Klopstocks sämmtliche Werke. S l c > ce t v p - A u S g a b e. Siebenter Band. Leipzig. Verlag von Georg Joachim Goschen. 184 i. Salomo Ein Trauerspiel. Personen. S 0 loINo . Cbalkol, Heman, Salomos Freunde. Darda, ^ Sarja, Nathan, der Prophet. Kor ah, der oberste Priester Molochs. Zepho, ein junger Priester desselben. Noch zwei andere Priester des Moloch. Zwei Männer aus dem Volke. Ein Chor Sänger. Semira, die jüngste Königin. Zwei Mütter mit ihren beiden Söhnen. Ein Chor Sängerinnen. Moloch, Chamos, die für Einstedler Molochs gehalten werden. Der Schauplatz ist ein großer Saal im Hause SalomvS. DaS Haus ist nab am Tempel. Vorrede. Es ist Einigen vielleicht nicht gleichgültig, zu wissen, daß sowohl der Tod Adams als dieses Trauerspiel, eine blos zufällige Folge von Betrachtungen sind, denen ich mich über die Situation unsers Stammvaters und Salomos nicht selten überlassen habe. Ich weiß wohl, daß ich, indem ich dieses sage, die Forderung meiner Leser, viel Wahrheit in diesen Stücken zu finden, für sehr gegründet erkläre. Ich habe auch nichts gegen diese Forderung; gleichwohl will ich dadurch gar nicht sagen, daß sie hier nicht viele Wahrheiten vergebens suchen werden, die sie, in einer Abhandlung über Salomos Anstand, gefunden hätten. Ohne also jetzt die überflüssige Anmerkung von dem großen Unterschiede einer Abhandlung und einer Tragödie zu machen; so kann ich doch die nicht ganz wcglassen, daß der Antheil, den Salomos Verstand an seinem Falle hatte, mit verkommen mußte, und daß es vielleicht die Hauptschwierigkeit dcS Stücks war, ihn so zu berühren, als es die Gesetze des Trauerspiels erlauben. Wenn ich Leser oder Zuschauer habe, die beim Empfinden auch denken mögen; so behaupte ich, eine Materie ge- wablt zu baben, die an Tragischem alle, die bisber berühmt geworden sind, übertrifft. Ich kann hiervon nichts weiter sagen, ohne zugleich von meiner Ausführung dieser Materie zu reden, und es wird mir immer schwer bleiben, mich hierzu bei irgend einer meiner Arbeiten zu entschließen. Unterdeß muß ich von dem Sylbenmafie, das ich andern vorgezogen habe- ein paar Worte sagen. Fünffüßige Verse wechseln mit sechsfüßigen ab, doch so, daß jene die herrschenden bleiben. Den jambischen Vers unterbricht bisweilen ein trochäischer, derjenige, den die Alten Hcndecasyllabus nannten/ Der Anapäst nimmt die Stelle des Jambus da ein, wo es die nothwendige Abwechselung oder der Inhalt zu erfordern schien. Und aus eben diesen Ursachen wird der Vers manchmal durch den Jonikus, den dritten Päon, oder auch durch den Pyrrhichius geschloffen. Ich hätte mir vielleicht mehr Abwechselung erlauben dürfen; allein ich habe es diesem Stücke angcmessner gefunden, mich auf die angeführte Weise einzuschränken. I u I) alt. Salvrnv. Ein Trauerspiel. ^ Hermann und die Fürsten. Sin Bardiet für die Schaubühne. 157 Dramatische Werke. Zweiter Band. s- Erste H >i n - l u n g. Personen. Chalkol. > Salomo. Darda. > Sarja. Erster Auftritt. Chalkol. Darda. Chalkol. Um Mitternacht ließ er uns zu sich rufen, Und nun bricht fast der trübe Tag schon an, Ein neuer trüber Tag, für ihn und uns; Und doch verweilt er noch, zu uns zu kommen? Dard a. So gönn' ihm denn die Ruh, wenn Ruh vielleicht Sich über ihn in kurzem Schlaf ergießt. Chalkol. Die gönn' ich ihm, doch mir auch gönn' ich Ruh, Die, weg von ihm, weit weg von ihm zu seynl Klopft vck, dram. Werlo. >> 1 2 Du weißt: ich bin zu stolz, vielleicht zu edel — Nenn's, wie du willst — das zu verhehlen, Was nur im Herzen ist. Ich liebt' ihn sonst; Wie liebt' ich ihn! jetzt lieb' ich ihn nicht mehr! Sonst war er Freund; jetzt ist er nichts, als König! Und, wenn nicht König, nur ein trüber Zweifler, Der mich und dich mit seinem Grübeln quält. Weiß er denn nicht, daß, seit aus schwarzen Locken Dieß Haar zu Silber ward, mir seine Krone, Sein Cedernhaus, und alles, was er hat, Dem Staube gleicht, auf den der Wandrer tritt? Ja, er war Freund, ich auch. So liebt' ich ihn; Jetzt lieb' ich ihn nicht mehr! Dar-a. Ich aber »och! Des Mitleids heiliges Gefühl mischt sich Bei mir ins heilige Gefühl der Freundschaft. Bist du nur Dessen Freund, der glücklich ist? Nicht Deß, den Elend stürzt und auch entschuldigt? Ist er nicht elend? Chalkol. Ach, war' er nur elend; So war ich mehr, als je, sein Freund, als du! Verläugnet er nicht Gott und dient den Götzen? Ist das auch Elend? Jarda. Ach, viel größer ist'S, Viel mitleidswürdiger, als alles Andre! Bei Dem, der lebt, und den ich nicht verlängne, Bleib' ich gleich standhaft des Verläugners Freund; Ich laß ihn eher nicht, als bis dieß Auge, 3 Vielleicht voll Dank, daß er gerettet ist, Sich in der Nacht des dunkeln Thales schließt. Ich lass' ihn dann auch nicht; denn ewig ist Die Freundschaft, ist hier nur in ihrer Kindheit. Chnlkol, Sein Freund in jener Welt? Mach dich von ihm In dieser los. Er wird dich dort nicht sehn. Du bleibst hier unserm Gott getreu; er nicht! Du wirst ihn dort nicht sehn! Daeva. Ach, stürze mich In diesen schwarzen, fürchterlichen Abgrund Von Neuem nicht. Den schreckenden Gedanken, Der, Nacht auf Nacht, mir häufet Tod auf Tod, Mag ich nicht denken! Challlo i. Viel zu sanft bist du, Au voll von Mitleid gegen ihn. Wer ists, Den er verließ? Ist es denn nicht Gott? D a rv a. Au sanft? Au mitleidsvoll? Ich bin's auch gegen mich! Chalkol. Was meinest du? v sag': Was meint mein theurer, Mein alter Freund? WärS möglich? Nein, unmöglich Ist das! Dardn. Was hieltst dn für unmöglich, Chalkol? Lhalllol. Daß du aus seinem Taumelkelch getrunken! Er dich mit fortgerissen, so wie er, Geblendet dich, getäuscht, betäubt, von Gott, Wie er, zu denken! D ard a. Ach, mein theurer Freund! Chalkol. Du machst mich starr! Bist du, wie er, geworden Gott Davids! so wie Salomo ist Darda! Schweig, Darda! überlaß mich ganz dem Tode Des schrecklichen Gedankens, ja, ihm ganz, Der Mord mir im Gebein ist! Darda. Höre mich, Und dann fahr' fort. Ich bin . . Chalkol. Nein, überlaß Mich mir. Was ist das Neue, das ich nie Noch empfand, das flammende Gefühl in mir? Ich hasse! ja Das ists, was in mir glüht, Ich hasse Salomo! das erste Mal In meinem Leben, einen Freund! ich Haff' ihn! Vom Himmel hat er dich gestürzt! zerschmettert! Vernichtet! Darda. Hat er nicht, erschüttert nur. Schutzengel seyd ihr mir gewesen! habt, Mein Chalkol, du, und Heman, mich gehalten. Ich denke nicht, wie er, von Gott! Ich fluche Dem ehrnen Götzen! fluche jedem Hain, Worin es Moloch dampft und sterbend wimmert In seinen Armen. 5 Chalkol. Preis sey unscrm Gott, Daß du mein Darda bist! D a cd o. Du kennest mich. Von Mitleid und von Wehmuth leicht durchdrungen, Und biegsam gegen Andrer Meinung, nehm' ich Zu vielen Theil vielleicht an eines Freundes Gedanken und Entschluß. So hat er mich Nicht hingestürzt; er hat mich nur erschüttert. Den Götzen wankt' ich niemals zu; ich fing Nur an, wenn mir der Wege Gottes einer Noch wunderbarer, als die andern, war, Nach seinem letzten Ziel hinaufzusteigen. Und, wenn ich's dann nicht fand, verachtet' ich Das menschliche Geschlecht und mich. Zuletzt Entdeckt' ich, daß ich unzufrieden selbst mit Gott Geworden war, daß er, zu Menschen nur, Und nicht zu Engeln uns erschaffen hätte! Da kehrt' ich schnell zurück. Gott sev gepriesen, Der mich erhielt und ihn vielleicht noch rettet! Chat Kol. Gott kann Das, wenn er will. Doch, wird er wollen? Ergriff ihn Gott, ihn loszureißen; er Entrönne, von ihm sich wegarbeitcnd, Gott! D arda. Du sprichst sein Urtheil streng. Chat Kol. Mein Wunsch und Urtheil Sind sehr verschieden. 6 Dar da. Du hoffst also gar nicht, Er werde wiederkehren? CHalkoI. Wiederkehren? Der heute noch dem Moloch opfert! er? Darva. Erinnre dich, da sie das letzte Mal Das Fest begingen, war er sehr vertieft: Ob dieß Mal auch die Knaben sterben sollten? C h a, k o l. Doch starben sie. Cr opfert'! Dard a. Seit der Feier Seh' ich ihn stets nachdenkender, vertiefter Und unruhvoller. Hoffst du denn allein Von diesem Allem nichts? ChalkoI. Allein? Von Dan Bis Berseba hofft Keiner. Du, sein edler, Au sanfter Freund, hoffst nur ! Davon. Sie seh'n ihn nicht. Und Horen ihn nicht reden; können sie Ein Urtheil fällen? ChaIkol. Seh' ich ihn nicht stets, Und hör' ihn reden? Darr a. Hast du nicht entdeckt, Daß er jetzt sich weniger, als vormals täuscht? 7 ChaIKol. Nicht weniger, nur anders tauscht er sich. Er treibt in seinen dürren Wüsten um, Und gräbt sich Brunnen, die kein Wasser geben. Denn den lebenden Quell hat er verlassen. D arva. Du kennst mich, Chalkol. Ich bin gar kein Hoffer. Ich hoffe nichts von ihm, ich hoffe zu Gott! Er werd' ihn retten. ChaiKo l. Finster ist vor mir Die Nacht, des schreckenden Gedankens Nacht: Gott wird ihn nun nicht retten. Denn zu lang Empört' er sich. Laß Salems Mauern stürzen! Vom Eckstein rauchend Blut des todten Säuglings, Und ans den Thoren und des Tempels Hallen Herunter triefen! Dieses Grauens Anblick Ertrug' ich eh', als daß er Israel, Dies, große Volk des Herrn zum Moloch führt, Und unsre Kinder diesem Götzen opfert. Darb a. Verschwind', v Bild von diesen Opfern! Lang Erwarten wir ihn schon; noch säumt er immer. Chalkol. Heut' ist mein letzter Tag mit ihm. Noch ein Mal Will ich ihm sagen, was ich von ihm denke, Damit ich ganz am Blut unschuldig sev, Das er vergeußt, unschuldig an den Seelen, Die er von Gott verführt. Dann will ich wieder Zn meiner Hütt' hinab ins Palmthal zieh», Und mir mein Grab bereiten. Denn wie lange ! l ^ Kann noch ein Leben dauern, dessen Los war, Zu sehn, daß Salomo, der Stern vom Himmel Hinab bis in des Moloch Abgrund fiel? Da cd n. Laß deinen Sohn für dich ein Grab bereiten, Und bleib. Denn Alles mußt du thnn, was du Zu thnn vermagst. Und wenn dann mitten drinn Dir's Gott gebeut, dann erst hör' ans und stirb! » Chalkol. Was ich bei Salomo zu thnn vermag. Das Alles kann ich heute ganz vollenden. Darda. Du willst ihn ganz verlassen? ich allein Soll bei ihm übrig bleiben? Denn dem Tode Naht Heman sich. Chalkol. Der Glückliche! nun wallt Er hinab, und hört, wenn sie auf Moloch glühn. Jetzt Ungebvr'ner Todesstimme nicht! Zweiter Auftritt. Die Vorigen. Salomo. Kalomo. Ist Heman nicht bei euch? Darda. Er liegt zu sterben. rx 9 Kalo m o. Schon oft schien er dem Tode nah, doch rief ihn Das Leben stets zurück. Er wird nicht sterben; Vielleicht sterb' ich vor ihm. An leben ist Viel bitt'rer, als der Tod. Chalkol. Das Leben jenseit Des Grabs kann bitt'rer seyn, als je der Tod Dem, der ihn fürchtet, war. Kalo ms. Hinüber, Chalkol! So weit hin sieht mein Blick nicht. Dieses Leben Ist reich genug an Qual, des Denkens Kreis Ganz auszufüllen, reich, verzeihenswerth Den Fluch zu machen, der die Stunde der Geburt Verflucht! Chalkol. Oft bäuchtet uns verzeihungswerth, Was Gott doch nicht verzeiht. Sind Thaten erst Gegraben in des Richters ehrne Tafeln, Als Sünde: so verlöscht sie nur die Rache, Wenn sie des Herrn Geheiß nun ganz gethan hat. Salomo. Du weißt also, der Hocherhabne strafe? Wenn nun die Geister unter ihm es thäten? Weißt du: ob sie gerecht sind? Doch wer kann ES auch hier unter dieser Sonne wissen, Die Nacht es werden läßt, wie in der Seele ' Bald Nacht ist und bald Tag? 10 ^ Chalkol. Dieß solls entscheiden, Daß Dessen Wahrheit, der sich offenbarte, Nicht mehr die Wahrheit sey? , Salomo. Mit dir zu streiten, Ist nicht mein Wille. Glaube, was du kannst! Und laß mich glauben, was ich kann! Doch mache, u Wofern du Das vermagst, mich minder elend! Chalkol. Des Elends erster Quell ist im Verstände. ' Der fließt herab ins Herz. Das überstrvmt Von Handlungen, von bösen oder guten, Nachdem der Urquell trüb ist, oder hell! Wie kann ich, willst du dich nicht überzeugen Durch Wahrheit lassen, denn dein Elend mindern? Kalo in o. , Im Herzen ist des Elends Ursprung. Spielt Nicht das Herz mit diesem folgsamen Verstände? Chalkol. Wofern mit ihm das deine spielt, so fordre Von mir nicht Hülfe. Salomo. Selber meine Freunde Vermvgen's nicht. Auch Dieß ist bittres Elend! Ein Ranch, dem Feind ein süßer Opferdampf, Mag dieses Haus verfliegen! meine Kinder Zerschmettert werden an den hohen Mauern Jerusalems; ich will es leichter tragen, Als was mir unter deiner Flügel Schatten, O Friede, dieß mein Herz verzehrt, das Leben 11 bum Tode macht, und kaum des Müden Zuflucht, Den Tod, noch bleiben läßt! Sie ist dahin Die Herrlichkeit, die mir gegeben ward! Dahin ist meine Weisheit, sammt der Ruh', Die sie mir gab! Wenn du es bist, o Moloch, Vor allen andern Geistern, Moloch, du, Der mir Dieß alles nahm; womit erzürnt' ich dich? Und Hab' ich dich erzürnt; so laß doch endlich, Durchs Blut so vieler Knaben dich versöhnen! Chol Kol. Warum erwähltest du den schrecklichsten Der Götzen? ihn, den nur das Blut der Menschen Versöhnt? Antworte mir's! Ich sragt' es dich Schon oft. Salomo. Ich wählt' ihn nicht allein; und dann, Ist er nicht aller Untergötter König? Und da er's ist, muß ich ihm denn nicht opfern, Wie's allen Völkern sein Gesetz gebeut? Und über Das, was ist der Knaben Blut? Stirbt der zu früh, der nicht unsterblich ist? Wir armer Staub, zu spät, wir sterben oft Zu spät, und nie zu früh. C h a l k o l. Ich schweige; du weißt es, Ich schwieg davon, o Salomo, nicht stets. Daß dich, dich selber, der so groß durch Weisheit war, Zum Göhenräuchercr dich Weiber machen konnten! Gewiß! du wärest auch zu stolz auf deine Weisheit! Sonst hätte sie ihr großer Geber dir Nicht genommen! und du warst, bis zum Moloch, So tief nicht, Salomo, herabgefallen! Und nicht, ach tiefer noch! bis zu der schrecklichen Entschuldigung des Bluts, das du vergoßest Und noch vergießen willst! Ich schone dein, Und will dir nicht beschreiben, wer du warst, Als du um Weisheit batest, und, ohne Stolz, Sie hattest. Zwar bin ich, du kennest mich als redlich, Dein Freund nicht mehr; doch will ich diesen Dolch Dir in dein Herz nicht stoßen. Kalo ni o. Einen stießest Du tief ins Herz mir, den: Ich bin dein Freund Nicht mehr! Sv will es denn mein finster Schicksal, Mit Eisen ward's in Felsen eingegraben: Ach, meine Freunde soll ich auch verlieren! Mein Sarja reist' hinab nach Ophir, kam nicht wieder! Schon schlummert Ethan. Heman will ihm folgen! Und du, verlassen willst du, Chalkol, mich! Du auch, mein Darda? Darda. Ich? Wie könnt' ich Das? Salomo. Verlaß, verlaß mich auch, damit mein Elend Vollkommen sey! damit ich, statt zu weinen, Verstummen müsse! kWLtÄ 13 Dritter Auftritt. ' Chalkol. Darda. Darda. Wie war deinem Herzen Das möglich? Chalkol. Meinst du denn, daß mir mein Herz Nicht blutete? Doch wollt' ich redlich handeln; So mußt' ich ihm es sagen. Tief gefallen, Sehr tief, ist Salomo! Ach, Gott verläßt ihn; Er achtets nicht! Ein Sterblicher verläßt ihn, Ein Staub, wie er; nur das kann ihn erschüttern! Darda. Ich kenne dich darin nicht, Chalkol, daß du nichts Von sanfter Schonung mehr zu wissen scheinst. Chalkol. Du willst, daß deinen Freund, deß Herz zu groß. Das heißt zu menschlich war, durch Krieg zu schimmern. Durch schonende Gelindigkeit zum Kinde Ich machen, und das Kind verachten soll. Dard a. Ach Mitleid, Mitleid, Chalkol! weißt du denn, Ob unser Gott mit ihm nicht Mitleid habe? Drum Hab' es auch! Wer heilt die tiefe Wunde, Durch die ihm seine ganze Seele blutet. Wenn wirs nicht thun? Siehst du den Müden dort, Der durch die Cederngänge wanket? Mühsam Geht er einher, von schwerem Gram belastet. Chnlko l. Ich kenn' ihn nicht. 14 DarLa. Wen» er nur Hemans Tod Und nicht verkündigt! Sieh, er steigt herauf Zu uns. Wer er auch sey; was Trauriges Wird er verkündigen. Denn nichts, als Elend, Erwart' ich heut. Vierter Auftritt. T>ie Porigen. Karg«. Sarja. Seyd mir gegrüßt, ihr Männer. Mehr Freude sey mit euch, als mit mir war! Lebt Salomo? ach, wie entsetz' ich mich! ich eilt' Und forschte nicht; denn auf des Oelbergs Höhn Bereiten sie dem Götzen Moloch Opfer. Der Tag brach eben au und schien auf Moloch her. Wer herrscht in Juda jetzt? Ich komm' aus Ophir. Ach, lebt mein Vater noch? Ich zitterte Au fragen, Hab' auch Keinen noch gefragt; Daß Nathans Tod mir Keiner sagen könnte! Nun halt' ich's nicht mehr aus. Lebt Nathan noch Dein Vater lebt! Darda. C halbst. O Fremdling, bist du Sarja? Sarja. Das sey dem Herrn gedankt! Mein Vater lebt! Nun will ich'S gern, was ich — ja, ich bin Sarja Was ich in Ophir litt, und an dem Nilus, Vergessen will ich's gern; denn Nathan lebt! Wer aber herrschet jetzt? Rehabeam? Und Der fiel ab von Gott? Ihr schweigt. Wer seyd ihr? Doch Ammvriter nicht? Ach, Salomo Mein Freund, ist schon zu David hingegangen, Au David und zu Gott! Chat Kol. Dahin wird er Nicht gehn. Er ist's, er ist's, der Moloch opfert! Sar^a. Ist hier kein Ruhesitz? Ihr seht, mich halt Mein Stab nicht mehr! . . (Cr s-pl ga, weder.) Die Sonne ging schon auf; Doch ist es so dunkel hier? Doch, als ich kam, War's ja auch hier schon Tag. Du Gott der Götter, O stärke mich, damit ich Nathan sehe! Der Götter Gott, und auch des Thiers voll Blut, Das Moloch heißt. Au lang hast du gelebt, Mein theurer Vater! Wo ist Salomo? D arda. Nicht fern von uns in seiner Sommerlaube. Er ging durch diese Thür. Wir sind gewöhnt, Daß er bald zu uns kömmt, bald wieder geht. Sarja lindem er anfsteht). Ich war sein Freund! Wer leitet mich hinab Au meinem Vater? denn von Freud' und Schmerz Bin ich ermattet. D a r d a. Nathan muß vorher Erfahren, daß sein Sohn gekommen ist, Damit ihn nicht die schnelle Freude tödtc. 16 Karja. Sie wird so schnell nicht seyn. Der trübe Blick Des Greises wird sogleich den Sohn nicht kennen. Darda. Doch deine Stimme kennt er. Wiedersehn Wird er in jener Welt dich, hier nicht mehr. Sarsa, Sv ist er blind? Das war doch stets das Los Der armen Sterblichen, daß Bitterkeit Sich selbst in ihre besten Freuden mischte. Und oft, ach oft ist mir dieß Los gefallen. Chalkol. Ich gehe mit hinab zu deinem Vater. Komm, Sarja. Varda. Aber wenn nun Salomo Anrückkvmmt, mich allein, nicht Sarja findet? Chalkol. So sag' ihm, Sarja sey zuerst zu ihm Gekommen, Hab' es drauf gehört! . . und sey Gegangen, daß er seinen Vater sehe. Fünfter Auftritt. Darba. Auch dieser Freund verlaßt ihn! Salomo, Mein Freund, wie mannigfalt sind deine Leiden, Wie bitter sind sie! Ach, du riefest sie Au dir herab von Gott! Nun sind sie da! O welche Zeit war die, da Feu'r vom Himmel 17 Die Opfer zündete, die er dem Herrn Im neuen, nun geweihten Tempel brachte, Daß vor der Herrlichkeit des Herrn die Priester Nicht vermochten zu stehn. Sie sind vorüber, Der Tugend und der Weisheit heitre Tage, Und Todesnächte sind auf sie gefolgt! Sechster Auftritt. Salomo. Aarda. Salomo. Du bist allein, v du vor allen Andern Mir klebriger? Ach, wenn in meine Seele Noch Freude käme, nicht ihr Quell in mir Versiegt war', Alles nicht in mir in Nacht Verwandelt; so würd' ich mich freuen können, Bei dir zu seyn; doch nun. . Darva. Ich möchte sprechen, Und schweigen auch. Entscheide meine Wahl. Kalo ni o. Verstumme! nur nicht ganz. Ein Wort verlangt Dein Freund von dir. Darda. Und welches, Salomo? Kalo m o. Ach, wünsche mir den Tod! Du zögerst? Sprich Es feierlich aus, dieß Wort. Verwünsche mich Klopstock. drom. Werk. >1 2 18 Dem Tode! Dich erhört vielleicht das Schicksal; Mich hört es nicht. Denn satt bin ich, zu forschen, Satt, mühsam in des Denkens Labyrinth Herum zu kriechen und kein Licht zu finden, Nichts, das mir Wahrheit sey. Viel ist euch Wahrheit; Mir nicht! Und daß du mein Vertraun zu dir Ganz kennest, ganz erfährst, wie unglückselig Ich bin; so höre den trübsten aller Zweifel, Der, wie ein Wetter, mich verfolgt, an alle Felsen Der Oed', in der ich irre, mich hinschmettert Und sterbend schmachten läßt! Doch hör' ihn nicht, Wie könnt' ich, hoffnungslos, daß er mir helfe, Auch meinen Freund in meine Leiden stürzen. Darda. Mehr leid' ich, wenn du schweigst, als wenn du redest. Und dann ist Hülfe zwar mein Mitleid nicht; Doch ist es Lindrung. Salomo. Hör' ihn denn, mein Darda. Vernehmt ihn auch, ihr Geister, die mit Schwermuth Mein Herz bestecken, das sonst Freude war. Schwebt all' umher, seht all' auf mich, ihr Götter, Auf euer Schauspiel, das ihr elend macht. Der Gott, den Abraham, den Moses glauben, Und unser Volk, der ist der gnädigste, Der weiseste, der mächtigste, der erste Vor allen Göttern, aller Götter Schöpfer! Doch ist er viel zu groß, ist viel zu erhaben. Sich bis zu dieser Welt herabzulassen, Und Herr des Staubs zu seyn. 19 Darda. Hör' auf, ich sinke, Und mein Gebein erstarrt. Salomo. Verwünsche dem Tode mich! Das thu'; doch fluche deinem Freunde nicht! Denn was ich sagt', ist mir nicht ganz gewiß; Doch däucht mich's wahr! Nach langer Nächte Grübeln, Fand ich nichts Anders aus, wenn ich den Guten Erdulden, und den Bösen glücklich sah! Dardn. Gott der Götter! verzeih's, wenn ich nicht würdig Von deiner Weisheit rede. Sind denn einst Nicht Strafen und nicht Lohn? Ist dieses Leben Denn nicht des Lebens Kindheit, daß die Seele Dort ewig lebt? Und dann: der gnädigste. Der weiseste, der mächtigste, der erste Vor allen Göttern, aller Götter Schöpfer, Nennt er sich selber nicht der Menschen Herrn? Und welches Zeugniß gleicht dem hohen Zeugniß, Das sich der Gott der Götter selber gibt? Salomo. Du schreckest mich! Und ach, wofern ich irre, So ist's ein tiefer, grauenvoller Abgrund, Worein ich fiel. Doch höre mich, und fluche Mir nicht. Wer lehrt dich denn, daß, nach dem Leben, Das du des Lebens Kindheit nennst, ein anders Und ewiges sey? Enthüllte Moses dieß? Auch leugn' ich nicht, daß unsre Väter glaubten, Der Schöpfer lasse sich herab, ein Herr 20 Der Welt zu seyn, vor Allen unsers Volks. Wer lehrte sie's? L> arda. Der Herrscher lehrte sie's! Salomo. Sv lehrt' er's mich denn auch! Wie könnt' er's Den Denn jemals lehren, der nunmehr dran zweifelt? Dar» a. War David denn nicht fromm, weil er auch ein Mal Ein Böser war? Kalo in o. Du überzeugst mich nicht! D ard a. Versammelt werden unsre Freunde dich Mehr überzeugen können. Salomo. Dir nur wollt' ich Das anvertraun, was meine Seele trübt. Drum schweig. Daria. Viel eher können Einen Viele, Als Einer Einen leiten. Kalo m o. Eher auch Verirren. Schweig, und unverletzlich sey Das heilige Vertrau» der Freundschaft dir. Daria. Ich freute mich, daß du nun endlich wieder Dich anvertrautest, und nicht mehr verbärgst, Was dich verwirrt; nun freu' ich mich nicht mehr. 2l S a l a m a. Du hattest Freud', o Darda. Sage mir: Wie ist es dem Menschen, wenn er Freude hat? Darda. Wie dir's gleich seyn wird. Denn dein alter Freund Kam heut vom fernen Ophir endlich wieder, Dein Sarja. Kal am a. Sarja kam? Von Ophir, sagst du? Kennst du ihn denn? Ich Hab' ihn todt gehalten! Mir kömmt er nicht von Ophirs goldnen Flüssen; Mir kömmt er aus des Todes Thale wieder! Aus jener Nacht, aus der sonst Keiner wiederkehrt, Aus der mein Darda nicht zu mir zurück, Ich nicht zurück zu meinem Darda komme! Wo ist er? D arda. Sieh, er ging hinab mit Chalkol Au seinem Vater. Kala m a. Schon ist sie dahin. Die Freude, daß mir Sarja wiederkam! Sehr kurz warst du, sehr schnell bist du entstehn, Du Einzige, nach so viel leeren Tagen, Nicht leer an Schwermut!-. Denn er horte Nathan, Vernahm, wer heut zum Opfer auf dem Oelberg Drommeten läßt. Bring' ihn herauf zu mir. Geh, meinen Sarja will ich gleichwohl sehn. 22 Siebenter Auftritt» Salomo. ^ Vom Grabe kam mein Sarja wieder! hinunter Will Heman gehn! Der Königinnen jüngste Erscheint nun bald mit ihren Todesopfern, Den Blumen Israels. Die gehn voran, Eh' Heman geht! Und sollen sie denn gehn? Gott Hort mich nicht! Und stets noch säum' ich zu sterben? Zweite Handlung. Personen. Sa l v m o. Semira. Dir Sängerinnen. Die beiden Mütter. Sarja. Chalkol. He man. Darda. Erster Auftritt. Sarga. Lhalkol. Darda. Hcman. Ka rf a. Er kömmt noch nicht. So sehr vergaß er mich? C h a I k o l. Cr fürchtet dich zu sehn, weil du bei Nathan warst. Cr wird noch länger säumen. Bald begleiten Die Königinnen zum Altar die Knaben! Drum gebet eilend Rath: Ob's möglich sey, Ihn wenigstens von dieses Festes Blute In retten. Wichtig ist's, der Nationen Geschick zu wägen, wenn in ernster Versammlung 24 Es Weife thun. Viel wichtiger deucht mich's, des Einen, Der unser Freund und Judas König ist, Errettung auszufindcn. Voll von Ehrfurcht Betrachtet' ich euch stets; ehrwürdiger Sepd ihr mir heute. Hcman. Mich gebühret nur Zu hören. Denn ich habe keinen Theil An dieser Erde mehr. Mein Grab ist mir Bereitet, und ich ihm. Chalko t. Drum laß noch diese That Dir folgen, Heman: Theil an seiner Rettung Zu haben! Sie wird dir der Kronen Eine mehr. Hcma n. Sprecht, die ihr lebt, zuerst. Chalkal. O Sarja? Was ist dein Rath, Sarg». Kenn' ich ihn, wie er nun ist? Was kann ich Anders thun - als mich mir selbst Ganz überlassen, und, mit offner Freiheit, Von ihm, ihm selber sagen, was ich denke? C h a l k o l. Wohlan, du Redlicher, ich bin dein Freund! Und Darda? Varva. Biegen wir sein Herz nicht, o ihr Freunde; So ist's umsonst, daß wir mit jedem Lichte Der Wahrheit ihn umgeben. 25 O Darda? Chalkol. Wer kann Das, D arda. Gott nur kann's; ich weiß cs wohl. Drum ist mein Herz auch schwer, denk' ich den Ausgang Deß, das wir wünschen. C h a l k o l. Steil ist wohl der Weg Zu ihm hinauf, doch unersteiglich nicht. So schnell, wie du, will ich zurück nicht sinken. Du (;» H-m-m) schweigst, mein theurer Freund, der bald dahin Nun geht, wo Freunde keine Thränen scheiden, Wie wir um Salomo vergießen müssen. H c m a ii. Wenn auch mein Leib mir nicht die müde Seele Belastete; so war der Schmerz um ihn Doch stark genug, unfähig mich zu machen Zur Heilung seiner todeSvollen Wunde. Was kann ich thun, als Abschied von ihm nehmen? Chaldo!. Das laßt uns alle thun. Dann geh' ein Jeder Zu seiner Hütt' hinab, zur stillern Heman. Doch eh wir's thun, erinnr' ihn Jeder noch, So stark er kann, an Den, von dem er wich. Dncda. Verlassen sollt' ich ihn? Chat Kol. Ja, ihn verlassen! Vielleicht erschüttert Dieses seines Stolzes Verstiegne Weisheit. 26 DarLa. Nein, er ist nicht stolz; Er irret nur. Verlassen? Das, ihr Freunde, Das kann ich nicht! Chalkol. Um ihn zu retten, nicht? Varda. Wer sagt mir, daß ich ihn dadurch errette? ChalKol. So bleib denn, Zeuge seines Götzendienstes Und im Gericht sein ernsterer Verkläger Zu seyn! Darda. Vor bitterm Schmerz möcbt' ich verstummen; Denn ach, du redest wahr! , H - ma n. Es ist zu viel Für mich, und mein schon fast erstarrter Leib Erliegt. Ich muß von euch, eh' ich ihn sehe, Mich trennen. Nehmt denn meinen letzten Segen, Ihr Theuren, von mir an, auch Sarja, du, Ob ich dich gleich in meinem Leben ein Mal Nur sah, zum Grabe, weg von dir zu gehn. Mit euch sei) Gott! Ihr müffet's noch erleben, Dieß Labsal müff' euch einst im Tod erquicken, Ach, mich erquickt es nicht, daß Salomo Zu Dem noch wiederkehrt, von dem er wich, Deß Herrlichkeit er sah auf seines Tempels Altar' herunterflammen! Wer liebt ihn Und mich so sehr, daß er mir seine Botschaft Hinüber bringen will? 27 Chalkol. Ich, Heman! D a rd a. Ach wer eilte Nlcht gern zu dir zuerst hinüber und brächte Dir diese Botschaft? Hci» an. Aber was soll ich Von ihm zu David sagen, wenn ich komme? Ihr Alle seyd verstummt. Was soll ich sagen, Wenn nun sein großer Vater ans dem Glanze, Der ihn umgibt, zu mir herunterstrahlt, Und freudig seines Sohnes Namen nennt? D «r d a. Ach, leb', o Heman noch, damit auch du Des Sohnes Namen vor dem Vater freudig Aussprechen könnest. Chalkol. Meint ihr denn, der Verderber, Der Siebzigtausend schlug von Berseba bis Dan, Der stehend zwischen Erd' und Himmel hielt Ein bloßes Schwert in seiner rechten Hand Und von Arafna's Tenn' es über Salem Ausstreckte, habe nicht schon Salomo Mit Moloch's Namen an des Richters Thron Genannt? Darda. Sv sage David denn von ihm, Daß wir für ihn zu Gott um Rettung weinen, > e- :> -'H 28 lind fleh' ihn an, daß er mit unfern Thränen Die heiligen, erhvrteren des Himmels Vermische! Hcma ii. Leitet mich (sie führen ihn jN einem Sitze) ; ich sinke sonst! Es dämmert sehr um mich. Gebt mir, ihr Theuren, Auch einen Segen mit, den: Sanft zn sterben! Darda. Ich seh', o Heman, dich mit Ehrfurcht an, Dich fast Unsterblichen! Wir sollen dich? Du mußt uns, Heman, segnen! Lhalkoi. Schaut ihn an! Sein Haupt ist noch nicht grau und doch . . O Salomo! Sein Gram, sein bittrer Gram um dich, ergriff, Awar langsam todtend, aber dennoch tödtend, Ein schleichend Feuer, ihm sein Mark und Bein! Und sieh' er stirbt! Er war dein Freund, der stirbt. Verstumm' in mir, Verwünschung! Hcmaii. Ja verstummen Laß sie und klag' ihn so nicht an. Ich lege Mich hin und sterbe, weil ich sterblich bin. Das ist es Alles. Lhalllol. Wo ist, du Geliebter, Dein Grab? Hcina >i. Bei Ethan's Grab'. Ich trage dir Die Todesfackel! Laß zu deiner Linken Mich schlummern. Darda. Mit Arabiens Gerüchen Umwind' ich dir dein Haupt und Herz! Laß mich Au deinen Füßen rnhn. Doch segne mich CH' du entschläfst. Hem an. Ich Hab' euch schon gesegnet. Erlebts, wonach ihr. . . Zweiter Auftritt. D>ic Porigen. Salomo. Salomo. Sei) gegrüßt, v Sarja, Mein alter Freund. Karg a. Mein Herr und König, Gott Verleih' dir langes Leben. Salomo. Langes Leben? Das werde dir! Ich hielt dich für todt. Du kömmst Aus Ophir endlich wieder? Sarga. Auch vom Nilus. Viel Menschen sah ich und viel Müh' und Elend Der Menschen. Satt bin ich, was unter der Sonne Geschieht, zn sehn. Mich theilten Freud' und Schmerz; Du und mein Vater! Denn den frommen Greis Zu sehn. Das hofft ich nicht. Doch wie es war, So ist's nun auch. Mich theileu Freud' und Schmerz! Ich kam vom Jordan her. Der Tag brach an, Nach meiner Wandrung letzten Nacht. Ich sah Jerusalem, und ach vor ihr, auf ihren Höhn, Den Chamos und sogar den fürchterlichen Moloch! Da glaubt' ich, du wärst todt! doch, ach du lebst! Kalo m o. Wer machte dich zum Richter meiner Thaten? Sar^ a. Zum Richter nicht, doch zum Erinnerer Macht mich die Furcht des Herrn und meine Freundschaft. Du weißt, ich bin ein Mann voll Ernst und Einfalt! Dazu die eitle Müh' der Menschen, die ich sah, Hat sie mir kleiner noch als sonst und Gott Nur groß gemacht! Kalo m o. Am Strome warst du, Sarja. Was hast du dort gesehn? SarHr. Einen König, Den ich verachten mußte. Salomo. Sisack meinst du? Der herrscht doch noch? Sarga. Ja, Der! doch herrscht mit ihm. Wer keinen Waisen kennt, der Wittwen Sache 31 Nicht hört und schnell unschuldig Blut vergeußt. So tritt der Schwelger unter seine Füße Das göttliche Geschenk, das Gott auf Erden Den Menschen gab, die Macht, Unzähliger Glückseligkeit zu seyn! Auch ist bei Sisack Ein Mann aus Euphrat«, dein Feind, der wohnt In seiner Burg und ist gewaltig im Lande. Salomo. Wie heißt dieser Mann? SaiJa. Jerobeam. Kalo in a. Jerobeam bei Sisack? O, ihr Götter! Lh,u Kol. Die nennest du? und dennoch hat ihn Gott Dahin gesandt, der Gott, der ihm zehn Stämme Und Rettung gab, als du ihn tödten wolltest. Sarza. Erstaunen und Entsetzen überfällt mich! Ihn tödten? Was sagtet ihr? Chalkol (ja Salomo). Darf ich davon mit ihm Vor deinem strengen Blicke reden? Salomo. Fragst du, Eh du, vor mir, mit einem Freunde sprichst Von Dingen, die geschah'»? LhalKo l. So hör' denn, Sarja: Als Salomo die Hohn errichtet hatte. Da kam zu ihm der Seher Davids, Gab. 32 Sar^a. Mein Vater Nathan nicht? Salomo. War' Der gekommen; So wärs nicht, wie es ist. Ich kenne Gad Und den aus Silo nicht genug. Chalkol. Du klagst Des Herrn Propheten jetzt als Täuscher an? Das thatest du nicht vordem, Das rhnst du nur, Seitdem du Molochs Priester kennst. Ich schweige, Und wiederholen mag ich nicht den Ausspruch Des Gottes der Götter, den du so entweihst. O war' nicht David, nicht Jerusalem, So würden früher dir die Stämme genommen, So wäre der Erfüllung Donnerschlage In stillen Wolken bis zu deinem Tode Zu schlummern nicht geboten! Kar^ a. Fahr du fort! Denn ich entweihe nicht den Ausspruch Deß, Der es sagt und thut, Verheißung sey's, sey's Fluch! Chalkol. „Entreißen wird der Herr, so sagte Gad Zu Salomo, zehn Stämme deinem Reich, Um Davids willen und Jerusalems, Nicht dir, doch deinem Sohn!" Und eben Dieß Vernahm Jerobeam von dem ans Silo. Und gleichwohl wollte Den, den Gott mit zwein Der Worte seines Throns gewaltig schlitzte, Den wollte Salomo erwürgen! Entronnen Ist er und sicher! KarHi. - Ihn erhöht stets mehr Aegyptus König. Denn dem ist es Freude, Daß er ein Krieger ist. Kömmt er nur nicht Mit Waffen und befleckt die letzten deiner Jahre Mit Kriegesblute. Salomo c.i>! Hemon). Du, mein theurer Freund, Ermattest sehr. Hema ii. Ich würd' es nicht erleben, Wenn auch sehr bald der Streiter Ephratas Vom Strome kam' und deine grauen Haare, Der du stets friedsam warst, mit Kriegesblut Entheiligte! Kalo in o. Wenn Blut der Herr beschloß So säumt nicht, ihr, du Bogen und dn Pfeil, Die mir erkoren sind. Ertöne bald, Dn Bogen! rausch' einher geflügelt, Pfeil! Und triff! Chalkol. Der Rache rufst du? Weckst den Donner, Der schläft? Kalo m o. Der Rache ruf' ich nicht, doch bin ich Au leben satt! Klo pflock, droni. Werke, n. 3 34 Chalkol. Ich auch. Denn mir sind alle Freuden Dahin, seitdem du nicht mehr Gottes bist! Salomo. Bin ich nicht Gottes mehr, weil unerforschlich Mir seine Wege sind? Kennt er mich nicht, Weils mir zu schwer ist, ihn zu kennen? Kann Ich entfliehn, von ihm beherrscht zu werden, wofern er So tief sich niederläßt, mich zu beherrschen? CHalko l. Er kennt dich, Sarja! (öS wird von fern Musik gohort) dieser Schall verkündigt Die jüngste Königin. Sie kömmt und zeigt Die Knaben Salomo, die er dem Moloch Heut' opfern wird. S a r s a. Dazu bin ich, so fern her, Aus unzähligen Gefahren gekommen, Daß ich dieß säh'? Willst du sie wirklich opfern, O Salomo? Dritter Auftritt. Die Vorige». Semira. Iwei verhüllte Mütter mit ihren beiden Söhnen. Ein Lhor Sängerinnen. K c m i r a. Sieh da, wie dir die Königinnen Die Knaben wählten. Der ist seiner Mutter Erstgeborner! und der ihr Einziger! Jungfrauen, fangt sein Lied dem Moloch an! Die Kling crinnen. Streuet Blumen vor ihm. Blendend und rachevoll Glüht er! Lilien streut um den Altar herum. Daß die Knaben durch Blumen In des Glühenden Arme gehn! ^ Hallt, Posaunen, umher, daß, wer zu menschlich ist, Nicht vernehme das Ach derer, die sterblich sind! Schweigt, Posaunen, daß Stärkre Hören, was sic im Tode flehn! Ha! du glühst, du glühst, Moloch. Die Knaben sind Schon durch Kränze geweiht. Hörst du? der Mütter Schmerz Seufzt, und ist dir des Jammcrns Deiner Knaben Verkündiger. Kalo m o. Semira, nimm, statt dieser vielgefärbten, Nur weiße Blumen. Denn unschuldig sind die Knaben. Chalkol (zu Semira). Nimm breite, starke, dickgeschwollne Blätter, Die dunkelsten von jenem Tvdesbaum, Wie er in Ophir wächst, und dessen Hauch Fern vergiftet, die nimm und überschatte Die Knaben ganz damit! Semira. Ha! Salomo, Hat dieser keinen Sohn? Chat Kot (»u Semira). Mein jüngster ist In dieser Knaben Atter. Die ri u c Mutter cfic fällt vor Salome nieder). Herr nnd König! Erbarmung! Herr nnd König! ach, Erbarmung! Fall nieder, Kind! Er ist mein Einziger! Und dieser Mann 38 Weil stets dein Wink zu reden mir verbot! Ich war zu schwach. Soll ichs auch heute seyn? Soll ich dir keinen Segen hinterlaffen? Dir stehn, daß du . . Kalomo. Ein Wurm den andern segnen, Daß er im Staub ein wenig länger krieche? Verlaß mich! He m an. Ja, ich will dich bald verlassen! Was aber soll ich jenem großen Todten, Der des künftigen Heils des Herrn gewiß war, Was soll ich ihm von dir denn sagen? Kalamo. Rede, Was du zu reden hast in dieser Welt! Das Grab ist stumm. H e in a n. Verblende dich denn ganz; Ich thue doch, was meine Pflicht gebeut. Wenn nun mein Geist, vom stummen Grabe fern, Mit dem Jubelgesang der Himmel aufsteigt, Was soll ich dann von dir den Vätern sagen? Du schweigst? Kalo in o. Ich schone dein. H c IN an. Du schonest dein! Und willst des ernsten, himmlischen Gedankens nicht! Er möchte dich, wenn er zu lebhaft würde, Auf seiner Wage wägen und zu leicht Dich finden. Wenn ich nun an dessen Thron, Der richtet, lieg', und für die Gnade danke. Durch die auch ich, auch ich gerettet ward, Und dann vom Throne mir ein Donner ruft, Und Davids Sohn zugleich mit Moloch nennt! . . Dardn. Hör' auf! Cr ist bis in der Seele Tiefen Erschüttert! Schon' ihn! Kalo m o. Nicht überzeugt! Ja, bewegt bin ich; Hcman. Ich schonte sein zu oft! Was soll ich deinem Vater sagen? Kalo n, o. « Sag' ihm, Geh', sag' ihm . . . ach, ich träume fast wie du! H c m a ». Mein theurcr Freund, noch nie war meine Seele So lebhaft ihres Wachens sich bewußt, Als jetzt. Je mehr mein Leib daniedcrsinkt, Je Heller flammt mein Geist empor, je stärker Empfindet er, daß sein Gefährt nur stirbt, Nicht er. Kalo m o. Du weißt, ich liebe dich, und gönne Dir deine Ruhe gern! H c in a ii. Könnt' ich dir Ruhe Von Gott erstehn in meiner Todesstunde! 40 Kalo m o. Sprich mir nicht von erstehn! hört Gott denn herunter Auf eines Staubes Gebet, deins? oder meins? He man. Zerrissen, Salomo, und tief verwundet Ist deine Seele. Kannst du, scharfer Forscher, Auf Einen Augenblick nur glauben, daß etwas Dem Ewigen groß, oder klein sey? Kalo ni o. Klein ist Das Kleine, groß das Große, selbst vor dem, Der Beides machte . . . Doch du kamst, um Abschied Von mir zu nehmen. Thn's! nur nicht auf immer! Den nehm' ich nicht. Ich sehe dich noch wieder. Hcinan. Mich wieder? Ja! doch nicht in dieser Welt! Mein sterblicher, jetzt sterbender Genoß, Mein Leib wird mir zu schwer! Ich muß uun gehn. Noch lauge lebe denn! Salomo. Nicht diesen Abschied; Sonst flieh' ich dich! Hcman. Ach, lebe lange noch. Zu Gott, von dem du wichst, zurückzukehren. Verlangst du dieß und soll ich dein Verlangen Dem großen Tobten sagen, der dich zeugte? Kalo in o. Bin ich von Gott gewichen? Können wirs? Was können wir? Führt er uns Arme nicht, 41 Wie's ihm gefällt? Läßt er uns nicht vielmehr In Staub uns krümmen, bis wir drin verwesen? Heina in Bei dem, der ewig lebt, ach, denk nicht so Von ihm! Lern, Salomo, des Hohen Hohe! Und denk nicht klein von Gott! Groß ist der Herr, Daß er sich aller, die er schuf, erbarme! Zu dem geh' ich. Was soll ich von dir sagen An seinem Throne? Daß du wiederkehrst? Salomo. Ich wich nicht ab! He man. Du Fels im Meere! du stolze, Du hohe Stirn! auf ewig deines Wahns! Das ists, das soll ich dem, der richtet, sagen? Kalo m o. Verlaß mich! Hcman. Wärs zum letztenmale nicht, Daß ich dich sehe, würd' ich schnell gehorchen! Allein ein zweiter noch, (den fürchtet' ich, Den nicht!) ein trüberer, ein grauenvoller, Ein blutender, mein ganzes Herze blutet! Ein Abschied voll Entsetzen ist mir übrig! Entfernt auch von den schwächsten Hoffnungen Des Wiedersehns, ein ewiger! Denn, ach! Du wichst nichr ab! Stein ist dein Herz! dein Auge Nacht! Salomo. Heman auch, der immer sanfte Freund, Kann Heman so mit seinem Freunde reden? 42 Hema n. Erinnerung! ein Dolchstoß in mein Herz! Ein Mord in Mark und Bein, jetzt, da ich Abschied Auf ewig nahm! Ich war dein Freund! ach, könnt' rchs Noch seyn! Gott lieb' ich mehr! Ich ehre dich; Gott bet' ich an! Entscheide du nun selbst: Ob ich, als einen Freund, den lieben dürfe, Der Gott verkennt, aus starrem Eigensinn! Aus Stolz! Kalo m ». Ich bet' ihn tiefer an, als ihr! Denn mir ist er, die Menschen zu beherrschen Viel zu erhaben! H cnian. Will der Herr so tief Denn angebetet seyn? Hat er es nicht Uns offenbart! Er sey der Menschen Herr! Doch dein Verstand nicht irret; nur dein Herz Empört sich und ist der Wahrheit Hasser! Salomo. Dein Leib, der jetzt mehr erdwärts sinket, trübt, Umnebelt deine Seele. So geschwächt, Glaubst du, ich sey der Wahrheit Hasser. Heitre Dich, Heman, auf, und denke nicht zu viel Hinab ins Grab und seine schwarzen Schrecken. H c», a ». Ich denke mehr hinauf. Denn nicht mein Geist Verwest. S a lom o. Hinauf? Wohin denn? An deinen Vater! Salomo, Hcma n. K a I o in a. Bist du denn so sehr, So fest gewiß, daß etwas anders noch, Als zum Gebeine Gebein versammelt werde? Hc m a n. Ich bins! Und einst, dn seyst eS, oder nicht, Wird doch dein Geist zu andrer Tobten Geistern, Vielleicht zu deiner Väter Seelen kommen; Entsetzliches Vielleicht! Mit dem soll ich Nun durch die Nacht der Todesschattcn gehn! Mein Weilen greift zu sehr mich au. Ich sinke Beinah vor dir. Ich würde, säumt ich länger, Vor deinen Augen sterben. D ar-a. Komm, du Bester, Ich bleibe, bis ans dunkle Thal, bei dir. Hcman. Nun, Sohn des frommen Manns, zu dem ich gehe, Nun, Salomo, so scheid' ich denn von dir! Auf ewig? Dard a. Schweig! Es wird rings um mich Nacht! Erbarmt euch mein! Ich halte diesen Abschied Nicht aus! dieß Weggehn nicht, nicht diese Wehmuth Die letzten, letzten Blicke nicht! Nein, Heman, Du Theurer! so will ich nicht Abschied nehmen, Ich will dich Wiedersehn, dich Wiedersehn! Das soll dein Todcsblick mir freudig sagen! 4L Mein Auge dich alsdann hinauf begleiten In Gott! Saloin o. So ist es denn beschlossen, Heman? So gilt es denn das fürchterliche Scheiden, Das ernste, letzte, letzte Lebewohl, Ach, wessen? Eines Freundes? H cm an. Ernster ist Auf Erden nichts, und selber nichts im Himmel, Als dieser Abschied, als dieß bange letzte Nicht Lebewohl! das nicht! ach, als dieß letzte Verstummen! D a rv a. Säume nicht. Du sinkest ja! Und, ach, zu sichtbar deckt dich Todesblässe! Kalo m ». Bei Gott beschwor' ich euch: Verlaßt mich nicht! Chalk ol. Bei Gott? Beim Moloch? - Fünfter Auftritt. Salomo. Sarga. Salomo. Ha! zu viel war das! Der Abschied! Und das andre Dolchwort! Moloch §u viel zum Ueberleben! 45 Sechster Auftritt. Sarg«. Engel des Himmels! Wie traucrvoll war das! Was soll ich thun? Was nicht? Wie sie, ihn auch verlassen? Ihm Nacheilen? vor ihm niederfallen? flehn, Daß er, mit Thränen flehn, zu Gott umkehre? Soll ich hinab zu meiner Hütte gehen, Und über ihn mit meinem Vater weinen? Was soll ich thun? Dazu kehrt' ich zurück? Dazu? Ach, Salomo, mein Freund! mein Freund! Von welcher Höh bist du heruntergestürzt! Dritte Handlung. Personen. Salomo. Chalkol, Darda. Z c p h o. Dir Sänger. Semira. Die Sängerinnen. Die Eine Mntter. Erster Auftritt. Salomo. Lhalkol. Salomo (indem er mit Chalkol auS der Sommerlaube tritt). Es ist beschlossen, Chalkol. Lhalkol. Nicht als Freund, Als König, hast du mich zu dir gerufen. Drum mußt' ich kommen. Was beschlössest du? Der Knaben Leben? oder ihren Tod? Noch hallt der Berg. Soll ich hinauf gehn, deinen Wink Verkündigen? Kalo »i o. Der Knaben Schicksal laß Den Göttern. Mich und dich gehn sie nichts an. Chalkol. Ihr Blut geht nah dich an, sehr nah! Salomo. Es fall' Ihr Los nun, wie es kann. Ich habe nichts geboten. Doch wenn mein Schweigen nicht die Königinnen hält; Sv sterben sie. Chalkol. So rufet gegen dich Ihr Blut gen Himmel. Salomo. Schweig. Was Wichtigers Beschäftigt meine ganze Seele. Beschlossen, Beschlossen ist's! Chalkol. Und was hast du beschlossen? Salomo. Au sterben! Chalkol. Das? sehr laut weckst du der Erfüllung Verborgnen Donner auf! Salomo. Ich geh' hinüber, Au sehn, was Wahrheit sey. Chalkol. Vielleicht siehst du Dort keine Wahrheit mehr, allein Gericht Siehst du gewiß! 48 Salomo. Ob dieß auch Wahrheit sey? Drum geh' ich auch! Chalkol. Du könntest hier sie lernen? Salomo. Hier, Chalkvl? Ehmals wähnt' ichs auch wie du. Ruf mir Rehabeam. Chalkol. Was soll der Jüngling? Salomo. Ein kleiner König seyn! Chalkol. Klein, oder groß! Wie Gott sie macht, so müssen alle seyn, Der König und der Wandrer ohne Hütte! Und so, so ist es gut! Kalo in o. Allein, wenn Elend, Von Elend überlastet, auf uns stürzt! So ist das ein laut Geheiß, Glückseligkeit In einer andern Welt zu suchen. Chalkol. Gott Gebietet also nicht. Gebietet er; So sendet er den Tod! Kalo m o. Wie weißt du das? Chalkol. Von Sinai. Salomo. Hat das der Sinai gesagt? Cr sagt' es nicht. Bring mir Rehabeam. Chalbol. Ich könnte gehn, und würd' auf mich dein Blut Nicht laden, wenn ich dir auch nichts mehr sagte. Allein ich war dein Freund. Mit meiner Freundschaft, Und jedem Ernste, der sie heilig macht, Beschwör' ich dich: Ruf nicht durch einen Selbstmord, Mit dieser Donnerstimme nicht, der Rache Des Ewigen! Salom o. Das thu' ich nicht. Wir beide Verwesen einst. Das ist es alles, Chalkol. Chnlkol. Verwesen oder nicht verwesen, entscheidet Die große Sache nicht. Dem Herrn gehorchen! Entsche-idet nur. Allein du Horst mich nicht. So höre denn das Urtheil jenseits des Grabes, Das deiner wartet! (Er wendet sich von Salomo weg.) Wenn hier einer schwebt Der Engel Gottes, welcher Mitleid hat; So zeige bald dein Mitleid, Engel Gottes! Denn schau, am Abgrund steht er dicht, ganz nah Am Grabe. Salomo. Was erschüttert deine Seele So ungestüm? Was sagt die bange Stimme, Die bricht und stirbt? Du fluchtest mir doch nicht? Klo pflock, dram. Worke. II. 4 50 Chalkol. Das that ich nicht. Doch hätt' ich dir geflucht, Was würd' es dich denn kümmern? Dich, der Gottes Fluch verachtet und ihn, als wär's ein Säuseln, Das fürchterliche Wetter Gottes vom Ebal, Als wär's ein sanftes Wehn, vernimmt. Salomo. Ich kenne Nichts Sanftes mehr! Sturm ist mein Herz und Wetter, Und Todesnacht! Du wirst auch kommen, Stille Des Todes, wirst, du schreckenvolle Stille! Auch kommen. Zweiter Auftritt. Die Porigen. Darda. Darda (zu Salomo, indem er ihm die Hand reicht und ihn kngi). Da ist HemanS kalte Hand, Und dieser ist sein Abschiedskuß an dich! Kalo m o. Auch deine Hand ist kalt vom Tod'. Ihr Götter! So hat er denn den fürchterlichen Schritt Gethan? Darda. Den fürchterlichen? Freudig ist er Den Flug zu Gott geflogen. Stürben Engel, Sie stürben so! Lhalkol. Ich folge dir, mein Heman! 51 Vergossen ist sein Blut zwar nicht, doch wär's So früh noch nicht erstarrt: wofern du nicht. . Ich schweige! Doch wird dir in deiner Todesstunde Auch deines Freundes Blut, wie ich, verstummen? Salomo. Du machst es stets in meiner Seele finstrer! Laß ab von mir. So komm' ich nicht zu Gott! Ach, meines Hemans Blut ruft nicht um Rache! Er war mein Freund und sanfter, als du bist! Chat ko i. So denkst du noch daran zu Gott zu kommen? Scy heiliger, durch diese Wiederkunft, O, unsers frommen Freundes Todestag! Kalo ni o. Was sagt' er denn zuletzt von mir? Darva. Mir fehlt Die Kraft, ihm nachzusprechen, wie er sprach, So sterbend er auch war. Die Segen Gottes, Die deine Jugend überströmten, fleht' er Auf dich herab. Salomo. Und werden sie auf mich Herunter kommen? Ach, noch fühl' ich keinen. Erhöret dieses Sterbenden Gebet Der Herr nicht, so erhört er keins! Doch sage: Blieb er denn stets gewiß, er sey unsterblich? DarVa. Die Augen brachen ihm, er bliebs! Er hörte Kaum meine Worte mehr und bliebs! Sein Stammeln Sprach noch von dir und von Unsterblichkeit! 52 Kalo«»». Ein Licht, das schnell noch einmal aufflammt, schnell Erlöscht. Das ist es Alles. Hat denn etwa Ihn Gott erhört? Ihr sagt's doch nicht? Du cm Ch-MM willst Zuerst ihm folgen? Ich will zuerst Dem theuren Heman folgen! Lhalkol. Sehr bewegt Warst du, und doch führt dich selbst dieser Tobte Zu Gott nicht! wer kann dich zu ihm nun führen? Salomo. Nicht Wehmuth, Strenge nicht, der Tod! Chaikol. Sv hoffst du Unsterblichkeit? Salomo. Ich wünsche sie und will Sie suchen da, wo sie zu finden ist, Wenn sie das ist! Lhnlkoi. Du findest ganz gewiß Unsterblichkeit; doch welche schreckenvolle, Wenn du sie also suchst! Darda (zu Chalkol). Will Salomo Sich selber tödten? 53 Dritter Auftritt. Die Porigen. Zcpho. Cr kömmt sehr eilend. Lepho. Siebenmal ist schon Die Glut im Moloch wieder angestammt! Voll Erwartung stehn und bleich die Königinnen! Fast athemlos erschallen die Posaunen! Die Mütter liegen bei den Opferknaben Beinahe todt, und doch will unser Gott, Daß sie die Knaben sterben sehn und hören. Und selbst der Weihkranz um der Opfer Haupt Verwelkt vor Glut, und dock gebeutst du nichts? Noch säumst du? Sollen denn die Königinnen Vor ganz Jerusalem voll Schani znrückgehn! S a l o m o. Habt ihr noch nicht geopfert? fleuch! Vierter Auftritt. Salomo. Chalkol. Dar-a. Salomo (mich einigem Stillschweigen). Du den Boten, Darda? Erblickst Darda. lieber Hemans Tod Ist noch mein Blick von Thränen trüb', ich seh' Den Boten nicht. 54 Chalkol. Ich aber seh' ihn eilen. Von ihm fliegt Staub zurück, zurück sein Haar. Salomo. Eil', eil' ihm nach und bring' ihn her zu mir. Fünfter Auftritt. Salomo. Darda. Dard a. Des Boten Schritt wird Chalkol nicht erreichen. Sehr schnell wandt er sich um und hörte kaum, Was du ihm sagtest, aus. So werden denn In dem glühenden. Arm die Opferknaben Zerflossen seyn, eh' Chalkols ferne Stimme Vernommen wird. Du schweigst? Kalo m o. Ach, war' ich nur Auf ewig schon verstummt. Es sind nur zwei! O wärens mehr, so würd' ihr Blut mich schrecken! Sv würdest du, Verzweiflung, endlich mich Ergreifen, ungestüm hinunter mich stürzen! Denn hinunter ins Thal des Todes will ich! In seine Tief' hinab. Darva. Wer bist du geworden? Sehr menschlich warst du sonst. Jetzt wünschest du Mehr Blut noch. Schreit denn dieß nicht laut genug? 55 Weckt's denn nicht stark genug das schon vergoßne Ans seinem schlummernden Verstummen auf? Kalo i» o. Wohlan, ich will allein und ohne Blut, Mit kaltem Ernst und nicht von dir, Verzweiflung, Ergriffen, so will ich hinuntergehn. Se» ruhig wegen meiner Menschlichkeit! Aus keines Kindes Wunde soll mehr Blut, Kein Blut mehr aus der dangen Mutter Auge, Aus diesen starren Adern soll's nur fließen! Darda. Besänftige, Salomo, dein Herz und überdenk Noch Einmal deinen fürchterlichen Entschluß! Kaloni o. Wen Elend, wie mein Elend ist, umringt, Der mühet sich umsonst zu überdenken. Das Elend reißt ihn fort! Darda. So wende dich Zu Gott. Kalomo. Ach, eisern war für mein Gebet Sein Himmel. Dard a. Gott schickt oft zum Leidenden Erhorung spät herab; doch schickt er sie. Wie kennen wir der Hülfe Weg, den er Im Dunkeln wandeln wird? Kalo m o. Hier hilft er nicht. Er überläßt die armen Menschen sich selbst. 56 Dort, wenn ein Dort für uns bereitet ist, Dort hilft er. Drnm laß mich zu Heman gehn! Darda. Verzweiflung reißt dich fort! Sie bringt zu Heman nicht. Drum bleib bei uns. Salomo. Um länger zu verwesen? Dieß auf des Alters Lager zu beginnen? Zu endigen im Grabe? Darda. Dieses ist Das allgemeine Los der sterblichen Menschen. Salomo. Ist minder traurig, weils auf aller Haupt Ach! auf ein ganz Geschlecht der Schöpfung fiel. Darda. Dort in den Svmmerlauben um uns sind Der sanften Harmonien Chöre. Sie warten Auf dein Geheiß. Sonst konnte deine Seele Der Sänger heitern, und des sanften Liedes Begleiterin, die leise goldne Saite. Kalo m o. Macht, was ihr wollt, doch überlaßt mich nur Mir und meinem Entschluß. Darda. Ich seh' es stäuben Von fern und einen in dem Staube kommen. Ich kenn' ihn nicht. Doch däucht mich's Chalkol. Langsam Geht er einher. 57 Kalo m o. Es komme, wer's auch ist, Schnell oder säumend. D ard a. Nun erkenn' ich Chalkol. Er ist's, und traurig zögernd naht er sich: Die Knaben sind dahin. Ihr armen Mütter! Nicht jene nur, so die nun Tobten gebaren, Ihr andern auch, ihr Mutter Israels, Die dieses sahn! Kalo m o. Was sahn? D a rd a. Was Chalkol uns Bald sagen wird. Kalo mo. Erwart' es, Darda, denn! DarL a. O müßt' ich's nicht erwarten! War' ein Schatten Von Hoffnung nur, ihr Blut sey nicht geflossen. Es floß, es floß! Ihr Unglückseligen! Ihr Mütter! . . Jetzo gekränzt und lebend und blühend Todt dann, auf Einmal todt! schnell Staub darauf! 58 Sechster Auftritt. Die Vorigen. Chalkol. Darda (nachdem Chalkol eine Welle stillschweigend stehn geblieben ist). Hast du uns Nichts zu sagen, Chalkol? Chalkol. Nichts! Dar- a. Warst du nicht auf dem Berge? Chalkol. Lieblich weht Auf ihm die Morgenluft. Darda. So eiltest du Der Königinnen Voten denn nicht nach? Chalkol. Empor geschwungen müsse dessen Sohn, Müsse blutig herab au einen Eckstein Geschmettert werden, und sein alter Vater Zerquetscht, zermalmt vom ehrnen Wagen der Krieger, Wer ohne Thränen sehn kann, was ich sah! Darda. Schon' unser, Chalkol und erzähle nichts. Chalkol. Hier schweigen? hier? der Sohn des Abgrunds kam Mir schnell zuvor, lind, opfert! rief er hinauf Zum Altar, opfert! Gleich begannen die Priester Ihr dumpfes Murmeln; ihren Todtengesang 59 Posaun' und Cymbel. Auf erhabnen-Stufen, In doppelter Reih', und dicht zusammengedrängt Bis ganz hinauf zum Moloch, standen sie Und reichten sich die Knaben, ein Verderber Dem andern zu. Beim Fuß ergriffen sie die Knaben! Die weinten laut, und laut erscholl umher Ein Mitleid, Salomo, das du nicht hattest! Darauf. . Schnell zischt' und floß vom Glühenden Ihr schwarzes Blut und Hirn herab. Da verhüllten Die Mütter alle sich! . . Verhüll' dich auch, Damit du nicht das fürchterliche Schweben Der Seelen um dich siehst. Salomo (nach einigem Stillschweigen). So sind sie tvdt? Sind wirklich tvdt?.. Du schreckst mich, Blut.. Gehorcht' er dir Denn nicht? dir nicht? Chalkol. Er sah mich hinter sich, Und zum Gewittersturm ward seine Flucht! Ich ruft' ihm nach! Allein des Lechzenden Crstorbne Stimme Hort' er nicht, und hätte Selbst eines Donners Stimme nicht gehört! Kalo m o. Sv lang' ich opferte, hat mich noch nie Der Knaben Blut erschreckt. Jetzt däucht michs, ich höre Ihr Jammern um mich her. Chalkol. (Er wendet sich weg.) Schrei laut, o Blut! Ruf' ihn zurück zu Gott! 60 Salomo. Bringt mir die Sänger Mit ihren Harfen her, daß meiner Seele Diese Bilder entfliehn, und sich zur Stille Mein Herz besänftige. alkol. So soll der Greis, den ich mit Müh' erflehte. Der durch die lange Dunkelheit herauf Gestiegen ist, mit stummer Traurigkeit, Und Thränen in dem lange thränenlosen Erstarrten Aug', hinunter wieder gehn? Salomo. Was soll er hier? Den Moloch frag' ich jetzt! Der Priester ruft, durch ihn, der Tobten Einen Zu mir herauf. C h a l k o l. Ein Geist, den Molochs Priester Heraufrnft, soll dich jenen Rathschluß lehren, Den Gott nur kennt? der Knaben Blut durchdrang 74 Dein Herz, und du begannst zurück zu Gott Au kehren. Dieses thatest du, tiefer noch, Als je, herabzusinken? Nach der Ankunft, Bei deines Götzen Bild', ein Frager zu werden? cle>s- ,n Darr») Ein Geist der Hölle muß Der seyn, der dieses Bild Erfand und sich in ihm anbeten läßt; Wie könnte Salomo sonst so viel Nacht verfinstern? Kalo m o. Ihr unternehmt vergebens, mich den Wahn Au lehren, daß den Hocherhabnen, Ihn, Ich fragen dürfe? Lhaiboi. Wenn du bis zu Gott Dich nicht erheben darfst; so frage nur Die Götzen nicht. Statt Molochs, statt der Tobten, Die er vermag zu senden, frage mich! Die Ankunft kenn' ich nicht; allein ich kenne Des Richters Weg, den er im Dunkeln geht Mit denen, die zu weit von ibm sich sondern. Lorah. O König, frage diesen Mann. Cr weiß Mehr als die Götter! - Lhalkol. Ja, er weiß, daß dein Mit aller ihrer Qual die Hölle wartet! Und daß das Dursten ihrer heißen Ungeduld Nach Verbrechern, als der, der vor mir dasteht, Umsonst nicht lange schmachtet! Lorah. Schmachtete Nur Moloch und seiner Altäre Glut nach dir! 75 Vierter Auftritt. Die Vorigen. "Nathan. Sarga. Karja (ju Nathan. indem er ihn langsam hereinführt). Wir treten jetzt herein zn ihm. Ist der c,n Chaikoo Nicht Molochs in der Dammrnng dort? N a t h a n. Was fragst du So bang? S a eg a. Es ist bei ihm ein Priester Molochs. N a t h a n. Sind seine Freunde denn bei ihm nicht mehr? Chat Kol. Wir auch. Uath a n. Mein König und mein Herr! sie haben Mich Sterbenden zn dir heraufgebracht, Daß du durch mich den Gott der Götter fragest! Ich weiß nicht, ob du willst? K a l o m o. Ich sandt', o Nathan, Sie nicht. Nathan. So laß mich hier ein wenig ruh'n, Dann wieder gehn. Kalo in o. Leit' ihn, damit er ruhe, Sarja. Natha ». O, wäre mein Weg so kurz zum Grabe! lIndem er sich hlngesetzt hat.) ChalK 0 l. Nathan, Mein Vater! Salomo fragt Moloch heut, Den stummen Götzen, mehr von dem zn wissen, Was Gott verkündigt hat. Ä orah. Bleibt ihr nur hier, Und höret was die Geister Molochs sagen, Und sehet dann, ob, was sie sagen, geschieht. Thal Kol. Geschieht? Ja, wenn sie dir verkündigten . . Daß du . . Doch meine Seele fühlt sich zu hoch. Mit dir noch mehr zu reden, Priester! Lorah. Au hoch nicht, dein zu spotten! Meine Fünfter Auftritt. Die Vorigen. Zepho. Zwei andre Priester. Mloloch. Chamos. Nathan. Wessen ist Dieß Rauschen, Sohn? Wer sind die Kommenden? 77 Sarja. Mit Urnen, Priester Molochs, und verhüllt, Mit Fackeln in der Hand, zwei andre Männer. Moloch (leise, indem zugleich ein Geräusch durch das Niedersetze» der Urnen entsteht). O Chamos, die sind wir, sind Sterbliche nur! Chnlkol. Was setzt ihr Beiden da an Molochs Altar Für Urnen hin? Chamos (auch leise). ' — Antworte, Moloch, du! Ist nicht die Asche dein? Lorah. Der Opferknaben Staub Ist drin! und dran ihr Blut! Nathan. Dank seys dem Herrn Daß mir durch ihn das Licht des Tages verlosch! Chalkol. ' Wer se»d ihr beiden Todtenfrager dort, Ihr, die verhüllt, die trüben Flammen tragen? Und die einander so viel Geheimes sagten? Von Moloch, glaub' ich und der Tobten Ankunft. Moloch. Und Wer bist dn ? Chalkol. Der Knechte Gottes Einer? Moloch. Des Moloch? 78 Chalkol. So, Elender, fragst du mich? Des Gottes Knecht bin ich, der Erd' und Himmel, Und auch das Erzt erschuf, woraus ihr Moloche gießt! Der Dulder ist und dann Verderber schnell, Wenn nun der Rache reif die Lhaten sind. Molo ch. Den kenn' ich nicht! Chalkol. Du kennst ihn nicht und bebst, Da ich vor dir den Hocherhabnen nenne? Korah (zu de» Priestern). Streut Opferkörner in des Altars Glut, Damit der Duft des lieblichen Geruchs Den Gott, ans seiner Trunkenheit des Bluts, Er, aus der Nacht, der Tobten Geister wecke. (Indem die Priester Weihrauch aufstreuu.) Auf, Moloch, auf! dein Altar glühet dir, Und wallend steigen wolkichte Gerüche! Chalkol . Des Todten Namen? ChalKoi. Nenne, nenn' ihn nickt! Und tritt den einen Schritt nicht vor, den du Noch bis zum Abgrund hast. Kalo m o. Du hast, zuerst Durch deinen Rath, denn, o wie dürft' ich Gott! Die Todten zu fragen, mich verleitet. ChalKol. Gott Rieth ich zu fragen. Nicht von mir verleitet, Ganz ohne mich, fragst du die Hölle! Kalo m o. Wie dürft' ich, War' ich auch unbefleckt vom Opferblut, Den Hochcrhabnen, Großen, Ersten fragen? Was kümmert ihn der Pfeil Jerobcams Nach Blute dürstend? und der Staub wen-i a»f a») vor euch? Auch frag' ich nicht die Hölle, Götter sinds! Drum laß mich fragen, denen Mcnschenschicksal Zu klein nicht ist. Beinah' ist's Moloch selber zu klein. Er sendet Geister, die antworten müssen. Kor ah (zu Moloch leise). Hast du's gehört? Selbst Moloch! Ha! was sind Wir ihm, da unser Gott ihm das nur ist? Glüh, Rache, glüh! verzehr' ihn, Rache der Hölle! Moloch. Ja, diese! 80 Salomo. Wartet denn! Bald nenn' ich euch Den Geist. Die Wahl » o. Auch zu fragen? Chalkol (,» Salomo). Er müßte fürchten, daß der Fragen zwo Zugleich erschallten, ein' im Himmel, in der Hölle Die andre! Kalo ili o. Darda, und du gehest auch? Dard a. Was kann ich sonst thun, als verstummen und fliehn Klop stock, dram. Werke, n. 6 Sechster Auftritt. Salomo. Lhalkol. Die vier Priester. Moloch. Lhamos. Salomo (m Chalko». Du fürchtest doch des Tvdten Ankunft nicht? Chalkoi. Nicht den die Korah rufen, aber der, Den Frager und den Rufer zu bestrafen, Erscheinen kann, ist mir, um deinetwillen, Sehr furchtbar! Salomo. Bleib' im Cederngange. Weiht c,u de» Priester») Euch völlig. Mir ist nur des Tvdten Wahl Noch schwer; allein ich komme bald zurück. Siebenter Auftritt. Die vier Priester. Moloch. Chamos. Äorah (zu den Priestern). Sprecht ihr im Cederngange mit diesem Chalkol, Und hindcrts, daß er nicht zum König geh': So will ich, von des Gartens Seite, mich Der Ssmmerlaube nah». Ich bringe vielleicht Ihn bald zurück. Denn lange müssen wir Ihn sich nicht überlassen. Einsiedler! Geht nicht von hier, und nährt die Flamme des Altars! 83 Achter Auftritt. INoloch. Chamos. Moloch. (Er murmelt d!eß dem Korah nach, da dieser weggcht.) Doch auch des Abgrunds Tvdter? Ha, wie dampfte Der Knaben Blut an meinem Bild empor! Und hörtest du ihr Röcheln? Sähest du Verstummen, Chamos, Tobten gleich, die Mütter? Chamos. Ich Haffe dich! Mir opfern sie kein Blut Der Menschen! Moloch. Hasse mich! doch hör' es nur Und sieh's, mich auch, wenn ich gleich einer Nacht, Um mein glühendes Bild, den Knabenmörder, Hoch im Triumphe schwebe! Doch was ist Ihr Blut? Die Seelen waren ja nicht mein! Chamos. Ich Haff', ich hasse dich! Moloch. Vergeh' vor Wuth! Denn Salomo ist mein! C h a m o s. Auch mein, du Stolzer! Und der Höll'! Er ist ein allgemeines Gut! Moloch. Es sei,! Doch laß uns auch zusammen uns Des großen Raubes freun! Mich däucht, ich reiß ihn schon Gekettet an den ehernen Wagen des Siegs Zur diamantnen Pfvrt' hinunter, rauschend Wie Donnerhall, und schnell wie sie, hinunter Den Riesen! Ll, a i» o s. Schneller noch, ein lauter Herold, Schweb' ich vorher, und kündig' es an! Moloch. Dann horcht Dem Donncrhalle von oben her der Sohn Jsai's nach, bis er sich dumpf verliert! Dann steht mir Satan auf! Verstehst du auch, Den Blnmengott, und nicht des Bluts! durchglüht Auch dieses Stolzes Flammenstrom dich ganz, Daß der, so fiel, gestürzt vom Himmel herab, Ein Riese fiel? Chamos. Aufschwellender Verderber! Dein lach' ich! Führt' ich ihn durch Blumen nicht Zum Blut? Moloch. Wofern du meine höh're Große Dich blendest einzusehn; so sep nicht blind Zu sehn, was ich dir jetzt entfalten will. Groß sind wir, groß! Uns beten Erd' und Meer, Nur völlig noch dieß kleine Land nicht an; Allein sein König! Und wer war, der uns Jetzt anbctet, vordem? War einer weiser, Begnadigter einer von Gott, als er? Der Sand am Meere, Nichts sind uns gegen ihn die Völker alle! Allein was ist uns mehr noch, als selbst er? Moloch. Sv lern' es denn. Viel gute Seelen, Die weise, doch zugleich verführbar sind, Und die er uns verführt! Er macht sie, zwischen Gott, Und einem Heere dunkler Zweifel, schwanken! ^ C h n in o s. Sind sie drum unser? Moloch. Nein, das sind sie nicht; Allein sie stehen doch am Hange des Abgrunds! Schläfst du ans deinen Blumen stets und merkst Nicht auf? Viel ihrer leugnen schon sehr viel. Sie hielten uns für Götter nie; allein Für Das doch, was wir sind. Nun haben sie Uns ans der Wesen Reih' heransgewähnt. Undinge sind wir ihnen! L h a m o s. Ha! die Pest, Die ihre Todesdünst' in Finsternissen Versammelt hat, ein Unding? Moloch. Oft erschallt Mein Hohngelächter, daß ich zwar nicht bin, Allein doch bis zur Höll' hinab verderbe'. du jenen nach. W -'4 W D i Dreizehnter Auftritt. Salomo. Chalkol. Korah. Die beiden andern Priester. Kalo in o. Was wars? Was sahst? Was hörtest du? Chalkol. Merkst du denn nicht, Daß er ganz sinnlos ist? Kalo m o. Siehst du mich nicht? Hörst du mich, Korah, nicht? Auf, bringt ihn weg! M- IÄ ' 93 Vierzehnter Auftritt. Salomo. Chalkol. Kalo m o. Und was sahst du? Chalkol. Ich sähe nichts! Kalo m o. Auch nichts? Chalkol. Ich horte nichts. Salomo. Vernahmst du Dieß Alles geschah Sehr schnell. Chalkol. Des Richters Arm ist schnell. Fünfzehnter Auftritt Die Vorigen. Zcziho. L ch o. Sie nirgends fliehn. Ich sah S a l o m o. Geh, nimm die Todtenurnen, Zerschmettre sie und streu' den Staub in den Bach! Dann bring' den Altar weg. (gcpho trägt dle Urnen h!nans.) Sechzehnter Auftritt. Salomo. Chalkol. O Chalkol? Salomo. Was war dieß Alles, Chalkol. Was es war? Der Richter ging Sehr nah bei dir vorbei, und schonte dein! Das war es, Salomo, und dann noch Das: Antworten konnte dir dein Moloch nicht! Salomo. Du Hocherhabner! Das, Das wär's gewesen! Laß, Chalkol, mich allein. Chalkol. Ich heute dich Verlassen? Diesen Tag der neuen Sünden? Und auch des neuen Schonens? Salomo. Komm, und triff, Du Pfeil Jerobeams! Vorhergesagt, Und nicht vorhergesagt, Das ist mir eins! Komm nur und triff! . . Des Gottes Priester sah Den Schatten Hemans- Das erschreckt' ihn so. 95 Chatkol. Was er gesehn hat, oder nicht gesehn! Den Schatten Hemans! oder einen Engel, Der schrecklichen Verderber Einen! oder ob Unsichtbar ihn die Hand des Herrn berührt hat! Das ist mir gleich, genug, Das, was geschah, Die Ursach nur, daß Molochs Prophezeiung Verstummen mußte. Kalo m o. Gottes Hand den Priester, Unsichtbar ihn berührte? meiner schonte? Verschonung war' auch Das, daß Moloch mir Verstummen mußte? Bring mir Sarja her Und Darda. Dieser Eil bedarf es nicht. Die Einsamkeit entwickelt mir vielleicht Das, was geschah, noch mehr. Siebenzebnter Auftritt. Salomo. Zepho. Z e p h o. Du hast geboten. Der Bach hat ihren Staub. K a l o m o. Auf, eil', und zerbrich Den Altar nun! Achtzehnter Auftritt. Zepho. Was war denn dieses Alles? Was schreckte Korah so? Warum entstehn Die Einsiedler? Und deiner Opfer Asche Mußt' ich, v Moloch, in den Bach verschütten? Sogar auch dieses Altars Anblick haßt Der König? Ist in Israel dein Reich Denn aus, sonst Mächtiger? Und schützest du dich nicht Ach, Altar Molochs! Doch der Bach muß erst Die Glut auf dir verlöschen, eh' du wankst. Liegt wo noch Asch' am Bach, so schöpf' ich da. Und opfre so auf dir noch Einmal, Altar! Zünfte Handlung. Personen. Chalkvl. Darda. Salomo. Sarsa. Nathan. Die beiden Männer ans dem Volke. Kora h. Semi r a. Erster Auftritt. Chalkol. Darda. Darda. Vor Trauren, über unsers Hemans Tod Und über Salomos stets tieferen Fall, Ist trüb' und müde mir die ganze Seele! Was ruft er mich? Und du, was fragst du mich? Ich such' umsonst und finde keinen Rath. Er ist ein Fels! und was kann ihn erschüttern, Da's Hemans Abschied und sein Tod nicht kann? Aus Mitleid liebt' ich ihn. Nun lieb' ich ihn nicht mehr! Klop stock, dram. Werke. 11. 7 98 Chalkol. Ach, ich begreif es, theurer Freund, daß du Ermattet bist, und nicht mehr rathen kannst. In dieser dunkeln Nacht, die uns umringt, Geh' ich nur Einen Strahl. Wenn der auch schwindet, So sink' ich hin, wie du, und weiß nichts mehr. Darda. Erinnre dich, wie ich sonst stets dich horte; Doch jetzo hör' ich dich mit trüber Kalte. Denn keine, keine Hoffnung Hab' ich mehr Von ihm. Nun seh' ich erst, was für ein Her; Der haben mußte, der so weise war, Und doch durch solche Schattengründe sich » Au einem solchen Abfall von dem Herrn Verführen ließ! Verführen nicht! Er lag Schon tief in seiner Wollust Blumenthal, Und schläferte nur sich mehr durch diese Gründe Aum Tod' ein! Wenn kein Donner vom Himmel herab Auf diesen Felsen fällt und ihn zermalmt; So streben, mühn, arbeiten wir umsonst! Chalkol. Der Donner fällt herab, sobald ihm Gott Antwortet. Darda. Irr' und glaub', er werde fragen. Chalkol. Die Eine schwache Hoffnung Hab' ich noch, Dazu ihn zu bewegen. Darda. Es sey, er frage: 99 Und ihm verkünde dann der Richter Vlnt; Dann, Chalkol! Chalkol. So . . Darda. Ach, so verzweifelt er! Chalkol. Wer hält' es denn verkündet, Darda? Gott! Dard a. Beweg' ihn, fleh' ihm, daß er frage, beschwör' ihn Bei Allem, was ihm jemals heilig war; Ich steh' dir bei. Chalkol. O, thät' es Nathan auch! Was sagte Nathan noch zu dir? Darda. Cr sprach: Mir zittert vor Begier mein ganzes Herz, Zn ihm zu kommen. Doch, ruft er mich nicht: Sv hört er mich auch nicht. Er sprach nichts mehr, Und betete dann für ihn von Neuem. Chalkol. Merk, Wie dunkel's um ihn ist. Sieht er auch Schimmer; So sieht er sie doch niemals ganz. Ihn hat Mit Hindernissen Gott eng cingeschlossen. Uns ruft er; Nathan nicht! Darda. Gib Acht, er wird In dieser Hinderniß sich auch verwickeln, Und grübelnd untersuchen, was dem Priester Und denen, die entstehn, so schrecklich war? Und weniger bei dem, wa-s doch vor allen Entscheidet, sich verweilen, daß kein Geist Antworten durfte! Chaikol. Hör', er naht sich uns. Dard a. Horst du? Er kehrt schon wieder um. In allen Schwankt er von Zweifeln hin und her. Nimm an, Er entschließt sich auch, den Ewigen zu fragen: So wird er, fürchtest du Das nicht mit mir? Noch dann zurück die Frage rufen, wenn Sie schon begann im Himmel zu erschallen, Du blickst sehr ernst! CI) a IK v l. Vor meiner Seele ging Ein Gedanke, der mich schreckt', jetzt eben vorüber. Wenn nun, geweissagt, oder nicht geweissagt, Vom Strome Jerobeam mit Blute kömmt, Und, angeführt von ihm, dann Heere Haufen würgen, Zehn Stämme zwei! des Sohnes Nebot Köcher Im Schlachtfeld tönt, und seine Pfeile fliegen, Ein Pfeil auf Salomo! und der dann fällt! Vom chrnen Wagen blutig niederstürzt, Von Gott verworfen! 101 Zweiter Auftritt. Die Vorigen. Salomo. Salomo. Riefst du Sarja nicht? Chalkoi. Könnt' er den Greis allein im Tempel lassen, Der nicht dem Alter nur, der auch dem Schmerz Um dich erliegt? Du riefst ja nur den Sohn, Und nicht den Vater mit. Erst wollte Sarja gehn, Dann wieder nicht. Der Vater wollt's. Der Sohn Ging mit, dann wandt' er sich; doch blieb' er stehn, Und sah uns nach. Wir eilten fort. Kalo in o. Noch liegt Der Priester, Chalkol, wie wir ihn vor uns Erstarren sahn, liegt ohne Stimm' und Blick, Gehörlos auch! und alle meine Boten Vermögen nicht die Beiden, die entstehn, Au finden. Korah liegt! und Jene flieh»! Was kümmerts mich? Des Tobten Antwort ward Gehindert. Dieses ist genug für mich. Chalkol. Von Gott gehindert, Salomo? Salomo. Vielleicht. Chalkol. Sahst du die Hand des Herrn denn nicht, wie sie Den Korah traf, und Jene, die entstehn? 102 Kalo in o. Ja, eine höhere Macht wars, die sie traf; Doch, ob des Ewigen? Das weiß ich nicht. Chalkol. Die höheren Machte, die du meinst, und denen Bisher du opfertest, vergaßen also, Daß ihnen dich zum frömmern Opferer Ihr Ansspruch machen würde? Daß sie dich, Vernähmst du keinen, gar verlieren könnten? Sehr groß sind deine Götter, daß sie dich Sogar, o Salomo, und deiner Opfer Blut Verachten, sie, die rings um uns die Völker Zn ihrer bangen Sclaverei verfuhren. Doch, weg von ihnen, weg! und Moloch sey Noch ungefragt! Aus deinen Nächten ist Kein andrer Weg, als: Den, der ewig ist, zu fragen Darda. Ja, Dieses, und sonst nichts., entscheidet, Salomo, Dein Schicksal. Dritter Auftritt. Die Vorigen. Sarga. Kalo m o. Kam dein Vater nicht mit dir? Kargo. Kala m o. Geh', eile, theurer Sarja, Du riefst ihn nicht. 103 Und bring den weisen Alten, deinen Vater Herauf zu mir. Sarga. Mit dir und ihm sey Gott! Vierter Auftritt. Salomo. Chalkol. Darda. Chalkol. Wählst du den Einen Weg, der über dir Ans deinem Abgrund ist? Und fragst du Gott? Kalo m o. Erwarte Nathan! Hat Jerusalem Des theuren Alten Gang zu mir bemerkt? Chalkol. Noch mehr, als Das. Solo m o. Und was denn mehr? Chalkol. War nicht Der Tag der Opfrnng heut? Ganz Salem war Hinausgeströmt, die Opferung zu sehn. Sie sahn die Priester sich dem Moloch weihn, Und zögern und voll Wuth darüber! sahn Die Königinnen ungewiß und bleich! Den Boten gehn, zurückfliehn, dann die Eil Des Opfers! sahn mich athemlos ihm folgen Und dann zurück zu dir voll Wchmuth gehn. 104 i « Das sahen sie, und dann, indem hiervon Vielfältigs Murmeln unter ihnen war. Den sie so lange nicht erblickten, Nathan, Den ehrenvollen Greis, zu dir hinaufgehu, Geführt von seinem Sohn, der fern vom Strome Gekommen war. Anch lief ein schneller Ruf Schon hier und da umher: Bei Sisack se» Ierobeam! Wo Nathan und sein Sohn Hintraten, floß das Volk getrennt von einander. Dem Vater segneten sie und seinem Sohn Voll Ehrfurcht uud Bewnndrung zu. Viel folgten Bis zu des Cederngauges Hoffnung nach Und blieben da. Seit diesem, wie du weißt, Ist Nathan von dir weg hinauf zum Tempel Gegangen. Als ich kam, den Sohn zu rufen Und Darda, war ganz Salem in dem Tempel Versammelt. Alle sahn den frommen Nathan beten. Auch war. . Salomo. Hör' auf! O Last, die auf mir liegt! Der Richter hier, mein Volk! und dort der Herr! So scheint mir's jetzt. Doch fahr', o Chalkol, fort. Chalkol. Als ich hinaufkam, war ein Ruf entstanden: Den Korah, Molochs Priester, habe Gott Bei dir getödtet! Kalo »i r. Weil er Tobte fragte? Chalkol. Das wußten sie noch nicht. Salomo. Verbergt's! verbergt es nicht Wie säumt denn Nathan so? Sieh ans, ob er Sich noch nicht naht? Lhalkol. Ich sehe vielen Staub Vom Tempel niederwallen, manchmal Volk Dahinter, wenn der dicke Staub verfliegt. Ihn seh' ich nicht. Kalo m o. Cr ist vom Volk umringt. Geh' ihm im Cederngang entgegen. Fünfter Auftritt. Salomo. Darda. Kalom s. Darda, Mein theurer Freund, dir will ichs nicht verhehlen, Daß unaussprechlich meine Seele leidet! Was soll ich thun? Darf ich den Richter fragen? Und wird er nicht im Wetter mir antworten? Und leb' ich, wenn er spricht, was werd' ich hören? Was anders, als vom Blut des armen Volks? Und meinem Blut? Zwar gerne will ich sterben: Allein was wartet mein über dem Grabe, Wenn so der Herr das Königreich zerreißt? Wie schreckenvoll ist jetzt für mich, was Gott LSM-L«8 Mir sagte, da er mir zum zweitenmal Im Traum erschien! Wie schreckenvoll auch dieß, Daß ich, seitdem ich Moloch diente, daran Gezweifelt Hab', ob dieser Traum von Gott Gekommen sep, da er doch jenem völlig glich, In welchem Gott verhieß, was er gegeben hat! Des zweiten Drohung, ach! vielleicht wird sie Sehr bald erfüllt! vielleicht sehr bald darauf, Wenn nun mein Volk getrennt, und leichter dann Au besiegen ist, und ach! von Bruderwnnden blutig, Ein schneller Raub der Krieger um uns her! Und wer verführt' es denn zum Götterdienst? Ich war's, ich macht's, daß sie aus ihrem Lande weg Getrieben, ein Spott des hohen Siegers wurden! Und mir wird in mein Grab ihr Fluch nachhallen, Daß Gott sein Angesicht von ihrem Tempel Gewendet hat, und daß er hingestürzt In Trümmern liegt, das Entsetzen Deß, der ihn Sonst sah, und nun vor ihm vorüberflieht! Der Herr ist jetzo mir zu fürchterlich! Laß mich nicht fragen. Ist auch Blut beschlossen, So weiß ich's nicht und hoff', ich hoffe vielleicht Wie sonst, ich werd' im Frieden sterben! Dardn. Und frage dann, oder frag' auch nicht. Fleuch zu Gott, Kalo m a. Ich kann nicht! Ach, Darda, 107 D arda. Ist sein Arm denn gegen dich, Daß dn nicht kannst? Kalo i» o. Etwas, das mir zu mächtig ist, Ist gegen mich. Ich weiß nicht, was es ist. Ich kann zu Gott nicht fliehn! Vielleicht werd' ich Ganz der Götzen Gewalt von ihm gelassen, Vor denen ich der Unschuld Blut vergoß. Allein sie kommen. Sechster Auftritt. Die Porigen. Nathan. Sarja. Chalkol. Chalko l. Nathan, wir sind jetzt Bei Salomo. Kalo »i o. Du, meines VaterS Freund, Und meiner auch vielleicht, Prophet des Herrn, Ich sandte deinen Sohn zu dir; allein, Da mich mit Nacht mein Elend rings umgibt, Weiß ich nun kaum, waS ich dir sagen soll. Du kanntest mich vordem. Ich weiß nicht, ob dn noch Mich kennst. Sehr laug entzog ich mir, mein Vater, dich! Doch hörtest du gewiß, durch deinen Sohn Und unsre Freunde, was ich heute that, Ach, Nathan, und auch litt! Ralh a n. Gott segne dich! Das sey mein Erstes; Dank, das Zweite, Dank, ' 108 Daß du, mein König, mich zu dir entbotest, Und mich mit dieser Huld empfängst. Doch eh' Ich weiter rede, laß mich ruhn. Mein Alter, Mein Weg durch diese Finsterniß herauf, Und diese Thränen, lange weint' ich nicht! Sarza. Mein Vater weinte nicht, als ich gekommen war. N at h a n. Dieß Alles hat mich abgemattet. Salomo. Führt Zu meinem Sitz den ehrenvollen Greis. So weißt du Alles denn, was heute geschah? N a t h a n. Ich weiß es. Kalo m o. Chalkol will, ich soll zu Gott Mich fragend wenden, und du, Nathan, sollst Der Engel sepn, den ich znm Richter sende. Willst du das Erste? Ratha n. Willst du es denn nicht? Salomo. Wie dürft' ich? denk' ihm nach: der Unschuld Blut Befleckt mich sehr, und oft floß dieses Blut! Und schallt nicht meine Frage Molochs noch In eurem Ohr? Ach, mehr, als Beides, schrecken Die Seelen mich, der Knaben nicht, die sind Bei Gott! Die Seelen Derer, die durch mich Abgötter wurden und Abgötter starben! . . 109 ChaIkol. Du machst mich über dich erstaunen. Nathan, Erhört, erhört ist dein Gebet! Salomo. Wenn Gott Der armen Menschen Schicksal kümmert! darf Ich, so belastet, mich zn ihm denn wenden? Und kümmert ihn es nicht; was frag' ich denn? Chalkol. Ach, Nathan, dein Gebet ist nicht erhört! . . Salomo. Mehr, als du glaubst! D ard ». Sein Zweifel liegt. Nur Einmal Hub er in ihm sein sterbend Haupt noch empor. Salomo. Belastet, wie ich bin, von Schuld! Befleckt Von Blut! Ein Diener Molochs! Angeklagt Von Seelen, dort, wohin die Frag' erschallt, Mein Vater und mein Freund, was soll ich thun? Nathan. Den Richter fragen. Kalo m o. Ach, wird er nicht Vater sepn? Natha ii. Sei) du nur Sohn, so wird er Vater seyn! Kalo m o. Ach, kann ichs von mir selbst? Er muß beginnen. Laß, laß, v Nathan, mich vorm Richter schweigen, Verstummen laß mich, fragen nicht! 110 Chalkol. Wenn dirs Der Herr nicht sagt, daß du in Frieden stirbst; So ist sehr ungewiß die Dauer deiner Rückkehr, Die ohne Das sehr schnell entstand! Salomo. Weißt dn Es denn, wie schnell? Bei mir reift Wahrheit langsam; Doch, reif bricht ihre Wirkung schnell hervor. D ard a. Ach, Salomo, ans welchen Leiden reistest dn mich! Chat Ko l. Was überzeugt dich denn? Kalo m o. Der Weg des Herrn Mit meinem Vater! und sein Weg mit mir! Ich kann das ganze menschliche Geschlecht Vergessen! So viel hat Gott an ihm und mir gethan! Chalkol. Und dachtest du in deiner Irre denn An diese Wege Gottes nicht? Salomo. Nicht so, Wie nun! . . Das eben war die Nacht, die mich Umgab! Dieß das Gericht, das auf mir lag, Und daß die Strafe meiner Sinnlichkeit war, Daß Strahlen mir zur Dämmrnng wurden. Chalkol. Sag, Wie ward die Dämmrung denn zu Strahlen wieder? 111 Salomo. Ganz weiß ich Dieses nicht. So wenig ich Ganz weiß, wie ich auf meinen Irrweg kam. Ch ai Kol. Das Letzte weiß ich ganz: Du wardst zu sinnlich! Du flohst daher die Untersuchung, und hattest Schon gehandelt, als du zur Untersuchung Umkehrtest. Kalo in o. Schreckenvoll ists, was du mir sagst; Doch ist es wahr. Vom Ersten weiß ich Dieß: Mein Zweifel nahm stets zu: Ob, ohne Gott, Die Geister herrschen dürften, die ich mir Zu Göttern machte? Da ward Gottes Weg Mit David und mit mir stets leuchtender Und strahlenvoller! Rath an. Salomo, vergiß Den Helfer nicht, deß Weg mit uns sich klar Uns in der Wirkung zeigt; wir sehen nur nicht Des Wandelns Art. Kalo m o. Erhört ward mein Gebet Um Weisheit einst; und deins um meine Rettung, Mein Vater, heut! Nathan. Nicht heut erst betet' ich Für dich. Darda. Ach, hättest du Dieß auch erlebt, Mein Heman. Säume nicht zu lange, Tod, Daß bald ich geh' und unserm Tobten sage, Was unsre Seel' erquickt. Nathan. Laßt, meine Kinder, Laßt diese Botschaft mir. Chalkol. Ach, könnt' ich mich Auch freun, wie ihr! Da du die Opferknaben Erwürgen ließest, zweifeltest du da An deinen Göttern schon? Kala m o. Noch nicht, wie jetzt. Die Opfer hätten gleichwohl nicht geblutet; Wenn nicht der Königinnen Schmach mein Herz Schnell überwältigt hätte. Chalkol. Da du Moloch Nun fragtest? Salomo. Ach, da waren meine Zweifel Von Neuem schwach. Chalkol. Wenn sie's nun wieder würden? Kalo ni o. Die Unruh' eines Freundes, der so sehr Sie nicht zu haben wünscht, erschreckte mich; Wär' ich nicht ganz zu Gott zurückgekehrt! Chalkol. Auf, überzeuge mich und dich, du seyst Es ganz, und frage Gott! 113 Kalo m o. Kann denn nur Das Dich überzeugen? Chalko l. Wenn du fragst, so seh' ich Daraus, du seyst entschlossen, Gott dich ganz Au unterwerfen! Und nur dieser Entschluß Beweiset deiner Rückkehr Dauer mir! Kalo in o. Dazu bin ich entschlossen mehr, als je. Allein ich fürchte mich ovr mir, daß ich zu sehr Erliegen würde, wenn des Richters Antwort Mir Blut verkündigte. Zwar den Tod der Schlacht, Der leichter als der Tod des Lagers ist, Den fürcht' ich nicht. Doch ach, verkündigt Gott Mir Krieg; ist's dann nicht Aorn, was er verkündigt? Chalkol. Dn mußt dich Allem unterwerfen! mußt Gewiß es wissen, daß Nichts kommen kann, Dem dn dich nicht vorher schon unterwürf'st! Kalomo (nach einigem Stillschweigen). So frage denn, mein Vater Nathan, Gott! Willst du es hier thun, Nathan? Nein, nicht hier. Hier stand sein Altar, und hier fragt' ich Moloch! Nathan (indem er aussteht). Im Tempel, dicht am Allerheiligsten, Da will ich fragen. Chalkol. Darf Jerusalem Es wissen, was für dich der Seher Gottes Dort thnt? Äloxstvck, dram. Werke. II. 8 8 4 ' G Salomo. Nicht nur mein Volk, erfahren svll's Erd' und Himmel, daß ich zu Gott umkehre! Chal Kol. Nicht Darda soll, nicht Nathan! nun will ich Diese frohe Botschaft David bringen und Heman! Laßt unfern Vater gehn, laßt Nathan gehn, Denn jeder Augenblick ist theuer. Nathan. Ich gehe, Mein Sohn! Laß heute mich dich also nennen! Mein Salomo, den ich auf meinem Arm Sonst trug, und dich, mein Sohn, Jedidja nannte. Der warst du und der bist du wieder. Salomo. Geh, Mein theurer Vater! War' mir, den du fragst, Nicht Richter mehr! Ach, war' er Vater mir! Siebenter Auftritt. - Salomo. Chalkol. Darb». Kalo m o. Du hast es gewollt. Nun geht er hin zu Gott! . Was wird die Antwort, wird sie eines Vaters seyn? Ich war nicht Sohn! Zwar, wo ist wohl der Sterbliche, Der immer Sohn des großen Vaters war? Allein bisweilen schwach, und ich! v Unterschied, Zu fürchterlich für mich! Die kurze Nacht, 115 Nach der ein Sommertag beginnt, ist so verschieden Von jener ewigen, auf die kein Tag Nicht folgt! Dard a. Ja, weine, Salomo! Chalkol. Das thu, Allein vor allen wart' auf Gottes Antwort Mit Unterwerfung! Salomo. Ach, ihr wißt es nicht, Mit welcher trüben Angst ich sie erwarte. Chalkol. Der Weg des Herrn mit deinem Vater war's Ja auch, der dich zurück zur Weisheit brachte. Was fürchtest du daher so sehr? Salomo. Verwerfung! Auch David stürzet mich in diese Furcht hinab! Auch er! Ach, warnm nanntest du mir ihn? C h a l b o l. Nahm deinen Vater denn der Herr nicht an? Salomo. Ach, bin ich David? Fiel er, wie ich fiel? Chalkol (nach einigem Stillschweigen). Du fragst ja nicht, ob dich der Herr verwerfe? Snlo m o. Antwortet er mir Krieg; verwirft er dann mich nicht? Daß Gott die Menschen kümmern, zeigt mir David. -r . In IW Wli IHz 116 Auch Saul! Was zeigt er mehr, den Gott . . Ich mag Noch Einmal nicht das tvdesvolle Wort Aussprechen! Chalkol. Wer gerecht aus Stolz sich hält; Und, aus Verzweiflung, sich verurtheilt, Beide Erkühnen sich, die Wage seines Gerichts Aus Gottes Hand zu nehmen. Kalo m o. Ferner war Kein Lebender je davon, als ich es bin, Sich ins Gericht des Ewigen zu mischen. Ich weiß, das Sandkorn wog er ab; warum? Au bauen eine Wohnung für den Leib, Der sterben muß! o, wie vielmehr wägt er Die Handlungen ab, im großen Reich der Geister, Im Reich, um dessentwillen alles Dieß, Die Wohnung und der Leib, geschaffen sind. Und Wer ist kühn genug zu wähnen: Er kenne, Wie Gott ihn kennet, sich? Auch selber Der, Den Stolz nicht hebt und nicht Verzweiflung stürzt, Kennt sich nicht genug, verkennt sich weniger nur! Du stehest, daß ich mich in sein Gericht Nicht mische! Chat Kol. Nun, so sprich denn über dich Kein Urtheil. Katomo. Laß mich sehr, laß wenig mich irren; Irr' ich drum ganz? 117 Chalkol. Ich, der ich dir in Dingen Des Lebens nie geschmeichelt habe; werd' ich dir Dann schmeicheln, wenns die Ewigkeit betrifft? Mehr wärest du, und öfter wärest du Der Mann, als David! Doch was ist vcrschiedner, Als Dieß! Verworfen werden! und gestraft! Salomo. Ich durste vor Begier, den Ausspruch Gottes Zu hören. Sag, Wer bringt uns Botschaft? Chalkol. Wenn du gebeutst. Kalo »i». Ich gehe, Nein, bleib. Noch ist's nicht Zeit. Warum erscholl denn erst ein Hall der Posaunen Vom Tempel her? Chalkol. Vielleicht, daß Nathan so Ankündigen ließ, warum er in den Tempel kam. Sa lom o. So wird er auch und muß die Antwort Gottes Dem Volke feierlich ankündigen. Mein armes Volk, wenn Blut die Antwort ist! Zwar auch das meine; doch, um meinetwillen deins! Was habt ihr mir gethan? Ach, fluchen, fluchen Wird ihre Seele mir, wenn sie im Tode flieht. Sie liebten ehmals mich, und kvnnten's auch. Nun können sie's nicht mehr. Auf, Chalkol, geh', Und bring mir Botschaft. Allein vor Kurzem erst Kam Nathan in den Tempel. Geh du dennoch, 1l8 Und bring vom Volke mir, vom Hall der Posaunen, Von Nathan, bring, wovon dn kannst, mir Botschaft. Doch, Gott antwortete ja sonst David schnell, Gleich, wenn er fragte. Geh' und eile zurück. Achter Auftritt. Salomo. Darda. Kalo m o. Ich seh', ich sehe, wie mit mir du leidest Und schweigst. Dn kannst, mein Darda, nicht mit mir Empfinden, welche Last mir meine Seele In grauenvolle Tiefen niederdrückt. Und wie viel weiter noch hinab, wenn ichs Nun hören werde. Darda. Samml' und fasse dich. Wer thut's? Thut's denn nicht Gott? Kalo,» o. Er thnt es! Cr thut's! Ein wenig Stille brachte der Gedanke In meine Seele mir. Allein ihn lieben. Und fürchten müssen, daß er uns verwirft? Wer ist der Sterbliche, der, ach! dem Gedanken Des Schreckens widersteh'? Ihn lieben! Lieb' ich ihn? Darf ich so hoch mich heben, Dieß zu glauben? Und ist es nicht Wahn, wenn ich mein Herz damit Erfrischen will? Auch dieser Aweifel, ach, Ist Qual! 119 Darin:. Du kehrtest ja zu ihm zurück. Salomo. Getrennt von ihm gewesen seyn! wie ist Dieß fürchterlich, wie hat's der bangen Zweifel viel! Darva. Ich bin von Denen nicht, die voll von Muth Bei Andrer Elend sind, und leicht Das halten, Was sie nicht selber trifft. Dein zweiter Weg Zn Gott führt dich durch Nacht. Dein erster war Voll Heiterkeit und ging durch Frühlingsgefilde. Kalo in o. So war er, und von diesem wich ich ab! Dieß, eben Dieß, daß so der erste war, Macht mir des zweiten Nacht noch schrecklicher. Ach, meine Frag' an Gott ist nun hinauf Au seinem Thron gekommen. Wer hat sie, Wer meinest du hat sie hinauf gebracht? Wer sie am Thron' des Richters ausgesprochen? Ein Todesengel? Ward a. Das wird dir die Antwort zeigen; Erwarte sie. Kalo m o. O, könnt' ich ihr entflieh»:! Doch würd' ich drum der schrecklichen Erfüllung Der Antwort auch entflieh«? Varda. Was kann ich sagen? Was helfen? Salomo, erwarte du Deß Ausspruch, der dich sonst geleitet hat. 120 Und sähest du denn Nathans Freude nicht, Mit welcher er hinauf zum Heiligthume ging? Kal am o. Ach, wehe, wehe mir! In welche Thräncn Kann dieses Frommen Freude sich verwandeln! Schau' ihn nur an. Ein Hauch könnt' ihn ins Grab Hinunterstürzen. Was wird's für ein Donner thun! D ard ». Kennt er nicht mehr, als du und ich, die Wege Gottes? Würd' er sich freuen, wenn sein graues Haupt Mit solchem Herzeleid zu seinem Grabe Hinunter solche Thräncn bringen sollten? Kalo m o. Besänftige denn dich, o du Herz voll Sturm, Voll ungestümer Unruh! Denn vielleicht Irrt Nathan nicht. Neunter Auftritt. Die Vorigen. Lhalkoi. Kalo m o. Ach, Chalkol! Aber schweig, Verstumme lieber. Geh, laßt uns einander Verlassen! Cl) alKo l. Und warum? Noch betet Nathan, Und noch antwortet ihm der Gott der Götter nicht, Sobald ihm Antwort wird, verkündigt sie sein Sohn. Ja, Nathan hieß das Volk, das laut es zu wissen Verlangte, durch der Chöre Posaunen erst Stillschweigen. Als sie schwiegen, that's dem Volk Der Hohepriester kund, weil Nathans Stimme An schwach, gehört zu werden, war. Ich kam Und fand das ganze Volk im Tempel knien, Und weil, sie sagten's, heute Molochs Opfer war, Im Sacke viel und Asch' auf ihrem Haupt, Und still, so wie es still bei Gräbern ist. Da, wo den Bund des Herrn der hohe Vorhang deckt, Am Allerheiligsten, waren Nathans Kniee Gesunken, und da betet' er. Nicht fern Von ihm lag Sarja und der Hohepriester. Ich lief zu Sarja. Dieser sagte mir Gott schweige noch! . . Ich sprach: Verkündig' es uns. Das wollt' er, und ich ging. Kalo in o. Gott schweige noch? Vielleicht, daß im Gerichte gegen mich Die beiden Seelen ihre Klage noch Nicht ganz vollendet haben. Darva. Welche Seelen? Kalo in o. Der Knaben, die ich heut getödtet habe . . . Ihr saht sie stehn. Wie reizend standen sie In ihrer Vlüthe da und ihrer Unschuld! Sie wußten kaum, was ihre Mütter weinten. Und Blumen mußten euch zum Tode kränzen, Ihr armen Opfer! (Er Du, des ältsten Mutter, Du hast schon über mich das Urtheil gesprochen, Das jetzt im Himmel auch gesprochen wird! . . 122 Und meine Freunde blenden sich, mit ihnen Selbst Nathan. Hast du mir die Wahrheit, Chalkol, Nicht verholen, und mich verschonen wollen? Verbirg's nicht länger, sprich: Hat Gott nicht geredet? War nicht sein fürchterlicher Aussprnch, Tod? Ach, meines Volkes Tod, und, v der komme! Mein Tod? . . Was ertönen denn des Tempels Hallen wieder? Chalkol. Die Antwort Gottes wird dem Volk verkündigt. Kalomo. Wohin, wohin entflieh' ich nun vor ihr? O wärst du, eh' sie kömmt, mir Zuflucht! Grab! D ard a. Ich seh' schon Volk herab vom Tempel kommen. Kalo m o. Wie gehen sie? Darda. Sehr langsam und sehr ernst. Kalo i» o. Da ist es, Chalkol! . . Siehe, du hast mich Dahin gebracht! ChalKo l. Wär' denn, unprophezeit, Das, was der Herr beschloß, nicht auch geschehn? Kalo »i o. Allein ich, der ich ganz erschüttert bin, Zerschmettert bin: ich hätte nicht entbehrt Den kleinen Trost der schwachen Hoffnung auch, Im Frieden noch zu sterben! 123 Chalkol. War es denn Nicht wichtiger, daß du dich völlig überzeugtest? Kalo m o. Das war ich schon . . . Kömmt Sarja nicht? Darda. Zwei Männer Mit Asch' auf ihrem Haupte kommen. Kalo »i o. Kommen 8u mir? Darda. Sie sind im Cederngange schon. Kalomo. Vielleicht sind sie der beiden Knaben Väter. Bring dennoch sie herein zu mir. Zehnter Auftritt« Saioino. Chaikoi. Salomo. Ich will Nun Alles hören! will nun Alles wissen! Mit seiner Weissagung nicht Nathan nur, Auch diese Männer sendet Gott zu mir! Chalkol. Weißt du denn schon, was, die der Herr dir sendet, Dir sagen werden? 12L Salomo. Zweifelst du denn noch? O, täusche mich mit dieser Hoffnung nicht; Sie ist zu schwach. Chalkol. Wer Gott sich unterwirft. Der wartet und entscheidet nichts zu früh. Kala »> o. Dank sey dem Herrn für diese Zwischenzeit, Für die Erholung, daß die Antwort mich Nicht wie ein Donner traf! Chaikol. Ach, Salomo, Mein König und mein Freund, so lieb' ich dich. Und, wenn du also bleibst, wein' ich mit dir. Eilfter Auftritt. Die Vorigen. Darda. Die beiden Männer. (Sie falle» auf die Knlee.) Der Sine. Sohn unsers Davids, theurer Salomo! . . Kalo in o. Wer seyd ihr, Männer? Dce Eine. Zwei aus Israel, Aus deinem Volke, die vom Herrn ihr Brod In ihrer Stirne Schweiß empfahn und ihm Des Segens danken, sind aus deinem Stamm, Aus Inda. Kalo in a. Was begehret ihr von mir? Der Eine. Wir kommen nicht, o, unsers Davids Sohn! Dich zu betrüben, nein, nur dir zu danken, Daß du zu Gott zurückgekommen bist, Und ihn vor deinem Volk im Tempel öffentlich. Um Das, was dir und uns zukünftig ist, Gefragt hast! Auch mit dir, v, unsers Davids Sohn, Zn weinen. Sieh, ich ging bei Nathan her. Und fragt' ihn: Soll ich, Vater Israels, Nur laufen und der Bote seyn? Er sprach: Kehr' um! Allein mein Bruder lief. Der ist Mein Bruder hier. Da lief ich auch, und kam Mit ihm. Der Andre. Verkündigt ward, da uns Die Posaune tönte . . Salomo. Schweig! Der Ändrc. Warum, mein Herr und König Betrüb' uns nicht! Wir wollten ja dich nicht Betrüben, kamen ja mit dir zu weinen! Und wollen, nicht nur wir, auch unsre Brüder, Noch sieben sind's! auch unser Blut vergießen Mit deinem Blut, wenn's also kömmt: denn Gott Schwieg ja, und Nathan kehrt' ohn' Antwort um. 126 Salomo . So bring', o Chalkol, denn, ach, deren Kinder Ich tödtete, mir die Mütter all' herauf, Daß ich, ist's möglich, sie versöhne! Chalkol (lelse zu Darda>. Drei Nur leben noch. Die Andern sind vor Schmerz Gestorben. SaloIN o. Redest du geheim? Bring' mir Die Mütter her! Gehorche, dein König will's! Chalkol. Gehorchen will ich gern. Hier kann ich nicht. Kalo m o. Warum nicht? Chalkol. Was soll ich antworten, Darda? W Ach 131 N atha n. Mein Salomo, laß mich dich überzeugen, Daß Gott dich nicht verwarf! Kalo »i o. Das kannst du nicht! Warum willst, Chalkol, du mir nicht gehorchen? Chalkol. Drei leben nur. Die Andern sind schon todt. Kalo in o. Die andern Alle todt? . . Vor Jammer! . . Kehrt Eure Blicke von mir, ihr starren Angen! Sehr nah' schaut ihr mich an, sehr nah'! von Thränen Des Blutes roth, und, ach, vom Tode starr! . . Und ihr, viel schreckender noch ist Das! o wendet Auch euer Lächeln weg, ihr sanften Knaben! Ihr Opfer! . . Nathan. Salomo, erhebe dich Aus dieser Todesangst! Ich kann dich überzeugen! Kalo m o. Mich überzeugen? Hätte dir der Richter Es offenbaret; alsdann nur könnt' ich's glauben. Was red' ich? Was ist diese leere Möglichkeit? Verstummen laß, wie Chalkol thut, auch uns! N a t h a ii. Gott hat es offenbaret! . . S a l o in o. Was sagst du mir, mein Vater? Verstand ich eS auch? Was hast du mir gesagt? 132 Nathan. Ich sage dir, daß Gott vordem, nicht mir, Doch deinem Vater David, ihm, durch mich, Non dir verheißen hat. Kalo »i a. Und was, und was? Natha n. Heil, Salomo! Kalo in o. O, Gott der Götter! du. Mein Vater und mein Richter! Natha n. Du, nicht er, So sagte Gott, sollt' ihm den Tempel bann! Dein Vater wird er seyn und du sein Sohn! Und wenn du eine Missethat begingst, Wollt' er, so sagte Gott, mit Menschenruthen Und mit der Menschenkinder Schlägen nur Dich strafen! sein Erbarmen nie von dir Wegwenden, und dich nicht, wie Saul, verwerfen. Lhalkol. O Gottes Weg! . . Wie wunderbar bist du, Weg Gottes! . . Wann verhieß der Gnädige das? Nathan. Vor Salomv's Geburt. Salomo. Ich schweig' und lege Die Hand auf meinen Mund. Wie kann ich danken? Mein Vater seyn! .. Mich nicht wie Saul .. wie kann ich danken? Eh' ich geboren ward! . . Laß »» .eil! Hermann. Jngomar, Fürst der Cherusker. Arpe, Fürst der Kotten. Malwend, Fürst der Morsen, Kat Wald, sein Bruder. Gamiriv, Fürst der Vructerer. Flavins, Hermanns Bruder. Jtalus, sein Sohn. Horst, Hermanns KriegSgefährt. TP ende, Hermanns junger Sohn. Brenno, Sberdruide der Cherusker. Liblisch, Sberdruide der Kotten. Werdomar, Führer des Vardenchors. Barden. Ein gefangener Chazer. Balerius. Ein Centurio und andre Römer. Bcrcennis, Hermanns Mutter. Istäwona, t Herminone, s bürstinnen der Kotten. Der Schauplatz ist auf einem Hügel an dem Heere der Deutschen, daS nah hei dem Lager der Römer liegt. Erste Scene. Ingomar. Arpe. Gambriv. Malwend. Katwald. Werdomar. Barden. Kriegsgcsahrten. Auf beiden Seiten abgesonderte Rgsensttze und Feldsteine. Auf den vordersten sttzcn die Fürste». Bei Jngomars Sitze der Nachtgefahrt, bei Hermanns und MalwendS, Adler. Hinter den Fürsten Kriegsgefahr»». Sie habe» kleine runde Schilde, nur Gambriv und seine Kriegsgefahr»» Viereck», die lang und schmal stnd. Gambriv. Ein volles Horn, Jüngling! Verachtet er unser Siegsmahl, daß er noch immer nicht kommt! Ärpc. Siegsmahl? Latwald. Hat er denn jemals unsre Mahle verachtet? Er legt eS auf irgend etwas Entscheidendes für den Tag an, auf Erleichterung des Blutspiels, Beschleunigung des Sieges, kurz Römertod. Gambriv. Du meinst, daß er wieder Quellen ins Schlachtthal leitet? Aber dort sind keine in der Nähe, wo sie nun steh'n. Genug, er kommt nicht und verachtet unser Siegsmahl, mein Siegsmahl denn, Arpe! Feldherrnschwert will er wieder zucken, ja, Das will er! aber, bei diesem! Das soll er nicht! Lalwalb. Laßt immer Wodan und ihn beschließen. So war es in Winfelds Schlacht, hat mir mein Bruder erzählt. Das Andre wißt ihr. 1L2 Ingomar. Die Fürsten rathschlagen und beschließen, die Götter lenken's. So ist cs, Jüngling! Wir müssen unsre Verathschlagungen anfangen, wenn er noch immer säumt. Latwald. Ich höre mit Ehrfurcht, wenn Siegmars Bruder den Ausspruch thut; allein, wenn Hermann (warum soll ich's verbergen, daß ich Hermann zu kennen glaube?), wenn er entscheidet, so ist Das meine Entscheidung auch! Ittgamar. Ich rathschlage mit den Fürsten. Nur Das ist Ausspruch und Entscheidung, wenn wir uns Alle, oder die Meisten von uns, zu Einem entschließen. Latwaid. Wenn Hermann entschieden hat, so steh' ich auf seiner Seite, auch allein! Vlimbriv. Bei Tyr und Thorr! du bist sehr demüthig, Katwald! Äatunilr. Ich bin so stolz als einer, deß Lanze Feindesblut geröthet hat, und auch darauf stolz, daß mir des .guten Urtheils genug ward, meine Kriegseinsicht nicht der vorzuziehen, durch welche der Sieger bei Teutoburg sich Augustus furchtbar machte, und selbst Cäsarn gemacht Hätte. «Sambriv. Vorziehn oder nicht! Die Fürsten rathschlagen und beschließen! nicht Er beschließt! Malwend, was dein Bruder doch manchmal für einen Schwung nimmt! Ich glaube, daß er gar, wie sein tcutoburger Freund, römisches Griffelgekritzel aufrollt und gehorcht, um der Schwünge noch mehr zu lernen. LalunUd. Ihr Fürsten, warum zieht sich dieß Gewölk unter uns auf? Unser Sicgsmahl begann ja so froh. Ich mag dann, wenn Hermann beschlossen hat (er hat und fängt jetzo die Ausführung an), auch deßwegen nicht gern mehr viel rathschlagen, weil ich das kurze Leben, das wir Krieger zu leben haben, gern, so oft ich nur kann, wie den Früh- lingstanz um Winfelds Denkmal tanzen möchte. Nun Gambriv, ich bin ja gleich wieder so ernsthaft wie du, so bald das Kriegsgeschrei tönt! Gamdriv. Als ob ich dich nicht in der Schlacht gesehn hätte, und du dann was Anders thätest, als allerhand neue Wendungen des Lanzenspiels erfinden. Lotwald. Und mich däucht doch, daß ich dann ernsthaft genug bin! Wenn du mich gesehen hast, so weißt du, daß ich bei den neuen Wendungen eben nicht fehle. Doch ich streite mit dir über nichts mehr. Denn du lassest mir nicht einmal das Bischen Römertvd, das ich etwa getödtet habe. Fröhlich will ich seyn, wie wir die vorige Nacht waren. Da schollen die Brautlieder, die Hörner gingen herum, die Jünglinge tanzten, da war's anders! Jngomar, dürfen die Barden nicht vorher noch ein Wenig singen, eh' ihr dieNath- schlagung anfangt, die mich auch deßwegen nicht allzuviel angeht, weil ich mir einbilde zu sehn, welchen Weg sie nehmen wird. Mich däucht, der Verhau um unfern Hügel kann noch nicht ganz fertig seyn. Wenn sich nun eine Römerschlange durch den Strauch heraufschlängelte, ohne zu zischen, uns behorchte, und dann Cäcina Alles erführe, was wir vorhätten? Jngomar (zu einem Ki'Ngsgefähtti',1). War der Verhau fertig, als du zurück kamst? Dcr Kriegsgefahr!. Er war noch nicht fertig. Jngomar. Geh hinunter, laß die Lücken schnell füllen, und unterdcß doppelte Wachen das Gebüsch durchsuchen. Nun, Katwald, bist du jetzt mit uns zufrieden? Laß nun die Barden singen, wenn du willst. Laiwair. Ja, nun, Werdomar, nun dürfen wir wieder singen. (Er singt.) Die Blumen auf meinem Schilde brach sie selbst für den Kunstmann Am bildenden Bach, und weilte dort nicht — Erst das alte Lied vom Ure, Werdomar. (Er gngt.) Sie weilte nicht, und schön ist sie doch, meine junge Braut, Ist schlank und leicht, nnd bebt, wie das Neh! Lwci Barben. Kühnheit ist Göttergabe! Nichts Edleres gaben sie! lieber den Stolzen gossen die Düsen Verwegenheit in Strömen aus! Die Jünglinge hatten das Thal gewählt, Gegraben die Gruft, Drüber den täuschenden Ast der Tanne gelegt Für den Waldtyrannen, den Ur! Dumpf scholl von seinem Brüllen der Forst, Hoch warf er Erd' empor! Schon zürnt' er der Ferse der Flüchtigen nach, Und rannt' in das Thal hinein. Gemessen sprang den kleineren Sprung An dem Felsenberg' hinauf Der verführende Flüchtling, Dann wieder hinunter ins Thal. Wüthender stets erscholl es in der Kluft, Die Jägerin ließ das blutende Reh, Und klomm in dem Strauche das Gebirg hinan, Und sah sich bebend um! Schon war der Tanncnast nicht fern Vom oerfolgenden Ur. Bald gehörte des Besiegte» Horn Dem ersten Lanzenwnrf. Da spotteten die Jnnglingc Der leichteren Jagd. Sie sprangen den Sprung am Berge nicht mehr, Und standen nmher um den Ur! Und warfen die Lanzen auf ihn! Da floß ihr Blut! Sie starben, oder floh'»! Gewendet brüllte das Thal hinaus Der siegende Waldtyrann, Kühnheit ist Göttergabe! Nichts Edleres gaben sie! Ueber den Stolzen gossen die Düsen Verwegenheit in Strömen ans! Latwald, Ich schüttete Werdomarn die letzte Nacht in meiner Fröhlichkeit einen rohen Gedanken hin. Cr nahm ihn und gab ihm Gestalt. Runzle die Stirn, wie du willst, Gambriv! Nach dem Waffenklange ist es Liederklaug, was ich am Liebsten habe. Hörest du denn nicht? Nach dem Waffenklange! Nun, runzle nur noch mehr Gewölk zusammen! Ich will sie gar mitsingen, wenn mich meine lieben Barden unter sich leiden wollen. Wcrdomnr, Als wenn wir auf Fürst Katwald nicht stolz wären! Gambriv. Waffenklang! Liederklang! Eich'und Strauchs Auf mich seyd ihr wohl eben nicht stolz, Barden? Kl »pflock, dram. Werke. II. 10 146 Wcrdomar. Das verbietest du uns sehr laut. Desto stolzer sind wir auf die Fürsten der Cherusker, der Marsen und der Katten. Und manchmal tönen selbst die Waffen schneller vorwärts, wenn, wer sie führt, den Flügelschwung des Gesangs hinter sich hört. Gambriv. Jetzt übertöntest du dich, Barde! Ein junger Nardc. Und den Klang deiner Waffen übertönte der Waffenklang der Römer, als du dir den Adler nehmen ließest! Gambriv c,u Katwald,. Was fällst du mir in die Lanze? Soll Der leben, der mich an den Adler erinnert hat? Ärpe (steht auf,. CH du Barden tödtest, muß Blut der Fürsten fließen! Gambriv c,u Katwald,. Nimm die Lanze. cZu Arpe., Auch du kennest mich. Ich gehe, damit ich nicht wüthe. Ärpc. Ich kenne dich. Geh! Gambriv. Ich lasse den Verhau beschleunigen, Jngomar. Schick' mir die Lanze hinunter, Katwald. Katwald (zu einem Kriegsgefahr«-» ,. Bring' sie ihm. Du mußt uns gestatten, Arpe, daß wir Siegeslieder singen. Denn zwei Tage haben wir gesiegt, und heute, oder den festlichen Tag, den die Legionen wieder zwischen Wasser und Strauch auf dem Damme schwanken werden . . Das wird auf euch ankommen, ob ihr dann Hermann nicht hindern wollt, WinfeldS Spiele mit Cäcina zu spielen. Warte noch, Werdomar. Ich habe es nun anders vor. Unser Lied wollen wir nicht eher singen, als bis Hermann hier ist. Das Heer liebt die Lieder von WinfeldS Schlacht, und hörte jetzt wohl gern Ein's davon; meine Marsen wenigstens und die Cherusker, denk' ich, auch Jngomar. 147 Ingsmar. Immer einerlei Lieder! Das ist niemals unter uns Sitte gewesen. Latwald. Wenn's denn nicht sevn kann . . Nun Wer- domar, so sing' dein Lied von unsern beiden Siegstagen, das du in der Kluft versuchtest, eh' wir hier heraufkamen. Wcrdomar. Laß mich mit einem anfangen, das ihr und das Heer durch die Schlacht mit Germanicus so sehr verdient. Barden, stellt euch mehr gegen den Felsen, an dem die Cherusker liegen, daß sie das Lied des Wicderhalls am Lautesten hören. Ein Chor. Wir streiten nicht nicht mit Nomnlns Volk In seiner Kindheit! Damals legte spottend der Feldherr der Gallier Gegen des Goldes Last in die Wage sein Schwert. Denn Sieger blinkten sie mit ihren Lanzen Dicht an dem lorbccrnmschatteten Kapitol, Sic, mit deren Söhnen Ariooist In seinen Schlachten gespielt hat! Alte. Wir streiten mit Nomnlns Volk In seiner Mannheit! Das Kind versprach und hielt den blutigen, Rnhnitrnnkencn Ziingling, der Jüngling den welterobernden Mann. Lwei Chore. Weit umher schweigt um uns, und blickt Mit thranentrnbem Ang' auf die Kette Der Jllpricr, der Gallier, Der Jbeer und der Nlbion' 148 Und selbst das Volk, deß Blume In Thermopylä blüht' und sank! Um uns, der Haine Volk, klirrt weit umher Die bezwungnc Welt. Alle. Wir stehn! Und tiefgewnrzelt, ein Eichenwald, Halten wir den stürzenden Strom der Eroberer auf! Stürzen hören die Tannen und Ulme den Strom, Und wanken und sinken und werden gewälzt! Lwci Chöre. Noch stößt in Minos Reich Augnstus Schatten An SisyphuS Felsen die Stirn', Und fordert von VarnS Die Legionen. Der Donnerer des Kapitols nahm aus seiner Hand Den schnellsten Strahl und sendet ihn uns, Den edeln Cäsar, Drnsus Scipio Germanicns. Acht Adler trugen Jupiters Strahl. Aber «ns schützet Wodan. Voll der Weisheit des Gottes, Und von seinem Schilde bedeckt, schlug schon unser Thuiskon Hi mann, Daß erst, da der heilige Mond anfging. Nach dem lange» Flattern die Adler wieder schwebten. Ein Chor. Nun theilct der Cäsar sein geschrecktes Heer. Mit dem Einen eilt er dem sicheren Rheine zu; Zu ihm wollte durch offnere Wälder Mit dem Andern Cäcina eilen! Zwei Chore. Aber in ihrem Fluge gescheucht, rnhn vier Adler Ju den offneren Wäldern; Ihr Flügel sinket; denn die zitternde Klane Hält nicht mehr des Donnerers Strahl! Und hier, wo diesen Göttern des Heers Wir gebieten vom Fluge zu rnhn, Hier in dem Hain, würde selber des Donnerers Strahl erlöschen! Alle. Stirb auf dem Polster, und bald, Tiberius! Und stoß', ein Schatten in Minos Reich, An Sisyphns Felsen die Stirn', und sordrc von Cäcina Die Legionen! Wcrbomar. Hat denn unser Lied den Liebling der Barden traurig gemacht? Katwald. Ach, Werdomar, der Illyrier, der Gallier, der Jbeer, der Albion, der Grieche, und wenn Das unter uns Fürsten so fortwahrt, der Deutsche! Doch sing dein Lied von unseren beiden Siegstagen. Wcrbomar. Barden, wendet euch gegen die Mitte des Heers. Lin Chor. Scyd gcgrüßct, ihr bcidcn fcstlichcn Nächte, Da wir halten Sicgcsmahle! Euch tanzten voran die Geber der Freude, Der innigsten, dauerndsten! eure Tage. 150 Zwei Dar-en. Tritt, vom Horn und der Telyn begleitet, Geführt von dem Gesänge, In die Halle der Unsterblichkeit, Erster Siegstag! Ein Chor. Sic kamen, sie kamen; doch wir waren schon da. Da wußten sie nicht. Durch engen Weg nnd ohne Weg, Eilten wir herzu, lieber Felsen, durch Strauch nnd Sand und Vach nnd Strom. Ans Einmal erblickten sie An beiden Seiten voll Blumen den Wald. Sie standen, und wir sahn über den goldnen Schilden Bleiche Wangen. Zwei Chöre. Hermann stritt. So stürzt von dem Gebirg' herab Mit heulendem Sturme der Winterstrom! Und breitet ringsum aus in dem Thal die herrschenden Woge»! Hermann stritt. Welcher Gesang vermag Deß Lob, vor dem In de» Hallen Augnstns die Söhne der Scipione Bebten? Ihn singet das Denkmal Der weihen Gebeine bei Teutobnrg. Ein Chor. Müde war der Quirlten Heer, War blutig. Auf tobten Cohorten Wankten die Legionen. 151 Da schätzte sie die Nacht. Du hattest, o festliche Nacht, des Mitleids viel, Und »ahmest in deine Hülle auf Die blutigen Legionen. Die Fürsten kamen zum Siegesmahl: Hermann kam noch nicht. Er sah in der Römer Lager die einsamen Feuer sinken Und ließ vor seinen Cheruskern die Flamme nicht wehn. Aus der Dunkelheit sendet' er den Römern Künste des Krieges zu. Er wandte von der Hügel Höh' die Quelle», Ans den Thälcrn die Bäche nach Cäcina. Lwci Durden. Tritt, vom Horn und der Telyn begleitet. Geführt von dem Gesänge, In die Halle der Unsterblichkeit, Zweiter Siegstag! Lin Chor. Die Fürsten stritten. So rollt Von des Berges Gipfel herab Die loSgcrissene Felsenlast, Und zerschmettert unten im Thal. Cäcina kamen wir nah, Ihm sank sein Roß. Wir kamen, wir kamen so nah des Heeres Göttern, Daß sie kaum entflohen, geschützt von Fallenden. 152 Lwci Barden. Wer de» jungen Adler sah, des Nestes Erstling, Der fliegen die Genossen nm den brausenden Wipfel lehrt, Nur Der sah recht den Flammenblick des Marsen, Und kennet Katwalds Tanz in der Schlacht. Jetzt rauschen wir es nur hin; bei dem FrühlingSreihn Wollen wir Kalwald singen. Wenn die Vlükhen wehn und die Fürstin schöner wird An Katwalds Hand, der ohne Waffen tanzt! Ei» Chor. Höret es, Mädchen, und straft es bei dem Maitanz! (Gambrio kommt zurück.) Weimar, auf dem Felsen geboren, am stürzenden Bach, Liido, der Sohn des Thals zwischen den Strömen, Beide Führer der Schaare»; Wala und KaimeS, der in der Fährte des Urs, Und der geboren in der Ulme Kühlung, beide Führer der Schaare» Floh'n nicht die Flucht der Wiederkehr, Floh'» todfürchtcnde Flucht! Strafet es, Mädchen, bei dem Maitauz! O hätt' ihm Gewölk die liegenden Schilde bedeckt! Da die Lanzen noch flogen, die Schwerter noch blinkten, Stand er und säumt' er und suchte die Schilde! Wir nennen ihn nicht, der viel zu früh die Schilde las; Aber ihn nennet das Heer, Und der Adler. Ach, deckte Das Vergessenheit, Mit ihrer schwarzen Wolke! 153 Lwci Lhörc. Wrinct den Adler! Wir hatten ihm ein Nest In der offenen Eiche gemacht. Die Vrneterer Liehen ihn fliege» und seine goldnen Genossen Nahmen ihn ans mit lautem Fliigelschlage der Freude. Weinet de» Adler! Er war in der Höhlung der Eiche Kirr geworden und frohnetc Dem Nachtgefahrten, der hoch auf dem Wipfel saß. Weinet den Adler! Nicht nur die weißen Gebeine bei Tcutobnrg sind Denkmall Er war Denkmal auch! Gebeine der Sieger, Die im Kampf um ihn einst sanken, o, sendet Nicht reichende Schrcckengestalte» herauf! Wir weinen den Adler! Ätlc. Ans des Felsen Haupte sitzet die Weissagerin, Höret im Thal rauschen den volleren Strom, Und verkündet, ans seinen! Getöse, Die Zukunft. Wir horchen hinüber nach der Römer Lager, Und es schweigt, wie Stille der Gräber. Wir verkünde», ans ihrem TvdeSvcrstnmmen, Sieg uns und ihnen Untergang. Ingomnr. Es ist ja, denke ich, endlich unter uns aus- gemacht, daß die Meisten entscheiden, was geschehen soll und nicht Einer, und daß der Eine, der jedes Mal gewählt wird, der Erste bei der Ausführung zu sepn, sich erinuern müsse, daß die Andern den Hauptgang der Schlacht auch wissen, und er nur bei ihren nicht vorhergesehenen Wendungen zn gebieten habe. Hermann kommt nicht. Es hindert uns nichts, zu rathschlagcn. Es ist einerlei, ob er etwas früher oder später sein Wort sage. Ich will mich den Fürsten Deutschlands durch nichts empfehlen; aber Das darf ich laut sagen, daß ich Kricgserfahrung habe. Wenn ihr der Sklaven mehr, und die Beute in einem Haufen bei einander und unversehrt haben, wenn ihr den Römern zeigen wollt, daß ihre Lager sie nicht mehr schützen können, so greift ihr Cäcina in seinem Lager an. Arpc. So dachte ich gleich, da Cäcina die erste Schaufel ansetzte. Malwend. Beute ist nicht Ehre! Inga mar. Sind denn die goldnen Schilde in unfern Hallen etwas Anders, als Ehre? Schmelzen wir sie etwa, wie die Römer es machen würden? Maiwcnd. Die andre Beute denn. Doch, die Römer die Unsicherheit ihrer Lager kennen zn lehren, Das ist Ehre, und große Ehre! Allein die Ausführung dsr kühnen Unternehmung ? Ingomar. Du zweifelst an Denen, die schon zwei Tage gesiegt haben? an dir? und an uns? Malwend. Ich bin nur ungewiß, ob wir's genug verstehn, ein Lager zu erobern. Ingomar. Was ist denn deine Ungewißheit? Die Ausfüllung der Graben? oder die Ersteigung des Walls? Malwend. Ob unser Heer in Ordnung bleibt, sich überall unterstützt, bei der Ausfüllung und Ersteigung Geharnischten nicht erliegt, die wissen, daß sie sterben sollen! Vambriv. Und sterben, so geharnischt sie auch sind! Sagt mir, ihr Fürsten,^ ob ihr glaubt, daß Hermann für 155 den Lagerangriff seyn wird? Wenn ich es Alles überlege, so seh' ich, daß er es nicht seyn wird. Nun, wohlan denn, Jngomar: Die Beute in einem Hansen und unversehrt! Nur das Eine bitte ich euch: Der Sklaven nicht viel! Latwald. Die wissen, daß sie sterben sollen! mein Bruder Malwend. Es könnte wohl seyn, daß wir aus andern Ursachen, als die Gambriv im Sinne hat, nicht viel Sklaven machten. Jngomar. Ich wenigstens, Malwend, so alt ich auch geworden bin, habe es noch nie erlebt, daß ein Marse einen zu behutsamen Entschluß gefaßt hätte. Latwald. Mochtest du es jetzt an meinem Bruder erleben! Jngomar. Wenn nämlich Hermann nicht für den Angriff des Lagers ist. Latwald. Wenn Hermann dafür wäre, so würde ich glauben, daß er sich dießmal von einer Hitze Hinreißen ließe, an deren Unterdrückung er oft arbeiten muß. Gambriv. Arbeitete er gestern auch daran, als er gegen die Römer zu spät hervorbrach und euch verführte (allein könnt' ich nun nichts thun), es eben so zu machen? Latwald. Zu spät? Doch es geziemt mir nicht, hierüber zu entscheiden. Aber, Gambriv, Das getraue ich mich zu sagen, daß du die goldnen Schilde viel zu früh suchtest! War's zu spät, Arpe, da Hermann angriff? Ärpc. Es war der einzige Augenblick. Latwald. Du hast es gehört, Gambriv, der Augenblick des Jägers, wenn das Wild gewiß fällt. Jngomar. Nun, Malwend . . Will sich der junge kühne Fürst der Marsen sondern, wenn cs auf nichts.Geringeres ankommt, als den Römern Unterricht von der eigentlichen 156 Beschaffenheit ihrer Lager zu geben? Kühnheit ist die wahrste Klugheit! Lntwald. Und was ist Tollkühnheit? Ing-inar. Wer kann Das immer bis ans die Spanne ausmeffen? Lalwald. Wer ein Heer führen will, muß eS auf die halbe. Kalwcnd (zu Ziigomar). Wann habe ich mich denn von den Entschließungen der Kühnen gesondert? Katwald! Schlachtordnung und Unterstützung wird durch unsre Schnelligkeit ersetzt. Wir, denen die Klippe gebahnter Weg ist, wir spielen den Wall hinauf. Lalwald. Wer soll denn der Eine sepn, der in der Schlacht bei dem nnvermntheten Vorfälle gebietet? alsdann besondcrs, meine ich, wenn wir geschlagen sind? Eambriv. Alsdann du! Latwal». Ich versteh' euch völlig, ihr Fürsten, wenigstens dich, Gambriv! Erst Jngvmar! und wenn er gefallen ist, Arpe; hierauf denn doch wohl du? Nach dir mein Bruder; alsdann ich. Ihr bringt dann alle Sicgmarn die Botschaft, daß ich es bin. Und nach mir (der Fürst der Chazer ist ein Wenig Verräther und bei Gcrmanicus, denn sonst . .), nach mir also Hermann. Ingo mar. Malwcnd, dein Bruder läßt gern solche scherzende, leichtfliegende Worte herumffattern. Auch liebt er Hermann sehr. Wir müssen ihm verzeihn. Laiwald. Allerdings verzeihn! und zwar, weil ich nun so blind bin und ihn ohne alle Kenntnis liebe und weil. . Bekränze dich, Brant, Gebier, o Mutter, und saug' in Ruh! Einst saugt sie dem Säugling die Wunde. Schutze, Gewaffneter, schütze sie! Lanz' und Schwert scy, wie der Fittig des Adlers, schnell, Wie die Klaue, voll Bluts! Viel spüle des Blutes der Bach weg, wen» am kühlenden Abend Das triefende Reh zum Siegcsmahle stürzt; Die Harfe des Barden dankt; mit der Sonne der Streiter Leben untergcht, mit dem Monde die Seelen ausgehn. Wodan, Wodan! bewaffn' ihn Wodan! Auch mit Weisheit und Kühnheit! So wächst der Wipfel der Freiheit hoch und sie währt, Wie die Eich' und ihres Sprosses Sprössling! Th ende. Ach, mein lieber Vater! Hermann. Was nun folgt, ist noch ernsthafter. Denn du sollst bei dem Schwert schwören, deine Mutter zu rächen! Thrudc. Das soll ich? Ja, das will ich! Ich will es, Wodan! ob ich gleich zittre. Ihr Fürsten, ich zittre vor Freuden. Hermann. Tritt wieder in die Mitte, mein Sohn. Leg' die Lanze nieder, zieh' dein Schwert und halt's in die Höh'. Habt Mitleid mit seiner Mutter, ihr Götter! Sprich mir nach, was ich dir vorsage. Bei diesem Schwert, o Mana! . . Th ende (er wirft schnell sei» Schwert weg und reißt seinem Vater das Schwert von der Seite). Wenn ich's ausführe, dann Hab' ich ein Schwert wie deins ist! Hermann. Mein Sohn! Ärpe. Welch ein Knabe! Latwaid. Schwöre, schwöre! du wirst es halten! Hermann. Bei diesem Schwert, v Mana! verheiße ich dir zu rächen . . Thenre. Halt'ein wenig inne, mein Vater. Ich kann jetzt nicht reden. Hermann. Bei diesem Schwert, v Mana! verheiße ich dir zu rächen die Schmach meiner Mutter Thusnelda! — den stolzen Triumphwagen! — die klirrende Kette! — durch Römerblut! — durch viel Tyrannenblut! — durch Säug- lingsmörderblut! — durch das Blut ihrer Feldherrn! — Gib mir das Schwert. Vierte Scene. Die Vorigen. Arcnna. Drenno (ju dem Drnlden, der hi» führt). Führe mich bester! Ist er hier? Laß mich nicht so fehl treten. Ist er hier? Hermann. Ach, mein Vater Brenn», wo kömmst du her? Nrcnna. Nun, so bist du denn hier. Ich habe nicht durchkommen können! Schon lange habe ich hier seyn wollen; aber die reißenden Regenbäche und mein Alter und daß mir der Tag nicht mehr leuchtet! Ich habe bei den Siegern seyn wollen. Das ist die Zweite! Ja, die Sieger haben Wodan mit mir opfern sollen. Und nun geschieht es ja auch. Nun, so bist du denn hier. Deine Hand, mein Sohn Her- mann, denn ich kann dich nicht sehn! Hermann . Vielleicht hatte Varus auch so viel Hoffnung. Flavins. Vielleicht auch nicht. Wir sind näher bei dem Damme als ihr; auch ist er so breit, daß wir bald darüber kommen können; und dazu ist jenseits die Waldung weniger dicht. Ingomar. Unser Entschluß ist gefaßt. Flavins. Die Wege nach dem Rheine zu mögen wohl zu gut für uns seyn. Ich sehe, daß die Kleinheit unsers Lagers euch reizt: und allerdings vcrräth sie euch, daß wir viel Tobte haben. Doch, was rede ich hiervon? Genug, daß der Damm nah und breit ist. Vambriv. Das war viel Gespräch von einer Sache, die durch Gespräch nicht ausgemacht werden kann. Wie kommt 188 dir dieß Trinkhorn vor, Römer? Doch, du trinkst aus zierlichen Schalen; also wohl ziemlich barbarisch? Flavins. Du scheinst große Trinkhvrner zu lieben. Latwald. Ja, Die liebt er! Das zweite, Gambriv, das du vom Rande herunter leertest, schmeckt dir auch wohl jetzt noch sehr köstlich nach? Vambriv (zu Flavmö). Was kann ich dafür, daß der Nr, den ich erlegte, und von dem ich das Horn nahm, so groß war? Ihr jagt wohl drüben über den Gebirgen nichts als Rehe, oder fangt Vögelchen. Wie haltet ihr's, wenn ihr nun eins von denen mitgefangen habt, die euch Schlachten, wie es ihrer in Deutschland gibt, zu weissagen pflegen? Laßt ihr es in der Angst fliegen, oder rupft ihr's? Flavins. So ein's machen wir kirr; und so wird's klüger und weissagt Sieg. Hcrmann. Damals, da ich Brenno erbat, die Lose nicht zu werfen, lag unser Vater todt vor uns, und ich wußte es nicht. Du erräthst, welche Einwilligung hierdurch die Götter von mir abwandten. Willst du sie wegen des letzten Blutes deines Vaters nicht aussöhnen, das ihm in einer Schlacht floß, in der du wider ihn strittest? Flavins. Ich habe den Tod meines Vaters beweint, nicht ohne Verwunderung, daß er, der kühne Krieger, so alt geworden war. Vrcnno. Du hättest damals die Thräne noch gekannt? Es ist umsonst, Hermann, daß du dieß Römerherz bewegen willst. Hermann. Ich traue Siegmars und Bercennis Sohne noch Viel von dem Herzen eines Deutschen zu. Flavins. Ist meine Mutter in dem Lager? 189 Theude. Ja, deine Mutter ist hier; aber meine Mutter ist in Rom! Hast du meine Mutter in Rom gesehn, Flavins? Flavins. Ist Das dein Sohn? Du hast ihm schon Waffen gegeben? Theude. Ja, ich bin Thusnelda's Sohn, und ich habe bei dem Schwert . . Soll ich es ihm sagen, mein Vater? Flavins. Was wolltest du mir denn so gern sagen, lieber Knabe? Theude. Ich heiße Theude! und ich wollte dir sagen, ja ich sage dir, daß ich meiner Mutter Thusnelda Rache bei dem Schwert geschworen habe! s Schnd gelehnt). Das also war die Standhaftigkeit der Katten? Ärpc. Wir wissen selbst in der Schlacht zu weichen. Malmend. Aber auch umzukehren. Ärpc. Ich bin nie standhaft, um es zu sevn. Andre Sachen, andre Entschlüsse. Malmend. Ich bin standhafter als du, weil ich da keine Aendrung sehe, wo keine ist. Ärpc. Ich habe dir vor der Schlacht nichts mehr zu sagen. L atwnld. Du zweifeltest ja im Anfänge selbst, Malwend. Malwrnd. Aber ich entschloß mich! Aatwald. Das waren der Worte viel, um zu sagen, daß man weiser sey, als selbst der Fürst der Katten mit dem Blüthenhaar! Malrvcud. Standhafter, sagt' ich. Aatwald. Der Standhaftigkeit also sehr viel; aber der Weisheit etwas weniger. Malwend. Rascher Jüngling, du weißt zu sehr, wie ich dich liebe. Aatwnld. Und du wenigstens recht gut, wie ich dich! Laß uns von Dem sprechen, wovon ich erst anfing, was wir uns alle für Freude machen wollen, solang Cäcina noch an der letzten Wurzel zehrt. Für's erste Tanz bis die Sonne snfgeht, zum Anfänge geflügelter kattischer, dann der wilde der Tenchterer, auch der mit dem Marsenschritt, dann der hohe stolze Cheruskertanz, wie um Tentoburgs Denkmal! Und schlafen müssen wir doch endlich auch ein Mal. Kurzer Schlaf; dann in den Fluß, wie wir's im Frieden gewohnt sind. Denn Der währt ja, solange sie im Lager bleiben. Ihre Lanzen das Bad trüben? Dazu liegen unsre zn dicht am Ufer. Unterdeß haben die häuslichsten Mädchen der Wagenburg Rehe für Arpe und seine Kriegsgefährten geröstet; und für uns klebrige Wild, wie es vor dem Bogen gefallen war. Nun sind wir wieder da und halten den Morgen- schmaus. Beim Schmause allerhand Erzählungen aus der alten Zeit: da der Cimbrer zog; da Melo und Baitorit mit Lollins Waffentanz hielten, bis sein Adler in deutschen Schatten nistete; da wir an Britanniens Küste strandeten und dort doch thaten, Was wir wollten; da wir in Phar- salien dem hirnvollen Kahlkopfe den Lorber flochten. Auch aus der neuern Zeit: da (denn nun, nun dürfen wir von Teutoburg reden), da der Jüngling Hermann die beiden ersten Tage manch Mal allein schlagen mußte; da aber am dritten Abend Varus Kopf Marbod geschickt wurde und durch den nach Rom; da der Marse mit dem Cherusker um den Adler stritt; da Thusnelda, wie eine Braut, verliebt war und tanzte und sang, auch von ihrem Theude sang, dem schönen Knaben mit den schonen Waffen! Thcudc. Von mir ? (Cr stürzt auf Kinwuld zu uud küßt ihm Schwert, Lanze und Schild.) Latwald. Eine Bitte mußt du dem Uebermaße meiner Freude zugestehn, alter hercynischer Katte: ich habe euren neuen Siegstanz noch nicht gesehn. Herminvne soll ihn uns tanzen. Arpc. Jetzt tanzen? Dazu sind uns die Römer zu nah und es tagt bald. Latwald. Und wenn der Mittagsstrahl herunterstrahlte, so sind uns jetzt, da du ans unsrer Seite bist, die Römer nicht zu nah. Wir legten die Waffen ungestraft in den Wald und tanzten auf dem Anger! Nun, Arpe, du warst ja einst auch Jüngling und mochtest gern den Reihn sehn! Soll ick die Fürstin Herminone nun herauf begleiten? Ärpc. Ich weiß nicht, ob meine Tochter diesen Tanz recht tanzt. Latwald. Was? sie tanzte lhn nicht recht? Alle unsre Barden wünschen sich in ihren Lenzgesängen, daß diese dem Tanze der Fürstin Herminone gleichen möchten! Ärgc. Aber eure Bräute sagen ja, der neue (attische Siegstanz komme an ihre Tänze nickt. Ltatwald. Fürst Arpe, Das ist Neid, wie schön und wie schlank unsre Bräute auch sind. Laß mich nur hingehn, ich bitte dich, laß mich hingehn! (Ergebt.) Ärpe. Wie könnt' ich dem ungestümen Jünglinge widerstehn, Jngvmar? I»goinar. Weil wir denn doch so gewiß in der Waldschlacht siegen und es hernach mit den Römern, wenigstens in Deutschland, ans sepn wird; so laß uns, eh' er mit deiner parteiischen Fürstin wiederkommt, ein Friedenslied singen hören. Ich bin ohnedieß des unaufhörlichen Kriegs müde, und unser Heer vielleicht auch. Werdomar, das Friedens- lied, das du am Bache sangst. Ärpc. Glaube mir, Jngomar, daß ich noch aus besseren Ursachen, als du etwa jetzt hast, gern Friedenslieder höre. Vambriv. Du, Karte, Fricdenslieder? Aber du scheinst mir überhaupt etwas zu altern. Arpe. Nämlich seitdem du das Horn weggabst. Wende dich mit dem Gesäuge gegen das Heer, Werdomar, damit es erfahre, daß seine Tapferkeit nun bald Friede belohnen werde. Zwei Stimme». Hasse! die Chazer, die jetzt im Römerbnnde sind; Einst waren sie edel und werden es wieder setz»! Weise, wie sic, wollen wir aus dem Berge Waffen Graben n»d von der volleren Aehre rauschcn höre» das Thal! Lwci Chöre. Kein deutsches Blut fließe von deutschen Lanzen in des Haines Vach! Wir, die die stolze Noma nicht bezwang, wollen uns Mehr verehren und sparen den mnlhigen Frühlingsschwarin Der Siegerin znm Ucberwinder. Ein Chor. O Sommermorgen, wie leuchtest Lu Durch des Haines grüne Nacht, Sanft, wie der Geliebte, dem die Braut Die ersten Waffen umkräuzet hat! Luici Darbe». Seht ihr? er kommt, der Jüngling AlzeS kommt In dem Schimmer des Hains daher. Auf, eilet und brechet dem Gotte Die jüngsten Blumen der Heerde! Er wandelt, und sein lichtes Haar Schwebet ihm herab bis zu der Ferse. Ihm ruhn in dem Nucken die Hände; Dort verbirgt er des Schweißes Lohn! Ein Chor. Legt weg die blutige Lanze, Und verdient, was der Gott dem Krieger verbirgt: Des Angers goldenen Apfel, Und des Hügels röthliche Traube. Lwei Chöre. Hinter Alzes führt den Friedenswagen Hertha'S Sein Zwillingsbruder Alzes. Die Göttin mehret die Ernte Und die Lese der Götter. (Herminone und Kaiwald kommen. S!e hält einen Kranz von Eichen ianbe in der Handl) Auf, eilt, cs töne der Köcher, Es rausche der Vogen, fliege der Pfeil! ES fallen, fallen der Göttin Die jüngsten Hirsche des HaineS! 205 Ärpc. Wo ist deine Mutter? Hcrminoiie. Sie tröstet Bercennis, daß sie Flavins gesehn hat. Ärpc. Beleidige meine Freunde nicht! Herrn inane. Beleidigen? Das werde ich nicht! Aber laß mich lieber wieder umkehren, wenn ich nicht thun darf, was ich will. Latwald. Du scherzest, Arpe. Ein Fürst ohne Freiheit ist ein Krieger ohne Waffen, und ein Mädchen ohne Unschuld. Ärpc. Sv laß sie denn tanzen und thun, was sie mag. Ihr Fürsten, ihr rechnet mir's nicht an, was sie thut und wie sie es thut. Iw ei Narben. Das Mädchen bringt des Haines Kranz! Allein Wer wird der Krieger seyn, Dein sie den Kranz Um die Schläfe windet? (Die Musik der Instrumente währt durchgehends nach dem Gesänge der Barden noch etwas fort. So lange Beides währt, tanzt Herminone.) Herminone. Da bring' ich euch des Haines Kranz! Ich weiß wohl, Wer der Krieger ist, Dem ich den Kranz Um die Schläfe winde. Die Narben. Das Mädchen tanzt und blickt und wählt, Und nimmt den Schild dir; * nimmt ihn nicht. " Sie nahet sich Kaiwald, aiS ob sie ihm den Schild nehmen wollte. CS wird oorauSgeseyt, man wisse, daß sie nur Einem von den Dreien, dem sie Schild, oder Schwert, oder Lanze genommen hat, den Kranz gebe» werde. Allein Wer wird der Krieger seyn, Dem sie de» Kranz um die Schläfe windet? Hcrminon c. Hier bin ich und nehme de» Schild, Malwcnd, dir. Ich weiß wohl, Wer der Krieger ist. Dem ich den Kranz nm die Schläfe winde. (Sie bringt ihm den Schild wieder.) Die Barden. Das Mädchen tanzt und blickt nnd wählt, Und nimmt das Schwert dir;' nimmt es nicht. Allein Wer wird der Krieger sei)», Dem sie den Kranz nm die Schläfe windet? H crm ins ne. Hier bi» ich nnd nehme das Schwert, Karwald, dir. Dn weißt wohl, Wer der Krieger ist, Dem ick den Kranz nm die Schläfe winde. (Sie bringt ihm das Schwert wieder.) Die Barden. Das Mädchen tanzt nnd blickt nnd wählt, Und nimmt die Lanze dir;" nimmt sie nicht. Allein Wer wird der Krieger sei)», Dem sie den Kranz nm die Schläfe windet? Herminonc. Hier bi» ich und nehme die Lanze, Hermann, dir! Sie naht sich Hermann Sie naht sich Gambrib. 207 Ich weiß wohl, Wem das Vaterland, Mit mir, den Kranz nm die Schläfe windet. (Sie bringt ihm die Lanze wieder. Die Musik ändert sich.) Ich hebe dich, o Kranz des Hains, Frei durch die Sieger, empor. Von der glänzenden Sichel sank dein Laub Auf den weißen Teppich hin. Da flocht' ich dich. Des sanften Mädchens Thräne floß Voll Freud' auf dich herab. Als sie dich flocht, o Kranz des Hains! Nun bring' ich dich dem Edelsten Der Krieger, Hermann bring' ich dich. ( Die Musik währt ohne Gesang fort, indem sie Hermann den Kranz aufseßt.) (Die Musik ändert sich von Neuem.) Also kränzet ihn mit dem goldenen Laube, Göttinnen, einst in Walhall! Sie nimmt Theude bei der Hand und geht schnell mit ihm weg.) He rinn NN. Das dachte ich nicht, daß ich würde so stolz auf die Freundschaft der Tochter werden, als ich's auf die Freundschaft des Vaters bin. Arpe. Du siehst, daß die Träger des Blutrings auch Lieder haben. Lntmnlb. Ein's verdrießt mich nur, Hermann, daß es meine Braut nicht war, die dir den Kranz brachte. Wie wird das arme Mädchen weinen, wenn ich's ihr von Herminonen erzähle! Ich sagte euch, ihr Fürsten, als Hermann noch nicht bei unserm Feste war, daß ich Werdomarn den rohen Gedanken zu einem Liede gegeben hätte. Dieß sollen 208 euch die Barden jetzt singen. Ader nun verdrießt mich noch etwas. Es ist kein Kranz für dich in dem Liede, Hermann! und ich und meine Braut lieben dich doch so sehr. Gambriv. So tröste dich denn wegen deines vielfachen Verdrusses damit, daß ihn denn doch ganze Eichen zu sehr belasteten. Latwald. Als wenn du meine Freude stören könntest, Gambriv! Werdomar, laß die Barden hinunter gehn. Werbomar. Ihr und noch ihr, ihr auch noch, nach der Seite der Römer zu, und ihr klebrigen ans unsrer Seite! (Die Barden gehn. Werdomar folgt.) Gambriv. Nun, dieß Lied höre ich noch mit an. Aber wenn es ans ist, so geh' ich den ganzen langen Tag auf die Jagd. Denn zu thun haben wir ja nichts. Ich dächte, du gingst mit, Katwald. Du bist ja der Jagd auch nicht feind. Wenn wir bei einander wären, so geläng's uns etwa, den Römern mit dem Anbruche der Nacht einen Hirsch ins Lager zu treiben, und so könnten wir sehn, ob es diesen Kriegern, die wir uns nicht anzugreifen getraun, mit dem Hirsche eben so gehn würde, wie es ihnen diese Nacht mit dem Pferde ging. Die Barden Walhalls. Erster Priester und erster Richter der Cherusker, weihe mir den Schild und sprich das Wort an die Götter. VreIIna. (Er umflicht den Schild mit Hülfe deö Druide» etwas über der Mitte, und hält ihn in die Hohe. Kanvald kniet mit dem linken Knie auf die Lanze und breitet die Arme aus.) Eure Streiter, ihr Götter, Hermann, Siegmars Sohn, und Katwald, der Svhn Malorichs, er und er, Ursöhne von Hertha, rufen nach 22L euren Altären hin: Kund thun wellest du, o Wodan, Allvater, und kund wollet ihr thun, ihr andern Götter und Göttinnen, ihr des Schwertes, und ihr der Sichel, vor Allen ihr, o Alzes, weil wir eures Bundes Verbündete sind, kund durch das Todesblut dieses Fremdlings aus dem römischen Volk der Quinten, der hier mit seinen Waffen vor ench steht, seinen Schild tragend nnd seine Lanze haltend, der aber kein freier Mann mehr ist, wie sein Vorfahr, sondern Knecht eines Imperators, durch sein Todesblut kund thun: Daß die Deutschen über die Welttyranncn in der Waldschlacht siegen würden. Sendet ihm dieFehmgöttinnen, die Göttinnen des Unheils und des Jammers, die Düsen mit all ihrem Graun und Entsetzen, daß sie ihn schrecken, und an ihm Wunden sich öffnen und nicht schließen, daß er hinstürze und sich nicht aufrichte, daß er sterbe und nicht lebe! Äatwald. (Nachdem er aufgestanden, und mit seinem wieder- gemmimenen Schilde neben ValeriuS getreten ist.) Singt, Barden. Lwci Barden. Da steht er vor euch, der euch fragen will, Ihr Götter! Laßt mit lauter, freudiger Stimme die Antwort Ihn bringen, und nicht mit sterbender! Der Priester Wodans hat ihm Die Waffen geweiht Mit dem heilige» Laube des Hains, Er sich die Seele mit Math. Schopfe, Göttin der Fehm, bleiche Düse, Deinen nächtlichste» Quell, Und geliß, die Schale gefüllt, ihn ans lieber den Fremdling, der mit dem Deutschen kämpft. 225 Die Lodeswoike schweb' um ihn! Er sehe sie wallen und hör' in ihr Des Donners Stimme Sich furchtbar wälzen' Deutschlands Kämpfer sehe Schimmer, Seh' ihn, wie durch die Dämmrung des Hains Die Wolke des kommenden Tages, Und hör' aus ihm die Stimme des Vaterlands! Ha, unser Waffentanz! Ihn tanzt kein Fremdling! Ha, unser Lanzenwurf! Keiu Fremdling wirst Den Lanzcnwnrf der Deutsche»! Der Priester Wodaus weihet dich auch, Aber dem Untergänge dich! Eh es fließet, sieh schwarz ans der Wunde Fließen, o Fremdling, dein Blut! Deutschlands Kämpfer, hebe die Lanze! Der Quell stürzt; Die Todeswolke schwebt; Sic wallt, sie wälzt Donnerstimmen! cDie Fürsten stehen anf und geben ihren Äriegsgesährten die Waffen, welche sie anf ihren Sitzen »iederlegen, Thcude legt seine bei Hermanns Sitze nieder.) Valerius. Ich verberge es euch nicht, dieser Leichengesang war fürchterlich. K a tun,! d. Hermann? Hermann. Ja, wenn du willst. Aatwalb. Komm, Malwend. Klopstock, dram. Werte, il. 15 226 Malmend. Du hättest dich wohl für die Schlacht sparen können. Äatniald (zu Hermann. Sie umarmen sich). Bis zum Wiedersehn. Vamdriv. Wo, Katwald? Latwalr. Hier oder in Walhalla. Hermann (zu Valerius, indem er ihm die Hand gidt). Möchte unsere Zusammenkunft nicht so kurz gedauert haben. Valerius. Wann gibst du mir die Freiheit? Hermann. Gleich. Valerius. Also kann ich diese Nacht noch zu Cäcina gehn? c. Es dämmert schon. Nehmt den Nachtgefährten. Hermann (indem er weggeht und nach dem Nachtgesährten sieht). ü, du Wegweiser nach Walhalla, bei dir blutete mein Vater sein Todesblnt. (Cr kehrt NM, nachdem er schon nicht mehr gcsehn wurde und tritt dicht vor Arpe und Jngomar.) D» siehst Meinen tiefen Gram, Arpe. Fass' ihn, wenn du kannst. Ich glaubte, daß du ein Mann sevn würdest, und du warst kein Mann! Und du, Siegmars Bruder, wisse du, baß Augustns, der Römer, Das, wovon ich sprach (verstehst du mich nicht? ich meine Uns im Capitol), nach der Niederlage bei Teutoburg fürchtete; und daß es Siegmars Sohn, der Deutsche, damals noch nicht für reif hielt; daß es aber Tiberius, der Römer, jetzt nicht fürchtet, und daß es Siegmars Sohn, der Deutsche, jetzt für reif hält. Dieß lerne du, deß Herz keine andre Kraft, als Stolz, und dessen Geist keinen Blick für die Wege und Umwege hat, ans denen man gewiß ankommt! unwürdiger Bruder des MannS, der deutscher war, als wir Alle sind! (Cr geht langsam weg.) Breuna. Ich bin der Aelteste unter Euch, allein nie ist mir etwas so heiß durch mein Her; geströmt. Und dock blieb ich ruhig. Denn ich dachte gleich: wenn es die Götter wollen! Wenn mir Hermann vordem manchmal in seinem Stolze sagte (in seiner Jugend hatte er Stolz, aber edeln): nur du sollst mich loben, Brenno! so dacht'ich, daß ihn nur Wenige loben könnten, und etwa» auch ich; aber heute kann ich es nicht! O, mein Freund Siegmar, welchen Sohn hast du uns hinterlassen. Latwald. Es gibt mir doch Keiner von euch Schuld, daß ich mir einbilde, ihn loben zu können? Aber ich bin außer mir. Das heilige Laub im Capitol vor Jupiter niederlegen! ich weiß nicht, wo ich mich vor Freuden hinwcn- den soll. Ärpe. Unser naher Angriff zeigt sich mir jetzt noch von einer andern Seite. Wir halten mit dem Lager hier unten Vorübung, daß wir's verstehen, wenn wir zu dem Lager an den Wolken kommen. Vrcimo. Sieh', noch viel andere Sachen, auf nvcb viel mehr Seiten: es hilft dir doch nichts; er bleibt doch der Liebling des Vaterlands und der lauteste Name des Bardengesangs. Ingo mar. Wir können ihm verzeihn. Er liebt' ihn lange. Genug, daß diese Schlacht die Schlacht der Fürsten ist. Vrcnno. Ihr habt mir nichts zu verzeihn. Ich aber habe mir geantwortet, daß ich es euch nicht verzeihen will, daß ihr euch wie Felsen härtet, ihn zu verkennen. Lat wald. Ja, behaltet sie für euch, diese Schlacht. Hermann wird sie euch nicht neiden. Doch, sie währte drei Tage. Die ersten beiden waren Siegstage, und Die gehören Hermann. Vambriv. Katwald! aber ich will unten wüthen, und 238 nicht wider diesen Jüngling. Unten und bald zeige ich dir, daß uns wenigstens dieser dritte Tag ganz zugehören soll! Latwald. Nun unten denn! Ja, ich meine es auch so. Wenn uns dieser dritte Tag nur über die Gebirge führt, so söhne ich mich mit euch ans. Es soll sich sehr schön an diesen Gebirgen in die Thäler hinabziehen, wie mir mein Bruder gesagt hat. Malwend, willst du, daß ich unsere Marsen, die du mir anvertraut hast, gegen die Deknman führe? (Sambrlv. Du gegen die Deknman? Ich führe gegen die Deknman! Latwald. Ich dächte, du ließest Die, welche den Adler noch haben, immer gegen sie heranrückcn! Ingomar. Schweig, ich bitte dich, schweig, Gambriv. Ihr Fürsten, nichts mehr von den Adlern! Nichts mehr von diesem Allen! Fürst Malwend selbst gestattet es nicht, daß uns Katwald mit seinen wenigen Hunderten dort wage. Malwcnd. Ich wehre es nicht, daß Gambriv dort entscheide. Latwald. Du bist rauh, Gambriv, aber ich hasse dich nicht. Das Blutspiel und die Ehre des Vaterlands verbinden unS. Nun zürne nicht mehr. Du warst nur unglücklich. Ich will dich gern vor der Deknman sehn. Laß mich dir nur manchmal zurufeu: dort durch, nach den Gebirgen zu! Arpe. Wie dein Bruder Hermann nachschwindelt! Malwcnd. Ich liebe meinen Bruder, Arpe! Drcnno. Arpe, laß diesen edlen Jüngling immer mit dem Manne des Vaterlands schwindeln! Wenn es die Götter wollten, daß ihr mit einander hinüber gingt; wie leicht (unterdrücken wollt ihr ihn jetzt, aber er duldet's nicht) würdet ihr ihm dann seinen Mnth verzeihn. Ärpc. Mich däucht, der Tag dämmert schon. (Za eiacm 239 KrlegSgesäbrten. Slaige derselben waren nach Hermanns Weggehen znrnck- gekumme»., Gehe hin und begleite unsere Fürstinnen hier herauf. Eile, der Sturm des Lagers beginnt nun bald; und hier sollen sie zu dieser Zeit seyn. Stell einen dichten Schwarm Kalten zwischen Strauch und Verhau, schlanke wilde Schößlinge, denen der Haarbnsch nie fest hält. Was hindert uns, ihr Fürsten, daß wir jetzt gleich aufbrechen? Inga mar. Wir wollen, Arpe; denn es ist die rechte Zeit. Das Lager also von allen Seiten, ihr Fürsten! <3u drm Träger.) Tritt mit dem Nachtgefährten vor mich. Du Gambriv, schwenkest dich zuerst. Der Weg zur Dekuman ist der weiteste. Wo steht Hermann? Ärpc. Bei mir. Malwend. Ich bei Hermann. Ingo mar. Aich dich an mich heran, Katwald. Latwald. Ja, wenn du eS gebeutst. Sonst stelle ich mich vor Hermann. Ingamar. Thu's! Ich bedarf Deiner nicht! «Za dem Träger., Geh. , sch. Das sind wir Fürstinnen. Das Gesträuch hier herum geht ganz bis zum Fuße des Hügels hinab. Unren ist ein Verhau, und (der Kriegsgefährt hat mir's gesagt) zwischen Busch und Verhau wimmelt's von Katten. Der schmale Eingang, durch den wir gekommen sind, ist der einzige, und dort haben wir manchen Blutring gesehen. Zslawona. Ja, Das haben wir. Herminonc. Und doch sind wir hier nicht sicherer. Denn Bercennis kann eher fliehn als wir. Hermann rieth den Sturm nicht und ordnet ihn nicht. Isläwana. Chcruskerin! ist denn dein Vater nicht der erste der Feldherrn, und ob es gleich Jngomar zu seyn scheint? Herminanc. Wenn du so redest, so schweig' ich. Nrenno. Libusch, dein Blick ist scharf; tritt hin, wo du das Lager am Besten sehen kannst. Lidusch. Ich gehe. Lrcniio. Was siehst du? Li dusch. Wir rücken von allen Seiten entschlossen an. Im Lager der Römer ist Alles still, nur einzelne Wacken irren auf dem Wall ängstlich umher. Nrenuo. Ist es schon Tag? Lj dusch. Noch nicht, aber es dämmert schon recht hell. Ich weiß nicht, schauert der Morgen zu kalt, oder ist mir sonst so sonderbar zu Muthe? Istawana. Du siehst auch weit. Gehe auch hin. Hcrminone. Ich? Vermnthlich, um den großen Cherusker fallen zu sehu, oder gar meinen Vater? Istawana. Dieß wendest du vor. Sage, was es ist, wovor du dich fürchtest? H-rminane. Nicht vor den Romulus und Remus auf den Helmen; aber davor, ich fahre fort vorzuwenden, daß nur wenige Römer da so mit Aengstlichkeit auf dem Wall herumirren. Ach, wie nah ist das Alles! wie nah dieser leise Todesschritt! (Cb scheint, als ob sie hinhorche.) Drcnna. Ist dir Das üble Vorbedeutung? Hccminanc. Vorbedeutung? Weiß ich es etwa nicht von Katwald, daß es Hermann Alles so vorhergesagt bat? Aren na. Was ssehst du, Libusch? Libusch. Wir füllen die Graben. Drcnna. Und im Lager der Römer? Libusch. Wird es noch stiller. Drcnna. Führe mich zu Hermanns Stein. Dort will ich sterben. Illäwona. Ja, wenn selbst Brenn» erschrocken ist . . . Drcnna. Muß ich denn erschrocken se»n, weil ich sterben will? Führe mich, Libusch! Hcrminonc. Ich will dich führen. Drcnna. Gute Kattin! Wenn du nur entrinnst! Dock der Gram wird dich früh genung tödten. Istnwona. Libusch? Libusch. Wir fangen an überall hinaufsteigen, ja überall hinaufsteigen zu wollen: aber nun sind alle Römer von dem Walle weg, und Alles regt sich in dem Lager auf eine ganz besondere Art. Älop stock, dram. Werke. 11 16 242 HcrminoIIc. Nun, meine Mutter, hörst du das Rasseln des hohen schimmernden Wagens noch nicht? Ikiinioiia. Muß ich's dir denn noch ein Mal sagen, daß Arpe Feldherr ist? Libusch. Ach, des schnellen lauten Schmetterns! Weh' mir! des wüthendcn Schmetterns von allen Hörnern der Legionen her. Weh mir! sie stürzen aus allen Thoren heraus; lauter Lanze und Schwert und Flammenblick! Hcrmiiionc. Hörst du es nun, des Wagens Rasseln? nun, nun, meine Mutter? hörst du cS? hörst du cs, meine Mutter? Mawoini. Ach! ich mag nicht mehr fragen! Li bi, sch. Und ich nicht mehr antworten! cEr wende! aa, weg.) Iüiiwona. Tritt herum, Libusch! Verlaß uns nicht, Libnsch! Irenno. Es ist also geschchn? Hermiiione. Das, ihr himmlischen Mächte, Thor und Wodan! und du, o Tanfana, deß Tempel durch sie in seine Asche sank, Das also, nach Tentoburgs Schlacht? Drcniio. Sichst du Hermann? Li in, sch/ Ich seh ihn nicht. Lremio. Siehst du Arpe? Libusch. Ich seh ihn nicht. Irciino. Fürstinnen, heitert euch auf! Lferminonc. Ich bin recht heiter, Brenno. Drcnno. Nun kann es noch gut endigen! Sie zogen sich vielleicht in einen Hinterhalt zurück, um daraus, zu ihrer Zeit, hervorzubrechcn. Libusch. Gambriv muß von der Dekuman weg. Cs wird immer blutiger um ihn her. Er wüthet umsonst und er ist so ungeberdig dabei. Ich weiß nicht, wie mir ist. Die Lache der Verzweiflung und des Spottes wandelt mich zugleich an! Drcnno. Und Jngomar? Libusch. Ist vorn. Der Greis wagt sein Leben sehr. Ach, jetzt sinket er von einer Wunde hin, aber seine Kriegs- gcfährten dringen vor. Jetzt ziehen sie ihm den Wurfspieß aus der Seite. Hcrininoiie. Siehst du Hermann noch nicht? llibusch. Nein. Aber Katwald fliegt überall umher, und muntert auf! und führt an! So sah ich noch Keinen das Roß sprengen. Welch ein kühner Jüngling! Nein, nein, ich kann nicht mehr hinsehn. Es wird überall zu blutig! Sie tödten sogar Barden, so wüthcnd sind sie! Auch die Wagenburg fangt an zu fliehn. Ich sch, ich seh ihr fürchterliches Geschrei! Ich halte es nicht mehr aus! (Cr geht weg nnd sinkt an einen Stein.) Illäivona cnach langemStüischweigen). Was hören wir dort unten am Eingänge für ein Seufzen? Hcrininoiie. Vielleicht von einem unsrer Kalten, der sich aus Verzweiflung tobtet, weil er uns nicht retten kann. Vierzehnte Seene. Jngomar. Die Vorigen. Ingo mar (indem er heransgeführi wird). Laßt mich nur hinsinken. Ich kann doch nicht stehn, wenn ihr mich auch haltet. Lrenne. Hier ist die Stelle deines bösen Rathschlags und hier blutest du! Zngomar. Laß mich! Ha der Schmerz! Unten, wo ick schlug, da blutete ich zuerst. Srcnno. Um hier fortzubluten, hier au dieser Wunde, oder au einer neuen zu sterben, oder gefesselt zu werden. Ingo mar. Du peinigest einen Leidenden! Srcnno. Und mich der Gedanke, daß unser Heer zum Tode hingeführt ward, und daß jetzo so viele seiner Scharen in Blute . . Das sind mehr Leidende! Ingo mar. Gib mir Heilungskränter. Srcnno. Ich habe keine Heilungskränter. Die gäbe ich dir. Ingomar. Ich will keine Heilungskränter von dir! Srcnno. Und ich gäbe sic dir, hätte ich sie: aber ich fluchte dir dennoch, daß du dein Vaterland einer zweiten Teutvbnrgschlacht beraubt hast, und daß du, denn du hast noch mehr gethan, so schwer es auch scheint »och mehr thnn zu können, daß du uns an einen Abgrund gebracht hast, wo dieser Germanicns. . Doch ich mag in das blutige Schauspiel nicht Hinblicken, daS er nun spielen wird. Ingo mar. Laß du die Fürsten wegen seiner Spiele sorgen. Srcnno. O, läget ihr, du, Arpe und Gambriv und schlummertet und hättet ansgesorgt, damit Hermann wieder allein sorgen könnte. Er wußte es und er weiß es, was eS ist mit den Römern schlagen. Er nur hat die rechte, laute, volle Stimme, den Untergang über sie herbei zu rufen, und nicht ihr! Ingo mar. Du urtheilst nach dem Ausgange. Srcnno. Nach Ausgängen nrtheile ich; nach einem — Illäwona. Auf, Libusch, auf! tritt wieder hin! Srcnno. Nach einem, wie ihr ihn einst zu Drnsns Zeit; und nach einem, wie ihr ihn euch jetzt zubercitet habt; »ach solchen Ausgängen! Ingomar. Wenn dn mich traurig machen könntest; so würde ich es jetzt. Drcuna. Und dn kannst nicht einmal trauern, daß du deinem Vaterlande der Dolche zu Tausenden inS Herz stoßest? Ich bin alt, und ich habe viel Elend gesehu: aber keines gleicht dem, wenn böser, gewarnter Rath, der das Heil Aller angehr, wenn der obsiegt, nnd die böse Folge gleich dicht an der Ferse hat. Ingo mar. Ach, meine Wunde! meine heiße Wunde hier! Hcrminonc. Und meine heißre hier! (Sie weiht ans ihr Her!.) Denn vor dem Triumphwagen werd' ich wie eine Blume hindorren! Mir wird die Espe über dem vaterländischen Grabhügel nicht wehn. In ein kleines Todtengeschirr werden sie meine Asche schütten, und es neben ihre stellen! O, tröffe deine Wunde da, du ehrsüchtiger Herrscher, tröffe, sie von Todesblute! Nrcniio. Ist Libusch wieder hingetreten? Istawona. Nein. Vrrnuo. Ermanne dich, Libusch. Es tröstet die Fürstinnen doch ein Wenig, wenn sie nur wissen, wie es gehr. Libusch. Ich kann nicht. Ich mag die Barden nicht tödten sehn. Herminonr. Ja, von Todesblute, Ingomar! Ingomar. Das kann eine junge Fürstin sagen? Hrrinilione (indem ge sich ihm mebr nah». Das kann sage», und Das sagt ein junges, gutes, unschuldiges, stolzes Mädchen, eine Katrin, wie Wenige sind, und die du, Cherusker, und du allein elend gemacht hast! Aber sie sagt noch mehrt Genese von deiner Wunde, damit du auch vor dem Triumphwagen, und dichter als sie, an dem Cäsar gehn könnest! Äioostock, dram. Werke. II. 17 Und spät erst nehme dich das Todtengeschirr auf, daß du lang ein Sklav sepsr! Ingomar. Was gehn dich Schlacht und Triumph au? Hcrminonc. Und was dich große Thaten, da du ge- rathschlagt hast, wie du gerathschlagt hast? Ingo man Habt ihr sie mir zur Walküre gesandt, ihr Götter, die iu dem Zweikampfe für die Waldschlacht entschieden? Hcrminonc. Hat er nicht Heer nur und Vaterland beleidigt? auch die Götter? Hast du Das, so sei) ruhig. Du wirst genesen! Hela sendet keine Walküren. Istäwona. Hör' auf, hör' auf, Herminone! Drcilno. Laß sie glühu. Sie ist gerecht. Herminone. Das auch liegt auf ihm, daß vielleicht jetzt die Götter zu Hermann und zu meinem Vater und zu Kat- wald die wirklichen Walküren senden! Es wird mir Nacht vor dem Blicke, als stünde ich an einer Felskluft. Die Göttinnen schweben, schweben, treten mit ehernem Schritt, schweben wieder, wandeln wieder, wandeln wieder! Ach! Ingo mar. Hört sie die Walküren wandeln? Hcrminonc. Zu dir nicht! Jüawona. Was siehst du denn immer so nach deinem Köcher? Hcrminonc. Glückliches Reh, das bald blutet, wenn es die Jäger umzingelt haben, und nicht wilden Knaben zum Spiel ins Gehege getrieben wird. Ist» mono. Wirf den Köcher weg! Hcrminonc. Meinen lieben Köcher, den mir die gefangenen Fabier machen mußten, und an dem ihre Bräute die gefesselten Fürstinnen der Kalten erkennen sollen? Istamona. Ich gebiete dir, wirf ihn weg! Hermincnic (sie nimmt ihn ab, streuet die Pfeile um sich her, laßt den Köcher hinsinken und seht sich unter den Pfeiler nieder). Du (sie n-eiSt auf die Pfeile), oder du, oder auch du. Ifläwona. Was sagst du? Hcrminonc. Ich sagte nur, dieser Pfeil, oder der, oder jener hätte Wild zum Siegsmahle gefällt, wenn die Fürsten heut nicht weiser nnd klüger gewesen wären, als Hermann: und nnn sag' ich, daß mich die Römerinnen wegen der vielen Fragen dauern, die sie erst thun müssen, eh sie erfahren, wer denn die eine Fürstin in der gvldneu Fessel sey. Ha! in der Fessel, meine Mutter! (Sie nimmt einen Mn auf, besteht ihn und hält ihn gegen die Brust). Senke dich, senke dich, blanker Pfeil! Hermiuone zögert, und hat nicht sterben gelernt ? Istawoiia (sie reißt ihr de» Pfeil weg). Libnsch, die andern weg, schnell die andern auch weg! (Er sammelt sie und wirft sie in'S Gesträuch.) Hcrminone (steht aus). Meine Mutter, du weißt doch, daß die Triumphfesselu starke Fesseln sind? Die kannst du mir nicht nehmen; aber ich kann diese Stirn damit zerschmettern! Ha! die vier hohen Rosse mit der fliegenden Mähne, und die gen Himmel wiehern! und hinter ihnen der stolze, fürchterliche Wagen, und hoch oben auf dem Wagen der Cäsar mit dem Lorbeer (tauml' ihn herunter, Wodan)! und um und um, unter Blumen nnd Opferdampf, in und vor und ans den Palästen, den Tempeln, die Römerinnen! Und Wen sehen sie? auf Wen heften sie die Blicke des tödteuden Stolzes? Auf meine arme Mutter Jstäwona! auf ihre arme Tochter Hermiuone! (Libnsch tritt wieder an seine Stelle) und ach auf Thusnelda selbst! Auf euch auch, Diener der Götter, Libnsch! Brcnno! Nrcnno. Auf mich nicht. Libusch. Malwend und Arpe und Hermann. Sie dringen etwas vor. Hermann arbeitet sich mit wenigen Hunderten durch. Nach uns her kommt er. Nein! (er geh, weg, ich mag den Befreier des Vaterlandes nicht fallen sehen. Ircnno. Ward Hermann verwundet? Li du sch. Ich weiß cs nicht. Cs wurde mir wie Nacht vor dem Auge, da ich ihn, zuletzt nur mit seinen Kriegsgefährten, auf die blutigen Schwerter znsprengen sah. Fünfzehnte Scene. Die Vorige». Matwald. Horst. Iwci Kriegsgesahrtcn. Latwald. Kommt, kommt! eilt, Vrcnnv, Fürstinnen! Hermann kann da, (hebt Jngomar auf, da, wo er ist, nicht lange seyn, und zu ihm müssen wir hin. Komm, Brcnnv! Ircnno. Ich bleibe hier. Horst. Brenno, komm! Hermann fleht dir durch mich, theurer, bester Mann. ÄatuuNd (indem Thende berauskvrnrin). Ull' ihr Götter M Walhalla! wo kommst du her? Ach, meines Hermanns Kind in dieser schrecklichen Todesgefahr! Was soll ich thun? Er muß durch, ihr guten Götter in Walhalla! Den Schild weg, so kommst du besser durch. (Sr >e!h, st»» de» Schild weg und wirst il>» hin., Dicht hinter mir, Fürstinnen, dicht hinter mir mit Theude! (Er Hilst Denen, die Ingvniarn austichten ) Ti, cudc. Meine ersten Waffen wirfst du mir weg! Ohne Schild? Ich will nicht ohne Schild sepn! (Er nimm, ihn 2L9 wikder a»f> Hinter mir, Herminone! Brenno, Brenno! Siegmars Freund! (Cr faßt Vrenno'K Hand und will ihn mit sich fort haben.) Drcnna cimem ste wegen-»,. Ein so guter Knabe, und Siegmars Enkel. Bitterer Abschied! Nur nicht meinen Weg, guter Knabe! Lntwatd (sein Riiä'n wird gehört). Katten! herbei vom Verhau! Herbei, eure Fürstinnen! herbei Katten! Hermanns Sohn dem Tode nah! Herbei! ans den Tribun zu! Folgt Horst! Mit den Vlutringen an den Schild geklirrt! Jünglinge mit den ersten Waffen, auf den Tribun zu! Hermanns Sohn dem Tode nah! Lrcnna. Du lieber guter Katwald! Nun stirbt er gar eher als ich. Denn er opfert sich gewiß für das Kind seines Freundes hin! Eine andere und entferntere Stimme. Hermann schlug fort! Der Tribun ist todt! Sie sind durch! Sechzehnte Scene. Drcnna. Ern Ccnturia. Einige Römer. (Sie werfen die mitgebrachten Fesseln hin.) Der Ccnturia. Du bist allein hier. Gib Rechenschaft Druide, wo sie hin sind die Fürstinnen der Katten und ihr Druide und der alte Feldherr. Drcnna. Die Unsrigen haben sie gerettet. Der Ccnturia. Das kann nicht seyn. Wir schlugen euch gleich wieder von dem Hügel weg. ff , ^ ^ i! Breuna. Die Retter waren schnell. Der C-Nturic>. Sag, ob sie hier wo im Busche sind oder stirb! Drenno. Eins bitte ich dich: Mache es so, daß ich nicht lange sterbe. Hier bin ich. , s. Moloch. C Homos. Man wird die Wirkungen der gefailencn Geister bei dem Götzendienste nicht leugnen wolle», wenn man sich erinnert, waS PauluS davon sagt. Die Heiden, egg, er, opfern waS sie opfern, den Teufeln und nicht Gott. In der Erste» an die Korinth, io, so. Wiele haben, ohne ihr Wissen, gute Engel beherbergt, an die Ebräer iS, S, und da sich die Bösen in Engel dcS LichtS verstellen dürfen; so dürfen sie sich vielleicht auch in Menschen verstellen. Da die Morgenländer überhaupt sehr ,um Enthusiasmus geneigt sind, so konnten auch damals schon Einsiedler sepn, die sich dem Moloch gewidmet hatten. 258 2. Handlung. 1. Auftritt. Auf seines Tempels Altar' herunterflammen. Es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte die Opfer. Die Herrlichkeit Gottes erfüllte das Haus. Das ganze Volk fiel aufs Antliß. Im zweiten der Ehren. 7 , i. 2 . z. Meint ihr denn, der Verderber, Der siebzig Tausend schlug. Diese sehr merkwürdige Begebenheit steht im Zweiten Samucls 2S, IS. im Ersten der Ehren. 22. 2. Auftritt. Ein Mann aus Ephrata, dein Feind. Dieser Anfang der Geschichte JerobcamS und seine Flucht nach Aegyp- ten steht im Ersten der Könige 11, 26 bis 4 i. Entreißen wird der Herr . . Im ersten der Könige n, 11 und s i. 3. Handlung. 1. Auftritt. Das fürchterliche Wetter Gottes von Ebal. Moses gebot, wenn Israel über den Jordan gegangen scyn würde, so sollten Einige ans andern sechs Stämmen ans den Berg Grifim treten und das Volk segnen; und wieder Einige anS den sechs Stämmen ans Ebal nnd den Fluch aussprechen, der die Uebertreter des GesepeS treffen würde. Im fünften Buch MoseS 2z, 12. is. 8. Auftritt. Jonathan, ach du eilst von mir weg. Im Zweiten SamuelS 1, 19 bis zu Ende. 5. Handlung. 6. Auftritt. Dich, mein Sohn, Jedidja nannte. Am Zweiten SamuelS 12, 2S. 8. Auftritt. Den Hadad und den Reson ohne Krieg Zurnckzuhalten. Im Ersten der Könige 11, rs bis 2 6 . 259 12. Auftritt. Schwieg denn David jemals Gott? David hat Vst gefragt und Gott hat ihm allezeit geantwortet. Z. E. zwei Mal hinter einander. Im Ersten SamuelS 23, s. ». Nur Saul und mir! Im Ersten SamnelS 2 8, s. War ich von meiner Kindheit an dem Herrn Nicht lieb? Im Zweiten SamnelS 12, 2». ward Ich früh zum Könige nicht von ihm erwählt? Im Ersten der Chron. 2 3,9. Wie aus Jsais Söhnen David, ich? Im Ersten der Ehren. 2 v, ». S. Den Salomo, nicht David, bauen durfte. Im Ersten der Ehren. 2 S, 3. ihm, durch mich, Verheißen" hat. Im Zweiten Sam. 7, 12 biö 16 . Die6 wird im Ersten der Chron. 18 , 11 bik- 14 wiederholt und ist der Hauptgrund, warum man glauben kann, Salomo habe sich wieder zu Gott gewendet. Die andern Grunde liegen in dem Character desselben, den er vor seinem Falle zeigte und in den sehr unterscheidenden Gnaden, die er von Gott empfangen hatte. Diese konnten unmöglich ihre Wirkungen ganz bei ihn, verlieren. Dazu kömmt noch, das; er sehr wahrscheinlich den Prediger in seinem Alter geschrieben hat. Und dieser zeigt unS einen Mann, der aller Eitelkeiten der Welt nicht allein müde ist, sondern sie auch verwirft. Fürchte Gott, schlicht er, und halte seine Gebote. Denn DaS gehört allen Menschen zu. Man konnte noch Hinzuseyen, daß Salomo'S Rückkehr in den verlornen Schriften deS Propheten Nathan, Ahia und Ieddi vielleicht erwähnt worden sey, weil sich die Bibel darauf bezieht, da6 in diesen noch mehr von Salomo gesagt werde. Die Götzenbilder und Altäre zerschmettern? Der angeführte Grund, warum rr sie st rhu laßt, ist mir alS der einzige vvrgekommen, den er Hai habe» können, und zugleich stark genug, daß man den Umstand, daß er die Bilder Hai stehn lasten, nicht alS einen unwiderleglichen Grund gegen seine Rückkehr geltend machen könnte, wenn auch jene Stelle nicht wäre, die ich als entscheidend angeführt habe. Denn auch HiSkiaS lieh diese Höhen Salomo'S und erst JostaS schaffte sie weg; lim Zweiten der Könige 22, iS.) HiSkiaS, der ein so großes Zeugnis für sich hat und der kühn genug war, die eherne Schlange MoseS, Nehusthan, wegzutbun. ES war also kein Beweis einer fortdauernden Abgötterei , daß die Bilder blieben; eS war zureichend, daß dabei nicht mehr geopfert wurde. Verlaßt du ihn, so wird er dich verwerfen! Im Ersten der Ehron. 22, is. SS ist hierbei hauptsächlich anzumcr- ken, daß David Ließ nicht als eine Offenbarung von Gott, sondern, daß er es für sich selbst sagt.