Georg Christoph Lichtenberg's vermischte Schriften nach dessen Tode gesammelt und herausgegeben von Ludwig Christian Lichte nöerg Sächs. Goth. Eeheiiuen Assistenzrath« und Friedrich Kries Professor am Eothaischen Gymnasium. Siebenter und letzter Band« G ö t t i n g e n, bey Heinrich Dicterich. i 804. Vorbericht» Da dieser Band noch lauter physikalische Aufsähe aus dem Göttingischen Taschcnbuche enthält, so erscheint er aus eben dem Grunde, wie der vorhergehende, unter einem doppelten Titel. Er macht aber auch den Beschluß der vermischten Schriften, da mit ihm die Sammlung dieser Aufsähe beendigt ist. - Freylich würde mancher Artikel aus dem Göttingischen Magazin und andern Zeitschriften, die wir für einen der folgenden Bände aufbewahren, und dadurch in die Reihe der bloß physikalischen Schriften bringen, auch unter den vermischten einen schicklichen Platz gefunden haben; allein theils die Schwierigkeit in der Auswahl, die dabey nothwendig VI entstanden Ware, theils die Besorgniß, daß es scheinen möchte, als ob wir die Anzahl der vermischten Schriften geflissentlich vergrößerten, haben uns bewogen, mit Strenge zu Werke zu gehen, und keinen Artikel in diese Sanmilung aufzunehmen, der nicht ausdrücklich von dem Verfasser für ein vermischtes Publikum bestimmt war. Gotha, im August iZog. Die Herausgeber» Inhalts - Verzeichn: ß des siebenten Bandes der vermischten oder des zweyten Bandes der physikalischen Schrifte n» 1. Neuigkeiten vom Himmel. Seite z 2. Betrachtungen über die pbysischen Revolutionen auf der Erde. 25 z. Geologische Phantasien. 69 4. Dreht sich der Mond um seine Achse? 107 5. Das Neueste von der Sonne. 155 6. Geologisch-Meteorologische Phantasien. 7 YI 7. Neuigkeiten vom Himmel. 242 8. Kurze Zusammenstellung der vorzüglichsten Ereignisse bcv dem ungewöhnlichen Auobruche des Vesuvs im Sommer 1794. 287 Y. Das modilo zu LeiN- sal in Liefland. Z06 VIII 10. Ueber dasselbe ?orpet»nm mo- blio. (Ein Nachtrag zu vorstehendem Artikel.) Seite ziy 11. Miscellaneen. 1. Neues Hvgrometer. zzy 2. Regenbogen auf dem trockenen Wege. Z^Z z. Eine kleine Lehre und Warnung für Meteorologen. Z46 4. Steinregcn zu Sicna. gzr 5. Caminfeuer zu färben. z6g 6. Das Neuestewon den Kröten. z6z 7. Direkter Beweis von der Umdrehung der Erde. Z78 8. Lösch-Anstalten. Z82 y. Magnetnadel ohne Abweichung. Zy6 10. Die Feuer von Baku. 407 Physikalische und mathematische Aufsätze aus dem Göttingischeri Laschenbuchc z u m Nutzen und Vergnügen. r. Neuigkeiten vom Himmel (>m Jahr I7Y2. geichricben). i^^ir fangen unsern dießjahrigen Kalender wiederum mit Nachrichten aus dem Himmelreiche an, und vorzüglich aus dem Staate in demselben, dessen Mitglieder wir selbst sind, ich meine aus unserm Sonnensystem. Bekanntlich ist dieser Staat monarchisch, und die Ungleichheit der Staude in demselben so auffallend, daß, ich >will nicht sagen die ehemahligen Frank reich er, sondern die Erdrcicher überhaupt, kaum etwas NehnlicheS aufzu- weisen haben. Es thut mir daher, zumahl des Herrn Verlegers wegen, in der Seele wehe, daß meine Nachrichten aus diesem Reiche gar nicht so beschaffen sind, wie man sie im letzten Dccennium dieses Jahrhunderts mit Recht aus jedem monarchischen Staate, in jeder patriotischen Lese- gesellschaft e> wartet. Wir wollen daher nicht laugnen, daß wir sehr gern etwas von einer Revolution gemeldet hatten, vorausgesetzt, daß unsere Erde, auf der wir nun einmahl eingerichtet sind, nicht mit darin begriffen gewesen wäre. Allein es ist gar nichts von der Art vorgefallen; Alles ist fast unerträglich ordentlich zugegangen. MarS schleicht noch immer ohne Trabant um die Sonne, wahrend alle seine Nachbarn damit versehen sind, worunter einer jetzt so gar ihrer sieben hält, der also gar wohl einen missen könnte. Ich rede hier vom Saturn, dessen Hofhaltung ohnehin fast einem kleinen Ltalns in 8ik>m ähnlich zu sehen anfängt. Ja, unter dieser Dienerschaft finden sich Massen (denn dort sind die Massen, was bey unsern Staatsverwaltungen Gaben des Geistes sind,), die respektabler sind, als Mercnr, auf dessen große Vorrechte sie indessen keine Ansprüche machen. Selbst ein Comet, die einzige Classe von Geschöpfen, von deren eccentrischem Verfahren ein ehrlicher Mann noch irgend einmahl zweckmäßige Verwirrung erwarten könnte, kam heran, salutirte aber bloß die Monarchie mit dem Schweife, und zog sich in der schönsten Ordnung wieder zurück. Also von der Seite gibt es wenig Tröstliches. Da wir also nichts von dem sagen können, was eigentlich hätte geschehen sollen, so wollen wir in Hoffnung auf bessere Zeiten Einiges von dem berichten, was wirklich geschehen ist. — Wenn es verstattet ist, große Dinge rnit kleinen zu vergleichen, so kann man sagen: Copernicns hat uns eine verbesserte Ausgabe des Weltsystems geliefert, und Hr. Her sehel eine vermehrte. Dieser außerordentliche Mann fahrt mit seinen Ausätzen noch immer fort. Was der große Cassini gemuil'maßt hakte, daß nähmlich der Ring des Saturns aus zwey Ringen bestede, bar nun Herr Herschel durch die dem liebsten Beobachtungen bestätigt. Er hat näbm'ich vermittelst seines größten Teleskops, den Himmel eben so deutlich und von eben der Farbe zwischen den beyden Ringen durchgesehen, als er ihn zwischen dein Körper des Saturns und dem nächsten Ringe durch, durch die so genannten Henken 7 (srilrig) erblickte. Er hat die Verhältnisse zwischen den Durchmessern der Ringe zu bestimmen gesucht, und Folgendes sind die Resultate: Innerer Durchmesser des kleinsten Ringes — Z900 Theile Aensterer Durchmesser desselben 7510 — Innerer Durchmesser des größten Ringes — 77 -io — Aeußercr Durchmesser desselben 8320 Also die Breite des innern 75lO—ZYOO Ringest ^-— 805 Die Breite des äußern' 8ZO0—-774S Zwischenraum zwischen bey- den — 7742 — 7 5^0 , " 2 " Acußcrer Durchmesser des größten Ringes auf dir : 280 mittlere Distanz desselben rcducirt — 468 *) Verhältniß dieses Durchmessers zum Durchmesser der Erde — 25,8914:1 Entfernung der beyden Ringe von einander — L839 eng!. Mcil. Fast wichtiger, als diese, ist eine andere Entdeckung, die Hr. Hersehet an dem fünften Trabanten eben dieses Planeten gemacht hat. Hicrbey muß vorläufig erinnert werden, daß Hr. H. noch immer denjenigen Trabanten den fünften nennt, der bisher so geheißen hat, obgleich die *) Ich sehe diese Zahl her, st wie sie von Hrn. de Lüc im konrnal a« I°cvricr -7y2. angegeben wir». Untersuchungen über Leu niuthmahlichcn Werth der Theils des Hersche Ischen Mikrometer« finden sich I« Hrn. Hofrath Kästner's angewandter Mathematik. Aukg. i7y2, sie Abtheilung, nach »er Vorrede, S. xm. zwey von ihm neu entdeckten beyde innerhalb der Bahn des bisherigen ersten liegen, und also, nach der gewöhnlichen Art zu zählen, der bisherige fünfte, der siebente heißen sollte. Er wollte aber den Sprachgebrauch der Tafeln nicht stören, und das ist sehr recht, und groß. Entdecker wie Hr. H. sind in einem Jahrhun- H dert selten, wo nicht gar einzeln, der großen Männer hingegen, die ihre Unstcrb- H-' lichkcit seit jeher in gelehrten Vabclstif- tungen gesucht haben, könnten dem Fortgange der Wissenschaften unbeschadet immer ein Paar tausend weniger gewesen seyn. — M Don diesem fünften Trabanten nun, hat Hr. H. gesunden, daß er sich in 79 Tagen 7 Stunde» 47 Min-, also genau in der Aeit seines Umlaufs um den Saturn, auch um seine Achse dreht; völlig dann unserm ^ Monde ähnlich, der ebenfalls eine Um- drehung um seine Achse in der Zeit eines Umlaufs um die Erde vollendet. Er hat dieses aus einer sehr berrächklichen Licht- almahme des Trabanten geschlossen, die immer an derselben Stelle seiner Bahn wiederkehrt. ES sind nicht Phasen, die dieses bewirken, sondern die Vergleschnng der Beobachtungen hat gelehrt, daß die eine Seite dieses Trabanten mehr Licht rcflcclirt, als die entgegengesetzte, und daß die dem Saturn beständig zugekehrte, ungefähr gleichviel von beyden zeigt, jedoch etwas mehr von der minder hellen. Diese merkwürdige Uebereinstimmung in der Bewegung eines Saturnus-Trabanten mit unserm Monde kann, wenn sie sich bestätigt, zu großen Entdeckungen führen. Daß sie sich aber bestätigen wird, ja, daß sie wohl schon gewiß ansgemacht ist, laßt sich mit Grunde von der großen Behuth- samkeit und Sorgfalt deS Beobachters hoffen, der, wie wir wissen, Beobachtungen und Entdeckungen ganze Decennia zurück zu halten im Staude ist, so lange ihm noch der kleinste Zweifel übrig bleibt. An-- merkenswerth ist, daß ein Trabant, der seinem Hauptplaneleu immer dieselbe Seite zukehrt, sich gerade verhalt, wie ein Stück eines Ringes um den Haupiplaneten, denn unstreitig kehrt der Ring dem Planeten den er umgibt, immer dieselbe Seite zu, und dreht sich, wenn er sich dreht, auch wahrend seiner Umlaufszeit ein Mahl um feine Achse. Oder deutlicher: bestände der Ring aus au einander gelegten Monden, und drehte sich so um den Hauptplanstcu, so würde ein auf letzten« befindlicher Beobachter sagen, jede der Kugeln haben sich wahrend eines Umlaufs um seinen Planeten auch einmahl um einen ihrer Durchmesser gedreht, der auf der Ebene des Ringes senkrecht stand. Funde eine ähnliche Bewegung bey den übrigen Trabanten des Saturns Statt, so waren sie, wenn dieser Ausdruck hier verstattet ist, gleichsam Fortsetzungen der Ringe, so wie die Ringe selbst Fortsetzungen des Planeten sind, und auch unser Mond bewegte sich so um die Erde, als wenn er ein (übrig gebliebenes ?) Stück eines Ringes wäre. Ferner, da nunmehr zwey Trabanten sich um ihren Hanptplanetcn so bewegen, daß sie ihm dieselbe Seite zukehren, und sich gerade so verhalten, wie eine Magnetnadel, die man um eine eiserne Kugel herum führte; so fragt sich, ob dieses eigene Verhalten nicht, unabhängig von der allgemeinen Schwere, sich auf andere Vcr- wandschafken gründe, deren Einfluß sich noch bis zu jener Höhe hinauf erstreckt. So viel ist gewiß, daß mehrere dergleichen und ähnliche Beobachtungen uns nothwendig der Kenntniß der Ursachen naher führen müsse». Auch hak uns immer das an sich unschuldige Bemühen mechanische Ursachen für die allgemeine Schwere und die anziehenden Kräfte aufzlissuchen, deßwegen nicht ganz unverdienstlich geschienen, weil es seyn könnte, daß die theoretische Entwickelung eines solchen Mechanismus, auf Folgerungen führte, die man nicht eher in der Natur bemerkt, als bis man durch theoretische Schlüsse darauf aufmerksa, ^ worden ist. Dieses ist der T ^ Theorie, und ein mächtiger Sporn für den Denker Alles zu versuchen. Db die Ernteten oder Mercur vielleicht der Sonne immer dieselbe Seite zukehren, wissen wir nicht. Vcn der Umwälzringszeik der VenuS, worüber die Meinungen der Astronomen bisher so sehr getheilt waren, daß fast nichts fehlte, als daß nach einer aufgetreten wäre, der behauptet hatte, sie drehe sich in einer Umlaufszeit um- die Senne, nur ein Mahl um ihre Achse, laßt .sich nunmehr bestimmter reden, seitdem Herr Oberamtmann Schroten seine Aufmerksamkeit auf diesen Planeten gewendet hat, über dessen Umwälzung Hr. Herschel biö jetzt noch immer ein tiefes Snllschweigcn beobachtet. WaS Hr. Schröder hierüber bestimmt hat, schließt sich vortrefflich an eine Nachricht von Vermehrungen und Verbesserungen einer Ausgabe des Weltgebäudcs an, und ich weiß dieses nicht bündiger und mit größerer Kürze vorzutragen, als mit Hrn. Hofr. Kastner's Worten "Die Zeit, welche VennS gebraucht, sich um ihre Achse zu drehen, hat Hr. Oberamk- ") Am angeflchttm Orte S. XI. wann Schröter bestimmt. Er beobachtete die Venus mehrmahls bey ihrer größten Elongation, wen» sie also am längsten nach der Sonne über dem Abendhorizonte, oder vor ihr, über dem Morgenhorizonte zrr sehen ist, und die Gestalt des Mondes in seinen Vierteln hat. Dabey bemerkte, er an ihrem südlichen Hörne eine Erscheinung, die von daselbst befindlichen hohen Gebirgen herrühren mußte, und in den scleno- tcpvgraphischen Fragmenten h. Z22. beschrieben wird. Wiederbohlce Beobachtungen des südlichen und des nördlichen Horns zeigten ihm, daß beyder Gestalten sich in etlichen Stunden veränderten, und, z. V. um 6 Uhr, eben die Gestalten wieder kamen, welche einen oder zwey Tage zuvor um 6 Uhr sich dargestellt harten, um 10 Uhr solche Gestalten, wie sie zuvor um 10 Uhr gewesen waren. Das bestem schon Vian- chini's Pcricde, und war für Cassini's seine*). Fortgesetzte Aufmerksamkeit, und Dergleichung der Beobachtungen, führte» ihn auf eine Umwälzungszeit. die mit der Wahrheit so genau als möglich zusammentrifft, 2Z St. 2i Mim Einen Aussatz hierüber habe ich (Hr. Hose. K.) seiner Absicht gemäß, der Königl. Societät der Wissenschaften vorgelegt, und in den Götiingi- schen gelehrten Anzeigen 1792, 25. St. den Inhalt angezeigt. Zu Bestimmung dieser Zeit haben also nicht Flecken gedient, und so wird das, was ich (Anfarrgögründe der Astronomie §. lyü.) hierüber gesagt habe, bestätigt. Allerdings stellt anch Hr. Schrö- ter (Selenotop. Fragn,. Z. gs. Taf. 8 Fig.) etwas von einem Flecken dar; aber ein Flecken wird nicht so begränzt wahrzunehmen -) Der erste setzte n-thmlich die NmwZljUNgSzklr der Venu« aus 24 Tage, der Ich« aus »4 Stunden. -7 seyn, daß sich aus Veränderungen seiner Lage in der scheinbaren Venusscheibe, die wenigen Sun,Leu über, da man die Venus zusammenhangend beobachten kann, die Um- wälzrmgSzcit sicher bestimmen ließe, (woraus sich denn, wie der Hr. Hvfr. am auges. One bemerkt, erklären laßt, warum bisher entscheidende Beobachtungen gefehlt haben). Znm Beschluß dieses Artikels, erwähnen wir noch Las, was Hr. Oberanum. Schröter über die Atmosphäre der Venus so wohl als des Mondes Neues entdeckt hat. Er hat hierüber der hies. Kvnigl. Societät zwey Aufsätze vorgelegt, aus denen Hr. Host. Kastrier in den hiesige» gelehrt. Anzeigen 1792. St. 77 und 86 Auszüge geliefert hat, auf die wir hier aus Mangel des NamnS nothwendig verweisen müssen. Sie sind völlig hinreichend, den Grund und Zusammenhang der Schlüsse zu übersehen. VII. B wovon wir hier nur die Resultate kurz angeben wollen. Hr.- S. hat nähmlich auf der Venus eine Dämmerung bemerkt, die, wenn mau den wahren Halbmesser der Venus — 8Z4 gcograph. Meilen oder 3178874 Toiscn setzt, sich von der Er- lenchtungegränze senkrecht ab über einen Flächcnsirich der Nachtseite von 67 Meilen erstreckt. Dieses gäbe den untern dichten Theil der Vcnusatmosphäre, von dem sie herrührt, 25 26 Torfen hoch, jedoch milder Unsicherheit, daß wir den Betrag der dortigen Strahlenbrechung nicht kennen, auch wie bey der Erde nicht wissen, ob die Dämmerung von einmahliger oder mehrmahliger Reflexion herrührt. Auf dem Monde bemerkte Hr. S. ebenfalls einen Lichtabfall, den er für eine Dämmerung und für die Wirkung einer Atmosphäre um den Mond erklärt. Auf eben die Art und mit eben — 19 — den Erinnerungen, wie bey der DennS, berechnet er daraus den untern dichten, Theil der Mondalmoiphare, welcher diese Dämmerung verursacht, auf 22Ü Toisen, den Halbmesser des MondcS — 2gg geogr. Meilen — ZYlYlg Toisen gesetzt. Sie erstreckt sich von der Lichtzränze senkrecht ab, bis dahin, wo sie dem dortigen Erdenlicht gleich und eben so schwach wird, auf ioß- geographische Meilen. Nachtrag (von, Jahr I7Y7). Im vorstehenden Artikel wird einer Entdeckung vr. Herschel's, dieses unseres großen Erweitcrers der Astronomie , Erwähnung gethan, nähmlich daß der alle fünfte Trabant des Saturns sich in eben der Zeit und in eben der Richtung, in welcher er eine Revolution um Leu Haupt-Planeten B 2 vollendet, auch einmahl um seine Achse drehe, und so dem Haupt - Planeten immer dieselbe Seite zukehre, gerade so wie der Trabant der Erde, unser Mond. Es wird dabey gesagt, daß mehrere dergleichen und ähnliche Beobachtungen uns nothwendig der Kenntniß der Ursache» naher führen müßten. Diese Beobachtungen sind nunmehr gemacht. Herr vr. Herschel hat nähmlich entdeckt, daß die Iupiters - Trabanten säm m t- lich eben dem Gesetze folgen; alle in Einer Nevolutions-Zeit auch Ein Mahl in derselben Richtung rotiren, und so dem Haupt-Planeten immer dieselbe Seite zukehren; eine Entdeckung, die, wenn sie sich völlig bestätigt, eben so viel, wo nicht mehr, werth ist, als die von einem achten Planeten, eben weil einer so allgemeinen Erscheinung eine allgemeine Ursache zum Grunde liegen muß. Denn von vierzehn Trabanten, von denen die Astronomie weiß, folgen nun bereits sechs diesem Gesetz, und die acht übrigen widersprechen ihm wenigstens nicht. Vielleicht sind die Zeiten nun nicht mehr fern, da man wird sagen können: die übrigen acht müssen sich so drehen, so wie man jetzt von jedem neuen Planeten würde sagen können: er muß die Keplerschen Gesetze befolgen. — Vielleicht ist cS nicht ganz unnütz, bey Gelegenheit dieses merkwürdigen Phänomens wieder einmahl an die in der Luft schwimmende elektrische Pflaumfeder zu erinnern, die der geriebenen Schwefelkugel immer dieselbe Seite zukehrt, wie unser große Otto v. Guerike zuerst bemerkt, und auch selbst so gleich schon die Anwendung davon auf die Bewegung des Mondes gemacht hat. Elektricität ist eS nun wohl freylich beym Monde nicht, aber können nicht mehrere Kräfte in der Natur auf eine analoge Art wirken? Wie viel Analoges findet sich nicht schon Zwilchen Elektricität und Magnetismus? Und- würde nicht schon eine magnetische Kugel, die sich um einen Durchmesser ihres magnetischen Acquawrs frey, wie eine Jnclinationeuadcl, drehen könnte, um eine eiserne Kugel herum geführt, dieser immer dieselbe Seite zukehren? A n m erk >lng. So eben, da mau bereits an diesem Bogen zu sitze» angefangen ha«, werde ich von einem Freunde erinnert, daß Hr. Ober- amtmann Sch röter diese Art von Bewegung für den vierten Jupiters- Trabanten in einer Abhandlung darge- than hätte, die Herr Hofrath Kästncr schon am 28. Jan. dieses Jahrs (1797) hiesiger Königs. Societät vorgelegt hat. 2Z Die Anzeige davon findet sich in den hiesigen gelehrten Zeitungen vom obigen Datum. Sie enthält zugleich eine merkwürdige Nachricht von einem Flecken deS dritten Trabanten, den Herr Harding, unser ehemahliger gelehrter Mitbürger, bey Herrn Sch röter und mit dessen dreyzehn- füßigem Neflcctor am 2ü. Aug. 17yd entdeckt hat. Die Entdeckung wurde bey der Gelegenheit gemacht, da dieser Trabant vor der Scheibe Jupiters vorbey ging. Eine Krankheit, an welcher ich zur Zeit der Ausgabe jenes Mattes darnieder lag, war Ursache, daß es mir damahls, und andere Vorfalle, daß eS mir auch nachher unbekannt blieb. Ich halte eS für Pflicht, dieses hier anzumerken; denn da ich, aus Mangel an nöthigen Daris von beyden Seiten, nicht über die Priorität "bey diesen Entdeckungen zu urtheilen im Stande bin, so würde ich sicherlich die Sch röter sehe, als die bey unö zuerst öffentlich bekannte, auch zuerst genannt haben. 2 Einige Betrachtungen über die physischen Revolutionen auf unsrer Erde. Statt der Betrachtungen über das Welt- gebäude im Große», womit wir bisher zuweilen beym Eingänge zu unserm Taschen- büchelchen, unsere Leser zu unterhalten, wenigstens bemühet gewesen sind, sey eS uns verstattet, dieß Mahl einen Blick auf unsere Erde und einige der großen Revolutionen zu werfen, die sie erlitten haben muß. Der Gegenstand an sich ist von solcher Größe und Erhabenheit , daß auch die ungekünsteltste Erzählung davon, jeden denkenden Menschen zu andächtigem Erstaunen hinzureißen fähig ist. Allein dieses ist nicht Alles. Mit Kenntniß der Natur 26 und gezähmter Phantasie behandelt, biethet sich in ibm ei» unerschöpfliche? O.uell von Gcistesübung und Unterhaltung dar, deren Genuß durch die wachsende Hoffnung dereinst tiefer in die Geschichte, wo nicht unsrer ganzen Kugel, roch ihrer ganzen Kruste einzudringen, als auö menschlichen Denkmählern möglich ist, keinen geringe» Reih erhalt. Auch da wir täglich neue Zeichen entziffern lernen, womit jene Geschichte so unauslöschlich geschrieben ist, so ist es immer der Mühe werth, dann und wann einmahl unsere kleinen Fcrt- schrittc im ABC an jenem schweren Tert zu prüfen, und zu sehen, wie viel wir dadurch dem eigentüchcu Sinn naher gerückt sind. Ja, sage ich, sollte eine kurze Darstellung jener großen physischen Gahrung auf unserer Erde zu dieser Zeit, da die Bewohner ihres schönsten Theils in der wilden Aufwallung einer pol! tischen begriffen sind, in einer Schrift, wie die unftige, so ganz am unrechten Orte stehen? Alles Studium der Natur, wenn es der Würde unseres Geistes gemäß, und nicht zur Prahlerey oder compilalorisch zu eitler Gewinn ucht getrieben wird, führt ja unvermerkt zu großem moralischen Zweck. Warum sollte nicht bald dieser bald jener Theil dazu vorzüglich geschickt seyn, da jeder Eindruck Empfänglichkeit voraussetzt, und Empfänglichkeit von äußern Umständen abhängt? Der Geist wird dann unwillkürlich zu Vergleichungen hingerissen, die selbst mit in die Reihe der Begebenheiten gehören, und deren sich also der Philosoph nicht zn schämen hat. Dieser weiß ohnehin, wie sehr sehr wichtig diese Vergleichun- gcn unsers SelbstS und unsers Wirkungskreises mit den Begebenheiten in der Natur, die sich ohne unser Zuthun ereignen, selbst für unsere Ruhe sind. Wer noch nicht weiß und fühlt, daß hier hinaus ein nie versiegender Quell selbst von Muth im Leiden und von Trost im Tode liegt, den ihm kein Rcligionsstiftcr gegeben hat, und also auch kein Stisier von Jrrcligion rauben kann, muß es noch nicht sehr weit in Philosophie und Kenntniß der Natur gebracht haben, so viele Kenntnisse auch sonst uu- ringehagt zu häuslichem Gebrauch auf seinem Grund und Boden umher liegen mögen. Die Veränderungen unsrer Erdoberfläche sind unzählig; die Zahl derer, die darunter vom Menschen abhängen, ist nur gering. Die Einwirkungen von Pflug, Grabscheit und Art sind weder sehr ausgebreitet, noch gehen sie sonderlich in die Tiefe. Jedoch fordern Bedürfnisse und Vernunft diese Einwirkung von >mö. Dieses übersehen wir deutlich, es ist Instruktion. Vulkans können wir nicht anlegen; es fehlt uns die Macht dazu, und halten wir die Macht, so würde uns doch die Einsicht fehlen, sie gehörig anzubringen. (O fehlte doch immer die Macht, wo die Einsicht fehlt!) Hatten wir endlich Macht und Einsicht zugleich, so waren wir die Menschen nicht mehr, von denen jetzt nur allein die Rede ist und von denen man leider weiß, daß Verrichtungen, worin ihre Macht mit ihrer Einsicht zu gleichen Schritten geht, eben nicht immer ihre Lieblingsbeschäftigungen sind. Was kann also der Mensch hier thun, wo er so deutlich erkennt, daß nicht der ganze Plan vor ihm liegt? Antwort: Nichts weiter, als den Theil des PlanS mit Treue und Thätigkeit bearbeiten, den er vor sich hat. Den» was könnte er sonst thun? Will er etwa sein Feld nicht bauen, weil es ihm ein Hagelwetter zerschlagen könnte? Er würde allerdings weislich handeln, wenn dieses in seiner Justrnction stände, aber wer sagt ihm denn, daß der Hagel seine Felder Zerschlagen wird? Welche Idee also, durch Faulheit einen Plan unterstützen zu wollen den er nicht kennt! Was in der Welt ist Thorheit, wenn es eine solche Superklngheit nicht ist! Vergleichen wir die Revolutionen der Erdoberfläche mit denen der Reiche, und dem Schicksale der Staaten, so fällt in die Augen, daß auch hier dem Menschen wenig mekr überlassen ist, als der Anbau der Oberfläche, ich meine des Feldes der moralischen Welt, das seinen innern Frieden nährt. Und ist das nicht genug? Man ist sicherlich noch sehr weit von bleibender Ruhe entfernt, wenn man sie weiter sucht als hier. Ehre der Verminst, der Statt- haltcrinn des Himmels, Ehre dem Gesetz, das sie dictier hat, Ehre dem grauen Haupte in jedem Stande, oder mit bekannten Worten, Uebung der Tugend eines jeden in seinem Kreise, dieses und bloß dieses fordert der Theil des Plans des großen Ganzen, den wir deutlich übersehen, von uns. Dauernde Glückseligkeit kann entweder nie das Erblbeü des Sterblichen werden, oder sie muß ihm auf diesem Wege zufallen. Alle Plane von hoher Worw.mwschaft über das Menschengeschlecht, (fürwahr allerhöchste Gevatterschaft wäre oft zuträglicher), alle Projecre von allgemeiner Freyheit und Gleichheit, wenn sie nicht hiervon ausgehen, oder etwas Anderes sagen sollen als jene Dictate der Vernunft, sind eitle Psiischereyen in Fächer, die nicht Z2 fär uriS gehören, und müssen fallen; oder wenn sie stehen, so stehen sie bloß durch zufällige Annäherung an jene einzige sichere Form. Nur so weit sieht der Mensch, und nur diesen Theil des großen Plans kann seine Vernunft bearbeiten, und mit der Ausführung anzufangen, dazu taugt jede Negienmgöfvrm. Freylich geschieht der Anfang am besten von oben, weil da selbst die Mode der Tugend zu Stakten komme» würde. Es würde auch schon häufiger dort angefangen worden seyn (denn angefangen ist hier und da, und selbst in Deutschland sind die Beyspiele gottlob nicht selten,), wenn es ein Gesetz wider die Aufwiegler der Regenten gegen die Unterthanen, ich meine die Speichellecker, gäbe, so wie eS eines wider die Aufwiegler der Unterthanen gegen die Regenten gibt. Z Außer diesem dem Menschen nicht bloß überlassenen, sondern selbst gebothener, Theil der Leitung des ganzen Geschlechts, gibt es aber so wie bey der Erdoberfläche nur höhere, die nicht für ihn gehört. So wie Pflug, Art und Grabscheit nicht hinreichen, die ganze Kugel zu ihrem Zweck zu bauen, so reicht auch menschliche Vernunft allein nicht hi», daS Menschengeschlecht im Großen zu seinem Zweck hiuz,-leiten, ob gleich unser Beytrag dazu sicherlich nur durch Gebrauch der Vernunft, und folglich durch Tugeiidübrilig j>eschchen kann. Der Mensch ist nun schon alt genug, einzusehen: Vulcane, Erdbeben, Diwane u. s. w., sey«" das in einer höher» Hand, was die Werkzeuge des Feldbaues in der siinigeu sind, und eben so muß er wissen, e.s - i nöthig und nützlich ist, wenn sich Pfluge scharen und Sicheln zuweilen in Schwerter vir. — Z4 — verwandeln, wäre es auch bloß zu verhindern, daß sie nicht, wie es in Deutschland schier den Anschein hatte, sämmtlich in Federmesser und Papierscheren über?,eben. Nach diesem Prolog, der mehr zur Stimmung des Gemüths, als zu eigentlicher Belehrung hier sieht, kommen wir nun der Sache näher. Unsre Erde, eine Kugel von 1720 Teutschen Meilen im Durchmesser, und einer Oberfläche von mehr als y Millionen und 202,000 O.uadratmeilcn, selbst wenn sich kein Berg über die Oberfläche der See erhöbe, wodurch sie noch vergrößert wird, ist bis auf etwas mehr als ein Drittel dieser Fläche mit Wasser bedeckt, das an den meisten Stellen beständig flüssig, an vielen bald flüssig bald gefroren, und an einigen beständig gefroren ist. Auf dieser Oberfläche ruht ein anderes Meer, dessen nicht z; ' H ganz genau bekannte Tiefs man etwa zu einem Dutzend Meilen annebmen kann. Dieses Meer besteht aus einem sehr elastischen Flüssigen, das nicht allein eine Menge fremder Materien aufzunehmen ,'m Stande ist, sondern auch durch Warme und Kalte und andere Ursache» so leicht assicirr wird, daß es in einer beständigen innern Bewegung ist, die bald unordentlich, bald regelmäßig, bald stark, bald schwach, so wie die Ursachen derselben sich einander bald mehr bald weniger durchkreuzen, bindern oder unterstützen, dem Weltmeer mittheilt und so den Grund von unzähligen Veränderungen auf unserm Erdboden enthalt. Der Boden dieses LuftmeerS ist unser Aufenthalt, so wie der von unzählige» Thieren, die sich nie darüber erheben. Eine ungeheure Zahl anderer, Vögel und Infekten, erhebt sich in dasselbe, jedoch ge- C 2 wöhnlich nur auf eine sehr kurze Zeit. Vor einigen Jahren haben es einige Franzose» gewagt, es ihnen nachznihun, und eS ist ihnen auch anfangs so ziemlich gegluckt. Seit dem aber ein Paar den Hals gebrochen und ein anderer geschleift worden ist, ruht die Luflschifferey beynahe völlig, und die Lnsischiffer haben sich, »in snbsisiircn zu können, genöthigt gesehen, sich an die Gilde der Lnflspringer anzuschließen, die ihnen wenig Ehre macht. Ob sich in diesem Meere auch Thiere und Pflanzen aushalten, die den Boden nie, oder doch nur zufällig erreichen, welches in dem Weltmeer wohl der Fall mit unzähligen seyn mag, ist nicht bestimmt bekannt. ES hangt übrigens von diesem Flüssigen zunächst unser Leben ab, so wie das Leben der Thiere und Pflanzen, von denen wir uns nähren, wenn auch nicht bey allen so Z7 H gleich unmittelbar, doch immer mittelbar. Es enthält den Hauptquell aller thierischen Warme; ohne dasselbe würde unser Win- tersnbsiitnt für die Sonne fehlen, wärmende und leuchtende Flamme; es ist das Hauptvchiculum des Schalles, folglich aller Musik und aller Rede; es treibt ferner unsere Schiffe, wodurch die Familien- verbindungen des menschlichen Geschlechts unterhalten, und der wichtige Tauschhandel von Meinungen, Eßwaren, Gold und Krankheiten getrieben wird, und endlich ist es nebst dem Feuer der große Beförderer des Kreislaufs der Gewässer. Das für uns und unzählige Thiere uutrinkbare See- wasser, steigt im Lustmeer trinkbar auf, und wird durch Wolken und Regen dem Pflanzenreich und den Bergen zugeführt, von denen es dem Thicrciche auf tausendfachen Wegen zuströmt. Merkwürdig ist. — Z3 — daß dieses für lins und Millionen von Geschöpfe» unentbehrliche Element durch eben bcn Gebrauch, den wir davon machen, verdorben wird, und also auch wieder er- uenet werden muß. Der tägliche Aufwand davon durch die Thiere und die Feuer auf der Erde ist ungeheuer, eben so muß es die Zufuhr seyn. Man hat zwar hier und da Einiges hierüber entdeckt, aber überhaupt sieht es in der Statistik der Atmosphäre noch sehr dunkel aus. So viel ist gewiß, daß wo der wohlthätige Prozeß, wodurch dieses unentbehrliche Nahrungsmittel hervorgebracht, gereinigt und gehörig gemischt wird, bloß stockt, da sieht es traurig um das Leben der Thiere und der Pflanzen aus. Daher die Ungesund- heit mancher Gegenden und der Winde S i- rvcco, Chamsin, Samyel, HermaI- tan, und wie sie alle heißen, die der Gc- sundheit so nachthcilig sind, ja wovon einige unmittelbar den Tod bewirken können. Ich habe oben gesagt, daß dieses Element sehr empfindlich gegen die Wärme und Kälte ist, erstere vermindert, und letztere vermehrt ihr specifisches Gewicht, da nun durch den Wechsel von Tag und Nacht, und von Wmrcr und Sommer immer Wechsel von Wärme und Kälte unterhalten wird, so entstehen in diesem Flüssigen immer Bewegungen, das ist, Winde, die hauptsächlich vieles beytragen, Consumtiorr und Produktion auch selbst in denen Gegenden im Gleichgewicht z» halten, wo bey völliger Ruhe bald die eine, bald die andere ein gefährliches Uebergcwicht erlangen würde. Allein Wärme und Kälte sind nicht die einzigen Ursachen, die Bewegungen in diesem Meere bewirken können, so wie auch Nthemhohlen und Brand nicht die einzige Ursache seiner wesentlichen Veränderungen sind. Wir wissen gewiss, daß sich, eses Element mit andern Kör, pcrn .ibindet, wo es kaum eine Spar seines vorigen Wescnö zurück läßt. Eben so sann es durch Beytritt fremder Materien seine Form verändern. Geschieht dieses an eurem Ort plötzlich oder auch minder schnell, aber auf eine große Strecke, so erzeugen sich Wirbelwinde und Orcarre, die mit Eich- bäumen spielen wie mit Strohhalmen, und, so fürchterlich sie schon an sich sind, es noch mehr dadurch werden, daß sie das Meer irr Bewegung setzen, wodurch deun oft Verwüstungen entstehen, die selbst nach und nach die Form der Länder verändern können. Daß dieses die richtige Erklärung i ist, sieht mau deutlich an den Wesiindi- Stürmen; sie erstrecken sich gar nicht ch n> weit, wehen oft in kurzer Zeit aus alle» Punkten des Compasses mit unwiderstehlicher Wuth. Es läßt, als wären viele Eubik-Meilen Luft i» jener Gegend auf einmahl aufgeschöpft und weggeführt oder vernichtet worden, und nun stürze das benachbarte Luftmecr in die Leere hinein, »Hunne sich auf, und weiche wicoer schwankend bald hier bald dahin zurück, der Bewegung des Wassers in einem Behälter gleich, aus dem man mit einem Gesäße eine Menge plötzlich heraus gehoben hat, die, so stark und verwirrt sie auch an der eigentlichen Quelle ist, sich doch in geringer Entfernung in ein sanftes und regelmäßiges Schwanken verliert. Tiefer als dieses Luftmeer liegt nun wegen seiner größer» specifischen Schw>" und seiner Flüssigkeit daö Weltmee-- nimrrtt die tiefsten Thäler unsers ' seine über die ganze 'V meuhängende Oberfläche, wird als die Grundfläche angesehen, von welcher ab man die Höhe der Länder und der Berge rechnet. Redet man daher vo» Figur der Erde, so versteht man darunter die Figur des Körpers, den jene Wasserfläche einschließen würde, wenn man sie nach eben den Gesetzen ihrer Krümmung, die sie als Oberfläche des Weltmeers hat, um die ganze Erde herum fortgesetzt und alle Länder und Berge hinweg gedächte. Da diese Fläche sich ziemlich bestimmt hält, und wenigstens die Veränderungen, die mir derselben vorgehen, nicht sehr in die Augen fallen, auch wir die Form des festen Landes unter derselben nicht erkennen können, so heißt überhaupt Oberfläche der Erde, die Oberfläche deS festen Landes und jener Wasser. Wäre dieser flüssige Körper flüchtiger, als er ist, verwandelte er sich zuwci- 4Z lm ganz in ein elastisches Flnidiim, so wie dieses mit einem geringen Theil immer geschieht, so würde unsere Erde unS ein gairz anderes Schauspiel darbiethen, und unsere Berge möchten alsdann um ein Beträchtliches höher auefallcn, alö die auf dem Monde, auf welchem eine so schön bestimmte, natürliche Gränze die Höhen der Berge davon anzurechnen, fehlt. Man sagt daher auch, wenn man bestimmt reden will, nicht: der Berg ist so und so hoch, sondern er ist so und so viele Toisen über die Oberfläche der See erhaben, denn beydes sind ganz verschiedene Dinge. Indeß kömmt für uns, die wir auch keinen bleibenden Aufenthalt unterhalb der Mee- resfläche mehr haben, ja »och weniger alö unter der Oberfläche des festen Landes, nichts darauf an, ob wir das Wasser mit zu den festen Theilen unserer Kugel rechnen wollen oder nicht. Allein, wenn von Vcr- glcichung der Unebenheiten anf unserer Erde mit denen auf andern Weltkdrpern die Nebe ist, kömmt dieser Unterschied allerdings in Betracht, denn ich sehe alsdann nicht, was die Oberflache eines solchen Fluidums mit der Höbe der Unebenheiten zu thun hat. Es liegt, in dieser Rücksicht nähmlich, hierin so wenig etwas Absolutes für das Maß der Unebenheiten als in dem Pic von Teneriffa oder der Insel Ferro für das Maß der Längen. Nähmen wir die höchste Schicht unserer Atmosphäre, in welcher noch Wolken schwimmen können, zum Zero des Maßstabs für die Unebenheiten unserer Erde an, so hätten wir gar keine Berge, oder ihre Höhen wären verneint. Da das Meer für unsere künftigen Betrachtungen sehr wichtig ist, so müssen wir uns noch etwas dabey aushalte». Ueber die Oberfläche dieses Meeres erhebt sich nun das feste Land, wovon man sich am leichtesten durch Betrachtung des Laufs der Ströme überzeugen kann. Wenn jemand hart am Ufer der Weser, von ihrem Ausfluß in das Weltmeer an, immer dem Strom entgegen spatzierts, bis er an den Ausfluß der Aller käme, von da das Ufer der Aller eben so verfolgte, bis er den Ausfluß der Leine in die Aller erreichte, alsdann am Ufer der Leine hin bis Gottingen fortginge; so würde er kaum glauben, daß er sich über die Meeresflache erhoben hätte, und dessen ungeachtet wäre er um qro Fuß gestiegen, um welches Götungcn höher liegt als die See. Dieses ist der Fall mit den ebensten Landern der Erde, so lange noch Ströme durch diese Ebnen fließen. Denn wären diese Lander wagerecht, so würden die Ströme nicht fließen können. Lagen sie nahe am Meere, so würde sie dieses alsdann verschlingen, oder Regen und Wasser aus den nächsten ni cht wagerechtcn Landern würden sie in Moräste verwandeln, es müßte denn ein emsiges Volk sich einschließen, sich den Ungcmachlichkeiien und den Koste» eines ewigen Kriegs mit dem von allen Seiten zudringenden Wasser zu unterziehen, und ihm durch Damme, Kanäle und Schöps- mühlen den Besitz des Landes streitig zn machen. Das Wasser, woraus dieses Meer besteht, ist stark gei'alzen, und überhaupt von sehr unangenehmem Geschmack. Merkwürdig ist es, daß das in demselben domi- nirende Salz unser gewöhnliches Kochsalz ist. Hier hatten wir also das einzige Mineral, das der Mensch eigentlich speiset. aufgelöset in einem Mensirno, das er nur allein trinken sollte, und beydes in einem Mischmasch, der sich weder speisen noch trinken laßt. — Man hat sich gewundert, warum das Wasser gesalzen sey, und sehr berühmte Männer haben sich die Köpfe so sehr darüber zerbrochen, daß sie ihren alten fast gar nicht mehr ähnlich sahen. ES scheint, als habe man sich viele unnütze Mühe gegeben, zu erklären, warum die See gesalzen sey. Wäre das Seewasser vollkommen rein, enthielte es weder Salze noch Erden ausgelöset in sich, so wäre dieses sicherlich ein unauflösliches Problem; denn selbst das reine Rcgcnwasscr bey seinem kurzen Wege durch die Erde bis zu der Stelle, wo es wieder quillt, nimmt wieder Erden und Salze auf, die es antrifft, welche unsere Quellwasser in mannigfaltigen Graden afsiciercn, daher einige — 48 — gar nicht, andere nur als Arzeneyen getrunken werden können, und selbst die klarsten, und reinsten nach der Sprache des gemeinen Lebens, enthalten oft eine Menge fremder Stoff- in sich, und sind daher zu vielen chemischen Operationen untauglich. Also, daß ein Wasser, das, wie so unzählige Spuren zeigen, mit einem Theil unserer Kruste so innig verbunden war; ein Wasser, das, so zu reden, den Schlamm enthielt, der unsere Erdkruste ausmacht, daß das nach etwas schmecken muß, ist doch wohl nicht zu verwundern, da das Wasser ein so sehr allgcnuines Aus- lösungsmittel ist. Unser O.ucllwasser ist deßwegen so rein, weil es ein dcsiiliincs ist, das wir bald nach der Destillation zu häuslichem Gebrauch aufzusaugen und gehörig zu leiten wissm. Das Wunderbare hierher), wenn anders hierbei) etwas wnn- 49 derbar seyn lann, ist also nicht, woher es kömmt, daß cS so viel Wasser auf der Erde gibt, das einen starken Beygeschmack hat, sondern wie es noch auf der Erde ein Wasser geben kann, daö keinen Beygeschmack hat. Doch erklärt sich nun auch dieses durch das Aussteigen der Dünste (Destillation) vollkommen. Fragt man: warum ist es denn gerade das Kochsalz, daS so stark vorschmeckt, so fragt man viel zu viel. Diese Frage verdient keine weitere Antwort als: entweder weil die Wasser- masse bey ihrer Verbindung mit dem Schlamm, wovon wir oben geredet haben, dieses Salz oder dessen Bestandtheile, häufiger traf, weil sie häufiger da waren, oder weil ihr dieses Salz nachher nicht so häufig durch Verbindungen mit ar.Lcrn Körpern geraubt worden ist. Mit einem Wort: wenn wir einmahl sehr deutlich D VII. — Z2 — einsehen, daß der große Wasserstock der Erde unmöglich reines Wasser seyn könne, so müssen wir uns begnügen, und es ist Verwegenheit noch fragen zu wollen, warum unter so vielen Körpern, die im Wasser ausiöslich sind, gerade ein gewisser die Oberhand habe, da sich das Unendliche gegen Eins verwerten läßt, daß irgend einer die Obeihand haben müsse. Man hat auch gefragt, warum das Wasser nicht mit Salz saturirt sey, und wie cS scheint, mit nicht viel größerem Recht, als oben. Denn diese Frage setzt ja voraus, man kenne so wohl den Wasser- als Salzvor- rath der ganzen Erde. Da aber so wohl die Größe des Einen, als des Andern unbekannt ist, so weiß man auch nicht, ob alles Salz der Erde zusammen genommen hinreichen würde, alles vorhandene Wasser zu saturiren. Von seiner Tiefe läßt sich nichts mit Bestimmtheit behaupten, als daß man an manchen Stellen durch die gewöhnlichen Mittel keinen Grund bat finden können. Alles, was man außer den Beobachtungen weiter darüber wissen will, gründet sich auf bloße Versicherungen und Rücksichtcn, auf weit aussehende Hypothesen, die solchen Versicherungen, so wie cö sich trifft, oder nöthig ist, Unterstützung bald Zu danken haben, bald gewahren. Ehe wir nun zn dem festen Land übergehen, wollen wir noch zwey Flüssigkeiten betrachten, die zwar in Geologien und Geogenien gewöhnlich nicht als Meere aufgeführt werden, denen mau aber diesen Nahmen kaum mehr absprechen kann, nachdem man ihn der Luft zugestanden bat, »nd dicke sind das Feuer und die elektrische Materie. Da das Erstere den Grund aller Flüssigkeit, so viel wir wissen, enthalt, D 2 so fließen auch Ocean und Lusimrer bloß durch dasselbe. Alles was wächst, wächst nur, und Alles waS sich krystallisier, krystallisier sich nur durch seine Vermittelung. Ferner, Alles waS sich von Materie durch Kräfte sucht, würde sich ewig suchen ohne sich zu finden, wen» die Tbeilchen nicht in der schicklichsten Form zerlegt, und so schwebend erhalten würden, um dem leisesten Aug zu folgen, daS heißt, wenn keine Auflösung Sratt fände? Und wie könnte Auflösung ohne Flüssigkeit, daS ist, ohne Feuer Statt finden? So wird also das Feuermeer, in das unsere Kugel eingetaucht ist, das Vehiculum der Narurkräfte und deS Lebens aller organischen Natur. Von dem Vorralh elektrischer Materie wissen wir, einige Eigenschaften abgerechnet, die uns von seiner Existenz und Allgemeinheit hinlänglichen Beweis geben, nicht vieles. Genug, daß wir es überall antreffen, selbst an Orten, die daS Feuer gleichsam zu fliehen scheint, nähmlich in großen Höhen über dem Weltmeer und in großen geographischen Breiten. Eine solche allgemeine Verbreitung läßt auf großen Einfluß schließen; es hat also wohl gewiß seine Verwandschasten, so wie alle Körper. Schade, daß wir die rechte Art es zu erwecken, zu sammeln und zu unterhalten noch nicht kennen; es ist unser jetziger Spiritus sz'luestris. Wir befinden uns in dieser Lehre ungefähr da, wo wir uns in der vorn Feuer befinden würden, wenn wir cS bloß aus dem Häudereiben, aus den Funken des Feuerzeugs, und endlich etwa noch aus deu AuSdrüchen eines Vnlcans, auf einer entfernten und unzugänglichen Insel kennten. Da wir aber bey einer solchen Verbreitung dieser Materie, es doch nur beu sehr wenigen Wirkungen- dcntlich erknme», so ist es höchst wahrscheinlich, daß wir einen Theil seiner Verrichtungen in der Natur, andern Ursachen zuschreiben. Uei'erall näbmlich, wo es warm ist, oder brennt oder glüht, überall, wo daS Feuer auflöset, zersttzt und verändert, ist auch elektrische Materie anzutreffen; wer weiß denn aber nun, wie viel davon auf ihre Rechnung gehört. Daß noch andere Wege möglich sind sie zu erwecken, als unsere Maschinen-Methode, sehen wir an den Donnerwettern, wo sie wohl nicht dmch Neiben hervorgebracht wird, sondern chemisch wie unsere Feuer, wenn der Prozeß ein« madl eingeleitet ist. Ich glaube nicht, daß den dem allgemeinen Eifer die Nawrlebre wirtlich zu erweitern, der Zeitpunkt weit sinn kann, da man die große Rolle wird kennen lernen, die die lcuente elektrische Materie und ihre Bestandtheile in der Natur spiele», und welche keine geringe Resolution in der Physik und Chemie, und nahmentlich in den luftigen Nomeuclaturen nach sich ziehen wird, die nicht Thatsachen ausdrücken, sondern Meinungen, welchen man diesen Nahmen gegeben hat. Hier sey eö genug, Aufmerksamkeit auf dieses merkwürdige Fluidum empfohlen zu haben, das bey den Veränderungen unserer Erdoberfläche sicherlich mitgewirkt hat, wovon man die Spuren deutlich finden wird, so bald man dessen Wesen selbst deutlicher wird kennen gelernt haben. Darf man sich wundern, daß wir so diele Erscheinungen in der Natur nicht erklären können, da wir ein Fluidum, in welches unsere Kugel wis eingetaucht erscheinen würde, wenn wir es sehen könnten, gerade als Null ansehen? Es sey fern von mir, die Zerstörungen auf - ;6 - unserer Erdoberfläche durch Elektricität erklären zu wollen, aber zugebe» muß man den» doch: märe alle elektrische Materie der Erde einmahl so vertheilt, daß die eine Hälfte Alles, die andere Nichts davon enthielte, und nun siebte sich das Gleichgewicht in einem Augenblick her, so konnte» dadurch Verwüstungen entstehen, die daS innere und äußere der Kugel sehr viel heftiger afficiren würde», als eine tausend Fuß hohe Meercswelle, die in kurzer Zeit die Erde überströmte. Auch hat man es schon längst versucht, die Erdbeben durch Elektricität zu erkläre», und wen» andere eine solche Erklärung nicht zugeben wollten, so geschah es nicht etwa weil sie diese Ursache für zu schwach hielten, sondern weil sich manche Erscheinungen bey Erdbeben nicht gut durch Elektricität erklären lassen, da hingegen durch eine andere einfachere Hypothese, Alles, und selbst das Elektrische bey dem Erdbeben gut und conseguent erklärt werden kernn. Von der magnetischen Materie will ich an diesem Orte nur bemerken, daß, ob wir gleich jetzt keine» Grund haben zu glauben, daß sie beiden Revolutionen der Erde mitgewirkt habe, so sind doch die Veränderungen, die wir jetzt noch täglich auf der Obciflache der Erde, in ihr bemerken, ein sicherer Beweis von Veränderungen innerhalb unserer Kugel, die wenigstens in solchen Materien vorgehen, die auf die Magnetnadel wiiken können. Da es aber gar nicht wahrscheinlich ist, daß gerade diese allein Veränderungen leiden sollie, so wird die Magnetnadel ein sehr wichtiger Weiser für den, der diese Betrachtungen liebt. Von diesen Meeren also theils überschwemmt, theils durchdrungen, schwebt — 58 — nun diese echt antike Steinmasse zwischen dem Mars nnd der Venus um die Senne, und nährt in dem Schimmel und in der rrcruAino rrodili, wemit sie über« zogen ist, ein Thicrgescblechr, das sich von allen andern sehr auszeichnet, den Menschen. Wenn andere Tlncre lediglich mit Trieben und Kräften aneaeiüflet sind, die bloß auf Erhaltung und Fortpflanzung des Geschlechts abzwecken, so besitzt dieses seltsame Geschöpf über Alles daS riech einige, von denen man nicht so ganz deutlich begreift, wo sie eigentlich hinaus wollen. Unter andern einen Trieb Verhältnisse aufzusuchen, die eS Ursachen nennt, und sich um eine Menge von Dingen zu bekümmern, die es auf der Gotteswelt nichts anzugehen scheinen, als etwa weil es da für das Ursachen-Thier, Ursachen zu jagen gibt, wozu dasselbe durch eine — 59 — Art geisiischcn HungcrS, die Ncugierde, beständig angespornt wird. Von dieser Seite betrachtet, sieht es mit diesen Trieben fast aus wie mit einigen Heerstraßen zu Malta, die trotz der schönen Gleisen, die man in dem Felsen gewahr wird, am Ende gerade hinaus ins Blaue führen. Die Gegenden des Felsen nähmlich, wo diese Straßen hinführten, sind nicht mehr da. Wo geht denn, muß auch der Unbefangenste, der den Menschen beobachtet, fragen, die Reise hin, für welche er so sammelt? Oder ist diese Welt jetzt nicht mehr für ihn, und ein Land, wo er, gleich Pflanze» außer ihrem Clima, zwar aufgehen , kümmerlich blühen, aber nie mehr zur Reife kommen kann? Oder weiß er selbst nicht waS er thut, indem er Ursachen jagt, wie z. V. der Schmetterling der Weioenraups nicht weiß warum er seine 6o bver auf die Weide legt, um die er sich sonst nicht bekümmert? Oder ist er eiuL Baiiardbrut vom Affen und einem höhern Wesen, das sich weggemacht, und ihn hier mit Trieben ausgesteuert hat sitzen lassen, von denen nunmehr, wie bey manchen Bastard- arten, und sehr vielen erhabenen menschlichen Anstalten, die Form den Zweck überlebt hat? — Diese und noch mehrere Fragen könnte die wilde Phantasie über diese fragmentarische Natur dcS Menschen thun, allein für die ruhige Vernunft erwachst aus diesem bloß scheinbar weder Halben noch Ganzen, ein Ganzes von unermeßlichem Werth, dessen weitere Auseinandersetzung nicht für diese Blatter ist. Indeß war die Hinwcisung auf diesen Theil der menschlichen Natur nöthig, manche aus dem Folgenden hervorleuchtende Verwegenheit we- nigstenö nicht unnatürlich, und folglich erträglich zu finden. Dieses neugierige und forschende Geschöpf nun, hat sich auch mit seinen Untersuchungen jenseit des Staubes gewagt, der die Werkstücke seiner Erhaltung, seiner Verwesung und feiner Wiederanfsiehung, so wie alles Organischen tragt, und die den größten Theil des festen Landes überzieht. Als Thier allein hatte er nicht nöthig seinen Blick weiter zu wagen, als die leichte Erde, zu der er dereinst wieder Zurückkehren muß. Tausende seiner Bruder und ganze Völker dringen nicht unter dieselbe, sondern nehmen von dieser bald von ihnen bebauten, bald auch der unbebauten dünnen Schicht Nahrung und Kleidung her, bis sie selbst reif sind in dieselbe wieder zu verschmelzen. Unter dieser Schicht und aus den Bergen, die er als Fortsätze jenes In- nern ansehen mußte, fand nun sein Geist ein unübersehbares Feld von Beschäftigung. Wenn die Stürme des Oceans und des Lnfrmeeres ausgelebt haben, so stellt sich Alles wieder in ihnen her, und eS siebt aus, als wenn die Ruhe nie märe unterbrochen morden. Wegen der großen Gleichförmigkeit ihrer Theile und überhaupt wegen ihrer Flüssigkeit, findet da keine Auszeichnung der Begebenheiten Statt, wenigstens keine, die für unS lesbar wäre, so sehr auch bey ihrer Revolution das nntersic zu obxrst kommen mag. Ganz anders verhalt es sich mit den festen Theilen unserer Kugel, die nicht allein durch Form und Lage ihre eigene Geschichte dem aufmerksamen Beobachter erzählen, sondern auch die der Flüssigkeiten selbst, die durch Auflösung, Niederschlug und andere Eigenschaften ihrer Natur, Spuren ihrer Einwirkung zurück gelassen — 6z — haben. Hier ward der Mensch bald eine Menge von Erscheinungen gewahr, bey deren Beobachtung er jenes Bedürfniß das Wie? Warum? und Woher? zu wissen, ch, desto höherem Grade zu fühlen anfing, je näher die Sache ihn und seine Wohnung anging, und je mehr die Erscheinungen selbst sich von dem entfernten, was er sonst Zufall zu nennen pflegt. Er fand nähmlich unter seinen Füßen in eine große Tiefe hinab, abwechselnde Schichten von Sand, Thon, Grand, Dammsrde u. s. w-, die größten Theils horizontal oder doch wenig geneigt waren; ferner, wenn auch nicht gerade immer die schwereren Schichte» unter den leichtern lagen, so lagen doch in jeder Schicht für sich die schwereren Theile unter den leichteren. Hierzu kam noch, daß diese Schichten oft mit Schneckcn- Gehäuserr und Muscheln untermischt waren. WaS konnte daraus anders geschlossen werden, als der Boden, worauf wir wohnen »nid ernten, hat sich i», Wasser gebildet, und nicht aas ein Mahl, sondern »räch und nach; dieses ist so sicher, als wir von einem ebenen und horizontalen Eisspiegel, den wir betreten, sagen können: es war einmahl eine Zeit, wo diescö lein Eis, sondern Wasser war. Und dennoch findet sich oft auf große Strecken kein Wasser mehr, den, man diese Wirkungen zuschreiben könnie, zuweilen ein Srrömchcn, daö jetzt kaum der Rede werth ist. Erhebt man sich nun auf die Berge, so wachst daö Seltsame schier zum Wunder an. Hier finden sich nicht bloß dünne Schichte von locker zusammen geklebten Flnßschnecken und Sand, sondern ganze Familien von vcrsteintcn Seemnschelu aller Art im festen Gestein selbst, über das ganze feste Land aller Welt- ___ 6 ; — theile verbreitet, vom Meere an bis auf eine Hohe von mehr als i5202 Fußen über seinem gegenwärtigen Spiegel. Nicht einzeln, sondern oft dicht beysammen, bald ganz, bald zerstückelt, bald mehrere Arten durch einander, bald auf Meilen umher nur dieselben Arten Millionenweise. Hierunter finden sich Arten, die man noch jetzt !m Meere antrifft, und sehr viele, und darunter z. B. die gemeinen AmmonShör- ner, deren Originale man gar nicht mehr antrifft. Doch dieses ist bey weiten noch nicht Alles. Man findet Land- und Sce- muschcln durch einander; Krauter der südlichen Halbkugel, bey welchen der nördlichen; ungeheure Massen von Steinsalz und oben darüber Kallflötze mit Versteinerungen ; Kohlenflötze von andern Fletzen bedeckt; oft liegen Dinge, die nur an der Lust leben, in Schichten, die von andern vrr. E Schichten bedeckt sind von Dingen, die bloß >m Wasser fortkommen; große vier, fnßige Thierknochen neben denen vorn Walisische, Amerikanisches Farrcnkraut, gepaart mit )em Palmbaum von Afrika und dem Bambusrohr von Asien. Große Granitblöcke in Gegenden, wo man auf ungeheure Strecken hinaus gar keinen Granit findet. Schichten von Massen, die nur Produkte des Feuers seyn können, von andern bedeckt, die die unverkennbarsten Spuren einer Entstehung im Wasser an sich tragen, und dieses nach Dolomieu's Zeugniß -) in dreyßigfachen Ucbergängen aus einem in das andere. Hier entsteht nun die Frage: war eine solche Revolution möglich? wo war der *) rur les iiierres eoraxo?ees Roelres» im lonrurrl äe ovem- Mensch während dieses Elementen-Kriegs? und wie wurde der Friede? Die so genannte vorläufige Frage hier zu thun, nähmlich ob es schicklich sey, jetzt so etwas zu fragen, Halts ich kaum für nöthig, oder wenn sie gethan wäre', kaum einer Antwort werth. Es ist dieses ein Feld für Jdeen- jagd, wozu sich der Mensch den Zutritt nicht wird versagen lassen, weder durch die Schlüsse der Indolenz, noch die Machtsprüche bewaffneter Cvnsistoricn. Mir sind bis jetzt acht und vierzig Hypothesen bekannt geworden, jene ersten Fragen zu beantworten; es gibt ihrer vermuthlich noch mehrere, ja selbst die Behauptung einiger Weisen, daß man nichts ausrichten werde, ist schon die neun und vierzigste. Viel ist freylich damit noch nicht ausgerichtet worden, aber doch schon etwas, und dieses vornehmlich seit der kurzen Zeit, da man sich bestimmte E s Gränzen gesetzt hat. Denn vorher wurde nicht selten mit einem Geiste gedichtet und geträumt, mit welchem sich die Zahl der Hypothesen leicht auf — Tausend und Eine hätten bringen lassen. Eine kurze Erzählung dieser neueren Bemühungen soll den Inhalt eines künftigen Aufsatzes ausmachen. 69 3 . Geologische Phantasien. (Franklin's Geoge.. > Wir haben im Taschenbuch vom vorigen Jahre versprochen, Einiges von den Vorstellungen zu sagen, die sich die Menschen von der Entstehung unserer Erde und von den Ursachen gemacht haben, durch welche die großen Revolutionen hewirkt worden sind, die wir auf der Oberflache derselben documentirt finden. Der Gegenstand ist einer von den wichtigsten, der sich denken laßt, wo nicht in allen seinen Theilen für den Geologen, doch für den Psychologen; wo nicht für die Geschichte der Erde, doch für die Geschichte des menschlichen Ge ''es. Wirklich gehören auch unter d nfzig Versuchen (voriges Jahr zahlt w ' gs,) die Sache zu erklären, die uns bekannt geworden sind, gewiß eigentlich in die Geschichte des letzter». Es ist unglaublich, was die Revolutionen auf der Erde für Revolutionen in den Köpfen nach sich gezogen haben. So wie man in der ersten Scethiere auf den Spitzen der Berge findet, ohne eine Spur von See weit und breit, so findet man in letzter» mit Erstaunen Conclnsioncn, ohne nur eine Spur von festen Prämissen so weit nur das Auge reicht. Mau hat über Woodward gelächelt, der, um die Revolutionen auf der Erde zu erklären, annahm, einige ewige Gesetze der Natur wären scl inrorirri ein wenig aufgehoben worden; aber fürwahr ich würde über keinen Menschen lächeln, der, um jene Revolutionen in den Köpfen zu erklären, annähme, die Gesetze des Denkens waren in derselben aufgehoben worden; sä ivtorilli wenigstens. Kaum werden es unsere Leser glauben, daß man die großen Zahne, die man im nördlichen Amerika am Ohio findet, für Backenzähne der gefallenen Engel hallen könnte, wenigstens bey den gottlob! bestehenden Gesetzen deS Denkens nicht. Und doch hat es ein Frauzos behauptet H), lange vorher, ehe es in Frankreich Mode wurde Gesetze der Natur sä interim aufzuheben. Es ist eine traurige Betrachtung, so die Gesetze des Denkens mit den Gesetzen der Bewegung, der Schwere und der Cohäston zu vergleichen. Wenn der Mensch rasen und erkranken k^:m, was in aller Welt kann nicht rasen und erkranken? Erbarmen, Erbarmen daher u^r jene Schriftstc". Was sie in der Außenwelt zu finden glauos",r>;. H.VLN Der des Ls-at ,.. ' U.0 l'^iner^is r. N. i?. 2vo. . .M, sie vielleicht zuerst typisch in ihrem Kopf gefunden, und durch Conclnsioncu, die fürwahr nicht so ganz ohne alle Prämissen da hangen, in die Welt hinüber getragen. Ohne die größte Unbilligkeit zu begehen, kaun man diese Menschen sicherlich nicht verächtlich finde». Wir, die wir die Monarchie der so genannten gesunde» Vernunft anerkennen, können nicht wissen, wie selig und wie wichtig der Mann ist, der ohne allen Zwang derselben frey für sich denkt. Wir nennen ihn einen Narren, aber das ist ein bloßer Titel; er antwortet uns mit einem Lächeln, und das ist sehr viel mehr. Wir haben diesen Aufsatz überschrieben: Geologische Phantasien. Phantasien, weil vieles hier vorkommen wird, was eigentlich daS angenehme Werk dieser Zauberinn ist. Denn ich sehe nicht, warum man ihr wehren will auch hier ihr unter- hallendes Spiel zu treiben, so lange sie sich aller Ansprüche auf unsern Glauben begibt. Wer in der Welt wird ihr nicht gern in ihre Schöpfung folgen, wenn sie, was sie erschafft, durchaus nach Vorschriften der Vernunft lenkt und regiert; ja, wenn sie so gar den ersten Hauch, der ihr Werk beseelt, der Narur abborgt und dadurch die Vernunft selbst zu dem Gestänvniß zwingt: Es könnte wohl so seyn; ja, es ist vielleicht so. Doch das ist bey weiten noch nicht Alles. Wie oft hat sie nicht mit ihrem wilden und rauschenden Fluge Ideen aufgejagt, die sich vor dem Falkenauge der Vernunft versteckt hielten, und die diese nachher mit Begierde ergriff. So sah Milton die allgemeine Schwere und England hat seine vielen wieder gefundenen Paradiese größten Theils des großen Dichters Verlornem zu danken. Es ist mit dem Erfinden eine ganz eigene Sache; die Wünschelruthen, die man daz» vorgeschlagen hat, schlagen nur dem auf Gold, der es ohne sie wohl auch gefunden hätte. So ist Bako'ns Organen freylich ein vortreffliches hevri frisch es Hebzeng, aber eö will gehoben seyn. Ich habe Leute gekannt von schwerer Gelehrsamkeit, in deren Kopf die wichtigsten Satze zu Tausenden selbst in guter Ordnung beysammen lagen, aber ich weiß nicht wie es zuging, ob die Begriffe lauter Männchen oder lauter Weibchen waren, es kam nichts heraus. In einem Winkel ihres Kopfs lag Schwefel, im andern Kohlenstaub, im dritten Salpeter genug, aber das Pulver hatten sie nicht erfunden. Was ist das? Hingegen gibt es wiederum Menschen, in deren Kopf sich Alles sucht und findet und paart, und — 75 — läge es auch anfangs eine ganze Kopfsbreite aus einander. Es läßt als wären die 8ra- rninn großer Gedanken in einem rcsnercn Mensiiuum feiner aufgelöst und leichter aufgehängt, um sich so gleich nach Gesetzen der naiürlichsten Verwandschaft zu ziehen und zu den schönsten Formen zu sammeln. Ein solcher Kopf war der, der auf Kepp- ler's Schultern saß, und dieses, wie ich glaube, in eiuem so eminent hohen Grade, daß mau billig das ganze Geschlecht, den wahren Geisiesadel, darnach benennen sollte. Nun bedenke man aber des Mannes schaffende Phantasie (hier steht das Wort). Wie nahe ist er nicht oft der Schwärmerey? Und wer will ausmachen, wo er gewesen ist, wenn er der Vernunft bloß übergibt. Was er gefunden hat, ohne sich auf das Wie einzulassen. Hier muß man nichts wegwünschen. Hatte man diesem Adler nur eine einzige Schwungfeder ausgezogen, er hatte sich der Sonne nicht so entgegen geschwungen. Phantasie und Witz sind das leichte Corps, das die Gegenden recognoscircn muß, die der nicht so mobile Verstand bedachtlich beziehen will. Ein kleiner Fehltritt schadet jenen nicht, aber freylich, wehe ihnen, wenn sie sich zu weit entfernen, oder gar ohne Verstand und Urtheilskraft für sich allein agiren. ^>ie werden alsdann gemeiniglich von jedem geschlagen, der sich diese geringe Mühe nehmen will. Dieses ist Alles sehr bekannt. Ich habe sehr früh gehört: jeder gute Kops müsse wenigstens Ein Mahl in seinem Leben Verse gemacht haben. Alles dieses hängt zusammen. So sehr wir uns aber auch wegen 'sser ^.rstele der Phantasie gerechtfertigt glauben, für ein . lchen, das 7 ? nicht bloß zur Belehrung, sondern auch zum Vergnügen dienen soll, und das seine Absicht nie vollkommener erreicht, als wenn cS beyde verbindet; so wenig wollen wir dadurch jene Traume in Schriften rechtfertigen, die der Belchnurg allein gewidmet sind. Am allerwenigsten Traume über Gegenstände, wobey die Beobachtung bey weiten noch nicht Alles geleistet har, was sie leisten kann, und, wenn man nur nicht verzweifelt, oder welches sehr viel schlimmer wäre, lieber angenehm träumt, als bey Anstrengung wacht, auch leisten wird. Man ist in unsern Tagen, wie mich dünkt, hauptsächlich irr unserm Vaterlands hierin traurig weit gegangen. Doch dieses ist nicht für diesen Ort. Nur zum Beschluß dieser Einleitung eine kleine Regel; Ehemahls glaubte man, die Bibel lehre Physik, und man pries die Leute heilig, die es glaubten. — 78 — Von diesem Glauben bin ich nicht. Aber daß die Anordner ihrer Bücher Mclhode habe» lehren wollen, glaube ich fast, und eine Methode die man jenen Physikern nicht genug empfehlen kann: sie haben die Offenbarung Johannis aus Ende gestellt. Den Anfang unserer geologischen Phantasien wollen wir mit der eines Mannes von KepplerischemAdel machen, mit Doctor Franklin's. Sie ist, so viel ich weiß, eben nicht sehr bekannt geworden, weil sie in keiner der bisherigen Sammlungen seiner Schriften sieht, wie ausdrücklich in der Ueberschrift des Abdrucks derselben bemerkt wird, den ich gesehen habe *). Er hat sie in Form eines Briefs «) Er befindet sich im Luroxean -Vrixust >7Y3- S> -37 f. Was ich hier «nstrn Lesern davon vorlege, ist keine Ueber- an den Abbö Sonlavie vorgetragen, wozu die Veranlassung diese war: Bey seinem Aufenthalt in Frankreich besprach er sich eines Tages mit dem Abbe über diesen Gegenstand, und dieser, dem der Gedanke gefiel, schrieb sich einige Satze auf und schickte sie dem Dvctor zu, um zu erfahren, ob er die Sache richtig gefaßt habe. Frank! in, der darin Verschiedenes fand was mit seinen Ideen nicht übereinstimme, schrieb hierauf dem Abbe den erwähnten Brief. Frank! in geht darin von dem Gedanken aus, die Zerstörungen, die wir auf setzung, (denn ich habe das Original jetzt nicht bey der Hand,) sondern nur eine Darstellung der Hauptmomente, die ich mir beym Lesen ausgezeichnet hatte, gehörig verbunden. Erläuternde Einschaltungen und Zusätze von mir, habe ich des Gebrauchs wegen in Parenthesen eingeschlossen, denn mit Franllin's Ideen verwechseln wird sie nicht leicht Jemand. Sie waren mancher k-se» wegen nöthig. 8o der Erde bemerkten, seyen zu groß, als daß sie ballen einstehen können, wenn die Erde eine so solide Maße wäre, als man gewöhnlich glaubt. Er dachte also, sollte sie nicht inwendig aus einem Fluido bestehen können, das dichter wäre, als alle bekannten festen Körper, die also auf diesem innern Meere schwimmen würden, (wie etwa das ewige EiS an den Polen unserer Erde auf der See schwimmt, und welches, zumahl gegen den Südpol zu, gleichsam ein ungeheures festes Land ausmacht)? Auf diese Weise würde also der solide Theil der Erde, eine Art von Schale, oder Rinde um jenes Fluidum formiren, die bey einer Bewegung desselben leicht zerbrechen könnte. Nun hat man aber, fahrt Franklin fort, die Lust schon bis zur doppelten Dichtigkeit des Masters zusammen gepreßt, und folglich ein Fluidum daraus gemacht, das mit Wasser zugleich in das, selbe Gefäß gegossen, sich um.'» hinstellen, und auf welchem das Wasser schwimmen würde. Also konnte jenes Fluidum wohl gar die Lust selbst seyn. (Mariorte hat gefunden, daß, wenn man die Luft zusammendrückt, die Dichtigkeit derselben gerade so zunimmt wie die Gewichte, durch welche der Druck bewirkt wird. Daß also ein noch einmahl so starker Druck sie noch einmahl so dicht, und ein vierfacher sie noch vier Mahl so dicht macht. In Deutschland hat man Mario ttens Versuche noch weiter ausgedehnt, so daß man wenigstens nichts Ungereimtes sagt, wenn man annimmt, die Lust werde sich am Ende so sehr verdichten lassen, daß z. B. das Gold in >hr schwimmen würde, gesetzt auch, daß das Verhältniß zwischen Druck und Dichtigkeit nicht immer so einfach bliebe. Fände F VII. sich also Lust im Innern der Erde, bis auf eine große Strecke hinunter in Höhlen verbreitet, die unter sich auf irgend eine Weise und mit der Atmosphäre zusammenhingen; härte diese Lust ferner etwa die Temperatur der an der Oberfläche der Erde befindlichen, und gölte endlich das Mariotkische Gesetz durchaus: so würde sie immer dichter und dichter werden, je tiefer sie läge, und Zwar so, daß nachstehende Körper in folgenden Tiefen unter der Oberfläche der Erde in derselben schwimmen würden. Das Wasser bey 28Y2Y Toisen unter der Oberfläche der Erde. Das Zinn — Zyylo — — — Das Silber — 41222 — — — Das Quecksilber42131 — — — Das Gold — 43528 — — — Setzt man also die Deutsche Meile etwa gleich 4000 Franz. Toisen, welche hier — 8z — verstanden werden, so schwämme das Gold schon in einer Tiefe von nicht völlig cilf Deutschen Meilen. Würde es durch irgend eine Kraft tiefer hinunter gebracht und sich selbst überlassen, so würde es mir beschleunigter Geschwindigkeit über jene Tiefe aufsteigen und wieder sinke», bis es endlich «ach vielen Oscillationen in jener Luftschicht zur Ruhe käme. Um das Folgende in Franklin's Vorstellung besser zu verstehen und anschaulicher zu machen, wird es nicht unnütz seyn, sich die Sache noch einmahl so vorzustellen: Gesetzt, unsere ganze Erde, oder eine ihr gleiche, oder größere, oder nicht viel kleinere Kugel, bestünde bloß aus Lust, die etwa nach dem Mariottischen Gesetz sich gegen den Mittelpunkt zu verdichtete: so würden alle Auen von Mineralien und Flüssigkeiten, die man hineinwürfe oder gösse, wenn sie sich nicht in der Lust auflösten, 8 2 — 84 — sich jedes in einer bestimmten Entfernung vorn Mittelpunkte setzen, den Fall ausgenommen, da etwa der leichtere Körper schon eine Kruste sormirt hätte, die der schwerere, nachher hineingebrachte, nicht mehr zu durchbrechen im Stande wäre). Nun nimmt Franklin, ungefähr so wie Kant an, daß alle Materien mit ihren Kräften wie ein Dunst durch den Nanu, verbreitet gewesen sey. Als nun hieraus die Schwere zu wirken anfing, so näherten sich die Luft- theilchen zwar dem Mittelpunkt, da sie sich aber unter einander selbst abstoßen (Elasticität besitzen), so mußten sie immer dichter und dichter werden, je mehr sie sich anhäuften, und so entstand eine solche Luftkugel, wie wir sie uns so eben gedacht haben. In dieser setzten sich nun die übrigen entstandenen Körper auf die oben angegebene Weise. Manche, die zu tief in die Luft durch den Fall eingesunken waren, stiegen nachher wieder auf und schloffen stch an die übrigen an. So entstand die Kruste, die jetzt so tief in der Luftkugel eingesenkt ist, daß bloß unsere gegenwärtige Atmosphäre noch darüber hervorsteht. Die erste Bewegung nach dem Mittelpunkte hin, meint Frank lin, habe (gleich anfangs, als Alles noch klein war,) einen Wirbel verursachen können (weil nähmlich manche Theile durch zusammengesetzte Bewegung getrieben in schräger Richtung eingetroffen waren,) und so wäre Umdrehung um die Achse entstanden. Sollte aber, fährt er fort, nun einmahl, durch irgend eine Ursache die Umdrehung um die Achse verändert worden seyn, so habe das Fluidum seine Figur ändern müssen, und so die Schale zerbrechen können. (Hieraus lassen sich nun Veränderungen genug erklären, welches ich bis ans Ende »ersparen will). Nun geht er in dem Briese zu einem andern Gedanken über, der obgleich höchst gewagt, doch sehr viel Großes hat, und, hätte er auch selbst dieses nicht, schon bloß als ein Gedanke Frankli n's Meldung mit Respect verdient. Die Menge von Eisen, welches durch die ganze Erde verbreitet sey, habe dieselbe fabig gemacht magnetisch z» werden. Die magnetische Materie, glaubt er, eristire dmch den ganzen Himmelsraum, und das Uinvcrsnm habe so gut sein Süden und sein Norden, als unsere Erdkugel) er glaubt daher, daß wenn Jemand von Sonne zu Sonne durch die Himmel reisen konnte: so würde ihm die Bonssole eben so nützlich seyn können, seinen Lauf darnach zu steuern, als auf dem Weltmeere. Auch äußert er die Muthmaßung, daß es vielleicht dieses Fluidum seyn könne, was die Erd-- ackie sich selbst parallel erhält. Hierauf zeigt er noch auf die gewöhnliche Art, was eine Veränderung der Erdachse für Revolutionen in den Gewässern machen würde, wovon der äußerste Fall der wäre, da der jetzige Acquator ein Meridian würde und die Pole in den neuen Aequator zu liegen kämen. — Geschähen große Explosionen von Dämpfen, so könnten sie nicht bloß an sich die Kruste hier und da auslüften, sondern auch durch einen gleiche» Druck auf das Fluidnm unter ihr, eine Welle verursachen, die sich auf taufende von Meilen erstrecken, und alles Land über ihr erschüttern konnte. Er lobt den Abbe Soulavie wegen seines Verfahrens, bloß Facta zu sammeln, und aus FaciiS zu rasonniren, und nicht weiter^ als diese es erlauben. Seine eigenen Umstände, sagt er, verstatten es ihm jetzt nicht mehr, die 88 Natur der Erdkugel zu studiren, darum habe er seiner Phantasie nackgchaugt. So weit Franklin. Nun erlauben uns unsere Leser einige Bemerkungen über das Ganze, und zuerst ein paar Worte über den Schluß. Der große Mann sagt, er ha)e jelze keine Zeit mehr, selbst Untersuchungen anzustellen, und daher seiner Phantasie nackg. bangt, und niemand wird leicht dem Produkt derselben Schönheit und Simplicität absprechen. Wie sehr wäre es zu wünschen, daß Männer von Geist, die den schönsten Theil ihres thätigen Lebens der Natur geheiligt haben, aber nicht gerad, immer Gelegenheit hatten, Gebirge aller Art zu erklettern wie de Lüc und v. Saussure, oder Innern derselben einher zu wa wie v. Trebra, v Velt^- . Werner und E^arp Lier; ..en» uns bie>, sage ich, am Ende — 89 — ihrer Laufbahn das Resultat ihrer Erfahrung und Gedanke» in solchen angenehrncn Bildern gezeichnet darlegen wollten. Vielleicht trifft es sich am Ende, daß die Beobachtung hier oder da das Wirkliche an ein solches Bild der Phantasie anhangt. Welcher Vortheil alsdann schon so viele- vorbereitet und fertig zu finden! Der Beob- tungsgcisi steht nicht immer bey deb Fähigkeit zu verbinden und Alles zu einem Ganzen zusammen zu hängen. Aus allen Erfahrungen und Beobachtungen dereinst eine vollständige Theorie der Erde herzuleiten, mbchte Kenntnisse voraussetzen, die schwerlich je eineni einzigen Menschen zu Theil werden möchten. Die Astronomie, die überhaupt jedem Theil der Naturlehre zum Vorbild und Muster dienen könnte und sollte, liefert die herrlichsten Beyspiele, zn welcher Höhe ein wissenschaftliches Gebäude aufgeführt werden kann, wenn die Arbeiten vertheilt werden. Jedes Capitel der Na« turlehre zerfallt in seine» sphari sehen, seinen theori scheu und seinen eigentlich physischen Theil, so gnr wie die Astronomie. Man wird sich hier über die Worte leicht vergleichen, wenn man einmahl über die Begriffe eins ist. Diese Theile aber zn bearbeiten, erfordert oft so ganz vcrsckiedeue Fähigkeiten, daß es gar wohl möglich wäre, daß zwey Menschen zum Boriheil einer und eben derselben Wissenschaft arbeiten könnten, wovon, wie bey einer Porzellan- Fabrik, kaum einer des andern Arbeit verstände. — Es war sehr gut, die Erde einmahl als eine solche Luflkngcl zu betrachten, und dieser Betrachtung die Phänomene anzuprobircn, die Zeit wird lehre», ob man nicht genöthigt seyn wird, dereinst hier zu fußen. Nun noch einige Veirachtungen zur Erläuterung von Franklin's Hnpothese. Was FrankIin hier Luft nennt, hat man sich, meiner Meinung nach, nicht, wenigstens anfangs nicht, als atmosphärische zu denken, sondern als die Sammlung und die Summe der elastischen Flüssigkeiten, in die vermuthlich alle Körper der Welt aufgelöst werden können. Schon Newton hatte sich die Sache so gedacht und sich darüber sehr bestimmt erklärt. Die schöne Stelle befindet sich in Dirclr's Rist. o5 tlrc: Iko^sl 5o- ciok^. IV III. S. 2ZO. Er glaubt, die ganze Welt könne sich aus einem flüchtigen Wesen niedergeschlagen haben, wie sich Wasser auS Dampf niederschlügt, und dieser Niederschlug nachher zu den mannigfaltigen Formen zusammcngcronnen seyn, die wir jetzt bemerken. Etwas Aufmerksamkeit auf die Erscheinungen der Natur, die täglich unter unsern Augen vyrgehen, rechtfertigt eine solche Annahme sehr. Jnslammable Lust mir dephlogistisirtcr verbrannt, gibt Wasser, es komme nun her, wo eS wolle; dieses Wasser kann nun schon Eis werden, zu welchem sich jene gemischte Luft nicht verdichten ließ. Wird dieses Wasser aus gebrannten Gyps gegossen, so verharret es mit ihm und laßt sich mit ihm zerbrechen, zerreiben und in Staub verwandeln. Auf die Weise bestehen unsere Gypsfigurcn und unsere prachtvollen Stukkatur-Arbeiten zum Theil aus inflammabler und dephlogistisirtcr Luft, denen man ihr Feuer entzogen hat, das selbst ein elastisches Wesen ist, und nach einigen ebenfalls vermauert werden kann. Eben so verhalt es sich mit den metallischen Kalken, mit denen sich dephlogistisirte Lust verbindet, sich mit ihnen pulverisiren und gebrauchen läßt, Häuser und Gesichter damit anzustreichen. — 9Z — Und Töpfe zu allerley Gebrauch. Ja, da man so gar die widerspenstige Kieselerde als Dunst dargestellt hat, wer will nun die Möglichkeit, Alles so darzustellen, laugnen? Im Pflanzenreich wird dieses noch auffallender. Viele wachsen ohne etwas weiter nöthig zu haben, als reines Wasser und Luft, und bey ihrer Zerstörung findet man wieder luftigen Stoff, und etwas, was jetzt wenigstens weder Wasser, noch Luft, oder Dunst mehr ist, aber doch aus Dunst oder Luft entstanden seyn muß. Man betrachte den prachtvollen Bau einer Hyacinthe, wie sie dort aus dem Wasser in der Lust hervorgeht, das Wohnzimmer mit Dust erfüllt, der sich bloß dem Geruch offenbart, und der vorher im Wasser, in der Lust, und selbst in der Zwiebel auch diesem verborgen blieb. Man berufe sich hier nicht auf das Samenkorn, denn dieses ist ja auf eben dem Wege geworden, auf dem die Pflanze ward. Wann Erde nöthig ist, Früchte (daS ist Samen) zur Reife zu bringen, so kann man immer fragen: sollten nicht Pflanzen, die man anS bloßem Wasser und Luft, also aus Dunst, in Menge erzöge, nachher faulen ließe, eben jene Erde geben, die nun mit unwirthbarcm Sand der Festigkeit wegen gemischt, den Prozeß vollendete, und dazu dienen könnte, der Tanne ihr Harz, der Olive ihr Ochl, und der Traube ihren erquickenden Geist mitzutheilen? Nun noch ein kleiner Schritt weiter. Unzählige Thiere leben allein von Wasser, Luft und Pflanzen, also von Luft und von festen Körpern, die Luft gewesen sind. Was sind also diese Thiere selbst gewesen? Die Antwort ist leicht. So steht also auf einmahl der Elephant mit aller seiner Majestät und seinem Elfenbein da aus Dunst zusammen geron- nen, wieFrank! i n's Welt. Thiere aber, die keine Pflanzen fressen, fresse» Thiere, die endlich Pflanzen fressen, und hier sind wir am Ende. Alles was lebt, ist auS Dunst zusammen geronnen, also gerade der Theil unsers Erdballs, ohne den der übrige nicht werth wäre (und das ist viel gesagt) — in einem Taschenkalender über ihn zu phan- tasiren. So leicht auch alles das hier Gesagte hingeworfen ist, so muß ich doch denen unter unsern Leser», die es noch nicht wissen, sagen, daß es einer sehr ernstlichen Darstellung fähig, und weiter nichts ist, als eine leichte Folgerung aus dem schönsten Theil des so beliebten Systems der Gasisten, wie Herr Westrumb eben so nachdrücklich chls'wahr, das so genannte antiphlogistische System nennt. Es ist nähmlich gerade der Theil desselben, der sich noch erhalten wird, wenn — Sü — auch der angefochtene fallen sollte, und eigentlich schon gestanden hak, ehe er mit jenem System verbunden wurde. Die Sache folgt auch in der That schon aus bloßen Begriffen (» xriori). Da die Natur die Pflanzen und Thiere nicht baut, wie wir Häuser und Palläste, oder zusammenflickt, wie wir ein Kleid, sondern sich der Kräfte dabey bedient, die sie in die kleinsten Theilchen der Materie gelegt hat, die sich unserm Auge entziehen; da ferner diese Kräfte oft nur in kleine Distanzen wirksam sind, so ist immer Flüssigkeit nöthig, damit sich Alles findet was sich finden, und Alles zieht was sich ziehen soll; so ist immer Flüssigkeit nöthig, wenigstens tropfbare. Da aber auch diese sich bald verlieren, oder wenigstens nach den tiefsten Stellen unwiederbringlich ziehet: würden: so erfordert die Erleichterung des — 97 — Transports von Liesen, daß sie in elastische übergehen, sich heben, inn neue Verbindungen bald zu befördern und bald selbst einzugehen. So führt Alles auf Luft lind Dunst. Loluo er aoagu!-, sagten die alten Chemiker und Lucrez schon sehr treffend r (lor^oridur caodio lgitnr natura gsrir rcsr Durch unsichtbaren Stoff führt die Natur ihr Werk. Nimmt man Alles dieses zusammen, so wird man keine Mühe haben zu glauben, daß, so wie der schönste Theil der Erde aus Dunst gerinnt, und aus geronnenem Dunst anschießt, anst) der gröbere aus Dunst geronnen und angeschossen seyn könne. Sehen wir nicht alle Jahre den Schnee aus Dunst zusammengehen und Flktze fernsten, in denen man an manchen Orten so gar Jahrgange unterscheiden kann? Ist Ä vir. - 98 — das etwa leichter zu erklären oder begreiflicher, als daß es einmahl Granit oder körnigen Kalkstein oder Oolithcn gehagelt oder geschneyt haben könne aus Dunst? DScr daß, wie auS Franklin's Vorstellungen folgt, die Milchstraße einst wie in einem Wurf gegossen worden sey, wie Patent-Schrot'-)? Daß der Schnee so vergänglich ist, ist kein Einwurf. Er würde bleiben, wenn die Wärme so gebunden würde, wie es jetzt die Flüssigkeiten sind, die jene Körper in Duustgestalt hielten. Ich sehe fürwahr nicht ein, warum sich alle Gcbirgsarten gerade aus dem -) Narcuc slrot. Obgleich das Verfahren bey dieser Hagelgießcrey nicht ganz bekannt ist: so weiß man doch so viel, daß das geschmolzene Bley In einem hohen Gebäude durch Luft herabgezoffeu wird, da er sich dann wie Quecksilber zu .Äkigelchen bildet, die unten von Wasser aufgefangen werden» Er soll von ungcmciner Schönheit seyn. 99 Wasser sollen niedergeschlagen haben, das vermuthlich selbst ein spaterer Niederschlag ist, wovon der Prozeß so nahe an den Gränzen zwischen den Begebenheiten jener Zeiten nnd der unsrigen liegt, daß er sich tagtäglich noch bis a»f diese Stande wiederbohlt. Wir leben jetzt in der Zeit einer Flötzbildung, und Jahrtausende werden vergehen, ehe sie vollendet seyn wird. Könnten nicht Zeiten gewesen seyn, wo Gang - Gebirge so aufstiegen und sielen, wie jetzt Wasser, Schnee nnd Eis? oder wie Thier- und Pflanzenmasse, die jetzt ebenfalls aufsteigt nnd fällt, nnd wenn dieses aufhört, ein Flötz wird. So möchte anr Ende Eis den Beschluß machen, oder die Bestandtheile der Atmosphäre, die wir nicht kennen. Ich sage den Beschluß; vielleicht nichts als einen Winter, mit dem die Sänger der Jahrszciken G s I O0 ihre Gesänge eben so gut hätten anfangen können, als sie sie damit gewöhnlich schließen. Der Walter ist sicherlich nur zur Hälfte Ende, daS übrige ist scheu wieder Anfang. Hätte ich die 2'ahrs- zciren zu besingen, ich würde wenigstens niit Heil- drey König anfangen. Franklin's Luftkugel erklärt eine Menge vvn Erscheinungen sehr leicht» Denn, da Verbindungen im Innern der Erde, in der noch bestehenden Luft- und Dunstkugel, durch chemische Verwand- schaft, noch nachher Statt finden konnte, als sich schon eine Kruste formirt hatte: so mußte diese ans Mangel an Unterstützung einbrechen und sinken, bis zum Gleichgewicht in den noch übrigen D-mst. Was mußte dieses nicht für Revolutionen auf der Oberfläche verursachen, wo sich schon Fluida gesetzt halten? Wie leicht er- klaren sich nicht die Erdbeben aus den Wellen in jenem Fluidum, so bald ein neuer Nachstnrz von fester Masse der Rinde sie in Bewegung setzt? Wie leicht werden nicht dadurch die trockenen Nebel erklärt, die bey solchen Vorfallen durch Gegendruck aufsteigen? Und nun gar das Steigen rmd Fallen des Barometers, das fest au der Wand hangt? Wer hat os noch r,klart? Niemand. Hier sieht man doch einen Schatten von einer Auskunft. Lust aus dem Innern der Erde steigt durch innere Bewegung auf und fallt, und wechselt wie die Last unter einem hölzernen Neripienlcii, in dem mau bald verdichtete bald verdünnte, und dieses durch chemische Verbindung. Warum steigen aber und falle» die Barometer wicht unter dem Aequalor, oder nahe dabey? Dieses ist freylich ech Umstayd, der alle Hypothesen je- «es Steigen und Fallen zu erklären gleich stark drückt. Nach Frankljn's Vorstellung könnte man sagen, bey der Formi- rung der Kriist haben sich durch Schwungkraft die specifsi'ch schwereren Massen gegen den 'Aegnator gezogen, und diese daselbst dichter gemack»», so daß die Luft im heiße» Erdgürtel nicht unmittelbar aus dem Innern unter demselben aufsteigt, oder steh in dasselbe hinunter zieht, sondern nur aus den temperirten Zonen langsam zu oder dahin abstießt, wodurch immer Zeit zu Compensarionen gewonnen wird. Doch dieses sey zur Probe genug. Schade, daß Franklin diese Ausdehnung seiner Hypothese nicht mehr lesen kann. Vermuthlich erzeigte er mir alsdann die Ehre, wie dem Abbe Soulavie, zu sagen, daß er gar vieles gefunden habe, das mit seinen Ideen nicht übeiciiisiimmre, und schenkte der Welt etwas Besseres. Jedoch diese Ehre erzeigen mir statt Seiner vielleicht meine Herren Landslcute, und ich danke einstweilen zum voraus. Nur muß ich sie bitten, wenn sie Franklin's Stelle hier vertreten wollen, über der Mehrung und Belehrung meiner das Geschenk an die Welt nicht zu vergessen. Noch muß ich erinnern, daß er auch, wiewohl nur kurz, von einem Centralfeuer redet, dessen Entstehung innerhalb der Erde man leicht verstehen wird, wenn man das Bisherige verstanden hat. Denn gerade so wie sich Luft am Mittelpunkt anhaust, so kann sich auch Fcuerwesen anhäufen, das sich an Alles hangt und über dieß ebenfalls seine Schwere und Compressibilitat besitzt. Anwendungen wollen wir von dieser Voraussetzung weiter nicht machen, da es uns nur um die Darstellung der Hauptidee zu rhuu war, dafür aber zum Beschluß ein ,Paar kurze Elinuerungsn über jene Haupt- idee. Frank! in nimmt an, die Luft sey schwer, und ihre Theile, stoßen sich untereinander ab. Daß die Lust schwer sey, glaubt wohl fetzt Jedermann, der überhaupt an Luft glaube, eine» gewissen Herrn,... q ausgenommen, dem mau einen Platz lu Bedlam «-) verweigern mußte, weil bloß Ausländer aufgenommen werden, der zwar an Lust glaubt, sie aber für die Ursache der Schwere selbst hält. Auch wird niemand läugucu. Laß sich ihre Theile untereinander abstoßen, die Ursache der Erscheinung liege auch worin sie wolle. Mciu, da wir die erste Ursache jenes wechselsei-- ftgcn Flichsiis der Luffthcilchen vor cin- E. Bstzsam fnr Meinung«« und Erfindungen, im fünften B?e. der vermischten Schrifterz S.M. f. ander nicht rennen, so läßt sich auch nicht, wenigstens nicht schlechtweg, annehmen, daß die Luft gegen sich selbst schwer sey, nnd ob nicht vielmehr ein Cubikfnß Lust außer aller Verbindung mit Körpern gc- bracht, die ihn ziehen, den ganzen Him- melsrauiii erfüllen könnte. Ware sie aber auch, welches weh! der Fall seyn möchte, gegen sich selbst schwer, so dürfte wohl die Dichtigkeit der Schichten in einer solchen Kugel nicht nach dem Mariot tischen Gesetze allein schlechtweg bestimmt werden, gesetzt auch, dieses Gesetz wäre, lwo Lust durch äußere Kräfte zusammengedrückt wird, durchaus wahr, Indessen schadet dieser Umstand der Franklinscheu Hypothese so wenig, daß er ihr vielmehr, zumahl ncch verbundcn mit dem, was er von einem Cnitralfeuer sagt, zur Unterstützung gereicht. Denn wüchsen die Dichtigkeiten der — io6 — Luft nach dem Mario Nischen Gesetze schlechtweg fort bis an den Mittelpunkt der Erde, so würde sich eine solche Dichtigkeit des Innern der Erde nicht mit den Beobachtungen vertragen, die man über die Verrückung des Pendels in der Nachbarschaft von Gebirgen angestellt hat. io7 4 . Dreht sich der Mond um seine Achse? (Auf Verlange»). Mancher unter unsern Lesern, zumahl der Kenner der Agronomie, (wenn anders unser Vüchelchen auf solche Leser rechnen darf,) wird bey dem Anblick dieser Ueber- schrift lächeln, oder gar die Worte: auf Verlangen, schon für die Antwort auf die Frage hallen. Fr. Dreht sich der Mond um seine Achse? Antw. O ja, wenn Sie befehlen. — Und in der That so ganz Unrecht hatte der Mann nicht. Indessen in dieser Absicht stehen die Worte nicht da. Sie sollen so wenig eine Antwort auf die Frage seyn, alö sie überhaupt «ine schriftstellerische-Fiktion sind, etwa dem geringfügigen Artikelchen ein Ansehen von Nothwendigkeit oder gar von Wichtigkeit zu geben. Nein! Man hat wirklich nicht allein schon mehr als einmahl eine leicht faßliche Darstellung der Sache von uns verlangt, sondern auch gewünscht, sie in diesen Blattern zn sehen, für die ja ohnehin Betrachtungen von ähnlichem Gehalts so wohl als Inhalt, nicht fremd sind. Wir unterziehen uns daher nicht ohne Vergnügen dieser geringen Mühe, und nicht ganz ohne einige Hoffnung, daß auch mancher Leser« dem die Sache bekannt ist, hier und da vielleicht etwas finden werde, nicht zu seiner eigener: Ueberzeugung, (denn die wird in diesem Falle vorausgesetzt,) sondern zu vor- thciihaftcm Gebrauch bey ähnlichen Gelegenheiten. Denn wir sind mehr als einmahl so glücklich gewesen, einige der hartnäckigsten Gegner am Ende auf unsere Sest? zu bringen, und daher mit den nöthigen Handgriffen bey diesem Be- kehrungswcrk so ziemlich bekannt, die übrigens der, der blcß für die Festigkeit seines eigenen Gebäudes sorgt, gar füglich, ohne Vorwürfe zu befürchten, ignorircn, und ohne Schaden entbehren kann» Was uns aber noch außerdem bewogen hat, mit solchen Untersuchungen hierher zn kommen, ist hauptsächlich zwcyerley. Erstlich kann man, wie uns dünkt, die Neigung der Menschen sich in Stunden der Zerstreuung und selbst in gemischter Gesellschaft mit solchen Gegenständen zu beschäftigen, nicht genug befördern. Sie sind unschuldig. Die geballte Faust, ohne die in polnischen Dispütcn doch wirklich nichts von Bedeutung ausgemacht werden kann, ist hier völlig entbehrlich; der Zeigefinger allein ist schon genug. Sie sind ferner nützlich, und üben den Beistand so gut als i:o die Untersuchungen über den Kriegs - Etat der Ncpudlik St. Marino, oder über die Zahl der Otterfelle die aus Amerika nach China gehen, oder sonst Gegenstände von gleicher statistischer Wichtigkeit, und seinen Verstand zu üben, kann doch wirklich zuweilen von Nutzen seyn — in manchen Gegenden wenigstens. Auch hat man, wie wir hören, vor nicht gar langer Zeit über die Frage, von der hier die Rede seyn wird, in einer Gesellschaft freundschaftlich gestritten, und es sollte uns sehr freuen zu erfahren, daß durch diese Blätter der Friede zu beyder- seitiger Satissacüon zu Stande gekommen wäre. Der zweyte Bewegungsgrund war eine Betrachtung, die etwas weiter abliegt, aber wohl auch bey dieser Gelegenheit einer kleinen Veherzigung werth ist. Nähmlich bey der näheren Untersuchung dieser Frage wird eS sich auch hier zeigen, wie Betrachtungen über Gegenstände mit denen sich der gemeinste Menschenverstand lange ohne merklichen Anstoß täglich beschäftigte, und, die er daher ganz z» durchschauen glaubte, oft unvermukhet auf Verwirrung und Widersprüche führen können. Verwirrung und Widerspruch sind aber bloß scheinbar. ES zeigt sich nähmlich, daß das, was er nicht vereinigen konnte, bloß einzelne Zweige desselben Stammes waren, der aber unter seinem Gesichtskreis blieb. Man findet davon Beyspiele überall, und immer entsteht alsdann eine kleine Verwirrung, die so lange anhält, bis der Begriff gehörig erweitert und verbessert worden ist. Wir wollen dieses vorläufig durch ein sehr gemeines Beyspiel verständlich machen. Eine Species der Arithmetik heißt die Multiplikation, also Vermehrung. Das ist recht gut. Wenn 4 mit Z nmliiplicirt wird, so entsteht daraus 20, eine Zahl, die grosser ist als 5 und als 4, und großer als bcydc zusammen genommen, und genau fünf Mahl so groß als 4, und vier Madl so groß als 5. Wenn aber * mit ^ multipiicirt wird, so eulsteht 2'-;, rine Zahl, von der Alles wieder so gilt wie im vorigen Falle, wenn man statt größer- kleiner, und start so groß, so klein fetzt. Aber was hier gesetzt werden muß, ist keine Kleinigkeit, cS ist gerade daS Gegentheil. Wer je Knabe» empirisch rechnen gelehrt hat, wird bemerkt haben, daß gerade die besten Köpfe dieses seltsam finden , und das ist sehr recht, und ein gutes Zeichen. Sind sie also so weit über den rohen Begriff hinaus, daß sie dieses bemerken, so muß ihnen gezeigt werden, wie auch in allen gründlichen Rechenbüchern HZ geschiehet, daß diese so genannte Multiplikation eine arithmetische Operation sey, zu welcher der letzte Fall so gut gehöre als der erste, und zwar mit völlig gleichem Rechte; auf den Nahmen komme eS hier nicht an, der wäre leicht gemacht, wenn Männer, die gründliche Rechenbücher schreiben können, in solchen Neuerungen eine Ehre suchten; auch sage man schon ini Lateinischen zuweilen numerum in numo- inrn clnaens, statt per nnmerum n. s. w. Eben so ist es gar nicht zu verwundern, daß es eine Menge von Menschen gibt, die da glauben, sie habe» den Begriff von Umdrehung um eine Achse in seinem ganzen Umfang gefaßt, wenn sie anzugeben wissen, wann ein Kutschen- oder Mühlenrad sich um seine Achse gedreht habe. Dieses sind aber bloß einzelne Fälle, und die bloß daraus hergeleitete Erklärung H j vir. -— H4 " von Umdrehung um die Achse erschöpft den Begriff noch nicht. Es ist die Multiplikation mit ganzen Zahlen. Man braucht dieses freylich in unzähligen Lagen in der Welt nicht zu wissen, ja, es ist so gar nöthig und nützlich, daß nicht alle Alles wissen. Ich kann mir eine Verbindung von Wesen denken, die ihren Zweck am sichersten erreichten, wenn die Häupter in derselben, Alles in sich vereinten, was den Menschen der Gottheit nähert, und die letzten, nach unzähligen Abstufungen, von der Art wäre» wie sie Vaucanson oder der Bildschnitzer mit der Hand macht. Ich sage, man brauche, um ein sehr nützlicher, ja selbst ein verdienstvoller Mann in der Weit zu seyn, eine Menge von Dingen nicht zu wissen, ja selbst solche Dings nicht, die mit unserm Departement in naher Verbindung stehen und ein Ganzes mit ihm ausmachen- Man denke nur an die Bewegung und Führung einer Armee, oder an ein altes Glcichmß, das man zu ähnlicher Erläuterung von dem Zweck der Glieder des Leibes hergehvhlt hat. Dieses ist Alles recht gut, nur das ist nicht gut, daß man es bey dieser Lage der Sachen noch seltsam findet, wenn man auf Schwierigkeiten und vermeintliche Widersprüche stoßt, so bald man sich mir diesen eingeschränkte» Begriffen außer seinem Enkel hinauswagt- O! es ist dieses ein unerschöpflicher Quell von Zank und Streit selbst in Wissenschaften gewesen, von Venen man es nicht hätte erwarten sollen. So hielt man oft sät eine Alles umfassende Grund-Philosophie) was eigentlich »och bloße Departements- Weisheit war; die allerdings vsu Nutze» ^ seyn konnte, sich aber doch gerade immer desto weiter von allem Zweck eigcntli- -h Z eher Philosophie entfernte, je näher man sie an die Begriffe dcö gemeinen Lebens anzuhängen suchte. Man wollte immer begreiflich machen, wie eine Vermehrung zuweilen eine Verminderung seyn könne, anstatt daß man sich zu dem allgemeinen Begriff der Operation hatte erheben sollen, aus welchem jene Umstände so leicht fließen, daß gar an keine Schwierigkeit mehr gedacht werden kann. Freylich ist dieses Erheben nicht immer leicht, natürlich, weil jeder Mensch von seiner Departements-Philosophie, die ihm fest anklebt, immer herabgezogen wird. Jeder hat sein Bündelchen davon bey sich, um nnterweges daraus zehren zu können, und dieses erschwert den Flug. Erst spat wird man oft gewahr, daß es besser gewesen wäre, man hätte den ganzen Plunder mit einem Mahl weggeworfen, vorausgesetzt. — II? — daß man erstlich willens war, sich zu erheben. Dieses kann man aber ganz füglich lassen, ja es ist in hundert Fallen so gar gut, daß man es laßt. Nun zur Sache. Die Frage: dreht sich der Mond um seine Achse? ist, so wie sie hier genommen wird, völlig milder einerley: dreht sich ein Körper, der sich in einem Kreise so um mich bewegt, daß er mir immer dieselbe Seite zeigt, um seine Achse? Und wenn man dabey den Mond nennt, so nimmt man an, daß er sich so um die Erde bewege, daß er ihr immer genau dieselbe Seite zeige. Dieses ist nun im strengsten Verstände der Fall nicht, man har aber bey diesem Streite gar nicht nöthig hieranf zu achten, oder wenn man ja Rücksicht darauf nehmen will, so geschieht dieses besser am Ende, wenn jene praliminare Frage erst ausgemacht ist. Indessen ist es doch Kilt, den lieben Mond, als solchen, bey dee Unkersuchnug nicht aus der Acht zu lassen. Denn dem stillen Einfluß desselben bat sie eigentlich ihre ganze Wichtigkeit für einen großen Theil der Gesellschaft zu danken, nähmlich seinem Range in der großen Well (worunter mir hier das Wclk- gebäudL vei stehen,), als Mitglied der ehr« würdigen Versammlung um die Sonne. Wäre die Frage von einem Maykafcr, der am Faden um den Finger des Kindes, oder psn einer Mücke, die um das Licht sumser, wer würde da von Achsen sprechen? Bey solchem Ungeziefer und feinen Bewegungen denkt man entweder ggr nichts, oder was zuan will. Die Geschichte der Astronomie nennt H?N dieser Frage große Männer, die ge^ lade ?Vch,egc-ng§sctz!er Mimmg waren, oder hcsiiMtMr Z;z spreche» die die Frage — r.ry — ;-.ut Ausdrücken beantworten, die, buchstäblich gegen einander gehalten, gerade das Gegentheil sagen. Der Mond dreht sich nicht um seine Achse, sagen jene, und er dreht sich um seine Achse, diese. Um nur ein Paar von jeder Partey zu nennen, so /behaupteten unser große Landsmann Keppler und Wallisiusdas Erstere, und Newton und Mai ran das Letztere. Jene fanden ein Menge von Nachfolgern, und diese haben, so vicl ich weiß, die jetzige ganze astronomische Welt auf ihrer Seite, Allein gottlob! der Streit ist aus, und zwar aus dem simpcln brrunde, weil eigentlich nie ein Streit gewesen sinn konnte, so bald man sich über die Worts wegsetzte und bloß bey den Begriffen stehen blieb, die man zum Grunde legte. So etwas ließe sich wohl schon bey einer Frage erwarten, die an sich nicht schwer ist, unh 120 die Aepplcr so und Newton anders beantwortet. Wenn z. B. gefragt würde: bewegt sich der Tisch auf dem du schreibst, fort oder nicht? so könnte von zwey sehr vernünftigen Menschen der eine sagen, er bewegt sich nicht fort, und der andere, er bewegt sich fort. Beyde hätten Recht, der eine nach der Departements-Sprache des gemeinen Lebens, der andere in deb mehr umfassenden Philosophie, weil sich die Erde nicht allein um ihre Achse dreht, sondern sich auch noch außerdem fortbewegt. — So werden sich beyde Parteyen bald vereinigen und keiner wird ein Wort weiter verlieren. Allein obgleich hier jeder Recht hat, so bald, man das Wort s» nimmt, wie er, so kann doch noch eine dritte Perlon am Ende hinzutreten, und untersuchen, welcher von beyden hier das größere Recht hat, das Wort sich fort 121 bewegen so zu nehmen, wie er es nimmt, und diese dritte Person ist hier Philosophie, die nach allgemeinen unabhängige» Principien entscheidet, und keine Vorschriften kennt, als die unabänderlichen Gesetze des Verstandes und der Vernunft. Ist die Frage vor diesem borum erst entschieden, so finden sich alsdann die kleinen Departements - Einschränkungen leicht für jede Haushaltung von selbst. Untersucht man nun die Frage von der Bewegung des Tijchcs so, so nimmt die Sache eine ganz andere Wendung, und die Entscheidung muß nothwendig gegen den ersten ausfallen, der sagte: der Tisch habe geruht. Denn die Frage enthielt ja weiter nichts, als ob er sich fort bewege, ohne alle weitere Einschränkung, und da war es Unrecht von einer Ruhe zu reden, die im Grunde keine ist. Wäre gefragt worden, ob sich die Erde fortbewege, so würde eben der Man» geantwortet haben: Ja. Wenn sich aber die Erde fortbewegt, so bewegt sich auch der Tisch, der auf ihr feststeht. Lb in der Frage über den Mond etwas Aehnlichcö zum Grunde liege, wird am Ende erhellen. Vorher aber muß vor allen Dingen ausgemacht und festgesetzt werden, waS man Umdrehen nennt, und zwar unabhängig von allen Nebenumstanden im reinsten und vollkommensten Sinn, der auch gar nicht schwer zu fassen ist. Um so kurz als möglich von der Sache zu kommen, wollen wir uns einen Kreis aus Papier von einigen Zollen im Durchmesser auS- fchneidcn, seinen Umfang in vier gleichs Theile theilen, die vier Punkte mit den Rahmen der vier Weltgegeudcn 8. >V. und O. bezeichnen, «;>d die geraden Linien U3, und LNV. ziehen. In dessen Mittel- Punkt flicken wir eine Nadel senkrecht auf seine Ebene, ihn bequem hin- und herführen zu können, und diese mag zugleich seine Achse heißen. Legen wir nun diesen Krciö auf einen Tisch vor uns hin, so« daß die Buchstaben auf die glcichnahmigey Weltgcgendcn *) passen, und führen ihn mit der Hand hin und her, jedoch mit der Vorsicht, daß die gerade Linie N5. immer von Süden nach Norden streicht- und sich also bey aller ihrer Bewegung selbst parallel bleibt, so wird weder Knabe, noch Frauenzimmer, noch Mann sagen, daß man den Kreis, gedreht habe. Man habe ihn hin und her bewegt« hin und ') Wir haben hier mit Fleiß den Begriff vru Weltgegeud«» gebraucht, tun den vgn unendlich entfernten Punkten zu vermelden, weil Leser, denen dieser ivifseplchaft, kichs PuLdruet geläufig ist, W?hl diesen ganzen Aufsatz tzberhavIt sitzt tzhMWz finden möchten, her geschoben, würden sie sagen, aber nicht gedreht, nicht um seine Achse gedreht. Nun zeichne man sich allerley Linien, Bogen, Schlangenlinien n. s. w. auf den Tisch, und führe den Mittelpunkt des Kreises langsam über dieselben hin, aber immer mit der beständigen Rücksicht, das N3. von Süden nach Norden streicht, so werden alle einstimmig sagen, der Kreis habe sich nicht gedreht, weil immer dieselben Punkte seines Umfangs nach denselben Weltgegcnvcn hingelegcn hatten. Zuletzt beschreibe man auf dem Tische einen großen Kreis, und führe nun eben so den Mittelpunkt des papierncn mit obiger Vorsicht auf diesem Kreise herum, so werden alle sagen, der Mittelpunct des papiernen Enkels habe sich auf dem mit Kreide gezogenen Kreise herumbewegt, gedreht aber habe er sich nicht. Denn sich fortbewegen und -!2Z - sich drehen, sind ganz verschiedene Dinge. Ein Wagenrad kann sich drehen und fortbewegen, welches gewöhnlich der Fall ist; es kann sich drehen und nicht fortbewegen, wie beym Schmieren geschieht, und kann sich fortbewegen und nicht drehen, wenn es auf steilen Wegen beym Herabfallen gehemmt wird. Niemand wird von einem Menschen, der sich auf einem Felde hin und her bewegte, vorwärts, rückwärts und seitwärts, und in allen möglichen Richtungen, dabey aber sein Gesicht immer gegen Norden wendete, sagen, er habe sich umgedreht. Dieses ist sehr leicht und sehr gemein, und was das Schönste ist, es ist eben so wahr und so richtig, als es leicht und gemein ist. Der gemeine Mann kann sich dieses nur nicht immer deutlich entwickeln, aber er fühlt es, daß der Weiser, der die Umdrehungen zei- l 2 0 gen soll,-im Unendlichen liegen muß, wenn der Begriff Alles erschöpft» ftll. Jeder nähere Weiser in jeder endlichen Entfernung taugt schon allein deßwegen dazu nicht, weil er nichts Allgemeines gäbe, das doch hier gesucht wird. Den Fall nun, da der papierne Kreis ohne sich zu drehen auf dem andern herumgeführt wird, wollen wir, der Kürze wegen, mir bezeichnen. Würde aber, bey dem obigen Hin- und Herführen des papierne» Kreises, die Linie M. nur im mindcsten aus ihrer parallelen Lage gebracht, und finge an gegen Westen abzuweichen, gleich würden alle sagen.: nun habe sich der Kreis ein wenig gedreht, denn die Linie Ils3. weise nicht mehr nach Norden, wie vorher. Kinder, die an einem Tische um eine Landkarte herumsitzen, kcn« ucn gar wohl diesen Unterschied zwischen Drehen und Hin- nnd Herschiebcn der Karte. Würde nun der kleine Krei'S so bewegt, daß die Linie immer mehr gegen Westen abwiche, hierauf von da nach Süden, endlich nach Osten, und am Ende wieder in die erste Lage N8. käme, so, daß also das Ende bk. Einmahl nach allen Punkten des Horizonts gewiesen hatte, so würde man sagent er habe sich Einmahl um seine Achse gedreht. Auch hieb kommt, so wie vorher, gar nichts daraus an, ob sein Mittelpunkt während dieser Einmahligen Umdrehung geruht, oder ob er sich in geraden oder krumme» Linien- in dem Bogen eines Kreises, oder in einem ganze» Kreise bewegt habe. Ja, der Mittelpunkt könnte den großen Kreis hundert Mahl durchlaufen, nnd der kleine sich doch während der Zeit mir ein einziges Mahl umgedreht haben. Die Fortbewegung hat mit der Umdre- - I2Z - hung nichts z» rh»n. Hat man nun verstanden, was es heißt: sich wahrend einer gewissen Zeit Einmahl um die Achse drehen, so wird man es auch für jede Zahl von Umdrehungen ganze oder gebrochene verstehen. Hierbcy ist keine Schwierigkeit. Hat man aber dieses nicht bloß gefaßt, sondern sich auch geläufig gemacht, so ist alles Uebrige eine bloße Kleinigkeit. Denn hieraus erhellet, daß sich der Mittelpunkt unsers papiernen Kreises auf dem großen Kreise Einmahl herum bewegen, sich selbst aber in dieser Zeit so oftmahl umdrehen könne, als man nur Zahlen angeben will; nicht bloß l, 2, Z und loQO Mahl, sondern auch 4 , 4, '-ein -^o Mahl und 3?,-365 2 , 36Ü ^ Mahl u.s. w. Sich Mahl wahrend Einer Revolution um die Achse drehen, heißt hier so viel als sich, wahrend 1000 Revolutionen, - 129 - Einmahl darum drehen. Aus dieser unendlichen Menge von möglichen Füllen, wollen wir nun den auswählen, da der papierne Cirkel sich gerade Einmahl um seine Achse dreht, wahrend sein Mittelpunkt den großen Kreis auch einmahl, und zwar nach eben der Gegend zu, durchläuft, und diesen Fall wollen wir mit l! bezeichnen. Nun vergleiche man die beyden Fülle ^ und 6 sorgfältig mit einander, und unter« suche, wie die Bewegung des papiernen Cirkcls einem Auge erscheinen müsse, das sich genau im Mittelpunkt der Bahn befände, in welcher der Mittelpunkt des ersten umherläuft, und man wird ohne Schwierigkeit einsehen, daß im Falle jeder Halbmesser des papiernen Kreises einmahl gerade nach dem Auge hin gewiesen haben werde; im Falle hingegen nur immer derselbe Halbmesser nach demselben hingewiesen habe. Setzen wir nun, unser papicrncr Kreis sey der Aequa- tor einer Kugel, wie etwa der Mond, so wird im Falle ^ das Auge im Mittelpunkte der Bahn alle Seiten dieser Kugel; im Falle Ik aber immer dieselbe zu sehen bekommen. Da wir nun von dem Monde nur immer dieselbe Seite sehen, so muß er sich in Absicht auf unsere Erde, in dem Falle 1k befinden, das heißt, er drehr sich gerade in der Zeit, in welcher er seine Bahn Einmahl durchläuft, auch Einmahl um seine Achse. Dieses ist so un- widersprechlich wahr und gewiß, daß man eS sich gar nicht einmahl denken darf, daß Kcppler es widersprochen haben würde, wenn man von jenem allgemeinen und einzig richtigen Begriffe von Umdrehen mit ihm ausgegangen wäre, von welchem w r hier ausgegangen sind. Allein warum lehrte er denn, der Mond drehe sich nicht um seine Achse? Deßwegen; er ging von einem Nicht so allgemeinen Begriffe von der Umdrehung aus, und dieser läßt sich auf ähnliche Weise rechtfertigen, wie oben die Ruhe des Schreibtisches. Seine Schlüsse laufen ungefähr darauf hinaus. Man ziehe auf unserem Tische eine Linie von Westen nach Osten, und lege den papicrncn Kreis so darauf, daß sein Durchmesser wo. auf dieselbe in gehöriger Richtung zu liegen kömmt. Wird nun der Kreis, längs jener Linie (seiner Bahn,), so fortgeführt, gleich viel nach Osten oder Westen, daß der Durchmesser WO», seine Lage gegen diese Bahn nicht verändert, so hak sich der Kreis nicht um seine Achse gedreht. Denn nicht bloß der genannte Durchmesser, sondern auch Iss8. und alle andere habe» I s ihre Lage gegen die geradlinige Bahn nicht verändert. Dieses stimmt auch mit unserer gegebenen Erklärung übercin. Wird nun der Mittelpunkt des papicrncn Cirkels auf den großen Kreis gelegt, etwa so, daß die Linie WO. auf dem kleinen, «ine Tangente des großen wird, so wird letzterer den Umfang deö ersten in zwey Punkten schneiden, die wir mit klein w. und o. bezeichnen wollen. Führt man aber den kleinen Kreis so aus dem großen herum, daß klein w. und o. immer in dessen Umfang bleiben, und also folglich weder die Chorde wo., noch der Durchmesser WO-, noch , noch irgend ein anderer ihre Lagen gegen den Umfang des großen Kreises, das ist, gegen die Bahn verändert, so sagt auch Keppler da noch, der kleine Kreis habe sich nicht um seine Achse gedreht, eben weil seine Durchmesser IZZ ihre Läge gegen seine kreisförmige Bahn eben so wenig verändert haben, als vorher gegen die geradlinige. Er macht also die Bahn zum Weiser der Umdrehung. Er hat sein Wort geprägt, und wir müssen es nehmen, wie er es gibt. Allein wir glauben, unsere Leser werden nun vorbereitet genug seyn, um einzusehen, daß jene erste Vorstellung die allgemeinere und wissenschaftlichere sey. Wer dieses nicht jetzt von selbst fühlt, dem läßt es sich nun in einem Taschenkalender unmöglich weiter fühlbar machen, doch wollen wir einiges Wenige dahin gehörige mit möglichster Kürze beybringen. Wenn die letzte Erklärung richtig ist, so wird sich der Mond auch nicht um seine Achse drehen, wenn er statt 62 Halbmesser der Erde von uns abzustehen nur zo, oder 10, oder Einen abstände, wenn er sich um so bewegte, wie jetzt, das ist ,'n 27^- Tagen einmahl um den Mittelpunkt der Erde herum käme, :md die ganze Zeit immer denselben Halbniesscr seiner Kugel nach dem Mittelpunkt der Erde hinkehrte. Wo soll man aber da aufhören? Man lasse endlich den Halbmesser der Mends- bahn kleiner werden, nicht bloß als den Halbmesser der Erde, sondern selbst als den des Mondes, so wird nun der gemeine Mann schon anfangen zu sagen, er drehe sich wenigstens um eine Achse, obgleich nicht um einen seiner Durchmesser. Laßt man die Distanz der Mittelpunkte deS Mondes und seiner Lahn immer mehr abnehmen, so verschwindet das gerühmte Nicht drehen immer mehr. Fallen endlich beyde Punkte, Mittelpunkte der Lahn und des Mondes zusammen, so wird nun selbst der hartglgubigste Nonr ylakist gestehen, er rzz — drehe sich jetzt in 27^ Tagen um seine Achse. Weher rührt aber der plötzliche Sprung von gar Nichts auf ein so merkliches Etwas? Nein! der Mond thut hier eben daö, waö er dort oben that, nur mit dem Unterschiede, daß hier sein Mittelpunkt ruht, und dort sich fortbewegte; Umstände, die nichtö mit einander zu thun haben, und bey der wissenschaftlichen Betrachtung nothwendig getrennt werden müssen"). Daß er aber die Umdrehung um seine Achse in eben der Zeit vollendet, in welcher sein Mittelpunkt seine Bahn durchlauft, ist ja weiter nichts als einer von den unzähligen Fallen, die Statt haben könnten. Gesetzt auch, diese besonders Umdrehung würde durch eine besondere eigene ') Daß sich dieses Argument nicht durch eine »ri- end liehe große Bah», die in einer endlichen Zeit durchlaufen würde, retorguiren fasse, kann hie: dieß angezeigt werden. Beschaffenheit des Mondes und durch den Zug der Erde bewirkt, welches wahrscheinlich ist, so ändert dieses wiederum nichts in der Hauptbetrachtung, denn jede Bewegung hat ihre Ursache. Ferner, ließe auf einmahl dcS Mondes Schwere gegen die Erde und die Sonne nach, so würde er sich in einer geraden Linie in der Ebene seiner Bahn, vermöge seiner Trägheit, fortbewegen. Allein vermöge eben dieser Trägheit würden seine Theile ihre Bahnen um seinen Mittelpunkt fortbeschreiben, und er würde, vor wie nach, sich in der geraden Linie, in welcher sich nun sein Mittelpunkt bewegt, alle 27*- Tage um seine Achse drehen; nunmehr selbst nach Keppler's Darstellung, und nach ewigen Gesetzen der Natur, und doch ist hier nichts abgeändert worden, als die Bewegung des Mittelpunkts im Kreise. Umgekehrt könnte man jeden Körper, der sich um eine ruhende Achse dreht, wie z. V. dem Minutenzeiger einer Taschenuhr, die auf dem Tische liegt, durch Fortbewegung der ganzen Uhr immer eine solche Richtung geben, daß er beständig nach einem gewissen Punkt auf dem Tische hinwiese. Wer eine Stunde verschleudern will, wird sich davon leicht dnkch die Erfahrung überzeugen können. Hat sich der Zeiger deßwegen nicht um die Achse gedreht, weil ich die Spitze desselben immer nach demselben Punkt hingerichtet habe, und weil ein in diesem Punkte befindliches Auge keine Drehung bemerkt haben würde? — Nun noch einen Versuch, den ich bey halsstarrigen Proselytcn noch am bewährtesten gefunden habe. Man befestige eine kleine Boussole auf dem einen Ende eines Lineals mit etwas Wachs, und durch ein Loch am andern Ende befestige man das Lineal selbst auf einem Tische, vermittelst eines Stifts, um den eö sich aber frey auf der horizontalen Ebene herumführen last. Hier wird die Büchse des Compasses einen Kreis um den Stift beschreiben und dem Stift immer dieselbe Seite weisen, und also den Mond recht gut vorstellen, so wie der Stift die Erde. Nun lasse man den Zweifler, wahrend die Büchse ihre Bahn langsam durchlauft, den Stand der Magnetnadel beobachten, und er wird von selbst finden, daß sie, in einem Umlauf der Büchse um den Stift, den getheilten Rand ebenfalls einmahl durchlaufen und über allen Abtheilungen desselben gestanden habe. Nun geben aber dergleichen Zweifler gar gern zu, daß sich die Magnetnadel nicht habe drehen können, weil weder Eisen noch sonst eine äußere Kraft sie im mindesten störte (ein Beweis, daß selbst diese Lehr? singe den wahren Begriff von Umdrehung haben, ohne es deutlich zu wissen). Was hat sied aber denn nun hier um die Achse gedreht? Denn wenn die Nabe! einer Vous- sole über alle Zahlen ihres getheilten Randes hingeführt werden soll, so muß entweder die Nadel um die Achse (so mag hier die Spitze heißen, auf der sie ruht,) gedreht weiden, oder die Büchse; anders geht cS nicht: also — hat sich vorhin die Büchse um die Achse gedreht. Man erreicht auch seinen Zweck oft sehr bald, wenn man den Lehrling, statt ihn den anfangs gedachten papiernen Enkel in einem Kreise herumführen zu lassen, in einem regulären Vieleck, z, B. einem Sechsecke, herumführen laßt. Er wird alödann gemeiniglich von selbst gewahr, worauf es hier ankömmt. Ob wir uns nun gleich anfangs vorgenommen hatten, auch hiervon etwas zu sagen, so muffen wir es dennoch unterlassen, weil wir allmählich anfangen zu fürchten, der Leser möge gar glauben, der liebe Mond habe durch seinen insluxum auf unser Taschenbüchelchen es dabin vermocht, dem Pnblicum, wahrend seines Umlaufs, dieses Mahl auch nur eine Einzige Seite zu zeigen. Allein drehen können wir es unmöglich, ehe wir noch auf dieser selben Seile noch Einiges gewiesen haben. Das erste sey ein Einwurf, der gewöhnlich gemacht wird. Wenn ich, sagt man, eine Billardkugel an einem Bindfaden befestige, und so um den Finger in einem Kreise hernmschleudere, so zeigt die Kugel dem Finger immer dieselbe Seite, sie muß sich also auch um ihre Achse gedreht haben. Aber wo ist hier die Achse und die Drehung? Die Kugel kann sich nicht um die Achse gedreht haben, daran verhindert sie ja der Bindfaden. Diesem Einwürfe wollen wir, ehe wir ihn betrachten, durch ein besseres Beyspiel erst noch eine größere Stärke geben. — Man denke sich ein Mühlenrad, etwa nnter dem Aequator. Der Bach, der es treibt, soll genau von Westen nach Osten fließen und daö Rad vberschlägig seyn, so wird das Rad sich in derselben Ebene um seine Achse drehe», jn welcher sich der Aequatvr der Erde um die Weltachse dreht und in derselben Richtung. Ein Auge im Mittelpunkt der Erde, das dieses Mühlenrad sehen könnte, würde finden, daß es nicht allein in vier und zwanzig Stunden von Osten nach Westen in einem Kreise umgelaufen sey, sondern sich auch (nur zehn Umdrehungen auf die Minute gerechnet,) während der Zeit über vicrzchntausend Mahl um seine eigene Achse gedreht habe. Nun werde daö Rad und folglich die Mühle angehalten, gehemmt, so wird es dem Auge während seines Umlaufs um den Mittelpunkt immer dieselbe Seile gewiesen haben. Während dieses dem deS Mondes ganz ähnlichen Umlaufs, kann es sich aber, sagt man, unmöglich um seine Achse gedreht haben. Denn hatte es sich um seine Achse gedreht, so würde die Mühle indessen gegangen seyn, denn so bald sich das Rad dreht, drehen sich Trilling und Mühlstein, und die Mühle geht. Dieses ist Alles sehr wahr, nur vergißt man dabey den kleinen Umstand, daß sich indessen die Mühle auch mit um die Achse gedreht habe, und folglich das Kammrad nicht auf den Trilling wirken konnte, weil er ihm answich. Der Minutenzeiger einer kleinen Taschenuhr, deren polirtcs Gehäuse man frey-, etwa auf eine Glastastl legte, wird sich, wenn er etivaZ schwer geht, nicht fortdrehen lassen, ohne dass sich daS ganze Gehäuse drehte. Habe ich ih» und das ganze Gehäuse nun einmahl auf diese Weise umgedreht, so wird freylich der Zeiger noch immer auf dieselben Zahlen weisen, aber schwerlich wird selbst ein Anfänger laugnen, daß er sich um seine Achse gedreht habe, nur Mit dem Unterschiede von der gewöhnlichen Art der Drehung, daß dieses Mahl sich die ganze Uhr auch mitgedreht habe. Dieses ist genau der Fall mit dem Mühlenrad?, nur daß die Achse des Mühlenrades selbst sich im Kreise herumbewegte, während das Nad so herumgeführt wurde, wie der Uhrzeiger. Das Ganze ließe sich auch an unserer Taschenuhr zeigen, und beschreiben, wenn es der Mühe werth wäre, und- der Herr Verleger das Papier dazu Hers geben wollte. So dreht sich die Billard- 144 kngel um eine Achse, die senk, echt auf ihrer Bahn sieht- ja jedes Sandkorn der Erde dreht sich täglich um eine, die der Erdachse parallel geht. Von den Menschen ist es ja ohnehin klar, weil sie (die stehenden wenigstens,) des Nachts die Beine in die Höhe kehren, welches ohne Umdrehung nicht wohl angeht. Doch dieses wollen wir noch mit einem ernsthaften Beyspiele erläutern. Die Erde drehe sich, wollen wir uns denken, einmahl nicht um ihre Achse, auch die Sonne sey nicht da, und überhaupt, außer den Fixsternen, nichts am Firmamente sichtbar. Auf dieser Erde denke man sich nun eine ruhende Kugel, und gerade Linien aus dem Mittelpunkt derselben nach jedem Fixsterne hingezogen: so werden die Punkte, worin diese Linien die Kngelfläche schneiden, die Lage der Fixsterne aus ihr verzeichne», und sie selbst wird einen sehr vollkommenen Himmcls- Globus vorstellen können, noch zur Zeit ohne Pole und ohne Aequawr. Drehte sich also hier weder Globus, noch Erde, noch Firsternhimmel um eine Achse, so würden der Mittelpunkt des Globus, der Firsten, und sein Bild auf dem Globus ewig in derselben geraden und ruhenden Linie bleiben» Nun fange der Globus allein an sich um eine Achse zu drehen. Da dieser Achsen aber unzählige gedacht werden können, so wollen wir der Bequemlichkeit im Folgenden wegen, diejenige wählen, die unserer jetzigen Erdachse parallel liegt. So bald die Drehung anfangt, so wird kein Firsten, mehr aus sein Bild auf dem Globus passen, wie vorher; die zwey Sterne ausgenommen, durch die die verlängerte Achse der kleinen Kugel selbst etwa ginge. Jeder Radius des Globus bis an den K VII. Firsternhimmel verlängert gedacht, wird nähmlich an demselben einen Kreis beschreiben, und jeder Stern auf dem Globus wird, bey einer ganzen Umdrehung, jedem Punkte eines solchen Kreises gegenüber gelegen haben, den sein ihm zugehöriger verlängerter Radius am Himmel beschrieben hat. Dieses ist bloß die Folge der Umdrehung der Kugel um ihre Achse, weil die Firsterne als vollkommen ruhend angenommen worden sind. Allein nun befestige man den Globus an der Erde, nachdem man ihn vorher ganz in die erste Lage gebracht hat, und lasse sich nun die Erde um die bestimmte Achse drehen, so wird die Erscheinung genau dieselbe seyn. Also hat sich auch hier der Globus um seine Achse gedreht, nur mit dem bekannten Unterschiede, daß sich seine Achse ebenfalls, und zwar sich selbst und der Welrachse parallel 147 ! UM die letztere ein Mahl herum bewegt hat. Dieses würde aber immer Statt haben, unser Globus mag sieh befinden wo er will, innerhalb der Erde, und selbst im Mittelpunkt derselben. So viel zum Beweis, daß jedes Sandkorn der Erde sich innerhalb vier und zwanzig Stunden ein Mahl um seine Achse dreht. Freylich ist diese Achse bloß eine geometrische gerade Linie, eben so wie beym Mühlcnradc, und wir hcffen, selbst der Anfänger werde indessen zwischen stählernen Zapfen und Achsen unterscheiden gelernt haben, da sich die Zapfen des Mühlenrades ja selbst um ihre Achsen drehen. Auch bey den Sonnenuhren dreht sich daher der Schatten eigentlich nicht, sondern die Uhr dreht sich. Wer einen Begriff von einer Aeguinoctialuhr hat, wird sich dieses unmittelbar aus unserm so eben gebrauchten Globus begreiflich machen kön- K 2 neu; cS gilt aber von allen Uhren. Weil sich aber die Erde zugleich nm die Sonne bewegt, so bleibt sich der Schatten nicht parallel, aber die Veränderung in vier und zwanzig Stunden ist so geringe, daß sie bey einem einzigen Tage nur einen geringen, und auf unsere Schlüsse, gehörig erwogen, gar keinen Einfluß hat. Man kaun, Alles dieses gehörig zusammen genommen, also auch sagen, die Erde drehe sich nicht 365^ Mahl des JahrS um ihre Achse, sondern 366^ Mahl. Weil aber diese eine Umdrehung 365L Tage dauert, und folglich nur ein kleiner Theil davon auf jede der andern Umdrehungen fallt, so wird diese- Stückchen mit dem klebrigen in eins geschlagen. Darauf gründet sich der Unterschied zwischen Sonnen - und Sternen - Zeit. Ist es aber dem Sprachgebrauchs gemäß, zu sagen, der Schatte» der Sonnenuhr ^ — 149 — siehe stille und das Zifferblatt drehe sich? Allerdings nicht. Aber die allgemeine Betrachtung darf sich nicht um den Sprachgebrauch bekümmern. Um eine Menge würdigen zu können, muß ihr Gehalt genau untersucht werden, alsdann erst ist es Zeit, sie, nach Befinden, mit einem positiven oder negativen Agio in der Welt cursiren zu lassen. Nun zum Beschluß und zur völligen Rechtfertigung des Sprachgebrauchs unsers großen Landsmanns Keppler, »och eine Betrachtung, und zwar eine von dem scharfsinnigen Vertheidiger der Notation des Mondes selbst, von Mai ran. Man erlaube uns, seine Worte im Grundtert herzusetzen. Sie stehen in den Pariser Memoiren ffür' 1747. S. 20. Nachdem er bewiesen hat, daß sich der Mond um seine Achse drehe, fahrt er so fort: Lepenäunt Is SS8 6'uns rotstlon pt'scissmcnt 6s msms 6nres gus Is cirsulLtlon st oü tc>U8 Iso points 6u modils 6scrlvent 6e3 ÜFnes psrslleles ä cells gus clssrit 50N, sentre 6s Frsvite, est si unigus.po.r In! insms st psr ls psu 6'exsmples gus nous sn 3VON8 6gN8 Is siel, ou noriZ ns connoixscin8 gus Is I^une st taut rnr plu3 guslgus sutrs xstslllts I» gui II puisss convsnir; II tombs /so« ^or/§ et §'llcM'ts xr /oi't »otror^ commrEL-, gu'II merlterolt, cs me 8sm- ble, 6'etrs 6l8tm^us 6n cr>3 gensrsl psr ^rre/^rrs t/e'/roMe»aIio» M»Vlr»/r'ei'5. Diese chro,rr/tta^'o/r ^ar't/cr.-/ro?e hat nun Kcppler, und, wie uns dünkt, mit Recht aus den noL/o»8 romm/ttiee, selbst genommen. So wäre er also eben so sehr gerechtfertigt, als Josua, oder als der Naturforscher, der den Wind durch eine Bewegung der Luft desinirt, »nd doch von Windstille spricht, wahrend, z. B. in unserm Grade der Breite, sich die Luft mir einer Geschwindigkeit von neunhundert Fußen in einer Secunde von Westen nach Osten bewegt, folglich; wenn die feste Erde allein ruhend bliebe, einen Orkan verursachen würde, heftig genug, Berge allmählich zu versetzen, und unsere Pallaste wie Stoppeln vor sich hcrzutreiben. — Also wie sie befehlen. Nachschrift. Unter dieser Rubrik wollen wir noch ein Paar Bemerkungen beybringen, die der Zweifler, an welch »n vorstehender Aufsatz eigentlich gerichtet war, allenfalls überschlagen kann. Astronomische Leser werden Mairan's angeführte Worte eigentlich noch in einer andern Rücksicht merkwürdig gefunden haben. Die Ausdrücke: ls ä'exempies gus non8 en avcms cia»8 /s cr'e/ und Lo«L er« arrtr-e etc. könnten nähmlich nach einigen Jahrhunderten einen Geschichtschreiber der Astronomie wohl gar einmahl verleiten, zu schließen: Mairan habe schon daniahlS gewußt, waS Herschel fast fünfzig Jahre nachher erst entdeckt hat, nähmlich, daß ein SaknrnuS - Trabant (der vierte) eben so rorire, wie unser Mond. Allein Mairan will mit seinem tont au plus guelgus Äutro §crte//r'te, wohl weiter nichts sagen, als daß es nicht wahrscheinlich sey, daß eine solche Umdrehung um die Achse bey einem Hauptplaneten Statt finde, weil alsdann die eine Halste desselben, das Licht der Sonne ganz entbehren müßte. Indessen entbehrt ja schon die Hintere Seite unsers Mondes, in seinen Nächten, das Erdenlicht, daS doch dem vordem in den seinigen wohl auch nicht umsonst leuchret. Drehte sich also Mercur so um die Sonne, wie der Mond um unsere Erde, und zeigte ihr immer nur dieselbe Seite: so hat der Mensch gewiß die glücklichste Lage in der Reihe der Wesen, sich geschwind mit solchen Anomalien auszusöhnen: nähmlich von der einen Seite hinlängliche Ueberzeugung von seiner eigenen Eingeschränkl- heit so etwas nicht ungereimt zu finden, und von der andern, bequemes Flickwerk von Kenntnissen genug, es sich auch suk szrs rati, stantö peäs zu erklären. Die zweyte Bemerkung ist folgende: gibt es auf dem Monde auch Astronomen von dem Grade von Einsicht derer bey uns, die, selbst nach erklärtem Wort, noch glauben können, der Mond drehe sich nicht um seine Achse: so werden sie von unserer Erde etwas AehnlicheS lehren. Nur mit dorn billigen Unterschiede, daß sie unserer Erde absprechen, was ihnen ihre Collcgcn bey uns zuerkennen, und dafür zugestehen, was diese ihnen absprechen. Die mistigen geben zu, daß der Mond sich in einer Bahn bewege. aber langnen, daß er sich um die Achse drehe; die dort oben aber werden zugeben, daß sich die Erde um ihre Achse drehe, aber dafür langnen, daß sie sich fortbewege. Demi da uns der Mond immer dieselbe Seite zeigt, so sehen sie uns immer nach derselben Gegend zu, und in derselben Höhe über dem Horizont. So werden z. B. die, welche die Mitte der so genannten Mondscheibe bewohnen, unsere Erde immer im Zenilh sehen. Sie werden also glauben, die Erde stünde stille und der Himmel mit der Sonne und allen Sternen bewege sich um ihre Wenigkeit herum, wobey sie denn der Sonne eine eigene Bewegung von zo Graden an eineim ihrer Tage (2YZ der mistigen,) in ihrer Bahn zuerkennen werden. Ist ein solcher Conkract nicht nachbarlich? Z. Das Neueste von der Sonne; größten Theils noch Hcrschel. Ob wir gleich in dem monarchischen Staate unsers Weltsystems seit einigen Jahren dmch die unsterblichen Bemühung gen unserer Landsleute Herschcl's und Sch.rötcr's, zu einer etwas nähern Kenntniß mancher Provinzen gekommen sind: so bleibt es doch mit unserer Kenntniß der Hauptstadt und des Hofes (der Sonne,) so ziemlich beym Alten. Alles, was man bisher deutlich davon hat entdecken können, war, sehr viel Größe, sehr viel Glanz, sehr viel mehr Licht als Flecken, und vor allen Dingen ein sehr weises und wohlthätiges Regicrungssystcm nach bestimmten Gesetzen» Ist aber dieses nicht genug? O! allerdings, selbst zur Anbethung genug, für Millionen, die gewesen sind, und die noch kommen werden, aber deßwegen für alle? Schwerlich. Wer in der Welt wird verwegen genug seyn, bestimmen zu wollen, was dem menschlichen Geiste genug ist, ihm, dessen Fähigkeiten, waren sie auch im Allgemeinen »och so bestimmt, durch ihre Verbindungen mit der Welt einen Wirkungskreis erhallen' können, von dessen ganzem Umfang wir so wenig wissen, als von der Hauptstadt des Planeten und Co- mctensystcms. Der Körper des Menschen ist ein Punkt, verglichen mit der Erde, so wie dir Erde, verglichen mit dem Planetensystem, und das Planetensystem mit dem ganzen Weltgebaude verglichen. Allein jener erste Punkt, der beschränkt scheinende Apparat sinnlicher Organe, hangt mit dem Ganzen durch Verhältnisse zusammen, die von unserm Geiste ausgespäht und geordnet ihm einen Umfang geben, der keine anders Gränzen hat, als die Natur. So baut sich der Geist durch Studium der Natur einen Körper und die Erde mit allen Kräften der Stoffe, die sie ausmache», wird sein Organ; die Kräfte, die vorher unbedeutend schienen, werden nun durch diese Maschinerie von großer Bedeutung. Der, der vorher noch zweifeln mußte, ob er zwey Mahl das Gewicht seines Körpers tragen könnte, kann nun sprechen: gebt mir eine Stelle, wo ich fußen kann, so will ich euch die Erde bewegen, oder wenn ihr lieber wollt, sie euch auseinander sprenge» ^). ") Das Erst« sagt ein alter Grieche schon über 200 Jahre eher, als die christliche Zeitrechnung anfing, und das Letztere ein Zranzos drey Jahre nachdem eben diese Zeitrechnung in seinem Vaterlande aufgehört hatte. Der erste dachte wahrscheinlich an Mechanik, Hebel und Räderwerk, der andere vielleicht an Chemie und Knailfilber. Mit diesem Gesichtspunkt im Auge, wird es Niemand leicht für vergebliche Bemühung ballen, auch die unlersuchtestcn Gegenstände von Zeit zu Zeit einer wicdcr- hohlten Prüfung zu unterwerfen, nur zu sehen, ob nicht das indessen erweiterte Organ etwa entdecke, was vorher verborgen war, oder falsch finde, was man lange geglaubt hatte, oder ob nicht endlich ein glücklicher Zufall oder individueller Ge- dankensiand des Beobachters jetzt auf etwas führe, das man nicht kannte und nicht dachte. Herr Dr. Herschcl hat neuerlich 2) den Astronomen seine Beobachtungen und' Gedanken über die Natur der Sonne vorgelegt, und da wir seit einigen Jahren unsere Leser mit den Entdeckungen unsers ') In dem ersten Theil der rliilos. für daü Jahr -795. S. 46. — 159 — großen Laudsmanns unterhalten haben: so halten wir es für Pflicht, auch von dieser neuesten seiner Bemühungen eine kurze Nachricht zu ertheilen. Ist gleich nicht Alles und vielleicht das Wenigste im eigentlichen Verstände neu, und haben Bode schon langst und nach ihm Sch röter und Andere ähnliche Dinge gemuthmaßt, so schwächt dieses Herschel's Verdienst nicht im mindesten. Man hat es vielmehr als einen wahren und großen Fortschritt in diesem Theil der Naturlchre anzusehen, daß Er, ausgerüstet mit den vorzüglichste» Werkzeugen, die je gegen den Himmel gerichtet worden sind, und mit einem Veob- achtungsgeist, der, an sich schon vortrefflich, durch den glücklichsten Erfolg seiner bisherigen Bemühungen und die ihm zugesicherte Unsterblichkeit noch mehr gestärkt werden mußte, am Ende auf Schlüsse ge- rieth, die mit denen eben genannter Astronomen theils zusammenfallen, theils sich leicht zu einem Ganzen vereinigen lassen. So lange Hersehet schwieg, fehlte immer eine Hauptstimwe; jetzt, da wir auch Sein Urtheil haben, laßt es sich dann doch beherzter sagen: So weit sind wir jetzt, und nun gehe weiter wer kann. Auch diese Fortschritte werden kommen. Nur ums Himmels willen nicht verzweifelt, und auf das dogmatische Gerede vermeintlicher Aristocraten in der Naturlehre nicht geachtet. Die ganze Geschichte der Wissenschaft berechtigt uns zu den größten Hoffnungen. Wer halte wohl vor Jahrhunderten geglaubt, daß kleine Firsterne am Tage zu sehen, oder über ganze Lander hinaus Fragen zu thun, worauf die Antwort am andern Ende gegeben, oft nicht länger ausbleibt, als bey manchem Magister- Examen, daß. sage ich, dieses auszurichten nichts weiter nöthig war, als Kieselerde mit einem Alcali zu verbinden und Stückchen davon abzuschleifen. (Glaslinsen, Fernrohr, Telegraph.) Wer halte noch vor wenig Jahren geglaubt, daß bloß eine genauere Beobachtung der LufibläS- chen, die man bey manchen Auflösungen bemeikt, dem Menschen einen Weg gerade durch die freye Lust über die Wolken zeigen würde, oder ein Mittel, den durch Berge gedeckten Marsch entfernter Armeen zu re- cognosciren, und daß eine frühere Bekanntschaft mit diesen Bläschen die Geschichte der Deutschen um eine ihrer schönsten Zierde, die Schlacht bey Roßbach, hätte bringen können"). Da man gelernt hat, die Ee« ') TS ist wahrscheinlich, daß, wenn das französische Heer bey Noßbach den kiistball gehabt Hütte, der ihm bey Fl-urns so große Dienste that, eS schwerlich in die Falls würd» gerathen seyn, die ihr Verderben war. L vrr. 162 schwinLigkcit dcö Lichts zu messen und den Wlitz, den die Allen ihrem Jupiter als daS sprechendste Zeichen unaufhaltbarer Kraft in die Hände gaben, mit ein wenig Metalldraht wo nicht auszuhalten, doch (welches eben so viel werth ist,) sicher zu pariern, so sollte man an nichts mehr verzweifeln. Unter allen himmlischen Körpern reitzt keiner unsere Neugierde so stark und verdient unsere ganze Aufmerksamkeit und Untersuchung so sehr, als die Senne, der Quell des Lichts, und folglich der Farben und aller Sichtbarkeit; ferner der Warme, durch die allein unsere Erdkugel ein Aufenthalt für Thiere und Pflanzen seyn kann. Ihr Erlöschen wäre der Tod Alles dessen, was hienieden lebt. Was auch Leben und Lebenskraft seyn mag, so wäre ohne Sonne kein Unterschied mehr zwischen dem Thier und der Pflanze und ihren Versteinerungen. Diese Untersuchungen gewinnen, sagt Herschel, noch mehr Interesse dadurch, daß wir den unermeßlichen Raum mit Sternen ohne Zahl übersäet sehen, die, nach der strengsten Analogie zu schließen, Körper gleicher Art sind. Allerdings. Alles, was uns über unsere Sonne nähern Aufschluß gibt, gibt ihn unS auch zugleich über sie, und unser Verstand erhalt Licht von ihr wie unser Auge. Die große Entfernung der Sonne von unS muß «nö nicht abschrecken. Das treu gezeichnete Bild von ihr im Focus unserer Fernrohre, auf welches sich unsere Beobachtung einschränkt und unsere Schlüsse gründen, liegt uns sehr nahe. — Ist etwa der Magnet, der vor mir auf dem Tische liegt, mehr als ein solches Bild? Schon kennen wir vom Sonnenkörper eine Menge von Eigcn- L 2 — 164 —' schaften und Verhältnisse mit hinlänglicher Genauigkeit: Große des Raums, den er einnimmt, Menge seiner Materie in dem Raume, Fall-Raum der Körper auf ihm, und folglich Länge deS Secunden-Pendelö auf ihm, Umdrehung um die Achse, Verhältnisse seines Lichts gegen die Körper auf unserer Erde, durclssichtigr und undurchsichtige Zusamensetzung dieses Lichts, und dieses Lichts Geschwindigkeit n. s. w., also fast schon mehr als von dem Magnet, der vor uns auf dem Tische liegt. Auf alle diese Eigenschaften der Sonne läßt sich Hr. Herschel hier nicht ein, sondern bloß auf das, was seine Fcrnröhre seinem unbe- ' fangenen Auge und Geiste gezeigt haben. Also zuerst auf die Flecken. Hier dienten ihm die Beobachtungen seiner Vorgänger, sich zu koncentriern und mit seinen Beobachtungen auf die wesentlichsten Punkte einzuschränken. — i6; — Im Jahr 1779. befand sich ein Flecken in der Sonne, der mit bloßen Auge» gesehen werden konnte. Durch starke Vcrgrvßerer betrachtet, erschien er doppelt. Das größere Stück hatte l' 8",06 im Durchmesser, ungefähr 6740 deutsche geographische Meilen, und war also über vier Mahl dem Durchmesser unserer Erde gleich. Der ganze Flecken mußte im Durchmesser viel über 10002 Meilen betragen Diese ungeheuren Dimensionen vertrage» sich schlecht mit der Voraussetzung, daß die dunkeln Flecken in der Sonne vulkanische AuSbrüche seyen, durch die das feurige Flüssige, das die ganze Sonne umgeben soll, auf einige Zeit vertrieben, nun in das Innere des Körpers ») Bey Herrn Hersehet sind alle diese Größen in englischen geogr. Meilen angegeben, die ich durch eine Division mit 4,ü, weil üy r/iZ dieser Meilen aus einen Grad deS AequatorS gehen, in deutsche verwandelt habe. i66 sehen lasse, das aber, nach geendigtenr Ausdruck), wieder von dem Feuer verdeckt »-'er"?. Dieses Alles laßt sich viel friedlicher und ^ . Analogie viel gemäßer erklären. Wenn wi' auf dem Jupiter einen dunkeln Streifen bey seinem Aeguator bemerken, so nehmen wir, das zu erklären, unsere Zuflucht nicht zu Vulkanen und Erdbeben. Eine Atmosphäre mit den darin vorgehenden Veränderungen erklärt Alles dieses sehr leicht. Eben so erklären sich die Sonnenfleckcn. Unsere Erde hat eine durchsichtige Atmosphäre, die aus verschiedenen elastischen Fluidis besteht, in welcher sich zuweilen undurchsichtige Dämpfe (Wolken) niederschlagen. Also vorn Monde a»S angesehen- müßte unsere Erde, etwa zur Zeit des. Neumondes, dem Beobachter gerade ein solches Schauspiel darbiethen. Wie Ut ^ouue, den größeren Glanz — 167 — abgerechnet. Er würde unsere Meere, Wälder, Berge und Thäler nur da erblicken, wo unser Himmel heiter ist; wo er hingegen mit Wolken bedeckt wäre, würden ihm diese das Licht zurückwerfen, und so den soliden Körper der Erde auszumachen scheinen. Sehen ja uns schon einzelne von der Sonne erleuchtete Wolken wie glänzende solide Massen aus, und tragen oft das Meiste zur Erleuchtung von Stellen in unsern Wohnungen bey, die von der Sonne nicht unmittelbar beschienen werden. Nähme man nun um die Sonne eine durchsichtige Atmosphäre an, in welcher sich unsern Wolken ähnliche, ebenfalls unelastische nur aber leuchtende Massen entwickeln und schweben, so befriedigt sicherlich keine Erklärung der Erscheinungen aus der Sonne unsern Verstand so sehr, als diese. Man ist, nach dem gegenwärtigen — i68 — Austaud unserer Kenntnisse, wie genöthigt dieses zu glauben, so bald man über dieseDinge überhaupt etwas glauben, und nicht mit bequemer Weisheit Alles r» lassen will. Atmosphären um die himmlischen Körper anzunehmen, würde uns schon ewiger Maßen die Betrachtung berechtigen, daß es gar nicht wahrscheinlich sey, daß alle Materie, woraus sie bestehen, gleich dicht und gleich fest und starr sey, auch die, daß sich eine etwa durch den Weltraum verbreitete, subtile Materie um die Wcltkörpcr verdichten könne. Hieraus hat man auch schon lange auf Atmosphären, wcnigsiens hypothetisch, geschlossen. Allein jetzt, da Schrölcr die Eristcnz einer Atmosphäre um die Venus und um den Mond so gar, dem sie sonst von großen Astronomen abgesprochen wurde, geometrisch erwiesen. und Herschcl sie beym Mars gezeigt hat; da ferner die Erscheinungen auf dem Jupiter und, durch diesen, auch auf den Saturn, durch nichts so glücklich erklärt werden können, als durch die Annahme einer Atmosphäre um diese Körper, indem unsere Erde, bloß vergrößert, an Jupiters Stelle gesetzt, eben solche Erscheinungen gewähren würde, wie Er: so kann man mit Zutrauen von dieser Atmosphäre sprechen. Selbst die Entwickelung von leuchtenden Wolken in der Atmosphäre der Sonne scheint diesem Centralkörper nicht einmahl ausschließlich eigen zu seyn, auch auf unserer Erde ereignet sich etwas Aehn- liches beym Nordlicht, das oft von solcher Größe und solchem Glänze ist, daß es vom Monde aus gewiß gesehen werden kann, Aehuliche Lichtentwickelungen in unserer Atmosphäre sind auch die hellen Streifen, die man zuweilen bemerkt; auch scheint dahin das Licht z» gehören, das oft in heitern, mondlosen Nachten selbst um Mitternacht den ganzen Himmel überzieht und die kleinen Sterne verschwinden macht. Daß dieses so wenige Menschen bemerken, rührt unstreitig daher, daß man an einen ähnlichen Anblick des Himmels, der durch Mondlicht oder Dämmerung hervorgebracht, gewöhnt ist, und folglich das Phänomen nur alsdann frappirt, wenn einem dabey einfallt, daß nunmehr weder Mond, noch Dämmerung, noch Nordlicht Statt finden. Es ist hiermit wie mit hundert andern Gegenständen in der Natur, um sie zu erkennen, müssen wenigstens manche Menschen vorher erst wissen, daß sie cristiren, so finden sie sie hernach ohne Beyhülfe oft und leicht. Vielleicht ist diese Erscheinung weiter nichts, als das merkwürdige Phänomen, was Herr v. Trebra im deutschen Merkur -') so vortrefflich beschreibt, nur mit dem Unterschied, daß die Lichtentwickelung mehr conccntrirt und dabey auf einen kleinen Raum nahe an der Erde eingeschränkt war. Herr Hcrschel ist geneigt zu glauben, daß alle Planeten gewisser Maßen Licht entwickeln; denn die Erleuchtung, die man noch auf der von dem Erdschatten be- deckicn Mondscheibe bemerkt, könne nicht allein von den in unserer Atmosphäre gebrochenen Strahlen der Sonne herrühren. Denn bey der Finsterniß vom 22. Oct. 1790. habe der Mond (die Horizontal- Nefraclion zu zo" zo",8 gesetzt,) so gestanden, daß er über 41022 deutsche Meilen weiter von der Erde hatte abstehen müssen, wenn ihn die ersten in unserer Atmosphäre gebrochenen Strahlen der Sonne hatten *) Oktober 1783. S. is. erreichen sollen. sSollte indessen nicht i listet tirt es Licht des Sounenkvrpers selbst, oder gebrochenes und infleclirtcs Aodiakallicht auch dann den Mond noch haben erreichen können? Daß einiges durch die Luft unserer Polargcgenden gebrochenes Licht den Mond zuweilen treffe» möge, halt Hr. H. selbst nicht für unwahrscheinlich^. Auch hätten mehrere Beobachter den von der Sonne nicht erleuchteten Theil der Venus gesehen; das könne, in diesem Falle, nur durch eigenes Licht jener Theile geschehen. sDenn da die Venus wahrscheinlich keinen Trabanten hat, woher sollte dieses Licht rühren, und halte sie einen, wie müßte der beschaffen seyn, daß sein Licht aus der zweyten Hand sichtbar würde, ohne daß er uns sein erborgtes wenigstens aus der ersten zeigte — Sich Selbst?) Nach dieser Vorstellung also waren die dunkeln Flecken, der feste Körper der Sonne selbst, und die malte Einfassung um dieselben, waS man auch sonst wohl ihre Atmosphäre, ihren Halbschatten nannte, nichts als das Lichrgewölk, das, um die Stellen herum, wo es völlig fehlt, dünner ist, als in einiger Entfernung davon, gerade wie auch unsere Wolken gegen die Gränzen zu dünner werden, und die von ihnen verdeckt gewesenen himmlischen Körper schon einige Zeit unvollkommen durchscheinen lassen, ehe sie ganz hinter ihnen hervortreten. Im Jahr 1783- sah Hr. H, als sich ein dunkler Fleck dem Rande der Sonne näherte, diesen Fleck offenbar tiefer als die Oberfläche der Sonne, mit breitem, trichterförmig abhängigem Rande und einiges von diesem Rande wenigstens über die Oberfläche erhaben. Auch bemerkte er bey diesem Flecken, daß, so wie er dem Rande der Sonne näher rückte, die diesem Rande zugekehrte Seite seiner eigenen Einfassung schmäler wurde, als die dem Mittelpunkt der Sonne zugekehrte. Diese eben nicht sehr gewöhnliche Erscheinung erklärt er sehr sinnreich dadurch, daß die sichtbar gewordene Gegend der Sonne gebirgiges Land gewesen seyn könne, wodurch ein Theil des angewandten Randes des FleckenS verdeckt werden mußte. Dieses würde Berge auf der Sonne vermuthen lassen, von einer Höhe von racr bis izo deutschen Meilen. Jedoch gesteht er, daß die Verschiedenheiten , welche die Ränder der Flecken bey ihrer Annäherung gegen den Rand der Sonne zeigen, vielleicht natürlicher, durch wesentliche Unterschiede in der Ausdehnung, Lage und Dichtigkeit deS Lichtgcwölks, selbst erklärt werden können. — — als durch jene Berge und die Regeln der Optik und der Perspektive allein. Gibt man indessen jene Gebirge zu, so erhalten dadurch die Meinungen zweyer berühmten Astronomen , deren einer die Flecken für Vertiefungen in dem Körper der Sonne, der andere für Erhabenheiten auf demselben hielt, eine sehr schickliche Erklärung. — Hier folgen nun mehrere Beobachtungen von dunkeln Flecken, die offenbar tiefer lagen, als die glänzende Oberfläche der Sonne, die hier durchaus von der Oberfläche des festen Körpers derselben unterschieden wird, den wir wahrscheinlicher Weise selten anders als in und bey jenen dunkeln Flecken zu sehen bekommen. Indessen, da das Licht ein zugleich durchsichtiger Körper ist, so wäre es wohl möglich, daß man hier und da auch wohl die eigentliche Sonne etwa ') Wilsen'j und la Land«'«, so zu sehen bekäme, wie man den Docht durch die Flamme des Lichts steht, an solchen Stellen nähmlich, wo die lichte Flüssigkeit nicht so dicht oder nicht so dick ist. Für die hellen Stellen behalt er den H c- vel'jchen Nahmen /--.ee/a« bey, ob sie gleich nichts weniger als Fackeln gleichen. Diese lichten Stellen hangen nähmlich nach allerley Figuren zusammen, und gleichen den runzeligen Erhabenheiten eines getrockneten Apfels. Auch selbst da, wo sie wie einzelne Punkte erscheinen, sind eS offenbar Erhabenheiten. Dieses erklärt vortrefflich, warum sich jene Runzeln mehr an den Rändern der Sonne zeigen, und sich in der Mitte der Sonnenscheibe gewöhnlich verlieren. Demi im ersten Falle, da man sie von der Seite sieht, fallen diese wellenförmigen Erhabenheiten, eine über die andere, wie Theater-Coulissen hervorstehend, leichter in das Auge, als i» der Mitte der Ssnnenscheibe, wo sie mit ihrer scharfen Kante gegen uns gekehrt sind. Wenn ferner dunkle Flecken zwischen den Fackeln zum Vorschein kommen, so geschieht vieles ebenfalls gewöhnlich gegen die Mitte der Sonnenscheibe, weil sie da durch die Seiten- wande dieser Wellen dem Auge nicht mehr verdeckt werden. Auch selbst der Umstand, daß sie sich häufig um die dunkeln Flecken befinden, bestätigt dieses, denn eben weil eS Erhabenheiten sind, so kann eine große Menge derselben natürlich leicht Vertiefungen und Verdünnungen in dem Lichtgewölke verursachen, das nunmehr den eigentlichen Sonucnkörper nicht mehr so stark, oder gar nicht mehr verbirgt. Das Resultat, worauf Herrn Herschel nun alle diese in feiner Schrift dargelegten vielen und sorgfältigen Beobachtungen geführt haben, ist kurz die- M VII. — l?8 — ses: die Sonne ist mit einer großen Atmosphäre umgeben, wie alle die Planeten, die wir etwas näher kenne». Diese Almc- spharc besteht aus elastischen Flüssigkeiten. In ihr entstehen, so wie in unserer Atmosphäre durch Dccompositivncn Wolken, nur mit dem Unterschiede, daß in der Sonnen - Atmosphäre jener wvlkenartige Niederschlug mit Phosphoresccnz verbunden. Und eigentlich das ist, was uns in der Sonne leuchtet. Diese Lichtwolkcn - Schicht schwebt in dem übrigen durchsichtigen Theile der Atmosphäre, und die Veränderungen in ihr erklären. Alles, was man an der Sonne bemerkt, sehr leicht, bündig, und der Analogie gemäß. Der Einwurf, daß durch diese häufigen Dccompofitioncn die Sonne erschöpft werden müßte, ist nichts werth. In unserer Atmosphäre gehen ebenfalls Decompositionen aller Art häufig vor. — 179 -- Regen, Thau, Bkitze, Nordlicht u. f. w., aber die Ingredienzien kehren wieder zur Erde zurück, und gehen mit der Zeit ähnliche Verbindungen ein in einem steten Kreislauf. Allein, erwiedert man, das Licht kehrt nicht wieder zur Sonne zurück. Hierauf antwortet Hr. H.: dieser Einwarf treffe alle Hypothesen, und nicht bloß die scinige, denn daß die Sonne Licht ausschicke, sey ausgemacht, und über dieß würde auch selbst dieses Argument durch verschiedene Betrachtungen gar sehr geschwächt. Die große Snbtilitat nähmlich des LichtS, wenn es eine Substanz ist, sey allgemein eingestanden, und Jahrtausende können vergehen, ehe der Abgang an der Sonne für uns merklich würde. sUud noch sind eS nicht zwey Jahrhunderte her, daß die Fern- rbhre erfunden, und kaum ein halbes Jahrhundert, daß die zu solchen Messungen M s — iZo — nöthige Werkzeuge zu einem beträchtlichen Grad von Vollkommenheit gebracht morden sind. Dessen ungeachtet geben gleichzeitige Beobachtungen gleich erfahrner Astronomen nicht immer dieselben Resultate, und gäben sie auch diese, waS für eine Verminderung an Liehtmatcrie könnte nicht die Sonne bereits erlitten haben, ohne daß der Einfluß auf ihren scheinbaren Durchmesser nur merklich würde, indem er noch immer innerhalb der Gränzen der Ungewißheit blieb, denen solche Messungen unterworfen sind. Halte der Durchmesser der Sonne, seitdem man ihn gemessen hat, auch nur eine deutsche Meile abgenommen, so würde dieses ihren scheinbaren Durchmesser etwa umeiner Sekunde vermindert haben.ss Es könne ja auch hier dennoch Rückkehr Statt finden, ob uns gleich die Wege, wodurch es geschehe, noch nicht bekannt seyen? Könnten nicht die Eometen so etwas seyn? Die sechs, die Miß Herschcl entdeckt, und fünf andere, die Hr. H. noch außer diesen beobachtet hat, zeigten keine Spur von eurem Kern; sie gleichen Sammlungen von bloßen Dünsten um einen Mittelpunkt herum etwas verdichtet. sOb man wohl ein solches Ding sehen würde, wenn man sich nahe dabey oder gar selbst darin befände?^ Dieses verbreite etwas Gcheimnißvolles über ihre Bestimmung. Die Bewegung des Co- mcten, den Herr Messt er im Junius 1770. entdeckt habe, zeige augenscheinlich, wie sehr seine Bahn durch den Einfluß der Planeten gestört worden sey, und die geringe Uebereinstimmung, die sich bis jetzt noch zwischen den Elementen der bisher beobachteten Cometen fände, mache es wahrscheinlich, daß sie da sey» m», ihren heilsamen Einfluß nach allen Gege' e» deS Himmels zu tragen. Doch dieser Lichtver- liist ersetze sich wie er wolle, oder die Sonne erleide überhaupt gar keine», oder nehme nach und nach ab, welches ja auch der Fall seyn könnte, so hat dieses keinen Einfluß auf Hrn. Herschel's Hypothese, indem er bloß dasjenige erklärt, was wir an dem Körper der Sonne bemerken. Ferner sind, wie schon erinnert worden ist, die dunkeln Flecken Stellen, welche von jenen atmosphärischen Lichtentwickelun- gen frey, hingegen die Fackeln Gegenden, wo sie vorzüglich häufig sind. Aus einigen ehemahligen Beobachtungen schießt Hr. H., daß von der Stelle an gerechnet, wo sich diese Lichtentwickelungcn anfangen, bis herauf zu dem äußersten Rande der Fackeln, nicht weniger als gcns, und nicht viel mehr als 6vo deutsche Meilen seyn können. Freylich sey die Schicht der Atmosphäre, worin bey uns Wolken entstehen, bey weiten nicht so dick, allein man müsse auch bey dieser Vcrgleichung mehr an andere Decomyositionen über unsere Erde gedenken, z. B. an das Nordlicht und die bekannten lichte» Streifen «. f. w., die sich in Regionen entwickeln, welche weil über die Region der Wolken erhaben seyen. Es sey gar wohl möglich, daß die Dichtigkeit der Lichtwvlken nicht sehr viel größer sey, als die der leuchtenden Materie unsers Nordlichts. Denn- wenn man sich eine lichte Masse von der Dichtigkeit unserer Nordlicht-Materie, vier bis sechshundert Meilen dick gedenke, so möchte wohl ihre Intensität und ihr Glanz in der Entfernung, die die Sonne von uns hat, angesehen, nicht viel geringer erscheinen, als die jener Lichtwolken um die Sonne. Dieses und der Unrsiand, daß man zuweilen dieselben Flecken nach ganzer Rotation der Sonne wiederkehren gesehen hak, woraus sich schließen läßt, daß manche dieser Gegenden sehr weit in jene Lichtwolken hineinragen mögen: und da diese Flecken auch durch andere Umstände, wie wir gesehen haben, ihre Erhabenheit über die eigentliche Flache des Sonnen-Körpers und als Unebenheiten und Berge auf ihr verrathen, berechtigen nun Hr». Herschel weiter zu nachstehende» Folgerungen. Die Sonne ist ihrer Beschaffenheit »ach bey weiten nicht so sehr von den übrigen Planeten unterschieden, als man bisher*) geglaubt ') Eigentlich, als man ehedem gewöhnlich glaubte, und bisher noch hier und da geglaubt hat. Denn wirklich hat Herr Bode schon Vor ao Jahren sehr deutlich und mit großen« Scharfsinne eben dieses gelehrt. Uebrigens hat der Ausdruck Feucrquell oder Feuermeer von ihr aebraucht, auch selbst nach dieser Erklärung, noch immer «ine Bedeutung, die sich rechtfertigen läßt. hat. Die Sonne, aus diesem Gesichtspunkt belrachtct, wäre also nichts weiter, als ein durch Größe und Glanz sich vorzüglich auszeichnender Planet, im eigentlichen Verstände also der einzige Hauprplanct fzinima-r-rttr), dessen Nrbcnplaneten (recr«rr- ciarir) wir andern mit unsern Trabanten ausmachen sso wie wir eine Art von Neben» Sonnen (.ro/kL für unsere Trabanten.^. Bey der Gelegenheit, daß Hr. H. lehrt, die Sonne könne also eben so gut bewohnt seyn, wie unsere Erde und die übrigen Planeten, wirft er einige Seiten- sv gut wenigstens wie der von richt quell und Lichtmesr. Die Sonne ist ein Lichtquell für uns, weil wir Augen haben, lind ein Wärme- und Feucrquell, weil wir und unser Planet mit einem Stoffe durchweht find, mit welchem verbunden eben das, was wir kicht nennen, u»S nun auch erwärmen, erhitzen und verbrennen blicke aus diejenigen, die sie zum Sitz der Verdammte» gemacht haben, und thut .dieses mit dem Geiste, der sich von einem solchen Philosophen erwarten laßt. (In dem zweyten Vaterlands unsers großen Landsmanns sind auch wirklich solche Seitenblicke noch jetzt nöthiger als i» seinem ersten. Denn es gibt wohl unter den aufgeklarten Völkern EnropenS (worunter ich vorzüglich die protestantischen versiehe,) nicht leicht ein abergläubischeres, als das Englische im Durchschnitt. Die Ursache davon anzugeben, ist nicht schwer: viel Geisteskraft, mit Gefühl derselbe», und daher viel Vertrauen auf dieselbe und Eigensinn, verbunden mit sehr geringer Information, die die alten Familien-Traditionen stören könnte und wüßte, haben wohl hauptsächlich Schuld. In Deutschland haben selbst die tiefsinnigsten Kenner — r87 " und Verehrer einer Statistik des Himmels und der Hölle, wenn sie sich auch sonst wohl hier und da noch mit Berechnung der jährlichen Einfuhr dieser ultramundani- schcn Staaten abgeben, doch schon langst aufgehört, sich um die . ,.. vgraphische Lage derselben im Raume zu bekümmern^. Niemand, der mit der Naturlchre einiger Maßen bekannt ist, wird hieraus folgern wollen, baß, da jenes Licht in der Sonnen-Atmosphäre hier bey uns in einer Entfernung von mehr als 20 Millionen Meilen eine so große Hitze hervorbringt, die Sonnenkugel selbst über alle Begriffe erhitzt werden müsse. Indessen begegnet Hr. H. doch auch diesen Bedenklichkeiten. Daß das Sonnenlicht nicht unmittelbar erhitze, sehe man schon auf unserer Erde sehr deutlich. In denjenigen Höhen, wohin Wolken nur selten aufsteigen, und wo daher :88 das Sonnenlicht reiner und ungehinderter auffalle, als in der Tiefe, sey es immer kalt. Die Eisberge und die mit unaufhörlichem Schnee bedeckten Spitzen vieler Gebirge bewiesen dieses. Alle Lustschiffer halten die obere Region kalt befunden, und selbst im Focus der stärksten Breunglaser erhitze sich die Luft nicht merklich. Alles führe dahin, daß das Licht allein nicht warme, sonder» diese Wirkung bloß in Verbindung mit einer andern Materie hervorbringe; wo diese fehle, sey auch keine Warme möglich, oder bey dem stärksten Licht nur eine geringe, wo diese Materie in geringem Maße vorhanden sey. Alles lauft darauf hinaus, daß die Sonne, deren Kugel die ganze Bah» des Mondes in sich enthalten könnte, für unbewohnt zu halten, eben so übereilt seyn würde, als wenn etwa ein Bewohner des — i89 " Mondes so etwas von unserer Erde glaubn, wollte. Denn auch diese ist um vieles größer, als der Mond, und könnte daher von ihm auch sür den Sitz der Kraft angesehen werden, seine Bahn zusammen zu halten, ihn um die Sonne zu führen und seine Nachte mit rcflectirtem Licht zu erleuchten. Auch er würde auf unserer Erde eine Menge Erscheinungen bemerken, wovon er auf seinem Wohnorte keine Spur findet, und daher auch geneigt seyn zu glauben, sie könne unmöglich ein Aufenthalt sür lebendige Geschöpfe seyn; gerade so wie es Menschen gegeben hat, die aus ähnlichen Gründen dem Monde die Bewohnbarkeit abgesprochen haben. sNnr Schade, und im Vorbeygehen anzumerken, daß diese Art zu schließen leider noch mit zu dem nachbarlichen Contracr zwischen den Philosophien hicnieden und dort oben ge- hört, wovon im Taschcnbuche für 1796. S. 122. ist geredet worden *). So zn schließen, verbiethet die Vernunft dem Menschen schlechtweg, und solche Argumente könnten allenfalls bloß ncch in einer Fabel genutzt werden, worin etwa ein Hay- sisch über die Bewohnbarkeit des festen Landes, oder ein Hammel über die des Weltmeers ihren Mitbürgern Vorlesungen! haltend eingeführt würden^. ') S. den Schluß der vorhergehenden Aufsähet» Geologisch. Meteorologische Phantasien. Nachstehender Aufsatz enthalt theils Beobachtungen so wohl als Schlüsse unserer beyden großen Eroberer im Reiche der Astronomie, Dr. Hersetzel's und Herrn Oberamtmann Schrbter's, theils Be, trachtungen, die dadurch veranlaßt worden sind. Auf die letzter» allein deutet die Uebel schrist. Wenn Manches darunter nicht sehr tröstlich für unsere Dogmatikcr in der Geologie und Meteorologie ist, so gefallt es dafür vielleicht desto mehr dem vernünftigen Zweifler und den behuthsamen Denker, und diesen zu gefalle», sollte ich glanbcn, wäre doch auch schon Etwas in der Welt. Sind es Träume, und dahin rechne ich 192 vorzüglich Alles was in diesem Artikel Mir angehört, wohlan! so stehen sie wenigstens schicklicher in einem Kalender, als in den Lehrbüchern der Pkwsik, aus denen wohl gar am Ende durch ein solches Verfahren manches ähnliche Arlikclchcn vertrieben werden könnte. Ware das nicht herrlich? Die Physik ist ohnehin noch sehr in der Schuld der Kalender. Erstere hat nähmlich letztere offenbar, großen Theils wenigstens, um die schönen, einträglich.n Artikel von Welterweisheit und Tagwäh- lcrey gebracht, ohne ihnen den Schaden durch irgend etwas zu ersetzen. Wie wenn sie ihnen dafür einige ihrer Hypothese» überließe, (sie hat ja ohnehin keinen Mangel daran,) so wäre vielleicht beyden geholfen. Am 25. Februar 1796. wurde in der Kdnigl. Societät zu London ein Aufsatz vom Herrn Dr. Hersetzel über eine Methode vorgelesen, die Veränderlichkeit des Lichts der Firsterne, wenn eine solche Statt findet, sicherer zu beobachten, als bisher möglich war. Man hat bekanntlich die Firsterne nach der Größe ihres G'anzeS in Classen geordnet, und sie mit den Nahmen von Stauen der ersten, zweyten, drillten u. s. w. Größe belegt, und in den Verzeichnissen derselben ihren Rang durch die Zahlen l, 2, 3 u. s. f. angegeben. Ja man hat so gar auch auf Brüche dabey Rücksicht genommen, und z. V mit l. 2 einen Stern bezeichnet, der zwischen 1 und 2 fallt, und mit 2. i einen, der zwar auch zwischen beyde fällt, nur daß er entschieden von der zweyten Größe ist, bloß mit etwas Glanz von einem der ersten Classe. Bey Sternen von den drey ersten Größen gingen solche Unterabihcilungen wohl N VII. — i ^4 noch an, und waren nicht ganz unbestimmt, aber sehr schwankend bey niedrigeren Ordnungen. Z. B. wie viel Willkürliches mußte nicht in den Bezeichnungen 5, 5.6., 6.5, 6 seyn? Wenn aber auch durch diese bisherige Bczeichnnngsart der Endzweck, den man hauptsächlich dabey hatte, die Sterne bloß beyläufig von einander zu unterscheiden, hinlänglich erreicht worden wäre, so taugte sie doch keineswcgcS mehr, so bald man diese Verschiedenheiten des Glanzes, zumahl bey dcn niedrigen Classen, selbst zum Gegenstand einer ernstlichen Untersuchung machen wollte. Aber leider wurde selbst jener Zweck nicht einmahl damit erreicht, weil jene Bestimmungen sich nicht aus unmittelbare Vergleichnngen, sondern auf ein gewisses .Gefühl und Schätzung nach einem bloß eingebildete» Maßstabe gründeten. Denn wäre» — i9Z — Flamsteed's Bestimmungen nach einem festen Maßstabe gemacht, so würde folgen, daß nicht weniger a!S eüf Sterne im Löwen eine gar merkliche Glanzveränderung seit seiner Zeit erlitten hätten, näbmlich die Sterne /3 -7 7r 5 ^ b e cl 54 48 72. Er bezeichnet z. B. /Z mit r.2 unv 7 mit 2, dieses soll doch wohl sagen, daß /Z größer sey alS 7.' Allein der Fall ist gerade umgekehrt, 7 ist größer. Ferner bezeichnet er s- mit 4.5 und sieben andere mit 4, die alle kleiner sind als -r n, s w. Und hier wird dann doch nur Flamstecdmit sich selbst verglichen. Vergleicht man seine Bestimmungen mit denen anderer Astronomen, so zeigt sich das Schwankende dieser Mechode noch mehr. Allein da dann doch auch wirklich das Licht mancher Fixsterne Veränderungen erlitten haben kann, so wäre eö zu weit gegangen, wenn man behaupten wollte, alle Adwei- N 2 — ig6 — chungen von den Flammstcedi sehen Bestimmungen, die man jetz! bemerkt, beruhten aus Schätzungs-Fehlern. Herr Hersehe l zeigt vortrefflich, wie selbst nach dieser Methode angestellte Beobachtungen mi» widersprcchlich beweisen können, Laß sich das Licht einiger Fixsterne selbst seit Flam- steed's Zeiten verändert haben müsse. Wenn z. B. Flamsteed einen Stern mit i»2 bezeichnete, den wir jetzt ohne Bedenken mit s bezeichnen; oder wenn zwey Sterne, die so nahe beysammen stehen, daß sie leicht zn gleicher Zeit in das Feld deö Fernrohrs gebracht werden können, von ihm von gleicher Große angegeben würden, die wir jetzt deutlich für ungleiche erkennen müßten, oder umgekehrt, zwey als ungleich angabe, die wir nun gleich groß sehen, so würde man ohne Gefahr zu irren auf eine Veränderung eines von keyden schließen können. Hatte man gar Vergleichungen mit einem dritten oder mehreren benachbarten Sternen: so würde sieh auch ausmachen lassen, welcher von bendcn sich verändert habe. Um nun diese Untersuchungen zu erleichtern, und damit Agronomen künftiger Zeiten über die Glanz- vcranderungen der Firsterue leicht »nd sicher urtheilen können, hat Herr Herschcl eine Bezeichuungs-Methode für den comparativen Glanz der Firsterue nicht bloß vorgeschlagen, sondern auch selbst in Ausführung zu bringen angefangen, wodnrch diescr Zweck, wenn es nur nicht an Männern von gleicher Beobachtungsgabe und diesen Männern nicht an Georgen fehlt, sicher erreicht werden wird. Eine deutliche Auseinandersetzung seines Verfahrens ist nicht für diese Blatter. Es sey für uns genug, anzuzeigen, daß Hr. Herschel, trotz aller Schwierigkeiten und der unsäglichen Arbeit, die eine solche Tafel über die Sterne erfordert, nichts desto weniger hier schon eine Liste von Zgy Sternen liefert, bey denen der Grad der Große Zwilchen so enge und bestimmte Gränzen eingeschlossen ist, daß Veränderungen, wenn sich einige in denselben ereignen, unmöglich lange unentdeckt bleiben können. Er wird künftig fortfahren, der Welt die Resultate seiner Bemühungen vorzulegen. Auf diese Weise Hütte nun Her-r Hersehe! dem Naturforscher ein ganz neues Feld zur Untersuchung nicht bloß angedeutet, sondern auch zugleich den bestmöglichen und einzigen Weg gezeigt, es mit Sicherheit und mir Hoffnung auf baldige Fortschritte zu bebauen, und selbst den Anfang damit gemacht. Daß diese Untersuchungen mit unter die wichtigsten gehören. — r§S — die sich von Menschen am Firmament dort oben anstellen lassen, fallt in die Augen. Man bedenke, wie wenig ernstlicher Fleiß bisher auf diese Untersuchungen gewendet worden ist, und doch belauft sich die Zahl der Sterne, deren Licht sich wahrscheinlich verändert hat, wohl auf hundert; diese Zahl nunmehr verglichen mit der Zahl derer, die man in dieser Absicht untersucht hat, und die sich schwerlich auf Zooo erstreckt, gäbe hier schon ein Verhältniß von zo zu r. Das ist, unter 50 untersuchten Sternen hat wenigstens einer einen Lichrwechscl erlitten, und dieses zwar in dem nicht sehr große» Zeitraum von etwa zwey Jahrhunderten, auf die sich jene Beobachtungen erstrecken. Dieses leitet Herrn Her sehe! zu einem neuen und in der That sehr auffallend großen Gedanken. Ist es, sagt er, ausgemacht, Laß jene lichten Punkte, die Fiv- 20O sterne, Körper sind wie unsere Sonne, und wir bemerken solche Lichtwechsel in ihnen, könnte dieses nicht auch der Fall mit unserer Sonne seyn, oder gewesen seyn? Könnte nicht unsere Sonne morgen anfangen allmählich abzunehmen, wie der Stern /3 im Löwen, « im Wall such, « im Drachen, und F im großen Bären und viele andere. Auch könnte ihr Licht ansangen plötzlich zu wachsen, wie in dem wunderbaren Sterne auf dem Stuhle der Casswpca, und dem nicht minder merkwürdigen am Fuße des Schützen, oder allmählich zunehmen, wie im der Zwillinge, /Z des Wallfisches, ^ deS Schützen und vielen andern, oder endlich könnte ihr Licht einem periodischen Wechsel von 25 Tagen (Zeit der Notation der Sonne,) unterworfen werde», so wie daS Licht des Algol einem von drey Tagen, das -l im Cepheus einem von fünf Tagen, 2OI ^ der Lcver einem von sechs, und das >/ im Ankinous einem von sieben Tagen unterworfen ist. Harte sich aber je eine solche Veränderung mit unserer Sonne zugetragen, wie leicht würden sich nicht manche Revolutionen, die wir auf unserer Erde bemerken, dadurch erklären lassen, zum Beyspiel Alles, was auf unserer Erde so deutlich auf eine Veränderung der Climatcn hinzuweisen scheint. Selbst Manches von dem, was wir oft in unsern Sommern und Wintern so unerklärlich finden, könnte dort seinen Grund haben. Uebcrhaupt aber scheint wenigstens aus diesen Betrachtungen so viel zu erhellen, daß wir gar keine Ursache habe», sehr viel auf die stäre Gleichheit des Sonnenlichts und dessen Permanenz zu rechnen. Hr. Hcrschel schließt diese Betrachtung mit der Bemerkung, daß ein besonderes Phoromctcr, das auf einem 2O2 hoben einzelne» Gebirge angebracht Ware, oder selbst schon ein bloßes Thermometer, hinreichen würde, wo nicht gänzlich, doch größten Theils, die Veränderungen von Licht und Wärme, die von der Veränderung in dem Quell desselben unmittelbar abhängen, von den übrigen zu trennen. Er erinnert dabey an unseres unsterbliche» Mayer's Abhandlung: über die genauere Bestimmung der Thermometer-Veränderungen. Ein schönerer und so ganz in Mayer's Geist in dieser Lehre gedachter Gedanke, ist mir noch nicht vorgekommen, als dieser. Wenn in der Sonne selbst ein Grund von Veränderlichkeit, unabhängig von Sonnen-Nahe und Ferne und von Hohe über dem 'Horizonte liegt, (und wer will das läugnen?), so wäre die Basis aller Theorie von Thermometer-Veränderungen, der Stand eines 2OZ solchen Thermometers, das mit der Sonne nnd ihren individuellen Veränderungen gleichen Gang hielte. Denn ohne jene Vciäiiderungen zu kennen, oder wenigstens zu wissen, ob sie Statt finden, sind alle übrige Bemühungen vergebens. Es freut den Herausgeber dieser Blatter unendlich, auch hier wiederum zu sehen, was astronomischer Geist, fast mochte er sagen, astronomisches Gefühl bey Anordnung von . NnkersuchrmgS-Planen in der Naturlehrs vermag. Es wird nicht eher, wie er schon oft gesagt hat, um alle Theile der Natur- lehre gut zu sieben anfangen, bis man daö Vei fahren der Astronomen bey Erweiterung ihrer Wissenschaft als das Paradigma ansieht, in allen übrigen Theilen der Natur- lehre darnach zu decliniren, und eine Geschichte der Astronomie in nuos als eine Haustafel in den physischen und chemischen 204 Laboratoriis anzunageln. Zumahl wäre es vielleicht jetzt den eifrigen Auriphlogisti- kern zu rathen, die Geschichte der Erfindung des wahren Weltsystems zu Herzen zu nehmen. Lav visier ist unstreitig der Cvpernicus der Chemie geworden. Daß vor ihm ein Mayow war, schadet seinem Ruhme so wenig als die Lehre des Ari- starch von Samos dem Ruhme des Cvpernicus. Auf Cvpernicus folgte Tycho, einer der größten Astronomen der neuen Zeit, vielleicht aller Zeiten, der dem Cvpernicus in vielem, nur nicht an Genie überlegen war. Dieser verfeinerte die Stahlische Lehre des Ptolemäus, nnd hatte auch hierin schon Vorgänger. Indessen die Lehre deS Cvpernicus fand Eingang, nnd der große Tycho mußte sich nun oft von Knaben verächtlich angeblickt sehen, die nicht werth waren seine Schuhricmen aufzulösen. Das muß ja ein Kind einsehen, daß die Sonne stille steht, und die Erde und die übrigen Planeten sich in Krei- se n um sie drehen, schrien sie. Indessen kam unerwartet ein Mann, ein großer Verehrer des Copernicus, der zwar tingestand, daß Copernicus den großen Hauprschritk zur Wahrheit gethan habe, daß aber seine Lehre im Detail hier und da an allerley laborire, was dieser Mann mit einem sehr verständlichen Wort Absurditäten nennt. Dieser Mann war Keppler. Das mochte nun freylich manchen! Anhänger des Copernicus nicht sonderlich gefallen haben, zumahl denen darunter, die sich die Mühe genommen hatten, des unsterblichen Mannes classisches Werk zu studiren, worin er seine Irrthümer mit Beweisen unterstützt, die seinem geometrischen Scharfsinn zur größten Ehre gereichen. Allein es blieb wahr, wa? Kepplcr gesagt hatte; Coper- nicuö halte im Detail geirrt, uns zwar sehr geirrt. Die Planeren liefen zwar um die stillstehende Senne, aber nicht in Kreisen, und noch weniger in kleinen Krci'eu auf diesen großen, sondern in einfachen, staken Ellipsen. Dieses lehrt die Hausiasel. Ob nun gleich der Copcrnicns der Chemie noch keiner Absurdität geziehen worden ist, so sehe man doch wenigstens nicht mit Verachtung auf diejenigen herab, denen noch nicht Alles in dessen Lehren so evident jst, als die blinden Anhänger glauben. Unbeschrankten Beyfall zu geben, ist doch fürwahr nicht schwer. Man braucht dabey gar nicht zu denken, sondern nur immer den trös iiumbie servicsuo äos hivsrm- rnents zu machen. In der englischen Kirchengeschtchte bai sich ein gewisser Pastor zu Vray (Vioar ok dadurch besonders berühmt gemacht, daß er seine Religion immer mit dem Hofe änderte, und, wo ich nicht irre, zwey Mahl mit großer Leichtigkeit katholisch, und zwey Mahl protestantisch wurde, und daö immer im Pfarr- hause zu Bray. Er hatte immer seine Gründe. Dafür ist er nun aber auch der unsterbliche Vioor eck IZra^. Man soll ihn deßwegen so gar den Vioar eck öü/r genannt haben. Nach diesem Zwischenspiel, das ausdrücklich hier steht, um einige flüchtige Betrachtungen und Muthmaßungen von Herrn Herschel's großem Original-Gedanken gehörig zu trennen, kehre ich nun zu dem Lichte der Sonne zurück. So wenig wir auch immer die Natur und das Wesen des Lichts selbst kenne» mögen, so kennen wir doch, gottlob! die Macht seines Einflusses auf Körper aller Art-mit großer Zuvc'tlasstgkeit. Ohne das Licht der Sonne möchte es wohl um alle Flüssigkeiten auf unserer Eroe geschehen seyn, und folglich um uns und die ganze organische Natur, die i.ren Handel in Flüssigkeiten und durch Flüssigkeiren treibt, etwa so stehen, wie es um den Seehandcl stehen würde, wenn die See zuhöre. Ist aber dieses, so erhalten die neuern Entdeckungen über die Beschaffenheit der Sonne, wovon wir im vorigen Jahrgange des Taschenbuchs umständlich gehandelt haben *), ein eigenes Interesse für den Meteorologen. Nähmlich, wenn die Lichtmatcrie um die Sonne etwas den Wolken um unsere Erde Analoges ist, so hat die Sonne auch ihre verschiedenen Licht-Witterungen, welches auch die unmittelbaien Beobachtungen schon D. den vorhergehend«, Artikel: Da« Neueste »onderSonne. — 209 - wirklich gelehrt haben. Ist aber das Licht der Sonne eine bloße Witterung?--Affäre für sie, so könnten sich wohl manche Veränderungen auf unserer Erde schon selbst von jenen täglichen oder monathlichen Veränderungen Herschreiben. Jene Lichtwolken werden nähmlich nicht immer gleich ausgebreitet, gleich dicht und gleich tief seyn. Nun bedenke man die ungeheure Schnelligkeit deS Lichlö, das in acht Minuten den Weg von der Sonne bis zu unö zurücklegt. Wenn also ein Licht-Gewitter auf der Sonne aufsteigt, so kann cö schon nach acht Minuten bey uns einschlagen. Es wäre daher leicht möglich, daß, so wie manche Staatsmänner den Grund politischer Revolutionen bey den Unterthanen suchen, so die Physiker den Grund physischer auf der Erde gesucht hatten, da doch bey diesen die Schuld an der Sonne, sö O vir. wie bey jenen nicht selten am Hose lag. So etwas ist unläugbar, so bald man zugibt, i) daß das Licht dort oben nicht immer mit gleicher Menge ausströmt, und dieses muß man zugeben, denn jeder Sonnenslccken zeugt so lange von Verminderung, als es unerwiescn ist, daß der Mangel durch hellere Stelle» ersetzt wird. 2) Daß von dem Sonnenlichte das Lebenslicht der organischen Natur, theis mittelbar, theils unmittelbar abhängt, g) Daß unser Auge nicht gerade der einzige für den Einfluß des Lichts empfindlichste Körper un- screr Erde ist. Sein Dienst hört mit der Verblendung stumpf auf, da das größere Licht nnd die davon abhängige größere Wärme sich in unseren Climaten in Thieren und Pflanzen in vcrhältnißmäßigem Steigen und Fallen zeigt. So wenig die Lust allein für das Gehör da ist, so wenig ist es das Licht allein für das Gesicht. Selbst der Strom von Gerüchen, der von dem Blumenbeete ausfliest, hat so wenig unsere Nasen zum einzigen, endlichen Zwecke, als die Undurchdringlichkeit der Körper unser Gefühl. Also Veränderlichkeit des LichtS in der Sonne selbst, so gar die tägliche und monathliche, kann unmöglich für uns gleichgültig seyn. Durch diese Betrachtungen wird auf einmahl manches Unerklärliche in unserer Meteorologie wenigstens begreiflich. Wer hätte, vor Hcrschcl'n, je gedacht, den Grund von Veränderungen auf unserer Erde in dem Herzen unsers Wcltwsiemö zn suchen, mit dem man überhaupt hätte anfangen sollen? Ohne Sonne wären wir ein Nichts, und Veränderungen in ihr, die uns schon die Beobachtungen zeigen, sollen ein Nichts für uns seyn? Das ist unmöglich. Wehe unserer arme» Wcttrr- O 2 Weisheit, wenn dieses Alles gegründet ist, wenigstens so lange, bis man mir der Witterung der Sonne auf einem festere» Fuße ist, als bisher! Diese aus ihren Wirkungen hienieden kennen lernen zu wollen, wäre eine unsichere und traurige Arbeit, da der Modifikationen jener Einwirkungen des Herzens unzählige seyn können. Denn was die Sonne rein zu uns schicke, wird tausendfältig durch Begegnung von unserer Seite mvdifieirt, und darnach müssen die Bewegungen des Herzens, a!s die Basis alles klebrigen angesehen werden. Wenn aus diesen Betrachtungen sich auch nicht sogleich ein Weg zur Auskunft ergibt, so ist doch allemahl schon viel dadurch gewonnen, daß mau weiß, wo die Schwierigkeit liegt- Der Einwarf gegen diese Lehre, der sich jedem, der die S ,,e gefaßt hat, von selbst darbiethet. nähmlich, daß, wenn der Grund mancher Veränderungen in unserer Witterung von der Witterung in der Sonne abhinge, jene Veränderungen sich über die ganze Erde erstrecken müßten, ist von geringer Bedeutung. Denn wenn man so gar bey bisher voransgesttzler Gleichförmigkeit der Einwirkung der Sonne, dennoch alle Ungleichförmigkcit in den Folgen derselben zu erklären wußte, so muß wenigstens die Begreisiichkeil solcher Ungleichheiten bey der neien Lehre sehr gewinnen, wenn auch gleich die Erklärung derselben dadurch erschwert vnrde. Mir!) dünkt, dieses ist sehr klar. Vielleicht ist nachstehende Bemerkung der Aufmerksamkeit der Meteorologen nicht ganz unwürdig. Es wäre wegen jener Veränderlichkeit der Witterung auf der Sonne möglich, daß nicht alle Seilen derselbe,, für uns von gleicher Bedeutung wäre». 214 Jammer Schade, daß man bis jetzt noch nicht im Stande gewesen ist, einen ersten Meridian auf der Senne zu ziehen, mn zum Benspicl für jeden Mittag die Lange desjenigen Punkts auf der Sonne angeben zu können, den wir den Mittelpunkt der Sonne nennen. Merkwüivjg, dünkt mich, ist es immer, daß z B. die synovische Rotakionszeik der Sonne nur etwa um f ü n f Stunden größer ist, als der periodische Monath, und nur zwev Tage kleiner als der synvdische (Monath). Ware es daher nicht etwa wögliH, daß allerley Veränderungen, die sich noch dem Mond esc Laufe richten sollen, nid wovon die Aerzte und die Gärtner »iel zu sagen wissen, nicht siel mehr von kunwäl- Ziingcn der Sonne abhingen, die mi: den Ikmlaufszeitcn des Mondes so nahe zu- am mentreffen? Es kann wenigstens richt schaden, den denkenden Leser an so etwas erinnert zu haben, um rS seinen Erfahrungen anzuxrobiren. Solche Winke gegeben zu haben, schadet nie. Sie wieder zu vergessen, ist immer Zeit. — Au einiger Erläuterung von Herschel's großer Idee, kann vielleicht folgende Betrachtung dienen. (Sie, sdie Betrachtung^ wieder zu vergessen ist immer Zeit). Die Jahrszeiten der Planeten hängen bekanntlich von der Neigung ihres AcquatvrS gegen die Ebene ihrer Bahn ab, weil dadurch allein die Einwirkung der Sonne, in so fern sie durch Höhe über dem Horizont und Verweilung über demselben bestimmt wird, abhängt. Die ganze Natur, so wie wir sie jetzt kennen, scheint einen solchen Wechsel zu erfordern. Freylich kennen wir das Wesen der Materie viel zu wenig, um sagen zu können, ob ohne diesen Wechsel aller Fortgang gehemmt weide» würde. Es wäre möglich, daß, ohne Sonne, unsere gcfrorne Erde einem Gemüthe, das nicht miterfrieren könnte, immer neue Wunder darbiethen würde. Aber so müssen wir jetzt nicht rechnen. Wechsel ist das Leos der Natur. Ruhe muß aus Bewegung folgen, der Grund der Nothwendigkeit davon liege auch noch so tief. Sollte also unsere Sonne keinen solchen Wechsel unterworfen seyn? Es ist gar nicht wahrscheinlich. Dieses will so viel sagen: Nichts berechtigt uns so etwas anzunehmen. Freylich, zu sagen, daß er von der Lage ihres Llegaatvrs gegen irgend eine Bahn derselben abhinge, wäre etwas stark, selbst für einen Taschenkalcnder. Aber warum könnte der Grund davon nicht in der Sonne selbst liegen? In einer Kugel, deren Umfang selbst die Bahn des Mondes übertrifft? Jahrszeitcn, nur freylich nicht gerade durch die Dauer unsers Jahres, oder des Jahres des Saturn oder des Georgs- Plaue tcn in runden Zahlen, kommensurabel, können sich auch dort finden, und werden sich finden. Unsere Jahrszciten sind ein Cursus chemischer Prozesse über die Verhältnisse des Sonnenlichts gegen die Bestandtheile unserer Erde. Die Dauer deS Cursus wird nach Umwälzungen der Erde um ihre Achse und Umdrehungen um die Sonne bestimmt, von denen die Vers theilunz von Licht und Schatten, und folglich der Einfluß des Lichts hauptsächlich abhängt. Aus was für Ursachen sich auch die Sonne um ihr« Achse drehen mag, so scheint wohl so viel ausgemacht, daß es nicht des Lichts wegen geschieht, und wenn dort, wie ich glaube, Wechsel nöthig seyn wird, so wird er seine Perioden haben und diese Perioden ihr Natur-Maß, ob es gleich dort keine Sonnenuhren gibt. Vielleicht entdecke die Nachwelt einst diese Perioden noch eher, als eiu twevler Sonnen-Sommer die Austral-Pflanzen in Woreal-Gefilde und die Rhiuo^croten in sibirische Wälder verfitzt, oder ein zwevter -Winter das Weltmeer über unsern Hainberg führt. Hoffentlich werden alsdann die Akademien der Wissenschaften für bessere Hisioriographen und dauerhaftere Sch-nb- waterialien sorgen, als die in der vorher-. gehenden Periode gewesen seyn müssen. Doch ich kehre zu den täglichen Veränderungen zurück. Also noch einmahl: wenn man folgende Sätze als theils ans- gemacht, theils wahrscheinlich ansehen kann: i) daß der Einfluß des Sonnenlichts auf die organischen sowohl als unorganische» Körper unsers Erdballs von der größten Wirksamkeit ist; 2) daß das Licht von der Sonne in acht Minuten zu unS kommt; 2) daß eben dieses Licht oder dessen Haupt - Vehiculum dort eine unseren Woiken analoge Flüssigkeit bildet, dessen Menge, Dichtigkeit und Tiefe oder Dicke veränderlich ist; 4) Laß unsere Sehnerven, deren Dienst mit der Verblendung aufhört, nicht gerade die für das Licht empfindlichsten Körper unsers Erdballs sind: so scheint linläugbar zu seyn, daß jeder Wechsel dort oben, hier bey uns, von Folgen seyn müsse, und daß eine Menge von Modifikationen der Erscheinungen auf unserer Kugel, und nahmentlich derer in unserer Witterung, von der Sonne nicht bloß schlechtweg im Allgemeinen als belebender und erwärmender Kugel, sondern auch als veränderlicher abhängen müssen. Dieses scheint so leicht und so drmlich. daß man fast glauben sollte, es habe ein bloß willkürlich festgesetzter Begriff von der Unwandelbar keit der Sonne, in Rücksicht auf Licht und Einwirkung auf unsere Erde, diese Schlüsse zurückgehalten, so wie ehemahls die von ihrer Unbeflecki- hcit, die Bekanntmachung von den Flecken in derselben zu einer bedenklichen Consi- storial-Angelegenheit machten. Hersche! lebt, gottlob! in einem Lande und unter dem Schutz eines großen Königs, unter dem er nicht mehr nöthig hat, erst als -) abzuwarten, was die Welt zu seinem großen Gedanken sagen ") Unter dieser hehuthsanien Aufschrift, (denn damahls durfte man nicht laut sagen, das, die Sonne Flecken habe) gad Weiser, Schciners, eines MitentdeFcrs dieser Flecken, Briefe heraus. Jetzt wird von Sonnensiecken so gar jn Phtlgnthropincn shne E-fahr gesprochen. Mau gewöhnt sich «n Entdeckungen und muß sich gewöhnen. wird: Die Veränderungen auf unserer Erde sind zum Theil Wirrer ungs-Affä reu der Sonne, so wehe auchdieses manchen Metevro- logcn thun mag. Es sind Sonncn- flccken einer höheren Art, auf die Hersehe l zuerst hier aufmerksam macht, und taS ohne Schwierigkeit und ohne Furchr vor Opposition von Seiten der Consistorien. Ist das nicht Fortschritt? Nur Geduld! Der Hof der Sonne wird die Entdeckung, wahr oder vermeintlich, nicht rächen; sondern fortfahren, nicht um den Eigensinn der Beobachter zu bestrafen, sondern Beobachtung der Wahrheit durch Wiederhohlung allgemein einleuchtend und so unschädlich zu mache». Nur glaube man nicht, daß unser bewaffnetes so wohl als »»bewaffnetes Auge Aber diesen Wechsel in der Sonne sogleich Richt» seyn kann. Da Verblendung früh eintritt, und über Verblendung hinaus nicht weiter gesehen werden kann, so sind unzählige Abstufungen von Licht gedenkbar, die unser Auge nun nicht mehr zu schätzen vermag, die noch immer der organisüxn Natur zu Luft-Erzeugungen, Erzeugung elektrischer Materie u. s. f, ja unserem Körper selbst mittelbar und unmittelbar nützen. Gerade das, daß das Licht auö der Sonne auf unsern Erdball herabströmt, mochte man sagen, ist ein Beweis, daß dieser heftige Strom sich zu andern Absichten herabstürzt, als für unser Gcsicht. Unter der Regierung einer Sonne, in welche wir an einem heitern Sommermittage hineinsehen könnten, ohne geblendet zu weiden, waren wir verloren. Vorausgesetzt, daß dieser Lichrmangel in der Sonne selbst gegründet wäre, und nicht etwa von Wolken oder Dünsten unserer Atmosphäre herrührte, denn diese gehören mir zu unserer Kugel, und Licht, das diese zurückhalten, ist für unsere Erde nicht verloren. Sie rauben nicht, sie mäßigen und vertheilen bloß. In größeren Höhen, wo wohl die Haupt-Lichiprozeffe vorgehen mögen, wirkt der Strom ungestört, wenigstens durch nichts unterbrochen, als die Veränderungen in dem Quell selbst, von dem die Rede ist. Einige Erläuterungen des hier Gesagten, durch Beyspiele, stehen hier nicht am unrechten Orte. — Die französischen Akade- misten, die in den Jahren 1772. und 1774. die vortrefflichen Verbuche mit den großen Drermgläsern angestellt haben, Brisson, Cadet, Macquer und Lavoisier, haben öfters Veränderungen gefunden, die hier, wie ich glaube, einige Rücksicht verdienen. Ich sitze Hrn. Macquer's eigene Worte hierher: Er hatte nähmlich gefunden, daß selbst bey den heitersten Tagen, dergleichen sich in einem Jahre kaum sieben oder acht fanden, man dennoch »regen Wirkung der Glaser nicht sicher seyn konnte, so ungleich war die Wirkung der Sonne bey übrigens gleichem Anschein. "Das Mittel, sagt er, das mir das sicherste zu seyn geschienen hat, um die zur Arbeit günstige Witterung zu erkennen, bestand darin, daß man entweder mit bloßen Augen, oder durch ein Fernglas den entferntesten Gegenstand, den man wahrnehmen kann, betrachtet. Je reiner und deutlicher man diesen Gegenstand sieht, desto gewisser ist eö, daß die Luft zu den Versuchen recht schicklich ist. Unterdessen ist das wegen der für die Resultate der Versuche entstehenden Ungewißheit etwas sehr Verdrießliches, daß die Lust in dieser Betrachtung öftern und nicht selten höchst geschwinden Veränderungen unterworfen ist. Es ist mir sehr vi'elmahl widerfahren, daß ich in dem Verlauf eines Versuchs, der nur einige Minuten dauerte, Materien, welche, wie es ihre vollkommene Schmelzung und alle andere Erscheinungen der heftigsten Hitze auSwiesen, die stärkste Wirkung des Brennpunktes killen, fast augenblicklich bis zum Festwerden erkalten sah, ohne daß in der Luft eine merkliche Veränderung vorzugehen schien; und in diesen Fällen habe ich, wenn ich beym Anfange des Versuchs die Vorsicht gebraucht hatte, mich von dem Zustande der Luft durch die Probe mit dem Feruglase gewiß zu machen, bey eben dieser alsdann, wenn der Brennpunkt mir minder wirksam zu seyn schien, aufs neue angestellte Probe allezeit wahrgenommen , daß der entfernte Gegenstand mir P vir. Aus eine merkliche Art weniger rein er« schien" — Liese merkwürdigen Versuche zeigen, daß sich große Veränderungen in den Einwirkungen dcS Sonnenlichts ereignen können, nnd das an den heitersten Tagen, »hne daß sie auf eine andere Weise merklich würden, als durch die Folgen bey diesen Schmelzungen in ungeheurer Sonnenhitze oder durch die etwas verminderte Deutlichkeit sehr entfernter Gegenstände, die man durch ein Fernglas beobachtete. Was für Folgen wögen diese Lichtwcchsel nicht sonst in der Haushaltung der organischen Natur der Gegend gehabt haben, »nun Körper, die noch so eben flüssig waren, schon durch dwse Abänderung erstarren, gefrieren könnte zuan sagen? Wer hätte je ohne diese Ver- *) S. Macauer'S Wörterbuch, Art. Brenn* (rvv.'s suche an so etwas gedacht? Es waren solche Mikroskope nöthig, um solche Erscheinungen zu erkennen. Die Leser werden mir so viel geraden Menschensinn zutrauen, daß ich hiermit nicht schlechtweg sage, daß diese Lichiwechsel ihren Grund in der Sonne selbst gehabt hätten. ES ist natürlicher, sie in unserer Atmosphäre zu suchen; vielleicht sollte man bloß sagen, unsern bisherigen Kenntnissen angemessener. Denn eS fragt sich ja immer: waö verursacht denn diese schnellen Veränderungen an heitern Tagen in unserer Atmosphäre? Konnte nicht eben dir Lichrveränderung, die z. B. das flüssige Gold im Focus des Tru dänischen Brcnnglases erstarren machte, auch Ursache deS leichten Nicderschlags von Dünsten seyn, durch die die Deutlichkeit entfernter Gegenstände kaum merklich vermindert wurde? Und solche Veränderungen P - — 228 — Mt'isfen allerdings sehr schnell und kräftig wirken, wenn sie ihren Grund in der Sonne selbst haben. Dieses bringt mir eine Bemerkung ins Gedächtniß, die einige meiner Freunde und ich bey der großen Sonneufinsteruiß am 5. Sept. 1793. gemacht habe». Wir observirten bloß plr^stes ac civiliter, mit bloßen Augen durch gefärbte Glaser, und dieser Umstand war vielleicht nöthig um die Bemerkung zu machen, die uns vermuthlich entgangen wäre, wenn Uhr und Mikrometer unsere Aufmerksamkeit getheilt oder gar ganz von unS selbst abgezogen hätten. Als sich nähmlich die Verfinsterung ihrem höchsten Grade näherte, empfand ich eine besondere Unbe- haglichkeit, die viel Achnlichkeit mit einem kleinen Fieber-Schauder hakte. Ich schwieg aber, weil ich diese Empfindung für eine von den unzähligen Formen hielt, unter welchen sich mir mehr Nervenübel darstellt, bis ich bemerkte, daß meine Gesellschaft sich auf eine Weise benahm, die deutlich zeigte, daß man etwas AchnücheS empfand. Die Wirkung einer bloßen Abkühlung der Luft um uns her kann es nicht gewesen seyn, denn ein der Sonne ausgesetztes Thermometer war nur sehr wenig gefallen. Eine etwas dicke Wolke würde ein gleiches Fallen, aber schwerlich jenen Effekt hervorgebracht haben. Und dieses ist, wie mich dünkt, nicht zu verwundern. Die Wolke ist immer ein Theil unserer Erde; sie sangt das Licht meistens in sehr geringer Entfernung von dem Lande auf, das sie beschattet, da es hingegen der Mond in einer Entfernung von ungefähr 50200 Meilen auffängt. Dieses ist also reiner Lichtverlust für den Theil der Erde, der in den Schatten oder Halbschatten des 2Z0 MondeZ fällt, die sich sehr weit erstrecken. Bey unsern täglichen Sonnenfinsier, »rissen, ich meine bey unsern Nächten, sind auch die Folgen der Abwesenheit des LichtS merklich genug, und doch ist eö selbst alsdann für die Erde im Ganzen nicht einmahl verloren. Was würde nicht eine Mondfinsterniß, die nur die Dauer einer unserer März - oder September - Nächte, Volt etwa zwölf Stunden, hätte, für eine Wirkung auf die Gegenden haben müssen, die sie träfe? Und nun gar, wenn diese Finsterniß aus einmahl der halben Erdkugel zugleich, so wie unsere Nächte, zu Theil würde? Noch läßt sich freylich der Erfolg nicht berechnen, vermuthen läßt sich über indessen schon, Laß er für die orga- Atsche Natur nicht sehr erfreulich seyn würde. — So verwegen, sa so abgeschmackt auch anfangs scheinen möchte, gewisse 2zr — Veränderungen auf unserer Erde, zumahl in ihrer Atmosphäre, von Veränderungen aus dem Körper der Sonne selbst unmittelbar herzuleiten, so kann man doch nicht genug bedenken, daß alles Neue, zumahl in physischen Dingen, wo geometrische Gewißheit nur selten erreicht werden kann, eine Zeit laug für absurd gehalten worden ist. Man war bisher genöthigt, Alles aus chemischen Prozesse» in unserer Atmosphäre zu erklären, ohne sich darum zu bekümmern, ob diese chemischen Prozesse nicht in der Licht feucrung unsers Systems dort oben, in der Sonne, zum Theil wenigstens, Grund hatten. So bald man also nur die Möglichkeit von einem solchen Cinsiuß einsieht, ist es Pflicht, daraus Rücksicht zu uchmcn. Ehe man Elektricität kannto, war die beste vfftciclle Erklärung der Donnerwetter, die durch schwefelte Dünst. Die Dinge haben sich sehr geändert. Mög, liehe, ja gewisser Maßen bereits erwiesene Veränderlichkeit des Sonnenlichts in seinem Quell selbst, verbunden mit der Schncllig» keit seiner Fortpflanzung, muß sich hier zeigen» Dortige Bewegungen sind Bewegungen des Herzens unsers Systems, und können im System selbst nicht Übergängen werden. Unsere neuere Physik hat es sich zur Ehre zu rechnen, daß sie auf einem rationalen Wege auf solche Schlüsse geleitet worden ist, ehe sie noch ein schwärmerischer Waghals durch wildes, unbestimmtes Umhergreifen um die Ehre der Erstheit hierin gebracht hat oder bringen konnte. — Mit diesen Betrachtungen verbinde ich einige neuere Beobachtungen eines andern Landsmannes, dessen Genie es durch un- ermüdcte Anstrengung geglückt hat, die Aufmerksamkeit des erleuchteter» Theils von Europa auf sich zu ziehen, und selbst mit Hersche l'n zu theilen, unsers vortrefflichen Schröter's zu Lilienthal. Seine Beobachtungen so wohl als Gedanken schließen sich an daS Vorige an; der Vereinign,igs- punkt ist unsere Atmosphäre mit ihren Veränderungen und deu Ursachen derselben. So wie sich unsere Werkzeuge verbessern, je mehr man i» allen Theilen der Naturlehre das Auge zu bewaffnen sucht, das sehr mancherley Arten von Armatur verträgt, erweitert sich unser Gesichtskreis. Finden wir auch immer wieder ein neues Unbegreifliche, so wird doch nicht selten das alte dadurch begreiflicher, und die Ueberzeugung, daß noch sehr viel zu thun übrig ist, lehrt wenigstens Behuthsamkeit in dem, was man thut. Tiefe der Einsicht schadet nie, sie allein zeigt den besten Weg, jede Lehre den Zeiten mit dem besten Ei folg anzupassen, ohne Furcht sich tttt/ro zu conipromitürcu. Was will mau i» dieser Well mehr? Gerechter Himmel ! Wenn man die Brennzläser bis zum hundenfachcn des berühmten Trudäuische» vergrößern könnte, waö würde aus unserer phlogistisehen und antiphlogisti- schen Chemie werden? Verfertigte man künstliche Magnete, die sich gegen unser« jetzigen stärksten verhielten, wie ein Hersetz elsch es Teleskop zu einem Taschen- Perspektiv, so habe ich Ursache zu glauben, man würbe die magnetische Materie so allgemein wirkend finden, als die elektrische. Man würde in beyden Falle», beym Bremrglase, wie beym Magnet, finden, daß die Aus nahmen »ach und nach die Regel verschlingen. Aber das hindert nicht, die Regel bey jeder Stufe von Erkenntniß zu respekliren. Dieses fordert — 2z; — unsere Vernunft. Nur fordert auch eben diese Vernunft durch Studium der Erweiterung unserer Erkenntnisse im Ganzen, dahin wenigstens weise zu werden, um nie anders als /n/rr/r zu sprechen. Dem »«philosophischen Praktiker kann man indessen die Freude, Alles für entschieden z» halten, in seiner Haushaltung gern lassen, dem eigentlichen Denker ist sie unmöglich,. Von Schrörer's Beobachtungen von L:ch!fui>kcn in grollen Höhen, habe ich bereits zu einer andern Zeit Nachricht gegeben , und auf die Wichtigkeit des Einflusses jener Entdeckung aus unsers Atmosphäre aufmerksam gemacht. Das Alles hat sich nicht allein bestätigt, sondern der vortreffliche Entdecker hat auch mit seinem ") S. im vorhergehenden Band? unter den M i se e l.l a *c p bn neuen 27 füßigen Teleskop wiederum Ansichten derselben Erscheinung gehabt, die nun verhältnismäßig weiter führen. Als er nähmlich am 23- Jun. 1795. Abends um il Uhr einige teleskopische Sternchen zwar deutlich, aber kaum erkennbar, in der Gegend des Schlangenträgers beobachtete, zog sich ein äußerst feines und mattes Pünktchen, einer höchst entfernten so genannten Sternschnuppe völlig ähnliches Lichtpünktchen, von oben bis unten durch das ganze Gesichtsfeld, so daß es dieses in ungefähr einer Secunde Zeit passirte. Es hatte mit den in dem Felde sichtbaren, sehr feinen matten Sternchen gleich mattes- äußerst schwaches Licht, und war auch im Durchmesser nicht größer, als ein solches, so daß es also, der Lichtstärke und Vergrößerung (es war eine 183 fache,) deS großen Reflektors ungeachtet, kleiner, als ein teleskopisches Sternchen der geringsten bisher bekannten Ordnung war. Es stieg zwar deutlich, aber so fein und in milchfarbig-graulichem, äußerst schwachem Lichte, durch das Gesichtsfeld, als wenn es kein Meteor in unserer Atmosphäre, sondern ein ätherisches in einem sehr entfernten Him- melsraume wäre -). Ob nun gleich Entfernungen von solchen lichten Punkten nicht gesehen, sondern bloß durch Schlüsse gefunden werden können, wozu hier die Prämissen fehlen; so scheint doch aus allen diesen Beobachtungen, verglichen mit denen von unsern Feuerkugeln, Sternschnuppen und so vielen andern, die sich leicht darauf zurückführen lassen, als z, B. das Blitzen im Monde bey totalen Sonnenfinsternissen, unwidersprech- ») SÄröter'e Aphrodltographischr Fragmente. Hrlmstävt, -7sS. 4. 241 L. — LZZ — lich zu folgen, daß über uns ein immer fortdauernder chemischer Prozeß im Gange ist, von dem wir, noch zur Zeit, wenig Bestimmtes wissai. Vielleicht für dir unorganische Natur, was das Lc »wen hockt sehe Llraos Infusorium für die organische ist. Wir wohnen auf der Oberflache einer festen Kugel, von deren Innerem wir wenig (eigemlich nichts,^ wissen, und unter dem Obdache einer hohlen, eigentlich in der Materie einer flüssigen, die uns eben so unbekannt ist!-Das specifisch Schwerere unter sich, so wie daö Leichtere über sich, wandelt der Mensch in einer Kugel einher, deren Gränze er nicht kennt, und sucht sich eine Physik zu schaffen, die vermuthlich bloß (wenn sie etwas ist,) dem Halbmesser angemessen ist, um welchen er von dem Mittelpunkte ab einher wandelt. Ein paar hundert Meilen naher bey demselben oder davon entfernt??, n-.öchten unseren Compendic» eine ganz verschiedene Gcstalr geben. Der Himmel lass- es nur nicht an Lc »wen ho eben für die Atmosphäre fehlen, und nicht an Mikroskopen dazu. —7 242 -' 7 . Neuigkeiten vom Himmel, («m Jahr i7SS- geschrieben). Wahrend sich die Gränzen mancher irdischen Reiche, und darunter nahmentlich unsers lieben Deutschlands, immer mehr zusammenziehen, sind zwey Deutsche, Herschel und Schröter, mit einem Eifer, der sich nur allein mit dem Glück vergleichen laßt, wodurch er gekrönt wird, beschäftigt, die Gränzen eines andern zu erweitern (ich meine des ReichS unserer Kenntniß des Weltgebäudes,), und der Herrschaft des menschlichen Geistes, wenn dieser Ausdruck verstattet ist, Staaten des Himmels zu unterwerfen,) von denen sie bisher noch nicht anerkannt worden war. Andere Karten, terrestrische und cölestische, und andere Compendien der Statistik, der irdischen sowohl als der himmlische», kostet dieses Streben freylich. Aber wie gern zahlt man nicht für die neuen Ausgaben der letzter» Beyfall und Gele! Bey den erster» aber — wer sparte da nicht lieber sein Geld, oder, wenn er es endlich dafür hingibt, wer gibt es unter wahrhaft deutschen Männern mit Beyfall hin? Wie rein und friedlich sind nicht Mittel und Zweck bey den Eroberern in den Regionen des Himmels, wie einleuchtend ihr Verdienst jedem denkenden und fühlenden Menschen. Alles gehört dabey ihrem Genie und ihrem Fleiße. Aber mit den Thaten der andern, wie sieht cS da? Wie wird es damit stehen, wenn dereinst, nach über- siandencm Parorismus der Furcht und des unwillkürlichen Staunens, die Welt untersuchen wird, wie viel von den großen - 2 42 - Thaten dem eigentlichen Genie und der persönlichen Tapferkeit der Helden und ihrer Legionen, wie viel dem oft leider! gerechten und noch öfter dem künstlich bewirkten Nnimüh ihrer Gegner, wie viel der schleichenden Treulosigkeit und wie viel dem aus der Blase dcstillirten Enthusiasmus, ich meine dem allmächtigen Branntwein, zu zuschreiben sey? Die Beantwortung dieser Fragen ist nicht für diese Zeit, und wäre sie es auch. Loch sicherlich nicht für diese Blätter, — Es wird Alles gewogen, und hoffentlich auch manche That groß und wichtig befunden werden. Wer wollte daran zweifeln? Indessen als Sioff zu mancherley Betrachtungen mag eine Bemerkung, die in tausend Büchern sieht, auch noch einmahl hier stehen: Die Nahmen Hipparch, Ari- siarch, Nicetas, Copernicus, Tycho, 24 !? Keppler u. s. w. gehen mit einer Sicherheit zur Unsterblichkeit ein, für welche selbst die Feste des Himmels Bürgschaft leistet, und nicht eine Stimme von Bedeutung regt sich darwider. Hingegen Wichte cö sich so gar schon der Erzvater der Er« oberer, Alexander, gefallen lasten, daß ihn ein großer Dichter ") einen Narren, nun ein Schriftsteller von gewiß größerem Geist ai-S Eurtius Straßenränder nannte. Diesem Urtheile ist freylich hier und da bald aus Furcht, bald auS Conveuienz und bald aus bezahlter Pflicht widersprochen worden, aber schwerlich hat ihm je die sich selbst überlaste:-? Vernunft widersprochen. Nach ihr ist ein Kreis immer ein Kreis, sein Durchmesser betrage nun eine Spanne oder Tausende von Meilen. ') Pope. Addison. — 244 — Ich komme nun zu den friedlichen Eroberungen selbst. Herr Dr. Hcrschel hat seinem neuen Planeten, außer den zwey bereits bekannten Begleitern, nun noch vier hinzugethan, und davon in einer eigenen Schrift Nachricht gegeben *). Wenn man diese sechs von innen nach außen zahlt, so sind jene beyden bekannten der Ordnung nach der zweyte und vierte. Der innerste derselben (der erste) vollendet seinen Umlauf in 5 Tagen, Li Stunden, und der äußerste (der sechste) in 107 Tagen, 16 Stunden. Was diese Eroberung noch außerdem merk- ») Nach einem Schreiben deS Herrn la Lande an Hrn. v. Zach lS- Alig. Geogr. Ephem- L>. II. S. 78) beläuft sich die neue Eroberung so gar auf sechs, und der Georgs- Planet hätte diesem nach acht Begleiter. Weil aber von der Lage der beyden neuesten, so viel ich weiß, durch Hrn. Or. Herschcl selbst noch nichts bekannt gemacht ist: so halten wir uns in, Texte bloß an die sechs. — 245 — würdig macht, und ihr einen ganz eigenen Werth gibt, ist, daß die Bahnen dieser Körper so sehr wenig gegen die Ekliptik geneigt sind, und also dem allgemeinen Strom, den man sich zuweilen nach der Ordnung der Zeichen fließend gedachte, so wenig folgen, als manche Cvmeten. Sie durchschneiden mit ihren Bahnen die Richtung jenes vermeintlichen Stromes beynahe rechtwinkelig, ja, wie Herr 0r. Hcrschel versichert, so gehen sie ihm so gar entgegen, oder der Winkel, den man gewöhnlich den Neigungswinkel der Bahnen nennt, ist bey ihnen stumpf. Daß sich der Neigungswinkel des zweyten und vierten Trabanten einem rechten Winkel sehr näherte, war schon bekannt. Es wäre also gar wohl möglich, daß durch Störungen, die von der gemeinschaftlichen Wirkung der Sonne, der benachbarte» Trabanten und den ab- geplaücicn Körper des Georgs-Planeten selbst (denn abgeplattet ist er wohl nach Hui. vr. Herschcl's Beobachtungen gewiß), der Neigungswinkel auö dem stumpfen in den spitzen übergehen, und wieder zu dem stumpfen zurückkehren könnte. ES rr-are ferner möglich, daß der Winkel des Aequators des neuen Planeten, und folglich die Bahn seiner Punkte ebenfalls stumpf wäre, und sich diesiuc Planet, nach unserer Sprache zu reden, von Morgen gegen Abend um feine Achse drehte. Dieses wird die Zeit gewiß lehren. Wahrlich! kein Iaht hundert hat noch solche Proben von den großen Lchrgaben der Aeit gegeben, als das achtzehnte. Warum sollte man zweifeln? Die Abplattung des Planeten bat Hr, Or. Hcrschel schon gesehen. Die Frage isi also nun: wie liegt der Durchmesser seines Acquators, oder die 247 grosse Achse der Abplattung geg?n die Bahnen seiner Trabanten? In derselben Abhandlung redet Hr. Or. Herschel, mit aller der Vorsicht, die immer Männern von wahrern DeobachlungZ- geist eigen war, von einem doppelten Ringe um den neuen Planeten, und zwar einem nicht in dem Sinne doppelten, in welchem es der um den Saturn wirklich ist, sondern der Planet schien ihm gleichsam vierblät- tcrig und eins Figur zu haben, die etwa zwey Ellipsen bilden würden, deren Achsen sich in ihrem gemeinschaftlichen Mittelpunkte senkrecht durchkreuzten, oder, welches auf Eins hinauslauft, unter welcher ein Planet, der mit zwey breiten Ringen umgeben wäre, deren Ebenen senkrecht auf einander stände»^ einem Auge ungefähr erscheinen, wüste, daö sich in keiner von beyden Ebenen befände. Doch ist Alles hierin noch sehe ungewiß. — 248 — Hr. Dr. H. nennt es bloß eine Muthmaßung (surm'we). Denn an einem Tage merkt er ausdrücklich an, daß nichts von einem solchen Ringe zu sehen gewesen wäre. Indessen sey die Abplattung wohl gewiß. — Her sehe Ische Muthmaßungen sind aber, wie mich dünkt, nach der bekannten großen Bchnthsamkeit des Mannes, wohl so viel werth, als die apodiktischen Versicherungen von Beobachtern mancher andern Nation, die immer ganz glaubt, was sie halb sieht, so bald sie es ganz wünscht, und umgekehrt auch wohl einmahl ganz sieht, was sie halb glaubte. Es ist daher wohl der Mühe werth, kurz zu untersuchen, ob nicht die Herschc Ischen Beobachtungen von einer zuverlässigen Abplattung und einem muthmaßlich doppelten Ringe, von der Art, wie wir gesehen haben, sich vereinigen lassen. Wenn ein Planet von zwey senk- — 249 "" recht auf einander stehenden Ringen umgeben wäre, so find freylich von den Lagen, die diese Ringe gegen den Acguator desselben haben können, unzählige Fälle ge- denkbar. In jedem wirklich gegebenen Falle kann dieses allein durch Beobachtung ausgemacht werden. So lange aber, als die Beobachtung noch nichts Positives darüber lehrt, vielmehr noch Leitung von der Hypothese erwartet: so ist wohl das vernünftigste, was man voraussetzen kann. Folgendes: die Ringe liegen entweder beyde in Ebenen von Mittagskreisen, und verhalte» sich so wie etwa unsere beyden Solaren, oder (welches bey weiten der wahrscheinlichere Fall ist,) der eine liegt in der Ebene deS Aequators, und folglich der andere in der eines Mittagskreises. Ich bleibe hier bloß bey dem wahrscheinlichern siehe» r nähmlich dem Letzter». Drehten sich — SZ2 — nun beyde Ringe, der eine, in der Eben» des Acquatorö, um seine Achse, wie beym Saturn, der andere um einen seiner Durchmesser, tzer zugleich die Achse des Planeten wäre, in nicht gar großen Zeiten; so begreift man sehr leicht, ohne daß ich hier nöthig hätte, mich in Erläuterungen einzulassen, wie Erscheinungen, so wie sie Hr. Dr. Herschel bemerkt hat, erfolge» konnten und mußten. Befand sich nähmlich das Auge in der Ebene des Meridional- Ri'ngcs oder nahe dabey, so sah es bloß den Äquatorial-Ring, dessen Lage sehr viel beständiger seyn kann, etwa wie beym Saturn, und dieses gab die abgeplattete Figur. Oessnete sich aber durch Umdrehung auch der Meridional-Ring, so mußte, in gewissen Lage», der Planet vierblatteng erscheinen. Man begreift leicht, daß ein solches Ring-System eine solche Lage be- kommen könne, daß die Verschwindung des Meridional-Ringes siel) zwey Mahl in jeder Notations-Zeit, die des Acqua-- tvrial-Ringes aber nur etwa zwey Mahl in einer Nevolutions-Zeit ereignen kann, letztere also beym Georgs-Planeten nur ungefähr alle qz Jahre, und erstere im Verlauf von wenigen Stunden. Daß übn- gcns ein solches Armillar-System sich um eine solide Kugel herumbewegen könne, leidet wohl keinen Zweifel, so wenig, als daß sich ein hohler Planet entweder für sich oder noch mit einer soliden Kugel innerhalb derselben zugleich um eine Achse und um die Sonne drehen kann. Wie wenn Jupiter, der bey einem so großen Umfange doch so wenig Masse hat, so etwas wäre? Schade, daß der Gcorgs-Planet sich jetzt stark den südlichen Zeichen nähert, wodurch nach und nach hie Beobachtungen des- selben für unsere Gegenden immer mehr werden erschwert werden. Doch was laßt sich nicht am Ende von Herschelschen und Sch röter sehen Teleskopen und Fleiß, und am Ende gar von Vidal's *) Augen erwarten? Ich komme nun zu den Eroberungen unsers zweyten Landsmanns, Hrn. Ober- amtmann Schrötcr's. Sie sind, wenn ') Vidas, ein Astronom aus MIrcpoix In Ober-Languedoc, hat, wie Hr. la Lande (Allgem. Geogr. Ephem. Julius 1798.) versichert, nicht allein den Mercnr Ig Secunden vorn wahren Mittage, und bey einem Unterschiede von nicht mehr als §6 Minuten zwischen seiner und der Sonne Abweichung gesehen, sondern auch den Jupiter bey seiner Conjunction Z Zeit Minuten nach der Sonne. Wenn dieses ferner so fortgeht, so wird man endlich noch Bedeckungen der Venus durch die Sonne beobachten. Wie viel hierbey, außer dem scharfen Gesicht des Beobachters, der besondern Beschaffenheit der Werkzeuge und der Reinheit dcS Himmels zugehört habe» möge, wird nicht gesagt. mein Urtheil nicht trügt, von dem größten Belang, wahre, unvergeßliche Fortschritte in unserer Kenntniß des Weltgebäudes, und was sie jedem Naturforscher besonders werth machen muß, enthalten sie selbst Grundzüge zu einer vergleichenden Plärr e t e n - L e h r e, die nunmehr nach Schrö- ter's Bemühungen wohl verdienten, ein eigenes Capitel, so wohl in unsern Astronomien, als in unsern Theorie» der Erde und Meteorologien einzunehmen. Unsere Erde und alle Planeten mit ihren Trabanten, sind Mitbürger desselben StaatS, laufen alle um einerley Sonne, empfangen ihr Licht und wahrscheinlich ihre Wärme, aus einerley Quell, und schwimmen in demselben von unserer Sonne beherrschten Raum, dessen Schrot so wohl als Korn (Lörbigkcit und Beschaffenheit von Materie,) von eben dieser gemeinschaftlichen Sonne abhängen — 2Z4 — mag. Es kann also auch an ähnlichen gemeinschaftlichen Ereignisien nicht fehlen. Und wie groß sind nicht die Aehnlichkeiten, die man schon wirklich entdeckt har'^ Atmosphären und Dämmerung; wolkcnartige Erscheinungen; Spuren von stuckern Rcvo- lutioncn in den südlichen Halbkugeln als in den nördlichen, letztere auf dem Monde, auf der Venus und nun aus dem Jupiter, so gt»r wie auf unserer Eide. Gerade, als wäre auf unserer Erde so wohl als den genannten Planeten, Süden und Norden nicht eine bloß mathematische Unterscheidung, sondern habe eine sehr allgemeine, durch unser ganzes Sonnen-System wirrende physische Ursache zum Grunde; ungefähr wie Magnetismus, welches auch wirklich Franklin, wo ich mehr irre, schon ge- nmchmaßt hak. Man kennt schon die m-erk- würd.'gen Beobachtungen dieses Astronomen über die atmosphärische» Erscheinungen im Jupiter, aus dessen Beyträgen zu den neuesten astronomischen Entdeckungen, die Herr Bode bereits vor zehn Jahren herausgegeben hat. Alles dieses findet sich mrkr theils bestätigt, theils sehr erweitert in seiner neuesten Schrift *), aus welcher ich, was nun noch folgt, genommen habe. Aus einem so reichhaltigen Werke würde jeder Aue-zug dürftig seyn müssen, auch wenn er so viele Seiten dieses Taschenbuchs einnehmen könnte, »!S ihm hier Zeilen verstattet werden können. Alles, was hier geschehen kann, ist, höchstens die Neuzicrde der Leser zu rcitzen, ihre völlige Befriedigung, die nicht für diese Manchen ist, m ircnci-! vc^triixe Lnr üivveitcruux Ucr Ltcmtliinlie. LüttinZvil I7YS. ^ tl Rni-t'cr»kc1n. Auch mit dcm TitrI: Ncx- trü§e LN. cteii :r8lronvruttctrcii kri>t,!§ci>. Lvsi-/i.er Nriiä, - 2)6 - dem Buche selbst z» suchen. Vorläufig muß ich noch erinnern, daß Herr Dr. Schröter allen diesen Beobachtungen dadurch einen eigenen Werth gegeben hat, daß er sie mit gleichzeitigen, durch andere Werkzeuge von einem andern ebenfalls sehr bewahrten Beobachter, Herrn Harding, angestellten zusammen gehalten hat. Einer hielt dem andern gleichsam Gegenrcchmmg. Ein Verfahren, das jeder vortrefflich nennen muß, der weiß, wie leicht bey dergleichen Beobachtungen, so wohl die individuelle Beschaffenheit der Augen des Beobachters, als vorzüglich des Werkzeugs, die Beobachtung zu niodificiren im Stande sind. Vorzüglich wird diese'Conkrole, selbst für die Sicherheit des Ruhms der Beobachter nöthig, wo es solche Erweiterungen in der N'akurlehre gilt, wie hier, wo wahrlich sehr verzeihliche Freude über den — 2Z? — neuen Anblick und geheime Wünsche, daß er es wirklich seyn wöge, einer Favorit- Hvpvthese so leicht Gelegenheit gibt, sich in die Beobachtung einzuschleichcn, und sich wit ihr, als wäre sie selbst Thatsache, zn vermischen; wo ferner, um sich selbst von der Wahrheit des versicherten zu überzeugen, Werkzeuge nöthig sind, deren Gebrauch nur Wenigen zu Theil wird. Indessen, wer den ganzen Gang der Sch röte rschen Beweise studirt, und die Pünktlichkeit zu schätzen weiß, womit die Beobachtungen erzählt werden, würde sich auch schon von der Wahrheit der Behauptungen, ohne jene Contrvle, überzeugen, die übrigens die Nachwelt allemahl als sehr verdienstliches oxus superekoZationis mit Dank erkennen wird. Ehe ich zu einigen Haupt-Erweiterungen unserer astronomischen Kenntnisse, die wir N VLI. Hru. Dr. Schröter zu verdanken haben, komme, kehre ich noch einmahl zu den von demselben bemerkten atmvfphärnche,, Veränderungen auf dem Jupiter zurück. Er hat nicht allein in den Streifen desselben sehr große und gewaltsame Veränderungen bemerkt, z. B. ungewöhnliche Beugungen, sondern auch einen großen Theil der südlichen Halbkugel, die überhaupt den größte» Veränderungen unterworfen ist, grau werden sehen, nnd bald darauf wieder helle, unabhängig, versteht sich, von allen Einflüssen unserer Atmosphäre. Auch zeigte sich zuweilen der Umfang Jupiters beyden Beobachtern und durch verschiedene Werkzeuge an einer Stelle wie eingedrückt, platter, als die stäts Krümmung der Figur desselben mit sich brachte. Daß dieses keiner Unsörmlichkeit in manchen Meridional- Schnitten des Jupiters-Sphäroideö selbst. — 2Z9 — sondern vielmehr einer Strahlenbrechung in der Atmosphäre desselben zn zuschreiben sey, wird scharfsinnig gezeigt. So erscheinen bey uns Sonne und Mond beym Auf- rmd Untergänge öfters oval, und ein Ey in einem Glase mit Wasser betrachtet, öfters kugelrund. Da aber diese Abplattungen nicht beständig waren, und sich weder in denselben Längen noch Breiten auf der Jupiters-Kugel zeigten, so zeugt dieses wiederum von großem Wechsel in Jupiters Atmosphäre, der unmöglich ganz ohne Einfluß aus seine solidere Oberfläche bleiben kann. Wie wenn nun Jupiter mit seiner Atmosphäre für uns ein Vorbild wäre? Auch unsere Erde hat große Revolutionen erlebt, denen gewiß atmosphärische vorausgingen, ehe die der solideren Theile erfolgten. Auch auf unserer Erde mag sich die südliche Halbkugel früh genug vor der N 3 2ÜO nördlichen, ausgezeichnet haben, da wahrscheinlich von dort die große Revolution ausgegangen ist ^). Wie wenn Jupiter jetzt in seiner Entwickelung erst da wäre, wo unsere Erde war, als das Meer unser jetziges festes Land bedeckte. Da die Sonne wohl ein Hauptqucll solcher atmosphärischen Gährnngen ist, so könnte theils die größere Masse, auf welche sie dort zu wirken hat, theils die größere Entfernung, auö welcher sie auf dieselbe wirkt, die Dauer dieses Prozesses verlängern. Frey- ") Diesen Gedanken hat kürzlich Herr Dr. und Professor Förster zu Halle mit dem ihm eigenen und bekanntlich von den mannigfaltigsten Kenntnissen unterstützten Scharfsinn in einer eigenen Schrift: Beobachtungen und Wahrheiten, nebst einigen Lehrsätzen, die einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit erhalte» haben; als Stoff zur künftigen Entwer- fung einer Theorie der Erde. L. Leipzig i7SS- ausgeführt. 26l lich ist Jupiter für meteorologische Beobachtungen etwas weit von unk- entfernt, wir übersehen aber auch dafür die Hälfte seiner ganzen Oberfläche, und folglich gerade was uns bey unserer Erde abgeht, nähmlich das Stätere und Beständigere, das durch den tausendfältigen Wechsel, den uns bloß die Nähe bemerklich'und wichtig macht, nicht gestört wird. Wie mag wohl der Stand der Monde des Jupiters beschaffen gewesen seyn, als die großen Veränderungen bemerkt wurden? Was für ein Phänomen auf unserer Erde könnte jenem Grauwcrden auf dem Jupiter corrcspon- diren? Plötzliche Nebel vielleicht, deren schneller Wechsel dort oben durch die Schnelligkeit der Umdrehung und des Wechsels von Tag und Nacht nothwendig begünstigt werden muß, da ein Tag auf dem Jupiter noch nicht einmahl ^ bes mistigen 262 beträgt 2). Daß unsere Erde, vorn Air piter aus angesehen, sich mit eben solchen Aequatvria'-Streifen zeigen würde, hat man, wo ich nicht irre, doch erst mit haltbaren GiüuLen gcmuihmaßl, seitdem man sich genöthigt gesehen bar, Iupiiers- Slrestcn für etwas Atmosphärisches zu erkennen. N»n erst konnte man es wagen, durch diese Punkte, wodurch uns, auf unserer Erde, zwischen den Wendekreisen, die Regenzeit gegeben ist, eine siaie Linie zu ziehen. Auch aus unserer Erde mögen die Beguawrial - Streifen durch die heftigen Orcane in Westindicn und in der Gegend der Mau: itinö-Insel sehr beträchtliche Einbeugungen erleiden. Wie lehrreich selbst für unsere Meteorologen wäre es zum Bepspiel nicht, wenn es sich auf dem Ju- ') Im Durchschnitt, aus mehr-rcn Beobachtuiv gen, 9 Ekund,, Z5 Min., 17,6 S-c. piter fände, daß große Einbeugungen in den Haupkstreifcn bald andere Streifen in höben, Graden der Breite bewirkt hätten? Es wäre immer ein Wink für uns, hier in der gemäßigten Zone der Erde, manche Veränderung in unserer Witterung auö je, rien, oder jene aus diesen zu erklären, und überhaupt größeren Zusammenhang in daö Ganze zu bringen. Ich breche hier ab, weil ich eS von der einen Seite billig finde, voraus zu setzen, daß der Theil meiner Leser, für welche diese Betrachtungen gehören, mich verstanden habe, von der andern aber unmöglich, mich in diesem enge» Raume mit der Umständlichkeit zu erklären, die mancher andere fordern möchte. Ich füge daher nur noch Folgendes hinzu, das jenen erster» nicht lästig, den letztern aber vielleicht belehrend seyn kann. Folgen aus der Beschaffenheit des festen Bodens und — 264 — seiner Lage gegen die Sonne, bleiben diesem Boden eigen, nnd ohne nähere Kenntniß desselben laßt sich nichts ausmachen, nicht einmahl auf unserer Erde, viel weniger auf einlernten Weltkörpern. Jeder Boden genießt und verbraucht, wenn ich so reden darf, sein eigenes Packwerk. Hingegen nur den Brauereyen der Armospbäre ist «s ganz etwas Anderes, daran nehmen wir Alle Theil, vorn Aequakor zum Pol, und von Pol zu Pol, oft in kurzer Zeit. Von dem Werthe dieser veränderlichen Größen, verbunden mit jenen beständigen« hängt alle Verschiedenheit in den Resultaten ab. Unter den atmosphärischen Veränderungen auf Planeten, gibt es aber gewiß welche, die allen gemeinschaftlich sind; und gerade diese sind es, die den Jupiter für uns so merkwürdig machen. Die Schlüsse daraus von einem Planeten — 26; — auf den andern, mögen immer verwegen scheinen, sie sind es aber in der Tbar weit weniger, als die aufwärts steigenden von dem beschränkten Destillir-Kolben zu den Prozessen in unserer Atmosphäre. Es ist einer der schönsten Gedanken von d e Lüc, wenn er sagt, daß man bey Untersuchung der Natur, den Prozeß an mehreren Enden zugleich anhängig machen müsse. Man muß bev Entwerfung der Karte des großen Reichs die Triangel-Operation an mehreren Enden zugleich anfangen, und am Ende zusehen, wo der Fehler liegt, wenn sie nicht zusammenpassen. Bey jedem einseitigen Verfahren würde sich der einmahl begangene Fehler ins Unerchliche fortpflanzen. Die Erklärungen der Phänomene der Natur müssen einander entgegen kommen, oder — sie biethen sich einander nie die Hand. Ich muß hier zum Beschluß dieser 266 Träume die Leser unsers Almanachs an das erinnern, was ich über Traume dieser Art im vorigen Jahrgange gesagt habe» Mit Hypothesen zu erperimcntircn, ist an sich eine Operation, die eben so nützlich als Lmschuldig ist, wenn sie in die rechten Hände fällt, und wie viel dangt nicht in der Welt von den rechten Händen ab? Sie gleichen übrigens dem Feuer, von dem man zu sag?» pstegt, es sey ein vortrefflicher Diener, aber ein sehr gefährlicher Herr. Unter die vorzüglichern Geschenke, womit Hr. Or. Sch röter die Astronomie bereichert hat, gehört die Bestimmung der Durchmesser der sämmtlichen Jupiters- Trabanten, von welchen man vor ihm Wenig oder Nichts gewußt hat. Ich setze seine Bestimmungen hierher. Die mit großer Genauigkeit durchgeführten Beweise von der Wahrheit derselben, so weit sie sich in einer -— 26? '— solchen Entfernung finden läßt, muß man im Buche selbst nachlesen. In folgender Tabelle cuchält die erste Colnmne die Ordnung der Trabanten von Innen nach Außen gezählt: die zweyte die scheinbaren Durchmesser derselben vom Jupiter auS gesehen; die dritte den wahren Durchmesser in deutschen geographischen Meilen zu Z807 altfränkischen Toisen gerechnet; die vierte die Größen eben dieser Durchs Messer in Theilen des Jupiter-Durchmessers. Diesen habe ich noch mancher Leser wegen eine fünfte und eine sechste hinzugethan, wovon jene eine Vergleichung der Größe (volumon) des Trabanten mit der Größe unserer Erde, diese aber eine ähnliche Vergleichung mit unserem Monds enthält, wobey der Durchmesser der Erde zu 1720, und der des Mondes zu 465 geographischen Meilen angenommen ist» Die erste Aeile durch die ganze Tabelle von der Linken zur Rechten durch wäre daher so zu lesen: der Durchmesser deS ersten Trabanten erscheint einem auf dem Jupiter befindlichen Auge unter einem Winkel von 33 Min. i6 See. *); sein Durchmesser betragt 564 geographische Meilen, und ungefähr von Jupiters Durchmesser; seine Größe verhalt sich zu der von unserer Erde wie 12 zu 283 (ist also etwas über 23 Mahl kleiner); und zu der unseres Mondeö wie 17 zu 10 u. s. w. Man sieht hieraus, daß der zweyte Jupiters - Trabant unserem Monde gleich, die übrigen aber alle größer sind; der d» itte so gar über fünf Mahl, und sich einem Neuntel unserer Erde nähert. Also ungefähr so groß als unS unser Mond tn seiner Erdnähe erscheint. 269 Qrdn. iSchcln- der 2fibarer Tro- iDtamct. bauten a»s dem 2: gefeit, en Diamct. in geo- graph. Metten 2 » Theilen SeS 2,. Ota- Utcterü VerhSlt- uitz ru unserer Erde Verhälk- »tß zu unserm Monde I zz^ lü" 564 3^4 10: r.8Z 17 : 10 II 17' ,z" 46 ; I -PL ev : 500 I0: IQ III >8' 59 " 8>8 I ,0:9z 5; - 10 IV 7/ zr" 57 o I tv: 2.74 >8 : !o Ferner ist es nun mit einer Klarheit, die Wenig oder Nichts zu verlangen ribrig läßt, erwiesen, daß so wohl alle vier Jupiters-Trabanten, als die fünf alten Saturnus - Trabanten, sich eben so um ihre Hauptplaneten bewegen, wie der Mond um unsere Erde, das ist, ihnen immer dieselbe Seite weisen, oder mit andern Worten: sich bey jedem Umlaufe um den Hauptplanetcn auch ein Mahl um ihre Achse drehen. Nach Hrn. Dr. Schröter's Bemerkung, hat schon Hart- soeker im Jahr 1726. so etwas gemuth- 272 maßt. Ich darf also kaum sagen, daß ich im vorige» Jabrgange dieses Taschenbuchs, durch vielfaliigere Gründe als Harr socke r unterstützt, dasselbe, ohne Harl socke r's Schrift zu kennen, gemuthmaßt habe. Man lernt übrigens auch aus diesem Theile der Geschichte, daß cS leichter ist zu muih- niaßen, als zu beweisen und zu erfinden, daß sich aber auch die flüchtigsten Muthmaßungen nicht selten bestätigen, ja den Beobachter bey seinen Prüfungen leiten und so endlich zum Beweis führen können. Es sind uns also nun in unserem Systeme außer den sieben Hauptplaneten, zwanzig Ncbenplaneten (Subalternen nennt sie Herr Dr. Sch röter,) bekannt, (wenn sich anders die Nachricht von dem siebten und achten um den Georgs - Planeten bestätigt) '"). Bekanntlich hat st- das ntcht gethan; sie war durch einen bloß-n Irrthum entstanden. Anmerk. der Herausgeber. Von diesen zwanzig rotiren zehn, eigen!» lich alle, von denen man überhaupt weiß. Laß sie rotiren, so um ihre Hauprpläneren, wie der Mond um unsere Erde, oder wie Mücken um eine Lichtflamme; sie kehren dem Hauptplaneten immer dieselbe Seite Zu. Da uun von zwanzig Stimmen, wen» ich so reden darf, zehn bereits für diese Taktik der Subalternen sind, und zehn darunter noch gar nicht gestimmt haben, so ist wohl kaum an der allgemeinen Annahme dieses Gesetzes mehr zu zweifeln« Dieses sind wahre Fortschritte in der Natur- lehre, die schon allein im Stande waren, unser iZkcs Jahrhundert auszuzeichnen. Dieses merkwürdige Phänomen scheinr, wo ich nicht sehr irre, auf gewisse Modifikationen der allgemeinen Schwerkraft, Lurch eine Art von Affinität, hinzuweisen, die jener Kraft zwar analog, aber wesentlich von ihr verschieden ist. Daß dieses Phänomen von der Nabe der Subalternen bey ihren Hauptplaucten abhänge, hat Herr Dr. Schrörer vortrefflich bemerkt. Wenn wir die Lage des Körpers der Eometen gegen unsere Sonne, nach der Lage ihres Schweifes, bestimmen dürfen (und was für einen Inder könnten wir sonst annehmen): so verhalten sich unsere Comeien gerade so gegen die Sonne, wie die Trabanten gegen ihren Hauptplaucten, nur nüt dem selbst sehr sichtbaren Unterschiede, daß die Trabanten aus solideren, durch Cohasionskraft fester verbundenen, vermuthlich aber vorher tropfbar - flüssigen Massen, hingegen die Comcten aus einer an sich sehr expansiv - flüssigen bestehen. Was also bey erster» wahrend ihres tropfbarflüssigen oder weichen Zustandes einen bloß verlängerten Durchmesser des Spharoides 27Z bewirkt, kann bey letztem einen Schweif erzeugen, zumahl wenn man annimmt (und so etwas befiehlt die Analogie), daß unter den Theilen des expansiv - flüssigen Körpers eben eine solche Verschieoenheit von Affinitäten Statt findet, als unter denen, des soliden. So bemerken wir aus unserer Erde die Wirkungen der ausdehnenden Kraft der Warme bey manchen festen Körper» mit Mühe durch künstliche Pyrometer, bey den Lustarteu und den Dampfen mit Leichtigkeit, obgleich beyde gegen die Erde schwer sind. Hieraus folgte nun, daß die seltsame Form der Cometen theils von ihrer expansiv - flüssigen Beschaffenheit, und theils von Affmitatö - Relationen ihres Stoffs gegen die Materie der Sonne herrühre, der, ungeachtet jener Eigenschaften von Expan- sibilitäc und Relationen gegen die Sonncn- Materie, dennoch in gewissem Grade der S vn. 274 allgemeinen Schwere unterworfen bleibt. Es hat mich daher außerordentlich gefreut, zu sehen, daß meine schon langst über diese Materie gefaßte Meinung, mit Herrn Dr. Schrdter's auch von demselbrn schon in altern Schriften geäußerten Muthmaßungen, wenigstens von Einer Seite übereinkömmt, nähmlich in der Annahme einer nähern positiven oder negativen Verwandtschaft der Cometen mit der Sonne, als die, auf welche die Planeten Anspruch machen können. Bey diesen ist es mehr allgemeine Schwere als partikulare Affinität ; bey jener mehr partikulare Affinität als Schwerkraft. Warum sollte auch i» dem ungeheueren Gefäße, worin Sonne, Planeten und Cometen schweben, sich, der Schwerkraft, die die Haushaltung im Großen führt, unbeschadet, Spuren anderer Kräfte zeigen können. Ein Magnet, der sn Stärke die großen Knigh tischen Magazine tausend Mahl überträfe, könnte die Woussolen einer ganzen Stadt stören. ES würde sich aber auch hier eine Distanz finden lassen, wo sie dem großen Gange folgen würden, den ihnen der allgemeine Magnet, die Erde, vorschreibt, ohne merklich von jene» ersten gestört zu werden» Es scheint, die Planeten halten sich von der Sonne, so wie die Subalternen von ihren Hauptplsneten in solchen Distanzen, worin der große Gang der allgemeinen Schwere mit seinen Folgen nicht durch Partikulär-Affinitäten gestört werden, die höchstens ihren Einfluß durch Veränderung der Figur so lange können gezeigt haben, als der Körper tropfbar-flüssig oder wenigstens weich war. Dir Cometen scheinen sich in Rücksicht auf die Souue etwas weit innerhalb jener Gränzen zn wagen, und S s doch zeigt sich die Einwirkung noch immer bloß in Veränderung der Figur, ohne im Stande zu seyn, den Zusammenhang ihrer Theile, die ihren Grund in der Schwere hat, ganz aufzuheben. Würde der Mond in einen Dunst verwandelt, vorausgesetzt, daß die Affinitäten seiner Theile gegen unsere Erde dadurch nicht verändert würden, so zweifle ich keinen Augenblick, daß seine Figur eine gar merkliche Veränderung erleiden würde. So wie er aber auch jetzt ist, wollte ich ihm doch nicht rathen, sich sehr tief in' unsere Affinitäls - Sphären herein zu wagen: den» nur ein Paar Umstände anzuführen, so könnte ihm, wenn er z. B. viel Eisen führte, ein gar beträchtlicher Streich durch seine Notationsund Revolutionö-Rechnung gemacht werden, oder, gesetzt er hätte nur wenig elektrische Materie an Bord, oder gar keine, so 2?7 wäre es leicht möglich, daß er von unserer gut damit versehenen Erde eine so derbe Lage davon erhielte, daß er wohl nicht leicht wieder käme. Freylich, wer bey einem solchen Rcncontre den größten Verlust erleiden würde, Wir oder Er, käme bloß daraus an, wer von Uns beyden die Relation von der Affärc machte. — Doch allen Scherz bey Seite, glaube ich, daß die Distanzen der himmlischen Körper von ihren Mittelpunkte» der Bewegung, auch die Absicht haben, jenen Partikulär-Einflüssen auszuweichen, oder sie haben sich in diesen Entfernungen, wo jene Einflüsse unmerklich wurden, nur allein erhalten können. Die Ringe um die Planeten erhalten aus dieser Vorstellung auch eine nicht ganz unwahrscheinliche Erklärung. Daß sich in den Trabanten-Bahnen keine zusammenhangende Ringe formirt haben. — s?8 — könnte bloß auö einem Mangel an Materie herrühren, die sich bloß in dieser Distanz gegen jene Einflüsse erhalten konnte.-- 1 !m die rundlichen, einzelnen, elektrische»« Wolken sder englische Matrose nennt sie X^ool pscks (Wollpacks), j finden sich zuweilen dünne, aber breite Ringe, die eine unverkennbare Aehnlichkeit mit dem Saturn und seinem Ringe haben. Mein Bruder hat, im ersten Stücke des von ihm herausgegebenen Gotbaischen Magazins, eine solche Wolke in Kupfer stechen lassen, und S i2y beschrieben; nnd ich habe noch i» diesem Sommer (1798) eine ähnliche bemerkt , nur war sie runder und der Ring dünner und breiter; auch habe ich in dein Ringe keine Bewegung bemerken können, die man dort gesehen hat. Ich habe bey der Beobachtung nichts so sehr bedauert, als für diese herrliche Erscheinung keine»« — 279 — Zeugen gehabt zu haben, den sie, so wie mich, intcressirt hätte. Mein Aufenthalt außer der Stadt, und die voraus zu sehende Vergänglichkeit des Phänomens selbst, hielten mich ab einen zu suchen. Daß Ring und Wolke zusammen gehörten, und ihre Form dem wechselseitigen elektrischen Gehalt, und dem specifischen Gewicht der Bläschen zu danken hatten, leidet kaum einen Zweifel. Der Ring schien eine horizontale Lage zu habe», oder auf der Oberfläche eines Flui- dums zn schwimmen, in welches sich dir kugelichte Wolke etwa auf die Hälfte eingetaucht hätte. Ach zeige hier bloß daö Phänomen an, um Aufmerksamkeit zu erwecken, ohne mich weiter auf Analogie zwischen der Enrstrhungkkraft dieser Ringe und der planetarischen, an diesem Orte, einzulassen. Nur seyen mir noch folgende Fragen erlaubt: Ist nicht die Einwirkung 28o des Lichts der Sonne auf unsere Erde und deren Atmosphäre, schon ein Beweis von unserer Eintauchung in eine AffinitätsSphäre und Schicht der Sonne, die mit der allgemeinen Schwere nichts zu thun hat? N :ch Allem, was wir über die Natur des Lichts und der Wärme wissen, wäre es möglich, daß unsere Erde von der Sonne erleuchtet würde, ohne davon erwärmt zn werden. Da sie aber dadurch erwärmt wird, so kann dieses nur allein durch Affinität einzelner Stosse geschehen. Wasser- dämpfe erhalten dadurch Erpansibilikät, erheben sich der Richtung der Schwere entgegen, ohne deßwegen das Gesetz unserer Gravitation gegen die Sonne zu stören. Könnten nicht in andern Entfernungen von der Sonne ähnliche Affinitäten eintreten, die jenes Gesetz eben so wenig störten? — Was ist das Thierkreis-Licht? Berührt es die solide Kugel der Sonne, oder hängt sie bloß in ihm, ohne von ihm berührt zu werden? Ist nicht unser Nordlicht eine solche Affmitäts-Erscheinung zwischen Stoffen der Erde und der Sonne, independent von allgemeiner Schwere? -- Jedoch ich breche hier ab, zufrieden damit , aus den Gedanken aufmerksam gemacht zu haben, daß, gerade so wie die allgemeine Schwere die Umlaufszciten re- gulirt, die Körper selbst bloß als anziehende Massen betrachtet, eben so andere Einflüsse eine Menge von besonderen Erscheinungen auf ihnen rcguliren können, die mit jener Attraktion nichts zu thun haben. Der größte Körper unsers Systems, die Sonne, zeigt, eben weil er der größte ist , dieses deutlich, und wird dadurch zum Fingerzeig auf Einwirkungen anderer Planeten. Sollte wohl Manches, was man vom Einfluß 2Z2 —- dks Mondes in seinen Syzygien und Vier- tekn bemerkt haben will, zumahl, wenn erstere mit seiner Erdnähe zusammen treffen, Fabeln seyn? Und zwar bloß deßwegen Fabeln, weil es sich nicht aus der allgemeinen Schwere erklären laßt? Ich gestehe gern, daß ich dieies nicht glaube, so sehr ich auch begreife, daß eine solche Lehre dem Aberglauben hier und da freyeres Spiel geben würde. Aber wirb es der Vernunft je möglich seyn, ein neues Feld urbar zu machen, ohne daß ein neues Ungeziefer deS Aberglaubens sich dabey einstellte? Wenn es, und wie ich glaube, mit großem Recht, für verdienstlich erachtet wird, unser Sonnensystem mit großem Aufwand von Gebäuden lind Werkzeugen bloß als einen Attrakrions - Versuch zu behandeln; ja wenn es, und gewiß mit.gleichem Recht, so gar ein Verdienst ist, Fixsterne wie Farbenstifte zu einer Mosaik für Sterncn- bilver an Sem Himmelsgewölbe aufzuzählen; so kann es unmöglich ganz »«verdienstlich seyn, künftig sorgfältige Rücksicht auf, wenn ich so reden darf, chemische Verwandtschaften wenigstens der benachbartesten Körper unsers Systems zu nehmen, die von der allgemeinen Schwere wesentlich verschieden sind, und zu einer Erklärung manches Phänomens führen können, was aus jener unerklärlich ist. — Alles, was ich dieser Hypothese in die Haushaltung zürn neuen Jahre wünsche, ist, daß Niemand aufstehen möge, der hier mit Lebenskraft in die Queere kömmt, und sich etwa die Phänomene des menschlichen Körpers unter einem Mikroskop betrachtet denkt, wo die Wlutkügelchcn wie 48 Pfänder, oder gar wie Weltkugeln, in unübersehbaren Ströme» zu einem Zweck hinstürrnen, wovon wir nichts begreifen, sich zertheilen, entfärben, ansetzen u. f w , und das Alles nicht durch das Worr Schwerkraft, sondern auf das Allmachtsworr Reitz und Lebenskraft. Doch ich ermuntere mich aus diesen Traumen, um noch wachend anzumerken, daß Hrn. 1)r. Schrölcr'S angeführte Schrift noch eine Menge der trefflichste» Untersuchungen, so gar über die Atmosphäre der Jupiters-Trabanten, enthalt, die nichts weniger als schwankende Voraussetzungen sind. Die Atmosphäre der nächsten am Jupiter scheinen nähmlich unruhiger zu seyn, als die der entfernteren. Eine vortreffliche Bemerkung, nicht ohne Nutzen, selbst in der vergleichenden Planetenlchre. Drehte sich unser Mond schneller um seine Achse, so würden wahrscheinlich die atmosphärischen Erscheinungen in ihm mehrercm Wechsel unterworfen seyn. so wenig auch der Mond verdunstbarcn Sloffö enthalten mag, der durch die Sonne eine Ingredienz seiner geringen Atmosphäre werden kann. Wendete hingegen unsere Erde nur ein Jahr hindurch der Sonne dieselbe Seite z», so würden sich die Witterungen auf den beyden Halbkugeln derselben, der hellen und der dunkeln, sehr bald einer gewissen Beständigkeit nähern, so sehr unterschieden sie auch unter sich eine von der andern auf den beyden Halbkugeln seyn möchten. Hr. Dr. Schröter gibt ferner in dieser Schrift noch eine Reihe sinnreicher Gedanken über die Cometen, und einen höchst merkwürdigen Sonnenflecken. Es ist schon dem Raume nach unmöglich, hier etwas davon beyzubringen. Es soll aber künftig nicht versäumt werden. Sie sollen erscheinen, vielleicht mit Träumen vermischt, die, was sie auch seyn mögen, immer, als solche, Ent« schuldigung verdienen. Im Büchelche», wie dieses, stehen letztere immer mit ge, höriger Entschuldigung, so lange sie zugleich die strengen Beobachtungen mit geben, auf dir sie sich gründen. Die Beobachtungen des vortrefflichen Astronomen, von welchem hier die Rede war, geben ohnehin in seinen eigenen Werken, ihren eigenen Gang zur Nachwelt fort. Aus den Träumen des Almanachsschreibers über dieselben kann jeder Leser an dem Morgen des nächsten neuen JahrS oder noch früher, wenn eS ihm beliebt, erwachen, und ich für meine Person werde nicht der Letzte seyn: der ihm zuruft: Guten Morgen! Kurze Zusammenstellung der vorzüglichsten Ereignisse bey dem ungewöhnlichen Ausbruche des Vesuv im Sommer 1794. Bis jetzt nennt die Geschichte hauptsächlich drey Ausbrüche dieses Vulkans, die sich durch fürchterliche Größe, durch eine Schauder erweckende Erhabenheit, und durch eine gewisse Majestät und Pracht in ihren Verwüstungen vor allen andern auszeichnen. Wahrscheinlich werden diese dereinst auch selbst in der großen Geschichte dieses Berges, wenn die Zeit das Andenken an die kleinen Feuerwerke, die er zur Unterstützung der Zeitungsschreiber und Journalisten zuweilen abbrennen läßt, längst wird verwischt haben, noch als Haupt-Besiimmungspunkte sük den großen Gang dieses Naturwerks zu seinem endlichen Zweck, stehen bleiben. Der erste ist der, durch welchen im 7ysten Jahre deö ersten Jahrhunderts der altere Pliniuö umkam, und Herkulannm und Pompeji verschüttet wurden; der zweyte der vom December lüzl., wobey die See so zurücktrat, daß der Hasen von Neapel wie vertrocknet da lag; rud der dritte, der vom Junius 1794- , dem wir nachstehende Blatter vorzüglich widmen wollen. Eine umständliche Erzäblung auch nur der merkwürdigsten Vorfalle gehört nicht hierher. Eine gedrängte Zusammenstellung des Hauptsächlichsten hingegen, wird von der einen Seite selbst denjenigen unsrer Leser nicht ganz unwillkommen seyn, die mit der Sache im Detail schon bekannt sind, zur Uebersicht; so wie sie von der andern die übrigen reitzcn kann, sich mit dem Detail dieser großen Natur-Begebenheit bekannt zu machen. Das Letztere war immer der Hauptzweck der ernsthaften, Aufsätze die man diesem Taschenbuche einverleibt bat. Der große Ausdruck) von, Jahr 1779-, wobey eine ungeheuere Menge Lava auf einmahl ausgeworfen wurde, hatte den Kegel des Vulkans gleichsam bepanzert, »nv ihm einen Grad von Festigkeit gegeben, so daß seil der Zeit fast alle Schwächung der innern Kraft durch kleine Emledigung fast gänzlich aufhörte. Sieben Monathe vor dem Aukbiuche war der Berg ungewöhnlich ruhig; auch fehlte so gar die sonst gewöhnliche Rauchsäule. (Ein berühmter Naturforscher, der sich zur Zeit des Ausbruchs in Neapel befand, äußerte mündlich gegen mich die sinnreiche Muthmaßung, die wohl einer ernstlichen Prüfung T VII. — 2YS — werth wäre, daß dieser gänzliche Mangel der Rauchsäule nicht so wohl einer Verstopfung der Qessnuug, als vielmehr einem Einsaugen atmosphärischer Luft wöge zuzuschreiben seyn). — Einige Tage vor dem AuSbruche bemerkt man um den ganzen Berg eine dicke Lust, einen Dunst, der Sonne und Mond ein rötbliches Ansehen gibt- — Die Quellen nehmen ab; man muß die Brunnen-Seile täglich verlängern; manche Brunnen ver eckuen ganz. Man bemerkt es, achtet aber nicht viel darauf. — Zwischen dem Erster und der Stadt Torre del Greco zeigen sich Auebrüche von Rauch hier und da mit Getöse, auch dieses acktek man nicht. Am i 2 ten Juni sehr viel Regen und die Nacht darauf ein heftiger Stoß von Erdbeben. Der Königs» Pallast zu Cascrta, eines der solidesten Gebäude in Europa, mit seinen a8 Fuß dicken Mauern wird so erschüttert, daß alle Glocke» (Klingeln) in demselben anschlagen. — Am rzten Juni wieder Erdbeben, aber schwächer als daS erste; eine Feuer-Fontäne mit Ranch und Knall in der Mitte des Abhangs des Kegels. Ein Lavastrom scheint an dem steilen Kegel des Vulkans bergauf zu fließen. Wahrscheinlich ein stark gegen den Horizont geneigter, verdeckter Canal von flüssiger Lava, der endlich durch den Druck sein Gewölbe von unten nach oben zu aufschlitzte, und so dein entfernten Auge aufwärts zu fließen schien. Eine Feuer-Fontäne folgt jetzt der andern. Es lassen sich ihrer IZ in der Richtung »ach Resina und Torrs del Greco zu, zu gleicher Zeit zahlen, uns manche mag der Rauch verdeckt haben. Hier und da stiegen an der Seite dcö Berges die glänzendsten Flammen in der - 2Z3 - Form von Cvpressen auf, die an Höhe den Vesuv selbst übertrafen. Keine Beschreibung vermag von dieser Feuer-Scene einen Vegiiff zu geben, so wenig als von dem sürchierlichen Gelöst, womit sie hegst,ler war. letzteres glich einem Gemilcht der lautesten Donnerschlage mit dem steien Feuer aus schwerer Artillerie, und dieses verbunden mit einem ununterbrochenen, liefen und hohlen Toben gleich dem Brüllen der Meereswcllen in einem heftigen Sturme. Hierzu kam noch ein drittes Gelöst, daS dem Geblase einer großen Feueresse glich, oder dem Sausen einer Menge zugleich aufsteigender Raketen. Sleiue, wovon man «inen gemessen und 10 Fuß doch und gz im Umfange haltend befunden hat, wurden zu einer unglaublichen Höhe hinauf getrieben, und irrigen mit zu den Eischüt- telungen der Luft und der Erve bey, wovon — 29Z — die Häuser in Neapel einige Stunden hintereinander bebten, alle Tbnren »nd Fei ster rasselten, und die Glocken anschluae». Es war ein fererlich - schrecklicher Moment. Der volle Monv, der vorder glänzend schien, stand nun da, roch wie in einer totalen Mondfinsternis;, und ver'chwand endlich ganz. Das Schreckliche dieser Scene wurde noch vermehrt durch das Wehklagen eines zahlreichen Volkes und das Gemurmel bethender Prozessionen, die durch die Stiaßen von Neapel zogen; überall hörte man ein dumpfes ora xno no,'ch5. Wahrend der ganzen Zeit zeigt der eigentliche Craler deS Vesuvs keine Spur von Feuer oder Rauch. An tüten um 4 Ukr des Morgens fangt er an; und aus einer Oeff' ung nahe dabey ergießt sich die Lava nach Orrajano z», verdien,>t einen Wald durch den sie floß, jedoch erreicht sie. trotz ihrer Schnelligkeit, die Weinberge und das übrige bebaute Land nicht. Um S Ubr endlich konnte man deutlich sehen, wie die bava, die zuerst an der Südseirc aus- gkbrocden war, die See erreichte, und sich in dieselbe zu ergießen anfing, nachdem sie den größten Tbejl der Stadt Torre del Greco zerstört hakte. Es fällt eine schwarze, grobe, sich rauh wie Seeland an- füblende Äsche, da die, welche einige Tage darauf da so wehl als in Neapel fiel, lichtgrau war, und sich zart, wie Spaniel oder gepulverte Chinarinde anfühlte. Obgleich keine Wolke damahls am Himmel war, so fallen rech mit der Asche große Regentropfen vrn salzigem Geschmack, und die gepflasterte Heerstraße ist so naß wie nach einem großen Regen. Professor E m a nnel Scotti z» Neapel, der über diesen AuS- bruch geschrieben hat, schreibt dieses Wasser — -s; — «iner Verbrennung von entzündbarer Luft mit depblogistisirrer zu. Die Breite der Lava, die Torre del Greco zerstörte, beträgt nacd den Messungen des Herzogs Della Torre, da, wo sie in die See floß, 1204 englische Fuß; über die Oberfläche der See ragt sie 12 Fuß hervor, und eben so rief erstreckt sie sich unter dieselbe; in die See hinaus reicht sie 6r6 Fuß. Wenn man also alle diese Dimension,-» überall gleich groß annehmen kann, so sind, bloß in die See allein, über-!8 Millionen Cudck- fuß Lava geflossen, klnd waS ist diese Kleinigkeit gegen die übrige Masse, die an der Seite des Berges hinaus erstarrte, und die Häuser und Snaßcn von Terro dcl Greco mit ihrem Guß einpanzerte. A,rcy Tage nach dieser Ergießnng fand Sir William Hamilrvn, auf zoo Fuß von jenem neu gegossenen Vorgebirge ab, die See noch rauchend und wie einem Kessel kochend; das Pech, womit der Boden seines Bolhs belegt war, schmolz und schwamm umher; das Both selbst fing an leck zu weiden, und sie mußten eiligst das Ufer zu erreichen suchen, um nicht zu sinken. Als die Lava zuerst in die See trat, trieb sie das Wasser zu einer ungeheuren Höbe auf, hauptsächlich aus einem Becken, welches zwey sich vereinigende Arme von Lava zwischen sich formirt hatten; hier flog daS Wasser mit großer Gewalt und einem kamen Knall auf. Eine Menge gesottener Fische schwamm umher, und mehrere Tage hinter einander wahrend des Ausbruchs war auf eine halbe deutsche Meile vom Ufer rein Fisch zu finden; auch fanden die Taucher alle Schalenthiere am Poden der See auf eine große Strecke hinaus abgestorben. 297 Am 18. Juni, da der Wind einige Augenblicke den Gipfel des Vesuvs von dem Rauchs säuberte, der ihn eingehüllt hatte, bemerkte man deutlich, daß ein großer Theil seines Cratsrs nach Neapel zu eingestürzt war. Vermuthlich geschah dieses am Morgen dieses Tages nm q Uhr, da man einen heftigen Stoß von Erdbeben zu Nesina und andern Orten am Fuße des BergeS verspürte. Nun eröffnet sich ein Schauspiel, das an Größe und Majestät Alles übersteigt. Aus der erweiterten Oeff- nung, die nicht viel weniger als zwey englische Meilen (ungefähr lcraoo Fuß > im Umfange betragen konnte, arbeiten und thürmen sich Rauch und Asche in Wolken auf Wolken immer höher und höher, dicht und finster hinauf, bis endlich eine Wolken- säulc bestand, deren Höhe Sir Willi'am Hamilton auf rz Meilen schätzte; also. — 298 — die englische Meile nur zu 5000 Fuß gerechnet tzsie beirägl eigentlich 5280), 125020 Fuß ^). Der Vesuv, ihr Säulenstuhl, der ») Obgleich kiese Messung Sir William« nur ganz Lbcnhin onaestellt Ist, Indem er die Distanz der äußersten Spitze der Säule vom Tiater des Vesuvs mit der Insel Caprea nach dem Auaenmaje verglich: so erhält doch das Außerordentliche des Resultats hinlängliche Glaubwürdigkeit durch die Messung de« Abbe' Braccini, der !>n Jahr rühr bey dem diesem so ähnlichen AuSbruchs die Ele- tzaiton einir ähnlichen Säule mit dem Quadranten maß, und daraus ihre Höhe zu Zc, Meilen berechnete. Im englischen Text steht durchaus daS Wort niisa ohne nähere Bestimmung Da aber die englische und italiänische Meile sich wie ro:iii/z verhalten, lind eine von beyden gewiß virstanden wird, so hak die Zweydeutigkeit aus den eigentlichen Zweck dieser Schlüsse keinen Einfluß. Ein gewisser vr. Scotri will die Elevarlon deS Gipicis der Säule bey diesem AuS- bruche von Neapel aus gemeffeu, und Zo Grade doch befunden haben. W.iier gibt er nichts an. auch nicht wie er das gesunden habe, so daß man nicht einmghi w iß, ob «S nicht auch eine bloße Schätzung gewesey ist. Wäre aber die Messung richtig, so gäbe diestS eine außerordentliche Abweichung selbst über 3600 Fuß über die See erhaben ist, schien ein Maulwurfshaufen dagegen. In dieser ungeheuren Wollcnmasse fuhren bcsiäudig Blitze hin und her, wahrhafte Wetterstrahlen, nur größc-r als die von gewöhnlichen Gewittern; also ganz wie sie der jüngere Plinius in seinen berühmten Briefen an Tacitus beschreib!: /-eiüvy- er Lr'mr/cL ee »nr- ro,e5. Die ganze Säule war ein meileu- hohes Donnerwetter. Das Haus des Marquis von Berio zu St. Jorio wurde von Sie Williams Schähung. Denn noch dem genauen Plane der Gegend, der Sir Williams Abhandlung in dem englischen T r a n s « c t für -7yz beygefügt ist, gibt eS In ganz Neapel keinen Punkt, der von dem Cratcr des Vesuvs auf den Horizont der Stadt reducirt, IQ ital. Meilen entfernt wäre. Die entferntesten liegen um z/4 Meilen näher. Dieses gäbe für die Hähe der Wolkensäule, den Säule,istuhl (Vesuv) mit eingerechner (selbst bey der Dt- Haiij von »o M.) kaum ü italiänische Meilen, von einem dieser Blitze getroffen, und Fenster und Thüren eben so davon zersplittert, wie von nicht vii'kanischen Weiter- sira'olen, auch ließ er eben den Schwefelgeruch zurück — Einmahl schien sich die Wolke gegen Neapel hin zu neigen, ') Was »uin bey diesem nngebevren Schmesz, osen hier bemerkt, nähmlich die mächtige Ent nickclung elekliikcher Materie, bat beb bey uns rn Oefen im Kleinen noch nicht offenbart, ist aber höchst wahrscheinlich, wiewohl linmerklich, da. Diese großen Phänomen« der Natur genau beobachten > beißt die kleinern, damit v-r vandtcn, unter da« Mikroskop bringen. ES läßt sich daher für die Zukunft allerdings viele« von dem Vesuv skir Physik und Chemie i»i Großen erwarten, da er, m ins« Wissen«, der einzige bekannte Vulkan ist, der, bey -Inee schon ganz bekrächt'ichen Größe, drni Besteiget die wenigsten Schwierigkeiten entgegenstellt sSir Will Hamilton hat ihn 6g Mahl bestiegen) ; der sich ferner ziemlich häufig regt, Und, wa« die Hauptsache ist, ein solches Observatorium, wie Neapel, so nahe bat, In welchem sich die Zahl einsichtsvoller und mit allen Fortschritten der Physik und Chemie bekannter Beobachter täglich mehrt. — gor — und da dachte Sir William an da- Schicksal von Herkulaneuni und Pompeji, das nun dieser Hauptstadt droiue. Indessen der Wind drehte sich, aber z» Somma fiel die Asche so dick. Laß Menschen, die nicht in steter Bewegung blieben, Gefahr liefen, dadurch s,st- gemauert oder begraben zu werden. Lie Finsterniß war selbst am Mittage so gioß. Laß man sich auch bey den Lichtern und Fackeln nur kaum finden konnte, denn eS war nicht der Schatten einer entfernten Decke, in dem man wandelte, sondern man war vou der Ursache des Schattens selbst umgeben; man eifulir da völlig, was dem jünger» Plluius und seiner Muner bey dem bciühmten Ausbiuche unter Titus begegnete. Wir ncbmen nun noch kurz einige zerstreute merkwürdige EreiLnisse zusammen: Die reichen Weinberge von Torre de! Greco, die den bekannten Wein, /.are-r/m« geben, und auf zooo Morgen ausmachten, sind zerstört; für jetzt wenigsten?. Die gefallene Asche aber ist so fruchtbar, daß Erbsen, die rnan in einen Teller voll dieser Asche saere, schon am dritten Tage keimten, und fernerhin besser fort» wuchsen, als sonst im fruchtbarsten Boden. Die Asche, die am dritten Tage der Eruption fiel, leuchtete im Dunkeln, so daß die Segel und Hüte der Matrose» auf die sie fiel, phosphvrescirtcn. Bey der offenbar äußerst elektrischer» Luft zeigen sich Wirbelwinde in Form von Wasserhosen, die die Asche aufbeben und fortführen. In der Nahe von ihnen Hort man ein seltsames Getöse. Die Bewegungen des Berges scheinen Fieber - Paroxysmen ähnlich, wie man auch schon bey andern Ausbrücheu bemerkt bat. Sie ballen eine gewisse Periode, und sind immer am heftigsten bey Tages-Anbruch, «m Mittag und um Mitternacht. Von der Menge und Klebrigkeit der Asche, die zu Somma fiel, gibt folgende Erfahrung des Abbe Tara einen guten Begriff» Ernährn von einem Feigenbaum, der noch stehen geblieben war, einen kleinen Zweig ab, der nicht mehr als drey Blatter und zwey unreife Feigen hakte, wog ihn, und fand sein Gewicht mir der anklebenden Asche zr, und ohne dieselbe kaum z Unzen. Mit diesem Auswurf von Asche ergossen sich ungeheure Ströme von Morast auS Asche und Wasser über die Gegend. Es ist der gemeine Glaube, daß der Vesuv diesen Morast, so wie er ist, ausspie. ES verhalt sich aber schwerlich so, sondern jene Ströme werden durch die Regengüsse auö der elek« — Z04 — krischen Wolke erzeugt. Dieses Wasser, das die gewöhnlichen Kanäle nunmehr durch eine fcüige Asche verstopft findet, kann weder in die Erde dringen noch gehörig abfl cßen, sammelt sich daher eft zu großen Sümpfen, die endlich ihre Ufer durchbrechen und so jene Überschwemmungen an Orten verursachen, wo man sie am wenigsten erwarten sollte. Ein königlicher Gärtner von Portier, der den Vesuv, so bald es einiger Maßen thunlich war, bestiegen halte, wollre den Craicr ganz voll kochenden Wassers gesehen haben. Allein der Ritter Mace- donio, Intendant von Porlici, dachte, er könne dem Schrecken, den ein solches Gerücht über die ganze Gegend verbreiten würde, nicht besser vorbeugen, als wenn er Leute hinaus schickte. auf deren Treue uns Wahrheitsliebe er sich verlassen konnte. Dem zu Folge ging Eigner Giuseppe Sacco mit Begleitung hinauf, und fand die Aussage des Gärtners schlechterdings ohne allen Grund, Er fand nichts als einige flüchtige Spure» von Koth, den offenbar der Regen an verschiedenen Stellen des Ercucrs zusammengcsxüll hatte. VlI. U — ZQ6 — 9. Das -?ro^r/e zu jemsal in Bestand. Der berüchligle Orffyre und sein /'e^ettEir moö//e waren langst, wo nicht ') Dieser sonderbare Mensch hieß eigentlich Bessler. Den Nahmen Orffyre schuf er sich auf folgende Weife: Er schrieb die «4 Buchstaben des Alphabets mit Ausschluß ScS v oder deS -r, in zwey Zeilen unter einander, wovon also die obere die ersten zwölf von a bis ?», und die untere die übrigen von er bis r ir-cf-rrivs enthielt. Nun nahm er statt des B in Bessler das darunter stehende 0, statt des « das und statt deS , das darüber stehende/», s. w , und so ward aus dem unbekannten Bessler der sehr bekannte Orffyre. kebcn und Thaten von ihm findet man in S tri e S er'S Grundlage zu einer Hessischen gel. Geschichte, im Xlcn Bande. Beurtheilungen so wohl seiner Maschine, als Gedanken über das t-tirm moLr/s überhaupt, in 2 oh. Georg Borlach's kurzen Ecdank»», was ein vergessen, doch gewiß keiner Achtung mehr werth gehalten, als in den so schätzbare» Neuen Nordischen Miscellaneen des Herrn Hnpel und zwar im ersten Bande S. 508 eine Nachricht erschien: von einer Wassermühle, die ohne an einem Bach oder Flüßchen zu stehen, immer mahlen kann. Der Verfasser dieser Nachricht kann nicht leicht respektabler seyn, sie rührt nähmlich von dem Herrn KreiSrichter, Grasen Melli» her, der durch mehrere vortreffliche Aufsätze in den Nordischen Miscellanecn und durch den Liesla irdischen Atlas sattsam bekannt ist. Die Geschichte ist kurz 77-oö. sei;» ? und wodurch eS inSgemein zuwege gebracht seyn solle? auf Veranlassung dsS am 22. Jul. 1715.;» Mcrseburg gesehenen, vcrhero aber öffentlich gerühmten zaenzoeenr maLeH 171Z; und vorzüglich In einem mit sH-v unterzeichneten Aufsätze im RrtchK- Anzetger i7g6. Aro. -27. u » diese: "ein geschickte Schmiedemeister, Nahmcnö Heine, nute,hielt zn Lemsal eine ziemlich einträgliche Roßmühle, verlor aber durch eine Seuche seine Pferde, die er nicht im Stande war wieder anzuschaffen. Er verfiel also auf den Gedanken, statt derselben eine Wassermühle anzulegen, die keines fließenden Gewässers bedürft; und (dieses sind die in der Nachricht selbst gebrauchten Worte,) brachte auch wirklich eine solche zu Stande: welche Erfindung ihm um so viel mehr Ehre macht, weil seine Mühle nicht nur sehr einfach ist, sondern auch vor allen Wasser-und Windmühlen den beträchtlichen Vorzug hat, daß sie, ohne von Umständen und Zufällen, von Witterung und Jahrezeiten abzuhängen, ohne kostbare Dämme, Stauungen u. s. w. zu bedürfen, zu jeder Zeit mahlen kann.'' — Die Einrichtung ist äußerst einfach; Alles — ZO9 — läuft kurz darauf hinaus. Die Mühle besieht aus einem großen oberschlagigen Wasserrads; auf dieses Rad stürzt nun das Wasser aus einem über ihm befindliche« Reservoir, setzt die Mühle in den Gang, und sammelt sich unten in einem zweyten Reservoir. An der Welke dieses Rades, dem Mahlgang gegenüber« sitzt ein Stcrnrad, das in zwey einander gegenüber horizontal liegende Trillinge eingreift, deren zu beyden Seiten verlängerte Achsen in ein Zickzack gebogene, doppelte krumme Zapfen formiren. Vermittelst dieser werden acht gewöhnliche hölzerne Pumpen in Bewegung gesetzt, die das Wasser wieder in das obere Reservoir hinaufsaugen, so daß man also, um die Mühle im Gang zu erhalien, nichts weiter nöthig hat, als nachdem das erste Wasser angeschafft worden ist, bloß zu Zeiten das Wenige nachzutragen, was etwa verdunstet sevn möchte. "Die Mühle, heißt cö ferner, »rar eine Zeit lang in vollem Gange, und leistete Alles was man von einer solchen Mühle erwartet: weil aber die Pumpen Rohren durch die Nässe anquollen, so zersprengte sie endlich nicht nur die eisernen Länder und Reife, sondern der Druck des Wassers (?) war auch so stark, daß es die Pumpen aus ihren eisernen Schrauben und Verbindungen heraus, stieß.'' — Mit einem Wort, der Mann fand, daß das Eisen dazu nicht tauge, es hü te Messing oder ein anderes Metall seyn muss», und weil dieses eine Auslage von hundert oder wehr Thaler erfordert, die der Erfinder nicht ausbringen kann, so steht jetzt, wie gesagt wird, die Mühle so lange stille, bis er einst so viel Geld gesammelt haben wird ». s w. Daß die Nachricht von einer so außerordentlichen Mühle, die ZU sich nicht allein ihr Wasser selbst wieder zuführt, sondern auch dabey noch einen Ueberfluß von Kraft erhalt, zwey Mahlgange zu treiben, und deren Mechanismus bey tausend andern Gelegenheiten von unendlichem Nützen seyn würde, daß, sage ich, eine solche Nachricht, durch ein solches Journal und durch eine solche Feder verbreitet, Aufsehen machen mußte- war voraus zu sehen. ES kamen Briefe von sehr entfernten Orten; man verlangte Modelle u. s w. Dieses bewog endlich den Herrn Grafen, dem üken Bande eben dieser Msscellanecn, der 1795. erschienen ist, S- 522 eine genaue Beschreibung des Werks nebst einer vollständigen Zeichnung nach Ausmessungen, die er selbst angestellt bar, einzuverleiben, die sicherlich jeden Wißbegierigen befriedigen wird. Ich merke bloß daraus an, daß das große Wasserrad lg, Fuß im Durchmesser bat, und daS ganze Werk mir ungrmeüiem Fleiße gearbeitet ist. so daß man, wie der Herr Graf seihst versucht hat, ohne sonderlich starke Anstrengung, bloß mit den Handen, daS ganze Mühlen- und Pumpenwcrk in Bewegung setzen kaun. In dieser zweyten Nachricht wird noch gesagt, daß der Er-- sinder, der Schmid Heine, indessen ge; sterbe:, sey, ohne in die Umstünde gekommen zu seyn, die Pumpen mit messingenen Büchsen und Schrauben versehen zu können; über seinen Nachlaß sey ein Conciles entstanden, und die Mühle nunmehr in andern Handen, von denen sich noch Weniger erwarten ließe. Ich cinhalie mich mit Fleiß alles Urtheils über ein Uhrwerk, das sich offenbar selbst aufzieht, und dieses nicht allein bey kffwt ss sicher Friktion, als acht Pumpen ZIZ bey dem ungleichen Druck und Zug vor« acht krummen Zapfen und acht Hebeln verursachen müssen, sondern auch noch mit einem Ucbcrschnß von Kraft zwey Mahlgange zu treiben, und erlaube mir, statt dessen, bloß ein paar Fragen mit deren Beantwortung und ein paar Zweifel, mit deren Hebung gewiß allen Lesern der Neuen Nordischen Miscellaneen sehr gedient wird.— r) Da gesagt wird, die Mühle sey eins Zeit lang in vollem Gange gewesen, so ist die Frage: wie lange ist sie gegangen, ehe die verquollenen Röhren die eisernen Reife gesprengt haben? 2) Hat der würdige Verfasser der Nachricht und der Beschreibung Selbst, mit eigenen Augen, die Mühle in vollem Gange gesehen. AuS keiner von beyden Nachrichten erhellet dieses deutlich, g) Hat sie der H?rr Graf Selbst nicht gehen — ZI4 — sehen, wer hat sie sonst gesehen? Leben diese Leute noch und was sind es für Leute? — q) Wie war es möglich, daß in einem Lande wie Lie stand, so nahe bey einer großen Handelsstadt, und unter einer so weisen Regierung, sich Niemand fand, nicht einmahl eine Gesellschaft, die dem Manne auf Spccnlation ein Paar hundert Thaler vorgestreckt hätte, wenn er (wohl zu merken) dieses Geld verlangt hätte, nicht etwa erst eine solche Maschine zu Stande zu bringen, sondern einer bereits völlig zu Stande gebrachten bloß mehr Stärke und Dauerhaftigkeit .zu geben? 5 ) Wie war es möglich, daß über den Nachlaß eines so betriebsamen Mannes ein Concurs entstehen konnte, da er eine Mühle erfunden hatte, die in kurzer Zeit alle andere Mühlen und alle Maschinen, — zr; — die durch Bäche und Ströme und .Wind und Thiere in Bewegung gesetzt werden, ja die Dampfmaschine selbst, verdrängt haben würde? Denn seine Mühle konnte ja über und unter der Erde, auf Bergen und in Bergwerken, und wo es sonst nur Aiehbrnnnen oder stehendes Wasser gibt, angelegt, und im Winter, so wie jede andere Werkstätte mit geringen Kosten gegen daö Einfrieren gesichert werden. — Dieses ist doch wirklich unbegreiflich. — Wenn man Alles dieses zusammen nimmt, und dabcy mit der Geschichte der bloß empirischen P erp e tun m m vbi listen bekannt ist, so wird man fast geneigt zu glauben, diese Mühle sey nie in vollem Gangs gewesen, sonder» habe sich bloß wegen der Vollkommenheit der Ausarbeitung deS Räderwerks, vielleicht durch etwas Nachhelft» mit der Hand «der mir Nach- tragen von Master ein wenig hingehalten, welches Letztere der Erfinder endlich durch desstre Pumpen leicht entbehrlich machen zu können hoffte. Denn alle diese Menschen haben, wenn ihnen ihr erster Entwurf fehl schlagt, immer neue parat, sich rind andere zu tauschen. Diese RettungS- Mittel werden immer kostbarer, und gewöhnlich stehen sie endlich bey solchen stille, die ihr Vermögen übersteigen, und trösten sich damit, daß bloß ihre zeitlichen Umstände der größten und nützlichsten Entdeckung entgegen standen. Ehe es aber fo weit kömmt, haben sich bey den meisten, wenigstens den thätigsten, die Schulden gehaust, und so entstehen Concurse Über ihren Nachlaß. — Es sollte den Herausgeber dieses Taschenbuchs unendlich freuen, wenn er diese seine wohlgemeinten Mnihmaßmige» über diese Mühle, durch — Z!7 — «nwidersprechliche Zeugnisse von Uugenzen- gen, vorzüglich über des Hrn. Grafen Mellin selbst, das ihm über Alles gehen würde, widerlegt, und bey dieser Maschine wirklich in Ausübung gebracht fände, was selbst der vortreffliche Uebersetzer von Prv- ny's blouvells ordütectUrs lrxörsuligus nicht für unmöglich halt *). Nachschrift. Eo eben, da dieses Ä?latt in die Druckerey gehen soll, lese ich in dem 179. Stück des Reichs-Anzeigers von diesem Jahr, dafi ein gewisser Hcrr Heinle auS Augsburg, jetzt in München, auch ein Perpeluum mobile erfunden hat. Wer nach München reisen will, kann es da in S. Neue Architektur« Hydraulik« vott Hin. v. Prony, «»r dem Franzüs. von L'. C. Langödorf. Frankfurt 17-4. 4. k Band. SSZ in der Note. — ZlZ — «oller Wirkung sehen. Gegen den Preis von loo Ducaten will er die Sache eröffnen, doch soll das Geld bey einem Dritten niedergelegt werden, bis er die Liebhaber völlig überzeugt hat. Er hal es auf seine Baumwoll-Spinncrcy angewandt, und gibt allen Fabricanlen, die Spinnmaschinen besitzen und ihr VesieS bauen wollen, den wohlgemeinten Rath, sich sein Spin nwesen anzuschaffen. 319 10 . Ueber dasselbe Perpetuum mobile, (ein Nachtrag zum vorstehenden Artikel). Der (vorhergehende) Aufsatz über das Perpetuuni mobile zu Lcmsal in Lief- lanv hat zu meiner nicht geringen Freude, und, wie ich hoffe, auch zu der unserer Leser, die Folge gehabt, die hauptsächlich durch jenen Aufsatz beabsichtigt worden war: nähmlich eic deutliche Deklaration deS Grafen Mellin, wofür ich demselben, da die Aufforderung öffentlich war, hiermit auch meinen verbindlichsten Dank öffentlich abstatte. Bereits im Anfange dieses JahrS (1797.) erhielt ich von Demselben ein Schreiben, datirt: Kolzon unweit Riga, den ^ Januar, und halte es für Wicht, dasselbe hier einzurücken, versteht sich mit aller der Rücksicht, unter welcher allein eö verstattet ist, Privat-Schreiben über wissenschaftliche Gegenstände, vhne ausdrückliche Erlaubniß des Schreibers bekannt ;n rnachen. In diesem gegenwärtigen Falle berechtigt über dieß die Aufforderung, und die auf dieselbe und b!vß ihrcntwegen erfolgte Belehrung die öffentliche Vrkanutmachung. Daß die Antwort in der Fortsetzung einer kleinen Jahr- schrift erscheint, in welcher die Anfrage geschehen ist, versteht sich von selbst; so selten sonst auch bisher der Fall bey Werkcheu dieser Art eingetreten seyn mag. Der Herausgeber rechnet sich die Rücksicht, die ein Mann von dem Geiste und den Einsichten des Herr« Grafen Mellin auf seiire Anfragen genommen hat, zur wahren Ehre. Hier ist der Vrieft — Z2! <'Jch finde in dem diefijahrigeü Tafchen- kaleuder S. r/r eine Nachricht von der sonderbaren Mühle im Siadtchen Lcmsal, und zugleich eine Aufforderung zu einer deutlicheren Erklärung hierüber. Mir Freuden sehe ich, das; die Sache mehr Aussehen gemacht hat, als ich zuerst glaubte, und ich befürchtete immer, daß mit dem Tode dcS Erfinders, fein? Erfindung zugleich ins Grab gehen würde. An einer Erklärung verstehe ich mich auch um so lieber, da Ew... mich dazu auffordern. Die Fragen sind: i) Wie lange ist die Mühle gegangen- ehe die verquollenen Röhren die eisernen Reise gesprengt haben? s) Ob ich die Mühle selbst im volle» Gange gesehen habe? z) Wer die Mühle sonst noch hat gehen sehen, ob die Leute noch leben, und was es für Leute sind? -on. — ZL2 - 4) Wlc cS möglich gewesen, daß in einem Lande wie Liefland, so nahe bey einer so großen Handelsstadt, Niemand, nicht einmahl eine Gesellschaft sich gefunden, die dem Manne auf Speculaiion ein Paar hundert Thaler vorgestreckt hätte, wenn er (wohl zu merken) dieses Geld verlangt hatte, nicht etwa eist eine solche Maschine zu Stande zu bringen, sondern einer bereits zu Stands gebrachten bloß mehr Starke und Dauerhaftigkeit zu geben? 5) Wie war es möglich, daß über den Nachlaß eines so betriebsamen Mannes ei» Concurs entstehe» konnte, der eine Mühle erfunden hatte, die in kurzer Zeit alle ähnliche Werke verdrängt haben würde? Ich werde die Fragen punktweise beantworten. 1) Die Mühte ist vier, oder wie ich glaube, fünf Tage im Gange gewesen, aber jeder Zeit nur etwa ein Paar Stunden, denn die Pumpenröhrcn wichen aus ihren Stellen, saugten am Ende nicht hinlängliches Wasser in die Höhe, und das Werk mußte stehen bleiben, bis zum folgenden Tage, da man indeß die Ordnung wieder hergestellt hatte. Hierzu kam noch die letzten Tage der Umstand, daß die Nasse die Rohren der Maßen schwellen machte, baß das Eisenwerk meist sämmtlich zersprengt war. 2) Ich wohne etwa vier Meilen von Lemsal, und da ich hörte, daß die Mühle in Bewegung sey, reiseke ich dahin. Ich fand sie schon in vollem X r Z24 Gangs, Und man sagte mit, daß sie, vor mcincr Ankunft, schon etwa eine Sinnbe gegängcn seh. Die Röhren fand ich stark angequollen, und das Eisenwerk davon zersprengt, so mit Stricken nachgeholfen war, wo es sich thun ließ, auch waren bereits ein Paar Pumpen wandelbar, und die übrigen wichen nach gerade auch bald aus ihren Verbindungen. In meinem Beyseyn ging sie wohl gegen eine halbe Stunde noch mit beyden Mahlgängen sehr gut und ordentlich, ohne alle Nachhülfe und Ta- scherrspielercy. Weil, wie gesagt, die Pumpen nach gerade ihren Dienst versagten, so wurde erst ein Mahlgang angehalten, und nach einer guten Weile blieb der zweyte von selbst stehen. Auf mein Biileü sachte man die Ordnung wieder herzustellen, dieses konnte aber sv bald nicht bewerkstelligt werden. Der Erfinder war verdrießlich, einen fremden, »n- gcbclhencn Zuschauer gehabt zu haben; er nahm sich vor, statt Eisen, Metall zu gebrauchen, und versicherte, ferner keine Zuschauer zuzulassen, bis sein Werk in nntadelhafrmr Stands seyn würde. Indessen war ich doch begierig, den Gang der Mühle noch weiter zu sehen, ich drehte das große Wasserrad mit meinen Handen ganz allein, nnd brachte das ganze Werk einige Minuten mit beyden Mahlgängen in gehörigen vollen Gang, ohne mich dabey äußerst anzustrengen oder zu ermüden. So viel ich erfahren habe, ist die Wühle nach dieser Zeit nicht wiedes gegangen, und Z26 nicht gar lange nachher starb deren Erfinder, der Schrnib Heine. Z) Ich fand dort den Schmid Heine selbst, seine Frau und einige Schmie- dcgesellen. Wo diese Leute nach dem Tode des Eifinders hingekommen, habe ich nicht erfahren können. Mehrere Personen haben zwar die Mühle* gesehen, ich habe aber nicht erfahren können, ob auch andere sie im Gange gesehen haben. Im Städtchen Lem- sal bekümmerte man sich wenig ernstlich um die Sache. Andern liebte Heine keine fremde A»schauer, und ich mußte mich ordentlich zudrangen. Er sagte, Tadlcr habe er genug gefunden, aber wenig vernünftigen Rath gehört- 4) Nach der Absicht des Erfinders, war seine Mühle vorläufig nur wenigen Z27 bekannt, unv weil so manche Urtheile dessen ungeachtet über ihn ergangen waren, so wurde er noch zurückhaltender. Er war ein Biedermann, der im Stillen und ohne Prahlerey sein Wesen trieb, und wenig Worte machte. Wenn man ihn um eine Erklärung fragte, so führte er einen kurz ab, oder zeigte auch stillschweigend das, was man wissen wollte. Alles dieses machte, daß das Publicum wenig von der Sache wußte, oder sie auch nach- thcilig beurtheilte, mithin war an eine Unterstützung nicht zu gedenken. Meister Heine nahm mir es sogar übel, als ich ihm sagte, daß ich mich bemühen wollte, eine Subskription für ihn zu veranstalten. Er erklärte sehr ernstlich, keinem lästig fallen zu wollen, und das Geschenk, welches der Heer Gouverneur ihm gegeben, sey ihm unangenehm gewesen, ob er es gleich einem so vornehmen Gaste nicht habe abschlagen können. Z) Weil der Erfinder ein bloßer Empiriker war, der nicht einmahl eins erträgliche Zeichnung machen konnte, sondern, wie er sich ausdrückte, seinen Plan im Kopfe habe, so war er in der Nothwendigkeit, seine Mühle mehrmahls umzuarbeiten, bis sie die letzte Gestalt erhielt. Natürlich vanbte dieses Zeit und Geld, seine Schmiede-Profession wurde oft genug versäumt, und seine Occonomie geriet!) in Zerrüttung, so daß nach seinem Ableben ein Eoncurs nicht zg vermeiden war. Ich glaube gewiß, dgß fHr das Geld, welches --- ?29 Lieft Mühle ihm gekostes seine erste Roßmühle sehr vollständig wieder hätte hergestellt werden können. Nun ist Alles in den Händen eines Ton- ncnmachers, der Las Eisenwerk vnd manches Ucbrige davon verbraucht und zerstückt hat, und von dem Werke ist wenig mehr zu sehen." Dieses sind die völlig befriedigenden Antworten dcö Herrn Grasen, auf die von mir vorgelegten Fragen, denen ich nur Einiges aus einem Postscript beyfüge, weil ks noch zur Erläuterung von 3) und 4) dient: Ehe eine für unmöglich oder wenigstens für schwer gehaltene Sache zur Wirklichkeit, heißt es, und zur nützlichen Vollkommenheit gebracht wird, ist der Erfinder allemahl kraulenden Urtheilen ausgesetzt. Dieß wußte der gute Heine auch, er suchte daher alles Aussehen zu verrneidkn^- und dennoch wurde er lieblos genug beurtheilt. Zudem bekümmerte sich unser Publikum fast gar nicht um die Sache, und ließ sich durch die nachtheiligen Urtheile, besonders der Müller und Kunstverständigen, verleiten, sich darum noch weniger zu bekümmern. Der Herr Pastor Hupel, Herausgeber der Nordischen Miscellaneen, und ich, waren die einzigen, die hierbey aufmerksam waren. Ersterer als Mitglied der Peiersburgischen ökonomischen Gesellschaft, unterlegte derselben die Sache, erhielt aber zur Antwort, daß man es gehörig geprüft, und nach theoretischen Gründen unausführbar gefunden hatte. Man findet solches auch in den gedruckten Nachrichten dieser Gesellschaft. Der sel. Heine war äußerst bescheiden etwas anzunehmen, und von aller Prellerev und Prahlcrev sehr entfernt. Ich glaube aber wohl, wenn die ökonomische Gesellschaft ihm eine Beyhülfe gegeben hatte, so hatte er sie angenommen. Wenigstens sagte er mir, daß er von einer zum gemeinen Besten vereinigten Gesellschaft eher etwas zur Ausführung einer gemeinnützigen Sache angenommen haben würde, als von einigen Privatpeisonen, denn diese betrachteten ihre Gaben als einen Almosen, und hielten sich berechtigt, für ihr Geld allerley Historien zu machen. Aus diesem Grunde wolle er also Niemanden Verbindlichkeiten schuldig seyn." So steht also die Sache, und unsere Leser, die dieselbe interessier hat, werden unnmchr im Stande seyn, ein Urtheil zu fallen. Aus dem Ganzen scheint hervorzugehen, daß die Theile der Maschine gut und sorgfältig müssen gearbeitet gewesen seyn, da das Werk bey so schlechten Materialien so lange gegangen ist. Es ist über nach Allem, was wir von Schätzung so wie hier verbundener Kräfte wissen, höchst wahrscheinlich, daß die vollkommenste Ausarbeitung bey den vollkommensten Materialien, z. B. metallene Pumpen-Rohren, nur den Termin des Snllestehens weiter hinaus würde gelegt haben. Dieses würde meines Erachtcns auch noch der Fall gewesen seyn, wenn der Mann von seiner Mühle nichts als das Rad mit den Pumpen und die Wasserbehälter beybehalten, und die Mahlgange ganz weggelassen hatte. Denn in diesem Falle würde es einleuchtender gewesen seyn, daß die Maschine weiter Nichts wäre, als eine Uhr, die das Gewicht, das sie treibt, wieder selbst auf- windet und, wie diese, zu einer Maschincn- Familie gehöre, worunter die eiusachste das Pendel ist. Das Peudel ist ein Zeitmesser § in welchem dsc Kraft das Gewicht, — Zzz — diirch dessen Fallen es gdht, auch wieder aufwindet, und doch siehe» auch die simpelsten, dir die Kunst hervorbringen kann- endlich stille, durch Widerstand der Luft, und weil immer durch däs Einbeugen dcS FadeUö Kraft verloren gebt, die nicht wieder erstattet wird. Schlösse Man in einem vollkommen luft« Und dampslccre» Raume ein etwa sechs Fuß langes Pendel ein, das aus dem einfache» Faden des Seidenwurms und einem goldene» Kügelchen bestände, » und verhindere so viel als möglich alle starke Veränderung der Temperatur und alle Erschütterungen des Standorts- so wäre es möglich, daß es seine Schwingungen- zumahl die mikroskopischen, Monathe, ja Jahre lang, fortsetzte. Allein zur Ruhe würde es gewiß kommen, und zwar durch den unzählige Mahl wiederholst»» Widerstand, den die Beugung des Fadens beym V Aufbüngepunkt leistet. Da dieses nun der Fall bey der einfachsten Maschine ist, die gedacht werden kann, was will aus den zusammengesetzteren werden, wo jeder Theil einen Aufwand von Kraft nöthig macht, der nicht wieder erstattet werden kann, wenigstens aus dem eigenen Dorrend der Maschine nicht, ohne daß dieser am Ende ganz dadurch aufgezehrt würde. Unser Weltsystem freylich scheint ein solches Per- petuum mobile zu seyn, aber sein Gang ist bey weiten noch nicht lange genug beobachtet worden, um darüber urtheilen zu können, und am Ende können wir nicht wissen, ob eS nicht durch uns unbekannte Kräfte in Hunderttau senden vrn Jahren wieder ausgezogen wird, oder ob cS nicht gar so geht, wie die Schiffmüklen, auf einem nie versiegenden Strome, der aus Quellen strömt, deren Wasser immer durch Evaporation wieder anfgewunden wird; durch eine Evaporation, die durch die Sonne unterhalten wird, und die Sonne/ die- und so ins Unendliche fort. Ucberhaupt hat man sich, dünkt mich, zu hüthen, die Anwendung irdischer Mechanik auf das System des Ganzen nicht zu übertreiben, und »och weniger auf die Einrichtungen desselben Hoffnungen für den Perpetuum- mvbilisten zu gründen. Es wäre möglich, daß man sich alsdann in ähnlichen Schwierigkeiten verwickelte, in die sich der Chemiker verliert, so bald er sich mit seinen Grundsätzen in die Haushaltung der organischen Natur hineinwagt, oder Hoffnung nähren wollte, dereinst noch aus Wasser, Kraut, Rüben und atmosphärischer Luft, trotz dem Elephanten, Elfenbein, oder auS Regenwasser, Luft und Dammerde Eichenholz zu nrachen. ES kömmt mir immer — ZZS — vor, als Waken die Hoffnungen der Alchymisten nicht viel besser gegründet. Soll man die der Pcrperuum - mobilistcn auch mit dazu rechnen? Ich kaun diesen Aufsatz unmöglich schließen, ohne mein herzliches Leid übet das Schicksal deö thätigen, redlichen und gewiß nicht talentlosen Mannes zu bezeugen, dessen Erfindung der Gegenstand desselben gewesen ist. Zugleich aber muß ich auch fein Beyspiel als eine Warnung für manche Leser aufstellen, sich nicht mit diesem gefährlichen Geschäfte- einem der schlauesten Zeildiebc/ einem der gefährlichsten Geld- diebe und dem schleichendsten Gift für Gesundheit und Leben, zu bemeugen, ehe sie sich nicht wenigstens so viel gründliche Kenntniß der Mechanik erworben haben, sich eine Menge kostbarer und vergeblicher Versuche zu ersparen. Es ist zwar wahr, daß cS hier und da Menschen gegeben hat, die ohne das, was man gewöhnlich mathematische Kenntnisse nennt, auf neue und herrliche Ideen, zumahl in diesem Fache, gerathen sind, ja selbst in Ausübung gebracht haben, die den größten Genies entgangen waren. Man hat mir einen ge, wissen Mr. Oniori, einen Engländer, gerühmt, der, wo ich nicht irre, noch lebt, der voll der glücklichsten Ideen und Vorschläge zu Verbesserungen der Maschinen und roll neuer Aussichten sey» soll, und von dem, vermuthlich ein wenig übertrieben, gesagt wird, er verstehe die vier Species nicht. Der berühmte Harrison selbst mag wohl eine Zeit lang wenigstens etwas mit zu dieser Classe gehört haben. Allein solche Beyspiele dürfen ums Himmels willen nicht als Trost für die Unwissenheit, oder gar als Muster zu einem neuen Stu- P VII. dien-Plan für dieselbe angeführt werden. Diese Männer haben sich gewiß eine Menge malhemalischer Kenntnisse zu eigen gemacht, nur nichr anf dem gewöhnlichen Wege, sondern auf einem andern, der sehr viel größere und besondere nau'nlicde Anlagen erfordert, um ihn wandeln zu können, als der gemeine. Ueber dieß kören solche Leute viel und sehen viel, zumal,! in Städten wie London, sie werden znrecht gewiesen von Leuten, die keine eigentlichen Lehrer sind, und so entsteht am Ende bey ihnen eine Art von Ausbildung, die, ohne den Nahmen einer gelehrten zu haben, doch wirklich eine Art derselben ist. Auch ist die Welk wirklich gegen dergleichen Erfinder oft dankbar genug, ihnen den Fang des WildeS ganz zuzuschreiben, das sie durch Jnstinct eigentlich bloß ausgespürt und aufgejagt, nachher aber erst gelernte Jäger eingehvhlk, cingefangcn, und so für die Gesellschaft nutzbar gemacht haben. ZZS — II. Miscellaneen. i) Neues Hygrometer. Herr Casbois, Benedicriner zu Metz, hat ein Hngrometer aus einem Darm des Seidenwurms (bivFrometre n 6e Vers a 8o>zre) angegeben, das sich sehr gut ballen soll, ob es gleich wahrscheinlich ist, daß es nicht von dem Fehler frey seyn wird, dem alle thierische sowohl als vegetabilische Substanzen bey dieser Anwendung umerworfen sind, wenn man Faden von ihnen gebraucht, und nicht solche Streifen, die senkrecht auf die Langensibern geschnitten sind (Querstrcifen). Doch dieses nur im Vorbcvgehen. Diese Seidenwürs werdärme sind gewiß vielen unserer Leser Y 2 Z4o — bekannter als sie vielleicht selbst wissen, zumahl denen, die sich mit dem Fischfang mit der Angel abgegeben haben. Man findet nähmlich am Ende der Angelschnur einen Faden, der einem weißen Pferdehaar gleicht, allein dicker und starker, auch dnrch- sichrlger ist. Diese Fäden, die man in Frankreich poüz 6s b'lorencs (Florentiner Haare) und in England hier und da gar Imlia Ersls (Indianisches Gras) nennt, sind ein Eingeweide des Scidcnwurms- Wei! es ein sehr schöner und fester Faden ist, der vielleicht noch bey mehrern Werkzeugen nützen konnte, so will ich hier kurz beschreiben, wie er zubereitet wird. Man findet nähmlich im Seidenwurm, wen» er reif zum spinnen ist, zwey Gefäße, die von dem Kopfe nach dem Magen zu laufen, an den sie sich anlegen, alsdann sich gegen den Nucken zu beugen, wo sie viele Falten formten. Derjenige Theil jedes dieser Gefäße, der am Magen ruht, ist von cylindrischer Form, und hat etwa Eine Linie im Durchmesser. Diese beyden Gefäße enthalten eine gummiartige Materie, dir einige mit dem schöne» Chinesischen Firniß für einerley halten; eigentlich ist es der zähe Saft, den der Wurm zur Seide spinnt. So äußerst zart auch diese Gefaß- chen sind, so hat man doch Mittel gefunden, sie auö dem Jusect zu ziehen, und zu obigem Gebrauch mit leichter Mühe zu bearbeiten, und daraus Faden von großer Starke zu bereiten. Das Verfahren ist folgendes: wenn der Wurm spinnen will, so wirft man ihn in Weinessig und laßt ihn etwa 24 Stunden darin liegen, indessen zieht der Essig in das Insict uud coagulirt den Saft. Hierauf öffnet man den Wurm, zieht dir beyden Eefäßs — Z4- — heraus, die sich »u» gut behandeln lassen, und benutzt die noch übrige Biegsamkeit derselben sie zu dehnen. Sie würden sich sehr weit ausziehen lassen, allein, um noch eine beträchtliche Siaike zu behalten, gibt man ihnen gewöhnlich nur eine Lange von iz bis 20 Zoll. Es versieht sich von selbst, daß man sie bis zur völlige» Trockenheit i» gehöriger Spannung halt. Ehe sie aber diese völlige Trockenheit an der Lust erhallen, sucht man sie mit den Nageln von einem schleimigen Wesen zu befreyen. Ein solcher Fa^cn ltägk 0 Pfund ohne zu zerreißen Im Wasser ist er schwer zu sehen, und daher zu der Hanptabsickt, die man bey seinem bisherigen Gebrauch halte, sehr bequem. — Z4Z — 2 ) Regenbogen auf dem trocknou Wege. Man sucht den Garten mit ungeheuren Kosten eine oft sehr vergängliche Zierde zu Verschaffen, baut Palläste von flüchtigem Lattenwerk, bestreut Beete mit buntem Sand, illuminirt sie zum Vortheil der Oel - Lieferanten und Bedienten, und z»m Nachtheil der Gewächse, oder bemahlt den nächtlichen Himmel über denselben, mit feurigen Schweifen und künstlichen Come- tenschwanzen, die oft den Finanz - Kammern gefährlicher sind als die natürlichen. Wäre es nicht der Mühe werth, folgende Verzierung in einem Garten anzubringen. Man hat bekanntlich eine A>r von Tischen, die mit Corallen von allerley Fachen besitzt sind, wodurch dann eine Art von Mvsaiqus erhalten wird, das man, um es, wo nicht dem Auge doch dem Verstände erträglich — Z.!4 — zu Mäch?,!, wenigstens Nicht für ein Pre- ducl der -üttuu tLniporuta ausgeben müßte. Besetzte man auf eine dieser ähnlichen Weise eine der Sonne ausgesetzte Wand in einem Garten mit kleinen soliden Glaskü- ge'chen, oder allenfalls auch mit geblasenen und mit Wasser gefüllten, so würde dieses dem Spetzier enden einen sehr angenehmen Anblick gewähren. Er würde nähmlich den Scharren seines Kopfs mit einem Kreise von den lebhafiesten Regenbogen - Farbe» umgeben sehen, sobald derselbe auf dies» so besetzte Ebene siele- Ginge man mit einigen Personen in Gesellschaft, deren Köpfe alle ihren Schalten auf die Ebene würfen, so halle jeder das schmeichelhafte Glück seinen eigenen Schatten nur allein mit dieser Glorie verherrlicht, die seiner Begleiter hingegen in schuldigst niedriger Strahlen» ldsigkeit Zu erblicken, welches eine der en!» zuckeudsicn Lagen ist, in welche das Merrs schenhcrz kommen kann. Jeder würde sich als den Auösrwählten des Himmels betrachten, hingegen seinen Begleiter für ei» nen gemeinen Tropf oder armen Teufel, wodurch denn jene Innigkeit und jenes Zusammenschmelzen der Herzen hervorgebracht wird, wodurch öffentliche Zusammen- kaufte in Bädern und andern Orten einen so unwiderstehlichen Neitz für gewisse Menschen haben. — Wollte man die Kügelchen blasen lasst» und mit Wasser anfüllen und wieder zuschmelzen, so wäre beym Einsetzen in die Plane dafür zu sorgen, daß der zn- geschmokzene Theil eine solche Lage bekäme, daß er die Wirkung nicht hinderte. Mit mäßiger Genauigkeit geschliffene und pvlirts waren dazu freylich am schicklichsten. Könnte mit dieser Spielerey etwas verdient werden, so würde mau sie bald in großer — Z46 — Menge auf einmahl schleifen, poliren und einsetzen lernen. Z)E!ne kleine Lehre und Warnung für Meteorologen. Da der Mond um unsere Erde herumläuft, mährend sie in ihrem Kreise fortgeht, und da der Winkel, den die Bahn des Mondes mit der Erdbahn macht, nicht sehr groß ist: so sieht man leicht, daß bey dieser gemeinschaftlichen Reise um die Sonne, Erde und Mond bald neben einander hergehen müssen, wie beym vollen und neuen Lichte, und bald einander folgen, wie beym ersten und letzten Viertel, wo nähmlich, im ersten Falle, der Mond der Erde und dem letzten die Erde dem Monde nachläuft. Weil nun ferner der Mond bey seinem monathlichen Umlauf um die Erde, die Ebene der Erdbahn zwey — Z47 — Mahl schneidet: so fragt sich: ist ein Fall möglich, wo die Erde gerade auf die Stelle zulauft, wo der Mend vorher gestanden hat. (Hierbey wird vorausgesetzt, daß die Sonne ihren absoluten Ort nicht ändere,) und man also auf der Erde sagen könnte: jetzt sind wir in der Stelle, wo der Mond vvrbi» stand. Wie viel dieses Vorhin beträgt, wäre leicht berechnet, wenn sonst der Fall im strengsten Verstand möglich ist. Man sieht leicht ein, daß wenn dieser Fall möglich ist, er nur allein eintreten kann. wenn der Mond bevm letzten Vicriel in seinem Knoten steht, denn mir alsdann lauft die Erde in ihrer Bah» auf ihn zu. Wie Habe er sich aber alsdann der eigentlichen Erdbahn (mchi der Ec'ipilk, den» darin ist er, weil er in seinem Knoten siebend angenommen wird,) befindet, laßt sich leicht durch Rechnung mit großer Genauigkeit ausmachen, Dieses gehört nicht hierher. Daß es nicht sehr weit seyn könne, sieht man schon daraus, daß, die Distanz dcS Mondes zu zvooa Meilen gerechnet, dieser ganze Weg, nur clwas über 8 Minute» der Erdbahn im Bogen betrügt, und folglich eine Linie vom Auge nach dem Mittelpunkte des Mondes zu der Zeit gezogen, wenn sein letztes Viertel genau in de» Knoten fällt, selbst mit der Tangente der Erdbahn nur eine» Winkel von 8 Minuten macht, also einen nur halb so großen, als der Scmidiamcter des Mondes; und nun ist der Scmidiamcter der Erde über vierte- halbmahl größer, als der des Mondes-, da sich beyde fast wie 37:10 verhalten. Woraus erhellet, daß die Erde, wenn dieser Fall einmahl präcis einträte, den ganzer; Raum und drüber erfüllen würde. — Z49 — in welchem der Mond gestanden hat. Den Weg dahin legt die Erde in weniger als viertehalb Stunden zurück. Diese Betrachtungen rechtfertigen, dünkt mich, jeden Meteorologen, Acht zu geben (denn alles Probiren im Stillen hat man umsonst)^ was sich ereignet, wenn etwa der Mond in seinem letzten Viertel in seinem Knoten oder nahe dabey stände; weil unsere Erde alsdann noch viertehalb Stunden ungefähr da stehen würde, wo der Mond gestanden hak. Wenn nun die himmlischen Körper sich in einem Aether bewegen, der ebenfalls seine Affinitäten hatte, so wäre es doch wohl möglich, daß der Mond nicht Alles mit sich fort genommen, sondern, wie etwa die Cometen, etwas zurück gelassen hätte, was nnn auf die Erde wirkte. In dieser Rücksicht merkte ich mir, weil man das Prvbiren umsonst hat, im Jahr 179z. ungefähr die Zeilen an, wann der Mond im letzten Viertel seinem Knoten nahe stand. Das war der n. Iunins und der 6. December. Am erstem bemerkte ich nichts Sonderliches; im zwevten in der Nacht aber einen sehr heftigen Sturm, wie ste aber, um diese Jahrszeit wenigstens, nicht selten sind Alles dieses aber wurde aus Nachlässigkeit mehr nach der Hand aus einem, in einer gan; andern Absicht geführten Tagebuche ersehen, als a» dem Tage selbst, mit Bewußtseyn dieser Absicht, angemerkt. Desto besser, wird man sagen, und mit Recht. Aber nun! Ich suchte diese Tage wieocmm für das Jahr 174z., und da war der erste, der l. Junius, den ich daber mit Begierde, wie ich mcht laug- uen kann, enoarreke. Es war ein Sonnabend, an dem ich mich im Sommer gewöhnlich auf einem Gauen vor der Stadt — ZZl — befinde. Ich stand ein Viertel nach vier Uhr auf, und fand, (in dieser Jahrszcit gewiß ungewöhnlich!) den ganzen Garten bereift und das Reaumur. Thermom. auf o, und siebenviertel Stunden nach Sonnenaufgang stand es erst auf -s- q. Ich bitte alle Witlerungsbeobachter, diesen Tag in ihren Journalen nachzusehen. War das nicht eine Entdeckung? Sicherlich nicht. Die Beobachtung steht hier bloß zur Warnung und zur Lehre. Den 25. November, wo diese Lage des Mondes wieder eintrat, bemerkte ich gar nichts. Wer indessen diesen flüchtigen Einfall im Ernst nützen wollte, müßie auch berechnen, welche Seite der Erde zuerst mit jenem Orte in Berührung kömmt, und die Lage der tiefste» Emdringung beyder Atmosphären bestimme», woraus zugleich der Erdstrich sich ergeben müßte, wo diese Einwirkung etwa die größte wäre. Wie wenig ich auf die Sache geachtet habe, erhellst schon daraus, daß ich in diesem ganzen Jahr (1794) nicht daran gedacht habe. Wer sich in dem Jahr 1795- darum bekümmern will, müßte seine Aufmerksamkeit unmaßgeblich hauptsächlich auf den 12. April! und der, A. Oktober richten, wo eine solche Lage von Mond und Erde ungefähr wieder Statt finden wird. Ich rechne gar nicht darauf, aber noch einmahl: Das Prvbiren hat man umsonst. 4) Strinregen zu Sicns. Achtzehn Stunden nach dtm großen Ausbruch des Vesuv, von welchem oben geredet worden ist, fielen nahe bey Siena im Tvscanischen, 50 deutsche Meilen vom Vesuv, bey einem außerordentlich schweren Donnerwetter etwa ein Dutzend Steine von allerley Caliber aus der Lust. Diese Steine sind von einer Art, die in der ganzen Gegend sonsi nicht gefunden wird, schwarz, auf der Oberflache verglast, und tragen alle Spuren einer großen ausgestandenen Hitze an sich. Auf dem Bruche sind sie licbtgrau mit schwarzen Flecken und einigen glänzenden Punkte», die von er- fa'arnen Männern für Schwefelkies erkannt worden sind. Der Stein, den Sir William Hamiltou von dem Grafen von Bristol. Bischof von De r ry, der sich wahrend des Vorfalls in Siena befand, erhielt, war einer der größesten, und wog fünf Pfand. Hierbey läßt sich viel fragen: 1) Ist das Factum richtig? Allerdings, wie Jedermann gern zugeben wird, eine Hauptfrage. 2) Wenn das Factum richtig ist, sind die Steine, sowie man sie gefunden 3 vrk» — Z54 — hat, von, Vesuv oder einem andern Balkan bis dahin geworfen worden, oder haben sie Z) sich über dem Ort, wo sie gefallen sind, eist in der Lust gebildet? Diese Frag» zerfällt füglich in zwey andere untergeordnete: s) H.me der Vulkan nicht selbst alsdann noch Llmhcil an ihrer Bildung? und h) haben sie sich ohne allen vulkanischen Einfluß, in der Luft durch einen neuen noch unbekannten Prozeß gebildet? Wir wollen alle wenigstens berühren. Was die erste und große Hauptfrage betrifft, so ist nicht zu läugnen, daß sehr viele tiefe und hohe Weisheit in der Welt halte erspart werden, und sehr viel Erklä- rungs-Geist ruhig aus feiner Hefe liegen — Z?5 — bleiben können, wenn man sie immer mit Ernst und zu gehöriger Zeit aufgeworfen halte. So hat man sich z. B. sehr gequält zu erklären, wie das Wasser auf die Spitze des Felsens von Cintra, fünf Meilen westlich von Lissabon komme, eines Felsens, der alle» Schiffern als daS westlichste Ende von Europa bekannt genug ist. Man hat auf allerley gerathen, so gar auf einen besondern magnetischen Zug des Felsens gegen das Wasser. Das Phänomen ist nunmehr höchst vortrefflich erklärt: Nähmlich es ist wicht wahr, daß Wasser auf der Spitze des Felsens quillt. Hier können wir unmöglich ein Beyspiel nnangeführt lassen, welches der große Franklin erzählt, und das um so merkwürdiger ist, als er Selbst sich mit unter den verleiteten Erklärern befand. In einer Gesellschaft von Gelehrten, Franklin Z A darunter, wurde der Schuh einer Schinesischen Dame vorgezeigt. Alle bewunderten die außerordentliche Kleinheit desselben, und konnten nicht begreifen, wie es einem erwachsene», menschlichen Geschöpfe nur möglich wäre, den Fuß in ein solches Futteral zu stecken, und noch viel weniger damit zu gehe». Man halte lange dispntirt und erklärt, als eine Dame von bloß natürlichem, unbefangenem Mewchen- Verstande in das Zimmer trat. Sehen Sie einmahl »nis Himmels willen, sagte man, diesen Schinesischen Damen-Schuh. Sagen Sie, wie ist es möglich den Fuß hier hinein zu bringen, oder wenn er einmahl darin ist, damit zu gehe»? Die Dame sah den Schuh einen Augenblick an. Woher wissen Sie denn, fragte sie die gelehrten Herren, daß dieses ein Schine fisch er Damen-Schuh ist, und daß ihn eine — 35 ? — erwachsen? Dame je getragen hat? Kaum war die Frage gethan, so saß, verrr, reieii, eeiar, mit einem Mahle die ganze gelehrte Gesellschaft mit ihren Recherchen auf dem Sande. Daran halte man mehr gedacht. Die leidige Belesenheik hakte den Verstand berückt. Nun zurück auf den Stein- regen. Was die erste F>age betrifft, ob das Factum richtig sey, so m»ß sie wohl mil Ja brau wertet werden. Denn man hat wirklich gezweifelt, und das ist schon genug; daher auch Männer, wie der Abhake Soldani und Domcnico Tara, sich an die Erklärung der Sache gemacht und darüber geschrieben haben. Auf die zwente Frage, ob der Vesuv oder ein anderer Vulkan die Steine in dieser Form dahin geworfen, muß man wohl mir Nein! antworten. Man will zwar oft Steine von der Form und dem Ansehen der aus — Z)8 — der Luft gefallenen, auf dem Vesuv ge-- fundn, kiabcn, und Sir William Harrn! ton hat auch nach dem Vorfall deßwegen auf dem Berg- selbst herum gesucht, aber, weil Alles noch mit feiner Asche bedeckt war, nichts für die gegen- wattige Vcrglcichmig finden können. Nähere Aufklärung über dicsc-tt Puult muß also wohl noch abgewartet werden. Ueberhanxt aber ist die Entfernung des Vulkans von der Gegend, wo die Steine fielen, zu ungeheuer, um so etwas nur einiger Maßen wahrscheinlich finden zu sönnen. Die große Explosion geschah fast völlig in senkrechter Richtung, und von einem Sturme, der Steine von fünf Pfunden hatte fortführen ober der Wurfweite eine solche Ausdehnung hätte geben können, wäre auch keine Spur. Das Produkt des Berges von Rad irrst) ni, der unstreitig vulkanisch ist, kann Z59 — es auch nicht gewesen seyv. Seine Entfernung von Sie na ist zwar nur ^ von der deS Vesuv, allein man weiß nichts von einem Ausbruche desselben zu der Zeit. Der Ruf von einem so merkwürdigen Vorfalle würde sich gewiß sehr viel schneller veröieitel haben, als die Stringeschichte. Also, wenn die Sache wahr ist, so müssen sich die Steine über dem Orte, wo sie gefallen sind, oder wenigstens nicht weit davon, in der Lust gebildet haben. Hat nun, wen» dieses ist, der Vulkan dennoch Antheil daran oder nicht? Die erste Frage verdient allerdings Aufmerksamkeit. Man weiß schon lauge, daß die Asche der Vulkane oft auf eine ungeheure Strecke weit fortgetrieben wird, und selbst bey diesem Ausbruche des Vesuvs hat mau davon ein mit einem so vortreffliche» Zeugnisse belegtes Beyspiel, dgß eS bemerkt zu wer- den verdient, nähmlich am i8- Juni schrieb der Bischof von Taranto, welches wohl vierzig demsche Meilen vom Vesuv entfernt ist: "wir sind hier in eine dicke Wolke von vulkanischer AÄie eingehüllt, lind wir mutbmaßen, daß entweder der Aetna oder der Slromboli einen Aus- hrnch gehabt haben muß." An den eilt, fei nie» Vesuv dachte der gute Bischof nicht. Ja die Wolke erstreckte sich bis nach ^lecce, daS wolst so weit von Neapel seyn mag, als Siena, und war so eleknjsch, daß ein BI tz aus derselben in ein Hans zu Marnno nicht weit von Taranio einschlug Wie wenn also, wuthmaßt Sir William, die Steine sich aus der feinen Asche gebildet und geballt hatten, so wie Hagelkörner und Klumpen von Hagelkörnern sich aus Schnee bilden und ballen. sDas ganze Gewitter — z6r — zu Si'ena könnte alsdann seinen Ursprung jener A''cbe zu danken gehabt Habens. Was die Vergasung anbelilstt, so könnte man wohl den Grund davon in der elektrischen Materie suchen, da man Beyspiele hat, daß der Blitz selbst LZuarzsand geschmolzen hat. sAnch weiß man ja nicht, was a»S einer großen elektrischen Wolke werden kann, wenn diese Wolke nicht aus Wasser, Dunst, sondern aus einem schmelzbaren Körper besteht, und sich plötzlich ihrer elektrischen Materie entladet. Was man gewöhnlich feine vulkanische Asche nennt, könnte selbst schon ein irockncr Niederschlag aus einem elastischen Flüsigcn gewesen seyn, in welchem sie sich aufhielt, wie Kieselerde in der Flußspakhluft (6nL a-a/ris /r-or-rc/r/e), oder könnte für sich einen elastischen Dampf formirt Habens Frenlich ist hier immer vieles dunkel; auch liegt Sieua nordwestlich von Neapel ab, Taranto und Lecce hingegen südöstlich; doch dieses äncert die Sache niü)t, da man weiß, wie nahe sich in den höher» Regionen oft einander entgegengesetzte Winde liegen, und über dieß waren die Phänomene bey Sie na und Taranto nichts weniger als gleichzeitig. Indessen da, w-e Sir William versichert, Soldani das Phänomen ganz independcnl von dem Vulkan erklärt haben soll, so müssen sich wohl an Ort und Stelle.Umstände gezeigt haben, die einer vulkanischen Mitwirkung entgegen sind, und demnach hinge das Phänomen wohl mir einigen wenigstens von denen zusammen, wovon Hr. Dr. Chladn.i in seiner merkwürdigen Schrift; Ueber den Ursprung der von Pallas Kftmdenen und anderer ihr ähnlichen Ei'cnmaffen, Beyspiele gesammelt — zLz — hat. Soldani's sowohl als Lata'ö Schrift habe ich noch nicht gesehen. 5) Cam inserier zu färben. Der Engländer sagt sprüchwörilich: Fr"s r'r oo^a/rr/, Feuer ist Gesellschaft. Gewiß sehr wahr! Ich habe einen Mann gekannt, der so gar ein neben ihm brennendes Räucherkerzchen für keine schlechte Gesellschaft hielt, wen« er einsam stndirte. Feuer ist heben. Ich habe Kinder bey einem brennenden Stückchen Papier fragen hören: soll ich es todt wachen? Der Deutsche nennt die nicht brennende Kohle todt, und ich bin überzeugt, nicht bloß die Dichter, sondern selbst die Prosaiker an der Magrl!anischeu Meerenge würden die Vcrglcichn.ng des Lebens mit einem Licht (wenn sie Lichter hätten,) das der Tod auslöscht, so wenig unschicklich finden, als — 564 — die an der Leine. Da nun also Camin- feuer Gesellschaft ist, so wird es Personen, die leicht alle Gesellschaft langweilig finde», der es an Abwechselung fehlt, nicht unangenehm seyn, von einem Mittel zu hören, auch dieser mehr Anmuth durch lieblichen Wechsel zn geben. Es besteht dieses in der Kunst die Flamme zu färben, und man kann die Leser versichern, daß der Anblick, den ein solches Feuer gewährt, sich zu dem eines gewöhnlichen Verhält, wie die Phantasien der lieblichen Grasmücke zu dem ewigen Dactylen- Geklapper der Wachtel. Weil sich bey der gemeinen Flamme schon roth, gelb und weiß findet, so ist es bloß nöthig, noch ein schönes Blau und Grün hinzuzuthun. Das erste erhalt man durch zwey Theile gebrannten Kupfervitriol, einen Theil Salmiak und zwey Theile weißes Pech; das letztere durch einen Theil Salmiak, zwey Theile Grünspan, und zwey Theile weißes Pech. Alles wird pulverisirk, jn kleine Patronen, von der Dicke eines starken Federkiels und zwey bis drey Zolle lang, geschlagen, von denen man von Zeit zu Zeit einige in die Gluih wirft. Liebhaber vorn Schwarzen, halten sich an die todten Kohlen oder den Camin selbst. 6) Das Neueste von den Kröten» Ueber das höchste Alter, das Thiere erreichen können, ist noch wenig Bestimmtes bekannt, und vermuthlich wird unsere Erdkugel selbst erst noch um ein Beträchtliches alter werden müssen, ehe man darüber zu einer gewisse» Erkenntniß gelangen wird. Die Schwierigkeit, etwas Sicheres hierin auszuftnven, wächst über dieß gerade bey der interessantesten Classe, nähmlich derer- die sehr alt werden können. Denn eben durch dieses längere Leben wird auch die Wahrscheinlichkeit verwehrt, daß sie irgend einmahl ein Zufall vor dem eigentlichen Natur-Termin wegrafft. Ihre treuen Aufseher und Gönner sterben weg, sie werden vererbt, und wohl gar der neuen Regierung und dem jungen Herrn zur Last, man kann das Geld besser gebrauchen; es fehlt an gehörigcr Wartung; die hausigcn Visiten, die sie erhalten, oder mitunter auch wohl geben müssen, tragen Mich nicht zum läugern Leber, bey; sie werden von ihnen geneckt, oder, welches fast noch schlimmer ist, wie gute Freunde behandelt und mit Leckerbissen trackirt, die sie nicht vertragen können, und sterben alsdann wie Menschen, entweder an der Ehre selbst, die man ihnen angethan hat, oder an der medicimschcu Hülfe, womit man sie wieder »»gethan machen will. Gewaltsamen Zufallen sind sie, wie Alles was lebt, ausgesetzt. Stirbt aber auch endlich eins vor Alter wie man glaubt, so bleibt denn doch immer noch die Frage, ob es nicht langer gelebt harre, wenn seine Lage in der Welt freyer und weniger kiostcimasiig gewesen wäre. Ich setze die wirklich bemerkte Lebensdauer von einigen der ausdauerndsten hierher. Nach diesen Beobachtungen levt der Elephant izo bis 200 Jahre, der Papagey no Jahre und länger, der Schwan :oc> Jahre, der Adler no Jahre, das Krekvdiü 100 Jahre und drüber, die Schildkröte 100 Jahre, der Karpfen iüd> bis izü Jahre, der Mensch (im neuen Testament) izo bis 170 Jahre °) Ts finden sich In der neuern Geschickte Nachrichten von ältvrn Menschen, die aber nicht — Z68 — Aus dieser Liste steht man, daß der Mensch, wie schon Aristoteles urtheilte, inner allen bekannten Thieren am lauschen lebt, etwa den Elephanten ausgenommen, und dag er auch diesen überleben würde wenn er sich mehr, als bisher, aus das Lang leben legen wollte, leidet kaum einen Zweifel. — Aber die Kröte, die Kröte, wie lange lebt die, oder wie lange kann sie leben? so zuverlässig find, als die von dem bekannten Thomas Darr, der 152, und Henry Jen» kins der 1Ü9 Jahr alt wurde. Don dein erster» verdient vier angemerkt zu weiden, daß er nicht vor Alter, sondern an einer Indigestion stach, die er sich aus der königlichen Küche hoolre, also wirklich an einer angetbanen Ehre, am z,en Nov. lüZZ. Al« Carl. I. eines Tages zu tdu, sagte: Parr, ihr habt länger gelebt, als andere Menschen, was habr ihr mehr gethan als andere? so antwortete er sog! ich aus dem Stegreif: Ich hab- im hundertsten Jahr- K i r> chenbuße gethan. Er heirathete noch einmahl in seinem lao Jahre. Nach seinem Tode genoß er die Ehre — von dem großen Harvey ftcirt zu werden. — Z6y — Diese Frage möchte man fast mit einem algebraischen: I Jahre, beantworten, ack r-rch^»'Mi»a^rM Daß man lebendige Kröten und einige andere Amphibien mitten in soliden Stein- und Marmor- Blöcken gefunden hat, ist eine unläugbare Thatsache, und schon lange gewesen. Es könnte also unnütz scheinen, dieses noch mit neueren Beobachtungen zu belegen. Allein die Beobachtung unsers Herrn Dr. M ur- hard's, ist zu schön, um ihrer nicht bey dieser Gelegenheit Erwähnung zu thun» Herr. Hofr. Käst »er, der sich bereits im Jahr 1752. in seiner Vorrede zum zren Bande der schweb. Abhandlungen über diese sonderbaren Erscheinungen erklärt, hat jene daher auch für werth geachtet, eine kurze Nachricht davon dem azsten Stück unserer gelehrten Anzeigen für 17yd. einzuverleiben. Herr Dr. M. fand nähmlich Aa VII. Z 70 — am sö. Dcc. 1795., als in eincm Steinbruche bey Cassel ein großer solider Stein getheilt wurde, in der Mitte desselben, drey lebendige Kröten, die in einer elliptischen, inwendig mit einer gelblich brauner? Materie lackirten Höhlung beysammen lagen; zwey große und eine kleine. Tonst war keine sichtbare Höhlung in diesen? Steine, auch war nicht die mindeste sichtbare Spur von einer Verbindung dieser Zelle mit der äußeren Lust, und der Stein, nahe mn sie her, eben so hartjals anöden übrigen Stellen. Als es für sie Licht ward, wollten sie nicht heraus, und es kostete Mühe sie heraus zu bringen; wenn man sie heraus hatte, sprangen sie immer wieder Hinei,!'. Endlich wurden sie genöthigt a»f das benachbarte Gras zn ipnngen, wo sie sehr munter umher hüpften, so- daß sie schwer beysammen z» halten waren- — Z?r — Nach Verlauf einer halben Stunde Ware« sie alle todt, die armen Geschöpfe, die viel? leicht zt Jahre da ruhig gelebt hatten! Wie ist das zugegangen? So viel ist wohl gewiß: sie sind entweder bey der Größe- die sie hier bey ihrer zweyten Geburt hatten, von der noch weichen Masse ein- - geschlossen, oder aus dem Eh in dem Schlamme nach und nach einwickelt wvr- den, und haben diesen durch ihr Wachsthum so lange ausgedehnt- bis er nicht mehr nachgab. In beyden Falle» sind sie gewiß wenigstens so alt, als die Er- Härtung des SieinS, nähmlich r, Jahre- Wie haben sie aber da lebest können- sclbsi wenn r/ keinen allzu kleinen Bruch bedeutete. Die Beantwortung dieser Frage ist freylich schwer', hat aber doch bey diesen Thieren sehr viel weniger Schwierige keit, als bey andern, Ihr zähes Leb'eu- Aa s wie man zn reden pflegt, ist bekannt, auch daß sie sehr lange ohne Nahrung aushalten können, nachdem sie schon an Nahrung gewöhnt wartn. Wie weit mag sich dieses nicht erstrecken, wenn sie sich aus dem Ey ohne Nahrung durch den Darmkanal entwickeln. Aber wie ist eine solche Entwickelung möglich. Hierüber verbreiten vielleicht Herrn Townson's, eines Engländers, und kürzlich noch unsers gelehrten Mitbürgers, Versuche einiges Licht. Die Kröte, ob sie gleich nie trinkt, wenigstens mit dem Maule nicht, kann schlechterdings ohne etwas Feuchtigkeit nicht leben. Sie trinkt durch die Haut. Um bey ihren Reisen über Land Vorrath davon zu haben, sammelt sich ein Theil dieses Wassers in einer besondern Blase, die man sonst fälschlich sür ihre Urinblase und deren wässerigen Inhalt für Gift gehalten hat. — Z7Z — ES ist aber das reinste Wasser. Hr. Torvnson hat es nicht allein chemisch geprüft, sondern auch gekostet, denn er war bey seinem hiesigen Aufenthalt so vertraut wir diesen Geschöpfen, daß er ihnen auf seinem Tische herum zu kriechen uno den Zucker aus semer Zuckerdose zu stehlen verstattete. Würde man sie an der trocknen Luft liege» lassen, so würten sie gewiß bald sterben; aber setzt man sie nur auf feuchtes Lösch- papier, oder bcsireicht sie zuweilen mit einem nassen Pinsel, so befinden sie sich wohl; ihr Gewicht nimmt zu, und die Blase füllt sich mir Vorrath. Nun lassen gewiß alle die Steine, in denen sie sich finden, Feuchtigkeit zu, und behalten sie, wenigstens so lange sie in einiger Tiefs unter der Erde liegen. Die größere Weichheit dieser Steine beym Herausnehmen aus dem Bruche, die sich bald beym Zutritt — 374 — beö Lichtö und der freyen Luft verliert, beweist dieses offenbar. Die Srciuatt, worin die Kröte stack, wovon in dem zten Bande der Schweb. Abhandlungen geredet wird, nahm daö Wasser sehr gierig auf. Die Gesäße, die in der Chemie selbst oft noch verschlossen genannt werden, sind nichts weniger als dieses. Retorten aus Wedgwood'S Terra cotka lassen nicht allein Luft und Wasser durch ihre Substanz durch, sondern, was das Merkwürdigste, und, so viel ich weiß, noch nicht erklärt ist, beyde nach entgegengesetzten Richtungen zu gleicher Zeit. Die Luft dringt durch die Substanz hinein und der Wasserdampf heraus, wohl zu merken, bey übrigens offener Retorte. Warum sollte also ciu Licht- und freye Luft scheues Thier, das aber ohne Feuchtigkeit nicht bestehen kann, sich picht in einem Raume entwickeln und vegetiren können, der ihm Feuchtigkeit verstattet und selbst Lust zuführen kann, so bald durch Zersetzung derselben Mangel entsteht? Warum sollte ein Thier nicht dnrch Aersetzung dcS Wassers sich entwickeln und vegetiren können, wie eine Hyacinthen-Zwiebel, zumahl da der Stein eben so gut elastische Entwickelung abführen, als Wasser zuführe» kann? An Lichtmaterie kann cö ihm so wenig fehlen, als es den unterirdischen Pflanzen daran fehlt. Genug um dabey zu vegetiren, aber nicht um zu sehen. Jammer Schade, daß man über diese so äußerst wichtige Sache noch so wenige Versuche hat, die doch manchen Personen so leicht seyn müßten. Eine Menge solcher Thiere, alle einzeln, in kleine irdene nicht glastrte und wenig gebrannte Töpfe, oder in Kapseln von Filtrirstein oder überhaupt von frischem Sandstein eingeschlossen und — Z?6 — etwas tief in feuchier Eide vergraben, wovon man von Zeit z» Zeit einen herausnähme, würde die Muthmaßung wenigstens in etwas engere Gränzen zusammenziehen. — Nun noch ein paar Fragen: Sollte nicht daS eigentlich thierische Leben dieser Geschöpfe erst mit dieser ihrer zweyten Geburt i'cinen Anfang nehmen, und mit dem Augenblick, da sie das Licht der Welt erblicken, so wie einige von den ewigen Lichtern behauptet haben, die man in Gewölben gefunden haben will, daß sie sich erst den der C öffnung derselben und bey dem Zutritt der freyen Luft entzündet hätten? Lagen die Thiere nicht etwa b oß, Wie Embiyonen im Schoß der Mutter, hier in der mütterlichen Eide, bloß durch Zersetzung der Feuchtigkeit, die ihnen langsam zufloß, genährt, wie jene durch den Blutumlanf und vielleicht auch Zersetzung — Z77 — der Feuchtigkeit? — Was findet man in den Eingeweide» dieser Thier ? Wie verhüll es sich mit ihren Lungen, ihren Herzen und Magen? — Hut man je dergleichen Thiere todt, oder halb verwest, oder ausgetrocknet j„ diesen Steinen gefunden? Letzteres würde vermuthlich bey Steinen scvn, die lange der freyen Luft, an Gebäuden, Denkmählern oder Slatüen, ausgesetzt gewesen waren. Es ist also nicht wahrscheinlich, daß man noch dereinst in irgend einem steinernen Denkmahl des Alterthums, z. B. in dem Kopfe eines Jupiters oder Apoll, oder dem Busen einer Velins eine lebendige Kwie finden werde. Vielleicht e,halten wir durch einen Anfall einiges Licht hierüber, wem, die marmornen Denkmähler Italiens nach Paris trans- pvrtirt werden. -) Direkter Beweis von der Umdrehung der Erde hm -ihrc A ch se. Bekanntlich hat man schon dem Coper- nicus den Einwarf gemacht, daß, wenn sich die Erde um ihre Achse drehte, ein Stein, den man an der westlichen Seite eines Thurms herabfallen ließe, nicht an dem Fuße des Thurms niederfallen könnte, sondern zurück bleiben müßte. Dieses war nun freylich nichts. Denn ohne sich einmahl die Mühe zu nehmen, die Falschheit dieses Schlusses den Leuten aus Gründen zu zeigen, Hütte man sie durch die Erfahrung mit dem Steine, der vom Masikorbe eines segelnden Schiffes herabfallt, widerlegen können; und solche Widerlegungen behagen solchen Leuten am besten. Allein, daß, wenn sich die Erde um ihre Achse dreht, jener Stein wirklich, ehe er die Erde erreicht, an den Thurm anschlagen, oder von des Thurms — 379 — östlicher Seite herabgelassen, sich vc>n dem Fuße des Thurms entfernen müßte, daran dachten wohl jene Leute nicht. Dieses ist aber wirklich der Fall, wie man auch sehen lauge sehr gut gewußt hat. Man denke sich, eS würde in dem Innern eines hohen Gebäudes, z. B. der Paulskirche zu Lon- d o n, ein Pendel aus der Laterne der Kuppel herab auf den Boden gelassen, und dadurch aus letzterem ein Punkt bestimmt, der mit dem Aufhangcpiinkt des Pendels in derselben Verkikaüinie liegt, so würde wenn sich die Erde um ihre Achse dreht, eine Kugel, die man von dem Aufhange- Punkt des Pendels herabfallen ließe, nicht auf den untern Punkt treffen können. Denn da die Kugel beym Anfange ihres Falles, wegen ihrer größer» Entfernung von der Erdachse, mit größerer Geschwindigkeit vyn Abend nach Morgen gcht, als der untere Punkt, so wird sie wahrend ihres ganzen Falles voraus seyn. Wie viel, das hängt von der Hohe, von welcher sie fallt, und von der Zeit ab, die sie dazu braucht, und diese Zeit wird wiederum durch die Größe der Gravitation bestimmt, die so wohl durch die g'ösiere Schwungkraft, als die größere Entfernung von der Erde und die verschiedenen Dichtigkeilcn der Luftschichten modificirt wird. Hierüber hat nun der berühmte Hr. Gnglielmini zu Bologna Versuche mit möglichster Genauigkeit angestellt, und gefunden, daß ein Körper, der von einer Hohe von 2gl Fuß herabfiel, um Zoll von dem Punkte abwich- den er getroffen haben würde, wenn die Erde geruhet halte, oder der Versuch unter dem Pol angestellt worden wäre; genau so viel als Hin. Guglielmtni seine Rechnung gelehrt — Z8r — hatte. G>'gen diese Rechnung hat Hr. de la Place Einwendungen gemacht, aber doch eine Abweichung von ^ Zoll eingeräumt, also gerade nur die Hälfte, für diese Höhe wenigstens. Es ist mir Leid, daß ich, außer dieser Nachricht von dem Factum überhaupt, nichts mittheilen kann, doch ist diese aus der besten Hand. Jedermann wird nunmehr begierig seyn zu erfahren, wie Hr. G. die Versuche so wohl als die Rechnung behandelt hat, wovon jene gewiß mit unter die dclicatcstcn gehören, die sich denken lassen, und diese nicht anders als sehr verwickelt seyn kann, wenn alle Umstände genau in Erwägung gezogen werden sollen, denn auch die Luftschichten , durch die der Körper fällt, haben ungleiche Geschwindigkeiten, die obern dünneren eine größere als die untern dichteren. Doch wird die allgemeine Betrachtung auch geben, daß bey einer so gelingen Höhe als 241 Fuß, mancher Umstand, der bey einer sehr großen von Bedeutung wäre, süglich aus der Acht gelassen werden könne. 8) Lösch-Anstalten. Obgleich die Nachrichten von des vorr trefflichen Haar lern scheu Physikers, Dr. van Marum, glücklichen Versuchen, beträchtliche Feuer mit wenigem Wasser zu löschen, durch unsere vorzüglichsten Journale, den Genius der Zeit (August 1797), üuS diesem in Vvigl's Magazin sür den neuesten Zustand der Naturkunde, und am umständlichsten durch eine Üebersetzung der Original-Abhandlung in Greists neuem Journal der Physik IV. Band S. 152 und 15Z in unserem Vaterlande verbreitet werden sind 'iP: so wage ich es dennoch, ") Hierher gehört nrin auch »rch der vortrefflich »ue^failms Versuch/ den Hr., i)r. Z8Z — auch in unsern Blättern davon zu reden. Duldet man ja doch, fast möchte ich sagen, mit übermenschlicher Humanitär, die erbärmlichsten Steckbriefe über Univcrsal- Tliicturen, Gesundhcits-Chvcolate und chie M>a5rr/o/u cor-orrst«, selbst bey hundertfacher WicLcrhvhchiug. Doch unsere Wiederhohluug bedarf, bey unsern Lesern wenigstens, keiner Entschuldigung, und jenen Steckbrief - Lesern möchte ich zurufen; ist das Feuer nicht auch eine Krankheit, oder eine Seuche, die, wenn sie unsere Häuser befällt, ihnen oft in wenig Minuten ein Ende macht? Man hüt freylich Erempcl, daß es zuweilen, wie die Pocken, ziemlich gelinde herrscht, und am Ende nur einige van Warum bissen Sommer (1798) i» Eotha auf Verlangen des Herrn Herzogs angestellt hat, und wovon man tm L! eich s- A nz e ig e r leio. I7Y von diesem Jahre eine lehrreiche Beschreibung findet. — Z84 — Narben in Tapeten, Meubeln und dem Geldbeutel zurückläßt, zuweilen aber auch, wie jene, pestartig wüthet, und Alles vor sich hinrafft, was ihm vorkömmt, ohne irgend einige Hoffnung, ihm künftig durch eine wohlfeile Jnoculakion vorzubeugen. Es kann al'v unmöglich unangencbm fern, hier von einem sehr kräftigen Hauemittel zu hören, oder eigentlich zu hören, wie man das einzige kiäftige Mittel, das uns die Natur gegen dieses fürchterliche Uebel darbiethet, gehörig anwenden soll. Wenn diese gefährliche Seuche ein Haus befallt, so zeigt sie sich zuweilen erst durch eine kleine Gluth, oder auch, welches viel bedenklicher ist, schon durch kleine Flaminchen an Orten, wo weder gesotten noch gebraten, noch auch geleuchtet werden soll, gewobn- lich an Bettvorhängen, Bettstroh, Tapeten, Papieren, und vorzüglich an den Ruhestätten der so genannten todten Kohlen, die das her, wegen ihres großen Hangs zur Wie- deranfersiehung, nie anders, als in metallenen Behältnissen und in Kerlen, beygesetzt werden sollten. In diesen Fällen kann das Uebel oft durch geringe Hausmittel noch gehoben werden, ich meine durch Austreten, durch Bedecken mit Kissen, Kleidungsstücken, oder was man sonst dieser Art in einiger Masse bey der Hand hat. Das Uebel kann nähmlich alsdann oft noch erstickt, ja selbst, im eigentlichen Verstände, abgewischt werben. Ist es aber für diese Hansmiktel bereits zu groß, so ist kein Augenblick zn versäumen. Es muß unverzüglich zu dem einzigen specifische» Gegenmittel, dem Wasser, geschritten werden. Daß auch das Wasser in dem eben erwähnten erster», gciindcrn Studio gebraucht werden könne, versieht sich vor; Bb VII. Z86 selbst. Nur muß cö nahe bey der Hand seyn, und nicht erst wir Vernachlässigung jener ersten und mir Zeitverlust gesucht werden müssen. Mir ist ein Beyspiel bekannt, da ein höchst gefährlicher Fall mit einem geheimen Topfe geheilt wurde. Vielleicht hat nie ein selbst verehrlichcs Werkzeug einer Stadt einen Dienst gethan, der sich mit diesem eines so verächtlichen vergleichen ließe. Es gibt dergleichen Exempel bey Staatsverwaltungen. Muß aber nun endlich zum Wasser, dem großen und sichersten Uaiversalmiriel, geschritten werden, so entsteht nun die Frage: wie ist es dem leidenden Orte am vortheilhafiesten beyzubringen? — Hier wird sicherlich am meisten gefehlt. Ich verlasse hier, um kurz zu seyn, die Allegorie. — Unsere großen Feuerspritzen, die mächtige» hydranlischen Maschinen, die ein — Z87 — ganzes Gebäude mit einem Regen zu übergießen im Stande sind, waren wehr als einmahl die eigentliche ,ache von dem großen F er, das sie zu löschen gerufen wurden, und endlich wirklich löschten. Man verlaßt sich auf diese mächtigen Helfer, die gewöhnlich zur rechten Zeit schlafen, oft gar nicht zu wecken sind, wenn auch die Schlüssel zu ihren Schlaffammem gleich bey der Hand wären. Indessen nimmt das Uebel so überhünd, daß man freylich entweder ihnen, oder dem Himmel überlassen muß, wie weit'es greifen soll. — Hier tritt nun unser vortrefflicher van Marum ins Mittel. ES müssen Slustsl- ten getroffen werden, dem Uebel vorzubeugen, so lange es noch klein ist. Allein wenn und wo eS klein ist, kann die Polizcy nicht wissen; bierüber zn entscheiden, gehört cntwe.'r für jeden Hausherrn, Bb ,s — 338 — oder in eine Polizey, die jede Familie i» eine Art von fortdauernden Belagerungs» stand setzen müßte, und das wäre eine Feuer-Polizey in einem Verstände, in welcher sie kein Deutscher wünschen wird. Zwischen, dem Fnnken, der noch ausgetreten werden kann, und dem auflodernde» Feuer, welches kostbare hydraulische Maschinen erfordert, gibt es Abstufungen von Noth und Gefahr, die auch ähnliche in den Rettungsmitteln nöthig und nützlich machen. Dergleichen sind die kleinen tragbaren Feuerspritzen/-wovon man Hrn. van M a r u m's Beschreibung ebenfalls inGre n'S neuem Journal der Physik IV. Band S. 455 nebst derselben Abbildung übersetzt findet. Eine dieser Art mit eimm Windkessel kostet in Holland 12 Dukaten Sie können leicht an jeden Ort des Hauses von einem Manne hingetragen werden. — Z89 — «nd so in sehr vielen Fallen die Anwendung der großen Maschinen ganz entbehrlich machen. Sie sind nichts weniger als Spielwerke, sondern können gar wohl mit Ehren selbst neben den großen kämpfen. Hr. v. Marum löschte in drey verschiedenen Versuchen, von denen der Esthnische der letzte war, eine in Brand gesteckte Hütte, die man 24 Fuß lang, 20 Fuß breit und io Fuß hoch von trocknen. Holze aufgebauet und inwendig zum Theil mit betheerten Schilfmatten behängen hatte, mit sehr wenigem Wasser in wenigen Minuten. Hierbcy kömmt es aber gar sehr auf geschickte Direktion des Wassers an. Es ist kaum glaublich, wie sehr hier gefehlt wird, und mir welchem Unsinn darauf zu gespritzt wird. Was läßt sich auch von Leuten erwarten, deren ganze Kenntniß in diesen Dingen sich oft aus das Paax Satze zurückführen läßt, daß Flamme Feuer sey, und daß man Feuer mit Wasser löschen könne. Wo sie also Flamme sehen, da spritzen sie hin. Ich bin selbst Augenzeuge von nein solchen Falle gewesen, wo so unsinnig in die Flamme, eigentlich in einen von der Flamme sehr erleuchteten Raum am Gibel gespritzt wurde, daß ein gescheiterer Mann, der sich dem Quell jener Flamme naher befand, herunter rief, sie sollten einhalten. Aus dem Beyworte, womit es ihren Diensteifer belegte, und dem Ton der Stimme, ließ sich wohl schließen, daß die Herren da unten mit ihrem Wasser mehr die eigentlichen Löscher incommodirb hatten, als das Feuer. Eben so unüberlegt ist es, einen obern Balken eher zu löschen, als einen untern. Was oben gelöscht wird, entzündet sich sehr bald wieder, wenn es noch Fener unter sich hat. Man muß dem Feuer so rief als möglich deyzukommen suchen, und im eigentlichen Verstände daS Uebel bey der Wurzel angreifen; sonst ist Mühe, Wasser, Zeit und Alles verloren. Wird das untere Feuer zuerst gelöscht, und dieses kann oft mit sehr geringem Aufwand von Wasser geschehen, so verliert das obere schon selbst dadurch, - und der zu ihm aufsteigende Wasser dampf ist ihm nachlheilig, weil er die reine Luft verdrängt, die allein daS Feuer unterhalt. Durch dieses weise Verfahren ist Hr. Dr. van Warum im Stande gewesen, angezündete Therkonnen mit einem Löffel voll Wasser zu löschen. So viel kömmt auf den weisen Gebrauch des Wassers an. Wie wäre es, wenn man den Bürger darin unterrichtete? Mau probirk die Spritzen zu- Weilen, und das ist recht gut, aber man sollte auch die Spritzer probiern, ich meine, — Z92 — ihnen Lehren gehen über die Natur deS Feuers, so weit sie in den Umfang von nöthigen Kenntnissen eines Spritzenmeisters eingreift. Sie könnten an einem Feuer von Theenvnuen, mit dem Schöpflöffel in der Hand und einem Eimer Wasser neben sich. erst buchstabiren lernen, ehe sie zu höhere» Uebungen fortschritten. Ucbt man sich ja - doch aus Schützenhöfen in einer Dertheidigungsart, wovon die ernstliche Anwendung schwerlich, oder wenigstens nur in seltenen Fallen verstattet werden würde und könnte. Würde es den Aufwand an diesen Tagen sehr vermehren, wenn man solche Hütten erbaute, anzündete, und gewisse Prämien auf die schnellste Löschung setzte? Ja ich kann mir kein patriotischeres Feuerwerk denken, als an dem Geburtstage eines guten Fürsten, statt der kostbaren Feuerfontäncn, Pfauenschwänze, Zcuerrader und papierncn Tempel, ein etwas beträchtliches zu dem Ende aufgeschlagenes Gebäude mit Tapeten von betheener Schilf- Matte und Commoden und Stühlen von leeren Theertonnen u. s. w anzuzünden, und sich im Löschen nach jenen Regeln zu üben. D>eses müßte sieylich nach einem gewissen Plan geschehen. Man zündete Zum Beyspiel zueist nahe am Eibel, wie vom Blitz, und löschte; alsdann ließe ma» in einem Zimmer dor oberen Etage Feuer entstehen, wäre auch dieses einige Mahle mit glücklichem Erfolg geschehen, so legte man Feuer m einem unteni Zimmer au, und endlich in allen, ließe das Feuer selbst zur zweyten Etage auflodern, und versuchte alsdann nach jenen Regeln und nach vor- hcigegebeiiem Unterrichte zu löschen. Ich bin überzeugt, der Nutzen würde sich ZU seiner» Zeit finden. Fänoe sich der Landes- Herr auch bey diesem Exerciern mit Feuer oder eigentlich gegen Feuer ein, so wie bev andern Musterungen, so wmde das Studium sehr dadurch gewinnen. Lecker aufgebaute Stoße von leicht verbrenulichem Holze könnten hier die Stelle von Neben- Gebäuden vertreten, oder auch einzeln zur Uebung gebraucht werden. Da vorher von dem Nutzen tragbarer Feuerspritzen die Rede war, so füge ich hier zum Beschluß noch hinzu, daß in den Schriften der Pariser Akademie von: Jahr 1725. ein, sehr lehrreicher Aufsatz von Du Fay über diesen nützlichen Hausrath enthalten ist, der jedem Deutschen desto werther seyn wird, da ein Landsmann, nähmlich unser berühmter Leupold, die Veranlassung dazu gegeben hat. Leupold hatte nähmlich in einer besondern Schrift Nachricht von einer neuen tragbaren Feuerspritze ge- 395 geben, deren Vortheile er darin sehr gut auseinander setzt, und zum Verkauf aus- biethet. Eine solche Spritze sah Hr, Du Fay zu Strasburg bey einem Herrn von Rathsamhausen. Di me Maschine frappirte ihn. Er gibt >hre EigeMchasien folgender Maßen an: i" wiegt sie nur iz bis 16 Pftind, und ist also leicht zu nagen; 2) ist sie klein und nimmt nicht mehr Raum ein, als ein einzelner Mensch; Z> kaun ein einziger Mensch mit einer Hand das Wasser durch sie 20 bis Zo Fuß hoch heben, indessen er mit der andern die Röhre dahin richtet, wohin er w!ll; 4) spritzt sie das Wasser ohne Unterschied, ob sie gleich nur einen Körper und eine» Stempel hat; 5) gibt sie vieles Wasser, obgleich weniger als die gemeine doppelte. Leupo ld machte ein Geheimniß aus der Sache, und halte auch Alles dabey so gut — Z96 — verwahrt, daß es, ohne die Maschine zu zerstöre», ein Geheimniß für viele Besitzer wenigstens bleiben mußte. Du Fay dachte über die Sache nach, und fand es. Dieses ist der Gegenstand seiner Abhandlung. Er gibt eine Zeichnung von seiner Einrichtung, die im Ganzen, wie die Leupoldische, die Form eines Eimers hat. 9) Magnetnadel ohne Abweichung. Bey meinem Aufenthalte in London harte ich das Vergnügen, den kürzlich verstorbenen jüngern Adams, einen berühmten Optiker und Verferkigcr von mathematischen Werkzeugen, genau kennen zu lernen. Wie ich höre, so hat er sich nachher zu den Swedenborgianern gcscllr, ohne deßwegen ein schlechter Optiker und Mechaniker geworden zu seyn. Ich tadle ihn deßwegen nicht, vielmehr glaube ich. — Z97 —- daß oft ungewöhnlich gute Köpfe, bloß weil sie es sind, sich so verirren können,^» bald sie die Tramontane der deutlichen Erfahrung und der Mathematik verlieren. Adams hat über den Magnet geschrieben, wovon die Theorie bis auf den heutige» Tag nicht viel deutlicher ist, als die von der Erbsünde. So bald aber der Geist keinen sichern Landungsp'atz finden kann, wenn ihn sein Compaß und Alles verläßt, so ist mir der Mann immer werth, der nun statt den dichterischen Gefühlen seiner Vorgänger ununtcrsucht nachzubeihen, seinen religiösen folgt, die bey ihm die nächste Anwartschaft auf Alles haben, was sich nicht geometrisch demonsirircn läßt. Eine meiner ersten Fragen beym zweyten Besuch, war: was wohl das Neueste im physikalischen Fache in England wäre. Nachdem er Einiges, was mir schon aus — Z93 — Zeitschriften bekannt geworden war, ange> führt hatte, setzte er hinzu: Er glaube eine Magnetnadel erfunden zu haben, die ihre Abweichungen bey Seereisen von selbst korrigier, also sich immer parallel bliebe. Er sagte so gar ausdrücklich, daß jetzt eine solche Nadel von ihm auf der Probe-Reise sey. Ich habe aber nie weiter etwas von seiner Nadel gehört, und die Sache war aljo nichts. Indessen wurde in den Zeitungen v- vorigen Jahre wieder eine solche Er ouug angekündigt, und jetzt sehe ich aus einem Pariser Blatte, Lulletin ües LoienesL p^r Is societ« plnIoMntigns (August) 1797. blro. Z.), daß so gar Hr. Vassali, ein (wo es anders derselbe ist,) in der Geschichte des Galvanismuö nicht unbedeutender Mann, eine ähnliche Entdeckung gemach! haben will. Hr. Vassali gibt dem magnetischen Weiser, statt der Form einer Nadel, die einer Ellipse aus dünnem Stahl-Blech, und nachdem er längs der großen Achse der Ellipse einen Streifen aus Eisen-Blech angebracht hat, um die Ellipse bequem aushängen zu köns ncn, hängt er sie über der Mitte der großen Achse auf. Man hat nichts weiter nöthig, als die beyden entgegen gesetzten Bogen nahe au den Enden der große» Achse zu magnetisiren, und nun diese Vorrichtung über eine richrig gezogene Mittags-- linie zu stellen. Stellt sich nun die große Achse gerade über diese Linie, so ist weiter nichts zu thun übrig. Wo nicht, so nimmr man nach einem bekannten Verfahren so viel von dem Magnetismus des einen PolS(?) weg, bis die große Achse t>er Ellipse mit der Mittagölinie zusammen fällt. — Wen» ich diese große Erfindung anders recht versiehe, so ist sie doch in Wahrheit etwas ganz Abscheuliches. Das. Verfahren halte sich kurz so ausdrücken lassen: wen» sich die große Achse der Ellipse nicht über die Mittagslinie des Orts stellen will, so streichelt und kritzelt und kratzt man mit einem Magnete so lange auf der Ellipse herum, bis der wagnerische Meridian, der durch den Mittelpunkt der Ellipse gebt, einen Wrnkel mit der großen Achse macht, der der Abweichung der Magnetnadel deS Orts, nach der gehörigen Seile zu, gle ch Diesen höchst unnützen Zweck aber Erfinder schr viel leichter venn er auf eine gemeine ,nctnadcl cche papierne Ellipse, oder, wie beym Sce-Eompaß, einen papiernen Kreis (denn die Ellipse ist hier bloße Mystik,) a»gebr--cht, und, nachdem dre Nadel in Ruhe war, in jenem Fall, die große Achse über dem Meridian des Orts — 401 — fest geleimt, in diesem aber den Kreis gleich anfangs fest geleimt, und dann den Inder dem Meridian des Orts parallel darauf gezogen hatte. Daß er keine Abweichung vom Meridian bemerkt bat, rührt daher, daß sein Apparat zu schwach war, tägliche Variationen daran zu bemerken, und für die jährlichen und sccnlären die Beobachtungen nicht weit genug von einander lagen. Fast thut es mir leid, daß ich dieses Gedankens (wenn er diesen Nahmen verdient,) unmittelbar nach jenem abani- sischeu hier Erwähnung gethan habe. Sie sind in der Tbar verschieden. Einer so sehr kindischen Idee war Ada m s nicht fähig. Er wollte eine Magnetnadel machen, die bey einer Seereise die Verschiedenheit der Abweichung selbst wieder corrigirte. Diese Idee hat wenigstens Etwas, waS der Phantasie schmeichelt. Man könnte sich C- vrr. 4O2 etwa vorstellen, daß zwey Magnetnadeln so verbunden werden könnten, daß, so wie beym Compensations-Pendel, durch entgegengesetzte Ausdehnungen verschiedener Metalle, die Entfernung des Mittelpunkts der Schwingung vom Anfhängepunkt, bey veränderlicher Wärme, unverändert erhalten wird, durch sie etwas Aehnliches für die Abweichung erhalten werden könnte. Ich weiß nicht, ob dieses Hm. Adams Vorstellung war. Er äußerte sich hierüber nicht gegen mich, und machte überhaupt anS der Sache ein Geheimniß. Wäre sie es aber gewesen, so war sie falsch. Da alle Körper durch die Wärme ausgedehnt, z. V. Stangen verlängert werden, in was für einer Richtung sie auch befestigt sind; da ferner gleich lauge Stangen von verschiedener Materie ungleich von der Warme afficirt werden: so ist sehr begreiflich, daß — 4°Z — sich zum Beyspiel ein Lineal werde zusammensetzen lassen, auf welchen zwey nach der Lange desselben von einander entfernte Punkte, bey jedem Grad der Warme, von weichem jenes Ausdchnnngs-Gesetz gilt, immer gleiche Distanz behalten. Bey der Magnetnadel aber soll eine gewisse Abänderung in ihrer Lage gegen den Horizont, die alle Magnetnadeln an demselben Ort, auf gleiche Art, in gleicher Starke und in gleicher Richtung erleiden, durch eine andere Nadel aufgehoben werden. Man siebt leicht, daß wenn beyde Nadeln bloß durch die magnetische Kraft der Erde allein asficirt werden, dieses so unmöglich ist, als zwey Pendel so mit einander zu verbinden, daß einer oder beyde bey einer Reise um die Erde, ihrer ersten Lage immer parallel blieben, wie etwa die Achse eines Fernrohrs, die man so zu halten wüßte, Cc 2 — 4°4 — daß ihre Verlängerung immer durch denselben Firsten, ginge. Man hat aber geglaubt, dieses durch eine andere von jener dctermilürendcn Kraft der magnetischen Erde independerucn Kraft zu erhalten, nähmlich durch die Einwirkung der Magnetnadeln auf sich unter einander selbst. Dieses ist aber wiederum Nichts. Denn wenn ich die Einwirkung der magnetischen Erde in verschiedenen Gegenden auf die Lage der Magnetnadel, durch die besondere Einwirkung einer andern Nadel, also einer andern Kraft aufheben will, so muß ich ja die Größe der ersten Einwirkung kennen, das ist, ich muß AlteS schon wissen, was ich doch eigentlich erst finden will. Wollte man also obiges Gicichniß vom Pendel beybehalten, so müßte man, um es paffender zu machen, einen andern Vergleichungs- punkt suchen, als den von der glcichblei- benden Lange desselben bey veränderliche!; Warme. Es müßte etwa so laulcn: aus der gegebenen Schwingnngszeit eines Pendels unter dem Aequaior eines Planeren, dessen Form gänzlich unbekannt ist, ein Pendel zu verfertigen, das in allen Graden der Breite dieses Planeten dieselben Zeiten schwingt. Sachkundige Leser werden finden, daß dieses Gleichniß noch sehr gelinde gewählt ist. — Ich habe es für nicht ganz unnütz gehalten, mich, selbst in einem solchen Taschenbuch-, hierüber zu erklären, da es, wie ich höre, ein wahrer Favorit - Gedanke mancher Künstler seyn soll, magnetische CompensationSnadeln zu verfertigen, oder Magnetnadeln, die aller Ölten der Erde genau nach Norden weisen. — 406 — Nachschri st. So eben sehe ich, daß Hr. Vassali in eben dem Journal einen sehr sorgfältigen Widerleger an einem gewissen Hrn. Tremery gefunden hat. Der Mann ist viel zu sorgfältig und hat seine Widerlegung so gar mir Zeichnungen begleitet. Es scheint, er habe dabey mehr den Mann, als die Sache vor Augen gehabt. Sie läuft, nur mit «»nöthigen Umständen, gerade aus das oben Gesagte hinaus. Es hat den Herausgeber dieser Blätter gefreut, zu sehen, daß sogar der berühmte Physiker und Krysiallometer, Ha»y, diese Widerlegung noch mit einer widerlegenden Note begleitet hat; indem er dadurch von der Furcht ' ft'reyt worden ist, eine geringfügige Sache noch viel zu ernsthaft und umständlich behandelt zu haben. Er setzt daher bloß den Schluß von Hauy's Note hierher: ^Insi. taut corwplro L prouver I'impogsibiUtL 6s parvenir su but gus s'est ^roposs N. lo) Die Feuer von Baku. Die Stadt Baku oder Badku am Caspischen Meere, ungefähr drey Meilen vom südlichen Arme des Kaukasus entfernt, in einer reitzenden Gegend, wovon man einen Theil so gar das Rose «-Paradies nennt, war schon lange wegen ihrer Na phtha-Quellen, eines im reinen Zustand weißen, sehr leichten, sehr flüchtigen und höchst entzündbaren Berg- öhls berühmt. Durch Herrn Reineggs vortreffliche Beschreibung des Kaukasus, hat man die Naturbegcbenheiten jener Gegend theils näher kennen gelernt, theils was man davon wußte, bestätigt gefunden, welches, wenn es bey Dingen, die so — Lo3 — nahe a» das Wunderbare gränzen, und wovon der Schauplatz so sehr entfernt ist, durch einen Mann, wie Reineggs war, geschieht, so viel werth ist, als die erste Entdeckung. — Oestlich, ungefähr eine halbe Meile von einer der reinsten Ochlguellen ist ein besonders merkwürdiger Ort. Er wird Akoschjah oder Feuer-Ort genannt. So wie man sich diesem Orte nähert, empfindet man schon einen starken Schwefelgeruch. Der Durchschnitt dieses Fcnerorts betragt etwas mehr als ein Werst deutsche Meile), und in der Mitte desselben sieht man bey trockener Witterung eine starke gelbblaue Feuer- flamme, rpelche des Nachts in vermehrter Größe erscheint. In einiger Entfernung von dieser Flamme haben die Geber oder Gueber (daS Feuer ankelhende Indianer,) und andere arme Leute, kleine steinerne — 4°S ^ Hänser zu ihren Wohnungen errichtet. Der eine leere Bodenraum, welchen die Mauern einschließen, ist einen Schuh dick mit fetter Leimenerde dichrgefthlagen, damit die Flamme in diesem Raume nicht durchbreche. - Wo aber der Wirth des Hauses Feuer nöthig hat, daselbst hat er Löcher in dem Leimen gelassen, und wer nun seine Speisen oder Kassel) zu kochen Feuer bedarf, halt ein brennendes Licht, oder ein Stückchen angezündeten Papiers über die Ocff- vung, und sogleich entsteht eine Flamme, dir jeder zu seiner Absicht besser als Holz- oder Kohlenfeuer zu behandeln weiß. Je kleiner die Oeffnung ist, mit desto größerer Heftigkeit bricht die Flamme hervor. Bey einer Oeffnung von zwey Zollen erreichte sie anfangs drev Fuß und zehn Zolle Höhe, und siel hernach auf zwey Fuß fünf Zoll» Dd ^ir. Braucht man das Feuer nicht mehr, so bedecke man die Oeffnung, nachdem man die Flamme mie dem Rockschöße oder einem Fäcker ausgelöscht hat. — Eben so be- reiten sich auch die Einwohner in der Dunkelheit ihr Licht. In ein enges in den Leimen gebohrres Loch stecken sie ein Schilfrohr von beliebiger Höhe, nachdem sie ihm vorher inwendig und auswendig einen Ue- berzug von Leimen gegeben haben, und zünden oben den Dunststrom an. Die Lein.weder h<-' e» mehrere dergleichen Lichter um ihren Stuhl suchen, die ihnen vollkommenes Licht geben, und weiter keiner Unterhaltung und keines Putzens bedürfen. Auch braucht man im Winter nicht ein- znheitzen, denn es ist da immer so warm, daß man die Thüren beständig offen stehen läßt. (Also kein Oehl zur Stndier-Lampe, kein Holz zum Einheitzen, und keines zum Kassel,kochen I Da ist also noch mehr als Rosen - Paradies). — Außer diesem verzehrenden Feuer, sieht man um Baku noch ein anderes, welches "nicht zündet. Wenn nach warmen Herbstregcn die*Abend- luft ebenfalls warm ist, stehen die Felder um Baku in vvNen Flammen. Oft scheint es« als rollte das Feuer in großen Massen mit unglaublicher Geschwindigkeit von den Berge» herab. Im Ociober und November sieht man öfters bey heiteren und mondhellen Nächten, das ganze westliche Gebirge von Baku mit blauem Feuer überzogen. Bey warmen und dunkeln Nächten überziehen unzählige« bald einzelne, bald zusammenhängende Flammen die ganze Ebene, und die Gebirge sind alsdann dunkel. Defters erfüllt es das ganze Lager der Ca- Dd 2 ravanen zum großen Schrecken der Pferde und Maulthiere. Dieses Feuer zündet nicht. Das trockene Gras und Schilf bleibt unversehrt, obgleich die ganze Gegend in Flammen zu stehen scheint; ja, wenn man mitten darin steht, so verspürt man nicht einmahl Warme. (Dieses so genannte Feuer ist also eine bloße Lichlerscheinung und vom obigen durchaus verschieden). Am Ende erwähnt Hr. Nein eggs noch eines höchst merkwürdigen Umstandeö hier- bey: An der Außenseite luftleerer Glaser, sagt er, hängt sich dieses Feuer Minuten lang wie ein phosphorescirender Schein an, und obgleich schon die Flamme auf dem Felde verloschen ist, so erscheinen luftleere Glasröhren einige Augenblicke noch ganz vom Feuer durchdrungen, siglk leuchtend. Hierbey wird gewiß jeder Leser, für den Naturlehre einiges Interesse hat, mit mir wünschen, daß Hr. Neineggs, der so gar mit luftleeren Glasröhren versehen war, mit einem etwas vollständigeren Apparat, und wenigstens mit einem Elektrometer, Hygrometer und Eudwmeter versehen gewesen wäre, oder, wenn einige dieser Instrumente damahls noch nicht zu dem Grade von Vollkommenheit gebrach» gewesen seyn sollten, den sie jetzt haben, tast doch jene Gegenden einmahl mit einem solchen Apparat bereiset werden möchten. Bus dem Ankleben der leuchtenden Materie an der Außenseite der Gläser (warum bloß luftleerer und nicht aller?) zu schließen, scheint ein Phosphor, und nach dem Lichte innerhalb derselben zu urtheilen, Elektricität im Spiele gewesen zu senn. Wie viel Licht würde nicht aus einmahl über einige der oun-- — 4^4 — leisten Theile der Meteorologie verbreitet werden, wenn ein mit den nöthigsten Kennt, Nissen und Werkzeugen versehener Man» nur ein Jahr in jenen Gegenden verweilen könnte!