Ueber den Ursprung der Feuerkugeln und des Nordlichts Da. JUX.. LUDW. IDEDER. \ Berlin 1832. Verlag von Theod. Christ. Friedr. Enslin. Y orwort. Es bedarf nur einiger wenigen Worte, um dem Leser den Standpunkt zu bezeichnen, von welchem aus der Verfasser diese Abhandlung betrachtet und beurtheilt zu sehen wünscht. Sie umfafste ursprünglich einige Abschnitte aus einem gröfseren Werke über Atmosphärologie, dessen Bekanntmachung der Verfasser, nachdem der erste Theil von Kämtz Lehrbuch der Meteorologie erschienen, für überflüssig und anmafsend erachtet hat. Er hofft indessen, genügende Entschuldigung zu verdienen, wenn er eine Ansicht über so wesentliche Erscheinungen in dem Luftkreise, wie die in dieser Abhandlung betrachteten sind, die zwar keinesweges ganz neu ist, weiter ausgefühi’t und folgerecht durchzuführen sich bestrebt hat, was nach den Worten: „Sollte es einst erwiesen werden, dafs die Meteorsteine Gebilde unserer Atmosphäre sind, indem metallische Dämpfe, welche aus den Gichtfängen der Hohöfen XV aufsteigen (!), zu gröfseren Massen sich vei'einigen, so würden auch diese hi eh er zu zählen sein.” (I. S. 39.) von Kämtz nicht zu erwarten ist. Den Beweis glaubt er keinesweges geliefert, wohl aber der Hypothese, in so fern sie sich namentlich auf das Nordlicht bezieht, einen höheren Grad von Wahrscheinlichkeit, als sie deren bisher genofs, gegeben, und namentlich eine grofse Masse von Material für eine dereinstige entscheidende Beantwortung der Frage zusammengestellt zu haben. Leicht hätte dieses Material vermehi’t werden können; der Verfasser aber, welchen der Tadel, ohne hinreichende Fülle von Thatsachen, sich in das Gebiet der Hypothesen vei’Stiegen zu haben, nicht wohl treffen kann, glaubte, dafs eine etwas strengere Sichtung des Vorhandenen nur erwünscht sein könne, ja sogar noth- wendig sei. Möge der billige Leser, welchem die Schlüpfi’igkeit der betretenen Bahn aus eigenen Bemühungen nicht unbekannt ist, dem Bestreben des Verfassers, das Dunkel zu erhellen, seine Anerkennung nicht gänzlich versagen. Bei’lin, den 25. April 1832. Jul. Ludw. Ideler. ]V-fan scheint den Glauben zu hegen, dafs mit dem Sturze der scholastischen Philosophie es durchaus überflüssig geworden sei, Aristoteles Verdienste anzuerkennen, seine Schriften zu lesen und das, was für unsere Zeit von Nutzen sein könnte, der Vergessenheit zu enlreifsen. Namentlich gilt dies in Bezug auf die Naturwissenschaften. Weit entfernt davon, mich hier in eine Lobrede auf die Behandlungsweise der Naturerscheinungen, wie wir sie beim Aristoteles finden, einzulassen, gleich entfernt, zu wiederholen (ich habe an vielen Stellen meiner Meieorologia veterum Graeco- rum et Romanorum darauf aufmerksam zu machen gesucht), wie mannigfachen Nutzen die physikalische Erdbeschreibung und namentlich derjenige Theil derselben, welcher sich mit unserem Luftkreise beschäftigt, aus einer genauem Bearbeitung der aristotelischen Schriften und einer bestimmteren Darlegung seiner Ansichten ziehen könne, will ich hier nur kurz seiner Ideen über das Nordlicht gedenken, da sie die Grundlage zu meiner Beantwortung der Frage über den Ursprung desselben bilden. Alle Körper erzeugen luftförmige Dünste, welche in die Atmosphäre übergehen: die flüssigen sowohl, als die festen. Die Ausdünstungen der letzteren, welche im übrigen denselben Gesetzen fol- 1 2 gen, wie die Wasserdünste, bringen durch ihren Niederschlag Feuerkugeln, Meteorsteine, Sternschnuppen, den Höhenrauch und das Nordlicht hervor. Wie Aristoteles sich die Entstehung dieser Erscheinungen aus denselben gedacht habe, kann jetzt für uns kein Gegenstand der Untersuchung sein: meine Absicht ist nur die, dem jetzigen Zustande der Meteorologie gemäfs, die Idee des Aristoteles weiter zu verfolgen, ihre Haltbarkeit darzuthun und auf diese Weise Zusammenhang in eine Reihe von Phänomenen zu bringen, welche, einzeln betrachtet, theils unerklärlich erschienen, theils, wenn auch Einzelne den nach meiner Ansicht richtigen Weg zu ihrer Erklärung betraten, doch nicht hinreichend erklärt worden sind. Ich will zuvörderst an die neueren Untersuchungen erinnern, welche die Nachweisung fremder Substanzen in unserem Luftkreise, aufser den constituiren- den Elementen desselben, zum Gegenstände hatten; dann die einzelnen Erscheinungen, welche das Herabfallen von Feuerkugeln, Meteorsteinen, Sternschnuppen begleiten, darstellen, die bisherigen Theorien über ihren Ursprung prüfen, die Nothwendigkeit der Annahme ihres Entstehens im Luftkreise nachweisen, die früheren Theorien über das Nordlicht aufzählen, so weit sie in der Geschichte der Meteorologie Epoche gemacht haben, und endlich meine Gedanken über den Ursprung und die Erscheinungen des Nordlichts darlegen. I. Dafs der über dem Meere ruhende Theil unserer Atmosphäre eine, wenn gleich geringe, Quantität an salzigen Stoffen enthalte, namentlich von Chlorsalzen, welche bei der Verdunstung des Meerwassers me- 3 chnnisch emporgerissen werden mögen, ist eine schon seit längerer Zeit bekannte Thatsache 1 ). Förster erzählt 2 ), dafs alles am Bord des Schiffes Resolution befindliche Eisen zwischen den Wendekreisen rostete, was sich nicht allein dem hohen Feuchtigkeitsgrade der Atmosphäre zuschreiben läfst. Zum Beweise des bedeutenden Salzgehaltes hat Förster einen entscheidenden Versuch gemacht. Er hing nelmilich ein mit einem Alcali getränktes Linnentuch in einen Rauchfang und es bildeten sich alsbald Krystalle von einem Chlorsalze, zum Beweise, dafs Chlorwasserstoffsäure in der Luft vorhanden war, entweder frei oder an minder verwandte Stoffe gebunden. Auch Hermbstädt fand Chlorwasserstoffsäure in der über der Ostsee ruhenden Atmosphäre 3 ). Der Daltonschen Theorie gemäfs, müssen diese salzigen Stoffe, welche auch in der Nähe der Natronseen des nördlichen Afrika Volney 4 )u. a. m. vorfanden, sich durch die ganze Atmosphäre ausbreiten: 1) Gilb. Anual. Bd. XXXI. S. 98. Dafs die Erscheinung schon den Alten bekannt war, gebt aus Theophrast de caus. plantar. II. 7, 5. p. 404. ed. Schneider, hervor: Kal oxav n ni'f'ij , toiovtov Ti nvtl hovtiov, o Tij a?.fi>) ry iniqiEQOfiEi’y y.uTEodUi y.al hqtalrETM Trt avdy. 2) Voyage dans l’henüsphere austral et aulour du monde par Cook. Paris 1778. Tom. I. p. 28. 3) Abhandlungen der Berliner Akademie 18fy. pbys. Kl. S. 56. 4) Voyage en Syrie et en Egypte. Tom. I. p. 65. Eine Reibe anderer hieher gehöriger Beobachtungen findet man in Kämtz Lebrb. der Meteorol. Th. I. S. 37. gesammelt. Die salzigen Thaue, die Falk (Beiträge II. S. 3.) und Pallas (Reise durch die südlichen Statthalterschaften des russ. Reiches I. S. 409. III. S. 336.) in den Steppen Rufslands erwähnen, gehören offenbar nicht hieher, da sie keine salzigen Beimischungen des Meteorwassers beurkunden, sondern nur der Gegenstände, an welche der Thau sich ausetzte. I* 4 sie werden aber, da sie, ihrer Quantität zufolge, im ganzen Luftkreise vertheilt, nur ein Minimum ausmachen würden, nur vorzugsweise an denjenigen Orten bemerkbar sein, wo sie in die Atmosphäre übergehen: oder, wohin sie durch gewaltsame Bewegung in dem Luftkreise getrieben werden. So beobachtete, was den letzteren Fall anbetrifft, Dalton bei einigen heftigen Stürmen aus S. W. und W. zu Manchester im Regen 0,0001 Chlornatrium, obgleich Manchester 100 englische Meilen von den Küsten von Wales, welche nach S. W. liegen, und 25 Meilen von Liverpool, woher die Westwinde wehen, entfernt ist 1 2 ). Diese salzigen Stoffe sind also eine von den heterogenen Substanzen, welche sich in unserer Atmosphäre vorluiden. Einige Physiker haben geglaubt •), dafs die äufserste Glänze unserer Atmosphäre aus einer Lage Wasserstoff bestände, und dafs von hier aus eine Reihe kaum erklärbarer Phänomene ihren Ursprung hätten. Sie stützen sich auf die gröfsere Leichtigkeit des Hydrogens. Daltons Theorie w'eist unmittelbar nach, dafs das Wasserstoffgas durch den ganzen Luftkreis gleichmäfsig verbreitet sein müsse. Bei ihren eudiomelrischen Versuchen haben Alex. v. Humboldt und Gay-Lussac eine Methode angegeben, kleinere Mengen von Wasserstoff in einem Gemenge von Sauerstoff und Stickstoff zu entdecken, und gefunden, dafs 1) S. Manchester Memoirs. New Series. IV. p. 330. 370. Journal of Science. II. p. 176. 2) Wie z. B. Volta. S. Collezione dell’ Opere del Conte Ales- sandro Volta. Firenze 1816. 8vo. Vol. III. p. 52. Pavrot, Physik der Erde. S. 408. Thom. Förster Wolken, übers, von Brandes. S. 116, denen Kiiratz (Lehrbuch der Meteorologie Th. I. S. 33.) noch einige andere hinzufügt. 5 0,002 das Minimum sei, welches sich nachweiscn liefse '). Da man selbst dies nicht vorfindet, so kann der Wasserstoffgehalt unserer Atmosphäre nur unendlich gering sein. Selbst in der Campagna di Roma, so reich sie auch an Quellen ist, welche fortwährend Schwefelwasserstoffgas entwickeln, findet sich kein fremdartiger Be- standtheil in der Luft, es seien denn Minima, welche unseren Instrumenten und Operationsmethoden nicht zugänglich sind, und doch ist namentlich in Bezug auf das Schwefelwasserstoffgas von Thenard und Dupuytren eine Methode angegeben worden, die kleinsten Mengen desselben zu entdecken 1 2 ). Uebrigens wird an der Erdoberfläche reines Wass erst offgas selten, oder nie entwickelt: man hat zwar geglaubt, dafs einige Pflanzen solches entbinden, wie namentlich Dictamnus albus; dies ist aber schon von Lampadius widerlegt worden 3 ). Aus Quellen, vulkanischen Eruptionen (?), durch Fäulnifs, entsteht es in Verbindungen, als Ammoniak, Kohlenwasserstoffgas u. s. w r ., wie bei Piacenza und an anderen Orten Italiens, wie häufig in der Dauphine, wo es augezündet fortzubrennen pflegt, und von den Einw r ohnern das ewige Feuer genannt wird. Hieher gehören die schlagenden Wetter, feurigen Schwaden u. s. w. in den Gruben, von denen 1) Essai sur la Geographie des Plantcs, guivi d'un lalleau physique des regions equatoriales. Paris 1805. p. 111. Ein Gemenge von atmosphärischer Luft und Wasserstoff wird nur dann noch durch den elektrischen Funken entzündet, wenn es 0,5 Wasserstoff mindestens enthält. 2) Essai sur les refractious de la Zone torride. Voyage d’Alex. de Humboldt et d’Aiine Bonpland. Part. IV. Vol. I. p. 118. Voyage aux reg. equinox. Vol. VII. p. 427. Gilb. Annal. XX. S. 35. 3) Atmosphärologie. §. 415. 6 Alex. v. Humboldt io seiner Unterirdischen Meteorologie gehandelt hat. Dafs aber in unserer Atmosphäre noch eine Masse von anderen fremdartigen Stoffen enthalten ist, kann man wol nicht mit Unrecht als das Resultat aller neueren hielier gehörigen Untersuchungen ansehen, obgleich dieser Gegenstand im Ganzen, die Versuche von Rud. Rrandes und einigen anderen, von denen gleich nachher die Rede sein soll, ausgenommen, noch nicht mit der erforderlichen Umsicht und Sorgfalt behandelt worden ist. Es ist indessen nolhwendig, historisch das aufzuführen, was man in den Niederschlägen aus der Atmosphäre gefunden hat und gefunden haben will. Dafs diese Niederschläge kein reines Wasser sind, geht schon aus ihrem, von dem des destillirten Wassers so verschiedenen speci- fischen Gewichte hervor. Zimmer mann fand dasselbe 1,00010 bis 1,00130 1 ). Schon im Jahre 1810 fand im Regen salzsauren Kalk van Rossem 2 ), 1814 Stark Kohle und Kalk 3 ); andere fügten Talkerdc, Kali, Eisen, Nickel 4 ), Chlorwasserstoff-, Schwefel-, Phosphorsäure, Kohlenwasserstoffgas 5 ) und andere Substanzen hinzu 6 ). Der Schnee ward vcrhältnifsmä- fsig reiner gefunden, als der Regen: doch auch in ihm 1) Osann, über die Heilquellen. Berlin 1829. S. 118. 2) Dissertatio mcdico-chemica de aqua. Grüning, 1810. p. 27 und 46. 3) Thomson, Annals of Pkilos. III. p. 142. 4) Kästners Archiv. Th. V/'S. 190. Rother Regen, welcher Ilydrochlorat des Kobalts enthielt, liel den 2. November 1819 in Flandern. Edinburgh qthilas. Journ. II. p. 381. Gilb. Au- nal. LXIII. S. 231. 5) Brandes Archiv. Bd. XI. S. 71 — 74. nach Witting. 6) Kästners Archiv. Th. I. S. 310 folg. 7 fand man ebenfalls Kalk, Chlorwasserstoff- und Salpetersäure 1 ). Mit den meisten fremdartigen Stoffen geschwängert ist der Hagel, .ln ihm fand man, wie die Analyse ergab, den Meteorsteinen durchaus analoge Konkremente 2 ). So fiel im Januar 1S25 zu Slerle- tamak, im Gouvernement Orenburg, Hagel mit einem steinigen Kern, welcher in 100 Theilen enthielt 3 ): rothes Eisenoxyd. 70,00 Manganoxyd. 7,50 Magnesia. 6,25 Thonerde. 3,75 Kieselsäure. 7,50 Schwefel und Verlust. 5,00 Ein anderer Hagel mit metallischem Kern fiel in Irland im Jahre 1821. Der Kern war nach Fielet do- dekaedrisclier Schwefelkies 4 ). Auch rolh gefärbt erschien der Hagel auf dem Paramo de Guancas 5 ), worauf wir nachher zurückkommen werden. Hiehcr gehört auch eine Erscheinung, welche Al. v. Humboldt 6 ) 1) Lampadius in Gilb. Annal. XXVIII. S. 444. Witling in Kästners Archiv. Bd. V. S. 189 — 194. Link Handbuch der physikalischen Erdbeschreibung. Th. I. S. 307. An- Tialcs de Chim. et de Phys. XXVII. p. 391. 2) Chladni in Poggendorffs Annalen. Bd. VI. S. 30. 3) Annales de Chim. et de Phys. XXXIX. p. 429. 4) Gilb. Annal. LXXII. S. 434. Einen ähnlichen Hagel beobachtete Eversmann (Kästners Archiv. Bd. IV. S. 196). S. Ferussac Bulletin des Sciences physiq. Fevr. 1825. p. 117. Brewster Edinburgh Journal of Science. III. p. 373. 5) Annales de Chim. et de Phys. Tom. XIV. p. 42. XXV11. p. 120. Schweiggers Journal. Bd. XLIV. S. 437. nach Al. v. Humboldts Beobachtung und zwar in 2300 Toisen Höhe. 6) Voyage aux reg. cquin. Tom. VIL p. 24. 8 an den Ufern des Orcnoko, Roziere in Sjene, König am Congo- oder Zairestrom *) u. a. m. beobachtet haben, dafs nelmilich die den unmittelbaren Einwirkungen der Atmosphäre ausgesetzte Decke nackter Quarzoder Granitfelsen ein meteorsteinartiges Aeufsere annehme und reichliche Spur von metallischen Oxyden, namentlich von Eisen und Mangan zeige, die in der übrigen Masse nicht enthalten sind, und, davon getrennt, auf der neuen Decke sich wiedererzeugen. Im Nebel will man Phosphorsäure gefunden haben 1 2 ) und daher seinen oft unangenehmen Geruch erklären. So problematisch im Ganzen, ■wenn auch nicht die Erscheinung selber, dafs unorganische Stoffe unserem Luftkreise beigemischt sind, doch die Beschaffenheit derselben ist; so sicher ist es, dafs ein organisches Princip in unserer Atmosphäre vorhanden sei, welches mannigfache Phänomene verursacht. Es scheint durch Zerstörung der organischen Wesen zu entstehen, namentlich durch Fäulnifs der tliierischen Substanzen. Das Koh- lenwassersloffgas, welches auf diese Weise entwickelt wird, hat, obgleich es nach Thenard und Dupuytren 3 ) dieselbe chemische Zusammensetzung zeigte, wie das aus mineralischen Stoffen bereitete, ganz andere Eigenschaften. Destillirtes Wasser nehmlich, welchem letzteres imprägnirt worden war, läfst es allmählig ohne Trübung entweichen; dagegen mit Kohlenwasserstoffgas, das durch Putrcfaction organischer Substanzen entstanden war, geschwängert, ward es faul, trübt sich 1) Voyage to the River Congo. p. 488. 2) Kästners Archiv. Bä. H. S. 428. XIII. S. 67. 3) Annalcs de Chtm. LXXXII. p. 330 u. 331. Rullelin de phar- macie. \ol. II. p. 60 u. 61. Rihliotheque meilicale. Tom. IX. p. 10. 9 und setzt Flocken einer wahrhaft Ihierischcn Materie ab. Die Beobachtung, dafs die Ernte auf den feuchten Reisfeldern Toskanas alljährlich endemische Krankheiten hervorbrachte, veranlafste Moscati 1 ), die Natur der aus den sumpfigen Reisfeldern aufsteigenden Dünste zu untersuchen, und er hing deshalb in einiger Entfernung vom Boden mit Eis gefüllte Glaskugeln auf, an denen sich die Dünste zu Reif verdichteten, welcher gesammelt und geschmolzen wurde. Die Flüssigkeit war ganz klar; in Kurzem aber füllte sie sich mit Flocken an, welche bei der Untersuchung ganz die Natur einer thierischen Substanz zeigten; nachher ging die Flüssigkeit in Fäulnifs über. Denselben Erfolg erhielt Moscati, als er die Kugeln in Hospitälern über Kranken aufhing. Aus der in der Atmosphäre durch Verwesung der Pflanzen aufgehäuften Masse von Vegetationsstoff läfst sich mit Reinwardt 2 ) nicht nur die unendliche Fruchtbarkeit und Ueppigkeit der Vegetation auf Java, sondern auch das mörderische Klima von Batavia und dem ganzen umliegenden Küstenstriche erklären. Die organische Beimischung des Meteorwassers, welche schon Markgraf bei seiner chemischen Analyse des Regenwassers bemerkte 3 ), besteht in einem eigenlhümlichen Principe, welches durch salpeter- saures Silber der Einwirkung des Lichtes ausgesetzt, roth gefärbt wird und von seinem Entdecker Zimm ermann 4 ) Pyrrhin genannt wurde. Gleichzeitig mit 1) Schweiggers Journal. Bil. V. S. 323. 2) Ueber die Vegetation auf den Iuselu des indischen Archipe- lagus. Berlin 1828. S. 17. 3) Er fand einen Rückstand, welcher heim Verbrennen zerstört und schwarz wurde. 4) Kästners Archiv. Bd. I. S. 257 folg. 10 Zimmermann und unabhängig von demselben entdeckte es Ilermbstädt 1 ) bei seiner Untersuchung des Wassers der Ostsee, und schrieb jene eben erwähnte Färbung einem Üüchligen Principe zu, weil auch • die Dämpfe dieses Wassers eine solche Färbung hervorbrachten. Dieselbe Wirkung auf Silbersalze äu- fserte die über der See ruhende Atmosphäre. R. Brandes fand sie 1821 in Salzuffeln bei Gelegenheit einer eudiomelrischen Prüfung der die dortige Saline umgebenden Luft. Berzelius bemerkte dieselbe Erscheinung in der Nähe von Rügen auf dem Meere, und schrieb sie ebenfalls dem organischen Stoffe zu, welchen das Meer stets an die Atmosphäre abgebe, in welcher er zersetzt werde. Zimmermann hat die organische Substanz des Meteorwassers, das Pyrrhin, durch Verdunstung dargestellt. Sie ist nach ihm im Wasser und nicht sehr starkem Weingeiste löslich, besitzt eine gelbbraune Farbe, wird in der Hitze unter dem Gerüche von brennenden Thiermembranen zerstört, und sie ist es, welche die Röthung der Silbersalze verursacht. Aufser diesem Pyrrhin, dessen Existenz und Eigenschaften von Wiegmann in Braunschweig bestätigt worden sind, enthält das MeLeorwasser noch verschiedene andere flüchtige organische Substanzen, wie der verschiedene Geruch desselben beweist. Läfst mau es für sich stehen, so erscheinen Absetzungen darin, die mannigfache Formen besitzen, blasig, pulvrig, llok- kig, häutig, staubartig u. s. w., und die zugleich ebenfalls den organischen Gehalt beurkunden. Brandes hat 95 hiehcr gehörige verschiedene Untersuchungen im Jahre 1825 zu Salzuffeln angestellt, aus denen sich für 1) Abhandl. der Berl. Akadem. i'Iiys. Kl. S. 56. 11 das Meteorwasser in flüssigem Zustande (Schnee und Hagel wurden geschmolzen) folgendes ergab: 1) Das Ansehn ist bald hell und durchsichtig, bald mehr oder minder getrübt und oxalisirend durch den darin sich ablagernden organischen Stoff, der bald pulvrig, bald flockig oder fadig, bald filzig oder häutig erscheinen kann. 2) Die Trübung des Regenwassers ist in der Regel weifs, selten rölhlich, braun oder grünlich. Mitunter zeigt die ganze Wassermasse auch wol eine bräunliche und milchige Farbe. 3) Der Geruch ist in der Regel nicht bemerk- lich; wenn dies, aber der Fall war, so war er fade, dumpfig, unangenehm, moorarlig; im Frühjahr öfters nach Blumen und Wiesenduft balsamisch angenehm, ferner rübenartig, wachholderbeerartig, faulig; im Winter und Herbst öfters nach Chlor, verbrannten Schwämmen und auch nach Blausäure. 4) Der Geschmack ist ebenfalls in der Regel nicht bemerklich; dann aber bald erfrischend, bald dumpfig und morastig, bald faulig, bald aromatisch, süfslich oder stechend, oder den biltern Mandeln ähnlich. Das Regenwasser enthält, wie zuvor bemerkt worden, aufser den organischen Stoffen, noch eine Quantität verschiedener Salze. Der Salzgehalt ist nach Brandes Beobachtungen 1 ) im Winter und Herbst am gröfs- ten, im Sommer am schwächsten, fehlt aber nie gänzlich, so dafs reines Regenwasser eine der gröfsten Seltenheiten ist. In 360 Unzen Regenwasser fanden sich 2,75 Gran fester Substanzen, welche Brandes der 1) Scliweiggers Journal. XLVIII. S. 176. 12 Kürze halber Meteorsalz nennt. Die Analyse ergab folgende Zusammensetzung 1 ): { Harz, Pyrrhin, der thierisch-vegclabilischen Ma- terie analog, Mucus. r Chlormagnesium, kohlensaure Magnesia, organische Chlornatrium, „ 0 schwefelsaure Magnesia, Bestand- schwefelsaure Kalkerde, theile. Chlorkalium, Eisenoxyd, Manganoxyd, k, Ammoniaksalz (salpetersaures ?). Der Kaligehalt war kaum wahrnehmbar. Das Meteorwasser ergab: Zeit. Rückstand in 1 Theil Flüssigkeit. Januar . 0,0000065 Februar. 0,0000035 März. 0,0000021 April. 0,0000014 Mai. 0,0000008 Juni. 0,0000011 Juli. 0,0000016 August. 0,0000028 September .... 0,0000021 • October. 0,0000031 November .... 0,0000027 December. 0,0000035. 1) S. Schweiggers Journal. XLVIII. S. 153 —183. Berze- lius Jahresbericht. VIII. S. 233. 13 Diese Beobachtungen scheinen darauf hinzudeuten, dafs die in der Atmosphäre vorhandene jedesmalige Quantität organischen Stoffes nicht der Menge des auf der Oberfläche verbreiteten organischen Lebens proportional, eher, dafs sie ihr umgekehrt proportional sei. Nicht blofs durch die chemische Analyse wird dies organische Princip in unserer Atmosphäre nachgewiesen, sondern auch durch die offenbar organische Bildung und Form, welche es zuweilen annimmt. Dies ist bei dem rothen Schnee der Fall, welchen schon 1760 Saussure auf dem Mont Breven fand l ), und der sich überall in den Polargegenden vorlinden soll, obgleich es wahrscheinlicher ist, dafs er nur bis zu einer gewissen nördlichen Breite fortkommt, da wenigstens am Abhange der Gebirge auch diese Vegetation ihre obere Gränze hat. Saussure 2 ) wenigstens fand ihn auf den Alpen nur bis zu 1440 Toisen Höhe. An den Küsten des arktischen Meeres sahen ihn die Ca- pitaine Rofs 3 ), Parry 4 ), Scoresby 5 ) u. a. m., auf den Alpen fand ihn Biseix 6 ) wieder, auf den Pyrenäen sah ihn Ramond 7 ). Hieher gehört auch 1) Voyages dans les Alpes. §. 646. Tom. III. p. 62 folg, der Ausgabe in Octav. 2) Tom. IV. p. 205. 3) Reise nach den Polarmeeren. S. XLIV. Th. I. S. 342. deutsch. Uebersetz. von Nemnich. 4) Narrative of an atlempt to reach the north pole. London 1829. 12mo. p. 156. 5) Account ofthe arctic regions and the northern IVhale-fishcry. I. p. 426. 6) Gilb. Annal. LX1V. S. 318 folg. Schweiggers Journal. XXXVI. S. 115. XLIV. S. 450. 7) Annales de Chim. et de Phys. Tom. XII. p. 73. Schweiggers Journal. VI. S. 46. 14 wahrscheinlich jener rolhe Hagel, dessen wir oben gedacht haben. Das rothfärbende Princip erklärt Fr. Bauer 1 ) für einen Pilz, welchen er Uredo nivalis nannte, Rob. Brown für eine Alge, Hook er für eine PalnielLa. Fries 2 ) belegte es mit dem Namen Chlorococcum und rechnete es zu den Nostocarten, Agardh 3 ) mit dem Namen Protococcus kermesinus, und beide, Fries sowohl, als Agardh, hielten die Ae- rophyte für identisch mit Wrang eis Leprana kerme- sina 4 ). Auch De Candolle 5 ) hielt die iin Schnee gefundenen Körperchen für algenarlig und mit VIva und Nostoc verwandt. Ganz isolirt in der neueren Zeit 6 ) steht Scoresbys Meinung da 7 ), welcher glaubte, dai's der Schnee seine Farbe kleinen Thier- chen und keinen Yegelabilien verdanke. Wir halten 1) Quaterly Journal of Science, published hy ihe royal Institution of Great - Britain. Vol. VII. Nr. XIV. p. 222. An- nales de Chim. et de Phys. Tom. XII. p. 8. Edinburgh philos. Journ. I. p. 423. 2) Verhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm. 1823. I. S. 62 folg. 3) Nova Acta Acad. Caes. Leopoldo-Carolinae Naturae Cu- riosorum. XII. p. 2 folg. p. 749. 4) Stockholmer Abhandlungen. 1823. S. 71. 6) Annales de Chim. et de Phys. Tom. XII. p. 77. 6) In dem Alterthume hegte man dieselbe Meinung, dafs Thiere im rothen Schnee der Gebirge existirten. Vgl. Beckmann ad Antigon. Caryst. c. 90. p. 138 folg. Schneider ad Aristot. hist, animal. V. 17,12. p. 406. et ad Eclog. phys. Tom. II. p. 150. 7) Edinburgh new philosophic. Journ. Octbr. — Decbr. 1828. p. 54. Annales de Chim. et de Phys. Tom. XXXIX. p. 429. 15 uns an die Benennung Protococcus und stellen mit andern den generischen Charakter folgenderniafsen fest: Protococcus. Globuli aggregaii, nudi, granulis farcti, in gela- iina hycdina irnpositi. Protococcus nivalis globulis ex acte sphacricis, minutissirnis, viride purpureis, gelcitina pallida expansa. Prot, nivalis, Agardh. Prot, hermesinus, Agardh. Palmella nivalis, Ilooker in: Botanical Appendix to second voyage of the Capitain Parry. Ureclo nivalis. Franc. Bauer. Lepraria kermesina. Wrangel. Al gar um genus? Confer vis sirnplicissimis et Tre- rnellae cruentae (piodammodo affine? Bob. Brown in List of Plants in Capt. Bofs voyage. sec. edit. Terre rouge de la neige. Saussure. Habitat in nive polari et alpina, et supra lapides, folia aliaque corpora in regionibus frigidis Sueciae, Norvegiae, Scoliae. Was die chemische Analyse betrifft, so fand Pescliier *) in 27 Unzen Schneewasser 68 Gran eines in Wasser unauflöslichen Pulvers, welches dem Alcoliol, in dem es sich auflöst, eine goldgelbe Farbe ertlieilt. Die chemische Analyse des durch Verdampfung erhaltenen Rückstandes gab in vier verschiedenen Portionen: * 1) Annales generales des Sciences physiques. III. p. 394. Sclnveig- gers Journal. XLIV. S. 456. 16 als Bestandtheile in 100 Theilen I. II. III. IV. Kieselerde. 53,55 66,59 20,0 5,21 Eisenoxyd. 12,27 21,35 31,25 52,08 Tlionerde. 6,61 6,35 4,25 — Kalk. 0,3S — 0,50 0,84 Harz. 12,08 — — — unauflöslicher organi- scher Stoff. 8,50 — 37,50) löslicher organischer 42,37. Stoff. 6,61 6,80 ' 6,50] Weitere historische Nachrichten, die im Wesentlichen mit dem Vorhergehenden übereinstimmen, findet man in C. G. Nees von Esenbeck lieber das organische Princip in der Erdatmosphäre und dessen meteorische Erscheinungen. Aus Roh. Browris vermischten botanischen Schriften besonders abgedruckt. Schmalkalden 1825 1 ). Von dem blutigen Regen, welcher oft vielfachen Schrecken unter den Landleuten hervorgebracht hat, glaubt man, dafs er von Schmetterlingen herrühre, namentlich von Papilio C. album, dem sogenannten C. Vogel, welcher bei seinem Auskriechen aus der Puppe einen rothen Tropfen zurück läfst 2 ). Die Ursachen, denen man gewöhnlich die Ungesundheit der Luft zuschreibt, sind sehr grofse Feuchtigkeit, d. h. eine übergrofse Quantität des dampfförmigen Wassers, grofse Wälder, mit denen manche Gegenden bedeckt sind, oft auch das Gegentheil davon, > weit 1) Im Auszüge in Schweiggers Journal. XLIV. S. 437 — 474. 2) Vie de Peiresc par Gassendi. p. 101 — 113. Edinburgh philos. Journ. of Science. XVI. Apr. 1828. v. Frorieps Notizen. Bd. XXI. S. 86. Han vergleiche jedoch oben S. 6.' Anmerk. 4. 17 weit ausgedehnte vegetationsleere Ebenen, die Beschaffenheit des Trinkwassers, dessen man sich bedient, die gewisser Winde; aufserordentliche Temperaturwechsel u. s. w. Aber alle diese Ursachen, selbst, wenn sie an einzelnen Orten dazu beitragen, den Platz zu einem ungesunden Aufenthalte zu machen, reichen nicht hin, den mächtigen Einflufs mancher Gegenden auf die Gesundheit der Bewohner zu erkläreil, eine Eigenschaft, welche sich oft an Orten plötzlich einfindet, obgleich in meteorischer Beziehung keine Veränderung eingelre- ten, wie dies in Montpellier der Fall ist, früher einer durch ihr gesundes Klima bekannten Stadt, jetzt, nach Arnotts Versicherung, einem der ungesundesten Orte Frankreichs 1 ). Die Ursache liegt wol hauptsächlich in den Ausdünstungen der stehenden Gewässer 2 ) und dem in der Luft vertheilten organischen Stoffe, dessen Existenz kurz zuvor nachgewiesen worden. In Aegypten herrschen im Winter, wenn der Nilschlamm mit Wasser bedeckt ist, wenig Krankheiten, im Sommer desto mehr Endemien. Rom ist seiner aria cattivci wegen berüchtigt, die pontinischen Sümpfe haben ihre 1) Jameson New Edinburgh philosoph. Journal. II. (Apr.— Octbr. 1827.) p. 255. 2) Uelier (len Einflufs der Sümpfe anf den Gesundheitszustand der Menschen und die daraus entstehenden Miasmen, vergleiche man noch die Bemerkungen Fergusons, welche er auf viele und mannigfaltige Erfahrungen begründet hat. Er glaubt hauptsächlich, dafs die Ausdünstungen der Sümpfe nur hei vorzüglich trockner Luft, unbewölktem Himmel und dörrender Hitze schädlich sind, was er durch eine grofse Reihe der verschiedenartigsten Thatsachen erläutert. S. Frorieps Notizen. Bd. VIH. Nr. 176. S. 346. Ich habe vieles hieher bezügliche in meiner Meteorologia veterum Graecorum et Romanorum zusammengestcllt. 2 18 Schrecknisse seit ihrer Austrocknung, die vielen Tausenden von Menschen das Leben gekostet, verloren. Rigaud de Lisle 1 ) condensirte das verdunstete Sumpfwasser und übergab es Vaucquclin zur Analyse, aus der sich ergab, dafs es eine Quantität eines organischen Stoffes enthielt, der sich im Ruhezustände in Flocken absonderte, ferner Ammoniak, kohlensaures Natron und Chlornatrium; de Lisle fügt hinzu, dafs es kein Gas, aulser atmosphärischer Luft, enthielt, dafs unter den organischen Stoffen sich mehr vegetable als animalische Restandlheile vorfanden. Es geht daraus hervor, dafs bei der Verdunstung eine Quantität pon- derabler Stoffe, von gröfserem specifischen Gewichte, als der Dunst und die atmosphärische Luft, mit in den Luftkreis emporgehoben werden. Ob diese mechanische Entstehung sich auch auf die übrigen oben erwähnten Substanzen ausdehnen lassen, wollen wir für den Augenblick unerürtert lassen, um darauf im vierten Abschnitte zurückzukommen. Diese Stoffe, namentlich die schwereren, welche nicht weit in die Höhe steigen können, scheinen die Miasmen zu bedingen. Auf den kanarischen Inseln war, wie Leop. v. Buch 2 ) erzählt, in 400 Fufs Höhe über dem Meeresniveau jeder vor Ansteckung sicher. Ob diese Höhe sich überall gleich bleibe, oder, ob sie mit den Temperaturen wechsele: diese Frage entscheiden zu können, fehlt es noch an Beobachtungen. Lanccrote, die niedrigste sämmtlicher kanarischen Inseln, ist nach Leop. v. Buch 3 ) von aller Ansteckung frei geblieben; es scheint, als ob die 1) Bii/liotheque universelle. II. p. 18. 2) Physikalische. Beschreibung der kanarischen Inseln. S. 35. 3) A. a. O. S. 34. 19 entbundene Säure aus dein dort häufig angepflanzten Mesembryanthemurn crystallinum oder ihr Radikal (Chlor?) die Miasmen gebunden, oder ihnen wenigstens den nachtheiligen Einflufs auf die Gesundheit benommen habe. Bestätigte sich diese Bemerkung v. Buchs, so würde die Anpflanzung dieses Mesem- hryanthemum an den Küsten vielleicht der Verbreitung des Pestübels und ähnlicher Krankheiten die besten Schranken setzen. Den oben erwähnten Erscheinungen mag indessen auch die Ursache mancher Endemie zu- zuschrciben sein, wie dies ausschliefslich Al. v. Humboldt 1 ) zu tliuir geneigt ist. Zwischen den Tropen mag auch die Masse der durch Luftströmung in der Atmosphäre schwebend erhaltenen todten Insekten, namentlich der Mosquitos, manches zur Erzeugung endemischer Krankheiten beilragen 2 ). Wir wollen kurz noch folgendes hiuzufügen. Ra- finesque 3 ) hat neuerdings auch denStaub, mit welchem unsere Atmosphäre angefüllt zu sein scheint, und der namentlich dann bemerkbar wird, wenn ein Sonnenstrahl in ein wenig erleuchtetes Zimmer einfällt, zum Gegenstände wissenschaftlicher Forschungen gemacht. Seiner Ansicht geinäfs darf man den Ursprung desselben nicht etwa der Zerstörung der Hausgeräthschaftcn, Kleidungsstücke u. s. w., mit einem Worte, aller der auf der Erdoberfläche befindlichen Gegenstände zuschreiben, da er ihn auf dem Aetna, auf den Kordilleren und mitten auf dem Meere vorgefunden hat. Er 1) Voyage aux reg. equin. Tom. IV. p. 187. 2) Al. v. Humboldt, a. a. O. Bd. VII. p. 137. 3) Silliman, American Journal of Sciences. I. p. 397. Journal de Physique. XC. p. 27. 2 * 20 glaubt, dafs er durch chemische Processe in dem Luftkreise selbst gebildet werde, durch Verbindung gasförmiger, in demselben aufgelöster Elemente, und dafs er namentlich aus alkalinischen Theilen besiehe, unter denen die Thonerde vor walte. Die Masse, welche sich jährlich in einem verschlossenen Zimmer bei ruhiger Luft ansammelt, schätzt er auf — 1", welche durch den Druck bis auf reducirt würde. An offenen Orten sei die Masse an verschiedenen Punkten verschieden, betrage aber im Verlaufe von hundert Jahren etwa 6" — 12". Rafinesque betrachtet diesen Staub als ein chronisches Meteor und als eine der Ursachen so mancher auf unserer Erdoberfläche verfallender Veränderungen * 1 ). II. Mit allen diesen so eben in Anregung gebrachten Fragen, über das Vorkommen heterogener Substanzen in unserem, aus Sauerstoff und Stickstoff als ursprünglichen, Wasserdunst und Kohlensäure als secundären Bestandlheilen zusammengesetzten Luftkreise, deren bestimmtere Beantwortung und genauere Untersuchung demjenigen Zeitalter überlassen bleiben mufs, welchem eine gröfsere Reihe sicherer Beobachtungen und unbe- zweifelter Thalsachen zu Gebote steht, hängt die Unter- 1) Auch Kästner Ilandb. der Meteorologie Th. I. S. 113 hat diesen Aetherstaub angenommen. Kämtz Lehrb. d. Met. I. S. 39 hat sieli nicht deutlich über die Existenz desselben ausgesprochen: er scheint ihn für ein lokales Phänomen an- zusohen und rechnet ihn zu den mechanisch emporgerissenen Körpern. Die Autoritäten für diesen Gegenstand sind nicht von der Art, dafs ich mir ein Uriheil über denselben erlauben zu dürfen glaube. 21 suchung über die Natur, Beschaffenheit und den Ursprung der Feuerkugeln, Meteorsteine und Sternschnuppen, die wir mit dem gemeinschaftlichen Namen Atmosphärilien belegen wollen, auf das engste zusammen. Wir stehen auf einem schlüpfrigen Boden, dem der Hypothesen; und müssen befürchten, ein Luftschlofs aufzurichten, wenn wir nicht streng alles das, was auf wirkliche Beobachtungen gegründet ist, von dem absondern, was aus unzuverlässigen Thalsachen geschlossen, dennoch als positives Wissen hingestellt worden ist. Man erwarte daher in diesem Abschnitte, in welchem wir uns mit den Erscheinungen der Atmosphärilien beschäftigen wollen, keine vollständige Sammlung alles dessen, was bekannt geworden: eine strengere Sichtung der Quellen möchte wol bei keiner meteorologischen Untersuchung so nofhwendig sein, wie hier. Obgleich ich weit davon entfernt bin, eine Aristokratie in dem Gebiete der Naturwissenschaften anzuerkennen, so werden doch auch hier, wie immer, Thatsachcn, für die der Name des Beobachters eine Bürgschaft ist, die willkommensten sein l ). 1) Benutzt sind folgende Quellen: Cliladni über den Ursprung der von Pallas gefundenen und anderen ihr ähnlichen Eisenniassen, nebst einigen damit in Verbindung stehenden Naturerscheinungen. Leipz. 1794. 4. Desselben Werk über Fcuernicteorc und über die mit denselben herabgefallenen Massen, mit Steindrucktafeln und deren Erklärung von Schreibers. Wien 1819. Izarn hilhulogie atmospherique. Paris 1803. (von geringem Werthe, ebenso wie das folgende) 'Memoire historique et physique sitr In clnite des pierres tombecs sur la surface He la terre a differentes epoques par Bigot de Morogues. Orleans 1812. Der Artikel Viertes meteori- ques in der neuen Ausgabe des TUclionnaire d'hisloire naturelle (1818) von Leman. Das Buch von King, Remarks concerning stones, said to have fallen front the clouds in these 22 1? Ob Meteorsteine zuvörderst nichts anderes, als auf die Erde herabgefallene Feuerkugeln seien, ob ferner Sternschnuppen nichts anderes seien, als Feuerkugeln, sind zwei Fragen, deren sichere Beantwortung bei den jetzigen Kenntnissen über diesen Gegenstand unmöglich ist. Die erste Frage kann indessen eher bejaht, als verneint werden, und zwar mit der gröfsten Wahrscheinlichkeit: denn, sehr häufig, ja fast immer, hat man bei der Erscheinung der Feuerkugeln Meteorsteine herabfallen sehen, nie und nirgends ist dies ohne vorhergesehene Feuerkugeln der Fall gewesen und, wenn man nach Verschwindung der Feuerkugeln keine Meteorsteine gefunden'hat, so ist dies offenbar noch kein Beweis, dafs keine herabgefallen. Man vergleiche besonders, was Chladni 1 ) über die optische Täuschung bemerkt, der zufolge die Stelle des Niederfal- lens oft für weit näher gehalten wird, als sie wirklich ist. Hierzu kommt, dafs die Meteorsteine, wo sie im Augenblicke des Herabfallens beobachtet wurden, wie zu Aigle, Jonzac und an anderen Orten, wovon nachher die Rede sein soll, noch glühend heifs befunden w r urden, so dafs es am wahrscheinlichsten ist, dafs Feuerkugeln nichts anderes, als glühende Meteorsteine, die Meteorsteine nichts anderes, als herabgefallene Feuer- days and in ancient times ist mir leider nicht zu Gesicht gekommen. Ferner: Braudes und Benzenberg Versuch, die Entfernung, Geschwindigkeit und Bahn der Sternschnuppen zu bestimmen. Hamburg 1800. 8. und Brandes Beobachtungen über die Sternschnuppen. Leipzig 1825. Einzelne Abhandlungen, wie z. B. die von Fischer über Meteorsteine in den Abhandlungen der Berlin. Akad. pliys. Kl. 182x, von Egen in Gilb. Annal. Bd. 72. sind stets gehörigen Ortes angeführt worden. 1) Gilb. Annal. Bd. LXXI. S. 382. 23 kugeln sind. Auch giebt dieser Behauptung eine Erscheinung viel Wahrscheinlichkeit, welche le Gentil *) auf Isle de France beobachtete. Den lsten December 1760 nämlich erschien eine Feuerkugel von 20 Minuten scheinbarem Durchmesser, welche sich im Augenblicke der Lichtentwickelung in zwei Feuerpyramiden mit entgegengesetzten Grundflächen trennte, die eine ganze Zeit hindurch in einer und derselben Höhe blieben, dann aber verschwanden, nachdem zuvor ein Stück von ihnen bis auf 2° Tiefe weiter hinabgesunken war, wo endlich auch dieses verschwand. Bei diesem Phänomene war die Theilung der Feuerkugeln in kleinere Massen und das Herabfallen derselben also deutlich zu bemerken. Die zweite Frage zu beantworten, fehlt es durchaus an Datis. Es ist wol die Vermuthung aufzustellen, dafs die Feuerkugeln Concremente aus anorganischen Bestandteilen, die Sternschnuppen aus organischen Stoffen seien, die wir nachher weiter verfolgen wollen, dafs beide Gattungen von Atmosphärilien zur Erde herabkämen, und dafs letztere schleimiger, gallertartiger Natur seien und ihr Residuum häufig auf Wiesen und an andern Orten gefunden würde, aber Gewifslieit ist hierüber nicht erlangt worden. Namentlich sind die an Flüssen so häufige Pflanze Trernella Nostoc oder die zu den Geschlechtern Gonycladon und Granularia gehörigen Species, ihres oft rätselhaften Erscheinens halber nach trockenem Wetter häufig für die herabgefallene Materie der Sternschnuppen angesehen worden; Benzenberg hat aber an die Beobachtungen erinnert, welche nachgewiesen haben, 1) Voyage aux Indes. Yol. V. p. 50. 2) Gilb. Annal. VI. S. 232. wie sehr jene Vegctabilien vom Feuchtigkeitszuslande der Luft abhängig sind. Auch 1\. Brandes 1 ) spricht, genauen chemischen Untersuchungen zufolge, mitUeber- zeugung die Meinung aus, dafs die weifsen, gallertartigen Massen, welche man mitunter auf feuchten Wiesen findet, und welche die Bauern Wett er glitt oder Levers ee nennen, keinesweges einen atmosphärischen oder gar kosmischen Ursprung haben, sondern dem Laiche von Lhnax rufus, agreslis, stagnalis u. a. m. angehören, welcher, obwohl in natürlichem Zustande von unbedeutender Gröfse und daher der Aufmerksamkeit sich entziehend, an feuchten Orten durch Absorption von Wasser ein grofses Volumen und weifses, gallertartiges Ansehen annimmt, welches so leicht die Aufmerksamkeit desjenigen in Anspruch nehmen mufs, welcher solche Massen auf seinen Wegen antrifft, dafs ferner die Natur dieses Laiches es bedingt, dafs man denselben nur an feuchten Plätzen findet. Eine andere Ansicht über diese Substanz hat Fothcrgill aufgestellt 2 ). Ihm zufolge ist sie das halbverwcste Aas von Kröten oder Fröschen, besonders von letzteren; er will häufig die Häute des Amphibium daran hängend gefunden und ebenfalls den zerrissenen Körper eines Frosches gesehen haben, der am Rande eines Sees lag und am folgenden Tage in diese Substanz verwandelt war. Die Atmosphäre war zu der -Zeit sehr feucht und das Wetter nafs, welches zur Bildung dieses Wetter- gli tts nothwendig zu sein scheint. Man kann dagegen einwenden, dafs diese Masse bisweilen an Orten gefun- 1) Schweiggcrs Journal. XLIX. S. 399. 2) v. Frorieps Notizen. VIII. Nr. 168. S. 214 folg. 25 den wird, die für Frösche und Kröten unzugänglich sind, wie. z. B. auf den Strohdächern der Scheuern, Heuschober u. dgl. in., Fundorten, die eher auf ihren atmosphärischen Ursprung hindeuten könnten. Diesen Einwurf beantwortet aber F oth er gilt dahin, dafs diese Amphibien mehreren Raubvögeln zur Beute dienen und von ihnen an solche Orte hingetragen werden, wo sie dieselben mit Mufse verzehren können; wenn sie nun während dessen verscheucht werden, so bleibt der zerrissene Frosch oder die so zugerichtete Kröte zurück, und wenn der Zustand der Witterung günstig ist, so bildet sich Sterngallerte. Wenn das Weiter heifs und trocken ist, so w r erden die Aase in eine harte, lederartige Masse verwandelt. Frösche werden insbesondere selten durch den gewöhnlichen Procefs animalischer Fäulnifs zersetzt. Auch Pennant ist der Meinung, dafs diese gallertartige Substanz organisch-animalischen Ursprungs sei: nach ihm verdankt sie denselben der Wintcrmöve, oder ähnlichen Vögeln, und ist nichts, als der halbverdautc Ueberrest, von Regenwürmern, wovon diese Thierc sich nähren und die sie oft wieder aus dem Magen von sich geben. Fother- gill läugnet nicht, dafs dies zum Theil wahr sein möge; doch fand sich und findet sich die Substanz häufig an Orten, wo weder Wintermöven, noch irgend eine bekannte Art von Vögeln sich aufhält. Einen Beweisgrund für den atmosphärischen Ursprung solcher gallertartigen Massen könnte die Erscheinung von Feuerkugeln darbieten, welche nach ihrem Herabfallen als gallertartige Massen erschienen. Hi eh er gehört der Klumpen Feuer, welcher 1218 in Ostindien herabfiel und der, als er kaum die Erde erreicht halte, heftig knallte und 26 einen grofsen Klumpen wie Silberschaum glänzender Gallerte zurückliefs *). Fernere Beispiele haben Silberschlag, Bergmann 1 2 ) u. a. in. beobachtet und vieles hi eh er gehörige Buhl and 3 ) gesammelt. Im Jahre 1819 fiel ein Concrement dieser Art zu Amherst in Massacliusets herab, welches als glänzend weifses Meteor vor dem Niederfallen in der Luft gesehen wor- den war und nachher chemisch untersucht wurde. Es war eine organische Substanz, von der Konsistenz der Stärke, wie man sie zum Hausgebrauche anwendet: mit Schwefelsäure in Berührung gebracht, erfolgte ein heftiges Aufbrausen und der ganze Körper wurde verflüchtigt. Salzsäure und Salpetersäure dagegen, sowohl con- ccntrirt, als verdünnt, übten gar keine chemische Wirkung aus 4 ). Was von diesen und ähnlichen Beobachtungen (denn ich habe nur einige der am meisten beglaubigten beigebracht) zu halten sei, mufs eine grö- fsere Reihe genauer Beobachtungen lehren. Dafs die Sternschnuppen sehr häufig gar kein Residuum zurücklassen, geht aus einer Erzählung hervor, welche Volney mittheilt 5 ). Als er sich nehmlich in Syrien befand, erzählten ihm die Maronilen des Mar-Elias, dafs drei Jahre zuvor, eine Sternschnuppe auf zwei, dem Kloster zugehörige, Maulesel mit einem Pislolen- 1) Barchewitz Nene vermehrte ostindische Reisebeschrei- hung. Erfurt 1791. S. 427. 2) Gilb. Annal. Bd. VI. S. 235. 3) Schweizers Journ. Bd. VI. S. 39. Vergl. noch Gilb. Annal. XXIII. S. 101. LXVI. S. 359. LXI1I. S. 35. LXXI. S. 354 folg. 4) Silliman American Journal of Science. II. p. 335. Edinburgh philosophical Journal. V. p. 396. 5) Voyage en Egypte et en Syrie. Tom. I. p. 324. scliufs ähnlichen Knalle herabgefallen sei und sie ge- tödtet habe, ohne eine andere Spur, als den Donner zurückzulassen. Buhland hat sich vorzugsweise damit beschäftigt, aus den über Feuermet'ore aufgezeichneten Dalis einiges Geselzmäfsige herauszuiinden. Was also zuvörderst die Jahreszeit anbetrifft, in der sie zu erscheinen und, wenn wir die Meteorsteine mit einbegreifen, in der sie herabzufallen pflegen, so kommen nach Ruh- land 1 ) unter 60 — 70 Stcinfällen, von welchen die Jahreszeit aufgezeichnet wurde, beinahe zwei Drittheile auf die Sommermonate Mai, Juni, Juli. Aufserdem fielen die meisten auf die beiden Aeqninoktialzeilen, März und Milte Septembers bis Mitte Octobers, wogegen die anderen, vorzüglich die Wintermonate, damit in gar keine Vergleichung kommen, und in letzteren zusammengenommen nicht so viel Steinfälle sich zutrugen, als in einem Sommermonate. Wenn sich die Feuerkugeln und Aerolilhen im Winter zeigen, so scheint dies namentlich bei elektrischen Explosionen, deren Ursache sehr reichliche Niederschläge des atmosphärischen Wassers sind, Statt zu finden 2 ). In Bezug auf die Tageszeit ergiebt sich, dafs von Mittag zu Mitternacht 30 Fälle aufgezeichnet sind, von Mitternacht zu Mittag dagegen nur 7, und von den letzteren kam wiederum nur ein einziger zwischen 11 Uhr Abends und 6 Uhr Morgens vor. Dies mag wol mit den Behauptungen über die Seltenheit der Mondregenbogen in eine Kategorie zu stellen sein. Sternschnuppen sind am häufigsten in der Nacht; aber auch am Tage kom- 1) Schweiggers Journal. Bd. VI. S. 15. 2) Gilb. Annal. Bd. LXX. S. 222. 28 men sie vor, und weshalb sie zu dieser Zeit so selten beobachtet sind, davon liegt der einzige Grund, den auch schon Seneca angiebt 1 ), darin, dafs ihr Glanz von dem des Sonnenlichtes übertroffen wird. IIallst een, als er am 31sten August 1825 den Polarstern um 11" 25'Morgens beobachtete, sah einen leuchtenden Punkt das ganze Gesichtsfeld durchschneiden, dessen Licht heller war, als das eines Sternes, und der sich aufwärts und in mancherlei Windungen bewegte. Er hielt diese Erscheinung für eine Sternschnuppe 2 ). Die geographische Lage der Orte scheint ferner nicht gleichgültig zu sein. Sie scheinen mit der Entfernung vom Aequator abzunehmen. So sind in Scliwe- 1) Quaest. nat. I, 1. p. 724. der Amsterdamer Ausgabe von 1619. 2) v. Frorieps Notizen. Bd. XIV. S. 168. Poggendorffs Annalen. Bd. IX. S. 525. Serres, Unterpräfect zu Einbrnn, sali bei der Sonnenlinsternifs am 7ten September 1820 eine Hasse von Sternschnuppen ähnlichen Feuerballen sieb von der Sonne gleichsam ahlüsen und nach allen Richtungen hin verbreiten. Einige wurden in der Richtung einer geraden Einie fortbewegt, andere beschrieben eine Parabel, andere verloschen in einiger Entfernung von dem verdunkelten Körper, andere dagegen nahmen bald eine rückgängige Bewegung an und schienen zu demselben zurückzukehren. Je dunkler die Sonnenscheibe erschien, desto häufiger wurden diese Auswürfe. Ycrgl. Jameson ~Sew Edinburgh, philos. Journal. I. Apr.— Octbr. 1826 p. 115. Ich habe dieses Phänomen, welches wol mit den Sternschnuppen nichts zu thun hat, aber auch nicht auf einer optischen Täuschung beruhen kann, da es von vielen Beobachtern zu gleicher Zeit wahrgenommen worden ist, in der Meteorol. vcl. Gr. et liom. Cap. IX. §. 42. not. 16. durch eine Lalcralrefraklion zu erklären versucht, und aufser einer Stelle des Diodor von Sicilien (III, 48. p. 216) die Beobachtung Humboldts auf dem Pik von Teneriffa verglichen. Relation hislorijue. Vol. I. p. 125. Gilb. Annal. Bd. VI. S. 190. 29 den und Dänemark noch keine beobachtet worden; auf 4 in Rufsland, von denen noch ein Theil in das südliche fällt, kommen 6 in England, dessen Temperatur bei weitem höher ist, und von hier aus nehmen sie im Allgemeinen zu, je mehr man sich dem Aequator nähert. Aufserdem mufs (über noch ein anderer Grund in der Natur des Landes selbst liegen, da die Menge der Steinfälle in Italien, Deutschland und dem südlichen Frankreich aufser allem Verhältnifs mit denen in anderen Ländern steht. Dasselbe gilt von Isle de France nach den Berichten von le Gentil 1 2 ). TJeberhaupt scheinen die Acquatorialgegenden an diesen Feuermeteoren reicher zu sein, als die gemäfsigte Zone, wie aus Don Ulloas Beobachtungen hervorgeht , ), an Sternschnuppen wenigstens sicherlich nach v. Martius 3 ) und M o- linas 4 ) Bemerkungen. So beobachtete ungeheure Massen von Sternschnuppen AI. v. Humboldt 5 ) zwischen Madera und der afrikanischen Küste, besonders in der. Gegend der kanarischen Inseln; vorzugsweise sah er sie aber in der Nähe der Vulkane von Quito und der vulkanischen' Küste von Guatemala. Die au- fserordentliche Menge und Gröfse der Sternschnuppen in Arabien setzte Niebuhr 6 ) in Verwunderung. Der Ursprung der Meteorsteine aus einer Wolke 1) Voyage aux mers des Indes. Tora. V. p. 50. 2) Gilb. Annal. XIV. S. 65. 3) v. Spix und v. Marlius Reise nach Brasilien. I. S. 81. Um Mitternacht pflegten sie gegen S., am Morgen gegen N.O. hinzufallen, was wahrscheinlich von den um diese Tageszeit herrschenden Windrichtungen herriilirte. 4) Histoire naturelle du Chili. Paris 1789. p. 17. 5) Voyage aux reg. equin. Tom. I. p. 79. 6) Beschreibung von Arabien. Kopenhagen 1772. 4. S. 5. 30 ist zu beachten 1 ). Von 29 bei heiterem Wetter gefallenen fielen 21 aus einer Wolke, von der Ruhland sagt, dafs sie mit den übrigen nichts als die Undurchsichtigkeit gemein zu haben schiene. Gemeiniglich ist sie sehr concentrirt, abgerundet und sehr schwarz, und scheint sich oft nach der vorherrschenden Farbe der nachher aus ihr fallenden Aerolilhen selbst zu richten; so war sie wcifs bei den zu Burgos gefallenen weifsen Steinen, und wie in Feuer stehend bei dem Steinregen zu Siena. Dafs diese Wolke nicht zufällig sei, sieht man daraus, dafs aus ihr das donnerähnliche Rollen und Getöse kommt, welches indessen nicht immer, ja im Allgemeinen sogar selten Statt findet 2 ), sie während des Phänomens in einer beständigen Formveränderung und Bewegung sich befindet, aus ihr die Steine jedesmal fallen, bei dem Steinfalle in Rufsland im Jahre 1S05 sich die Wolke sehr tief senkte, ehe sie den Stein fallen liefs, und bei dem Meteor zu Aigle dieselbe, während seines Verlaufes, an verschiedenen Orten nach einander dccrcpitirte. Eine Feuerkugeln von Zeit zu Zeit speiende Wasserhose ward den fiten Juli 1822 zu Asscnval, nicht w'eit von St. Omer, beobachtet 3 ). Es ist sehr wahrscheinlich, dafs diese Wolke jedesmal die Entstehung von Meteorsteinen begleitet und dafs, wenn sie in dem kleineren Theile der angegebenen Fälle nicht beobachtet wurde, dies theils daher rühren möchte, dafs sie bei Nacht sich zutrugen, theils, dafs die Feuerkugel nicht sogleich im Anfang, sondern erst dann beobachtet wurde, nachdem sie schon 1) Vergleiche auch Egen in Gilb. Annal. Bd. LXXII. S. 393. 2) Gilb. Annal. XIV. S. 60. XV. S. 112. 3) Annales de Chim. et de Phys. XXIV. p. 435. 31 von der Wolke getrennt, durch die Luft flog. Hieher gehört die von Wrede 1 ) beobachtete Feuerkugel, welche er unter einer sehr dunkeln Wolke wahrnahm. Ohnehin wird in den Fällen, wo ihrer keine Erwähnung geschieht, nie ausdrücklich angeführt, dafs sie nicht wahrgenommen sei. Einer sehr merkwürdigen hieher gehörigen Feuerkugel gedenkt Benzenberg 2 ), welche im Jahr 1791 beobachtet worden war. Sie entstand aus einer dunklen, fortwährend blitzenden und stürmenden Wolke (dabei hörte man keinen Donner), halte eine vollkommene Rotation um ihre Axe, wobei sich ihr Volumen fortwährend vergröfserte, und zog horizontal mit der Erdoberfläche von S.O. nach N.W. zu. Die Rotation ist bei gröfseren Meteoren häufig wahrgenommen worden 3 ). Die Bahn der Feuerkugeln und der Aerolitlien durch die Luft wird für parabolisch gehalten; aber der Winkel, welchen die Parabel mit dem Horizonte bildet, differirt aul'serordenllich; denn so stiefs der 1783 in Frankreich gefallene Aerolith vor sich hin, und bei Stannern fiel einer so schief, dafs er eine nur 2" tiefe und doch 2 ' lange, fast horizontale Rinne schlug, während dagegen die in Maine 1768 gefallenen Steine unter einem sehr beträchtlichen Winkel, und die bei Orleans 1810, so wie der in Kalabrien 1755 nach allgemeiner Aussage fast völlig senkrecht herabkamen. Der Aerolith von Konnektikut 1807 explodirte nach seinem Ankommen auf der Erdoberfläche und gleichzeitigem 1) Gilb. Annal. XV. S. 112. 2) Gilb. Annal. XI. S. 477. 3) Schweiggers Journal. VI. S. 38. Gilb. Annal. Bd. LXI. S. 112. I 32 Erlöschen noch dreimal, womit jedesmal eine ricochet- tirende Bewegung verbunden war. Was die Sternschnuppen anbetrifft, so ist die Bewegung derselben nicht allein sehr häufig genau horizontal 1 ), sondern auch nicht selten vertikal von der Erde aus 2 ). Im Ganzen fand jedoch Brandes 3 ) bei den Sternschnuppen die schräge, herabsteigende Richtung, und zwar diejenige vorherrschend, welche der Bewegung der Erde in ihrer Bahn entgegengesetzt ist. Egen hat zuerst auf einen Umstand aufmerksam gemacht 4 ), der ein sicheres Kriterium abgeben kann, ob die Meteormassen von aufsen her in die Atmosphäre eindringen, oder in der Atmosphäre selbst erzeugt werden. Ist nehmlich er- steres der Fall, so mufs die Projektion ihrer Bewegung auf der Erdoberfläche eine Kurve doppelter Krümmung sein: findet letzteres dagegen Statt, einen Bogen eines gröfsten Kreises darstellen. Die Beobachtungen sind immer noch nicht zureichend, um über diesen Punkt zu entscheiden. Was die Höhe anbetrifft, in welcher die Feuer- meteore entstehen, so läfst sich über dieselbe bei dem gänzlichen Mangel an korrespondirenden Beobachtungen nichts bestimmen. Einzelne Angaben, welche nicht auf dergleichen Beobachtungen gegründet sind, verdienen kein Zutrauen, müssen indessen hier angeführt werden, da sich dergleichen Chladni als eines Beweises bediente, dafs die Feuermelcore aufser - atmosphärischen oder vielmehr kosmischen Ursprungs seien. Ich _ habe 1) Gilb. Annal. Bd. XIV. S. 66. 2) Ebendaselbst S. 47 und 252. 3) Poggendorffs Annal. II. S. 421. 4) Gilb. Annal. Bd. LXXII. S. 385. 33 habe die Maafse beibehalten, in welchen sie angegeben worden: bO B 0 iO K tSJ ca ca 6 co ’g S ü ä* ?u 53 h4 cq F- a 2» 5 £ 3 -c: o g ^ r S «3 O . Os *- 65-Ä S *5 " g 0 *1 'o *> c £ 50 5 ä_ 6 '*3 s* ta2 . Cr ^o CO « SD OJ SS s- c, c S s -a n.i^ 8-73 Ci ie " ^ ga .2 ix! ’fe'S-. •§ . * .£*35 ■aS -8 © e ■— 1 2 folglich ist die Beschleunigung, mit der ist ' (£>_ 7 z y ein Körper von der Höhe (z —p) wirklich zum Mondcentrum getrieben wird: n>y _ gr 1 _ _ d'Z z z ( i ) — z)' l *~ dt 2 4 50 (die Kraft nimmt nämlich ab, sobald z zunimmt, daher das negative Vorzeichen) oder: dt 2 (D — z) 2 z 2 Um diese Gleichung zu intcgriren, mufs man sie zuvörderst mit dz multipliciren, worauf die Integration giebt: Da die Geschwindigkeit des zum Monde fallenden Körpers in der Entfernung 3 von demselben = 0 sein soll, so ist, Diese Gleichung giebt das Quadrat der Geschwindigkeit, welche ein Körper, der von der Höhe 3 nach dem Monde hinfällt, erlangt haben würde, wenn er in der Entfernung z vom Mondmittelpunkte ankommt. Setzt man z = o, indem man die Höhe der Mondsvulkane unberücksichtigt läfst, so erhält man die Geschwindigkeit an der Mondoberiläche selbst, oder, was dasselbe ist, die Geschwindigkeit, mit welcher ein Körper von der Mondoberfläche emporgeworfen werden müfste, um zur Entfernung 3, d. h. bis zu der Höhe <5 — q zu gelangen. Mithin geht die Gleichung (2) in folgende über: Nun ist §■ := 30’,2. Bi/>t hat die Mondsmasse = ^ der Erdmasse angenommen. Mithin würde ein Körper Const. = — —-2.—-s. Mithin erhält man: 3 D — S I)-z D — 3 dz _ dt' D—S 51 in der Entfernung r vom Monde nur -~ s g angezogen werden, und es ist folglich: 7 : shg ■ - 2 :p 2 oder 7r oV=0,015. Die Gleichung (o") giebt hiernach: g _ L D. 1/0,015 1 ±1/0,015 wo das Hf- Zeichen für einen zwischen Mond und Erde, das — Zeichen für einen jenseits des Mondes belege- nen Punkt gültig ist, in welchem Mond und Erde einen Körper gleich stark anziehen. So erhält man, da wir blofs das + Zeichen gebrauchen können, 8= D . 0,1071 d. h. 8 hat eine Entfernung von 5547 geographischen Meilen vom Monde. d z Die Wurfgeschwindigkeit -jj wird aus der Gleichung (©) gefunden, wenn man in dieselbe die bekannten Werlhe für q , r, JD, g, y setzt. d z Biot findet hiernach -tt= 7771 par. Fufs; Olbers ') durch eine ähnliche Analyse, jedoch unabhängig von Biot, 7780',16. Sie würde aber noch geringer ausfal- len, wenn man die Mondmasse nach den letzten Untersuchungen vonLaplace nur zu y T der Erdmasse an- niinmt. Bei dieser Berechnung ist der Widerstand der Mondatmosphäre = 0 angenommen worden. Zur Vergleichung diene die Angabe, dafs eine vier und zwanzig- pfiindige Kanonenkugel in einer Zeitsekunde nach ei- 1) v. Zach Monatliche Korrespondenz. Bd. VII. S. 157. Man vergleiche noch den Aufsatz von Cossalli sull’ opinione delle Pioggie de’ Sassi dai Vulcani luiiari in Memorie tlella Soc. Italian. P. II. p. 104. und im Auszuge in v. Zach Monatl. Korresp. Bd. XXII. S. 97. Cossalli findet 8292',7. 4 * 52 ner mittleren Ladung 233 Toisen = 1398 Fufs durchläuft 1 ), aber auch 2000 Fufs in einer Sekunde zurücklegen kann 2 ), dafs also jene Geschwindigkeit nur sechsmal gröfser ist. Jedoch hat OIbers einige sehr triftige Bemerkungen gegen die Hypothese vom luna- rischen Ursprung der Meteorsteine vorgebracht 3 ). Wegen der Bewegung des Mondes nämlich hat der von ihm ausgeworfene Körper aufscr der Wurfgeschwindigkeit auch noch die Geschwindigkeit, welche der Mond selbst nach der Richtung der Tangente seiner Bahn hat. Hieraus erhellt, dafs die schweren Körper, web che vom Monde aus mit einer Geschwindigkeit von S000 Fufs und darüber (die obigen Zahlen geben nur das Minimum von Ge;„nw r indigkeit, welches der Körper erlangen mufs) ausgeworfen werden, sobald sie sich weit genug vom Monde entfernt haben, um von diesem ungleich weniger angezogen zu werden, als von der Erde, einen mehr oder weniger vom Monde pertur- birten Kegelschnitt um die Erde beschreiben werden; diese Kegelschnitte können nach der verschiedenen Richtung und Wurfgeschwindigkeit Hyperbeln oder Ellipsen sein. Um auf die Erde zu fallen, mufs er eine Ellipse von solchen Dimensionen sein, dafs das Perigeum derselben innerhalb des Erdkörpers, wenigstens innerhalb der Atmosphäre desselben fällt, wozu ein sehr bestimmtes Verhällnifs der Richtung und Wurfgeschwindigkeit des geworfenen Körpers gehört, so dafs nur sehr wenige der Massen, die der Mond etwa ausschleuderte, 1) Poselger Allgemeine Grundsätze vom Gleichgewichte und der Bewegung. Berlin 1824. S. 121. 2) Wiemoires de l'Academie royale a Paris. 1769. p. 247 folg. 3) v. Zach Monatliche Korresp. Bd. VII. S. 158 folg. Gilb. Aunal. Bd. XIV. S. 43. 53 auf die Erde fallen könnten 1 ). So müfste der'Mond allmälig eine grofse Verminderung- seiner Masse erleiden, denn er müfste sehr viele Steine ausschleudern, damit nur zuweilen einige auf die Erde herabfallen könnten. Und würden denn nicht unzählige andere solcher Theilchen, als kleine Trabanten, um die Erde laufen? Mülsten diese nicht zum Tlieil in unseren lichtstarken Teleskopen sichtbar werden, da wir wissen, dafs Feuerkugeln oft von sehr bedeutender Grüfse sind, und die Beobachtungen der Ceres und Pallas uns beweisen, dafs wir von der Sonne erleuchtete Körper noch unter aufscrordenllich kleinen scheinbaren Durchmessern sehen können? Oder sind vielleicht diejenigen Sternschnuppen, welche aufscrhalb unserer Atmosphäre zuerst sichtbar werden sollen, solche kleine Erdtrabanten? Gehört der kleine, mallglänzende Lichtpunkt, den Schröter einst im Schlangenträger durch das Feld seines Fernrohrs streichen sah 2 ), vielleicht auch hi eh er? oder ähnliche Massen, welche man vor der Sonne hat 1) Die hiclier gehörigen analytischen Untersuchungen von Pois- son findet man iu Izam Lithologie atmusph. p. 238 — 253. und im Auszuge in Gilb. Annal. Bd. XV. S. 329. 2) Schröter hat mehrere Lichterscheinungen beobachtet, denen er, wegen ihres geringen Glanzes, wegen der geringen Geschwindigkeit, welche sie besafsen (die eine brauchte 1" Z(!t, um das Gesichtsfeld eines 27l'üfsigen Reflektors von 20" Oeff- nung zu durchlaufen, die andere zu einem Bogen von 5' volle 2" Zeit), eine Höhe von mehr als 1000 Meilen heizulegen geneigt ist. S. Selenotopographische Fragmente. Bd. I. S. 592 lg. Gilb. Annal. Bd. III. S. 97. Korrespondiremlc Beobachtungen, welche Schröter in Lilienthal und Lichtenberg in Göttingen anstelllcn, ergaben für eine der gröfsten und hellsten Lichtorscheinungcn dieser Art eine Höhe von 4 geographischen Meilen über der Erdoberfläche. Man vergleiche was Benzenberg sagt iu Gilb. Annal. Bd. XIV. S. 50. 54 voriibcrgelien sehen 1 )? Hierzu kommt, wie schon Wrede bemerkt hat 2 ), dafs die geringe Tiefe, mit welcher diese Körper in unseren Erdboden eindringen (wovon wir oben gehandelt haben), der grofseu Geschwindigkeit, welche sie durch das Herabfallcn vom Monde erlangen müfstcn, widerstreitet, dafs die Zeit ihres Falles vom Monde zu uns viel zu lang ist, als dafs sie glühend bleiben könnten, dafs endlich die Meteorsteine nicht in so tiefen Breiten herabfallen könnten, wie dies in Sibirien und bei den Esquimaux geschehen ist 3 ). Bedenkt man ferner, dafs alle Meteorsteine, ohne Ausnahme, Substanzen enthalten, w j elche sich auf unserer Erdoberfläche vorfinden, und dafs es wol nicht ganz wahrscheinlich ist, dafs der Mond aus denselben Bcstandtheilen zusammengesetzt sei, wie unsere Erde, und dafs die Hypothese vonLaplace uns durchaus keinen Aufschluls über das die Lichterscheinungen begleitende Getöse giebt, so werden alle hier zusammcngeslelllcn Einwürfc wol hinreichen, die scheinbare Unterstützung abzmveisen, welche dieser Hypothese aus der Erscheinung erwachsen könnte, dafs das specifische Gewicht der Meteorsteine im Allgemeinen mit der mittleren Dichtigkeit des Mondes übereinstimme und uns den Glauben benehmen, dafs wir mit dem Trabanten unserer Erde auf eine solche, wahrhaft wunderbare Art in Verbindung ständen. — Die Hypothese von Brewster, aus der man wol den Ursprung der isolirten Steinmassen, welche die Felder Pommerns, T) Gilb. Annal. Bd. LXYIII. S. 366. LXXI. S.385. Chladnis Werk Abllieil. 7. S. 3 t. 2) Gilb. Annal. Bd XIV. S. 91. 3) Obwohl dieses Argument zu entkräften nicht schwer fällt. Mecklenburgs und Ostpreufscns bedecken, aber nicht den der Meteorsteine erklären könnte, und die noch wunderlicheren Ansichten von Butter x ) übergehe ich gänzlich mit Stillschweigen. IV. Wir kehren zu der Annahme eines atmosphärischen Ursprungs der Meteorsteine zurück, einer Annahme, welche in neueren Zeiten Fischer, Egen u. a. zu begründen versucht haben, die aber noch immer, da die Argumente dafür nicht hinreichend erschienen, als blofse Hypothese zu betrachten gewesen ist. Absolute Gewifsheit ist hier allerdings nicht zu erlangen, indessen hoffe ich, dafs die nachfolgenden Betrachtungen ihr einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit geben werden. Gehen wir von dem allerdings nicht gänzlich erwiesenen, aber doch höchst wahrscheinlichen Satze aus, dafs alle Körper an der Erdoberfläche verdunsten, so sind alle Schwierigkeiten gehoben und wir sind im Stande, eine Theorie aufzu- stellcn, welche mit allen, oben erwähnten, Erscheinungen übereinstimmt. Alle feuerbeständigen Metalle verbreiten bei höheren Temperaturgraden, oder, wenn sie gerieben werden, einen Geruch 1 2 ), der keinen Zweifel darüber übrig lassen kann, dafs sie einen expausiblen Dunst erzeugen. Eis, als fester Körper, verdunstet bei den niedrigsten Temperaturen: der Analogie gemäl's können wir also schon schliefsen, dafs dies bei alleii Körpern der Fall sein werde, und zwar desto unmerk- 1) v. Froricps Notizen. Bd. XXVII. No. 575. S. 33 folg. 2) II er mb s lädt in Abhandl. der Berl. Akad. I8-J-J-. pbys. KI. S. 63. 56 lieber, je weiter ihre Temperatur von der ihres Schmelzpunktes oder gar ihres Siedepunktes entfernt ist. Die oben angeführte Analyse ergiebt, dafs die Meteorsteine aus den auf der Erdoberfläche am allgemeinsten verbreiteten Substanzen bestehen. Nehmen wir also an, dafs unsere Erde, aufser den Sauerstoff-, Stickstoff-, Wassergas- und Kohlensäure-Atmosphären, noch mit einer fünften (oder unzähligen anderen) umgeben sei, welche aus expansiblen,, von den festen Körpern unserer Erdrinde entwickelten Dünsten besieht (zu deren Bildung es nicht blofs der Gichtfänge unserer Hoh- öfen bedarf), so sind wir berechtigt, eben solche Veränderungen in ihr anzunehmen, wie in der Atmosphäre, welche der Wasserdunst, ein ebenfalls nicht permanentes Gas, bildet. Vielleicht ist die Ursache, dafs sich diese Atmosphäre allen unseren, auf dem Wege der Chemie angestelllen Nachforschungen entzieht, die, dafs die Moleküle dieser Gasarten sich mit denen der übrigen inlegrirenden Bestandteile unseres Luftkreises rapcllircn, und daher, weil sie überdem noch vielleicht specifisch leichter sind, die höheren und höchsten Regionen unserer Atmosphäre einnchmen, vielleicht aber auch, und mir scheint dies wahrscheinlicher, wegen ihrer aufscrordenllich geringen Dichtigkeit. Wir haben im ersten Abschnitte angeführt, dafs in der Gegend um Rom unzählige Quellen erweislich ununterbrochen Schwefelwasserstoffgas entwickeln, und dafs die chemische Analyse der in der Umgebung dieser Quellen geschöpften Luft keine Spur dieses Gases zeigte, während der penetrante Geruch die Existenz desselben in der Atmosphäre sattsam nachwies. Um wie viel leichter können sich die von den festen Körpern unserer Erdrinde entwickelten coercibliclicn Dünste unseren 57 Nachforschungen entziehen, da wir nicht einmal auf irgend einem Wege ihre Entwickelung thafsächlich nach- weisen können. Eie Existenz dieser fünften Atmosphäre wird durch die oben angeführten Analysen des Regemvassers aufser allen Zweifel gesetzt; denn, dafs jene fremdartigen Beimischungen, auf welche man bei den sorgfältigsten Analysen gekommen ist, dadurch entstanden sein sollten, dafs bei der Verdunstung des Wassers andere ponderable Stoffe, sei es in unendlich fein verthciltem Zustande, sei es im Wasserdunste aufgelöst (wovon die Chemie kein Beispiel darbietet), mit emporgerissen würden, ist kaum glaublich 1 ). Verdunsten aber alle auf der Oberfläche befindlichen, tlicils feuerbeständigen, theils bei äufserst hohen Temperaturen schmelzbaren Körper, so wird auch die Erzeugung dieses Dunstes ein gewisses Gesetz befolgen, welches vielleicht dem, bei Verdunstung der flüssigen Körper obwaltenden analog ist. Wem es denn aber so sehr 1) Chladni ln Gilb. Annal. Bd. LXXI. S. 363. sagt: „Wenn Ziminei'inann seit einiger Zeit in dem liegen Eisen, Nickel und manche andere auch in Meteorsteinen befindliche Substanzen gefunden hat, so ist dies gar kein Grund gegen den kosmischen Ursprung der Meteorsteine, indem diese Bestandteile durch so ungewöhnlich viele Feuermeteore, wie in der letzteren Zeit erschienen sind (im Jahre 1821 geschrieben), können von aufsen in die Atmosphäre hineingekommen sein, eben so, wie wahrscheinlich der flöhenrauch im Jahre 1783, welcher den gröfsten Theil der nördlichen Atmosphäre unserer Erde und vielleicht noch mehrere Gegenden überdeckt hat. Es mag wol zu der Zeit unsere Erde, die durch die Bewegung der Sonne so fortgeführt wird, dafs sie nie wieder an dieselbe Stelle kommt, sich just in einer Gegend des Weltraums befunden haben, in welcher viele von solchen zerstreuten Stoffen sich befanden, eben so, wie auch bei der Erscheinung der ungeheuer vielen Sternschnuppen in den Jahren 533, ~63, 1098 und am 12len November 1799.” 58 anstöfsig sein sollte, von Eisendunst- u. s. w. sprechen zu hören, der bedenke, dafs die Chemie uns ganze Reihen von Verbindungen darbielet, in denen feste Körper, deren expansiblen Aggregatzustand wir nicht kennen, offenbar in Gasform erschienen, z. B. Kiesel, Kohle, Gold u. a. m.; der bedenke, dafs das einzige Metall, welches bei den gewöhnlichen Temperaturgraden flüssig ist, das Quecksilber, nachweislich expansible Dünste erzeugt, deren schädliche Wirkungen nur zu oft erprobt w'orden sind. Und so können wir denn am Ende als allgemeines Naturgesetz den Satz aufstellen, dafs jeder Körper aller drei Aggregalzustände fähig ist, vorausgesetzt, dafs wir die gehörigen Temperaturgrade hervorbringen könnten, und dafs, bei festen sowohl, als flüssigen Substanzen, der expansible Dunst ein steter Begleiter ist, und zwar so, dafs der Grad seiner Dichtigkeit von der Entfernung der jedesmaligen bestehenden Temperatur von dem Siedepunkte abhängig ist. Existirt also in unserem Luftkreise diese fünfte Atmosphäre, so werden Temperaturerniedrigungen allerdings im Stande sein, Niederschläge, denen des Wassers analog, hervorzubringen 1 ). Aber, wenn die Tem- 1) Ich will hier einem Einwurfe begegnen, welcher mir gemacht werden dürfte. Leop. v. Buch (Abhandl. der Berl. Akad. 18 ),). phys. Kl. S. 98.) gab als Minimum der Temperatur, hei welcher ein Niederschlag der Wasserdiinste Statt finden könnte — 30° an, Scoreshynur— 12°,3. Kämtz (Lehrb. der Meteorol. Th. I. S. 407.) hat noch hei — 19°,1 Schnee herabfallen sehen, bemerkt aber, dafs er hei dieser Temperatur wol nur eine grofse Seltenheit sein möchte. Man sollte also glauben, dafs hei den gewöhnlichen Temperaturen unserer Luft und zumal hei den bei weitem niedrigeren, welche in den oberen Schichten unserer Atmosphäre Statt finden, ein Niederschlag jener Dünste, welche eine so geringe Dichtigkeit haben, nicht eintreten könne. Hiergegen ist zu erinnern, dafs peratur zu niedrig ist, als dafs flüssiges Wasser in der Atmosphäre so wenig, als auf der Erdoberfläche bestehen kann, so sehen wir dasselbe in fester Gestalt und krystallinischen Gefüges niedergeschlagen werden. Dasselbe wird offenbar mit denjenigen Gasarten der Fall sein, die von Substanzen herrühren, deren Schmelzung eine so hohe Temperatur erfordert, dafs dieselbe in unserer Atmosphäre nicht Vorkommen kann. Gehen wir nun noch einmal ganz kurz die .Erscheinungen durch, welche bei dem Falle der Meteorsteine obwalten, so finden wir unerwarteterWeise dieselben Gesetze, welche uns die Hyetometrie darbietet: 1) Die meisten Steinregen kommen auf die Sommermonate und die Aequinoktialzeiten. — Zur Zeit der Aequinoktien herrschen die heftigsten Regengüsse; im Sommer regnet es mehr als im Winter. 2) Die Häufigkeit der Steinfälle nimmt vom Aequa- tor nach den Polen zu äb. — Die jährliche Quantität des Regens vermindert sich im Allgemeinen mit der mittleren Temperatur der Orte, obwohl hier die Windrichtungen einen bedeutenden Einflufs haben. Wenn in den Aequinoktialgegenden Steinfälle selten Vorkommen, so hat dies dieselbe Ursache, weshalb es sich die Häufigkeit jener Niederschläge zu der des Wassers sich etwa eben so verhalten möchte, wie die Dichtigkeit jener Dünste bei der bestehenden Lufttemperatur, zu der des Wasserdunstes hei — 18°, und dafs, um die Nichtigkeit dieses Ein- wurfes noch anschaulicher zu machen, man sich nur — 18 0 als constante Lufttemperatur zu denken braucht. Alsdann würden die Wasserdünste bald bei dieser Temperatur ihr Maximum von Expansiikraft erreichen, und eine Temperaturveränderung, die unsere Thermometerscalen gar nicht auzugeben im Stande sind, hinreichend sein, wenn auch nicht einen reichlichen, doch einen Niederschlag hervorzubringen. 60 so selten in der libyschen Wüste regnet. Von 32° n. Er. beginnt erst die Eisenregion und erstrecht sich nach den Polen, so weit Land vorhanden ist. Eie gröfsle Menge dieses Metalls findet sich zwischen 45 und 65 0 n. Er. Südlich vom Accjuator giebt es, Südafrika ausgenommen, wo Eurcheil dies widerlegt hat, keine beträchtlichen Eisenmassen unter irgend einer Gestalt ‘). Daher En der südlichen Halbkugel äufsersl seltene Meteorsteinfälle, mit Ausnahme einzelner gewisser Orte, z. B. Isle de France. 3) Das Entstehen der Meteorsteine aus einer Wolke, die noch dazu gemeiniglich mit ihnen die Farbe tlieilt, ist ganz analog dem Entstehen des Regens. Wie es aber nicht selten aus blauem Himmel regnet 1 2 ), so fallen auch Meteorsteine herab, ohne dafs zuvor oder nachher eine Wolke sichtbar gewesen wäre. 4) Die Lichterscheinung und das donnerähnliche Getöse haben sicher keinen anderen, als elektrischen Ursprung. Bei der Darstellung der Phänomene, welche die atmosphärische Eleklricilät darbietet, habe ich dargethan, dafs keine Formveränderung ohne Bindung oder Freiweruung von Eleklricilät vor sich gehe. Die verschiedene Farbe der Feuerkugeln, die, während sie sich durch neue Niederschläge vermehren, fortwährend von elektrischem Lichte erglänzen, mag immerhin von der verschiedenen Eleklricilät herrühren, welche bei ihrem Entstehen frei wird. Dafs Meteorsteine, ohne vorhergesehene Feuerkugeln, herabfallen können, wird 1) v. Frorieps Notizen. Bd. XXVII. S. 277. 2) Bedarf es der Beispiele, so vergleiche man Al. v. Humboldt l'oijagc aux reg. cquin. Tom. V. p. 715. Kiiintz in Sch weig- gers Journ. LVI. p. 389. Journ. of Science. Tom. IV. p. 181. 61 hiernach sehr wahrscheinlich; gerade so, wie kein Blitz bei wäfsrigen Niederschlägen erfolgt, wenn die Temperatur der Luftsäule unter den Thaupunkt erniedrigt wird. 5) Dafs Meteorsteine ohne jenes donnerähnliche Geräusch herabfallen, wird den nicht Wunder nehmen, der zuvörderst die Entfernung bedenkt, in welcher jene elektrische Explosion erfolgt, welche noch überdem unbedeutend ist, in Vergleich mit der beim Niederschlage der Wasserdünste erfolgenden, und des Wetterleuchtens, als einer Erscheinung sich erinnert, welche ohne Donner selbst im Zenite Statt finden kann 1 ). Auf einige andere Analogien ist schon in Abschnitt II. aufmerksam gemacht worden. Nach allem diesem scheint also die Ansicht die wahrscheinlichste, dafs die Meteorsteine in unserer Atmosphäre selbst erzeugt werden, und so kommen wir denn nach zwei Jahrtausenden auf Aristoteles Meinung zurück, welche Seneca folgendermafsen ausspricht: ,, Varia et multa terrarum orbis exspirat, quaedam hurnida, quae- darn sicca , quaedam algenlia, quaedam concipiendis ignibus idonea. Nec mirurn esl, si terrae et onmis generis evaporatio est.” Aber wir finden diese Analogien noch keinesw'eges' für hinlänglich, den atmosphärischen Ursprung der Meteorsteine aufser Zw'eifel zu stellen, und fügen daher noch eine Reihe anderer Thalsachen zur Begründung hinzu. Die Verzeichnisse von erschienenen Feuerkugeln und herabgefallenen Meteorsteinen, wie deren Chladni mehrere zusammengestellt hat, können hier für uns durchaus von keinem oder nur sehr unterge- 1) Vergl. Al. v. Humboldt Voyage aux reg. equin. Tom. VII. p. 9. Braudes Beiträge zur Witterungskunde. S. 355. 62 ordnetem Interesse sein. Wir übergehen sie daher gänzlich. Fleurieu de Bellevue zeigte namentlich an den zu Jonzac herabgefallenen Steinen 1 ): 1) Dafs das äufsere Ansehen, welches die Kruste der Meteorsteine darbietet, zu beweisen scheint, dafs ihre Oberfläche sich im geschmolzenen Zustande befunden habe und bei der Erkaltung plötzlich verglast worden sei. Bei dem plötzlichen Rücktritte jener expan- siblen Dünste in den festen Zustand wird eine solche Quantität Wärme frei, dafs sie sehr wohl die Oberfläche der niedergeschlagenen Masse in geschmolzenen Zustand versetzen kann. Da aber die hierzu nölhige grofse Quantität Wärme bald an die umgebende Atmosphäre abgegeben wird, so läfst sich hieraus auch die Verglasung erklären. 2) Ferner beweist das Aeufsere, dafs die Bewegung der Meteorsteine im Beginn einfach war, d. h. dafs sie während ihres Entstehens keine Axendrehung erlitten haben. 3) Der Impuls, welchen jeder einzelne Meteorstein erhält, ist fast immer in einer, auf die gröfste Fläche, welche zufolge des Luftwiderstandes mehr oder minder convex ist, perpendiculären Richtung. 4) Fleurieu glaubt, dafs die Meteorsteine von Jonzac, eben so wie andere, die ursprüngliche Existenz eines festen Kernes in den Feuerkugeln nachwcisen, der während der Zeit, wo das Phänomen sichtbar war, sich nicht im geschmolzenen Zustande hat befinden können, wie dies auch unter andern sein krystallinisches Gefüge zeigt, das wirklich vorhanden ist, indem die meisten bizarren Formen, welche die einzelnen Frag- 1) Journal de Physique. Tom. XCII. p. 159. 63 mente darbieten, auf geometrische Formen sich zurückführen lassen. Wie dieser Kern entstehe, ist deutlich einzusehen, wir haben hier denselben Verfolg der Erscheinung, wie bei dem Entstehen des Hagels. Wenn Theodor v. Grotthufs 1 ) aus dem sichtbar heterogenen Gefüge der Meteorsteine, wodurch sie als Conglomerate erscheinen, und besonders daraus, dafs sie bei einer mäfsig starken Hitze (die Steine von Stannern nach Moser 2 ) schon bei 18° Wcdg.) eine homogene Schmelzung in ihrer Masse erleiden, derjenigen gleich, welche die natürliche Kinde dieser Steine bemerken läfst, schliefst, dafs die erdigen Meteorsteine während ihres Durchgangs durch unsere Erdatmosphäre sich weder in einem weichen, noch in einem geschmolzenen oder flüssigen Zustande befunden, sondern in ihr offenbar dieselbe concrete Form gehabt haben, in welcher wir sie gleich nach dem Niederschlage antreffen, so ist diese Folgerung offenbar unrichtig, und wir finden hierin vielmehr einen neuen Grund für die atmosphärische Erzeugung der Meteorsteine. Wenn ein Niederschlag in dieser Atmosphäre trocknen Dunstes durch eine Temperaturerniedrigung oder irgend ein anderes, uns selbst vielleicht noch unbekanntes Mittel hervorgebracht wird, so bildet sich zuerst ein Kern, der, wegen der Masse frei werdender Wanne, die hinzukommenden Niederschläge so lange im flüssigen Zustande zu erhalten vermag, bis die Temperatur unter den Schmelzpunkt erniedrigt worden ist. Dann wird aufser dem Niederschlage desjenigen Dunstes, welcher zu dem Körper gehört, dessen Siedepunkt über der 1) Gilb. Annal. Bd. LXVII. S. 343. 2) Ebendas. Bd. XXIX. S. 313. 64 nun augenblicklich bestehenden Temperatur liegt, ein Niederschlag eines anderen Körpers Statt finden, welcher zwar bei jener hohen Temperatur in Gasform bestehen konnte, jetzt aber nicht mehr; wir werden also ein Conglomerat von einem einfachen und einem zusammengesetzten Körper erhalten, und auf diese Weise wird der Procefs weiter fortschreiten. Die frei werdende Eleklriciliit wird theils die Oxydation der an der Oberfläche des Ganzen befindlichen Stoffe, theils die chemische Verbindung anderer im Beginn nur neben einander liegender Stoffe bewirken. Wir treffen in Bezug auf die Bestandteile der Atmosphärilien allerdings auf eine bedeutende Schwierigkeit, indem wir nicht nachweisen können, woher der Nickelgchalt komme. Sind aber alle unzerlegte Körper darum schon einfache? und is’t denn die analytische Chemie wirklich schon so weit vorgeschritten, um jedem Körper seine einfachsten Bestandteile anweisen zu können? Vielleicht gelingt einst die Zerlegung des Nickels, und dann sind wir, möglicher Weise, im Stande, seine Bestandteile, sei es in der Atmosphäre, sei es an der Erdoberfläche, nachweisen zu können. Mit dem, was wir über die Conglomeration der Meteorsteine und ihre Entstehung überhaupt gesagt haben, stimmt sehr wohl die Bemerkung von Theod. v. Grottliufs überein, dafs die erdigen Meteorsteine nur an ihrer äufseren Oberfläche eine Hitze bis zum Schmelzen und zwar nur kurze Zeit erlitten haben, im Innern aber nicht, wie es die nicht tief eingedrungene, geschmolzene, schwarze Rinde offenbar zeigt. Diejenigen, w'elche die Ansicht vom kosmischen Ursprünge der Meteorsteine vertheidigten, sahen wohl ein, dafs die Lichterscheinung und das Getöse, welches die Feuerkugeln begleiten, nicht G5 nicht einzig und allein von dem Verbrennen der in der Masse enthaltenen brennbaren Theilc (des Schwefels, Eisens u. s. w.) herrühren könne, da es nicht wahrscheinlich ist, dafs man bei hellem Sonnenscheine das Licht des brennenden Schwefels in solchen Entfernungen wahrnehmen könne, in welchen man die Feuerkugeln sieht, und man füglich nicht wol einsehen kann, wie die zum Brennen erforderliche Masse von Sauerstoff in jenen hohen und höchsten Schichten des Luftkreises vorhanden sein sollte. Sie glaubten daher, dafs die Lichterscheinung hauptsächlich von der aufseror- dentlich gewaltsamen und schnellen Compression der atmosphärischen Luft herrühre, indem es feststeht, dafs schnell comprimirte Luft leuchtet, und dafs diese Compression ein Getöse in der Atmosphäre verursacht, wenn die Luft nicht eingeschlossen ist. Man zog hie- lier eine bei den alten Schriftstellern vorkommende Erzählung, welche jedoch durch Versuche nicht bestätigt worden ist 1 ). Lucrelius nämlich, Ovid, Virgil, Seneca erzählen, dafs eine geschleuderte Bleikugel zu glühen anfinge und schmölze. Sollte die Compression der Luft wirklich im Stande sein, die Meteorsteine, sobald sie nach Chladnis Hypothese in den Bereich unserer Erdatmosphäre gelangen, zu entzünden, oder wenigstens eine sie begleitende Licht- und Wärmeerscheinung hervorzubringen, so läfst sich nicht wohl absehen, wie jene grofsen Hagelmassen, deren eine in Ungarn angeblich eilf Centner wog 2 ), ungescluuolzen zur Erdoberlläche herabkommen könnten. Das nach den Hauptexplosioncn gemeiniglich nachfolgende schwä- 1) Gilb. Annal. 13d. XVIII. S. 249. XIX. S. 244. 2) Ebendas. I3d. XLVI. 13. 75. 5 66 chere Rollen erklären sie aus dem Nachdringen der Luft in den leeren Raum, welchen die Feuerkugel in ihrer Rahn auf einen Augenblick zurückliefs, und das, da die Feuerkugel eine ungleich schnellere Bewegung hat, als der Schall, nur erst weit später allmählig nach- folgen könne. Wir sehen hier nichts anderes, als die gewöhnlichen Phänomene des Donners. Dafs der Widerstand der Luft, der aufserordenllich schnell mit der Geschwindigkeit steigt, und dessen Kraft sich bei einer Kanonenkugel zeigt, welche mit einer gröfseren Geschwindigkeit, als 1200 Fufs in einer Secunde abgeschossen wird, indem der gröfsere Widerstand der Luft, nach R ob in l ), diesen Ueberschufs schnell vernichtet, allerdings das Zerspringen der Feuerkugeln, die rico- chettirende Bewegung derselben, das augenblickliche Ruhen und Schweben in der Atmosphäre hervorbringen könne, ist nicht zu leugnen. Ohne auf die Argumente, welche von anderen zur Unterstützung der Annahme eines atmosphärischen Ursprungs der Meteorsteine beigebracht worden sind, und die grofsentheils nieht hinreichten, um dieser Ansicht denjenigen Grad von Evidenz zu geben, auf welchen sie Anspruch machen kann, uns einzulassen, bringen wir noch folgende Beweisgründe für das Entstehen der Meteoriten im Luftkreise bei: 1) Was wir schon im ersten Abschnitte mit mehrfachen Beispielen belegt haben, es fiel bisweilen Hagel mit metallischem, dem Concremente der Meteorsteine ganz ähnlichem Kern, eine Erscheinung, welche der heterogener Beimischungen des Regenwassers und Schnees ganz analog ist. 1) Gilb. Annal. Bd. LXVII. S. 346. 2) Man bemerkt, dafs wo man Gelegenheit gehabt hat, die Erscheinung der Feuerkugeln und Meteorsteine von ihrem ersten Entstehen an zu beobachten, gewöhnlich ein mehr oder weniger ausgebreiteter Lichtschimmer an dem Orte der Erscheinung vorausgegangen sei, eine von Fischer 1 ) wiederholte Bemerkung Cliladnis. Dieses Phänomen ist vollkommen analog demjenigen, welches man, eine Folge von Entbindung der Elektri- cität, bei dem Eiebergange des gasförmigen Wasserdunstes in den tropfbar-flüssigen Zustand wahrnimmt. Ich habe bei einer anderen Gelegenheit ein merkwürdiges, hieher gehöriges, von Hutli in Charkow beobachtetes 2 ) Beispiel angeführt. 3) Es ist nicht zu leugnen, dafs die betrachteten atmosphärischen Erscheinungen in inniger Verbindung mit den Veränderungen in unserem Luftkreise, und beide wiederum mit den im Innern unseres Erdkörpers vorgehenden Revolutionen stehen. Eine ganze Reihe hieher gehöriger Beobachtungen hat Egen zusammengestellt 3 ). Daher kommt es, dafs die feurigen Meteore äufserst häutig mit niedrigem Barometerstände verbunden sind. So stand am 25sten December 1821 zu Jena, nach Döbereiners Beobachtung 4 ), das Barometer nur auf 26",3, und das Wasser kochte bei 20S°,5 Fahrenh. Hieher gehört, dafs man zuweilen in den Aequalorialgegenden einen rölhlichen Dunst sich über den ganzen Himmel verbreiten sieht, während des- 1) Der sie aller unrichtig erklärte. Abhand], der Berl. Akad. 1824. pi, ys . Kl. S. 24 u. 25. 2) Gilb. Annal. Bd. XXX. S. 239. 3) Ebendas. Bd. LXXII. S. 403 folg. 4) Ebendas. Bd. LXIX. S. 425. 5 * 68 Ken das Hygrometer durchaus keine gröfscre Feuchtigkeit anzeigt, sondern im Gegentheile zur Trockenheit fortschreitet. Zuweilen sieht man glänzende Wolken von aul'serordentlicher Durchsichtigkeit, da man Sterne vierter Gröl’sc und Mondsflecken durch sie hindurchsehen kann, und zugleich von ungeheurer Höhe, da sic Alex. v. Humboldt noch auf dem Rücken der Andeskelte hoch über sich erblickt und ihre Höhe ungefähr auf 6000 Toisen über der Meeresfläche abgeschätzt hat 1 ). Die Sonne erscheint von hellblauer Farbe, und sendet Strahlen aus, welche alle Regenbogenfarben darbieten 2 ). Dergleichen Phänomene zeigen sich besonders vor vulkanischen Eruptionen 3 ) und 1) Voyage mix reg. equinox. Vol. IV. p. 47. 2) Ein Phänomen, welches von Al. v. Humboldt und Arago auch in Paris wahrgenommen worden ist. S. Annales de Chim. et de Phys. Tom. XVIII. 3) Man kann einen doppelten Weg zur Erklärung des Phänomens, dafs bei vulkanischen Ausbrüchen die Feuerkugeln und Sternschnuppen eo überaus häufig sind, einschlagen. Einmal, indem die Temperatur nach dem Innern der Erde hin zunimmt, wird man zu einer Schicht gelangen, in welcher die Bestandthcile der Erdrinde sich in geschmolzenem und dann, wo sie sich in expansiblem Zustande befindsn. Letztere Massen zeigen ein fortwährendes Bestreben über die andern sieh zu erheben, was durch Ausbrüche aus den bestehenden Oeff- mmgen in der Erdrinde oder durch neue Durchbrüche erfolgt. Ist nun eine Quantität dieser gasförmigen Massen in die Atmosphäre übergegangen, so würde dadurch um so leichter das Maximum von Expansivkraft bei der bestehenden Lufttemperatur überstiegen und reichliche Niederschläge hervorgebracht werden. Wem diese Erklärung zu gewagt scheinen möchte, der halte sich an diejenige, welche der des Entstehens greiser Regengüsse bei vulkanischen Ausbrüchen, w'ie sie zuerst Du Carla gegeben hat (Kämtz Lehrbuch der Meteorolog. Th. I. S. 405., wo auch Beispiele in Menge beigebracht sind), G9 Erderschültcrungen. Mit ihnen zugleich bietet die Magnetnadel Erscheinungen dar, welche von den gewöhnlichen durchaus abweichen, und auf eine Intensi- tätsvenninderung der magnetischen Kraft schliefsen lassen. So fand Al. v. Humboldt * 1 ) die Inklination zu Kumana unveränderlich 43°,65; nach dem Erdbeben dagegen 42°,75 und nach einem Jahre noch 42°,8. Hielier gehört der Höhenrauch, welcher dann entsteht, wenn diese Atmosphäre trockenen Dunstes ihr Maximum von Dichtigkeit bei der bestehenden Lufttemperatur in der Nähe der Erdoberfläche überschreitet. Ein ferneres Beispiel des Zusammenhanges, in welchem die Feuermeteore mit den in unserer Atmosphäre und im Innern der Erde vorgehenden Erscheinungen stehen, ist folgendes, welches ich aus des Grafen Mercati Nachrichten über das Erdbeben von Zante entlehne: „Schon wenige Tage vor dem schrecklichen Ereignisse schien der Luftkreis abwärts aufgeregt zu sein; der Himmel hing voll düsteren Wolken von tief dunkelblauer oder dunkelrother Farbe und war in beständiger elektrischer Thätigkeit. Am 19teil Dccember 1820, dem Tage des Erdbebens, hatte er ein noch drohenderes Ansehen; der Wind blies aus SSO. (Barometerstand 27" 4'”, erstaunlich niedrig, da Zante fast im Niveau des Meeres liegt, Therm. 18°,43, eine wahre Frühlingswärme), die Wolken erschienen gruppenweise, in einem beständigen Zustande innerer Unruhe, und es glänzten unaufhörliche Blitze. Um 2“ Mitternacht fing der Wind an stärker zu wülhen, und wurde endlicli analog ist. Mir ist es nicht unwahrscheinlich, ilafs beide Ursachen mitwirken mögen. 1) Voyage aux reg. equinox. Tom. IV. p. 25. 70 einem mexikanischen Orkane gleich 1 ). Um diese Zeit erfolgte auch das Erdbeben 2 ). Um 11 Uhr Mittags 3 ) stürzte ein ungeheures Hagelwetter herab; einzelne Körner (es waren unförmliche Polygone mit äufserst spitzen Winkeln) wogen 2 Pfund. In der Nacht zum 30sten, in welcher neue Erderschütterungen Statt fanden, über- liel die Bew'ohner von Zante ein Orkan, dessen sich Niemand eines ähnlichen zu erinnern wmfsle, von heftigem Regen und Hagel begleitet. Zu gleicher Zeit, so wie an dem Tage zuvor, wurden Eeuermeteore beobachtet.” — Eine bedeutende Anzahl von Sternschnuppen wurden bei einem Erdbeben am Vorgebirge der guten Hoffnung am 8ten December 1809 gesehen 4 ). Förster 5 ) beobachtete nach der Erscheinung der Feuerkugeln stets Wind und Sturm, wie auch schon die Allen eine grofse Masse von Sternschnuppen für ein Progno- stikon der angeführten Lufterscheinungen hielten 6 ). 1) Gilb. Annal. Bd. LXIX. S. 330. 2) Den Zusammenhang zwischen Erdbeben und atmosphärischen Veränderungen ergiebt auch die von la Billardiere Voyage a la recherche de la Perouse. Tom. I. p. 291. gemachte Bemerkung, dafs zu Ainboina die Erdbeben vorzüglich dann zu befürchten seien, wenn der Westmousson einlritt. Aehnliches erzählt von Jamaika Sir Hans Sloane Inlroduct. of the Hist, of Jamaica, p. 44., von Algier Shaw Travels. London 1757. 4. p. 152. Schon die Alten sprechen, nach Aristoteles Vorgang, weitläuftig von dem Zusammenhänge der Erdbeben mit den atmosphärischen Erscheinungen. Vergleiche Plin. Hist. nat. II, 80. 3) Gilb. Annal. Bd. LXIX. S. 332. 4) Luc. Howard Climate of London. I. Tabl. XXXIX. 5) Cook Voyage autour du monde et a l’hemisphere ausiral. Paris 1770. Tom. V. p. 109. 6) S. Mcleorol. vet. Gr. et Roman. Cap. II. §. 8. p. 46 folg. 71 4) Schübler 1 ) hat nach Brandes Vorgang 2 ) bemerkt, dafs das fast gleichzeitige Erscheinen von einander unabhängiger Feuenneteore in sehr verschiedenen Gegenden für ihren atmosphärischen Ursprung spreche. Eines der auffallendsten Beispiele ist nachstehendes. Es erschienen in der Nacht vom Ilten bis zum 12ten November 1799 eine Menge Feuerkugeln und Sternschnuppen, welche an allen Theilen des Horizontes, besonders in ONO. und O. auftauchten und die Richtung des magnetischen Meridians von N. nach S. verfolgten; einige erreichten 40 0 Höhe. Alle diese Meteore liefsen bei ihrem jedesmaligen Verschwinden Lichtstreifen von 8 bis 10 0 Länge zurück, deren Glanz 7 bis 8” dauerte. Die Sternschnuppen schienen einen festen Kern von der Gröfse des Jupiter zu haben; die Feuerkugeln hatten 1° bis 1° 15' im Durchmesser und hinterlielsen bei ihrem Verschwinden Lichtstrahlen von 15 bis 20' Breite. Das Licht dieser Meteore war weifs und nicht röthlich. Die Erscheinung dauerte in ihrem ganzen Glanze zu Kumana, wo Alex. v. Humboldt und Bonpland sie beobachteten, von 2“ 30’bis 4 U ; man sah aber noch nach Aufgang der Sonne einzelne Ueberreste dieses merkwürdigen Phänomens. Aufser Ku- mand ward es beobachtet an den Gränzen von Brasilien (0° Br. 70° w r . L.), zu Portocabello (Br. 10° 6' 52'' n. L. 67 0 5' w.), in dem französischen Guyana (Cayenne. Br. 4 0 56', L. 54 0 35'), im Kanal von Bahama von Ellicot (25° n. Br. 81° 50' w. L.), auf dem 1) Grundsätze d. Meteorologie in näherer Beziehung auf Deutschlands Klima. Leipz. 1831. S. 154. 2 ) De repentinis variationibm in prcssionc almosphaerae ob- servatis Diss. Lips, 1826. 72 nordamerikanischen Festlande in 30° 42'; in Labrador zu Nain (Br. 56° 55'), Hoffenthal (58° 2'); in Grönland zu Lichtenau (Br. 61 0 5'), Neu-Herrenhut (Br. 64° 14', L. 52° 20'); in Deutschland zu Karlsruhe von Böckniann, in Weifsenfels von Hm. von Hardenberg, zu Halle von Arnim, zu Ittcrstädt bei Weimar (Br. 50° 59', L. östl. 9 u 1') vonZeising, und zwar gleichzeitig 1 ). Ein ganz ähnliches Phänomen, aber von geringerer Ausdehnung, beobachtete am 8. August 1800 Priestley zu Northumberland in Pcnsylvanien 2 ). 5) Endlich will ich noch daran erinnern, dafs häufig Meteorsteine während der Gewitter herabgefal- lcn sind, wie, um nur ein Beispiel anzuführen, der zu Epinal am 13ten September 1S22 3 ). Je sicherer die so eben angeführten Thatsachen, wenn wir sie im Zusammenhänge betrachten, uns über den Ursprung der Feuerkugeln und Meteorsteine belehren, so dafs die Theorie von ihrem atmosphärischen Ursprünge kaum noch einem Zweifel unterliegen kann, desto weniger sind wir im Stande, über den Ursprung der Sternschnuppen irgend etwas bestimmtes aufzustellen. Wir haben zwar schon oben mannigfache die Sternschnuppen begleitenden Erscheinungen angeführt, sobald sie Analogie mit den bei dem Phänomene der 1) Alex. v. Humboldt Voyage aux reg. c'quinox. Vol. IV. p. 34 — 53. Philos. Transact. ofthe American Society. 1804. Vol. VI. p. 29. Gilb. Annal. III. S. 87. VI. S. 191. XIII. S. 255. XIV. S. 116. XV. S. 107. Voigt Magazin für Naturkunde. IX. S. 468. 2) Gilb. Annal. Bd. XI. S. 476. 3) Ebendas. Bd. LXXII. S. 323 folg. 73 Feuerkugeln obwaltenden hatten; indessen wollen wir hier noch die aus Brandes und Benzenberg vielfältigen korrespondirenden Beobachtungen hervorgehenden Resultate zusammenstellen. Die Entfernung des Verschwindungspunktes voh der Erdoberfläche beträgt im Maximum 30 Meilen, im Minimum 0 m ,383 1 ). Läfst man die etwas unzuverlässigeren Beobachtungen aus, so erhält man im Mittel 10 bis 12 Meilen. Der scheinbare Durchmesser der Sternschnuppen läfst sich zwar nicht bestimmen, wegen der aufserordentli- chen Fallgeschwindigkeit, welche oft 6 Meilen in einer Secunde beträgt; Brandes und Benzenberg haben jedoch ein anderes Mittel versucht, die Frage über die Grüfse der Sternschnuppen zu beantworten, nämlich aus der Lichtintensität, verglichen mit der anderer Sterne. Hieraus ergab sich für diejenigen, welche in dreifsig Meilen Entfernung von der Erde verschwand und die den Mars, welcher damals den Sternen erster Gröfse gleich glänzte, noch an Helligkeit übertraf, ein wahrer Durchmesser von etw r a 100 Fufs. Und dies war noch keine der kleinsten. Eine andere übertraf den Jupiter an Glanz und verschwand doch angeblich wenigstens in 100 Meilen Entfernung von den Beobachtern. Die Sternschnuppen scheinen nach allen Richtungen hinzugehen und ihre Bahn erschien Brandes und Benzenberg oft deutlich gekrümmt, so dafs es wahrscheinlich ist, dafs selbst, wenn ihre Bahnen als gerade Linien erscheinen, diese nichts anderes, als projicirte Kurven sind. Der Schweif der Sternschnuppen selbst und auch sein Verschwinden geschieht gemeiniglich nicht so plötzlich, als das des Kernes. Fast immer hörte mit 1) Gilb. Anna! Bd. VI. S. 227. LXXIV. S. 224. b. 74 dem Verschwinden des Kernes die Bewegung des Schweifes auf: sehr selten rückte er noch allein fort. Ein einziges Mal sahen Brandes und Benzenberg einen Schweif, welcher etwa nach Minute Dauer sich seitwärts krümmte und sich gleichsam zusammenzurol- lcn schien. Das Licht des Schweifes ist gemeiniglich blasser, als das des Kernes, zuweilen erschien es an den Seiten intensiver, als in der Mitte, und öfters war die Mitte desselben schon dunkel, wenn beide Seiten noch sichtbar waren. Sehr oft erstreckt sich der Schweif nicht bis an die Sternschnuppe, sondern es ist zwischen beiden ein beträchtlicher, dunkler Raum 1 ), wodurch der Schweif ganz das Ansehen verliert, als ob es blofs zurückgebliebene Theile des Kernes wären. Nicht alle Sternschnuppen erscheinen gleich anfangs in ihrem gröfsten Glanze, sondern bei manchen ist ein Wachsthum des Lichtes deutlich wahrzunehmen; hingegen verschwinden die meisten plötzlich, und nur bei wenigen war eine Abnahme des Lichts zu bemerken, deren ganze Dauer, vom gröfsten Glanze bis zum Verschwinden, wol nie über 0",25 betrug. Die Sternschnuppen sind nichts weniger, als selten. Brandes sah in einer Winternacht auf einem kleinen Segmente des Himmels binnen 4 Stunden, mehr als 400, dann aber in der ganzen übrigen Zeit nur etwa 80. Auf den übrigen Stellen des Himmels fielen nach Brandes eigener Bemerkung gewifs nicht weniger. Besonders sind sie im Winter bei starkem Froste sehr häufig, aber auch im Sommer zuweilen nicht selten. Das periodenweise Kommen der Sternschnuppen, deren Monate lang so viele sind, und dann wieder Monate lang fast gar 1) Gilb. Annal. Bd. XIV. S. 52. 75 keine, scheint ein sehr starker Beweis für ihren atmosphärischen Ursprung zu sein. Hierzu kommt noch, dafs, wenn ihrer viele am Himmel sichtbar sind, sich auch immer viele von der ersten Grüfse darunter befinden, während, wenn nur wenige erscheinen, diese wenigen immer klein sind. Jene Processe scheinen also, wenn sie häufig sind, auch sehr stark zu sein. Hierzu kommt ferner die sehr geringe Höhe einiger Sternschnuppen, welche aus Brandes und Benzenbergs korrespondirenden Beobachtungen hervorgeht, und auch dieser Umstand scheint gegen den kosmischen Ursprung der Sternschnuppen zu sprechen. Andere halten dagegen allerdings eine gröfsere Höhe, und könnten daher wol kosmischen Ursprungs gewesen sein, aber, da wir nicht auf alle dieselbe Erklärung anwenden können, so gilt auch hier Newtons Satz: „Natura sirn- plex est, et rerurn causis superfluis non luxuriat.” Benzenberg 1 ) ist daher geneigt, alle Sternschnuppen für Atmosphärilien zu halten. Dürften wir eine Vermuthung über ihren Ursprung wagen, so möchte es die sein, dafs, wie Feuerkugeln und Meteorsteine Niederschläge der in der Atmosphäre befindlichen Dünste anorganischer Stoffe sind, so die Sternschnuppen ihr Entstehen dem organischen Principe unserer Erdatmosphäre, welches wir im ersten Abschnitte sattsam nachgewiesen zu haben glauben, verdanken. Da wenigstens fortwährend dergleichen organische Stoffe durch die Ausdünstungen der Pflanzen und Thiere emporgehoben werden, wir aber nicht wissen, wie sie zur Erdoberfläche zurückkehren, da die, die wäfsrigen Meteore begleitende Quantität so überaus gering ist: w'ir ferner 1) Gilb. Annal. Bd. XIV. S. 50. ,76 den Sternschnuppen, welche zweifelsohne in unserer Atmosphäre entstehen, keinen anderen Ursprung anzuweisen im Stande sind, so ist es mehr als wahrscheinlich, dafs die Sternschnuppen nichts anderes, als Niederschläge der in der Atmosphäre befindlichen animalischen und vegetabilischen Stoffe sind. V. Wir gehen zum Nordlicht über. Indem wir die Ansichten der Alten nicht berühren 1 ), eben so wenig als Mai ran s Hypothese erörtern und widerlegen, dafs das Polarlicht eine Folge der in den Luftkreis eintretenden Sonnenatmosphäre sei, auch Hells Ansicht, der zufolge das ganze Phänomen ein optisches Meteor sei, welches sich aus der Zurückwerfung des Sonnenlichtes von platten Eistheilchen, womit die Atmosphäre in den kalten Polargegenden erfüllt sei, erklären liefse, übergehen, wollen wir hier nur kurz die Meinungen derjenigen aufstellen, welche, um die Erscheinungen des Ndrdlichts zu erklären, zur Elektricität ihre Zuflucht nahmen, und die jetzigen Ansichten über die Natur und den Ursprung desselben auseinandersetzen. Franklin 2 ) bezeichnete das Nordlicht als eine Folge der Wiederherstellung des elektrischen Gleichgewichtes zwischen der Polarluft und derjenigen der gemäfsigten Erdstriche. Diese Theorie hat Erman 3 ) genauer ausgeführt. Er zeigte, dafs in jedem Körper, welcher isolirt von der Fläche des Bodens bis zu einer 1) Vergl. Mefeorol. vel. Gr. et Rom. Cap. II. §.10. p. 49 — 54. 2) Leipziger Sammlung zur Physik und Naturgeschichte. Bd. II. St. 2. S. 240. 3) Gilb. Annal. Bd. XXVI. S. 10 folg. • f* 77 beträchtlichen Höhe emporgehoben wird, blofs durch diese Entrückung aus dem Wirkungskreise der Erde, eine beträchtliche elektrische Spannung entsteht, weil die Elektricität, welche in der niederen Station durch Einwirkung der nahen Erdmasse in ihm gebunden war, in der höheren Station sich nothwendig expandirt, und zwar um so mehr, je weiter er aus der bindenden Atmosphäre des Bodens entrückt wird. Zwischen den Tropen ist ein fortwährender aufsteigender Luflstrom vorhanden, welcher hiernach in allen seinen Elementen eine bedeutende elektrische Spannung erhalten mufs, die, wenn sie nicht früher durch andere Meteore theil- weise Entladungen erlitten hat, sicher in den höheren Regionen, wo die atmosphärische Luft beträchtlich verdünnt ist, das expandirte elektrische Licht entwickeln mufs, wodurch die elektrische Phosphorescenz des luftleeren Raumes bis an die Gränzen der Atmosphäre verbreitet wird. Die Entstehung eines elektrischen Polarlichtes, die Hauptrichtuug desselben und die Abweichungen davon, das muthmafsliche allgemeine Ueber- gelien in gewitterartige Meteore, wenn die Höhen, in denen es Statt findet, minder beträchtlich sind, die Verwandtschaft desselben mit anderweitigen Zuständen der Atmosphäre, welche die Periodicität dieses Polarlichtes bedingen, alles dieses ergiebt sich in der That ziemlich ungezwungen aus dieser Hypothese. Dennoch ist manches gegen dieselbe einzuwenden. Zuvörderst müfsten die Erscheinungen des Nordlichtes, zumal, wenn es sich durch das Zenith des Beobachters erstreckt, von starken Zeichen atmosphärischer Elektricität am Elektrometer begleitet sein. Cantons Beobachtungen ') ver- 1) Philosoph. Transuclions. XLIY. p. 78-1. 78 dienen in dieser Beziehung kein Vertrauen, da er die Luft nur dann elektrisch gefunden haben wollte, wenn Nordlichte vorhergegangen waren; Widenburg fand unter 8 beobachteten Polarlichten nur bei dreien Zeichen atmosphärischer Elektricität 1 ), dagegen Ronayne 2 ), Bergmann 3 ), Pictet 4 ) bei seinen Beobachtungen zu Umeä ir Lappland, van Swinden 5 ), Gallitzin 6 ), Parry 7 ), Richardson 8 ), Scoresby 9 ) durchaus gar keine, Volta 10 ) nur sehr schwache Spuren in Beziehung auf die Intensität des elektrischen Funkens. Ferner ist zu bedenken, dafs der in den höheren Regionen der Atmosphäre von dem Aequator zu den Polen hinabfliefsende Luftstrom, schon in 40 bis 45 0 n. Br. die Erdoberfläche wieder erreicht, wie der vorherrschende SW. in Europa, und die unmittelbaren Beobachtungen Ramonds auf dem Pic du Midi und anderer Physiker an anderen Orten beweisen 11 ). Es 1) Beobachtungen u. Muthmalsungen über die Nordlichte. S. 38. 2) Philosoph. Transact. Vol. LXII. p. 139. 3) Ebendas. Vol. LII. p. 385. 4) Tüovi Commenlar. Petropolit. Tom. XIV. P. II. p. 88. 5) Recueil de Memoires par van Swinden. Tom. III. p. 204. 6) Memoires de l’Academie de Bruxelles. Tom. III. p. 10. 7) Edinburgh philos. Journ. V. p. 204. 8) Franklin Journey to the shores of the Polar - Sea in the years 1819 — 22. London 1829. (4 voll. 16.) I. p. 98. 100. Baumgartners und von Ettinghausens Zeitsehr. f. Phys. u. Hathemat. V. S. 246. 9) Account of the arctic regions. Tom. I. p. 383. 418. 10) Philosoph. Transact. Vol. LXXII. p. 15. 11) Schouw Beiträge zur vergleichenden Klimatologie. Kopenh. 1827. 8. Heft I. S. 54. 55. Kämtz Lehrb. der Meteorol. Tb. I. S. 248. 79 läfst sich ferner nach den jetzigen Kenntnissen über den Zusammenhang zwischen Eleklricität und Magnetismus nicht einselien, weshalb, 'wenn wirklich der zurückkehrende Passat bis zu dem Pole hinaufdränge, die Mittelpunkte des Polarlichtbogens genau die magnetischen Pole sein sollten, weshalb Intensität des Erdmagnetismus, Deklination der Magnetnadel während des Phänomens solchen merkwürdigen Schwankungen unterworfen sein sollten, wie wir gleich nachher angeben wollen, da die gewöhnlichen, so häufigen Gewitter keinen Einflufs auf diese Erscheinungen ausüben. Selbst die Regelmäfsigkeit der Erscheinung, die schwarzen Nordlichtstrahlen, das dunkle Segment in der Nähe des Horizontes, sind Dinge, welche sich hiernach nicht erklären liefsen. Lichtenberg 1 ), welcher sich ebenfalls für die elektrische Entstehung des Nordlichtes erklärt, hält es für möglich, dal's die Nordlichte -+- E, die Südlichte — E hätten, und unser Erdkörper mit seiner Atmosphäre, die elektrische Polarität durch das Sonnenlicht oder die dadurch erregte Wärme, wie der Turmalin, durch die Wärme erhalte. Da nun die + E längere Strahlen, als die — E gebe, so sei dies die Ursache, dafs die Nordlichte stärker als die Südlichte seien. Dies scheint durch die Beobachtung Försters 2 ) bestätigt zu werden, dafs die Farbe des Südlichts bläulich sei. Aber alsdann würden die Nordlichte ununterbrochen Tag und Nacht fortglänzen müssen. In den neusten Zeiten hat man eigentlich gar keine bestimmte Theorie aufgestellt; denn Hansteen hat sich 1) Commental. Societ. reg. Giitling. 1778. Tom. I. Class. ma- themat. p. 76. 2) Observations. Paris 1778. 4. p. 109. * 80 bei seinem Versuche, die Phänomene unseren jetzigen Kenntnissen vom Elektromagnetismus gemäfs zu erklären, auf Andeutungen beschränkt. Man spricht von einer Materie des Nordlichts, ohne einen bestimmten Begriff damit zu verbinden, ertheilt ihr die Eigenschaft die Atmosphäre zu trüben, ohne sichere Beweise für ihr Dasein zu besitzen. Das Hauptverdienst der Physiker, welche sich in den letzten Jahren mit dem Nordlichte beschäftigten, besteht darin, den Zusammenhang desselben mit den Phänomenen des tellurischen Magnetismus nachgewiesen zu haben. Das Resultat dieser Untersuchungen ist folgendes: I. Die Erde hat zwei magnetische Axen, also vier Pole; die eine stärkere hat ihre Pole in Nordamerika und Neu-Holland, die zweite schwächere in Sibirien und der Nähe des Feuerlandes 1 ). Polarlichte sieht man an allen diesen vier Polen. Gmelin sah sie in Sibirien und beschreibt sie auf eine wahrhaft Schauder erregende Weise 2 ). Horrebow beobachtete sie in Island; Cook sah sie südlich von Neu-Holland 3 ); Don Ulloa bei seiner Umschiflung des Cap Horn ge- _ gen 1) Man vergl. die 'Abhandlung von Ilansteen in Schweiggers Journal. XLV. S. 60 — 90. 2) Vergl. seine Beschreibung nach der von Blagden mitge- theillen Uebersetzung in den Philos. Transacl. Vol. LXX1V. p. 228. s. Edinburgh Encyclopaedia. Vol. III. p. 112. 3) Astronomical observations, made in the course of a voyage totoards the South-pole and round the world in the years 1772 — 1775 by William Wales F. R. S. and William Bayley. London 1779, und daraus in Schweiggers Jouru. XLVI. S. 212 u. 21ß., vergleiche Bd. XLVIII. S. 369 — 373. Aeltere Beobachtungen des Südlichtes findet man in Philos. Transact. No. 461. und Vol. LIV. No. 53. Edinburgh En- cyclopaed. III. p. 113. 81 gen S. und SW. Molina bemerkt 1 ), dafs sie bisweilen von aufserordentlicher Gröfse in Chili wahrgenommen werden. II. Der höchste Punkt des Bogens liegt, wenigstens in nicht sehr hohen Breiten, stets im magnetischen Meridian, also in der Vertikalebene, welche durch den magnetischen Pol geht. In den Staaten von Nordamerika, wo die westliche Deklination der Magnetnadel nur 2 0 beträgt, sieht man denselben hellen Bogen, jedoch liegt sein höchster Punkt genau im Norden. Nach den Beobachtungen von Scoresby erstreckt sich an der Ostküste von Grönland in 65 0 n. Br. der Bogen des Nordlichtes von N. gegen S., so dafs der höchste Punkt desselben sich entweder in O. oder in W. befindet, je nachdem der Bogen auf der einen oder der anderen Seite des Zenithes liegt. So beobachtete es Fischer 2 ) auf Capitain Parrys Nordpolexpedition am 5ten Januar 1820 v. N. nach S., etwas gegen O., also nahe in der Bichtung des Meridians. Dieses bestätigen auch die Beobachtungen des Missionairs Andreas Ginge in der Kolonie Gothaab auf Grönland in 64° 10’ 5” n. Br., nur mit dem Unterschiede, dafs dort der Bogen gemeiniglich niedrig in O. und SO. erscheint und seltener bis zum Zenith aufsteigt. Er beschreibt einen solchen Bogen auf folgende Weise: „Um 44- Uhr Abends zeigten sich die ersten schwachen Strahlen des Nordlichtes in O,, welche in einer Viertelstunde das Zenith erreichten und von hier aus sich 1) Versuch einer Naturgeschichte von Chili. Leipzig 1786. S. 23. Eine ganzeileihe von Beobachtungen hat Bernhard d’Orta in Rio Janeiro angestellt. 2) Edinburgh philosoph. Journ. V. p. 203. 6 82 nach allen Seiten verbreiteten. Bald verwandelten sie sich in einen Bogen, welcher durch das Zenith ging und den Horizont in N. und S. berührte: er war weifs und so glänzend, dafs er Baals-River, welcher eine Meile breit ist, erleuchtete. Um 7 Uhr Abends hatte die Abweichung seit dem Mittage von 50° 57'30" bis 50° 37' also um 20' 30" abgenommen. Um 8 t Uhr verschwand der Bogen und man sah in S. einen Kamm mit aufwärts gerichteten Zähnen. Zu dieser Zeit nahm die Abweichung bis zu 50° 20’ ab. Parry 1 ) auf Melville-Island, in Winter-Harbour, zu Igloolik, sah das Nordlicht am südlichen Himmel bald von OSO. nach WSW., bald in SO. Wie dieser Bogen ein Th eil eines hellen Kreises (der glänzenden Peripherie einer übrigens nur zum Theil erleuchteten Kreisfläche) sein müsse, der sich über der Erdoberfläche in beträchtlicher Höhe befindet und von dem jeder Beobachter sein eigenes Stück sieht, ist sehr schön von Hansteexr durch den Stundenkreis an einem Globus erläutert worden. Nimmt man nämlich an, ein kleines Insekt krieche um den Globus in dem Parallelkreise von 60 °, so wird es nur einen kleinen Theil des Kreises sehen, da der gröfste Theil desselben von dem Globus, also dem Horizonte des Insektes, verdeckt wird. Der höchste Theil des Bogens, welchen es hier sieht, liegt gerade im Norden. Kommt es dem Slundenringe näher, so sieht es einen gröfseren Theil desselben und, wenn es gerade im Rande desselben ist, erscheint er im Zenith. Nähert es sich mehr dem Pole, befindet es sich also innerhalb des Ringes, so erscheint der höchste Punkt desselben in S. gerade so, wie dieses der Fall war mit dem Ringe 1) Journal of Science. I. p. 158. 83 der von Andreas Ginge und Parry gesehenen Nordlichte. Wäre nun der Erdpol oder ein Punkt der verlängerten Erdaxe der Mittelpunkt des Nordlichtringes, so müfste der höchste Punkt desselben überall im Meridian gesehen werden. Da dieses indessen nicht der Fall ist, indem der höchste Punkt des Bogens im südlichen Norwegen in N. 20 0 W. in Nordamerika in N. und in Gothaab, Igloolik u. s. w. in O. gesehen wird, so folgt daraus, dafs der Mittelpunkt des Ringes etwa 20 bis 30 0 vom Pole der Erde entfernt ist und in einem Meridiane liegt, welcher durch die Staaten von Nordamerika hindurchgeht. Und, weil der Bogen zuweilen in der Nähe von Island durch das Zenilh geht und mitunter so weit aufsteigt, dafs dies in Chrisliania und Kopenhagen, und selbst in südlicher liegenden Orten der Fall ist, so folgt, dafs der Halbmesser des Nordlichtkreises eine Gröfse von 20 bis 40° und noch mehr haben mag. Befindet sich der Beobachter aufser- lialb des Nordlichlringes, so liegt der höchste Punkt des Bogens mit dem Mittelpunkte des Ringes in der Richtung, welche der nach dem Mittelpunkte entgegengesetzt ist. So sah Scoresby am löten April 1822 in 64° 41' n. Br. den höchsten Punkt des Nordlichtbogens gegen W. Der Ring erstreckte sich durch das Zenilh des Beobachters, hatte genau die Richtung von N. gegen S., und war also parallel dem Meridiane. In den Kolonien im westlichen Grönland sieht der Beobachter den Ring gegen S., wenn er sich südlich vom Mittelpunkte befindet, östlich dagegen, wenn er östlich ist. So sah es Lieut. Robertson den 23sten September 1818 in 66 0 30' n. Br. 59° w. L. genau in S., am 2Ssten in 65 0 n. Br. erschien das Nordlicht sehr glänzend von S. gegen O. bis S. gegen W., eben so 6 * 84 den 29sten an derselben Stelle. Den lsten October sab man in 62° 30' n. Br. 63° w. L. Gr. das Nordlicht in SSW. und SSO. Am 8ten in 59 0 n. Br. und 50° w. L. erschien es in O. *). Franklin 1 2 ) sah es in 64 0 6' 47" n. Br. genau in S. Hieraus geht denn nun hervor, dafs der Mittelpunkt des Ringes dieser Polarlichte der magnetische in der Hudsonsbay belegene Nordpol unserer Erde sei. III. Die Lichtsäulen sind parallel mit der Richtung der resultirenden Magnetkraft an jedem Orte. IV. Ist das Nordlicht unruhig, so wird die Abweichungsnadel unruhig, weicht in Zeit von wenigen Minuten um drei, vier, ja fünf Grade von ihrer gewöhnlichen Stellung ab und hat zuweilen eine sehr veränderliche Bewegung, zum Beweise, dafs zu dieser Zeit die Magnetkräfte der Erde in einem Zustande grofser Unruhe sind. Entfernte Polarlichte, selbst dann noch, wenn sie an einem bestimmten Orte nicht gesehen werden, äufsern einen offenbaren Einflufs auf die Magnetnadel. Schon den 5ten April 1741 machten Celsius in Upsala und Graham in London dieselbe Beobachtung. Am gedachten Tage fand Celsius, dafs die Magnetnadel um 2 Uhr Nachmittags anfing unruhig zu werden, so dafs sie um 5 Uhr 1° 40' westlicher war, als Vormittags um 10 Uhr. Um 5 U 18' war sie 20' zurück gegen Osten gegangen, allein 6 Minuten später ging sie wieder 18' gegen W. Von dieser Zeit ab bis 8 U 30' am nächsten Morgen war sie auf dem Rückwege nach ihrer gewöhnlichen Stelle. Des Abends zeigte sich ein Nordlicht. Celsius hatte wenige Wo- 1) Rofs Entdeckungsreise nach dem Nordpol. S. 292 n. 293. 2) Journey to ilte Shores of the Polar-Sca. II. p. 176. 85 chen zuvor Graham in London ersucht, auch seine Nadel an denselben Tagen zu beobachten, um auszu- mitteln, ob sich dieselben ungewöhnlichen Bewegungen gleichzeitig an zwei so weit von einander entlegenen Orten zeigten. Gerade am nämlichen Tage, den 5. April 1741, bemerkte Graham in London so grofse und häufige Unregelmäfsigkeiten an der Nadel, wie er nie zuvor gesehen hatte, und zwar in einem Zwischenräume von zwei bis drei Minuten. Allein Graham meldet nichts von Nordlichten 1 ). Späterhin wurden diese Beobachtungen von Wargentin 2 ), Canton 3 ) u. a. wiederholentlich gemacht. Arago 4 5 ) gab aber diesem Satze durch eine grofse Beobachtungsreihe weitere Ausdehnung. Er zeigte, dafs ein Nordlicht, es mag sichtbar sein, wo es wolle, die Magnetnadel in Bewegung setze, was auch Kupffer nachgew'iesen hat 3 ), dafs diese Einwirkung auf die Magnetnadel nicht unterbleibt, wenn das Nordlicht wegen der dichten Wolken nicht sichtbar ist; endlich, dafs dadurch an Orten, wo man von dem Statt habenden Nordlichte keine Spur besitzt, dieselbe Affektion der Magnetnadel eintrilt. Gegen diese allerdings auf Erfahrungen gestützten Sätze erinnerte Brewster 6 ), dafs die Beunruhigungen der Mag- 1) Ilansteen Magnetismus der Erde, übersetzt von Ilanson. Th. I. S. 413. 2) Svenska Velenskapcns Acadcmiens Handlingar for Kret 1750. S. 52. r 3) Philosophie. Transact. LI. Pt. 1. p. 398. 4) Annales de Chim. et de Phys. XXXVI. p. 398. 5) Baumgartners nnd von Ettinghausens Zeitschr. Th. III. S. 325. Vergl. llansteen in Poggendorffs Annal. Bd. IX. S. 164. 6) Edinburgh Journal of Science. No. XVI. p. 189. Baumgartners Zeitschr. III. S. 343. \ 86 netnadel und die Nordlichte, wo sie auch an einem Tage beobachtet worden, doch nicht immer gleichzeitig erfolgen, dafs ferner Nordlichte in England und Schottland wahrgenommen w'orden sind, während in Paris die Magnetnadel nicht afficirt wurde; dafs aus den Beobachtungen von Parry 1 ) eher hervorgehen könnte, als wäre die Variation durch Nordlichter mehr gehemmt, als vergröfsert: dafs es Nordlichte giebt, welche selbst an Orten, über deren Horizont sie erscheinen, keinen merklichen Einflufs auf die Magnetnadel äufsern, und dafs Störungen im Gange der Magnetnadel bemerkt wurden, ohne dafs ein Nordlicht zu sehen war. Arago 2 ) hat indessen nachgewiesen, dafs diese Einwürfe irrig seien, und Hansteen 3 ) hat an einigen der Tage, wo Arago in Paris besondere Unruhe der Magnetnadel wahrnahm, aber in Fort Leith und Edinburgh keine Nordlichte beobachtet worden waren, gleichzeitige Po- larliclitbeobachlungen nachgewiesen. Scoresby 4 ) leugnet die Affektion der Magnetnadel durch die Nordlichte gänzlich; Richardson 5 ) glaubt aus seinen in den Jahren 1825 bis 1S27 am Bärensee angestellten Beobachtungen das Resultat ziehen zu können, dafs das helle und lebendige Strahlenschiefsen des Nordlichts zwar eine Ablenkung der Magnetnadel verursache, aber nur, wenn man es durch eine liebliche Atmosphäre beobachtet, und die Strahlen und Lichtbögen die prisma- 1) Baumgartner a. a. 0. III. S. 82. 2) Annalcs de Chi in. et de Phys. XXXIX. p. 369 — 390. 3) Schwciggers Journal. Bd. XLVIII. S. 356. 4) Account of the arctic regions. I. p. 418. 5) Edinburgh phüosoph. Journ. No. X. p. 241. Baum gar t- « ners und v. Ettinghausens Zeitschr. Bd. V. S. 246. 87 tischen Farben zeigen. War hingegen die Atmosphäre hell und zeigte sich das Nordlicht als ein dichtes, ruhiges Licht von gelber Farbe, ohne Bewegung, so blieb die Magnetnadel bei seinem Erscheinen unafficirt. Ferner nahm er wahr, dafs das Nordlicht am kräftigsten wirkte, wenn es sich aus einer Wolke in der Nähe der Erde erhoben zu haben schien; dafs, wenn es am stärksten wirkte, man meistens um die Strahlenbüschel herum einen Nebel wahrnahm, wiewohl der übrige Th eil des Himmels frei von Nebel und Wolken war; dafs endlich der Pol der Magnetnadel, der dem Nordlichte zunächst liegt, nach dem Punkt hingezogen wurde, von welchem die Bewegung der Magnetnadel ausging 1 2 ), dafs ihre Ablenkung am gröfsten war, wenn die Bew egung am schnellsten vor sich ging, dafs übrigens die Wirkung dieselbe war, die Bewegung mochte von einem niedrigen Bogen ausgehen, oder von einem, welcher durch das Zenith ging. IV. Ein fernerer Belag für den Zusammenhang der Phänomenen des Polarlichtes mit denen des Erdmagnetismus ist der, dafs kurz vor dem Erscheinen des Nordlichtes die Intensität des terrestrischen Magnetismus bis zu einer ungeheuren Höhe steigen kann; dafs sie aber, sobald das Nordlicht beginnt, in demselben Verhältnisse abnimmt, in welchem das Nordlicht lebhafter wird, indem es seine frühere Stärke nur successiv, oft erst nach Verlauf von 24 Stunden, wiedererhält. Alex, v. Humboldt 3 ) beobachtete im Deceinber 1806 zu Berlin ein Nordlicht, während dessen Sichtbarkeit über 1) Hiervon beobachtete auch AI. v. Humboldt ein Beispiel im Deceinber 1806 in Berlin. S. Gilb. Annal. Bd. XXIX. S. 428. 2) Gilb. Annal. a. a. O. 88 dem Horizonte die Intensität der magnetischen Kraft bei weitem kleiner war, als nachher, indem während desselben 21 Schwingungen in 1' 37”,33 (mittleres Resultat) vollendet wurden, dagegen am Morgen unter gleichen Umständen in 1' 37”,17. YI. Der Mittelpunkt des Nordlichts folgt den Veränderungen des magnetischen Nordpols. Hierüber sagt Hansteen 1 ) folgendes: „Steenbuck, der Herausgeber und zum grofsen Theile der Verfasser der Beschreibung des Königreichs Norwegen, welche unter dem Namen von Jessen erschien, und der selbst in der Provinz Drontheim geboren war, erwähnt, dafs ältere Leute ihm gesagt hätten, in ihrer Jugend sei der Bogen in Norwegen weniger hoch über dem Horizonte gewesen und habe sich mehr gegen Norden gezeigt; seit dieser Zeit aber sei er höher gestiegen und habe sich von dem Meridiane gegen W. entfernt.” Dies stimmt mit der Ortsveränderung des amerikanischen Magnet- poles, indem uns gegenwärtig derselbe näher liegt, und zwar in einer Ebene, die einen gröfseren Winkel mit dem Meridiane bildet, überein. Auch Biot 2 ) hat die Rotationsbewegung des Polarlichtmittelpunktes um den Nordpol der Erde geschichtlich nachgewiesen. VII. Wilke hat beobachtet, dafs die Krone des Nordlichtes bisweilen ihren Ort verändert, zumal wenn dasselbe sehr lebhaft ist, indem sie sich mehrere Grade rückwärts und vorwärts bewegt. Weil nun der Ort der Krone durch den Winkel bestimmt wird, welchen die Lichtsäulen mit der Erdoberfläche machen, so ist einleuchtend, dafs sich dieser Winkel ebenfalls ändern 1) Schweiggers Journal. XLVI. S. 201. 2) Journal des savans 1820. p. 316 u. 347. 89 mufs. Und er fand in der That, dafs sich die Neigung der Magnetnadel auf eine ähnliche Art veränderte, so dafs sie, sich auf- und abbewegend, stets gegen den Mittelpunkt der Krone gerichtet war. Eine Aenderung in der Richtung der Resultante des Erdmagnetismus erzeugt mithin eine Aenderung in der Richtung der Lichtsäulen. So viel über den Zusammenhang der Phänomene des Polarlichtes mit den Erscheinungen des tellurischen Magnetismus. Ob die magnetischen Phänomene, welche das Nordlicht begleiten, ursächlich oder secundärer Art seien, wie die atmosphärische Elektricität bei der Bildung der Wolken und den wäfsrigen Niederschlägen, wird das, was wir im nächsten Abschnitte bei- bringen wollen, ausweisen. \ YI. ■- Dafs die Erscheinungen des Nordlichtes in unserer , Atmosphäre selbst vor sich gehen, läfst sich leicht beweisen. Befände es sich aufserhälb derselben, so würde es von der täglichen Rotationsbewegung der Erde unabhängig sein: die Lichtsäulcn, die Krone, der Bogen müfsten also der Bewegung der Sterne von O. nach W. folgen und sich, wie diese, um die himmlischen Pole zu bewegen scheinen. Wenn dagegen das Meteor in unserer Atmosphäre sich befindet, so mufs es an der gemeinschaftlichen Bewegung, welche die Rotation der Erde allen irdischen Gegenständen, wie auch den Wolken crtheilt, Anlheil haben, es mufs also in Bezug auf diese Gegenstände unbeweglich erscheinen, oder, wie die Wolken, nur beiläufige Ortsveränderungen erleiden. Alle Beobachtungen bestätigen, dafs die zweite Art der Erscheinung die wahre ist, und wir 90 können es also als eine ausgemachte Thatsache betrachten, dafs die Erscheinung des Polarlichtes in unserer Atmosphäre vor sich geht 1 ). Zwar leugnet Hansteen 2 ), dafs jemals das Polarlicht vor irgend einem hohen Gegenstände gesehen worden sei; indessen beobachtete Parrj 3 ) ein sehr glänzendes, dessen Strahlen zwischen dem Beobachter und dem nur 3000 Yard davon befindlichen Festlande hinschossen 4 ). In einzelnen Fällen hat man Nordlichte die untere Fläche dichter Wolken beleuchten sehen 5 ). Als Rieh ar d- son und Kendall am Bärensee im Früldinge des Jahres 1826 ihre Ausflüge machten, sah ersterer das Nordlicht sehr glänzend und in voller Bewegung, während letzterer kein Funkeln daran wahrnahm, und doch war dieser nur 20 englische Meilen von jenem entfernt. Hansteen glaubt sogar, dafs die Nordlichtmaterie die Atmosphäre undurchsichtig mache. Wenn sich nämlich das Nordlicht zeigt, wird oft der Himmel, binnen weniger Minuten, mit einem undurchsichtigen Schleier überzogen, und in eben so kurzer Zeit wiederum völlig klar. Die Ursache ist nach seiner Ansicht die, dafs die Materie des Nordlichts die in völlig durchsichtigem Zustande in der Luft aufgelösten Wasserdämpfe ausscheidet, und daher erklärt er die ewigen Nebel in den 1) Biot Journal des savans 1820. p. 351. Vcrgl. jGilb. Annal. XVIII. S. 254. XIX. S. 92. 2) Magazin for Naturvidenskaberne. I. p. 85. Sclnveiggers Journ. Bd. XLVIII. S. 361 - 366. 3) Baumgartners und v. Ettinghausens Zeitschr. Th. IV. S. 347. 4) Bei dieser Beobachtung bemerkte Parry durchaus keinen störenden Einflufs auf die Magnetnadel. 5) Edinburgh philos. Journ. No. X. p. 241. \ 91 Polarmeeren 1 ), welche sich jedoch ungezwungen aus den hygrometrischen Erscheinungen, wie Scoresby anführt, erklären lassen 2 ). Merkwürdig ist indessen, und scheint Haust eens Hypothese zu unterstützen, dafs in diesen Nebeln die Deklinationsnadel keine bestimmte Dichtung mehr hat, wie dies Parry und Franklin nachgewiesen haben 3 ). Aber warum sieht man diesen Nebel nur auf der See und an den Küsten, nicht im Innern des Landes, während die beiden nördlichen Magnetpole auf dem Festlande liegen? So erklärt Han- steen hieraus das dunkle Segment unter dem Bogen und die schwarzen Nordlichtslralilen, welche von mehreren älteren und neueren Beobachtern im Norden beschrieben worden sind, und die Hansteen selbst sehr oft wahrgenommen hat. Man sieht nämlich oft schwarze Strahlen oder Säulen, gleich einem dicken, schwarzen Bauche, mit grofsem Ungestüm über oder vor dem leuchtenden Bogen oder der ganzen leuchtenden Masse cmporschiefsen, welche dieselbe Beweglichkeit und Veränderlichkeit besitzen, wie die leuchtenden Strahlen. Welches die gröfste Entfernung vom Pole sei, in welcher Nordlichte wahrgenommen worden sind, oder wahrgenommen werden können, lälst sich nicht mit Ge- wifsh eit angeben. Niebuhr sagt 4 ), dafs inan in Arabien, Indien, Persien und Syrien keine Nordlichte kenne, indessen erinnert das Journal encyclope'dicjue 5 ) an eine 1) S ehweigge rs Journal. XLVI. S. 20. 2) Kiimtz Lelirb. der Meteorol. I. S. 373. 3) Capt. Parry Voyage for tlic discovery of a north -west passage. London 1828. 16. I. p. 115. 4) Beschreibung von Arabien. S. 5. 5) 1771. Septbr. 92 Stelle in der Ilistoire de la premiere croisade e’crite en Armenien par Mattliieu, moine d’Edesse, wo ein Nordlicht, welches man im October des Jahres 1097 in Syrien gesehen, umständlich beschrieben werde. Bei dem fürchterlichen Sturme, welcher am lOten October 1780 Barbadoes fast gänzlich verwüstete, sah man ein Nordlicht 1 ). Ein anderes beobachtete Ehrenberg den 5ten Februar 1S25 am rothen Meere, zwischen Liht und Gumfude, bei Nordwinde. Dem Nordlichte geht bisweilen das Erscheinen dunkler Wolken vorher, welche gerade Linien und Säulen, denen des Nordlichts ähnlich, bilden. Eine solche von dunkelbrauner Farbe ward auf Parrys Nordpolexpedition von Fischer und Beechy, vor dem Eintreten des Nordlichtes, an derselben Stelle des Himmels, wo dieses erschien, beobachtet 2 ). Richardson sah am Bärensee in den Jahren 1825 — 1827 bei vier Gelegenheiten das Blitzen des Nordlichtes sehr deutlich vor dem Verschwinden des Tageslichtes 3 ), und oft bemerkte er, dafs sich selbst zur Tageszeit die Wolken in Reihen und Bögen angeordnet hatten, wie dieses bei dem Nordlichte der Fall ist 4 ). Dasselbe Resultat ergaben Thienemanns Beobachtungen in Island 5 ). Dies deutet darauf hin, dafs zwischen den _ Wol- 1) Blane in Transaclions of the Edinburgh royal Soc. I. Hist. p. 30 — 37. 2) Edinburgh philos. Journ. V. p. 203. 3) Nordlichte werden öfters schon am Tage vor dem Verschwinden der Sonne beobachtet. Vgl. Edinburgh Transact. Vol. V. Pt. III. p. 8. 4) Edinburgh philos. Journ. No. X. p. 241. 5) Gilb. Annal. Bd. LXXV. S. 59 folg. Wolken, also zwischen den atmosphärischen Niederschlägen und dem Nordlichte eine Verbindung Statt finde. Bestätigt wird dies durch den Zusammenhang der Erscheinungen des Polarlichts mit den Witterungsphänomenen. Canton erzählt, dafs die Nordländer die Polarlichte besonders stark finden, wenn nach strenger Kälte plötzlich Thauwetter eintritt. Diese Meinung wird auch durch die Beobachtungen Winns begünstigt, welcher behauptet, dafs auf ein Nordlicht beständig starke S.- oder SW.-Winde (die wärmeren Winde in jenen Gegenden) mit Thauwetter und schwachem Kegen folgen. Drei und zwanzig auf einander folgende Beobachtungen haben dies bestätigt. Der kühle Wind beginnt stets 24 bis 30 Stunden nach dem Erscheinen eines Nordlichts. J. Farquharson, welcher in Aber- deenshire mehrere Jahre hindurch die Nordlichte beobachtet hat, behauptet auch, dafs sie den W.- oder SW.-Würden vorhergehen; auch geht dasselbe aus Beaufoys zu Hacksey bei London angestellten Beobachtungen hervor. Ja, letzterer hat selbst gezeigt, dafs eine grofse Anzahl unregelmäfsiger Bewegungen der Magnetnadel mit keinem sichtbaren Nordlichte Zusammenhängen, aber stets von Winden, welche von dem südlichen Horizonte herkommen, begleitet sind, oder darauf folgen *). Richardson bemerkte am Bärensee, dafs eine niedrige Temperatur dem hellen Strahlenschiefsen besonders günstig war, mdein selten eine grofse Bewegung Statt fand und die prismatischen Farben selten erschienen, wenn die Temperatur über 1) Auf solche Behauptungen gründete Canton die von ihm auf- gestellte Meinung, dafs das Licht als Folge der Elektricität der erhitzten Luft auf den grofsen Erdmagnet zuzuschreiben sei. 7 94 0° stand. Scoresby 1 ) fand in den Polarmeeren, dafs, wenn das Nordlicht in NW. in der Nähe des Horizontes erschien, und die Strahlen desselben nicht das Zenith erreichten, auf dasselbe im Winter ruhiges Frostwetter erfolgte, dafs dagegen, wenn die Strahlen bis zum Zenith und darüber hinausgingen, besonders wenn die Farbe roth, oder der des Kupfers ähnlich war, gemeiniglich heftiger Sturm erfolgte. So widersprechend auch die Bemerkung, welche Hansteen 2 ) u. a. m. 3 ) gemacht haben, dafs im Norden eine Zunahme der magnetischen Inklination, plötzliche Kälte und Nordlicht gemeiniglich gleichzeitige Erscheinungen zu sein pflegen, mit den vorstehenden Bemerkungen von C an ton, Winn und Ferquharson zu sein scheint, so lassen sich doch beide ungezwungen dahin verbinden, dafs auf die plötzlich eintretende Kälte eben so schnelles Thau- wetter folgt 4 ). Erinnern wir uns ferner, dafs die magnetischen, das Nordlicht begleitenden Phänomene, in den Aequatorialgegenden, wohin sich der Einflufs der Polarlichte nicht mehr erstrecken kann, die Erscheinung der Atmosphärilien begleiten, wie im vierten Abschnitte auf Alex. v. Humboldts Autorität bemerkt worden, dafs dagegen in den Polargegenden Feuerkugeln und Meteorsteinfälle nie, oder wenigstens nur höchst selten Vorkommen (wie denn allerdings Meteoreisen bei den Esquimaux gefunden worden), trotz der grofsen Magneteisensteinfelsen, welche, namentlich im nördlichen 1) Account of ihe arctic regions. I. p. 418. 2) Schweiggers Journal. Bd. XLIV. S. 209. 3) v. Zach Correspotidance astronomique. Vol. I. p. 300. 4) Man vergleiche noch über den Einflufs der Nordlichte auf die Witterung. Gilb. Annal. Bd. LXXIV. S. 40 folg. Amerika, Franklin 1 ) u. a. beobachteten, so ist es höchst wahrscheinlich, dafs die Niederschläge, welche in der oben von uns angegebenen Atmosphäre trocknen Dunstes Statt finden, in dem Bereiche der magnetischen Pole unter der Form der Nordlichte vor sich gehen. Sobald nämlich die Eisenlhcilchen zur festen Form zurückkehren, reihen sie sich um den magnetischen Pol in einer Ordnung, wie wir sie beobachten, wenn wir einen Magnet in Eisenfcilspähne legen, wahrscheinlich in der Form eines Kugelseclors. Von der, zufolge des Niederschlags entbundenen Eleklricität, erglänzen die einzelnen Theilchen, welche, da sie gute Leiter des elektrischen Fluidums sind, sie an die äu- fsersten Theilchen abgeben, von wo aus sie entweder allmählig in die Luft übergeht, oder plötzlich so, dafs ein Durchbruch in Form eines Blitzes erfolgt. Der fortwährende Fonnwechsel bringt die überaus grofse Mannigfaltigkeit des Phänomens hervor. Dafs aber der Umfang der Oberfläche des Kugelsectors ein Kreis sein werde, geht daraus hervor, dafs kein genügender Grund vorhanden ist, weshalb die äufsersten Theilchen bei gleichen Bedingungen des Niederschlages au einem Punkte weiter vom magnetischen Pole abstehen sollten, wie an dem andern. Wie hieraus die Bildung des Nordlicht- bogens nach den vorausgeschickten Bemerkungen, ferner das dunkle Segment, die sogenannten schwarzen Nordlichtstrahlen zu erklären, wie Brcwslers und Aragos Streit zu schlichten sei, woher das periodenweise Erscheinen der Nordlichte und ihre Abwesenheit während langer Zeitepochen komme, weshalb endlich in einzelnen Polarnebeln die Magnetnadel keine be- J) Journey tu the shures of t he Polar-Hea. I. p. 69 folg. 7 * 96 stimmte Deklination zeige, liegt klar zu Tage. Die magnetischen Phänomene sind hiernach sämmtlich se- cundärer Art, und, wie die ganze Erscheinung, durch die Natur des Niederschlages bedingt. In wie fern ihre Erklärung aber bis in die geringeren Einzelnheiten verfolgbar sein werde, bleibt dem Zeitalter Vorbehalten, welchem Untersuchungen nicht blofs über die Erscheinungen, sondern auch über die Natur des terrestrischen Magnetismus zu Gebote stehen. Wir wollen die, wie wir glauben, in dem Obigen hinlänglich begründeten Sätze hier übersichtlich zusammenstellen. 1) Alle Körper, feste sowohl, als flüssige, erzeugen coerciblen Dunst bei jeder Temperatur, für welche derselbe ein Maximum von Dichtigkeit hat 1 ). 1) Wir wollen über diesen Salz, welchen unter anderen auch Davy in seinem Aufsatze über die elektrischen Erscheinungen im luftleeren Raume (Philosophical Transactions for the year 1822. p. 70. Vergl. Gilb. Anna! Bd. LXXII. S. 357.) angenommen, nachträglich noch folgende Bemerkungen hinzufügen. Faraday hat, indem er sich tlieils auf die Schlufsfolgcn Wol- lastons, denen zu Folge unsere Atmosphäre eine begränzte Ausdehnung haben, und zwar dafs diese Gränze da eintreten soll, wo Expansivkraft und Schwerkraft sich im Gleichgewichte befinden, theils auf von ihm und anderen (wie z. B. von Bel- lani, vergl. Giornale di Fisica. V, 197.) angestellte Versuche bezieht, die Behauptung aufgestellt, dafs jede Verdunstung ihre Gränze habe, welche durch überwiegenden Einflufs der Schwerkraft und Cohäsion über die Centrifugalkraft hervorgebracht werde. Seinen Versuchen läfst sich nach dem zuvor Gesagten immer der Einwurf entgegensetzen, dafs er sowohl seihst, als andere in einem Raume operirten, in welchem die vorhandenen Dämpfe schon ihr Maximum von Expansivkraft er. reicht hatten, also bei der bestehenden Temperatur keiue neuen 97 2) Wird dies Maximum überstiegen, so erfolgt ein Niederschlag, und zwar: a ) in Wolken, vielleicht die Cirri * 1 )? b ) in Nebeln, oder in Wolken, deren untere Fläche mit der Erdoberfläche zusammenfällt — Höhenrauch; c ) in Concrementen: theils durch fernere Condensation der Wolken, tlieils bei heiterem Himmel; ' theils ohne elektrische Explosionen — Meteorsteine, theils mit elektr. Erscheinungen — Feuerkugeln; theils in einzelnen kleinen Stücken, theils in gröfseren, dem Hagel analogen Con- glomeraten. 3) Dies gilt für die Gegenden aufserhalb des Bereichs der magnetischen Pole. In der Nähe derselben erzeugt werden konnten; seinen Argumentationen a priori dagegen, dafs er nicht nachgewiesen hat, dafs die Schwerkraft bei den gewöhnlichen Lufttemperaturen (die Schwankungen mit inbegriffen, welche dieselben an der Erdoberfläche erleiden) der Ccntrifugalkraft das Gleichgewicht halte, oder dieselbe an Intensität übertreffe. (Man sehe die hieher gehörigen Aufsätze von Faraday in Bd. IX. und XIX. der Poggen- dorffschen Annalen.) 1) Eine Vermuthung, welche schon von vielen Anderen, z. B. von Thienemann a. a. O., aufgcstcllt worden ist. Auch Wrangel sagt: „Wenn das Polarlicht sich bis zum Zenith, oder nahe bis dahin sich erstreckte, verschwand cs in Gestalt schwacher lichter Wolken, die, nachdem das Leuchten verschwunden, weifslich blieben, und oft am folgenden Tage noch als wirkliche kleine krause Wolken am Himmel standen.” Vgl. Poggendorffs Annalen. Bd. IX. S. 156. 98 werden die Niederschläge von diesen angezogen und ordnen sich um dieselben unter beständiger Formver- änderung in Reihen. — Nordlicht 1 ). 4) Niederschläge können ferner durch dieselben Ursachen, welche einen Niederschlag der wäfsrigen Dünste bewirken, und mit diesen gleichzeitig hervorgebracht werden.— Heterogene Beimischungen des Regenwassers. Irre ich nicht, so eröffnen diese Kombinationen dem Meteorologen neue Gesichtspunkte, die Erscheinungen unseres Luftkreises zu betrachten, und ein neues Feld systematischer Untersuchungen. Sollte man alles Vorstehende für eitle Hypothesenkrämerei zu halten geneigt sein, so erlaube man mir wenigstens Alex, v. Humboldts Worte 2 ) zu meinen Gunsten zu deuten : ,, La physique et la geologie ont une partie pure- ment conjeclurale, et Von dirait, que les Sciences per~ dent de lew attrait, si Von efforce ä restreindre cette partie dans des lirnites trop e'troites.” 1) Noch eines Einwurfs will ich gedenken, welcher mir gemacht worden ist. Die Esquimaux haben Worte für Meteorsteine und Feuerkugeln, und es ist allerdings keinem Zweifel unterworfen, dafs in jenen Gegenden, die im Bereiche der magnetischen Pole liegen, Meteorsteinfälle und Feuerkugeln Vorkommen. Aber, um die Analogie mit den wäfsrigen Niederschlägen weiter zu verfolgen, fallen nicht Hagel und Regen gemischt an einem und demselben Orte in gleicher Zeit herab? 2) Relation hislorique. Vol. I. p. 242. Gedruckt bei A. W. Schade.