Des berühmten Herrn Siegmunds von Storchcnau, d Gottesgelehrtheit Doktors an der Unu versität zu Wien, der WeltweißheiL Abhandlung über den Glaubenssatz der katholischen Kirche: lißer der Zirche ist kein Heil, oder Don der theologischen Unduldsamkeit der Katholiken.*) Bey Gelegenheit ^ der zu Mülheim am Rhein am jüngsten Fronleichnamstage von P. Simplicianus Haa», aus dem Cremiterorden des Heil. Augustins gewöhnlichen » Sonntagsprediger, gehaltenen Controverspredigt, unter dem Titel: t Kein Protestant kann selig werden, Zum Druck befördert 1780. *) Philosophie ver Religion , sechster Band, S. 77. von der Tsleran,. Augsburg bey den Gebrüdern Veith, mit Erlaubniß der Obern gedruckt 1780. Zu finden in Köln. Erinnerung. rathssekretär , oder der sich immer unter seinem Namen verstecket , der so unrecht geschrieben , als es ihm eingefallen , etwas von dem falschen Religionseifer in die Welt zu schreiben, und noch dazu, seine Leser weis zu machen, es sey mit Genehm- Haltung des churfürst!iä)en Büchercensur Rollegiums zu München gedruckt worden: als auch die Herrn Protestanten in hiesigen Gegenden, die des Herrn Zaupsers Werkchen so begierdevoll , aufkaufen, und so andächtig lesen, werden in dieser Abhandlung des berühmten Herrn von Gtorchenau erkennen, worin die katholische Unduldsamkeit / und ihr Religionseiser bestehe ; daß sie nicht in Menschenhaß / sondern in Nächstenliebe sich gründen ; daß es nicht friedstörend sey, wenn der Katholik sagt: Außer der Rirche ist kein Hei!: Rein Protestant kann selig werden. rc. rc. Und einjeder wird denn auch erkennen, wie falsch * es sey, daß solche unkatholische Schrift des Herrn Zaupsers zu München mit Approbation gedruckt sey, weil man zu München gewiß ganz Katholisch denkt.. Man beliebe nur fleißig zu lesen; (besonders die so schlechtdenkende über den berufenen Satz : Rein Protestant kann selig werden) um die katholische Lehre kennen zu lernen- Abhand- Abhandlung über den katholischen Satz: Außer der Kirche ist kein Heil. ^Uousseaus Verbannungsurkheil schrecket mich keineswegs Er mag immer, hin, alle die aus dem Staate verbannen, welche sich unterstehen zu sagen: Außer der Kirche ist kein Heil. Ich lebe unter dem Schutze der gottseligsten Monarchen, ganz sicher, und ruhig, die von dieser wichtigen Wahrheit selbst überzeuget stnd , und aus ihrer Ueberzeugung kein Geheimniß machen; indem sie sich äußerst bestreben , die wahre christliche Religion nicht nur mit den weisesten Gesetzen: sondern auch mit den glänzendesten Beyspielen, nachdrücklichst zu empfehlen. Aber ein Paar Worte, Herr Philosoph! dieser ihnen so verhaßte Satz (Außer der Rirche ist kein Heil) Zst er falsch: oder ist er wahr ? dieß — dachte ich — sollte zuerst ausgemachet werden; oder wenigstens (weil sie doch schemen gegen die Wahrheit schon eingenommen zu seyn) ein hinlänglichscheinender Beweis der Falschheit, vor dem Endurtheile vorausgehen. Daß dieser Lehrsatz , nur für eine theokratifche Regierung gut; und in allen übrigen Regierungsarten schädlich seydieses ist ein willkührlicher Machtspruch, der weder ztwas, beweist: noch selbst ohne neuen Beweis, kann gutgeheißen werden. Ar 4Nun X 4 X Nun , wo ist der Beweis? H Aber merken st'es wo!)!: Es ist viel zu beweisen. Z. B. Es sey die Gleichgültigkeit gegen alle Gattungen der Religionen, ein wesentliches Stück, ohne das keine weise Regierung der Menschen bestehe; die menschlichen Obrigkeiten seyn weder verbunden, den ächten Dienst Gottes, von dem sie doch alle Gewalt empfangen haben, zu beförderen : noch über das geistliche Heil ihrer Untergebenen, auf einige Weise zu wachen; der Staat kön, ne durchaus nicht glücklich, seyn, wo der Regent mit gleichem Eifer die künftige, wie die gegenwärtige Glückseligkeit der Bürger besorget; das allgemeine Beste der Gesellschaft, sey mit dem ewigen Untergänge der einzelnen Glieder unzertrennlich verknüpfet; u. s. w. Diese und andere dergleichen Ungereimtheiten mehr, sind die natürlichsten Folgen; Wenn der katholische Lehrsatz: Außer der Kirche ist kern Heil: den menschlichen Regierungen schädlich ist Sehen sie also : wozu sie sich verpflichten ; zu einem Beweise, der hundert offenbare Un, gereimtheilen, in hundert unleugbare Wahrheiten umschaffen soL. Doch, da, für sorgen sie nicht. Es wird immer blödsichtige Leute geben, die ihre Aussprüche , wie delphische Orakel, anbelhen; und sie wieder andern, als ürrbe, thenSwürdig empfehlen werden. Dieses ist leid.r! heute das Schicksal solcher Männer l>). Sie dürfen nur den Mund öffnen ; und schon jauchzet man ihnen von allen Seiten den Beyfall zu. Mit ihnen saget man Ja , und Nein; mit ihnen leugnet man die Wahrheit, und vertheidiget die Lüge; mit ihnen verwirft man das w-chre E, vangeliumund verfolget die Bekenner desselben. Oder sindö nicht Bekenner des Evangeliums, die sich getrauen zu sagen: Außer der Kirche ist kein Heil? Enthält es nicht, das Evangelium, diesen Lehr, satz; wenn nicht wörtlich , wenigstens dem Sinne nach ? Was will uns dann Christus anders andeuten : Wenn er einerseits allen Ungläubigen mit der ewigen Verdammnis drohet * *; und andrerseits alle gegen die Kirche ungehorsamen , unter die Heiden zehlet ** ? Wer außer der Kirche ist, gehorchet gewiß der Kirche ""ch immer die Protestanten fragen, wo ist der Beweis, daß der Sas falsch ist : Rein Protestant kann selig werben , oder, so eines ist; ver Protestantismus fuh-ret nicht zur Seligkeit 1? i>) Ist dieses nicht auch das Schicksal des Herrn Zaupsers bey den Hrn Protestanten ? — * Wer nicht glauben wird, der wird verdammet werden. Mark. i6. i6. ** Wym er aber die Kirche nicht höret; so sey er dir, wie ein Heide. Matth. r 8 . 17 . X f X ! che nicht- Wer der Kirche nicht gehorchet, der gehöret in die Klaffe der Hei, - den. Die Heiden glauben dem Evangelium nicht; und diese Ungläubigen haben kein Hcil zu hoffen: sondern die Verdammmß zu fürchten. Also — der j Schluß macht sich selbst — nach dem Ansprüche des Erlösers ist außer der Kir, ? che kein Heil zu hoffen c). Nun siehts man: wo die Herren hinzielen; wenn sie uns die Vertheidi- : 'gung, oder die Kundmachung , oder die einfache Wiederholung dieser evan, gelischen Wahrheit (außer der Rüche ist kein -Heil- zu einem Staatsverbrechen anrechnen. Hätten sie nur die Macht; sie würden uns nicht nur mit den Worten : sondern auch im Werke, aus dem Staate, aus der menschlichen Gesellschaft , aus der Wett verjagen- Denn es ist wohl zu bemerken : diese beredten und eifrigen Prediger der Duldung sind die unduldsamsten Leute. Dieß sieht man aus ihren Verhöhnungen , Beschimpfungen, Schmähungen, Ver, leumdungen , und andern dergleichen wörtlichen Verfolgungen, weil sie keine andere Waffen haben, die Wahrheit zu unterdrücken 6). Aber der Sache auf den Grund zu kommen r was wollen sie dann endlich haben ? was verstehen sie eigentlich unter dem großen Worte Toleranz, Duldung ? Was begehren sie von uns; wenn sie so ungestümm um Duldung schreyen? Sollen wir allen denen, die außer der katholischen Kirche sind, schlechthin c) Sagte das nämliche nicht P. Haan? Rein proreffanr kann selig werden : oder r das proteNantenchum fuhrt nicht 5 »v Seligkeit. Zst denn das ProtcstantenthulN nicht außer der Kirche ? sind dir Protestanten nicht gegen die Kirche ungehorsam ? warum heißen sie dann Protestanten? —- Man vergleiche mit dem obigen Satze, die wunderliche Lehre des Herrn Zaupser; alsdann ist man im Stande zu urtheilen , vb seine Satze richtig seyn , und ob es wicht Möglich fen zu glauben , seine Schrift sey zn München mic 2kpprsbarlon gedruckt. ck) Ganz richtig. Weil die Herrn Protestalnien, den Satz des P. Haan nicht dulden: konnten, noch weniger widerlegen s (ein Satz , der doch eine Lehre der katholischen Kirche ist) so bedingen sie itzt gewisse Leute. um dem Bersasscr der Predigt w wohl, als dem Censor zu fluchen , und sie zu lästern. „ Wenn nemlich geivisse Leute,,, ,, schreibt Pope an I. E. Esqr., über eine Wahrheit, die ihnen zum Nachtheil erscholl „ len ist, sind ausgebracht worden, so ist es ihre Akt und Weife nicht, die Ausdrücke, „ die ihnen wirklich die GaSe ins Geblüt getrieben, offenbar zu widerlegen , sondern » sie pflegen sich dadurch au demjenigen, zü, rächen , der die Wahrheit gesprochen, » die ihnen zum Nachtheil gereichet, daß sie auf eine hinterlistige Weise / seinen gu- » ten Namen zu schmählern suchen. A r das Alexander Pope, Esg. samt!. Werke 9. Land. S. Z52. _ X 6 )( das ewige Heil versprechen ? oder sollen wir diesen ihnen so Mäßigen Satz in ein ^ tiefes Stilleschweigen vergraben ? oder sollen wir eine kaltstnmge Gleichgültig- N keil gegen alle Religionen öffentlich bezeigen? Oder sollen wir ihre groben Laste« rungen der wahren Religion unempfindlich anhören e) ? Oder sollen wir alle k Menschen , ungeachtet ihrer verschiedenen Gesinnungen in den Religionesachen, s aufrichtig wie Bruder lieben? Oder — sie sollen selbst reden; mir fällt nichts k mehr bey. Warum erklären sie sich nicht deutlicher? Wir wollen indessen st. i hen : wie weit wir uns einlassen können. Der letzte Punkt ist vernunftmaßig; und findet keine Schwierigkeit: aber die Vorhergehenden? O! Philosophie, Vernunft, Menschenliebe, verbieten uns, nur haarweit zu weichen. ! Gegen Auftzang liegt er, der Ort, wo Dorval hinzielet, um daselbst * sein größtes , und dauerhaftes Glück zu machen; und — ich sehe ihn mit star« s ken Schritten , dem Niedergänge zueilen ; wo er außer allem Zweifel, in die Hände der Räuber gerathen , und von ihnen in die härteste Dienstbarkeit wird ^ geschleppet werden. Mir ist alles dieses r und der Irrthum , worinnen er sie- ! cfct, czac wohl bekannt. Unterdessen doch — Glück dazu! Herr Dorval! rufe ich ihm mit freudiger Miene zu. Eilen sie nur tapfer fort; sie wandeln s den geradesten Weg zu ihrem Entzwecke. Bald, gar bald Werden sie der glück, s liebste unter den sterblichen seyn. Könnte ich menschenfreundlicher handeln? j i — Nach den Grundsätzen der Duldungsfoderer, nein: aber nach den Grund- t sätzen der Menschlichkeit , nach den Grundsätzen der Vernunft , nach den j Grundsätzen der natürlichen und geoffenbarten Religion ,, habe ich rumienschlich, ^ unvernünftig, gottlos schändetet. Den Vorhang weg. Erbarmenswürdige Dorvalen sind alle die, welche ^ j sich außer der wahren Kirche befinden. Sie wandeln aus Irrthum — er mag d willkührlich, oder unwillkührlich : sträflich, oder unsträflich seyn—auf der ; k unrechten Straße; auf der Straße, welche sie , nach der Versicherung der ^ scibstständigen Wahrheit, nicht zu ihrer Bestimmung, nicht in das Reich der ß ewi- rs e> So lästeret der Frankfurter Blättcbensckreibrr in seinem sogenannten Genöfchreis ' bei» (welches nichts, als eine Sudele» von Schimpfungen, und Schmähungen ist) ^ ^ die katholische Kirche, dichtet ihr mit seinen Vorfahrern Abgötterey, und allerhand ^ abgeschmackte, von Ihr allezeit verabscheuet« Dinge an ; lästeret dazu eines LasterenS f fort, den hockwürdigen Herrn Doktor Raufmanns , und den P. Haan, um auf s: eine so niederträchtige, pöbelhafte Weise, wie ein Gaffenjung, sich an denen mit Kolli tu rächen , denen es ihm nicht möcMch jst , mit einer tüchtigen Probe entgegen zu h kommen. Doch ! der wird sich schon bald ausgeraset haben, wenn er in den Stein l gebissen, der ihn getroffen. )( 7 )( ewigglücklichen : sondern unter die unerbittlichen Seelenräuber, zur sckimpfiicb- sten und immerwährenden Knechtschaft , in den Aufenthalt der ewigunaluckii- chen führet l); U^d wir, welche von der ganzen Sache wohl unterrichtet such: welche ihr unvermeidlich ewiges Unheil mit der g ößesten Gewißheit voraussehen, wir sollen ihnen dazu glückwünschen: wir sollen schweigen: mit lügenhaften SchmeichelciM das wonnevolle Schicksal der Auserwählten verbrechen: und sie also mit einer verfübrischen Hoffnung der Seligkeit in dem Irrthume stärken; damit sie destoweniger umsehen , und desto gerader dem Verderben zulaufen? O Toleranz l O Duldung l wie treslich verträgst du dich mit der Menschenliebe ! Und dennoch betreiben die menschenfreundlichen Philosophen (Protestanten) eine, wie die andere, mit gleicher Hitze. Was sollen wir ron ihnen anders denken ; als daß diese Herren , nur den unedlem Theil des Menschen, den Körper lieben ; den edlem hingegen, das lebendige Bild des Schöpfers, die Seele, mit unversöhnlichem Haffe verfolgen? Ja fürwabr, nur diesen Begriff kann das so lieblich klingende Wort Menschenliebe, in ihrem Munde ausdrücken : wie hingegen die Grausamkeit, derer sie uns deshalben beschuldigen, in der That weder mehr, noch weniger ist, als liebenswürdigste Redlichkeit, die zärtlichste Zuneigung , und die aufrichtigste Begierde, alle, alle Menschen hier und dort, wahrhaft glücklich zu machen 8). Man f) Nun wandeln aber die Herrn Protestanten aus Irrthum — Es mag sträflich, oder unsträflich seyn — auf der unrechten Straße; auf der Straße, welche sie (nach dein Zeugniße der selbstständigen Wahrheit) in den Aufenthalt der ewig unglücklichen führet — aus der Straße, worauf kein Heil ist, worauf man nicht selig werden kann. ß) Worin besteht NUN die Intoleranz, die Undultsamkeir der katholischen Kirche ? Ist tzs Menschenhafi, wie Herr Zaupstr schreibt? Weis Herr Zarrpser denn nicht einmal, worin die Unvultfavrkei'r der Kirche besteht? Und er will doch Duldung predigen ? theologische Duldung , wie seine Blätter verrathen ? — Liebe Herrn Protestanten ! Herr Jaupser hat so unpartheyisch geschrieben, wie ihr saget? und zu München soll alles approbirt seyn? was schlimme Streich das nicht sind ! — Aber andere Begriffe muß man von der katholi chen Undnltsamkeit haben; Sie ist nichts anders , als die Treue und Standhastigkeit der Kirche, mit welcher sie das geheiligte Unterpfand der göttlichen Wahrheiten, das ihr anvertrauet worden ist, ganz rein, und unverfälscht bewahret. Hieraus folget nun r. Die Unduldsamkeit ist eine so wesentliche Eigenschaft der Kirche, als ihre Heiligkeit, ihre Gewalt und ihr Recht zu lehren.. Fürwahr, da diese Kirche die Vcr- wahrerinn der Wahrheit ist; so kann lind soll sie nichts, als die Wahrheit lehren; sie kann und soll dieselbe niemals verhcelen, oder verletzen : sonst wäre sie weder eine getreue Verwahrerinn, noch eine heilige Kirche mehr.. Sie muß also unvulv- sam seyn; sie ist also wesentlicher und nothwendiger Weise unvnlvftm; sie muß also )( 8 )( Man schelte uns immerhin, als geschworn? Feinde des Nächsten , als unbarmherzige -Verdammet unserer Bruder, als steinharre Nadamanrhen unseres ganzen Geschlechtes, die sich nur immer mit Verdammungen herumschlagen; Und jederzeit die Wahrheit lehren, unterstützen, vertheidigen, und alles verbiethen, was der Wahrheit zuwider läuft. 2. Die Duldung in Dingen , welche die Glaubens- und Sittenlehre betreffen, kann sich nur auf zween Punkte steifen; nämlich : Auf die Uuwisienheir der Wahrheit oder aus die Gleichgültigkeit gegen die Wahrheit. Nun aber keiner von diese» beyden Punkten kann bey der katholischen Kirche Statt haben. Die Wahrheit kann ihr nicht unbekannt seyn; erstens , weil sie vom heilige» Geiste geleitet wird , welcher alle Wahrheit lehret , Joh. XVI : zweyten« , weil ihr göttlicher Stifter ihr verheißen hat , daß er bis an das Ende der Welt bey ihr bleiben , Matth. XXIX » und ihr Licht, und ihre Stütze seyn wolle : drittens, weil er versprochen hat , daß die Rräfteu der Hölle ste niemals überwältigen werden; das ist: daß sie von dem Geiste »es Irrthumes niemalen verführet, oder bezwungen werben möge. Sie kann eben so wenig gleichgültig gegen die Wahrheit seyn : Weil diese Gleichgültigkeit eine wahre Untreu seyn würde; und dieß kann bey einer K rchr nicht statt haben, die wesentlich heilig ist, wie wir es in allen Glaubensbekenntnissen gestehen: Lreäo iu 8xl,irvm ÜINÄUIN , IsnÄ-im Lcclsüam : weil sie verbunden ist , alles zu lehren , was ihr göttliches Oberhaupt ihr geoffe»baret hat, Matth. XXIX : weil sie weis, daß es den Menschen nicht zukömmt, unter den verschiedenen Glaubensartikel» zu wählen, da alle diese Artikel aus eben derselben göttlichen Quelle, und von eben demselben Ansehen herkommen : weil sie endlich durch den Mund eines ihrer ersten Pflanzer uns selbsten lehret , daß ein Mensch , wenn er alle punkte beobachtete, welche uns die Religion lehret, und sich unterdessen nur in einem einzigen verfehlte , wegen dieser einzigen Untreue vor den Augen Gottes eben so strafbar wäre , als hätte er alle übrige übertretten. Jak. II. Die Unduldsamkeit der katholischen Kirche in ihrer Lehre ist dann eine nothwendige Folge von ihrer Heiligkeit, und von der Gewißheit, die sie hat, daß sie nichts als die Wahrheit lehret. -P-- z. Die Versicherung , die sie hat, daß ihr das Unterpfand der göttlichen Wahrheiten ist vertrauet worden, und ihre Pflicht, dieselben aanz rein und unverfälscht zu erhalten, haben ihr allezeit eine unwandelbare Standhaftigkeit eingeflößet, welche nichts hat wankend machen können. Die Arianor, durch die ganze Macht des Coltstantl'us unterstützet, weigerten sich, das Wort: NAtnreinig, conlubllsmiaiis, anzunehmen , welches zu der Religion wesentlich ist : die katholische Kirche opferte lieber ganz Morgeulanv auf, als daß sie die Nothwendigkeit dieses Ausdruckes verheclet hätte. Die Griechen wollten etliche )( 9 )( Und nnemjcdni , der anders denkt, mit lauter Stimme zuschreyen : du bist verdammet , du bist verdammet. Das Zeugniß des Gewissens setzet uns über dergleichen Verleumdungen hinaus- Wir sagen nur; und sagen es-aus wahrer Menschenliebe; aus christlicher Erbarmung : hüte dich ; du irrest ; dieser Weg führet zur Verdammung ; so, wie wir etwan uns rcm Freunde sagen würden: gieb acht; in diesem Gebirge ss-lten sich Räuber auf; diese übleHaus- haltung wird dich unglücklich machen ; diese Handlung wird dir die Ahndung des Landessürsten , und die gesetzmäßige Straft zuziehen. So mag auch Rousseau immerhin in die Welt schreiben : " Gott bewah« „ re es : daß ich jemals den Menschen den grausamen Grundsatz der Unduid- „ samkeit predige ; daß ich jemals sie anreize, den Nächsten zu verfluchen, und „ zu ihres glcichcns zu sagen : du wirst vrrdamwer werden. * „ Er (der dul- dungsprediger Rousseau) soll uns zuvor beweisen : wer grausamer handle; jener, der seinen Bruder mit lügenhaften Verheißungen zur Hölle schicket: oder dieser, der ihm zur heilsamen Warnung , mit bestgesinnten Herzen, die Wahrheit entdecket. B Ist Jahrhunderte danach, das Ausgehen des heiligen Geistes nicht erkennen : die Kirche nahm keinen Anstand, ein ganzes Reich aufzuopfern. Luther und Calvin griffen mehrere Lehrsätze an, die seit fünfzehn Jahrhunderten angenommen waren: sie wollte lieber einen Theil Europens aufopfern, als die geringestc Veränderung zugeben. AuS allen diesen Begriffen, die wir da beygebracht haben, soll man den Schluß machen/ daß jene Unvulssirmkeie, welche der Gegenstand so vieles Lärmens von Seite der Protestanten ist, das glänzendeste Merkmal von der Heiligkeit der Kirche, verstärktste Beweis ihrer Göttlichkeit / der würdigste Beweggrund unserer Ehrerbiethung , unserer Verehrung / unserer Liede gegen die Kirche sey ; und daß sie hauptsächlich dadurch für die wahre Braut Jesu Christi zum besten erkannt werben möge. Jetzt kömmt aber Herr Faupser (oder wer es unter seinem Namen ist) ausgetreten und nennet diese Unduldsamkeit der katholischen Kirche Menschenhaff; schreibet al- haud Terte zusammen, und eiferet wider den Haß gegen die irrende,, als wenn eS wahr wäre , daß die Katholiken durch ihre Unduldsamkeit deu Nächsten haßeten. Welche Sprache ist dasst heißt das Intoleranzst Ist es denn nicht, ein anderes den Irrthum haßen, und ein anderes die Person haßen st Und wenn der Katholik den Irrthum verabscheuet, und die Häßlichkeit, die Gefahr dabey vorstellet, erweiset er alsdann nicht der Person des Irrenden ein Werk der Liebe, weilen er sein ewiges Glück suchet? — wozu Hienet nun die ganze lange Predigt des Herrn Äavpsers ^ Mas soll seine Schmierern) heißen? die katholische Unduldsamkeit hat nichts .dergleichen an sich, was er bestreitet. * Lmile 1, z. r>. 127. X IO X Ist der Grundsatz der Intoleranz grausam : Nun, so wissen wir also; was wir von dem menschenfreundlichsten, und sanflmükhigsten Jesus z« halten haben. So ist er denn der grausamste, und unmenschlichste Wüterich gewe« fen ; denn er hat denselben eingeführet; und wir wiederholen ihn nur, aus seinem Munde, und auf seinen Befehl. O meine Herrn l wie beschimpfen sie den Heiligsten unter den Menschenkindern l Was Wunder: daß sie auch uns verleumden l Wann haben sie uns den Nächsten verfluchen hören? Wann ihm fo platthin ins Gesicht zurufendu wirst verdammet werden? Der Satz ist ohne dieß noch bedingt; und wir Maaßen uns der Gaabe der Prophezcyung nicht an; um vorhersagen zu können : daß er seinen Geist nicht noch im Schoo- ße der wahren Kirche aufgeben wird. Ja wir hoffen es noch immer; wir wünschen es r und machen ihm deshalben diese Vorstellungen ; und bitten darum ohne Unterlaß den Vater der Erbarmungen. h> Mit diesen Gesinnungen sprechen wir denen das Heil ab, die keine Söhne der wahren Kirche sind. Wir wünschen ihnen den Untergang nicht: wir warnen sievor der Gefahr unterzugehen; und verlangen ihr Heil aufrichtigst und sehnlichst. Dieses sind die Gesinnungen ; und dieses ist die Sprache des Evangeliums , der bevollmächtigten Ausleger - der ersten Verkündige, und des göttlichen Urhebers des Evangeliums.. Können wir anders reden?-Aber »ieleicht schweigen? In diesen Umständen fanden sich einst die Apostel r vsrzügl'ch Petrus und Johannes. Nur schweigen sollten sie: so wären sie vor allen wettern Verfolgungen sicher gestellet. Mehr begehrete von ihnen selbst der große Rath zn Jerusalem nicht, der aus den Priestern und Schriftgekehrten, aus den obersten und ältesten des Volkes versammelet war. Gehet nun — sagten sie — die Strafe sey euch für diesmal erlassen. Schweiget nur inskünftige; und redet von Jesus kein Wort mehr. * Aber die Apostel, wie bezeigten sie sich dabey? b) Hat vieleicht p. Haan gesagt r du Peter! Paul! Johann ! Andreas ! wirst verdammet werden ? Nein , er sagte und behauptete den Satz r Rein Protestant kann felist werden. Der Satz ich eben so bedingt r R6n Protestant , als ein solcher, und wenn er nicht im Schooffe der katholischen Rirche den Geist aufgeben wird, kann selig werden, oder, so das nämliche ist : das Protestantenthum kann keinen selig machen : und wärmn i weit da der wahre seligmachende Glaube nicht ist; und wett dort alle Quellen zur Seligkeit verderbet sind. Dies bewies er. Und— wärmte er hiemit die Protestanten nicht, um ihr ewiges Gluck zu befördern ? Bath er nicht mit seinen Zuhörern den Vater der Erbarmniffen um Licht für die Irrende ? rc. * lind riefen sie zu sichund geboten ihnen, daß sie hinfnhro von dem Namen Jesus keineswegs reden- oder lehren sollten. Apost. Gesch. 4. rs. )( rr )( Sie betheuerten eS öffentlich , daß sie sich einem nmischlichev Befehle, weicher dem göttlichen so gerade entgegenstünde, nicht unterwerfen könnten ; daß es ih- nen unmöglich wäre so heilige Dinge, die sie selbst mit eigenen Sinnen gefühlet hätten, nicht ju verkündigen. * Dieses ist auch im gegenwärtigen Falle unsere Antwort Wie könnten wir, einigen Menschen zu Liebe schweigen : wo uns die innere Ueberzeugung so wohl, als auch das göttliche Geboth zu reden nöthiget ? Dieses ist die Kraft der Wahrheit. Den Geist , der einmal von ihr lebhaft überzeuget ist, laßt sie nicht ruhen. Er soll sie bekannt machen; andern mittheilen; und ihr neue Anhänger gewinnen. Je wichtiger die Folgen sind desto heftiger wird dieser Trieb. Handeln wir unrecht; wenn wir ihm gehorchen? Dazu kömmt hernach das göttliche Geboth der Nächstenliebe, welches den besagten Trieb so mächtig unterstützet. Wie ? Der Schöpfer will : daß wie vernünftigen Geschöpfe, uns gegenseitig wie Bruder, lieben; daß wir einjedrr dem andern, nach dem Maaße unseres Vermögens, Gutes thun, und Uebels verhüten. Er läßt uns diesen feinen Willen erstens durch das natürliche Ver, nunftlicht kundmachen: dann durch seinen eingebohrten , und mitwesentlichen Sohn bestätigen, deutlicher erklären, und dessen Beobachtung mit Verheissung der herrlichsten Belohnungen , und mit Bedrohung der schrecklichsten Strafen betreiben: und — wir sollen nicht reden, um dem Nsbenmenschen unserem Brudereiuen Irrthum zu benehmen, dessen schlimme Folgen sich in die ganze Ewigkeit hineinsirccken? Vermöge dieses Gebothes sind wir verpflichtet, den Esel des Nachbars , wenn er in eine Grube fällt, herauszuziehen; oder das Feuer, das sein Haus ergreift, mit möglichster Mühe zu löschen: und wir sollen schweigen; wenn sich seine Seele verirret, und den unaufhörlichen Peilten unwissend zuläuft ? Sind vieleicht, das Gute, das wir dem Nächsten zu erweisen : und das übele, das wir von ihm abzuwenden haben, nur auf den kurzen Raum des gegenwärtigen Lebens, oder auf die Wohlfahrt des Körpers eingeschränket ? O was ist die vergängliche Zeit gegen die unvergängliche Ewigkeit : was der sterbliche Leib gegen die unsterbliche Seele: was alles irdische Gut gegen das himmlische gehalten Nein! nein! wir dürfen nicht; wir könne« nicht; und wir wollen nicht B 2 schwei- * Urtheilet selbst : Obs vor dem Angesichts Gottes recht sey : daß wir euch mehr, als Gott gehorchen ? Wir können unmöglich daSnicht reden, was wir gesehen und gehv> m haben. Apost. Gesch. ry. 30 « )( 12 )( schweigen. Wir werden aus natürlicher Menschenliebe, und aus christlicher Nächstenliebe stets reden ; den Hauptgrundsatz des Christenthumes immer mehr ausbreiten ; und bey jeder Gelegenheit laut sagen: Außer der Kirche ist kein H Heil. i) j Es ist wahr: wir werden damit Rousteaus Rathe zuwiderhandeln, der uns warnet/ keine Mühe zu nehmen , andere zu unserer Religion zu bereden; und alle dergleichen Unternehmungen für Gott missallige Werke zu halten. Aber, wir werden damit die gütigsten Absichten des Schöpfers erfüllen , der aufrichtig will: daß alle Menschen selig werden, und zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen * *; wir werden dem Befehle des Erlösers nachkommen , der seine Jünger in die ganze Welt ausschickte, das Evangelium zu predigen; * * wir wer- ! den die Beyspiele der unermüdeten Apostel, der heldenmüthigen Blutzeugen, und, so vieler tausend anderer vonreilichen, gelehrten und aottesfürchkigen i Glaubensprediger nachahmen ; und daran wird der Herr Jesus das größte , Wohlgefallen finden; der uns so gar ermähnet, beym Mangel des eigenen Vermögens mitzuwirken , wenigstens den Herrn der Aerndte zu bitten : damit er nur häufige Arbeiter in seine Aerndte absende" In dem Sinne also werden wir ^ immer intolerant (unduldsam ) seyn; und Trotz dem , wescher sich unterstehen i soll, uns daraus ein Staatsverbrechen zu machen Unter der Beobachtung !' des göttlichen Gesetzes leidet das Beste des Staates nichts. Wollten wir es i nicht seyn: so wäre erst so etwas zu befürchten; indem wir durchs feige Stillschweigen , eine der Hauptstützen, die Menschenliebe, untergrüben, worauf der Staat ruhet. i Ein gleiches Bekenntniß machen wir denen , die unter dem Titel der Toleranz , eine kaltsinnige Gleichgültigkeit gegen alle Religionen von uns begehren. Kann wohl ein Begehren ungerechter seyn ? Was ist die Gleichgültigkeit gegen alle Religionen? Ist sie etwas anders, als die schwarz-sie Verratberey gegen die einzige wahre, einzig göttliche Religion ? Nehmen wir den Fall an , daß sich meinem Staate nächst dem rechtmäßigen Regenten, manche aufrührischm Köpfe ^ ä) Wer will es dem P. Hann jetzt übel ausdeuten, wenn er eben so sägte: Reu, Protestant kann selig werde,, ? wie Paulus sagte: Kein VEuser, kein Todschlaaer wird in das Reich Gottes eingehen. Denn (merke sichs Herr Zaupscr) ob man in einem Staate den Protestanten zwar die ^ärgerliche Duldung geben kann; und nicht den Tobschlagern, Ebebrcchern :c. so kann doch bie Kirste den Protestanten eben so wenig die theologische Duldung geben, als den Todschiägern und Ehebrechern re. * I. Tim. s. 4. * * Mark. i 6 . i;. * * * Match. 9. zs. X ,z X Köpfe der Oberherrschaft bemächtigen : was würden wir wohl von dem Böiger denken , der dazu ganz gleichgültig zusähe; und seinem Herrn keinen Vorzug der Hochschätzung , der Ehrerbietung , des Gehorsams vor den Empörern einräumete ? Das Gleichniss ist treffend ; denn alle manchfaltigen Religionen auf dem Erdboden , sie mögen sich, wie immer nennen , bis auf eine einzige, weilö zwischen den Widersprüchen nur eine Wahrheit giebt, sind in der Tbar i unrechtmäßige Besitzerinnen, vsrabscheuenswürdige Tyranninnen, welche mit ! ungerechter Gewalt, die Herrschaft über die Menschenherzen an sich zi hen. Der Himmel verhüte es : daß wir sie gleichgültig ansehen, und damit die rech'» mäßige Königinn verrathen sollten! Ueber das solltens die Herrn ja wob! bedenken: daß sie wirklich etwas unmögliches begehren. Die Gleichgültigkeit findet nur Platz, wo es um Dinge zu thun ist , die an sich geringschätzig sind; und uns wenig , oder gar nichts interessirem Großewichtige, und mit unseren wahren Vortheilen eng verbundene Gegenstände heben alsbald das Gleichgewicht auf; und das Herz — es wolle, oder es wolle nicht — empfindet den Stoss , welcher es m die Bewegung letzet. Nun aber, was mrerejstrer uns mehr, als die Religion, wo, l von das ewige Wohlseyn unseres krstbaresten Theiles, der unsterblichen Seele ' abhängt? Und rst dieses vieieicht eine Wirkung! einer jeden , wie immer beschaf- > fcnen Religion? O ! irren wir nicht. So wenig kanns die falsche bewirken r so wenig aus den sich widersprechenden , mehr als eine wahr seyn können. Daraus folget der Schluß : Wir müssen entweder alle Religionen für wahr, oder alle für falsch halten ; wenn wir gegen alle wollen gleichgültig seyn. Beydes fällt uns eben - so unmöglich, als den hellen Tag unter die finstre Nächte zu zählen. Kann sich diese Gleichgültigkeit in das Herz nicht eindringen : wie soll sie sich hernach in den Worten , und Handlungen zeigen ? Wird man uns etwan ! auch die edelste der gesellschaftlichen Tugenden , die Aufrichtigkeit zum Laster anrechnen ' Welche niederträchtige und hassenswördige Heuchelei), in der wichtigsten Sache wider sein Gefühl zu reden , und zu handeln ! Es sollte uns Leid' seyn; woferne wir einer so gottlosen Verstellung , nur fähig g halten würden. ! Nein l wir werden nie anders reden : als denken ; nie anders handeln : als sül), l len ; und folglich wermen wir nie, eine kaltsinnige Gleichgültigkeit gegen eile Religionen öffentlich bezeigen; K) noch die groben Lästerungen, womit diese V ? o vorgeb, K) Diese Stelle wolle» jene wohl bedenken / die fs kalisinnig , so gleichgültig in der Religion sind, mid es einem Religionsprediger übel nehmen, wenn er rechtmäßiger Weise für die wahre Kirche Jesu Christi eiferet. Die Absicht des Herrn oanpser ist, seine liefer zu dieser Gleichgültigkeit zu bereden^ X '4 )( vorgeblichen Philosophen (Protestanten) auf unsere heilige Religion schmähen, unempfindlich anhören. Allem Anscheine nach ist dieses einer aus den Hauptzwecken , worauf ihr ! j unermüvetes Bestreben abzielet, eine allgemeine Toleranz einzuführen. Sie r möchten uns tolerant machen; um hernach unrer dem Schutze unserer Duld- ä famkeit, die giftigsten Spöktereyen, ungehindert ausschütten zu können. Sie j soüten die ungebundene Freyheit zu schimpfn : wir aber die Gefälligkeit haben, die Schimpfungen mit kaltem Blute anzuhören R Wessen sich die Herrn anmaßen! Aber, ste müssenS uns vergeben; wenn ! auch dießfalls ihre Anmaßung leer ausgeht. Die Hochschähung , die Ehrerbie, tigkeit, die Liebe, wovon wir gegen die wahre christkatholische Religion mit Rechte eingenommen sind, lassen uns nicht fo gefällig seyn. Wir schätzen, eh. i ren, und lieben sie, wie der bestgeartete Sohn seine Mutter schätzet, ehret und liebet; und daraus läßt sich abnehmen, wie uns bey Anhörung oder Lesung so ^ gräulicher Lästerungen das Herz blute Welche Foderung also ! Wir sollen ^ den Schmerz mit Stillschweigen verbeißen; ihm keine Linderung suchen; ja - nicht einmal desselben stetem Zuwachse, mit einem Worte vorbeugen ? § Dazu kömmt noch : daß durch so freye Schimpfreden, und Schmäh- k schritten hundert und hundert irregemacht; und entw-der von der Wahrheit, O berste anhangen, abgeführet: oder indem Irrthume, womit sie behaftet sind, » gestartet werden. Ein neuer, und sehr empfindlicher Schmerz für unser gefühi- » volles Herz; weil wir mit allem unseren Jntolerantiömus, auch die Irrendes » wie Bruder lieben. ss Ja ungeachtet aller gekünstelten Einwendungen von Seite des Herrn Rous- « stau seys gesagt: wir lieben die Irrenden aufrichtig, wie Brüder; und unsre u Jntplerqnz hasset de» Irrthum: nicht die Person. Jenen möchten wir getil. z get: I l) Man betrachte .auch nur die hier und dort auftretende protestantische Zeitungsschreiber oder Recensenten, wenn sie nur die geringste Gelegenheit erhäschen können , so schim« z psen sie unaufhörlich.. Wiewohl das auch wahr bleibt, daß die Angriffe eines sol» ^ chen Pöbels demjenigen, den sie antasten, weder Ehre, noch Schande bringen kön- s nen. Pope. L m) Von diese« Schroote sind alle die Lästerungen, -le das Sendschreiben des Bis«- H ckenschreibors von Frankfurt am Mayn enthält, Er dichtet der Kirche Akgötte» 8 rey und Bilderanbethung an, ihren Oberhäuptern Ungerechtigkeit, ihren Dienern W die schändlichste Verbrechen, u. s. w. D X rf X get: diese hingegen glücklich sehen. Wenn uns daraus der Philosoph eine Un, Möglichkeit machen: wenn er behaupten will: man könne mit Leuten durchaus nicht srievsam umgehen, welche man für verdammet hält; sie lieben/ sey so viel als Gott haßen / der sie strafet; und eines aus beyden müste unumgänglich geschehen, sie entweder auf den rechten Weg zu führen / oder zu peinigen*: so bringt er / nebst einem sehr un-ichrigen Ausdrucke/ so viel Lügen / als Sätze vor. Wie unrichtig drücket er sich aus ; da er die Irrenden Leute nennet / die man für verdammt hält! Wir getrauen uns nicht / in die Rechte des allwissenden einzugreifen. Er alleine / vor dessen Augen das Künftige / wie das Gegenwärtige offen steht / sieht mit Gewißheit ihr endliches Schicksal vorhinein. Wir Kurzsichtigen/ wir wissen nur / was ihm gnädigst beliebet hak uns zu offenbaren; und — von dieser Offenbarung unterrichtet / halten wir itzt die Irrenden/ nicht für Verdammte : sondern für Unglückliche / die den geraden Weg zur Verdammung wandeln; und wenn sie nicht vor dem letzten Hauche des Lebens zurückekehrrn— was wir sehnlich verlangen; von der Güte des Vaters der Erbarmungen hoffen; und zu bewirken uns mit allen Kräften be- mühen — ohne allen Zweifel werdammet werden. Nun ist die Frage: warum folls uns unmöglich seyn> mit Leuten im Frier- den zu leben / von denen wir nach den klaren Grundsätzen unseres Glaubens also denken ; und gegen die wir nach dem sanfmükhigen Geiste des Evangeliums / so gut gesiimtt sind? Wir wollen ihn gewiß nicht stören / den geliebten Frieden ; und verabscheuen von ganzem Herzen / was immer dagegen / von Jemanden unter uns je ist gethan worden. Fangen sie die Störung von ihrer Seite an r so liegt die Schuld weder an uns / noch an unsrer Glaubenslehre; und wir werden es wissen nach dem Beyspiele der Apostel / und der erstenVä- M des Christenthums / mit Sanftmut!) und Geduld zu ertragen, o) Diese * II sii ImpvKbls äs vivrs sn psix gvec äs; , ^u'on ci oir äkimns; - Iss Zimsr' teryic bsi'r Dien , Is» punir; ik tssr sbsolumenr > gu'on 1er- irimsns, ou ^u'on> I«; kounnsme.. . //r,»-. 4. z. n) Ein tüchtiges Mittel war jenes, dessen sich P.Haan bedienete die in einer schädlichen Ruhe versunkene Seelen aufzuwecken ; der Engel ,> der den Petrus ausweckete, gab' ihm einen derben Gtofi in die Seite ,, und sagte r Steh' auf,, und folge mir nach.- So ist es zuweilen bey- hart- schlafenden nöthig. Wer war bey- der letzten MMeimer Conkroverspredigt der Friedensstörer ? kein anderer,, als die Eonsistmalen der resorntzwund lutherischen Gemeinden'/ und Hr Kauf- X >6 X Diese Männer , die damals von dem svangeiifchen Grundsätze der Um E duldsamkeit ganz eingenommen , von den Juden , Heiden, und Ketzern nicht ! anders dachten : als wir itzt von den irrenden Christen denken, betr ügen sie dem ! noch mit ihnen ganz friedsam; und gewannen der Wahrheit, obwohl gehastet ! und verfolget , die Herzer vieler Taufenden. Ohne Zweifel liebsten sie auch diejenigen, um derer Bekehrung sie sich, ch fo eifrig und uvermüdel bewarben; und denen sie vor ihrer Bekehrung ohne ,ch 'Unterlaß zuriefen : Mer inrhr glauben will, der wird vndainnnr werden- ^ Äber wer untersieht sieb zu sagen : daß sie dabey Gott hasteten ; der über die ch Ungläubigen einst das Urtheil sprecl.ren wird? Wahrhaft! RorrMau behaup- > tct da den auftallcndsten Widn 'pruch. Wenn n>an ohne Gott zu haßt», die ch nicht lieben kann, weiche in Ansehung der wesentlichen Religionökiübten , in ei- > nem Irrthume stecken : so ist eben die Befolgung des göttlichen Willens, mt ' dem Haße Gottes unaufhörlich vcrki üplet ; und niemand hat das unendliche G Gilt mehr gehastet, dann Jesus Christus seil st , als welcher aus der Absicht l vem Himmel gekonmien istJ die Sü der zur Busse zurufen ; und alle ver- i ir l n Schafe, zufanimen in einen Stall zu bringe«. Ist dieses kein Wider- ck sprach ? X Eben so weit sieht der letzte Satz des genfschen Bürgers von der Wahr- ! heil ab : „ Es ist unumgänglich nothwendig, sie entweder auf den rechten „ Wegzuführen, oder zu peinigen Nein! Herr Philosoph ! unumgäng- ^ lich ist keines von beyden noibeendig. Gmug ! daß nian sich aus, und mit > christlicher Liebe, die Mühe giebt, ihner durch Mittel, welche das Evangeli- >5 um gutheißt, aus dem Irrthume zu helfen. Sind sie halsstarrig ; und wollen sich) den Irrthum nicht nehmen lassenso werden wir ihr Unglück bedauern.- s aber sie nicht peinige» Wir erinnern uns gar zu wohl, daß Jesus Christus seine Jünger , wie Lämmer unter die Wolfe gesendet ; und es sehr geahndet Hai : daß sie Feuer vom Himmel herabrusen wollten, um dir widerspänsiigcn - Samariter zu verzehren, p) , Handeier Anvree, wie das churfürstliche Dekret vom 25 August dieses Jahrs auswei, ^ set. Die Predigt enthält nichts, als orthodoxe, der katholischen Kirche ganz gemäße > 'Griind'Uiid Lehrsätze: sie trägt die Wahrheit offenbar, und deutlich -vorauch ein- l halt sie nichts wider den westfälischen Frieden, sonstige Rcichsschlnffe, oder den Re- ^ rieiensreecsS anstößiges, noch einige Schmähungen , oder wirkliche Schimpsreden, « wie es ein hochprcisücher Geheimrath zu DrUldors selbst anerkannt hat. — Wer war der Friedensstörer? ^^ x) Jesus Christus selbst predigt? so : wer nicht glaubet, wird verdammet werden: si so predigten seine Apostel , io. P. Haan bedienete sich also eines Mittels , welches f _ )( - 7 X Ueber das, die Peinigung , welches unschickliche Mittel , Jemanden von der Wahrheit der Religion zu überführen ? Wie,, die Wahrheit , wird desto leichter verkennet: je heftiger der Geist durch den schrecklichen Anbchk derpeim lichen Werkzeuge erschüttert , ^nd das Herz beunruhiget wird- Jch weis wohl: welche Klagen in dem Stücke,, die Philosophen wider uns führen ; und leugne es nichte daß von un srer Seite manchmal ein Grund dazu ist geteget worden. Alleine, dieses sind zufällige Misbrauche - nichtnolh- wendige Folgender Unduldsamkeit gewesen ; Und — dem Himmel seys gedankt — ;sie sind nun allenthalben und durchaus getilget , diese Mrsbränche wenn man nachlesen will , was von t diesem Gegenstände in dem Buche der Irrthümer Voltaire»« von dem Herrn Abt Nonnotre angemerket ist. Aber die Strafen , welche durch Verordnungen über Empörer beschlossen worden ^ sind, welche dreyßig volle Jahre lang, wider ihre Könige die Waffen führten; die mit Gewalt eine Menge Freyheiten zum Nachtheile der alten Religion, die sie verlasse» hatten , sich errangen > die unvergleichlich mehr Blutes in ihren Privatempv- rungen vergossen haben, als am Bartholomauskage, und sonst vergossen worden ist: sollen diese verordneten Strafen Verfolgungen benamset werden?. Nach andern Grundsätzen muß man also die Begebenheiten beurtheilen , die sich entweder in den ungesitteten Zeiten begeben haben , oder von den Feinden der rö- mischkatholifchen Kirche erdichtet, oder vergrößert , oder verfälschet worhcn sind,um dieselbe verhaßt zu machen; Begebenheiten , die ohne Beweise angenommen, von den wiederhallenden Nachsprechern (wovon auch raupfer einer ist) ohne Beurtheil kung wiederholet wurden , und die nach der geringste,« Untersuchung in einem ver« mlnstigen Kritiker keine andere Gesinnung , als Unwillen gegen die vermessene PlM» -derer« und Mitleid mir ihren blinden Bewunderern, zurück laßen. l _ )( r- )( _ erhaben; und von jenem Fanatismus himmelweit entfernet ist , weichen ihr die Bosheit, unv das Vorurtheil zu Last legen. i Zu wenig-. Es erhellet auch daß wir Ursache haben , uns ihrenchalben i gegen Jedermann öffentlich zu rühmen. Denn gleichwie sie aus einer lebhaften Ueberzeugung vom Besitze der Wahrheit entspringt; aus dem edelsten Triebe der Menschenliebe wirket; die ächte Glückseligkeit des Nebenmenschen beförde- ^ ret; und nur auf die Vermehrung der würdigen Anbether des All rhöchsten abzielet , alsi> dienet sie uns zugleich für ein öffentliches Denkmaal der unver- ! brüchlichen Treue, dir wir dem göttlichen Glaubensstifter, und seiner Kirche' schuldig sind- ' Dieses ist unser eigenthümliche Ruhm- Keine Christengcmeme kann , oder will intolerant seyn- Mir (Katholiken) akleine können, wollen, und müssen es seyn. Die Ursache liegt am Tage- Ein Irrthum verträgt sich leicht > mit dem andern: aber die Wnhrheit schließt nothwendig den Irrthum aus; wie die Gesundheit der Krankheit, das Licht der Finsterniß , die Tugend dem- Lastcr immer entgegen stehen. Wie glücklich treffen wir da, einen wesenlichen Unterscheidungscharakter der wahren christkatholischen Kirche an ! Was Wun- e der r daß sich alle, die draußen sind, so hitzig dawider sträubem