4aS CaseS Tagebuch über Napoleon ' s Leben. Eine treue Uibersetzung des cle Salule - Helene Siebentes Bändchen. Dresden, 1823. in der Arnvldischeu Buchhandlung. Summarischer Inhalt des siebenten Bändchens Seite M, unser Eril betreffend — Beaumarchais — Geschichtliches der Arbeiten «u Cherbourg. . ... i Lange Studien« für den Gouverneur — Merkwürdige Unterhaltung. . s Wer die italienischen Schonen — Madame Graffini — Madame 4 W . . - . und Berthier.n ^Vorstadt Saint Germain. — Aristokratie — Der Kaiser hätte wohl eine Franiöstn geheirathet . . . . . . . . iz ES kommt Feuer in unsrer Wohnung auS. -- Eliquekle in Longwood. 17 Armenhäuser i» Frankreich — Pläne NapdleonS mit Zllyrien — Hospitäler — Findelkinder — SlaatSgefangne. — Ideen des Kaisers. 18 iUiber Egypten — Saint-Jean - d'Acre — Die .Wüste — Anekdoten. . ... 34 väterlicher Rath n. s. w. — Merkwürdige Unterhallnng — Eaglastrv, Metnier, Galt, Lavärer ». s. w..3« Sonderbare Häufung von Unannehmlichkeiten. . > . .Zs Frau von B ... . — Einzelnhcilen — Anekdoten über die Auswanderung.. Der Kaiser erhält Briefs von den Seinigen — Unterredung mir dem Admirale. — Commiffarien der Verbündeten. . . " . . 4Z Hof des Kaisers — Aufwand, Oekonomie, Jagden, Ställe, Pagen, Ehrendienst ». s. w. . ... Reue Bosheit d-S Gouverneurs — Der«weiflungSvoller Plan des Eor- sen Santin!.4S Melanie, von la Harpe —Nonnen — Klöster — Lrapisten. — Fran< Mscher CleruS. . 48 Marie Antoinette. — Sitten von Versailles — Anekdote — Bever- ley — Der Hausvater von Diderot. . . . . . ;r Historisches über die Eoblenzer Auswanderung — Anekdoten n. s. w. ;z ntimenkalc Reise Napoleons. — Oeffemücher Geist der Zeit. — dag des zehnten Augusts.78 Sl S>>« Maskenbälle — Frau von Mogrigny — Plemour und di« Piemontestr — Kanäle in Frankreich — Träume über Paris — Versailles — Fontainebleau, ». s. w. .. Plan in einer europäischen Geschichte — Selim III. — Kräfte eines türkischen SulranS — Die Mamelucken — Uiber die Regentschaft. Italienische Feld.rnge u s. w. — Epoche von 181; u. s. w. _ Galla» III. — Galla» IV. — Bernadoite. — Paul I. Das »älerliclle Weinbergs rundsrück Napoleons — Seine Aniine — Sein väterliches Dach — Lhränen IosephinenS während der unglücklichen Uiirernchmilngen WurmserS in den Umgegenden »on Mantua... Katharine II. — Kaiser-Garden — Paul I. u. s. w. — Pläne auf Indien, u. s. w. ..... .... Der Kaiser alS Bischofs u. s. w. — Tr hatte noch nie am Magen gelitten... Feidjug von 181S, nach Wagram benannt. Zeitraum von S Monaten — Zustand Enropa'S — Pläne der fünften Coalition. — Z„ll- re Umtriebe — Schlacht von Eckmühl — Schöne Lehren der Strategie — Betrachtungen, Folgerungen. — Schlacht von Egling — Schlacht von Wagram — Wiener Traktat vom 14. Oktober. , 10; Montags am iS. Juli i8c6. G egen 6 Uhr kam der Kaiser auf mein Zimmer. Er überraschte mich, denn er wollte spazieren gehen. Ich folgte ihm. So ging cr einige Zeit nach dem Gehölze, wo die Calesche stand und uns ausnahm. Seit langer Zeit hatte cr keinen Gebrauch davon geinacht, Ich war allein mit ihm, und das Gespräch drehte sich stets um die ihn betreffende Dill, die uns so ganz fremd verkömmt. . Nach der Rückkehr war der Kaiser ungewiß, ob er nicht unter den Bäumen frühstücken sollte. Aber endlich entschloß er sich ins Hans zu gehen und so ging er den ganzen Tag nicht wieder aus. Er speiste allein. Nach dem Diner ließ er mich rufen. Er las in den Merku- rcn, oder alten Zeitschriften, und zwar verschiedne Anekdoten und Umstände Beaumarchais betreffend, den der Kaiser trotz dessen Verstände schon während des Consulats, wegen seines schlechten Rufs und großer Unsittlichkeit fortdauernd von sich gewiesen hakte. Diese Lektüre ward wegen der außerordentlichen Verschic- .dcnheit der Sitten, obgleich bei einem so nahe liegenden Zeiträume '-sehr anzüheud. Sie malte unter andern die Reise Ludwigs xvi. nach Cherbourg, bey der er einige Zeit verweilte, dann aber ans die Arbeiten zu Cherbourg überging, und von ihrem Historischen mit der Klarheit, Nichtigkeit und Schärfe sprach, die alles, was er sagt, so sehr auszeichncn. Cherbourg liegt am Hintergründe eines halbkreisförmigen Meerbusens, dessen beide Enden rechts die Insel Pel-e und links die Landspitze Qucrquevllle sind. Das Festland das diese beiden Tdeile verbindet, macht die Senne oder den Diameter aus, und streckt sich von Ost »an» West. Gegen über, nördlich, nur aber 20 Stunden davon liegt das berühmte Portsmouth, das hauptsächlichste Arsenal der Engländer. Der übrige Lheil ihrer Küsten läuft parallel den »nsrigen gcgen- , über. Die Natur hat für unsre Nebenbuhler alles gcthan, uns dagegen alles verweigert. Ihre Küsten sind gesund und reinigen dagegen wimmeln Dazen Klippen, IM-» wenig Wasser und verschlemme» sich mit mit jeden! Tage mehr. Wir haben in dieser Gegend nicht einen einzigen wahrhaften Hafen von großem Umfange, so, daß die feindlichen Flotte», die z» Portsmouth austanfen, nicht einmal noch!, habe» unter Segel zu gehen, um uns zu beunruhigen, sondern es blos einiger leichten Fahrzeuge bedarf, sie zu benachrichtige» und in einem Angenblictc befinden sic sich ohne Muhe und Gefahi bei ihrer Beute. Man könnte sagen, die Engländer seien ms diese Art zugleich bei sich zu Hanse und auch bei uns. Wagen es dagegen unsre Flotten, sich im Canal sehen zu lassen, den man doch eigentlich das französische Meer nennen sollte, so befinden sie sich in immerwährender Gefahr. Sturm oder Uibermacht des Feindes kann ihre gänzliche Zerstörung bewirk», weit sie in beiden Fällen an de» eignen Küsten keinen Schutz st» de». So geschah es an dem berühmten Lage von Hogue, m Lomville zu dem Muhme einer so ungleichen Schlacht, doch de» eines schöne» Rückzugs zu fugen im Stande, wenn ein Hafeu d» gewesen wäre, in den er sich hätte flüchten können. Bei diefer Lage der Dinge bestimmten Männer von richtige» Ansichten, welche ihr Vaterland liebten, durch Bestürmung mit Projekten und Vorstellungen die Negierung dahin, die Hülssuiit- tel, welche die Natur nicht darbot, in der Kunst zu suchen, und man verweilte nach langem Zögern und einigem Umhcrtaxfen bei der Bai von Cherburg, wo cs sich nun darum handelte, sic buch einen ungeheuren, ins Meer vorgesührten Damm sicher zu mache». Aus diese Art konnten wir an den Thoren des Feindes selbst ci»e künstliche Rhede bekommen, aus der unsre Schiffe zu jeder Zeit und bei jedem Winde auf ihn Jagd machen, oder ihm emsse- Yen konnten. „Es war dies, sagte der Kaiser, eine herrliche und nilM wnrdige Unternehmung, doch allerdings für die damalige Lage der Dinge und der Finanzen etwas stark. Man faßte den Vorsatz, dieftn Tamm anS ungchenern Kegeln, die man inwendig hohl im Hafen baute, sic dann bis an den Ort, wohin sie gehörte», brachte, und hier durch Steine, mit denen man sie anfüllte, m- ftnlrezu errichten, eine gewiß recht geschickte Art. LudwigLVI- beehrte diese Arbeiten selbst mit seiner Gegenwart. Er verließ Versailles, was eine große Begebenheit war. Zu jenen Zeile» ) Dies» Kc»tl halten 60 Fuf, Höhe udd 104 FuL im Durchmesser llp rer Baas, und üo an der Spitze, verließ ein König seinen Wohnsitz nie, seine Ausflüge beschränkte» sich «ms eine Jagdpartie. Man zog nicht herum wie heut z» Tage, und ich glaube, bemerkte der Kaiser, daß ich selbst nicht wenig dazu beigetragen habe, die Fürsten in Bewegung zu bringen. „Da nun aber einmal die Dinge stets den Stempel ihrer Zeit tragen müssen, so trat auch hier der unversöhnliche Streit, die ewige Eifersucht des festen Landes gegen das Meer ein. Man hätte sagen sollen, Frankreich habe in dieser Hinsicht zwei Könige gehabt, oder der regierende König zwei Interessen, und mithin zwei Willen, wodurch es darin am Ende dahin kam, daß er gar keinen hatte. Es handelte sich hier blos vom Meere, und doch sprach man sich für daS Festland aus, nicht aus Uibergewicht der Gründe des letztcrn, sondern wegen der Priorität seiner Rechte, «nd wo vom Schicksale eines Reichs die Frage war, erblickte man wahrscheinlich blos einen Gegenstand der Hierarchie, und damit ging dieser große Zweck, diese herrsche Unternehmung unter. Die Erde gewann an der Insel Pelse und dem Fort Querqueville Raum: sie war nur als Hülssmittel für den Damm herbei gerufen worden, weil dieser an sich die Hauptsache war, aber statt dessen fing die Erde a» sich festzusetzen und zwang damit den Damm sich nach ihr zu richten, und nach ihrem Zuge anzulegen und zu wenden. Was entstand daraus? daß der Zufluchtsort den man schuf, und der darauf berechnet scyn mußte die Masse unsrer Flotten aufzunehmen, galt es nun dem Feinde ans Herz zu greifen, oder wen» es der Zufall wollte, sich dahin zu flüchten, nur für höchstens eine Mandel Schiffe Raum hatte, da dies doch der Falt für mehr als hundert halte seyn sollen; dieses hätte man nun mir nicht viel mehr Mühe, noch Unkosten erreichen können, wenn man weiter ins Meer und nur über die angeschwcmmten Punkte hinaus, wo sich die Erde festgesetzt hatte, gerückt wäre. „Eine andre charakteristichc Albernheit, die man kaum glaube» kann, war die, daß alle dies» großen Maßregeln für die Rhede von Cherburg, zwar augefangen, aber auch wieder gehemmt wurden. Der Damm war angefangen, einer der Eingänge, der östliche, vollendet, man war im Begriff, den andern, den westlichen, zu beginnen, ohne sich jedoch eine genaue Kenntniß von allen Tiefen der Rhede verschafft zu haben, und so zeigte sichs denn bei der schon fertigen östlichen Einfahrt, welche b«o Loisen breit war, daß man sie zu nahe am Fort genommen hatte, und sie daher bei niedriger Ebbe nur mit vielen Schwierigkeiten Schiffe durchlaffe, so wie, daß die, welche man westlich bauen wollte, ganz unbrauchbar, oder wenigstens sehr gefahrvoll geworden fern würde, wen» der i persönliche Eifer eines bloßen Offiziers, Herrn von Chnvagn« ' nicht bei Zeiten diese wichtige Entdeckung gemacht, und es dM, gebracht hätte, daß das linke Ende des Damms 1200 Toisen vo», Fort Qnerqucoille, welche cs vertheidigte, angenommen werde» r wäre, welches doch, wie mir es scheint, in der That eine zu groxc ! Entfernung giebt „Uibrigens erlebte auch das System der Arbeiten am Damme ^ selbst, der mehr als eine Stunde 00m User entfernt, mehr als - 1900 Toisen lang und 90 breit ist, zahlreiche Veränderungen, t welche durch die gemachten Erfahrungen nothwcnlng wurden. Ae l Kegel, die sich, dem Grundsätze nach, in der Basis berühren seilten, wurden bald darauf durch Zufall oder aus Ersparniß Weiler von einander weg gestellt, der Sturm beschädigte sie, die Würmer zernagten sie, die Zeit brachte sie in Faulniß, man leisteie ? also ganz und gar daraus Verzicht, und begnügte sich damit, dies einzelne Steine hineinznsenken. Als man aber bemerkte, daß dre Kraft der Wellen diese bewegte, so nahm man seine ZusW zu großen FelSblocken welche nun endlich alles leisteten, man nur erwarten konnte. „Unter Ludwig XV'. wurden diese Arbeiten ohne Unterbrechung fortgesetzt. Unsre gesetzgebenden Versammlungen gewährte» Um» anfangs doppelte Thäligkeit, aber die große Unordnung, »wiche bald darauf eintrar, nöthigte dazu, sie ganz auszugebe», iö und zur Zeit des Eonsulats war für bas Auge keine Spur dieses t luruhmteu Dammes mehr übrig- Die lstvolitommenhcit vom Ln- L sauge an, dre Zeit, die Macht der Wellen hatten alles bis auf ei- » nige Fuß unterhalb des WafferstandS bei der Ebbe veschwinden k lasst». k „Desseuohngeachtc war es, fuhr der Kaiser fort, sobald ich den Angel der Geschäfte ergriffen harre, eine meiner ersten Sorgen, meine Blicke nach einein so wichtigen Punkte zu rickte». Ich ordnete Eoiumissioueii an, ich ließ darüber Erörterungen !» i. meiner Gegenwart anstellcn, machte mich selbst ganz mit dem i Lokale bikam-t und sprach es endlich aus, daß die Erhöhung deS ? Dammes auss schnellste und thatigste betrieben werden solle; des Lni I7ÜS, dai heißt 5 Jahre nach dem Dezi, III der Arbeiten, Md ! d-e Rk»ierii„a den Bekehr, die Rhede jN sondiren nnd den Booeni I befüud feg zu Nelle,I. Via dahin Halle man bioS »ach unbrgnnma» s und nnvErannuen Annahmen oearbeilek!! (Memoire des B«ro» Lächln, Ltueta! - Llnplkko:, der Brücken «ad Hecriirasien.) k . die beiden Enden mit der Zeit massive Befestigungswcrke erbalS c teil müßte!,, daß man aber schon im jetzigen Augenblicke Maas- « . regeln zu ergreifen habe, um im Mittelpunkte eine vorläufige, > jstoch bedeutende Batterie zu errichten. Nun drängten sich von > ' aller. Seiten Ksindernisse, Einwürfc, Privatrücksichen, Eigenliebe, e einzelne Ansichten n. fi w. Das könne dnrchans nicht gehen, behaupteten einige. Ich achtete dessen nicht, bestand darauf, wollte k cs, und cs geschah. In weniger als 2 Jahren sah man, wie ' durch Zauberei eine wahrhafte Insel entstehen, auf der sich eine - Bakterie mit grobem Geschütze zeigte. Bis zu diesen: Augenblicke ' batten die Engländer über unsere Arbeiten nur gelacht: sie hatten, ' wie sie selbst sagten, vom Anfänge an geglaubt, daß sic erfolglos ^ bleiben wurden, sie hatten ergründet, daß die Kegel zerstört ' werden, daß die kleinen Steine den Wellen nachgeben maß- ' ° len, und vor allem statten sie sich auf unsre Trägheit und llubc- ^ ' ständigkeit verlassen. Aber jetzt war cs ganz anders. Auch 1 ^ »lachten sie Miene, unS darin zu stören- Sie fingen eS aber zn ^ : spät an; ich war nun schon darauf gefaßt. Der östliche Eingang ' ; war dem Drange der Umstände nach, außerordentlich breit gebiie- ; den, und die beiden äußersten Befestigungen, von denen jede ih- ' ^ re» eignen Eingang vertheidigtc, gaben kein Kreuzfeuer mehr, und ' i so hätte ein kühner Feind den östlichen Eingang forcircn, selbst > ; innerhalb des Dammes vor Anker gehn, und so den Unfall bei ' i Abukir erneuern können. Aber mir meiner einstweiligen Mitteln ' k Batterie war dem schon vorgebeugt. Da ich jedoch stets für daS ° ^Bleibende bin, so befahl ich, innerhalb des Damms, in seinem ' - z!Centre, und als Stütze und Befestigung desselben, die dann > t; zugleich zur Uuifassuiig dienen konnte, ein ungeheures clli'pti- 2 , schcs Bollwerk zu errichten, das die mittlere Batterie beherrschte, l c, :ind selbst in zwei casamatirten und bombenfesten Stocknoerken 5c, - A Stücke groben Geschützes und 20 Mörser vom weitsten Wurfe, - Mführe, so wie die nöthige« Casernen, Pulvermagazine, Cistcrnen > n. si w. habe. > "2ch frone mich, dieses schöne Werk vollendet hiuterlassen zu ' F chabcn. > E „Nachdem ich so für meine Defensive gesorgt hatte, brauchte ^ ich mich nur, noch mit der Offensive zu beschäftigen, welche dar- > Hi» bestand, zu Cherbourg unsre ganze Seemacht zu vereinigen. ^ Nun konnte aber die Rhede nur ,5 Schiffe fassen. Uni mehrern , UNaum zu gewinnen, ließ ich einen neuen Hasen graben. 'Nie un- Ukeniahmen die Römer etwas größeres, schwierigeres, für längere Dauer Berechnetes- Er ward in den Kranit zu einer Tiefe vo, bo Fuß gesprengt. Die Eröffnung ward durch die Gegenwart von - Marie Louise gefeiert, während ich selbst ans den Schlachtfeldern Sachsens stand. Sv bekam ich für i5 Schiffe mehr Raum. De» > war aber noch nicht genug und ich dachte auch darauf, mich noch - weit mehr auszudehnen. Ich war entschlossen in Cherbourg die Wunder Egyptens zu erneuen. Schon hatte ich im Meere meine Pyramide errichtet, ich hätte auch meinen See Mbris gehabt. Mein großer Plan war der, zn Cherbourg alle unsre Kräfte W See zu vereinigen, und mit der Zeit wären sie im Nothfall un- ermessen gewesen, um gegen unser» Feind den Hauptschlag zn wagen. Ich richtete mein Terrain so ein, daß die beiden Natio- > rren sich so zu sagen einander ganz hätten in der Nähe fassen ko»- , nen, und dann wäre der Ausgang nicht zweifelhaft gewesen, dm wir hätten mehr als 4o Millionen Franzosen gegen Million!» ^ Engländer zu stellen gehabt. Ich hätte dann durch eine Schlacht i von Actium geendet. Und was wollte ich denn von England? r. Etwa seine Vernichtung? Nein, gewiß nicht, ich verlangte von ! ihm blos, es solle einer unerträglichen Anmaasung ein Ende m- h che», und uns unsre nie zu verjährenden und geheiligten Rechte die Unabhängigkeit, die Ehre unsrer Flaggen. Ich sprach im Na- ! men aller und für alle, und hätte das auch gutwillig oder durch l Gewalt erlangt. Die Macht, das Recht, der Wunsch der Ra- L tionen waren auf meiner Seite." ^ Ich habe Ursachen zu glauben, daß der Kaiser, der durch die ^ Verluste zur Sec, zu denen jene partiellen Anstrengungen gesübrt k hatten, yerdrüßlich, und nun durch eine traurige Erfahr»»-» klüger geworden war, ein neues System für den Seekrieg sich geschaffen hatte. Unmcrklich hatte nach und nach der Krieg zwischen England und Frankreich die Wendung genommen, daß er zu einem wahren . Kampfe aus Tod und Lebe» geworden. Alle Engländer wäre» > bis aufs äußerste gegen Napoleon aufgeregt. Seine Dekrete vo» Berlin und Mailand, sein Continentalsystem, und beleidigende Ac»- ßernngen hatten alle Gemüthcr jenseits des Canals erbittert, während die Minister durch ihre Libelle, ihre Lügen und alle crsin»- lichen Mittel, alle Leidenschaften mit ins Spiel gezogen harte», ^ um diesen Streit zu einer völligen Nationalsache zu maämi. j Auch hatte man im offnen Parlamente de» Krieg als immer- r während, oder wenigstens lebenslänglich erklärt. M - genießen lassen, die Befreiung, die Entfesselung — 7 Kaiser glaubte sciucii Pla» nach diesem Stande der Dinge modeln zu müssen, und entsagte von diesem Augenblicke a», eben so wohl aus Berechnung, als aus Rothwendigkeit, alten Kreuzereien, allen entfernten Operationen, allen ungewissen Versuchen. Er entschloß fick zur strengsten Defensive, bis die Angelegenheiten dcS Continenrs beendig! und seine Kräfte zur See so angewachsen wären, daß er später, aber um so sichrer losbrcchcn könne. Er bebielr also alle seine Schiffe in den Häsen und war nur dafür besorgt, unsre Marine-Hnlssmittel nach und nach zu vermehren, obnc sich weiter auszusetzcn. Alles war nur aus ein entfernt liegendes Resultat berechnet. Unsre Marine hatte große» Verlust an Schiffen erlitten, der größte Theil unsrer guten Matrosen befand sich gefangen i» England, und alle unsre Häsen wurden vv» englischen Flotten blokirr, weläw die Commiinikationeii sehr behinderten. Der Kaiser ordnete Kanäle in Bretagne an, mittelst deren man, dem Feinde zum Trotz, von Bordeanr, Nochesort, Nantes, Holland, Antwerpen und Cherbourg mit Brest communizircn und es mit jeder Art des Bedürfnisses versehen konnte. Es sollten in Fliessingen oder der Nahe desselben Bassins angelegt werden, um während des Wiiners die ganze ausgerüstete Flotte von Antwerpen dahin bringen, und sie in 24 Stunden wieder inS Meer segeln lassen zu können. Sie blieb jetzt 4 bis ü Monate des Jahrs über in der Schelde sestgehalre». Endlich prpjcktirte er in der Nähe von Boulogne oder an einem andern Punkte dieser Küste einen ähnlichen Damm, wie der zu Cherbourg und Brest, einen Ankerplatz, der für Jsle- r, Bois geeignet wäre, alles um die freie und volle Communi- kation unsrer größcrn Schiffe von Antwerpen bis Brest, zu jeder Jeit und ganz gefahrlos zu sichern. Was den Mangel an Matrosen und die großen Schwierigkeiten neue zu bilden betraf, so ward angeordnet, dom dadurch abzuhclfen, daß man jeden Lag und in allen unfern Häfen die jungen Conscribirten crerciren lasse. Erst sollte man sie an Bord kleiner, leichter Fahrzeuge bringen, ja eine Flotille dieser Art sollte in der Zuidersee manövrircn, dann sollten sie auf große Schiffe versetzt und sogleich durch andre wieder ersetzt werden. Den Schiffen selbst waren vorgeschriebe», alltäglich die Anker zu lichten, ihre Uibungen zn vermehren, zu segeln, so weit cs nur der Raum erlaube, selbst mit dem Feinde sich auf Kanonenschüsse cinzulasscn, wenn man nur versichert sei zu keinem ernstliche» Gefechte gezwungen zu werben, u. s. w. Nun galt cs bloS noch die Zahl und Beschaffenheit unsrer Schiffe. Trotz aller Verluste war die erstre doch noch beträchtlich. und der Kaiser rechnete darauf, jährlich -c, bis -5 bauen zu können. Die Ausrüstungen wären denn auch nach diesem NkuuS- stabc besorgt worden, und in 4 bis 6 Jahren hatte er aufoo» Linienschiffe, ja vielleicht in weniger als io Jahren auf o«o, wenn das nöthig gewesen wäre, rechnen können. Und was galt dieser Zeitraum gegen den imnierwährendcn oder doch lebenslänglichen Krieg, der uns geschworen war? Unterdessen würden die Angelegenheiten des Continents sich geordnet haben. Er wäre ganz in unser Sostem eingegangen, der Kaiser hätte den größten Lhcil seiner Truppen an die Knstcn beordert, uni dann in dieser Verfassung drauf rechnen können, den entscheidenden Streich zu fuhrt n Alle Hülfsqucllcn beider Nationen wären dann anfgebotc» worden, und wir hätten, wie er hoffte, entweder unsre Feinde durch moralische Kraft unterwerfen oder durch unsre materielle Stärke erdrücken können. Der Kaiser hatte für die Marine mehrere neue Pläne in, Sinne und wollte einen Theil seiner Taktik des Festlands auf sie übertragen. Er zog seine Defensiv - und Offensiv-Linie von Cap Finisterre bis an die Mündung der Elbe. Dann hätte er drei Floktenal'- thcilungcn mit drei Oberadmirälcn gehabt, so wie man Armcr- corps mit ihren Odcrgeneralen hatte. Die des Centrums hätte, ihr Hauptquartier zu Brest, die des rechten Flügels zu Antwerpen, die des linken, zu Brest gehabt. Zn Nochesort, Fervl, am Tepcl und den Elbmündungcn hätten, als den äußersten Flügel» kleinere Abtheilungen gestanden, um den Feind zu umgehen mid in die Flanken zu nehmen. Zahlreiche Zwischensiationen vereinten alle diese Punkte, und mittelst einer Tclegraphenlinic an der Kiisie hin wären die Obcrzcncrale so gut wie überall gegenwärtig gewest n und hätten das große Ganze in steter Verbindung gehalten. Welche Parthci würden aber die Engländer während unsrer Vorbereitungen und unsers fortschreitenden Anwachsens ergriffen haben? Hätten sie ferner unsre Häfen blokirt? Dann hätten wir das Vergnügen gehabt, zu sehn, wie sie ihre Kreuzer hätten verstärken müssen; wir würden sic haben >uo und Schiffe hcr- zubringcu scheu, die jeden Lag an unsre» Küsten den Zufälle» der Stürme, den Gefahren der Klippen, allem Uibel der Witterung ausgesctzt gewesen wären, und uns dagegen alle Hoffnung zu glücklichen Erfolgen dargebotcn hätten, wenn natürliche Ereignisse oder Fehler der Admirale irgend eine unerwartete Katastrophe her- 9 — beigeführt hätte», die in der Folge der Zeit unmöglich fehlen konnte. Welche Vorthcile hätten wir daraus ziehen können! wir, frisch und in guter Verfassung, die wir auf den Augenblick lauerten , immer bereit waren, unter Segel zu gehn und zu fechten! Wären die Engländer müde geworden? Nun, dann liefen so- > gleich unsre Schiffe aus, übten sich und bildeten ihre Mann- > sihaft. Waren nun unsre Bewaffnungen vollständig und der cntschci- : dcnde Augenblick nahe, so würden vielleicht die Engländer für ihre Insel gezittert, und sich vor ihren vorzüglichsten Arsenalen Plymouth, Portsmouth und der Themse gesammelt haben. Dann wären unsre drei Corps von Brest, Cherbourg und Antwerpen ihnen entacgengcsegelt und unsre Flügel hätten sie über Irland i »nd Schottland umgangen. Hätten sie im Vertrauen ans ihre Geschicklichkeit und Muth sich entschlossen, sich in Masse ugs entgegen zu stellen, dann kam alles auf eine entscheidende Schlacht an, zu welcher wir selbst Zeit, Ort und Jahreszeit wählen konnten, und das nannte der Kaiser seine Schlacht von Actium, in welcher, wenn wir geschlagen wurden, wir nur einen ertragbaren Verlust haben konnten, wenn wir aber siegten, cs um das D-'scnn des Feindes geschehen war. Und wir konnten nur siegen, sinste er, denn die beiden Nationen standen sich dann Mann für Mann einander gegenüber und wir waren 4» und einige Millio- s »cn gegen i 5 , Er kam immer wieder darauf zurück. Dies war eine seiner erhabnen Ideen, seiner riesenhaften Vorfälle, c Napoleon hat so viel Wunderbares vollbracht, daß seine Tha- - ten, wie seine Denkmäler durch ihre Zahl, ihre Verschiedenheit, ihre . Wichtigkeit einander gegenseitig schaden. So hätte ich denn gern das Ganze der Arbeiten, die er zu Cherbourg wirklich ansgeführt oder noch im Sinne gehabt hat, znsammengestellt. Ein Mann vom Metier selbst, und einer der ersten Zierden desselben, hat mir eine Uibersicht davon versprochen. Hält er Wort, so soll man sic im folgenden Thcile finden. Dienstags, am 16. Juli. Gegen 9 Uhr machte der Kaiser eine Spazierfahrt in der Calesche. Man Patte ein Schiff in Ansicht, das er lorgnirte. Er ließ den Doktor cinsteigen, den er auch im Betrachten des Schis- ' fes fand Als wir zurückgekoiumcn waren, frühstückten wir unter den Bäumen. Er unterhielt den Doktor lange mit dem Beuch - men des Gouverneurs, in Bezug ans uns, über dessen stete Beunruhigungen, u. s. w. Gegen r Ul'r fragte man den Kaiser, ob er den Gouverneur annehmen wolle. Er gab ihm eine fast zweistündige Audienz. Dabei war er, wie er sagte, alle fraglichen Gegenstände ganz ruhig durchgcgaugcn. Er hat ihm alle unsre Beschwerden wiederholt, jedes Unrecht, das er uns augethan, aufgcrülut, und, wie er sich ausdrückte, bald zu seiner Vernunft, bald zu seinem Verstände, bald zu seine!» Gefühle, bald zu seinem Herzen gesprochen. Er hat ihn dahüi gebracht, daß er Alles hätte wieder gut machen, alles von neuem wieder beginnen können, aber vcrgebeuj, versicherte er, denn dieser Mensch habe gar keine Fibern, um müsse nie etwas von ihm erwarten. Dieser Gouverneur hatte, wie der Kaiser sagte, versichert, daß, als er den Bedienten des H. v. Montholon arretrrt, rr nicht gewußt, daß ersterer in unfern Diensten sei, er hatte auch hinzugefügt, daß er den versiegelten Brief der Mdme. Berlmd nicht gelesen habe. Der Kaiser halte ihm bemerklich gemacht, dH sein Schreiben an den Grafen Vcrtrand ganz gegen unsre Sitte« und im Gegensätze mit allen unser» angenommenen Vornrthcilc» sei, daß wenn er, der Kaiser, noch als bloßer General und Privatmann einen solchen Brief von ihm, dem Gouverneur, bekm- men hätte, er sich mit ihm auf Tod und Leben würde geschlagen haben, daß man nicht ohne sich vor der ganzen gesitteten Weltj» beschimpfen, einen so gekannten und von ganz Europa so geaettc- ten Mann, wie den Groß - Marschall ans eine solche Art beleidige; daß >r seine Lage gegen uns ganz falsch bcnrthcilc; daß MS, was er hier thne, der Weltgeschichte angchöre, ja selbst diese lla- terrcdung schon in diesem Augenblicke. Durch sein Benehmen verletze er jeden Tag seine eigne Regierung, seine eigne Nativ« und dies könne ihm mit der Zeit thencr zn stehen kommen. Seine Regierung würde ihn am Ende ablengnen, und auf seinem Name« werde ein Flecken haften bleibe», der noch auf seine Kinder Überzehen müßte. „Soll ich Ihnen, halte der Kaiser gesagt, mittheileu, was wir von Ihnen denken? Wir glauben Sie zu allem fähizl aber zn allem! und so lange Sic Ihren .Haß behalte», werde« wir mrv unsre Gedanken nicht nehmen lassen. Ich warte noch einige Aeir, weil ich meiner Sache gern sicher bi», aber dann werde ich mich darüber beklagen, daß es nicht das härteste Verfahre« der Minister gegen mich war, mich nach St. Helena zu schicke«, sondern Ihnen das Eommandv über diese Insel zu geben. Lie sind für uns eine größre Plage als alles Elend dieses abscheuli- chen Felsens." Der Gouverneur antwortete aufdieses alles, daß er seinem Gouvernement Bericht erstatten wolle, daß er bei dem Kaiser doch wenigstens etwas lerne, bei uns aber sich nur ärgre, weil wir alles vergifteten. Was übrigens die Commissaire der verbündeten Mächte betraf, welche der Gouverneur dem Kaiser vorstellen wollte, so ivies der Kaiser diese in ihrer politischen Qualität von sich, sagte aber dem Gouverneur, daß er sie als Privatleute sehr gern annehmen würde, gar nichts gegen irgend einen von Ihnen, ja selbst uicht gegen den von Frankreich, Herrn von Monte henu habe, der ein sehr braver Mann sevn könne, zehn Jahre lang sein Unterthan, und da er einig»irt gewesen wäre, wahrscheinlich dem Kaiser die Wohlthat verdanke, daß er wieder nach Frankreich habe kommen dürfen. Uibrigens sei er ja Franzos und dies für ihn, den Kaiser, ein unauslöschlicher Anspruch, den keine Mcinungsansicht in seinen Angen zu vernichten im Stande sey, u. s. w- Endlich hatte der Kaiser in Betreff der neuen Bauten zu Longwood, deren Vorschlag der Hauptgrund des Besuchs des Gouverneurs gewesen, gcanwortet, daß er sie nicht begehre, daß er lieber so schlecht, wie bisher wohnen bleiben wolle, als ein sehr entferntes Bessere durch gewaltigen Lärmen und häusliche Räumereien zu erkaufen; daß die Einrichtungen von denen die Rede sey, Jahre zu ihrer Vollendung erfordern wurden, und daß vor dieser Zeit wir entweder das nicht mehr werth se»n würden, was wir kosteten, oder daß ihn die Vorsehung dann von uns bereits befreit hätte, u. s. w. Mittwoch, am Juli. Der Kaiser ließ mich gegen - Uhr rufen, er hatte sich angezogen und fuhr aus. Frau von Montholon war mit dabei. Cs war ihr erster Ausgang nach ihren Wochen. Die Unterhaltung betraf vorzüglich die Italienerinnen, ihren Charakter und ihre Schönheit. Der junge General, der Italien eroberte, erregte dort vom ersten Augenblicke an allgemeinen Enthusiasmus und weckte alle ehrgeizigen Leidenschaften. Der Kaiser fand ein Vergnügen daran, dies zu bemerken und laut zu sagen. Vorzüglich gab cs keine einzige Schöne, die nicht darnach gestrebt hätte, ihm zn gefallen und ihn zu rühren. Das war aber vergebens. Seine Seele war, sagte er, zu stark, u>n i„ die Schlinge zu gehn. Unter den Blume» sah er den Abgnu,d. Seine Lage war höchst zarr. Er hcscbligtc alte Generale, niirhi», bemerkte er, war die non ihm zu lösende Ausgabe ungeheuer. Ls sersüchtige Blicke heftete» sich an alle seine Bewegungen, cx mußte also im höchsten Grade vorsichtig sevu. Sein Gluck lag in seiner Weisheit. Er hatte sich eine Stunde lang vergessen linnen, und wie viele seiner Siege, sagte er, hingen, nicht von mH weniger ab! Mehrere Jahre nachher, als er schon in Mailand gcl>A worden war, zog die berühmte Sängerin Grassini seine Aufmerksamkeit auf sich. Die Umstände erlaubten geringere Stren-c. Er lies; sie zu sich bitten und nach dem ersten Augenblicke ciim schnellen Bekanntschaft, rief sic ihm ins Gedächtuiß zurück, d>,x sie gerade bei seinen ersten Thaten als General der italunistn, Anncc auch zuerst ausgetreten sey. Ich befand mich damals, stgle sie, im vollsten Glanze meiner Schönheit und meiner- Taluns. Nur von mir war in den Sonneiiiungsrauen die Rede- Ich versichere alle Augen, ich verlockte alle Herzen. Nur der junge General blieb kalt, und doch beschäftigte mich nur er. Welche Ev»- derbarkeit, welche B-zarrerie! Als ich mich geltend machen konnte, als ganz Italien zu meinen Fußen lag, versckm.chte ich cs lieldenmnthcg für einen einzigen Ihrer Blicke. Damals liefen Sie ihn nicht auf mir ruhn, und jetzt würdigen Sic mich dessen, wo ich nicht mehr der Blühe verlohne, wo ich Jlst'e'r nicht mehr wert',, bin!" Die berüchtigte Madame. V. war auch unter der M der Armidcn. Müde ihre Zeit zu verlieren, ließ sie sich zu Brr- thier bcrab, der von diesem Augenblicke an nur für sic lebte. Der Obergeneral gab Berthier eines Tags einen köstlichen Diamant von mehr als io«,«»» Franks. „Hier, sagte er, heben Sie rhu auf. Wir spielen oft hohes Spiel, im ärgsten Falle möge Ihne» dies ein Nothxfennig scyn? Kaum waren -4 Stunden vorüber, als Mdme. Bonaparte mit ihrem Manne von einem Diamame sprach, der zum Bewundern sey. Das war der Nothpfennig der schon ans Vcrthicrs Hand in das Haar der Madame. V. übergcgangen war. Diese hat auch nachher nicht anfgehbrt ihr Eommando über ihn in allen Lagen seines Lebens fortzusetzen. Der Kaiser, der nach und nach Berthier mit Reichthümern und Ehren überhäuft hatte, drang in ihn, sich zu verheirathen. Berthier widerstand stets. Madame. V.... könne, sagte er, allein ilm glücklich machen. Indessen war jedoch eine Herzogin von Daier» nach Paris gekommen, in der Hoffnung, sich durch den zwiser verheirathen zu lassen, und der Sohn der Madm- V— patte Bekanntschaft mit ihr gemacht. Madem. V_glaubte nun, wenn sie ihrem Liebhaber diese Frau gebe, für das Glück ihres Sohnes auf die beste Art zu sorgen- Sie bestimmte also Ber- thier diese Prinzessin von Baicrn zu heirathen. Es giebt aber keine» noch so klug ausgedachten Plan, durch welchen das Glück nicht einen Querstrich mache, bemerkte der Kaiser. Kaum war die Vermahlung zu Stande gekommen, als der Mann der Mdm. V-.-. starb und sie nun frei war- Das war nun sür sie und Bcrthiek eine wahre Verzweiflung. Sic waren untröstlich darüber. Verthier weinte dem Kaiser die Ohren voll, der ihn forrschickte. Wie unglücklich der arme Mann war! sagte er, nur noch etwas Ausdauer und Mdm- V.... hätte seine Fra» werden können! u. s. w. Donnerstag, am 18. Juli. Gegen 4 Uhr ließ mich der Kaiser rufen. Er war sehr schwach, ocun er hatte sich in einem sehr heißen Bade 8 Stunden vergessen, und mit dem Hahn des siedenden Wassers sich die rechte Hüfte verbrannt. Awei Bände hatte er im Bade gelesen. Nun ließ er sich rassircn, wollte aber nicht ausgehn. Um halb 8 Uhr ließ sich der Kaiser zwei Couverts in sein Cabinet bringen. Er war bös, daß man seine Papiere in Unordnung gebracht batte, um sich des Tisches zn bedienen- Er ließ sie wieder hinlcgcn und cs mußte ein andrer kleiner Tisch genommen werden. Wir plauderten lange. Cr brachte mich auf Gegenstände zurück, über die er oft mit mir spricht, und bei welchem ich suchen innsi mich nicht zu wiederholen, wie viele Reize sie auch übrigens für mich selbst haben mögen- Wir sprachen viel von unser» jungen Jahren, von uuserm Aufenthalte in der Militairschule. Darauf ging er wieder zn den Schulen über, die er in Sr. Cyr und St. Germain errichtet hatte. Endlich kam er auf die Emigration und das, was er unsre Jnkrnstirtcn nannte. Es war belebt worden, und nach einigen Anekdoten seine Person betreffend, welche ich ihm ans der Vorstadt St- Germain erzählte, recht heiter, und so wie die kleinsten Gegenstände, sobald er sie nur berührt, sich vergrößern, so sagte er: Ich sehe es nun wohl, daß ich mcine Ein, richrungcn mit Eurer Vorstadt St. Germain schlecht getroffen habe. Ich habe entweder zu viel, oder zu wenig gethan. Gerade genuz, um die entgegengesetzte Parti;ei unzufrieden zu mache», und nicht genug »m mich ganz an die andre anznschließen. Mit Ausnahme einiger darunter, die geldgeizlg sind, hatte die Menge sich mit Spiclwcrk und Wind zufrieden stellen lassen, womit ich sie auf: geblasen halte, ohne im Grunde unfern neuen Grundsätzen zu nahe zu treten. Ja, mein Lieber, ich habe zu viel und wichet nicht genug gethan, und doch hat mich dieser Gegenstand sehr de: schästigt. Unglücklicherweise stand ich in meinen Absichten allein, alles was, mich umgab, bestritt sie, statt ihnen Vorschub zu lest sten, und doch konnte man eigentlich in Eurer Hinsicht nur zmi Hauptparcheien ergreifen; entweder auszurotten, oder zu vcr- schmelzen- Die rrstere konnte mir nicht in den Sinn kommen die zweite war nicht leicht, aber ich hielt mich ihr für gewaassen, und i» der Lhat wäre ich auch, nirgend unterstützt, ja vielmehr überall behindert, dennoch damit zu Stande gekommen. Wäre ich gerieben, so war die Sache vollendet. Das wird dem, der das Mensch, liche Herz und den Anstand des geselligen Lebens kennt wunderbar Vorkommen. Ich glaube aber auch wirklich, daß man in der Geschichte nichts Gleiches findet, daß man kein so großes Resultat wird aufzeichnen können, das in so kurzer Zeit erreicht worden wäre. Ich hatte die volle Wichtigkeit desselben ermessen. Ich mupte um jeden Preis diese Verschmelzung vollenden, diese Vereinigung unauflöslich machen. Mit ihr waren wir dann unüberwindlich gewesen Das Gcgenthcil davon hat uns dahingegeben, und kann vielleicht das Unglück und die Ohnmacht des arme» Frankreichs noch lange fortdanern lassen. Ich wiederhole es nochmals, ich that zu viel oder zu wenig. Ich hätte alle Emigrirre nach ihrer Wiederkehr an mich anfchließcn sollen. Die Aristokratie würde mich bald angcbetet haben. Auch bedurfte ich einer solchen, sie ist nun einmal die einzige wahrhafte Stütze einer Monarchie, ihr Lenker, ihr Hebel, ihr Stützpunkt. Ohne sie ist der Staat ein Schiff sonder» Steuerruder, ein wahrer Luftballon. Nun aber beruht der Werth der Aristokratie, ihr Aauber, in ihrem Alter, in der Aeit, und dies waren die einzigen Dinge, die ich nicht selbst schaffen konnte. Aber es fehlte mir eine Mittelsperson. Hr. v. Breteuil hatte sich bei mir eingeschmeichelt und brachte mich dahin. Hr. v. L... im Gegeiltheil aber, der ohnstreitig dort nicht geliebt ward, suchte mich auf alle Weise davon abzuwenden. Eine vernünftige Demokratie beschränkt sich darauf, allein gleiche Freiheit des Begehrens und Erhaltens zu gewäh- i5 ttii. So wäre Seim der beste Weg der gewesen, die Trümmern der Aristokratie der den Formen «nd Absichten der Demokratie hcsizubebalten. Nor Allem nmsite man die alten in unsrer Geschichte lebenden Namen sammeln, dies ist das emsige Mittel, den neusten Einrichtungen sogleich das Ansehn alter zu geben. „Ich hatte darüber ganz eigne Ideen. Hatten mir Oestreich und Rußland Schwierigkeiten gemacht, so hätte ich eine Französin gebeirathet. Dann würde ich einen der ersten Namen der Monarchie gewählt haben. Dies war auch mein erster Gedanke, ineine wahre 'Neigung. Meine Minister konnten mich nur davon abbringen, indem sie sich aus die Politik berieten. Hätte ich Mont- moreney's, Nesie's, Eliffon's nm mich gehabt, so hätte ich ihre Tochter adoptier und an fremde Fürsten vermählt. Es wäre mein Stolz und mein Vergnügen gewesen, diese schonen französischen Stämme, wenn sie uns bereits ganz ergeben gewesen wären, oder sich uns noch so hingcgcben hätten, weiter zu verbreiten. Sie verstanden es nicht mich z» errarhen! Sie und die Meinigen ciblickren in mir blos Vvrnrtheile, wenn die Rede von den tiefsinnigsten Verkettungen war. Wie dem auch sey, die Emsigen habe» mehr in mir verloren, als sie selbst glauben! Sie sind ohne Geist, ohne Kenntnist des wahren Ruhms. Aus welcher unglückseligen Vorliebe haben sie es vorgezogen, sich in die Hände der Alliirten zu liefern, statt mir auf den Gipfel des Eimplon zu folgen, und dem übrigen Tbeile Enropa's von dort aus Ehrfurcht und Bewundrung zu gebieten? Die Thörichtcn! — llibrigens hatte ich bereits, fuhr er fort, in meiner Brieftasche, — denn cs fehlte mir nur an Zeit — einen Plan, der mich allen den Leute» da sehr genähert haben würde, und der doch im Grunde nur gerecht gewesen wäre. Jeder Abkömmling von einem alten Marschall oder Minister, u. s. w., sollte nämlich zu jeder Zeit die Fähigkeit besitzen, sich, wenn er die nöthige Dotation erweisen könnte, Herzog zn nennen. Eben so, jeder Sohn eines Generals, oder Gouverneurs einer Provinz, Graf und so weiter herunter. Das hätte die einen in die Höhe gehoben, die Hoffnungen der andern aufrecht erhalten, die Nacheifrung aller erweckt, und niemandes Stolz verletzt Große Seifenblasen, übrigens nach meiner Art und Weise und meinen Berechnungen ganz unschuldig. Veraltete und verdorbene Nationen beherrscht man nicht wie antike und tugendhafte Völker Heut zu Tage kommen auf einen, der dem gemeinen Besten alles aufopfern würde, tausende und 16 — Millionen, die nnr ihren eignen Vorthcil, ihre Genüsse, ihre Eitelkeit kennen. Es wäre also eine mal,»sinnige Handlung, ein Volk in einem Augenblicke und auf der Post wicdcrgebähren zu wollen. Darin muß das Genie des Werkmeisters bestellen, die Materialien, die er vor sich hak, anzuwenden zu wissen, und dies, mein Lieber, ist eins der Gebeimniffe der Wiedereinführung all« monarchischer Formen, der Wiederkehr der Titel, Ehrenkre!ze, Ordensbänder. Das Geheimniß des Gesetzgebers muß darin dc- sreben, selbst aus den Verkehrtheiten derer, die -r beberrichui will, Vorkhcil zu ziehen. Und bei alle dem hatten diese Spielereien gar nichts Uiblcs im Gefolge und waren nicht ohne Vor.heile. Uns dem Punkte der Eivillsation, ans welchem wir jetzt stehe», sind sic dazu geeignet, indem sie zugleich die Achtung fnr sich selbst gebieten, auch die Ehrfurcht der Menge herbeizusnhren. Sic können der Eitelkeit des Schwachen Geringe leisten, ohne stalle Geister auch nnr im Mindesten zu erbittern pi. s. w-„ Es war sehr spät und der Kaiser sagte, indem er mich verabschiedete: „Nun, mein Lieber, das war wieder ein angenehmer Abend." Bemerkung. Wie viele Unterhaltungen dieser Art sied mir nicht verloren gegangen, weil ich das, was ich darüber siüustiz riiederschrieb, nicht gleich weiter ausführte! Denn cs gab keim, worüber es auch gewesen wäre in der nicht hie und höchst merkwürdige Ausdrücke und Aüge geglänzt hätten. Beim Lesen meines Werks wird man sich vielleicht über das freuen, was me» noch findet, ich selbst aber fühle und denke nnr an das, was mir verloren gegangen ist. Wenn ich nachlässig einige Zeilen in mein Tagebuch eintrug, hakte ich den Kops noch ganz voll von dem Ganzen, das ich entschlossen war kurze Zeit nachher näher zu entwickeln, uud dann befand ich mich ja auch an der Quelle, die »m folgenden Tage wieder für mich fließen sollte. Jetzt haben Zeit, Sorgen, Schmerz alles verlöscht, und doch geht kein Tag vorüber wo mir nicht wieder zahlreiche Bruchstücke, Ideen, Phrasen, einzelne Worte wieder einfielen. Aber wo sollen sie ihren Platz finden? Wohin gehören Sic? Das wäre eine wahre Arbeit, und so leicht und angenehm sie auch scheine» möchte, so ist sie dech über meine Kräfte. Mein Anstand erlaubt sie mir nicht. Freitags, am -9. Juli. ^ In dieser Nacht ist Feuer in der Esse des Salons ausgekom- ^ mein Am Lage ward cs erst sichtbar. Zwei Stunden früher und miste Wohnung ging in Flammen ans. Der Kaiser ist spazieren gegangen. Es waren mehrere von uns bei ihm. Wir find zu Fuß im Park limhrrgegaugen. - Unterwegs verlor cr seine Schnhschnalle. Wir eilten sie wieder aufznsuchen. Der Schnellste war der Glücklichste. In den Tnüerien hatte der Kaiser das nicht gelitten, hier gab er sich mit z einer Art von Vergnügen dazu hin. Er ließ es geschehen und wir > mißten cS ihm Dank, daß er uns nicht um eine Handlung brachte, die uns in seinen Angen ehrte. Dies fuhrt zu der Bemerkung, daß ich noch nicht von unserm ge: l wohnlichen Benehmen in seiner Nähe gesprochen habe, und ich muß i dies um so mehr thnn, weil mir einige Londner Acitschriften darin i ziworgekommen sind, indem sie darüber in Europa tausend lächer- j liche Mütchen erzählt und bcthcuert haben, daß die kaiserliche j eriquertc in Lsiigwovd eben so streng beobachtet werde, als es mir x in dcn Luilericn der Fall batte sepn können. ! Der Kaiser war gegen uns der beste nnd väterlichste Freund t unter allen Menschen Wir waren ihm gegen über die aufmeik- l snnsrcn, chrstnchtsvollsten Hefmanner. Wir suchten stets seine ^ Wunsche zn errarhen, spürten seinen kleinsten Bedürfnissen nach, j kaum hatte er eine Hand gerührt, nlö wir auch alle schon in Be- s wcgnng waren. ° Keiner von uns trat in sein Zimmer, ohne dorthin gerufen ^ worden zu se»n, und hatte man ihm etwas wichtiges mitzntheilenz - so bat man um Antritt. Ging er mit einem von nnS allein spa- it ziere», so trat kein anderer hinzu, wenn er nicht verlangt wurde. A„stn,gs blieben wir stets in Gegenwart des Kaisers mit nnbe- ^ dclttem Haupte, was den Engländern sehr sonderbar verkam, weil » sic Höhen, Befehl erhalten halten, sich sogleich zn bedecken, sobald ! sic zu ihm träten. Dieser Kontrast erschien dem Kaiser als so lächerlich, daß er uns ein für allemal besah!, cs auch nicht anders als sic zu machen. Niemand, die beiden Damen ausgenommen, setzten sich eher bei ibm nieder, als bis er eS anbefohien hatte. Nie ward die Rede an ihn gerichtet, wenn er nicht dazu aufforden ke, odcr die Unterhaltung wenigstens in: Gange war, nnö stets und in allen Fällen lenkte er diese. So war denn die Etiguette d. E.sscs TNLkb. 7S. LScpn. S in Longwood, wie man siebt, blos die unsrer Erinnerungen und che- suhfi-. — Ruch der Rückkehr vom Spaziergänge hat der Kaiser den Master (Oberbovtsmann) des hlewcastle angenommen uud lange befragt. Der Brand im Laie» und daS Billard das man in den Lxci- sesaal gesetzt halte, nöibigte uns in, topographischen Eabinet za l speisen. Als das Diner beendigt war, mnßren wir lange Zeit ncch s hei Tische sitzen bleiben, weil lei» andres Zimmer da war, weh!» i wir uns halten versugcn kennen, llibrigens schien die Unterbai- ^ tnng dadurch zu gewinnen. Man fand sich einander naher, besser eingerichtet. Man sprach mehr und freier. Der Abend ging schlich - ler vorüber. f Sonnabends, am 20. Juli. Der Kaiser ließ mich am Morgen rnsen. Er las eben ci» englisches Werk über die Armentare, deren unermeßlichen Umfavz, > die unzählige Menge von Individuen, die allen Kirchspiele» zur i Last fallen, u. st w. Man zahlte darin nur nach Millionen Mar- - schen und hundert Millionen Geldes. Der Kaiser fürchtete falsch gelesen, oder unrecht versraiibca - zu haben. Das schien ihm, wie er sagte, gar nicht möglich, ssr l begriff nicht, durch welchen Fehler der Verwaltung sich in eiiim ? so reichen, industriösen und für Arbeitsuchende so gelegenen Ltaa- t te, wie England, so viele Arme finden könnten. Noch we»igkk ' begriff er, durch welches Wunder die Eigenthümcr, die ohnedies der e Last der furchtbaren ordentlichen und außerordentlichen Abgabcn - unterlägen, noch zur Erhaltung dieser Menge ihre Beiträge liefcra ! konnten. „Aber, sagte er, bei uns ist ja das nicht zum hundertsten, nicht zum tausendsten Theile der Fall! Sagten Sie mit f nicht, daß Eie ich einmal ausdrücklich in Betreff des Vettclwese»» s in die Departements habe reisen lassen. Nu» denn, wie viel s haben wir Arme? Was kosten sie? Wie viele Armenhäuser hatte s ich errichtet? Wie viele Menschen waren darin? Was für Maas- - regeln waren gegen die Bettler ergriffen?" z Ans diese Masse von Fragen konnte ich blos antworten, daß s seitdem viele Zeit verflossen sei, viele andre Gegenstände mich beschäftigt hätten und es mir also unmöglich falle, aus dem Gedacht- - nisse zu antworten. Doch besitze ich gerade den Bericht darüber unter den wenigen Papieren, die ich mit hieher gebracht, n»d das erstemal, das er mich rufen lasse, würde ich im Staude seyih i ihm darüber genügende Auskunft zu geben. „So holen Sie inik ihn gleich, erwledertc er. Die Dinge gedeihen nur dann, wenn ^ sie zur rechten Zeit benutzt werden, und dann werde ich ihn bald, s wie der Add-- de Prudt sehr witzig fügt, mit dem Dnumen s durchlesen haben, ob ich gleich in der That gegenwärtig es nicht H liebe, mich mit solchen Gegenständen zu beschästigen, weil sic mir rollig zu spät, (wie Senf nach dem Desert) Vorkommen." Nach zwei Minuten lag der Bericht vor ihm. „Nun dann, Me der Kaiser auch in sehr wenigen Minuten zu mir, so daß »ui» hätte glauben sollen, er habe ihn nicht einmal dnrchblätterc: nun denn, das gleicht doch auch in keiner Hinsicht England! Und doch lagen Fehler über Fehler in unsrer Organisation. Das hatte ich wohl vermuthet, und deshalb hatte ich Sie abgeschickt. Ihr ! Bericht würde meinen 'Ansichten vollkommen entsprochen haben. ; Sie greisen die Sache als ehrlicher Man» frisch und frei an, ohne i Furcht dem Minister zu inisisallen, indem Sie ihm die Besetzung l einer Menge Stellen entziehen wollten. ' „Es ist vieles Einzelne darin, das mir ungemein gefällt. Warum baden Sie nicht mit mir selbst darüber gesprochen? Sie' i wurden mir G.nüge geleistet,, ich würde Sic gehörig würdigen ge- > i, lernt haben. — Sire, dicsesmal wäre cs mir unmöglich gewesen, r s wir befanden »ns schon in der Unruhe und der Zerstücklung, welche > 1 die Folge unsrer Unglücksfälle war- — Sie machen in dieser i Stelle eine sehr richtige Bemerkung, diese Basis ist unbesireil- r bar, dasi es nämlich bei dem blühenden Zustande, in welchem sich l j der Staat durch mich befand, nirgends an Arbeit fehlen konnte. > Nur Trägheit und Laster konnten Bettelleute hervorbringcn. > ^ „Sie glauben auch, daß deren gänzliche Ausrottung möglich ' sei. Da sind Sie meiner Meinung. Ich war davon überzeugt. k „Ihr Gedanke, in jedem Departement sogleich ein einziges ' großes Gefängnis! zu errichten, das sowohl für die Ruhe des i Staats als auch für das Wohlbefinden der' darin Lebenden sich ! eigne, ihre Idee, für Jahrhunderte dadurch Denkmäler zu stiften, - wurde meine Aufmerksamkeit erreicht haben. Dies Ricsenuntcrnehr men, sein Nutzen, seine Wichtigkeit, die Dauer seiner Resultate, ? alles das war ganz in meiner Art. ° ; „Was Ihr Znsammcntrcten des ganzen Volks betrifft, mein ' s Lieber, so fürchte ich sehr, es möchte dies nur eine schöne philan- k s Ihropische Seifenblase des guten AbbL von Saint - Pierre sevn. > ! Bei alledem liegt viel Gutes in der ganzen Masse dieser Ideen, ' aber cs wäre eine ganz andre Kraft des Charakters, eine ganz andre Starke der Ausdauer dazu uöthig, als wir im Allgemeinen sie besitze», wenn es darauf ankvmnit, etwas Gutes durchzusetzen. N „Uibrigeus sehe und höre ich hier täglich Idee» von Ihnen, » die ich bei Ihnen gar nicht verniuthet hätte, di'" ''' --- ^ Sie sich mir nicht mit? Ich kennte doch nicht im hen! Wären Sic Minister gewesen, se wüid.ni diese Ideen, so ü chimärisch sie.iuir auch anfangs möchten geschienen haben, doch aus k gefaßt worden seyn, weit es nach meiner Meinung überhaupt keine D Ideale girbt, die nicht ans etwas Positivem beruhten, und weil I vst ein falscher Keim durch regelmäßige Behandlung, doch endlich « zu einem wahren Resultate fuhrt- Ich hatte Ihnen Commissionen » beigegeben, die ihre Projekte aus einander gesetzt hatten, Cie D würden diese dann durch Ihr Ansehn veriheidigt, und ich bei »i- « hcrer Kcuutuiß der Sache zuletzt aus eignem Urihcilc nud stein « Entscheidung darüber bestimmt haben. Sv pflegte ich zu handeln, k dies waren meine Absichten- Ich habe der Industrie einen Epom: I gegeben, ich habe sie durch ganz Europa krustig vorschrciten lasse», U gern hatte ick dasselbe auch bei allen Geistesfähigkeiteu getlm, k man ließ nne aber rricht Nt»ße dazu, ich mußte alles im Galep i zur Reife zu bringen st.chen, r nb unglr.etlrcherwcise streute ich nies t neu Samen nur auf Saud aus und legte ihn in unsruchttaie » Hände. k „WaS für andre Missionen habe ich Ihnen denn noch aufgetra- k gen? — Eie haben mich nach Holland und dann nach Illyricri s gesendet. — Haben Sie auch davon die Berichte »och? ,,A, j Sire — Holen Sie mir sic doch!" — Ich war aber noch nicht § au der Thüre, als er mir schon nachrief: „Nein, Nein, bleiten i sie da! Ersparen Sic mir lieber solche Lektüre! — Sie sind doch l eigentlich jetzt zwecklose — Was lag nicht alles in diesen Wer- l ten !! *). K In Bezug auf Illyrien begann dann der Kaiser wieder: „M » ich Illyrien eroberte, war es gar nicht meine Meinung es zu bt- », halten, nie ist es mir in die Gedanken gekommen, Oeswich 8 zu vernichten. Im Gegenthell war dieser Staat für meine Pllint « H Wie kurz auch wein Verichl über daS Bettelwesc» üi, wie nochwuu di,z er zum Bergaudmsse der Worte deS Kaisers auch scheine, und eb er Ale^cv nicht olnie 2v!kresse für diejeniqen ston möchie, die i>ch Mi! der olnlanihropift'un Sraatdösononne bcichafnaen, so habe ich ihn doch auö Rüeknchc auf die Mehrzahl meiner vster hier nicht iniksechein. nicht mein Fehler. Sie standen mir so »ade, warum thcilke» 1 wesentlich nothwendig. Aber Illpricn war in unsrrn Länden ein Vorposten im Lerzcn Ocstreichs, der dieses ini Zügel halten tonnte, eine Schildwache an de» Thoren Wiens, um dies zu gewinnen den geraden Weg zu gehen, »nd dann wollte ich auch unsre Ansichten, miste Staatssonn und miste Gesetze dort einfnhren und Wurzel schlagen lassen. Es war ein Schritt mehr zur Wiedergeburt Europa's. Ich hatte es mir als Pfand übernommen, und rechnete darauf es früher oder später beim Wiedcraufscehn Pohlens, das ich wider meinen Willen beschleunigte, gegen Gallizicn zu vertauschen. Wahrend dessen hatte ich mit Illpricn mehr als einen Plan vor. Demi ich änderte mich darin oft, wie ich denn überhaupt nur wenig stfibestehende Ideen hatte, weil ich nicht verstockt genug war, die Umstände beherrschen zu wollen, sondern ihnen selbst eher gehorchte, ini) diese mich also nethigten jeden Augenblick mich zu ändern. So faßre ich denn auch in der That mcistentheilS keine festen Cnt- ftftüsse, sondern gebar blos Projekte. Freilich war eS aber stets und besonders nach meiner Vermahlung meine herrschende Idee gewesen, in Hinsicht aus Oestreich, Illprien als Pfand zur Entschädigung für Gallizien anzusehen, so bald Polen um jeden Preis als ein selbstständiges, unabhängiges .Königreich begründet gewesen wäre, mvcbte auch dessen Ärone getragen haben, wer da wollte, Fwund oder Feind oder Alliirtcr, wenn nur jenes geschah, alles Uibrige galt mir gleich. Ja, mein Lieber, ich habe viele und weite Pläne gehabt, und wahrhaftig alle im Sinne der Cultnr und Beförderung des Wohlscnns des Menschengeschlechts. Man fürchtete nnch wie de» Blitz, mau schuldigte mich an, ich habe eine Hand von Eisen, aber wenn sie nur zum Ziele gelangt wäre, würde sich Ms und für Alle gemildert haben. Wie viele Millionen würden mich dann jetzt und künftig gesegnet haben! Aber cingcstehen muß man, daß am Ende meiner Laufbahn sich Unglück ans Unglück gegen mich häufte- Meine unglückliche Vermählung, die Trculosigk.iteii, welche deren Folge waren, der spanische .krebs, der immer fort fraß, dieser traurige Krieg mit Rußland, der mir aus Mißverstand über den Hals kam, die fürchterliche Strenge der Elemente, welcher meine ganze Armee znm Lpftr siel — und dann, das Universum gegen mich! — Isis da nicht ein Wunder, daß ich noch so lange Zeit Widerstand leisten konnte, und mehr als einmal doch im Begriff stand alles überstiegen zu haben, und mächtiger als je, aus diesem Ehaos hervorzutreten — o, Bestimmung der Menschen! — o, Weisheit! — o, menschliches Vorans- sehn! —" Dann kgm kr plötzlich wieder g»f meinen Bericht zu- rück und sagte: „Ich sehe, daß Sic durch eine Menge Departements gereist sind. Ihre Mission dauerte wohl lange? Befanden Sie sich angenehm auf dieser Reise? Zogen Sie auch Vor- tlicil davon? Haben Sie viel gesammelt? Urtheiltcn Sie gründlich über den Anstand des Landes, der Meinung der Unterrhauen? u. s. >v. „Jetzt crinnre ich mich, daß ich Sie ausdrücklich deshalb wählte, weil sie von Ihrer Mission nach Jllyrien zurück gekommen waren, und ich in Ihren Berichten Sachen gefunden hatte, die mir aufgefallen waren, denn cs ist merkwürdig, wie mir jetzt täglich Dinge wieder cinsallen, die mich damals auf Sie aufmerksam gemacht hatten, die ich aber durch einen besondern Unglücksstcrn am folgenden Morgen wieder vergessen hatte. Ich ließ mir für solche desondre vertrauensvolle Missionen stets das Dekret vorlegen mid den Namen unausgesüllt bleiben, den ich dann nach meiner eignen Wahl hineinsetzte. So werde ick auch den Ihren mit eigner Ha»d eingeschrieben haben," „Sire, antwortete ich, es gab vielleicht nie eine in jeder .Hinsicht angenehmere und befriedigendere Sendung. Ich trat sie mit dc» ersten Tagen des Frühlings an, und ging von Paris nach Toulon, und von Toulon nach Antwerpen längs der Küste hin, und mit steten Abstechern ins Jnnre des Landes. So machte ich über >5« Meilen- Unglücklicherweise war die Zeit sehr kurz. Der Minister hatte mir in seinen Instruktionen aufs strengste nur Z bis höchstens 4 Monate dazu angewiesen. Ick wurde schwerlich alle die Reize, Genüsse und Bcrtheile, welche mir diese Reise brachte, würdig genug beschreiben können. Ich war Mitglied Ihres Staatsraths, gehörte zu ihrem Hofstaate, ring Ihre Farben, überall erblickte man nur einen Ihrer rVIksri cko!„i„ici*) j,, „,jr, überall ward ich höchst zuvorkommend ausgenommen. Je mehr ich Vorsicht anwendete, je bescheidner und und einfacher ich mich betrag, indem ich selbst zu den höher» Angestellten ging, die ich doch meiner Stellung nach zu mir kommen lassen konnte, je mehr fand ich Zuvorkommenheit und Bereitwilligkeit. Auf einen, der etwa Mistranen zeigte, oder Neid und Eifersucht erblicken ließ — dem, ich habe seitdem und von diesen Personen selbst erfahren, daß meine 'Namen als Adlicher, Emigrant und Kammcrhcrr für Gewi,!- ») Hocbbetraiire Staatsbeamte ;n Zeiten Ser Carolin-er, wctche Sich in Sie Provinzen stnSeien. eben so viele Ursachen zur Mißgunst wäre» — auf einen, sage ich, der mich schief ausal', konnte ich eine Menge andrer rechnen, die nicht anstanderr, uder Gegenstände, über die sie zu befragen ich g„r nicht gewagt haben würde, mir von freien Stucken Aufschluß zu geben. Sie fänden ein Vergnügen darin, versicherten sie, sich mir ohne Rückhalt hinzugeben, weil der Posten, den ich bei dein Luser bekleidete, ihnen eine günstige Vermittlung darbiete und ich für !>e ein Beichtvater sei, dem sie sich anvcrtrancn könnten, um ihre geheimsten Ideen dem Allerhöchsten zu nbcrbnugen, u. s. w. Zc mehr ich sie versicherte, das; sie sich in der Lage, die ich behauptete und der Natur meiner Sendung sehr irrten, je mehr irindeu sie in der llibcrzengnng vom Gegcntheil bestärkt. Welcher Aufschluß über Menschen war dies für mich in so kurzer Zeit! Es gad remen unter diestn ebeui Beamten, der nicht über fast alle Gegenstände, Ansichten und Mittel andrer Meinung gewesen wäre, inid doch waren es alle auserlesene, geprüfte und fast durchaus verdienstvolle Männer. Auch die Privatleute hielten mich für ei- iicii Strahl der Vorsehung und wendeten sich öffentlich oder in.S Geheim au mich. Was erfuhr ich da nicht alles! Was für Anzeigen oder Mitrheiinugcn wurden mir gemacht! Wie viele Lo- taliiNödranche und subalterne Schlechtigkeiten gelangten da bis zu mir! „Noch ganz neu in den Geschäften und bis dahin fast ganz derLraarvoelwalnmg fremd, benutzte ich diese für meinen Unterricht einzige Gelegenheit- Ich ermangelte nicht bei jedem mich mit allen Gegenständen und Begebungen, die ihm zu Gebote standen, vertraut zu machen. Ich scheute mich nicht bei den erster» mich ganz als Neuling zu zeigen, um mit den letzter» voll Sachkenntnis mich bespreche» zu können. „Meine besondre Mission, Sire, hatte freilich eigentlich keinen andern Zweck gehabt, als die Untersuchung der Armenanstal- ken und Zuchthäuser, aber da ich daS Bednrsniß von Äenntniffen, wodurch ich dem Staatsrarhe nützlich werden konnte, vollkommen empfand und von meiner günstigen Lage gern Gebrauch machen wollte, fugte ich auf eigne Veraiitwortimg noch das Geschäft hinzu, die Gefängnisse, Hospitäler und alle Wohllhätigkeits - Anstalten m s. w. aufs genauste zu untersuchen, so wie in alle unsre fräsen mich zu begeben und alle unsre Flotten in Betracht zu ziehen. „Welch ei» köstliches Ganze gewährte mir daS Bild, welches dieser glückliche Zusammeusinp von limstäubeu vor meinem Augen -— 2-1- —- entfaltete! Uiberall die vollkommenste Ruhe und ein unbeschränktes Bcrtraue» auf die Regierung; alle Arm«?, alle Fähigieitc», alle Industriezweige i» Thätigkeir; dar Boden vom Ackerbau leuchtend, denn cs war die schönste Zeit des Jahres, die Straße» bewundernswcrth; fast überall öffentliche Arbeiten, der Canal re» Arles, die schöne Brücke von Bordeaux, die Anlage» in Rochc- fort, die Canäle von Nantes nach Brest, Rennes und Saint- Male; die Gründung von Napoleon-Bille, das der Schlüssel z» der ganzen bretagnischen .Halbinsel werde» rollte; die unvergleichlichen Arbeiten in Cherb.nig und Antwerpen, Schleusen, Dan« vom andre Verbesserungen in säst allen Städten am Canal: dies eine Scl^zc mir von dem was ich sab. „.-«ns der andern Seite die Häfen von Toulon, Mochcfort, Lorienr, Brest, Saint-Malo, Havre, Antwerpen, in denen eim ungewelmlicbe Lhätigkeit herrschte, unsre stiheden mit Schiffe» bedeckt, denn Anzahl mit jedem Tage wuchs, unsre Ansrnstunge» tm alkr Hindernisse im besten Fortgänge; un,re jungen Conscribirtr», die nun brave Matrosen wurden. Ich staunte, ich, der alkr Seemann, über alles, was ich an jedem Bord sah, so groß nuten die Fortschritte, welche die Kunst gemacht hatte, so weit ließen sie in jed-r Hinsicht und in allen, Dingen alles zurück, »>»S ich b-s dabi» getannt hatte. „Auf jeder Rhede stach jede Schiffsabtheilung täglich in §cc und verrichtete regelmäßig ihre Uibungen, wie die Garnison aus du Parade, und alles das geschah Angesichts und unter den Kanone» du Cng.ändcr, die darüber spotteten, ohne die Gefahr voraus zu sch», weiche sie bedrohte, denn niemals, zu keiner Zeit war. unsre Marine furchtbarer, die Zahl unsrer Schiffe größer gewesen. Wir zählten schon in Sec oder aus den Wersten, deren über n-c> »») vermehrten sie täglich. Die Ossiziere waren voll Äenntniß, Eiscr, Mnrh und Ungeduld. Che ich das nicht selbst gesehen hatte, hatte ich keine Ahnung davon, ja ich halte es nicht einmal geglaubt, wenn man es mir auch erzählt Härte. „-Was die Anstalten gegen das Vettclwesen, den eigentliche« Zweck meiner Sendung herraf, so waren ihre Absichten, Sire, falsch ansgefaßt, und der Zweck ganz verfehlt werden. Nicht um war in d.n meisten Departements das Vcttelwesen keineswegs aufgehoben, sondern damit noch nicht einmal der Anfang gemacht worden, indem die Herren Präfekten, anstatt aus den Armenhäusern einen Gegenstand der Furcht für die Bettler zu mache»/ darin nur eine Zuslncht für die N v lhleid ende n gesehen h»t- - r i ! -5 — ^ ten: statt also die Einspcrrnng als eine Straft anschn zu lassen, hatten sie den Wunsch darnach, al-S nach einem Anfluchtsorte er- ^ ? regt. Auch war das Loos der Eingesperrten so gut, daß der arbeik- s stmie sandmann umher sie allerdings beneiden mußte. So hatte man Frankreich mit solchen Anstalten überhäuft, die voll waren, und doch gab es noch eben so viele Bettler als vorher, die sich gewöhnlich ein Bergungen' daraus machten und dies Geschäft aus Vorliebe betrieben. Jedenfalls konnte ich mich aber doch davon überzeugen, daß die Ausrottung dieser Pest sehr leicht möglich sei, und dazu b> durfte eS nur des Anblicks einiger Departements, wo die Präfekten die Sache ans dem richtiger!! Gesichtspunkte an- r gcstln». Auch gab cS in der That welche, wo man gar keinen i Bettler mehr fand. „Eine Bemerkung ist dabei anfangs ausfallend, nämlich die, daß bei übrigens gleichen Verhältnissen, die Bettelei in armen und nnsinchtbaren Gegenden viel seltner ist, als in fruchtbaren und uiberflnß gewährenden Provinze», wie sie daun auch an de» Arten, w.> der Klerus reicher und mächtiger, am aller- fchwerstcn au-Szurotten ist. In den Niederlanden z. D. machten die Bettler sich eine Ehre auS ihrem Handwerke und rühmten sich, cs schon mehrere Generationen lang anSznuben. Das waren ei- gcnkhümliche Ansprüche für sie. Das Bettelwesen hatte dort seine Almen. — Darüber wuudre ich mich gar nicht, unterbrach mich der Kaiser, der Knoten dieser wichtigen Sacke liegt ganz allein in dem strengen Abscheidcii des Armen, welcher Achtung einfldßt, von dem Bettler, der unfern Unwillen erregen muß. Nun verwechseln aber religiöse Ansichten diese beiden Klaffen so sehr, daß sie ans dem Bektelwesen ein Verdienst, eine Art von Tugend zu machen scheinen, daß sic es herauslockcn, indem sie ihm himmlische Vergeltungen versprechen. Denn im Ganzen sind Bettler nichts mehr und nichts weniger als Mönche auf klcincrm Fuße, so, daß auf der Namcnslistc auch die Bettelmönchck genannt werden. Solche Ideen müssen Verirrung in den Begriffen und Unordnung in der bürgerlichen Gesellschaft Hervorbringen. Man hat eine Menge Heiliger canonisirt, deren großes Verdienst nur in der Bettelei bestand. Man scheint sic in den Himmel wegen einer Sache versetzt zn haben, die ihnen bei guter Polizei auf der Erde nur Züchtigung nnd Einspcrrnng würde zngezogen haben. Das hätte sie aber übrigens doch nicht daran verhindert, bei alledem denHimmel verdient zu haben. Aber, fahre:! Sie fort! — Eire, nicht ohne EemüthSbe- wegnng ging ich in das Einzelne der Wohlthätigteits-Anstalteo ein. Wenn ick so die ganze Sorgfalt, die Müliwaltnng, da; a heiße Mitleid so vieler edler Seelen betrachtete, bemerkte ich z„- s gleich, daß wir in nichts irgena einem Volke nachstnnden, daß ich ' nur weniger Prahlerei hinemlegten, weniger Kunst uns gelte,il, ' zu machen. Besonders fand sich in den mittäglichen Provinzen, vor allem in Languedoc, eine Fülle von Eifer und Wärmere« j Gefühls, wovon man sich kaum eine richtige Idee mache» kann, , Uibcrall waren Hospitäler und Hospize, zahlreich und im Ganzen im besten Anstande. Seit der Revolution waren die ansgestM» Linder nms zehnfache gestiegen; ich sprach cs sogleich aus, daß ^ dies die Folge der Sittenlosigkeit der Aett sei, aber mau machte i mir dagegen bemertuch, »nö fortgesetzte Beobachtung überzeugte - mich, baß man im Gegenthcile dies Resultat sehr trostreichen lin ? fachen beuneffen muffe. Sonst, sagte man, wurden dir Fnndlnige l so schlecht verpflegt, so nknl genährt, so gering gehalten, dap sie l alle eiend, krank und schwach bliebru; ans r>- starb.n 7 bis g nnih- t rcnd letzt Nahrung, Reinlichkeit, Sergsalt ,rder Art so gut iß, ; daß sasi alle am Leben bleiben und kräftig und stark stich. Le s haben sie sich also blos durch ihre eigne Erhaltung so vermehit. l Auch hat dazu die Varcimttion unendlich viel beigerragen. Mai, sorgt letzt so gut snr diese Lender, daß dadurch eri, eigner Mi»- s brauch sich eingeschlichcn hat. Es sangen jenr nämlich selbst irehl- . habende Mutter an ihre Linder auszufetze», und finden sich da»» bei der Anstatt cm, um miiölhäriger Weise ein Lind znm Etil- len zu sied zu nehmen. Sie greif.» dann »ach dein ihrigen, erhal- . ten aber nun eine kleine Vergütung Lasur. Dirs geichiehr dnich Verwandtsästift mit den Angestellten im Hanse ftlbsi, und csi thntö ein solcher um einen! Angehörigen einen kleinen Verdienst znzuwcndcn. Noch ein andrer eben so sonderbarer Misbrauch, auf welchen ich in Bretagne stieß, war dieser, daß man sich lange voc- lnr schon einschrciben ließ, um in ein Hospital anfgensimuen zu ^ werden. Ein inuges Paar ließ sich g eich hei seiner Verhenarhnng l c.i schreiben und hatte so cine Anwartschaft in einiger Arft ans H bestimmte Plätze. Es ward dies gleichsam zu einer Art von Mil- ? gift. — sftsus! Jesus! rief hier der Laiser aus, zuckte die pich- : sein und lachte: und dann macht nur immer Gesetze und Reg»!»- k live! — Was aber die Gefängnisse betraf, Sire, so fand ich in s ibnen fast allgemein ein Bild des Schaudcrnö und des wahren j Elends. Sie waren die Kehrseite des Wohlstands unsrer Depen- ! temcnts. Wahre angejieLte Kloaken, abscheuliche Winkel, die ich z »ft mtt der srößre» Schnelle nur -urchlausen mußte, oder die mich, ? — -7 r - trotz aller meiner Anstrengungen doch gänzlich zurückstießcn. Früher - i Halle ich in England gewisse Gefängnisse besucht und über die Art r l vonLnruS, welchen ich dort fand, lachen müsse». Aber hier war s ° es etwas ganz anders und ich ward im entgegengesetzten Sinne , , verletzt- CS giebt keine Fehltritte, ja man könnte wohl sagen, > j keine Verbreche», für die ein solcher Aufenthalt nicht schon Strafe - gciing wäre. Beim HinauStreten auS denselben bleibt der vollsten Gerechtigkeit gewiß wenig oder nichts mehr zu verbüße» übrig, und doch waren dies eben die Wohnungen der bloßen Verhafteten, dem, stir die Vernrthciiten, die wahren Strafbaren, die Hauxt- ' Verbrecher gab es noch tessndre Gefängnisse, die Zuchthäuser, in ° ^iirii sie vielleicht sich nur zu wohl befanden, denn noch einmal, f der tugendhafte Tagarbeitcr könnte Stoff darin finden, jene zu be- s neiden und eine für die Vorsehung, wie für die bürgerliche Gescll- : schüft gleich bcleidigende Vergleichung anzustellen. Und doch ließ ! ^ sich in diesen Zuchthäusern ein schreiendes Uibel sogleich entdecken, ! j/näralich die Vermischung, die stete Gemeinschaft aller Klassen von ß Lerbi ccher», von denen einige wegen geringerer Fehltritte nur ! ^ ciii Jahr dorr bleiben, während andre wegen ungeheurer Verbre- che» auf rl>, nu Jahre, ja auf Lebenszeit dort eingespcrrt waren, i Daraus mußte denn natürlich bald eine Art moralischen Gleichge- ! - ivichis entstehen, nicht aber durch Verbeßrung der Lasterhaften, - sondern durch Verschlimmerung der weniger Strafbaren. l „Auch siel eS mir in der Veudä-e und deren Umgebungen sehr l auf, daß ich dort zehnfach mehr Irre fand als in allen andern ^ Lhcilen des Reichs. Ferner hcimten die Anstalten gegen daS Bet- ^ telwestn und andre Versorgungsplätze Personen, die man als Vati gabouden eingespcrrt hatte, oder als solche, die es noch werden ^ konnten, weil sie keine Eltern hatten, ihre Abkunft nicht kann- ^ tc», und in ihrer Kindheit ausgenommen worden waren, ohne j daß man wußte, wem sie angchörten. Einige hatten Wunden an sich, r- vo» denen sie die Ursache gar nicht wußten, und die sie ohne Zweifel s schon in der Wiege erhalte» hatten. Man hatte die Zeit verstreichen lasse», diese Personneu zu bilden, welche nie eine Idee von ge- , sellizer Ordnung bekommen haben. Jetzt weiß man nun nicht mehr, ' was man mit ihnen anfangen soll- — Ach! rief hier der Kaiser > aus, das ist der Bürge! krieg und sein gräßliches Gefolge! Das - ß»b stinc llnvermeidilceeu Rcsiilta e, seine sichern Früchte! Wie einige Anführer auch darin Gläcc machen und sich aus der Sachs dann ziehen, wird die untre Volkskiaffe doch stets mit Füßen ge- i treten. Jedes Uioel rrißr diese!" — — „Weiter forschend send ich in diesen Anstalton euch eine M kleine Anzahl von Personen, die me» mir, mit Recht oder unrecht, Staatsgefangne, von der hohen, Mittlern und »ledern Pz- lizei Verhaftete neunte. „Ich hörte nlle diese Gefangnen »n, liest mir ihre Klage» vortragen, nahm ihre Bittschristen in Empfang, ohne jedoch enni- zu versprechen. Ich harre nicht das Recht dazu, und daun Wh ich auch, dast, indem ich hier blos ihr eignes Zeugnis! horte, ich keinen Strafbaren darunter finden wurde. Allerdings vetdicine aber, mir Ausnahme einiger anerkannter Bösewichker, die g-W Masse höchstens leichte polizeiliche Bestrafungen. „So fand ich in den Gefängissen von Rennes ein Kind vom- dis >1 Jahren unter ihnen, daS bereits in einem Alter von ciniz,» Monaten mit einer Gesellschaft von Ehanfseurs *) bahi» zu konimcn mar, die während der Zeit alle hingerichtet worden no- ren. So war das Kind, weil nichts seinetwegen entschieden mi- den, fortwährend dort geblieben. Man kann sich also seine sittliche Bildung leicht denken! Es hatte nie jemand anders als 2c:- drecher gest h», gekannt, gehört! Sie waren die einzige Mensch»!, von deren Dasey» eS ein Recht hatte, Bermuthungen zu hegen. „Zu Mont Saint - Michel zog eine Frau, deren Namen ich vergessen habe, meuie Ansmerksanueit besonders auf sich. Bei einer artigen Bildung, sanftem Lenster», bescheidnem Benehmen leer sie seit --e Jahren dort, indem sic damals einen sehr thälizm Antheil an den Unruhen in der Bendse genommen, stets ihre» Mann, einen Anführer eines Insnrgentcnbataillons begleitet mid selbst nach dessen Tode den Oberbefehl übernommen hatte. und Thtänen hatten sic gewelkt. Sie mußte mich, als sie »iii ihr Schnesal erzählte, für sehr hart halten, denn ich stellte n:ich so, um ibr die Rührung zu verbergen, welche sie in mir weäic. Ihre milden Sitten und übrigen Verdienste harren ihr eine All von Herrschaft über die rohen und entarteten Frauen, welche ft umgaben, erworben. Sie hatte sich der Psicge der Kranken u» Gefängnisse gewidmet, man hatte ihr die Krankenstuben anm- tranr und alles liebte sie. „Diese Frau etwa, einige Priester und 5 bis 4 vormaligst Spione der Chonans ausgenommen, bestand alles übrige nur auS ') Personen, welche in eine der feilhern Verschwörungen verwichen wer»- 2g dcr Hefe der Menschheit und zeigte nur ekelhaften »nd empörenden Schauder- „So sah ich einen Mann, der ib,ooc> Livres jährlicher Einkünfte besäst, und der offenbar nur durch die Intrignen seiner Fnni, nach Art der vormaligen Verhaftvbefehie, eingesperrc Mrdm war, öffentliche Mädchen, die, wie sie mir sagten, nicht zur Strafe wegen der Nachgiebigkeit für alle, sondern aus Rache wegen geringer Gefälligkeit gegen einen Einzelnen im Verwahrsam saßen. Logen sie nun oder nicht, so sollte man sie doch nicht mit dem Titel von Staarsgesangncn beehren, irden Tag 2 Franks an jede wenden, und die Regierung dadurch verhaßter und lächerlicher machen. In einer niederländischen Stadt endlich fand ich eine» Unglücklichen darunter, der eins der Rosenmäbchen geheiratet batte, welche die Municipaiieäten bei feierlichen Gelegenheiten ausstattcn. Er war, wie inan sagte, wegen eines Diebstahls enigcfxcrrt worden, den er an der Mitgift begangen, weil er sie zu erwerben vernachlässigt hatte- Man bestand daraus, daß er diese ungeheure Schuld bezahlen muffe, und er dagegen, dies nicht lhnn zu wollen. Vielleicht verlangte man auch Unmögliches von ihm, u. st w. „Sv bald ich nach Paris znrnckgekommen war, suchte ich Herrn Mal, den Polizcipräsekt der AbtheUnng, durch die ich gereist war, ans Ich machte mir eine Pflicht daraus, sagte ich zu ihm, das was ich gesammelt, ihm vfsiziell mitzniheilen. Ich muß ihm die Gerechtigkeit wiederfahrcn lassen, daß er, entweder weil er nichts weniger als des war, oder weil mein Vertrauen ihn rührte, oder vielleicht auch, Sire, weil der stets wirksame Aanber Ihrer Farben ihn durchzuckte, mir dafür dankte, und die Bemerkung hinzlisugre, wie ich ihm einen wähle» Dienst damit erzeige, saiiilut der Auflcherung, daß er auf der Stelle alles mildern lind ausgleichen werde- DieS waren seine Ausdrucke. Ais er mir aber einige Tage darauf in einer Gesellschaft wieder begegnete, sagte er mir mit anscheinendem Kummer — Ei, da ist etwas passtet, was ihrer Amazone sehr »achtheilig wilden kann. (Es war der Vorfall mit dem nnglackuchen Unternehmen des General Mallct). Was ich noch vor einigen Tagen hätte glauben könne» ans eigne Gefahr thlin zu dürfen, darf ich mir jetzt ohne allerhöchste Entscheidung nicht erlauben. — Und so weiß ich. weiter nicht, was daraus geworden ist." Der Kaiser verweilte einige Zeit bei den Misbranchen, von denen ich gesprochen hatte, daun schloß er damit: „Um richtig So sich zu benehmen, mein Lieber, müßte man vor allen Dingen wisse» - ob inan Ihnen auch die Wahrheit gesagt habe, mußte man diejenigen abhöre», 'reiche beschuldigt worben waren. Und dri-.o la,„, man nun einmal nicht anders als offen bekennen, daß Misbnnuhe nun einmal den menschlichen Gesellschaften überhaupt auh.ir.g-,, Bemerken Sie einmal, wie alles das, worüber Sie sich beklag-«, gerade von denen selbst begangen ward, die den ausdrücklich.'» Auftrag haben, es zu hindern. Da thu» Sie einmal er.-ast», gegen, wenn Sic nicht überall selbst alles sehen tonnen? cs ist alS ob ein Gewebe über solche» »ie)>igen Orten läge, d»z die untergeordnete Menge einhnllt. Eine e.aasche muß reiß-», ein Ausall gl.ich Ihnen muß eiutreien, damit etwas in den Hs- . Hern Regionen v-rlaute. -Auch war es einer in.incr Lraunik, wenn unsre großen Kriegscreignisse Vollender und verbüßt wäre,,, i und ich ruhig und mit frischem Athen, wieder in mein Reich gekommen, daß ei» halbes Dunend oder ein Duhend achter, guter Phi- ilaniropen ausgesucht werden sollte», brave heule, die nur sm - das Gute leben, nur dazu da sind, um dies auszuüb.'n. Dich hatte ich dann im Reiche ausgesär, sie hatten es ins.Gchci,,, durchreisen und mir Bericht abftatrcn muffen. Sie waren die Spione der Tugend gewesen! Direkt an mich wurden sie sich gewendet haben, wären meine Beichtvater, meine geistige, Rathgcbcr geworden, und meine Beschlüsse mit innen wären nici- '' ne verborgnen und guten Werke gewesen. Sobald ich ganz ;,,r l Ruhe gekommen, hätte meine Hauptbeschäftigung darin bestände,,, ^ mich auf dem Gipse! meiner Macht von Grund aus damit zu tt- s schuftigen, den Anstand der ganzen bürgerlichen Gesellschaft zu j verbessern. Ich hätte mich bis zu individuellen Genüssen heratgc- lassen, uudwenn nicht schon mein Naturell mich dazu bestimmt hätte, st l würde cs eine richtige Berechnung gcthan haben. Denn was blich l mir denn nach so vielem crworbnen Ruhme sur ein andres Mittel - übrig, einen neuen zu gewinnen ? Und eben, weil ich recht gut wußte, i daß dieser Ameisenhaufen von Misbrauchcn wirtlich vorhanden, war, s weil ich die subalternen und zwischen ein sich drängende» Lyra,:- s ucien ganz anfheben oder doch erschweren wollte, hatte ich wir l für die Aeit unsrer Erisis meine Organisation der SraatSgesäug- uiffe ausgedacht. — Ja, Sire, aber sie machte in unsern Salons i gar kein Glück, uud trug viel dazu bei, Sic weniger vosts- thümlich zu machen. Wir schrien von allen Seiten über neue Bastillen, Überdas Wiederaufleben der Verhaftsbefehle. — Das weiß ich sehr wohl, erwiedcrte der Kaiser, das hallte in ganz — .'l, — i, tzuropa wieder, mid machte mich verhaßt- Da sehen Sie daraus, ? wie groß die Gewalt der Worte ist, wenn sie besonders von Hinterlist vergiftet werden. Alles kam hauptsächlich von dem Ungeschicke im Titel meines Dekrets her, der mir auö Zerstreuung oder sonst einer Ursache entschlüpfte, denn im Grunde behaupte , ich doch, daß dies Gesetz eine große Wohlthat war, nno Frank- i ; reich die voll,räudigste und mehr a!6 in irgend einem Staate von - ! Europa gesichertste persönliche Freiheit wiedergab. , s „Bei den Eriftn, aus denen wir kamen, fuhr er fort, bei ! / den Factionen die unö zerspalten halten, bei den Verschwörungen , s die man angesponncn hatte, und noch auspann, waren Cinkerke- ^ r iiuigen unerläßlich, und eigentlich mir Wohlthat, denn sic vcrtra- > teil die Stelle de» SchaffotS. dtnn wollte ich aber diese Eiusper- rangen gesetzlich machen, wollte lie der Laune, der BiZiilrühr, dem .pass., der Rache entziehen. Nach memem besetze konnre nun uie- iiumd verhaftet und als Staarogesanguer behände!! werden, ohne die Entscheidung meines GcheimrurarhS. Dieser bestand ans >b Personen, den ersten, unabhängigsten, ausgezeichnet,reu Männern deS Staats. Wie tonnte eine kleinliche Leidenschaft cS wagen, sie in einem solchen Tribunale bloS zu geben t Harte ich mich nicht selbst ans diese Art aller Macht einer launenhaften n Festnehmung hcranbr? Niemand konnle langer als em Jahr, chne I; cineute Entscheidung des GeheiinenralhS einge; rlerr werden. It Piee Stimmen bei >6 reichren bi», um seine Besrerung zu bewirft ken. Zwei StaatSrälhe mußten diese Gefangnen anhoren und walk ,c„ daher schon dadurch ihre eifrigsten Venhcidigrr im Geheimen- ft rathe. UiberdicS kam diesen Gefangnen auch noch die (Immission !; für die individuelle Freiheit im Senat zu statten, worüber das Publikum nur um deswillen lachte, weil diese weder ihre Vemü- 8 Hungen, noch deren Erfolge anspssannte. Aber sie rbat dennoch grc- 8 ße Dienste; denn man mußte die Mensche» wenig kennen, wenn ft man glauben sollte, daß die Senatoren, die nichts von den Mini- i stern zu erwarten hatten, und mit ihnen sich um den Rang stritten, ! nicht von ihren Vorrechten Gebrauch gemacht hätten, um diese in i Unannehmlichkeiten zn bringen, oder wenn sich ein schreiender ft Grund vorfand, ihnen mir gegenüber gerade zu das Visier abzu- l reisen- Uiberdies hatte ich de» Tribunalen die Oberanf.scht über i die Gefangnen und die Polizei der Gefängnisse anvcrtrant, und ' dies hemmte im Augenblicke jede Willknhrlichkeit der andern StaatS- , bchördc» und ihrer zahlreichen Unterbeamten. Und so trage ich - «ach solchen Vorkehrungen kein Bedenken zu behaupten, daß durch Unrerzeichmmg dieses Dekrets die bürgerliche Freiheit in Frans- reich so viel nur immer möglich gesichert waid. Man vrrkannke diese Wahrheit, oder stellte sich als ob man sie verkeime, de,,» wir Franzosen müssen nuii einmal über alles und zu allen Zeile!, ein wenig mmren. „DaS Wahre davon ist dies, daß nach meinem Sturze >H in den Gefängnissen nur -L» Personen befanden, und daß ich, aiö ich znm Eonsnlate gelangte - o-o vorgesnude» harte- U« durchlaufe nun die Liste der Individuen, die man dorr hat s,M, muffen, suche die Ursachen und Lewrgg m.de zu deren Verhau,q auf, und man wird sehen, daß säst kein einziger darunter ist, l», nickt den Ted verdiente, und ihn nach Urtheii und checkt zngchm chen erhalten hatte, für welche also die Einsprrruug meinerseits m eine Woklthat war. Warum schreibt man jetzt noch nb.r dic>c>, Gegenstand nichts gegen mich? Wo sind denn die großen M> schwerden, die man mir vorwirst? Ls findet sich nirgends etwas. Haben seitdem einige Gefangne sich vor dem Könige der Lstdc» gerühmt, die sie wegen ihrer Bestrebung, n zu seinen Gunsten a,,s- znstehen gehabt hatten, so sprechen sie ja eben dadurch ihr Uttheil und meine Rechtfertigung ans. Denn was heut zu Lage in dm Augen d-'s Königs eine Tugend scyn kann, war unbestreitbar damals »nur mir ein Verbreche», und mir, we.l ich nicht gen wegen politischer Vergehungen Blut vergießen wollte, und solche Prozesse nur die innre Bewegung »nd die Ungewißheit im Lchoe- se des Vaterlandes genährt halten, verwandelte ich jene Ltnise in bloße Verlmsrnng- „Jch wiederhole es, die Franzosen waren zu nreiner Zeit das freiste Volt in ganz Europa, ohne selbst die Engländer a, üMch men. Denn wenn wegen einer Erisis einmal in England dic IILVL.1S Eoijius - Akte aufgehoben wird, so kann jeder M.-Hh na») dem bloßen Willen der Minister ins Gefängnis- geworfin werden, ohne daß sie die Ursachen dazu zu rechiferrigcn deren» Grund aiizugeben brauchen- Mein Gesetz war ganz anders beschräml. Und wenn dann, so endigte er, auch trotz meiner guttir LbD ten, trotz meiner Bemühungen neck alles dar-, wes Lre erM haben vud vhnstreitig noch vieles andre starr finden konnte, s» kommt dies daher, weil cs nichl so leicht ist als man denkt, etwas Gutes einznführen. Sehr beüicrkenswclih ist es, daß alle Lander, welche man von nnü abgetrennt halte, sich nach den Gesetzen, unter denen sie bei mir standen, wied.r zurück srh-'-ie». Dies eine Huldigung für deren Vorzüglichkeit- Dan einzige imd ! ' > ä — SZ — i d ächte Mittel mich über das Uible, welches l» ihnen liegt, zu tadeln, wäre dies, wenn man mir irgendwo etwas Besseres zeigen könnte! Nene Zeiten kommen, nun, wir wollen sehn, n- s. w. Gegen b Uhr sagte mir der Grosmarschall, welcher vom Kaiser lam, das dieser mied verlange. Er war den ganzen Tag über M't ausgegangen. Ich fand ihn im Betrachten des neuen Billards. Er hatte gcsürchtet, cs möchte zu feucht senn, um auSznge- hen. Wir spielten einige Parthien Schack, bis wir zur Tafel gingen. Abends las er unS A treu 6 und Th ne fr es von Cre- billon vor. Dieses Trauerspiel schien uns gräßlich, wir fanden es ekelerregend und keinesweges tragisch. Der Kaiser konnte cs nicht biS zu Ende bringen. Sonntags, am 21. Jul:. Gegen S Uhr verlangte der Kaiser seine Calcsche, ließ mich rufen und ging mit mir bis ans Ende des Gehölzes, wohin er die Calesche bestellt hatte. Ich hatte Einiges mltzutheilen, was ihn persönlich anging. — — — — — — Während unsrer Spazierfahrt bemerkten wir zwei ankommende Wrzcuge. Bei der Tafel war der Kaiser sehr sprcchluftig. Er hatte an seinem cguptischen Feldzüge gearbeitet, den er einige Zeit hatte liegen lassen, und von dem er sagte, dass er so interessant werden müßte, wie eine Episode in einem Romane. Uibcr Saint Jean- d'Acre erzählte er- „Es war bei alledem sehr kühn, sich so mitten nach Syrien mit nichc mehr als 12,000 Mann hinznstellen! Ich war, fuhr er fort, bou Stunden von Desair entfernt, der die andre äußerste Spiee meiner Armee ausmachte. Sidney Smith hat gesagt, ich habe vor Saint - Jean - d'Acre c»,ooo Mann verloren, und ich harte doch nur 12,0»> Mann. Ein kleiner M... , der rbcn, wie cs scheint, der Universität entschlüpft ist, von dem, vaS er verschreit, nichts versteht, nur ein paar Redensarten zu, sinnmen zu leimen weiß, und ohnstreitig Geld gewinnen will, übrigens aber ein Bruder von jemand ist, den ich reich gemacht habe und der zu meinem Staatsrathe gehörte, hät eben über diesen Gegenstand etwas heransgcgebcn, daS mit heut vor die Augen gekommen ist, und mich wegen der Albernheit und der boshaften Schwärze, die cs über den Ruhm und die Thatcn dieser Armee verbrechen will, geärgert hgt. 2. Casej Lage), 70 Bdchn, H Z4 ! „Wär' ich Herr zur See gewesen, war' ich auch der dcsOricnt« geworden, und die Sache war so gut möglich, daß es nur M der Dummheit oder dem schlechten Benebin en einiger Seeleute l»z. „Bolney, der Aegvpren vor der Revolution bereiste, halt»Pr schrieben, daß man dieses Land ohne einen dreifachen Krieg, näoch Uch den gegen England, den Gros - Sulcan und die Eimvoh« nicht unterwerfen könne. Der lettre vorzüglich schien ihm sch,W und schiedlich. 2» Hinsicht dieses Hai er sich gänzlich betröge,,, denn wir erfuhren nichts davon. Wir gelangten sogar in kiiW Zeit dahin, »ns die Einwohner zu Freunden uno gemeinschaftlich^ Sache mit ihnen zu machen. „Eine Handvell Franzosen hätte also hingeicicht dieses sihfti Land zu erobern, das man nie wieder batte verlieren sollen! As haben wirklich in Krieg und Politik Wunder geihau! Unsre §aift hatte mit den Krcuzzügen nichts gemein. Diese waren zahllos „rch vom Fanatismus erregt; meine Armee im Grgencbeil war sch klein, und die Soldaten so wenig für ihr Unternehmen begeisml, daß sie sich anfangs oft versucht suhlten, ibre Fubnen zu »elMi -und wieder nach Hanse zu segeln. Doch war ich endlich üabu, p kommen, sie mit dem Laude auszusöhncn, wo es an alle» Di»M Uiberfluß und eine solche Wohlfeilbett gab, daß ich einen ÄrW- blick Lust hatte, sie auf halben Sold zu sehen, um ibncn die aickr Hälfte für künftige Fälle auszubehen. Ich hatte eine solche Herrsch«'! über sie gewonnen, daß es blos eines Tagsbcschls bedurft här.e, m sie zu Mu elmännern zu machen- Sie hatten nur darüber gclsäk, die Einwohner wären zufrieden gestellt gewesen und selbst die Elch stcn des Oticnrs hätten ibre Sache für gewonnen gehalten, ms -Leifall gegeben, und die Uiberzeugnng gehabt, oaß wir für ft und uns nicut zweckmäßiger hatten handeln tonnen. „Di" Engländer entsetzten sich, als sie uns Egnpten in N- sitz nehmen sabt». Wir zeigten dadurch Europa das n ähre Ml- tcl ibncn Indien abnmngen. Noch sind sie nicht ganz sicher Mk- drr, und sie haben Recht. Wenn ->o bis bo europäische Familini sich für immer mit ihrer Industrie, ihren Gesetzen und ihrer Äu Wallung tu Egpptcn ansiedeln, so ist Indien sogl.R, sar Eiiglauk mehr durch die Gewalt der Umstände alö die der Waffe» vtt< koren. Im Fortgange des Abends erinnerte der Gros - Marschall d» Kaiser an eine von dessen Unterhaltungen mit dem Mathe, Monge, zu Entaki--, mitten in der Wüste. „Was Lenken Sr M, alle dem, Burger Monge? hatte Napoleon gesagt. — Je m»i< > 35 Bürger General, hatte dieser geantwortet, ich henke, daß wen» man je'»!-!-., hier so viel Wagen sähe, wie bei der Oper, gar starke llinisälzrmgen unsrer Erdkugel sich ereignet haben müßten." — Irr- Kaiser lachte sehr, als er daran dachte. Er hatte aber doch i» der Lhak, wie er versicherte, einen Wagen mit 6 Pferden in diesen Gegenden bei .'.h. Jedenfalls war Lies der erste, der auf diese Ärt durch die Wüste gekomn.cn war. Auch staunten die Araber gewaltig darüber. Der Kaiser sagte, daß die Wüste stets einen besonder» Reij für ihn gehabt habe. Er hatte sie nie ohne eine gewisse innre Bewegung durchkreuzt. Sie war für ihn, wie er bemerkte, das Bäd des Unermeßlichen, zeigte keine Gränzen, hatte weder An- sinig »och Ende, war ein Ozean von festem Lande- Dieses Schauspiel schmeichelte seiner Phantasie, und er fand Vergnügen daran, mis zu erklären, daß Napoleon Löwe der Wüste heiße. Der Kaiser sagte auch, daß, aiS man ihn in Syrien gewußt, man zu Kairo üb.rzeugt gewesen sei, man werde ihn nie wieder sch», und erzählte dabei den Diebstahl und die Äeckh it eines kleinen Chinesen, der in seinen Diensten gewesen „Es war cm kleiner misgestaltrter Awcrg, der Josephmcn einmal in Paris in die Äugen gestochen hatte. Er w.r der einzige Chinese in Frankreich gewesen, und folglich hatte sie ihn hinter sich auf ihren Wage» habe» muffen. Sie rührte ihn mit sich in Italien herum, da er sie aber bestahl, so wußte sic nicht mehr, was sie mit ihm an- Öligen solle. Um sie davon z» befreien, nahm ich ihn mit mir zur ägyptischen Erpediti.n. Ihn nach Egypten schaff.», hieß ihn mindestens auf den halben Weg zu seiner Heünath bringen. Bei alle dem hatte bas k.eine klug.Heuer i» Cistro tue Oberaufsicht über meinen Keller, und kaum wußte er m.ch in der Wüste, als er um de» schlechtste» Preis -o»e> Flaschen köstlichen Bordeauxwein verkaufte, nur um sich Geld zu verschaffe», überzeugt, baß ich nie wiederkommen würde. Als aber dennoch meine Rückkehr bekannt ward, kam er nicht in die geringste Verlegenheit, sondern eilte mir entgegen, und entdeckte mir, als treuer Diener wie er sagte, die V isplittenilig meines Weins, die er auf pc- derma»» schob, den er nur Lust hatte dessen anzuschuldigen. Dieses Schelmenstuckchen war aber so wenig Liuchzufuhren, daß er fast aus der Steile selbst als Thater entdeckt ward Man drang sehr in mich, ihn anfcuupfei! zu lassen, ich thais aber doch nicht, weil man sonst um volle cscr-chngteit zu üben, dasselbe auch m.t allen den drobirten Herrn hatte kyun muffen, die wissentlich meinen z * — SS Wein gekauft und getrunken hatten. Ich begnügte mich daM - ihn sortzujagen und nach Suez zu schicken, wo aus ihm werd^ konnte, was da wollte." . Ich muß hierbei bemerken, daß wir einen Augenblick Tn, l cmlaffurg zu Huden glaubten, an einen ganz sonderbaren AusW, ^ menbang der Dinge zu denken. Man hatte uns nämlich vor ci- s rügen Monaten erzählt, daß sich auf einem der Fahrzeuge der tz- c nesischen Flotte, die damals von Europa über Helena zurück sezch'! te, ein Chinese befinde, der dein Kaiser in Egnpten gedient zu ^ haben behaupte. Der Kaiser hatte da gleich auogerufen, daß ' fern kleiner Spitzbube, der, von dem ich eben sprach, seyn imkr. ? Aber in der Lhat war cs nur ei» Koch Kicber's. ^ Der Kaiser brach nun, früher als gewöhnlich, die Unt.M, ' tung plötzlich damit ab, daß er sich an Mde, Bertrand waniNc. „Nun Madame! fragte er sie lachend, wann werden Eie Zkk Wohnung in den Tuilerien wieder beziehe»? Wann werden >m die schönen Tractamente für die Gesandten geben? Aber Eie Mi- ' den, wie man mich versichert, Ihr Amenbleincnr ändern mum, denn cs wird etwas veraltet seyn." Nun ging mau ganz nai«- lich ans den großen Lupus über, von dem wir unter der Negi.miz des Kaisers Zeugen waren. Montags, am 22. Juli. liegen io Uhr kam der Kaiser auf mein Zimmer und erstichst mich mir ihm auszugchn. Air haben alle unter den Bäumen gc- . frühstückt. Das Wetter war köstlich, die Hitze stark, aber wohl- ^ rhätig. Der Kaiser begehrte nun seine Kalesche. Zwei von ins ^ fuhren mit ihm, der Dritte ritt neben her. Der Gros - Marsckill hatte nicht kommen können. Der Kaiser sprach von einigen Zu» ' rereien, die vor ein paar Tagen vorgefallen waren. Er eami- kielte unsre Lage, unsre natürlichen Bedürfnisse. „Sie sind dag! s bestimmt, sagte er, einmal in die große Welt znrückzntreten, ini- mnsscn »m meinetwillen dort als Brüder erscheinen. Mein Andenken wild Ihnen dies zur Pflicht machen. Seien Sie es als» Loch auch jetzt." Er malte dann das Gute aus. Las nur uns gc° k wahren, die Unannehmlichkeiten, deren wir uns üb.rhcben minien, u. s. w. Es war zugleich eine Vorlesung über Familiengincr, Eintracht, Gefühl und Benehmen- Alan hätte sie mit goldnen Buchstaben niederschreiben sollen. Länger als fünfviertel Stunden sprach er so, «der ich glaube, daß keiner von »ns, das was er sagte, . ? jemals vergessen wird. Mir wenigstens wird nicht blos der Sin» ^ rud die Worte, sondern auch der Ton seiner Stimme, sein 2luS- " f druck, sein Geist, und vorzüglich das Herz, das sich in allem aios- sprach, gegenwärtig bleiben. j Der Kaiser kam gegen 5 Uhr wieder auf mein Zimmer, wo ^ ich eben mir meinem Sohne das Capitcl von Arcole ausarbeitete. ! §r hatte mir etwas zu sagen. Ich folgte ihm in den Garten, wo k cr sich lange über denselben Gegenstand, wie in de: Kalesche mit ! wir unterhalten hat. ^ Mittags ward in dem topographischen Kabinette gespeisek, das t an das Kablnct des Kaisers und die vormaligen Wirthschaftszim- x »icr Montlwlons austößt, woraus man mittelst der Bücher und p kinigen Taselwerks, das vor kurzem aus England angekvmmcn ist. ^^ eine recht artige Bibliothek gemacht hat. ! !l Nur langsam bringt man den Salon nach dem Brande wieder iu Ordnung, und wir sind geubthigt in unscrm neuen Speise- jl saale bei Tisch scheu zu bleiben, bis der Kaiser fortgcht. Für die kl Unterhaltung ist dies übrigens ein großer Gewinn, p Ter Kaiser sprach heut sehr viel. Mau kam aus Träume, ^ Ahnungen, Vorgefühle, das was die Engländer äoutzle -kx,ln, ^ das doppelte Sehen nennen. Alle Gemeinplätze wurden ausge- E kramt, welche mau gewöhnlich bei diesem Gegenständen auftischt. E Ter Kais.r schloß damit: „Alle diese Charlatancrieen und so viele ff audre, wie die von Eagliostro, Mesmer, Gall, Lavater u. s. w. E verschwinden durch den einzigen an sich sehr einfachen Grundsatz; n !as kann alles scnn, aber cs ist nicht." 8 „Der Mensch liebt das Wunderbare, es hat einen unwider- ^ stehlichen Reiz für ihn. Stets bereit ist er, das was ihn umgiebt, E zu verlassen, um dem, was man ihm ersinnt, nachznlanfcn. Er i gicbt sich selbst dazu her, betrogen zu werde». Das Wahre da- von ist dies, daß alles um uns her ein Wunder ist. Es giebt, a eigentlich gesprochen, kein Phönomcu, denn alles in der Natur ist x Phänomen. Das Holz das mau in den Kamin wirst und das r wich wärmt, ist ein Phänomen, das Licht hier, bei dem ich sehe, ^ ist ein Phänomen, alle Grundursachen, mein Verstand, meine Fähigkeiten sind Phänomene, denn alles das ist und doch können ^ wir cs nicht erklären. Ich verlasse euch hier, fuhr cr fort, und ^ schon bin ich in Paris und in der Oxer. Ich grüße die Zuschauer, s ich höre ihr Beifallsrufen, ich höre die Schauspieler, höre die z Musik. Wenn ich also den Zwischenraum von Sc. Helena nach ^ Paris nherschrcitcn kann, warum sollte ich dies nicht auch mit dem der Jahrhunderte thnn können? Warum nicht die Zukunft eben s« putschen, wie die Vergaugei,heit r Ware das eine außerordentlicher, irunderdarer als das andre? Gewiß nicht, aber cs ist blos uichr. Dies ist der Latz, der stets und ohne Widerrede alle diese eingebildeten Wunder wieder zerstören wird. Alle diele Chan - lalaus sagen die geistreichsten Dinge, ihre Reden können richiiz senn, hinreißeu, nur der Schluß ist allemal falsch, weil Thals«- suchen mangeln. ,,Me smer und der Mesmerismus hat sich uie von dem Bk: richt erholt, den Bailln im Alainen der Akademie der Wissenschaften abgestactet hat. Mesmer brachre auf eine Person Wirken, hervor, indem er sic von vor» uiaguetisilte. Dieselbe Person cn>: piand, wen» mau sie von hinten, ohne daß sie es wußle, inaz- netisine nicht das geringste. Es war also ihrerseits ein Jmlm der Einblldungscrase, eine Schwäche der Sinne, dem Nachinnind- llcr gleich , der wahrend der Nacht gefahrlos aus den Dächern herum wandelt, weil er den Tag nicht furchtet, und den Hals an- Herbem brechen wurde, wenn diestr seine Sinne beunruhigte. „Ich nabm einmal bei einer meiner cffeulichcn Audienzen de» Eharlatau Puvsegur über seine Souambule vor. Er wollte die Suche sehr hoch nehmen, ich schlug ihn aber blos mit folgend:» Worten nieder. Wenn sie so weise ist, so möge sie uns doch ei- was neues entdecken. 2 » 200 Jahren werden die Menschen gnxe Fortschritte gemacht haben, sie gebe uns nur Einen davon »». Sie sage nur, was ich in 8 Tagen thun werde, zeige die Nim- nicrn an, die man morgen im svlto ziehen wird. u. s. w „Eben so trieb ichs mit Gall. Ich habe viel zu seinem Untergang-. beigetragen. Eorvisart war fein großer Vettheidigrr: er und seines Gleichen haben große Neigung zum Mater,alisnmS; er wurde ihre Wissenschaft und ihr Gebiet vermehren. Aber dik Natur ist nicht so arm. Wenn sie so derb und grob wäre, sich durch äußrc Formen kund zn gebmi, würd.n unsre Arbeiten ichucUer m statte» gehn, und wir klüger se»n. Ihre Geheimnisse sind zarter, seiner, flüchtiger. Bis jetzt sind sie noch allen entwischt. Ei» kleiner Blickljchcr ist ein großes Genie, ein langer, schöner Mer-ch ein Dummkopf. Ein dicker Äopf mit gewaltiger Gehirnmaffe hat manchmal nickt Einen Gebaut, u, während ein kleineres Gebir» voll Verstand ist. Und sehen Sie nur die Alben-stcir Gallo! er iegr gtwissen Erhöhungen die Anzeige von Äidcmchaften und Verbrechen bei, die g. wiss gewesen wäre, hörte die Frau gar nicht auf, recht überlästigcr Weist ihren M-znn entschuldigen zu wollen, und Gründe wicdcr- znkauen, die den Kaiser nur wieder übellaunig machen mussten. §um grössten Unglücke nun vollends, erzählte einer von uns, als wir die Aelte des Lagers erblickten, dem Kaiser, dass die gestrige» Evolutionen und Manövers zu Ehren eines der großen englische» Siege in Spanien angcstellt gewesen wären, und dies sich um s« weniger für dieses Regiment eigne, weil cs fast ganz dabei mn- gecommen sei Leicht konnte man es in den Angen des Kaissr» lesen, was er bei einem solchen Gegenstände der Unterhalt»»- D empfand. „Jedenfalls, bas war das einzige, was er darauf a»l- !« wartete, kommt ei» Regiment nicht vor dem Feinde um, man k Herr, sondern es wird unsterblich." Und daS sagte er alitt- ! dings i» einem sehr trocknen Tone. ! Was mich betrifft, so dachte ich im Stillen über diese Anbau» smig von Unannehmlichkeiten nach, die stets ron neuen, in so kurzer Zeit cinschlugcn. Ich fand für einen Beobachter diesen Augenblick sehr merkwürdig, wog die Qual ab, die sie hervorbringen mußte», und bewunderte, wie doch so wenig er sich diese merken lasse. Ich sagte zu mir selbst; Und das ist nun der unumgängliche Man», der Tyrann! Man Härte glauben sollen, er habe mich durchschauet, denn als wir aus der Kalesche gestiegen, und ein paar Schritte voransgcgangen waren, sagte er mir halber Stimme zu mir: „Wenn Sie Menschen s.ud'.rcn wollen, so geben Sie nur Acht, wie weit die Geduld gehn, und was man alles verschlucken kann." Als wir nach Hause gekommen, verlangte er Thee. Ich habe ihn nie welchen trinken sehen. Frau v. Montholon hatte zum er- srenmalc ihren Salon bezogen. Er wollte sic besuchen und bemerkte, daß sie besser logirt seyn müsse, als wir alle. Daun ließ er ein Schach bringen, verlangte Licht, und spielte nach der Reihe mit mehrern von uns. Nach und nach kam er in seine natürliche Genmthssttinmung. So brachten wir die Stunde des Miltags- cssene herbei. Er aß wenig, ward aber vollkommen heiter. Nun überließ er sich dem Gespräche, und kam auf seine frühere Zeit zuruck, die immer bcsondre Anziehungskraft für ihn hat. Er sprach viel von seinen alten Bekanntschaften, von der Schwierigkeit, die einige derselben nach seiner Erhebung hatten, bis zu ihm durchzudringen und bemerkte, daß, wenn man nicht über die Schwelle seines Mastes habe kommen können, dies ganz gegen seinen Willen geschehen sei. Wie muß cs da also, fügte er hinzu, erst mit andern Souvcraincn gehn? u. s. w. So kosend brachten wir n Uhr heran, ohne daß cs der Kaiser oder jemand von uns gewahr geworden wäre. Mittwochs, am ^4. Juli. ! Heut ha, der Kaiser das Billard das man eben ausgestellt hat- M tc, versucht, dann ist er einige Augenblicke ansgegangen. DaS D Wetter war sehr sencht und er kehrte schnell nur. >« Ais vor Lisch der Kaiser in seinem Zimmer mit mir über die « Auswanderung sprach, ward der Name der Frau von B... ge- ! nennt, welche Hofdame von Madame gewesen war und im Beginn ^ unsrer Angelegenheiten sehr die Aufmerksamkeit auf sich gezogen s hatte. Der Kaiser sagte über sie: „Ist aber die Frau von B» nicht eine grnndbvse Frau gewesen? — Gewiß nicht, antwortete ich, vielmehr war sie die beste Frau von der Welt, voll Gerst und verstand. — Nun, La hat sie allerdings sehr Ursache sich über mich zu beklagen, ergegnete der .Kaiser. DaS kommt anS faischcn Nachrichten! inan har in ick dahin gebracht, sie zr, mit'bandcln! — ^ ^ Si.e, Si-e haben sic sehr ungl-cklich geuiacht. Frau v. B. leine iier für dir Reize der großen Gesellschaft, und Sie haben sie aus Pari' in cinc Provinz verbannt, wo ich sie brr einer meiner Sendrui- g,n. hastotod ans Lanarrweilc fand, nnb doch nicht horte, daß ße über Lw. Majestät geschimpft hätte, was gewiß doch sehr verständig war. — Über warum baden Sic mir meine» Jrrkhur-i nicht lnnommen? — Ach, .Sire, ich war Ihne» zu wenig iich gewest», um Sie so gut zn kennen, als jetzt, so konnte ich ce denn damals durchaus nicht ans eigne Rechnung wagen. Doch er. lauben Sie mir noch ein Witzwort der Frau v. V. in London, in traurigsten Punkte unsrer Auswandrung, woraus Sie sie bessrk kennen lerne» werden, als irgend etwas anders sie Ihnen zr, schildern vermöchte. Eden als Sie zum Eonsalat gelangt wann, ln fand sich jemand, der gerade aus Paris angekommen, in einer kleinen Gesellschaft bei ihr Er war durch alle die genauer» richten, vre er uns aus einem Lite, der uns allen so nabe erging, geben konnte, der König des Feste. Man fragte ihn arch rilcr den Consul auS. Lange kann er nicht mehr leben, antworten er, er ist gelb, d a ß e s ei ne Freu d e i st: das war s.i» S-rsdruch. Und nun sich nach und nach erhitzend, brachte er die Gesundheit ans: Auf de» Tod des ersten Eonsuls! — A, ad- stycuiich! rief sogleich Frau v. iS- ans, auf den Tod eines Men- i s.ben trinken! Pfui doch! Weit bester trinken wir statt dessen: Aus die Gesundheit des Königs! „Ja, >a- iahte der Kaiser, ich wiederhole cs, daß ich sie sehr übel behandelt habe, und das auf Nachrichten, die man mir über sie huiterb;achte. Man hatte mir erzählt, daß sie intrigant sei, sich in die Politik mische und besonders sich den Spott sehr angeeignet hade. Ich crinnre mich noch an einen Witz, den man ihr wnhr- ^ scheinlich auch nur untergeschoben hat, der mir aber übrigens des- ? halb aussiel, weil er jedenfalls sehr geistreich ist. Jemand seht ^ Angesehenes, den sie sehr iutereffirte, soll eifersüchtig auf sie ge- > wesen seyn, und sich durch ihre Rechtfertigung nicht ganz be- j friedigt geglaudt haben, so daß er ihr schrieb, sie werde freilich i das Spruchwolt reckt wohl wissen, daß die Gemahlin Eäsars »ie j Verdacht erregen könne. Darauf antnwriele Fra» von B- auf der ! 4Z Stelle, daß die zwei kleinen Zeilen, die er ihr geschrieben, zwei große Lügen enthielten, denn es sei jedermann bekannt, daß sie nicht seine Frau und daß er nicht Cäsar sei." Nach dem Diner las uns der Kaiser etwas ans dem Verschwender und dem Ruhmredigen rer- Die Lektüre langweilte ihm, er gab sie daher ans. Er hatte große Schmerzen in der rechten Seite. Es war die Folge der Nässe, deren er heut Morgens beim Spaziercngchn anbgcsetzt gewesen war, und wir fürchteten sehr, es möchte ein Anzeigen der in diesen brennenden Him- liiclssirichcii nur zu gewöhnlich Krankheit sepn. Als ich ans mein Zimmer kam, fand ich einen Brief aus London, nebst einem Päckchen mit einigen Toilcttensachsn. Es war ein Kri.gsschiss — der Greis. — so eben aus England an- gclangt. Donnerstags, am -s. Juli. lim y Uhr erhielt ich vom Gros - Marschall drei an den Kaisergerichtete Briese, uni sie- diesem cinzihandigcn. Sic waren von der Kaiserin Mutter, Prinzessin Pauline und Prinz Lncian. Der leistre war in eine» an mich eingeschloffen, welchen der Prinz L>ci,m von Rom aus am 6. März geschrieben hatte. Ich hatte auch noch zwei von meinem Agenten in London bekommen. Der Kaiser brachte den ganzen Morgen damit hin, die Papiere vom ab. April und iZ. März zn lesen. Eie enthielten den Tod der Kaiserin von Oestreich, die Vertagung der Kammern in Frankreich, die Freisprechung von Chambrone, das Urtheil gegen General Bcrtrand u- s. w. Er sprach sehr viel darüber. Gegen 5 Uhr ließ der Admiral Malcolm ersuchen, dem Kaiser vorgestcllt zu werden. Er brachle ihm das Journal des Debets bis zum rZ. März. Der Kaiser trug mir auf, den Admiral einznführen und sprach mit ihm fast 5 Stunden. Er gefiel dem Kaiser sehr-, der ihn vom ersten Augenblicke au, ganz wie einen alten Bekannten, mit Herzlichkeit uno Hingebung behandelte. Der Admiral ging ganz in dessen Geiste ans eine Menge von Gegenwänden ein; er gestand, daß die Flucht von St Helena sehr schwer seyn wurde, und sah keinen Nachtheil dabei, die ganze Jn- ftr dem Kaiser Preis zu geben; er fand es albern, daß man dem Kaiser nicht.eine Wohnung in Plantativnhouse gegeben habe: er fnbitc, jedoch erst, nach seinem eignen G.nändnisse, seil er sich hier b.,mbe, daß der Lite«, Gem-al, beleidigend sepn könne; er gestand, daß Ladv Dndon sich hier lächerlich geuracht habe, und daß man in London eben so über sic lachen werde; er glaubte, der Gouverneur habe wohl allerdings gute Absichten, wisse aber nicht, wie er es anzufangcn habe. Die Minister, sagte er, seyen durch de,, Kaiser in Verlegenheit gesetzt, hasircn ihn aber nicht. Eie hätten auch nicht gewußt, wie sie sich benehmen sollten. In England «ärc er ein Schrecken für den Eontinent gewesen, und wäre immer noch eine zu gefährliche Waffe i» den fänden der Opposition u. s. w. UibrigcnS, fügte er hinzu, fürchte er, daß alle diese Umstände uns noch lange hier zurück halten wurden, rnli versicherte, daß cs die Meinung der Minister sei, daß man Napalm in St. Helena, bis auf den Punkt der Flucht, mit der größten Artigkeit behandeln solle, u. s. w. Alles das ward mit so feine, Sitte gesprochen, daß der Kaiser sich ohne Hitze unterhielt, ali sei die Rede »on einem ganz fremden. Einen Augenblick hatte der Kaiser den Admiral sichtlich ergriffen, als bei Gelegenheit der Commissarien der Aliirten er ihm dir Unmöglichkeit vorstellte, diese vor sich zu taffen- „Kurz, mein Herr, sagte er zu ihm, Sic und ich, wir sind beide Mensche,,, und ich bcrnse mich aus Sie. Geht das an, daß mir der Kaiser von Oestreich, der mir seine Tochter zur Gemahlin gegeben, ja »im diese Vermählung kniefällig gebeten hat, dem ich zweimal seine Hauplstadt zurück gab, der mein -Weib und meinen Sol,, zurückbehalt, mir seinen Eommissair, ohne eine Zeile an mich, ohne auch nur ein Endchen von einem Bulletin über das Befinden meines Sohnes sendet. Kan» ich ihn denn wohl annehmcn? Kam, ich ihn etwas zu sagen haben? Eben so ists mit Alcrander, der einen Ruhm drein setzte, sich meinen Freund zu neunen, gegen den ich nicht persönliche Zänkereien, sondern blos politische Kriege geführt habe. Sic mögen immer Svuverains scpn, aber wir sind doch auch Menschen. Auf keinen andern Titel mache ich ,'n diesem Augenblicke Anspruch. Sollten Sie nicht alle ein Herz besitzen? Glauben Sie mir, mein sperr, daß, wenn ich mir den Titel ab General nicht gefallen lassen will, dies nicht einer Beleidigung wegen geschieht, v nein, sondern nur um deswillen, weil ich dadurch eingesiehn würde, daß ich nicht Kaiser gewesen sei. lind verthcidige ich hierbei nicht mehr andrer Ehre, als die weinige. Ich vcrthcidigc die Ehre derer, mit welchen ich unter diesem Titel, i» Verhältnissen, in Traktaten, in Bündnissen des Blutes und der Politik stand. Der einzige von diesen Cvnimissarrcn, den ich vicl- kvichl annehmcn könnte, wäre der Ludwigs LVlil. Dorm dieser iß 45 - ' ' mir nichts schuldig- Dieser Coinmissair ist lange Zeit mein Untertan gewesen, und nur mit den Umständen fortgegangcn, die nicht von ihm abhängcn. Anch wurde ich ihn morgen sehen, wenn ich mich nicht vor den erbärmlichen Mährchen fürchtete, die dann man darüber gewiß aushecken, vor den albernen Farben, womit man diesen Umstand ansznmalcn nicht ermangeln würde, u. s. w. Rach dem Diner kam der Kaiser auf sein Consulat zurück, auf die zahlreichen gegen ihn gerichtet gewesenen Verschwörungen, auf die merkwürdigsten Menschen aus jener Zeit, u. st w. Ich habe davon ichen größtem Heils weiter oben Erwähnung gethan. Die Unterhaltung währte bis - Uhr des Mergens, etwas sehr ungewöhnliches für uns. Freitag, am -6. bis Sonntag, au, 28- Juli. Gewöhnliche Lebensweise. Aur Mittagszeit unser AuSflng in der Kalesche, Abends Unterhaltung. Am 27. nahm der Kaiser für einen Augenblick einen Obersten, Anverwandten drr Walsh-Ecrraut, der ans dem Havcomb vom Cap kam, und am andern Morgen nach Europa wieder abging, an. pr war Gouverneur von Bourbon gewesen und nnt.rhiklt uns davon viel und angenehm. Nach dem Essen kam das Gespräch auf den altern und neuen Hof, dessen Einrichtung, Ausgaben, Etikette, u. s. w. Ich habe schon über de» größten Lheil dieser Gegenstände anderswo gesprochen, und cs kam jetzt davon nie! wieder vor. Ich unterdrücke daS, was bloS Wiederholung sep» wurde. Der Hof des Kaisers war in jeder Beziehung glänzender als inan eS noch bis dahin gesehen hatte, und doch kostete er, wie dieser behauptete, unendlich weniger- Die Einstellung aller MiS- brauche, Ordnung und Regelmäßigkeit in den Rechnungen bewirkten dies. Seine Jagd, bemerkte er unter andern, war mit Ausnahme einiger unnützen ober lächerlicher Sonderbarkeiten, wie z. B- der Falken und andern Jagden, eben so glänzend, eben so geräuschvoll als die Ludwigs LVk. und kostete doch jährlich, wie er versicherte, nur 4oo,ouo Franks, während jene dem Könige auf 7 Millionen zu stehen gekommen war. Eben so ivar's mit Ser Tafel. Die Ordnungsliebe und Strenge Dürvcs hatten, wie der Kaiser sagte, dabei Wunder bewirkt. Unter den Königen blieben die Pallas« nicht mrudtirt, man brachte diese Meudcen aus einem in den «adern. Hosicute erhielten gar keine Menblen, jedem lag ob, serbst dafür zu sorgen. Unter dem Kaiser im Gegenteil gab es niemand im Dienste, der sich nicht in dem Zimmer, das ihm angewiesen «,«, eben so gut, oder auck besser als zu Hause, in B-zug ans ES Notlüge und Anständige be'nnLcn hatte. Der Stall des Kaisers ts-ere ihm jährlich 5 Millionen, xst Pferde kosteten eins ins andre gerechnet, indes jährlich 5e>oo Fiams, . Ein Page Franks. Diese letztre Ausgabe war, wie er te- merkle, fast die stärkste der Hostvirrhschast, auch konnte man auf die Sorgfalt, die man ftir sie verwandte, die Erziehung, welche „m , ihnen gab, stolz sevn. Alle ersten Farnilien des Reichs suchten ' darum nach, ihre Sohne darunter zu bringen, und sie thate» daran vollkommen Recht, wie der Kaiser sagte. - Was die Etikette betraf, so versicherte der Kaiser, daß erde, , erste gewesen sei, der den Ehrendienst (ein unter ihm erdachter Ausbruck) vom Nolhweiidigkcitsdienste gesondert habe, sst ! Hütte altes bei Seite gesetzt, was schmutzig und wirklich war, W , »nr basnr das anzunehinen, was blos dem'Namen nach bestand, »,,d ß nichts als äußrer Schmuck war. „Ein König, sagte er, eristittin der Natur gar nicht, er ist blos cin Geschöpf der Civilißnien. ! Er darf me nackt sey, man muß sich ihn mir gekleidet deich», u. s- w." ! Der Kaiser sagte, daß niemand über die Beschaffenheit und s den Weikh aller dieser Dinge unter sich, habe sichrer sey» könncn, als er, weil er sie alle eingerichtet und zwar nach den Borgäuge,, ; vergangner Zeiten, von denen er nur das Lächerliche entfeint und c das was zur und zweckmäßig seyn könnte beibehaltcn habe. - Das Gespräch hatte sich bis nach >c Uhr verlängert. Es mar recht heiter gewesen, und der Kaiser hatte noch im Fortgehen de- s merket, daß wir doch bei alle dem ein recht guter Schlag von Anten st pn mußten, daß wir so mir Sr. Helena für lieb nehmen r konnten. ^ i Montags, am -g. Juli. Seit einigen Tagen war das Wetter schlechter geworden. Da - Kaiser b-nutzte einen günstige» Augenblick, um cin Zeit zu de- r suchen, oas der Admiral ihm, >eit er im Gespräch gehört batte, s wie ce sich über Mangel an Scharten, und daß er sich nicht außen l halb seine-ö Zimmers au,halten rönne, beklagt, von den Leuten ! seiner Fregatte, höchst -irrigerweise harte ansrichten lassen. Der j Kaiser sprach mit dem Offizier und den Arbeitern, die eben da- I — «7 — I i »,li zu Stande gekommen waren, und ließ jedem Matrosen einen , i Mpoleon auSzahlen. > ; Heut erfuhren wir, da) daS legte E.h'.ss, uncer der Adresse je des Kaisers ein Werk Uder die gegenwärtigen Zeirverhäirnrffe mrt- : ' gebracht!>abe, daS, wie inan uns sagre, von einen, PaelamentS- . ! Mkgükde verfaß: sei- DerVersasser Harle es selbst geschickt, und auf - »' dem Rande stand mir goldmn Bnchstabei!: An Napoleon den : - Großen- Dies harre de:. Gouverneur bewogen, das Buch zu- , § rück zu behalten, eine Strenge, die seinerseits sonderbar mit dem l s Liser abstach, womit er uns die Schmähschriften, die so unan- - t sündig gegen den Kaiser ioo-ogen, geliehen hatte. ' Während des Diners stritte der Kaiser einen seiner' Leute sehr ! streng mit den Augen und sagte zu unser aller groß.m Staunen, zu ihm. „Wie? Spitzbube! Du willst den Gouverneur nmdmigen! : ! - Bosewicht I— Laß Dir so etwas nicht wieder «»fallen, oder Du ! l hast eS mit lnir zu rhnii. Sn sollst sehn, wie ich Dich behandeln ! p imrde!" Dann wandte er sich ^n miS und sprach: „Meine Her- > r reu? Hier, Eantiui wollte den Gouverneur umbringcn. Ter . -» Schurke hätte uns einen schonen Streich stielen können! Ich muß- , l te m.'in ganzes Aust hu, meinen vollen poiu ihm zeig«,, um ihn t davon zurück zu bail,Ainu Verständnisse dwser -Augcleg.uhett > ^ muß ich hinznfüg.n, daß Santini, ehemals Cadiaets - Lhürhuter , r dev Kaisers gewesen war, und des!, wie er sagte, seine anßersr- l s dentstche Äuhangnchkeit an een Ka.ier ihn veranlaßt habe, seinem > § Herrn zu folgen, uno ihm, als was er nur wöbe, zu dienen. ^ Es war ein Corsa, der tief suhlte und leicht in Feuer geriet!). i t Durch die schlechte Behandlung des Gouverneurs seit längeier Zeit - t gereizt, konnte er d.n Beleidigungen, welche er diesen geg-n den - z Kaiser begehen sah, nichc mehr-ruhig, znsehe», g.rieth außer > t, sich, als er dessen Gesundheit leiden sah, war selbst in eine tiefe Schwermut!) verfallen, hatte so seit einiger Zeit allen Dienst im ) Innern aufgegeben, und schien mir unter dem Vorwände, ei- ^ iiige Vögel zum Frühstücke des Kaisers herbeizuschaffen, sich mit ? der Jagd in der Nachbarschaft zu beschäftigen. In einem Augen- i s blicke der Hingebung, vertrante er seinem Landsmannc Cppriani, - s daß er den Plan gefasst habe, mit seiner Doppelflinte den Gsn- s vernenr zu tödteu, und sich daun selbst ans der Welt zu schaffen. o Alles, wie er sagte, um die Erde von einem solchen Ungeheuer » i zu befreien. r i Eppriani, der den Charakter seines LandSmanns kannte, er- s j schrak über diesen Entschluß, und khciite ihn einigen anmru Per- s i svnen des Dienstes mit, alle ater vereinten sich um Santi« davon abznbriiigcii. Statt daß idre Beredsamkeit aber ihn Häm besänftigen sollen, schien sic ihn nur noch mehr aufzuregc». beschlossen sie alles dem Kaiser zu entdecken, welcher denn §»« tinl sogleich vor sich rnfcn ließ. „Und nur durch kaiserliche uns bischöfliche Gewalt, sagte er mir spater, konnte ich dm tolle» Menschen von seinem Entschlüsse abbriiigen. Aber lasse« Sie uns einmal ein wenig den Lärmen überlegen, den das zc- macht haben würde. Ich hätte nun ganz sicher für den Mviki gegolten, für den, der den Gouverneur banditenmäßig habe un>- bnngen lassen. Und in der That war' es auch schwer gewesen «- len Leuten eine solche Idee aus dem Kopfe zu bringen! u. s. w." Der Kaiser las uns nach Tisch den Tod des Pvmpcjus«, von dem die Zeitschriften sagten, daß er seiner Anspielungen m- gen, jetzt Paris sehr beschäftige. Bei dieser Gelegenheit wiederholte man, wie der Kaiser gcnotbigt gewesen wäre, Richard Li< wenherz in Schn» zu nehmen, und bemerkte, daß am L. und«. Oktober Ludwig XVI. sichs gewiß nicht habe einsalle» lassen, d.,s man je in den Fall kommen werde, dies Stück wegen eines andrni Jndividni von der Bühne zu verbannen. „Ja, ja, die Sachen hak» sich gewaltig geändert!'" endete der Kaiser. l Dienstags. am llc>. Juli. Nach einigen Gangen im Garten, trat der Kaiser bei dem General Gonrgand ein, und hat sich da mit dem Zirkel und M- stift in der Hand, lange damit beschäftigt, die Entfernungen «» Ler Küste von Syrien und ans dem Plaue von St. Jean d'Acre, womit er diesen beauftragt hat, auszumeffen. Indem er einige Punkte um Sr. Jean d'Acre bemerkte, sagte er: „Da habeich gar unangenehme Minuten erlebt!" Abends hat uns die Hochzeit des Figaco mehr angezogcn m>d unterhalten, als wir cs erwartet hätten. Da haben Sie schon die Revolution in voller Wirksamkeit, sagte der Kaiser, indem er das Buch zumachte. k. Mittwochs, am Juli. DaS Wetter war schrecklich. Kaum konnte der Kaiser nach 5' Uhr bis in de» Salon der Frau von Montholon kommen. Hier las er einige Zeit in der Nacht, welche ihn» eben in die -ändekam, und warf dann die Augen auf einen Vaud des Moniteur, welche» jetzt Hr. v- Montholon bearbeitet, und der eben bei den Unterhandlungen uni einen Waffenstillstand zur See im Jahre auf- geschlagen war. Darein versenkte er sich langer als eine Stunde. Nach Tische las der Kaiser zuerst die strafbare Mutter, welche „ns inreressirte, und dann la Harpe's Melanie, die er abscheulich entworfen, und sehr schlecht ausgeführet fand- „Eine aufgeblasene Deklamation, sagte er, ganz im Geiste jener Zeit, gestützt auf die Verleumdungen der Mvdewelt und abgeschmackte Verfälschungen. Als La Harpe das Stück schrieb, besaß ein Vater gewiß nicht die Gewalt, seine Tochter z» zwingen, Nonne zu werden. Nie bot die Negierung dazu die Hand. Dieses Stück, das man zur Revolutionszeit anfsuhrte, verdankte nur dem verkehrten Sinne des Augenblicks sein Glück. Jetzt wo diese Leidenschaft aufgehoit hat, wurde es jedermann elend Vorkommen. La Harpe hat daun nur lauter falsche Gemälde ausgestellt. Man mußte sthlerhafte Einrichtungen nicht mit fehlerhaften Werkzeugen angreife»." Der Kaiser sagte, daß La Harpe, in Bezug aus ihn, gänzlich seinen Zweck verfehlt, und er sich nur für den Vater intrressirt, gegen die Tochter ader nichts als W.dcrwilst» empfunden habe. Er habe das Stuck nie spielen sehen, ohne nicht verlacht zu werden, in der Loge anfzustehen, und der Tochter zuziirusen: „Sage doch nur, nein! und wir wollen Dir alle hier helfen, jeder Burger wird Dich schlitzen." Er sagte, daß er, während er beim Regiment gestanden, vielen Eülticidungen beigeivohuc habe. „Es war dies, bemerkte er, eine vo» den Offiziere»! sehr besuchte Eärcmonie, die uns gewaltig ärgerte, besonders wenn die Mädchen hübsch waren. Wir liefen hinzu, und spitzten die Ohren über eine Elle lang. Hätte» sie Nein gesagt, so hätten wir sie mit dem Degen ln der Hand entfuhrt. Es ist also nichr wahr, daß man Gewalt anwendete; dlos der Verlockungen bediente man sich. Man brachte diese Nonnen vielleicht so in ihre Kerker, wie man's mir den Nekri-ien macht. So viel ist gewiss, ehe sie abschloffen, mussten sie durch die Nonnen, die Superivri», den Direttor, den Vischvff, den ^ivn-Beamten und endlich die Jusihaiier gehen. Wie wäre es mm möglich gewesen , dass sich alle diese zusammen, zn Begehung eines Verbrechens einverstanden hatten?" Der Kaiser si.g^, da» er im Allgemeinen geg u die Klöster, wäre als unnütz und von Gcisttodrendem Mußiggailge. Doch könne man andrerseits auch wieder verschrcdneo zu ihren! Vor- >!. Casts Lageb. 7k, BScyn. » theile anführcn. Seiner Meinung nach, sei der beste merro r-r. N,ino sie zu dulden, die Mitglieder zu nützlicher Beschäftig auzuhaltcu und nur Gelübde für ein Jahr anzuerkeuneu. Zar habe er denn auch gckha». Der Kaiser klagte, daß er nicht Zeit gehabt habe, irgend eines seiner neuen Institute zu vollende». An die Gebäude Saint Denis und Eneouen, habe er noch eine Zahl von Zimnick fugen wollen, um darin Militär-Witwen oder alte Frauen, in einer Versorgungsanstalt anszunehmen, n. s. w. „Und dm»,, fugte er hinzu, mußte man noch cingestehcn, daß cs Charaktere und Einbildungen aller Art gebe; daß man selbst verkehrten Ansichten , sobald sie nur unschuldig waren, nicht entgegen arbeiten dürfe; daß ein Reich, wie Frankreich, einige Zufluchtsorte!' s», Narren, die man Trapisten nennt, haben muffe/' In Bcjnz auf diese, bemerkte er, daß wenn cs einem Menschen wirklich i» den Sinn kommen sollte, die llibungcn aufzucricgcn, welche diese beobachten. man dies mit vollem Rechte für die abscheulichste Lr- rannei halte» wurde, und diese dennoch das Entzücken derer ansmacha, könnten, welche sic sich freiwillig auflegten. — So ist der Mensch! Das sind feine Eigenheiten, seine Thorheitcn! — Er sagte, d-,ß er die Mönche des Mont Cenis erlaubt habe, aber diese seien doch wenigstens nützlich, sehr nützlich, ja, man könne sagen, heroisch gewesen- Nach der Organisation der Universität hatte der Kaiser iin Staatsrathe gesagt: „Nach meiner Ansicht würden die Mache bei weitem die beste» Lehrmeister se»n, wenn man sie beherrschen und einem fremden Oberhanpte entziehen könnte. Ich habe Neigung sar sie, hatte er h.nzugcsetzt. Ich hätte vielleicht die Macht dazu besessen, sie wieder herzustellen, aber sie haben mir das selbst unmöglich gemacht. Ich darf nur das gcrinste sur die Geistlichkeit thnii, so giebt sie mir auch gleich Ursache, es zu bereuen. Nicht etwa, als ob ich mich besonders über die ältre Geistlichkeit beklagte, iin Gegentheil bin ich mit ihr ziemlich zufrieden, aber die junge» Gustiichen zieht man in düstcrn fanatischen Lehrsätzen auf, und e» liegr in der ganzen junger» Geistlichkeit nichts gallikanisches. „Ich habe nichts gegen die alten vormaligen Bischöffe; sie haben sich für das, was ich in Bezug auf Religion gcthan hatte, dankbar bezeigt und meinen Hoffnungen entsprochen. „Der Cardinal von Voisgelin war ein Mann von Geist »ich Wohlwollen, der mich förmlich an Kiudesstatt angenommen hatte. ! - i — 5c — c Der Erzbischofs von Tours, V a r ral, ein sehr unterrichteter UiMii, der »ns in dcn Strcitigkeitcn mit dem Pabste sehr gute .-Dienste geleistet hatte, hat immer sehr viele-Anhänglichkeit für mich gezeigt. , Der würdige Cardinal dn Velloy, so wie der wackre Erz- ! M>vff Rognelanre liedten mich aufrichtig, j Ich hatte nicht die geringste Schwierigkeit gemacht, den Bi- Dff Beaussct unter die Würdenträger der Universität anfzn- rchmen, und diu überzeugt, daß er einer von denen war, die - am aufrichtigsten in meine Ansichten eingingcn. i „Alle diese alten Bis-Hösse besaßen mein Vertrauen, und keiner trog cs. Sonderbar genug ists, daß diejenigen, über welche ich mich zn beklagen hatte, gerade die waren, die ich selbst er- mnmt; so sehr wahr ist cs leider, daß die heilige Oelung, in- ! i dcm sie uns an die Himmelobesihung knüpfet, uns doch nicht von ' dcn Schwachheiten der Erde, ihren Verkehrtheiten, Schlechtigkci- , tcu und Schandlichkeiren befreit, u. s. w" b Die Unterredung fiel sodann auf den Mangel an Predigern in s Frankreich, auf die Nothwenbigkeit, deren mit >6 Jahren anzu- »uchmcu, und die Schwierigkeit, ja selbst Unmöglichkeit, weiche von -> Jahren zu finden, n. s. w. Der Kaiser war der Meinung gewesen, sie viel später erst zu vrinniren. „Das ist sehr gut, hatten ihm da dieBischoffe, ja selbst kcr Pabst gcantworter, Ihre Grunde sind vollkommen richtig, wenn i i sie aber bis dahin warten wollen, so werden sie niemanden mehr, me wir selbst eingestehen muffen, dazu finden, und Sic werden doch selbst bekennen, daß sie nothwendig sind- „Es ist außer allen, Zweifel, bemerkte hier der Kaiser, daß nach mir andre Grundsätze werden Mode werden. Vielleicht wirl» man noch in Frankreich eine Conscription von Priestern und Mön- s chen erleben, wie mau zu meiner Zeit militärische Conseriptioncn ' sah. Vielleicht werden aus meinen Cascrnen Klöster und Scmi- ; »arien werden. So gchtS nun einmal in der Welt! — Arme > Nationen! Trotz aller eurer Aufklärung, alter eurer Weisheit ' bleibt ihr doch den Launen der Mode eben so gut unterworfen, als , wärst ihr bloße Individuen." s Es war schon fast ein Uhr früh, als der Kaiser sich zurückzcg. j Ein wahrer Sieg über die Langeweile, sagte er, und von großen ö Lortheilen gegen Schlaflosigkeit. Donnerstags, am i. August »8i6. Das Wetter war abscheulich. Gegen S Uhr besuchte mich d„ Grosmarschall. Ich hatte eben versucht, den Fuß aus dem H«»s, zu setze», er sand mich also nicht. Er hatte dem Kaiser Engl» der vorzustellcn. Der Kaiser ließ mich gegen 5 Uhr rufe»; er war übel gcl«, , und wie er sagte, ein wenig über mich. Der Besuch der Enz- l länder, das schlechte Wetter, der Mangel eines Saals, wie da eines Dollmetschers, alles hat ihm Verdruß gemacht. Er las die VeUIses l,eiten man darüber trieb, Die Unterhaltung hatte indeß eine an- ' dre Wendung genommen und man sprach viel und geistreich über Blondinen und Brünetten. Da fragte die Königin jemanden, welchen er den Vorzug gebe? Dieser machte sogleich einen krummen ' Nucken, nahm den feierliche» Ton des Oestreichers an und er- wicdcrtc: „Meiner Treue, Cw. Majestät, ich muß gestehen, büß, wenn ich an einem Schlachtcage auf meiner — Schon gut, ttgcgnete die Königin, ersparen Sie uns das Uibrige. Nach Tisch las er uns Bcvcrlcp und den Hausvater, welchen > letztem er vorzüglich tadelte. Auch uns schien er erbärmlich. Was den Kaiser dabei am meisten belustigte, sei, wie er sagte dies, daß er von Diderot, diesen Hauptanführer der Philosophen und brr Encyklopädie stamme. Er bemerkte, daß alles darin falsch und lächerlich sei. Dann sprach er viel über einzelne Gegenstände daraus, und endere damit: „Wozu aber mit einem Wahnsinnigen im hcs- ^ tigsten Anfälle des hitzigen Fiebers sprechen? Arzneien bedarf er, entscheidende Maasregeln, keine Gründe. Wer weiß nicht, daß ^ der einzige Sieg über die Liebe in der Flucht besteht? Mentor siurzt den Telcmach, um ihn zu schützen, ins Meer. Wenn Ulysses ^ sich gegen die Sirenen verwahren will, verstopft er die Ohren ss feiner Gefährten mit Wachs und läßt sich anbinden, u. s. w." Freitags, am August. Das Wetter bleibt schlecht. Der Regen fließt in Strömen. Der Kaiser befindet sich unwohl. Er leidet an den Nerven. Er hat mich rufen lassen, um mit ihm zu frühstücken, und lange Zeit hindurch drehte sich die Unterhaltung abermals um die Auswanderung. Ich habe schon gesagt, daß er mit mir oft darauf zurück kam. Heut fragte er mich über bcsondre Dinge von Coblenz, unsre Lage daselbst, unfern Ton, unsre Gesellschaften, unsre Organisation, unsre Ansichten und HülfSmirtel. Als ich ihn auf dieses geantwortet hatte, schloß er damit: „Sie haben nn, schon mehr als einmal über diesen Gegenstand eine Menge Din-e der Art gesagt, und doch kann ich mir sie nicht merken, weil Sie mir sie nicht ln der Ordnung vortragen. Schreibe» Sie mir darüber eine regelmäßige Geschichte auf. Was haben Sie denn lm Besseres zu thnn? Und daun, mein Lieber, gicbt dies ein Bruchstück ab, das sich vortrefflich für Ihr Tagebuch eignet." Dicsej Begehr glich dem der Dido an AeneaS, und ich hatte eben s» gut auSrufcn können: rL^kna jukx-s, n. s. w. Dennoch entwarf ich etwas darüber, so gut cs mir Gcdächtniß und Vcnr- theilnngSkrasc verstattetcn, denn diese singen schon an zu alter», und zu jener Zeit war ich noch sehr jung. Hier stehe cs so, «ie ich es kurze Zeit darauf Napoleon vorlaS. „Sire! nach dem berüchtigten Tage, welcher die Vasiille zerstörte und ganz Frankreich in Bewegung setzte, ergriffen die meisten unsrer Prinzen, welche sich der Gefahr auSgcsetzt glaubte», die Flucht, anfangs bloS, um sich sicher zu stellen. Bald dar»»,' kamen angesehene Personen und junge Leute mit ihnen zusammen, crstre wegen der gegenseitig obwaltenden Verhältnisse, letztre, ivcil ein solcher Schritt in sich selbst etwas auffallendes, Edles und Entschiedenes hatte. Sobald man sich in größerer Anzahl zusammen fand, siel eS den Versammelten ein, daS, wozu bisher blvs der Zufall und der Eifer der Einzelnen geführt hatte, zum Vesten der Politik anzuweudcn. Man überlegte, daß, wenn man mittelst dieser Vereine, eine Art von kleiner Macht bilden könne, sic mit Vortheil wieder inö Junre zurückzuwirkcn im Stande seyn, der Hebel eines Aufstands werden, die Gemüther dort erregen und Unruhen bilden könne, während sie selbst nach Außen einen Anspruch oder Vorwand hcrgebc, um sich an fremde,Mächte zu mcn- den, und die Ausmcrksamkcit derselben zu verdienen. Dies ist dir Ursprung der Auswanderung, und inan versichert, daß dieser kühne Gedanke sich vom Herrn von Calonne herfchricbe, der im Gefolge eines unsrer Prinzen, welcher ans Turin nach Deutschland sich begab, durch die Schweitz reiste. „Die erste Versammlung geschah unter dem Prinzen von Cou- dc- zu WormS. Die berühmteste fand in Eoblenz unter den beiden Brüdern des Königs statt, deren einer «uS Italien kam, >ro- h:n er sich kurz vorher zu seinem Schwiegervater dem Könige von Sardinien, geflüchtet harte, während der andre von Brüssel anlangte, wo er den Vcrbastunzeu entflohen war, die Ludwig XVl. zu VarenneS in die Gefangenschaft brachten- — 55 — „Ich war vom Anfänge an bei der Versammlung zu WormS. Als ich anlangte, bestanden die Umgebungen des Prinzen noch kaum aus 5-> Personen. Mit vollem Ansbranscn der Jugend und der ersten Giuth fürs Schöne eilte ich in der schuldlosesten Einfalt meines Herzens kerbest Ein Kapitel aus Bavard war meine Mure, mein Gebet an jedem Morgen. Als ich Worms erreicht harte/ hoffte ich von so vielen Waffenbrüdern zum mindesten ans Herz gerissen, umarmt zu werden, aber wie groß war mein Staune», als ich und mein Gefährte, als erste Lektion über Menschen- lcmitniß, uns statt dieser zärtlichen Aufnahme zofort ansgcfragt nnd scharf beobachtet fand, um sich zu vergewissern, daß wir keine Spione scpcn. Dann studirte man uns sorgfältig, in Bezug auf das Interesse, die Ansichten und Ansprüche, die uns dahingebracht haben könnten, aus, und endlich gab man sich große Mühe, uns zu beweisen und dem Prinzen merken zu lassen, daß, wie man dies denn mit jedem neuen Ankömmlinge so machte, unsre Anzahl sich sehr vermehre, und ohne Aweifcl schon die Stellen und Begünstigungen, die er bewilligen könne, übersteige- Mein Gefährte ward dadurch so verletzt, daß er mir vorschlug, sogleich wieder nach Paris zurück zu reisen. „Wir, die den Verein ausmachtcn, bildete» je drei oder vier »ach der Reihe, in der Absicht nützlich zu scpn, oder uns wichtig zn machen, eine Art regelmäßigen Dienstes bei dem Prinzen, der Lag nnd Nacht mn ihn bliebe Denn schon träumten wir von nichts, alsMrschwötmigen und Meuchelmorden, für so mächtig und furchtbar hielten wir uns. In Folge dieser Art von freiwilliger Garde hatten wir auch die Ehre zu der Tafel des Priuzeu gezogen zn werden. Drei Gcncratioucn der CondL's bildeten den Schmuck derselben, ein sonderbarer Umstand, der nachber in der Cond-- stc» Armee sich noch mit größer»! Glanze wiederholte, wo der Gioseater das Centrum befehligte, während Sohn und Enkel den rechten und linken Flügel anführtcn, wo sic, so viel ich weiß, bcp- de an demselben Tage verwundet wurden. „Die Prinzessin von Monaco war dem Prinzen Condü gefolgt Sr hat sich seitdem mit ihr vermählt, aber schon damals führte sic sein Hans und machte die Honneurs desselben. Wir konnten au dieser Tafel wiederholt hörk.i, wie Gäste dem Prinzen sagten, daß wir'schon zn viele für einen Einfall in Frankreich wären; daß dazu sein Name nnd ein weißes Schnupftuch hiureichcn würde; daß der Stern der Conds's endlich wieder anfgchen werde; daß die Gelegenheit einzig sei, und man sie ergreifen müssc: und ich i —' 56 will gar nicht abstreiten, ob inan nicht endlich dahin gelangt sch dem Prinzen sehr eigennützige, persönliche Absichten einzuflüstern. > „Worms zeigte jedoch bei alle dein wegen des Charakters sei, »es Obei Haupts und durch die nalnrlichc Besä-affenheit seines Vcn k eins mehr llkegelniäßigkeit, Ernst und Discipli» als Coblenz, wo »ich j Bewegung, Lurus and Vergnügungssucht zu bemerken war. AuchiM ! Worms das Lager und Coblenz die Stadt oder der Hof genannt „Die Kraft des Vereins gab de» Maasstab sür die Wichtigkeit seines Oberhaupts, daher sah cs der Prinz von Conds sehr »»- gern, wenn man ihm entwischte, und trug es lange nach. j „ Dessenohngeachtet eilte ich jedoch nach Coblenz, sM dieses einen gewisse» Glanz erlangt hatte. Dort waren weine Verwandten, meine Freunde, dort war zudem mehr äußrer Scheu,, inehr Lelwn und Größe. Coblenz wurde bald die Werkstätte der einheimischen und fremden Jntriguen. Man bemerkte daselbst vor- nämtich zwei sich genau untcrsclwideude Parthcien: die Herren . von Aoara», von Jaucourt und andre waren die Vertrauten, die Rathe und Minizrer von Monsieur, jetzt Ludwig dem XVIII. j der Bischoff von Arras, Graf von Vaudreuil und andre die des ! Grafen von Artois. Schon damals wollte man an diesem Prinzen l rewt deutlich die nämlichen politische» Eigenheiten wahrnehnien, ^ welche ihn seitdem charakterisirt haben sollen. Herr von Breteuil, j Ler sich zu Brüssel befand, und unbeschränkte Vollmacht von tud- wig dem XVI. zu haben, versicherte, bildete eine dritte Parlhri ; und verwickelte unsre Angelegenheiten nur noch mehr. s „Herr von Caloune war unser Beistand in Finanz - Angele: ^ genheiten, so wie der alte Marschall von Brogliv und der Mar- ^ sclrall von Castries unsre Stützen für den Krieg. Der brave und s fähige Herr von Bouills, der Frankreich nach dem Vorgänge in ^ Varenues verlassen batte, konnte nicht bei uns blechen und folgte ^ Gustav dem m. nach Schweden. ^ „Inzwischen hatte die Emigration einen großen Charakter gn- ! genommen. Man verdankte dies der Sorgfalt sic zu verbreite». ? Es waren nach allen Provinzen Agenten ansgegangen, in alle EM s ser Ankündigungen gelangt, alle Edelleute aufgcbotcn worden, sich - den Prinzen anzuschließen, um mit ihnen sür Altar und Thron z» j kämpfen, ihre Ehre zu rächen und die verlornen Rechte wieder zu erringe». Man hatte einen wahren Krcuzzug und zwar mit um e so größerem Erfolge gepredigt, je geneigter die Gemütber olnnhi» ^ dazu waren. Unter den Adclichcn und Privilegirte» gab cs nicht - Einen, der nicht durch die Dekrete der Nationalversammlung vor- s letzt gewesen wäre. Alle von dem höchsten Range an, bis zu dem l 5 - klciüstcn Strohjuuker, hatten dadurch verloren. Den erster,, hatte man ihre Titel uud Vasallen genommen, den andern ihre Thürm- chen, ihre» Taubenschlag angegriffen, man hatte auf ihre Haasen geschossen. 'Auch war die Bewegung sogleich allgemein, sich in Marsch zu setzen, man durfte bei Verlust der Ehre nicht ausblei- l>c» und die Weiber wurden dahin gebracht, denen, welche sich un- enlschlossen, oder zu langsam zcigien, Spinnrocken zuzuschicken- War kü nun Zorn, oder Kleinmuth, oder Ehrgefühl — kurz die Emigration wurde zu einer wahren Krankheit; man eilte über die Grenzen und was die Sache immer schlimmer und schlimmer machte, war, daß die Männer an der Spike der Revolution sie ins Geheim förderten, wenn sie auch öffentlich sich ihr zu widersetzen schienen- So breit auch ihre Declamatione» dagegen auf der Tribüne waren, so sorgten sie doch ängstnlich dafür, alle Wege frei zu lasse». Begann vielleicht der Eifer zu ermüden? so wurden die Reden noch heftiger uud man befahl, die Grenzen streng zu schliefen. Nu» befanden sich diejenigen, welche zurückgeblieben waren, in der größten Verzweiflung, daß sie nicht den günstigen Augenblick benutzt batten; aber durch Anfall oder Vernachlässigung öffnete» sicb die Grenzen von Neuem und man eilte ihnen zu, um sich nicht abermals Saumseligkeiten zu Schulden zu bringen. So wußte die Nationalversammlung recht geschickt, ihren Feinden den Weg zu dem Abgründe zu bahnen, in welchen sie sich selbst stürzten. ,.Die bessern Köpfe der Parthei sahen bald, daß eine solche Maasregcl sic von den fremden Theilen befreien werde, welche ihren Gang aufhielten uud das Vermögen aller freiwilligen Verbannten ihnen unermeßliche Hülssmittel verschaffen würde. Die Offiziere dachten, Wunder was sie thäten, wenn es ihnen gelang, sich von ihren Regimentern sortzustehlen, indessen die Regierer ihrerseits, die Soldaten aufwiegeltcn, diese dazu zu zwingen. Sie befreite» sich dadurch von Feinden, die ihre Bemühungen lähmten und gewannen dagegen in den Unteroffizieren eifrige Gehülfen, welche sich bald für die Sache der Nation als .Helden zeigten- Cie waren cs, aus welchen dann jene großen Feldherr» hervor- gingen, welche alle alte» Truppen des Auslandes schlugen- „So kam cs denn, daß Cvblenz bald alles in sich vereinte, was der Hof von Frankreich berühmtes und die Provinzen reiches und ausgezeichnetes besaßen; Tausende von jeder Waffe, jeder Uniform, jedem Range. Wir bevölkerten die Stadt uud besetzten das Schloß. Unsre täglichen Versammlungen bei den Prinzen glichen eben so vielen glänzenden Festen. Es bildete sich dort der prachtvollste Hof; unsre Prinzen spielten dabei die Herren, indes scn der arme Ehnrsnrst sich in der Dunkelheit der Menge verlor, - so daß jemand einst auf gar scherzhafte Weise, die entweder sehr , naive, oder sehr geistreiche Bemerkung inachte, daß, in dem gro- ! ßen Gewichte seines Schlosses, er der einzige Fremde sei. - „Bei großen Feierlichkeiten war dann und wann öffentlich! t Gala, wobei man den vvrnchmern Einwohnern erlaubte, um die ! offne Tafel hcrumzugehc». Wie stolz waren wir doch damals, wenn wir sahen, wie sehr man die schöne Haltung und das rin«- i llichc Auffehn von Monseigneur, dem Grasen von Artois, beivnn- - derte, wenn uns kund wurde, wie man den Kenntnissen und dem z Verstände von Monsieur Gerechtigkeit wiederfahren ließ. Es >oar s merkwürdig, in welchem Grade wir die Wichtigkeit und den Glanz unserer Monarchie, besonders das Ansehen des GelneierS und den hohen Rang unserer Prinzen, gleichsam mir fortgenom- rnen zu habe» schienen. Sr. Majcstät der Konig, so sagten wir gar vornehm in den deutschen Gcsellschafften, wenn wir von dem Könige von Frankreich sprachen — denn dies war, unstick Meinung nach, der ihm ausschließlich vor andern in ganz Europa gebührende Titel. Dar Abbe Maurp, den wir anfangs mit grossem Jubel unter uns ausgenommen hatten, der aber im Vorbeigehen gesagt, bald sehr bei uns verlor, hatte, wie er uns versicherte, cndcckr, daß dies! ein ihm zukommendcs Vorrecht sei. Braucht man noch größere Beweise von Uibcrtreibung? „Als es uns späterhin sehr schlecht erging und unsre Sache schon ganz verloren war, bat ein Oestreichischcr Staabe-Offizier, der wichtige Depeschen an den Hof von London bringen sollte, einige von uns, mit denen er vorhin auf dem Eontinentc in Verbindung gestanden hatte, zu sich zu Tisch. Gegen Ende des Mahls, als man anfing offenherziger zu werden, kam man a»s politische Gegenstände und da ließ er denn etwas davon falle», daß bei seiner Abreise von Wien man viel von einer Verbindung zwischen Madame (der jetzigen Herzogin von Angoulcme) und dem Erzherzog Karl, der damals einen großen Ruf erlangt hatte, gesprochen habe. — „DaS ist unmöglich! bemerkte einer der französischen Gäste, mit großer Lebhaftigkeit" Wie so denn? — Weil das keine schickliche Verbindung für Madame senn wurde, — -Was? rief der Oestrcichcr aus vollem Halse, Sr. König!. Hoheit der Herr Erzherzog Karl kein schicklicher Gemahl für Ihre Prinzessin? — Nein, mein Herr! in der Lhat, das wäre nur so eine Art von Garnison-Heirath für sie." „Uibrigens kamen diese großen Ansprüche von unserer Erziehung her. Sie waren unser Nationalgesühl geworden und unsre Prinzen nicht davon ausgenommen. Die Brüder unsres Königs oerschinäbeten den Titel; königlich',: Hoheit. Sie verlangten jeden regierenden Herrn in Briefen, mein Bruder zu nennen, und so war cs mit allen Uibrigcn. Auch war die Klage über unsre Versailler Sitten und die Ansprüche unserer Prinzen, in Europa allgemein. „Gustav der M. sagte uns in Aachen. „Ihr Versailles Hof „war nicht umgänglich, sein Hochmuth und sein spöttischer Ton „waren doch wirklich etwas zu stark. Man bat mich kaum angesehen, als ich dort war und wie ich fort ging, nahm ich die „Ehrentitel: Pln m p h echt undDu m mkops mit." „Die Herzogin von Eumberland, die an den Bruder des Königs von England vermählt war, beklagte sich zu derselben Zeit »ad an dem nämlichen Orte, daß die Prinzessin von Lamballe ihr »icht einmal die Ehre zugestehen wollte, vor ihr beide Thürflügel öffnen zu lassen. „Der alte .Herzog von Glocester beschwerte sich späterhin zu London seinerseits über einen unserer Prinzen von Geblüt, der, ale der Prinz von Wallis, welcher darüber sehr gelacht habe, ihn Monseigneur genannt hätte, ängstlich beflissen gewesen wäre, seine Reden so zu drehen und zu wenden, daß er ihn nicht wieder so zu benenne» gebraucht. „Bei den neuern Verhältnissen hatten jedoch unsre Prinzen die Gnade, ihr Benehmen zu ändern, und sich den Prinzen des Auslandes herablassend gleichznstellen. Sie befanden sich damals bei dem Chnrfursten von Trier, einem Prinzen von Sachsen, dem Bruder ihrer Mutter, den wir, im Vorbeigehen gesagt, anfzehrtcn und der späterhin um unsertwillen sein Land cingebüßt hat- Sic waren so gnädig ihn Onclc, und erlaubten ihm sie Nevcu zu nennen, ja man will wissen, daß er eines Tages zu ihnen gesagt habe: „Nur Ihrem Unglück verdanke ich alle diese „zärtlichen Benennungen. In Versailles wäre ich für Sie wohl „nur der Herr Abbs gewesen. Es ist nicht so recht gewiß, ob „sie mich alle Tage vorgelasscn hätten." Man fügte hinzu, daß er sehr recht habe, und daß der Graf von der Lausitz, sein Bruder, dort traurige Erfahrungen dieser Art gemacht hätte. In der Ordnung brachten die Prinzen ihre Abende in Gesellschaft ihrer besonder:! Vertäuten zu. Der eine war meistentpeils bei Frau von Polastron, mir welcher er auf einem Fuße lebte, den seine Beständigkeit und sein Betragen achtnngswerth machte. Oft, aber stets vergeblich, trachtete man, ihn vc» ihr abzuziehcn, weil die Jntrigucnmachcr bei Fran von Pvlastro». welche sanft, über- ans gut, und ganz uneigennnhig war, und von den Geschäfte,, durchaus nichts wissen wollte, keineswegs ihre Rechnung fanden. Die Gesellschaft, welche sie bei sich sah, war nie zahlreich und nur einer Anverwaudtin verdankte ich das Gluck, zu derselben gezogen zu werden; da inan sich jedoch stets vor Ankunft des Prinzen zuruckziehen mußte, habe ich nie die Ehre gehabt, ihn dort zu scheu. „Monsieur brachte bei Frau von Balby, Dame d' Atoms von Madame, seine Abende zu. Sic war lebhaft, geistreich, al§ Freundin recht herzlich, als Feindin cnischieden, und da sie nur die ausgezeichnetsten Perwnen um sich vereinte, so war cs eine besondere Ehre, bei ihr Zutritt zu stnden, wo der feinste Ton und der beste Geschmack herrschte. Monsieur blieb dann und min, bis sehr spät; wenn denn die Menge sich verlaufe» hatte, so erzählte er bisweilen im enger» Kreise und man muß bekennen, daß er uns durch die Anmuth seiner Unterhaltung eben so überlegen war, als durch Rang und Würde. „Das war denn also unsre Haltung in Hinsicht auf den gesellschaftlich, n Ton in Eoblcnz — offenbar unsere beste Seite.- s Minder glücklich waren wir in Hinsicht auf Politik — unsre Schattenseite, t „Gut, gut! sagte hier der Kaiser; ich fing schon an Ihre „Beschreibung der Salons etwas lang zu finden. Man muß Jh- „uen das schon verzeihen. Sic gefallen sich dabei; es war ihre . „Jugendzeit. Aber weiter!" — - „Sire! unsre Massen waren nichts, als ein vornehmer Pracht- s voller, aber ungeordneter Hansen. Das Ganze trug das Gepräge ^ einer vollständigen Verwirrung. Es war die Anarchie, welche sich p im Anslande bestrebte, im Innern, wie man sich ausdrücktc, die ^ , Ordnung wieder hcrzustcllen, eine wahre Demokratie, die für den § Aristokratismus kämpfte. So gaben wir im Kleinen, bis auf ei- r nige geringe Abweichungen, das Gegenstück von dem, was in Frankreich vorging. Wir hatten unter uns die- eifrigsten Anhänger r an den alten Formen neben den wärmsten Freunden des Neuen; t wir hatte» unsre Eonstitntiouellcn, unsere Undulrsamcn, unsre s Gemäßigten; wir hatten ferner unsre Empiriker, welche sehr bc- > dauerten, sich nicht des Königs bemächtigt zu haben, um in sei- i nein Namen mit Gewalt zu handeln, oder wohl gar daran dachte», ihn für unfähig zu erklären; wir hatten endlich auch unsre Jacobmcr, die alles nmbnngen, alles verbrennen, alles vernich- len wollten, wenn sie einst zurückkämrn, n. s. w. „Unsre Prinzen übten leine bestimmte Gewalt über miste Gcsaniimhcit ans. Sie waren zwar unsre Herren, wir aber sehr migelchrige und leicht beleidigte Unterthanen, die bei jeder Gelegenheit murrten. Besonders war der allgemeine Unwille gegen die zuletzt angelommcnen gerichtet. Wir sagten, daß dadurch uns ein verhaltnißmäßiger Theii an Ruhm und Bortheilcn von unsern Waffenthaten und den Erwartungen, die wir haben konnien, entzogen wurde. Man komme jetzt zu spät, — so schrien alle diejenigen, welche schon unter uns ausgenommen waren. Jetzt sei lein Perdienst mehr dabei, sagte man, und wenn man so sorr- sichre, alles anzunchmen, wurde bald ganz Frankreich ans unsre Leite treten und bei unsrer Rückkehr niemand mehr zu bestraft» sc:>n. „Wenn jemand ankam, so regnete cs von allen Seiten Do- minciationen icder Art. Gin Prinz von Saint - Maurice, Sohn des Prinzen von Montbarei) konnte dem Sturme nicht widerfuhr», obschsn die ausgezeichnetsten Personen, der Prinz sclbstj sich für ihn verwendeten- Letzterer bat für ihn mit den Worten: „Ach, meine Herren! wer hat nicht bei der Revolution sich etwas „vorzuwcrscn? ich habe ebenfalls Fehler gemacht und indem sie „mir dieselben verziehe», haben sie mir das Recht gegeben, mich „für Andre zu verwenden. Der Herr von Saint-Maurice mußte sich dennoch so schnell als möglich fortmachen. Sein Verbre. chen bestand darinnen, daß er Mitglied der Gesellschaft der Freunde der Neger gewesen war und daß ein Gvrlmann ans der Fianchc-Evmts, der sich mitten unter uns befand, ihn mir dev größten Erbitterung verfolgte, indem er deusellnn anklagte, daß er ihm seine Schlosser habe in Brand stecken lassen. Wenig Lage nachher zeugte sichs aber, baß jener Schrftcr nie ein Schloß gehabt hatte, daß er gar nicht aus der Franche-Courts, keineswe- ges ein Edelmann, und nichts als ein Abeuthcurer sey. „Herr von Cazal«s, der in Frankreich und in ganz Europa wegen seiner glänzenden Beredsamkeit, und durch seinen in der Nationalversammlung bewiesenen Muth berühmt worden war, hatte gleichwohl zu Eoblenz die Bolksgnust verloren. Als er von Paris kam, ging unter uns das Gerücht, die Prinzen würden ihn entweder gar nicht, oder doch schlecht aufiwhmeu und wir traten daher 80 Landsleute aus Languedoc zusammen, um gegen seinen Willen ihm zur Escvrte zu dienen. Herr von Cazalss war — der Stolz unserer Provinz; wir begleiteten ihn zu den Prinzen und es ward ihm eine gute Aufnabmo zu Thcil. „Ein Deputirtcr vom dritten Stunde, der sich bei der con- stituireudcn Vcrsamminng durch seinen Ropalismns sibr ausgezeichnet Hütte, befand sich jetzt unter uns. Einer unsre Punzen wendete sich eines Tages vor vielen M. »scheu mit den Worre» au ihn: „Aber Sie! sagen Sie mir nur, wie hat ein so recht- „sicher Mann, wie Sie sind, den Eid im Ballhansc leiden können? — Der Deputate, der über drese Beschimpfung Heu-sc betroffen war, Mterce anfangs, Laß man ihn übereilt — saß er die traurigsten Folgen Nicht sogleich vorheigeiehen nabe, setzte sich aber schnell wieder aufs große Pfeid und erwiedcrte ganz webest: „llibugens muß ich Ihnen, Monseigneur! bemerten, daß dies sie „französische Monarchie nicht ins Unglück gebracht hat, wohl aber „der Verein des Adels, der auf einen hvcyirrnhrenden Br-es von „Monseigneur, sich mit uns verbunden hat. — Houa! sagte der „Prinz, indem er ihn ganz saust auf den Bauch klopfte; beruhigen Sie sich, lieber Freund, ich habe Sic durch meine Frage „nicht kranken wollen." „Indessen wurde mit der Zeit doch so Einiges übel und böse geordnet. Man rheilte uns in Eorps nach den vcrschiednen Provinzen ciu, wies uns Cantonirnngen an und gab uns Waffen; die Gardcs-du-Eorps des Königs wurden zusammeugezogen, gekleidet, cguipirt, besoldet und bildeten bald eine vortreffliche Truppe von der besten Haltung, und Regelmäßigkeit. Die Vereinigung von Auvergne und des Marine - Eorps, theils zu Fuß, theils beritten, zeichneten sich durch ihre Mannszucht, ihre Kenni- urffe und ihre brüderliche Eintracht ans. Uiberhanpt kann nuni unsere Ergebenheit und Entsagung nie genug bewundern. Jeder - Offizier war nichts beßers, als ei» gemeiner Soldat, zu Wicht und Anstrengungen verbunden, an die er durchaus nicht gewehrt war und den größten Entbehrungen unterworfen, denn es wurde kein Sold bezahlt und viele harten bald kerne andern Mittel zu f ihrem Unterhalte, alö die freiwilligen Beitrage ihrer glücklichem ^ Kammeraden. Wir verdiente» ei» besseres rroos, oder richtiger gesagt, wir zeigten uns einer bessern Unternehmung würdig. - Man hatte sorgfältig alle Offiziers eines und desselben Regiments vereint, damit sie vollständige Eadres sur die Soldaten bi,de» möchten, welche, so wähnre» wir, sobald sie diese nur sahen, sich um sic her versammle» würden; so groß war unsre Beiblendung. § Aus eben diesem Grunde Harle man die Edellente nach den Pro- ^ ranzen geordnet und man zweifelte nicht einen Augenblick an dem — 6Z — giuisiigcii Einflüsse, dcn dieß auf die Menge stabe» würde. Unsre ' schwache Seite war, daß wir uns iimuersvrt für ersehnt, für er- i wartet, für angebetet stielten. i „Alle diese Vcrblndungcn übten sicst ganz öffentlich ein, und s mai'-övrirten auch eben so, auf alle diplomatische Anfragen aber über diesen Punkt antwcttete man keck: cs sei nichts bedeutendes, oder : auch, mau werde nicht unterlassen, dies zu verbieten. Wir hat-' ^ tcu unsre bestimmten Generale, einen förmlichen Gencralstaab i und Alles, was'zu einem Hanptguartiere gehört, bis ans de» : cheneralgewaltigen. Unvermerkt hatten unsre Prinzen sich mit eignem vollständigen Jiegicrnngspersonale rnngcben, sie hatten ihre ^Minister für die Geschäfte des Augenblicks — Sic hatten glci- i chcrmaaßen schon ihre Minister für Frankreich, wenn wir dahin f-.n'ickgekchrt sei)» würden. Sv untrüglich und nahe glaubten wir i dckscS Ereigniß. i, „Herr von Lavilleurnois, von dem späterhin bei einer Verschwörung, zu. Gunsten des Königs so sehr die Rede war und der ! ^>zu Snmamar!), in Folge des Fructidors starb, hatte das Miui- ^ st gicrium der Polizet. Er reiste zeitig ab, nm es heimlich zu Paris i in Ausübung zu bringen und da er mich besonders liebte, so woll- i re er durchaus seinen Schwiegersohn ans mir machen. Er bat mich ' aus das allcrdringcndste, ihm zu felgen; allein ich schlug es ab; die Beschaffenheit seines Ministeriums war mir zuwider. Welch . ein ganz andres Loos wäre mir außerdem gefallen! — > „Wir standen übcrdem in direkter Verbindung mit fast alle» < Äsen. Die Prinzen halten dort ihre Gesandten und empfinge» i ihrer Eeirs dergleichen in Eoblenz. Der Gras von Artois war, s glaub' ich, in Wie» und ganz gewiß in Pillnitz. Der Adel schrieb ' nu Corps, au Katharina, welche uns einen Ambassadeur, de» .hem, >>o„ Romanzos znseudete. Die Kaiserin bemerkte mit Vergnügen, daß im Mittag von Europa sich ein ttngewitter znsam- meu zog- Sic schürte recht gern eine Flamme an, die ihr sa j mstich worden konnte, ohne ihr etwas zu losten, und zeigte sich l daher recht warm in ihren Gesinnungen nud eifrig bei ihren Versprechungen. Sie hoffre bei dieser Gelegenheit Gustav dcn III. »memien zu lassen, dtffcn nachbarliche Thäti^keit ihr lästig wurde. Eie war cs, sagt man, die ihn zu jenem Kreuzznge durch die i Pochiegclmtg augereizt hakte, daß er Generalissimus werde» i ilurdk. Ich weiß nicht, ob dieser Fürst, der vielen Geist und i Taieut bejaß, und i» der That für seine Zeit ein wahrer Adler ;>m, sich vcn ihr irre leiten ließ. So viel ist gewiß, daß er sich i skhr glühend für unsre Sache zeigte und das Verlangen zu erken-» - "4 - : ne» gab, persönlich für dieselbe zu fechten. Als er von Aachen abreiste um i» Schweden diSsailS die »dthigcn Vorkehrr.ngeii z„ treffen, habe ich selbst gehört, wie er bei dem Abschiede r-e» da i Prinzessin Lamballc zu derselben sagte: „Sie werden mich bald i „Wiedersehen; aber jetzt mnsi ich noch in eigner Angelegen^! ^ „mancherlei Vorkehrungen treffen und gewisse Rücksichten uch„m>, „da meine Rolle höchst delikat ist. Sie müssen wissen, daß ich, „in meinem Lande der erste Demokrat bin und doch wicderkm-! „men will, um hier au der Spitze Ihrer Aristokraten zu sch „len, u. s. w. „ES fanden sich selbst Gesandte von Ludwig dem XVI. bei ms ein- Oeffentlich waren ihre Missionen Tadel aussprechcnd, si, pflegten aber vertrauliche Eonstrenzeu, wo sie vielleicht gar» anders redeten Wenigstens handelten wir, als ob dies der F„/ gewesen wäre, erklärten laut, daß da Ludwig XVI. ein Gesargt! «wr sei, wir kerne Rücksicht auf seine Befehle nehmen komm, vieum hr das Gegenlheik von dem thrin wuchten, was ma» Id« sagen raffe und baß, wen» er uns zum Frieden ermahne, ci eigrntlrcri den Krieg soderc. Auch bin ich überzeugt, daß ms!, BetratjtN sur die Ruhe des unglücklichen Monarchin höchst »ut- th.rrrg gewesen ist, und wir unser» besonder» Antheil an di, i Verzeih..ng haben, die er in seinem Testamente für seine Fremd, ' ausgc,prochen har, welche, wie er sagt, durch einen übel arigo brachten Eifer ihm so großes Unheil zugesügt haben. „Injwischen verlängerte sich unsre Auswanderung trotz aller in Verchr.chungen, welche man uns machte und der Hoffnungen, msr» ^ wir so durchdrungen waren. Es ist unglaublich, mit welche» M k spregAungen, mit welchen Gerüchten und Albernheiten man »ns» l Ung.duld rauschte, entweder um uns bei Mutpe zu crha.tc», od„ weil ma» selbst im Irrthum war. Mau hat zum Spaß bereilM, daß, nach unfern Briefen und Acituugeu, in weniger als >§! > Monaten beinahe zwei Millionen Menschen marschieren, ohucd«;> nur Ein Mann davon uns vor Auge» kam. „Aber, so sagte» bist „hohen Eingcwcihetcn uns im größte» Vertrauen, diese Tny . „pen marschiren nur des Rachts, um unsre Demokraten des« j- „mehr zu überrumpeln und wenn sic am Lage vorich.icoiii»»«! ' „so gehen sie nur in kleinen Ablhciluugen und ohne Uniform :c." ' und was man soiich der Art erzählte. Andre zeigten eine Mar i - ge von Briefen vor, die ans anen Ländern der Welt von sichm , Händen kamen und in einem rathlelhast.n Tone abgesaßt wm«, < den naturlicherwersc niemand als wir verstehen konnten. En» < meldete man, daß bshMtsche ktpstallgiaser »ach senic» / ,! — 6 Z ^ Mde abgtgangen wären, dem andern ward eine nahbevor- ' ! sichende Sendung von io,a^ sächsischen Porcellainkisten, cSncnr ' Bitten eine ähnliche von 22,00° Ballen Cacas angektindigt und dcrgl. Unsinn mehr. " ^ Wie war eS möglich, so frage ich mich jetzt, daß Leute von ' ' Beistand, und gewiß waren deren viele unter und, daß vorma- '! -stze Minister, die uns regiert hatten und andre, die dazu be- waren eS zu werden, solchen Narrheiten sich hingebe» ^ ftnntcn, und daß wir mit unsern gesunden fünf Sinnen, der z Masse nickt ins Gesicht lachten? Aber nein, wir wacer völlig ! libsrzcugt, daß wir nahe am Ziele unsrer Hoffnungen waren, und > l daß der Augenblick sich schon nähere, wo, sobald wir und nur zeft l M wurden, alle W-lt mit der größten Sehnsucht uns empfan- , ß gcn und sich zu uuseru Füßen werft» werde." , k Hier sagte der Kaiser, der mich oft mit Lachen und Scherzeit I Mtcrbrochcn hatte, sehr ernsthaft: „Ihre Beschreibung muß doch i' s „sehr treu styn, denn ich erkenne darinne eine Menge der Ihrigen > „wieder. In der Lhat, mein Theurer! ohne Sie damit lwleidi- - „gen zu wollen, Hochmurh, Leichtgläubigkeit, Jucousegnenz, ja 1 c „selbst Dummheit — man kann es bei allen ihren! Verstände so - ^ „mnncn — schienen ihnen ganz besonders zu Theil worden zn > „st»». Wenn ich mich zuweilen belustigen wollte und daun die l j,Angel locker ließ, um ihr Vertraue» zu gewinnen, so ist mir's r „selbst gerade so, wie Sie mir da erzählen, in den Luilerien, " „unter dem Cvnsulate, wie unter dem Kaiserthume ergangen. „Niemand hegte nur das mindeste Bedenken. Man sagte mir, ' „die Liebe der Franzosen zu ihren Könige», sei ganz ans meine ^ „Plstii übergegangeii; ich könne mm schon thun, was ich nur ^ ' „wolle und möchte doch nur davon Gebrauch machen, fzll) würde p '„nie ein andres Hindernifi finden, als eine Handvoll schlechter ! „miverbesserlicher Menschen. Dies- Gegenrevolution, äußerte ein ^ „andrer, so sehr man sie auch verabscheut habe, sei für mich doch ,M ein Kinderspiel gewesen und habe mir ganz und gar keine , Anstrengung gekostet. Und sollte man cs wohl glauben! ES fehle ,,'1 nichts, so sagte derselbe nicht ohne Beziehung, als die alte weiße „ „Farce an die Srelle derer treten zu lassen, die uns überall so v:e- „ics Unheil gebracht hätten. „Der Armselige! diese Farben waren ,, „w seinen Augen die einzigen Schandflecken, die er an nnS fand. , „All, lachte recht mitleidig, ob ich schon Mühe hatte an mich zn n hatt.11. Er aber meinre cs ganz so, wie er sprach und war fest «überzeugt, daß ich eben so denken und eigentlich die ganze Welt - ^ t. Casts Laord. 7 S BLchn. 5 „seine Ansicht tl,eilen müsse Aber fahren Sie fort." „Die Ar tunst des Herzogs von Brannschweig zu Coblenz und die dcs A nigs von Preußen, an der Spitze seiner Truppen, waren ei« Hauptgegcnstaud der freudigsten Hoffnungen für alle Ansgcwandcr te. Der Himmel öffnet sich uns endlich, rüste man aus, W werden also bald in das gelobte Land zurückkehlen! Leute U, Hopf und Erfahrung sagten allerdings gleich, daß unsre M mit allen ähnlichen in der Geschichte gleichen Ausgang haben «in de, daß wir in den Augen der Fremden nur Instrument chg Vorwand wären, daß diese blos den eignen Vorthcil suchten in» keine Freundschaft für uns hegten u. s. w. „Herr von Cazalss, den eine kurze Zeit sehr gebildet lM drückte sich hierüber sehr kräftig aus. Als wir mit Entzücken da, Durchmarsch der Preußen, die durch die Straße von Eoblcnz M fern Gränzcn zuzogcn mir ansahcn, riefcr uns zu: „Ihr unsincha, „jungen Leute! Ihr seid ganz voll Bewunderung und ganz M „selig über diese Truppen und über den langen Zug da, seid ach, „euch für Freude über ihren Marsch. Zittern solltet Ihr dabei vielmehr! „Ich wollte, daß sic alle, bis ans den letzten Mann im Wim ») ES lg allerdings den Menschen eigen, sich über die Gesinnungen xi läuft,!«», die man für ge hegr. Zn Coblenz, wo wir so viel 8,0 weggcworfen, wo emc glänzende, liebenswürdige, „Uhr duich Uibw Maas! a,0 durch Mangel an Erziehung, strsorgiußerregeiide Iiiiinr, in allen Häuser» und Familien war, gälte inan u„S mnmIÄ-i Weise für beliebl halten sollen und wir glaubten auch in der Lim, daß wir dorr angebcler würden. Al0 ich nun während meiner Rert«> nung nach dem Worgebirge der guten ich Hoffnung, daselbst, duräi ein!» ganz eignen Zufall, gerade inner die Aussicht eines vinwohuerc ec» Eoblen; kam, welcher »>,o in der schöngc» Zeit der Eniigraliou zu taunr haue, marine mir es Vergnügen mn Nim davon j» spiechi». Wir konnten sitzt hierüber k>i» Eeheimniß vor einander haben, N 25 Zahr nildem vergriciien waren. Da sagle er mir den»: ,,sii „waren gnade nicht gehaßt, aber eigentlich geliebt waren nur fttii „Gegner, deren Sache wir für die mistige ansahen Die Früh«, „war Ihrer Gegenwart zun, Trotze zu uns gelaugt; wir hatten w» „len unter Zyneu, ror Ihren Augen unsre ElurS, und der Hi» „niel weiß, wie herzlich wir sie auSgelacht habe», u. s. w. „Mehr ei! euiinai halte er selbst, wie er sagte, unter der Menge, deren F» deiigeftdrei bei niiftrn Dnrchmärsti.ei, ertönte, Mit rieten seiner Si»» meraden gesthrien: „Die fraiijvsiftheii Primen löste» leben, und >i» wenig >,» Vehein errriukeii! " Eie mrecheii von dem Cmpfange, sin Sie bei uns sandeii, fügte er hinzu; aber Sie hätten sehen sollen,«! Cuiünc aufgrnonimeii wurde! da konnten Sic unlrs wahren Gesi» „iittg erfeniie». Wir liefe» ihm entgegen, bekränzten seine Lollnnn, viele von IMS ließen sich anwerben und mehrere derselben sind Viani rale geworden; ich selbst habe damals mein Glück versäumt n. ft « „ersöffen. Wehe dem, der die Fremden in sein Land kommen ,M! O, 'nein: Freunde! so fuhr er voll Wärme fort, der „französische Ädrl wi:d da» ,üc! r überleben, er wird den Kummer „haben, fern von seine Wiege zu sterben. Ich trage größere „Schuld als andre; ich sehe das voraus und mache es doch wie „alle übrige: aber raun ich cs denn hindern? Nochmals wiederhole ich es: Wehe dem, der sich an Fremde wendet und ihnen „traut! — „Welche weise Prophezeihunz lag in diesen letzten Worten. Bald hatten T-Hatsachen uns hiervon überzeugen sollen, waren w:r mir weniger blind gewesen, oder wäre es überhaupt der Menge gegeben, richtig zu urtyeilen und zu handeln. Wir waren vi.i- „ichr bestimmt, duich unser Elend die Geschichte mit einer Warnung zu bereichern, die einen würdigen Stoff zum Nachdem.:! bietet. Wir tonnte» rechnen, daß wir 20 bis 2.chuoo Man,, unter den Waffen hatten, gewiß, eine solche Masse, weiche voll Elfer n»o Ergebenheit war, sür ihre eigne Sache streiten sollte, sich im Einverständnisse mit vielen Gleichgesinnten im Innern befand und gegen eine aufgeiosere Nation zu Felde zog, die durch noch ungeheiligte, nicht einmal begriffene, neue Rechtsgrundsäee aufgeregt war, konnte leicht etwas Entscheidendes vollbringen. Aber unser kräftiges, wirksames, schnelles Handeln war nicht im Plane der Fremoen. Es wurde daher eben dieser unser Einfluß, der, wie man sagte, ans mehreren Punkten zugleich verwendet wcrdcn sollte, zum Vorwände genommen, um uns zu zerstuck-lu. Min zn ammllire», und uns unter ihren verschiedncn mrmee- Eorps g eiclnam zu Gcfunznen zu machen. So schickte man denn iliovo Man» unter den Befehlen deö Prmzen Eond- nach denn Elsaß, 4 »uo unter dem Herzog von Bourdon nach Flandern und 2 dis >!>,uov Mann sollten im Eenirnm, unter den beiden Brüdern des Königs, die Ehampagne angreifeu Helsen. „Der Plan und dar 'Wunsch unsrer Prinzen war gewesen, daß .Monsieur, als Thronerbe nuS nalüri-.cher Stellvertreter Ludwig d:ü XVI., sich, in Nachsicht der Gefangenschaft des KRugs jzuiü Regenten des Reichs proclamiren, mit seinen Emigranten an der Spitze der Expedition v rrucken und die Wiirten, jbm folgend, nur als Hnlfstruppcn erscheinr» solllen. Aber die Liüueii lacht.» nur dazn, styichcen uns hinter ihreLrmecn, stellten un» mittr die Befehle und lwliebige Dispositieu deS Herzogs von Brannschweig, als Generalissimus, der das albernste M.mjsest rar mi» hcrgkhm lieg, das aus diese Weise mit seiner pächrru.hk l: 63 und seinem gehässigen Inhalte doch wenigstens nicht auf miss« Rechnung kann „Tie Gerechtigkeit befiehlt, eö nicht zu verschweigen, daß allerdings einige ältere, besser unterrichtete Männer unter uns d-j alles ziemlich vorausgesehen hatten. Man sagte, sie hätten in dem Rathe der Prinzen vorgcschlagen, vor Ankunft der Almke«, sich auf einen großen Punkt in Frankreich zu werfen und dort sin unsre Rechnung den Bürgerkrieg zu führen. Andre, welche wch verzweifelter oder hitziger waren, ricthen, sich edler Weise du Staaten des Churfürsteu von Trier, unsers LLohlthätcrs zu te- mächtigen, Coblcnz mit sseiner Festung zu besetzen und daraus ej- uen Vcrernigrmgspnnkt für alle un-ufricdne Franzosen, einen m dem deutschen gleiche ganz unabhängigen Stützpunkt zu machen, und «IS wir über eine solche Treulosigkeit, eine so unerhörte Undankbarkeit schrieen, antworteten sie: „Bei großen Uibeln mäße man große Mittel anwenden." Mau weiß nicht was hätte gi- schehcn können, wenn dergleichen Maaßregeln beschlossen worden wären, die übrigens ungleich mehr der Kühnheit unsrer Tage, al» den Sitten der damaligen Zeit angemessen waren. Auch ging a» nicht drauf ein; eS war schon zu spät, wir waren mitten »M den Fremden, die uns festhielten, die uns beherrschten — Unser LovS sollte nun einmal in Erfüllung gehen! — Tie größere Masse der Uusrigen war weit entfernt, ihr Unglück zu ahnen. Jubelnd traten wir unser» Marsch an- Mn sah sich schon im Geilte, nach ,4 Tagen, triumrhircnd, mitten iu>- ter seinen unterwürfigen, beschämten, zahlreicher gewordenen Vasallen. Unsere Zuversicht war so groß, daß kein Mensch sich dagezm eine Bemerkung oder gar einen Zweifel erlauben durfte. Ich will hiervon einen Beweis geben, der mich selbst und an und sin sch eine sehr unbedeutende Same betrifft, dabei aber doch im Ga»!«! sehr charakteristisch ist. Wir gingen durch Trier. Ein Groß - Sole! von mr:, war im SuccessionSkeiegc im Dienst Ludwig des Mt, wahrend der Besetzung des Landes, Gouverneur daselbst gewesen. Im besuchte sein Grab in einer Kapelle der Kartheuser. In der Hitze meiner Jugend und des Augenblicks wollte ich ihm ein kleines Meriument mit einer stolzen, auf die Verhältnisse sich bezie- zeuden Inschrift mischten. Ich hatte gar kein Bedenken hierbei; anders aber dachten die guten Mönche. Der Prior verlangte, daß ich Mich mit dem Herrn Ablw, der eine Art von bischöffücher Würde bekleidete, vernehmen möchte. Die Ruhe und Kälte, welche ich, trotz seiner vielen Ahnen, doch an ihm bemerkte, als ich mein ritterliches Vorhaben bekannt machte, nahmen mich ! gleich sehr stark gegen ihn ein; als er aber nach einigen Umschwei- ^ ft» endlich hcrauspreßte, daß bei den gegenwärtigen Verhältnis- t ft„ .... die Klugheit .... und die Vorsicht — für den Fall, r daß die Franzosen nach Trier kämen — gcricth ich bei den letzten ! Wsrten so in Aorn, daß ich mir nicht die Zeit nahm, ihm nur I eine Sylbe zn antworten. Mit dcni Lächeln der Verachtung und t der Wnth verließ ich die Kirche, in der festen Uiberzeugnng, daß ich lnstt dem abscheulichsten Iacobiner gesprochen hätte und nur i rin gewisser natürlicher Edelmnth und die Achtung vor mir selbst, i hielten mich ab, meine Kanimeradcn ausznwiegeln, die ohne allen > Deisel daS unterste nach oben gekehrt Härten.: Ach, um wie viel ' sah der Herr Abbs richtiger, als ich, denn kaum drei Wochen nachher waren die Republikaner in Trier, der arme Mb« auf der . Flucht und die Asche deS guten Onkels von den Ungläubigen cnt- l weiht. Kaum waren wir aber in voller Thätlgkeit, kaum hatten ' rrir de» französischen Boden betreten, als es jedem, der nicht ' ganz dumm oder verblendet sepn wollte, ziemlich leicht siel, cinzusehcn, wie es denn doch am Ende allenfalls möglich sei, daß wir uns getäuscht haben könnten. Wir waren mitten unter , dcn Preußen, die unS dergestalt gefesselt hielten, daß wir uns j ohne ihre Erlaubniß nicht vorwärts, nicht links und nicht rechts bewegen durften, und die von einer solche» Erlaubniß nie etwas i Nissan wollten. Unsere Verpflegung, alle unsere Bedürfnisse, mnß- i trn wir von ihrem Belieben erwarten; wir hatten die Schande ans nnscrni Grund und Boden, wo wir zn herrschen verlangten, s, als Sklaven z» erscheinen. Unsre Landsleute zeigten, anstatt uns als Retter zu empfangen, wie wir das so gewiß erwartet hatten, nichts als Abneigung und Widerwillen. Zwar schlossen sich einige Burgherrn und dergleichen Naturen an uns an, dagegen floh die ganze Masse den Bevölkerung bei unscrm Anblicke; man betrachtete uns als Feinde mit dcn Augen des Tadels und dem dumpfen Schweigen des Vorwurfs. Man schien uns zu sagen: „Schämt ihr euch nicht, „den vaterländischen Boden zu beflecken. Seid ihr nicht Franzo- „scn? Sagt euch euer Herz nichts für dieses Land, wo ihr ge- „iwren seid? Ihr glaubt beleidigt zu seyn. Aber welches Vergehen , welche Beleidigung kann jemals einem Sohne daS Recht „geben seine Mutter zu zerfleische» ? — Ein wüthender Mensch, Corio- ,lan hat, wie man sagt, einst so schändlich gehandelt, gegen sei» 7 ° »Vaterland zu fechten; aber er verband doch wenigstens noch Eck- i „i.'ng-.öße mit seiner Wuth. Er erschien als«leger mit eiuem eigne, „r:ästig n Willen und zog nicht hinter barbarischen Fremdst»-«, - , brr. Cr war ihr Gebieter und hatte doch netz ein Herz. Ccid »ihr denn zcdes Gefühls unfähig? — Fürchtet ihr nicht misst,, ; »Flich, nicht den Finch unserer Kinder? - Was euch auch geh,- i »gen möge, die Nachweben werden doch größer seun! Ihr gl«,,st »hier herrschen zu können und habt doch eure Gebieter stlbft ha- f »beigehott, n. s. >v. »In Veidnn oder Cstain wurden wir in die Stadt gelegt ! Ich sollte mit einigen Kaminerade» in ei» recht hübsches Ha-z i gnartirt werden. Wir fanden jedoch nur noch die Mauern dessch I b»; alle Mcnblcs, alle Habseiigkeiteii waren verschwunden. Als» z>vei innge, recht niedliche Mädchen befanden sich noch gegenwärUg, ! von denen wir eingewicsen wurden. Das letztere dünkte uns st», - gute Vorbedeutung zu sev». Wir ließen uns das sofort »i.lln, und wollten die Stutzer spielen. „Meine Herren! sagte jetzt tsi l »eine der Amazonen ziemlich bitter; wir sind hier geblieben, m!l 'G ,,wir Mnth genug hatten, Ihnen ins Gesichr zu sagen, daß „»su - »Verlobten gegen sic zu Felde gezogen sind und unsre WinOk ? „o:e,e wenigstens eben so innig als unsre Herzen begleite»." Das war nn» allerdings verständlich, auch hatten wir gennng dem, »!.d gnarlirten uns «uderwärts ein. !- „Bei alle dem waren wir nun in Frankreich, im Bücken jcm 6 preußischen Armee, die immer vorwärts ging und uns um einige s Tagemärsche znrncklicß, dann aber, enrweder um sich einen S,4 f mit uns zu machen, weil wir versichert hatten, daß bei misst», i Erscheine,1 alle Städte sogleich die Thore öffnen würden, öderem i uns los zu werden, uns mit der Belagerung von Thionvillc bw.is- - kragte. Wir nähern uns hierauf dem Plage, wo, cnrch ei» st>, derbares Spiel des Znstlls d«6 Marine-CorpS, Leu Nativist-k Fr. iwiiligen von Brest gegenüber stand. Man erkannte sich und ich z n-g die Spott- und Schimpfnamen nicht wiederholen, womit Mi» r Üch gegenseicig begrüßte. j ..Tbionville ist aber belaimkcrmaaßcn eine der ersten Festungen, d e wir docy unmöglich mit den Händen oder mit den Mw.» nehmen konnten. Da cS uns aber sonst an allein mangelte, so ward cs der Gegenstand wichtiger Unterhandlungen, von den Ds,- s reichern in Luxemburg zwei Vier und Zwanzig Plunder zu cria»- i j,em Mich vielen Wettlänfkigititen kamen diest' endlich iiil Triumzht bci u»s au und jetzt, da wir so furchtbarer Weise gerüstet waren, . >M'de die Stadr ausgcboten, als sie aber die Uibergabc verwei- gerre, die Nacht hindurch ein paar Hundert Äugeln, ohne allen Nutzen verschossen. Der General von Wimpfen, welcher Cvmman- danr der Festung war und eiust nach meiner Rückkehr von der Lmigratlon zufällig mir mir znsammeutraf, fragte mich, was wir denn mit dem schlechten Spaße eigentlich beabsichtigt hatten. So viel ich weiß, hatte man dabei ans Sie gerechnet" — „Aber, wenn das der Fall war, so mußten Sie mich doch dalnn „zu bringen suchen, daß ich mich ergeben kennte. Sie dursten ja „vielt voranssetzcn, daß ich Sie bitte» würde, mich auzugrei- „f.-u, u. s. w. So giugs denn weiter; der unbedeutendste Ausfall brachte unsere Streitkraste in Unordnung, das kleinste (s,r- ciguiß war sur uns eine höchst wichtige Begebenheit. Ls ging ganz natürlich zu. A.lcs das waren uns fremde Dinge und ich bin Überzeugt, tut allem unfern Mulhe hätten doch hundert große Mutzen von der kaiierlichur Garde unsre ganze Gesellschaft zu Paaren treiben kennen. Glücklicherweise wußten unsre Gegner nicht mehr als wir. Sie waren damals noch Pygmäen, wenn nuui scyou bulo darauf überall nur Ric,en erblickte. „A-.nn wir nun schon mit diesen Verhältnissen unter »nsern Zelten und aus unserm elenden Strohe gar nicht zufrieden waren, >o rettete uns doch, auf gut französisch, der lustige Sinn. Mit aller übler Laune machten wir ohne Aufhvrcn schlechten Witz. Jeder unsrer Heerführer hatte seinen Spottnamen. Keiner, selbst unser Generalissimus, der ehrwürdige Marschall von Brogliv nicht, bind damit verschont — hierbei fällt mir eine Geschichte ein, die im einem seiner Lieutenants, dem die Sache schlecht bekam, zu verdauten hatten. Wen» meine damaligen Zelt - Kammeeadcn dieß lese», werden sie noch darüber lachen. „Bei einem Ausfälle, der, wie gewöhnlich alles in Bewegung setzte, eilte jeder vorwärts. Wir hatten jetzt zwei kleine, von unS crlaustc Kanonen, welche die Artillerie-Offiziers, da cs uns an Pferden fehlte, selbst zogen. — „Nun sagte dev Kaiser, ich konn- „ce eben so gut an diese Kanonen gespannt seyn und wie Härte „sich dann mein Loos — wie hätte sich das Loos der Welr so gar „anders gestaltet! denn es ist eine ausgemachte Sache, die wohl „niemand läugnen wird, daß ich ihr durch mich eine ganz andre „Am rung gegeben habe. Aber fahren Eie fort." „Unsre beiden Feldstücke, Sire, waren also im vollen Laufe »uf d.r großen Bandstraße, als auf einmal der General vom Dienst im schnellsten Galopp bcrankömmt »nd, als er sicht, ich > die kleinen Kanonen mit dem Hiuterthcrl voran, gegen die Fcsimg hiurollen, höchst verächtlich ausrnft? „Wie, weine Herren! schch „siel, das snr Edellente, ihre Kanonen so gegen den Feind zu - „sichren. Wenn er nnn ans einmal käme, wie wollten Sie dem „ans ihn schießen? — Die Artillerie - Offiziers redeten sich dch i den Hals ab, daß inan das überall so mache nnd so lange er r nicht eine andre Art erfunden haben würde, auch nicht anders R wachen kenne — aber er wollte durchaus nichts davon wisse«- U Von dlestin Augenbiiece an erhielt er seinen Ehrentitel, de» 8 alle Welt unterschrieb. zst; „Aber bald wendete sich das Blatt; ans Spaß wurde Ernst. I- Dar- Unglück erschien, wie hergezau'ocrt. War cs nun Vcrrch « oder bloße Schwache, politisches Interesse, oder eine Krankheit n, s seiner Armee, wahre Kraft oder nur Geschicklichkeit dcS französisch!» l Generals — kurz, der König von Preußen unterhandelte Heini- . lieh mit ihm, machte plötzlich Rechts-um - kehrt-euch, marschirtc ! nach der Grenze und räumte das französische Gebiet- Nnn imix- l tcn wir uns über Hals über Kopf fort machen; der Ausbruch « schrecklich; keine Sprache kann die entsetzliche Behandlung schildern, der wir ausgcsctzr waren und eben so wenig das Gefühl eines jeden edlen Herzens, bei diesem Betragen der Preußen, unsm ' , Freunde. Unsre Prinzen erniedrigt, verachtet, von ihnen insultirr, i unsre Egnipage, bis auf die unentbehrlichsten Dinge, selbst miste Wasche, geplündert, unsre Personen ans das niedrigste gemishm- » dcit — so wurden wir von nusern Freunden, von unfern Aiiirle» / bunt durch einander nach der Grenze getrieben nnd ans dem Lande i geworfen!!! „Ich, für meinen Theil, benutzte vom ersten Augenblicke des Rückzugs an, mein Vorrecht als Freiwilliger- Halbtodt vor Ernn'i- dung von den langen, im Kothc, unter Strömen von Regen u»d beladen mit einer Flinte, stimmt einer Menge von Dingen, die keinem Menschen als mir geschadet hatten, vollbrachten Märsche», trat ich aus meinem Gliche und suchte, so gut ichs konnte, allein fortzukommen. Ich machte mich ans den Weg, wenn cs meine Kräfte zuließen, und erreichte nie den Ort wo die übrigen Hali machten; die erste beste Meierei war meine Zuflucht und, war cs nun besonders Glück oder war die Gesinnung der an und für sich gutmüthigen Landlcutc doch nicht so schlimm gegen uns, kurz, ick; kam glücklich durch- Erst längere Zeit nachher sah ich ei», welcher Gefahr ich entgangen war, wenn ich i» Le» Zeitungen las/ daß -5 bis -I von den klüftigen, Nachzügler, wie ich, und einige davon, die sogar meine Nachbarn im Gliedc gewesen waren, fcstgenom- wcii, nach Paris gebracht und dort auf öffentliichen Plätzen, wie bei einem Auto-da - Fe und gleichsam um die Götter zn versöhnen, hingenchret worden wären. Sobald wir über die Grenze waren, kündigte man uns an- daß wir uns ausiösen müßten. Aber das war ganz nnnöthig. Das Bedarfmß, die gänzliche Entblößung von allen Nothwendigkeiten des Lebens, hatten schon gewaltsam dafür gesorgt. Wir zerstreuten uns; jeder ging auf gut Glück seinen Weg, Verzweiflung und Wnth waren unsre Begleiter- So gingen wir als Flüchtlinge, Mhremheilö zn Fuß und manche halb nackend, durch die Orte, wo m»i! uns früher in nnscrm Glanze, in aller unsrer Pracht gesehen halte und schätzten uns sehr glücklich, wenn man uns nur nicht die Thore verschloss, oder auf harte Weise fortjagte. Eine Zeit lang war cs eine offizielle Maasrcgel, uns nicht zn dulden; man mmgte uns den Aufenthalt oder den Eingang in Nachbarstaaten. Wir mußten in die weite Ferne wandern und schleppten unser Elend durcp ganz Europa umher, als eine große moralische und politische Lehre fiir die Völker, die Großen und die Könige. ,,Inzwischen rächten die Waffenthatcn der Franzosen auf eine grausame Weise, die an uns begangnen Schäudlichkeiten. Zugleich gereichte es uns zn einer Art von Tröste, daß auch unsrer Serts die Ehre der Emigranten durch die Cond-üsche Armee gerettet wurde, die sich vor aller Welt zeigen konnte und in der Geschichte als ein Muster von Rechtlichkeit, Mnth und Standhaftigkeit bekannt worden ist. „Das wäre denn also, Sire! die Schilderung jener berühmten Epoche, jener verderblichen Maasregeln, die bei den Mehreftc-ii mir ein Jrrthnm der Jugend und der Unersahrcnheit wareu. Ans jeden Fall haben diese sich nur selbst dabei Borwürfe zn machen und niemand anders ist dazu berechtigt. Das Gefühl, was sie dabei leitete, war so rein, so natürlich, so edel, dass sie allein falls sogar stolz darauf scyn könnten, und ich darf cs sagen, es war mir dieses Gefühl, von welchem die Masse der Unfern beseelt war, diese große Zahl von Edelleuten ans der Provinz, die, alles opfernd und nichts verlangend, ohne Vermögen und ohne .Hoffnungen, eine wahrhaft heldcnmüthige Hingebung beroleftn, indem ihr einziger Zweck nur darin bestand, Laß sie eine Schuldigkeit zn erfüllen glaubten- Uibrigens lag der Fehlet in unsrer politische» Erziehung; wir wußte,, unsre Pflichte» nicht gehörig zn unterschcidcn Mid leisteten den! Fürsten allein, was mir das ge, saiumte Vaterland von uns zu fodern berechtigt war. Die Im thümer versch wurden mir den Geschlechter», nur die Wahrheit tz ^ unvergänglich! und so uird dereinst, wenn die gegen einarstcr kämpfenden Leidenschaften erlesenen und keine Spuren mehr re» den sich jetzt kreuzenden 2»reresjeu, der Verblendung und der Math der Pattheien ooilp,nden scyn werden, was uns zwcistl- ! baft blieb» andern als Gewißheit erscheinen. Was bei uns, die ! wir zwischen einer alten nun endenden Ordnung der Dinge und - einer neu auslebenden mitten innen standen, noch Entschuldig»»- verdiente, noch erlaubt war, wird bei denen für ein großes Len gehen gehalten werden, welche sich nun im Besitz fester Grund- : satze befinden. Jetzt muß als wahrer Glaubensartikel geh wn: i) daß es das größte Verbrechen ist, die Fremden bis l in das Herz des Vaterlandes herbeizuziehen. u) daß die Lou- veraiuetat nie ftnchtig ftvn kann, sondern von dem Grnndgclieie ! unzertrennlich ist, mit der Masse der Bürger fest verbünde» x bleibt; 2 ) daß das Vaterland nie auf Reisen seyn kann, sm- l dern nnoera,.der!ich und mit dem heiligen Beden eins ist, wo um - gcbohren sind und wo die Gebeine unsrer Väter ruhen. Dies suid s die großen Grundsätze, welche nebst vielen ander» durch »«sie l Emigranten erzeugt worden sind, die großen Wvhlthaten, weicht : wir von unser», Unglücke eingcarndet hab-n. l „Sehr gut! sagte d«r Kaiser, sehr gut! das nenne ich rer- s „uttheilsfrci sich»! Das sind reinphilosophischc Ansichten! Len s „Ihnen kann man sagen, daß Sie die Lehren der Zeit und de« „Unglücks wohl benutzt haben. r „Sire! Als wir uns auf dem Northumberland befanden, k- s rührten die Engländer, während der Muße unsrer Fahrt, ;u z mehrerenmaken diesen zarten Gegenstand. Irre geleitet durch den s Krieg, den sie mit so vieler Wuth gegen uns geführt hatten, so ; wie durch die Grundsätze, womit damals, bei dem Interesse des i Augenblicks, ihre öffentlichen Blätter, im Widerspruch mir ihren ^ National-Doktrinen, ««gefüllt waren, sprachen sie von den Lei- s dicnsten unsrer Emigranten, von den vortrefflichen Eigenschaften ^ derselben, die sie selbst als Augenzeugen an ihnen wahrgenonnr.cn - hatten und fanden, daß die Nation großes Unrecht gehabt habe, s denselben Widerstand zu leisten, Wen» nnu dann die Beweisgründe sich allzusehr verwickelten, oder wir den Streit schnellen- ^ bigen wollten, so kostete uns das nur ein Wort: Wir sagten ib- l neu: „Sehen Sie sich einmal in die Zeit ihrer Revolution j»- ' „nick. Denken Sie l!«) Jakob den II., wie er Ihnen, mitten „unter den französische» Fnhnen und umgeben von seinen Gr- „tteuen, von dein entgegengesetzten Ufer aus droht. WaS würden „Sic woh! thun? — Und wenn nun Ludwig der,XlV. nn der „Spitze von t-o,oao Mann ihn nach London znrückbrächte und diese „letzter» in Garnison bei ihnen blieben, wie würde Ihnen da,n „dabei zuMuthe seyn? — Ach! sagten Sic darauf, aber — ach! — und suchten einen Unterschied in der Sache zu finden. Wenn sie jedoch vergebens suchten, so fingen sie an zu lache» und schwiegen. „Und in der That, bemerkte der Kaiser, ließ sich ach kein Wort „dagegen sagen. „Nun musterte er mit seiner gewohnten Schnei- ligk.il und seinem Scharfblicke, alle die verschiedenen Dinge, die ich ihm erzählt batte. Sr verweilte besonders bei der Lhoriwi: der Inkonsequenz, dem falschen Wahne unsrer Auswandrung und dem großen Na».heile, den sie Frankreich, dein König, und > >>s selbst gebracht hmn-n. „Durch sie ist in dem politischen Frankreich „eine Svalknng entstanden und g.hnligt worden, die den ch „bedeutend, als diejenige ist, welche Katholiken und Prot.stauten „in d.m kirchlichen Europa bewirkten- Wie viel Unbe.l ist dar- „anö geflossen! ES war mir gelungen, die Folgen davon zu vertilge», aber erzeugen sie sich nicht jetzt von Neuen,?" — Jetzt schilderte er die Mittel, welche er angcwendet babe, um dieser Pest zu steuern, die Vorsicht, die hierbei nothig gewesen sei, die Resultate, welche er davon erwartet hätte. Wie ANS, erhielt auch tuest in seinem Munde ein andres Ansehen und vergrößerte sich vor meinen Augen, indem er sprach: „Das Son- „dcrbare meiner Lage, bestand darinnen, daß ich immenvah- „rend mitten unter Klippen schiffte. Jeder urthcilte nach sei- „neu, eignen Maaststabe und hielt das für eine b send. Vor» „liebe, für biosteS Vorurtheil, für kleinliche Rücksicht, was doch „bci mir sich nur aus gröstern Ansichce», tiesgeoachten Entwnr- „fin und StaatSgrundsätzen der höchsten Wichtigkeir erzw-gte. „LS war als wenn ich über Pygmäen an Verstände herrschte, uie- „inand begriff mich. Die Volksparthei war voll Eifersucht und „Empfindlichkeit, wegen meiner Begünstigung der Emigranten „und diese letzter», schmeichelten sich ihrerseits, daß ich mich durch „sie mit großen» Glanz umgeben wolle. Ach, die armen „Menschen! „Bei alledem war ich, trotz aller Verblendung und der vor- »gesasten Meinung beider Lbcile, D-i meinem Zweck gelangt und .sehr s.oh, daß ich alles ruhig im Hasen zmücklassen konnte. „wenn ich zu großen Unternehmungen hinaus in das hohe Meer „steuerte." td!L. Als ich nach meiner Rückkehr nach Europa diese Weite Napoleons, einem Groß-Beamten der Krone (dein Grase» rm S - . wiedererzählte, mit dem dieser sich ofmals unterhalten batte, ged -chre derselbe seinerseits eines Gesprächs mit ihm von sasr gleichem Inhalte. Es bezieht sich zu sehr ans das, >v,,s man eben gelesen ht, als daß ich eü nicht hier niedcrschrcib-n sollte. Der Kaiser sagte ihm nämlich: „Warum glauben Sie „wohl, daß ich mich mit den höheren Namen der alten Mmu- „chie umgebe? — Vielleicht, Sire! um Ihrem Throne größer» Gl,iig „zu verleih.n und dadurch gewissen Rücksichten in den Augen Eurer,iS „zu entsprechen. — Ei! ob Sie nicht gleich mit Ihrem Stehe „und Ihrem Kastengeiste bei der Hand sind! — Glauben Sie »»r, „daß meine Siege und meine Macht mich ganz anders in Europa einpsch „len als es Ihre großen Namen rhun können, im Innern akr „meine scheinbare Vorliebe für sie mir vielen Schaden, mich m „einen wesentlich?'! Lhcil der Volksgunst bringt. Sie schreibe» sek „kluniichcn Rücksichten zu, was doch nur aus sehr wichtigen ent- „springc. Ich will die Gesellschaft, die Nation wiederherMn „und rinde, daß ich dazu nur, einander ganz widerstrebende „Elemente in der Hand habe. Der Adel und die Emigranten „sind nur ein Punkt in der Masse, diese M-,sse aber feindlich ge- „gcn dieselben gesinnt und in, tiefsten verletze. Sie kann mir cS „noch nichr verzeihen, Sie zrnnckgcru! n zu haben. Ich habe mch „nerseits dieses für eine Pflicht gehalten. Lasse ich aber dich „.Herren ein besonders Corps bilden, so tonnten sie einst dem Ane- „lande Dienste leisten, uns schädlich werden nnd dabei sich selch „in die größte Gefahr bringen. Ich strebe deshalb darnach sic anf- „zulösen und zu vereinzeln. Wenn ich nun mehrere derselbe» um „meine Person, andere bei der Administration, noch andere in „der Armee anstelle, so verschmelze ich sic auf diese Weise in dl! „ganze Masse und vereine das Ganze; ich bin ja sterblich mid „wenn ich euch verlassen müßte, che diese Verschmelzung bewerk- „stelligt ist, so würdet ihr bald scheu, welche llnanlichnilichkcm» „diese heterogenen Lheilc herbciführcn würden, die schreckliche» „Gefahren, wovon gewisse Personen das Opfer werden könnten! „Sie sehen also, mein Herr! daß meine Absichten der Humanität, der hohem Politik angehörcn, uichs eitlen thörichten Vor- „urtheilen." — 77 — Ich äußerte jetzt gegen den Erzähler, wie wenig wir doch in den Tuilenen den wahren Charakter Napoleons, die hohen, vortrefflichen Eigenschaften eines Geistes und Herzens gekannt hätten, und da aiitivortete er wir dann, daß er hierbei für seine Person glücklicher als andere gewesen wäre und mir davon sogleich aus ^hn mir Eine Probe geben wolle: „Der Kaiser war eures Tages, in seinem Gehelmcnrathe, so erzählte er, gegen den General La F- sehr nbcl gesinnt nnd äußerte sich höchst lebhaft gegen dessen Mei- mmgcn und Grundsätze, die, wie er fand, in: Stande waren die völlige Auflösung eines Staates zu bewirken. Er wurde immer hitziger und gerieth am Ende völlig in Zorn. 2ch war Mitglies dieses Raths, doch erst seit kurzer Zeit, mit der Art des Kaisers »och sehr wenig bekannt, nahm daher, obschon meine beiden Nachbarn mich davon zurnckhaltcn wollten, sogleich für den Beschuldigten bas Work, und versicherte, daß mar: ihn bei fernem Gebieter verlämndet habe, indem er ganz ruhig mit seinen persönliche» Meinungen, die keinem Menschen Schaden brachten, ans seine» Gütern lebe. Der Kaiser, der nun einmal zornig war, bl.eb voll Heftigkeit bei dem was er gesagt hatte, aber nach fünf oder sechs Worten hielt er ans einmal inne: Aber er ist Ihr Freund mein Herr! Sie haben recht — ich hakte daö vergessen — - sprechen wir von etwas andern:. — Und warum, sagte ich jetzt, haben sie dieß nicht früher und zur rechten Zeit bekannt gemacht? - Das war eine eigne Sache, die von der Amwiphäre Napoleons abhängig zu senn schien. War's nun vorgefaßte Mei- mmg, oder was sonst, kurz, unsre Stimmung war damals von der Alt, daß man so etwas nur seinen vertrautesten Freunden mittbeilen konnte, den» hatte man viel Lärmen davon gemacht, so wäre man snr eine» gewaltig höfischen Aufschneider gehalten morden, der Dinge verbreite, die zwar nicht gerade wahr wäre», aber doch dem Erzähler Gunst und Vortheil bringen konnten." Weil ich nun einmal von diesem Groß-Beamten der Krone spreche, der eben so ausgezeichnet durch die Anmrtth seines Geistes und seiner Sitten als durch den Edelnmth seines Charakters ist, so muß ich einer Antwort desselben gcd- uken, die er einst Napoleon gab,nnd die eben so fein, als schmeichelhaft war. Der Kaiser befand sich bei einem ferner Levers in dem Falle, ans ihn «arten zu müssen- Er zeigte sich darüber sehr unwillig und es gab, bei seiner Ankunft, eine Scene vor aller Welt. Nun waren damals fünf oder sechs Könige, unter andern, dle Könige von Baiern, von Sachsen und von Wurtemberg in Paris. „Ich habe „eine Million von Entschuldigungen, antwortete der Ansgescbmälre „Ew. Majestät vorzubringen- Man kann ja jetzt in ko» Slnss„, gar nickt io:rcclnmcn. Ich habe eben kok Unglück gehabt in ci» Gedränge von Kkniaen zu gerathen, woraus ich nichts, schnoii nnch losmache» kannte; dieß, Eire! in dio Ursache nicimr Nacr.iäsngkeit." Jeden:,, in, lächelle nnd der Inifer b.gnugtc si», ini. nngiuch milderem Tone ilnn zu lagen: „Es mag sen», „j, „ihin wolle, mein Herr! em andermal sehen Sie sich besser vor, „unk uigen Sic mich besonders »io wieder warten. Sonnabend, den 5. August. Das W'tter ist etwas besser geworden: der Kaiser hat m, sucht ei» wenig im Garten spazieren zu gehen. Der Genen! Bingbaiu und der Ob.rste des bZsten viegiinents, ließen um die Enaunu,, bitten, dem Kaiser auszuwarreu uno dieser hat sic zjeni- lia, lange bei sich behalten. Der Gouverneur kam und alle? Isis aus einander. Der General Bingham verschwand und wir suchten das Gcbolz zu erreichen, um uns aus dem Stanke zu machen. Der Kaiser lprach bei seinem Spaziergange viel von einer Reise, die er im Anfänge der Revolution in Burgund gemacht harce. Sr nannte das seine seuti m cntale R eise nach Nuits. Sr speiste dort bei seinem Kamineraden Gasse» Li zu Abcnd, dcr damals Hauptmau» in seinem Negimcute, und an die ziemlich reiche Locht.r eines Arztes dastnvst venheirathet war. Der i»nze Redende merkte sehr bald, dag zwischen dem Schwiegervater und dem Schwiegersöhne eine große Meinuligeverschiebeiiheic obwaltete. Der Edelmann» Gassenvi >oar ganz in der Ordnung ein Atisie- krat und der Arzt, ein heißer Patriot. Letzterer fand in denn fremden Gaste einen mächtige» Beistand und war davon so entzückt, daß er am folgenden Morgen schon mit Tages Anbruch aus Elk.nntlicpkeit und Freundschaft seinen Besuch machte. Die Erscheinung eines jungen Arrillerie-Ossiziers mit gesunder Logik nnd einer geläufig.n Zunge war ein theurer und seltner Fund für de» Orr und es gewährte dem Neuangekommenen Vergnügen, zu sehe», daß er Aufsehen mache. Es war Sonntag nnd man zog über die ganze Gasse weg, den Hnt vor ihm ab. Aber bei alledem winde doch der Triumph noch einigermaaßen erschwert. Er war zu einer Madame Marek oder Murat zum Abendessen geladen, bei welcher ein anderer Kammerad, V.. sehr wohl arifgenomme» sepn mochte. Dies Haus schien das eigentliche Nest der Aristo- 79 k,ami des Kreises zu ferm, vbschon die Dame mir die Frau eines Viehhändlers war. Aber sie besaß ein großes Vermögen, wußte sich sehr gut zu benehmen, mit einem Morte, sie war die Herzogin des Lries und der ganze Adel der Umgegend kam der ihr zusammen- Der junge Offizier war, wie er erzählte, in ein wahres Wespennest gewirben — er mußte eine Menge von Lanzen lmcren und die Partie blieb sich sonach nicht gleich. -,..S der Aanirf am deftigsten wurde, meldete man den Maire. „Ich „glaubte, dag mir der Himmel in diesem kritischen Augenblicken „eine Hülse senden wolle, aber der war der schlimmste von Allen. „9ch sehe oen verdammten Menschen noch jetzt im Sonntagsstaate „ganz aufgeblasen, mit seinem wetten kramoisinrotben .Mibe; „cs war ein elender Patron! Glücklicherweise rettete mich die ,Zrau romHar.se aufrecht großmüthige Weise. Vielleicht, daß eine geheime Smnffarbic der Meinung sic dabei leitete. Sie wendete „recht geistreich alle die Streiche ab, welche rreffen konnten, war „immerwährend der schirmende Schild ans dem die Waffen ihre „Arast verloren und schlitzte mich vor jeder Wunde. Sie ist mir „stctS, wegen ihres freundlichen Beistands in diesem Schar,nutz.l, „cüre angenehme G'.'innernng geblieben. „Diese Meinungsverschiedenheit fand «ran damals in gang „Frankreich. In den Salons, auf den Straßen, in den Gasthö-. „sc», waren immer die Gemüthcr schnell erhitzt und nur zu sticht „irrte man sich über die Stärke der Partheien und der Mr.nuu- „gen, je nach dein nun der Ort war, wo maid hlnkai«. Cu: Patriot „kroch daher leicht zu Krentze, wenn er sich in Leu Sale ns oder „irr einer Geseüschast von Ossiziererr befand, denn ersah, d,ch er „zu schwach sei; - aber sobald er auf die Strafe tarn, oder „unter die gemeinen Soldaten, so war cs als wenn er sich rntt- „tcn unter der Nation selbst befände. Die Gesinnungen, w.lche „jetzt an der Tagesordnung waren, thellren sich endlich auch st-gar „den Ossiziererr mit, besonders nach dem berühmten der Nation, „dem Gesetze und dem Könige geleisteten Eide. Wenn bis „dahin, so fuhr der Kaiser fort, ich Befehle erhalten Härte, m-lne „Kanonen gegen das Volk zu kehren, so zweifle ich gar niffr, daß „Gewohnheit, Bornrtheil, Crziehrmg, des Königs Name min, „zum Gehorsam bewogen haben würden zu gehorchen. Sebald „aber der Sid an die Nation einmal nur abgelegt war, so wäre „das auch vorbei gewesen, ich hätte nichts rruhr gekannt, als nur „Nation. Meine natürliche Meinung stand von da an in Harmonie mit meinen Pflichten, und lichtere sich ans bewundcrnswür- 8a „dlge Art mit der vollen Metaphysik der Nationalversamnisiirg „ein. Freilich muß man eingestehen, daß die Patriotin,e„ Osnzstii „stets nur die mindre Zahl ansmachte» , aber durch den Hebel der „Soldaten lenkten diese das ganze Regiment und schriebe» die Gc- „setze vor. In allen kritischen Augenblicke» nahmen die Kan,er.,- „den der entgegengesetzten Parthei, ja selbst die Chefs ihre Zuflucht zu »ns. So erinnre ich mich zum Beispiel der Wu:b der „Menge einen der Mistigen entrissen zu haben, dessen Verbreche» „darin bestand ans den Fenstern unsers SpeiscsaalS die berühmte „Romanze, v, Richard, o, mein König! geträllert zu habe,» „Ich dachte damals wahrhaftig nicht, daß'diese Arie auch ciinnsl „um meinetwillen »erboten werden würde, so wie ich denn Miß „auch am >». August, als ich das Schloß der Luilerien nehme,, „und die Menge sich des Königs bemächtigen sah, weit entfernt „war zu glauben, daß ich an seine Stelle treten und dieses Schieß „einst meine Wohnung fey» werde." Er verweilte nun bei diesem -v. August und sagte: Ich ,« zu dieser häslichen Zeit in Paris, und wohnte auf der Miil- srraße am Platze des Victoires. Beim Tönen der Lärmglecke ander Nachricht, daß man die Luilerien sturme, lief ich auf den Earronsclsplatz zu Fanvelet, dem Bruder Bonricnnc's, der damals ein Möbclmagazin hatte. Er war in der Militairschule von Vriennc mein Kamerad gewesen. Non diesem Hause aus, das ich, im Vorbeigehn gesagt, wegen der vorgegangeucn großen Veränderungen nachher nie wiedcrsinden konnte, konnte ich alles, waS an diesem Tage vorging, bequem mit ansehcn. Ehe ich ans den Carronsselplatz kam, begegnete ich in der Straße des Petits- Chainps einem Haufen gräßlicher Menschen, die einen Kopf auf einer Pike hernmtrugcu. Da ich ziemlich gut gekleidet war, und sie mich für etwas Rechtes hielten, so kamen siss auf mich zu, und verlangte», daß ich, es lebe die Nation! schreien solle, was ich denn, wie man leicht glauben kann, recht gern that. Das Schloß war durch den gemeinsten Pöbel angegriffen. Der König hatte damals gewiß eben so viele Truppen zu seiner Vcrtheidigung als nachher der National - Convent am »3. Vcndemaire hatte, und dessen Feinde waren doch ganz anders disciplinirt und furchtbarer. Der größte Theil der Nationalgarde war für den König: dnse Gerechtigkeit ist man ihr schuldig. .Hier bemerkte der Grosmarfchall, daß er gerade bei einem der Bataillone gestanden habe, die sich am ergebensten gezeigt hätten. Er sei Gefahr gelaufen, mehr als einmal vom Volte er- j — Si mordet zu werden, als er allein in seine Wohnung zurückgekehrt sei. Wir bemerkten unserer Seits, das die Pariser Nanoualgarde im Allgemeinen stets die Tugenden ihrer Bestimmung emmltet hebe, nämlich Ordnungsliebe, Ergebenheit für die Odcrbehörde, Scheu rer PlnnSuung und Hast gegen die Anarchie. Dies war auch des Kaisirs Ansicht. „Als das Schloß erstürmt, frchr er fort, und der König in den Schees der Nationalversammlung zurückgebracht war, eilte auch ich, in den Garten einzudringcn. Nie hat mir seitdem irgend eines meiner Schlachtfelder den Anblick so vieler Leichname dargebotcn, als hier die Massen der Schweizer; sey es nun, weil die Kleinheit des Raums die Zahl noch mehr hervvrhob, oder null cs das Resultat des ersten Eindrucks war, den ich in dieser Art erhielt. Ich sah sehr wohl gekleidete Frauen sich aus den Leichnamen der Schweizer die unanständigsten Dinge erlauben. Nu» durchlief ich die Caff-ehauscr in der Nahe der Nat: Versammlung. Uiberall gleiche Aufregung. Alle Herzen kochten von Wuth, sie zeigte sich ans allen Gesichtern, ob diese Menschen gleich nicht alle zur Klasse des Pöbels gehörten, und diese Orte müssen übrigens stets von denselben Personen besucht werden, denn, ob ich gleich nichts Auffallendes in meinem Anzüge hatte, vielleicht aber auch weil meine Miene zu ruhig war, kurz ich konnte leicht sehen, wie viele feindliche und mistrauische Blicke ans mich, wie ans jemand Unbekanntes oder Verdächtiges sielen." Sonntags, am 4. August. Das Wetter ist besser geworden. Der Kaiser hat nach Ser Kalesche verlangt, und ist sehr weit gegangen, bis sie ihn einholte. Wir machten zwei Toure». Man lvrach von Maskenbällen. Der Kaiser liebte sie ausgezeichnet, und verlangte sie oft- Er war bei ihnen stets eines g-- wissen Begegnen» sicher, das nie fehlte. Er ward nämlich, wie er sagte, jed-s Iabr vv» eurer und derselben Maske angeredet, die ihn an ehemalige Vertraulichkeiten erinnerte, und ihn eifrig bat, ihr den Zutritt zu »erstarre», und sie an den Hof zu lassen. Es war eine sihr gute und sehr schöne Frau, welcher viele gewiß sehr diel v.rsaatte». Der Kaiser, der ihr immer gut blieb, antwortete >rets: „Ich läugue gar nicht, daß sie allerliebst sind, aber überleg.» Sic nur einmal, was Sie verlange»; urtheilen und be- siinilmu Sie daun selbst! Sie haben zwei oder drei Männer, »»b tgurKr von aller Welt. Man könnte es allerdings für ein v. Loses L»arv. 7ü. VSchN. g Muk ansehen, Ihren ersten Fehltritt gethcilt zn haben, über dn! zweiten würde man böse werden, jedoch ihn vielleicht verzeih«, M L.n dritten und ferner und ferner! . - . Stellen Sie sich uiü, selbst an des Kaisers Stelle, nnd urthcilen Sic: Was wind,» Sie thun, wenn Sie ich waren, ich, der doch auf ei» gea-PS Dccorum halten muß's" sslnii schwieg die schöne Bittende, otci sagte zu ihn,: „Run, so nehme» Sie mir nicht Ivcmgsmis L .Hoffnung, und vergönnen Sic mir die, vielleicht künsliges Ich glüctlicher zu sepu. „Und dann fand sich jeder von uns beiden, schloß der Kaiser, pünltlich wieder beim Rendezvous ein." Dem Kaiser machte cs bei diesen Maskenbällen ungemems Bergungen, wie er sagte, sich Unartigkeiten sagen zu lassen.« I. er suchte das ordentlich aus. Einmal lachte er bei EambacneS scu k darüber, eine Frau von St. D. . die übrigens ihrer Natur rch sehr leicht auszubriugen war, in Beziehung auf ihn sagen zu bi- -- reu: „daß es hier beim Balle Leute gebe die vor die Thür p i hörten und die ohne allen Zweifel nur ans gcstohlne Billets Er- ! tritt gefunden hatten" Ein anderes Mal hatte er die sanfte und schüchterne Fm von Megrignn dahin gebracht, daß sie anfstand nnd zornig mb j mit Lhränen in den Augen sortlief, indem sie sagte, baß iinn i, doch wahrhaftig gegen sie die Freiheit, welche ein Maskenball ge- > währe, misbrauche. Der Kaiser erinnerte sic nämlichem eine sch - ausgezeichnete Gunst, die er ihr ehedem bewilligt batte, indem cr hinznfügte, daß niemand daran zweifle, sie habe diese mit dm Heircirrcchte bezahlt. „Nun konnte ihr aber dies niemand «ulmo als ich sagen, setzte der Kaiser hinzu, ohne sie zn beleidig», s weil man allerdings so sprach, ich ader auch gewiß wußte, daß nichi? i daran sei." Tie Sache war nämlich folgende: Als der Kaiser zur Keömmg nach Mailand ging, überna-Me s er in Troyes. Man stellte ihm die Behörden nnd mit ihnen ciu: j junge Dame am Vorabende ihrer Vermählung vor, dir ihn mn » eine Gnade, die ihr Vermögen betraf, bitten wollte. Da nun der f Kaiser, wie er selbst sagte, gern hier etwas das dem Lande » s genehm wäre, mit einigem Aufsehn thun wollte, so schien ihi» s dieser Umstand vorthcilhafr, und er ergriff ihn mit aller möglich.» ? Anmuth. Die junge Person (es war Frau von M-grigny'ge« s hörte zn einer der ersten Familien der Provinz, die aber durch de Auswanderung ganz.herabgekommen war. Kaum war sie in die elende Wohnung ihrer Acltcr» znrückgckchrt, als rin Page iiiil Geräusch eintrat, und ihr ein Decket des Kaisers nberbrachte, >ve- dnrch ihr jährlich Franks, oder noch mehr, angewiesen l k , ! Man kann sich den Lärmen und die ügirknug, welche «» i - ' Olivas hervor k rächte, laicht denken. Da nun »der nicht., allerlieb- , st sier, nichts irabrhast hübscher war, sagre der K»iser, als die innge , '' Blttende, so behauptete inau nun, das: ihre Reize auch zu dessen ; Artigkeit heigetragen Hütte», ob er gleich ein paar Stunden dar- i > st auf nie Lradt verlassen und nicht wieder dar»» gedacht hatte. DaS i f war aber einerlei. Man weiß wie Geschichtchen fabrizirt werden, r und da nu» vollends dieses Mädchen einen Schatzmeister des Kai- ,! ftrs heiralhete, solglich an den Hof kam, so halte inan alles die- ss sts, wie gewöhnlich, so gut unter einander gemischt, daß, da sie i nachher zur Untcrobersthosmeisterin des Königs von Rom ernannr > ward, diese Wahl eiuen Augcnblick lang der strengen Frau >wn i Mruttsgliiou, welche darin», wie der Kaiser sagt, nur ein Ar- , raug'iuent sah, als ärgerlich erschien. . 2rr Kaiser sagte, daß er diese artige Galanterie von Treues ,! d aiiichhcr zu Turin in der Person der Frau von Lascariö wiederlwl- ,!s 'ze, und bei beiden glaube er übrigens ein Recht zu haben, sich s ssiuer Freigebigkeit zu rühmt», indem er gute Früchte daoon ge- , j «nidttt. Lttoe Familien hätten sich anhänglich und dankbar be- , ^ rra'stii. Es entstand hierbei die Frage, wie man in Piemont über ihn -! f .grdawl habe. Er habe, sagte er, eine besondere puneigung für r L dche P.-ving geh,gt. Herr von Saint - Marsan, von dem er , ! gstube, cr ilnn bis ans Ende treu geblieben, habe ihm im , t Aiigeabline »usr.r Uusälle versich.rt, daß dieses Land sich als cina ; stiia'r beiien Provinze» zeigtn werde, l, z „2» oer That, fuhr der Kaiser fort, lieben es die Piemonts > ssr auch nicht, ein kleiner Staat zu sei'». Ihr König war ein «chrcr Ledusgebieter, dem man den Hof machen, oder ihn furch- t : teil n!,>tte. Er hatte mehr Macht, mehr An sehn, als ich selbst, : g da ich, als Kaiser von Frankreich nur die höchste obrigkeitliche „ Perso» war, dm alles nan> den Gesetzen gehe» lasse» mußte und i davon iiichr lossprechen keunte. Konnte ich denn etwa verhindern, >- ,s daß einer von meinen Hosiruren nicht von seinen Glänbigern v-.r» , Z stigt würde? Konnte ich in irgend ciner Angelegenheit den Gang a der Gesetze hemmen? u. s. w." :< ! Bei,» Diner fragte der Kaiser, ob man wohl die Quainität s s des Fnißwaffers berechnet habe, welche j» das Mittelländische je s Mid in das ichwarze Meer ströme. Er sprach hierbei den Wunsch i! ! ««s, daß das Flnßwasser von ganz Europa mit Berücksichtigung -- ! tes Verhältnisses eines jede» Thaies und Abhanges berechnet wer- i> kdc» mochte imd bedauerte nun sehr, daß er diese Serie wissen-- 84 schafilicher fragen nicht zur Erörterung ausgestellt habe. D>,s,.i, sagte er, sein großes System gewesen, wenn ihm eine nüiM, sonderbare, interessante Idee in den Sin» gekommen wäre. „H „legte dann, bei meinen Revers oder Privatniittbeilunge» den-M „gliedern des Instituts analoge Frage» vor, mit dem Befehle siez« „beantworten. Die Antwort lies ich dann ins Publikum gelang; , „dort wurde sie zergliedert, bestritte», angenommen oder verworsa. st „Esgiebt nichts was auf diese Weise unerreichbar bliebe; dasißd^j „rechte Weg zn mächtigen Fortschritten bei einer großen, gehnst ' ,chcn und anfgeklärtrn ilkation." Der Kaiser bemerkte bei dieser Gelegenheit, man sei in da Geographie noch nie so weit gekommen als seht, und habelÄ^ znm Theile seinen Erpeditiouen zu verdanken. Er sprach dann ml ? de» Kanälen, welche Frankreich durch ihn erhalten habe, inskchr-st, verc von dem Kanäle zwischen Strasburg und Lyon und oons«i> .Eofnnng daß dieser Ban schon so weit vorgerückt sei, daß >« st ik» nun doch beenden werde. Es mußten von Dreißig Million,«, welche er kosten sollte, meinte er, schon Bier und Zwanzig oa- wendet seyn. „Bis jetzt war schon eine Cvnimnnieation im Innern m , „Bonrdeaur nach Lyon und nach Paris hergestellt. Ich hatte ci«l „große Menge von Kanälen bereits bauen lassen und den Plan,» > „noch mehreren entworfen." Einer von uns äußerte, inan hck ^ dem Kaiser einen sehr vortheilhaften Kanalbau vorgeschlagen, da- selbe sei jedoch hierbei hintergangen worden, »m ihn zu hir.dm,! die dcsfalls beschehenen Anerbietungen anziinehmen. „rZhne bma „sel ist der Plan mir ans dem Papiere vortheilhaf terschienen, s>z s „te der Kaiser, hätte mich aber am Ende Geld gekostet, wao lä l „mir nicht so leicht zn erlangen war. — Nein Sire! antwoiM s „man, die abschlägliche Nesolutio» war blos die Wirkung,ii»l , „Jntrike. Man hat Ew Majestät gerauscht. - Das war hieki s „nicht möglich- Sie bedenken wohl nicht was Sie sagen. - 44 ! „bin meiner Sache gewiß, habe den Plan, die Erbietungen, dl! ^ „Unterzeichner gekannt; meine Verwandten waren dabei ns , „bedentcndcn Summen interessier. Es handelte sich von st - „ner Vereinigung der Meuse mit dem Meere. Der Kanal „eine Länge von wenigstens Sieben Stunden gehabt. — Aber äst „sagen nicht Alles. Vielleicht mußte ich dazu sehr beträchtlich!Sst- „tiönalwaldungcn bewilligen, was ich nie gethan haben wurde. - l „Nein Sire! es war blos eine Jntrike Ihrer Brucken - nnoEba»!- „seen - Inspeclion. — Nn» so hätte man doch Gründe dagcM man hätte irgend ein öffentliches Interesse angeben müssen. AÄ ^ z „führten sie den» an? — Die Vorthcile der Theilnehmcr würden k „;» groß seyn. — Ader denn batte man mir die Sache zn eigner E „sintern ehmuug vorgcschlagen nnd ich würde sie auSgesührt haben. I „Ich wiederhole Ihnen, das: Sie unmöglich Recht haben können, f „Sie sprechen mit dem Manne, den dieser Gegenstand unaushör- ^ „licl' beschäftigte. Die Bracken - und Chausseen - Inspecticn war b'„ihrerseits auch nie glücklicher, als wenn sic etwas ins Werk x., sehen konnte. Nie hat ein Privatmann eine Brücke in Vor- ». „schlag gebracht, den Sie nicht beim Worte genommen hätte. D'.agenn man den Zoll ans Fünf und Zwanzig Jahre von mir ver- Z „lanatc, so bewilligte ich ihn auf Dreißig. Es kümmerte mich ? „wenig, wie nnylich die Unternehmung sei, wenn sie nur mich nichts „kostete; ich bereicherte jedenfalls den Grund nnd Boden durch ^ „ein Kapital. -Anstatt Kanalbaue abzuschlagen, that ich alles mvg- i „licke dafür. Aber, mein Theurer! nichts sieht sich weniger ahnst, „sich als ein Calongcrcde und ein Verwaltungsrath. Der Pro- Ajekkniachcr behält im Salon immer Recht. Seine Resultate er- i .sckicncn stets als vortrefflich, als untrüglich — und wenn er „den» die nhaltene abschlägliche Antwort mit einigen Flaschen „Lein, mit einer Weiber- oder Maitrcssen-Intrike in Verbin- l „dang bringen lau», so ist der Roman fertig — so etwas werden j „Sie gehört haben. Aber in einenVerwaltungsrathe geht die Sache s „anders; dort entscheidet man nach Thatsachcn, mit dem Compasse l „in der Hand. Was war denn das für ein Kanal? haben Sie das „schon gesagt? Die Sache kann mir nicht ganz unbekannt seyn. Sire, zwischen der Meusc und der Marne, kaum von sieden „Slr.nden Länge — Nun sehen Sic, Lieber! Sie wollen sagen, „zwischen der Meuse und der Aisne und wenigstens von Sieben T „Stunden Länge. Ich sänge an, mich zu besinnen. Es gab da- „bci nur eine ganz kleine Schwierigkeit, nämlich, daß cs noch bis 4 „diesen Augenblick zweifelhaft ist, ob der Vau ausführbar gewesen E „wäre. Hier, wie anderwärts spricht Hnpokrates Ja und Gale- H „uns Nein. Tarb« versicherte, es sei unmöglich, weil da, wo Z „der Kanal ansangen solle, zu wenig Wasser vorhanden wäre. Ich p „sage Ihnen nochmals, fuhr der Kaiser fort, Sie sprechen mit x,„den,jc»igcn, der sich gewiß am Meisten mit diesen Dingen, bc- f „sonders in der Nähe von Paris beschäftigt hat. Es war mein i „ewiger Traum, aus Paris in Wahrheit die Hauptstadt der Welt ^ „zn machen. Es fiel mir zuweilen ein, daß sic eine Stadt von r „ 2 ,ä bis l Millionen Menschen, mit einem Worte, etwas fabel- — 86 — „Haftes, eoleffateS, bis jetzt ganz lmbekaiintes fern solle, und ,fthre vffcntlichru Ansta-ten jener Volksmenge entsprechen unsre». Liner re» uns bemerkte hierbei, das; wenn der Himmei de», Kaiser eine Regierung re» 6» Jahren, wie Ludwig dem XlV., reU ehen hätte, er große Dinge der Nachwelt hinterlasscn habe» würde- „Hätte der Himmel mir nur -o Jahre und einige Mc , gegeben, sstl der Kaiser lebhaft rin, so wäre keine Spur von „dem alten Paris geblieben, »ran würde cS vergebens gesucht- ^rch wurde die Gestalt von ganz Frankreich umgcwandelt IM,. „Archimcdes sagte, er könne Aller, wen» man ihn nur seine» He- , bei a.rsetze» liefe. Ich hätte auch Alles vermocht, wo ich »»r „murre Energie, meine Ausdauer und meine Bndjcts in Ainmi- , dring bringe» konnte. Mit Vndjets könnte mau eine Welt erschaffen — Ich hatte den Unterschied zwischen einem konstitiilio- „uellcn Kaiser und eineru Könige von Frankreich zeigen wolle». .,D:e Könige ro» Frankreich habe» nie etwas administratives, ,,ie „etwas mnnicipaleS gehabt — Sie waren stets nur große Hem», „die von ihren Gcscdäftsmännern zu Grunde gerichtet wurden. „Die Nation selbst hat irr ihrem Eharalter uud in ihrer» 8c- „scbrnacke etwas ProvisorMeS, Geld rersplitterndeS. Alles m „sur Le» Lrigenbliek, zur Befriedigung einer Lain.e, nichts für ka „Dauer — daS ist in Frankreich unsre Sitte und unser LAl- „spruch. Jeder bringt sein Leben mit Scbaffrn - uud Einreise» hin nie bleibt etroaS zurück — Ist es nicht eine Schande, des „Paris nicht einmal ein französisches Theater und keine Oper HÄ, „die ihrer Bestimmung auf würdige Weise entspräche! „Ich habe mich oft den Festen widersetzt, welche die Stakt „Paris mir geben wollte. DiucrS, Bälle, Feuerwerke sur 4, o „bis 8uo,vuo Frauken, bei denen die Vorbereitungen mehrere Lagt -lang die öffentlichen Straßen verstopften, und wobei daS Eimci- „fien alsdann so viel als die Ansraiten selb» kostete». Ich beiores, .Last man mit diese,» schlecht angewciidetc» Gelbe prachtvolle, „dauernde Denkmale errichten köimte. — „Man »msi so viel getlra» habe» wie ich, um die Schir'ietiz- „keiterr zu kennen, welche man findet, um etwas Gutes zu tlwii. „Pst ninßte ich meine ganze Gewalt anwende», um damit durch- , „zukom-.ueri. War von Kaminen, von Scheidewänden, von Mm „blitrrnzeii in Kaiserlichen Schlöffet» für den oder jenen Pnsal- „mairir der Rede, da ging alles rasch ron Statten; aber kam etirain „Frage den Garten der Tn'r'leeren zu verlängern, einigen Stakt' „auarlrctr,! zesmrdrre Luft z» verschaffen, den Abzug von Schic«' - 87 - ,ßen frei z» machen, oder sonst etwas für das öffentliche Beste, „das nickt blos Privarpersonen angiug, zu bewirken, dann mußte ,jch die ganze Festigkeit meines Charakters zu Hülfe nehmen,, „wußte sechs bis zehn Briefe täglich schreiben und mich halbtodt „ärgern- So habe ich gegen 5» Millionen auf Schleusten gcwcn- „det, wofür kein Mensch jemals mir danken wird, habe vor den „Tuilerien für -7 Millionen Hauser nicderreißen lassen, um ,den Carroufelplatz zu bilden und den Louvre frei zu machen- „L-as ich gethan habe ist ungeheuer; was ich aber noch beschlossen - die Plane, die ich schon entworfen hatte — war weit mehr." Jetzt erwähnte einer von uns, daß deS Kaisers Werke sich nickt auf Paris und eben so wenig auf Frankreich beschränkten, sondern fast alle Städte Italiens Spuren seiner Schöpfungen auf- M'eisen batten. Wo inan nur hinkomme, am Fuße wie auf dem Gipfel der Alpen, in den Sandgegendcn Hollands, wie an den Ufern des Rheins, fände man Napoleon und immer Napoleon. Er crwicderte hierauf, daß er bereits beschlossen gehabt hätte, die Pontinifchcn Sümpfe auszutrockncn. „Cäsar, sagte er, beschäftigte sich auch damit, als er umkam." Dann äußerte er ferner, in Beziehung auf Frankreich: „Die Könige hatten zu viel «Landhäuser und unnütze Gegenstände- Ein unpartheiischcr Geschichtschreiber wird Ludwig dem XI V. mit Recht tadeln, daß er „so ungeheure nichts nützende Kosten auf Versailles — besonders „hei seinen Kriegen, seinen Auflagen, seinen Unglücksfällen — „omvcndet, daß er sich erschöpft hat, um doch eigentlich weiter „nichts als eine Bastard — Stadt bervorzubringen-" Der Kaiser zergliederte hierbei die Vortheile einer Verwaltungs-Stadt — das heißt, einer solchen, in weicher die Verwaltungs-Behörden vereint sind, und sie schienen ihm wahrhaft problematisch zu scyn. Ich beklage sehr, daß ich die Auseinandersetzung seiner Gründe damals nicht niedergefchrieben habe. Sic waren sv mannichfaltiz und so sinnreich! Ich diu jetzt zu gewissenhaft, als daß ich mir erlauben sollte, sie wieder zusammenznstellen. Cs sind dicß übrigens Klagen, zu deren Wiederholung ich unglücklicherweise noch oft,Anlaß finden werde. Wenn man zahlreiche Lücken in den Re- dcn deS Kaisers, und besonders bei der Folge seiner nähern Entwickelungen wahrnimmt, so rührt das daher, daß ich in St- Helena ln der Eile niederschricb und mich auf mein Gedächtniß verließ, mit dessen Hülfe, ich bei mehrerer Muße alles nackholeir wollte, oder Abkürzungen und Hicrvglpphen machte, denn ich wußte- m, daß xh au der Quelle mich befände. Und i»-» ergiebt sichj, daß ich vieles vergesst» babe und meilie eignen Zeichen nicht mehr versiebe. Das muß mich nun oftmals entschuldigen. 'Der Kaiser sal, wähl ein, daß die Wohnung ln der Hauptstadt von der Art mar, daß der Eouverain zniveilen nicht dort bleiben konnte, aber von der andern Seite rear das nämliche, i„ Beziehnng auf die Großen, die Minifier, nnd die zu den, Heft gehörenden Personen, von Versailles zu sagen. Es war also ein Fehler non Ludwig dem AIV., daß er Versailles nur für den Ansenthalt der Könige berechnet barte, indessen er in St. Ger- main Alles finden konnte, was wa» bedurfte: die Natur schien es zu der eigentlichen Wohnung der Könige Frankreichs bestimmt zu haben. Er Napoleon selbst hatte hierbei Fehler gemachti — inan müsse nicht blos loben, sagte er, was man gethan habe - z. B , er Härte Eonipicgne sollen eingehen lassen, cs reue ilm, daß er dort sein Bcilager gehalten habe und nicht lieber zu Fontainebleau. „Das ist, sagte er, indem er Fontainebleau wicdcr- holt nannte, ein Anscnlhalt für Könige, ei» Hans für Jahrhun- „derte, vielleicht kein Schloß nach den strengen Regeln der Bau- ,'knnst, aber gewiß ein Ort der auf eine gute und anständige Ve- ,,Wohnung vollkommen berechnet ist. Man kann nichts bequemeres ..finden, nichts in ganz Europa, was snr ein.» Hcnschcr gluctli-' „chcr gelegen wäre, u. s w." Er ging nun die Hauptstädte nnd Königsschlösser durch, die er besucht hatte und zeigte, wie viel wir hierbei vor andern voraus hätten. Fontainebleau, bemerkte er noch, habe zugleich iu politischer und militärischer Hinsicht die angemessenste Lage. Der Kaiser machte sich Vorwürfe wegen der Kosten, die er auf Versailles gewendet; allein man habe es doch nicht kennen ganz iu Ruinen verfallen lassen. Es war in der Revolution Rede davon gewesen, dieses Schloß zum große» Lheile nieberznreißcn — den mittleren Theil desselben insbesondere wegzunehmen und so die beiden Flügel von einander z» trennen. „Man hatte mir damit „einen großen Gefallen erzeigt, sagte er, denn nichts ist so kosr- „spielig und zugleich so unnütz, als diese Menge von Schlössen; „und wenn ich dennoch den Bau des Palais sur den König vou „Rom unternommen habe, so geschah cs, weil ich dabei meine „besonder» Absichten Halle. Eigentlich wollte ich nur Grund und „Boden dazu vorbcreitcu lassen; dabei sollte es bewenden ^ Ae0kl'iin>nn wkisi, oder stille doch, (wenn o.icoi Sure» clu aanl kiv ned Napoleon lreffendes Schicksal, die »nyreneii ihn empfehnnüea «9 „Meine nnzweckniäßig verwandten Kosten dieser Art konnten „übrigens nie bedeutend se»n. Dank sei meinen Vudjets; meine „Fehler entdeckten und verbesserten sich hierbei in jedem Jahre, „indem sic eine kleine Quote von dem Hauptirtthume nicht überheizen konnten." Der Kaiser hatte die größte Mühe von der Welt, wie er uns versicherte, sein Snstem der BudjetS begreiflich und annehmbar zu machen. „Legte man mir einen Plan vor, der eine» Aufwand „von so Millionen federte und meine» Beifall hatte, so sagte ich: „Accordirt; aber in r» Jahren auszufübren; nämlich so, daß „in jedem Jahre i,5no,ovo Franken verwendet werden. BiS da- „hin ging Alles recht gut — aber nun fragte ick weiter, was bekomme ich hiervon fürs erste Jahr, denn wenn ich auch will, daß „die Ausgabe zersiückrlc werde, so verlange ich doch ei» vollständiges Resultat, eine beendigte Arbeit. Ich begehre ein Lbdach, „eine Stube, eine Wohnung — sei cs was cs wolle, aber etwaö „Fettiges für meine i,t>oo,oc><> Franken. Die Architecten wollten „nickt darauf eingehen, das störte ihren großen Plan, die Wirkung des Ganzen. Sie hätten lieber gleich eine ans lange Zeit „ganz unnütze Fazade gebaut, lieber gesehen, daß man sich recht „tef in die Kosten versteckt, wenn man auch, im Falle die Arbeit „unterbrochen wurde, nichts dafür gehabt hätte. „Mit Hülfe dieser meiner eignen Methode habe ich, ungeachtet aller jener politischen und militärischen Verhältnisse, s» „Vieles gethan. Ich hatte für 4o Millionen Meubles für die „Krone angeschafft und wenigstens für » Millionen Silberzeug. Was „für Schlösser habe ich wieder hergestcllt! Vielleicht zu viele. Ich „wiederhole das. Bios der Art, womit ich zu Werke ging, harre „batte ich cs zu verdanken, daß ich nach einem Jahre schon Fontainebleau bewohnen konnte, was mich nicht mehr als bis „iM>,«oc> Franken kostete. Wenn ich seitdem 6 Millionen darauf Handlungen damals durch Uibklwollcn und Schmähschriften erstickt wo» den wäre») die Geschichte von der elenden Hülle wissen, die sich »nf dem, i» dem Palais SeS ÄönigS von Rom beüinnnren Raume befand und wofür der Eigenrhümer »ach und nach ro, ao, 50, losmal mein.' verlangrc, als ge werch war. Der Laiser, dem diese letzrere lächerliche Preißbeliinimung borgerragen werde» niuble, befahl ans einmal, von dem Handel für immer ,oan> abfnsiehe». Er wollle, dav dieier erbärmliche Schnpoen wirren »nler den prachtvollen Gebäuden, welche das Palais von Rom bilden soNren , siede» bleiben »nd — wie d e r Weinberg RaborhS-da 0 «röhre Zeichen seiner Gerechnet,ik, die schönste Lropyäc "einer Regierung werden möchte. .„verwendet habe, ft geschah dev iu ciuem Arittaume von ! ».Jahren und es würde mich mit der Zeit nach vielmehr gekostet „haben. Mein Hauptzweck ging dahin, daß der Aufwand nniiierü ^ „lich und das Resultat ewig sepn sollte. ..Bei meinen Reisen nach Fontainebleau wurde» 12 bis „Personen nritgeucmmen und erhielten dort menblirle Wohiningcn. ., „Mehr als konnten dort speisen und das war gar nicht cch, ' „kostspielig für den Sonverain. Duroc hatte das ganz vortrefflich „eingerichtet- Mehr denn 2v oder 25 Prinzen, Grvßwürdentrö- i „ger, oder Minister mußten dort ein Haus machen- „Ich verdammte Versailles als daS, was cs war, aber ki .meinen riesenhaften Plänen für Paris, hatte ich doch den Tm»n . .davon Gebrauch zu machen. Es sollte mit der Zeit eine Art ron c „Vorstadt, ein Nachbarort, ein Gesichtspunkt für die große Haust- ch „stadt werden, und um es hierzu noch geeigneter zu machc», ^ „hatte ich einen sonderdarcn Gedanken gefaßt — wovon ich „ilr „schon einmal das Programm Vorlagen ließ. „AuS den schonen Laubeugängcu sollte» alle die geschmacklosen i „Nymphen, alle die Verzierungen ä la Turcarel verschwindcn ! „und an ihre Srellc Panoramas von Stukkatur-Arbeit kouilncn, z „mit allen den Hanptstädlen, in welche wir als Sieger cingozo- i „gen sind, und allen den berühmte» Schlachten, die unsre Waffen „verherrlicht haben. Das wären dann eben so viele, an dem Lhore r „der.Hauptstadt Europa'» ausgestellte, ewige Denkmäler unser» ! „NationalruhmeS gewesen; die ganze übrige Li-elt wäre daun gc- c, „kommen, sie zu besichtigen." ^ Ans einmal brach er davon ab und las den Zerstreuten vor- » Längst schon hatte er das Auch in der Hand gehalten. Doch gab ° er es eben ft schnell wieder auf, entweder weil er von schic» s Gedanken zu sehr bewegt war, oder weil ihn ein nervöser Husten ' dazu nöthigte, der sich seit Kurzem recht oft nach dem Diner bei ihn, eiusiellt. Es ist gewiß, daß er sich sehr verändert und seine t Gesundheit ganz zu Grunde geht. Montags, den 5 . August. Der Kaiser ging erst gegen ö Uhr wieder aus; er war un- > wohl, hatte ein Bad genommen, wobei er durch die Ankunft von ^ Eir H. Lowe sehr ausgehaltcn worden war, weil er es nicht eher s verlassen mochte, als bis der Gouverneur fort sepn würde. Der Kaiser hatte in seinem Bade zwei Bände von der Lt- ! — gl — !0W«msch«! Crschrchte gelesen. Es war früher seine Absicht — und rr bedauerte sehr, daß er sie nicht aussühren könne — die Geschichte aber Staaten Eure-pa's von Ludwig dem XIV. an, nach den Urkunden unseres Archivs der auswärtigen Verhältnisse, wo sich alle die regelmäßigen Berichte unserer Gesandten ausbcwahrt befinden, niederst:, reiben zu lassen. „Meine Negierung, bemerkte er, wäre dazu c'me vollkommen „geeignete Evoche gewesen. Das Uibergewicht Frankreichs, seine „UnabhängiLrcit, seine Wiedergeburt setzt die Negierung dieses „Staats in die Lage, es ganz unbedenklich thu» zu können- Es „wäre gewesen, als ob ein altcS Geschlechtswcrk erscheine, nichts „in der Weit hätte greßern Werth gehabt. §r tam jetzt aus Selim den Nt. zn sprechen und er erzählte, daß er ihm einst geschrieben habe: „Sultan, geh aus Deinem „Serail heraus, stelle Dich an die Spitze Deines Heeres und laß „sie wicderühreu, die schönes! Tage Deiner Monarchie! — Selim, sagte der Kaiser, war der Ludwig der XVI. der Türken, uns aber sehr zugethan und dienstwillig. Er antwortete weiter nichts, als daß die ersten Fürsten seiner Dvnastie wohl dergleichen hätte» unternehmen könne», daß aber die jetzigen Sitten vo» den ehemaligen sehr verschieden, und Handlungen solcher Art nicht mehr an der Tagesordnung, auch ganz fruchtlos waren. Niemand kenne wohl, setzte der Kaiser hinzu, die Macht eines plötzlichen Aufstandes, welchen ein Sultan von Eonstant:- nepcl deffenchnerachtcr in seiner Gewalt habe, wenn er im Stande sei, sich an Die Spitze seines Volks zn stellen und auf das Ge- müth dieser fanatischen Menge cinzuwirken. Hätte er in Egypten die Mamelucken mit den Franzosen vereinigen können, so würde er sich für den Herrn der Welt gehalten haben. „Mit dieser „Haudvoll auserlesener Mannschaft und jenem, fügte er lächelnd „hinzu, an Ort und Stelle geworbenen Gesindel, das ich, wo es „nur Noth that, verwenden konnte, hätte ich Alles über de» /Haufen geworfen. Algier zitterte schon! — Aber wenn cS nun einmal Deinem Sultan einsiele, uns .-«inen Besuch zu machen, sagte einst der Dry von Algier zu „dem französischen Consul — was könnte uns dann schützen, da -er mit den Mamelucken fertig geworden ist?" — Die Mamelucken, bemerkte der Kaiser, wurden nämlich im ganzen Oriente sehr geschätzt und gefürchtet — Sie bildeten eine Miliz, die man, bis wie erschienen, für ganz unüberwindlich ge-alren hatte. Der Kaiser, der von uns umgeben, sein Diner erwartete. -schlug jetzt ciu Buch auf, das auf dem Kanapee neben ihm lag; es war die Regentschaft. Das sei, meinte er, eine der häßlichsten Epochen in unser» Annalen, mkd er bedauere, daß sie uisi dem Leichtsinne jener ^eit und nicht, wie es das strenge Richtcr- amt der Geschichte fodre, beschrieben sei- Man habe die Blumen dos guten Tons darüber ausgesuent und sie mit dem Firniß der gefällige» Darstellung überzogen, stacc volle Gerechtigkeit ausznüben. Ne Regentschaft sei in Walnh.it das Reich der Hcrzeusverdorbenheit, der Geistes-Unverschämtheit, der größten Cirtcnlesigkeit aller Art gewesen. Es war so weit gekommen, daß man selbst in der l königlichen Familie an alle Abscheulichkeiten, au alle Schandthaten glaubte, die dem Regenten nachgesagt wurden - wie solches nicht - der F ll bei Ludwig dem XV. war, der bei einer höchst schmutz!- ^ gen und zügellosen Lebensweise, doch zu verhindern wußte, daß - man so empörenden und nuqebeuern Dingen, Glauben beimessu, konnte. Er rechtfertigte ihn hierbei'selbst, wegen gewisser Beschuldigungen, die zugleich sehr die Person eines von Napoleons cbemaligen Adjutanten, betroffen h.beu wurden und kam nun noch - einmal darauf zurück, daß die Epoche der Regentschaft die Unter- ' thancn um ihr Vermögen gebracht und >edes Gefühl für Sittlich- K keit erlebtet habe. Nach s sei mehr heftig geblieben in den Eit- len und in den Grund,ätzen. Der Regent selbst habe sich niit - Infamie bedeckt, habe in der Angelegenheit der legittmirtcn Prüi- ^ z;„ d e größte Niederträchtigkeit bewiesen und sich einen großen > Mißbrauch der Autorität zu schulden gebracht. Der König allein s konnte ein solches Urtheil bestätigen und er, der Regent, hatte s sich freiwillig in der Person seines Weibes, einer natürlichen Tochter Ludwig des XI V. enrehrt, mit weicher er sich, zur Zeit der ö Regierung des letzter», gar kluger Wrise vermählt hatte, u. s. >o. - Dienstags, den 6. August. s Heute wurde, um das Aelt zu versuchen, das eben fertig ge- I worden war, die Tafel für den Dienst unter demselben ausgeschia- ^ gen und wir ließen die englischen Offiziers, unter deren Aussicht ^ -d-ese Arbeit vollbracht worden war, zum Dejeuner eiuladen. ^ Ich wurde zu dem Kaiser gerufen; er zog sich an, ich de- ^ glcirere ihn dann bis tief in das Gehölz, wo wir einige Zeit - spazieren ginge». Er sprach über wichtige Gegenstände, u. s. w. s Der Kaiser kam zurück, um die Kalesche zu verlangen und wir setzten unsirn Spaziergang fort, bis sie uns eiuholte. Wie - - .,5 - «ir die erste Tour vollendet batten, meldete man, daß der Am--, plütrion da sei> Der Kaiser liest ihn kommen und wir machten noch zwei Touren. Als wir zurckkehrtcn, besah der .Kaiser daS Zelt und sagte dem Offizier und den Matrosen, die es, fertig machten, einige Worin um seine Zufriedenheit auszudrücken. Mittwochs, den 7 . August. Nach dem Frühstücke, welches der Kaiser unter dem Zelte siiftragnr liest, fiel ihm ein, einige Kapitel des Feldzugs von Italien durchzuschen. Er liest meinen Sohn kommen, dessen Fuß mn vieles besser ist, so wie denn auch seine Augen ziemlich her- gestcllt sind und legte die letzte Hand an die Kapitel von Pavia m.d Livorno; dann ging er nach dem Gehölze spazieren und befahl, daß die Kalesche Nachkommen solle. Unterwegs sagte der Kaiser, daß nun eie Feldzüge in Italien und Egypten als völlig beendigt betrachtet — und solche, wie sie jetzt beschaffen waren, ins Publikum gebracht werden könnten. Cs muffe das, äußerte er, ohne allen Zweifel etwas sehr angenehmes für die Franzosen und die Italiäner seyn — ihr Ruhm und ihre Rechte wären in dssseni Bus e enthalten, n- s- w. Bei alle dem glanee er nicht, daß man ihm seinen Namen versetzen dürfe, und wiederholte, daß die verschiedneu Epochen seiner Memoiren dazu dienen soll- t», die Na.»err seiner getreuen Gefährten auf die Nachwelt zu lringeii, n. s. w. Als bei der Ankunft der Kalesche dieses Gespräch fortgesetzt wurde, drang man in ihn, das Jahr >8,5 zu beendigen und setzte il-ra dabei die Wichtigkeit, das Schwierige und die Felgen hl- r- ron ausriuaiider. „Nun nobl! sagte er lächelnd, ich miß mich „darauf besinnen. CS macht Vergnügen, sich bei so etwas Much „rinsprechc n z» lassen, aber man bedarf auch gute Laune zu der ..Arbeit. Hi.r füttert inan uns nur mit Ctrl und Packereien; „es scheint als beneide man uns selbst die Luft, welche wir ein- „athrrren." AlS wir ins Zimmer znrnckkamen, wohin ich ihm folgte, wurde die Unterhaltung überaus interessant mio rneriwrirvig. Cs war die stiebe een Gustav dem Ni. von Schweden, vo» Rußland, Änsiav dem IV., Bernadsite, Pani dem k. u s. w. Ich habe bereits erzählt, daß Gustav der l ll. zu Aachen, als ein bloßer Privatmann unter dem Namen eines Grafen vo» Hag», mitten unter uns lebte. Er war durch feinen Gerst »nid das Interesse seiner Erzähliingell das Leben der Gesellschaft. Ich vernahm die berühmte Rcvclntivn von 17,2 ans seinem eignen Munde und in Folge eines sehr glücklichen Znsi„„- montresseuS der Umstände erlangte ich die allergenaucfte Kemid nlß ecu dieser Epoche der schwedischen Geschichte, indem ich ^ gleicher Zeit mit einem gewissen Baron von Spreng Porten genau bekannt war, der Anfangs großen Eifer für Gustav g.zcizl ha.te, Lock späterhin nach Rußland gegangen und so miginalich gewesen war, an der Spitze von sremkwn Truppen zurückzuk««- men, um gegen sein Bateiland zu fechten. Es hatte oieo die Lualung, daß er, diestr Handlung wegen, in Schweden zmu r«de verulih-ilt wende. Jetzt hatte er sich auch zn Tacken desunoen und aus Hejlichteit b>i Gustavs Ankunft, selbst von da veibannt — doch ober nur eine halbe Stunde weit von der Stadt euperin, si daß der Baien, waS der König am Abend erzählte, nur an: sti- geuüen Morgen beim Frühstück, wiederlcgie, berichtigte, oder bestätigte. Er hatte sich ehemals ein großes Bertram» dieses Fürsten erworben, und gab mir die genaueste — und, seiner Per- sichiN'ung nach allrrbestimnuteste Auslunft, über den Roman von Gustav des IV. Geburt, von welcher man, mit Gustav des Ul. Vorwissen und mit dessen volllvinmencr Einwilligliiig behauptete, daß dieser keiuru The.l daran habe. Der Kaiser bemerlte, daß Paul diesen nämlichen SpmiM- lni wahrend seines EeusulatS an ihn abgesandt habe. Bon Än- stav dem tV- sagte er, daß selbiger wie ein Held begönne» und wie ein Narr geendet habe. Als letzteren habe er sich sehr bals durch merkwürdige Zuge z« erkumcn gegeben. Er war noch ei, Lind, sagte er, als er ichon Katharina im böchsten Grade dadurch beleidigte, daß er die Hand ihrer Enkelin in dem Augenblicke tiiisschmg, wo diese große omisen, ans ihrem Throne und von ihrem ganzen Hose umgehen, ihn erwartete, um die Trauung vcil- ziehen zu lassen. Späterhin beleidigte er Alerander eben so sehr, indem er, nach dem unglücklichen Ende Pauls, einem Lssizier des neuen Kaisers, den Einriitt in seine Staaten verweigerte, und ans die hierüber rin ihn gelangende ofpziUie Beschwerde, antworrcte, wie Aleran- der ihm nichr für übel halten müsse, wenn er, Gustav in dem Augenblicke, da er »och tun Mord seines Batcrs beweine, einem von dem» den Eintritt in sein Land versage, welche Lurch chic öffentliche Stimme angeklagl wurden, daß sic den semigen (Alerandero Barer ) umgebiacht hatten- .Wie ich r«r Negierung gelangte, zeigte er fich als meiiicri ;„ .großen Gegner. Er schien nichts Geringeres zu beabsichtigen, ! ' „Als des Beispiel des großen Gustav Aldolph »achzuahmen. Er „zog durch ganz Deutschland, um Alles gegen mich «ufzuwiegeln. „Nach der Katastrophe mit dem Herzoge von Eughicu, schwor er, - „diese That persönlich zu rächen und späterhin schickte er dem Könige von Preußen den schivarzen Adlerorden dlos darum zurück, !, „weil dieser mein Ehreulegious - Kreutz angenommen halte, u. s. w. ! > „Endlich kam seine Unglucksstunde. Eine ungewöhnliche Vcrschwö- i e. ,ru»g nß ihn vom Throne u>:d vertrieb ihn aus seinen Staaten. Der ! „allgemeine Widerwille, der ihn traf, be,reißt sein Unrecht. Ich iE „glaube, das, er nicht zu entschuldigen und Laß er ein Narr war; > „bei, alle dem bleibt cS aber doch etwas ganz Außerordentliches „und Unerhörtes, daß bei jener Krise auch nicht ein einziger Dc- „gc», iveder ans Liebe, noch aus Erkenntlichkeit, noch aus Pflicht, „oder, wenn man will, ans Dummheit, sür ihn gezogen wurde „und wahrNmig i es liegt darinnen wenig Ehrenvolles für die „'.Amssphärr der Könige." Es schien, als ob dieser Fürst, den die Engländer als ein Wttkjcr'g gebrauchen wollten, den sie zum Besten gehabt, den sie betrogen hatten, und der dann selbst von den Seinigen verstoßen wurde, der Welt ganz entsagen wolle, Menschen und Dinge verachtend, verbarg er sich unter die Menge, weil er sich für be, schimpft hielt. , Nach der Schlacht bei Leipzig, erzählte der Kaiser, habe Gest« ihn wissen lassen: er sei allerdings langeZ-it sei» Feind gewesen , - aber langst schon doch auch er, Napoleon, derjenige Fürst, über Weden er sich am wenigsten zu beklagen und für den er daher nur .^^Ncwnnderuug und Frenndschafr gesuhlt hatte. Sein jetziges Un- MMck erlaube ihm dies anszusprechen. Er erbiete sich, sein Ad- « jiitau'. zu sey» und bitte ihn mn ein Asyl in Frankreich. „Ich M „war gerührt, bemerkte der Kaiser, aber ich bedachte sogleich, daß, M „wenn ich ihn aufnähme, es meiner Wurde angemessen sepn würde, E „etwas sür ihn zu thnn. Gleichwohl war ich', nicht mehr der Gebieter - - der Welt, und die Masse der gemeinen Seelen, wurde lin meinem „Interesse für ihn, nur einen ohnmächtigen Haß gegen Bernadette i „erkannt haben. Zudem war es der Wille des Bocks, der Gustav .-gestürzt und mich dagegen erhoben hatte. Seine Berch.stdigung „zu übernehmen, wäre von mir incousequeut gewesen und Halle „cineu Widerspruch der Grundsätze verrat»-». Kurz ich gleubre die «chizc'legercheitrn dadurch noch mehr zu verwirren und mußte also „»IN»? Großinnth ZIIIU Schweigr» bringen- Ich ließ ibm dkjid „gemäß «»kwvrtcn, daß ich sei» Anerbiere» zu schätze» wisse »es „davon geruhet sei, daß aber Frankreichs Politik mir nicht erlai» „be, »ttch meinen Gefühle» z» überlasse» und daß solche sogs, „inich aus schmerzliche Weise verpflichte, ihm für den Lugend „das Asyl zu verweigern, um welches er gebeten habe. Er irmk „übrigens sich sehr irren, wenn er mir andre Gesinnungen^ „krauen wollte, als das äußerste Wehlwollen und die aufrichtig „Wünsche für sein Glück u. s. w. „Die Schweden, sagte der Kaiser ferner, wollten nach A „stavs 'Vertreibung, während der Erledigung deS Thrones mir u- „was angenehmes erlvcisen, so wie sich den Schutz Fraulreisj „versichern, und verlangten daher von mir einen König. Es „einen Augenblick Rede vom Vice - Könige, aber er hatte die L „ligion ändern müssen, was ich unter meiner und der Mich.» „Würde hielt; auch dünkte mich der politische Wert!, des Gezw „standes nicht groß genug, um eine unser» Sitten so sehr Mch „derlausende Handlung zu entschuldigen. Bei alle dem war m „vielleicht doch zu viel daran gelegen, einen Fianzvsen auf Sä» „dens Throne zu sehen. In meiner Lage war das kindisch. A,i „meine Politik, für die eigentlichen Inieirffeu Frankreichs wart,, „König von Dänemark der rechte König, weil ich dann Schlecht» „schon durch die bloße Berübiung der dänischen Provinzen regicü „haben würde. Die Wahl iraf Bernadette und er hattest „einzig dem Umständen dazu verdanken, daß seine Fran die Sch» „ster der Gemahlin meines Bruders Joseph ist, der damals j« „Madrid herrschte. „Bernadotte, der sich das Ansehen gab, als ob er sehr „hängig sei, kam zu mir, um meine Zustimmung zu erbitten»!« „versicherte mir einer sehr sichtbaren Unruhe, daß er sich auf nichl? „einlassen würde, che er nicht wisse, daß es mir angenehm wäre. „Ich, ein Monarch durch des Volkes Wahl, mußte allerdings „antworten, daß ich de» Wahlen anderer Völker uicht widerßw „den könne. Das war die Antwort, welche ich Bernadotte gal „Seine ganze Haltung verrieth die Angst, womit er sic erwarten „und ich setzte noch hinzu, daß er ja nichts zu thnu habe, al> ,das Wohlwollen, das mau für ihn hege, anzimehmen, daß iä „bei dieser Wahl keine Ltinimc haben wolle, solche jedoch zeuch „inige und ihm Glück dazu wünsche. Bei alle dem, ich will c- „nur bekenne», suhlte ich eine Art von Lbneiaung, die mir di, „Sache unangenehm und peinlich machte. Kaum hatte er »»- 97 „verlassen, alS er auch schon in dam Systeme unsrer Feinde handelte; wir mußten ihn beobachten lassen und hatten von ihm zu „fluchten. Spälerhin wurde er einer der wirksamsten Urheber nn- „sers Unglücks. Er war es, der unfern Feinden den Schlüssel „unsrer Politik, die Taktik unsrer Heere uiitlhciltc, der ihr Führer wurde, alS sie den heiligen Boden betraten! Vergebens wird „cr zu seiner Entschuldigung sagen, das, sobald er Schwedens „Thron angenommen hatte, er ganz Schwede seyn mußte. Elende „AuSsiucht! gut für den Pöbel und den Troß der Ehrgeizigen. „Wer ein Weib nimmt, entsagt darum nicht der Mntrer, geschweige denn, daß er sich verpflichte, ihr daS H.r; zu durchbohren, und ihre Eingeweide zu zerfl ischeu. M n fegt, es „habe ihn späterhin gereut, nämlich als daS Unglück geschehen, „war; das Wahre von der Sache ist; daß, als cr sich mitten „unter unS befand, er wohl merkte, wie sehr die öffentliche Meist,lu.ng ihm sein Recht wiedcrfahren lasse. Er war wie vom Don- ,,»er gerührt. Jetzt erst sielen ihm die Schuppen von den Äugen, „denn man glaubt nicht waS er in seiner Verblendung für eitle „Traume und sür Vornrtheile hatte, u s. w." Ich bemerkte im Folge diese» Gesprächs und mancher andern Aeußcrungen noch, dass es doch ein ganz eignes, außerordentliches und sonderbares Sries des Anfalls sei, daß der So.dat Bernadette, der zur Annahme einer Krone berufen wurde, bei welcher die protestantische Religion eine Haupcbedingung anSmachte, alS Protestant geboren war, und daß sein Sohn, der nun einst über Scandinavien herrschen sollte, mit dem National - Namen OScar dort anfrrat. „Der Kaiser „antwortete mir: Da» liegt darinnen, daß der Zufall, von dem r so oft sprechen, aus welchem die Asien einen Gort machten, u»S täglich in Erstaunen setzt und unS stündlich trifft, uns „nur darum so eigen, so außerordentlich nud so sonderbar vor- „kommt, weil wir die unbekannten aber ganz natürlichen Ursache:^ „die ihn hcrbcigesührt haben, nicht wissen- Dieß ist hinreichend, „um eiwas Wunderbares'zn erblicken und tiefes Geheimniß zu ah- ,/nrii. Im gegenwärtigen Falle thun Sic doch wohl, was den „ersten Punkt betrifft, daß er, vermöge seiner Geburt, schon ein „Protestant war, den, Zufälle zn viele Ehre an — streichen Sie „das nur weg — und so riet den Zweiten — den Namen Oscar „angrht, so war ich Pathe, und rränmte, als ich den Namen ^ „wählte, von Ossian, wodurch er mir denn ganz natürlich eiiifsil. sehen mithin, wie einfach daS ist, was Sie so sehr in Erstaunen gesetzt hat." L. Lafcs Laaco. 7s Ldchn. 7 Endlich kam der Kaiser wieder auf Paul Zu sprechen. §r erzählte, in welche Wuth derselbe einst durch die Unrcchtlichkcit dej englischen Ministeriums gerathcn sei. Man harte ihm Malta versprechen, sobald man eS genommen haben würde, und er rille, sich zum Groß-Meister ernennen zu lassen. Als nun Malta ßbn- gegangen war, läugneten' die englischen Minister das Verspreche« ab. Man versichert, Paul sei bei dem Lese» dieser schändliche« Lüge so entrüstet gewesen, daß er vor den Augen seines MD Conseils, die Depesche ergriffen, mit den Degen durchstoßen and besohlen habe, sie, statt aller Antwort, in diesem Zustande zmiich- zuschicken. „Wenn man das für eine Narrheit halten wollte, „sagte der Kaiser, so müßte man doch ejngestehcn, daß es die „Narrheit einer schönen Seele, der Abscheu der Lugend bei eine, „Niederträchtigkeit war, die sie bis letzt nicht für möglich gehch „tcn hatte." Zn derselben Zeit unterhandelten die englischen Minister l»i! uns über die Auswechslung der Gefangenen und weigerten ßch darunter, auf gleiche Weise, auch die in Holland gefangene» Rassen zu verstehen, welche doch in ihrem Dienste gestanden und einzig sur ihre Sache gejochten hatten. „Ich merkre, sagte der Zi-ii- „ser, wie man Paul beikommcn konnte, und ergriff die Gelegen- „heir bei den Haare»; ließ diese Russen sich sammle», kleidete sie „und schickte sie, ohne etwas dafür zn sodcrn, zurück. Von diesen, „Augenblicke an hatte ich sei» edles Herz gewonnen und da ich „keine Interessen hatte, die mit den Interessen Rußlands in, „Widerspruch gestanden hatten, da ich me etwas verlangt hake» „wurde, als was billig zn neunen war, so ist es wohl gcich, „daß ich von Stunde an über das Cabinet von St Peccrslnirz ^ „disponiren konnte. Unsre Feinde suhlten die Gefahr und »m „will behaupten, daß jenes Wohlwollen für Paul sehr tramize „Folgen gehabt habe — Es kann wohl seyn, denn es giebt Ädi- „nette denen nichts heilig ist." Man hat oben gesunden, daß der Kaiser von dem Prinzen Ponte Corvo (Bernadotte) sagte, er sei kai»» i» Schweden gewesen, als er ihm auch mißtrauen und Maaßrcgeln^ gegen ihn ergreifen müssen. Hier ist ein Brief aus jener Zeit, wodurch jene Aeußernng bestätigt wird und welcher zugleich eine sehr schätzbare Auseinandersetzung des Continental-Epsteins enthalt. In den Tuilerieu, den st. August ist,,. Mein Herr Kronprinz von Schweden! Ich habe Ihr Privat- Echmbcn richtig erhalten und was Sie mir darinnen inittheUeii, ist mir als ein Beweis der freundschaftliche» Gesinnung, welche >Eie für mich liegen und als ein Deiche» der Rechtschaffenheit Ihres Charakters von großem Werthe. Es siebt keinen politischen Grund der mich abbaltcn könnte Ihnen darauf zu antworten. Sie ehren ohne Zweifel die Grunde, welche mich zu dem Dekrete vom ri. November ,8„6 bewogen haben. ES werden darin Europa keine Gesetze vor geschrieben, sondern es bezeichnet nur tun Weg, welchen man einschlagen musi, um zu einem und demselben Ziele zu gelangen. Die Traktaten, welche ich geschloffen habe. Ihm, das Uibiige. D-s Blotade-Recht, das England sich an- iiuiaßt, ist dem Handel Schwedens sehr nactuheilig und sur seine Flagge, wie für seine Seemacht eben so entehrend, als eS dem Handel Frankreich schadet und der Würde seiner Macht entg gen- jmbc- 3 'l, behaupte selbst, daß die gebietrischen Ansprüche Englands noch beleidigender für Schweden sind, da dess.n Handel zur Lce wichtiger ist, als ans dem Continente: die wahre Kraft deS zst»igrcichs Schwedcn liegt eben so sehr in der Eristcnz seiner Marine, als der seines Heers. „Die Entwickelung der Kräfte Frankreichs ist völlig kontinental. Ich habe in meinen Staaten einen innen, Handel hervorge- kracht, welcher das Leb, n und das Gcld der äußern Lheile nach dem Mittelpunkte und von dem Mittelpunkte nach den äußern Thülen durch den Impuls leitet, welcher den Ackerbau und Len Manufakturen durch das strenge Verbot ausländischer Produkte zu keiner giößeru Industrie gegeben worbe» ist. Der dadurch bewirkte sPusiaud ist von der Are, daß ich nicht weiß, ob oer französi- Handek bei dem Frieden mit England vtel gewinnen möchte. „Die Anftechthalning, Beobachtung und Annahme des Delikts von BrtUn ist daher, ich wage das zu behaupten, mehr in dem Interesse Schwedens unb Europa's übcrhanpt, als in dem dcsondern Interesse Frankreichs. „Dies sind die Gründe, welche meine offene Politik der offene» Politik Englands entgegensetzen kan». Tie geheimen Gründe Englands, warum cs d,ii Fncden nicht will und alle Vorschläge, die von meiner Seile geschehe» sind, evn der Hand gewiesen har, sind folgende: Deo Krieg vergrößert besten .s a. dcl uns Gebiet; es furchtet, etwas beranSgebcn zu muffen, wüc das neuere Sh- stei» durch keinen Lrattat in Kraft treten lassen, w,!i überhaupt 1VK — nicht, daß Frankreich mächtig sei- Ich, mei'nelscsts, wünsche da Frieden — und zwar einen allgemeinen Frieden, denn dieser es lein kann die neuen Interessen, sowie die durch Eroberung c»t- siandenen Staaten befestigen. Ich glaube, daß Ew. Lönigl. ssc- heit über diesen Pnnkt mit mir gleich denken. „Ich Haie viele Schiffe aber keine Seeleute, vermag M mit England zu kämpfen, um es zum Frieden zu zwingen, ml> einzig und allein durch das Continentalsvstcm kennte cs gclingcr. L>on Seiten Rußlands und Preußens giebt, es hierbei kein fiir- derniß; ihr Handel kann bei den Aerbicrungsmaaßregeln nur gewinnen. „Ihr Kabinct besteht ans hcllsehcndcn Männern. K isi Würde und Llaterlai.döliebe in der Schwedischen sstatiou. Ew. Loch!. Hobest Einfluß auf die Regierung ist allgemein anerkannt und iS werden Dieselben ebne bedeutenden Widerspruch, ihre Aöircr cinir mcrcantilen Unterwürfigkeit gegen ein anderes Volk leicht cnlrci- ßcn. Lassen Sie sich nicht durch die verführerisch» Lockspeisen fangen, welche England Ihnen Vorhalte» möchte. Die Ankunft wird Ihnen beweisen, daß, loelchc Revolutionen die Zeit auch hervorbringen könnte, die Zrirsmi Curopa's doch Verbmdnrrgsgestche geben werden, wodurch sic Herm in ihrem Lande bleiben. „Der dritte Artikel dcS Traktats vom 24. Februar 1802. m- hesserr d:e unvollkommenen Bedingungen des Traktats von Arche ries Ham. Er muß in Ansthung der Eolo-.ial-Waarc» sirrrg beobachtet wrrden- Sie sagen, daß Sic diese Warnen nicht c»r- behren können und, bei dem Wegsalle ibrer Cursührnng, sich Hc Zolleinkünste vermindern. Ich will Ihm» für Zwanzig Millimi Eolonial-Waarcn geben, die ich zu Hamburg habe, lassen Lu mir für eine gleiche Errinme Eist», so brancyr kein Geld cst Schweden zu gehen. Uib.rlaffen Sic diese Waaren an Lanflerch diese bezahlen bann den Eingangszoll, Su warnen Ihr E.seu !«> und auch mir ist gehvifen. Ich brauche in Antwr rpcn Eisnr und weiß nicht was ich mit den englischen Waaren machen soll. „Bleiben Sie den Lea! taten vom 2-t. Febrm.r treu; M» Sie die Schwedischen Ccnrr.bandirer von der Gothenburger Rhck und überhaupt von Ibrcn .trnue» fort, wo sic ungaschcnr Schics Handel treibe». Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich menur ! Eeirs die Bedingunge» jene» Traktats gewisstnhast erfüllen wcldc. ' Ich werde zu verhindern suchen, daß Jure Rachbarn sich W Lontinental - Besitzungen nicht anugnen dürsen. Wenn Llk / r, gegen Ihre Verpflichtungen handeln, so werde ich mich auch Mi den mcüügcn entbunden glauben. „ES ist mein sieter Wunsch mich in Freundschaft mit Em. König!. Hoheit cinznvcrstchen und ich werde es gern sehen, ,Min Sic diese meine Antwort Sr. Majestät dem Könige mir- iheilen, dessen gute Gesinnungen ich stets sehr zu schätzen weiß. „Mein Minister der; auswärtigen Angelegenheiten wud offiziell ans die letztere Note antworten, welche der Gras ovn Essen mir bat vorlegen lassen. „Da dieser Brief keinen andern Zweck hat n. s. w. Napoleon. Donnerstags, am ö. August. Ich trat gegen >i Uhr zum Kaiser ein. Er zog sich an und ließ sich von seinem Kammerdiener mehrere Proben von aus England geschickten Parfüms und Odeurs vvrzeigen. Er untersuchte alle, kannte nichts davon und lachte herzlich über seine krasse ttn- mssenbeit, Das Frühstück sollte unter dem Zelte ansgetragen werden, wo wir alle zusammen kommen mußten- Er fand den Wein sehr schlecht und berufte sich ans seinen sWwhvfmeister Eipriani, der ein Corse ist, um zu beweisen, daß man ihn dort viel besser habe. Bei dieser Gelegenheit erzählte er, daß der erste Weinberg der Insel von bedeutender Größe, l'Espvsata genannt, zu seinem väterlichen Erbe gehört habe. Er könne von diesem Weinberge, ohne ein Gefühl der Er- lcnntlichkeit nicht sprechen. Ihm hatte er in der Jugend seine Reisin nach Paris zu verdanken; und von ihm die Kosten zu seiner halbjährigen llrlanbszeit entnommen. Wir fragten, was damit geworden sei? und er antwortete, daß er vor langer Zeit schon zum Besten seiner Amme darüber diSponirt habe, welche irohl gegen i Franken in liegenden Gründen ans Eorsiea von ihm erhalten haben möchte. Anfangs habe er ihr auch sein väterliches Hans schenken wollen. Da er eS jedoch zu groß sur ihren Stand gefunden hätte, so habe er cs der Familie Rvmalino, die mütterlicher Seits am nächsten mit ibm verwandt sei, unter der Bedingung gegeben, daß die Amme ihre Wohnung darinnen behalten müsse ') Das väterliche Hans Napoleons, seine Wicae, Las sich jckt wirklich im Lefitz des Miipiievo der Depmirren - Kammer Herrn Aomalino, Mit einem Worte, er hatte aus ihr eine große Dame g» macht. Sie war zur Krönung nach Paris gekommen und ha», bei dem Pahste eine -Audienz von anderrhalber Stunde gM „Der arnic Pabst, sag re der Kaiser, mußte wohl viel Zeit »kj, , habe» ! Sie war übrigens sebr sremm, und an eine n Kiism, „schiffer der Insel verheirathet In den Tmlcrien gefiel sie ^ gemein Sie batte durch die üebbaf igkcit ibrer Sprache und Ei- ^ bährdeu die ganze Familie für sich gewonnen. Die Kaiserin Zi- sephine schenkte ihr Diamant-n " j, -N-cb dem Frühstücke setzte sich der Kalter, seines gestfiz-, ^ Entschlusses eingedenk, an die Arbeit, legte ie letzte .rxnd U das Kapitel von Eauiglione und ging, als er damit zu Ende iw, ^ nach denl Wäldchen, um dvlt die Kalesa.e zu erwaitcu. ^ s Laufe des Gesprächs, welches jenes Kapitel veranlaßt batte, ' zäblte er, daß Iosephine mit ihm von Brescia abgereisr sei mß so den Feldzug gegen Wnrmser mit begonnen babe. Bei derA, i tunst zu Verona h. be sie die ersten Plänkeleien und Schüsse m/. angesthen und ang-hort. Nach der Wlederaukunst in Eastel-NsA, t ul'd da fie dort die Verwundeten babe vorüber kommen sch», hck sie gern Brescia erreichen wollen, sei jedoch schon zu Psnh, ! Maico durch den Feind anfgehalten worden. In der Unruhe mi der heftigen Bewegung, worinncn sic sich in diesem Augeubliil! befand, ergriff sie Furcht und sie weinte bittre Lhiane» da/ dem Ablchicdc von ihrem Gemable, der, als er die Scheidend! nmaimte, ihr mit einer Art von prophetischem Geiste saztc: l „Wuriiiser soll bald die Thränen thcuer bezahlen, die er dir M- „gepreßr hat/' Sic war gezwungen in ihrem Wagen sehr nahe u i dem belagerten Mantua vorbeizufahren. Man schoß auf sic au« ' der Festung und jemand aus ihrem Gefolge wurde sogar getroffen, befindet, lg, wie mau sich denken kann, ein Gegenfiand der gtefnll Neugierde „nd Veeefirung der Reisend n, besonders der MUNärS. Ae» weilt von Angenzengen, wie, bei Ankunft eineS jeden Fez« lnen-S auf Corfica, fie» da: Schaufpiel erneuert, das- die Loidal» in Maffia fiinlnifcn nllS eS sefileei'lerdingS in feficn verlangen. Li, tUallbell gewifferwaaßen eil, Recbi da,n zu finden. Und wenn fn danll eingelassen werde,,, so zeigt sich jeder in der Elnth seines N>, ssililS. Der e,„k bucht mit de,! Angen überall „nifiec nnd yrbt ki! Spünde j„n> H,,»,nel ans, ein ander, wirse fich auf die Knie, tili dritter knkt den Fußboden — der vierte oergiesn Lfirünen „nd viiii gcraifien in e,ne Art b,-„ W„IH. Man «rzäfilr etwaS AefinlicfieS ree dem Grabe Friedrich des Große,,. Das lg die Macht großer Mi«, »er über die Herzen! — Ae ging dann über de» Po, durch Bologna und Ferrara bis nach dicca. Die Furcht war ihre Begleiterin, so wie die böse» Gerüchte, diegewöhnlich sich um unsre patriotischen öoeere verbreitern,, aber ihr festes inneres Vertrauen ans den Glücksstern ihres Gemahls hielt sie aufrecht. Ungeachtet der damaligen Krise und der falschen Gerüchte, die sich damit verbanden, war cs doch schon mit der össentlin-en Meinung in fMia» und der Stimmung für den französischen General so weit gediehen, daß seine Gemahlin in Lneca von dem Senate empfangen und auf eine solche Weist behandelt wurde, als ob sie eine große Fürstin gewesen wäre. Der Senat ging zu ihr nnö begrüßte sie, überreichte ihr förmlich Proben der köstlichen Oele des Landes nnd fand bald, daß er klug gebandelt habe, ouirz darauf brachten Kourierc die Kunde pon den Wunderthaten ihres Gemahls und der Vernichtung Wnrmscrs. Der Kaiser kam zum erstcnmale nach dem Brande i» den Salon. Man mcubürt denselben nach und nach mit hierzu besonders pon London angckommenen Sachen. Er wird jetzt ein ironig erträglicher. Nach der Tafel sing der Kaiser anfangs an den Tnrcaret zu lesen, der ihn jedoch, wie er sagte, bei allem Witze durch seine Gemeinheit anekle. DaS sei aber nun einmal der Stempel den Le Sage seinen Werken ansdrücke. Dann ging er wciter zu Advokat Pateiin, worinnen ihm das wahrhaft Komische sehr belustigte. Freitags, am 9. August. Der Kaiser frühstückte unter dem Zelte und überarbeitete dort bas Kapitel von der Brenta- Um c> Uhr fuhr er auS. Wahrend unsrer Spazierfahrt war der Gouverneur da gewest» und hatte den Kaiser, wie inan glaubte, wegen des ans den nächsten Montag, den l-tcn dieses Monats fallenden Festes des Prinzen Regenten sprechen und ihn auf die Salven porberciten wollen, die deshalb im nahen Lager statt finden würden. Andre wollten wisst», er habe Befehl gegeben, nur das zu liefern, was zu der Tafel des Kaisers selbst nöthiz sei, wegen eines jeden von uns aber eine besondere Rechnung zu führen, da er den Aufwand größer finde, als er ihn verantworten könne, Kaum ist das zu glauben. Nun wir werden ja sehen. Sonnabends, «nn io. Anglist- Dcr Kaiser war unwohl und nahm ein Bad. Um drei D ging er spazieren und verlangte die Kalesche. Er hatte die Geschichte Katharinens gelesen. „DaS war eine männliche Frau, „sagte er. Sie hätte verdient einen Bart nm'S Kinn zu habe,,. „Das traurige Ende Peters und jenes von Paul waren Re«o- „lmionen im Serail, Janitscharcn - Streiche. Diese HauS - Sch „daten sind schrecklich und werden um so gefährlicher, je nmn»- „schränkter der Herr gebietet. Auch meine Kaiser-Garde konnte „unter einer andern Hand, als die mcinige war, Unheil bringe»? Er und Paul, äußerte der Kaiser, wären sehr gut mit einander gewesen. An der Aeit, als der unglückliche Tod des les- teni erfolgte, wobei daS Publikum weder dessen Verwandten »och Aliirten schonte, unterhandelte er im Geheim mit ihm, wegen ch ncr Erpedition nach Jndi.n und wurde ihn gewiß zu deren Ausführung bewogen haben. Paul schrieb ihm recht oft und weitiänf- tig. Seine erste Anschrist war sonderbar und Nächst originell. „Bürger! erster Consul! — so lautete der eigenhändige Brief- „2>'h streite nicht über den wgcntlichen Werth der Menschcn- „Nechte; wenn aber eine Nation einen Mann von großen Per- „dicnsten an ihre Spitze stellt, welcher der Achtung würdig ist - „so hat sie eine Negierung. Frankreich ist von nun an nach inci- ncr Ansicht, in diesem Falle u. s. w." Bei unsrer Rückkehr fanden wir den Admiral mit seiner Frau. Dn Kaiser ließ sie einsteigcn und wir machten noch eine Tour. Dann ging er noch einige Aeit mit Lady Malcolm sehr artiger Weise spazieren. Nach der Tafel dnrchblätterle der Kaiser zwei Bande des Theatrc sranxaiS, ohne etwas zu finden, was ihn angespro- chcn hätte. Sonntags, am n. August. Nach dem Frühstücke macker dem Zelte und einigen Touren im Garten, ging der Kaiser das Kapitel von Arcolc zum letztcnmale durch. Bei dem Spazierensahren bemerkte nachher einer von uns, baß heute Sonntag sei — „Wenn wir in einem christlichen Lande „wären, sagte der Kaiser, oder einen Priester hätten, so würde» „wir Messe hören und ans diese Weise einen Lhell des Tages „hinbringcn. Ich habe' immer den Schall der Glocken ans dem „Lande recht gerne gchert. Man muß, setzte er scherzend hinzu, „sich entschließen, einen von uns zum Priester zu machen; zum „Pfarrer von St. Helena. — Aber wie könnte er ohne einen Bi- «schoss eingesetzt neiden? sengte man. Bin ich nicht Bischofs? „crwiedcrte der Kaiser; nicht mit dem nämlichen Oelo gesalbt, nicht «auf gleiche Wiese geweiht? Wurden nicht Clodowig nnd seine „Nachfolger vormals mit der Formel ilcx Ll>iisrii»e cr -uLLi5, «gesalbt. Waren sic also nicht wirkliche Priester? War cs nicht „blos die Eifersucht nnd die Politik der Dischöffc und der Päbste, welche späterhin die Abschaffung dieser Fcrmel veranlagte n. s. w." Bei der Tafel wollte der Kaiser, als ich nicht asi, die Ursache davon wissen. Ich batte großen Magcnschmcrz und äußerte, daß ich an diesem Uibel sehr oft leiden müsse. „Da bin ich glücklicher als Sie, bemerkte der Kaiser. In meinen ganzen Leben chhabe ich weder den Kopf »och den Magen gefühlt." Der Kaiser wiederholte sich gern — und so hat er denn auch die,e »«milchen Worte vielleicht zehn, zwanzig, bis dreißigmal, zu verschiedenen Seiten zu uns gesagt. ') Montags, am io. August. Der Kaiser brachte den Vormittag in seinem Bade mit dem ch.-sen des Journal des Dcbats vom Monat März und April hin, das ilnn gestern vom Cap ans zugekommcn war. Der Inhalt desselben beschäftigte und beunruhigte ihn sehr. Mberhanpt blieb der Kaiser, seitdem er die Bucker und besonders den Moniteur erhalten batte, viel allein und kam fast gar nicht mehr aus seinem Kabinetc. Er ritt nicht, fuhr selten, und kaum ging er auf einige Minuten in de» Garten, um frische !üusr zu schöpfen. Das konnte ihm nun freilich nicht bekommen. Seine büge nnd seine Gesundheit veränderten sich zusehends. Ich fand ihn heute bei dem Lesen der Krcuzzügc von Mi- !chaud. Er legte sie weg, um die Memoiren von Bezcnval zu . dnrchblättern und verweilte darin bei dem Duel des Grafen Artois mit dem Heroge von Bourbon. Er fand die einzelnen Umstände hierbei recht sonderbar, aber zugleich unfern Sitte» sehr *) Gewöhnlich übergehe ich alle solche Kleinigkeiten, wegen ihres unbedeutenden GehaltS, wenn sich nicht irgend eine Gelegenheit leigt, wo ich Gebrauch davon machen kau». Unglücklicherweise habe ich nicht die Zeit dergleichen Gelegenheiten zu suchen, oder selbst hervor« iubringen. Der geringfügige Umstand, den ich hier er,ählt habe, hat jedoch nun durch die Art deS TiodeS und die langwierige schreckliche Krankheit des armen Schlachtopfers, das den dreifachen Qualen des Körpers, des Geistes nnd dcö Herzenö unterliegen mnßle, rincn nur aiMigrvßen Wcrch erhalten. fremd- „Selten, sagte er, wird man uähcrsichende Zeiten und entfernter liegende Sitten sehen, als hier." Zur Laufe der heutig.» Gespräche, erwähnte der Kaiser nochmals, was ich schon anderwärts angeführt haben muß, d^ L elacht bei Eckmühl sei sein schönstes Manövre gewesen, oh», dieses jedoch naher auseinander zu setzen. Ich sprach hierüber, einem meiner Freunde zu der Zeit als eben an diesem Theile meines Werks gedruckt ward, mein B„ tz dauern ans und ließ ihm mein Manuscript durchsehen. Er s»gi, k mir, daß er sich zu behaupten getraue, der Kaiser habe unter l diesen Worten uicht die Schlacht allein, sondern den ganzen Feld- I zug »erstanden, bei welchem die Umstände mehr als jemals »er- ! wickelt gewesen waren und daher sein ganzes Genie, zu Wer- i Windung der Schwierigkeiten, in Anspruch genommen hätte». „Der Kaiser war hierbei, so sagte er, immerwährend in Tb«- j „tigkcit — er hielt ohne Unterlaß die Fäden, der nicht allein mf „dem Platze, wo er : impfte, den Sieg ihm sichern, sonder» durch ^ „gmz Europa sich wirksam zeigen sollten." Er wollte mir d«, l beweisen und zog mich dadurch in sein Geheimnis!. Dieser Ofsijiri - von einem hohen Range, der in der Garde diente und jetzt seine ruhigen Tage den Wiss-»schasten weihet, beschäftigt sichm» nach seiner Entlassung mit einem wahrhaft nationalen Werke, d«l er mit eben so vielem Talente als großer Bescheidenheit unter- nommen hat; cs führt dem Titel: Gemälde d.er Fcldzitzk Napoleons in Europa, von einem Augenzeugen. Der Feldzug von 1^09 ist vollkommen beendigt, doch noch nicht hcrausgegeben. Er bat mir ihn mitgethcilt, »och mehr, er i hat mir die große Gefälligkeit erwiesen, mir denselben zu geuj freiem Gebrauche zu überlass, n. Da er mich außerordentlich 'a»je- zogen hat, und ich darinnen eine große Menge von Umstände« und bis jetzt ganz unbekannt gebliebenen Dingen, gesunde» habe, da ferner die darinnen ausgesprochenen Ansichten und Gefühle nicht allein mit den ineinigen ganz übereinstimmen, sondern mich ans gleichen Zweck gerichtet sind, so finde ich kein Bedenke«, mehrere Stellen daraus hier eiiiznschaitcn — und cs kann mir ki Sou Seiten, welche hierzu vor mir liegen, nebst einer Menge re« authentischen Noten und Beweis-Urkunden zu deren Erläuterunz, nur die Wahl schwer falle». Ich bin überzeugt, daß alle diejenigen, weiche das lesen, was ich davon ausgezvgen habe, ihre Wunsche und Bitten mit den meinigen vereinen werden, um de« ^ Verfasser zu bestimmen, nuS recht bald mit der Herausgabe seiner r->7 großen und rühmlichen Werkes zu erfreuen. Der Kürze wegen, lasse in, vieles weg; das heißt ich schade dem Ganzen. Der Verfasser beginnt mit dem sehr gelungenen Beweise, daß die Coalition gegen Frankr.ich vom Jahre -zgä hjs zum Jahre ip> 4 , theils offenkundig, theils in dem Geheimnisse der Kabinette und in dem Herzen der hohem europäischen Aristokraten ununterbrochen fortgewährt, so wie, da? das englische Kabinct, als die Seele dieser Ligue, jederzeit an deren Spitze gestanden habe, — daß mithin alle Continental-Feldzüge in dieser Zeit nur Epi- svdm in dem großen Streite zwischen Engln..d und Frankreich gcwcsn seym. Cr macht darauf ausmerksam, daß die Coalition von dem Augenblicke «n, wo die Einrichtungen der Revolution sich durch Begründung heg KaiwrthronS befestigte», neue Thätrg- keit cihi lt. Cr zeigt, daß von dem Ende des Jahres iSu 4 an, nach Inhalt der zu dieser Zeit zwischen den fremden Mächten ab- gesckil.ssenen Traktaten und besonders nach der berühmten Note »,'in > cen Januar 1L0L, so wie mehrerer unbekannt gebliebener Schriften, der stete Zweck der Coalition auf Zerstückelung des neuen Frankreichs, aus den Umsturz des Kaiserthrous, dieser Stutze der RcvoUtioils-Grundsätze, und endlich aus die Wiederherstellung d.r a.ten Ordnung der Dinge gerichtet gewesen sei. Er bewußt, wie Napoleon immerfort gezwungen wurde, sich sowohl gegm augenblickliche Angriffe zu verthcidigen, als gegen künftige sicher >,u stellen und dem Shsteme der fortwährenden Coa- lition im Norden von Europa und des unnntcrbrochcnen Krieges init England, ein südliches Vertheidigungs-System durch die neue Organisatio» Italiens, deö germanischen Bundes und der Spanischen Halbinsel entgegen zu setzen. „Umsonst hat Napoleon, um diese Feindschaft der Fürsten zu entwaffnen, im Jahre idub Oestrcich und im Jahre - »v Preußen verziehen, so wie im Jahre 1607 Rußland den Frieden zugcstan- den, umsonst de» Frieden der Welt immerwährend von England verlangt. Jede- dieser Mächte wollte nur der Gewalt nachgeben und Unterzeichnete ihre Friedenstrakrarc stets mit dem Vorsätze sie zu brechen n. s- w. „Napoleon verläßt während der Erpcdition in Spanien unerwartet dieses Land — und erscheint am Lasten Januar plötzlich in den Tuilericn. Er ist dazu gezwungen, - er muß herbeicjlen zu Verrheidlgnng des unmittelbar bedrohte» Reiches. „So schnell auch des Kaisers Vordringen in der Halbinsel gewesen war, so hatte doch der kurze Zeitraum hingercicht, um, vermöge der Intrignen des englische» Ministeriums und doS Uibelwvllcns der Ca'einette des ContiucntS, eine neue Coalition zu Stande zu dringen. „Preußen hatte verstohlen gerüstet und machte sich ver- l'indüch, sich zu rechter sielt zu erklären. Alcranders Enthusiasmus snr Napoleon war schon erloschen. Eine Reise des Kochs und der Königin von Preußen nach Petersburg harte diese Veränderung bewirkt. Rußland lauerte auf einen günstigen Augenblick, verstand sich im Still-n mit Preußen und knüpfte geheim- nißvollc Unterhandlungen mit dem Wiener Hose an. Oestreich, das der Preßdurger Fnedenstrakmt noch zu mächtig ließ, hatte seitdem kein anderes G-fühI z» erkenne» gegeben, als daß cs, seinen Kram verheißend, Versicherungen seiner sreundschastlichcn Gesinnungen ertheilte, dachte oadei aber a» nichts anders, als nne cs sein m Verluste wieder bei kommen und seine Sneitkräfte wic- derherstellen wolle. Jetzt warf cs die Maske ab, und zog stolz und droh.nd ins Feld. Noch einmal sollte es von dem Egoismus des englischen Cabinets gcmißdranchc, und das, alleinige Opfer dieser neuen Coalition werden. Es hatte in diesem Augenblicke viel für sich; die Gesammtheit seiner Bevölkerung unter den Waffen, die cingegangenen Verbindlichkeiten und Versprechungen der Nachbarstaaten, die Wünsche Deutschlands, den Beistand Englands, das allgemeine Vorurtheil das die Intrignen der Cabinetter und der Haß der europäischen Aristokratie gegen Napoleon ausgeregt hatten und endlich) unzählige im Auslände und selbst iin Innern des Reichs gegen letzter» angesponncne Umtriebe. „Ganz Deutschland und besonders dessen Norden war damals mit heimlichen gegen Frankreich gerichteten Vereinen «»gestillt. Die Demokraten-Masse, von Pnblicisten und überspannten Prv- sessoren geleitet, träumte von einer politischen Wiedergeburt, als dem Bedürfnisse des Iahrhnndcrks. Die aristokratischen Interessenten zeigten sich als Patrioten, welche Deutschlands Befreiung wollten, schlossen sich eng an jene an, dachten ab-r mir an die Herstellung ibrer Privilegien. Sie bildeten beide vereint den allgemein bekannten Tngendbnnd. „Sv war die fünfte Coalition nicht blos ein Krieg, sondern auch zugleich eine Verschwörung unter der machinvellistischen Anleitung der englische» Minister und jedes Mittel dabei erlaubt. - „Man beschloß daher, regelmäßige Heere in das Herz von Frankreich dringen und auf den entfernten, Punkten seines Ge- log biets, 2>ünnktioiicn der verbündeten, Völker, selbst unserer Armee» und unserer Departements, statt finden zu lassen: Alles das ist jetzt bekannt und völlig erwiesen. „Aber, um einen solchen Plan anszuführen, mußte man vor allen Dinge» auf die allgemeine Meinung zu wirken trachten. England batte seine Agenten und sein Gold nach allen Punkten Enroxa's hin verbreitet, halte Verbindungen in allen Landern und Armee-DepotS in Sicilien, zu Gibraltar, zu Helgoland und aus alle seinen Geschwadern Preußen und Oestlvich bearbeiteten Deutschland, das Tvrcl und Italien- Längst schon griff man alles an, was sich der französischen Revolution und der Wiedergeburt Curopa's günstig zeigte- Seitdem in Feige so vieler Heransfodernngcn, unsere siegreichen Waffen alle diese verschiedenen Staaten überzogen hatten, versäumte man keine Gelegenheit den beleidigten Stolz, die gekränkten Interessen und den Haß der Einzelnen zu reizen, Scheelsucht und Erbitterung aufznregcn — und seit der Errichtung des Kaiserreichs waren nun alle diese Beschwerden gegen den Kaiser und sein Heer gerichtet. „Napoleon wurde, obgleich er auch diesmal der Herausgc- foderre war, überall als der einzige Urheber des ewigen Krieges, als der unersättliche El oberer dargestellt, der eine Universal-Monarchie beabsichtige. Seine Feinde schilderte man als die Ver- theidiger der allgemeinen Freiheit, die Opfer eines edlen und gerechten Wideruaudc.. Seine Partheigänger waren dageg.n ehrgeizig, Schmeichler, Fmnde aller Rechte der Vvlkrr und aller Freiheit. Jede Handinng des Kaisers nannte man Unterdrückung und die Vertheidignng zu der er imnierfoit gezwungen war, einen unaufhörlichen Angriff, Alle Regierungen, die er schon bezwungen hatte, so schonend sie auch von ihm behandelt worben waren, wurden doch als stete Gegenstände seines Hasses darge- stcilt, die von ihm völlige Auflösung zu erwarten hätten, „Plan darf sich nicht wundern, daß diese fälschlichen Behauptungen doch damals einige Glaubwürdigkeit erlangten. Die Nc- gociationen der Eo, lisirteii, weiche die Wahrheit enthüllen konnten, wurden so g-,heim gehalten, daß sogar noch jetzt, nach einem so langen Zeiträume, man kaum e-mge dieser Aktenstücke kennt. Napoieon selbst ram ihnen hierbei zu Hülse; er war genothigt die Verschwörungen des Feindes und dessen mörderische Plane, de» Seinen zu verbergen. „Diese sorg,am verbreiteten Beschuldigungen fanden seibst im Innern unsere Frankreichs, bei allen den heißen Anhängern her Revolution Eingang, die sich über die Bürgschaften für den bürgcrli- chcn Verein stritten, alö dieser doch schon selbst sich in Gefahr befand. Ferner fanden sie in allen Ländern bei denjenigen Menschen Glauben, welche an den zu früh gereiften republikanischen Ideen bingc» und erschrocken sahen, daß ein kraftvoller Arm es umernabm Monarchien zn regeln. Sie drangen selbst bis rn unsre glorreiche,, Heer, und nicht alle Kinder des Sieges wußten sich dagegen zu schützen. Die langwierige Besetzung Deutschlands und Italiens hatte ihnen ein Inter, sie an dem Loose der Bewohner dieser Staate,'. g-g-ben und wen» sic auch nicht ganz deren Gesinnungen tl,eilten, io waren Ihne» solche doch auch nicht fremd geblieben. Unsre Armeen in Spanien tüftelten „och andere Gefühle; ein großmü- thig^S Mitteid gegen ein Volk, von dem man annahm, daß es tvirerrechtlich uberfallen worden sei und unterjocht werde» solle, indessen zugleich des Kaisers Entfernung, wodurch die erste Quelle dco Rnhims und deS GlückS versiegte, so vieles dazu beitrug, um den Krug ans der Halbinsel mißlicher werden zn lassen. Was im Auslände Haß und Rachgier erregte, brachte bei unS Kälte hervor. Diese war bei der Masse durch die Angrenzungen eines zn langen Dienstes, und bei den Anfuhren, durch de» Verdruß, die errungenen Vortheile nicht in den Jahren, wo das unruhige Laben nicht mehr ein Bedürfniß ist, genießen zu können, ausgewachsen; denn allerdings darf man nicht übersehen, daß das vorgerückte Alter bei jener ruhmwürdigen Generation, deren Jugend die Wunder der Revolution gelungen waren, nicht ohne Ein,Hiß in der Geschichte unsrer Thaten geblieben ist. ES hatte nun schon seine Reife und bei der Mehrzahl den wahrscheinlichen Endpunkt ihrer Hoffnungen erreicht. „Dicftsmal, so fährt der Autor fort, sollten die ostreichische» Armeen die unser,,, keck und von vorn angreifen, ge,ade auf unsre Grenzen loSgchen, nicht etwa, wie in dni Jahren - gg, Loä vder >8,4, die schwachen Punkte suchend, sondern als ob m.n auch die größte Macht nicht fuichte und gewiß sei, überall Unterstützung zu finden. In gleicher Jeit wollte man vstreichisthe -eoips in weite Ferne, „ach dem südlichen Preußen, nach der Weichsel, nach Sachsen, »ach Baien,, „ach Tvrol und in das Voraib.rgi- sche «bsenden, überall Ausrufe zn de» bereits vorbereitet.» In- surektionen ergehen lassen, und i» diesen letzten, sollten ganz vorzüglich m.hr als alle andere die erbitterte» und von ihrer ehemaligen Regierung unter der Hand dazu ausgereiztcn alten preußische» Uuterrhanen Theil nehmen. „Das Corps von Ferdinand sollte bis nach Thoren Vorgehen und Ivo Kanonen mitbringen, welche Preußen bedurfte, ehe es sich erklären kvnitte. Die Coalition rechnete darauf, daß die Fürsten des Rheinbundes freiwillig oder gezwungen, nach Werhält- ,jß wie die vflrcichlschcn Heere auf ihrem Gebiete vorrnckcn möchte«, sich mit ihr vereinigen wurden. Versprechen und Drehungen ,raren schon an ne geschehen und wenn inan diese Epoche nach der drauf folgenden beutt!,eilen darf, so waren die Hoffnungen der Eoalisirre» nicht so ganz nngegründet. „England sollte mit Ocstreich in Uibereinsiimiming handeln und gleichzeitig große Diversionen ausführen. In den Häfen d,s Kanals war cs noch nie so bedeutend gerüstet gewesen. Vierzjg- lausend Mann standen bereit und konnten im Norscn von Deutschland, oder in Holland und Belgien, wo man nun die nuhreste Unzufriedenheit zu finden glaubte, in jedem Augenblicke landen, durch die in Aufrubr gebrachten Lander Vordringen, und der gießen östreichischcn Armee entgegen gehen, um sich mit ihr am Wein zu vereinigen. Im Norden von Deutschland, in Holland und in dein hierzu am besten gelegenen ehemaligen Churfütsten- thnme Trier brachen auch wirklich Unruhen ans. Von den Mündungen der Weser und den Kücken Hollands ist es mir erma i o Stunden bis zur böhmischen Gränze. Es bedurfte daher nur einigen glücklichen Erfolgs, nur weniger Tage um diese Vereinigung bewerkstelligen zu können. Eine andre englische in Sicilstn ausgestellte Armee von iü,cio<> Mann sollte in Neapel landen, einen Aufstand im südlichen Italien bewirken und so die Operationen des östreichischen Heeres in der Lombardei) unt.istühen. „In Verbindung mit diesen Angriffen fremder Heere und Völker wurden vielleicht noch viel schrecklichere Umtriebe im Innern Frankreichs verbreitet. Es ist jetzt keinen Zweifel mehr nn- tmvorfen, daß Fonch«, welcher damals zugleich Minister des Innern und der Polizei war, sclwii seit langer Zeit im Dienste den Bourbons stand. In jeder Woche crhielren sie von ihm das für Napoleon allein bestimmte Bulletin. Man behauptet sogar, Fonchü habe sich der Herrschaft bemächrigen wollen, als die Nachricht von der Schlacht bei Eßling und der Zerstörung der Donaubrücken einging. Andre sagen: „Es habe bei dieser Gelegenheit*) die Kaiserkrone Bernadottc zu Lhei! werden sol- ') Monlveran r. r- GalcrleWonquk L. r «. 4. lcn - Die Jntrigucu, denen dieser Minister (Mich-), der st große Gewu.t in den .fänden nnd so roeic nuSgibreirere A.iinu dnngen horte, sich hing,den konnte, lassen sich leichter nhnen kennen. Von der andern Seite hatte England eine immer,yjh, rcnde Conespondenz in der Veneee nnterhalten, einen, «»»^ das zwar durch eine gestndo nnd anfgckläite Regierung wichkr zur Ordnung gebracht worden war, wo aber doch die fremd!'» Agenten noch immer einigen Anhang fanden. Schon wahrend dcs Feldzugs vom Jahre 18^7, hatte man neue Versuche gemacht, es anfznwiegeln. „Man wollte, voranogeseht daß Nupol.-on in Um „großen Schlacht ge ci'lagen wurde, die Wagen ergreifen und er» „Herzog von Bern dorr anfmhmcn — 10,»00 anegctretene Hst», „scribirten waren bereit sich zu empören — Von de. LindN»«S „erineckte sich diese Verschwörung in die Bretagne, Maine, „Uncer-Normandie nnd harte selbst ihre Theilnchm-r in Doidc»».' Bei den, geringsten Unsime der Heere Napoleons, bei der „mindesten pvlrrischen Krise ließ das Feuer des Aufruhrs sei»! Funken sprühen. Die Oppositivns-Parthei hatte in der Veud« „ihre (Korrespondenz und Sammel-Plnhc- „(Beancham.ps Thl.».)" „Und so waren denn die Hoffnungen, welche die Aoalitivu in die- „ses Land fehle, nicht so ganz unbegründet. *) Die» erinnert mich a» einen Unrsinnd, der mich persönlich angirz und in einer ganz eignen Lezichnng mir dem ss-hr, was hier »Mt worden ist. Zn der Zeit LeS Angriff» nuf ?intwerprn harre ich »ebnen, nuch nie FreiwiMger dahin begeben !N dücs.» und der Knegcminiiler, Hip zog von F'kttre, mir dem ich in näherer Verbindung liand, b.chimiink rnich für den Generaistanb deü Prenicn Ponte-Corao, (N-rnadcttti Lesse» Chef sein Schwager war. Aw ich NN» meine Abfertigung eesn», sagte er nur, cr wonre mir eine» mündlrchen Auftrag an dens-Unr errheilen, weil er Liesen Gegenliand L>NI Papiere nicht anvcrrraiien möge und mich daher bitte, die Worte genau ,u merken, eS warm foigende: „Wcc haben alle Ursache an besondere Umtriebe Sciten VcrnadclnS „»n g.auben, an Dinge, die einen gan; ungejäbmren Ehrgeiz re:N> lhe». Also — durchaus leine Maasrcgeln, durchaus keine U.irr- „ftdr>fr, wodurch Du in Verlegenheit komme» könnrest. Sei ans Deiner Hnr, und lab Qici, uiclir in'SNci! locken.' 'Mir, der ich i>i drm unnaterr-chlereuHausen gehörte, waren diese Worte, dis ohne allkDti» rung, ohne allen Eonimeurar bllrden, ,0 wie icl, damals den Polin, selien Zustand Ser Dinge kannte, wahrhaft griechische. Ich beiieim sie, wie >cl> ge erhallen halte nnd bekümmerte mich um weiter nichts und noch hcnie bin ich weit davon entfernt, ihnen ein beli»mn:>'§ Gewicht beizulegrn; ich WNI „lchrS alles erzählen, waS ich kailiei- gehört habr. s Link andere Machination hatte England ln Spanien c'mge- ; jelttt — eine rein militärische Verschwörung. — Man beabsichtigte Geringeres, als die französische Armee in PortugaU aufzu- ir.mgeln, sie mit denr engllschen Heere zu vereinigen; die andern - si.n:>sischen Corvs in Spanien dahin zu bringen, dieses Beispiel H iuchzuabmen; »ach den Pyrenäen zu marschiren, wo man eine G-zweite betracht!ichere englische Armee und Moreau aus Amerika zu- k rrctt brend, sindcu sollte. Man wollte dann nach Pari« vvrrü- -,'chn »nd Moreau an die Spinc der Regierung stellen. Tie Eng- M linder batten im äiande und miter den französischen Lruppen die Misireichischcn Proklamationen verbreitet. Mehrere Offiziere unse- M irr Armee von Portugal waren bereits gewonnen; sic standen mit W ^Wellington und Beresford in Unterhandlungen, cs war ihnen zr, D Porto rin Credit von 0ou,u»o Franks eröffnet und man ließ ein M näheres Einverständnifi mit den Heeren von Deutschland nnd Ita- l!>n hoffen. (I_,e„.,l>le, Montvi-ran) Urbrigens war dieser Plan i gar nicht so uiiansfnhrbar. Bordeanr und die Vcnd-i-e lagen auf l dem Wege dieser Armee nach Paris. Diese Hauptstadt ist von ' Baysnne und Augsburg gleich weit entfernt. In dem Maasie nun, i als Napoleon über den letzter» Orr hinaus ging, wurden die ^ .Verhältnisse für die Verschworncn günstiger. Wenn dann mu, > !. der Kaiser zurüütehrte, um ihrem Beginnen Widerstand zu lci- A sie», so ivurde sein Marsch durch mit einander in Verbindung W'Mtzke Angriffe der Oestreicher und der insurgirten Demschen M ao-gehalren, indessen die Armee der Empörer fast ungehindert M imd selbst durch so viele Ranle Unterstützt mit größter Schnelle k vouoärts gehen, mithin viel eher als der Kaiser Paris erreichen konnte, wo sie de» Beistand Fouchss gesunden haben wür- s de, n. s. w. „So schien denn Alles den Hoffnungen der Coalition günstig zn st»n. Wurde Napoleon an unfern Grenzen durch die verein- s tcn Kräfte der Coalisirtcn ausgchalten, so stand ganz Deutschland . gegen hn auf und der Rheinbund so wie Italien waren g-zwungen gegen ihren Protektor die Waffen zu ergreifen. Wen» auf der andern Seite Napoleon i» Baier» und Oestreicb Fortschritte machte, so . ciiistrnte er sich von dem Mittelpunkte Frankreichs und gab es ien Angriffen seiner Feinde Preiß, indessen er in seinem -Rücken r durch ihre Machinationen b.droht wurde. § „Dies; waren also die Anstalten zn jenen machiavcllischen ; Kriege, den die Machte Enro.a's gegen uns anzcddelten. Das ^ Signal dazu wurde durch Proklamationen gegeben, in welchen - solche Aufrufe zur Empörung enhalten sind, wie bis da.,iu sich ! v- CaftZ Lazcb. 70. Ntchn. 8 — ii4 „och keim' monarchische Regierung erlaubt batte. Besonders »niß- re man erstaunen, wenn solche aus dem Munde östrcichWr Fürsten an Volker erginge», die Oestrcich stets ganz fremd gewesen, und deren Regierungen von selbigem anerkannt worden waren. „Cs geschieht, sagten sie, für Emoxa's Freiheit, für die „Befreiung Deutschlands, für Italiens Unabhängigkeit, daß üch „reich Krieg führt. Seine Sache ist die Sache DentschlM. „Cs betrachtet den als Feind, der es vergißt, daß er ein Dc»t- „scher ist — Es verspricht die nahe Hülfe fremder Truppen, n.s.iv." So ahmte die Coalition, durch ihren Haß verblendet, und indem sie ihre Waffen aus dem Aeughause der Revolution entnahm, ^ die Wnth der spanischen Insurgenten nach, und entlehnte Grundsätze und Sprache von der französischen Revolution, gegen wklük sie so lauge Zeit und ,mit so großer Anstrengung unrer Ström» von Blut gekämpft hatte. Die Könige machten jetzt einen Versuch, die Heere zu besteche», die Treue des Chefs und der Soldat» zu untergraben- Sie legten im Norden wie im Süden (in Portugal, Schweden, Preußen) das Schicksal der Nationen und ihrer Fürsten, in die Hände vcrblenderer Soldaten, meüieidiM Anführer, durch Urtheil und Recht bereits beschimpfter Staatsm- räthcr. Wer leistete aber den Könige» Sicherheit, daß dich ^ Armeen oder Aufrührer in der Hand ihres Chefs, oder der Lx- pvfitivnspartheien nicht im Mittelpunkte von Europa das Schauspiel der Zerstückelung des römischen Reichs erneuerten? Weich ein böses Beispiel hat man für künftige Zeiten gegeben? Welch» von diesen Königen kann wohl noch seinem Familienkreiße, seine» Generalen, seinen Höflingen, seinem Volke vertrauen, ohne der- ! gleichen Wechselfäfle fürchten zu müssen? — Der Kontrast iß ^ in der That merkwürdig! Während ein Mann aus dem Volke, s ans der demokratischen Menge sich alle Mühe gicbt, den Braud ^ s der Revolutionen zu löschen, streuen die alten Regierungen W, > ihre alten Aristokraten den Samen dazu auf der ganzen über- j i fläche der Erde mit vollen .Händen aus. Vergebens werden ßr' I sich bestreben, die ausgehenden Keime je wieder ausznrotten. Ae- > str Ausruf zur Empörung, diese Versprechungen der Freiheit, « liberaler Einrichtungen und ihrer Garantien, diese VcrusmM j ans die Rechte der Völker, werden nicht vergessen werden. Früh k oder spat müssen die Kabincttcr die Früchte ihrer unklugen Slr- jl beiten ärndten- o „2»i Frühjahre i8og waren sonach alle Bestrebungen des Kric- f, ges und der Politik gegen Frankreich gerichtet, Vestreich Halle — ,iL Si>i,n°o Mann mit 7gl Kanonen unter den Waffen. Dieses Per war, wie das Französische in 9 aktive Corps, sammt zwei Reserven cingetheilt und jedes derselben mit allen VerwaltungS- ,nid Streit,nittcln versehen, so daß es für sich allein, oder mit alimn in Verbindung agiren konnte. Im Rücken dieser völlig t disponiblen Macht stand eine längst vorbereitete, sehr bedeutende » Reserve, die zwar nicht vollständig organisirt war, aber doch wäh-> ! read des Feldzugs reiche Hnlfsmittcl darbor. Sie bestand aus der ^ 1 Landwehr, oder den Vertheidigcrn des Vaterlandes, den De- > polö der Infanterie und Cavalerie, so wie dem Ungarischen Auf- > geböte, ohngcfähr zusammen 221,000 Mann, die, vereint mir den oben angegebnen regulären Truppen, die vstreichische Kriegsmacht auf btHooo Streiter brachten. Der Erzherzog Karl war Kriegsniimstcr und Generalissimus und kommandirte in Deutschland die aus den 6 ersten Corps und den zwei Reserven bestehende Haupt-Armee. Der Erzherzog Ferdinand stand mit dem rten Korps i» Pole», der Erzherzog Johann mit dem 8ten und 9teil i r in Italien. Alle Prinzen des Hauses nahmen Theil am Kriege. ! „Napoleon konnte dieser Macht in Deutschland nicht mehr 4 als ohiigefähr 220,000 Mann, bei weitem aber nicht lauter Fran- f psen, b7,,,oo Mann in Italien, und 18,000 in Pole», mit , überhaupt ---5 Kanonen cntgegeustellcn. Bei seinen Operationen in Vaiern hatte er die Verschiedenheit der Nationen gegen sich und -0,000 Mann weniger, als der Erzherzog Karl, u. s. n>. „Die beiden großen Operationslinien -es Norden und Süden «on Deutschland sind zwischen Augsburg und Bamberg, in einer ^ Entfernung von ohngefähr 40 Stunden. Man kann auf jeder derselben agiren oder auch von der einen zu der andern gehen; aber ! ßbmer wäre eS und besonders gefährlich auf beiden zugleich zu > Muren, weil die feindliche Armee, die sich zwischen beide Li- «ie» ausstellre, nach und nach die getrennten Corps selbst mit ge- ! nagrcn Kräften ausreiben könnte, oder wenigstens die Opcratio- - 1 m> beherrsche» würde, Eine so postirte Armee könnte die De- , chcgungen des Feindes hemmen und in seinem Rücken manövriren. 1 ; Hieraus gehet denn hervor, daß die wichtigsten Punkte dieses - Mauplatzes, die uibergänge über die Donau und besonders die- - jungen sind, welche mir großen Communicationen, wo sich Flüsse «reinigen nud Vertheidigungslinien bilden, zusammenhängen, - sirner andre, weiche vre beiden Operationslinien und die Desil-en e «11 üssen nach Wegen (illm und Paffau) beherrschen; dann die v * — n6 vorzüglichsten Mbergänge der gröstern, in die Donau fallende» - Flusse/ die Hauptstädc, die ander» Städte, die VerbindmigsM t ston, u- s. w. No» de» letzter» iss der Punkt von Reg-»si-»rz j einer der wichtigste». Er wird cs für beide Armeen, um die Operationen auf beiden Ufern der Donau in der Gewalt zu heben, u. s. w. „Ocsttcich, das in Belgien und den langst an Frankreich ab- ^ getretenen Ländern immer noch Nerbuidungen unterbauen hatte, s hoffte diese zu empören, sobald nur feine Luippen hineinkom« - Würden. Deshalb sollte» nur die vornehmste» Streukraftc, hh es in Böhmen zusammen gezogen hatte, bei dem Anstritte m-t diesem Königreiche, die nördliche Operationslinic durch Fraiilk». . verfolgen. Nach >5 bis ,8 Märschen konnten sie leicht bis an dH Mündung des Mayus kommen, und wenn sic dann durch all, Kantoncments der Rhein-Armee marschulcn, mit ihrer uberlue- ^ «en Masse sie einzeln zu schlagen hoffen, auf diese Wein «a ' die Bereinigung der verschiedenen französischen Corps von Nvida ' und Süden behindern. Das war ein .Hauptvortheil; et» audua ? von eben so großer Wichtigkeit war dieser, schnell Boden zu p. winnen, um dadurch die Fürsten des Rheinbundes ^u einer §u klärung zu vermögen und die Völker zu insurgiren Die milch,-, rischen Dispositionen dieses Plans wurden dem General M«,-, t zugeschrieben und man machte auch in soweit schon einen chisazs, mit dessen Ausführung, daß die ü ersten Corps der östreichjWs s Armee nebst der erste» Reserve in Böhmen ausgestellt waren. i»-I - dessen nur das 6te Corps und die -te Reserve in Vaiern aziuc. s Die Operationen, welche mit dem Monate März beginnen sollte», wurden nachher bis zu dem öten April verschoben. „Die Iniouveuienzen des Mancrschen Plans waren de», Scharfsinne des Erzherzogs nicht entgangen, dcsstn givßtes P.-i- dienst darinnen bestand, seinen Feind und sein Terrain zu kennt». Wahrend die große vstreichische Armee auf ihrer nördlichen rp rationsliuie nach der französischen Grenze vvrrückcn sollte, >oosi! unsere Reserven und die Natioualverkheibiguug gefunden HM würde, blieb das Herz der östreichischen Monarchie und selb- ich- sen Hauptstadt einem höchst thätigen Feinde Preist gegeben, la auch wohl noch andre Corps pon den Norischcn Alpen herbeiD reit konnte. Aber setbst diese große östrelchische Armee war im ^ Vlauövrcs ausgcsetzt, welche Napoleon, wenn er Herr der Dom» s blieb, auf den Flanken und im Rücken derselben, theils doch - Stranbingcn, nach einer Niederlage des CorpS in Baicrn, tlieii« ! wenn er sogleich über Bamberg, Würzburg und Hanau vorrückte, ausfübren konnte. Der Erzherzog Karl hatte die Verfolgung von Tngliamenko an bis über Leoben hinaus im Jahre 1797, besonders die Wegnahme von Wien, so Tage nach der Kapitulation Mi Ulm im Jahre i 8 u 5 und die Vernichtung der preußischen Armee bei Jena, welche in wenig Minuten durch eine Flankcnbe- m'giing bewirkt wurde, nicht vergessen. Der Erzherzog wußte recht gut, daß er jetzt nicht mit einem Moreau zu thun habe, der, olnie sich zu rühren, ihn hinter sich weg ganz ruhig von der Isar bis an den Niederrhein gehen ließ. Cr fühlte die Noth- ii'ciidigkcit vor allen Dingen die Opcrationsliuie ans dem rechte» klscr der Donau zu besetzen, kam dadurch auf den Plan eines direkten Angriffs zurück, wobei er auf der Straße nach der Hauptstadt sich halten muffe und ließ daher zn Linz den größten Theil seiner Armee über die Donau zurückgchen; nur das - sic und ?-te Corps blichen in Bödmen. Bei der Verzögerung, die der Anfang der Feindseligkelten ohnehin erlitt, fand er Zeit, diese neue Disposition zu bewerkstelligen- „Was Napoleon betrifft, so erwartete er Alles von de» Bewegungen des Feindes. Sein Zweck ging dahin, l die große vst- rcichische Armee zu schlagen, wieder ans Wien loszvgeheu, daselbst diese neue Eoalition aufznlösen, den ungerechten Angriff zu bestrafen und nochmals den Frieden zu diktircn. Seine einzige vorbereitende MaaSrczel war, sich auf den beiden Usern der Dona» zwischen Donauwcrth, und Regensburg so zn stellen, daß er, wie es die Gelegenheit an die Hand gäbe, sein Heer aus dem einen oder dem andern zusammenziehen könne- So wellte er abwarten, bis die Bewegungen des Feindes sich enthüllten und dann auf dc»i Platze seine Beschlüsse nach den Umständen fassen. Er verließ nun die Gebirge, in der Uiberzcugung, daß er sic in seiner Gewalt habe, sobald er Herr der Ebene, wo der Weg nach Wien gehe, sei, über welche hin er dann seine Massen frei und schnell toiirde bewegen können. Unbekümmert über die Zusammensetzung seiner Armee, ohne zu bedenken, daß eine große Menge von Con- stribirtcn, sich dabei befinde und, daß er mit deutschen CorpS agiren solle, beschloß er, auch nicht einen einzigen Mann vcn seinen alten Truppen ans Spanien zu ziehen, wo sie direkter unsre wahren Feinde, die Engländer, zu bekämpfen hatten. „Am 2(>stcii März besetzte das Corps von Davonst die beide» großen Straßen, welche von Böhmen nach dem Mapn und der Rhein-Pfalz führen. Die Corps von Massena, Oubinot, Lestvre — ,ik und Vandamme standen in Schwaben auf der großen, über Mü»- - chen, Augsburg und Ulm nach Wien führenden Straße. Alle diese Corps sollten, im Fall eines Angriffs, ihre Vereinigung an dn Donau bei Ingolstadt oder Donauwerth zu bewerkstelligen suche«. Die französische Armee, welche sich anfangs von den Thüringer Bergen bis zu dem Fuße der Alpen ausdehnte, und deren z,«,i Hauptmassen die nördliche und feindliche Operationsliuie in Franken und Schwaben besetzten, war nun also auf einen allgemeinen : Plan des Jusammenziehens an der Donau nach denjenigen PiG ! ten beschränkt, von wo aus sie am besten nach dem einen «der dem andern Ufer manvvriren konnten. Zn der nämlichen Kit gingen die früher in Böhmen aufgestellten bstreichischen Amm s s. Lurch Linz, um zu den Corps von Hitler im Lager bei WelSz« : stoßen und ließen Beilegarde und Kolowrath an der Grenze m Böhmen im Angesicht von Baireuth und Aniberg zurück. Dies! - Bewegung des Erzherzogs hatte viel Zeit gekostet und war »itt eher als zu Anfänge des Aprils beendigt. Man sicht jetzt, daj ^ der Erzherzog, wenn er bei dieser Stellung der französischen Ai- ^ mcc, welche ihm nickt bekannt sen» mußte, rasch ans Böhm» gegangen wäre, die Cantonnements von Davoust werfen und ib - ^ re» rechten Flügel an der Donau erreiche», wenigstens auf gm- dem Wege bis an die Ufer dieses Flusses und der Altmühl üdn Niegcnsburg kommen und feine Vereinigung mit dem Hillerscke« - fuhr nun seine Ankunft, durch jene schenke Hroklan »tion: , „taten! das Gebiet des Rheinbundes ist verletzt — Ich w« , „c.uch utngcbe», als der Beherrscher Oesrreichs zu mir kam in „mein Mährisches Bivouat, ihr habt cs gehört, wie er mich « ! „Gnade hat und mir ewige Freundschaft schwor. In drei ! „gen waren wir Sieger; Oestreich hat MeS unsrer Großmut!, z, ! „verdanken und dreimal ist es meineidig worden!!! Unsre frühm „Waffenthaten sind sichere Bürgen des Sieges, dem wir c»tz,->, „gen gehen Auf dann! der Feind soll, wenn er uns erdlial, ! „seine Sieger erkennen." 8 Bei Napoleons Ankunft zu Stuttgardt — am ilftc» — staeii,«- unsre Heiden ftanptmaffen um Negensburg und Augsburg; dcl« lite Corps zu Erterhausen, Riedcudurg, zoemau und dessen z«M! , Division zu DaSwaug, so wie die schwere Kavaleric bei RcgnL bürg; das herzoglich sächsische Corps zu Ingolstadt, wohin«-, die Reserve-Division des Neu CorpS ahgelwn sollte. Der Fried r wollte die Division Friant adschneiden, hakte sich aber hierbei h- trogen, erschien am folgenden Tage, den iptcn vor RegriiSKk; und machte zu spat einige Lersnche auf die Negenbrückc. ^ Ecutrum der französischen Linie schien entblößt; aber sie wardm-ji die Dona» und den Lech geschützt und von den Bayern, di»T Würtembergern und der herzoglich sächsischen Division brnM,^ Diese Linie unserer Armee war gebrochen; — von den heida, ! vvrspriugenden Flügeln, konnten die französischen CorpS »da de» Feind hcrsallen, wenn er in das Netz ging, das ihm zu ' legt war. Napoleon fand bei seiner Ankunft die .Hauptmasse des Feinde,! ' aus den, rechte» Ufer der Donau, zwischen diesem Strome und da / Nieder-Isar, und zwar in solcher Stellung, daß sie nur „üttck eines forcirtcn Uiberganges über diesen Fluß oder de» Lech ds k linke Donaumer erreichen konnte. Durch die Besetzung von ÄM s bürg, daS Napoleon in de» besten VertheidigungSstand briiM» l ließ, durch die Befestigungen von Landobcrg, Rain und Do» wcrlh waren alle Wege, die auf den, rechten Ufer der Der« ? nach Schwaben führen, in seinen Händen. Er befahl nun zu M genrlmrg auch den Weg nach Franken zu sperren. Die an du Isar von Laudshut dis »ach München sich ansdehnende östrciäd! Armee ging mic aller Macht auf Landelmt los und luorelM tnde.n he hier verdräng, ossenbar das Ceiilrum der srauzösiftk" l Cireitlinie. Jetzt kömmt es darauf au, alte Kräfte schnell j» - vereinigen. Aber ist es auch noch Zeit, dies »ns dem rechiew!>«- i — ,21 —ch „auuser zu thun? Dürfen wir das wohl wagen? Um ans das ent» gegeugesttzte User zn kommen, muß ein Uibcrgang über den Fluß statt finden und der Erfolg kann hier mithin gar nicht cutscheitend steil. Inzwischen ist der Feind Neustadt an der Donau und dem Eouccntrations - Punkte schon näher, als unsre Flügel, er hat Befehl vorwärts zn gehen, sein Nücke» ist gedeckt, sein Rückzug ist völlig gesichert. Aller dieser Vortheile ungeachtet, befiehlt Napoleon eine allgemeine Bewegung nach dem rechten Ufer und Flankenma'rsche an. wonach Davonst von Regensbnrg nach N u- stadt, und Massen« von Augsburg nach Pfaffenhofen gehen soll. Er selbst begiebt sich nach dem Ecntrum, an den gefahrvollsten, schwierigste« Posten, um die feindlichen Evlonnen ans-!,Han?» »,,d seinen sich schnell bewegenden Flügel!? Zeit zn ihrer Bereinigung zn verschaffen. Für jeden andern und mit andern Truppen wulde dieses Manövrc sehr mißlich gewesen sepn; fstr 'Napoleon wer es, wie er sagte, eine Stundenberech n n n g. Es war auch eine Terrainberechnnng, wobei cö ans einige Minuten Zeit, ans einige Ruthen Land gnkam — das .Heil der ganzen Armee stand ans dem Spiele. Er hatte sich jedoch durch seine Dispositionen den Erfolg völlig gesichert. Wenn der Feind nach dem Centrum vordringt, so schlägt ihn Napoleon; wenn er ihn »ist seinem äußersten linken Flügel umgehen will, findet er Augsburg so gesperrt, daß es seiner ganzen Armee Trotz bieten kann, will er Rcgcnsbnrg erreichen, so trifft er es ebenfalls im Zustande der Bertheidignng. In diesen beiden letztem Fallen, kömmt ihm Napoleon in den Nucken und trieb ihn entweder an die Donau oder nach den Alpen hi». So wird sein Mansuvre, da der Feind sich endlich gegen Negensburg wendet, eben so unheilbringend für leistem als glänzend für uns, denn Napoleon drängt nun mit seinem zwischen der Donau und der Isar vorgedrnngenen rechten Flügel den Erzherzog in die Enge ohne Ansgang zwischen den Leiden Flüssen zusammen, worein, er sich nnklngcrweise begeben hat. So bandelte sich's nun hier um nichts Geringeres, als um die Mstiwe Vernichtung des feindlichen Heeres, hätte es nähr die Drücken von Rcgcnsburg und Landslmt offen gefunden. „Napoleon kündigte Massen» an, daß er um dieses grosch und entscheidende Mauövre auszuführcn, sein eil linken j.lng.l znrnckzj.Heu, den rechten aber vorgehen lassen und daß z w ische n dem ihren, > gte» und - osten die Sache Deuztschlaubs entschieden sepn wurde. Dies ist nun wahrscheinlich das schone Manöiwrc, wovon z» seiner Zeit der Kaiser sprach — nämlich die der Schlacht vorhergi- gangene Dispositionen, welche allerdings bewnndernswerth genannt werden müssen. Der Verfasser beschreibt den Stand und den Marsch aller unsrer und der feindlichen Corps, die einzelne« Gefechte, das Hauptrcsultat, die Fehler des Erzherzogs, so wie die mistigen, welche bei Ausführung der Befehle begangen wurden, denn, was dem Plan des Chefs betrifft, so schildert er denselben als vollkommen und behauptet, daß er nothwendig die gänzliche Vernichtung aller feindlichen Streitkräfte hätte herbei führe» müssen. Zch überspringe schnell alle diese sehr merkwürdigen Details; sie würden de» Militärs sehr angenehm sepn, allen nn. der» aber vielleicht langweilig scheinen, dabei auch mich zu sehr von meinem eigentlichen Zwecke entfernen. Ich komme daher gleich zu den in der folgenden Proklamation angegebenen großen Resultaten und dann zu den Betrachtungen des Verfassers. ,,Soldaten! so sagte der Kaiser, ihr habt meine Erwartnnz „gerechtfertigt — eure Tapferkeit hat ersetzt, was euch an Zahl „abging. 2hr habt in wenig Lagen, in den drei Schlachten non „Thann, Abensbcrg und Eckmühl, und in den Gefechten von „Prcissing, Landshut und Regcneburg triumphirt. Hundert La- „nonen, 4o Fahnen, So,o«o Gefangene, 5 Schiffs - Equipagen, bespannte mit Gepäck beladene Wagen, alle RegimcntS- „Kaffen sind das Resultat eurer schnellen Märsche und eures „Muthes." „Bis jetzt träumte der Feind den Krieg in das Herz unsres „Vaterlandes zu spielen. Nun ist er geschlagen, betäubt und „flieht in Unordnung. Schon ist unsre Avantgarde über den 2»» „gegangen, in einem Monate werden wir in Wien sepn." „Diese nach allen Seiten ausgesandte Proklamation verkündete den Freunden wie den Feinden Frankreichs, Napoleons Siege und seinen serncrn Plan. So war denn in einem viertägigen Kampfe das Geschick der vstreichischeu Armee entschiede»; dieser Armee, welche so zahlreich und die schönste war, welche Oestreich je auf die Beine gebracht hat! — I» den ersten Dispositionen schon hatte Napoleon den Plan zu der großen Schlacht entworfen, die Vcrtheidignng seiner Posten gesichert, das Terrain vor Augsburg in der Richtung, in welcher der Feind vergehen zu wollen schien, rccognoscirt, die falschen Anordnungen Berlhiers bc,eitigt, seine Flügel verstärkt und das Terrain, auf welches er den Feind locken wollte, srcigelaffen. Er zieht ihn dann «»» nach und nach herbei, nimmt aber zugleich seine Maaßregeln, daß er !bn schlagen kann, wohin er sich auch wenden möchte. Den >7ten Mittags trifft Napoleon bei der Armee ein; den löten gicbt er seine Ordres und sagt vorher, daß in drei Tagen alles beendigt sey» soll — und wenn dann hierbei eine Verzögerung von wenigen Stunden eintritt, so liegt cs blvs darinne, daß sein junges, großen Thcils aus Conscribirtc» bestehendes Heer noch nicht so kräftig se»n kan», als die Truppen von Austerlitz und von Jena. Den igten beginnt die Ausführung seines Plans, dessen Grundzüge man schon in den ersten vor meprcrn Monaten getroffenen Dispositionen erkenntg die Vereinigung der Armee wird unter den Kanonen des Erzherzogs vollbracht. Den Losten durchbricht Napoleon zu Abensberg die feindliche Linie und trennt den linken Flügel gänzlich von dem Centrum. Den Listen reibt er diesen Flügel zu Laudshut auf, bemächtigt sich der Magazine, dcS Parks, aller Equipagen und der Communicationen der feindlichen Armee. Den ersten kömmt er nach Eckmühl zurück, um dem Heere des Erzherzogs den letzten Stoß zu versetzen, dessen Trümmern sich nach Rcgensburg und den böhmischen Gebirgen flüchten. Ware Landshut in Zeiten von dem rechten Ufer her angegriffen worden, so konnten die Hillerschcn Corps sich nicht zurnckziehen und wären an den Ufern der Isar völlig vernichtet worden. Hätte man Regensbnrg nicht dem Erzherzog überlassen, so waren die Trümmern seines Heeres, welche von der französischen Armee ander Donau hin gedrängt wurden, von Straubingcn abgeschvitten und aller Mittel Brucken zu schlagen beraubt waren, mithin nirgends einen Uibergang bewerkstelligen konnten, auf das äußerste gebracht. Ohne die erwähnten zwei ungünstigen Ereignisse, wäre sonach die Armee des Erzherzogs in vier Tagen gänzlich aufgericben gewesen Uibrigens sind auch nur einzelne Theile derselbe» durch die Flucht entkommen- „Wenn man die Schlachten von Castiglionc, Arcole und Ri- «oli besonders, bei Napoleons erstem Auftreten in Italien, wo sein Genie der Erfahrung vvrancilte, ausnimmt, so ist in der Geschichte keine Bataille bekannt, die aus einem so großen Terrain, in so entgegengesetzten Richtungen, unter der Leirung eines einigen Kopses, mit ein und denselben Kräften, einer so vollkommenen Sicherheit, in so reißendem Fluge und unter so vortrefflicher Anwendung aller Streitmittel geliefert worden wäre. „Militärs werden sich hüten, diese in der Entfernung aus, geführten aber immer von einem gemeinsamen Mittelpunkte ans- Sauden Manörwres mit dem entgegengesetzten System zu wechseln, >vo bei nnniäßkg ausgedehnten Linien, die größten Skei!- kräsrc schwinden, und, weil das Oberkommando nicht alle PuM erreichen kann, überall ein Mangel der obersten Leitung enitM, Das eine ist das System der Daune, der Lascys und der M- rcanö — das andere gehört Friedrich und Naovlesn an. In alle» diesen Schlachten wurden jene Bewegungen des Z»- samrnenzichcns und des Ausdehnenü aus die Minute und unter den schwierigsten Umständen vollbracht. Das Zte und 4 te Corft war 4 o Stnnden weit entfernt und doch am 2ten Lage, durch daö knbnste Manövre herbcigezogcn, nm i» die Schlachtlinie ej»- zntretcn. Das Ue CorpS niachte in drei Tagen Z 6 Stnnden, ,»» die Siege zu verfolgen, welche andere CorpS vor ihm schon m fochten hatten- Nun sendet Napoleon nach nud nach,'wie es.dai Bcdürfuiß, bei der Größe des Schlachtfeldes, das er nach a'lr» seinen Punkten hin überschaut, nur sodert, einzelne Detascheiimitz ab. Ebe Landshur augegrifscu wird, schickt., er Left-vre DsrH zu Hülfe, vor dem Gefechte bei Eckmühl, r^essieres, um Hillrr zu verfolgen, vor dev Affaire bei Regensburg Massen« an die Nieder-Donau und den Nieder-Inn: kaum ist Regensburg genommen, so sendet er auch schon die Grenadiers von Oudinot, Leftvre mit seinen Bayern und daS Corps von Lannes ab, m NeWres zu unterstützen und die Spitze der Colonuc zu bilde», welche dem Erzherzoge ans der Straße nach Wien znvorkoimm» soll. Napoleon laßt den glücklichen Erfolg seines vortreffliche» Plans nicht einen Augenblick zweifelhaft, denn die Corps rv» Massen« und Ondiuot, welche unaufhörlich den linken Flügel dkl Feindes umgehen, sind immer zugleich bereit, den am 2»sten mid Listen engagirtcn Corps zu Hülfe zu kommen. Davonst, derbem größten Lheile der feindlichen Armee die Spitze bieten muß, erhält zu rechter Zeit die Hülse, welche er bedarf, und wen» er am 21. etwas rascher vorgerückt wäre, so würde die Armee am^ffm einige Stunden weniger zu marschiren gehabt, und der Erfolg war noch glänzender gewesen. „Nie ist cs deutlicher worden, wie viel auf den Uiber- blick uudden rechten Moment ankommt. Auf diesem ungeheuren Schlachtfcldc ging kein Mann, keine Minute, nicht dcr geringste Terrain-Bortheil einem Feinde gegenüber verloren, dcr weder von seinen Kräften, noch von dem Augenblicke, noch von der Stellung Gewinn zu ziehen wußte. Jedes Gefecht hatte stillen bestimmten, oft entscheidenden Zweck. Die Folge hiervon M 125 ! nicht allein für die Armee höchst rühmlich, sondern mich für die i Menschheit überaus nützlich. Bei einem Kriege der schlecht ge- . führe wird, kömmt die Hälfte der Menschen ans unnütze Weise, s ^ rheils in zwecklosen Gefechten, theils durch Krankheiten, welche " ' sei langen Feldzügen entstehen, um's Leben." Die Strategie scheint die Liebln,gümarerie des Verfassers zu scyu. Mir ihr beschäftigt er sich nun unaufhörlich und mir dem ' - ss glücklichsten Erfolge. Er hat mir davon einen authentischen Be- ' stst ,reis dadurch gegeben, das, er mir zeigte, wie er sich schon vor ^ st zwei Jahren über die beuidmien Feid-üge in Italien im Jahre § ! 17.0 u»d die Schlacht von Marengo gerade ehe., so ansgedrückt habe, wie der Kaiser in den zu St- Helena hierüber diktieren, ' , sitzt aber ins Publikum gekommenen d'achrichten, so daß er näm- ' ! lich alle dessen Ideen nnd Absichten hierbei richtig errathcn und - t arsgesaßc hatte- Eine militärische Topographie, weiche er über > t das Knegsthearer i» Italien gefertigt hatte, wende dem Kaiser l I» zur Deit der Krönung in Mailand gezeigt und frappiere ihn so, i ? daß er ausrnste: Millionen hätte ich darum gegeben, i ch. «penn ich etwas der Art haben können, als ick, hier ! kommandiere. Dieser Mann von einem so gr-ßcn, Napoleon - icdoch unbekannt gebliebenen Talente hatte sich übrigens aua, durch , merkwürdige Züge von Tapferkeit ansgezeichnet und eine Menge 1 L von Wunden aufzmpeisen. Sein Ungiück wollte, daß er eben erst , j zu derjenigen Zeit ans der Menge hervortrat nnd znin Dienste , in der Garde bestimmt wurde, als die «Gelegenheit unsrer braven , Militärs zu Großthatcn anfhörte. Man weiß, d.ß der Kaiser , t gern sich seine Leute indiesi-r suchte und mir seinem festen Schar,bstch I nicht leicht einen Fehlgriff that. Ohne daß Verbindungen, Inrri- > gueu, oder Bitten irgend etwas dabei gerhan hatten, kamen pchtz- , lich die Lobans, die Drouotü, die Bernards empor. Jetzt sollte , die Reihe an meinen Freund kommen; seine Stunde hatte ge- r schlagen. , „Die Ufer des Aden und der Lader, fährt er fort, sind für , die Kriegskunst klassisch geworden. Die Militärs werden dort die H Throne großer Overativncn besser, als aus Buchen, lernen kon- , neu. Dort werden sie den glanzenden Ruhm der französischen , Heers auf Jahrhunderte eingegrad n sinden. Dort hat die Ge- x schichte ihm ein unzerstörbares Denkmal errichtet; von einen, und , demselben Feldherr» sind, mit einerlei Truppen, Swlachre» — den z igten dei Thann, den uosten bei Abensbcrg, den ersten brr Lanoö- , Hut, den -asten bei Eckmnhl und den aiöston bei Regensbnrg, ge- k liefert worden. Hier werden die Militärs Terrain - K.mttmß, > Uibcrdlick, Krastauwendung, den rechten Gebrauch der Detache- »iienS das ganze Geheimnis großer Schlachten lernen, das in der Wissenschaft besteht, wie man seine Massen zu rechter Zeit au«, dehnen und zusammen ziehen, wie man dieselben nach de» Erfordernissen des Terrains und der feindliche» Dispositionen dirigiren soll. Allein jene Manövres können nur zu Betrachtungen nie zum Borbilde dienen, man muß sie studiren, nicht nachmachen. Wehe dem, der sich vornehmen wollte, etwas Aehnlichce auszu- sührcn. Er würde selbst bei analogen Verhältnissen Ehre mid Truppen ausopfcrn. Wer es versuchen und glücklich vollbringen möchte, müßte die Allgewalt deS Genies und der Kunst zu befehlen sich zu eigen gemachr haben und dabei auf die unbedingteste Ergebenheit seines Heeres rechnen können- „Cs enthalten hiernächst diese Manöuvres eine sehr schätzbare Lehre über euren höchst schwierige» Lheil der Kriegskunst. M«,, wird nämlich daraus lernen, wie man die Ausführung einer bereits begonnenen Operation hemmen und die so sehr gerühmten Dortbcile der Initiative vcrcitlcn kann. Der Erzherzog war hin, als Napoleon ankam schon in völliger Operation. Wenn beiden Generalen gleiche Kräfte zu Gebote gestanden hätten, so würde der französische Feldherr sich beeilt haben.,über Dvnauwerlh und Ncgenoburg nach dem linken Sihmiufer zu gelangen, die beiden Brückenköpfe zu besehen und sich zwischen Neustadl und Ncuburg zu vereinigen. Der Lstreichische Feldherr hätte dann lange manb- vrirt, ohne über die Donau zu gehen- Wochen und Monate wären verflossen, ohne daß etwas geschehen seyn würde. Es hätte einen Feldzug nach Dauns oder Moreaus Art gegeben. Ware» beide Feidherrn gleich groß, so hätte der Oestreichische seinen Zweck verfolgt, ohne sich von den Franzosen hindern, zu lasse» wäre über das CorpS von Davvust hergesallcn und hätte es bis Regensburg geworfen. Dort hätte er cs dem Corps auf dem linteri User entgegen, oder unter die Kanone» von Stadtamhof gcbrM und wenn die Stadt sich hielt, wäre er nach und nach mit seinen ganzen Massen über das Centrnm und den linken Flügel der französischen Armee hergefallen, was ihm aber nichr viel gekoster haben wurde. Man muß dann vorausseyen, daß Napoleon gegen einen Feind dieser Art mit minderer Kühnheit manovrirt hätte, denn er sagte ja schon zu Ansange seiner militärischen Laufbahn. „Zum Kriegsuhren gehört ein eigner Takt. Vor Al- „lem muß man wissen, gegen wen und mit wem man zu tbun „hat." Der Erzherzog wußte cs sehr gut. Z „Massena, der sich in jedem Kriege groß zeigte, und Da- s »oiist, der immer mehr und mehr bewies, wie würdig er sei große ^ Conmiandos zu erhalten, gaben Napoleon neue Proben eines Ei- E fers und einer Ergebenheit, wie er sie schon jetzt seltner zu rüh- ^ me» Gelegenheit fand; aber Lannes war in diesen fünf Tagen ^ an denen er mit den nämlichen Truppen in so großen Distanzen j zu Arnbofen, zn Attenhausen, zu Rottenburg, z» Landshut, zu Mimbl, zn Regensbuig kämpfen mußte, der Achill des Hee- «e, das Vertilg ungsschw erd Frankreichs. Warum mußte ^ sein Loos, das sich so herrlich entwickelte, das schon jetzt die Reife ! l des ersten Talents erreicht hatte, so schnell enden!!! Nach dem k Beispiele dieser berühmten Männer zeigten Generale, Offiziere, die ganze Armee, junge und alte Soldaten, Fußvolk und Reite, ; m, Teutsche wie Franzosen, sich ihres großen Feldherr» würdig, k „Diese Siege Napoleons wurden mit den herrlichsten Folgen ! gekrönt. Die Auflösung der östrcichischcn Armee, der nugchindcr- !' te Weg nach der Hauptstadt, das Vordringen in die Provinzen ^ des Feindes, die Aerstöruug seiner vorbereiteten Invasionen, die U Pkwichtniig der Magazine, der Landwehr, der Milizen dessel- P de», u. s. w. und endlich der Verlust der ephemeren Eroberungen ^ des Erzherzogs Johann und Ferdinand, u. s. w. „Der östreichische Staat war heftig erschüttert und mehr als zur Hälfte überwunden. Aber dieser schreckliche Schlag wurde noch «iel weiter — er wurde in ganz Deutschland, selbst in ganz Eu- i rvpa gefühlt. Die ganze Coalition von i8»g war in den Gefilden r der Lader zu Boden geworfen. Die Ausführung ihrer Pläne hing z «o» dem Ausgange der ersten Schchlacht ab; wäre dieser zweifrl- s Haft, oder für Napoleon ungünstig gewesen, hätte dieser nur seinen ; Angriff aufgcschobcu, seinen Feind erwartet, oder hätten seine ? Schläge nicht so gut getroffen, so wäre er bald nach dem andern z, llfer des Rheins zurückgeworfen worden und ganz Enropa über ihn ^ hergefallen. Daun brachen die Jnsurektionc» in Tyrol, in West- : phale«, in Preußen los; — aber die Siege bei Eckmühl hielte» s den Brand aus, der sich von Tprol bis ans baltische Meer er- < strecken sollte, befestigten für den Augenblick die wankende Treue r Preußens und Rußlands, verzögerten den Abgang der englische» z Erpeditiou: und störten den gemeinschaftlichen, gegen Holland und H Belgien gerichteten Plan. Endlich unterdrückten diese Siege aber « auch jetzt noch jene Jntriken im Innern Frankreichs und in unser» Heeren, welche sich, wie wir gesehen haben, späterhin eut- ! wickelten. ! 12 ? — „Napoleon durfte inzwischen weder Oesterreich Zeit lassen, sch ne Verft,-e zu ersetzen neck der-l>:eir davurch die Trennung der verschiedenen Oesterreichischc» Ar- oereinigte inu diese Stadt dann alle, Frankreich dienen- »IttN, d.u, Streitträsre von Leutschland und Italien, und brachte sämtliche feindliche Cor.s, welche die entfernte» Völker insurgiien feilten, nach dein Mittelpunkte der Nlonarchie zurück. Jedes an- 14'dcre Verhallen wäre fehlerhaft gewesen. « „Auch wird der Marsch nach Wien mit derselben Geschicklich- M kcit vollbracht, imt welcher man sich den Weg dahin frei gemacht hatte. Gleiche Schnelligkeit, gleiche Sicherheit in den Bcwegun- ^ gm, gleiche Ausdehnnngskrast deS Ganzen. Es gehen schleunigst H'LrdreS ab an Eugene, an Bernadotte und Poniatowoki. dtapo- M Icou schreibt dem erster»: „Gehen Sie nur muthig vorwärts, ' „der Kaiser dringt in Oesircichs Herz ein. Der Feind wird Sie ^ „»icht aufhalten u. s. w. und an den letzter»: Er verlasse sich aus dessen Eifer u. s. w>" — Schlacht bei Ebersberg, t gar nicht bekannt ist. „Bei alle dem stehen eine Menge von Klrigheits - Maaßregeln. i dieser Kuhnhelc zur Seite. Es bildet sich eine ,ste Reserve zu nMegeusburg, um unsre Operationslime aus dem linken User der ; Donau zu sichern; eure are zu Augsburg, zum Schutze der l sperarionsliuie ans dem rechten User; eine 5tc unter dem Ra- l,»e» des Elbe-Observalions - Corps. Die Awischcnplätze werden ^ ja Vcriheidignngssiand gesetzt und zu Maynz die Eonscribirren, slnvie sie aus dem Innern ankommen, in Bataillons sormirt, h sodau» aber zu der Armee abgeschickt u. s. w." Der Verfasser beschreibt uuu die neuern Dispositionen und fahrt dann fort: „So dehnte sich jetzt die französische Armee, welche, als sich sich schlagen mußte, so eng concentrirt war, in Corps ans, ^ die durch das Donanthal hin den» Marsche des Erzherzogs «»s dun der böhmisaM Grenze gegeunoer liegenden Ufer in paauleler Richtung in EchclouS folgend, bereit waren, längs da Donau der Armee des Erzherzogs sich cntgcgenzristeilen, Fall sich dic,rlbe zeigte. Die Armee konnte sich „ach jedem Punkte ihrer Linie in ^8 Stunden zusammcnzichen. Lurch diese glückliche Vermischung daö Ansammenzjehens und lies Auedehnrns seiner zahlrrichcir Corps, welche mir der s, Pracision «ls ob nur Ein Regiment manvvrire, ausgcftihrt w»r- l tc, erlangte L'lapoleon ungeheure Vortheile und machte zuglcicb Plane oco Feindes zu Nichte u. s. w. k. Liijrs Laprr. 7- Ldcha. „Wir leben, bemerkt der Verfasser, i» einer Zeit, wo dH Hanptiladte für die Kriege eine so große Wichtigkeit haben, daß alles der Erhaltung dieser Mittelpunkte der Verwaltung und des Lebens der Reiche geopfert werden muß. Von ihrem Besitze hängt fass immer die Verteidigung und das Loos der Staaten ab. §s war dieß durch die Beispiele von Wien und Berlin in den letzter» Kriegen hinreichend erwiesen und cs hat seitdem die Besetzung von Paris noch zwei neue Proben davon geliefert. Wem, die Wegnahme von Moskau und Madrid das Gegcntheil zu beweisen schien, so darf man nicht vergessen, daß die elftere EM in Brand gesteckt wurde, weil man sie nicht erhalten konnte und, was die zweite betrifft, alle die besonder» Verhältnisse Spaniers, die außerdem nirgends eintretcn, jene Hülfe Englands, alle die Diversionen im übrigen Europa und eine Meuge von Nnisiinidu, erfodcrlich waren, um die Halbinsel zu retten und diese Ausnahme von der Regel hervorzubringcn. .Hieraus folgt, daß man die Hauptstädte gegen feindliche Invasionen sichern und dadurch ebe» sowohl den Armeen Freiheit zu manövriren, als den Rat:« Aeit lassen muß, die allgemeine Vertheidigung zu bewerkstellige»." Bei dieser Gelegenheit äußert er, daß Paris befestigt wcrdc» sollte. Das war die Meinung Napoleons, sagte er, selbst Var- bans schon, und es ist zugleich der Rath desjenigen Ingenieurs, welcher jetzt dessen Platz cinnimmt, und der die Kosten dieser »»r f äußern Verthcidigungs-Werke auf nicht mehr als L» Million»! schlägt, das heißt, nur auf das Dreifache dessen, was in jedem Jahre auf Verschönerungen, Baue und dergl. gewendet wird:e. (ki'osee äi> »äneial II.) „Wien, die Hauptstadt von Oestreich war mithin daS Ziel, wornach beide Armee - Cominandanten strebten u. s. w. „Keine Hauptstadt war damals in einem bessern Verthcid!- D gungs - Ausrande. Zur Halste von der Donau geschützt, hatte sie- - zwei Fortisicationcn, eine außre winkelförmige, mit halber Per- . kleidung, um die Vorstädte, und eine innere, die eine sehr starle l Umfassung bildete u. s. w. ! Napoleon zeigt sich am >c>tcn Mai des Morgens, >4 Taze i nach der Schlacht bei Sckmühl, und weniger als einen Monat nach Eröffnung des Feldzugs, vor Wien. Die Vorstädte werde» ohne Widerstand genommen, aber als die Avantgarde ans dem GlaciS erscheint, welches die Vorstadt von der Stadt trennt, irud sic mit Kanonenschüssen empfangen. Der Marschall LanneS Mt einen Adjutanden in die Stadt, der die Auffoderung zur Uibw i gäbe überbringt. Dieser Offizier wird mißhandelt, fefigehalten „ad die Stadt schießt fortan auf ihre Vorstädte. Die letzter» senden eine Deputation an Napoleon, um für Wien zu bitten. Er verweist sie, mit einem Briefe Berthiers versehen, an den Erzherzog Marimiliau, der in der Stadt kommandirt; aber daS Feuern von den Wälle» verdoppelte sich bei der Ankunft der Deputation. Jetzt ergreift Napoleon, der, mehr als die Oestreichischen Prinzen selbst, die Stadt zu schonen geneigt ist, das zweckmäßigste Mittel den Erzherzog sofort zur Räumung zu zwingen. Er benutzte den ungeheuren Fehler, welcher dadurch begangen worden ist, daß mau unterlassen hat, die Stadt mit der Donau zu verbinden, führt das vierte Corps selbst an, schlägt eine Brücke über den kleinen Arni, der die Vorstadt Landstraß vom Prater trennt und läßt den kleinen Pavillon, das Lnsthaus genannt, besetzen. An gleicher Acic befiehlt Napoleon, nun auf das Feuer zu antworten, das unaufhörlich die Vorstädte aus der Festung trisft, und läßt zugleich, um die Aufmerksamkeit des Erzherzogs «on sich abzuwcndeu, eine Haubitz - Batterie, ohngcfähr auf dem nanilichen Platze auffahren, wo im Jahre iL.Li, der Angriff der Türken statt fand. „Ilm 9 Uhr Abends werden Granaten in die Stadt geworfen. Die junge Erzherzogin Marie Louise lag damals krank im väterlichen Schlosse. Auf die erste Nachricht hiervon, wird die Direktion des Feuerns verändert und das Schloß respcktirt. WelH rin Spiel des Anfalls! Wer damals der Erzherzogin hätte sagen sollen, daß die nämlichen Hände, vor denen jetzt Wien zitterte, ibenigc Monate später, Kränze für ihr Haupt winden, daß sie als Gattin und Mutter in dem Schloß der Tuilerien über eben diese Franzosen herrschen würde, die sie jetzt mit Schrecken erfüllten !!! „Dieser Widerstand, den der Erzherzog Marimilian in Wien leistete, war ein Vergehen an der Stadt, weil er alles vernachlässigt hatte, was denselben den Einwohnern minder nachtheilig, und dem Staate so wie der Armee nützlich machen konnte. Wien hätte von einem weniger großmüthigen Feinde verbrannt werden können, ohne auch uur einen Augenblick den Besitz von dessen Umfassung zu verzögern. Der Verfasser zeigt hier die Fehler der beiden Erzherzoge und fahrt dann fort: „In den Augen der Armee und Enropa'S galt es für vies, Wien genommen zu ha'oen — für Napoleon war cs wenig, weil er die Donaubrncken nicht hatte, weil das Ende eines solckc« Coalitionskrieges nicht in Wien, sondern nur durch die Aufm- düng der Armee - Uibcrrcste und der Ligne der Fürsten zu erlangen war, u- s. w. „Aber um diesen Zweck zu erreichen, mußte ein Urberg««, über die reißende Donau, deren Wässer jetzt besonders angcschrml- len waren, im Angesichte eines immer noch furchtbaren HccrcS, mitten im feindlichen Lande bewerkstelligt werden u> s w. „Inzwischen hatte doch das Gerücht von dem Einzüge der Franzosen in Wien bei den Hvstn und Völkern Deutschland« die Empfindungen, welche sie bei der Nachricht von de» Sieg«» kl Eckmüyl gehabt hatten, noch erhöhet- Die Insurrektionsplärre sammt den Rüstungen wurden vertagt, die Privatverbi»dr»iß>rr erkalreten und lösten sich auf. Schill, dem es gelungen war, cin Corps von Onus Mann zusammcnzubringen, fand, nachdem er die -Namen des Königs von Preußen und Englands kompromittirk hatte, kein Land das es wagte, sich für seine Sache zu erilä- ren, u. s. w. ,,Selbst das Londoner Cabinct empfand den Einfluß drein Triumphe- Sie trugen nicht wenig dazu bei, die Irrnigre« und Unbestimmtheiten seines Ministeriums zu vermehren und die versprochenen großen Diversionen wurden von Tag zu Tage verzögert. „Der preußische Hof häufte die Versicherungen seines treue« Festhaltens an den geschloffenen Traktaten und stellte sich an. ,:IS ob er die Cchillschen Parlheigänger verfolge. Der dem Awcbe.'iie nach mit uns verbündete russische Hof entschloß sich endlich sin Contingcnt zu stellen- Ein Corps von i5,uoo Manu — ungleich geringer, als er sich zu dessen Stellung verbindlich gemacht battebrach nach Gallizien auf und noch glaubt man allgemein, daß die Russen eigentlich nur vergingen, um den allzuschnellen VoMit- ten der Polen und besonders ihren Grundsätzen entgegen z« wirken. „Der Uibergang über einen Strom, wie die Donau, bleidt stets ein sehr schwieriges Unternehmen. Es ist nicht genug, eine Brücke zu haben und nach dem ander» Ufer zu gehe». Man nur? verrücken, sich halten und die Brücke behaupten. Wenn man daa« die schreckliche Menge von Gegenwänden, die zu einem solche« Baue erforderlich sind — und ferne leichte Zerstörbarkeit, so n>le die ungeheure Macht der Hindernisse bedenkt, welche dabei riter- wuntzei, werden muffen, sp ist es sehr schwer z» begreifen, me dergleichen Werke jemals gelingen können. Hier mußte man erst ,'chcr einen Arm der Donau von -So Tvisen und dann über einen zweiten, von » 4 o Toisen Breite, wo der Strom am reißendsten ,,»d welcher von dem ersten Arme durch eine 100 Toisen breite Ml getiennt ist, gehen; nun war man noch nicht weiter, als auf der großen, mit Gesträuch bedeckten und von kleinen Kanälen dar schnittcncn Lobauinscl. Um das linke Ufer zu erreichen, batte man noch einen dritten Arm zu passiren, dessen Breite von 5 » bis 70 Toisen anstcigt. Die Donau ist in dieser Gegend in so viele Arme gctheilt, mit so vielen'Inseln übersäet, daß sie ein ivahrcs Labvrinth bildet, unter dessen Schutze der Feind unscrn Arbeiten sehr nahe kommen konnte. Es mußte also der Uiber- gaug über einen dreifachen Fluß bewerkstelligt, eine dreifache Brücke, von denen die eine besondere Größe federte, mitten unter de» Feinden, die uns von allen Seiten umgaben und beobachteten, erbaut werden. Zu diesem Baue waren nun Kähne von verschiedener Gestalt und Größe crsoderlich, die man zusammen holte, wie sic nur zu erlangen waren, nur mit einigen Stricken und Nägeln befestigte und welche gleichwohl der reißenden Donau Widerstand leisten sollten. Alles das wurde dennoch und zwar, !m Verhältnisse mit den großen Anstalten die dazu erfodcrüch waren, recht schnell ins Werk gesetzt. Von der andern Seite muß man aber auch in Betrachtung ziehen, daß die Schwierigkeiten dieses Uibergangs durch große Vortheilc ausgewogen wurde». Wenn die Donau dort breiter ist und sich in mehrere Arme theilt, so iß sie dafür auch minder reißend und tief. Die Inseln dienten dazu, die einzelnen Brücken zu schützen, und die Lobaninsel vertrat die Stelle eines großen Brückenkopfs, sie wurde zu einem gcräiunigen Waffcnplatze, von welchem aus man mit größerer Sicherheit nach dem rechten Ufer gelangen konnte, n- s. w. „Die am 1 Steu früh augefangcnen Brücken wurden schnell vollendet und schon am -osten hatte das 4 te Corps die Lobauinscl erreicht. Der Kaiser verfügte sich selbst dahin und ließ die letzte Brücke vor seinen Augen schlagen. Seine Absicht war, gerade auf den Feind loszugehcn und das bei Eckmühl so glänzend begonnene Werk zu vollenden. Er hatte den größten Theil der Armee an sich gezogen, damit sie ohne Unterbrechung nach dem linken Ufer übersetzen könne. „Das Terrain, wo die französische Armee übergehen sollte, >var sehr günstig. Vor dem Eiubug den der Fluß in dieser Gegend machte, dessen Arme sich beträchtlich weit ansdchncii, liegen — iZ-. — dieDörscrAsp ern nnd Eßlin-, das erste« links, hart an einem ; AN!!!! des Flusses, der sehr wenig Wasser hatte, das zweite rechts, I 8 bis 5n-> Toisen dem eingehenden Winkel der Donau -egen,', brr. n yloch weiter rechts liegt in gleicher Entfernung von den, Strom, 1' das Stäbchen Euzersd orf. Von Aspern bis Eßling sind oh«.- z! gefällt tausend Toisen und etwa eben so viel von Eßling bis x«- ; zerssorf. Die beiden ersten Orte sind von Manerwerk gebaut mit . kleinen Hügeln umgeben und bilden so eine Art von Forts, die ; gut zu vertheidigen sind, waren mithin zwei vortreffliche Sch- - punkte für unsre Linie, die noch besonders durch einen U- ' Hang, oder Graben gedeckt werden. Diese Linien konnten allerdings auf beiden Flanken umgangen werden, sowohl unter Lßlch f nach Euzersdorf zu, als auch hinter Aspern, wo man den kleim» Donauarm leicht durchwaten kann. ; - „Vor jenen Dörfern ist eine ungeheure ganz ebene Flache, ohne einen Bach oder sonst ein Hinderuiß, wo man, auf der ml- ' ten grünen Flur nur einige Dörfer erblickt — das günstigste Ter- - rain für zwei einander gleiche Heere, welche sich in Hinsicht mf Muth und Geschicklichkeit den Rang streitig machen wollen - s» ! wie auch für eine kleinere Armee, die unter dem Schutze der zr- rianntcn Dörfer gegen eine größere kämpft. „Napoleon, der nur mit seinem Vorhaben auf den Feind l«b , zugehen beschäftigt war, erwartete blos das Hcrankonimen einesTM der Armee; er dachte nicht, daß er selbst angegriffen werde» würde; die Rapporte der leichten Cavalerie erhielten ihn in dieser Sicherheit Er verwendete keine Sorgfalt, weder auf die Aufstellung des 4tui . - ^ ner Zitadelle, die wir, um sie zu nehmen, unter dem schrecklichsm Feuer ersteigen mußten und die, als wir sie nun genommen H-A - ten, für uns doch nichts als eine Mördergrube war, wo wir vvi> allen Seiten blos standen." Hier folgt nun die Beschreibung des ersten Schlachttags vs» c §§!ingen ( 21 . Mai), an welchem Massen« von Früh bis AbenoS „>jr seinem Corps allein der ganzen Oesterreichischen Macht wider- sicht und Aspern mit jenem heldcnmüthigen Trotze behauptet, der ihn so rühmlich charaktcrisirt. Die Brücken, welche an diesem Tage schon in Unordnung sind, unterbrechen zu mehreren malen den liebergang der Truppen, vereiteln die Plane Napoleons, retten de» Feind und bereiten den folgenden schrecklichen Tag, welchen der Verfasser also beschreibt: „Der Heroismus den Massen« mit seinen Braven bei seiner Mtheidigung beweist, hat die größte Wirkung in den Heeren her- Mgedracht und in dem nnsrige» nicht blos ein brennendes Verlangen am kommenden Tage den Feind anzngreifen, sondern auch die Hoffnung auf einen vollständigen Sieg, erzeugt. Napoleon, der nun schon durch bas Corps von Lanncs verstärkt ist, will auch noch Daooust und die Reserve erwarten, ehe er seinen großen Angriff beginnt, aber schon vor Anbruch des Tages, deS Morgens ,nn 2 Uhr erneuert sich der Kampf zu Aspern und bald darnach ans der ganzen Linie. Der Ocsterreichischc Generalissimus hat sich endlich entschlossen, seine Grcnadierrcscrve vorrückcn zu lassen, die er bisher so nnzerüg znrnckgclassen hatte. Vom ersten Augenblicke a» hlttc der Erzherzog die Nothwendigkeit suhlen sollen, bei einem solchen Kampfe den größten Ernst zu zeigen. Durch seine Zögerung waren nun schon drei Divisionen der Uusrigen mehr hcrange- konuuen. Er beharrt bei seinem Schlachtspsteme und geht aufs Neue hitzig auf Aspern los; Eßling, wo Lanncs mit zwei Divisionen verstärkt ist, wird weniger lebhaft angegriffen. Der feindliche General thut nichts, um die derbe» Dörfer und besonders Aspern zu umgehen. Sein Kugelregen und seine Massen zerstört» eS aufs Neue und erleichtern ihm die Mittel, es zu nehmen. si Massen« läßt jetzt die Division Molitor von der Division St, Cpr s «blöscu. DaS -iste leichte Regiment dringt in das Dorf ein, wirst ^ den Feind in der großen Dorfgaße und schneidet eine Colonnc ab, die in der parallel laufenden Gasse, vorgeht, öm, Mann mit >i Offiziers und einem Generale samt 6 Kanonen werden gefan- s gen und nach der Lobauinsel gebracht. Das 24 stc Regiment wird : endlich zurückgcschlagen, das 4te kömmt ihm jedoch zu Hülse und j die Hessen nehmen das abermals verlorne Dorf dem Feinde wieder - c.b. Alle diese Regimenter kämpfen mit der größten Tapferkeit. Masscuas Kühnheit nährt den Enthusiasmus des 4teu Corps mit- > len ans dem allergräßlichsten Kriegsschauplätze. Jetzt wird die An- - knnsc ecr Garde zu Aspern kund; alle Welt hofft «uf den Sieg. — , 5 S — „Napoleon sicht, das; dar Feind bei seinen Tags vorher beg,ni- gcne» Fehlern deharrk, das; er seine größeren Massen auf Aspen, nnd eine starke Celonne ans geling losgchn laßt, mithin sch, (äenlrnm sehr dies stellt. Er macht daher schnell den Plan, v»>, diuen Fehlen; Gewinn zu ziehen nnd sogleich den Angriff auszu- i sichren, wovon er gestern nnr eine Demonstrativ» gemacht HM. U Er will dev Feindes Centuim durchdrechen und ihn auf diese Ach L se schlagen- Da er in der Meinung sicht, das; das CorpS von Ta, » vcust im Aurücken sei, schickt er die Tiralleurs der Garde „H N Aspern nnd befiehlt Lannes nrit seinenr Cores den Angriff zwischen U Eßling nnd Aspe;;; gegen den linsen Flügel unter Hohenzollcr» V nnd den rechten Flügel unter Lichrcnstein zn beginnen. So hixt »j ?!apoleon seinen rechten Fluge! vergehn und pivotirt auf dem lin- 8 ken, der sich an die M-rthcidignng von Aspern lohnt. Er ,heilt ans diese Weise die feindliche Arinec in zwei Lheilc, ivelchr sich nun beide in großer VeUegcnheit befinden. Lannes gebt, ander Spitze der Division St. Hilaire, mit den Grenadiers von Oudimt auf dem linken, nnd der Division Voudet auf dem rechten Fluzcl, nnd mit seinen Kavallerie - Massen in den Intervalle», k„h„ «,,f den Feind los, nnd rücrt so nach dem leichten Abhänge an, mf dessen Gipfel sich das Centrum der Oesterreicher befindet. „Als jetzt der Erzherzog Kunde von der Gefahr erhält, welche diesem wichtigen Punkte seiner Linie droht, zieht er schnell eiern Lheil des Bellcgard'schen Corps an sich, stellt die von Hohenzollcni nnd Rosenbcrg auf, xostirt, um sie »och zu verstärken, mehrere d!e- gunenter von dem rechten Flügel seiner Kavallerie, deren liiitci sich in mehreren Linien sormirt hat, in ihren Nucken, nnd cuoar- tet so den Angriff des Marschall Lannes. Dieser wird auch, initcr den Augen von Napoleon, mit der größten Lebhaftigkeit aiisze- fnhrt; die ersten Truppen des Feindes werden geworfen, in;- U B.ssieres dringt an der Spitze der Cniraffires zu mehreren,»alcii » mit giänzcndem Erfolge auf die Oesterreischc Kavailenc und Jnfan- D terie ein. Diese weicht — der Erzherzog eilt an die Spitze der geschlagene» Regimenter und weckt durch das Beispiel seines Hcl- I ; densinnes ihren gesunkenen Muth. Er ergreift die Fahne von Ach ! nnd stürzt sich damit in Las tiefste Handgemenge. Mehrere sei,,» Offiziers werden »ni ihn. her verwundet." „Allein auch die Franzosen verdoppelten ,'bre Tapferkeit bei dtt Versolgnng ihrer Vorrh. iie; und schon hat Napeleon den veilstä»- d;g,ren Sieg vor Angen, als gegen 7 Uhr den Morgens, anstatt der Ankunft des Matschall Davouft, die Nachricht nulanst, daß seine Brücken zerrilwn sind und nicht daran zn denken ist, selbige i», Laust des Tages wieder herznstcllc». ') Das Schicksal entriß ihm auf diese Weise den herrlichsten Triumph. Mit Hülfe der getroffenen Disposiiwncn und der Truppen, welche er zur Hand hatte, kennte Napoleon zwar noch immer zu siegen hoffen, aber die Vorsicht besah! ihm, das Loos so vieler Braven in einer so ungedeckten Ebene, wo die AngriffScolonnen, so wie sic vorgicngen, in Flanke und Rücken genommen werden kennten, nicht neuen Unfällen auszusctzcn. Er gebot deshalb LanneS, den Angriff anszu- hrben, seine Truppen langsam in ihre erste Stellung, seinen rechten Flügel nach Eßlingen und den linken rn die Direktion von Ast e m z n r ü ck z n fu h re n." „Wenn dieser glänzende Angriff nicht mit dem vollständigsten Erfolge gekrönt winde, so impenirre er doch den ganzen Tag über dem Feinde; Hirne seine vorbereiteten Attaancn zurück, befreite für den Augenblick unsre sehr bedrängten Flügel u. s. w. ^ „Massen« hicir Aspern immer noch, da drang der Feind aufs Nene hinein und dieTiraiilenrs der jungen Garde verlangten nun, ihn daraus vertreiben zu dürfen. Sic waren erst neuerlich formirt und hatten oon der Garde mchrs als den Namen und deren treue Ergebenheit. Hier erst verdienten sie sich ibre Grenader!, aber nicht olnie Meinst und Müde. Das Dorf wurde nochmals streitig gemacht und während des ganzen Tages bald von der einen bald von der anderen Parihci genommen — von dem Feinde jedoch stets mit größerer Leichtigkeit, da er cs umringr hielt, von uns dagegen mit mehr Anstrengung und M»th, da wir nur Lurch ein Dcsist- dahin gelangen konnten. Dst'Lodten häuften sich in ASpern, die Kugeln zerstörten cs und der Brand verzehrt die Reste. Es lampst Mann gegen Mann mit dem Säbel in der Faust und mit der größten Erbitterung. Masscna vervielfältigt sich. Alle seine Hsfizicrs wurden «ns zwei Schritt von ihm verwundet; er ist der einzige, den -es Feindes Kugeln nicht erreichen. Es scheint als kennten, als achtete» sic dcs Siegs geliebten Sei n. Es gehörte Masseuas Starrsinn dazu, diesen glffahrvob.m stopen zn behaupten, der bei seiner Wichtigkeit i .mal in'2 Lagen genommen und *) Dieser schrcctllchc Unfall, der schon TagS zuvor sich ere'anet Harke, rühlke nichr r, ü' you dem dlnschwehni der s?rua» h,r, 'rubern wurde d.i'-ch d.-s 'Anor -Il>-n e.n r Menge von Flösse», l!!d ^.a!dar-n auf dm oberhalb desindNchen 2»i>!n, deren Besitzung vwnachläsngr worden wae ins Wasser geworfen Hallen, wieder genommen wird. Nach dem Aerrcißen der Brücken >M dieser Streit nichts als ein gräßliches nutzloses Gemetzel — aber dennoch durchaus nothn endig, um die Ehre dcS französischen Namens und selbst diesen Thcil des Heeres ans dem linken User des Stromes zu retten, denn cs war nicht dran zn denken, während des Gefechts am Tage nnd in Gegenwart eines so zahlreiche,, Feindes über die schwache Pontonsbrücke znrnckgehen zu könne». Man mußte schlechterdings die Stacht erwarte» und bis dahin dem Erzherzoge imponircn. Gegen Mittag endlich kam der Feind ans den Gedanken, die kleine Insel hinter Aspern au;»- greifen, die nur durch einen schmalen von Wasser fast ganz entblößten Flußarm geschützt ist. Einige unsrer Posten — jedoch mn von sehr geringer Aahl, — hielten diese kleine sehr buschige Insel besetzt; sie werden znrückgeschlagen nnd nach der andern Seite gedrängt. Die Eommunication zwischen Aspern und der Brücke wird stark beschossen und die Gefahr steigt aufs Höchste. Wenn der Feind von dieser Seite mit Macht vorzicng, wenn er sich nur am Uferrande der kleinen Insel hielt, so wurden die Truppen, welche sich zu Aspern befanden, im glücken genomiuc» und bei der Drücke zuruckgcschlagen, wir verloren eine halbe Stunde Terrain und Len Hauptstützpuult unsrer Stellung. Eiligst wurden zwei Piece» mit Kartätschen nach dieser Seite gewendet- Glücklicherweise lies- ber Feind der Brigade Bivicr Zeit hcrbeizukommcn: aber man bedurfte außer ihr auch noch die ganze Division Molitor, die schon bis auf einige hundert Man» zusamiuengeschmolzen war. Es gelang ihr, den Feind zurückzuhalten »ud dieses war nicht der kleinste von alle den Diensten, welche Molitor an diesem schrecklichen Lage leistete. „Der Erzherzog hatte seine Linie neu gebildet, seine Batterien wieder hcrgestcllt und den Angriff auf Aspern und Eßlinz anderweit begonnen. Gegen letzteres läßt er 4 Grenadierbatailloiis von der Reserve verrücken, die er endlich seiner Streitlüste näher gebracht hatte. Sie finden nicht mindern Widerstand. Die Division Boudet, welche zum Theil dorr in einem großen Gedöste cin- geschlossen ist, schlägt fünfmal mit der größten Tapferkeit die Stürmenden zurück. Die Ungarische» Grenadiers sind so schlecht angeführt, daß der Erzherzog hinzueilcn muß, um sie in der Ge- fcchtslinie fcstzuhalten. „Inzwischen bereitet der Erzherzog Karl, um es auf alle,, Punkten seiner Stellung zu versuchen, einen furchtbaren Angrilf gegen das Zentrum der sranzösischen Armee vor. Wer in Krieg»- sachen klar zu scheu vermochte, mußte hierbei sehr besorgt werde». Man bemerkte, wie, den allzuentblösiten Intervallen zwischen Aspern und Eßling gegenüber, der Kamm der den Feind deckenden Hohen mit Kanonen, mit Kavallcricmaffen und tiefen In- s.intcrickvlonnen beseht wurde. Diese furchtbaren Anrüsmngcn bedrohten den leeren Raum zwischen den Corps von Lannes und Maßen« und dem kürzesten Weg nach unfern Brücken. Ein recht lebhafter Angriff des Erzherzogs mit seinen Reserven und den müs- sigen Truppen seiner Schlachtlinic konnte in wenigen Minuten das Verderben der ganzen Armee herbeisühren. Schon waren seine Masse» in geringer Schußweite von unsrer Linie; aber zum Glücke verlor der Feind die Zeit, welche er zu einer recht kräftigen Action anwendcn sollte, mit Untersuchungen und präparatorischen Bewegungen. Napoleon siebt jene schreckliche Gefahr und dirigirt schnell alles was er nur von der großtenlheils demoutirtrn Artillerie disponibel findet, nach dem Ccntrum hin; läßt nach den Flanken der Oesterreichischcn Massen einige schon ganz ermattete Truppen vorrücken und befiehlt Bcssicrcs mit der Kavallerie einzuhauen, nicht um einen Sieg zu erringen, sondern um die Armee zu retten. Dieser muß sich blindlings auf die Colonnc losstürzen, um sie auszuhaltcn, muß eine That der treuesten Ergebenheit vollbringen. Wir hatten hinter unscrm Ccntrum nur eine einzige Infan- tcriercscrve — allerdings die alte Garde, jene Hcldenelite, welche lange Zeit sich dem Feinde nur zeigen durfte, um die größten Anstrengungen desselben zu lahmen. „Vessiercs greift, obschon seine Kavallerie sehr viel verloren hat, dennoch mit der größten Kühnheit an und überwältigt die Spitze der Cvlonne. Das ist genug, um den unentschlossenen Feind zurückznhalten. Von diesem Augenblicke an ist das Loos dieses Tages entschieden und Napoleon kann die Nacht erwarten, um seinen Rückzug zu vollbringen. Er nähert sich der kleinen Brücke, um selbst über die Vorbereitungen Aufsicht zu führen und die nothwcndig gewordenen Anordnungen zu treffen. „Der Tag gieng zu Ende — Es war in der That hohe Zeit, denn unsre Munition war verschossen. Es fehlte der Artillerie und der Infanterie schon an Ladung und Patronen und die Commnni- eation mir den Reservcparks war nnrerorochen, der größte Theil unserer Artillcriepiccen beschädigt nno die Pferde der Bespannung langst schon gefallen. Man harte sich genöthigt gesehen, das Feuern zu vermindern, indessen der Feind das jeurige mit einer schrc-.ba- rc» aufreibenden Artillerie unaushöuich sortsetzte. Er erneuerte mit der größten Beharrlichkeit die Angriffe auf die beiden Dorf«, Bei einem derselben ist LanucS, der immerwährend an der gesahr- vvllstcu Stelle sich befunden hatte, um einen Augenblick zu ruhe», vom Pferde gestiegen und wird hier ron einer Kugel getroffen, die ihm beide Beine zerschmettert. Das Heer verliert einen seiner ersten Generale, dessen Talente sich so wunderbar entwickelt hatte», Frankreich eine seiner kräftigsten Stutzen, der Kaiser einen eifrigen Freund. Cr wird sogleich nach der Lobaninsel gebracht; Napoleon geht ihm bis an die kleine Brücke entgegen. Ihr Gespräch ist höchst rührend; sie umarmen sich aus das Zärtlichste. Napoleon liegt vor dem sterbenden Helden auf den Knieen und vergießt Heist Lhränen. Unter jeden, Verhältnisse wäre das ein großes Schauspiel gewesen, es war dieses aber ganz besonders an, Abende einer so zweifelhaften Schlacht, die uns so viele brave Krieger gekvpet hatte. „Unsre Truppen hatten den Hunger und die äußerste Eri»»- dung an diese» beiden glühend heißen Tagen, an welchen sie üc> Stunden in Gefecht waren, gleichsam vergessen. Welch eine schöne, glorreiche Zeit!!! In dieser so höchst critiscipen Lage erkaltete dennoch unser Eifer und uns e Vertrauen keinen Angcubliik, der Geist nnscrS Heerführers war ans alle seine Soldaten »berge- gangcn. An diesen merkwürdigen Tagen schlugen acht französische Divisionen, weiche nicht die Halste unsrer Armee ansmachteist, mi- nnt.rbrochrn den Angriff des ganzen Oestcrreichischen Heeres ab. Cs konnte rms nicht eine Ruthe Land nehmen, und war oft selbsr ans dem Punkte, geworfen zu werden. „Mit Einbruch der Nacht wurdpn die zahlreichen ans dem staken User zusannncngebrachten Verwundeten über die kleine Mücke transportirt. Alle diejenigen, welche noch Leben hatten, schaffte man auf die Lobaninsel- Hierauf ließ man die Artillerie sanunt den Munilivnswagcn darüber passiren und nahm selbst dem Trümmer mit. Die dem Feinde abgcnonimenen Stücke warm schon in Sicherheit gebracht worden. Es blieb nichts auf dem Schlachtfelde zurück; nicht einmal die Flinten und die Kürasse eines Lheils unsrer Tobten. „Der Feind begieng den ganz nnbegreistichen Fehler, seine Vortheile nicht augenblicklich zu verfolgen, und besonders, »»§ diese Lobaninsel zu lassen, die mitten auf sein Terrain volttat, unsre Zuflucht im Unglück war und uns bald selbst den Sieg verschaffte." Wer im Stande war, Napoleon bei seinen Ideen zu folge» m,d ihn zu fassen, der mußte in diesem Feldzüge alles an ihn classic» finden. Bis jetzt hat man ihn im reißenden Fluge den Sieg wiiigen und benutzen sehe». Nun erscheint er bei einem unvorhergesehenen schrecklichen Ereignisse. Man erblickt ihn, wie er augenblicklich ein großes Unglück in seinen Folgen hemmt und zugleich seine Masregeln nimmt, sich von Neuem den Sieg zu sichern! Indem er für den Moment ans die bloße Defensive beschränkt ist, schafft er sich schnell in der Lobaninsel, unmittelbar vor den Thoren Wiens, eine wahre französische Festung, die das Terrain und den Strom beherrscht. Er will die Donau, deren zlnkhcn ihn betrogen haben, in Fesseln legen und alles dies; soll im Angesicht eines Feindes geschehn, der sich als Sieger ansschreic und dabei nicht daran denkt, Wunder zu hindern, welche er nicht ahnen kann. Doch vielleicht ist er in gewisser Maaße zn entschuldigen. Selbst der Verfasser ruft bei dieser Steile seiner Schrift ans: „Glücklich will ich diejenigen preißen, welche im Stande „>oami, diese Wunder des Genies zn erwache»!!!! — ES waren „nicht immer gerade die, welche ihm an: nächsten standen." „Die ersten Ordres zn diesen! Zwecke, so fäbrt er fort, werft,, gleich im ersten Augenblicke nach dem eingcrrcrenen Unglücke gegeben und die Anstalten dann so schnell getroffen, daß schon 2 oder z Tage nach der Schlacht mehrere Ramme» auf den beiden großen Denanarnicn Grundpsähle cinschlagen, indessen die Bulletins, um den Feind zu täuschen, nur von einer Art von Staketcnwcrk sprechen, wodurch man die Brander abhaltcn wolle. Noch an dem nämlichen Tage bestimmt Napoleon an Ott und Stelle, indem er mit seinen, Stäbchen in den Sand zeichnet, welche We,ke den Brückenkopf der großen Brücke» bilden und die Lobaninsel zu einer sichern Zuflucht machen sollen." - Von diesen, Augenblicke an arbeitet jeder ohne Unterlaß; der Chef ist aller Orten und die Soldaten sind uncrmüdct. Ihre Ausdauer, ihr Eifer ist beispiellos. Gegen das Ende hin bedarf Napoleon zu Ausführung seiner Pläne und um dem Feinde sich besser zu verbergen einer kleinen vor Eßliug liegenden Insel, die fast mit den, User der Oesterreichcr zusammenhäugt. Die Generale des GcnickorpS und der Artillerie halte» den Angriff für beinah unmöglich. Doch Napoleon befiehlt und am Hellen Mittage setzt ein Adjittand von Massen« mit iu-o Voltigeurs unter dem Feuer der ganzen Oesterrcichischen Artillerie über die Donau, erreicht die In- A, verjagt den Feind, hält sich daselhst gegen alle Angriffe des- selben und in zwei Stunden ist eine Schiffbrücke fertig, allen Batterien, welche die Donau einfassen, und von denen mehr M 2-:o Kugeln auf die Brücke fallen, zum Trotz. Unter einem Chef, wie Napoleon, hatte alles anfgehört unmöglich zn heißen. Niemand dachte an seine eigene Erhalcung Der Ruhm galt für das Leben! Freilich dachte der Feldherr selbst nicht an Schonung. Napoleon begierig oft selbst die feindlichen Posten und nahte sich ihnen ans der Mühleninscl bis auf -5 Toisen. Einst wurde er von einem österreichischen Offiziere am Rande eines Kanals von 5 o Toi- sen Breite erkannt. „Sire! retiriren Sic sich, rufle der herüber, Siegehören da nicht hin." Bei der damalige» Erbitterung gegen Napoleon, der Krise in der man sich befand, der großen Wichtigkeit die cS hatte, ihn anS der Welt zn schicke», verdient dieser Zuruf wohl die größte Bewunderung und wird ans alle Zeiten der Truppe zum Ruhme gereichen, aus welcher « erschallte. Die Rechtlichkeit des ManneS, der diese Worte sprach und sein tiefes Gefühl für Ehre dürsten schwerlich jemals übertroffen werden!!! — Endlich, nach einem Zeiträume von 4 Z Tagen waren alle Arbeiten vollendet — Aber, so darf man wohl fragen: Was tha! denn der Erzherzog? was sollte — waS konnte er thnn? — Der Verfasser hat sich hierüber sehr kräftig geäußert. Nach äö Tage» sag' ich also, war das ungeheure Wunderwerk vollbracht. Hier mir etwas davon. „lieber jeden der beiden großen Donauarme, von denen der eine -So und der andere i-So Toisen breit ist, waren Pfahlbrücke» erbaut, wo drei Wagen neben einander fahren konnten; oberhalb derselben kleine Brücken von 8 Fuß Breite für die Infanterie, unterhalb Schiffbrücken. Auf diese Weise konnten drei Colonncn zugleich übergehen und das Ganze wurde durch ein mit einer Insel verbundenes, -o» Toisen oberhalb der Brücken angebrachtes Staketenwcrk geschützt. Man trieb die Sorgfalt so weit, daß man die Brücken von 10 zu 10 Toisen mit Laternen beleuchtete und diese Beleuchtung selbst über die Lobauinsel auf der Chaussee hin sortsetzte, die man dort in einer Breite von so Fuß gefertigt hatte. Mit Hülfe dieser Laternen war dieser Weg bei der Nacht wie am Tage zu gebrauchen. Große Anschlagzettel b.i den verschiedenen Brücken gaben genau an, wo jedes Armeecorps übergehen sollte. So war die Vorsicht bei den geringfügigsten G-genständen mit der Anwendung der größten Mittel verbunden. „Inzwischen hatte der Kaiser die Jeit, in welcher dieses Alles zu Stande gebracht wurde, zugleich auf die Reorganisation seines .Heeres und bieniachst dazu verwendet, alle Corps, worüber er disponiren konnte, an sich zu ziehen. Prinz Eugen batte t-ic Italienische Armee unter herrlichen durch den Sieg bei Raab gekrönten Waffenthate» hcrbeigefuhrt. Marmont war mit seinem CorpS Ns dem inner!, Dalma.ieu angekommen. „Navolcons ungeheurer und fester Plan umfaßt daS Ganze seiner Heere und übersieht die verschiedncn Lander, welche sie beseht hatten. In seinen Augen und in se:»-r Seele haben alle diese in einander greifenden in so weiten Distanzen von ihn n anszn- sthrcndcn Operationen, einen einzigen gemeinsamen Inwck. Jetzt gedenkt er mit seiner großen Armee über die Donau -u gehen und sich auf den linken Flügel des Feindes zu werfen, um densinbeir vsu Ungar» zu trennen. Er will ihn ans dem Schlacotfelde angreifen, daS er zn nehme» hofft, dann ihn schlagen und nach Böhmen treiben, wo man ihm schon zuvorgekon men sein und ihn von allen Seiten umringen wird. Alles das muß Punkt für Pn»kk> wie er eS geordnet hat, bis zu dem Momente anSgeft.hrt . . n. «»der Feind, bei seiner verzweifelten Lage, um Waffen^Li:'..',-,' bitten wird. „Maffena erhalt neue Ordre, mit seinen Divisionen nach der Noidscike der Lobauinscl abzugchcn; Ondinot, am >sten Jul. nau) dieser Insel anfzubrechen und dort zu blriben; Prinz Enzen, ohne Aufenthalt über die Brücken zu gehen und d.n amn mit Leber.s- mittcln ans s Tage, bei Ebersdorf cinzntreffen; Davonst, nicht eher als in der Nacht vom -iten znm ütcn anfznbiechen und sogleich ans die Lrbauinsel überzngehcu; Bernadette und Vessic:.', d.n 2 kr« bei Ebersdorf z» sepn; Vandamme den rten Abends W. n zu besetzen; Lcfevre, den General Wredc nach Wien zu schicken, nn, sich dort mit der kaiserlichen Garde zn vereinigen, selbst aber re Linz zu bleiben, und dann, sobald die große Armee über die Dm an gegangen scyn wird, südlich nach Böhmen vorzugehen, ind ss.n Je- romc zu gleicher Zeit von Dresden aus, ans der Nordjette ein- dringen und Junot von Bairenlh ans es westlich bedrohen wls. Et vergaß auch Poniarowsky nicht, und befahl ihm, mit seinen Polen euch Olmutz zn gehen, um den Erzherzog Ferdinand zn beobachten und die Russen in sein Interesse zu ziehen, wenn anders diese verdächtigen Alliirtcn Lust hatten uns ehrlich beiznsiebcn. „Die bei dieser Gelegenheit ertheilten Oidres und besonders für Männer vom Mcticr sehr interessant und wichtig, weil man in ihnen ein wahres Programm der darauf folgende» Schlachten findet. Nie ist wobl eine so große Operation mit dieser Sicherlich cingeleitet, nie mit solcher Genauigkeit im Voraus bemtheilt worden. Daö Nähere, in Betreff des UedergangeS selbst ist »ich, minder wunderooll. „Arn -tten Juli wird Mittags um i Ubr anbefohlen, daß den ! - selbe noch am Abend erfolgen solle. „Alles war dazu voroereiret, die Passagen vervielfältigt, die i Direktion eines jeden Corps abgesteckt und so wurde denn auch aß i les mit der größten Genauigkeit und Ordnung ansgcfahrt. Nie hat eine so zahlreiche Armee mit dieser Schnelligkeit so große Schwierigkeiten überwunden und sich in Schlachtordnung aufgc- stellt. In einer einzigen Nacht war sie ans dem and.rn Ufer der ' Donau völlig in Reih und Glied, als ibr erstaunter Feind sich die- ! selbe noch in ihren Cantonnements gedacht hatte. Zur Zeit re» Tnrcnne und Cond- hätte man so etwas für unmöglich gehallt», rf und als Villaus und Vendome lebten, vielleicht mehrere Tage Sa- Z zu verwendet, ohne zum Zwecke zu gelangen; kaum wurde der ^ große Feldherr Friedrich sich getraut haben, mit seiner gute» Ar- > mee so etwas ansrichten zu können und unsre Gegner brachten auf der schönsten Ebene von der Welt halbe Tage zu, um sich i» - Schlachtordnung zu stellen. „Napoleon, der nun zwei Brucken auf seinem äußersten linken Flügel hatte, von denen die erste auf Pfählen ruhte, gegen jede» ' Anfall geschuht war und ihm zur Communieationslinie mit der Ar- i mee dienen sollte, wollte noch eine andere, gleichsam eine Rcserverbrncle ans dein äußersten rechten Flügel haben. Er verschaffte sich dadurch auf jeder, Fall die Möglichkeit, von beiden Endpunkte» des Vorsprungs der Lobaninsel aus, so nahe als es den großen Aer- r men der Donau nur geschehen konnte, zu manövriren. Mit dem Schlagen dieser Brücke begann denn nun die große Operation. ^ „Oudinot läßt Abends um 9 Uhr, da wo der Lobanarm in den Öauptstrom der Donau fließt, iüoo Voltigeurs auf Fähren » und Kähne, welche die Marine vorbereitet harte, cinschiffen. Sie ^ gehn damit nach dem linken Ufer über und sehen sich dort fest. Der erste Kanonenschuß Oudinots ist das Signal zu einem graßli- f chcn Feuer sämtlicher Batterien der Lobaninstl. D-e einen schieße» s aus die Werke des Feindes, die andern auf das Terrain seiner ^ Stellung und die mchrestcn anf Enzersborf und dessen Umgeb»»- gen. Unaufhörlich sicht man eine Menge brennender Bombe» »»b ! soanbiizen in der Luft. Mssrna schickt keiner Seits auch ross ! Min IN 5 Fähren auf das jenseitige Ufer; die erste hat Nsth ^,,ö Land zu komme». Die Soldaten werfen sich inS Wasser, stmnmnien anS User, ziehen sie heran und nun geht daü landen schnell von Statten. Die Posten des Feinde» werden überrumpelt n»d aufgehoben und die im Voraus gefertigten Brücken befestigt. Diejenige, welche aus einem einzigen Stücke nur besteht, ist, des niedrigen Wasserstandes ungeachtet, in b bis >» Munter, fercig. Das 4te Corps beginnt sogleich den Uebcrgang, welcher ans Fähren fortgesetzt wird. Auf der Aleranderinsel werden daun Brücken aus Flössen und Kähnen augefange». Die erste ist um ) Uhr, die Mite um - Uhr zu Stande gebracht; eine vierte wird weiter oben geschlagen; mit der fünften geht es schnell vorwärts. Die Kanonade dauert iimuittelst auf furchtbare Weise fort; Enzerödorf ist bald ei» Raub der Flammen- Der Feind antwortet den Brücken gegcuübzer nur schwach, donnert jedoch aus allen feinen Werken nachdem Terrain des ehemaligen Uebcrganges, wo er gla bt, daß unsre Armee vorrücken werde. Zu all' diesem Lärmen gesellt sich cin schreckliches Gewitter und ein Regen in Strömen, der eine außerordentliche Kälte hervorbringt. Die Arbeiten werden jedoch dadurch i» keiner Weise gestört. Napoleon ist überall; er läuft zu Fuße von einer Brücke zur andern, niittrn durch den Koth an den lschlüpsrigen Ufern umher, wo man alle Augenblicke fällt. In sau- lene, Artillerie, Kavallerie geht ohne Säumen über den Fluß und in dem Verhältnisse, als man auf dem linken Ufer Terrain gemimt. sichert Napoleon seine ersten Schritte. Schon im Voraus hat er den Gcnieofficicrs befohlen, vier ungeheure Feldschanzen mit 2 Faxen zu Deckung der Brücken auswerfen zu lassen. So imd denn jeder Schritt der Truppen, unter dem schrecklichsten, den L Feind aufreibenden Kugelregen, durch neue Werke gegen jeden Un- Ufall geschützt. Die feindliche Avantgarde, die sich in dieser Gegend befand, weicht fast ohne Schwerdstrcich und zieht sich, auf dazu eihaltenen Befehl, über Enzerödorf hinaus zurück! » „Bei dieser Menge von Brücken war doch cin Zeitraum von mehreren Stunden erforderlich, um ein so zahlreiches Heer als das unsere defilircn zu lassen. Die »och nicht formieren Corps der .jzmeitcu und dritten Linie kamen nach und nach an. Erst gegen 'Mittag wurde die erste Linie, dem ertheilten Befehle gemäß, perpendikulär vor der Donau also ausgestellt, daß Massen« den linken Flügel, Oudinvt und Bernadotte das Centrum und Davoust den echten Flügel bildeten. Diese Corps stehen nun Negimcnterweise l dichten Massen beisammen und nehmen auf diese Weise nur ei- d. LasiS Tagkb. 70. Bdch». >o iiü — neu ganz kleinen Raum ein. Die Arm» von Italien und die Garde sormircn mit dem ntcn Corps die ote Linie und die zza- rallcriereserve die öte. So wie der Nest der Armee ankdmmt oder nahet, läßt Napoleon seine erste Linie vomicken und sich fächerartig ausbreiten." Cs folgt nun die ausführliche Erzählung der berühmte» Schlacht bei Wagram, welche eben so sehr wegen der VewegmiM,, welche dieselbe vorbereitete» als wegen der augenblicklich"» große» ManeuverS, wodurch sie zu einer der längsten wurde, welche jemals geliefert worden sind — sie dauerte eine ganze Woche — so merkwürdig ist- Sie war außerdem aber noch eine der wichtigste» der neuern Zeit, theils wegen der großen Slreitkräfte die « beiden Seiten gegen einander kämpften, des großen Nuss der beiden einander gegcuüberstchcndcn Feldherr» und der Verluste, die ihre.Heere erlitten, theils wegen ihres großen Resultats, dcS Friedens von Wien. Sie gicbt dem V.rsaffer Stoff, zu dm lichtvollsten Darstellungen, zn den scharfsinnigsten Bemerkungen. Ich gehe jedoch sogleich zn den ersten Folgen der eigentlichen Schlacht über. Sie kostete den Oestcrreichcrn 24 ovc> Mann, an Todtc» ,nnd Verwundeten und 20000 Mann die gefangen in unsre Hände fiele» und dennoch waren Napoleons Erwartungen durchaus urÄ erfüllt. Die Armee warf einem seiner Anführer, über welchen sie schon bei Austerlitz, Jena, Than rc sich beklagt hatte, vor, daß er den Lten bei Wagram zu spät angegriffen und de» Ae» Aderklau, den Hauptplatz unsrer Stellung und den Stützpunkt der Manövrs Napoleons, ohne sich zu schlagen, geräumt habe, so daß dieser Ort nun der Stützpunkt des Widerstands und der Angriffe des Erzherzogs wurde. Vielleicht hätte sich dieser mit dem schlechten Benehmen der sremden Truppen, n-elche unter ihm staube», entschuldigen können, aber weit entfernt davon, erlaubte er ßw§ vielmehr gegen alle angenommene Sitte, eine eigne Proklamativ» «usgehn zn lassen, in welcher er jene, eine Colonnc von Gnmit nannte, wodurch allerdings die andern CorpS in Staunen gesetzt, und der Kaiser veranlaßt ward, ihn nach Frankreich zuruck z» schicken. „Napoleon theilt nun als Richter und Gefährte der große» Waffenthaten seiner braven Krieger, reichliche Belohnungen nutet sic aus. Er ruft, als er am folgenden Tage die italienische Armee die Revue passiven läßt, den Soldaten zu: Ihr seid brave ! j k Wte! ihr habt euch alle mit Ruhm bedeckt! In einer Proklamation, worinn der Kaiser der Armee seine Zufriedenheit zu erkenne» giebt, wendete er sich noch ins Besondere an daS Genie- tzorps, die Artillerie und die Pontonniers, welche durch ihre ungeheuren Arbertcn^allc diese Wunder vorbereitet hatten- „Noch auf dem Schlachtfelde ernannte Napoleon drei neue Marslliällc: Oudinot, Marmont und Macdonald. Sr umarmte dm letzter», den er, wegen früherer Meimingsverschlebenheiten von sich entfernt hatte und der neue, bis zu Thränen gerührte, Marschall ruft aus der Fülle seines Herzens, daß ihm dieses Herz von nun an mit unerschütterlicher Treue ergeben seyn werde; Napoleon hat in der Folge alle Ursache gehabt, die redliche Erfüllung dieser Zusage zu bezeugen. ^ Indem nun der Verfasser das Verhalten und die bei dieser sl Gelegenheit begang-nen Fehler des Erzherzogs durchgeht, sagt er,. ,: Was Napoleon betrifft, so zeigte er in dieser Schlacht die nämli- s ihc» Grundsätze, wie bei dem ganzen Feldzüge. Er hielt seine ff Truppen geschlossen und manövrirte damit von Innen nach Außen- ^ Kam ihm der Feind mit dem Angriffe zuvor, so beobachtete er i dessen Bewegungen und attaguirte dann seinerseits, sobald er den Moment dazu günstig fand. Nichts entging seinem Blicke, weder > die Gefahr seines linken Flügels und der Lcbauiusel, die sich selbst oertbeidigcn sollten — dorrhiu schickt er Dondet, noch die mißliche - Lage des rechten, wo cr, auf den Fall, daß der Erzherzog Johann !s einträfe, Davoust verstärkte. Indessen istihm doch manches sehr mißlun- 'i gen. Wäre der Slngriffam Lten gehörig erfolgt, so würde er das glück- ssh liche Resultat gegeben haben, daß des Erzherzogs Armee sogleich im Ccntrum dnrchschnittcn und in zwei Lhcilc getrennt worden wäre, denen man dann gewaltig hätte zusetzen-können und die, : weil der eine nach Böhmen, der andre nach Ungar» geworfen worden, nicht im Stande gewesen wären, sich wieder zu vereini- - gen. Die große Schlacht des folgenden Tages würde dann mit s alle» ihren Wechselstellen vermieden worden seyn. Hätte man nicht s am Llcn mit Tagesanbruch Aderklan ohne Schwerdstrcich verlassen - so würde die französische Armee, aus ihrer conccittUrten Stellung ^ >:üt frischer Kraft das cnibloßte Ccnlium des Feindes geworfen j rc> * haben und abermals über dessen rechten Flügel hergefallen sepn der dann aufgerleben oder in der Donau ersauft worden wäre ic. Der Erzherzog zog sich indes aber doch eiligst nach Bölnncn zurück und mit so großer Geschicklichkeit auch dieser Rückzug aus- geführt ward, so erweisen sich doch jetzt die Folgen der Schiacht, welche noch unglücklicher waren als deren Verlust selbst. An jedem Tage, i» jedem Augenblicke wurde dem feindliche» Heere ach Neue zugesetzt; cs war bedroht, einzeln aufgericbcn zu werden. Der Wiener Hof fühlte das ganze Gewicht dieser Gefahr und beeilte sich ihr zuvor zu komme». Als am >ote» Abends Massen« seine Vorthcile verfolgte, schon in die Vorstädte von Znaiin ein- gedrmigen war und nun die Stadt selbst nehmen wollte, erbeb sich plötzlich aus der ganzen Linie das Geschrei: hört auf mit Feuern! hört ans mit Feuern! Eine ösireichische Deputation mar zu Napoleon gekommen, um wegen des Friedens zu unterhandele und einen Waffenstillstand zu erbitte». Der letztere Punkt gab z« vieler Meinungsverschiedenheit bei der Armee und selbst unter dem Zelte des Kaisers Anlaß. Die wahrhaft kritische Lage der Lstrei- chischen Kriegsmacht war jedermann sichtbar und es glaubten viele, daß es Pflicht sei, unerbittlich den Preiß für so große Anstrengungen zu fodern, und einmal für immer mit einem Hofe zu Ende zu kommen, dessen Zusagen nie einen andern Zweck hatten, als Zeit zu gewinnen und neue Angriffe zu ersinnen. Napoleon selbst dachte anders; er ergriff die Feder und Unterzeichnete de» Waffenstillstand, mit den Worten: Es ist Bluts genug vergossen worden. „Nach diesem Waffenstillstände blieben die beiden Douauufel bis nach Raab, sammt allen teutschen Provinzen in unfern Händen. Unsre Truppen hielten sonach ein Drittel der ganzen östreichischen Monarchie mit einer Bevölkerung von 8 Millionen Einwohnern besetzt. Die feindliche Armee zog sich durch das nördliche Mähren dis über Presburg, nach dem übrigen Lhcile Ungarns zurück und überließ so die Verthcidiguug Böhmens blos dessen eigenen Streit- kräfteu. Dem Erzherzoge Karl wurde das Oberkommando abgenom- meu, doch blieb ihm. ohne seine militärischen Pläne in Betracht zu ziehen, das lebhafteste Interesse der französischen Krieger und — — selbst ihre Bewunderung, wegen seines persönlichen Muthes, wovon er so große Beweise abgelegt hatte. Sein Unglück sei dies, sagte man, daß er gegen Napoleon in die Schranken treten müssen n„d jeder meinte, daß kein General in Europa es so rühmlich, als er, gethan haben möchte. „Hier endete ein Feldzug von weniger als drei Monaten, wolei man sogar eine andre Art von stillschweigendem Waffenstillstände von 4Z Tagen Dauer, mit einrechnen kann — und welche Dinge sind in dieser kurzen Zeit geschehen? — welche Resultate daraus hervorgegangen!!! — „Der Sieg bei Wagram hatte auf die Gcmüther und die politischen Verhältnisse den gewohnten Einfluß. Napoleon eröffnete de» Feldzug in einer in der That furchtbaren Krise. Die Ligne gegen ihn war allgemein, wie ihre Machinationen, bis der Sieg lei Eckmühl die Uibclgcsinnten mit Schrecken erfüllte und alle Bewegungen im Zaume hielt. Die unglücklichen Ereignisse bei Eß- ling regten alles wieder auf und gaben neue Hoffnung, als die Schlacht bei Wagram sie abermals zu Boden schlug. Jeder nahm min wieder seine unterwürfige Stellung an, und häufte die Versicherungen seiner Ergebenheit und treuen Freundschaft. „Das englische Cabinet, das, so lange sich Oestreich schlug, demselben entweder nicht zu helfen wußte, oder ihm nicht beistc- hen wollte, eilte nun, als es geschlagen war, noch vor der Heimkehr der französischen Truppen, seine Unternehmung gegen den Hafen von Antwerpen auszuführcn, dessen Zerstörung ihm so sehr «m Herzen lag. Aus Ungeschick schlug sie fehl. Gleichwohl war diese Diversion hinreichend, nochmals die geheime» Hofflmngeu Lesireichs zu belebe» und es zog daher die Unterhandlungen in die Länge. In der Zwischenzeit konnte ein unvorhergesehener Zufall alle Plane über den Haufen werfen und der Lage Europa's eine ganz andre Richtung geben- Napoleon war nahe daran zu Echönbrun unter dem Messer eine» Fanatikers zu fallen. Wäre die That gelungen, wer konnte dann sagen, was in Europa geschehen sieyn würde!!! *) ') Ich habe es mit angehört, das der Kaiser eben diese Frage aufwarf, und st, in wenig Minuten durch Aufstellungen von acht biö >ehn »er« „Nachdem nun die Erpedicion von Antwerpen gescheitert W, nahm Napoleon einen ernste» Ton an und Lestrcich Unterzeichnete am e4. Oktober den Frieden von Wien, dessen Bedingungen - «ie die Angelegenheiten wirklich standen — wohl als neue Akte de, Gnade des Siegers betrachtet werden mußten. „Napoleon schonte also Ocstrcich abermals, weil er weit da- von entfernt war, eS aufreiben zu wollen, weil er dessen FoiM stehen zu seiner Politik für nvthig erachtete und weil er cs endlich durch Wchlthate» für sich zu gewinnen hoffte. Er hat schrecklich getauscht!!! — Man wird cs weiter oben in diesen heften schon irgendwo gefunden haben, wie er sichs als einen Fehler vorwarf, daß er Oestreich nach der Schlacht bei Wagram so grsj gelassen habe. „Ich sollte, sagte er, am folgenden Morgen, durch „Tagsbefehle bekannt machen, daß ich »ur nach erfolgter Tren- „nnng der Kronen von Oestreich, Ungarn und Böhmen, irclche „fortan auf vcrschiednen Häuptern stehen mußten, unterhandeln »/würde. " Hier wiederholt nun der Verfasser, nach einigen allgemeinen Betrachtungen über diese» herrlichen Feldzug, was hierbei das Vaterland in so kurzer Zeit der Thätigkeit, der Ausdauer, der Seclengröße, dem unermeßlichen Genie eines einzigen Mannes zu verdanken hatte; er beweist, daß der Ruhm, die Unabhängigkeit, der Glanz, das Glück dieses Vaterlandes das erste, baS einzige Streben dieses wahrhaft großen Mannes war, und zeigt am Schluffe, mit welcher außerordentlichen Mäßigung er sich bei seinem letzten Triumphe benommen habe. „Napoleon, sagt er, „der weit über seine Siege, weit über jeden gemeinen Ehrgeiz schiedenen Hypothesen, mit jener Neichhaliigkeit von Zdeen und di! Ausdrucks beantwortete, wie nur er cS konnte. Wenn ich nichts hiervon erwähnt habe, so geschah cS, weil ich keintn besontmi Nutzen dabei sah und bei vielerlei geh darstellende» Bedinkliihkiin« für besser hielt, das Game mit Stillschweigen zu übergehen. M der Schlußworte will ich hier gedenken: „Ich bin fest überieuzb „sagte er, daß meine Ermordung In Cchönbrunn Frankreich niind» „reS Unheil gebracht yobin würbe, al- meine engere Verbindung »>>> „Oestreich." r.„erhaben war, hatte sich selbst die höchste Bestimmung aufcrlcgt. r „Das Schicksal hatte ihn zum Dictator erhoben, zuerst von Frank- k „reich durch die Factionen, in welche eö sich theilte und seine Eri- H„sicnz geiahttete uud daun von ganz Europa, durch jenes feste Zusammenhalten seiner Feinde, ihre immerwährenden Angriffe, ihr „hartnäckiges Verweigern des allgemeinen Friedens. Er hielt die „Wiedergeburt desselben für unvermeidlich und wollte diese große „Mändcrung leiten. Auf der Höhe, wo er Lurch seine Weisheit, ^ „seine Uneigennützigkeit und seine Mäßigung stand, erkannte er ! A„daS wahre Bedürfniß der Zeit. An der Spitze der siegenden ! ff „PolkSsache wollte er mit den überwundenen Königen als Freund ! ^„unterhandeln u. s. w." ! ß Der Verfasser wird in meinem Buche mehr als einmal in D! Napoleons eigne» Worten Veranlassung zu dem Stolze sinden, I Maß er ihn so gut errathen hat; es muß ihm ein süßes Gefühl i ^gewähren, ihn, mit richtiger Beurthcilung seiner großen Sache,