitorum, iion tot isrret°) anAustias paupsrtatis. Dt ^niäem speradatur a plnridus, irostzitero oardinaii cappsiiam rsgiam saneti Vetri eum eonsiderations sni grati ssrvitii, tum '') considsrata rsiigions domorum, epras in Xmaititana eivitats tomporidus iiüs irsresssrat°) ad usum eanoniooriun rvgularinm st paupsrum liospitaiitatom, ut dieitur, videiiest posssssionss eum pertinentiis eiusdem aappeils sivs in alterius prsdietarum reiigiosarum domorum sivs in utriusczus iiutilitatein et pos- ssssionsin seoundum suain Converters volnntatem, sieut in eodem privi- Isgio regio plsnius vontinetur. Verum czuia idem dominus eardinalis preoeeupatus morte nieliii Iiorum, inxta cprod indultum est sitzi de voiia- tions regia, potuit ordinasse, nos ad eprem dieta eappsiia iurs eaueeliaris nostrs pertinuit, liest in mandatis Imtzsinus a regia maisstats omuia, czus de retzus eauesilaris alisnata suerint, rsvocars, considsrata etiam reii- gione°) Oistsreisnsis ordiuis, eui magna dsvoeious tsnsmur, respecto 524 Urkunden X. autern tsnors') privils^ü rexii, rsversnter a4 lionorsm rsZium st nt Usus si vitam longsvam augsat st salutein, sx auetoritats sanssllaris nodis eommisss ckietain seolssiain sansti Ustri a4 surtiin axu4 ^4inaltisin oum Omnibus tsnimsntis xertinsntiis st rationibus suis, sssuncknm (juo4 a4 esnesllariam peickinuit, xerpstuo eonesckimus st") eontirmamus insmorato monasterio sansti Dstri cks Xinaltia, statusntes kirmitsr st manckautss, nt ickem monastsrium sancksin esslssiain sansti Dstri 4s estero snin omni- dus tsniinsntis st rationibus suis sins eontraristats cznalibst pasiliss possickeat st (juists. Dt czuia tjuickain ocklieiales sunt in sacksi» eeslssia, ) 198: magus imp. vuris mag. inst. Palermo, Staatsarchiv. S. 44 Anm. 1. lieber die große Hungersnot!) s. Xuu. blstenses, Ooä. Ilsru. 29 I. 196^: 1195. I'amss magna, iuauckita vsnäieio annoue, guarta Irumsuti >3. solick. bist. ie haben sich wohl nur deshalb ostwärts begeben, um den Ereignissen in Thüringen näher zu sein. S. 66. Der Tag zu Nordhausen ist zu streichen, da er nach der Oont. IVvin- A.art., was ich übersehen, ckoiniuisa mvckinv (juaUrn^osimaa stattgefunden haben soll. Das ist aber 8. März, der Wahltag Philipps. S. 79 Anm. 2. Auf die Sendung des Bischofs von Snlri an Coelestin III. bezieht sich wohl Jnnoeen; im lieg, cko uog. imp. nr. 57: 8anv ad iuitio nodilis vir cknx, 8nsvis t'avorom soola I!oe cznssivit. S. 88. Gegen meine Annahme einer schon am Wahltage 9. Juni 1198 geschehenen Ausfertigung der Versprechungen Otto's IV. für die römische Kirche vgl. Waitz: Forsch. XIII, 562 ff. S. 169 Anm. 2. Markward hat die Burg Ripatransone zerstört so, (znock t'nit t'avlnm sins liavutia ixsins tamjnam nnnoii iinpsrü. Zeugenver- ^ hör von 1259: Ficker, Forsch. III, 443. V. IN Anm. 5. Die u. A. mit impsrio iasents sins imporatoro datirte Bundesnrknnde ist jetzt gedruckt in Oollsmons stör. Älaredigiana II, 21. . 115 Anm. I. lieber Bertinoro vgl. Ficker III, 449. . 123 Z. 11 lies: nicht nur diese Deutschen zu fürchten. Die nationale Partei war zwar bedeutend durch die Rückkehr der sicilischen Geiseln verstärkt worden, welche Philipp von Schwaben im Frühjahre entlassen und die Kaiserin auf den Wunsch des Papstes in ihre alten Lehen und Würden wieder eingesetzt hatte. (O-esta o. 22.) Aber unter :c. — Anm. 5. Jnnoeen; kommt 1201 Juli 3 Oesta o. 33. Iluill.-IIräk. I, 85 auf das schlechte Verhältnis) Walthers von Palear zur Kaiserin zurück: uisi tnissot morts provonta vsl uostrnw ei anxilinin sud- vouissst, ipsnin torsan psnitus sisoissst s rsgno vel ackdue in vineulis clstinvret. , 124 Anm. 1. Nach dem XserolvK. Oaiporin. Forsch, z. deutsch. Gesch. XVIII, 474 starb Konstanze I. am 28. November und sie wurde nach demselben und Xserol. s. Imursntii Osnsvent. Archiv XII, 256 am 29. beigesetzt. . 126 Anm. 1. Vgl, die wenig zutreffende Vertheidigung Schirrmachers, Kur- fürstencolleg S. 17. ' . 137 Z. 9: er mit dem Abte von S. Anastaslo. . 139 Anm. 6. Berthcau, Oesta Vrsvir. p. 45 macht es wahrscheinlich, daß der diesen Ereignissen zeitlich ziemlich fernstehende Antor der Vita ckoll. aspi in den Ossta auf diesen Feldzug irrthllmlich ein Ereigniß des Feldzuges von 1199 (s. Bd. I, S. 146. 147) übertragen hat, welchen er gar nicht erwähnt. — Heinrich von Brabant urkundet >198 Nov. intsr XivsIIam st villain, ^ns ckioitnr llnnüirs. cks 8mst, Oorpi. sdron, Olancl. II, 815. S. 141 Z. 13. v. Schmidt-Phiseldeck, Die Edlen von Biewende (1875),S. 41, zeigt mit guten Gründen, daß das Ilsrtvsbsr^s, wo Otto 1198 Weihnachten feierte, nicht Harzburg, sondern Herzberg ist. S. 148 Anm. 2. Das Jahr 1199 für Philipps großes WeihnachtSfest zu Magdeburg wird auch durch die Urkunde des Bischofs Thiemo von Nachträge zum ersten Bande. 527 Bamberg d. Magdeburg 1199 Dec. 27 für Abt Winemar von Pforte gestützt. Reitzenstcin, Reg. d. Gr. von Orlamünde S. 87. S. 151. In welchem Zusammenhänge steht mit diesen Ereignissen die Zerstörung von Bardewik am l9. April 1199, welche ein Denkvers bei Ongsl- llusins, Osibn. 8or. rer. Orunsv. II, NUS dem ciux zuschrcibt? S. 165 Anm. 2. Konrad von Mainz ist auch 20. Oktober 1199 Zeuge eines päpstlichen Privilegs. Baterl. Archiv f. Niedersachsen 1819 S. 320 (nach Hist. Ztschr. XXX111, 157). S. 170 Anm. 1- 81oet, Oorst. van Oe Ire p. 400 theilt eine eompositio zwischen dem Bischöfe von Utrecht und dem Grafen von Geldern mit, in der es n. A. heißt: Item comss inravit, guocl aopo Oolonisnsi, epo Rraisotsnsi et cluoi OotliarinAis super eontrovsrsia, czus cks rsgno a§itnr In prsssnti, tickolitsr assistet u. s. w. Xota a. ck. ine. 1200. Datum Iraisot. N stal. tsbr. Das würde nach der in den Niederlanden üblichen Datirnng 1201 Jan. 22. sein. Aber I) vom Grafen von Looz wird gesagt: Xs autsin laotum eoinitis cts Oos oblivioni trackatur, lioo soiatur, czuocl enm prsckiotis inravit et precliota ss per omnia tiUelitats promisit observatnrnm. Nach dem Berichte des Notars Philipp (s. Bd. I, S. 220) waren jedoch die Grafen von Looz und Geldern in der ersten Hälfte des Jahres 1201 stanfisch; — 2 unter den Zeugen der oompositio ist auch Graf Heinrich von Kessel; dieser aber nahm damals an Otto's IV. Heerfahrt ins Elsaß thcil und ist Zeuge desselben 1201 Febr. 3. zn Wcissenburg, wo wahrscheinlich auch der Erzbischof von Köln war (s. Bd. I, S. 208 Anm. 1). — Dian wird also für die oompositio an 1200 sesthalten müssen und sie in Verbindung bringen mit dem für Otto IV. günstigen Umschläge am Niederrhein, der sich Anfangs 1200 in dem Verhalten Adolfs von Köln und Hermanns von Münster (Bd. I. L>. 86 Anm. 3 n. S. 109) offenbart. S 172. In der Besprechung des ersten Bandes durch Scheffcr-Boichorst: Hist. Ztschr. XXXIII. 153 wird als unlogisch getadelt, daß ich Konrad von Mainz des Mangels an Mulh anklage, weil er sich nicht Philipp an- geschlosscn habe, während ich doch selbst ausführe, daß er weder für Otto IV., noch für Philipp gewesen sei. Wenn Konrad aber in erster Pinie die Herstellung der Einheit im Reiche bezweckte, was blieb ihm, nachdem er sich von der Undurchsührbarkeit seiner Friedrich II. betreffenden Pläne hatte überzeugen können, denn noch übrig, als sich patriotisch dem Willen der Reichsmehrheit zn fügen und durch Anschluß an Philipp direkt zur Herstellung des Friedens beizutragen? Freilich, dazu hätte der Muth gehört,' offen dem Papste cntgegenzuhandeln. Diesen Mnth hatte er nicht und deshalb nannte ich ihn einen schwächlichen Charakter. Daß er zwanzig, dreißig Jahre zuvor Mnth und Charakter gezeigt hat, ist ja richtig — bleiben aber Männer sich immer getreu? S. 17-1 Anm. 1. Während ich bei der Frage, ob das von Konrad von Mainz aufgebrachte Projekt eines fürstlichen Schiedsgerichts zwischen Philipp und Otto blos Projekt geblieben sei oder zu einer Vereinbarung zwischen den Anhängern beider Könige geführt habe, ans angegebenen Gründen für das Erste glaubte einstehen zu können, hat Schefser a. a. O. S. 152. 153 sich für das Zweite entschieden und trotz meiner Einwendungen Hist. Ztschr. Bd. XXXIV, 234 das. S. 236 seine Auffassung fcstgehalten. Es bandelt sich da wesentlich um die Deutung der Aussage Otto'S IV.: Zlagnut. aepum oladorasss nostros - uns oonsonsisso . . . nt oolloczuium ssss cksksat sto., in cpro ilodsot eonvonirs, soonncknm gnock intsr oos oouckiotum ost, ex parts nostra Oolon. aspus sto., ex Parte vsro änois 8nsvis 8aIrbnrA. aepns sto. Ich beziehe das intsr sos auf die Verhandlungen zwischen Konrad und den Anhängern Otto's die ihrerseits also bereit gewesen wären, die Thronfrage einem Schiedsgerichte zu unterbreiten, wenn genannte Fürsten zu Schiedsrichtern bestellt würden; 528 Nackträge zum ersten Bande. Scheffer dagegen „auf den Begriff, der in dem gleick folgenden sx Parts nostra und ex paicks äuois liegt", so daß sich also schon die Fürsten beider Parteien über die zu bestellenden Schiedsrichter geeinigt haben müßten. Scheint mir die von mir gegebene Deutung auch jetzt nock nach dem ganzen Wortlaute der Stelle die einzig zulässige, so muß ich ebenso sehr auch die von Sckcsser bestrittene sachliche Berechtigung zu derselben aufrecht erhalten. Denn ick kann nicht verstehen, wie der Erzbischof sein Projekt hätte anders in Angriff nehmen und fördern können, als indem er zuerst eine Partei, er wählte die welfische, für dasselbe zu gewinnen suchte, zu dessen Verwirklichung er dann selbstverständlich auch noch die Zustimmung der anderen Partei, der staufischen beschaffen mußte? Wenn er der Meinung war, daß er das letztere vermöchte — und ohne diese Meinung hätte er natürlich die Sache gar nicht unternommen —, weshalb müßte es, wie Scheffer sagt, „Wahn" oder „thörickte Zuversicht" auf die Gutmüthigkeit der Staufischen gewesen sein, wenn Die das Projekt, gleichviel aus welchem Grunde, annehmenden Wölfischen diese Meinung des ersten Mannes im Reiche theilten? Nack Sckef- fer haben die beiderseitigen Fürsten in das künftige Schiedsgericht ihre eigenen Vertrauensmänner ernannt: dieselben Persönlichkeiten aber wären nach ihm, sobald er auf meine Auffassung zu sprechen kommt, für die Staufischen völlig unannehmbar gewesen, wenn sie ihnen von dem Erzbischof, nach vorläufiger Verständigung mit den Welfischen, in Vorschlag gebracht wurden! Das ist aber meine Meinung, die ich durch Scheffers Deductionen nickt für widerlegt erachten kann, daß das ganze Projekt nicht über diesen Vorschlag hinaus gediehen ist und daß der Erzbischof zwar die Zustimmung der Welfischen gewonnen hatte und mit diesen glaubte, auch die Zustimmung der anderen Leite beschaffen zu können, darin sich jedock täuschte; sei es, weil den Staufischcn die zu Schiedsrichtern Vorgeschlagenen nickt genehm waren (s. Bd. l. S- >73), sei es weil man hier die Legitimität des staufiscken Königthums gar ruckt in Frage kommen lassen wollte. Das das Gcgentheil — die Annahme des Schiedsgerichts auch durch die Staufischen — „bestätigende Zeuguiß" des Papstes Uvg. äs ueg. !mp. ur. 22 habe ick allerdings berücksichtigt S. l74 Anm. l; ich lasse es nur nicht als solches gelten, weil Jnnocenz auch sonst den Brief Otto's mißverstanden hat, s. S. 179 Anm. 2. Als ein selbständiges Zeugniß kann aber das des Papstes schon aus dem Grunde hier nickt gelten, weil seine Quelle die Mittheilungen Otto's sind, und hat er diese so verstanden, wie Scheffer, so handelt es sich eben zwischen uns darum, ob dies Verständnis; das richtige ist. S. 176. Rücksicktlick des für die fürstliche Erklärung von Speier angenommenen Jahres 1206 verweise ich auf ineine nochmalige Erwägung aller für und gegen dasselbe sprechenden Gründe in den Forsck. Bd. XV, 596—604. Ich finde den Schlußsatz, daß wir alle Veranlassung haben, an 1200 vorläufig festzuhalten, auch durch die an sich fleißige und umsichtige Erörterung des Herrn Lutouio äoriati, Im Isttsra al uuiuevo 14 äsl IlsKistr. äs USA. imp. dltuäio vritieo. Ilovs- vsto 1875. 8" noch nicht erschüttert. Hatte ich a. a. O. S. 600 Anm. I Hrn. G. von Wyß zugegeben, daß der Pfalzgraf Otto von Burgund doch wohl schon im Jahre 1200 gestorben sein mag, namentlich auch wegen einer in diesem Jahre ausgestellten Urkunde des Grafen Stephan II., so hat umgekehrt jener Gelehrte im Anz. f. schweiz. Gesch. 1877 Nr. 4 eingcräumt, daß auch diese Urkunde keinen völlig sickern Aufschluß über das Todesjahr des Psalzgrasen giebt: da das Jncarnationsjahr vom 25. Mär; 1200 bis 24. März 1201 lämt, kann die Urkunde nach dem Tode des Pfalzgrasen ausgestellt sein, ob dieser am 13. Jan. I2o0 oder 1201 erfolgte. Hr. von Wuß läßt sogar die Möglichkeit zu, daß der Pfalzgraf zur Zeit dieser Urkunde noch gelebt habe. Schließlich würde selbst ein evidenter Nachweis, daß der- Nachträgezum ersten Bande. 529 selbe wirklich schon 13. Jan. 1200 gestorben sei, für die Datirung der fürstlichen Erklärung nicht völlig entscheidend sein, da ich gezeigt habe (a. a. O. 001), wie auch in anderen Punkten man bei der Abfassung derselben und ebenso der anderen vom Jahre 1202 sich in einer eigen- thnmlich ungenirten Weise über das Thatsächliche hinweggesetzt hat und (S. ooi das) der Pfalzgraf, auch wenn er am 13. Jan. 1200 gestorben war, am 28. Mai ganz wohl unter denjenigen Fürsten anf- gcführt werden konnte, welche dem Staufer tickolitatsm Isosrunt st Iroinininin. S. 170 Amu. 1. Die liesponsio cl. >mps laota nnntiis klnlippi gehört, wie sich aus meiner Publikation einer anderen Recension derselben Si'tzungsb. d. Bair. Akad. Hist. Kl. 1874 Bd. I, S. 345 ff. crgicbt, nicht dem Jahre 1200, sondern 1100 an. Die Gesandtschaft des Königs, welcher der Papst jene Antwort giebt, steht also nicht im Zusammenhänge mit der Gesandtschaft der Fürsten von 1200 S. 178. S. 186 Anm. I. Die spezielle Erwähnung der Ereignisse im S. Aegidienkloster zu Brannschweig scheint für die Ansicht Damus' zu sprechen, daß Arnold früher dort Mönch gewesen. Zcitschr. f. Lübeck. Gcsch. III, 204. — Anm. 4. lieber die gewaltige Grenzburg Hornburg s. Schinidt-Phisel- dcck, Edle von Biewende S. 0. S. 101 Z. 13! Lupold von Scheinfcld (am Steigerwald, s. Schenk von Schweins- bcrg im Correspondenzbl. des Gcs.-Ler. 1875 Nr. 0, 1870 Nr. 3). S. 207^Amn. 2. Pfalzgraf Otto ist in S. Stephan zu Besannen begraben, s. Friedrich II. 1222 Dcc. 27. Iluill-Ilreli. II, 284. S. 208 Anm. 1. Lon Philipps Einschließung in Speier erzählen (lesta 1'rs- vir.: (Otto) eonKi'Lg'nto exsroitu asssinlit st odssclit klrilippum in 8pira. ^It ills, sinisso vsrdo, cpuock vellst irs acl sonArsAau- cknm sxsrvitnin transivit lliisnnin st al>iit, st Otto rsvsrsus sst in sua. Darin hat Berthcau, (lesta Vrev. p. 40 Recht, daß kein Grund vorliegt, diese Nachricht zu bezweifeln. In ein anderes Jahr aber können wir das Ereigniß nicht verlegen, da Otto sonst niemals so weit nach Süden gekommen ist. S. 225 Anm. 2. lieber die Weihe Sigfrids von Main; 1201 Sept. 30. zu Lauten vgl. Ollron. lieg. Ool. p. 6. S. 228 Anm. 3. Eine andere Bcrmuthung über Walthers Klausner hat Zin- gcrle: Germania N-F. VIII, 257 aufgestellt; es sei Ortulf II. von Säben, Hofkaplan Friedrichs I. und Propst zu Jnnichen im Puster- thale. S. 234 Anm. 3. Ngl. die mit meiner Darstellung übereinstimmenden Ergebnisse von 0. Willibald Hanthaler: Abstammung und nächste Verwandtschaft des Erzbischofs Eberhard II. von Salzburg. Salzb. 1876. 44 S. 8". S. 245 Z. 3 v. u. ist der Satz betr. Bernhard von Wölpe zu streichen. Denn nachdem derselbe 3. Febr. 1201 bei Otto IV. gewesen Iis§. Ott. ur. 13 und im März von Jnnocenz III. wegen dieser Parteinahme belobt worden war, s. Bd. I. S- 210, nennt die Reimchronik N. 5660 ihn im Jan. 1202 als Vcrtheidiger Bremens gegen Otto IV., auf dessen Seite er freilich nach dem Falle der Stadt zurücktrat. RsZ. Ott. nr. 17 ff. S. 247 Anm. 3. Ilr. H. Böttger hat die Grenzen der wclsischen Erbthcilung näher zu bestimmen versucht in der Zcitschr. d. hist. Vcr. f. Nicdcr- sachsen 1800 S- 7o ff. S. 240 Anm. 3. Vgl. Ossta opiso. st'raiset. 01. 0. 8s. XXIII, 408. Hierher gehört'wohl auch der undatirtc BertragSentwuf Oorkoncksnd. v. Iloii.-inä nr. 101, in welchem Graf Dietrich von Holland für die Utrechtcr Ministerialen Amnestie fordert, czui vontra vpissopnin srnnt in guerra ista ouin soinito cks Olslra vol euin soinits llollanckis. S. 250 Anm. 4. Die slixon. rox. Ool. p. 7 erzählt ausführlich den Verlaus der Fehde des Brabanters mit den Grafen Dietrich von Holland und Otto von Geldern und bietet die bisher entbehrten chronologischen Jahrb. d.dticki. Gücki. — LNi, >e I m an». Lttto IV. H4 530 Nachträge zum ersten Lande. Haltpunttc. Am 1. September ist der Herzog im Begriff in Geldern einzniallen. als der Angriff Dietrichs erfolgt, der Hcrzogcnbusch verbrennt. Jener folgt nun dem Abziehenden, geht nach Nimwegen und steht 14. Scpt. siegreich bei Lauten, worauf Otto von Geldern die Vermittlung des Königs und Adolfs von. Köln anrnst. Da diese ihn nach Löwen begleiten, must daS Ergebnist dieser Zusammenkunft, nämlich der in Anwesenheit des Königs, des Legaten und Adolfs von Köln und unter dem Zeugnisse des Herzogs Heinrich von Limburg, de Grafen Gerhard von Are, Ludwig von Looz, Philipp von Namurr Adolf von Berg u. A. geschlossene Mastrichter Vertrag von 1202 doch, etwas später angcsetzt werden, als ich früher meimc, etwa in das Ende des September. — Bei jener Gelegenheit wurde vielleicht auch ein Vertrag zwischen Holland und Flandern über Wcstseclaud geschlossen, s. Sattler, Die flandr.-holl. Verwicklungen. Gött. 1872 S. 10. S. 261 Anm. 2. lieber die Art, wie König Philipp über die Hinterlassenschaft seines Bruders, des Pjalzgrafen von Burgund verfügte, giebl seine nngedrnctte Urkunde von 1205 Mai 1. (März 1.2) für S. Johann von Besannen Ansknnsr. — Seine allmähliche Anerkennung im Königreich Burgund wird weiter dadurch illustrirt, daß man in Die schon 8.'Juni und 16. Aug. 1200 zählt 1>I>iIippo rcjznnntc (Elievnliar, Oocuin. Insclits relntils un l knnzilnuv II. 5l. 50), die Templer von Roais in der Diöccse Vaison aber noch Scpt. 1202 vncnntc secks iinpcrntorin, dagegen Scpt. 1200 rexn. I'Iiilippo Ilcuu. iin^erntors (Olisvnlicr, (lall. ckes clnrrtul. Ilnupliiuois III, 08. 100). S. 271 Anm. 2. lieber die Bcthciligung der Raveusbnrgcr an dem Morde des Bischofs Konrad von Wirzburg s. auch Bd. II. S. 000 Anm. -1. Der eine, Bodo von Ravensburg, scheint schon vor 1220 völlig restitnirt zu sein, 1IvA. Ilcinr. VII. ur. 62 iirrig zu 1221); von den Söhnen seines Bruders Heinrich wurde einer, Heinrich, 1212 in Wirzbnrg selbst zum Bischöfe erwählt und Friedrich II. hat 1204 Nov. diesen und seinen Bruder Friedrich wieder in das Eigengnt eingesetzt, welches ihnen — abweichend von der sonstigen Theorie und Praxis — i>roi>tsr Intnminnr vsl clslictnin parentnin entzogen war. Ilnill.-IIrc'Ii IV, 501. Wegen dieser Ungerechtigkeit machte der Kaiser das Unheil rückgängig und beschränkte cs ans die vehcn. S. 288 Anm. 1. Die Zeit des von Philipp 1200 in Thüringen geführten Krieges bestimmt sich dadurch ungefähr, daß Ltakar von Böhmen am 20. Juni noch in Prag gewesen zu sein scheint. birken, lic^. Loli. nr. 471. Jenem Feldzüge wird auch eine Urkunde des Bischofs Bcrthotd von Naumburg cl. 1200 inck. VI In TVckenknrA Castro impsrataris angchöre», welche zu Zeugen den Erzbischof Ludolf von Magdeburg, die Bischöfe Wolfgcr von Passan, Dietrich von Merse- ' bürg, Hartwich von Eichstädt, den Herzog Bernhard von Sachsen, den Burggrafen von Magdeburg Gebhard von O-nerfurt u. A. hat. Oocl. ckiz,I. .^nlialt. 1, 551 nr. 744. S- 307 Anm. I. Wolfgcr liest sich jenes Zeugnis) geben, als er 1204 neuerdings — wir sehen nicht aus welchem Aulah — nach Rom gekommen war, wo er wenigstens vom 0. Mai au bis 24. sich anfhielt, s. Zingerlc, Rciserechnnngcu Wolfgcrs. Hcilbronn 1877. 8". — Anm. 0. Patriarch Percgrin von Aguilcja starb 16. Mai 1201. I^ecrol. Oivitat. Neues Archiv III, 105. Die Nachricht vom Tode desselben und wahrscheinlich auch von seiner unmittelbar darauf erfolgten Wahl scheint Wolsger auf der Rückreise von Rom erhalten zu haben, durch Loten von Aguileja, welche rasch hinter einander am 20. Mai und 0. Juni bei ihm ciutrafcn. Rciscrcchn. S. 27 (43). 28 (45). Nach Empfang des erste» gicbt er erhöhte Almosen, nach Empfang des zweiten must er Ader lassen. Er scheint sich die Sache dann noch einige Tage auf der weiteren Rückreise überlegt zu haben; denn erst am 8. Juni sendet er von Modena aus S. 47 (50) einen Boten nach Rom, der doch wohl die Erlaubnist des Papstes zur Annahme Nachträge zum ersten Bande. 531 der Wahl einholcn sollte (, welche am 24. Juni crthcilt wurde Hxist. VII. 09t. Wolfgcr reist nun aber nicht nach Passau zurück, sondern er geht erst nach Augsburg, dann nach Nürnberg, wo er am 4. Juli " ankam, und der Grund davon dürfte wohl der gewesen sein, daß er sich persönlich beim Könige die Zusicherung der Belehnung mit Aqui- leja erwirken wollte. Er gab aber doch die weitere Reise zum Könige aus» weil der damals schon in Thüringen im Felde stand, und er begnügte sich an denselben einen Boten zusenden (S. 57: gnroioni, Pii acl rsxsin euenrrit), während er selbst nun nach Passau heimging. S. 308 Anm. 4. lieber Dicthclm von Ärmlingen vgl. Roth von Schreckenstein in Zeitschr. s. Gesch. d. Oberrheins. Bd. XXV! II. Hest 3. S. 312 Anm. 4. Die Beurkundungen der Verträge zwischen Brabant und Holland bei Onmont, V'orps. äipl. Ia, )gg si„d ohne Ortsangabe, aber mit 3. Nov.; der Abdruck des Hanptvcrtrages Oorstonck. van IloUnnU ur. 183 hat dagegen: apuck l.ovnniuin w. ck. ine. m. oe. in. toroio uoims novemdris. Ich kann mich nicht mit Kluits von der Nothwcndigkeit überzeugen, daß statt 1203 vielmehr 1200 zu lesen und ebenso in der Ausfertigung der Handelsartikel ibicl. nr. 184 : npmU I^ovnninin a. m. eo. m. non. nov. so zu intcrpungiren sei, daß 1200 Nov. 3. herauskommt. Ich berufe mich für Beibehaltung des Jahres 1203 auf den ebenfalls ,ap>nU Iiovuniuin :r. cl. 1203 da- tirten Vertrag mit Geldern, der mit den holländisch-brabantischen Verträgen in innerem Zusammenhänge steht. Die Vereinbarungen betrachte ich als in Köln zu Stande gebracht; ihre Ausfertigung aber ist dann zu Löwen geschehen, wo nach nr. 1>3 am 3. Nov. anwesend waren : Bischof Dietrich von Utrecht. Herzogin Mathilde, Herzog Heinrich von Limburg, die Grafen Albert von Dagsbnrg, Philipp von Namur und sein Bruder Wilhelm, Heinrich von Knik und sein -Lohn Albert u. A. S. 312 Z. 25 v. o. lies: Schlechter kam der Graf Otto von Geldern davon. Tic im Mastrichtcr Vertrage übernommenen Verpflichtungen desselben wurden nicht blos hcrgcstcllt, sondern dahin erweitert, daß er auch seiner Reichslchcn zu Gunsten des Herzogs verlustig sein solle, falls er nicht zu dem ihm vom Herzoge gesetzten Termine komme, um Ge- nngthnung zu leisten. Seine brabantischen Lehen sollte er zwar in dem Bestände zurückcrhaltcn, wie der am 15. Scpt. — wohl dem Tage seiner Verurthcilung — gewesen war'); doch mußte er ihre Rückgabe u. s. w S. 313 Anm. 3. Guido von Praencste urkundet, anscheinend noch in Lüttich, 25. Jan. 1203 (d. i. 12041. IVnnters III, 191 irrig zu 1203. S. 320 Z. 6 v. u. lies: Der vertriebene Graf Ludwig gewann .... für sich; unter Vermittlung des Bischofs von Lüttich und der genannten Grafen empfing er für 2000 Mark vom Utrcchtcr Bischöfe die Stiftslehen in Holland-); seine Ucbermacht ward u. s. w. — Anm. 3. Wilhelm von Holland ist wohl wegen der flandrischen Lehen damals nach Brügge gegangen, wo er am 18. April 1204 urkundet. Oorst. van HoUiinä nr. 196. Seine gefangene Richte Ada hat er erst nach Friesland, dann nach England geschickt, wo sie in den Hofstaat der Königin kam. König Johann wies 16. April 1207 Geld für ihre Kleidung an, ibick. ur. 212. S. 321 Z. 3 v. o. lieber den Einfall des Bischofs Dietrich von Utrecht in Holland s. (iesta spnso. Trnioot. p. 408, nach welchen derselbe seinen Sieg am 23. Juni erfocht und am 24. vor Haarlem erschien. I) tVantors, Indio edronol. III, IW ohne Taten, aber ohne Zweifel hierher zn setzen. Val. Uvntori ctiron. IV. eap. 67. a> Sesta epise. 4'raioot. 1l. 8. 6s. XXIll, 408. Oordond. V. Holland I. nr. 107 nur mit 1004. ohne Tagesangabe, ebenso wie das Rcvcrsale des Grafen von Looz ibid. nr. INS. Eine Urkunde des »erzog-, von Brabant IVnntors III. 017: d. in ptono oapitnio Lraiocti I2Ü4 (alias 1203) ind. S. März '12. ist wegen der sich widersprechenden Taten nicht zu brauchen. 34 * 532 Nachträge zum erste» Bande. S- 321 Anm. 3. Otto von Geldern trug 1204 sein Land zwischen Mastricht und Roermonde dem Bischöfe von Lüttich auf, obwohl derselbe ein Gegner seines Schwiegersohns Wilhelm von Holland war, Wantors III, 231; er gehörte zu denen, welche die Uebertragnng der Utrechter Lehen aus den Grafen von Lvoz ;s. o. zu S, 320 Z 0) vermittelten und ist eigentlich erst nach dem Siege von Ryswuk auf Wilhelms Seite iibergcgangen. Er war dann mit Heinrich von Brabant Zeuge der Urkunde, durch welche Wilhelm dem Utrechter Bischöfe gegenüber in die Stelle des Grafen von Looz eintrat. Oorlr. van Ilollanä I, nr. 200 nur mit 1204. Letzterer knüpfte dagegen das Band mit Flandern fester, indem er am 31. Dec. 1204 als Prätendent auf Holland auch Ostsceland von Flandern zu Lehen nahm und auf andere flandrische Lehen zu Gunsten des Regenten Philipp von Namur verzichtete, ibick. irr. 108 . Sattler S. 13. S. 322 Anm. 2. lieber die Ernennung des Legaten Guido von Praencste zum Erzbischöfe von Reims s. auch Xlbrions p. 884. lieber die Ungnade bei Jnnoccnz III. vgl. Bd. II. S. 418 Anm. I. Für Guido's politischen Berkehr gegen Ende seiner deutschen Lcgation kommt die Nachricht llacl. Us OoMvsIi. eck. 8tovonson p. 147 in Betracht, daß Herzog Ludwig von Baiern ihm 1201, cluin logationis olkioio In Xlomannia Inngorotnr, einen Platz zur Errichtung einer Cistercienser- Abtei überwies. S. 325 Anm. 2. Die Schenkung des Pfalzgrafcn Heinrich an die Marienkirche zu Stade ist jetzt gedruckt: Archiv d Vereins f. Gcsch. in Stade III (1800), 270. Sie ist gemacht ob rooorckatiouom ckil. eonjutzls no- strao XAnetis ibickom cznieseontis, mit /Votum 1204 inck. 7 ete. Datum 8taclii Uio Dolieis ot XUanoti z>. m. .lolr. iiotarii uostri. Da der Pfalzgraf an diesem Tage nachweislich in Thüringen war, scheint in dem Datum der Ort der Handlung mit dem Tage der Ausfertigung verbunden worden zu sein. S. 331 Anm. I. Die Annahme, daß zur Zeit des thüringischen Feldzuges 1204 die Unterhandlungen zwischen König Philipp und Jülich, Geldern, Brabant n. s. w. schon im Gange waren, wird dadurch unterstützt, daß Johann von England am 18. Sept. dem Herzoge von Brabant ein Lehen entzieht. Ilarck^, Itot. oliart. turris Donck. I, 137. S. 356 ff. lieber die Legätion Lnpoldö von Worms bringt Vbron. re§. Lok. p. 6. 7. neue Nachrichten. Darnach ist er 1202 (am Anfänge des Jahres war er noch in Thüringen thätig Bd. I. S. 267) an den päpstlichen Hof gegangen, um die Aushebung des Bannes und seine Einsetzung in das Erzbisthnm Mainz zu erwirken. Aber oum so non solum non oxanckiri, vorum apostolioe prosontio so non acimitti ornbes- oorot, iram animiczuo lurorom ckissimulans intooto nogotio revorsus ost. Im Sommer 1203 betheiligte er sich dann an Philipps thüringischem Feldzug, Bd. I, 288. Hatte ich angenommen, daß er 1204 als Rcichslegcit nach Italien gegangen sei, aber auch L>. 356 Anm. 1 bemerkt, daß er seit Herbst 1203 durch seine eigenen Angelegenheiten nicht mehr an Deutschland gefesselt gewesen sei, so erfahren wir nun ans Vbron. roZia, daß er in der That schon 1203 oum mkiAno belli apparatu in Italien ausgetreten sei, und seine Erfolge mögen doch nicht unbedeutend gewesen sein. Jnnocenz Dpist. IX, 81 schreibt Nov. 1206 an Ferrara: vostras sino oausa oervioos allons ckomiuio submisistis und iuramonta contra liclolitatom eoolosio clioiinini prostitisso. Wann und Wem das geschehe» sei, wird nicht gesagt. Aber wenn wir sehen, daß 1200 in Ferrara nach der Negierung Philipps datirt wird (s. o. Bd. I. S. 330 Anm. 5) und daß die Stadt mit Bologna in Fehde liegt, illnrat. Xntirin. IV. 421, so spricht das doch für die Annahme Fickers II, 318, daß sie dem ReichSlcgaten den Treueid geleistet habe. — In Mittelitalien schloß sich ihm die Familie der Monaldcschi an, welche 1108 zu Martward gehalten und mit demselben auch nach seinem Abzüge in Nachträge zum ersten Bande. 533 Verbindung geblieben war, s. Bd. II. S. 37 Amn. 3. Lupold bestätigt ihnen 12. Mai 1205 alle kaiserlichen Verleihungen und verbürgte, daß König Philipp bei seiner Ankunft in Italien das Gleiche thun werde, bei Ficker IV, 202. lieber andere Ereignisse aus der Zeit seiner Lcgation s. o. Bd. II, S. 04. Amn. 2. 3. Eine anonyme Wormser Chronik (lock. Ilsickelstsrg. 359 nr. 89. toi. 81 hat Uber ihn folgende Verse: LsIIieus autistss puguaos eostorto Impolckus imstelli movlt stslla srusuta papae, auxilio trstus rsgis kzuanckoczus ?stilippi, czui lupus ants tuit, cksuicpts staetus ovis. S. 364 Amn. 2. Philipp ist Februar 8. in Kalmar lUrk. für Pairisi und wahrscheinlich März 1. noch in Straßburg (Urk. für S. Johann in Besanyon mit Mai 1 ?). S. 369 Am». 1. Ist Sibodo, der königliche Administrator des Bisthums Cam- brai, mit dem 1209—1217 verkommenden Propste von S. Adalbert in Aachen identisch? Notizenbl. 1851 S. 150. Oorü. van Holland I, nr. 258. —Mach der Urkunde vom Juni 1205 bei van I-olrersu, Ostarles cke stabst, cks 8. I'ivrrs ä Omuck I, 229 scheint Bischof Johann damals noch in seinem Bisthnme gewesen zu sein; 1208 ff. ließ er sieb dort auch in weltlichen Angelegenheiten durch den Domherrn Michel Maitre vertreten. Vstantsrs, Vastls ostronol. III, 285. 286. 311. S. 371. Ausführlich über die Vorgänge vor Köln, Qtto's IV. Ausfall und Verwundung berichtet Östron. rsg. Ool. p. 10, die ich früher nur in dem Fragmente der sogen, Xnu. Ool. iniuimi benützen konnte. Sie giebt auch interessante Belege für die in welfischen Kreisen llbcrhand- nehmende Entmnthigung (S. 372). S. 378 Anm. 1. Sllbrecht von Akagdcbnrg erhielt, wir wissen nicht wann, Burg und Stadt Lelms vom Könige geschenkt, aus dessen verlorener Urkunde Friedrich II. 1226 Juni Iluill.-IIrest. II, 601 den Inhalt recapitulirt. S. 381 Anm. 2. Oxist. VIII, 177 ist jetzt durch Delisle gedruckt: Istibl. cko I'öools ckss estartss 1873 p. 413. S. 394 Z. 7. Die Schlacht bei Wassenberg fand nicht im August Östron. 8ampetr. p. 48, sondern am 27. Juli statt nach Östron. rsg. Ool. p. I I und ihr Hergang wird hier ganz anders dargcstellt. Auch über die kölnischen Capitulationsvcrhandlnngcn S. 397 und Philipps Aufenthalt in Köln S. 398 bringt dieselbe Quelle p. 12 weitere Nachrichten, die freilich bei aller anscheinenden Genauigkeit, namentlich in den Daten, doch allerlei Bedenken erregen, auf welche hier wenigstens hingedentet sein inag. S. 410 Anm. 2. Jnnocen;' Brief an Ekbert von Bamberg 1206 März 11. I-Ipist. IX, 14 ist jetzt in Ilistl. cks I'äools ckss estartss 1873 p. 415 gedruckt. Jnnocen; schreibt dem Bischöfe: psnam, tjuain proptsrin- obsckisntialn tune Inllixiinus, nunc proptsr osteckisntiain In gra- tiam eoininutainns, suspsnsionis ssntsntlain rslaxantss, nt ain- inocko cks nostra liosntia tam saesrckotals cpuain pontitieals okti- eium sxsciuaris. 8^vramus autsm, czuock pisnituckinsin stonorls st gratis, cznam olim sxstistuiinus eonssorancko st uuns nnpsn- ckiinus rsstituto, . . . rscognosess sto. Ekbert soll sich deshalb bis 18. Skt. entstellen, pallium st Privilegium rsespturus. Da also die Thatsachc, daß Ekbert sckon Dec. 1203 Weihe, Pallium und Privilegium erhalten hat ;s. S. 304), hier durch Jnnocen; anerkannt wird, haben wir hier die merkwürdige Erscheinung, daß Alles durch die Suspension verwirkt erklärt wird/blos um den Bischof zu zwingen, sich nochmals nach Rom zu begeben, und um ihn unter den persönlichen Einfluß des Papstes zu bringen. S. 419 Anm. 1. Während Philipps Aufenthalt in Straßburg entstand wohl seine leider nur im Citat erhaltene Urkunde über die Reliquien von Pairis, s. Riant zu seiner Ausgabe von Ountstsr. Hist. Oonstant. s. 25. 534 Nachträge zum ersten Bande. S. 423 Amn. 3. Nach Oliron. reA. Lol. p. 13 fand der Reichstag ZN Nordhausen 15. August statt, lieber die hier geschehene Investitur des neuen Abtes (Thetmar, vgl. Westfäl. Urkbch. IV, 22) von Korvei s. Iiiuoe. lopist. XI, 73. S. 424 Anm. 3. Jmiocenz nahm nachher den Ruhm, Otto's Verheiratung mit Philipps Tochter in Anregung gebracht zu haben, sür sich in Anspruch. lieA. . nr ssos. Vgl. Bd. II. S. 457. S. o. Nachtrag zu Bd. I. S. 320 Anm. 3. L Ludwigs Anerkennung des Vertrags zu Hedensee von 1168: Oorlc. v. IloU. nr. 207 sRegest). ä. Brügge 1206 17kt. I I. Tag Wilhelm dasielbe that, erfahren wir aus der Urkunde König Wilhelms 1248 Aug. 3. will. nr. 463. Vgl. Lattler S. 13. 0) Wenn nicht das Gegentheil aus dem Eommissorium Honorius' III. I'. nr. 5653 feststände, würde ich es daraus schlichen, dah Ludwig sich für hie Ausführung des Schiedsspruches der Unterstützung von Seiten des Brabanters zu versichern sucht, öorli. v. Uollanä NI. 208 . 20g. Wilhelm sührt jedenfalls seit 1207 wieder den holländischen Grafcntitel und urkundet in holländischen Angelegenheiten. Erst am g. Aug. 1207 lässt er sich von König Johann freies Geleit ertheilen, Oarü. V. Uollanä NI. 213. also zu einer Zeit, da Graf Ludwig wahrscheinlich selbst schon die Befreiung seiner Gemahlin erwirkt hatte. Nachträge zum ersten Bande. 535 commorotnr, in Rnniam »u!Io tomporo rocliturns, s. o. Bd. I. S. 270 Anm. 2. S. 453 Amu. 2. Lupoid von WormS hat noch 1207 April 2!. zu Erfurt geurkundet. Urkbch. d. Stifts Walkenried S. 55. S. 402 Slum. 2. Es miisscu jedoch Vertreter der päpstlichen Politik bei Otto oder in dessen Nähe zurückgeblieben sein, s. Bd. II. S. 11k Aum. 1. S. 400 Aum. I. Vgl. Rog. Us Ilovselon oont. in älemorials Ir. IValt. Uo Oovsntria ocl. 8tndds II. 20V: Philipp ist getödtct insoio eins nU- vsrsario Otlrone. S. 400 Aum. 3. lieber die Bedrängnisse der geistlichen Stiftungen infolge des Bürgerkrieges vgl. auch Bd. II. Urkunden Nr. IV bctr. S. Lambrecht, lieber Philipps Bemühen, dem Nebermuthc der Herren Einhalt zu thuu, s. seine Urkunde zu Gunsten des Klosters Laugsheim. Schuttes, Hist. Schriften S. 70: s. I. nt a., ohne Zweifel aber von 1205, s. lieg. Rlril. nr. 02. Reitzcnstein, Reg. d. Gr. v. Orlamünde S. 09 hat eine Urkunde des Herzogs Otto von Meran von 1207 mit dieser königlichen in eine zusammeugezogen. S. 470 Am».'2. Der Verfasser der Fortsetzung der RIrron. regia p. 8, obwohl politischer Gegner Philipps, nennt ihn tam gsusris czuairr nrornm Uignitats proolarns und spendet ihm bei seinem Tode p>. !3 ganz überschwängliches Lob. S. 477 Z. 10 v. o. lies 1210 statt 1217 (wegen Innoo. papa). S. 480 Z. 3 v. n. Ein weiterer Beleg für den Aufenthalt des Bischofs Sa- vary von Bath zu Rom i. I. 1107 ist seine Erwähnung 8adarisoins Raclcnsis opisoopns in der Inschrift RorosIIa, Isorir:ioui äi Roma II. 185 nr. 1177, daß er dem Papste assistirt habe bei der Weihe von S. Eustachius, welche geschah a. U. iuo. 1196, a. 6. ä. Oolostini III papo, incl 14.. Uominroa (pun cantntnr üloUienm. Das Pontifi- eatsjahr führt auch hier wieder auf 1197, die Jndiktion freilich au? >190. Aber nach der I'Xrt Uv vvritisr Iss clates (1783) I, 292 begann der Papst gewöhnlich das Jahr und oft die Jndiktion zu Ostern. Daß nun dieser Fall hier vorlicgt, beweist der Umstand, daß unter den Assistenten der Weihe auch stoannos Xldanonsis genannt wird. Als Kardinalbischof von Albano kommt aber bei Jaffa noch bis 12. Juli 1190 ein Xldinus vor. Die Weihinschrift bezieht sich also auf 1197; ans dem Satze: onins oonsoorntionis oolevritati usczus all Ireo tompora nnlla similis sxtitit. ist übrigens nicht nothwendig auf spätere Abfassung zu schließen. S. 493. Mir war die Abhandlung von Franz Wieser, die Bannnng Philipps von Schwaben. Progr. d. Staatsoberrcalschnle zu Brünn 1872, unbekannt geblieben, aber ihren Resultaten, daß 1) Philipp nicht persönlich gebannt, 2) der allgemeine Bann über die Gegner des Papstes in Tus'cien im Sommer 1190 ausgesprochen und 3) Philipp auch am 3. Juli 1201 zu Köln nicht persönlich gebannt worden sei, muß ich auch jetzt meine Ausführungen entgegenhalten. Die Beweisführung Wiesers in Betreff des zweiten Punktes ist auch deshalb verfehlt, weil er statt ans die Urquelle d. h. die päpstlichen Briefe, sich auf die Kosta. Innoo. stützt und ihre willkürlichen Acndernngen und Zusätze zu jenen, wie xnIUioari t'ooorat Ilonrioo imp. und Unm ossot Uux Vusoias, zum Ausgangspunkte nimmt, lieber eine Meinungsverschiedenheit mit Scheffer-Boichorst s. Hist. Ztschr. Bd. XXXIII, 154. XXXIV,235. 237. S. 497. Nachträge zu den Regesten der Kaiserin Konstanze I. habe ich in Forsch, z. deutsch. Gcsch. Bd. XVIII S. 480 gegeben. S. 507. Zn den Regesten Ottos IV. als Grafen von Poitou. Die Privat- urknnde an der Spitze der Regesten ist als identisch mit der von 1198 am Ende derselben, wie Schessew-Boichorst in Hist. Ztschr. Bd. XXXIII, 157 gezeigt hat, zu streichen. Das Jahr der Uebernahme von Poitou 1190 steht jedoch durch Otto's eigene Zählung und die 'Angaben der Annalen fest. — Nr. I ohne Daten, mit Zeugen: Bischof von Samtes, Abt von Grnee-Dicn, A. de Chauvigne, Sal. de Furnival re., vollständig bei IlonrLwois, Roolrsrolros Iristor. snr 1'enrporenr 536 Nachträge;um ersten Bande. Otlion IV. Xmstelod. 1775 p. 60 (den ich nicht einsehen konnte); Vndls dvs ülss. <1s Dorn Dontsnsau XXV, 297 in Vüin. cls In Loaistü (Iso antionaires (1s UOnsst IV, 169; XrcIUvss de In 8nintonA6 st cls IVnnis (Daris 1874) I, 28 nr. III. Weitere Urkunden sind (nach Mitth. von Röhricht und Ficker): . . Okt. l. np. Dlstavim Otlio soines Dletavlsusls, nspos (1. rsAis Xnglis schenkt dem Kl. Davaülola Orandi- inontvnsis ordiuis den Brodzchnten von seinem Hose zn Poitiers. Tests ( 4 . cls OsII. ssusLnIIo Viel. Ohne Jahr. Ungedr. Tresor clss oliartss d. 460. nr. 20. 2. 1107 . . . . Otlio clnx Xcpritanis, somes Distavis giebt den Armen von Surgöres alle seine dortigen Einkünfte Regest ans Donisnean XXV, 855 in LI6m. I e. p. 174. Vgl. 1108 Jan. 1. — Mär; 0. ap. Vasatum bladillon, Xota 8. ord. Dsnsd. Vl, 875 nach Schefscr a. a. O. . . Otlio dnx Xcznitauis, somss Uietavisnsis bestätigt der Abtei Grilce-Dicu in Aunis die Schenkungen seiner Vorfahren. Ungcdruckt. Tresor des sliartss d. 10» II. nr. 75. 3. 'Angeblich mit 1187 März 7. als Regest ans Donteneau IX, 33 in )I 168 Amn. 1. Klriron, I.a erscksrma. äi 8aut'XinI>roAlo o Irr lotta clsi uokili o Usl popolo in illilano: 8tuclio otorioo zll98—1292). iili- luuu 0877?) 80 x. 8° ist mir noch nicht zngekommen. S. 180. 181. Ncbcr die Kämpfe in Verona während des Jahres 1207 erhalten wir endlich erwünschte Auskunft durch einen Brief Azzo's von Este an den Patriarchen Wolfgcr, welcher unmittelbar nach dem Siege des ersteren geschrieben und von Joppiim Xrelrivio Vsnsto tom. X xurts 1 veröffentlicht worden ist. Darnach war Azzo allerdings durch seinen Oheim Ilonslacinm, ezui czuonclam patris msi Isrtur tuisss t'ratrsm, vertrieben worden. Er hatte sich dann mit Hülfe der Mantuaner wieder in Verona Eingang verschafft und dort einen ganzen Monat mit den Gegnern, eornm turr68 et kortituclinso virilitsr onpisuclo, gekämpft, bis diese sich endlich in der Nacht des 8. September in das 'Stadtcastell zurückziehen mußten und hier am folgenden Tage zur Ergebung gezwungen wurden. Unter ihnen war die „Blüthe der Edeln von Trient,' Padua und Friaul, der Podesta Odorico Visconti, der Graf von Tirol" und Ezclin von Romano, welchen Azzo dem von Cremona eingesetzten Podesta von Brescia Guido Lupo überließ. Azzo stellt in jenem Briefe jene Kämpfe als im Interesse König Philipps unternommen dar und bittet den Patriarchen um seine Fürsprache, um von demselben ein bsustioinm 8p6ciuls zu erhalten. Wenn er am Schluffe sagt: Iimnper tin^itars non oes8o, nt iutnitu Irouo- riv vsotri rund» privilsxla insu milii, patsr rsvsrsnäs, inittatio, so scheint das sich auf USA. PIril. nr. 05. 00 (s. Bd. I. S. 410) zu beziehen. — Die Revolution in Brescia, welche im Mai 1208 den Podesta Lupo stürzte und dort der mailändischen Partei znm Siege verhalf, s. o. S. 160, wird Ezelin die Freiheit verschafft haben; er hat wenigstens von Brescia aus den in Garda belagerten Montccchi Hülfe gesandt, s. o. Bd. II. S. 181 Anm. 1, S. 182 Anm. 7. S. 334 Anm. 6. Hermann von Striberg wird die Grafschast Gesualdo wohl erst kürzlich erhalten haben, beim im Jahre 1210 urkundet noch Graf Roger von Gesnaldo (Xaxoli, (Ir. Xrclrivio, ülontsverAins vol. III), ein Sohn des aus der Geschichte der Gefangenschaft der Kaiserin Äonstanze I. bekannten Elias (s. Ouraevioli, Osnsul. Ks8unlä. in öranenooiana LI88. 4 I?. 1. bol. 98). Es ist möglich, daß Roger seitdem gestorben war (nach Caraccioli kinderlos), aber ebenso möglich, daß die Verleihung der Grafschaft an Hermann deshalb erfolgte, weil Roger zu Otto IV. abgcfallen war. Orts- und Personen-Derztichllil;. Einige wenige im Register des ersten Bandes ansgefallene Stellen sind hier nachgetragen ^ sonst ist überall der zweite Band gemeint. Ein * bedeutet, daß zu der betreffenden Stelle auch die Nachträge am Schluffe dieses Bandes zu vergleichen sind. A. Aachen 329. 33», 4. 331. 341, 2. 357. 358. 367. 369. 379—382. 391—395. — Propstei 449, >. — S. Salvator 394, 3.— S.Adalbert533.—Sckult- heiß Arnold; Mag. Johann. Abraam de Malfiastris 224, 7. Abruzzen 8. 19. 76. 469. Absalon, dänischer Graf, 386, 1. Accerenza, E. Andreas. Accon 159, 3. 206, 3. 502. Accursius, B. v. Melfi 261. 405, 1. Acerra, s. Dipold. Acguapendente 195, I. 212, 3. 239. 492. Acgui 179, 2. 412. — B. Hugo. Ada von Holland, G. Ludwigs von Looz, 457. Adda 413. Adela von Meissen, G. Otakars von Böhmen, 1 19. 149. 252, 2. 271. 272. 300. 446. Adelard, B. von Verona 227, 5. Adelbert, Albert, Albrecht: Albrccht von KLfernburg, E. von Magdeburg *1, 378. — ^1, 26, 6. 101. — 106. 108. III. 114. 115. 122. 123, I. 125. 141, 3. 147, 4. 148—152. 157, 1. 164. 212, 3. 272. 272. 274. 298. 303,4. 304; päpstlicher Legat 305. 345 ff. 391. 398, 3. 432. 434. 435. 441. 445. 461—463.481. 500. Albert, E. von Ravenna 174. Albert, B. von Brescia 414, 2. Albrccht, B. von Livland (Riga) 286, 7. 461. Albert, B. von Verdun 253. Albrscht, H. von Sachsen 302. 390. 398. 461. 462. 480. 482. Albreckt, Mgr. von Brandenburg 101, 4. 147, 4. 148. 156. 300, 2. 306. 386. 387. 390. 398,3. 461. 462. 483. 497. Albrecht, Gr. von Arnstein 300, 4. Albert, Gr. von Casaloldo 168. 169. 225, 5. 227, 2. 259, 3. 287, 3. 4. 414. Albert, Gr. von Dagsburg *1, 312. Albrccht, Gr. von Dillingen 164. Albrecht, Gr. von Everstein 134,3. 279. 333, 3. 347, 3. 390. 437. 439. Albrecht von Orlamiinde, Gr. von Holstein 151- 389, 3. 442. 443. 460. 461. Albert, Gr. von Prato 213. 218, I. Albert, Gr. von Tirol 134. 339. 450. 537. Albert von Baone 412. Albert von Kuik *l. 312. Albert von Mandello 282, 2. 287. Albert von Sax 138, 3. Albert Struzins von Cremona 213, 2. 414. Albcrtin, Neffe Salingnerra's 412, 8. 413, I. Adenulf, A. von Monte Casino 260. 405. 407. Adolf von Altena, E. von Köln I, *56, *170. *250. *429. — II, 3. 52, 3. 53,3. 123. 132. 133.250.251.269. 302. 303. 329. 330. 333, 1. 392. 433. 434. 482. 490. Orts- und Personen-Verzeichniß. 539 Adolf von Teklenburg, B. von Osnabrück 460, 2. 507, 2. Adolf VI., Gr. von Berg -I, 250. — II, ZOO. 320. 380. 301. 393. 394. 450. Adolf, Gr. von Dassel 148,4. 250. 236. 306. Adolf IV. von Schainnbnrg 101, 4. 105. 148, 4. 150. 236. 390. Aegidius, Gr. von Cortennova 227, 5. 259, 3. 285. Aegypteli 88, I. 420. S. Agatha 54, I. 287. 414. Agnclla, Fl. 41. Agnes, von Landsberg, 2. G. Heinrich!. von der Pfalz (Braunschweig) 384. Agnes von der Pfalz, l. G. Heinrich I. von Braunschweig *1, 325. — II, 511. Agnes von der Pfalz, G. Otto's von Baiern 385. 510—512. Agnes, T. Otakars von Böhmen '333, I. Ajello: Nikolaus, Richard. Aünar von Poitou, Gr. von Valentinois 208. Ainio von Cicala 41. Airc 352. 360. 367. Alainan da Costa, Gr. von Syracus 60. 61. 244. 406, 4. 407. Alatrin, päpstl. subdiakon und Notar 342, 1. 440, 1. Alba in Piemont 226. 237, 2. — B. Bonifaz. Albano, KB. Albinns, Johann. Albenga 227, 1. Alberia, T- Kg. Tankreds, Gr. von Brienne 29. 45, 2. 471; Gr. von Tricarico 29, I. 63, 3. 261. Alberich, Richter 218, 4. Albigenser 195, 3. 210. 293. 447. Vgl. Waldenser. Albinns, KB. von Albauo *1, 489. Aldersbach, Kl. 155, 5. Aldobrandin von Este, Mkgr. von Ancona 405. 406. 408—410, 4. 412. 416. Aldrich, B.-von Lodi 227, 5. Alessandria 179, 2. 223. 226-228. 237,2. 267. 321. 411. 412. 414. 415. 430, I. 431, 2. 490. — Bis- thnm 412. B. Hugo. Alexander III. P. 257, 2. 502. Alexandria 60. Patriarch 420. Alfcrius, E. von -Sorrent 261. 405,1. Alfons II., K. von Aragonien 279, 1. 502. AlsonsVII.,K.von Castilien 279,1.420. Alfons, Gr. von Provence 94. 05. 477 —470. Alife 64. — Gr. Paganus, Paulus, Sigfrid. Aliprand, B. von Vercelli 227, 5. Alken 458. Alliate, Galin de. Alpen 414. Altaich, Nieder-, Kl. 226, 5. Altena 329. — Adolf, Friedrich. Altenbnrg 106. 113, 1. 120, I. 147. 148, 4.' 445, 5. 7. 451, 6. 486. Amadeus, E. von Besannen 451. Amalfi 261. 262. 403. 406. — E. Mat- thaeuS. Vgl. Konstantin, Petrus. — Kl. S. Peter 523. Amauri de Craon 352. Ambrosius, Dekan von Goslar 464, 4. Amelia 284. Amfusus de Roto, Gr. von Tropea 42, 2. 56, 2. 72, 2. Anüneddal, kgl. Stallmeister 86, 3. Anagni 62, s. Roffrid. Ancona, Mark *1, 111. — II, 13. 22. 35, 2. 37, 3. 64. 173. 177. 182. 191. 192, I. 193. 214, 2. 218. 245. 265, 1. 342. 408 —411. 429. 491. 493. Mkgr. Markward von Anweiler, Azzo VI., Aldobrandin, Azzo VII. — Stadt 218. 400,4. 410. Andernach 390. 303. Andito, Wilhelm von. Andreas, E. von Accerenza 261. Andreas, E. von Lund 115. Andreas, B. von Prag 452. Andreas II., K. von Ungarn 80, 2. 420. 450. Andreas Logotheta 78, 1. 317. Andreas von Bari, Großhofjustitiar 78, 1. Andria 62. Kirche S. Porta 91, I. Gr. Jakob. S. Angelo 94. S. Angelo de Subterra 285, 1. Angelus, E- von Tarent 8, 2. 17, 1. 22. 23, 2. Angers 366. Anglona 59, 3. Auguillara, Gr. Pandulf. Anhalt 461; Gr. Heinrich. Anjou 366; Gr. Karl. Annone 226. 317, 1. Burggr. Thomas. Anselm, E. v. Neapel 22. 23, 2. 24, 2-26. 58. 260, 4. 407, 2. 522; K. Pr. von S. Nereus 26. Anselm, B. von Belluno und Feltre I, 348, 2. Anselm, B. von Lipari und Patti 94,5. Anselm von Jnstingen 280. 313—317. 328. 333, 6. Antiochia 206, 3; Patriarch 420; Fürst Bocmund. 540 Orts- und Personen-Verzeichniß. Auweiler, s. Markward. Apennin 489. Apulien 10. 40, 2. 45. 77. 78, 1. 79. 94. 235. 241, 2. 252. 260. 261. 281 —284. 409. 517. 518. Vgl. Sici- lien. — Kind von Apulien 335. Aquila, s. Richard, Robert, Roger. Aquileja, Patriarch Peregrin, ÄZolfger. Aquino 41. 244. 246; Herren von 317, 6; Grafschaft 318. Vgl. Rainald. Aragonien 195. 477—479; K. Alfons II., Sancha, Peter, Jakob; Prinz. Konstanze, Sancha; Gr. Alfons. Arco, Ulrich v. Are, Graf von, 329; Gr. Gerhard. Arelat, Kgreich 291. Vgl. Burgund. Arezzo 411; Dom 216; Gr. Heinrich; B. Gnido; Bostoli. Argelata 174. 177. 221. 416. Argenta 265. Aristoteles 88, 1. Arles, Palast 502 ; Marschall 289. 503. — E. Humbert. Arlon, Gr. Walrain. Armenien, K. Leo, Rnpen. Arnold II. von Matsch, B. von Chnr 324. 325. 337, I. Arnold, A. von Lübeck -1, 186. *1, 445. — II, 155. Arnold, A. von Murbach 453, 7. Arnold von Heinsberg 329. Arnold, Gr. von Hückeswagen 133, 2. Arnold, Gr. von Looz 457, 5. Arnold, Schultheiß von Aachen 329. Arnsberg, Gr. Gottfrid. Arnstadt 107, 3. 113. Arnstein, Gr. Albrecht. Artur, H. von Bretagne 419, I. Aschersleben 441. 463. Ascoli 217. 218. 410; B. Petrus. Assisi 245. 284. Asti 226. 227. 259, 3. 287,5. 321. 379, 2. 417, 1. 488, s. Wilhelm von Pusterla; — B. Guidotto. Atina 77, 3. Augsburg 122. 132, I. 131—136. 161, 4—165,3. 172. 300. 340. 485; — B. Sigfrid, Siboto. Aulisburg, Kl. 391, 3. Auvergne, Gr. Guido. Auxerre, Gr. Peter, Philipp. Auxonne, Gr. Stephan II. Avellino 79, 3. Aversa 246. 406; Bisthum 219, 2. 406, 3. Avesnes, Burkhard von. S. Avold 395, 4. Azzanello 430, 4. Azzo VI. von Este, Markgr. von An- j cona 169—171. »179—187. 189. 191. 193. 213. 218. 221. 227, 5. 245, 3. 260. 265—267. 282. 286. 287, 4. 319. 320, 2. 321, 2—323, 4. 408. 412. 487; Gemahlin 182. 183; Söhne Aldobrandin, Azzo VII. Azzo VII. Novello von Este, Markgr. von Ancona 410. 412,8. 425. 429. B. Bacharach 512. Baden 326. — Mkgr. Friedrich, Hermann. : Badia --- S. Maria di Vangadicia ^ 408, 6. Bagnacavallo, Grsschaft 174. 222 , I. i Baiern 107,3. 122. 134. 300. 307. ! 309. 347, 3. 505. 510—512. — H. Ludwig, Ludmilla, Otto; Pfalzqr. Otto, Rapoto. Balduin, B. von Brandenburg 398, 3. Balduin V., Gr. von Flandern und Hennegau 354, 1. Balduin VI., Gr. von Flandern und Hennegan, Kaiser von Konstantinopel 351. — Der falsche Balduin 508. Balduin, Gr. von Bentheim 457, 4. Bamberg 99. 139, 4. 144. 273. 274. 348. — B. Thiemo, Ekbert. Bapaume 375, 4. 508. Bardcwik »1, 151. — Propst Johann. Bar-le-Duc, Gr. Theobald, Heinrich. Barhamdowne 361. Bari 261. 406, 3. — E. Berard. — S. Nicolo 394, 5. Barlctta 43, 2. 45. 62. 261. Bartholomäus, E. von Palermo 17. 34. 473. Bartholomaus, E. von Trani 59, 2. Bartholomäus, päpstlicher Schreiber 25. Bartholomäus de Lucy, Gr. von Pa- tcrno 18. Bartorillus de Paranicio, Großhof- jnstitiar 48, 1. ' Basel 323, 4. 325 -327. 385. — B. ! Lutold, Walther, Heinrich. ^ Basilicata 77. 262. Bassano 183. 184. Bath, B. Savary. Banco 61, 3. Baux: Hugo, Wilhelm. Beatrix, Gem. K. Friedrich I., 348,3. Beatrix, T. Philipps von Schwaben, G. Otto's IV.: I, »424. *539. — II, 110. 126-129. 137. 140. 141, 3. 157-161. 190. 292. 307—309. 466. 505. 506. Beatrix d. jüngere, T. Philipps von Schwaben »I, 539. — II, 127. 128 . 161. 498. Orts- und Personen-Verzeichniß. 541 Bellnno 182. — B. Anselm. Benevent 485, 4. Bentheim, Gr. Balduin. Berard von Castaca, E. von Bari 78, I. 317. 321. 323. 324; E. von Palermo 484, I. 422. 423. 437. 439. 448, 3. Berard, E. von Messina 17. 18, 1. 25. 38. 42, 2. 49. 58. 262, 5. 464, 3. 486, 4. Berard 1., Gr. von Loritello und Con- versauo, Großjustiliar 19, 1. 22. 41. 41, 2. Berard II., Gr. von Loritello 44, 2. 48, 4. Berard Gcntile, Gr. von Nardo 317, 4. 448, 3. Berard von Celano 48. 44, I. Berchtesgaden 124, 3. Bcreugcr Lanza, Mkgr. von Busca 227, .->. Berg 132. 133, 2. — Gr. Adolf, Engelbert. Bergamo 169. 226. Berge, A. Heinrich. Bern, s. Verona. Bernburg 382. Beruh ard, Bernard: Bernard, B. von Pavia 223, 1. 227, 5. Bernhard, H. von Kärnthen 139. 164. 212, 3. 237. 382. 339. Bernhard, H. v. Sachsen 'I, 288. — II, 182, 3. 184, 4. 185. 116, 3. 111, I. 4. 112. 147, 4. 148. 156. 156. 274. 362. Bernhard, Gr. von Dorstadt 386. Bernhard, Gr. von Wölpe *1, 245.— II, 148,4. Bernhard von Horstmar 116. 374. 375. 466, 6. 587. 588. Bcrthold von Reifen, Bicedom von Trient, B. von Brixen 323, 3. 325, 4. 342, 1. 414. 416, 7. Berthold, B. von Lausanne 451. Bcrthold, B. von Naumbnrg -I, 288. Berthold V., H. von Zähringen 123. 138. 154, 3. 157. 161, 4. 269. 288. 326. 333. 435. 453. 454. 581. Berthold, Mgr. von Ronsberg 386, 3. Berlin, ÄD. von S. Georg 476. Bertinoro *1, 115. — II, 177. 227. 342. 429, 1. Bertram, B. von Metz 254. Bcsanyon, E. Amadeus. — S. Stephan *1, 287. S. Johann »I, 261. »I, 364. Bevagna 217. Bigott Nadulf, Wilhelm. Bianca von Navarra, G. Theobald I. von Champagne 268. 455. Blandrate 187, 3. 189, 2. 191,6.— Gr. Gottfrid. Bobbio, B. Ubert. Bocca d'Adda 436, 7. Bodo von Ravensburg *1, 271. — II, 363, 4. Böhmen *1. 47. — II, 167. 3. 147, 4. 271. 388. 302. 3Z7. 347. 446. 452. Vgl. Friedrich, Ludmilla, Ota- kar, Adela, Konstanze, Agnes, Wra- tislaw, Wenccslaw, Dipold. Boemund, Fürst von Antiochia 68,4. Bogen, Gr. von 226, 5. 458. Bolanden *1, 523 s. Wcrnher, Philipp. Bologna »I, 356. — II, 171. 173,2. 174. 183, 2. 189. 198. 222. 223. 225—227. 246. 266. 267. 285. 412. 413. 429. 439. 487. — Universität 88, 1. 582. — Bisthum 416. Bolsena 192, 4. Boncompagnus von Florenz 178. 242. 257,2. 474. 491, 1. Bonisacio 234. S- Bonifacio, Stadt 188. — Gr. Ludwig, Richard. Bonifacio, B. von Alba 227, 5. Bonifacio von Este ^188. 266. 285. 286. Bonn 133. 134. 338. — Dekan Hermann. Bonus, B. v. Siena 192. 519. Bonus, Gr. von Montefeltre 213. 429, 1. Boppard 398, 6. 433. 458. 462, 1. Borgo S. Donnino 216,4. 223, 1. 227. 237, 2. Bostoli von Arezzo 218, 1. Botesina 415, 3. Boulogne 358. 359. 589. — Gr. Reginald, Jda, Mathilde. Bouvines 376—379. 381. 383. 387. 587-589. Boves, Hugo de. Bovino, Bistbum 485. Brabant, s. Heinrich I., Heinrich II., Maria, Mathilde. — Brabantzvns 373. 375. 588. Brandenburg, Mark 183. Mkgr. Al- brecht. — B. Balduin. Braunschweig 99. 188. 183, I. 106. 187, 3. 127. 148—152. 154. 155. 161. 198, 2. 199, 1. 346, I. 347. 358. 397. 462. 463, 2. 468. 486. 499. 586. 518. S. Blasius 158. 389, 1. 465, 4. 466. — S. Aegidius »I, 186; II. 466,2. — Propst 442. Vgl. Heinrich d. L., Psalzgr. Heinrich 1., Otto IV., Luder, Otto d. jüngere. Brehna, Gr. Friedrich. 542 Orts- und Pcrsoneu-Verzcichniß. Breisach 326. Breme, Äl. 224, 5. Bremen 114. ILO 156. 268. 274.275. 386. 396. 443. 4b'0. — E. Hartwich, Waldemar, Burkhard, Gerhard. Brenner 164. 165. Brenta 183. . Brescia 168—171. 174. *182. 224, 7—226. 228.236, 2. 267. 287. 414, 3. 537. — B- Johann, Albert. — Vgl. Albert v. Casaloldo, Narisius v. Montechiaro, Jakob v.Pontecarali. — Podesta Guido Lupo. Bricnne- Gr. Erard I., Johann, Walther I., Walther II., Erard II. Brindisi 45. 59. 62. 421. 472. — E. 45, I, Dominikus, Pcregrin. Brixcn, B. Äonrad, Bcrthold. Brügge 1, *320. *442. — II, 362. 363. 365, 2. 508. Brüssel 363. Bruno, E. von Köln *1, 429. — II, 112. 113, 2. 120. 123. 132. 133, I. 434. 480. 482. Bruno, B. von Schwerin 156, 3. 259,3. Büdingen, Gcrlach von. Burgund (Reichs-I *1, 261.—II, 123. 269. 280. 502. — Vikar 385. 453. — Pfalzgr. Otto von Staufen, Otto von Meran. Vgl. Arelat. Burgund (srauz.): H. Otto. Burkhard von Stumpenhauscn, E. von Bremen 114. 115. 151. 268. Burkhard, A. von Älingen 519. Burkhard, Propst von Ursperg 28. 136. 137, 1. Burkhard, Burggr. von Magdeburg 134, 3. Burkhard, Gr. von Mansfeld 134, 3. 148, 4. 348, 2. 441. Burkhard von Avesnes 456. Busca, Mkgr. Bercnger, Manfred. Butcra, Gr. Paganus. Byzanz 59, 4. 292. 472. Vgl. Kou- stantinopel. C. (vgl. K.) Caesarius von Heisterbach 206. 297. Caesarius, kais. Hauptmann auf Quedlinburg 347. 441. 462. Cagli 218. Calabricn 23. 47. 72, 2. 78. 235. 261, > . 262, 2. 406. 439. 500. Calais 358. Calatagiroue 49, 3. Caliano in Tuscien 319, 6. Cambrai *1, 369. - II, 118. 253. 254. 372. 375, 4. 380, I. 394. 456. - B. Johann; Administr. Sibodo. Camerano bei Ancona 409, 4. «Lamcrino 214, 6. 218. 224, 4. Campagna 8. 71. 410, 5. Campretto 179, 3. Cannä 45—47. 49. 50. Cantcrbury361.365.366. - E. Stephan Langton. Cantilupo, Wilhelm von. Capocci: Johann, Peter. Capparonc, Schloß 56, 1 . — S. Wilhelm von. Capua 8, 2. 19. 40. 41. 43. 92. 245 —247. 258—260. 403. 517. — E. Matthaeus, Rainald. — Vgl. Thomas von. Carini 94. Caronia (Val Demone) 94. Carpegna, Gr. Vcrnclius. Carpi 416, 4. 429. Carrctto, Mkgr. Heinrich, Otto. Carns, E. von Mourcale 17. 38, I. 49. 262, 3. 316, 3. 404, 3. Lasalc 416. Casalnuovo 94. Casaloldo, Gr. Albert. Casamari 11, 3. 13, 1. 14—16. 92,4. 317, 5. 319, 5. 404, 2. 478. Casanova, Äl. (Carignan) 226, 3. Casanova, Äl. «Abruzzen) 317,5. 319,5. Caserta, Gr. Wilhelm I., Wilhelm II. Cassel (Flandern) 362—365. 508. Casscllo 415. Cassina di Pisa 239, I. Castel Jmolcse 221. 222. 225. 267, 1. Castcllamarc bei Neapel 406, 2. Castellancta 30, 1. Castel Leone 414. 415. Castcllo, Gr. von 227, 5. Castelnuovo in Terra di Lavoro 9, 5. 41. Castclnuovo bei Cremoua 521. Castiglionc Aretino 411, 2. Castilien, K. AlfonS VII. Catanca 94. 479. — B. Roger, Walther, la Cava 261. 403. 406. Ceccano, S. Elia 73. Cefalu 42, 4. — B. Johann. Celano, Familie 517; s. Bcrard, Peter, Rainald, Thomas. Cencius Savelli, KD. von S. Lucia 22, 4. 32, 1; ÄPr. von S. Johann und S. Paul 22, 4; s. Honorius III. Ceneda, B. Matthaeus. Ccperano 61, 3. 76, I. 319, 6. 342. Ccraino 105, 3. Ccrcdo, Äl. 222, 2. 224, 6. Eeruin, bvhm. Kämmerer 302, 2, Cervia 174, 3. Ccscna 429. Centa 88, I. Chalons 208. 543 .. Orts- und Personen-Verzeichniß. Champagne 40. 208. 253. 455. 471. — Gr. Heinrich, Philipp«, Theobald 4, Bianca, Theobald II. Chantocs 052. Chatellerault 566, 4. Chiaravalle, Kl. 224, 4. 6. Chiemsee 340. — B. Rüdiger. Chieti 59, 3. — Gr. Roger. Chinon 370. 444, 2. 50d. Chiusi 215. 217. — B. Gualfred. Christian, Mönch (Preußen) 268, 5. Chur 324. — B. Rcinher, Arnold II. Cicala: Aimo, Johann, Paulus. Cignano 218. Cilicien 206, 3. Cinthius, KPr. von S- Laurentius 22. 23. 25. 26. 33, 2. 34—36. 84, 2. 418, 2. 427. 475. Cistercicuscr 159. 395,4. Citta di Castcllo 525. Citta dclle Piene 215. Cinita (Abrufens 19,2. 44,2. Vgl. Peter non Celano. Claromontc, Guido non. Cvcoronc (Montcfalcone) 37, 3. 217. 284. — Hugoliu. Coelestin III.: I, *79. *489. — II, 3. 243. Colocsa, Er;b. non, 450, 3. Colomba, S. Maria della, 220, 2. 223, I. Colonna 407. Vgl. Johann. Como 287. 288. 430, 4. — B. Wilhelm. Conflans, Enstachc non. Connersano, Gr. Berard, Robert. Corleonc 17, 0. Corrigia, Frogerius de. Cortcnuona. Gr. Aegidius. Coscnza, E. 9ucas. Costa, Alaman da. Courtenai, Gr. Peter, Philipp. Courtrai 363. 304, 1. 370. 371. 508. Craon, Amauri de. Crema 171,3. 224. 225. 286. 287,4. 321, 5. 323. 413-415. Cremona 90, 2. 167—173. >74, 6. !78. 210. 223, I. 224. 225. 227 —229. 257, I. 264. 205. 267. 282. 286. 287.321—323. 413—417.423. 429—431.440. 521. 522; Dom 415. — B. L-icard. — Vgl. Albert Stru- zius, Ghisalba, Guido Lupo, Ma- stagius. S. Cristiua 241, 1. S. Croce, s. Fonte Avellaua, Sassovivo. Crocc, Ubcrt della. Cumä 71. Cusetc, Gr. H. non . Dietrich, B. Non Merseburg -1, 288. — II, 148. Dietrich, B. von Utrecht I, *170. *312. *320. *321. — II, 330. Dietrich, Markgr. nou Meissen 101, 4. 102. !0S. 123. 147,4. 148. 149. 156. 157, 1. 222, 2. 268. 272. 273, 2. 299. 300. 302. 305, 1. 306. 308. 348. 388. 389, 3. 445. 446. 461— 463, 1. Dietrich, Gr. non Holland I, *249. *250. *312. Dietrich, Gr. von Kleve 382. Dictz, Gr. Gerhard. Dijon 280, 4. Dillingen, Gr. Albert. Dinaiit 369. Dingedc, Sweder von. Dipold, Diupold, vgl. Theobald: Dipold, Landgr. non Leuchtcnbcrg 164. Dipold von Schweinspeunt, Gr. von Acerra *1, 37. — II, 5, 2. 6. 8. 9. 16. 17, 1. 31. 32. 40—46. 52—55. 61—74. 92. 95. 214, 6; H. non Spoleto 219. 230, 3—233. 236. 243, I. 245. 246. 259. 260. 283, 3. 284. 407—409. 411. 423. 517. — Brüder 6, 3. 8. 259. Vgl. Sigfrid. Dipold de Dragone 67, 3. Dominicus, E. non Brindisi 62. 90. S. Donniuo, s. Borgo. Doria, Nikolaus. Dorstadt, Gr. Bernhard. Dortmund, Gr. Konrad. Douai 363. 364. 544 Orts- und Personen-Verzeichniß. Dover 355, 6. 361. Dragoni, s. Dipold. Drcux, Gr. Robert. DUnamündc, Abt von, 461. Dunes, Kl. 133, 3. Durand, päpstl. Delegat 355, 9. Dnrazzo 59, 4. E. Eberbach 383, 5. 484. Eberhard II. von Waldburg, B. von Salzburg *1, 234. — II, 123, 1. 124, 3. 139. 156. 237. 238. 274. 34». 351. Eberhard, Gr. von Eberstein 281, 1. Eberhard von Lautern 215, 6. 217. 239, 2. Ngl. S. Miniato, Siena. Ebcrstein, Gr. Eberhard. Eboli 4»3. Egeno, Gr. von Ulten 134. Eger3»3, 4. 319. 342. 343. 344. 346. — Egerland 379. Egidius, s. Aegidius. Eichstätt, B. Hartwich. Eisleben 10». Ekbert, B. von Bamberg -I, 41». — II, 126, 3. 141, 3. 161, 2. 21». 273. 3»4. 348, 3. 393. 45». Elbe 115. 386—388. 398. 399. 442. 461. Elde 388. Elger, Gr. von Hohenstein 148, 4. 390. Elias, Gr. von Gesualdo 537. Elisabeth von Ungarn, Landgr. von Thüringen 445. EMmil, Sultan von Aegypten 88, 1. Elsaß 132, 1. 327. 328. 391. Elwangcn, A. Kuno. Emicho, Gr. von Leiningcn 236. 281, 1. 301, 3. Emmerich, K. von Ungarn 79. 80, 2. Engadin 324, I. Engelberg, 132, I. — A. Heinrich. Engelbert von Berg, Dompropst von Köln 133, I. 2. 393; Erzb. von Köln 433. 434. 449. 457. 458. 508. 512. Engelbert von Zülpich 148. Engelhard, B. von Naumburg 134, 3. 164. 212. 304. 347. 348, 2. 451. England 137. 152—155. 206. 207. 256. 350—377. 386. 396. 419. 421. 427, I. 443. 447. 496. 502. — Vgl. Heinrich II., Heinrich d. I., Mathilde, Johanna, Richard, Johann, Artur, Heinrich III. Entella 71, I. Ens 301, 4. Eppan, Gr. Ulrich. Eppstein *1, 523. — Erzb. Sigfrid II. Erard d. ältere, Gr. von Brienne 29, 1. 471, 1. S. Johann, Walther. Erard d. jüngere, Gr. von Brienne, G. Philipp« von Champagne 455. Erfurt 309. 505. 535. Erminsind, Gr. von Luxemburg, G. Theobald von Bar 369; G. Walram von Arlon 370. 382. Ernst von Gleichen, Gr. von Velseck 162, 2. Eßlingen 144. 348, 3. Este 412. Vgl. Opizo, Azzo VI., Bo- nisaz, Aldobrandin, Azzo VII. Estland 461, 1 . — B. Dietrich. S. Eufcmia 439. Eugcnins, sic. Großkämmerer 43, 2. 47, 3. Eustache von Conflans 40. Evcrstein, Gr. Albrecht. Ezclin II. von Romano 165, 2. 171. 179—187. 189. 200,1. 213. 227, 5. 228. 266. 285. 286. 287, 4. 409. 412. 487. — T. Sophia. F'- Fabriano 232, 2. 265, I. 283. 409. 410, 1. Faenza 171. 174. 183, 2. 188, I. 189. 200, I. 215, 4. 220, 2. 222. 233. 245, 3. 267. 285. 412. 429. 439. 488. Falkenstcin, Gr. Hoicr, Konrad. Fano 218. 409. 429, 1 . —Gr. Walther. Farfa, Kl. 284. Feltre 182. — B. Anselm. Fermo 218. 283. 409. 410, 1. — B. Rainald. Ferrand von Portugal, Gr. von Flandern 351-376. 456. 507-509. Ferrara *1, 356. — II, 171. 181— 183. 220. 221. 228. 265—267. 287, 4. 409. 412. 413. 429, I. 430, 3. — Bischof 429, 2. S. Filadello ;Val Dcmone) 94. Finabuche, H. de, 191. Finagrana 47, 1. Fiora, Fluß 240. Fiore, Kl. — A. Joachim. Fiorentino 212, 2. Flandern I, *250. *321. — II. 351 ff. 370. 375. 376. 507. 508. — Vgl. Gr. Philipp, Mathilde; Balduin V., Margarethe; Balduin VI., Johanna, Margarethe, Philipp von Namnr, Ferrand. Florentius, Gr. von Holland 384,7. 467, 2. Florenz 174. 175. 178. 214. 217, 4. 410, 4. 41 1. 489. 525. — B. Jo- Orts- und Personen-Verzeichniß. 545 Hann. — Vgl. Boncoinpagnus, Gnald- rada. S. Florian 339, 4. Foggia 45, 3. 493. 496. Foglia, Fl. 299, 2 . Foligno 37, 3. 67, 3. 214. 217. 284. Fondi 262. 318. 495. — Gr. Richard, Roger. — Bisthum 259, 4. Fonte Aocllana, S. Croce, 218, 3. Forli 174. 429, l. Fornuovo 237. 282, 2. Fossanova, Stephan von. Fossombrone 218. Frangipani 29, 3. Franken 197, 3. 122. 139. 139. 144. 163. 379. 399. Frankfurt 113. 129—131. 134. 139. 147, 4. 152, 2. 171. 288. 294,1. 299. 327,3. 339. 332-334. 353. 391. 489-486. Frankreich 31—33, 1. 39. 116. 123. 153—155. 195. 296—298. 251. 313. 359—378. 419. 443. 447. 471. — K. Philipp II., Ludwig VIII. Fratti 9, 5. 41. Freckleben 441. Freidank 178, 5. Freising, B. Otto. Friaul 135. 385. 537. Friedeberg, Hagen von. Friedrich von Kirchbcrg, B. von Halberstadt 148. 156. 275, 5. 298. 395, 2. 396. 399. 448, I. Friedrich, B. von Trient 135. 136, 2. 226,1. 323,4. 325. 349, 2. 413. 414. 416, 7. Friedrich I., rinn. Kaiser I, *14. »228/ — II, 132. 145. 147, 4. 176. 216. 217, 5. 224. 257, 2. 277. 327, I. 348, 3. 392. 418. 592. Friedrich II. Roger l-I, 12), röm. König und K. von Sicilien 3 ff. besonders 82—95; 191. 137, I. 138, 3. 139. 142. 143. 146. 199, I. 217, 2. 5. 231 -236. 243—248. 255. 256. 258—263. 271. 273. 276—282. 313 ff. 529. 522. 533. Friedrich, H. von Böhmen 446. Friedrich II., H. von Lothringen 119. 123, I. 161, 4. 327. 331, 3 ! 333, 1. 383. 384, 1. Friedrich, Mkgr. von Baden 123, 1. 236. 285, 9. 393. 151. Friedrich, Gr. von Altena 259, 3. Friedrich, Gr. von Beichlingen 281. 396, 2. Friedrick, Gr. von Brchna 148, 4. 348, 2. Friedrich, Gr. von Leiningcn 236. Friedrich, Gr. von Saarbrnck 236. Friedrich, Gr. von Tarasp 287. Friedrich von Malveto 23. Friedrich von Ravensburg *1, 271. Friedrich von Waldburg 165, I. Friesen 398. 443, I. Fritzlar 391, 3. Froburg, Gr. Ludwig, Hermann. Frogerius de Corrigia 439. Frosinone 61,3. Fncecchio 214. 223. Fulda, Abtei 156. 442, I. 462. G. Gaeta 262. 316, 4. 317. 329, 4. 439. 455, 4. S. Galgano, Kl. 476. — Vgl. Gregor. Galin de Alliate 282, 2. S. Gallen 324. — A. Ulrich. Gallipoli, Bischof von, 62. Galloze, Petrus. Garda, See und Burg, 165. *181. 185, I. 188. Garfagnana 216. Garigliano 245. 318. Gaucher, Gr. von S. Pol 374. Gebhard, B. von Triest 135. Gebhard, Gr- von Tollenstein 134. Gebhard von Qucrfurt, Burggr. von Magdeburg *1, 288. — 11^134, 3. 148, 4. 395, I. Geldern, Gr. Gerhard, Otto. Gelnhausen 379, 2. 389, 4. 462. Gcmona 459. 3. Genivolta 439, 4. Gent 352. 362. 363. 365, 2. 375, 4. 383, 4. 598. Gcntile, s. Berard, Simon, Walther. Gentile von Palear, Gr. von Manu- pcllo 8. 18. 29, I. 24, 2-26. 36, 4—39. 49. 56, 3. 57, I. 83. 87, 3. 259. Genna 28, 1. 37, 3. 42. 59. 69. 174. 223. 234. 235. 244. 262. 297, I. 397. 317, 3. 329. 321. 356. 425. 429. 431, 2. 439. 455, 4. 489. 596. — S. Lorenzo 37, 3. — Nikolaus Doria, Ogerius Panis. Georg, Gr. von Wied 236. 459. Gerard, Gerhard: Gerard da Sessa, Erw. von Albano und Mailand 265. 266. 321, 2. Gerard Allocingola, KD. von S. Adrian 5. 6. 19, I. 58. 59. 66—68. 78, 3. 79. 82, I. 85. 89. 475. 476. Gerhard von Oldenburg, B. von Osnabrück 115; E. von Bremen 268. 275. 339. 367, 7. 386. 434. 443. 469. 461, 1. Gerhard, Gr. von Are *1, 259. Gerhard, Gr. von Dictz 236. 35 Jahrb. d. dtsch. Gesch. — Winkelman I,, Otto IV. 546 OrtS- und Personen-Verzeichnist. Gerhard III., Gr. von Geldern 300. 330. 368. Gerard Maurisius von Vicenza 180, 1. 184,2. Gerhard von Randerath 374. 507. 508. Gerard Seraph 375. Gerhard von Sinzig 320. Gerichwin von Sinzig 382. Gerlach von Büdingen 462, I. L>. Germano 6—8. 10. 47. 75—77. 81. 82. I. 92. 245. Gernrode 462. GervasinS von Tilbury 289 ff. 502 —504. Gesnaldo, Gr. Elias, Roger; Hermann. Ghisalöa, llbert de, von Crcmona 522. Giato 20. 71, I. S. Ginesio 214, 6. 215. 219, 2. S- Giovanni de Fiore 404, 2. — A. Joachim. Girard, Gegenbischof in Salerno 46. Girard, Gr. von Montcchiaro 259, 3. Girgenti, Kl. S. Gregorio 17, 6. — B. llrsus. Gleichen, Gr. Ernst, Lambert. Gnesen, Erzb. 268, 5. Görz, Gr. Meinhard. Gonzaga 287, 3. 416, 3. Goslar 155. — S. Simon n. Judas 464, 4. — Del. Ambrosius. Gotha 445. Gottfrid, Gr. von Arnsberg 450. Gottfrid, Gr. von Blandrate 287. Gottfrid, Gr. von Spanheim 281, 1. Gottfrid von Laviano 53, 2. Gottfrid von Montefuscolo 71. 72. Gottiboldi, s. Konrad. le Gonlet 509. Grüce-Dieu, Kl- 536. Grandprö, Robert de. Gravelingcn 362. 367. Gray, Walther. Gregor IX. (vgl. Hugo) 81, 1. 216, 2. 261, 4. 285. 392, 4. 475. Gregor von S. Galgano, KPr. von S. Anastasia 89. 475. 476. Gregor, KPr. von S. Vitalis 49. Gregor, KD. von S. Georg 476. Gregor von S. Apostolo, KD. von S. Maria von Partien 7. 17. 58, 1. 475. 476. Gregor de Crcscentio, KD. von S. Theodor 77—79. 82, I. 315,2. 316. 404. 475. Greifsbach, Gr. von, 136. Gnaldrada von Florenz 215, 4. Gnalsred, B. von Chiusi 213. 216. Gnalo, KD. von S. Maria in Partien 154. Gnalterio, s. Walther. Gualterotto, B. von Luni 213. Guarin, B. von Scnlis 371. 372. Gnarna: Philipp, Romoald. Gnastalla 210. 225. Gubbio 239, 4. 284. Günther, Gr. von Käfernbnrg (Schwarzburg) 104. 148,4. 346,4. 367. 391. Guido I., KB- von Praeneste, E. von Reims 1, "250. *313. *322. — II, II, I. 71, 2. 418, I. Guido II., KPr. von Maria in Tras- tevere 13. 14; KB- von Praeneste 14, 1. 427. Guido, B. von Arczzo 213. Guido Guerra, Pfalzgr. 215, 4. Guido Lnpo von Cremöna, Podesta von Brescia 169. 537. Guido, Gr. von Auvergne 361, 4. 366. Guido, Gr. 171. 222/2. Guido Cacciaconte 284. 285, 3. Guido von Claromontc 56, 2. Guido von Pisa 285, 3. Guido von Rhodes 224, 5. Guidotto, B. von Asti 227, 5. Guienne 356. Guiligna, Fl. 439. Guincs, Grafschaft 367. Gnndisalvns, päpstl. Familiär 428, 2. Gnnzelin, Gr. von Schwerin 148, 4. 151. 387. Gnnzelin von Wolsenbüttel, Rcichs- trnchseß 125. 164. 191. 197. 268, 1. 281. 300, 4. 301, 3. 306. 328. 334. 466. Gunzenle 163. Gurk 139, 5. 340. 451, 8.—B.Walther. H. Haarlem *1, 321. Habsburg, Gr. Rudolf. Hagen von Fricdeberg 441. Hagenau 132. 144. 147, 2. 301. 326 —328. 339. 390. 422. 485. 486. Halberstadt 102, 3. Ilo, 3—113, I. 124. 305. 480. —B. Konrad, Friedrich. — S. Burchardi 464. 468, 2. Haldensleben 103. 152, 1. Halle 346. 441. Hamal 380. Hamburg 398. 399. 442.443. — Dom kapitcl 114. Hamersleben 462. Harburg 115. 443. 461. Harlingsburg 462. Hartbert, B. von Hildesheim 99. 100. 123. 148. 156. 299. 306. 441. Hartmann, Gr. von Rychberg (?) 287, 7. Hartmann, Gr. von Wirteinberg 164. 212. 236. Orts- und Personen-Verzeichniß. 547 Hartwich, E. von Bremen *1, 445. Hartwich, B. von Eichstätt *1, 288. — II, 434, 5. 164. 304. 339. 450. 484. Harzbnrg *1, 141. — II, 345, 2. 463 —468. 467, I. — Gr. Heinrich, Hermann. Haßloch 383, 5. Hautcrst, Kl. 280, 4. Havelberg, B. Sibods. Heidelberg 511. 512. Heiliges Land, s. Jerusalem. Heinrich von Thun, B. von Basel 453. Heinrich, B. von Mantua 186. ISO, 2. 191. 213. 223, 1. 225, 5. 230. Heinrich, B. von Minden 101. 103, 1. Heinrich von Beringen, B. von Straßburg 123, I. 131. 156. 161, 4. 326. 343. 393. Heinrich von Ravensburg, B. von Wirzburg 303. 530. Heinrich, B. von Worms 512. 513. Heinrich, A. von Kl. Berge 451. Heinrich, A. von Engelberg 138. Heidcnrich, A. von Morimund 155. 158, 3. 159. 241. 258. 495. Heinrich, A. von Reichenau 325. 347, 3. Heinrich, Scholasticus von S. Gereon in Köln 191. 221, I. 383, 4. 481. Heinrich VI., Kaiser *1, 525. — II, 3. 5. 21. 22, 2. 27. 28. 30. 53. 64. 74. 87, 4. 95. 99. 101. 132. 143. 165, 3—167. 174—177. 188. 190, 2. 193. 206, 3. 212, 1—219. 224— 227. 231. 232. 235. 239, 2. 243. 248. 277. 278. 314. 315. 336—338. 342. 392. G. Äonstanze I. Heinrich (VII.), König von Sicilicn 316. 333, I. 341, 2. 404. 406. 436 - 440; H. von Schwaben 440. 145, 5; röm. König 499. Heinrich II., K. von England 290. — S. Heinrich 290. 503. Heinrich III., K. von England 444, 2. 508. Heinrich von Champagne, K. von Jerusalem 455. Heinrich I. von Brannschweig, Rhein- pfalzgr. *1, 325. — II, 101, 4. 106. 107, 3. 113. 120. 122. 123. 151, 5. 152. 154. 156. 158. 163. 237, I. 270,5. 272, 4. 281. 300. 305. 331, 1. 341. 357. 384. 386. 398. 442, 3. 443. 460. 461, I. 462. 466. 467. 500. 511. — G. Agnes von Pfalz, Agnes von Landsberg; Kinder Heinrich II-, Irmgard, Agnes. Heinrich II., Rhcinpfalzgraf 152. 163, 4. 329, 3. 384. 467, 2. 510. — G. Mathilde von Brabant. Heinrich I., H. von Brabant I,*139. *170. *250. *312. *321. *33>. «442.—II, 109. 118—120. 127. 154,3. 157. 281. 300. 304. 329. 341, 2. 348, 3. 354. 355.358-360.363—371,4.375.376. 380—382. 384, 2. 391, I. 393. 395, 4. 458. 467. — G. Mathilde; S. Heinrich II.; T. Maria, Mathilde. Heinrich II., H. von Brabant *1, 435. — II, 118. 127. Heinrich, G. von Limburg I, *250. *312. — II, 300. 354. 355. 370. 375. 381. 393. 458. Heinrich d. Löwe, H. von Sachsen 121. 150. 156, 3. 466. Heinrich, Mkgr. von Carretto 227, 5. 235. Heinrich, Mkgr. von Istrien 122. 134. Heinrich Wladislaw, Mkgr. von Mähren 157. 305. 325, 4. 327. 330. 347, 4. Heinrich, Gr. von Anhalt 302. 390. 398, 3. 461 - 463. Heinrich, Graf von Bar, S. des Gr. Theobald 354. 383. 384. 387. Heinrich, Gr. von Harzburg 306. Heinrich, Gr. von Käfernburg (Schwarzburg) 104. 148,4. Heinrich, Gr. von Kessel, *1,170.— II, 300. 329. 382. Heinrich, Gr. von Lutterberg, 259, 3. Heinrich Pescatore, Gr. von Malta 60. 61. 234. Heinrich, Gr. von Ortenberg 164. 300. Heinrich, Gr. von Sain 300. 380. 390, 6. 393. 450. Heinrich, Gr. von Schwerin 236. 237, 1. 285, 9. 306. 387. Heinrich Frangipani 29, 3. Heinrich von Kalben, Reichshofmarschalk 106. 107. 1 10. 113, 1. 123. 125. 126, 3. 127. 134. 136. 161, 2. 164. 186. 191,6. 212. 328. 333,6. 397,5. 485. Heinrich von Kuik *1, 312. Heinrich von Reifen 280. 286. 313. Heinrich de Parisius, kgl. Notar 325,4. Heinrich von Ravensburg, Kämmerer 164. 173, 2. 178. 188, 2. 212. Heinrich von Ravensbnrg (Wirzburg) *1, 271. Heinrich von Rotenburg, Küchenmeister 334, 6. Heinrich von Sax 138. 324. Heinrich von Schmalncck 110. Heinrich von Snzentorp 496. Heinrich von Urslingen, H. von Spoleto 53, 3. 219. Heinrich vonWaldburg, Trnchseß 139,5. 165, 1. Heinrich von Walkenstein 138. 35 * 548 OrtS- und Personen-Vcrzeichniß. Heinrich von Widenwang, Gr. von Arczzo *1, 34. —II, 217. Heinsberg, Arnold von. Helmstädt 306, 4. 34», 1. Hcmmenrode, Kl. 270, 5. Hengebach, s. Wilhelm von Jülich, E. Dietrich von Köln. Henneberg, Gr. Poppo. Hennegau 300. 370. 371,4. 456. — Gr. Balduin V., Balduin VI. Heribert, A. von Werden 148. Hermann, B. von Münster *1, 56. "I, 170. Hermann, Dekan von Bonn 133. 221, I. Hermann, Ldgr. von Thüringen 101, 4. 102. 104,2'. 109. 112. 123, 1. 147,4. 148. 151. 157, 3. 251. 260—276, I. 270.281.300. 305—300. 333. 347. 348. 356. 380, 3. 444—446. 500. 501. — S. Hermann 445. Ludwig IV. Hermann V., Mkgr. von Baden 123, 1. 131. 385. 451, I. 463, I- 510. — G. Irmgard. Hermann, Gr. von Froburg 325. Hermann, Gr. von Harzburg 236. 285, 0. 306. Hermann, Gr. von Orlamllnde 380, 3. Hermann, Gr. von Saarbrück 236. Hermann, Gr. von Woldenberg 250, 3. 466. Hermann von Lippe 457. Hermann von Stribcrg, Hofkämmcrer, Gr. von Gesualdo 314, 2. 317, 2. *334, 6 — Hermann 6, 3. 406,4? Hersfeld, A. Johann. Herzberg *1, 141. Herzogenbusch 'I, 250. Hildesheim 90. 100. 260,4. 306. 462,2. — B. Hartbert, Sigfried, Konrad. — Propst Johann Marcus (Galliens?). Himmelspforte, s. Tennenbach. Hochstaden, Gr. Lothar. Hohenstein, Gr. Elger. Hoier, Gr. von Fcilkenstein 308, 3. Holland 443. 457. — Gr. Dietrich, Wilhelm, Florentius, K. Wilhelm; Ada, Ludwig von Lvoz. Holstein 105. 150—152. 300. 398. — Gr. Adolf von Schaumburg, Albrccht von Orlamünde. Honorins III. (s. Ccncius) 35, 2. 80, 2. 00,2. 179, 2. 241, 4. 303,4. 342, I. 427 ff. 440 ff. 476. 508. Hornburg *1, 186. Horstmar, Bernhard von. Hubald, s. Ubald. Hückeswagen, Gr. Arnold. Hugo von Segni, KD. von Eustachius 13. >4; KB. von Ostia *1, 535. — II, 77, 3. III, 1. 141. 143 - 147. 155. 157—160. 161, 2. 163. 100. 303, 4. 427—431. 485; Gregor IX. Hugo, B. von Alessandria und Acgni 227, 5. Hugo, B. von Lüttich I, *320. *321. — II, 156, I. 205, I. 200, 4. 300. 304. 330. 341, 3. 358—360. 364. 367-370. 381. 393. 434. Hugo, kgl. Kapellan 140, 2. Hugo, Gr. von Montfort 370, 4. Hugo, Pfalzgr. von Tübingen 393. 450. Hugo von Baux 385, 3. Hugo de Boves 355. 373. 375. 509. Hugo von Marlenheim 74. Hugo von Worms 221. 265. Hugold, A. von Korvei 148. 156. Hugolin von Cocerone 400, 4. Hnmbert, E. von Arles 502. Hunsrück 458. Hun 369. I- Jakob de Vitry, B. von Accon 426, 3. Jakob, B. von Turin 221. 227, 5. Jakob, K. von Aragon 477. Jakob, päpstl. Malschall, Gr. von An- dria 26. 28. 30, 2. 47,2. 50. 51,4. 52. 62. 78, I. Jakob, Gr. von Marsico 60, I. 75, 2. Jakob, Gr. von S. Scverino 408. Jakob, Gr. von Tricarico 20, I. 52. 61.2.63.261.262, 1.518. Jakob de Pontecarali von Brescia 287, 4. Jakob Bcn Abba-Mari 88, 1. Jbn-el-Ginzi 00. Ichtershausen, Kl. 111,4. Jda, Gr. von Boulognc 118, 2. Jeremias, Patriarch der Maronitcn 420, 4. Jerusalem 159. 206. — K. Heinrich, Johann. — Vgl. Krenzzügc. Jesi 218. Jldebrandin, B. von Voltcrra 213. 217, I. 411. Jldebrandin, Psalzgr. von Tuscien 218, I. 240. 245, i. 283. 285. 525. Jmola 171. 174. 183,2. 184,2. 187. 180. 190. 214,2. 220,2—222. 227. M5. 412. 488. — B. Mainardin. — Vgl. Castel Jmolcsc. Jndcrsdorf, Kl. 432, 2. Jngeborg von Dänemark, G. Philipps II. von Frankreich 154. 251— 253. 357. 369, I. 387. Jnnichen, s. Ortnlf. Jnnocenz III. I, "174. *179. *424. — Orts- und Personen-Verzeichnis;- 549 II, 3 ff., besonders noch 417—427. 436-440. 471-477. 481. 483—406. 520. Jnnocenz IV. 29, 3. 241, 4. 318, 2. 476. Innsbruck 164. Jnsula Fulchcrii 171, 3. 224. 323. 413. Joachim, A. von Fiore 23, 3. 32. Johann, KB. von Albano *1, 489. — II, 199. Johann, KPr. von S. Praxedis 410. Johann, KPr. von S. Stephan 5. 6. 10, I. Johann Colonna, KD. von S. Cosmas und S. Damian 421, 4. Johann, E. von Trier *1, 56. — II, 120. 123. 156. 161, 4. 163. 270. 274. 301. 330. 501. Johann, B. von Brescia 227, 5. Johann, B. von Cambrai 'I, 369. - 11, 123. 125. 126, 1. 133. 134, 3. 141, 2. 164. 191. 206. 212. 214, 6. 221, I. 230. 235. 253. 392, 3. 394. 481. Johann Cicala, B. von Cefalu 17. 18, I. 25. 38, 1. 42, I. 2. 49, 2. 59,3. 404, 3. Johann, B. von Florenz 213. Johann, A- von Hersfeld 123. 156. Johann, Propst von Bardewick 503. Johann MarcuS, Propst von Hildesheim 290. Galliens 503?) Johann, Propst von Werden 304. 503. Johann Pinnatelli, Archidiakon von Neapel 502. Johann, Domherr von Aachen 285, 9. Johann de S. Archangelo, Notar 317,5. Johann Capocci, päpstl. Kapellan 428,3. Johann de Sulmona, Notar 317, 5. Johann de Trajetto, Notar 90. Johann, Scholaster von Tanten 392, 4. Johann, K. von England I, *320. *321. '442. — II, 108. 116. 118. 122,3. 152—155. 157, 1. 195. 207. 208. 230, 3. 251. 259. 293, 2. 297. 329 —331. 345. 350—377. 383. 394. 396. 419—421. 443. 444. 496. 508. 509. Johann von Bricnne, K. von Jerusalem 29, 1. 420. 447, 1. 455. Johann, Gr. von Spanheim 450. Johann, rom. Senator 239, 4. Johann Capocci von Nom 297. Johanna von England, G- Wilhelm II. von Sicilien 289. Johanna von Flandern, G. Ferrand von Portugal 351. 352. 365, 2. 375. 376. 381,'2. 456. 457. 508. Johanniter 66, 1. 154. 261,8. — Raimund. Joinville 455, 7. — Robert, Simon, Wilhelm. Jolanthe, G. Peter von Auxerre 448, 4. Jordan, KPr. von S. Pudentiana 7. 9. 10, I. Irene, s. Maria, G. Philipp von Schwaben. Irmgard von der Pfalz,.G. Hermann V. von Baden 385. 510. Isaak Angeles 160, 2. Iso, B. von Verden 156. Jsola Farnese 201,1. 209. 211. Istrien 135. 385. — Mkgr. Heinrich. Italien 136. 139. 152. 161. 162. 164 ff. 212 ff. 248. 257. 264-267. 282 ff. 339, 2. 340, 2. 403 ff. Juda Ben Salomon 88, I. Jülich 382. — Gr. Wilhelm. Justingen, Anselm. Jvrea 450,1. K. Käsernburg: Gr. Günther, Heinrich, E. Albrecht. Kärnthen, H. Bernhard. Kaiserslautern, s. Lautern. Kaiserswerth 345, 2. 367. 382. 391. 394, 1. 433. Kalbe 461. Kalben, Heinrich von. Karl d. Gr. 129. 293. Karl von Anjou 385, 3. Kessel, Gr. Heinrich. Kiburg, Gr. Ulrich, Kirchberg, Friedrich von- Kladrnb 327, 3. Kleve, Gr. Dietrich. Klingen, Abt Burkhard. Koblenz 120, 3. 270. 341. 359. 367,7. 379. 458, 7. 462, 1. Köln I, *250. *312. *371. *394. *435. — II, 109. 112. 132. 133. 145. 147. 160, 2. 300. 303. 329. 330. 345, 2. 367. 380. 382. 383. 391. 394—396. 397, 5. 398. 433. 496. — E. Adolf, Bruno, Dietrich, Engelbert. — Mag. Heinrich. Kolditz 147, 4. Kolmar ^1, 364. — II, 326. Koncil 1215: 416—424. 426. Koncil 1245: 423. Konrad von Wittelsbach, KB. der Sabina, E. von Mainz I, *165. *172. *174. — II, 10—13. 206, 3. 278. Konrad, B. von Brixen 134. 164. 191. Konrad von Krosigk, B. von Halberstadt 100. 103 .1. 104. 108. 148. 451. 550 Orts- und Personen-Verzcichniß. Konrad II., B. von Hildesheim 392, 4. 468, 2. Konrad von Tegernfeld, B. von Konstanz 164. 212, 3. 324. 325. 392,4. 453, 3. 484. Konrad, B. von Minden 434. Konrad IV., B. von RegenSburg 134. 158. 255, 3. 339. 451. Konrad von Scharfenberg. B. vouSpeier 194, 4. 166. 197. 1 13, 2. 129. 123; Hofkanzler 124. 125, 1. 134. 146. 148, 4. 156. 161, 2. 164. 184. 191. 196. 212. 215. 235. 236. 251, 4. 276. 285, 3. 9. 293. 518; Bischof von Metz und Speier 294. 301. 394. 328. 329. 331- 334. 336. 348,3. 382,6. 384. 387,5. 388. 395. 437,1. 489. 500. Konrad von Querfnrt, B. von Wirz- Lurg "I, 271. — II, 112, I. 303, 4. Konrad von Marburg, Mönch 448, 1. Konrad, Mönch in Salem 231, 3. Konrad III., röm. König 448. Konrad IV., röm. König 87, 4. Konrad von Staufen, Rheinpfalzgr. 341, 2. 384, 7. 511. — T. Agnes. Konrad von Uerslingen, H. von Spo- leto 12. 53. 219. — Gemahlin 87, 4. S. Heinrich. Konrad, Mkgr. von Malaspina 412. 415. Konrad, Mkgr. der Ostmark 101, 4. 108. 147, 4. 148. 154, 3. 156. 268. Konrad, Gr. von Dortmund 374. 507. Konrad, Gr. von Falkenstein 398, 3. Konrad von Zollern, Burggr. von Nürnberg 236. Konrad Gottiboldi, Gr. von Sinigaglia 283. 409, 4. Konrad von Dike 354, 4. Konrad von Marlenheim, Kastellan von srorella 6. 55. 61. 66, 1. 71. 73. 74. 76. Konrad vonWilre, Seneschall 116. 152, 153, I. 330, 4. 354, 4. Konstantin d. Gr. 295. 296. Konstantin, Priester in Amalfi 261, 3. Konstantinopel 206, 3. 536. Vgl. Byzanz. Konstanz 321,2. 324. 325. 340. 348,3. 453, 3. — B. Diethelm, Wernher, Konrad. Konstanze I. von Sicilien, G. Heinrichs VI. I, *123. »124. *497. — II, 3—5. 7. 13. 17. 20. 22, 2. 28. 29. 39, 2. 48. 51. 59. 65. 70. 81. 93. 217, 5. 277, 1. 316. 338, 3. 537.— S. Friedrich Roger. Konstanze II. von Aragonien, G. Friedrichs II. 51, 5. 79. 80. 94. 95. 243. 279, 1. 314. 404. 406. 436. 437. 439. 440. 477—479. — S. LadizlauS 80, 2; Heinrich (VII.). Konstanze von Ungarn, G. Otakars von Böhmen 271. Konstanze, T. Kg. Tankreds, G. Doge Ziani 425, 6. Korsika 342. Korvei 434, 4. - A. Thetmar, Hugold. Kotb' eddin Jbn-Sab' in von Ceuta 88 , 1 . Krenkingen, Herren von, 139,5. Kreta 60, 4. 234. Krenzziige »I, 524. — II, 159. 178. 205. 206. 297. 339. 383. 392. 397. 414, 2. 416. 418. 421. 424. 426. 429. 441. 447—451. 451. 455. Kuik, s. Albert, Heinrich. Kunigund, T. Philipps von Schwaben, Verl. Wenzels von Böhmen 127. 128. 271. 446. Kuno, A. von Elwangen 156. 484. Kuno von Minzenberg, Kämmerer 191. 236. L. L., sic. Protouotar 56, 2. 58, 2. Ladizlaus, -S. Emmerichs von Ungarn 80. 2. ' Lambert, Gr. von Gleichen, 162, 2. . Lambertin, Podesta von Parma 522. S. Lambrecht »I, 469. — II, 518. Lambro, Fl. 322. Lando von Montclongo 6. Landsberg 268, >. — Vgl. Ostmark. Landskron bei Remagen 329. 382. Vgl. Sinzig. Langensalza 307, 3. Langsheim, Kl. »I, 469. Lanza, Verenger, Manfred. Laon 359. 456. Lanenburg bei Quedlinburg 104. 467,3. Lausanne, B- Berthold. Lausitz 267. Lauterberg, Kl. 149, 2. Lautern 379, 2. 391, 3. — Eberhard. Lavaillola, Kl. 536. Lavaux 293, 2. Laviano 53, 2. Vgl. Gottfried, Markward, Otto. Lebus 533. Lecce 29 ff. 45. 62,3. 261. 403. — Gr. Alberia, Robert, Walther von Brienne. S. Lei, Castel 171, 3. Leiningen, Gr. Emicho, Friedrich. Leipzig 389, 3. 445. 463, I. — S. Thomas 300, 4. Leisnig 147, 4. Leo, KPr. von S. Croce *1, 535. — II, 141. 143—147. 155—163. 485. Orts- und Personcn-Berzeichuiß. 551 Leo I., Kg. von Armenien 200, 3. Leo de Monumcnto, von Nom 13. 3. S. Leonardo 43, 2. 403. 406. Leonard de Tricano, Gr. der Nomagna 190, 3. Leopold, Lnpold: Lupold von Scheinfeld, B. von Worms (von Mainz 112 4) "I, 191, »356. — II, 53, 3. 64. 65. 161, 4. 181, 2. 218. 294, 1. 328. 333, 1. 336, 2. 379, 2. 406. 407. 437, I. Leopold VI., H. von Oesterreich und Steiermark 120. 121. 124, 3. 139. 156. 159. 160, 2. 161, 2. 206, 3. 273. 274, 1. 3. 279. 301. 339. 343. 388. 435. 450. 501. Lerici 429. Lerida, Wilhelm von. Lesina, Gr. Matthäus Gentile. Lcuchtenberg, Landgr. Dipold. Liästenhagen 269, 1. Lille 363. 364, I. 371. 372. 508. Limburg, Abt Ulrich. Limburg, H. Heinrich, Walram von Arlon. Lippe: Hermann, Otto von. Littanen 448. Livland 286, 7. 306, 4. 448. 460. — B. Albert: Schwertritter. Lobdcbnrg 303, 4. — Otto. Locarno, Edle von, 224. Loccum, Kl. 460. Lodi 224. 226. 227. 235, 4. 285. 286. 321. 322. 414. — B. Aldrich. Löwen I, -250. *312. Loire 352. 366. Lombardei 7, 2. 8. 144, 5. 167 ff. 220 ff. 285 ff. 411 ff. 428—431. Lomelli, Gr. von Montechiaro 168, 6. Lomello, Gr. Rnfin. — Lomellina 414. London 353. 354. 357, 3. 365, 4. Lonigo 227. 238, I. Looz, Gr. Arnold, Ludwig. Loritello, Gr. Berard. Lorsch, Kl. 328. 512. Lothar, E. von Pisa 213. 223, 1. 227,5. 284. Lothar, B. von Nercelli 321, 2. Lothar III. Kaiser 145. Lothar, Gr. von Hochstaden 329. 330. Lothringen 253. 327. 331, 3. 358. 370, 3. -- H. Friedrich II., Matthäus, Theobald I. Lucas, E. von Cosenza 447, 2. Lucca 213, 3. 214. 216. 489; Familie Cenami 525. - Kapitel 214, 5; S. Martin 214,4. 216, 4; S.Frediano 216, 4. — B. Robert. Luch, Bartholomaens de. Luder, S. Heinrichs d. Löwen 136. Ludmilla von Böhmen, G- Ludwigs von Baiern 446. Ludolf, E. von Magdeburg »I, 288. — II, 101. Ludwig, Gr. von Dassel 306. Ludwig VIII. von Frankreich 331. 352. 358. 360. 366. 370. 419, I. 443. 444, 2. 455, 3. 508. 509. Ludwig, H. von BaieruO'I, 322. — II, 120—122. 126. 130. 134. 135. 156. 161, 2. 164. 212, 3. 237. 273. 279. 300. 323. 333. 344, 1. 380. 382; Rheinpsalzgraf 384. 385. 388. 391,1. 393. 432, 2. 445. 446. 458. 462. 463, I. 501. 510—512. — G. Ludmilla; S. Otto. Ludwig IV., Landgr. von Thüringen 445. 463, 1. —' G. Elisabeth. Ludwig, Gr. von S. Bonifacio 171. 180—182. 185. 265—267. 282. 286. 321. Ludwig, Gr. von Froburg 325. Ludwig, Gr. von Looz 1, »170. »250. *320. *321. *442. *453. - II, 300. 329. 364. 368. 381. 393. 443. 457. — G. Ada. Ludwig, Gr. von Oettingen 164. 450. Ludwig, Gr. von Stolberg 306, 2. Ludwig, Kastellan von Somma 54. Lübeck 442, 6. 461. — A. Arnold. Lüneburg: Wilhelm, Otto. Lüttich *1, 312. — II, 304. 364. 380. 456. 496. — B. Hugo. Lund, E. Andreas. Lungau 340. Luni, B. Gualterotto. Lntold von Röteln, B. von Basel 156. 161, 4. 275. 325. 326. 453. Lutold von Regensberg 139, 5. 484. Lutter, Königs- 462. Lutterberg, Gr. Heinrich. Luxemburg 458. — Gr. Erminsind, Walram. Luzzara 210. 225. Lyon, Erzb. 119; Koucil 1245: 424. Lys, Fl. 372. M. Maas 380. 381. Macerata 218, 4. Macon 454. Mähren *1, 47. — II, 347. — Mkgr. Heinrich Wladislaw. Magdeburg 103. 150. 212, 3. 345 ff. 386. 441. 461. 462. — E. Ludolf, Albrecht. — Burggr. Burkhard, Gebhard von Ouerfurt. — Kl. Berge. ! Magdcd, Emir 26. ! Maginard, Gr. von Prato 213. 218,1. ! Mailand 168-174. 189, 7. 198, 2. 552 Orts- und Personen-Verzcichniß. 200, I. 213, 2. 223—220. 234. 204. 267. 282. 286—288, 2. 204. 321. 322. 411—417. 422-425. 428— 431. 487. 488. 490. — Credenza di S- Ambrogio *168. Gagliardi 168; Bürger: Albert von Maudello, Obizo und Wilhelm von Pusterla, Monaco de Villa, Oderico Visconti. — Erz- bisthum 411; E. Ubert, Gerard. Mainardin, B. von Jmola 189, 5. 213. 227, 5. Mainz 112. 130. 131. 270. 274, I. 299, 3. 306. 333. 484. — Erzbis- thum 271. 281. 512. — E. Konrad, Lupold, Sigfrid. S. Maixant 376, 4. Majo, Herr von Kephalenia 472, 1. Malaspina, Mkgr. Konrad, Wilhelm. Malderburg (?) 106, I. Malfiastri, Abraam 224, 7. Malgarius, Gr. (?) 26,1. Malta, Gr. Wilhelm, Heinrich. Malvcto, Friedrich von 23. Malvoisin, Petrus. Mamistra, Simeon von 134. 156. 164- 212, 3. 304. Mandello, Albert von. Manente, Rainer von. Manerio von Palear 8; Gr. von Ma- nupello 18. 26. 46. Manfred, Kg. von Sicilien 87,4. 88, 1. 91, 1. Manfred Lanza, Mkgr. von BuSca 227, 5. Manfred, Mkgr. von Saluzzo 227, 5. 235. 285. Mangold, B. von Passau 123,1. 124,3. 339. 451,7. le Mans 352. Mansfeld, Gr. Burkhard. Mantua *1, 535. — II, 169. 171. "180. 182. 183, 2. 185. 189. 266. 267. 287, 4. 322. 323. 409. 413. 416. — B. Heinrich. Manupello, Gr. Gentile, Manerio. Marbach, Propst von 275. Marburg, Konrad von. Margarethe, G. Balduin V. von Hennegar und Flandern 354, I. Margarethe von Flandern, G. Burkhard von Avesnes 351. 456. Margarethe von Montbeliard 44, I. Margaritone, sic. Admiral 59, 4. 472. 473. S. Maria (wo?) 520. S. Maria in Val Demone 94. S. Maria, s. Colomba. S. Maria de Guillieto 525. S. Maria de Flastris bei Camerino 224, 4. L>. Maria de Krypta, s. Palermo. S. Maria di Lorenzo bei Todi 284. S. Maria di Vangadicia 408, 6. Maria (Irene), G. Philipps von Schwaben 107. 110. 118. >20. 127. 292. Maria von Brabant, G. Otto s IV. 79. 368. 369. 383. 384, 7. 394. 395. 464—467. 498; G. Wilhelms von Holland 467. Maria von Frankreich, Gr. von Namur, G. Heinrichs I. von Brabant 359. Maria von Schwaben, G. Heinrichs II. von Brabant *1, 435. — II, 118. 127. 128. 348, 2. 368. 381. Marino Dandolo von Venedig 234, 4. Marino Zeno von Venedig 412, 6. Maritima di Roma 71. Markward von Auweiler, H. von Ravenna, Mkgr. von Ancona, Rcichs- truchseß 1, *109. *356. — II, 4—32. 37—39. 41—43. 48—53. 55—60. 65. 67. 83. 87, 3. 174. 218. 219. 262. 407. Markward, Gr. von Beringen 164. 236. Markward von Laviano 53, 3. 66, I. Marlenheim: Hugo, Konrad. Marque, Fl. 371. 372. 374. Marseille 234. 385, 3. Marsico: Gr. Jakob, Philipp, Sylvester. Marlin IV., P. 426, 3. Martin von Pavia, Notar 431, 2. Massa Trabaria 209, 2. 342. Mastagius von Cremona 521. Mastricht I, *250. *312. »321. — II, 368. 381. Matelica 191, 1. 217. 218, 3. Matera 45. 62. Mathilde von England, G. Heinrichs d. Löwen 148. Mathilde, G. Heinrichs I. von Brabant *1, 312. Mathilde, T. Reginalds von Boulogne 350. 509. Mathilde von Brabant, G. Heinrichs II. von der Pfalz 341,2. 384, 7. 467, 2. Mathilde von Portugal, G. Philipps von Flandern 351. MathildischesGut 176—179. 193. 194. 342. 416. 429. 493. 494. Matsch, Arnold von. Matthaeus, E. von Amalfi 261,3. Matthaeus, E. von Eapua 17. Matthaeus, B. von Teneda 227, 5. Matthaeus von Lothringen, B. von Tonl 253. 454. Matthaeus Gentile, Gr. von Lesina 92, 4. Manrisius von Vicenza 180. Orts- und Personen-Verzeichniß. 553 Mazzara, S. Michael 33, 2. — B. Peter; NN. 80. Mechtild, s. Mathilde. Mcdisiua 174. 177. 221. 416. Meinhard, Gr. von Görz 134. 135. 212. 236. 307, I. Meissen 106. 147, 4. — Mkgr. Dietrich, Adcla. Melfi 45. 261. 403. 406. — B. Ac- cursius. Melun 376,3. 471. Meran: H. Otto; B. Ekbert. Merboto, päpstl. Osficial 338, 3. Nierham, Roger von. Mering 122. Vicrseburg 148. 346. 347. — B. Dietrich. Messina 17, 4. 18. 2. 20, 1. 23. 24. 33. 42, 2. 53. 56, 3. 58, 2. 59, 2. 61. 79, 2. 94. 262. 314. 316, 3. 317. 404. 421. 439, 3. 447, 2. 478. 479. — E. Berard. — S. Maria 479. Mestwin, H. von Pommerellen 268. Metz 387—390. 395. 525. — B. Bertram, Wilhelm, Konrad. Mezzanica 282, 2. Michael Scotus 88, I. Minden, B. Heinrich, Konrad. Minervino 62. S. Miniato 212. 214. 215. 223. — Kastellan 441. 525. Vgl. Eberhard von Lautern. Minzenberg >91. — Kuno von M. Modena 171, 1. 183. 189. 222. 238, 1. 265, 4. 267. 413. 429. 430. 439. Vgl. Frogcrius, Wilhelm Rangone. — Bisthum 416. Molise 6. 44. 45, 2. 76. Monaco de Villa von Mailand ! 90, 2. 213, 2. Monaldeschi I, *356. 357, 3. — II, 37, 3. 217, 2. 283. 284. Vgl. Mn- naldi. Moncontour 366. Monreale 24—27. 33, 2. 37, 1. 2. 60,1. 262, 3. — E. Carus. — Mönche 24, 2. 56, 1. Montalcino 239, 4. Montalto (Tuscien) 175, 1. 240. Vgl. Jldebrandin, Pfalzgr. Montamiate, s. S. Salvatore. Montbeliard, Gr. von 29; vgl. Margarethe, Walther. Mont CcniS 40. Montecchi von Verona *180 ff. 185. 412. Monte S. Angela 94. Monte Casino 6—10. 14. 77. 109. 244. 260. 262. 318. 451, 4. — A. Rofsrid, Petrus, Adenulf. Montechiaro: Gr. Lomclli, Girard, Narisius. Montefalcone (Spoleto) 217. Montefiascone 17, 3. 211. 234, I. 239. 241, 1. 249. 283. 284. 295. 319, 6. 492. Montefeltre, Gr. Bonus. Montefnscolo, Gottfrid von. Monte Mario 197. 198. 201, 1. Montelongo, Lando von. Monte Peloso 45. Montepuleiano 239, 4. Montferrat, Mkgr. Wilhelm. Montfort, Gr. L>imon. Montfort (Schwaben), Gr. Hugo 329,4. Montmajonr, Kl. bei Arles 221, 4. Monza 488. Moriano 216. Morimund, A. Heidenreich. Morolo 407, 3. Mortagne bei Tonrnai 371. Mortain 350. 351. Mosel 163. 380. 385. 458. Mühlhausen 281. Münster 367. — B. Hermann, Otto. Mugnano 239. Munaldi, Rainald. Vgl. Monaldeschi. Murbach, A. Arnold. N. Namur 369. 370. — Gr. Philipp von Flandern, Philipp von Courtenai. Nantes 366. 508. Napoleone Rinaldi de' Monaldeschi 283. Nardo 405, 9. — Gr. Berard. Narisius, Gr. von Montechiaro 168. 169, I. 259, 3. 287, 3. 4. 414. Naso in Sicilien 24, 3. Naumburg 272—274, 1. 346. 389, 3. 500. — B. Berthold, Engelhard. Neapel 40. 59, 3. 63. 71. 76, I. 246. 260, 4. 262. 263, 2. 403. 406. 423. 502. 517. — Castel dell' Uovo 406,2. — E- Anselm. — Archidiacon Johann Pinnatelli; Erzbisthum 522. Neffen: Berthold, Heinrich von. Neubnrg, Kl. >55, 5. Nenmarkt bei Bozen 238, 1. Neuß 395. Nideck bei Zülpich 380, 4. Niederlothringen 353. 382. 443. 450. Vgl- Brabant. Niegripp bei Magdeburg 461. Niendorf 149, 2. Nikolaus von Ajello, E- von Salerno 6, 1. 28, 4. 33, 2. 46, 2. 66, 1. 246, 6. 404, 2. 439, 3. Nikolaus, E. vonTarent 90. 554 OrtS- und Personen-Verzeickmiß. Nikolaus Doria 320. Nikolaus Piscis 88, I. Nimwegeu ''4, 250. — II, 330. Niufa 26, 5. Nivelle, Kl. 157. 370. Nördlingen 435. Nogeut, Renaud de. Nola 502. Nonantula, Kl. 412, 9. Nordalbingien 386 fs. 435. Nordhausen I, *66. "423. — II, 155, 3. 281. 308. 333, 2. 397, 5. 444. Normandie 351. Northamptou 355, 9. Nottingham 386, 1. Nooara 265, 4. 411. 415. 430, 1. 431, 2. Nürnberg 132, I. 139. 140. 143. 144, 1. 161, 4. 274, I. 279. 280. 282. 295, I. 299, 3. 301,4—305, I. 333, 3. 340. 346, 3. 440. 445, 5. 484. 435. 500. 501. — Bnrggr. Konrad. O. Oberwesel 434, 2. Obizo, s. Opizo. Octavian, KB. von Ostia 13. 14. Octavian, päpstl. Subdiakon 7. Oderico Visconti von Mailand *180. Oddo, Odo, s. Otto. Oesterreich, H. Leopold. Oettingen, Gr. Ludwig. Ofanto 45. Ogerius Pa ins, Stadtschreiber von Genua 320, 6. Oglio 170. Oldenburg: Gerhard, Otto, Wilbrand. Oliver, Scholaster von Köln 368, I. 383, 1. 450. Olmütz, B. Robert. S. Omer 352. 360. Opizo, B. von Parma 227, 5. 425. Opizo, B. von Tortona 227, 5. Opizo von Este 286. Opizo von Pusterla 170. Oppau 510. Oranges, Wilhelm von. Orlamünde, Gr. Hermann, Albrecht. Orta 239, 4. 245. Ortenberg, Gr. Heinrich, Rapoto. Ortulf von Gäben, Propst zu Jnnirben *1, 228. Orvieto 195, I. 216. 239, 4. Orzi bei Soncino 226, 1. Osimo 218. 409. 410. Osnabrück, B. Gerhard, Adolf. Ossanigo 165. 184. 266. Osterrode 467, 1. Osterweddingen 345. Ostia, KB. Octavian, Hugo. Ostmark, Mkgr. Konrad. Otakar, Kg. von Böhmen *1, 288. — II, 109. 119. 121. 127. 140. 147, 4. 156. 157. 252 , 1. 271—275. 279. 300. 302. 305. 325,4. 327. 333, I. 339. 346. 356. 388. 446. 452. 500. 501. — G. Adela, Äonstanze; S. Wratislaw, Wenceslaw. Otranto 45. 62. 405. — Erzb. 62. Otto, B- von Frcising 123, 1. 134. 156. 339. 450, 3. Otto von Oldenburg, B. von Münster 1 15. 330. 367. 391. 394. 450. Otto I. von Geldern, B. von Utreckt 330. 391, 2. Otto II. von Lippe, B. von Utrecht 391, 2. 450. 457. Otto von Lobdeburg, B. von Wirzburg III. 112. 156/ 159. 212, 3. 303. 333, I. 334, 6. 347, 3. 463, 1. 484. Otto I., Kaiser 239, 2. 463. Otto IV. von Brannschweig, Gr. von Poitou "I, 507; König und Kaiser II, 3. 12. 84, I. 91. 95. 99 sf. 519. 520. 527—535. 537. Otto von Wittelsbach, Pfalzgr. von Baiern »I, 539. — II, 122. 126. 162, 2. 485. Otto von Staufen, Pfalzgr. von Burgund I, *176. *207. *261. Otto von Meran, Pfalzgr. von Burgund -1,469. — 11,134. 161,4. 164. 212, 3. 269. 280, 4. 304. 307, 1. 323. 340. 393. 450. 454. Otto von Baiern, Rheinpfalzgr. 384. 385. 510—512. — G. AgneS- Odo, H. von (franz? Burgund 269. 372. 385. 454. 455. Otto, Mkgr. von Carretto 227, 5. 235. Otto Gr. von Geldern I, *170. -249. *250. *312. *321. *331. Otto von Barkstein, Gr. von Siena *1, 38; Gr. von Laviano II, 6, 3. 46. 53. Otto, Gr. von Teklenburg 374. 45o. 507. Otto d. I. von Braunschweig-Lüneburg 462, 2. 467. Otto Frangipani 29,3. Oddo von Laviauo 53, 3. Odo von Palombara 23. Oddo von Poli 76, 2. Otto von Schmalneck 138. Oudenarde 508. Ourscamp, Abt von, 507, 2. P. Padua 182. 183. 412. 425. 537. — Dalesmanini, Rolandin. Pagano, Grafschaft 318. Orts- und Personen-Verzeichniß. 555 Paganus de Parisio, Gr. von Alife und Bntera 2-1, 1. 37, 2. 79, 3. Pairis, Kl. *1, 364. — II, 132, I. 301, 1. 385, 2. Palear: Gentile, Manerio, Walther. Palermo 7. 10. 12. 17, 4. 20. 24—27, 5. 33, 2. 39. 50. 58. 59, 2. 61. 67 —69. 75, 1. 79, 2. 80. 85. 86. 87, 4. 94. 101, 5. 231. 233. 262. 263. 476—479. 498. 502. — Cuba 25; Genoard 25, 1. 87, 1; Favara 87,1. Castellamare 49; Palast 56. 67. 70, 2. 87,4; Capella Palatina 404, 1 ; la Rocca 26, 2 ; Ponte dclla Grazia 26, 2. — Domkapitel 28, 1. 34—36, I. 93. — Erzb. Bartholomaeus, Walther von Palear, Petrus, Pari- sius, Berard. — S. Giovanni 56, 2; S. Maria de Krypta 478; Mar- torana 24, 1. 37, 3; S. Trinitst 87, 2. Palombara, Odo von. Pandnlf, päpstl. Delegat 297, 5. 355, 9. 360, 4—362. Pandnlf, Gr. von Anguillara 283. Paris 352. 356. 363, 3. 366. 367. 376. 377. 508- Parisio, Paganns de. Parisins, E. von Palermo 317. 404, 1. 473. Parma 167. 171. 183,2. 216, 4. 222. 223. 225. 227. 228. 234, 1. 236. 237. 267. 285, 7. 322, 1. 413,1. 415, 1. 430. 440. 521. 522. — Vgl. Frogerins, Lambertin. — Bisthum 416; B. Opizo. — S. Paul 224, 6. Partenai 376, 4. Pasewalk 387. Passaguerra von Piacenza 190, 2. 213 , 2 . Passan 301,4. 451. — B. Mangold, Ulrich. Paterno, Gr. Bartholomaeus. Patti 53. 478. — B. Stephan, Anselm. Paulus von Cicala, Gr. von Alife und Lolisano 59, 3. Pavia 172, 1—174, 1. 224. 286. 320 —323, 2. 412—417, 4. 422. 425. 429. 430, I. 431,2. — Notar Martin. — B. Bernard. — S. Salva- tore 224,5; S. Pietro in Celorio 282, 2. Pcllegrin, päpstl. Kapellan 416. 425. Vgl. Pcregrin. Penna, B. von 48, 4. Pentapolis 177. 342. S. Percgrino 439. Peregrin, Patr. von Aguileja *1, 307. Peregrin, E. von Brindisi 447, 2. Peregrin, päpstl. Kapellan 252. 253. Vgl. Pellegrin. Pen 184. Peronne 1 18. 352. 364, 1. 370—372. 508. Perugia 233, 2. 239, 4. 411. 426. 427. 429, 4. S. Lorenzo (Papstgräber) 426. — S. Salvatore bei P. 212, I. 214, 6. Pesaro 218. 429, 1. Pcschiera 165. 181. 185, 2. Peschio Solido 74. Petrus Galloze, KB. von Porto 44 —46. 199. Petrus Capuanus von Amalfi, KPr. von S. Marcellus 261, 3. 317, 6. 502. 523. Petrus de Sasso, KPr. von S. Puden- tiana 71. 73. 423. 433. 436. 437. Petrus (B. von Mazzarai, E. von Palermo 49. 50, 4. 93. 473. Petrus, B. von Ascoli 213. 217, 5. 218, 3. Petrus, B. von Mazzara 24, 2. 473. Vgl. Petrus, E. von Palermo. Petrus, A- von Monte Casino 245. 260. Petrus Capoeci, päpstlicher Ostiarius 428, 3. Petrus, steil. Notar 317, 5. Petrus von Conrteuai, Gr. von Auxerre 369; Kaiser von Konstantinopel 448, 4. G. Jolanthe. Petrus, K. von Aragonien 51. 52,3. 79. 80. 94. 420. Petrus Ziani, Doge 425, 6. Petrus, Gr. von Celano 8, 1. 9. 19. 40. 44. 46. 47. 57, 1. 61, 2. 64 68. 69. 75. 76, 1. 3. 92. 243. 245. 246. 259. 405. 518. Petrus Malvoisiu 375. Petrus Traversara von Ravenna 227, 5. 319. 321, 2. Petrus de Vico, Präfekt von Rom 192. 213. 230, 2. 238, 3. 283. 285. Pfävers, Kl. 138. 324. Pfalz, Rhein- 34 384. 385. 458. 510 —512. — Pfalzgraf Konrad; Heinrich I., Agnes, Irmgard, Heinrich II.; Ludwig, Otto. Philipp, B. von Ratzeburg 236. Philipp, päpstlicher Notar *1, 170. — II, 71. 192. Philipp von Schwaben *1, 14: H. von Tuscien I,*16. *493. — 11,21 ; röm. König II, 3. 4. 12. 21. 27. L8. 47. 53. 55. 64-66. 70, 3. 74. 77. 79. 80. 83. 99—106. 109—III, 4. 114. 117. 118. 120. 122. 124 —128. 132. 135-137. 141. 142. 144. 146. 150. 157. 169—172. 176 556 Orts- und Personen-Verzcichniß. 181, 2. 182. 193. 210. 217. 218, 4. 221. 231. 248. 271. 283. 307. 327. 332, I. 338, I. 340. 348. 359. 309. 376. 382. 389. 394. 395. 418. 461. 463. 480. 482. 485. 498. 526—537. — G. Maria; T. Beatrix, Maria, Kunigund, Beatrix d. j. Philipp II., Kg. von Frankreich 29, I. 59,4. II7-1I9. 144,5. 153—155. 157. 194, 2. 207. 208. 249, 1. 251 —255. 257. 269. 270. 276. 278, 5. 295. 320, 5. 331. 332. 336. 350— 378. 381. 424. 454—456 471. 472. 490. 495. 500. 507—509. — G. Jngcborg; K. Ludwig VIII., Maria. Philipp von Conrtenai, Gr. von Auxcrre und Nanmr 369. Philipp, Gr. von Flandern 351. 354, 1. — G. Mathilde von Portugal. Philipp Guarna, Gr. von Marsico 69, 1. Philipp, Gr. von Ramnr, Regent von Flandern I, *250. *312. *321. *442. — II. 119. 358.— G. Maria von Frankreich. Philipp, Gr. von Salisbury 502. Philipp von Bolanden 131. 437, I. Philippa von Champagne 455. — G. Erard von Bricnne. Piacenza 167. 169. 170. 172,1. 173. 188, 1. 223. 227. 228. 233. 237,2. 239, 1. 259, 3. 263, 1. 267. 285. 297, I. 321. 322. 412. 414—417. 422—425. 428-431. 439. — Bisthum 321, 5. — S. Sisto 210. 225. — Burger Passaguerra, Presbyter, Wilhelm de Andito. Pirovano: Ubert. Pisa 24. 26. 37,3. 59. 60. 69. 70, 1. 78. 214. 223. 226, 2. 232, 1. 234— 236. 244. 262. 263. 284. 285. 287, 4.317. 320. 407. 411. 425. 429. 489. — E. Lothar. — Bürger: Guido, Venterrilius. Pistoja 216. 267, 1. 412, 9. 525. — B. Soffred. Pizzighettone 521. Platani 71, 1. Plesse, Herr von 390. Po 189. 196, 3. 220. 226. 321. 489. Poggibonzi 175. 212, 2. Poitiers 536. Poitou *1, 507. — II, 353, 2. 354, 5 —356. 366. 367. 369. 371. 383, 4. — Gr. Otto IV. Vgl. Aimar. S. Pol, Gr. Gaucher. Polen 107, 3. 147, 4. 448. — H. Wla- dislaw. Poli 76, 2. — Oddo. Policastro, B. von, 244, 1. Policoro 261, 6. 262, 2. Pommerellen, H. Mestwin. Pommern 387. Pomposia, Kl. 220. 412, 9. 424, 1. Pontecarali, Jakob von. Ponteeorvo 9, 5. 41. Ponte Dosso 413, 1. Pontevico 170. Pontremoli 237. 489. Poppo, Gr. von Henneberg 450. Porto, KB. Petrus. Porto Vcnere 235. Portsmouth 366. Portugal: K. Sancho, Mathilde, Fer- rand. Potenza, Fl. 283, 5. Praeneste, KB. Guido I., Guido II. Prag 274, I. 530. — B. Daniel, Andreas. Prato 214,6. 215. 219,2. 285. — Gr. Albert, Maginard. Presbyter von Piacenza 383, 4. 417, 2. Prcusscn 268. 448. Principato 16. 235. S. Procolo 488. Provence 94. 385, 3. — Gr. Alfons, Raimund Berengar. Prüm, Kl. 156. Pusterla: Obizo, Wilhelm. Q. Quedlinburg *1, 429. — II, 99. 100. 104. 347. 423. 434,4. 451. 462. 463. — Vgl. Caesarius. Querfurt 434, 5. — Burkhard, Gebhard. S. Ouirico 239,4. 492. R. Radicofani 193. 239. 295. 319, 6. 342. 392. Radulf, s. Rudolf. Ragalicelsi 71, 1. Ragusa, Gr. Sylvester. Raimund, Johanniterprior 154. Raimund, päpstlicher Schreiber 428, 2. Raimund VI., Gr. von Toulouse 293. 361, 4. 366. 421. 448. Raimund Berengar, Gr. von Provence 279, 1. Rainald, Reginald, Reinald: Rainald von Celano, E. von Capua 19. 35. 41. 92. 440, 3. 517. Rainald Mnnaldi, B. von Fcrmo 428, 2. Reginald von Senlis, B. von Toul 254. 454. Reginald, Kapellan 255, 2. Rainald von Agnino 40. Reginald vonDammartin, Gr. vonBou- Orts- und Personen-Verzeichniß. 557 logne 208. 32g, 3. 33l. 353—355. 357—360. 362. 363. 365. 367. 369. 370. 373—375, 4. 507—509. — T. Mathilde. Rainer, Reiner, Reinher: Reinhcr, B. von Chur 134,3. >38. 161. Rainer, B- von Tuscanella 239, 4. Rainer, Gr. von Bartolomeo 240. Rainer von Manente, Gr. von Sar- teano 2>. 25. 56. 59—61. 67. 69. 262. 407. 411. Randazzo 18, 2. 27. 33, 2. Randerath, Gerhard von. Rangonc, Wilhelm, von Modena 182, 3. Rapoto von Ortenberg, Pfalzgr- von Baiern 300. 307, 1. 339, 5. ' Ratzeburg 150. 236. — B. Philipp. Raugraf 507, 2. Rnvcnna 171. 215,4. 220. Vgl. Petrus Traversara. — Herzogthmn 177. 342. — E. Albert, Ubald. — S. Severo de Classe 220, 2. Ravensburg (Schwaben): Heinrich. Ravensburg (Wirzburg): Bodo. Heinrich, Friedrich. Realdinus de Carceribus, Podesta von Verona 266, 3. Recanati 410. Rechberg, Sigfrid von. Regcnsberg, Äitold von. Regensburg 327, 3. 339. 413. 414. 451. 497. - Bisthum 434,4; B. Konrad. — Ober- und Niedermiinster 435. — Schotten 334. Reggio (Calabrien), E. Wilhelm. Reggio (Emilia) 171. 183, 2. 222. 267. 413. 416. 429, I. 430. 439. 440. — Bisthnm 416. — S. Prosper 225, 5. Reichenau, A. Heinrich. Reifenstein, Kl. 162, 2. Reims 208. — Erzb. 360. Rcinbot, Gr. von Sarteano 262, 4. Remigsberg 390, 6. RemkerSlebcn 345. Renaud de Rogcnt 208. Reno, Fl. 189. Rheinau, Kl. 139, 5. Rheingraf, Wolfram. Rhone 385. Richard, Kg. von England 116. 131. 137. 536. Richard, Gr. von S. Bonifacio 265. 321. 323,4. 412. Richard von Aguila, Gr. von Fondi 8. 40. 55. 72, I. 75. 76, 1. 3. 92. 232, 1. 243, 1. 246. 259. 260. 317,6. 319. Richard von Segni, Gr. von Sora 73. 74. 76. 405. 422. 493. 498. Richard von Ajelio 246, 6. Richard, Templer 47. Richenza von Polen 279, 1. Rieti 245. Riga, B. Albrecht. Rignp-la-Salle 331, 3. Rimini 429. — B. Ventura. Ripatransone 526. Ripen 116, I. Roais ^1, 261. Robert de Coupon, KPr. von S. Stephan 376. 421, 3. Robert, B. von Lueca 213. 216, 4. Robert. B. von Olmiitz 161, 4. 452. Robert de Grandpre, B. von Verdun 253. 394. 433, 7. Robert, Gr. von Dreux 508. Robert, Gr. von Lecce und Conversano 30. 45, 2. 262, I. Robert von Aguila 41. Robert von Joinville 40, 2. Robert Tresgoz 354. Rocca d'Arcc 40. 41. 74. 76. Rocca S. Agatha 46. 54, I. Roeca Pcnnini 218. Rocca Sorclla, s. Sora. Rochelle 366. 367. 536. Rochcs aux Meines 366. Roergan 508. Roermonde *1, 321. — II, 368. Rofsrid, .KPr. von S. Marcellin und 5. Peter, A. von Monte Casino 5, 2. 6. 9. 19,5. 41. 50. 51,4. 57,2. 73. 475. Rofsrid von Anagni, päpstl. Schreiber 428, 2. Roger, KPr. von S. Anastasia 475. Roger, B. von Catanea 17. 18,1. 38. 49 2. Roger I., Kg. von Sicilien 80. 88, 1. Roger, Gr. von Chieti 8, I. 19. 52. 61, 2. 63. Roger von Aguila, Gr. von Fondi 260. 3>9, 3. 405. 407. Roger von Merham 354, 5. Roger, Gr. von Gesualdo 537. Roger Pirontus 59, 4. Roger Premarino von Venedig 234, 4. Rolandin von Padua 183. Rom 8. 13. 40. 53, 3. 65, 1. 66. 75. 79. 112. 118. 121, 2. 141. 176. 194, 2. 196 —201. 209, 2. 210. 239,4. 297. 313. 314, 1. 317—319. 392. 422. 429, 7. 436. 437. 448,4. 468, 2. 471. 496—498.— Päpste: Alexander III., Coclestin III., Jnno- cenz III., HonoriuS 111., Gregor IX., Jnnoccnz IV.,UrbanIV., MartinIV. 558 Orts- und Personen-Bcrzeichniß. — Kardinalskolleqium 258. 508. — Kardinalbischöfe von Albano: Albinus, Johann, Gerald; Ostia: Oktavian, Hugo: Porto: Petrus; Praeneste: Guido l., Guido II.; Sabina: Konrad. — Kardinal- p r e s b y t e r von S. Anastasia: Roger, Gregor; 12 Aposteln: Stephan; S. Croce: Leo; S. Johann und S.Paul: Cencins; S. Laurentius: Cinthius; S. Marccllin und S. Peter: Rof- frid; S. MarcelluS: Petrus; S. Maria in Trastcverc: Guido: S. Nereus und S. Achilleus: Anselm; S. Praxedis: Johann; S. Puden- tiana: Jordan, Petrus; S. Sabina: Thomas; S. Stephan: Johann, Robert; S. Vitalis: Gregor. — Kardinaldiakonen von S. Adrian: Gerard; S. Angelus: Ubert; S. Cosmas und S. Damiani: Johann Colonna; S. Eustachius: Hugo; S. Georg: Berlin, Gregor; S. Lucia: Cencins; S. Maria in Partien: Gregor, Gualo; S. Theodor: Gregor. — P raefekt: Petrus de Vico. — Senat 197, 2. 317; Senator 407; Johannes 239,4.— Bürger: Frangipani, Johann Capocci, Leo de Monumcnto. — Hadriausburg 198; Lateran 200. 428; Lconina 198. 200; Monte Mario 197. 198. 201,1. 496; S. Anastasio, Abt von, *1, 137; S. Eustachius II, 535; S. Peter 198— 200; Porta «. Spirito 200; Tiberbrücke 197. 198. 200 ; Vatikan 201,1. — Koncil von 1215: 419 ff. 513. Romagna 173. 174. 177. 179. 266. 411. 414. — Gr. Rudolf, Leonard. Romano: Ezclin II., Sophia. Romoald Guarna, E. von Salerno 69, 1. Ronsberg, Mkgr. Berthold. Rosheim 327. 384, 2. Rotenburg in Franken 144. Rotenburg bei Schwarzbnrg 307. Roto, Amfusus de. Rouen 358. Roveredo 184, 2. Rudolf, Gr. von Habsburg 325. Rudolf von Tricano, Gr. der Romagna 177. 190. Radnlf Bigot 207, 3. 507. Rüdiger, B. von Chiemsee 451, 8. Rnfin, Gr. von Lomello 227, 5. Rnpen, Kg. vdn Armenien 206, 3. Ruppen 324. Russen 461. Rychberg (?), Gr. Hartmaun. Ryswyk "I, 321. Saalfcld 104. Saarbrück, Gr. Friedrich, Hermann, Simon. Sabina, KB. Konrad. Sachsen III. 122. 124. 137. 147. 148. 275. 281. 302. 326. 331. 34». 374,3. 386. 390. 448. 463. 482. — H. Bernhard, Albrecht. — Wappen 498- Säben, Ortulf von. : Sain, Gr. Heinrich. Salem 136. 139. — Mönch Konrad 231, 3. Salerno 16. 40. 62—64. 67. 71. 76, 1. 246. 262. 502. 517. 523. —Terra- cina 62. — Torremaggiore 63. — Erzb. Romoald, Nikolaus; Gegeu- bischöfe: I. 6, I; Girard 46. Salingucrra II. Torcllo 171,1. 181. — 186. 213. 221. 222, 2. 227, 5. 265. 266. 285—287. 409. 412. 416. 429. 487. — G. Sophia von Romano. Salisbury: Gr. Philipp, Wilhelm. Salomon von Wirzburg 448, 1. Salpi 45. 46. Saluzzo, Mkgr. Manfred. Salvatcrra 189, 2. S. Salvatore di Mont' Amiate 239. 270, 5. S. Salvatore, vgl. Pavia, Perugia. Salzburg 139, 5. — E. Eberhard. Samland 268. Sancha, Kgin von Aragonicn 51. 52,3. 80. 94. - T. Sancha 51. 52, 3. 79. Sancho, Kg- von Portugal 351. — S. Ferraud. Saragossa 80. Sardinien 70, I. 263, 2. 342. Sarno 63. 64. —- S. Maria della Foce 63. Sassoferrato 218. «assovivo, S. Croce di, 245, 2. Sarteano 262. — Gr. Rainer, Reinbot, Taukred. Savary, B. von Bath *1, 489. Savclli 427. 428. — Cencins. Savona 214,2. Sax, Albert, Heinrich, Ulrich von. Saycr Ouency, Gr. von Winchester 354. Scala bei Amalfi 261, 3. Scarpe, Fl. 372. Schauenburg, Schaumburg, Gr. Adolf. Setzeiern, Grafsch. 134, 4. Schcvcrlingeburg 306,1. 465,4. 466,6. Schipf, Walther von. Schleswig 115. 461,1. — B. Waldemar. Schlichter 387, I. Schmalncck, Heinrich, Otto von. Orts- und Personen-Verzeichnist. 559 Schönau, Kl. 341, 2.3; 384, 7. 510. 511. Schönburg bei Oberwesel 434, 5. Schussenricd 130. Schwabeck 137. Schwaben 107. 122. 123. 126—128. 130. 136—139. 142. 143, 1. 161. 231—233. 258. 275. 288. 307. 309. 325. 337. 346. 379. 390. 391. 440. 453. 501. 505.— Herzoge: Philipp, Otto IV., Friedrich II., Heinrich (VII.). — Wappen 499. Schwarzburg 307. 390. Bgl. Käsern- burg. Schwcmspcnnt, Dipold, Sigfrid von. Schwerin: B. Bruno. — Gr. Gun- zelin, Heinrich. Schwertrittcr 286, 7. 461, I. Schwinge 443. Seckau, Kl. 451, 8. Seebnrg 441. Seeland (niederländisch) I, *250. *321. *442. Segni 476. Vgl. Jnnocenz III., Hugo, Richard. Semifonte 175, 3. Senlis, B. Guarin. — Vgl. Reginald. SenS, Erzb. von, 254, 4. 255, 2. Serio, Fl 414. Sessa 55. 63, I. 259. 260. 403. Sesto, Kl. 220, 2. S. Leverina, Bischof von 6, 1. S. Sevcrino, Gr. von 40, 5; Gr. Jakob. S. Scverino (Ancona) 245. 246, 1. Sibert, Geistlicher 298. Sibodo, B. von Augsburg 511. Sibodo, B. von Havelberg 148. 156. 398, 3. Sibodo, Propst von S. Adalbert in Aachen 533. Sibodo, Administrator von Cambrai 'I, 369. Sibylle, G. Tankrcds von Sicilien 29 fs. 45, 2. 471. Sicard, B. von Cremona 223, 1. 227, 5. 257. 260, 4. 321, 2. 490. 491. Sichem, Kl. 100. 451. Sicilien, Königreich 3—95. 142. 145. 194. 195. 220. 222. 231—248. 255 —263. 276. 282. 283. 314—316. 318. 332, 4. 342. 403—408. 418. 430. 436—438. 471—479. 491—495. 498. 500. — K. Roger I., Wilhelm II., Lankred, Wilhelm III-, Heinrich VI., Konstanze I., Friedrich II., Konstanze II., Heinrich (VII.). — Insel besonders: 262. 263. 282.406. 411. 466, 2. 522. — Mohammedaner 20—39. 71, I. 86. 92. 262. 466, 2. Siena 175—177. 188, 2. 189. 192. 211. 215. 233. 284. 411. 488. 525. — B. Bonus. — Gr. Eberhard von Lautern 217. Vgl. Otto von Barkstein. Sigfrid II. von Eppstein, E. von Mainz *1, 225. — II, 112. 113. 120. 122 123, I. 143. 156. 163. 270—275. 278, 4. 280. 294, I. 298. 299, 3. 301. 302. 304; päpstl. Legat 305. ! 328. 333, I. 334. 336, 2. 356. 367, 7. ! 391—393. 424, I. 432. 433. 444, 4. > 452. 484. 500. 501. Sigfrid von Rechberg, B. von Augs- > bürg 134, 3. 136. 156. 162, 1. 164. 197. 212,3. 340. 484. Sigfrid, B. von Hildcsheim 442, 1. 464, 2—466. Sigfrid, Gr. von Mise 259, 3. Sigfrid von Schweinspeunt 8. 45, 3. 46. 71. 259,3. 407. Simeon von Mamistra, Justitiar von Calabrien 23, 3. Simeon Pisansllus 24, 3. Simon, Gr. von Montfort 210. Simon, Gr. von Saarbrücken 450. Simon Fimeth von Lentini 406, 4. Simon Gcntile 405. Simon von Joinville 455, 7. Sinigaglia 218. — Gr. Konrad. Sinzig: Gerhard, Gerichwin. Siponto 19, 5. 78, 1. 94. 403. — S. Leonardo 43, 2. Sis in Cilicien 206, 3. Sittichenbach, s. Sichem. Soffred, B. von Pistoja 213. 216. Soissons 118. 358—360. Somcrschcnburg 102. 103. 105. 113, I. Somma 54. Sophia von Romano, G. Salinguerra 181. Sora 55. 71. 73. 75, 1—77. 80. III, 2. 3; 244. 246, 1. 318. 422. — Gr. Richard. Sorella 73. 74. Vgl. Konrad. Sorrcnto, E. Alferius. Sovana 240. Spanheim, Gr. Gottfrid, Johann. Speier I, »176. *208. — II, 131. 144. 146. 152, 2. 390, 6. 391, 3. 422. 484. 485. — Königsgräber 348. — B. Konrad. — Dekan 441. Dom- geistlichkcit 519. Spilamberto 159. Spoleto, Stadt 232, 2. 250, 1. 409,3. — Herzogthnm 37, 3. 64. 173. 177. 192, 1. 193. 214. 218. 219. 231. 560 Orts- und Personcn-Berzeichniß. 232. 245. 260. 342. 408. 409. 491. 493. — H.Konrad, Heinrich, Dipold. Stade 114. 115. 151. 398. 442. 443. — W. Marien *1, 325. Stadtlohe 345, 2. Staffarda, Kl. 220, 5. Stahleck 163, 4. 512. Staufen, Wcrnher von. Stedingcr II5. 275. 387, I. 442. 443. Steinweiler 518. Stephan von Fossanuova, päpstl. Kämmerer 73. 209, 3. 210, I. 230. 233,2; KPr. von 12 Aposteln 421', 6. Stephan Laugton, E. von Canterbury 153. 355, 9. 357. Stephan, B. von Patti 24, 3. 28, I. Stephan II., Gr. von Auxonne*!, 176. — II, 269. 280, 4. 454. Steppes 364. 368. Stettin 387. — Herzogthum 269. Stolberg, Gr. Ludwig. Straßburg * 1 , 394 . — II, 130 138. — B. Heinrich. Straubing 511. Summofontc, s. Seinifonte. Supino, Edle von 407. Süpplingenburg 306, I. Surgsres 536. Sutri, B. von *1, 79. Suzzara 171. 183,2. Swan, Clerc des Kaisers 357, 3. Sweder von Dingede 450, 2. Sylvester von Ragusa, Gr. von Marsico 39, 2. Syracus 60. 61. 263. — Bischof 60. 404, I. 406, 4. — Gr. Alaman. T. Tankred, Kg. von Sicilien 9. 29. 33. 39. 2. 44. 50. — G. Sibylle; T. Albcria, Konstanze; S. Wilhelm III. Tankred, Gr. von Sarteano 262, 4. 283, 4. Tarent, E. Angzlus. — Fürstenthum 29 ff. 45. 62, 3. Teano 41. 259. 260. — Bisthum 406, 3. Tegernfeld, Konrad von. Teklenburg, Gr. Otto, Adolf. Templer *1, 261. — II, 262, 5. 478. 479. 536. Tcnncnbach, Kl. 139. Teramo 64, 2. Term 214. Terguanda bei Siena 284. Terra di Lavoro 6. 9,6. 41. 55. 71. 76. 407, 2. 522. Terra d'Otranto 59,4. 77. 405. Terracina 241. 283, 2. Terracina, Schloß m Salerno 62. Theobald, Gr. von Bar-le-Duc 119. 254. 331, 3. 351. 354. 355. 369. — G. Erminsind. Theobald von Böhmen 452. Theobald 1., Gr. von Champagne 455. — G. Bianca von Navarra. Theobald II., Gr. von Champagne 374. 455. Theobald I., H. von Lothringen 370, 3. 383. 384. 387. 393. 454-456. Theobald de Vico 213. Thessalonich, Kg. von, 448, 4. Thctmar, A. von Äorvei *1, 423. I, 425, 3. Thiemo, B. von Bamberg *1, 148. Thomas von Capua, KPr. von S. Sabina 407, 2. 428, I. 522. Thomas, Gr. von Savoyen 269. 280, 4. 416. 430, I. Thomas von Annone 225. Thomas von Celano 259; Gr. von Molise 407. 409. Thomas von Gaeta, Justitiar 58, 2. Thomas von S- Balery 375. Thomasin dei Cerchiari >84, 2. Thouars, Bicomte von 353, 2. Thüringen I, *288. *307. *325. *331. ! — II, 106. 111. 122. 281- 306— ^ 309. 347. 386. 390. 505. 506. — ! Landgr. Hermann, Ludwig IV. ! Tiber 245. 407. — Grafschaften 284. Tilburg, Gervasius von Tirol, Gr. Albert. Todi 284. Tolosanus von Facnza 182. Tollenstein, Gr. Gebhard. Tongern 380. Torelli, s. Salinguerra, Torre maggiore bei Salerno 63. Tortona 227. 237, 2. 414. 415. 431, 2. — B. Opizo. Tortoretto 64, 2. Toul 331. 332, 1. — B. Matthacus, Reginald. Toulouse, Gr. Raimund. Tournai 363. 364, 1. 371. 372. Traetto 260. — Notar Mag. Johann. Trani 406, 3. — E. Bartholomäus. Trapani 18, 2. 20. Travemünde 461. Travcrsara, Petrus. Tre Santi, S. Stefano 43, 2. 45, 3. Tresgoz, Robert. Trevi 409, 3. Trcviglio 224. Treviso 182. 183. 412. 425. — Mark >71. 179. 185. 266. 267. 411 ff. 425. Tricano: Leonard, Rudolf von. Tricarico, Gr. Jakob von; G. Albcria. Orts- und Personen-Verzeichniß, 561 Trient 182. 184, 2, 323, 537, — B, Friedrich, — Vicedom Berthold von Reifen. Trier, E. Johann, Dietrich. Triest, B, Gebhard, Trifels 107. 125, 1. 131, 382, 6. 383, 305, Troja 57, 1, — B. Walther von Palear. Tronto, Fl. 283, 5. Tropea, Gr, Anifusus. Tübingen, Pfalzgr. von, 134, 3, 303, Vgl, Hugo, Turin 220 , 430, 1. — B. Jakob. — Vgl, Thomas von Annone, Turon 458. 512. Turrisendi 184,2, 268,4, Tnscanella, B. Rainer, Tuscien 8, 17,3. 144, 5, 171, 173, 175—170. 193, 104. 209, 211, 3. 214, 2. 217. 227. 228. 230. 239. 240. 245. 248. 250, 1, 262. 295. 319, 6, 320, 2, 408, 409, 411, 4!3, 429 fst 489 -498. H, Philipp, — Bund -I, 34. — II, 175, 2, Tvbbold s. Dipold, Tyrns 206, 3, II, »bald, E, von Ravenna 213, 214, 2. 227. 233, 3. 265. Ubert de Pirovano, KD, von S, Angelus, E. von Mailand 227, 5, 257, 1, 265, 4. 488, Ubert, B. v, Bobbio 274, 6, Ubert della Crocc 488, 1, Ucberlingen 324. 346, 3. Uerslingen: Konrad, Heinrich. Ulm 163. 379. 451, 1, Ulrich II, von Diessen, B. von Passau 393. 445, 5. Ulrich von Sax, A, von L>, Gallen 138, 275,4. 324. 325, 436—441. 448, Ulrich, A. von Limburg 519, Ulrich, Gr, von Eppan 134, 339. Ulrich, Gr. von Kiburg 325. Ulrich von Arco 135, 1, Ulrich, Kämmerer von Minzenberg 334, 6, Ulten, Gr. Egeno, Umana 218. Ungarn 147,4. 448. — K. Emmerich, Constanze, Andreas II,, Elisabeth. Upezinghi 214, 4, Urban IV. 426, 3, Urbino 209, 2. 429, 1. Urslingen f, Uerslingen, Ursperg, Propst Burkhard, Ursus, B. von Girgenti 34, 2, 66, 3. Utrecht «I, 249. - II, 153, 1, 320, — B, Dietrich, Otto 1-, Otto II., Wil- brand. V Val d'Astico, bei Signori, Sugana 184, 2, Valeggio 185, 2. 188. Valeneiennes 370—372, 508. Valentinois, Gr. Aimar. S. Valery, Thomas von, Balese 188, 3. Valkenburg 381. Narennes 350. Vaucoulcurs 331.— S, Martin 331,3, Veji 209. Velseck, Gr, Ernst, Venafro 6. 41. Vendome 297, 1, Venedig 50. 234, 425. 502. — Markus- Platz 180. 186. Doge Petrus Ziani. — Bürger: Marino Dandolo, Roger Premarino, Marino Zeno, Markus Ziani, Venere (Abruzzo) 44, 2, Ventcrrilius von Pisa 285. Ventura, B, von Rimini 429, I, Vercelli 226, 234- 414, 415. 416, 4, 430, I. 4 U, 2. — B. Aliprand, Lothar, Verden, B, Iso. Verdun 253, 394, — B, Albert, Robert, Beringen: Gr. Heinrich, Markward. Vernelius, Gr. von Carpegna 213. 215, 3, 218, 1, 219, 2, 420, 1. Bernon-snr-Seine 509, Veroli 11, 3, 13, I. 14. 15, Verona l— Bern 181, 1) 77, 3, 165, 171, 3. *180-185, 189, 266. 267. 282. 286. 287, 4, 313, 323, 409, 412, 413. 416, 410. 487, — Piazza Bra 181. S, Stefano 181, I, 323, 1. — S. Bonifacio, Montecchi. — Kapitel 226, 4, B, Adelard, — Veroneser Klausen 165. 266,4. Bersilia 216, Vetralla 239, Vezzolano 226, 3. Vicenza 171. 180, 1-186. 188, 2 , 228. 266, 267. 412. Vgl. Gerard Maurisius, — Bisthum 218, 4. Vico 239, 4. 240. — Petrus, Theobald, Vienne 385, 3, Viesti 94, 403, Villehardouin, Marschall von Champagne 40, 2. Vintschgau 324, 1. Visconti, Oderico, von Mailand *180. Viterbo 189. 191 —197, 1. 206. 200, 211, 3. 239—241, 1. 255, 319, 6. ' 488, 493. 497, — Palazzo degli 36 Jahrb. d. dtsch. Gesäi. — Winkelmann, Otto IV. 562 Orts- und Personen-Verzeichniß. Alamanni 189, 8. Castel S. Angela 189, 8. S. Maria 289, 2. Volana 220. — S. Jakob 220, 3. 4. Volargne an der Etsch 165, 3. Bolkoldcroth, Kl. 441, 2. Volterra 217. 411. — B. Jldebrandin. Voltnrno 60, I. W. Waldburg: Eberhard, Friedrich, Heinrich. Waldemar von Dänemark, B. von Schleswig, E. von Bremen *1, 446. - II, 105, 1. 114. 115. 151. 210, 3. 268. 274. 302. 330. 386. 423. 442, 458. 460. Waldemar II., Kg. von Dänemark 114 — 116. 151. 152. 21». 268. 369, 1. 386—389. 398. 399. 442. 460. 461. Waldenser 221, s. Albigenser. Wales 356. Walkenried, Kl- 125, 2. >55. 333, 2. 397, 5. 464. 465. Walram von Limburg 7. Wilhelm, B. von Brescia 227, 5. Wilhelm, B. von Como 227, 5. 287 6. Wilhelm von Joinville, Erwählter von Metz 254. 328, 4. Wilhelm der Brite, Kgl- Kapellan 295. 371, 3 ff. Wilhelm, päpstl. Schreiber 428, 2. Wilhelm von Holland, römischer König 384, 7. 467, 2. Wilhelm II., Kg. von Sicilicn 289. 502. Wilhelm III., Kg. von Sicilicn 29, 3. Wilhelm, Mkgr. von Malaspina 227, 5. 235. 285. 412. 415. 420. Wilhelm, Mkgr. von Montferrat 227, 5. 235- 285. 321. 385, 3. 412. 416. 423. 441. Wilhelm, Gr. von Cascrta 9. Wilhelm d. jüngere, Gr. von Caserta 9. 40, 5. Wilhelm, Gr. von Holland I, *320. *321. *442. — II, 330. 331, I. 357. 363. 369. 370. 443. 449. 450. 457. 467. Wilhelm III.. Gr. von Jülich *1, 331. — II, 300. 329. 380. 382. 393. 450. Wilhelm Grasso, Gr. von Malta, sic. Admiral 42. 60. Wilhelm Bigot, Gr. von Salisbury 154. 207. 251, 4. 362. 365. 370. 373. 374. 507—509. Wilhelm von Andito, von Piacenza 185. 228. Wilhelm von Baux, Fürst von Oranges 385, 3. Wilhelm von Cantilnpo, engl. Truchseß 354. Wilhelm Capparone 49, 3. 56—59. 66 —71. 80. 83. 85. 87. Wilhelm von Lerida 59, 3. Orts- und Personen-Berzeichniß. 563 Wilhelm von Lüneburg, S. Heinrichs des Löwen 151. 341. 384. 467. Wilhelm Malconvenant, sic. Admiral 42, 4. 60, 4. 525. Wilhelm de Petrecaco, Großhofjustitiar 78, 1. Wilhelm Porcus, sic. Admiral 404, 3. 430. 440, 3. Wilhelm von Pusterla, von Mailand 287. 488. Wilhelm Rangone, von Modena 182, 3. Wilbrand von Oldenburg, B. von Utrecht 208, 3. Wilre, Äonrad von. Winchester, Gr. Sayer, — Bischof 355,9. Wirtemberg, Gr. Hartmann. Wirzbnrg '"4, 271. — II, 106. 111- 1 >3, 1. 129, 1. 147. 148, 4. 155— 162. 303. 307, 1. 309. 328. 391. 432—436. 440, 4. 441. 484. — Bisthum 434, 4. B. Conrad, Heinrich, Otto. — Mag. Salomon. Wische 103. Wittelsbach, Pfalzgr. Otto; H. Ludwig, Otto. Wladislaw, H. von Polen. 147, 4. Wladislaw, s. Heinrich, Mkgr. von Mähren. Wölpe, Gr. Bernhard. Woldenberg, Gr. Hermann. Wolfenbüttel 300, 4. — Gun;elin. Wolfger, B. von Passau I, *288. *307 — Il, 53, 3. 101, 4. Patriarch von Aquileja I, *307. II, 101, 4. 110. 121. 123, 1. 134—136. 164. 170. 172—179. 186. 188—191. 196. 212. 214. 217, 6. 221. 223. 224,6. 225, 5. 227. 235. 236. 242,1. 298. 307. 308. 420. 425. 489. 491, I. 505. 506. 537. Wolfram, A. von Weissenburg 519. Wolfram, Rheingras 124, 1. 130. 481. Worms 131. 332, 4. 333, 3. 341, 3. 379, 2. 380. 510. —Konkordat 145. 344. — B. Heinrich. Wratislaw, S. Otakars von Böhmen 119. 271. 300. 302. 446. Würselen 381. X. Tanten *1, 250. Y. Darmouth 509. Dpern 362. 363. 365, 2. 508. 3 - Zähringen, H. Berthold. Zeitz 147,4. 346. Zeno, Marino 412, 6. Ziani, Marco 29, 3; Pietro 425, 6. Zibello 43». Ziesar 398, 3. Zollern, Burggr. Konrad. Zülpich, Engelbert von. Zwin 362. 36 ' AerbesscmMn. Seite 59 Anm. i Z. 2: cousolatioue. - 28t> - 2 Z. 7: eonlirmarat. - Z28 Z. 16 v. o. statt „Berg" lies: Loc; - 348 Ilnm. 2 Z. 3 v. u.: statt „Nlcisscn" l:e-t: „Merseburg. - 375 - 4 Z. 3 i 6anäavnin. - 493 Z. 6 v. u.: Eboli. - 427 Amn. 1 letzte Zeile: stilns. - 434 - 4: Rcgalienrecht. - 456 Z. >0 v. n.: Aobauua. Pierepfche Ho'bnAdruckerei. Stephan Geibel L Co. in Slltsnburg.