MM .RW Benjamin Franklins Kleine Schriften meist in der Manier des Zuschauers^ nebst seinem L e b e m Äns dem Englischkli von G. SchaA Mit Franklins doppeltem Bildniße. Erstet Thei!. Weimay Im Verlage des Industrie-Conivlvi?» B o r b e Vicht- ^ »Itter den großen Männern, die unser Jahrhundert hervorgebracht hat, ist Franklin, nach dem allgemeinen Urtheil alter, die hierüber eine Stimme haben, einer der Ersten. Selbst seine Feinde, so geflißentlich sie übrigens seine Fehler ausspähten, und die moralische Güte seines Charakters verdächtig zn machen suchten, selbst die erbittertsten Gegner de? neuen Freystaats und seiner Stifter, an deren Spitze er stand, erkühnten sich nie, ihm diesen Nahmen abzustreiten. Sein Ruhm und seine Große als Erfinder, als Staatsmann, als gründlicher Kenner von mehr als Einer Wißenschaft, als lehrreicher und geistvoller Schriftsteller sind * 2 enk- V o r b e r i ch r. entschieden. Männer seiner Art können des Pa- negyrö und aller Denkmäler um so mehr entbehren, je würdiger sie ihrer sind. Wer sich zu ihrem Lobrcdner aufwirft, unternimmt ein selten belohntes, aber desto gefährlicheres Geschäfte. Ist er nicht in einem hohen Grade glücklich, so wird er sich selbst ungleich mehr schaden, als er, gelingt es ihm auch noch so gut, seinem Gepriesenen Vorthcil bringen kann. Ich bin weit entfernt, mich hier einer ähnlichen Gefahr aussetzen zu wollen. Weder Franklin noch seine Werke bedürfeil der innner zweydeuligen Anpreisung eines Ucbersetzers; auch sind diese Zeilen keiner entbehrlichen Lobrede des Originals, sondern einer kurzen Rechenschaft voll dem Verfahren bestimmt, das ich bey der Bearbeitung desselben beobachtet habe. Den erstell Thcil eröffnet das Bruchstück einer Biographie Franklins, die er in seinen letzten Jahren selbst aufgesetzt hat, und die ohn- streizig unter die anmuthigsten und lehrreichsten Aussätze gehört, die je ans seiner Feder gestoßen smd. Der seltne Mann — denn wie oft vereinigt Vorbe r i ch t. einigt sich nHhl so viel Liebenswürdigkeit mit so viel Größe? — erzählt hier die Geschichte seiner Jugendjahre mit einer Offenherzigkeit und Laune, die den Leser unwiderstehlicher und fester an sich ziehen, als eine Kettte der sonderbarsten Abentheuer. Kurz vor seinem Tode kheilte er, von Amerika aus, einigelt feiner Pariser Freunde den Ansang dieser Biographie, der bis zum Jahr 1757. geht, mit. Einer von ihnen, Herr le Veillard verfertigte eine französische Ue- bersetzung davon, gab sie aber nicht in den Druck, weil er mit der Nachricht von dem Tode seines berühmten Freundes zugleich erfuhr, daß er in seinem letzte:: Willen seine sammrlichcn Handschriften seinem Enkel William Tcm° ple Franklin vermacht habe, der selbst eilte vollständige Ausgabe der Werke seines Oheims, in französischer und englischer Sprache zu bechr- gel, denke. Bis jetzt ist diese noch nicht erschienen, und man hat, was auch für Gerüchte hierüber verbreitet worden sind, keine sichere Nachricht von ihrer baldige!: Erscheinung. Dagegen trat im Jahr 1791. zu Paris eine französische Übersetzung von einem Theil jenes Lebens, der bis zum Jahr 1731. geht, .unter dem Tirel: ^ -c- .Vck - V o r b e r i ch t» Zvlcmeüres cke Is vis priveecle k>. ?rFntz!in, scrits p?r leck- meme etc. all das ^icht. Herr le Veil- lar Verklärte in einem Pariser Blatte,*) daß er keine Thcil an dieser Unternehmung habe, doch räumte er die Aechtheit des Werks ein, das auch alle inner» Merkmahle davon an sich trug. **) Diese französische Übersetzung ward nun laurnsl cks ?nriz, rpgi. dir. 8?- „d.es ? z6. prsinisrss paZss eis so vnlums contien» zieut en olbst so coniwsnssmsnt ckss I^silioirss cks lVI. b'rnnklin. presefick enlisremsnt coukor- ine; -zu nisnukcrit, ejus je poksecle. InANors soinnisnt ls Nrackuctsur u pu ss les procursr: insis je Neclars et je srois nscsksairs oir laclrs ejus je fl' si nusuns pure n Is tr^clnctic>n z gue cell« zzsrtis e^ui knit en i?Zc> n'slk Aeieres <^us la tiers Ns celle gus j' ni, ggik ue vz c^ue jnk- a ^757, et gui conle^usmmeiit ne cor- ir >ine pss 1 OuvrZAs,. . . . Nur irrte sich Hr. lc Veillard, wenn er behauptet, Franklin habe die Geschichte seines Lebens bis in den Zeitraum kurz vor seinem Tode fortgeführt. Die ausdrückliche Versicherung zwcycr genauen Fru.nde Franklins, des Dr. Pri round des unglücklichen Duc de ia Nochefoucault V o r b s r i ch t. nun zwcymahl in das Englisthe übergetragen. Einmahl unter dem Titcl: '! üs I'rivace lüke ob lies laee I>. hranlvlin I.I.. D. eeo. I.omlon I?YZ. gr. g. und dann im ersten Bande der neueiz Ausgabe von Franklins Werken: VVorkü ob llre I-ue De. L. branl-ilio coosilkin^ ob bis lübs wriccen b^ lrimbelst coAStlier eviela üumo- rous, moral sncl llmrarz-', clrieü^ in lb .e manner obrbo Zpeccacor, ?>.vo Vol. Z^onäon :70z. kl. -§, als eines der Stifter der neuen Frcystaa- len: ich bin ihm deshalb nur in dein gefolgt, was er Gutes und Ehrenvolles von Franklin sagt, und das aus seinem Munde folglich doppeltes Gewicht und die höchste Glaubwürdigkeit hat. Ferner haben mir Stoff geliefert die Elogen von Rochefoucault, Faucher, Condor- cer, dreier Manner, die Veit Philosophen bcy seiner Anwesenheit in Paris genau gekannt und lange mit ihm. gelebt hatten. Die bobrede, die der Doktor Smith am ersten März :79a. vor dem Congreß und in der Amerikanischen philo- sophischen Gesellschaft zu Philadelphia hielt/und die kurz darauf im Druck erschien, ist größken- theils W o r b c r i ch l. thcils rednerische Deklamation, gibt aber Loch auch einige historische Umstände an, die ich nicht unbenutzt gelaßen habe. Eben so wenig lies ich mir die Mühe verdrießen, einige der besten englischen und französischen Zeitschriften aus den Iahren, die Franklin in London und Paris verlebte, ynrchzuzehn, und verschiedene merkwürdige Züge und Anekdoten daraus zu entlehnen, die man theilö ün Anhang, theils zerstreut in den Anmerkungen finden wird, t) Der z w e yte ?. hci! enthält die k l eine n Schriften', meist im Geschmack des Zuschauers, vcßen Manier Franklin, wie er selbst in seinem Leven erzählt, sich zum Muster genommen, und deren Vorzüge er nicht allein erreicht, sondern offenbar noch weit übertroffcn har. Inhalt, Vortrag und Einkleidung dieser Aufsätze sind höchst mamüchfaltig. Der größte Theil derselben betrifft Gegenstände der Politik und Philosophie des Lebens. Auch der kleinste und Min- Einen sehr lcscnSwerthen Aufsatz über Franklins Leben und Verdienste hat der erste Band des Nekrologs ron S ch! i ch k ea r o ll für daöJ^hr! 7^. B o r b c r : ch t. minder wichtige trägt unverkennbar das Gepräge der Originalität, und ist, wenigstens von Eine»! Funken des Geistes beseelt, der, wohin er auch nur einen flüchtigen Blick warf, überall Licht und Wärme verbreitete, Welch ein Schatz der edelsten und reinsten Lebensweisheit; wie viel große, der Menschheit wichtige, und doch zum Thcil immernoch, selbst von den weisesten und aufgeklärtesten Völkern und Regierungen verkannte oder doch vernachlässigte Wahrheiten enthalten diese kleinen Stücke! Welche Bündigkeit und Klarheit der Ideen, mit der sanftesten Empfindung gepaart, und mit eigenthüm- s.icher Laune gewürzt! Einzig und unnachahmlich erscheint Franklin in der Manier, die bekanntesten Sätze der Sitten- und Klugheits- lehrc durch die glücklichsten Bilder, durch die natürlichsten und doch überraschendsten Wendungen, auf eine Art vorzutragen, daß man sie zum erstcnmshl zu hören glaubt, und daß sie sich dem Gcmüth tief und unauslöschlich einprägen. Die Darstellung ist durchaus voll Leben, Kraft und Eigenthümlichkcit: der Styl ist nie gesucht, eher bisweilen etwas nachläßig, aber nachläßig mit Ammich? Da wo er sich erhebt. V o r d e r i ch t. hebt, bleibt er stets rein von Anstrengung unv Schwulst — Fehler, Venen feurige Genies so selten entgehen! — immer ist er voll Ruhe, oft von erhabner Einfalt.«.» Unvermerkt bin ich meinem Vorsah untren geworden— aber, wer kann von Franklin sprechen, ohne in VeN Ton des Lobrcvners zu fallen? Ich wenigstens konnte es nicht, sosehr auch mein eigner Vorthcil erforderte, lieber zu wenig, als zu viel zu sagen. Je stärker ich Meine Empfindung von der Vortreffiichkeit des Originals ausgedrückt habe, ein desto sirenge, res Gericht bereite ich mir bey deifienigen vor, die, ohne daßelbe mit meiner Kopie vergleichen zu können, oder die Schwierigkeiten eines Un ternehmens dieser Art aus eigenen ähnlichen Versuchen zu kennen, das was sie mit gespannter Erwartung suchen, vielleicht — warschein- lieh — ja gewiß nicht ganz so finden werden. Vollkommen ohne Franklins Schuld, doch auch nicht allein durch die meinige. Ein Kopist kann leicht einzelne Theile seines Originals verschönern, unmöglich aber kann er alle Schönheiten desselben mit tadelloser Treue, mir einer Treue, die 'A o r be r i ch t. die verv Schönheit ksiitcn Abbruch thüt, wiedergeben. Die Leser finden, m dieseii: zive'yten Ttzei« le, scüurntlichc bis jetzt bekaniw geworbene kleine Schriften Franklins, mit Ausnahme jedoch der eigentlich wißenschaftlichen, der physikalischen und mathematischen, und der in besonderer Rücksicht ans bic amerikanischen Unruhen geschriebenen Ansätze/ die nur wenigen ganz verständlich/ und noch weniger» inkereßant gewesen wären. Aus demselben Grunde haben auch einige, hier ausgenommene Stücke nur im Auszüge unter den Bruchstücken eine Stelle erhalten» UebrigcnS liest man hier verschiedene kleine 'Aufsätze, die ausgemacht,von Franklin herrühren, aber in keiner bisherigen Ausgabe seiner Werke, selbst in der neuesten nicht, die bey gegenwärtiger Uebersetzung zum Grunde liegt, vorkommen 5 z. B. Nr. XV. xvz. n. s. w»— Gern hätte ich die Sammlung noch mit einigen andern bereichert/ die mir dem Titel nach bekannt wurden, B. 'Iba lüimers Nb.ilvsopber — Ibe — g'!ie Vcscrnm'z llnil ?ea- ism's Oescle — allein ich bin nicht so glücklich gc- V or b e L i ch l. gewesen / sie aiisfinden zu können. Hoffentlich Wied sie dereinst die vollständige Ausgabe dek fämmklich'en Werke Franklins liefern, die wir von. seinem Enkel zu erwarten haben« So b-M diese erscheint, soll auch zu gegenwärtiger deutschen Bearbeitung noch em dritter THei! geliefert werden, der dieftHeir- und die Fortsetzung des Lebens von eigner Hand enthalten wird.' — Bei) dieser Gelegenheit kann ich den? Publikum zu einer neuen Uebersetzung diu. fainmtlichen physikalischeir Schrif?en Franklins, der gedruckten so wohl als ungc- drnckten, von der Hand eines Mannes Hoff nung machen, der seinen Beruf zu dieser Arbeit schon durch mehr als Eine mit Beyfall aufgenommene Behandlung ähnlicher Schriften bewährt hat« ch Daß ch EulerS Briefe über verschiedene Gegenstands der Natnrlehre, Leipzig 179z. Drey Baude — 'Adams Anweisung zur Erhaltung des Gesichts, Gotha 1794. — beyde mit Anmerkungen und Zusahen von F. Kr: es, Lehrer am Gelhaiichen Gymuasi-un- V o r b e r i 6) t. Daß die BerlagShandlung nichts gespart habe, auch dem Acußrrn dieser Sammlung ein Ansehn zri geben, wie jedes Buch verdient, das Franklins Nahmen trägt, zeigt der Augen schein» Da die Portrait^ von Franklin von einander abweichen/ so hak sie zwey derselben nach den besten Originalen siechen, und sivem Bande eines vorsehen laßen: eine Idee, die den Vey- fall der Verehrer des großen Mannes nicht verfehlen kamt. Das enie Blatt isi nach einer in Paris nach der Natur gemachten Zeichnung gestochen ; das andere nach einem vortrefflichen Medaillon voll Sevcr Biscnit gearbeitet, das ein berühmter deutscher Gelehrter mikgethcilt hat, der Franklin Hey seiner letzten Anwesenheit in Frankreich persönlich kannte, und die vollkommene Ähnlichkeit deßelben verbürgt»' Gotha am 2Q« Äprill 1794. G. Schatz. Erstes V. Franklins Leben. Erstes Kapitel. Gründe des Verfassers, gegenwärtiges Werk zu unternehmen — einige Betrachtungen über Eitelkeit — Nachrichten von seinen Vorfahren -- er macht die Bemerkung, daß er der jüngste Sohn eines jüngsten Sohnes der Familie seit fünf Generationen ist fem Vater will anfangs einen Geistlichen aus ihm machen, nimmt ihs aber bald wieder aus der Schule, und braucht ihn als Handlanger beym Lichtziehen — seine Neigung zum Seeleben — Geschmack am Lesen — er kömmt zu einem Buchdrucker in die Lehre — entgeht glücklich der Gefahr, ein Poet zu werden — übt sich in der Kunst zu schreiben — führt eine strenge Diät — etwas über die socratisch? Methode im Dispuriren. Kieker Sohn, Habs zu meinem Vergnügen verschiedene kleine Anerboten, unsere Familie betreffend, gesaim Mit. Du erinnerst Dich der Erkundigungen, die Franklins kleine Schriften- A ich,' A B. Franklins ich, als wir zusammen in England waren, von unfern dortigen Verwandten einzog, und der Reise, die ich in dieser Absicht anstellte. Ich bilde mir ein, «ine ausführliche Nachricht von allen Umstanden meines Lebens und meiner Herkunft, wovon ein großer Thcil Dir noch unbekannt ist, müße Dir «ben so angenehm seyn, als mir selbst; ich schreibe sie deshalb für Dich nieder. Die ungestörte Muße einer Woche, die ich mir in meiner jetzigen ländlichen Einsamkeit versprechen kann, wird zu dieser Arbeit hinreichen. Noch andere triftige Gründe bestarken mich in diesem Vorsatz. AuS dem Schoos der Armuth und Dunkelheit, worinn ich geboren ward und meine ersten Jugendjahre verlebte, habe ich mich zum Wohlstand und zu ebner gewißen Stufe des Ruhms in der Welt erhoben. Ein stetes Glück begleitete mich bis in das hohe Alter, und vielleicht regt sich in meinen Nachkommen der Wunsch, die Mittel und Wege zu kennen, deren ich mich bediente, und die unter der schützenden Hand der Vorsehung mich so glücklich zum Ziele führten. Ucberdieß können sie manches davon zu ihrem eignen Nutzen verwenden, wenn sie je in ähnliche Lagen kommen sollten. Wenn Leben« Z Wenn ich/ was sehr oft zu geschehen pflegt, über dieses Glück meines Lebens nachdenke, so sage ich wohl bisweilen zu mir selbst: «würde mir's „nur angeboten, gerne machte ich diesen ganzen „langen Weg, von einem Ende bis zum andern, „noch einmahl." Ich würde mir blos die Freyheik erbitten, die ein Schriftsteller bey einer zweyten Ausgabe seines Werks genießt, einige Fehler der ersten zu verbessern. Auch möchte ich wohl, wenn ss in meiner Gewalt stände, ein paar kleine Unfälle und Umstände aus meinem Leben gegen günstigere vertauschen. Indeß, wenn man auch diese Bedingung nicht annähme, ich würde Mich gleichwohl entschließen, wieder von vorn anzufans gen. *) Leider aber findet eine solche VZ-edechoh- .A 2 lung Merkwürdig ist der Contrast, den diese Aeusserung mit einer ganz entgegengesetzten von einem der jeztUbenden größten Männer Deutschlands macht. Kant behauptete jüngst in einem Aussatz der Ber- liner Monatsschrift, kein rcrnünfriger, denkender Mann werde nach reifer Ueberlegung der Nichtigkeit aller menschlichen Dinge, auch wenn es ihm frey stehe, dieses Erbenleben noch einmahl wiederholen wollen. Franklin war ^doch gewiß ein vernünftiger 4 B. Franklins lung dcS Lebens nicht statt; wir'müßen uns daher an das halten, was ihr am nächsten kömmt — an die Erinnerung aller Umstände deßelben, und um dies ftm Andenken mehr Dauer zu geben, sie dem Papier anvertrauen. Diese Beschäftigung befriedigt zugleich den einem alten Manne so natürlichen Hang, von sich selbst und von dem, was es gcthan, zu sprechen, und ich kann mich ihm ganz überlassen, ohne Furcht, denen lästig zu werden, die aus Achtung für meine Jahre sich genölhigt glauben könnten, mir zuzuhören: nichts kann sie wider ihren Witten zwingen, mich zu lesen« Ends lich ger, auch ein denkender Marin, und seiner MexmunZ Lind in diesem Punkt mehrere rerstündige Personen« Woher diese Verschiedenheit? Franklin, und diu meisten derer, die mit ihm stimmen, führten ein thatigcs, handelndes Leben, und dieses feßell ungleich mehr an Well und Menschen, macht sie therr- rer und wichtiger in unfern Augen, als ein dlos, oder doch grbßtenthcils spceulatives Leben. Der Zhätige Mann ist gewöhnlich nur auf eine kurze vor, übergehende Periode unzufrieden, wenn die Welt eben nicht thul, was er will: der sxccul-uive Ävxf ist fast nie mit ihr zufrieden, denn fast nie- mahIS td»t ivie Welt, was sie, seiner Mepnung nach, thmi sollte. ö, Ue. 5 e b e n. 5 lich --- am klügsten, ich gestehe es selbst, da doch niemand meinem Läugncn glauben würde — dürste vielleicht auch meine Eitelkeit ein wenig ihre Rechnung dabcy finden. Wirklich find mir nur selten, so- kohl in Büchern, als in der Unterhaltung die Einleitungsworte z ich darf wohl ohne Eitelkeit sagen u- f. w. vorgekommen, ohne daß unmittelbar darauf irgend ein Zug von unverkennbarer Eitelkeit gefolgt wäre. Die meisten Menschen Haffen die Eitclkeitanans dern, so reichlich sie auch selbst damit versehen sind. Ich meines Theils laße ihr allenthalben Gnade wicdcrfahrcn, und bin überzeugt, daß sie sowohl dem Menschen, den sie beherrscht, als uns andern, die wir in feinem Wirkungskreis gerathcn, mehr sortheilhaft, als schädlich ist. In vielen Fällen wäre es daher auch gar nicht widersinnig, wenn Jemand seine Eitelkeit unter die übrigen Annehmlichkeiten des Lebens rechnete, und der Vorsicht für dieses Geschenk dankte. Hier ist der rechte Ort, in aller Denmty zu bekennen, daß ich mein ganzes bis jetzt genossenes A Z Glück C V. Franklin« Glück einzig dieser göttlichen Vorsicht zu danken habe. Sie allein gab mir die Mittel, die ich anwendete, und lies sie gedeihen. Mein Glaube an sie ist so fest, daß ich, wenn gleich nichts diese Hoffnung verbürgt, dennoch hoffe, die göttliche Güte werde mir auch künftig ihren Seegen nicht entziehen, und entweder die Dauer meines Glücks bis an mein Lebensziel verlängern, oder doch mir Kraft verleihen, eine traurige Wendung des Schicks sahls zu ertragen, die, wie so manchen andern auch mich treffen kann. Mein künftiges bvos ist nur dem bekannt, der unsere Tage in seiner Hand halt, und der oft selbst unsre Leiden zu unserm wahs reu Besten lenkt- Einer meiner Oheime, der eben so fleißig als ich Familien-Anekdoten nachspürte, theilte mir Papiere mit, aus denen ich verschiedene besondere Nachrichten von unfern Vorfahren gezogen habe. Ich ersah daraus, daß sie wenigstens drcy volle Jahrhunderte hindurch an Einem Orte, nehmlich zu Eaton, in Northamptonshiere, auf einem Frey- gut von vhngefahr dreißig Morgen gelebt haben. Wie lange sie vor diesem Zeitraum hier zugebracht/ hatte Zeven. 7 hatte mein Oheim nicht erfahren können. Viel- leicht geht dieß in die Epoche zurück, wo sie, nach dem Beyspiel aller übrigen Einwohner des Reichs, sich einen erblichen Nahmen zulegten, und das Wort Franklin, das vorher zur Bezeichnung einer eignen Vvlköklasse diente, zu ihrem Familien? Nahmen wählten. *) Dieses kleine Eigenthum Ware ohne das Schmiedchandwerk, das bis auf seine Zeit in der Familie forterbte, zu ihrem Unterhalt nicht hinreichend gewesen. So aber ward immer der alte? sie Sohn zu diesem Gewerbe erzogen, und auch mein Vater und Oheim blieben, in Rücksicht ihs per ältesten Söhne bcy dieser Gewohnheit. Die Nachforschungen, die ich zu Eaton ans stellte, verschafften mir die genauen Angaben der A 4 Et- *) Zum Beweis, baß Franklin ehedem der ge- «v'hlilicbe Nähme eines ganzen Standes oder einer Klasie von Staatsbürgern war, kann folgende Stelle «en Fvrtescue in seinem Werke äs Unäidn, le^nn» z B» F r a n k l i n s Geburten, Hochzeiten und Todesfalls nur b-6 zum Jahre '555. indem das Kirchenbuch dieses Sprcngeis nicht weiter hinaufgeht. Ich erfuhr aus diesem Register, daß ich, nun seit fünf Generationen, der jüngste Sohn eines jüngsten Sohs ms wäre. Mein Grosvater Thomas, der 1598 gebohren war, lebte zu Eaton, bis er zu alt ward, seine Profeßion forzusetzen, und zog sodann nach Banbury in Oxfordshire zu seinen Sohn Johann, einen I-Zurn Xnßliz« dienen, des er im Jahr 1412 schrieb: ..KsZio ctism Iiis ita iespciss iekerr-uzue sili ^>olseUc>iilzus toiisrum er s»ic>iuiii, c^uail in cs, villuls lsm ^arva in^siiii nou ^>oteiir, i» c>lle/lionil»is» uec lion iilzeie tcneii. res et »Iii vslecti ^Iniiml, suis ziatiiinaniis sulü- vientes acl sseiericlum juislsm, in kcumil ^vseno- rsts. Auch Ehaucer nennt seinen Dorfjunker einen Franklin. Dliis ivoitli',' ?z,^?ixrirk dors s ^uirks r>s slllc. Dix'cl ro Iiis ^ii.cr seines Freunde, die ihm versicherten, ich würde gewist dereinst «in Gelehrter werden, bestärkten ihn m diesem Plane. Mem Oheim Benjamin billigte ihn gleichfalls, und versprach mir alle seine Pre. digten zu geben, d,e er mit den erwähnten, vo»z ihm erfundenen Abkürzungen geschrieben hatte, wenn ich mir Sie Mühe geben wslle, sie zn lere» nen» Mein, ich blieb kaum ein Jahr ln der latemk schen Schule, ob ich schon in dieser kurzen Zeit, aus der Mitte der Classe, aus den obersten Platze von da in die nächste Classe hinaufgerückc war, und am Ende des Jahres wieder in eine höhere kvms wen sollte. Mein Vater, den di.e Sorge für eins zahlreiche Familie drückte, fand, daß es ihm nicht möglich sey, ohne sich in Verlegenheit zu setzen, Franklins kleine Bchrifrem B djx lZ B. Franklins die Kosten einer öffentlichen gelehrten Erziehung zu bestreiten. Dazukam die Betrachtung, wie ich ihn zu seinen Freunden sagen hörte, daß Leute ohne Vermögen und Familie, wenn sie zu den Wissens schaftcn erzogen würden, meistens nur einen sehr karglichen Unterhalt fanden: er änderte also seine erste Absicht mit mir, nahm mich aus der lateinischen Schule, und that mich zu einen gewißen Georg Brownwell, einen geschickten Lehrer, um schreibe;; und rechnen zu lernen. Dieser Mann trieb sein Geschäft mit gutem Erfolg, ins dem er lauter sanfte und nur solche Mittel anwendete, die seinen Zöglingen Muth machten. In kurzem lernte ich auch unter seiner Anweisung eine schöne Hand schreiben; nur mit dem Rechnen wollte es nicht fort, und ich blieb darum ein Stümper.! In meinem zehnten Jahre nahm mich mein Vater wieder zu sich, um ihn bey seiner Profeßion an die Hand zu gehen. Diese bestand in Lichtziehcn und Scifensiedcn. Er hatte eigentlich nicht darauf gelernt, mußte sie aber bey seiner Ankunft m Neucngland auö Noch ergreifen, weil er fand, daß ftin Leben. tA sein Handwerk, die Färberey, hier zu wenig gebraucht werde, seiner Familie den nölhlgen Un§ tcrhalt zu verschaffen. Meine Geschäfte bestanden nun darin»/ Dochte zu schneiden, die Formen zu füllen, den Laden zu hülhen und kieme Wege zu machen. Diese Lebensart war mir zuwider, desto grösser hingegen meine Neigung, ein Seefahrer zu werden ; allein mein Vater erklarte sich geradezu gegen dieses Projekt. Die Nähe des Wassers gab mir indeß Gelegenheit, mich oft darauf und hinein zu wagen. Ich lernte frühzeitig schwimmen und ein Fahrzeug regieren. Hatte ich mich mit ander» Kin? den, eingeschifft, so vertraute man mir g wohn? sich, zumahl in bedenklichen Fallen, das Steuert rüder an Auch bcy Unternehmungen anderer Art siand ich fast immer an der Spitze meiner Spielt cameraden, die ich bisweilen in nicht geringe Vert legenheit brachte. Ich will Dir ein Beyspiel erzählen, das meinen frühzeitigen Hang zu öffentlit chcn Unternehmungen beweißt, od ich mich gleich dicßmahl nicht von der Gerechtigkeit leiten ließ. B s Unser 2L B. Franklins Unser Müblteich verlohr sich von der einen Seite in einen Sumpf/ an dessen Rande wir, wenn das Wasser hoch stand/ nach kleinen Fischen angels ten. Wir hatten so viel darinn herumgcwadet, daß eine wahre Kothlache entstanden war. Ich that den Ddrschlag/ hier einen Damm aufzuführen/ auf den wir trocknen Fußes stehen könnten / und zeigte weinen Spielgcselien einen großen Haufen Steine, die nah bcy dem Sumpfe lagen und zu einem neuen Hause bestimmt, zur Ausführung unsers Plans «der eben so dienlich waren. Eines Abends also, Nachdem die Arbeiter sich entfernt hatten, bersam. Welte ich eine Anzahl meiner Bekannten, und wir gicngen wie die Ameisen mit der größten Emsigkeit Zu Werke. Zwey und drey trugen oft an Einen Stein; so höhlten wir sie samt »nd sonders, und brachten unfern kleinen Damm zu Stande. Den Nächsten Morgen waren die Arbeiter sehr verwundert, ihre Steine nicht mehr zu finden, die in unfern Kay gewandert waren. Man forschte Nach den Urhebern dieser Versetzung; wir wurden entdeckt und verklagt, mehrere von uns erhielten derbe Züchtigungen von ihren Eltern, und so sehr ich mich auch bemühte, den Nutzendes Werks ins Licht 5 e b e ». J.Licht zu setzen, so überzeugte mich doch mciu Va? ter am Ende, daß nichts wahrhaft nützlich scyi; könne, was unrecht ist. Hoffentlich wird es Dir nicht uninteressant seyn zu erfahren, was für eine Art von Mann mein Vater war. Er hatte eine treffliche Constitution, war von mittlerer Größe, aber wohlge? staltet, sehr stark und geschickt in allem, was er vornahm- Er zeichnete artig, verstand ein wenig Musik, hatte eine sonore und angenehme Stimme, so daß es ein wahres Vergnügen war, ihm zuzuhören, wenn er, was bisweilen des Abends nach geendigtcr Arbeit geschah, ein geistliches Lied sang und sich dabey selbst mit der Violine accom? xagnirte. Auch in der Mechanik war er kein Fremd? üng, und wußte im Nvthfall auch mit dem Werk? zeug anderer Professionen umzugehen. Sein gross? ter Vorzug aber war ein Heller Verstand und eins richtig: Bcurtheilungskraft in allem, was zur Klugheit und Vorsicht sowohl in öffentlichen Geschäfte!? als im gemeinen und häuslichen Leben gehörte. Zwar wurde er, die Wahrheit zu gestehen, nie? .mahls zu den erstem gebraucht, weil die zahlreiche B Z Fami? 22 B. Franklins Familie, die er zu ernähren hatte, und seine geringen Vermögensumstände ihn unablaßig an sein Gewerbe fcßeltcn; allein ich besinne mich sehr wohl, daß die Vorsteher ihn oft besuchten, seinen guten Rath über die Angelegenheiten der Stadt »der des Kirchsprengcls, zu dem er gehörte, zu vernehmen, und daß sie viel Werth auf sein Ur- thcil und seine Porschläge legten. Auch Privatpersonen wendeten sich oft bcy schwierigen Fällen in ihren Geschäften an ihn, und nicht selten ward er von den streitenden Parthcyen zum Schiedst Züchter gewählt.. Gern hatte er, so oft es ihm möglich war, ein paar gute Freunde oder verständige Nachbarn bcy sich zu Tische, mit denen er sich unterhalten konnte, und er wußte es immer so einzurichten, daß nützliche oder ergötzende Gegenstände des Gesprächs, die zur Bildung des Verstandes seiner Kinder beyrragen konnten, auf das Tapet kamen. Durch dieses Mittel lenkte er unsre Aufmerksamkeit auf das, was im Gang und m der Einrichtung des menschlichen Lebens gut und recht, klug und nützlich ist. Ricmahls war die Rede von den Leben. den' Gerichten, die aufgetragen wurden; man untersuchte nicht, ob sie gut oder schlecht zubereitet, in oder ausser der Jahreszeit, wohl oder üb-l. schmeckend, bcßer oder geringer wären, als die oder jene Sache von derselben Art. So ward ich von meiner Jugend an zur größten Gleichgültig, seit gegen diese Dinge gewöhnt; so bin ich auch in der Folge nie der mindesten Aufmerksamkeit in diesem Stücke fähig gewesen, und habe selbst jetzt noch so wenig Acht darauf, daß es mir oft sehr schwer werden würde, auch nur wenige Stunden nach einer Mahlzeit anzugeben, aus was für Ge» richten sie bestanden habe. Die Vortheile dieser Gewöhnung habe ich vorzüglich auf Reisen erfahren; wo ich mich oft mit Personen zusammen fand, die einen feincrn Geschmack besaßen, weil sie ihn mehr geübt hatten, und die in vielen Fallen großes Leid erduldeten, wo mir nicht einmah! der Wunsch nach etwas Bessern kam. Auch meine Mutter genoß der dauerhaftesten Gesundheit. Sie hatte alle ihre zehn Kinder ge« stillt, und ich erinnere mich an ihr so wenig, als «n meinem Vater, «ine andere Krankheit, als B 4 dieses 24 B. Franklins diejenige gesehen zu haben, an der sie (mein Vater im ^7. und meine Mutter im bs. Jahre) starben. Sie sind neben einander in Boston begraben, wo ich vor einigen Iahren auf ihr Grab einen Mar? Mvr mit dieser Inschrift setzen lies: Hier ruhen IosiaS Franklin und ftiue Gattinn Abi ah sie lebten zusammen in Liebe neun und fünfzig Jahre, ernährten ohne liegende Grunde, ohne ein einträgliches Gewerbe, durch anhaltende Arbeit, ehrlich und redlich und anständig, nnter dem Segen des Himmels, eine zahlreiche Familie LNd erzogen mit glücklichem Erfolg drcyzehn Kinder und sieben Enkel, Dieses Beysxiel, 0 Wanderer, ermuntere dich treu zu erfüllen die Wichten deines Berufs, und auf den Beystand der göttlichen Vorsehung zu rechnen; E r war klug und fromm, Sie hefchechen und tugendhaft: ihr j'ngster Sohn erfüllt seine kindliche Pflicht, indem er diesen Stein chrem Andenken widmet» Ich bemerke an meinen langen Digrcßionen, daß ich alt werde. Sonst schrieb ich mit mehr Orbs Ordnung mid Methode. Doch man schmückt sich zu einer Gesellschaft guter Freunde nicht so wie zu einem Hofball. Jener Fehler entspringt also vielleicht nur aus Nachlaßigkeit» Um also wieber einzulenken, ss blieb ich zwei) Jahre lang, das heißt, bis in mein zwölftesJahc, bey dem Handwerk meines Baters. Da um diese Zeit mein Bruder Johann, der dieselbe Pro» scßion erlernt hatte, meinen Vater verließ, hcu° rathete, und sich in Rhode Island auf seine eigne Hand niederstes, so war ich allem Anschein nach bestimmt, seine Stelle zu ersetzen, und für mein ganzes beben ein Lichtgicsser zu bleiben. Mein Widerwille gegen diese Beschäftigung war indeß noch der alte und erweckte dcy meinem Vater die Bcsorgniß, ich möchte, wenn er mir nicht bald eine angenehmere Arbeit verschaffet, ihm entwft sehen nnd zur See gehen, wie mein Bruder Iosias zu seinem große» Verbuche bereits gc? than hatte. Er führte mich deshalb bisweilen an Orte, wo Maurer, Tischler, Böttcher, Kupferschmiede u. d. gl. arbeiteten, um meine Jftft gunz zu erforschen und zu versuchen, ob »ch viel» V 5 leicht 26 B. Franklins leicht Lust zu einem Gewerbe bekäme, das mich auf dem festen Lande zurückhielte. Seitdem hat es mir immer Vergnügen gemacht, gute Arbeiter ihr Werkzeug führen zu sehen, und es war nur sehr nützlich, auf diese Weise wenigstens so viel gelernt zu haben, daß ich im Stande war, in meinem Hause manche Kleinigkeit selbst zu verfertigen, wenn ich keinen Handwerker in der Nähe hatte, und kleine M ich nm zum Behuf meiner Versuche in de>n Augenblick zusammenzusetzen, wo der Gedanke, den ich verfolgte, noch neu und meinem Geiste lebhaft eingeprägt war. Endlich entschloß sich mein Vater, einen Meßerschmied aus mir zu machen. Er gab mich für ein paar Tage bey Samuel, den Sohn meines Ohenn Benjamin, der dieß Handwerk in London gelernt, vhnlängst nach Boston zurückgekommen war und sich hauslich niedergelassen hatte, auf die Probe. Dieser forderte aber ein so beträchtliches Lehrgeio für mich, daß mein Vater ungehalten ward, und mich schon den folgenden Tag wieder zu sich nahm. Von Leben. 27 Von meiner frühesten Jugend an war ich ein leidenschaftlicher Liebhaber vom Lesen, und alle das bischen Geld, das ich in die Hände bekam, wendete ich auf Bucher. Vor allen fand ich Ge- schmack an Reiscbeschreibungcn; mein erster Aw kauf war Bunyan's Sammlung, und zwar in kleinen einzelnen Bänden. In der Folge veräußerte ich sie wieder, um mir eine historische Sammlung von R. Burton dafür anzuschaffen. Diese bestand aus kleinen, wohlfeilen Bändchen, die sich zusammen gegen vierzig oder fünfzig belaufen mochten. Die kleine Bibliothek meines Vaters bestand größcenlheils aus theologischen Büchern, polemischen und Ervauungsschnfren. Ich las den größten Theil davon, doch habe ich in der Folge oft bedauert, daß mir zu einer Zeit, wo ich «inen solchen Hcishunger nach Belehrung hatte, nicht zweckmäßigere Bücher in die Hände falle» mußten, weil es doch nun einmahl entschieden war, daß ich kein Geistlicher werden sollte. Indcß befanden sich unter ihnen auch Plutarchs Lebensbeschreibungen, in denen ich fleißig las, und noch -.8 B. Frankline v>->ch jetzt betrachte ich die Zeit, die ich darauf verwandte, als sehr wohl angelegt. Ferner fand ich hier ftn Werf von de Foe yntcr dem Titel: Versuch Über die Projekte, aus denen ich vielleicht Ideen schöpfte, dre in der Folge auf einige der wichtigsten Begebenheiten mxtyeL Lebens Einfluß hattest. Meine Neigung zu den Büchern bewog endlich weinen Vater, einen Buchdrucker aus mir zu machen , od er gleich schon einen seiner Söhne diese? Jurist gewidmet hatte. Mein Bruder Jacob war 1717. mit einer Preßs und Schriften aus England zurückgekommen, ym in Boston eine Druckexcy ans zulegen- Diese Bestimmung war allerdings weit mehr nach meinem Geschmack, als die Profeßch» meines Vaters: doch hatte ich immer noch große Vorliebe für das Sceleben. Der Wirkung dieses Hanges, der sich so bestimmt äußerte, zuvorzukommen , wünschte mein Vater mich je eher je lieber bey meinem Bruder aufgcdungcn zu sehn. Ich sträubte mich eine Weile, endlich ließ ich mich bereden, und unterzeichnete meinen Lchrcontrakt, in Der Verfasser vcS berühmten Robinson Crusoe. 5 e b e !?. 29 in einem Alter von nicht mehr als zwölf Jahren. Es war ausgemacht werden, daß ich vis in das «in und zwanzigste Jahr als Lehrjm.ge stehen, und erst im letzten Jahre die gewöhnliche Bezahlung als Geselle erhalten sollte. In kurzer Zeit macht? ich große Fortschritte in dieser Kunst, und ward ein nützlicher Eehülfe für meinen Bruder. Ich kam nunmehr auch in den Stand, mir bessere Bücher zu verschaffen. Die Bekanntschaft, die ich mit Lehrburschcn von Buchhändlern machte, half mir dazu, daß ich bisweilen einige Bücher von ihnen geliehen erhielt, und ich machte nürs zum Gesetz, sie bald und unbeschädigt zurückzugeben. VZw häufig brachte ich nicht den größten Thc>l der Nacht mit Lesen auf meiner Kammer zu, wenn ich des Abends ein Buch unter der Bedingung erhalten hatte,, es den nach, sieu Morgen zurückzugeben, weil man fürchtete, es möchte verlangt oder doch bemerkt werden^ daß es fehle. Einige Zeit darauf ward em Kaufmann, Nah» mens Matthiew Adams, cm helle? Kopf, de« eine artige Büchcrsammwng besaß, aufmersam ans 2o B. Franklins auf mich - er erlaubte mir, seine Bibliothek zu besehen uns war so gefällig, mir alle Bücher, die ich davon zu lesen wünschte, zu leihen. Ich fieng nun an, ein großer Verehrer der Poesie zu werden, und was dann gemeinigl ch nicht weit entfernt ist, ich fing selbst an, einige kleine Gedichte zu verfertige». Mein Bruder hoffrc vielleicht, dabey seine Rechnung zu finden. Er munterte mich auf, und veraniaßtc mich, zwcy Balladen zu dichten. 5>ie eine unter dem Titel: die Tragödie vom e-euchtlhurm, enthielt die Schilderung von dem Schiffbrucheines gewißen Capltain Worthi- lake und seiner bcyden Töchter: die zweyte war ein Gesang eines Matrosen über die Wegnahme des berüchtigten Kapers Teach oder Black-bcard (Schwarzbart). Die Verse waren in Rücksicht auf den Styl erbärmlich, wahre Bau- kclsanger-Poesie» Sobald sie gedruckt waren, mußte ich sie zum Verkauf in der Stadt herum tragen. Die erste ward reißend gekauft, weil der Vorfall noch im frischen Andenken lag und großes Aufsehen gemacht hatte. Die? Leben. z; Dieser glückliche Erfolg schmeichelte meiner Eitelkeit nicht wenig, mein Vater aber dampfte diesen Mulh bald wieder, indem er meine Geisteserstlinge lächerlich machte, und mir versicherte, mit dem Vcrsemachen sey immer Armuth verbunden. Auf diese Weise entgieng ich dem Unglück, ein - wahr- scheinlich sehr schlechter —Dichter zu werden. Die Fertigkeit hingegen im Prosa zu schreiben, ist mir mein ganzes Leben hindurch ungemein nützlich gewesen und hat vorzüglich zu meiner Beförderung beygcrragcn; und deshalb will ich Dir erzählen, durch was für Mittel ich mir in meiner Lage die wenige Geschick! chkeit, die ich in diesem Stück besitzen mag, erworben habe. Es befand sich in der Stadt noch ein anderer junger Bursche, gleichfalls ein großer Licbh wer von Büchern, Nahmens Johann Coli ins, mit dem ich auf dem vertrautesten Fuß stand. Wir disputirtcn oft zusammen, waren beyde große Freunde von logischen Kiopffechtereyen, und kannten keine größere Secligkeit, als emanbcr wechselseitig m den Sack zu stecken. Dieser Geschmack an, Disputiren kann, im Vorbeygchn zu erinnern, zu einer schr Zz B- Fr a nk ü i n s sthr boftn Gewohnheit werden, die im gesellschaftlichen Umgang oft unerträglich macht, weil sie sich nicht anders) als durch Widerspruch äussern kann. Auch ungerechnet die Hitze und das Tumuls tnarische, das sie in die Unterhaltung bringt) erzeugt sie Kaltsinn, ja Wehl gar Haß und Erbitterung zwischen Personen, deren Freundschaft einander just am nöthigsten ist. Ich hakte sie mir durch das Lesen der Bücher meines Vaters über Rcligionssircitigkcitcn zugezogen. In der Folge habe ich bemerkt, daß Leute von Verstand selten in diesen Fehl r verfallen, jedoch mit Ausnahme der Mcchtsgckhrten) der Profcßvrcn und Magister auf Universitäten, und der Personen aller Art, die jn Edinburgh erzogen worden; EincS Tages erhob sich, ich weiß nicht wie, zwischen Lollins und mir ein Streit über die Erziehung der Weiber; ob es nchmiich wohlgethan sey oder nicht, sie zu den Wissenschaften anzuführen, und ob sie sich zum Srndiren schickten? Er verneinte die Frage und behauptete, diese Laufbahn gehe über ihre Kräfte. Ich vertheidigte, vielleicht ein wenig ans Streitsucht, den entgegen« Lebe n. ZZ Ltnffehenden Satz. Collins war von Natur bes vedler, als ich; die Worte ströhmten ihm in Fülle zu, und bisweilen ward ich, wie mir dünkte, mehr durch die Schnelligkeit seiner Zunge, als die Starke seiner Gründe, in die Enge getrieben. Wir schieden von einander, ohne uns über diesen Punkt vereinigt zu haben, und da wir uns in nichrern Tagen nicht wieder sehen konnten, so brachte ich meine Gründe zu Papier, machte von dem Aussatz eine Abschrift und schickte sie ihin zu. Er antwortete und ich replicirte, und so hatte jeder von uns zwey oder drey Briefe geschrieben alS mein Vater zufallig unter meine Papiere gerieth, und sie las. Ohne sich über den Gegenstand des Streites auszul ssen, nahm er daher Veranl ißung, mit mir über meine Schreibart zu sprechen. Er bemerkte, daß ich, in Rücksicht auk Rechtschress bung und Intcrpunctlon, Dinge, die ich meinem Metier verdanke, es meinem Gegner zuvorthue, dagegen aber in allem, was Schönheit des Aus' drucks, Methode und Klarheit betreffe, weit unter ihm bliebe. Er überzeugte mich hiervon durch mehrere Beyspicle. Ich erkannte die Richtigkeit seiner Bemerkungen, ward von nun auf aufmerk, Franklins kleine Sehr,freu. C sa« Z4 B. Franklins famcr auf die Sprache, und beschloß, alle Mühe anzuwenden, meinen Styl zu verbessern. Unter diesen Vorsätzen fiel mir ein einzelnes Band vom Zuschauer, es war der dritte, in die Hände. Noch hatte ich nie etwas von diesem Werke gesehen: ich kaufte ihn, las ihn und las ihn wieder. Er entzückte mich; ich fand die Schreibart vortrefiich, und wünschte nun nichts mehr, als daß es mir gelingen möchte, sie nachzuahmen. Zu diesem Zweck nahm ich einige Aufsatze daraus, machte kurze Auszüge von dem Inhalt jedes Pe- rioden, und legte M auf einige Tage bcy Seite. Hierauf versuchte ich, ohne das Buch zu offen, die Aufsätze wieder im Ganzen herzustellen, und jee den Gedanken so vollständig auszudrücken, als er im Buche stand, wovcy ich die angemcßensten Wörter wählte, die mir einfielen. Ich verglich hj,?, auf meine Arbeit mit dem Zuschauer, erkannte einige von meinen Fehlern und vcrbeßerte sie; ich fand aber bald, daß es mir, wenn ich so sagen soll, an einem Vorrath von Wörtern und an der Leichtigkeit fehlte, mich ihrer zu erinnern und sie anzuwenden; diese aber würde ich, wie mich dünkt. Leben. dünkt, weit früher erlangt haben, wenn ich fortge, fahren hatte, Verse zu machen. Das bestandige Bedürfniß, Wörter von ahnlicher Bedeutung, aber von verschiedener Länge für das Sylbenmaas, und von verschiedenen Tönen für den Reim, hatten mich unaufhörlich genöthigt, die mancherley Synonymen aufzusuchen. Ich hatte sie mir ins Gedächtnis! geprägt und mich ihrer Meister gemacht. Deshalb nahm ich einige Geschichten aus dem Zuschauer, und brachte sie in Verse Nach Ve/iauf einer gewißen Zeit, wenn ich das Original völlig vergehen hatte, schmolz ich n.eme Verse wieder in Prosa um. Bisweilen mischte ich auch alle meine Auszüge unter einander und versuchte erst nach einig, n Wochen, sie in die beste Ordnung zu bringen, ehe ich anficng, die Perioden selbst auszubilden und den Vortrag zu vollenden Dieses rhat ich um die Gedanken methodisch ordnen zu lernen. Wenn ich hierauf weine Arbeit mit der Urschrift verglich, so entdeckte ich manchen Fehler und vcrbeßerte ihn. Bisweilen genoß ich sogar das Vergnügen, mir cinzuvtidcn, daß ich in manchen Um« C. 2 stän. ZE B. Franklins ständen von geringer Bedeutung, so glücklich ges Wesen wäre, die Methode oder den Ausdruck der Vollkommenheit naher gebracht zu haben. Dicß machte mir Muth und siößte mir die stolze Hof- nung ein, es dürfte mir vielleicht mit der Zeit gelingen, erträglich englisch schreiben zu lernen». Einer von den großen Gegenständen meines Ehrgeizes ! Die Zeit, die ich auf diese Ucbungen und meine Lectürc verwenden konnte, war der Abend nach der Arbeit des Tages, der Morgen, che ich^ an sie gieng, oder die Sonntage, wenn ich einen Vvrwand finden konnte, allein in der Druckcrcy zu bleiben, und hinter der Kirche wegzugehn. Mein Vater hatte mich, solange ich bei) ihm wohnte, zur regelmäßigen Besuchung des Gottesdienstes angehalten; auch jetzt betrachtete ich sie als eine Pflicht, aber als eine solche, zu deren Erfüllung ich, wie mir schien, nicht mehr Zeit habe. Ich war ohngefahr sechszchn Jahr, als ich «ine Schrift von Tr yon las, in der er vegetabilische Diät empfiehlt- Ich beschloß, sie zu be- vbach- Leben. 5? sbachten. Mein Bruder, der ledig war, hatte keine Wirtschaft, sondern speißte mit seinen Urbeitern außer dem Hause. Meine Weigerung, Fleisch zu essen, wurde unscrm Wirth lästig, und ich bekam öfters Vorwürfe über meinen wunder!!)! chen Eigensinn. Ich erkundigte mich/ wie Tryon einige von seinen Gerichten zurichte, ich lernte nach seiner Anweisung Reis und Erdapfel kochen, einen geschwinden Pudding machen u. s. w. und sagte dann zu meinem Bruder, ich fty Willens mich selbst zu beköstigen, wenn cr mir die Halste von dem geben wollte, was ihn die Woche über der Tisch für mich koste. Er nahm diesen Vor» schlag gleich an, und ich fand, daß ich noch die Halste von dem, was ich bekam, ersparen könne. Dieß war eine neue Quelle für den Bücherankauf, und auch außerdem fand ich noch in manchem Betracht meinen Vortheil dabey. Wenn mein Bruder und seine Leute die Druckerey verließen und zu Tische giengen, so blieb ich darinn, und war bald mit meiner kleinen Mahlzeit fertig, die oft blos aus einem Zwieback oder einem Schnitt Vrod mit einer Hand voll Rosinen, einem Stück Kuchen von dem Becke? und einem Glase Waßer bestand. Die C 5 übrige 33 B. Franklins übrige Zeit, bis sie zurückkamen, hatte ich zum Srudiren ftey, und meine Fortschritte standen im Vcrhaltniß mit der Klarheit der Ideen und der schnellen Fassungskraft, die immer die Frucht der Mäßigkeit im Essen und Trinken sind. Ein Zufall, der mir um diese Zeit über meine llnwißenheit «in Rechnen Schamröthe abjagte, ver- anlaßte mich Cocker'sAnweisungzur Arith, methlk in die Hand zu nehmen, und nun lernte ich allein mit der größten Leichtigkeit eine Kunst, an der meine Anstrengung in der Schule immer gescheitert war. Auch las ich ein Buch von Geller und Sturmy über die Schiffahrtskunde, und lernte bey dieser Gelegenheit das bischen Geometrie, das darinn vorkömmt; doch brachte ich es nicht weit in dieser Wissenschaft. Ohngcfahr in demselben Zeitraum lgs ich auch Locke's Versuch über den menschlichen Verstand und die Kunst zu denken von den Herren von Port-Royal. Wahrend ich so an der Bildung und Verbesserung meines StylS arbeitete, stieß ich aus eine eng? Leben. englische Sprachlehre. Irre ich nicht, so war es die von Grecnwood, der zwey kleine Versuche über die Rhetorik und Logik angehängt sind- Im letztern fand ich ein Muster einer Disputation in der Svkratischen Manier. Bald darauf verschaffte ich mir auch Zenophons Denkwürdigkeiten des Svkrates, worinn er viele Bcyspicls von derselben Methode gibt. Sic entzückte mich, ich nahm sie an, entsagte dem hastigen Wider, spruch, dem dirccten und entscheidenden Argumen, liren, und wählte die Rolle des bescheidenen Fra, gers. Die Lectüre von Shaftsbury und Co l- lins machte mich zum Skeptiker, was ich ohne, hin in manchen Lehren des Christenthums war; auch lehrte mir bald die Erfahrung, daß die So, kratische Methode die sicherste für mich selbst und zugleich die verdrießlichste für diejenigen war, ge, gen die ich mich derselben bediente. Sie machte wir bald ausnehmendes Vergnügen, ich wendete sie beständig an, und lernte bald mit vieler Geschick, lichtest und Schlauheit, selbst Personen, die mir weit an Keuntnißen überlegen waren, dahin brm, gen, daß sie mir Sätze einräumten, deren Folgen sie nicht ahndeten. Auf diese Weise verwickelte ich C 4 sie 4« B. Franklins sie in Schwierigkeiten, aus denen sie sich nicht befreyen konnten, und ich trug Siege davon, die ich bisweilen, weder meiner Sache noch incincv Gründe wegen verdiente. Mehrere Jahre über blieb ich dieser Methode treu, nach und nach aber verlies ich sie wieder, und behielt nur die Gewohnheit davon, mich mit bescheidener Vorsicht auszudrücken, und so oft ich etwas behauptete, das bestritten werden konnte, uiemahls die Worte sicherlich, ungezwcft felt u. s. w. oder ein ahnliches zu brauchen, die das Anschn von hartnackiger Anhänglichkeit an irgend eine Mennung geben. Ich sagte vielmehr: mich dünkt, ich glaube, dieß oder das verhalt sich so oder so — mir scheint, ich würde aus dem und jenen Grunde dieß oder das behaupten oder: wenn ich nicht irre,' so verhalt sich das so u. s. w. Diese Gewohnheit ist mir tvahrscheins lich oft von großem Nutzen gewesen, wenn ich meine Meinung andern annehmlich zu machen und sie zu bereden suchte, die MaaSregcln zubilligen, die ich in verschiedenen Fällen, als die zuträglichsten, Leben. ficn, vorschlagen zu mäße» glaubte. Die Haupte zwecke der Unterhaltung sind belehren oder be- lehrt werden, gefallen oder überreden, und so wünschte ich wohl, daß aufgeklärte und wohlgesinnte Männer, ihre Macht Gutes zu stiften nicht selbst durch eine entscheidende und absprechende Art sich auszudrücken schwächen möchten. Diese stößt meistens die Zuhörer zurück, ist nur geschickt, Widerspruch zu erwecken und vernichtet alle Zwecke, für welche unS die Gabe der Rede verliehen ward. Wirklich lehrt auch die Erfahrung, daß derjenige, der andere belehren soll, wohlihut, seine Meinung nicht m einem entscheidenden und dsci- renden Tone vorzutragen, wenn er anders Widerspruch vermeiden und sich ein aufmerksames Gehör verschaffen will. Wer, vhncrachtct des Verlangens, belehrt zu werden, und die Einsichten anderer zu benutzen, sich gleichwohl so ausdrückt, daß er verrath, wie fest er an seiner augenblicklichen Ucberzeugung hangt, deßen Schuld ist es, wenn bescheidene und vernünftige Leute, die keine Liebhaber vom Streiken sind, ihn wahrscheinlich C 5 unge« 42 B» Franklins ungestört im Besitz seines Jrrthums laßen. Auch kann man bey einer ähnlichen Methode selten hoffen, seinen Zuhörern zu gefallen, sich ihr Wohlwollen zu erwerben, oder diejenigen zu überzeugen, deren Mitwirkung zn seinen Planen man wünscht. Pope bemerkt sehr sinnreich, man niüße die Mcnschen belehren, als wolle man sie nicht belehren, und neue Sa. chcn als bivs vcrgeßene vortragen. In demselben Gedichte empfiehlt er die Miene des Zweifels, auch wenn man seiner Sache noch so gewiß sey, *) H-cr hatte er meiner Mcmung nach einen andern Vers anschlich- scn sollen, der an einer andern Stelle weniger schicklich angebracht ist: Mangel an Bescheidenheit ist Mangel an Verstand. Wenn du fragst, warum ich sage weniger schicklich, so muß ich beyde Vcrse zusammen Hersetzen: *) rnuk de ?vii.U leeiuii,^ äilstcieüee. Leben. HZ Der Nndescheidene hat nichts, n?aS ihn entschuldigt, denn Mangel an Bescheidenheit ist Mangel an Verstand. slrnrnostost vvorsts astuiit o/ no Ic>r wünr ot nioä^tlv i» w-iin ot tei>5«z.) Wie? Mangel an Verstand, wenn ein Mensch so unglücklich ist, in diesem Fast zu seyn, wäre nicht ein Art von Entschuldigung für den Mangel an Bescheidenheit? Und wäre der Gedanke nicht richtiger, wenn die Verse so hießen: Imrnoäeist woiäs achnir d», «/?/«,Hs. II,sc vv-iiit ok inoäest^ is wanr , in Neuyork edeir so viel, in Connecticut Z, in Virginicn 6, in Neu- hamxtshire 5, auf Rhode-Island und in Maryland 4, in Nordcarolina und Georgien ? u. s. w. In dem ganzen Staatenbunde werden ihrer gewiß über achtzig gedruckt, die sich jährlich vermehren, und theils täglich, theils die Woche zwey oder dreymahl erscheinen. Darunter sind die Journale, Magazine, Monatsschriften, und andere periodische Blatter nicht gerechnet. 46 B- Franklins Unter seinen Freunden waren einige' Manne? von Kopf, die zu ihrem Vergnügen kleine Aufsätze für die neue Zeitung schrieben. Dicß brachte sie in Aufnahme und vermehrte den Absatz. Diese Herren besuchten uns fleißig; ich hörte ihre Ge> spräche und war Zeuge der Zufriedenheit, mit der sie von dem Bcyfall sprachen, den ihre Arbeiten bcym Publikum fanden. Dieß machte mir Lust, auch einen Versuch zu wagen, da ich aber noch ein Kind war, so besorgte ich, mein Bruder möchte einen Aufsatz, von dem er wüßte, daß ich derVc» faßer sey, nichr in sein Blatt aufnehmen. Ich siel daher auf die List, meine Hand zu verstellen; ich verfertigte «inen anonymen Aufsatz und legte ihn am Abend vor die Thüre der Druckcrey. Den folgenden Morgen fand man ihn. Mein Bruder thcllte ihn seinen Freunden mit, als sie ihrer Gr, wohnhcit nach erschienen; sie lasen und gloßleten ihn vor meinen Ohren, und ich genoß der süßen Wollust, zu hören, daß er ihren Beyfall hatte, und daß sie bey allen verschiedenen Vcrmuthungen über den Vcrfaßer keinen nannten, der nicht als witziger Kopf oder als Gelehrter einen großen Nahmen im Laude halte. Jetzt frcylich glaub ich, daß Leben. 47 daß mir das Glück an diesen Männern sehr gnädige Richter zugeführt, und daß sie in dieser Eigenschaft Key weitem so untrüglich nicht waren, als ich damahls wähnte. Wie dem aber auch sey, genug, dieses kleine Abentheuer machte mir Much; ich verfertigte verschiedene andere Aussätze, die ,ch auf diese Weise unter die Preßt brachte, und die gleich günstig aufgenommen wurden. Ich beobachtete mein Gehcimniß so lange, bis mein kleiner Vorrats) von Kenmnißen und eignen Ideen so ziemlich erschöpft war: sodann gab ich mich zu erkennen. Von dieser Zeit ficng mein Truder an, mir etwas mehr Achtung zu erweisen, doch betrachtete er sich immer noch als Herrn, und mich als Lehr, barschen. Er glaubte von mir dieselben Dienste fordern zu können, wie von jedem andern. Ich hingegen war überzeugt, daß er in vielen Stücken zu weit gehe, und daß ich von einem Truder etwas mehr Nachsicht zu erwarten berechtigt sey. Unsere Streitigkeiten kamen oft vor unfern Vater, und mein Bruder mußte wohl in den meisten Fallen Unrecht haben, oder ich von uns Heyden de? beste 4Z B- Franklins beste Advokat styn, denn gcmciuiglich fiel die Entscheidung zu meinem Vorlhei! aus. Allein mein Bruder war cholerischen Temperaments rmd schritt sehr geschwind zu Thätlichkeitm, was ich dcutt sehr übel aufnahm. Ich verimtthete, daß diese harte und tyrannische Behandlung etwas beygetras gen haben mag, jenen Abscheu vor willkührlicher Gewalt, der mich mein ganzes Leben über nicht verlaßen hat, weiner Seele tief einzuprägen. Meine Lage ward mir so unerträglich, daß ich Tag und Nacht eine Gelegenheit crseufzte, meine Lehrzeit abzukürzen. Sie zeigte sich endlich auf eine ganz unerwartete Weise. Einer von den Aufsätzen, den wir in unser Blatt eingerückt hatten, und der, ich weiß nicht mehr welchen politischen Gegenstand betraf, beleidigte die Affembly. Mein Bruder ward in Ver- 5) Diese Versammlungen i'Assembly's) der rer- schiedenen Kolonien waren für dieselben geirisicr- maaficn, was die Parlamente für England und Irland sind. Die Kränkung ihrer Rechte, vorzüglich der Taxation, der Bestimmung und Erhebung der Ansingen, erregte den Bürgerkrieg, der sich mit der Unabhängigkeit der vereinigten Provinzen endigte. Leben. 49 VerHaft genommen, und erhielt, auf den Antrag des Sprechers, einen derben Verweis und eine EefangnWrafe von vier Wochen, weil er, wenn ich mich recht besinne, den Verfaßer des Aufsatzes nicht nennen wollte. Auch ich ward eingezogen und vor dem Conseil verhört; allein obgleich meine Außage nicht befriedigte, so begnügte man sich doch, mir eine Ermahnung zu geben, und mich wieder fortzuschicken, vermuchlich weil man glaubte, daß ich als Lehrling verbunden sey, die Geyeimniße meines Herrn zu bewahren. Die Gefangenschaft meines Bruders erbitterte mich ungemein, vhncrachket unserer besondern Streitigkeiten. So lang sie dauerte, lag die Be. sorgung der Zeitung auf mir, und ich war kühn genug, einige Ausfalle gegen die Regierung zn wagen- Meinem Bruder machte das eine herzliche Freude, andere Leute aber sahen mich deshalb mit weniger günstigen Augen an, und betrachteten mich als einen jungen Witzling, vor dcßen Satyren und Pasquinaden man sich wahren müße. Die Loslaßung meines Bruders war mit ei-- uem sehr sonderbaren despotischen Befehl begleitet, Franklins kleine Schriften. D und 56 B. Franklins und verordnete im Nahmen derAssembly: „Jacob ..Franklin soll nicht langer die Zeitung betitelt ..der Courier von Neu-England drucken." In dieser Verlegenheit ward eine Zusammenkunft unserer Hausfreunde veranstaltet, und überlegt, was unter diesen Umständen zu thun oder zu laßen sey? Einige schlugen vor, dem Befehl dadurch zu entschlüpfen, daß man den Titel ändere: mein Bruder aber, der die daraus entspringenden Unan» nchmlichkeitcn voraussah, hielt es für beßer, die Zeitung künftig unter dem Nahmen von Bcnja, min Franklin zu drucken. Um jedoch die Cen- sur der Assembly zu vermeiden, die ihm Händel machen konnte, daß er das Blatt noch immer selbst, und nur unter dem Nahmen seines Bruders drucke, so ward beschießen, mein alter Contract sollte mir mit einer auf die Rückseite deßclbcn geschriebenen vollen Entbindung zurückgegeben werden, um sie im Nvlhfall vorzeigen zu können: damit mein Bruder aber dabey keinen Schaden leide, so sollte ich einen neuen Cvnrract unterzeichnen, der bis zum Ablauf der ganzen Lehrzeit ein Geheimniß bleiben müßte. Diese Auskunft war eben nicht sehr sinnreich, gleichwohl ward auf der Stelle alles danach «im Leben. 5l «ingerichtet, und die Zeitung noch einige Monate unter meinem Nahmen ausgegeben. Als aber bald nachher ein neuer Zwist zwischen mir und meinem Bruder entstand, so wagte ich's auf meine Freyheit zu kotzen, fest überzeugt, er werde sich nicht u». «erstehe», den neuen Cvntract vorzuzeigen. Es war von meiner Seile nicht recht gehandelt, daß ich mich dieses Vortheils bediente, und ich betrachte daher diese Handlung als einen von den ersten Fehlern, den ich in meinem Leben begangen habe? damahls aber machte die Ungerechtigkeit dieses Vers sghrens keinen Eindruck auf einen jungen Menschen, den die Schläge erbitterten, die er so oft von sei- nem Bruder bekam, wenn diesen seine böse Laune anwandelte Uebrigens hatte mein Bruder kein böseS Gemüth, und vielleicht war ich auch biswei, - len zu unverschämt, als daß sein Zorn Nicht hatte gereizt werden sollen. Als er erfuhr, daß ich entschlossen wäre, ihn zu verlassen, so suchte er mein sonstiges Unterkommen zu verhindern. Er gieng in alle Druckereyen der Stadt und nahm die Besitzer derselben gegen mich ein. Keiner wollte mich daher annehmen. D » Na- 5>' B. Franklins I Naturlich kam mir nun der Gedanke nach Neu Aork, als der nächsten Stadt zu gehen, in der es eine Druckercy gab. Fernere Ucberlegung bestärkte mich in dem Vorsah, Boston zu verlassen, wo ich mich Ohnehin schon der herrschenden Partcy verdächtig gemacht hatte. Das willkührliche und despotische Verfahren der Assembly in der Sache meines Brut dcrs machte es außerdem sehr wahrscheinlich, daß, wenn ich bliebe, ernstliche Verdrießlichkeiten meines warteten, und zu dieser Besorgniss hatte ich um dcsto mehr Grund, da meine unbchutsameu Acusse-- xungcn beym Disputiren über religiöse Gegenstände cs schon dahin gebracht hatten, daß die andächtis gcn Seelen mich mit Abscheu als einen Apostaten oder Atheisten betrachteten Ich besann mich daher nicht lange, da aber mein Vater dießmahl auf der Seite meines Bruders war, so vcrmuthetc ich, wenn ich öffentlich fortzugehen versuchte, mit Ge« walt zurückgehalten zu werden. Mein Freund Co! lins erbot sich meine Flucht zu begünstigen. Er accordirle für meine Ucbcrfahrl nach NemAork mit dem Kapitän einer Slovp ^>, den er mich als einen Slvop eine Gattung kleiner Schiffe. 5 e b e n. 5? einen jungen Menschen von seiner Bekanntschaft schilderte, der mit einem Mädchen von freycr Lebensart einen Handel gehabt, deren Verwandte ihn zwingen wollten, sie zu hcurathcn, und der folglich weder öffentlich erscheinen, noch öffentlich abreisen dürfe. Ich verkaufte einen Theil meiner Bücher, um mir cme kleine Summe Geld zu verschaffen, und schlich mich in aller Stille an den Bord der Sloop. Unter Begünstigung eines guten Windes befand ich mich schon am dritten Tage in Neu Pork, fast drey hundert englische Meilen von meiner Heimat!), im sicbinzchntm Jahre meines Alters, ohne die geringste Empfehlung, ja selbst ohne irgend einen Menschen in der ganzen Stadt zu kennen, und dabcy. sehr wenig Geld in der Tasche. Die Neigung, sie ich zum Seclcbcn gehabt hatte, war ganzlich verschwunden, soust hatte ich sie jetzt befriedigen können. Allein ich verstand nun schon eine Kunst, und da ich mich für einen geschickten Arbeiter hielt, so nahm ich keinen Anstand, dem Sradlbuchdrucker, dem alten Herrn Wilhelm Bradford, der der erste Druckes in Pensilvanien gewesen war, aber wegen ftir.ee Streitigkeit mit dem Statthalter George Kcith D z diese 54 B. Franklins diese Probinz verlaßen hatte, meine Dienste ane zubieten. Er konnte mir keine Arbeit geben, da er wenig zu rhun und scbon keute genug hatte; er sagte mir aber, sein Sohn, der jetzige Drucker in Philadelphia, habe vor kurzem seinen besten Arbeil terAquila Rosa, durch den Tod verloren, und er glaube, wenn ich dort hin gehen wollte, daß er mich annehmen werde- Philadelphia ist noch hun» dert Meilen weiter. Ich fand gleichwohl kein Bei denken, mich einem leichten Boote anzuvertrauen, um den kürzesten Weg zu Waßer über Amboy zu machen, und ließ mein Felleisen und übrige Habseligkeiten zurück, die mir auf der gewöhnlichen, aber langweiligen Straße nachfolgen sollten. Bcy der Ucberfahrt über die Bay überraschte uns ein Windstoß, der unsre ohnehin verfaulten Seegel zcre riß, uns in den Kill einzulaufen wehrte, und aus Long-Island warf. Wahrend des Sturms fiel ein betrunkener Holl änder, der sich so wie ich als Paßagter im Boote befand, in die See. In dem Augenblick, wo er sank, faßte ich ihm unter dem Waßer bcy den Haaren, zog ihn empor, und wir nahmen ihn von Leben. 55 von neuem an Bord. Dieses Bad verscheuchte seis nen Rausch in etwas, so daß er einschlief, nach, dem er ein Buch aus der Tasche gezogen und mich gebeten hatte, es trocknen zu laßen. Es fand sich, daß es mein altes Lieblingsbuch, Bunyans Reisen in einer hollandischen Uebersetzung mit schönem Druck, auf schönem Papier und mit Ku- D 4 pfcrn ») Dieses ehedem so beliebte Werk, das allein in Deutsälland an drey verschiedenen Orten Übersicht ward und eine Menge Sluflagen erhielt, ist icnr in allgemeine, tiefe Vergessenheit gesunken. Bnnyan war (wie wir nur für einige Leser erinnern) ein englischer Mennonist, in seiner Jugend cjn lustiger Geselle, Soldat, Keßelflickcr, dann Schwärmer und geistlicher Redner. Dieses lcl-tere Talent, das er überdies ohne Bezahlung.ausübte, mußte er durch ein zwiefaches Gefängnis-, jedes von sechs Jahren , büßen. Er starb 168Z in London in großem A«- sehn und im Geruch der Heiligkeit. Seine Schriften, die man vor hundert Jahren erbaulich nannte, nehmen mehrere Folianten ein. Die berühmteste darunter ist die von Franklin erwähnte unter dem Titel! Ich« lGliriirn's p!0Aiels cio. die Reise eiueS Christen nach der Ewigkeit. Bu- «nan, obgleich ein Schwärmer, war doch ein ziemlich bescheidener Mann, und man hat nicht gc- hdrt, daß die unzähligen Ucbersitnnaen und Zlus- gaben seiner Schritten ihm den Kopf so schwivdlick ge- 56 B. Franklins pfcrn geziert war. In einem solchen Staat hatte ich es niemahls in seiner Ursprache gcschn I» der Folge hörte ich, daß es in die meisten europäischen Sprachen übersetzt worden, und ich bin überzeugt, nächst der Bibel ist es eins von den Büchern, die am meisten gelesen worden. Der ehrliche Johann Bunyan ist meines W-ßens der erste, der Erzählung und Dialog zusammen verbunden hat: eine sehr anziehende Art der Darstellung für den Leser, der bey den wichtigsten Vorfallen so zu sagen unter den handelnden Personen Zutritt erhalt, und den mündlichen Verhandlungen beywohnt. De Foc hat sie in seinem Robinson Crusoe, in seiner Moll Zlanders und andern Schriften, so wie Ri- ehardson in seiner Pa mela, Clari ssa u. s. w. Mit Glück nachgeahmt. Wir näherten uns der Insel, unglückliche^ Weise gemacht haben, als wir oft kaum nach dem zwanzigsten Theil eines sclchcn BcyfaUS in unfern Tagen an manchen sonst recht vernünftigen Leuten bemerken, die überdies' nie weder Ssldattn noch Kestcl- flickcr waren, d. Ue. Leben» 57 Weise aber an einem Ort, wo es wegen der starken Brandung, die die felsige Küste verursachte, unmöglich war, zu landen. Wir warfen den Anker aus, und richteten das Kabel gegen das Ufer. Es nahten sich einige Personen der Küste, und riefen uns, so wie wir ihnen zu; allein der Wind war so stark und die Westen draußtcn so heftig, daß wir einander nicht verstehen konnten. Auch kleine Fahrzeuge waren am Ufer, wir schrieen ihnen zu, und machten Zeichen, daß sie uns auf denselben abhohlcn sollten, allein sie verstanden uns entweder nicht, oder unsere Forderung schien ihnen unausführbar: denn sie entfernten sich. Die Nacht kam heran, und wir halten keine andere Wahl, als Geduld zu saßen, bis der Wind sich legen würde; mucrdcßcn beschloßt« wir beyde, der Steuermann und ich, wo möglich zu schlafen. Wir krochen deshalb in den Hmtcrraum zu dem noch triefende^ Hollander. Das schäumende Waßcr spielte über das Boot hinweg, und ergoß sich so reichlich über uns, daß wir bald eben so naß waren, als er. Wir konnten die ganze Nacht über nur wenig ruhen. Da sich aber am folgenden Morgen der D 5 Wind ?8 B- Franklins Wind gelegt hatte, so glückte es uns, Amboy noch vor Nachts zu erreichen, nachdem wir dreyßig Stunden ohne Lebensnmrcl und ohne einen andern Tropfen, als eine Bourcille schlechten Rum, zuge- bracht hallen. Das Waßer, worüber wir schifften, war salzig Den Abend legte ich mich m»t emcm sehr heftigen Fieber zu Bette. Ich hatte ftgendwo gelesen, kaltes Waßer, reichlich getrunken, scy em Mittel gegen das Fieber, ich beiolgte diese Vorschrift, brachte den größten Thcil der Nacht in einem starken Schweiß zu, und das Fieber war verschwunden. Den nächsten Tag ging ich in einer Fahre über den Fluß und setzte meinen Weg zu Fuße fort. Ich Hatte von hier bis Burlington noch fünfzig Meilen, von wo aus ich, wie man mir sagte, den Rest des Weges bis nach Philadelphia am besten zu Waßer machen wurde. Es rcgnere den ganzen Tag über sehr heftig, und ich ward bis auf die Haut naß. Gegen Mittag war ich so ermüdet, daß ich ,n eine elende Herberge einkehrte, wo ich den übrigen Theil des Tages und die folgende Nacht zubrachte. Hier regte sich zuerst die Reue, meine Vaterstadt vcriaßen zu haben. Ueberdieß machte ich eine so elende Figur, daß man mich ; e b e n. 59 mich für einen flüchtigen Bedienten ansah. Ich schloß dieses aus den Fragen, die man an mich that, und fühlte die Gefahr, als ein solcher arrc» tirt zu werden. Zndeß ließ man mich am nächsten Tag ungestört weiter zehn und ich erreichte gegen Abend, in einer Entfernung von acht oder zehn Meilen von Burlington einen Gasthof, in dem ein gswißer Dr. Brown Wirth war. Dieser Mann fieng während meiner Mahlzeit ein Gespräch mit mir an, und da er fand, daß ich einige Lectüre besaß, so äußerte er viel Theilnahme und Freundschaft für mich. Unsere Bekanntschaft dauerte bis zu seinem Tode. Brown mußte, wie man zu sagen pflegt, ein wandernder Doctor gewesen seyn, denn da war keine Stadt in England, so wie kein Land in Europa, in dem er sich nicht aufgehalten, und von dem er nicht manches Merkwürdige zu erzählen wußte. Er besaß Kennte niße und Witz, war aber ein Ungläubiger, und führte einige Jahre nachher den boshaften Einfall aus, die Bibel in burleske Verse zu bringen, so vhngefchr wie Cotton den Virgil travcsiirt hat. Auf diese Weise setzte er viele Begebenheiten in ein seh- 6o B- F ^ an k li n s seh? lächerliches Licht, waS auf schwache Gcmüches einen üblen Eindruck hätte machen können, wenn feine Arbeit öffentlich erschienen wäre: allein dicß ist nie geschehe Ich brachte die Nacht bey ihm zu und erreichte Burlington am folgenden Mvrgen. Zu meinem großen Verdruß hörte ich beym Eintritt in die Stadt, daß chic gewöhnlichen Fahrzeuge vor kurzem abgegangen waren. Es war Sonnabend und vor künftigen Dienstag gicngcn keine andern ab. Ich kehrte also nach der Stadt zurück, ging zu einer alten Frau, von der ich Pfefferkuchen gekauft hatte, um ihn unterwegs auf dem Waßcr zu verzehren, und fragte sie in meiner Verlegenheit um Rath- Sie erbot sich, mich so lange in ihr Haus zu nehmen, bis sich wieder eine Gelegenheit nach Philadelphia zeige. Ich war von meinem langen Weg ermüdet, und nahm ihr Anerbieten an. Als sie hörte, ich fty ein Buchdrucker, so wollte sie mich durchaus bereden, da zu bleiben und mich in der Stadt zu ctabliren. Die gute Frau wußte nicht welche Auslagen und was für ein Kapital zum Ansang erfordert werden Z Ich fand bey 5 e b e n. bey ihr die wahre Gastfteyheit. Sie setzte mir, ach! mit welchem guten Willen, eine Schüssel nm Ochsenklauen vor, und wollte dafür schlechte« dings nichts, als ein Maas Ale D nehmen, Ich glaubte nun bis nächsten Dienstag hie? bleiben zu müssen, allein des Abends, auf einem Spatziergang in der Nahe des Flusses, sah ich ein Fahrzeug kommen, das nach Philadelphia ging, und auf dem sich mehrere Personen befanden. Man nahm mich auf, und da sich kein Lüftchen regte, so mußten wir rudern. Als wir gegen Mi« ?ernacht die Stadt noch nicht zu Gesichte bekamen, so behaupteten einige von der Gesellschaft, wir müßten schon vorbcy scyn, und wollten nicht mehr rudern: und da die andern eben so wenig wußten, wo wir waren, so ward beschlossen, Halt zu machen. Wir zogen uns nach dem Ufer und landeten in einer Bucht in der Nähe von alten Pae llssaden, von denen wir ein Feuer machten, das uns in der kalten Ottobernacht gute Dienste that. Hier blieben wir bis zu Tagesanbruch, wo einer von H Ale, ein süsses Tie? ohne Herfen. 62 B. Frankline von der Gesellschaft die Stelle, wo wir uns btt fanden, für die Bucht Coopers Creek erkannte, die etwas oberhalb Philadelphia liegt, und wirklich erblickten wir auch die Stadt, so bald wir aus der Bucht heraus waren. Wir kamen hier Sonntags gegen acht oder neun Uhr des Morgens an, und stiegen auf dem Kay von Market-street aus. Mit Fleiß bin ich in die kleinsten Details meiner Reise eingegangen, und werde auf gleiche Weise meinen ersten Eintritt in diese Stadl beschreiben, um dich, mein lieber Sohn, in den Stand zu setzen, diesen so wenig glänzenden Anfang mit der Rolle zu vergleichen, die ich in der Folge dort spielte, D rit« t e d e n« Drittes Kapitel. Franklin kömmt nach Philadelphia, ohne Geld uns ohne eine Seele dort zu kennen — er kauft für ein paar Pfennige Brod, das er auf der Strasse verzehrt — in diesem Aufzug ficht ihn seine künftige Gattinn — er arbeitet in zwcy Druckereyen zugleich — Vorschlage nach Boston zurückzukehren, und sich dort auf seine Hand zu «tabliren — er geht dahin, kehrt aber bald nach Philadelphia zurück — mas sein Palron Keil m er für ein Mann war ^ er wird mit dem Statthalter von Philadelphia bekannt — sein Freund Co IIinS zehrt aus seinem Beutel — fie gerathen in Streit — Franklin wirft ihn ins ÄLaßer sie trennen sich. Aa der beßere Theil meiner Garderobe mir zu Waßer über das Meer nachkommen sollte, s'i» ging ich in meiner häuslichen Kleidung, die ich dey der Arbeit zu tragen pflegte, zu Philadelphia ein. Ich war von der Reise voll Echmuy, die Tai 64 B. Franklins Taschen waren voll Hemden und Strümpfe 'gestopft; ich kannte keine lebendige Seele/ und wußte nicht/ wo ich ein Quartier suchen sollte. Ich war müde vom Gehen, vom Nudern und der schlaflos zugebrachten Nacht erschöpft, hatte heftigen Hunger, und mein ganzer Ncichthum bestand in einem holländischen Thaler und ohngcfah? einen Schilling Kupfermünze, die ich dem Botsmann für die Ueber» fahrt gab. Er schlug sie anfangs aus, weil ich mit gerudert hatte, allein ich bestand darauf, daß er nehmen mußte. Der Mensch ist oft weit groß» niüthigcr, wenn er wenig, als wenn er viel Geld hat: vielleicht deshalb, weil er im ersten Fall sei» m Llnnuth verbergen will. Ich wanderte die Straße hinauf, und gaffte rechts bald links, bis ich in Market-strcct kam, wo mir ein Kind mit einem Brode begegnete. Ich fragte es, wo es das Brvd gehöhlt habe, und ging gerade auf den baden zu, den es mir zeigte. Ich forderte Zwieback, in der Hoffnung eben dergleichen zu bekommen, als wir zu Boston hatten; es schien aber, daß man diese Art in Philadelphia mcht kannte. Ich forderte nun ein Ervfthenbrod, allein Leben- 6§ allein man machte keine zu diesem Preis« Da ich weder die Verschiedenheit der Preise, noch die Nahmen der hier gewöhnlichen Brvdarten kannte, ss sagte ich, man möchte mir für einen Groschen geben, gleichviel von welcher Gattung es sey. Ich erhielt drey Stücke von ansehnlicher Größe. Ich erstaunte, so viel zu bekommen, doch nahm ich sie, und da ich die Taschen nicht ledig hatte, so setzte ich meinen Weg mit einem Brode unter je? dem Arm fort, mdcß ich von dem dritten aß. So> durchzog ich Market-street bis Fourth-street und kam vor dem Hause von Mr Read dem Vater Ser Person vorbey, die einst meine Frau werden sollte. Sie stand eben an der Thüre, sie sah mich und fand mit Recht, daß ich eine sehr lächerliche und abentheuerliche Figur spielte. Ich ging dann um die Ecke und wanderte die Chesnuts streck hinauf, wobey ich immer meine Mahlzeit fortsetzte. Am Ende derselben befand ich mich wieder auf dem Kay von Market - strcet, bey dem Fahrzeug, in dem ich gekommen war. Ich ! trat hinein, meinen Durst mit dem Waßer des Flußes zu löschen, und da mich mein erstes Bcod Franklins kleine Sckrjften. E voll- 66 B- Zea n k ! in 6 vollkommen gesättigt hatte, so gab ich die beyden andern einer Frau, die nebst ihrem Kinde in Gesellschaft mit uns den Fluß hcrabgcfahreu wa^ und nun in dem Fahrzeug die Fortsetzung der Reise abwartete. So erfrischt ging ich wieder nach dev Straße. Sie war jetzt voll sauber gekleideter Personen? die alle nach Einer Seite giengrn. Ich folgte ihnen und kam so in das große Bethaus der Quaker nah am Markte. Ich setzte mich mit dm andern nieder , und nachdem ich mich eine Weile umgesehen hatte, aber niemand den Mund öffnen sah, und von der Arbeit und dem Wachen der vergangenen Nacht ermüdet war, so entschlummerte ich sanft. Ich schlief so lange bis die Vcrsamm- lung aus einander ging, wo einer von den Anwesende» so gefallig war, mich zu wecken. Das war also das erste Haus von Philadelphia, in das ich gekommen bin und worinn ich geschlafen habe. Ich setzte nun meine Wanderung durch die Straßen fort und schlug mich nach der Seile des Flußcs. Jeden, der mir begegnete, faßte ich scharf ins Gesicht, und so stieß ich auch auf einen jungen Quaker, deßen Physiognomie mir nicht un- bekannt Leben. 6? bekannt war. Ich redete ihn an, und ersuchte ihn, mir zu sagen, wo ein Fremder Logis finden könne. Wir waren eben nicht weit von dein Gasthof zu de» drey Schiffern. Hier werden Fremde aufgenommen, sagte er, allein das Haus steht nicht im besten Rufe, wenn du mit mir gehen willst, so will ich dir eine beßere Herberge zeigen. Es brachte mich zum Krummen Ast in der Was lur-streck, Hier lies ich mir zu Eßen geben, und wahrend der Mahlzeit ergingen verschiedene ver« fangliche Fragen an mich. Meine Jugend und mein Aeußeres machten mich als einen Ausreißer verdächtig. Nach dem Eßen meldete sich der Schlaf von neuem. Man gab mir ein Bett, auf dem ich mich, ohne mich auszuziehen, niederwarf, und bis sechs Uhr Abends schlief, wo man mich zum Nachteßen rief. Nach demselben legte ich mich zei. tig nieder, und schlief wieder in Einem Stuck i »S den folgenden Morgen. Ich stand nun auf, machte mich so gut es ge? hen wollte zurecht, und suchte den Drucker Andreas Bradford auf. In dem Laden fand ich seinen Vater, den ich in New-Uork gesehen hats E s te, B. Franklins 5c, und der, da er zu Pferde reißte, vor mir zo Philadelphia angekommen war. Er stellte mich seinem Sohne vor, der mich sehr wohl empfing und mit sich frühstücken ließ; ich hörte aber, daß er jetzt keinen Arbeiter brauchen könne, weil er erst vor wenig Tagen einen neuen bekommen habe. Doch.sagt' er mir, außer ihm sey noch ein anderer neu etablirter Drucker Nahmens Keim er hier, der mich vielleicht brauchen könne; widrigenfalls wolle er mir gern frey Quartier und von Zeit zu Zeit etwas weniges zu lhun geben, bis sich mehr Arbeit für mich fände. Der alte Mann erbot sich, mich zu dem neuen Drucker zu bringen, und führte mich mit folgenden Worten bey ihm ein: „Nachbar, hier bring ich Euch einen jungen Menschen von Euerm Gewerbe; vielleicht könnt Ihr »hm Arbeit geben. Keim er that verschiedene Fragen an mich, gab mir einen Winkelhackm in die Hand, zu ftk hm, wie ich arbeite und ertheilte mir dann den Bescheid, er hoffe mich bald anzustellen, allein für jetzt habe er keine Arbeit für nuch. Er nahm den alten Leben. alten Bradford für einen Bürger aus der Stadh der gut gegen ihn gesinnt scy, und unterhielt ihn von seiner gegenwärtigen Unternehmung und von den Außichten, die er habe. Bradford hüthtte sich wohl, sich als den Vater des andern Druckers zu erkennen zu geben, und da Keimer unter ans dern sagte, er hoffe bald die meiste Arbelt in seine Hände zu ziehen, so brachte ihn jener durch listige Fragen und durch einige Bcdeutlichicitcn und Zweis ftl dahin, daß er ihm alle seine Plane vertraute? und ihm alle Protccuonen, auf die er rechnete, so wie alle seine Projecte im größten Detail mitthellte. Ich war Key dieser Unterredung zugegen und hörte alles. Ich sah sogleich, daß der Eine em alter Fuchs und der Ändere ein wahrer Neuling war. Bradford ließ mich bey Kelmcr, der nicht wenig überrascht wurde, als ich ihm den Nahmen des alten Mannes nannte. Kcimers sogenannte Druckcrey bestand aus einer alten schadhaften Prcße und einem kleinen Vorrath stumpfer englischer Lettern, aus denen er selbst eine Elegie von Aquila Rosa setzte, deßen ich schon obm als eines jungen Mannes von E z Talen- B. Franklins Talenten und vortreflichen Charakter gedacht habe, der in der ganzen Stadt allgemein geschätzt ward, Cecrekär der Assembly und ein sehr leidlicher Dich? ter war. Keimer machte auch Verse, aber nicht von der besten Sorte. Man konnte von ihm nicht sagen, er schreibe in Versen, denn seine Methode war, die Verse, so wie sie seiner Muse ent- fielen, sogleich zu setzen, und da er ohne Abschrift arbeitete, nur Einen Schriftkasten besaß, und die Elegie wahrscheinlich seinen ganzen Vorrath aufzehren mußte, so war es ohnmögiich, daß ihm jemand helfen konnte Ich gab mir Mühe, seine Prcße in Ordnung zu bringen, die er noch nicht gebraucht hatte, und von der er, die Wahrheit zu sagen, auch nichts verstand. Ich versprach ihm hierauf, sobald er seine Elegie ausgesetzt habe, wieder zu kommen und sie abzuziehen, und ging sodann nach Bradfvrds Haus zurück, der mir zum Anfang eine Kleinigkeit zu thun gab, auch hatte ich bey ihm Quartier und Tisch. Nach einigen Tagen ließ mich Keim er hohlen, seine Elegie abzuzichn Er hatte noch einen Schriftkasten angeschafft und ein Pamphlet, das er nachdrucken wollte. Zu dieser Arbeit stellte er mich an. Kei» Leben. 7? Keiner von den beydcn Druckern in Philadelphia schien mir die zu seinem Geschäfte erforderlichen Eigenschaften zu besitzen. Bradford war nicht zu dieser Kunst erzogen und ohne alle wissenschaftliche Bildung. Keimer/ der etwas mehr verstand, war indeß doch ein bloßer Setzer und gänzlich unfähig, mit der Presse umzugehen. Er hatte mit den französischen Propheten und Cvnvuls sionärs Umgang gehabt und konnte ihre übernatürlichen Entzückungen gut nachmachen. Als ich ihn kennen lernte, war er keiner bestimmten Religion zugethan, sondern bekannte sich nach Beschaffenheit der Umstände von jeder zu etwas. Er kannte die Welt sehr wenig, und hatte viel Schlimmes in stimm Charakter, wie ich in der Folge zu erfahren Gelegenheit hatte. Kcimer konnte es nicht geduldig ertragen, daß ich bey ihm arbeiten, und bcy Bradford wohnen sollte. Er hatte zwar ein Haus, aber keine Möbeln darin«, so daß er mich nicht darftzn aufnehmen konnte: er machte mir also bey Mr. Read, dem Eigenthümcr seiner Wohnung, dessen ich oben erwähnt, ein Quartier aus. Mein Fell- E 4 eist» 72 B- Franklins eisen und übriges Gcpacke war nun eingetroffen, und icd stutzte mich so auf, daß ich auf eine etwaS anstandigere Art vor M'ß Read erscheinen konnte, als d >s erstemahl, wo sie mich zufallig durch die Straße ziehn und da offene Tafel halten sah. Nun fing ich auch an unter den jungen Leus ten der Stadt, die Liebhaber von Lectüre waren, Bekanntschaften zu machen, und brachte angcnehs me Abende mit ihnen zu. Dabey verdiente ich mir durch meine Arbeit Geld, und lebte, bey meiner glücklichen Mäßigkeit sehr vergnügt und zufrieden. Auf diese Weise vergaß ich Boston, so weit mir's möglich war, und suchte auf alle Art zu vermeiden, daß man dort erführe, wo ich mich aufhalte. Nur mein Freund Coll ins, dem ich schrieb, und der mein Gehcimniß bewahrte, wußte es« Unterdeß ereignete sich ein Zufall, der mich viel früher, als mein Vorsatz war, wieder nach Hause führte. Ich hatte einen Schwager, Rot bert Hvlmcr, E gner einer Sloop, die Kauft mannsgürcr von Boston nach Delaware und von da zurückführte. In Newcasile, vierzig Meilen uns terhalb leben. «7Z terhalb Philadelphia/ hörte er von mir und schrick mir einen Brief/ worinn er den Kummer, den meine Entfernung von Boston meiner Familie ver- ursacht und die guten Gesinnungen, die sie noch immer gegen mich hegten, sehr rührend schilderte. Zugleich versicherte er, wenn ich zurückkehrte, so würde sich alles zu meiner Befriedigung beylcgen laßen, und dazu ermahnte er mich nachdrücklich. Ich beantwortete diesen Brief und dankte ihm für seinen Rath, dabey aber setzte ich die Gründe, weshalb ich Boston verlaßen, so kräftig und klar auö einander, daß er überzeugt wurde, ich könne nicht so groß Unrecht haben, als er vorher geglaubt. Der Ritter Wilhelm Keith, Statthalter der Provinz, war damahls in Newcasile. Der Capi- tain Holmer befand sich eben zufällig mit ihm in Gesellschaft, als er meinen Brief erhielt« Er uahm daher Beranlaßung mit ihm von mir zu sprechen und zeigte ihm denselben. Der Statthalter las ,hn und schien erstaunt, als er Hörle, wie oft ich wäre. Er sagte, er halte mich für einen vielversprechenden jungen Menschen, den man auf. Ummern müße. In Philadelphia gäbe es lauicr schlechte Drucker, und er sey überzeugt, es könne E 5 mir 74 B. F r a n k l i n 6 mir gar nicht fehlen, wenn ich mich da etabliren wolle. Er für sein Theil verspräche mir alle öffentliche Arbeiten, und allen Vorschub und Unters siützung, die ich nöthig haben könne. In der Folge erzählte mir mein Schwager das alles in Dos sion, ich wußte aber noch nicht das mindeste das von, als wir beyde, Keimer und ich, eines Tas ges während unserer Arbeit am Fenster den Statt- Halter und eine» andern Herrn, den Obersten Fr euch von Ncwcastle, zierlich gekleidet die Straße her gerade auf unser Haus zukommen sas hcn, und sie bald darauf an der Thürc hörten. Keim er, in der Ueberzeugung, der Besuch gelte ihm, stürzte die Treppe hinab, allein der Statthals jer fragte nach mir, kam herauf und machte mir mit einer Freundlichkeit und Höflichkeit, an die ich gar nicht gewöhnt war, eine Menge Complis menre, wünschte uäher mit mir bekannt zu werden, machte mir verbindliche Vorwürfe, daß ich ihn nicht gleich bey meiner Ankunft in der Stadt aufs gesucht habe, und wollte mich mit sich auf ein öfs fentliches Haus nehmen, wohin er, wie er sagte, mit dem Obersten French zu gehen gedenke, uiy emen vvrtrcfiichen Madera zu versuchen. Ich leben. 75 Ich gestehe es, ich war ein wenig betroffen, aber Keimer war wie vom Donner gerührt» Ich gicng indeß mit dem Statthalter und dem Obersten auf ein Kaffeehaus in den Third-strcct- Corner, wo er mir bey einem Glase Maderawein den Vorschlag that, eine Druckerei) anzulegen. Et? rechnete mir alle Wahrscheinlichkeiten eines glücklichen Erfolgs vor, und er sowohl als der Oberste French versprachen mir ihre Protection und ihren Einfluß, mir den Druck der öffentlichen Schrift ten von zwcy Statthaltcrcycn zu verschaffen, und da ich Zweifel äußerte, daß mem Vater mich m dieser Sache unterstützen werde, so sagte der Ritter, er wolle mir einen Brief an ihn mit geben, worinn er ihm alle VsrtheUs so einleuchtend zu machen gedenke, daß er gewiß seine Einwilligung geben werde. Dem zu Folge ward beschlossen, ich sollte mit dem ersten Schiff nach Boston zueuckkch, scn und von dem Statthalter cur Empfehiungs? schreiben an meinem Vater mitnehmen. Vor der Hand aber sollte der Plan geheim gehalten werden, und ich wie gewöhnlich bcy Keimer fortan Helten» Der B. Franklins Der Statthalter lies mich von Zeit zu Zeit zur Tafel einladen. Ich betrachtete das als eine sehr große Ehre, und War desto mehr dadurch geschmeichelt, da er sich auf die leutseligste, vertraulichste und freundschaftlichste Weise mit mir unterhielt. Gegen das Ende April 1724. gicng ein kleines Schiff nach Boston ab. Ich nahm Urlaub von Keimer unter dem Verwände, meine Eltern zu besuchen. Der Statthalter gab mir einen langen Brief an meinen Vater mit, worin» er ihm viel Schmeichelhaftes über mich sagte, und das Projekt meine Nieöeelaßung in Philadelphia als eine Sache vorstellte, die mein Glück machen müße. Wir stießen beym Herabfahren in der Bay suf eine Untiefe und das Schiff schöpfte Waßer» ZNm Unglück war das Wetter stürmisch und wir mußten fast unablaßig pumpen- Auch ich entzog mich dieser Arbeit nicht. Endlich kamen wir doch gesund und frisch nach Boston, nachdem wir vhns gesähr vierzehn Tage unterwegs gewesen waren. Seit Leben. 77 Seit sieben Monathen war ich nun von Hause gewesen und meine Eltern hatten nicht die mindeste Nachricht von mir bekommen, denn mein Schwager Holm er war noch nicht wieder zurück, und hatte auch nichts von mir geschrieben. Meine unerwartete Erscheinung überraschte meine Familie sehr. Alle waren vergnügt mich wieder zu sehen, und sagten mir ein herzliches Willkommen, nur mein Bruder nicht. Ich besuchte ihn in feiner Druckcrey. Ich war bcßer gekleidet, als je- mahls, da ich noch bey ihm stand, hatte einen neuen, säubern und vollständigen Anzug, eine Uhr und in der Tasche eine Börse mit beynahe fünf Pfund Sterling Silbergeld. Er empfing mich nicht sehr artig, betrachtete mich stillschweigend vom Kopf bis zu den Fußen, und ging dann wieder an seine Arbeit. Seine Leute erkundigten sich sehr angelegen!, sich, wo ich gewesen wäre, wie es mir in Phil«, dclphia gefallen und was man dort für ein Leben führe? Ich rühmte Philadelphia und die Lebens, art, die ich dorr führe, sehr: und äußerte meine ernstliche Absicht, wieder dahin zurückzukehren. Einer 78 V. Franklins Eine? erkundigte sich, was man dort für Geld habe ? Ick Zog meine Börse und ließ die silbernen Kronen schimmern» In Boston, wo man sich fast allein mit Papiergeld behalf, war diese Münze gleichsam eine Merkwürdigkeit. Ich ermangelte nichts hierauf auch meine Uhr vorzuzeigen, und endlich, da wein Bruder sein muffiges, unfreundliches We? fcn noch nicht ablegen wollte, so gab ich seinen Leuten eine Krone zum Vertrinken und nahm meinen Abschied. Dieser Besuch von meiner Seite brachte ihn ungemein auf, denn als einige ZeiL nachher meine Mutter mit ihm von Aussöhnung und von ihrem Wunsche sprach, uns künftig als Brüder zusammen leben zu sehen, so gab er zur Antwort: ich habe ihn vor seinen Leuten so bitten sich beleidigt, daß er mir es nie vergcßen noch ver? geben werde; allein hierum täuschte er sich selbst» , Der Brief des Statthalters schien meinem Va> ter etwas in Verwunderung zu setzen, doch sagte er mir nur sehr wenig darüber. Einige Tage dars «uf kam der Capitain Holmer zurück. Mein Natcr zeigte ihn den Brief und fragte ihn, ob ex Keith kenne und mßc was für ein Mann er sey? Scsi Leben. Seiner Meinung nach, setzte er hinzu, vcrrathe es eben keine sonderliche Beurtheilungokraft, auf das Etablißement eines Kindes zu denken, dem noch drey Jahre zum Manne fehlten. Holme« suchte das Projekt gleichfalls im vonhcilhaftcsten Lichte zu zeigen, allein mein Vater behauptete cnt- schloßen, es sey ein ungereimter Gedanke, und gab endlich eine ganz bestimmte perneinende Antwort. Er schrieb sodann .einen höflichen Brief an den Mter Keith, worinn er ihm für die so gütig angebotne Protection dankte, zugleich aber, vor der Hand, alle Theilnahms und Unterstützung eines Etablißemsnts von sich ablehnte. Sein Hauptgrund war, ich sey zu jung, als daß man mir die Führung eines so wichtigen Unternehmens, zu dem allein die erste Einrichtung eine beträchtliche Geldsumme erfordere, anvertrauen könne. Mein alter Kamerad Cvllins, der Schreiber im Postamt war , fand so großes Behagen arr dem Gemälde, das ich ihm von meinem neuen Aufenthalt machte, daß er Lust bekam, seinen Wohnsitz gleichfalls dort aufzuschlagen, und indeß ich noch auf die Entschließung meines Vaters wartete, reißt« so V. Franklins rcißte er vor wir zu Lande nach Rhode-Island ad, und ließ seine Bücher, die eine artige mathematische und physische Sammlung ausmachten, zurück, damit sie mit den meinigen nach Neuyork geschalt würden, wo er mich erwarten wollte. Wenn gleich mein Vater den Vorschlag des Ritter Kcith nicht billigte , so freute es ihn doch, daß ich im Stande gewesen war, an meinem neuen Wohnort mir eine so vorteilhafte Empfehlung von einer Person dieses Rangs und dieser Bedeu? tung zu verschaffen, und mich durch Fleiß und Sparsamkeit in kurzer Zeit so gut zu equipiren. Da er keine Wahrscheinlichkeit vor sich sah, zwischen mir und meinem Bruder eine Versöhnung von Dauer zu stiften, so willigte er in meine Rückkehr nach Philadelphia, und gab mir zugleich den weisen Rath, gegen jedermann höflich und ftenndlich zu scyn; mir Mühe zu geben, die allgemeine Achtung zu erhalten, und mich der Satyre und Sar- kaswen zu enthalten, wozu er emen großen Hang in mir zu bemerken glaubte. Er setzte hinzu, mit anhaltendem Fleiß und einer vernünftigen Oekono> wie könnte ich mir, noch vor meinem Listen Jahre, genug Leben. genug ersparen, um eine eigne Druckerey anzules gen, und wenn denn an der nöthigen Summe noch etwas weniges fehle, so sey er bereit, sie voll zu machen. Dieß war, bis auf einige kleine Geschenke zum Andenken und zum Zeichen der Zufriedenhe t von ihm und meiner Mutter, Alles, was ich erhalten konnte. Ich schiffte mich abermahls nach Neuyork ein, für dießmahl mit der Bewilligung und von dem Segen meiner Eltern begleitet. Die Slovp legle bey Ncwport auf Rhode-Island an, wo ich me>nen Bruder Johann besuchte, der sich seit ei? »igen Jahren hier nicdergelaßen und verheurakhet hatte. Ich war ihm immer das liebste von seinen Geschwistern gewesen, und auch jetzt nahm er mich mit vieler Herzlichkeit auf. Einer seiner Freunde, Nahmens Vernon, hatte eine Schuld von vhns gefahr z6 Pfund Sterling in Pensylvamen; diese bat er mich in seinem Nahmen emzucaßiren und bis auf weitere Nachricht in Verwahrung zu behalte». Zu diesem Behuf gab er mir eine Vollmacht mit. Dieser Handel verursachte mir in der Folge große Unruhe. Franklins klcme Schriften. F In 82 B. F r a n k l i »l 6 In Ncwport nahmen wir eine Anzahl Paßa- girre an Bord, unter denen sich Zwey junge Frauenzimmer befanden, die in Gesellschaft reiften, und eine Quakerinn, eine ehrwürdige und verstau« dige Macrone, nüt ihren Leuten. Ich hatte ihr mit zuvorkommender Höflichkeit einige kleine Gefal- ligkciten erwiesen. Sie schien dieß nüt Wohlgefallen zu bemerken, und sich für mich zu intereßircn. Als sie sah, daß Zwischen mir und den Heyden jungen Mädchen eine Vertraulichkeit entstand, die von Tag zu Tag zunahm, und welche diese auf alle Weise zu befördern suchten, so nahm sie mich bcy Seite und sagte zu mir- »Junger Mann, ich bin ».für dich besorgt, du hast keine Verwandte, die »über deine Aufführung wachen, und du scheinst »die Welt, und die Gefahren, denen die Jugend »ausgesetzt ist, nicht zu kennen. Achte auf das, »was ich dir sage: diese Madchen führen ein sehr »schlechtes Leben: das seh ich aus allen ihren »Handlungen. Bist du nicht auf deiner Hulh, so »verwickeln sie dich zuverläßig in einen schlimmen »Handel. Du kennst sie nicht: ich rathe dir, aus »freundschaftlicher Thcilnahmc, die die Unterhaltung mit dir erzeugt hat, laß dich nicht weiter »mit Leben. 8Z „mit ihnen ein." Ich konnte mich anfangs nicht entschließen, so schlimm von ihnen zu denken, allein sie machte mich nun auf manches, was sie ge» sehn und gehört hatte, und meinen Blicken entgam gen war, aufmerksam, und überzeugte mich, daß sie recht habe. Ich dankte ihr für ihren freunde schaftlichen Rath, und nahm mir vor, ihn zu be? folgen. Wie wir nach Ncuyork kamen, so beschrieben Mir die Mädchen ihre Wohnung und baren mich, sie zu besuchen. Ich ging nicht hin, und thar sehr wohl daran: denn am folgenden Tag bemerkte der Capitata, daß ihm ein silberner Löffel und verschies dene andere Dinge von Werth fehlten, die aus der Kajüte entwendet worden waren. Da er hörte, daß die beyden Madchen feile Dirnen wären, so wirkte er einen Befehl aus, auf den bey ihnen Haussuchung geschah. Er fand die gestohlnen Sachen und ließ sie bestrafen. Co war ich nicht allein einer unter dem Waßer verborgenen Klippe, die das Schiff unterwegs beschädigte, sondern auch, für mein Thcil besonders, noch einer andern und weit gefährlichem Klippe entronnen. Z 2 Zz, 84 V. F r a n k l t n s JnNcuyork fand ich meinen Freund Coll ins, der hier einige Zeil vor mir eingetroffen war. W-r waren von unserer zartesten Jugend die vcr. trautesten Freunde gewesen. Wir hatten dieselben Bücher gelesen; er aber genoß den Vorrhell, mehr Zeit aus Lecistre und Stndiren wenden zu können, und besaß eine bewundernswürdige Anlage zur Mathematik, in welcher Wißenschast er nnch weit hnucr sich lws. Zu Boston brachte ich den größten Thcil meiner Erhohiuugsstunbcn in seiner Gesellschaft zu. Er war damahls ein mäßiger und rhaliger Bursche. Seine Kennrniße hatten ihm die allgemeine Achtung erworben, und man hoffte, er werde dereinst seine Rolle in der bürgerlichen Gesellschaft mit Ehren ausspielen. Wahrend meiner Abwesenheit aber hatte er sich unglueihcherwcise dem Trunk ergeben, und ich erfuhr, zum TheU von ihm selbst, zum Theil aus den Erzählungen anderer, daß er sich seit seiner Ankunft in Ncuyork an täglich in Bramwein berauscht, und auch außerdem sehr übel aufgeführt habe. Unter andern hatte er gespielt, und alle sein Geld verloren, so daß ich ge- nölhigk Leben. 85 nöthigt war, seine Rechnung im Gasthofe zu bezahlen, und ihm unterwegs freizuhalten, was in meinen Umständen keine geringe Last war. Der Statthalter von Neuyork, sein Nähme war Burnet, hatte zufallig von dem Capitata des Schsffs gehört, unter seinen Paßagieren befinde sich ein junger Mensch, der viel Bücher mit sich führe. Er bat den Capitain, mich zu ihm zu bringen. Ich ging hin, und hatte Cv! lins gern mitgenommen, wenn er nüchtern gewesen wäre. Der Statthalter erwies mir viel Höflichkeit, zeigte mir seine Biblwchek, die sehr betrachtlich war, und wir unterhielten uns einige Stunden von Büchern und Schriftstellern. Das war nun schon der zwcyte Statthalter, der mich mit seiner Aufmerksamkeit beehrte; was einem armen Burschen, wie nur damahls, natürlich sehr schmeicheln mußte. Wir kamen nach Philadelphia. Unterwegs nahm ich Vernon's Geld ein, ohne welches wir nicht im Stande gewesen waren, unsere Reise zu vollenden. C oll ins K6 B. Franklins Collins wünschte, bey einem Banquier als Commis anzukommen, allein sein Athem oder sein Anstand wurden zu Verräthcrn seiner bösen Angewohnheit: denn, ober gleich Empfehlungsschreiben hatte, so ward er doch überall abgewiesen. Er blieb daher bey mir wohnen, und lebte ferner auf meine Kosten. Da er wußte, daß ich Vcrnon's Geld in Händen hatte, so lies er keinen Tag vcr- streichen, ohne mir etwas abzuborgen, wobey er jedesmahl heilig versicherte, er wolle mich ehrlich bezahlen, so bald er nur eine Stelle hätte. Kurz, er nahm mir nach und nach so viel ab, daß ich in die größte Verlegenheit gerietst, wie ich das Geld ersetzen solle, im Fall er nicht Wortstaltcn könnte. Sein Hang zum Trinken ward immer starker, und eine beständige Veranlaßung zum Zwist unter uns: denn wenn er nur etwas zu viel getrunken hatte, fv war kein Auskommen mit ihm» Eines Tages fuhren wir in Gesellschaft mehrerer jungen Leute in einem Boot auf dem Delawar, und wie die Reihe an ihn kam, so weigerte er sich, das Ruder zu nehmen. «Ihr müßt heute für mich »rudern" sagte er. Nein, versetzte ich, wir rudern nicht Leben» 8? nicht für dich. „Das sollt ihr wohl, erwiederte „er, wenn ihr nicht die ganze Nacht auf dein „Waßer bleiben wollt." — Wie's beliebt, sagten die andern: wir wollen rudern, und werden auch ohne ihn fertig werden." — Ich aber, ohnehin über seine ganze Aufführung äußerst mißvergnügt, beharrre auf meiner Weigerung. Er that nun einen großen Schwur, mich zum Rudern zu zwingen, und wenn ich fortführe, mich zu sträuben, so Vernums er sich, mich ins Waßer zu werfen. Wirklich gicng er schon wankend auf mich zu; allein, so wie er mir nah genug kam, packte ich ihn bcM Kragen, gab ihm einen heftigen Stoß, und warf ihn, mit dem Kopf voran in den Fluß. Ich kannte ihn als einen guten Schwimmer, und war daher außer Sorge für sein Leben. Eh er sich umwenden konnte, das Boot zu saßen, entfernten wir uns vermittelst einiger Nuderschlage auf eine Streck^ und so oft er sich näherte, fragten wir ihn: ob er rudern wollte? und gaben ihm zugleich einige Stöße mit den Rudern, wenn er die Arme ausstreckte, sich an das Fahrzeug anzuklemmen. Es fehlte nicht viel, so wäre er für Wuth erstickt, und doch verweigerte er Hartnackig das Versprechen, Z 4 Mit 88 B. Franklins mit zu rudern. So bald wir indessen bemerkten, daß er die Kräfte verlor, so zogen wir ihm wieder in das Boot, und brachten ihn gegen Abend, noch ganz triefend, nach Hause. Nach diesem Vorfall herrschte die größte Kalte zwischen uns. Einige Zeit darauf ward er mit dem Capitain eines West, indienfahrcrs bekannt, der den Auftrag hatte, einen Hofmeister für die Kinder einer angesehenen Familie in Barbados mitzubringen. Dieser trug ihm die Stelle an, die er auch nicht ausschlug. Er verlies wich mit dem Versprechen, mir das erste Geld, das er bekommen würde, zu Bezahlung seiner Schuld zu überwachen; allein ich habe nie wieder etwas von ihm gehört. Vier- Leben. 89 Viertes Kapitel. Franklin siebt eine ihm anvertraute Summe Geldes aus — etwas von Stockfischen — Projekt zur Stiftung einer neuen Religion — noch ctwaS von vegetabilischer Diät — ein poetischer Wettstreit -- grosie Verheißungen eines Statthalters — Abreise von Philadelphia — es zeigt sich, wie gröblich Franklin von seinem hohen Gönner betrogen worden, — Ankunft in London — Franklin gibt seine Empfehlungsschreiben ab — einiae Nachrichten von dem Statthalter Sir William Keith. ^)er Angriff des von Vernvn mir anvertrauten Geldes war eine der ersten großen Vergehungen meines Lebens, und diese Geschichte beweißt, wie richtig mein Vater urtheilte, als er behauptete, ich sey noch zu jung, als daß man mir die Führung irgend eines wichtigen Geschäftes anvertrauen lön« ne. Gleichwohl weinte der Ritter Keith, als er den Brief von meinem Vater las, er wäre zu bc» denk-- YO B. Franklins denklich; man müsse einen großen Unterschied unter jungen Leuten machen, und so wie Klugheit nicht uolhwcndig im Gefolge eines reifer» Alters scy, so wäre auch die Jugend nicht immer davon ent. blösst, „Immerhin, fuhr er fort, will er Sie „nicht etabliren, ja will ich es thu». Geben Sie „mir eine Liste von den Stücken, die man noch- „wendig aus England kommen laßen muß, und ich „will die Austrage dahin besorgen. Sie bezahlen „mich wieder, sobald sie es im Stande sind. Ich „bin cinmahl entschlossen, einen guten Drucker hier „zu haben, und weiß gewiß, daß Sie Ihr Glück „machen werden." Er sagte das mit einem solchen Scheine von Herzlichkeit, daß ich nicht einen Augenblick an der Aufrichtigkeit seiner Versprechungen zweifelte. Bis jetzt hatte ich in Philadelphia nych immer aus der ganzen Sache ein Gehcmmiß gemacht, uyd beobachtete auch ferner, auf Verlangen des Ritters, ein tiefes Stillschweigen darü er. Hätte man nur vermuthe» können, daß ich auf de» Statthalter rechne, so würde mir gewiß irgend ein Freund, der diesen Herrn genauer kannte, als ich, die Augen geöffnet haben: denn ich crstihr in der Folge, daß er allgemein für einen Mann gelte, ocr sthr IM Lebe n. 91 sehr frcygcbig mit Versprechungen fty, die er nie- mahls zu halten gedenke. Jndcß, da ich ihm nie mit einem Worte angelegen hatte, wie konnte mir der Gedanke kommen, daß alle seine Bclheurungm leerer Dunst waren? Ich hielt ihn für den bravsten Mann in der Welt. Ich überreichte ihm das Verzeichnis des zu einer kleinen Druckerei) nöthigen Apparats, der meiner Rechnung nach, vhngefehr hundert Pfund Sterling kosten würde. Er billigte es, fragte aber zugleich, ob es nicht beßer scy, wenn ich selbst in England an Ort und Stelle d>.e Schriften aussuchte, und die nöthigen Werkzeuge unter meinen At« gcn verfertigen ließ? „Sic würden, fuhr er fort, »auch außerdem Bekanntschaften machen, und sich »unter Buchhändlern und Papiermachcru Corre- »spvndemcn verschassen." Ich gestand, daß dies «-llerdings sehr voriheilhaft scyn würde. »Wenn »das ist, fiel er mir ins Wort, so machen Sie sich fertig, mit der AnntS nach Europa zu segeln." Dieses war das jährliche Schiff und das einzige, das damahlö regelmäßig die Reise zwischen den Häsen von London und Philadelphia machte. Indeß hatte es 92 B- Franklins es bis zum Abgang der Annis noch einige Monate Zeit. Ich arbeitete also bey Keim er fort/ in beständiger Sorge über die Summe/ die Coliins wir abgelockt hatte/ und in steter Furcht vor Vcr- non/ der jedoch glücklicher Weise erst nach einigen Jahren sein Geld verlangte. Ich glaube in der Erzählung meiner ersten Reise von Boston nach Philadelphia einen kleinen Umstand vergehen zu haben, der vielleicht auch hier nicht am unrechten Orte stehen wird. Während einer Windstille/ die uns jenseits Blockisland aufhielt/ vertrieben sich unsre Matrosen die Zeit da» mit/ Kabeljaue zu fischen/ und fiengen ihrer eine große Menge. Bisher war ich meinem Gelübde ,reu geblieben/ nichts zu eßen, das lebendig gewesen/ und auch jetzt noch betrachtete ich, nach dem Bcyspie! meines Herrn und Meisters Tryo n, den Fang jedes Fisches als eine Art von muthwilligen Mord, indem ja keiner von diesen Fischen irgend einem Menschen eine Beleidigung zugefügt habe, die dieses Metzeln rechtfertigen könne. Gegen dieses Räsonnemcnt lies sich, meiner Meinung nach, Nicht das geringste einwenden. Jndcß war ich ehedem Leben. 95 Um ein großer Liebhaber von Fischen gewesen, und diese Kabeljaue hatten, wenn sie aus dem Kcßel kamen, einen vorzüglich köstlichen Geruch. Ich schwankte eine Zeitlang zwischen meinem Grundsatz und meinem Appetit, bis mir endlich einfiel, daß man beym Ausnehmen dieser Kabeljaue kleine Fische in ihrem Magen gefunden hatte: dicß gab den Ausschlag, und ich sagte: „Verschlingt ihr euch „einander selbst, so sehe ich nicht, warum wir „euch verschonen sollten?» Und nunmehrspcißteich mit großem Appetit von den Kabeljau's, und aß, von dieser Zeit an, wiederum wie alle andere vernünftigen Leute, nur daß ich dann und wann, bey besonder» Veranlagungen, zur vegetabilischen Diät zurückkehrte. So bequem ist es, ein vernünftiges Thier zu ser.n, das immer einen scheinbaren Grund finden oder erfinden kann, was ihm gelüstet, zu rechtfertigen! . . Ich lebte mit Keimer ganz gut, und wir vertrugen uns so ziemlich, da es ihm nicht im Traum einfiel, baß ich einen Plan haben könne, mich neben ihm in Philadelphia zu etabliren. Er harre sich noch nicht ganz von seiner ehemaligen Schwär- 94 B. Franklins Schwärmerei) losgemacht, und 'war ein großer Liebhaber vom Dispmircn, so daß wir manchen Kampf zusammen kämpften. Ich pflegte ihm mit meiner sokratischcn Methode so zuzusetzen, und hatte ihn schon oft mit Fragen gefangen, die erst mit der Sache, von der die Rede war, kaum in einiger Verbindung zu stehen schienen, und gleichwohl stufenweise ihr immer näher rückten, und ihn in Widersprüche und Schwierigkeiten verwickelten, aus denen er sich nicht zu helfen wußte, so daß er auf eine lächerliche Weise vor- sichtig wurde, und mir kaum die gemeinste und natürlichste Frage beantwortete, ohne vorher die Gegenfrage auszuwerfen: „W as denkt Ihr daraus zu folgern?" Hierdurch brachte ich ihm zugleich einen so hohen Begriff von incinerKunst zu widerlegen bey, daß er mir im Ernst den Vorschlag that, ihm ein Projekt ausführen zu helfen, das er zur Stiftung einer neuen Religion gemacht hatte. Er wollte, die Glaubenslehren predigen, uuo ich sollte alle Widersacher bestreiten. Als er sich näher über seine Dogmen gegen mich herauslies, so fand ich mehrere lächerliche Grift beben. 95 Grillen darunter, die ich nur unter der Bedingung gelten laßen wollte, wenn er auch einige von meinen Grundsätzen aufnähme. Keimer trug seinen Bart ganz lang, weil Moses irgendwo geboten hat: Ihr sollt euerHaar am Haupt nicht rund umher abschneiden, noch euren Bart gar abscheercn." Er ftycrtc auch den siebenten Tag oder den Sabbath, und dicß waren, seiner Meinung nach, zwcy Hauptpunkte. Bcyde hatten das Unglück mir sehr zu misfallen, und ich wollte sie schlechterdings unter keiner andern Bedingung zugeben, als daß er sich dem Gesetz unterwürfe, keine Speisen anö dem Thier, reich zu genießen. „Ich zweifle, sagte er: ob mein Körper das ertragen wird.» Ich versicherte ihm dagegen, er werde sich bcßer bcy dieser neuen Duck befinden. Er war von Natur sehr lecker, und ich wollte mir den Spaß machen, ihn auszuhungern. Er entschloß sich endlich zu einem Versuche, und ich machte mich anheischig, ihm Gesellschaft zu leisten. Wirklich hielten wir auch ganzer drey Monate aus. Eine Frau aus der Nachbarschaft besorgte und brachte uns zu Mittag und Abend das Eßc». Ich gab ihr cme Liste von vierzig eochüßelu, die sie uns der 96 B. Franklins der Reihe nach geben sollte, und zu keiner derselben kam Fleisch oder Fisch. Dieser Scherz hatte übrigens ernstliche Vortheile für mich; mein Beutel befand sich wohl dabcy, indem einem jeden von uns der Tisch wöchentlich nicht über achtzehn Pence zu stehen kam. Ich habe seitdem verschiedene Fasten mit der größten Strenge beobachtet, und bin dann plötzlich wieder zu meiner gewöhnlichen Diät zurückgekehrt, ohne den geringsten Nachthcil davon zu spüren, und dieß hat mich in meinem Glauben bestärkt, daß der gewöhnliche Rath der Aerzte, sich nur allmählich an solche Veränderungen der Diät zu gewöhnen, so wichtig nicht sey» mag. Ich befand mich bcy unsrer magern Kost vortrrflich, desto mehr aber litt der arme Keim er. Er war der neuen Methode herzlich überdrüßig und seufzte nach den Fleisch, töpfen Egyptens. Endlich bestellte er aus Verzweiflung ein gebratenes Spanferkel, worauf er mich und zwcy gute Freundinnen einlud: zufälliger Weise aber ward das Spanferkel etwas zu bald gar; er konnte ') Shugefebr Zwölf Greschkiy ^ e b s n, 9^ konnte der Versuchung nicht widerstehen, und ver« zehne es ganz allein, che wir kamen« Um diese Zeit hatte ich Gelegenheit, der Miß Read bisweilen den Hof zu machen. Ich empfand viel Achtung und Zärtlichkeit für sie, und durfte mir schmeicheln, auch auf sie einigen Eine druck gemacht zu haben. Wir waren aber beyde noch sehr jung, keines viel über achtzehn Jahre; und da ich im Begriff stand, eine weite Reise anzutreten, so hielt es ihre Mutter für klug, zn verhindern, daß wir vor der Hand nicht zu weit gingen, indem, wenn es ja zu einer Heurach zwischen uns kommen sollte, dicß schicklicher erst nach meiner Zurückkunft geschähe, wenn ich, wie ich hoffte, auf meine eigne Hand etablirt wäre. Vielleicht glaubte sie auch, daß meine Hoffnungen Nicht so gegründet waren, als ich mir einvildete» Meine vornehmsten Gesellschafter waren das Mahls Carl Osborne, Joseph Watsott und Jacob Ralph, alle Freunde von Lectüre. Die bcyden ersten waren Schreiber bey Hrn. Car! Brock don einem der angesehensten Advokaten in Franklins kleine Schockten. G Nht« 98 B. F r a n k i i n s Philadelphia, und der letzte stand als Handlungs- dicncr Key einem Kaufmann. Wattson war ein junger, braver Mann sehr fromm und gefühlvoll, die beydcn andern hatten etwas freyere Neligious- grundsatzc, besonders Ralph, den ich so wie Coli ins selbst im Glauben wankend gemacht hatte, Beyde haben mich für diesen Dienst genug gestraft. Osborne hatte feines Gefühl, Frey, müthigkeit und warmen Eifer für seine Freunde, nur war er in Sachen des Geschmacks allzu sehr zu sirengem Tadel geneigt- Ralph war schv geistreich, geschmeidig in seinem Betragen, und außerordentlich beredt. Ich crinere mich nicht in meinem ganzen Leben einen angenchmcrn Spre- chcr gefunden zu haben. Beyde waren leiden- schaftliche Verehrer der Poesie, und fingen att, sich in kleinen Gedichten zu versuchen. Wir hatten die Gewohnheit, des Sonntags einen sehr angenehmen Spatzicrgang in den Wald zu machen, der die Ufer des Skuylkil umgibt. Wir lasen da zusammen, und unterhielten uns über das Gelesene. Ralph war geneigt, sich ausschließend der Poesie zn widmen. Er schmeichelte Leben. 99 chelte sich, die größten Fortschritt auf dieser Laufbahn zu machen, und selbst Schatze damit zu sam. mein. Er behauptete, die größten Dichter hatten in ihren ersten Arbeiten wohl eben so viel Fehler begangen, als man ihm vorrücken könne. OS- dorne suchte chm daS auszureden, versicherte ihn, «r besitze kein poetisches Genie, und ricth ihm bcv der Bestimmung zu bleiben, zu welcher er erzogen worden wäre. „In Handelsgeschäften, „sagte er zu ihm, können Sie mit Ihrem Fle-ß „und Ihrer Thätigkeit, ob Sie gleich kein eignes „Vermögen haben, sich so viel ersparen, daß Sie „eine Stelle als Factor bekommen, und so nach „und nach genug erwerben, um einmahl einen „eignen Handel anzufangen " Ich meines Thcils wollte zwar erlauben, daß man sich bisweilen mit Vcrsemachcn awüsire, aber blos um die Sprache in seine Gewalt zu bekommen. ES warb demnach » vorgeschlagen, daß jeder von unS, bc» der nächsten Zusammenkunft, ein von ihm verfertigtes Gedicht mitbringen solle. Unsere Absicht bey diesem Wettstreit war, durch Bemerkungen, Kritiken und vorgeschlagene Vcrbeßenmgcn uns gegenseitig zu belehren; und da Sprache und Ausdruck das em- G 2 .jgx B. Franklins zige waren, was wir dabcy vor Augen hatten, so nahmen wir keine Rücksicht auf Erfindung, und bestimmten zum ersten Thema eine Uebersetzung des achtzehnten Psalmes, worum das Hcrabstei, gen der Gottheit beschrieben wird. Der Tag unserer Zusammenkunft nahte sich, als Ralph zu mir kam, und mir sagte, sein Gedicht wäre fertig. Ich gestand ihm dagegen, ich wäre faul gewesen, und da ich ohnehin nur wenig Neigung zu solchen Arbeiten hatte, so habe ich nichts gemacht. Er zeigte mir hierauf sein Stück, und verlangte mein Urthcil darüber. Ich billigte es sehr, weil es mir wirklich ungemeinen Werth zu haben schien. Ralph versicherte nunt „Osborne wird nie einem Gedichte von mir „das geringste Verdienst zugesteht!« Schon der »Neid gibt ihm tausend Kritiken ein. Auf Sic ist „er weniger eifersüchtig; ich wünschte also, Sie „nahmen dieses Stück und gäben es für Ihre Ar, „bcit aus. Ich aber will sagen, ich hätte keine „Zeit gehabt, und nichts gemacht. Wir wollen „nun sehen, was er sagen wird.» Wir Leben. IOl Wir versammelten uns. Walsens 'Arbeit ward zuerst gelesen. Sie hatte einige Schönheit ten, aber ungleich mehr Fehler. Wir lasen dann die von Osborne, die in der Thal weit bcßer war. Ralph lies ihr volle Gerechtigkeit wider- fahren; er rügte einige Fehler, rühmce aber noch weit mehr die schönen Stellen. Er selbst hatte dicßmahl nichts, die Reihe war also an mir. Ich machte Schwierigkeiten; ich stellte mich, als koste es mir Ueberwindung, mein unreifes Prodnke vor- znzeigen, ich entschuldigte mich, daß ich nicht Zeit gehabt, es auszufeilen u. f. w. Allein nichts half, ich mußte herausrücken. Man las das Gedicht und las es noch einmahl. Watson und Osborne traten sogleich selbst von der Concur- «cnz ab und vereinigten sich zu seinem Lobe. Ralph allein machte einige Kritiken und schlug verschiedene Verbesserungen vor: ich aber vertheidigte meine Lesart. Osborne nahm gegen Ralph Partcy, und behauptete, er verstehe so wenig, Werse zu kritischen, als welche zu machen. Wir gingen auseinander; nur Osborne blieb bcy mir, und ergoß sich nun in noch star- G z kern io2 B. Franklins kern Ausdrücken zum Lobe des Gedichts, das er für meine Arbeit hielt. Er versicherte, er habe vorhin absichtlich an sich gehalten, aus Besorgiuß, er möchte bcy mir in den Verdacht der Schweis chclcfl gcrathcn. «Wer hatte sich einbilden sollen, „rief er emmahl über das andere, daß Franks „lin im Stande wäre, solche Verse zu machen! „Welche Mahlercy! Welche Kraft! welches Feuer! „Er hat das Original übertreffen. In seiner ges „wohnlichen Unterhaltung scheint sein Ausdruck „nichts weniger, als gewählt; er besinnt sich, er „stockt, ergreift oft ein falsches Wort; aber, gutes „Gott, wie vortrcflich schreibt er!" Ney unsrer nächsten Zusammenkunft entdeckte Ralph den Streich, den wir Osborne ges spielt hatten, der nun unbarmherzig geschraubt wurde. Dieses kleine Abentheuer bestärkte unfern Freund Ralph, in seinem Vorsatz, ein Dichter zu werden. Ich wendete alles an, ihn davon abs zubringen, aber er fuhr fort, Verse zu machen, so lange bis er den Nope las, der ihn von seiner Kranks Leben. IOZ Krankheit heilte. Dafür ward cv ein sehr guter Schr>ftsicllcr in Prosa. Weiter unten werde ich mehr von ihm sprechen; da sich aber keine Gele» G 4 gen, ^ *) Frankliu spielt hier ans folgende Zeilen des drif- teil Büchs der Dnneiade an, in deren später!! AuS- gaben sein Freund Ralph eine Steile erhielt: Lllonce, z-eivolvcs- vrSiils It. a I ^ N eo (l/nelchs. Iiowls. ^ri irisches iii»Nr Iridcous; ankvoco Ii im, vs ovvls ! d. i. „Still, ihrWdlfei Ralvh heult zum Mond „auf, und vermehrt das Eraufeu der Nacht: antwor- -,ret ihm, ihr Eulen!" Diese Verse zielen auf ein elendes Gedicht von Ralph unter dem Titel dl? Nacht. Erlwar, wie Warburton in seinem Evmmcntar zu Pope's Werken versichert, dem Dichter nicht eher bekannt, als bis er ein Stück schrieb unter dem Titel Saw ney, worin« crSwift, Pope und andere verdiente Manner michandcllc. „Dicker Scridler, seht Warburton hinzu, begleitet seine eignen Schriften mit Lobsprüchen in den Journalen, und rühmte sich cinmahl: «er sc» weit über „Addison hinweg." Cr verstand gar nichts von der Littcratur, und wüßt? keine einzige Sprache, nicht einmal die franzdsische. AIS ihm gcrathen wurde, cp mochte erst die Regelnder dramatischen Poesie stuSircn, ch er anfange, Schauspiele zu schreiben, so gab er lächelnd zur Antwort: „Shakesxear schrieb obnc Regeln-" Cr ward endlich für einen kleinen Gehalt, polirischer Zeitungsschreiber. " " — sftie 8 B. Franklins thau, und cr habe jetzt nicht Zeit sie auszusuchen, aber noch vor der Ausschiffung in England sollte nur alles richtig zugestellt «»erden. Mit dieser Ants wort begnügte ich mich, und wir setzten unsre Reise fort, die Paßagicre der Kajüte waren alles sehr gesellige, vertragliche Leute, und führten einen sehr guten Tisch, denn wir konnten den ganzen reichlichen Vvrrath verbrauchen, den Mr. Hamilton mit sich gebracht und nun zurückgelaßen halte. Auf dieser Reise faßte Mr. Denha m eine Freundschaft für mich, die nur mit seinem Leben ein Ende erreichte. Sonst war die Ucbcrfahrt nach Europa kcme der angenehmsten, denn wir hatten viel böses Wetter. Sobald wir den Canal erreicht hatten, hielt der Capitain Wort, und ließ mich in dem Sacke die Triefe des Statthalters suchen. Ich fand keinen einzigen, auf dem mein Nähme stand, zum Zeichen, daß mir die Besorgung dcßclbcn anvcr. traut wäre. Ich suchte mir sechs oder sieben aus, aus deren Addrcße ich vermuihctc, daß sie für mich bestimmt scyn könnten, zumah! da einer davon - an Baskct, königlichen Buchdrucker, und ein anderer Leben. anderer an einen Papicrhandlcr gerichtet war. Dieser letztere kam nur zuerst in den Weg. Ich stellte ihm den Brief zu mit der Erinnerung, er komme von dem Statthalter Keith. „Ich kenne „den Mann nicht» sagte er, nachdem er ihn aber erbrochen hatte, so fuhr er fort: »Aha! er ist von „R id d le sd e n! das ist ein ausgemachter Spitz- »bube, wie ich seit kurzem erfahren habe, und ich »mag künftig weder Geschäfte mit ihm machen, »noch Briefe von ihm haben." Sogleich drückte er mir den Brief wieder in die Hand, kehrte mir den Rücken zu, und verlies mich, einige Käufer zu bedienen. Ich erstaunte, als ich fand, daß diese Briefe nicht vom Statthalter waren. Ich dachte der Sas che nach, verglich diesen und jenen Umstand, und nun erst erhoben sich bcy mir Zweifel gegen seine Aufrichtigkeit. Ich suchte meinen Freund Denham, und erzählte ihm den ganzen Handel. Dieser steckte mir sogleich ein Licht über Keiths Charakter auf, und versicherte mich, es sey nicht die geringste Wahrscheinlichkeit, daß er meinetwegen auch nur Eine Zeile geschrieben haben sollte: niemand, der ihn iro V. Franklins ihn kenne, setze das mindeste Vertrauen in seine Versprechungen; und er lachte herzlich über meinen Wahn? daß der Statthalter mir einen Crcditbricf gegeben, er, der selbst keinen Credit habe. Da ich einige Verlegenheit äußerte, was nun anfangen? so rieth er mir, ich sollte suchen, bcy einem Drucker Arbeit zu bekommen, „Hier, sagte er können „Sie es in ihrer Kunst zur Vollkommenheit brin- „gen; dicß wird ein Mittel werden, sich nach ihrer „Zurückkunft in Amerika desto vorteilhafter zn „etablwen." Wir wußten schon fast eben so gut, als der Papierhändler, daß der Notar Niddlcsden ein großer Gauner war. Er hatte den Vater der Miß Read fast zu Grunde gerichtet, indem er ihn zur Bürgschaft für sich verleitete. Wir ersahen aus seinem Briefe, es müßc ein geheimer Anschlag gegen Mr, Hammilton, von dem man glaubte, er sey mit uns nach Europa gegangen, im Werke sc»n, und der Statthalter müße dem feinen Mr. Niddlcsden dazu die Hände bieten. D e n ham, ein genauer Fecund von Hamilton, war der Meinung, wir müßten ihm davon einen Wink geben. Wirk- Lebe n. Wirklich besuchte ich ihn auch, als er kurze Zeit nach uns in England ankam, und stellte ihm, so wohl aus gutem Willen gegen ihn, als aus Empfindlichkeit gegen Keith, den erwähnte!! Brief zu. Er dankte mir mit vieler Warme, da das, was er aus demselben erfuhr, von nicht geringer Wichtigkeit für ihn war, und von diesen Augenblick an schenkte er mir seine Freundschaft, die mir in der Folge bey manchen Gelegenheiten sehr nützlich gewesen ist. Was soll man aber von einem Statthalter denken, der so klagliche Streiche spielt, und einen jungen Menschen ohne Erfahrung so plump hintergeht? Es war bey ihm zur Gewohnheit worden. Er wollte sich gern der ganzen Welt gefällig machen, und da er wenig zu geben hatte, so ging er verschwenderisch mit Worten um. Ucbri- gcns war er ein verständiger, geistreicher Mann, ein schätzbarer Schriftsteller und ein guter Statthalter für das Volk, weniger aber für seine Constituenten, die Eigcnthümcr der Provinz, deren Instructionen er oft vcrnachlaßigte. *) Ver« schic- Die Statthalter ro» PensylMnen nurden,vvr der i! 2 B. Franklins schicdcnc von unfern besten Gesetzen sind sein Werk^. und wurden unter seiner Verwaltung eingeführt. Revolution nickt von dem Kbnige von England sondern von den Nachkommen W, Penns, des Stifters dieser Provinz, dem dieselbe von Karl dem zweyten als unumschränktes Eigentlmm mit dem Titel eines Gcucralgvuverneurs käuflich überlassen worden war, ernannt. Fünf. Leben. Fünftes Kapitel. Franklin führt in London ein zerstreutes Leben - er wohnt in Einem Hause mit RaIpn — »crlieot sich in die Geliebte seines Freundes / von der er aber einen Korb bekömmt — wird ein Schriftsteller und schreibt ein metaphysisches Werk gegen Woilaston — macht die Bekanntschaft des Dr. Mandevillc, des ÄerfaßerS der berühmten Fabel von den Bienen —einige Nachrichten von diesem Manne —Franklin gchr zu einem andern Drucker — er trinkt blos Waßcr und hat dabcy mehr Kräfte, als seine Kameraden, die Doppelbier trinken— er führt einige heilsame Gesetze in die Kapelle ein — eine Einsiedlerin mitten in London — Franklins Geschicklichkeit in der Kunst zu schwimmen — er kömmt als Hand- iungSdicncr zu einem Kaufmann und kehrt nach Philadelphia zmück. ^alph und ich waren unzertrennliche Gefährden. Wir inicthctcn zusammen ein Stübchen für drey und einen halben Schilling die Woche, das höchste, was wir ausbringen konnten. Er traf einige Ver» Franklins kleine Schriften. H tvands I'4 B- Franklins wandten in London, die aber eben so arm waren, und ihn nicht unterstützen konnten. Jetzt entdeckte er mir zum erstenmal)! seinen Plan, in England zu blci cn, und daß er keinen Gedanken habe, je nach Philadelphia zu ückzukehren. Er war völlig von Geld entblößt: das wenige, was er in Amerika zusammenbrmgcn konnte, hatte kaum für die Reise hingereicht. Ich besaß noch fünfzehn Pistolen, zu denen er bisweilen seine Zuflacht nahm, indeß er irgendwo unterzukommen suchte. Anfangs wollte er, weil er sich Talente für die Bühne zutraute, ein Schauspieler werden; Miltes aber, bcy dem er sich meldete, gab ihm den sreundschaftlichcnRath, dieser Idee zu entsagen, wc»! es ihm auf diesem Wege nie glücken werde. Nun schlug er dem Buchhändler Roberts in der Paternoster - Rcw vor, eine Wochenschrist nach Art des Zuschauers zu schreiben; allein Roberts fand die Bedingungen mcht annehmlich. Endlich suchte er Schreiber bcy einem Advokaten oder Buchhändler zu werden, allem es wollte s.ch keine ledige Stelle finden. Ich Leben. Ich für meinen Theil war glücklicher und ward sogleich von Palmer, einen damahls berühmten Buchdrucker in Bartholomen,-Close angenommen, bey dem ich fast ein Iahr blieb. Ich war sehr emsig bcy der Arbeit, doch brachte ich mit Ralph fast alles wieder durch, was ich einnahm. Das Theater und andere öffentliche Lustörter zehrten meine fünfzehn Pistolen bald auf, und dann ging es, wie man zu sagen pflegt, von der Hand in den Mund. Seine Frau und sein Kind halte Ralph, wie es schien ganzlich vergeßen, und auch ich vergaß nach und nach meine Berheurungen gegen Miß Read. Ich schrieb ihr einen einzigen Brief, und auch den nur, um ihr zu sagen, daß ich sobald nicht wiederkommen würde. Dieß ist abermahls «ine von den großen Vcrgehungcn meines Lebens, die ich gern verbcßern würde, wenn ich meine Laufbahn von neuem beginnen dürfte. Ich arbeitete bey Palm er an der zweyten Au sgab e von Woolastons n a tü rl ich e r R e l i- gion. Einige von seinen Beweisen schienen mir nicht bündig, und ich schrieb einen kleinen meta. physischen Traktat, worin ich diese Stellen zu > Hs wider- n6 B. Franklins widerlegen suchte. Der Titel lautete: AbHand» lNng über Freyhcit und .Roth wendig» keit, Vergnügen und Schwerz. Ich eig« nete sie meinem Freunde Ralph zu, und drucks te eine kleine Anzahl Exemplare davon. Pal» wer behandelte mied von dieser Zeit an mit mehr Achtung und betrachtete mich als einen jungen Menschen von Talenten, doch las er mir ernstlich den Text über die in meiner Proschüre aufgestellten Grundsätze, die ihm abscheulich dankten. Der Druck dieses Aufsatzes war gleichfalls einer von den Jrrthümcrn .meines Lebens. Wahrend ich in Littlc-Britain wohnte, machte ich die Bekanntschaft eines Buchhändlers Nahmcns Wilcox, besten Gewölbe meiner Wohs nung gerade gegenüber lag. Damahls waren die Leihbibliotheken noch nicht gewöhnlich, und Wik- cox hatte eine große Corkimenchandluug. Wir wurden einig, daß ich für einen bestimmten Preist, dcßcn ich mich nicht mehr genau erinnere, die Erlaubniß haben sollte, so viel Bücher als mir beliebte, aus seinem Laden zu nehmen, und wenn ich sie gelesen, zurückzugeben. Ich betrachtete die, sen Lebet?. 117 seit Vertrag als einen großen Vortheil für mich, und benutzte ihn, so ^v:cl mir nur irgend möglich war. Meine Broschüre fiel in die Hände eines Chirurgus, Nahmcns Lyons, Verfassers von ei? nein Buche, das den Titel führt: die Untrüg- lichkcit des menschlichen Verstandes, und gab Veranlassung zu einer genauen Bekanntschaft zwischen uns. Er erzeigte mir ungemeine Achtung, besuchte mich fleißig, um sich über meta? physische Gegenstände mit mir zu unterhalten, und führte mich bey dem Doctsr Mandeville, den Verfasser derFabcl von den Bienen ein, der auf einem Kasschause in Cheapside einen Club gestiftet hatte, dessen Seele er war. Mandeville war ein lustiger und sehr unterhaltender Mann *) Lyons machte mich auch auf Basions Kaffee? H z Hause ") Mandern! war ein scharfsliinMer aber rrecntnscher Kopf. In seiner Fabel von den Bienen suchte er zu beweisen, d e moralische Tugend sey eine Erfindung von Betn'iaern, die christliche Tu >end eine AuegcburH von Varrcn, daS kaiier hingegen nochwendig »nd ollem rcrmbgend, die Gescll'chgft blühend und glücklich ZU inachen: xrlvatorum vilü, rgijZublicas benellelsZ i,g B. Franklins mit dem Dr. Pemberton bekannt, der wir versprach, eine Gelegenheit zu verschaffen, Sir Jsaac Newton zu sehen, was einer meiner feurigsten Wünsche war. Wein er hielt mir nie Wort. Ich hatte aus Amerika einigt Seltenheiten mit? gebracht; die wichtigste darunter war ein Beutel von Asbest, der sich von selbst im Feuer reinigt. Sir Hanns SIvane Hörle davon, suchte mich auf, und bat mich auf sein Haus in Bloomsdurys squarc, wo er mir erst seinen ganzen Vorrath von Merkwürdigkeiten der Natur und Kunst zeigte, und sodann mich ersuchte, ihm auch dieses Stück noch für seine Sammlung zu überlaßen. Er bezahlte nur es reichlich. In unserm Hause wohnte auch eine junge Mos dchändlerinn, die neben der Börse einen Laden halte. Sie war lebhast und witzig, hatte eine sehr gute Erziehung genoßcn, und war in der Untcrhals tung allerliebst. Ralph las ihr alle Abende Cos wödten vor. Sie wurden vertraut. Sie nahm eine andere Wohnung und er zog ihr nach. So lebten Leben. i iy lebten sie eine Weile zusammen, da Ralph aber ohne Amt war, sie ein Kind hatte, und ihr Hans dcl nicht genug eintrug, drcy Personen zu crnähs rcn, so nahm er sich vor, London zu verlaßcn, und eine Erziehungsanstalt auf dem Lande anzulegen. Dieser Plan konnte ihm, seiner Ueberzeugung nach, nicht mislingcn, da er eine schöne Hand schrieb, und Rechnen und Buchhaltcn aus dem Grund Vers stand. Jndeß dünkte ihm diese Beschäftigung unter seiner Würde zu senn, und da er hoffte dereinst in der Welt eine glänzendere Rolle zu spielen, wo er sich dann zu schämen haben würde, wenn man er, führe, daß er ein so wenig ehrenvolles Geschäfte *) getrieben, so veränderte er seinen Nahmen, und H 4 erwies ") In mehr als einer Gatuna wahrer Aufklärung Lehen die stolzen Britten doch weil hinter den Deutschen. In unser» Tagen suchen nnsre Fürsten nnb Krusten, Männer, die steh in dem mühsamen und verdienstlichen Geschäfte der Erziehung und des Unterrichts hcroorthun, so wie überhaupt den Stand der Volkslehrcr und Erzieher nicht allein zu belohnen, sondern auch aus alle Weise zu ehren. In England hingegen blickt der vornehme wie der gemeine Pdbel mitVerachtnng auf oic- se an sich ehrwürdige Men schenklaße herab, die nun freylich dort, eben der Verachtung wegen, unr> r welcher sie schmachtet, wenig vorzügliche Aänner hat, oder sie doch Nicht behält, d. Ue. i2o B. Franklins erwies mir die Ehre, de» meinigen anzunehmen. Er schrieb mir bald nach seiner Abreise, und that mir zu wißen, daß er sich in einem kleinen Flecken in Berkshire niedergclaßcn. In seinem Briefe empfahl er Mistriß T. . - die Modchanblerinn mci5 ner Sorge, und bat mich die Addreße einzurichten an Mr. Franklin Schulmeister in N>.. Er fuhr fort mir fleißig zu schreiben, und schickre mir große Fragmente eines epischen Gedichts, an dem er arbeitete, und das ich seinem Verlangen zufolge, kritisiren und vcrbeßcrn sollte. Ich that ihm, von Zeit zu Zeit, seinen Willen, ließ ihm aber nichts unversucht, ihm diese allzukühne Idee aus dem Kopfe zu bringen. Aoung hatte eben «ine von seinen Satyren herausgegeben. Ich schrieb mehrere Stellen daraus ab, in denen der Dichter zeigt, wie thörigt es sey, sich dem Dienst der Musen in der Absicht zu widmen, um dadurch sein Glück in der Welt zu machen, und schickte sie ihm zu. Alles umsonst: mit jeder Post kam ein neues Fragment von seinem Heldengedichte. H Jn- ") " « der Ruhm hat keinen Gimpel ss sehr zum Besten, Leben. Jndeßen befand sich Misiriß T- . . die'feinest, wegcn ihre Freunde und Kunden eingebüßt hatte, oft in großer Roth. In diesen Fallen nahm H 5 sis --als seinen alten treuen Liebhaber, den Poeten von Pro- --sesivn." Voyle glänzt im Raths, Mord annt ->l»! Gefechte, Pelham wird wegen seiner Pracht de« --wundert,- ich aber kann schreiben, und was ist einem -.großen Geiste so theuer, als Ruhm?" So schwärmt -.er, aber bald flüstert ein Gott ihm ins Ohr, daß -.Ruh»! ohne Vrod nickt gesund sen, und das Leben --nichts bester erhalte, als Esten. Nachdem er endlich ma? --gcr und weise geworden, verflucht er alle seine Schriften, --und wünscht lsich, an nichts sonst Mangel zu leiden, --als an — Witz. 'Denn was hilft es ihm, daß sein --siegreicher Nähme eine Säule ziert, wenn er keine ..Mahlzeit Kar, oder daß (kränkendes Schicksal,!!) --sein herrliches Gedicht einen Nierenbratcn beschützt, --den die Söhne der Dummheit verzehren? Welcher „Feind der Dichtkunst kann eS ohne Mitleid hören, --welcher gransame Prosaist kann sich der Thränen enk- ,,halten, wenn die arme Muse sür weniger, als eine „halbe Krone, an allen Enden der Stadt sich feilbietet, „und mit migcdmckten Versen, in Gesellschaft andrer .-unglücklichenH... sich Credit für Branntwein macht? --Warum wellt ihr singen, ihr Barden, ob ihr gleich „nicht beacistett seyd? Ihr Barden,mvarni!i wollt ihr „verhungern, um bewundert zu werde»?... Alle ,,andere Gewerbe fördern, nur die Vcrscinache? bet- „teln; eine Dedication ist ei» hölzernes Bein. . . „Wie? so wäre es ein V-rbrechcn Zu schreiben?" „Nein; wenn seltene Gaben den beseelenden Gott ver- kündj.' 122 B. Franklins sie ihre Zuflucht zu mir, und ich lieh ihr, fle aus der Verlegenheit zu reißen, was ich nur irgend ent» bchrcn konnte. Unvermerkt fand ich etwas zu viel Geschmack an ihr. Ich hatte damahls wenig Religion; ich misbrauchte das Verhältniß, in welches ihre Dürftigkeit sie zu mir gesetzt hatte, und nahm mir (abcrmahls einer von den größten Fehltritten meines Lebens!) Frcyhcitcu heraus, die sie mit gerechter Empfindlichkeit von sich wicß. Sie gab ihrem Freunde Ralph Nachricht von meiner Aufführung, und dieser Handel machte, daß wir uns LNtzweytcn. Als er nach London zurückkam, gab er „kundigen, so ist cS Verbrechen, nicbtzu schrciben : , „auch aibl eS noch ewige, wenn gleich wenige große „Seelen, die unbemerkt auf die Arbeiten der Muse „merken, ihren Werrh 'cnncn und um ihren Beyfall „buhlen . . . aber ach! selbst die Begeisterung kann „den Ruhm nickt erlangen, nach welchem Dichter „schmachten. Wie thbricht ist das Bestreben derer, die „r äch Ehre dürsten, und in erhaschen Iiichen, was kein „Mensch lebend bcsthcn kann! der Ruhm ist ein Erb- „aut, daS den Menschen (ach ! viel zu spät) erst Heu ih- „rem eignen Tode zufallt. Diese Wahrheit weiß der „schlaue kinrvt swvhl, das er seine Auroren rer- „hungern last, dgmit ihre Werke adaedc» «nbaen u. „s. w." " JoungS dritte Satire über die Ruhmbegierde. Leben. ,2Z er mir zu verstehen, er sähe, nach diesem Betragen, alle Verbindlichkeiten, die er mir etwan haben könnte, als vernichtet an. Ich schloß daraus, daß ich nicht hoffen dürfe, das Geld, das ich ihm ge« 'icheil oder für ihn ausgelegt hatte, wieder zu be- kommen. Diese Erklärung machte mir wenig Kummer, da er ganzlich außer Stande war, zu bezahlen, und da ich überdieß, indem ich seine Freundschaft einbüßte, zugleich von einer mir sehr lästigen Würde bcfreyt wurde. Nunmehr dachte ich wieder darauf, mir etwas für die Zukunft zu sparen. Watts Druckcrey, in der Nähe von Lincoln's-inn-ficld, war weit ansehnlicher, als die, in der ich jetzt arbeitete: es war also wahrscheinlich, daß ich dort beßer meine Rechnung finden werde. Ich meldete mich demnach bcy Watts; er nahm mich an, und ich dlieb, solange mein Aufenthalt in London dauerte, bey ihm. Hier ließ ich mich anfangs bey der Preße brauchen , weil ich glaubte, mein Körper bedürfe mehr Bewegung, an die ich in Amerika gewöhnt war, wo die «!2 B. F r a n k l l n s die Arbeiter abwechselnd Setzer und Drucker sind. Ich trank nichts als Waßer. Die übrigen Arbeiter, deren Zahl über fünfzig stieg, waren starke Biertrinker. Ich trug im Nothfall, Trepp auf und ab, in jeder Hand eine große Form, da die andern beyde Hände zu einer einzigen brauchten. Mit Erstaunen sahen sie aus dieser und mancher andern Probe, daß der amerikanischc 'W aßcrma n n, wie sie mich nannten, weit starker scy, als sie, die nichts als Doppelbier tranken. Ein eigner Junge eines benachbarten Brauers hatte den ganzen Tag über genug zu thnn, dieses einzige Haus mit Bier zu versorgen. Mein Kamerad an der Prcße trank täglich vor dem Frühstück eine Pintc Bier, wahrend des Frühstücks von Brod und Käse abcrmahls eine Pinte, eine dritte zwischen dem Frühstück und Mit. lagseßen, eine bcy der Mahlzeit, eine andere nach Tische gegen sechs Uhr, und endlich wenn er mit der Arbeit fertig war, abermah.'s eine Pente. Ich fand diese Gewohnheit häßlich, er aber behauptete, er müße kräftiges Bier trinken, um Kräfte zur Arbeit zu bekommen. Ich suchte ihn zu überzeugen, daß die körperliche Stärke, die ein starkes Bier geben könne, im Wer- Leben. 125 Dcrhältniß mit der Maße von Gerste oder Weizen stehe, der sich in dem Waßer auflöse, aus dem das Bier gebraut werde —, daß in einem Pfennigbro- de sich weit mehr nährendes Meh! bcflnde, und daß er folglich, wenn er das Brod cßen und Waßer dazu trinken wollte, mehr Kräfte davon bekommen würde, als von einer ganzen Pinte Bier. Dieses Räsonnement bewog ihn nicht, vov seinem Biertunken abzustehen: er trank fort und bezahlte am Ende jeder Woche, von seinem säuern Verdienste vier oder fünf Schillinge für dieses garstige Grs tränke. Eine Ausgabe, von der ich ganz srcy war- So bleiben diese armen Teufel ihr Lebelang frcy- willig in einet beständigen Dürftigkeit. Watts brauchte mich nach einigen Wochen oben als Setzer und so trennte ich mich von den Druckern. Die Setzer verlangten von mir ein neues Lösegeld. Mm schien diese Forderung unverschäut, da ich schon unten bezahlt hatte. Der Herr dachte Wie ich, und verbot mir, etwas zu geben. So blceb ich zwcy oder drey Wochen von der Gefells schaft getrennt. Ich wurde vollkommen wie ein Excommuittcirter betrachtet, und sobald »ch nur den Rücken ,26 B. Franklins Rücken wendete, so blieb keine muthwillige Necke? ren gegen auch unversucht. Ich fand meine Schriften durch einander geworfen, meine Columncn versetzt, die Zeilen zerrißcn u. f. w. und wenn ich mich beschwerte, so schob man alles auf den Kobolt, der, wie man versicherte, diejenigen verfolge, die nicht dem Herkommen gemäß aufgenommen worden. Ohnerachtct Watts selbst mich schützte, so mußte ich doch endlich nachgeben und bezahlen; überzeugt, daß es eine große Thvrheit sey, in bösen Vernehmen mit Leuten zu stehen, mit denen man beständig zusammen seyn muß. Nach diesem Vorfall lebte ich mit allen auf dem besten Fuße, und gelangte bald zu einem nicht geringen Ansehn unter chncn. Ich schlug einige Acndcrungm in den Gesetzen der Kapelle vor, und setzte sie, trotz alles Widerspruches, du-ch. Mem Beyspiel wirkte so viel, daß mehrere ihrem häßlichen Frühstück von Bier, Beod und Käse enrsagrcn und sich mir mir aus einem benachbarten Hause ein Schalchen warmer Grütze hohlen ließen, worein ein Stückchen Butter, einige Schnitte Brod und ein paar Körnchen Pfeffer kamen. Dieses Frühstück war Leben. !2? war weit gesünder, kostete eben nicht mehr, als eine Pinre Bier, nehmlich drey Half-pennys (i gl) und erhielt den Kopf weit heiterer. Diejenigen, die nicht abließen, sich den ganzen Tag mit Bier zu füllen, verloren oft, wenn sie nicht bezahlen konnten, ihren Credit bey dem B.erschenkcn. Daun kamen sie zu mir, und ich mußte, wenn nach chrcm gewöhnlichen Ausdruck, ihr Licht ausgegangen war, gut für sie sagen. Am Ende jeder Woche erschien ich an der Z.-H!tafel und forderte die kleine Summe, die ich ausgelegt hatte, und die bisweilen dreyßig Schillinge betrug, wieder ein. Dieser Umstand und weil ich für einen argen Spottvogel oder, mit andern Worten, für einen geschickten burlesken Satyr.ker galt, machte, daß ich in der Kapelle eine der ersten Rollen spielte. Ueberdicß harteich mich bey Watts durch meinen anhaltenden Fleiß empfohlen, indem ich niemahls blauen Montag machte. Meine außerordentliche Geschwindigkeit im Setzen verschaffte mir immer die dringendsten Arbeiten, die gewöhnlich am besten bezahlt werden, und so lebte ich sehr vergnügt und zufrieden» Da 128 B. F r a !I k l i n ö Da mein Quartier iu Little-Britain zu weit von der Druckerey entfernt war, so nahm ich mir ein anderes iN Duke-strect, der katholischen Ka? pelle gegen über, in dein Hintergebäude eines italie» Nischen Waarenlagers. Die Frau vSin Hause war eine Wittbe, die außer ihrer Tochter eine Magb und einen Lavendiencr hatte, der aber anderswo logirtc. Nachdem sie sich in dem Hause, wo ich zuletzt gewohnt, meinetwegen erkundigen laßen, so gab sie mir das Zimmer um denselben Preis, nchms lich die Woche für vicrthalb Schilling. Mir diesem wenigen, sagte sie, nähme sie der Sicherheit wegen verlieb, weil sie, als eine Familie aus lauter Frauenzimmern gern einen ordentlichen Mann im Hause haben möchte». Meine Wirthinn war eine Person in die Iah? re, die Tochter eines Geistlichen. Sic war in dct protestantischen Ntligion erzogen, ihr Mann aber, deßen Andenken sie ungemein verehrte, hatte sie zNr Katholikinn gemacht. Sie hatte viel unter Leuten von Stande gelebt, und wußte eine große Anzahl Anekdoten, die bis auf die Zeiten Karls des zwcys tcn zurückgingen. Gichnsche Zufälle machten ihr oft das Leben. 129 das Gehen unmöglich, so daß sie nicht aus ihrer Stube konnte, und Gesellschaft ihr zum Bedürfniß ward. Ihre Unterhaltung hatte so viel Reize für mich, daß ich, so oft sie es verlangte, den Abend bcy ihr zubrachte. Unsre Mahlzeit bestand in nichts als in einer halben Anchoje für die Person, nut etwas Brod und Butter und einer halben Pinte Ale für die ganze Tischgesellschaft. Das eigentliche Traktement war ihre Unterhaltung. Wegen meines baldigen und regelmäßigen Nach- hausekommens den Abend, und der genügen Stö- rung, die ich im Hause verursachte, konnce sie sich nicht entschließen, mich ausziehen zu laßen, und oa ich von einem Quartier sagte, das nur empfohlen worden war, der Druckerei) näher l g und wöchentlich nur zwei) Schillinge kostete, (em Umstand der sehr in meinen Plan, mir etwas zu ersparen, paßte,) so beredete sie mich bey ihr zu bleiben, und lies mir selbst meine Stube die Woche für zwey Schillinge weniger. So behielt ich, wahrend meines übrigen Aufent- *) Alichvje eine Art Sardellen, besonders diejenigen, die aus Hrmsreieb und Portugal! aebrachl werden. Franklins kleine Schriften. Z izo B. Franklins Aufenthalts in London, meine Wohnung bey ihr für einen wöchentlichen Zins von anderthalb Schil» ling. In einem Dachstübchen des Hauses lebte, in de? größten Abgezogeuheit, eine alte siebzigjährige Jungfer, von der ich durch meine Wirthinn soll gendes erfuhr. Sic war katholischer Religion. In ihrer Jugend hatte man sie auf das feste Land geschickt, wo sie mit der Absicht/ eine Nonne z» werden, in cw Kloster gegangen war. Allem das Clima war ihr nicht zuträglich, sie kehrte nach England zurück, und da es hier keine Klöster gibt, so halte sie ein Gelübde gcthen, wenigstens so weit die Umstände es erlaubten ein klösterliches Leben zn führen. Sie hatte demnach ihr ganzes Vermögen an fromme Stiftungen verschenkt und sich jährlich n.cht mehr als zwölf Pfund Sterling vorbehalten, wovon gleichwohl die Armen noch manches bekamen, indem sie nichts als Grütze genoß, und kein Feuer machte, als dasjenige, wvbey diese Grütze gekocht ward. So lebte sie seit vielen Jahren in diesem Dachstübchen, wo die katholischen Hausbesitzer, die Saßcibc nach einander bcseßen hatten, und die ihren Leben. ihren Aufenthalt in demsclbem als einen Segen des Himmels betrachteten, sie umsonst wohnen ließen. Ein Priester kam taglich zu ihr, und hörte ihre Beichte. Ich fragte sie, erzahlte meine Wirchinn weiter, wie es Key ihrer Lebensart möglich se», daß sie ihrem Beichtvater tagl-ch etwas zu thun geben könne? ^Ach! sagte sie, es ist unmöglich, eitle „Gedanken zu vermeiden." Ich erhielt eines Tages die Erlaubniß, sie zu besuchen. Sie war munter und höflich, und ihre Unterhaltung gefiel mir. Das Stäbchen war aus. ferst reinlich, alle Möbeln darinn aber bestanden in einer Matrazze, einem Tisch mit einem Cruc fix, einem Stuhl, worauf ich mich setzen mußte, und einem Gewahlde über dem Kamin, das die heilige Veronika vorstellte, die ihr Halstuch ausbreitet, auf dem sich das Gesicht Christi wunderbar rer Welse abdrückte, wie sie mir mit großer Ernst? haftigkeit erklärte. Ihr Gesicht war blaß, allein sie war nie krank gewesen, und ich kann diese Person als ein neues, sprechendes Bcyspiel ausstellen, wie wenig man braucht, Leben und Gesundheit zu erhalten. I - In ?Z2 B. Franklins In der Druckcrey machte ich die Bekanntschaft «ines jungen Mannes von Talenten, Nahmens Wygare, der, weil seine Eltern reich waren, eine bestcre Erziehung, als die meisten Drucker erhalten Halle. Er verstand ziemlich Late.n, sprach gut französisch, und war ein Freund vom Lesen. Ihm Und einigen von seinen Freunden lehrte ,ch schwmit men. Ich nahm sie zweymahl mit mir in den Fiuß, nachher brauchten sie meine Hülfe nicht weiter. Eines Tages stellten wir zusammen, in Begleitung einiger Lvndncr Bürger, mit denen sie mich bekannt machten, eine kleine Waßcrfahrt nach Chelsea an/ das dortige Collcgium und die Seltenheiten des Don Saltero zu besehen. Auf dem Rückweg lies mir die Gesellschaft, deren Neugier Wygate rege gemacht hatte, keine Ruh, biS ich mich auszog Und ,n den Fluß sprang. Ich schwamm bcynah von Chelsea an biS zur BlackfrlarS Brücke, und machte auf diesem ganzen Weg, so wohl über, als unter dem Master, eine Menge kleiner Kunststücke, die von meiner Fertigkeit und Behendigkeit zeugten. Dieses Schauspiel verursachte denen, weichen es neu war, eben so viel Erstaunen als Vergnügen. Ich Halle von meiner Kindheit an diese Uebung sehr geliebt. Leben. izz geliebt. Ich kannte und machte alle Schwenkungen und Stellungen von Thcvcnot, und hatte sie noch mit einigen von eigner Erfindung vermehrt, Key denen ich Nutzen und Zierlichkeit zu verbinden suchte. Ich machte mir das Vergnügen, sie bcy dieser Gelegenheit sammtlich vorzuzeigen, und fand die angenehmste Belohnung, in der Bewunderung, die sie erregten. Wygate, der Meister in dieser Kunst zu werden wünschte, schloß sich nun desto fester an mich an, da dicß eine Uebercinstunmung mehr in unfern Neigungen und Studien war. Endlich that er mir den Vorschlag, mit ihm eine Reise durch Europa zu machen, auf der wir uns durch unfern Verdienst von einem Ort zum andern forthelfen wollten. Schon war ich halb cntschlvßen, doch wollte ich vorher mit meinem Freunde Mr. Denham von der Sache sprechen, mit dem ich, wenn ich Zeit hatte, gern emc Stunde hinbrachte. Er redete mir diesen Gedanken aus, und rieth mir dagegen, lieber auf meine Rückkehr nach Philadelphia zu denken, so wie er selbst lhat. Ich muß hier einen Charakter? zug von diesem würdigen Mann erzählen. Ehe TZ4 B. Franklins Ehedem hatte er in Bristol einen Handel Zehabt. Er machte bankrutt, setzte sich mit seinen Gläubigern und ging nach Amerika, wo er durch rastlose Thattgkcit und anhaltenden Fleiß sich in Wenig Jahren ein beträchtliches Vermögen erwarb. Er kehrte, wie ich oben erzählt habe, auf denselben Schiffe mit mir nach England zurück, wo er alle seine alten Gläubiger zu einem Gastmahl einlud. Iiis sie bcysammen waren, dankte er lhnen für ihre ehcmaliche Nachsicht bey dem Vergleich mit ihm. Nies wand hakte etwas mehr, als eine bloße Mahlzeit erwartet, allein bcym Wechseln der Teller fand jeder unter dem seinigen einen Bankozcddci, genau so stark als der ganze Rest der Schuld nebst den Interessen. Wie er mir sagte, so war sein Plan, eine Menge Maaren mit sich nach Philadelphia zu nch- nie», und dort eine große Niederlage zu eröffnen. Er that mir den Antrag, ihm als Handlungsdiencr dahin zu folgen, um seine Bücher zuführen, (was cv mir selbst lehren wolle) seine Briefe zu kopiren und die Aufsicht über das Magazin zu führen- Er setzte tzinzu, sobald ich im Stande ftyn würde, Handels- besten. !Z5 delsgefchäfte zu betreiben, so wolle er mich mit einer LadungBrod, Mehl u. s. w. nach den amerikanischen Inseln schicken und mir noch andere einträgliche Commißionen auftragen, also daß ich Key einem klugen Benehmen und guter Oekonomie bald in den Stande seyn sollte, »sich vorthcilhaft M etablircn. Diese Vorschlage gefielen mir. London fing ein mir Langeweile zu machen. Dt schönere Auosich! für die Zukunft. So nahm ich denn, wie ich da-- mahls glaubte, für ewig Abschied von der Drucke- rcy und warf mich ganz n, mein neues Geschäfte. Meine Zeit brachte ich damit zu, daß ich theils mit Mr. Dcnham von euren Kaufmann zum andern herumzog, verschiedene Artikel einzukaufen, theils sie einpacken llcß, theils bey den Arbeitern herumlief, I 4 und iz6 B. Franklins und sie erinnerte, die Arbeit zu fördern u. f. w. Endlich war alles an Bord, und ich behielt noch ein paar Tage zu freyer Verwendung. In dieser kurzen Zwischenzeit erhielt ich eine Einladung von einem Herrn, den ich nur den Nahmen nach kannre, von Sir William Wynds iham Ich ging zu ihm. Er hatte, ich weiß nicht wie, eine ausfuhrliche Beschreibung von meinen Waßerkunstcn auf dem Weg von Christa nach Blacks friars Brücke gehört, und erfahren, daß ich W y- g a te und einem andern jungen Menschen in wenig Stunden die Kunst zu schwimmen bcygcbrachl habe. Seme bcyden Söhne standen im Begriff, ihre große Reise durch Europa anzutreten. Er wünschte, daß sie vorher schwimmen lernen möchten, und bot mir eine ansehnliche Belohnung an, wenn ich die Grs fälligkeit haben wolle sie zu unterrichten. Sie waren aber noch nicht in der Stadt angekommen, und die Dauer meines Aufenthalts selbst nicht zu besiimn cn. Ich konnte folglich sein Anerbieten nicht ann hmen. Jndeß bcweißt doch dieser Vors fall, d ß ich wahrscheinlich viel Geld verdient haben wärde, wenn ich hätte in England bleiben und Lebe n. und eine Schwimmschule anlegen wollen. Dieser Gedanke machte so lebhaften Eindruck auf mich, daß, wäre jener Vorschlag eher geschehen, ich wahrschein« lich sobald nicht an die Rückkehr nach Amerika ge« dacht hätte. Einige Jahre darauf haben wir bcpde, du, mein lieber Sohn und ich, etwas wichtigeres mit einem von diesen Söhnen des Sir William Wyndham, der indeß Lord Egremont gewor« den war, zu verhandeln gehabt; doch ich will der Ordnung der Erz hlung nicht vorgreifen. So hatte ich ohngcfchr achtzehn Monate in London zugebracht, fast beständig der Ausübung meiner Kunst obgelegen, und für meine Person allen Aufwand vermieden, ausgcnom« men, daß ich bisweilen das Schauspiel besuch« te, und mir einige Bücher anschaffte. Mein Freund Ralph war Schuld, daß ich gleichwohl nichts erübrigt hatte. Meine Forderung an ihn betrug sieben und zwanzig Pfund, die aber so gut als verloren waren, und für eine große Summe gelten konnten, da ich sie mit meiner Hände Arbeit I 5 vcr« ZZ8 B. Franklins verdienen mußte Doch ward ich ihm darum nicht gram, weil er wirklich viel gute Eigenschaften des sas- Für die Vcrbeßerung meiner Vermögensumstände war auf diese Weise nichts geschehen, allein ich hatte meinen Vorrath von Kenntnißen durch die Bücher, die ich gelesen, und die Unterhaltung gelehrter und talentvoller Männer, mit denen ich in Bekanntschaft gekommen war, ansehnlich bereichert- Den azsien I'ul. 1726. segelten wir von Gras Lesend ab. Wegen deßen, was mir auf dieser Reise begegnete, verweise ich dich auf mein Tagebuch, worinn ich alles auf das genaueste verzeichnet habe Am cilstcn des folgenden Oktobers lam h?ttn wir in Philadclphig. Sech- Lebe n. ?Z9 Sechstes Kapitel. Franklin begegnet dem Statthalter Sir W i l- lliani Keith — er hört, daß Miß Read rcr- bciirather ist — Mr. DcnhamS Krankheit nnd Tod — Franklin kehrt zu seiner Kunst zurück — Geschichte eines Oxferder Studenten — Zwist znit Kciiner — Versöhnung — Papiergeld- — Wckalinrschastcn, die der Druck dieses Papiergelds Franklin verschafter zieht »ach Vurlnigton — Jsaae Decon Gcueralinsvectvr von Neu- Jersey — Projekt eines Etablißemcnts — Fra n k- linS religiöse Grundsätze — er fängt an, Vis Haltbarkeit seines metaphysischen Systems zu bezweifeln — Gute Vorsätze. ^eith hatte seinen Posten als Statthalter von Pcnsylvanicn verloren, und der Major Gordvn war ihm gefolgt. Ich begegnete ihm auf der Straße, wo er als ein schlichter Bürger einhcrtrat. Er schien ein wenig zu errvthcn, als er mich erblickte, ging aber neben mir vvrbcy, ohne ein Wort zu sagen. 141 B- Franklins Mich würde der Anblick der Miß Read we> nigstcns eben so sehr beschämt haben, wenn ihre Familie, die nach Empfang meines Briefs, mit Recht an meiner Rückkehr zweifelte, sic-nicht bcre? dct hätte, mich aufzugeben und einen Töpfer, Nah- mens Rogers, zu heurathcn. Dieß geschah in meiner Abwesenheit. Er machte sie indcß nicht glücklich; sie trennten sich bald und sie weigerte sich durchaus, bcy ihm zu wohnen oder auch nur seinen Nahmen zu führen, weil die Sage ging, er habe bereits eine Frau. Seine Geschicklichkeit in seiner Profeßion hatie die Aeltern der Miß Read vcrleiü tct; allein er war cm eben so schlechter Mensch, als ein vortrefiicher Arbeiter. Er stürzte sich in Schulden und entwich im Jahr 1727 oder 1728 nach den Inseln, wo er starb. Wahrend meiner Abwesenheit hatte Keim er ein größeres Haus gemicthet, und ein gut versehe» nes Magazin von Papier und verschiedenen andern Artikeln angelegt. Er hatte sich neue Schriften in Menge angeschast und eme Menge Arbener angc» nommcn, unter denen aber in der Thal ke ner viel t. ugte. Au Arbeit schien cS ihm nicht zu fehlen. Mr. L. e b e n. Mr. Denham wählte sich eins Niederlage in Watcrstreet, wo wir unsre Waarcn auslegten, Ich legte mich mit Fleiß auf das Buchhalten, und brachte es in kurzer Zeit weit darinn. Wir wohnten und aßen zusammen. Er hegte wahre Freundschaft für mich, und behandelte mich wie seinen Sohn. Ich vergalt ihm seine Grosmuch durchLube und Achtung. Meine Lage war höchst glücklich, allein dieses Glück halte keinen Bestand. Im Anfang des Februars 1727, um die Zeit wo ich mein zwey und zwanzigstes Jahr anrrat, wurden wir bcyde krank. Ich bekam ein feiten- stechendes Fieber, das mich beynah unter die Erde brachte. Ich litt heftige Schmerze», und man hatte mich schon aufgegeben. Ich empfand selbst eine Art von Verdruß, als ich wieder anfing zu genesen, und klagte, daß mir nun dieser traurige Gang, über lang ober kurz, noch eimnahl bevorstehe. Worum Mr. Denhams Krankheit bestand, Hab ich vergcßen. Sie war langwierig, und end-gte sich mit dem Tode. Er vermachte mir in seinem Testa- „42 B. Franklins Testament, zum Zeichen seiner Gewogenheit, em kleines Legat, und ich war nun in der weiten Welt wieder mir selbst überlasten; denn die Vollstrecker des Testaments erhielten die Verwaltung des Mas gazins, und ich meinen Abschied. Mein Schwager, Mr, Holmes, der eben bamahls in Philadelphia war, riech mir, zu mci- zur erstem Bestimmung zurüzukchren, und Kci-. wer bor mir einen ansehnlichen Gehalk an, wenn ich d-e Aufsicht über seine Druckcrey übernehmen wollte, weil er seine ganze Zeit auf seinen Laden zu wenden gedachte. Seine Frau und seine Vcr» wand en in London hatten mir eine sehr nachrheilige Schilderung von ihm gemacht, und ich sehnte mich eben nicht, von neuem in Ver indung mit ihm zu kommen. Ich suchte als Handlungsdicncr unter, zukommen, da aber nicht gleich eine Stelle zu finden war, so liest ich mich doch endlich von Keim er bereden» In seiner Druckcrey fand ich folgende Arbeiter. Hugh Mercdith, ein Pensylvanicr, fünf und drcyßig Jahr alt. Er war bey der Landwireh- schaft leben. schaft erzogen, ein braver, guter Mensch, nicht ohne Erfahrung, der Geschmack am Lesen fand, aber zum Trünke geneigt war. Stephan Potts, ein junger Bursche vom Lande, der vor kurzem erst mündig worden war, und gleiche Erziehung erhalten hatte: von guten natürlichen Anlagen, viel Witz, viel Lustigkeit, aber auch einen entschiedenen Hang zum Müßiggehek besaß. Keim er hatte diese beydcn für ein sehr geringes Wochengeld angenommen, das von Vierteljahr zu Vierteljahr um einen Schilling sieigen sollte, wenn sie wirklich Fortschritte in der Kunst machten. Diese künftige Vermehrung des Wochens geldes war die Lockspeise, mit der er sie geangelt hatte. Mcredith sollte an der Prcße arbeiten, und Potts Bücher binden. Er selbst wollte ihnen darinn Unterricht geben, ob er gleich von beydcn Nichts verstand» Johann Savage, ein Jrländcr, war zn gar keiner Bcsct aftigung angeführt worden, und Keimer hatte seine Dienste von einem SchissSca? pitain auf vier Jahre erkauft. Auch dieser sollte ein Drucker werden, George 144 Franklins George Wcbb, ein Student aus Oxford,- deßen Dienste Keimcr gleichfalls auf vier Jahre erkauft hatte, war zum Setzer bestimmt. Ich werde bald mehr von ihm sagen. Der fünfte und letzte war David Harry, ein Junge vom Lande, den er in die Lehre genommen hatte. K eimcrs wahre Absicht konnte mir nich lange verborgen bleiben. Der Gehalt, den er mir anbot, betrug ungleich mehr, als das höchste, was er gewöhnlich zu geben pflegte; allein ich sollte ihm auch seine Neulinge, die ihm äußerst wenig kosteten , nur zustutzen. Diese waren samtlich durch Kontrakte an ihn gebunden; halten sie folglich nur erst von mir gelernt, was sie lernen sollten, so konnte er mich füglich ganz entbehren. Dicß hinderte mich nicht, meine Pflicht zu thun. Ich brachte seine Druckcrey, die sich in der größten Verwirrung befand, in Ordnung, und gewöhnte die Leute nach und nach ihre Gedanken bey der Arbeit zu haben, und wirklich machten sie ihre Sachen bald um vieles bcßer. Wirklich wir es seltsam genug, einen Oxforder Studenten m dem Stande eines gekauften Knechts zu Leben. 145 Hu sehen. Er war nicht älter als achtzehn Jahre, und folgende Nachrichten von ihm erhielt ich aus seinem eignen Munde. Sei» Geburtsort warGlo- tester, wo er in einer gelehrten Schulanstalt crzo- gen ward, und sich vor seinen Mitschülern besonders durch die Geschicklichkeit auszeichnete, nut der er in den kleinen Schauspielen, die man sie auffühi ren lies, seine Rollen spielte. Er war ein Mitglied des dortigen gelehrten Clubs, und harte in die öffentlichen Blätter von Elocestcr einige Aufsätze in Prosa und in Versen einrücken laßen. Von dort ward er nach Oxford geschickt, wo er ein Jahr blieb. Es gefiel ihm nicht, denn sein sehnlicher Wunsch war, London zu sehen, und dort ein Schau- spieler zu werben. Als er seinen Vierteljahr g. n Wechsel von '5Guinecn erhielt, so verlies er, statt seine Schulden zu bezahlen, heimlich mit diesem Gelbe die Stadt, versteckte seinen Rock, der ihn hätte vcrrathen können, in eine Hecke, und wanderte nach London. Hier, wo er keinen Freund fand, Alle Mitglieder der englische» Universitäten tragen lange Mbnchskicider, mit sonderbaren zun, Theil posir- lichcn Küken. Durch diese Hüte und den mamilnfal- Franklins kleine Schrifrcft. K tiges fand, dcr ihn leitete, gcricth er in schlechte Gesell, schaft, brachte seine Guineen bald durch, ward bey keinem Theater angenommen, machte sich verachte lich, versetzte seine Kleider, und hatte nur die Aus- ficht auf den Hungertod. Eben wanderte er mit leerem Magen durch die Straßen von London, und wußte nicht, was er ansangen sollte, als ihm jemand einen Wcrbcbrief in die Hand drückte, worinn jedem dcr sich verbindlich machte, in Amerika zu dienen, von Stund an frcyer Unterhalt und eine bestimmte Prämie in baarcm Gelde angeboten ward. Er begab sich sogleich in das angewiesene Haus, ließ sich anwerben, ward an den Bord des Sch.sss gebracht, und segelte nach Amerika, ohne seinen Verwandten mit einer Zeile zu melden, was aus ihm geworden sey. Die Lebhaftigkeit seine Geistes, und kein gutes Gemükh machten ihn zu einem angenehmen Gesellschafter; übrigens aber war er trage, unvorsichtig und höchst unbesonnen. Dcr tiaen Scbnitt der Kleider unterscheiden sich nicht allein die Glieder der verschiedenen Kollegien von einander, sondern auch Grade und Edrcnämtcr bc» der Universität, dcsaleichcn die Stufen, n.'oraufeinjedck Mitglied steht, werden dadurch bezeichnet- Leben. 147 Der Jrlander Sav age lief bald davon. Mit den andern führte ich ein ziemlich vergnügtes Leben. Sie hatten alle viel Achtung für mich, besonders da sie sahen, daß Keimer nicht im Stande war, ihnen etwas zulrhren, und daß sie dagegen von mir taglich mehr lernten. Sonnabends, als an Kest mers Sabbath, ward nie gearbeitet; ich behielt also zwey Tage zur Lecture frei). Auch vermehrte ich meine Bekanntschaften mit unterrichteten Personen in der Stadt. Kcimer selbst behandelte mich mit vieler Höflichkeit und scheinbarer Achtung, und ich hotte durchaus keine Sorge als meine Schuld an Vernon,. die ich noch außer Stande war zu bezahlen, indem ich bis jetzt nur wenig harte zurücklegen können« Glücklicherweise war er nachsichtig genug, mich nicht zu mahnen. Ost ging in uusrer Druckerey diese oder jene Sorte Lettern aus, und noch gab es in ganz Ame. rika keinen Schriftgicßer. Ich hatte zwar bey I a, »res in London Lettern gießen sehen, aber nicht genau auf das Verfahren dabey geachtet- Gleich^ K 2 Wohl l.48 B- Franklins wohl gelang es mir, eine Form zu Stande zu bringen. Ich bediente mich der Lettern, dir wir hatten zu Stempeln, und goß in Matrizen von Thon Lettern von Bley, wodurch wenigstens dem drückend? sien Mangel erträglich genug abgeholfen ward» Im Nsthfall schnitt ich auch Druckerstöcke und Zicrathen in Holz, machte Druckerschwärze, hatte ein Auge auf die Niederlage, mit Einem Worte, ich war dag Facto tum. Bey alle dem bemerkte ich doch, daß meine Dienste täglich weniger wich^ tig wurden, sowie die Uebung und Geschicklichkeit der andern zunahm, und als Keim er mir mein zweytes Quartal auszahlte, so gab er mir zu verstehen, mein Gehalt sey viel zu groß, und er hoffe, ich selbst werde mich zu einer Verringerung verstehen. Seme Höflichkeit gegen mich nahm immer mehr ab, und dagegen der Herrenton zu. Immer fand er etwas zu widersprechen, nichts konnte ich ihm mehr recht machen, und es schien, als suche er nur Gelegenheit, öffentlich mit mir zu brechen. Ich fuhr unterdessen fort, ihn mit Geduld zu ertragen, überzeugt, daß die Unordnung und Vers wir? Leben. i49 wirrung in seinen Umständen zum Theil Ürchchc von seiner üblen Laune sey. Endlich machte doch eme Klcinigkcit unsrcr Verbindung ein Ende. In der Nahe unsers Hauses war ein großes Geräusch entstanden, Ich trat an das Fenster, zu scheu, was es gäbe. Keim er war auf der Straße, hob die Augen ans, sah mich und sagte überlaut und mit einem ärgerlichen Ton: ich möchte mich nup um meine Arbeit bekümmern. Er fügte noch einige andere Worte zu diesem Verweise, der mich desto mehr verdroß da ich ihn auf öffentlicher Straße vor den Ohren der ganzen Nachbarschaft erhielt, die das Geräusch gleichfalls an die Fenster gezogen hatte, und die folglich Zeugen dieser Mi-Handlung wav. Er kam sogleich in die Druckeeey herauf, und fuhr fort zu poltern. Der Streit wurde von beiden Seiten immer hitziger, und er kündigte mir meinen Abschied für das nächste Quartal an, (unser Kontrakt lautete auf vierteljährige Mf ündiguugi wobey er seinen großen Werdruß äußerte, daß er mir so lange Frist laßen müße. Ich sagte ihm, er könne sich diesen Verdruß ersparen, denn ich wäre gesonnen, sein Haus auf der Stelle zu verlaßsn. Ich nahm auch wirklich meinen Huth, ging die Treppe herab, K 2 und I5V V. Franklins und bath Meredith, der mir unten begegnete/für einige Kleinigkeiten, die ich zurückgelaßcn, Sorge zu tragen, und sie mir in mein Quartier zu bringen, Meredith kam gegen Abend. Wir sprachen viel von dem, was mir heut widerfahren war. Er hatte eine große Achtung für mich gewonnen, und es that ihm leid, daß ich das Haus eher als er versaßen sollte. Er brachte mich von dem Gedanken ab, den ich anfangs hatte, in weine Vater» stadt zurückzukehren. Er hellte mir vor: alles, was Kein.'.er besitze, scy er schuldig, seine Gläubiger siengen an, unruhig zu werden, und fein Handel müßc ein Ende mit Schrecken nehmen, da er oft ohne Profit verkaufe um nur baarcs Geld zu be» komn.cn nnd gewöhnlich jedermann Credit gebe, ohne es in seine Bücher einzutragen. Der Bankcrutt sey auf diese Wege unvermeidlich, und ich könne dann füglich die Druckcrey übernehmen. Ich wen» dete dagegen cm, daß es nur ganz an Geld fehle - er aber versicherte mich, sein Vater habe die vor» theilhastcste Idee von nur, und aus einer Unlerre» dung mit ihm, d»e ».ich betroffen, getraue er.sich zu Leben. 151 zu verbürgen, daß er das zu unscrm Etablißement nöthigc Geld ohne Bedenken vvrschiessen werde, wenn ich mit ihm in Gesellschaft treten wolle. „Meine Zeit, Hey Keim er sagte er, geht nächsten „Frühling zu Ende. Bis dahin können wir von „London eine Preße und Schriften bekommen. Ich „fühle, wie viel mir noch fehlt, allein wenn Sie „es zufrieden sind, so helfe ich Ihrer Geschicklichkeit in der Kunst durch mein baarcs Geld nach, „der Gewinn geht dann zu gleichen Thcilen." Dieser Vorschlag war billig und ich nahm ihn an. Auch sein Vater, der in der Stadt war, fand ihn gut. Er wußte, daß ich viel über seinen Sohn vermochte, da es mir sogar gelungen war, ihn eine lange Zeit vom Branntwein abzuhalten, und erhoffe, wenn wir nun vollends auf das genaue, sie verbunden würden, daß ich ihn gänzlich von dieser unglücklichen Gewohnheit bcfreycn würde. Ich gab dem Vater ein Verzeichnis; von dem, was wir nothwendig von London kommen laßen mußten. Er trug es zu einem Kaufmann, und machte bcy ihm die Bestellung. Wir hatten ausgemacht, die Sache bis zur Ankunft unsrcr Bc- K 4 dürft -52 B. Franklins dürfniße geheim zu halten, und ich sollte wo mögs l?ch einstweilen in der andern Druckcrcy Arbeit vers schaffen. Hier war aber keine Stelle lcdig, und ich blieb muß g. Nach einigen Tagen, wo Keft Wer die Außicht bekommen hatte, den Druck eines neuen Papiergeldes für Neu-Jersey zu erhalten, wozu verschiedene Lettern und Zicrathcn uökhig waren, die ich allein liesern konnte, und da er fürchtete, Bradford möchte mich annehmen und ihm diesen Verdienst rauben, so schickte er eine sehr höfliche Botschaft an mich ab, und ließ mir sagen: es sey nicht recht, wenn alte Freunde, um ein paar Worte wallen, die ihnen in der Hitze entfallen waren, lange zürnen wollten, und er laße mich bitten, wieder zu ihm zu kommen. Meres dith beredete m.ch, diese Einladung anzunehmen, besonders deswegen, um Gelegenheit zu haben, durch meinen täglichen Unterricht sich noch fester zu setzen. Ich trat wirklich in mein altes Verhältnis; wieder ein, und wir lebten nun in beßcrm Vernehmen, als vor rmfter Trennung. Keim er erhielt die Arbeit für Ncujcrscy. Ich legte zu diesem Ende eine Kupferdruckkr-preße an (die Leben. 15z (die erste, die man in Amerika gesehen hat) und schnitt verschiedene Verzierungen und Vignetten für die Zcddes Wir gingen zusammen nach Burlington, wo ich alles zur allgemeinen Zufriedenheit ausführte, und Keim er bekam für diese Arbeit eine Summe, die ihn in den Stand setzte, noch eins geraume Zeit den Kopf über den Waßcrzu halten. In Burlington machte ich die Bekanntschaft der vornehmsten Personen der Provinz, von denen einige von der Assembly den Auftrag erhalten hau ten, bey dem Druck dcrZeddcl gegenwärtig zu scyn, damit von demselben nicht mehr, als die vom Gesetz bestimmte Zahl abgezogen würde. Sie waren demnach alle, der Reihe nach, mit uns zusammen, unh jeder brachte gewöhnlich zur Gesellschaft einen oder ein paar von seinen Freunden mit. Ich halft mich mehr durch Lesen gebildet als Keime r, und wahrscheinlich war das die Ursache, aus der sie mein? Unterhaltung der scmigen vorzogen. Sie nahmen mich mit sich in ihre Hauser, führten mich bey ihren Freunden ein, und behandelten mich mit dep größten Höflichkeit, indcß Kcimcr ob er gleich der Herr war, ziemlich vcrnachlaßjgt wurde. In de? K5 Thal ,54 Franklins That war cr auch cin sonderbares Geschöpf, uns wißcnd in den gei'acittsten Regeln des Umgangs, immer bereit, jeder angenommenen Mcynung gera» de zu ins Gesicht zu schlagen, ein Schwärmer in verschiedenen Rcligwnspunklcn, dabcy von einer ekelhaften Unsauvcrkcit, und übcrdiess noch cin wes mg Spitzbube. Wir blieben fast drcy Monathc dort, und am Ende dieser Zeit konnte ich den Richter Allen, Samuel Busiill, den Sccrctär der Provinz, Isaae Pearsou, Joseph Cos per, verschie- dcnc von den Smith'ö, alles Mitglieder der Assembly, und Isaac Decv n den General Ins spector unter meine Freunde zahlen. Dieser letzte war cm feiner und verschlagener Alter, der mir erzählte, daß er als ein Bube für die Ziegelstreichcr Thon in Karren bcygeführt, und schon ziemlich in die Jahre gewesen, eh er schreiben gelernt habe. Hierauf sei) er als Handlanger zu einem Feldmesser gekommen, der ihm seine Wissenschaft bcygcbracht, und so habe er eine Stufe nach der andern ersiiez. geil und sich endlich ein ansehnliches Vermögen er. worden. ,-Ich sehe voraus, sagte er eines Tages "jU Leben. r?s „zu mir, daß Sic diesen Tropf — er sprach von „Kennern—bald aus dem Sattel heben, und „durch Ihre Knust in Philadelphia Ihr Gluck manchen werden." Er konnte damahls noch nicht das geringste von meinem Plane wißen, mich dort oder anderwärts niederzulaßen. Diese Freunde waren mir in der Folge von großen Nutzen, so wie auch ich einigen von ihnen gelegentlich einen Dienst leisten konnte, und stc alle schenkten mir von dieser Zeit an ihre beständige Achtung. Ehe ich die Umstande erzähle, die mit dem'Antritt meiner eignen Laufbahn als Staatsbürger und Künstler verbunden waren, will ich dir, lieber Sohn, vorher meinen damahügcn moralischen Se- lcnzustand schildern, damit du sehen kannst, in wie fern derselbe auf die spätern Begebenheiten meines Lebens einwirkte. Meine Eltern hatten frühzeitig religiöse Gefühle in mir zu nähren gesucht, und mir von der zartesten Jugend auf eine fromme Erziehung nach cal- vimschcir Grundsätzen gegeben. Kaum aber 'war ich fünfzehn Jahr alt geworden, als ich einen christ IZ5' B. F r a n k li n s christlichen Lehrsatz nach dem andern, so wie er ilt den Büchern, die ich las, bestritten wurde, bczwci- fcln lernte, und endlich gar anfing, die Offenbarung selbst in Zweifel zu ziehen- Es gencthen mir einige Bücher gegen den Deismus in die Hönde, die, wie man sagte, den Kern der in Boylc's Stiftung gehaltenen Predigten enthielten. ch Es fand sich, daß sie auf mich gerade die entgegengesetzte Wirkung äußerten, als ihre Verfasser beabsichtigt hatten : denn die Gründe der Deistcn, die darinn angeführt wurden, um widerlegt zu werden, schienen mir ungleich bündiger und starrer, als die Widerlegung. Mit einem Wort, ich ward bald ein völliger Deik. Meine Gründe steckten einige andere junge Leute, besonders C o l i i n s und R alph an. Als ich aber in der Folge bedachte, wie diese bcyden Leute mir ohne den geringsten Gcwißensbiß so viel Schaden gethan, und Gutes mit Bösem vergolten; wenn ich das Verfahren von Keith, der auch ein starker Geist ch R. Boyle, ein reicher und gelehrter Engländer, der 1691. starb, und ein ansehnliche!; Legat zu cincrStif- tung rermacht, aus der eigene Geistlichen bezahlt werden, die jährlich zu London in bcsvndern Predigten die Dsistsli lind Atheisten bestreiten müßeii. Lebe». 157 Geist war, und mein eignes Benehmen gegen Vernon und Mist Read, das mir oft viel Uns ruhe machte überlegte, so fing ich an zu argwöhnen, daß diese Lehre, wenn gleich wahr, doch gewiß nicht nützlich wäre. Ich fing an, weit welliger günstig von meinem Londner Werkchcn zu denkt», das folgendes Motto von Dryden an der Stirn führte; Was ist, ist gut, wenn gleich der blöde Mensch Nur einen Thcil der Kette ficht, allein DaS nächste Glied, sein schwaches Auge nicht Den Arm der großen Waag' erreichet, die Dort oben alles richtig wägt. — — und worinn ich aus den Eigenschaften Gottes/ aus seiner Mgütigkcit, Allweisheit und Allmacht die Folgerung zog, nichts in der Welt könne wirklich böse seyn, Tugend und Laster waren leere Nahmen, keine Wirklichkeiten, die sich auf einer wahren Verschiedenheit gründeten. Nun hielt ich diese Schrift nicht mehr für so unschädlich, wie ich bisher geglaubt hatte, und ich vermuthete selbst, es könnte sich in Meine Schlußreihc wohl unvermerkt ein Irr- thuin eingeschlichen haben , der auf alle weitem Lol- i'58 V- Franklins Folgerungen Einfluß haben mußte, wie dicß gemeiniglich bey metaphysischen Speculatiouen der Fall zu scyn pflegt. Ich wurde endlich überzeugt, daß Wahrheit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit in dem Verfahren '^r Menschen gegen einander für das Glück des Lebens von der größten Wichtigkeit sind, und ich faßte den festen Entschluß, den ich auch in mein Tagebuch eintrug, sie mein Lebelang gegen jedermann zu beobachten. Die Offenbahrug hatte, die Wahrheit zu gestehen, als solche, kein Gewicht in meinen Augen, allein ich glaubte, daß, obleich viele Handlungen nicht deshalb, gut oder böse waren, weil sie dieselben gebiete, oder verbitte, so könnten sie doch wohl deshalb geboten oder verboten seyn, weil sie, alles wohl erwogen? schon ihrer Natur nach für uns schädlich oder zuträglich waren: und diese Ne- bcrzeugung, verbunden mit dem Bcostanv der Vorsehung, oder irgend eines Schutzgesetz, oder vielleicht auch unter Begünstigung zufälliger Umstände und Lagen, die mir günstig waren, schützte» mich vor Unsittlichkcit und vorsätzlichen groben Ungerech, tigkciten, von denen ich mich sonst, in den gefährlichen Leben. 15z, liehen Tagen der Jugend, und den mißlichen Lagen, worum ich mich oft unter fremden Leuten fern von der Aufficht und dem guten Rath meines Vaters befand, bcy meinem Mangel an Religion schwer- lieh frey erhalten haben durfte. Ich spreche von vorsatzlichen Vcrgchungcn und Ungerechtigkeiten: denn die Fehler, die ich begangen hatte, waren entweder durch judcngllche Unerfahs renheit, oder durch die Niederträchtigkeit Anderer erzwungen Ich hatte folglich feste Grunosatze und einen gebildeten moralischen Charakter, ehe ich in die Welt trat. Ich kannte den Werih derselben, und hatte den festen Vorsatz, mir sie nicht taube« zu laßen. Sieben- i6s B. F r a n k l i n s Siebentes Kapitel» Franklin fängt seine eignen Geschäfte an Einige Nachrichten von dem cynischen Deklaiiiator! Mickle — Einrichtung eines politischen und philosophischen Clubs — Wachsamkeit und Tbätig^ keit besiegen alle sochderniße — Franklin beschliest eine neue Zeitung herauszugeben — sein Plan wird verrathen — er bezahlt VcrnvuS alte Schuld — Neue Schwierigkeiten — GroS- mutd zweycr Freunde — Franklin trennt siech von Meredirh — Betrachtungen über den Nutzen deö Papiergeldes — Franklin leat einen Papierhandel an — Fleiß, Mäßigkeit und Bescheidenheit machen einen guten Nahmen — Franklin heurathet endlich seine alte Gelieble — Plan zu einer öffentlichen Leihbibliothek, ^lr waren noch nicht lange wieder in Windet) phia, als nnsre typographischen Geräthschaftcu aus London ankamen. Ich hielt Abrechnung mit Kcis mer und schied im Frieden von ihm, eh er Nachs ?lcht von meinem Plan bekam. Wir miethetcn eil? Haus Lebe n. Haus am Markte, und um den hohen Mietzins (damahls betrug er 24 Pfund Sterling, und in der Folge habe ich ihn auf 70 Pf. steigen sehn) we- Niger drückend für uns zu machen, nahmen wir einen Glafer Thomas Godfrcv hinein, der einen ansehnlichen Theil davon trug, und uns für ein billiges Geld den Tisch gab. Kaum hatten wir unfte Schriften ausgepackt und die Preße aufgestellt, als einer von meinen Bekannten, George Housc, einen Landmann zu uns brachte, den er auf der Straße angetroffen hatte, wo er nach einem Drucker fragte. Wir hatten uns so mancherlei) Dinge anschaffen müßen daß unfte Kaße fast ganz erschöpft war. Die fünf Schillinge dieses ehrlichen Laudmanns, diese Erstlinge unftcs Erwerbs, die so eben zur rechten Zeit kamen, machten mir mehr Vergnügen, als irgend eine Summe, die ich in der Folge gewonnen habe; und das lebhafte Dankgcfühi, das ich wegen dieses kleinen Dienstes für Ge 0 rgcH 0 ufe empfand, hat mich oft geneigter gemacht, junge Anfanger zu unterstützen, als ich vielleicht außerdem gewesen wäre. Franklins kleine Schriften. L Alleut- ,62 B. Franklins Allenthalben gibt es schwarzgallige Menschen, die immer bey jeder Gelegenheit das Schlimmste weißagcn. Ein solcher Unglücksprophct lebte auch damahls in Philadelphia. Er hics Samuel Wickle, war ein Mann etwas in die Jahre, der ein beträchtliches Vermögen, und dabey eine weise Miene und eine gar gravitätische und fcycrliche Art zusprechen hatte. Dieser Mann, den ich durch? aus nicht kannte, blieb eines Tages an meiner Thüre stehen, und fragte mich, ob ich der junge Mensch wäre, der seit kurzem eine neue Druckerey angelegt habe? Auf meine bejahende Antwort, versicherte er: er bedauere mich, es sey eine kostspielige Unternehmung und aller Aufwand so gut als verloren, indem für Philadelphia bald die letzte Stunde schlagen werde, und alle Einwohner dcsscl, bcn ganz nah am Bankrutt, oder doch nicht mehr weit davon waren; er wisse von sichrer Hand, daß alle Umstände, die etwa dem Schein nach das Ge- gentheil beweisen möchten, als z. V- die neuen Gebäude, das Steigen der Micthen, bctrügliche Zeichen waren, die im Grunde nur bcytragen müßten, unfern Untergang zu beschleunigen, und nun machte er mir eine ausführliche Beschreibung von Unglücksfällen, Lebe n. ,6z fallen, die alle entweder schon vorbanden wären oder sich doch nächstens ereignen müßten, daß er mir fast allen Much benahm. Hatte ich diesen Mann gehört, ehe ich mich auf eigne Hand fetzte, sicherlich hatte ich dieses kühne Wagstück nie begonnen. Jndcß blieb er immer in dieser verfallenden Stadt wohnen, und deklamirtc in diesem Tone fort. Lange Jahre hindurch wollte er schlechterdings kein Haus kaufen, weil alles seinem Nuin entgegen eile. Endlich aber hatte ich daS Vergnügen zu erleben, daß er um eine eigne Wohnung zu bekommen, fünf, mahl so viel bezahlen mußte, als wenn er sich da« mahls, wo er seine Klagelieder anfing, eines gekauft hätte. Ich hatte nicht vergeßen sollen zu crinuevn, daß ich bereits im Herbst des verstoßenen Jahres deit größten Thcil meiner gelehrten Bekannten zu einem Club vereinigt hatte, den wir Junto nannten, und Keßen Zweck Ausbildung unsers Verstandes war. Wir versammelten uns Freytags Abends» Die Gesetze, die ich entwarf, verpflichteten jedes Mitglied, so oft die Reihe es traf, einen oder mch, rcre streitige Punkte der Moral, Politik, oder 8 2 Phy- 164 B. Franklins Physik in Vorschlag zu bringen, die sodann von der Gesellschaft erörtert werben sollten, auch alle drey Monathe einen selbst verfertigten 'Aussatz über irgend einen Gegenstand vorzulesen. Unsere Dcbat« tcn waren der Leitung eines Vorsitzers unterworfen, und sollten aus bloßem Trieb, die Wahrheit -n erforschen betrieben werden, ohne der Streitsucht oder dem eitlen Stolz als Sieger zu erscheinen, den geringsten Einfluß auf die Untersuchung zu verstatten, Um aber alle Erhitzung der Gcmüther zn vermeiden, war jeder Ausdruck, der hartnackiges Beharren auf irgend einer Meinung verriclh, so wie jeder gerade Widerspruch bey kleinen Geldstrai fcn verboten. Die ersten Mitglieder unsers Clubs waren: Joseph Vrintnal, der sich von Aktenabschrei- Ken für die Advokaten nährte. Er war ein Mann von Mittlern Alter, von guter Gemüthsart, seinen Freunden herzlich ergeben, ein großer Liebhaber der Dichtkunst; der alles las, was ihm vorkam, dabcy erträglich schrieb, sehr sinnreich in einer Menge kleiner Tandeleyen und ein äußerst angenehmer Gesellschafter war. Thomas Leben. 165 Thomas Godfery, ein geschickter Mathematiker, der sich ohne Lehrer gebildet hatte, und in der Folge den sogenannten Hadleyischcn Quadranten erfand. Außer seiner Wißenschast aber verstand er wenig, und so wie die meisten großen Meßkünstlcr, die mir in meinem Leben vorgekommen sind, verlangte er im Gespräch eine ganz ungewöhnliche Bestimmtheit, widersprach bey jeder armseligen Kleinigkeit oder machte haarscharfe DistiU-- ctionen. Das sicherste Mittel, jede Unterhaltung zu stören! Zum Glück wurden wir ihn bald los. Niklas Scuil, ein Fcldmeßer, der in der Folge Oberlandmeßer ward. Er las gern, und machte Verse. Wilhelm Parsons, der das Schuster, Handwerk erlernt, aber bey seiner Neigung zur Lectüre sich gründliche mathematische Kcnntniße er, worden hatte. Er studierte anfangs diese Wißenschast der Astrologie wegen, worüber er späterhin sich selbst lustig machte. Er ward gleichfalls Ober- lanhmcßcr. 5 5 Wik ^66 B. Z r a n k l i n s Wilhel m Maug r idge, ein Schreiner und freflicher Mechainkus, übrigens ein verständiger und zuvcrlaßiger Mann. Robert Grace, ein junger Mann von Ver? mögen, großmüthig, lebhaft und geistreich, der den Spott, aber noch mehr seine Freunde liebte. ^ Hughes Mercdith, Stephan Potts und Georg Webb, deren ich schon oben gedacht habe. Endlich Wilhelm Ealeman, damcchls Diener bcy einem Kaufmann, und fast von meinem Älter. Ein kalter und Heller Kopf, der aber dabcy das beste Herz und die strengste Rcchtschaffenhcit besaß, die ich jemahls bcy irgend einem Menschen angetroffen habe. Er ward in der Folge ein sehr angesehener Kaufmann und einer von unfern Pro. vinzialnchtern. Unsere Freundschaft dauerte unune tcrbrochen über vierzig Jahre, bis an seine» Lad, und fast eben so lange bestand auch unser Club. » , Di« Lebe n. Dieser war vhnstreitig die beste damahls vorhandene Schule der Philosophie und Politik in der ganzen Provinz, denn unsrc Streitfragen, die immer acht Tage vorher abgelesen wurden, che sie zum Vortrag kamen, nöthigtcu uns zum aufmerksamen Nachlesen über die verschiedenen vorgelegten Gegenstände, um mit mehr Sachkcnntniß darüber sprechen zu können. So erwarben wir uns auch das Talent eines angenehmen Vortrags, indem jede Materie, nach Vorschrift unfter Gesetze, auf eine Art behandelt wurde, die allen Verdruß der. hüthete. Diesem Unsiand verdankt unstreitig der Club, von dem ich weiterhin noch öfter zu sprechen Gelegenheit haben werde, seine lange Dauer. Für jetzt erwähne ich desselben als eines Mittels, worauf ich zur Unterstützung meines Gewerbes sicher rechnen könnte, denn alle Mitglieder desselben bemühten sich, uns Arbeit zu verschaffen. B r i n t- ual unter andern herschaffte uns von den Quä- ckern den Druck von vierzig Bogen ihrer Geschichte. Der Nest davon war schon an Keimcr versprochen. Unsere Arbeit an diesem Werke war auf keine Meise vorzüglich, indem der Akkord äußerst L 4 niedrig i6L V. Franklins niedrig war. Das Buch ward in Folio auf Pros patriaspapicr mit Ciceroschrift und langen Noten aus der kleinsten Perlschrift gedruckt. Ich setzte täglich einen Bogen, den Mcrcdith unter die Prcße nahm. Es war oft ciif Uhr in der Nacht, und bisweilen noch spater, eh ich mit der Mords nung des Pensums für den folgenden Tag fertig ward, denn die kleinen Arbeiten, die unsre Freunde uns von Zeit zu Zeit schickten, hielten uns auf. Ich war aber so fest cntschloße», täglich einen Zoliobogcn zu liefern, daß als eines Abends, nach, dem ich mit meiner heutigen Arbeit fertig zu semr glaubte, die Form durch einen Zufall sprang und zwey von meinen großen Colummcn völlig in Unordnung gcriethen, ich mich von neuem an die Arbeit machte und alles wieder in Stand setzte, ehe ich zu Bette ging. Dieser unermüdctc Fleiß, den unsre Nachbarn bemerkten, verschaffte uns nach und nach Credit und Achtung. Ich hörte unter andern, daß in dem Club der Kaufieute, der sich alle Abende versammelte, die Rede auf die neue Druckerey gefallen wäre/ und man einstimmig der Mcynung gewesen, sie Leben. 169 sic könne sich nicht erhalten , da schon zwcy andere Druckereyeu, die von Keimcr und Bradf0 rd in der Stadt im Gange wären. Nur der Doctor Baird, den wir Heydt, du und ich, viele Jahre nachher an seinem Geburtsort zu St. Andreas in Schottland zu sehen Gelegenheit hatten, war allein der entgegengesetzten Meinung. „Oer Fleiß dies ,.ses jungen Franklin, sagte er zu der Gesellt „schaft, übertrifft alles, was nur in dieser Art „noch vorgekommen ist. Ich sehe ihn noch spat in ,-der Nacht, wenn ich aus dem Club nach Hause „gehe, bcy der Arbeit, und des Morgens ist er „lang wieder dabey, che seine Nachbarn das Bett „verlassen." Diese Erzählung machte Eindruck auf die Gesellschaft, und kurz darauf kam einer davon zu uns, und erbot sich uns Papier in Menge zu liefern: allein wir wollten uns noch in die Weit- lauftigkctten eines offnen Ladens einlassen. Nicht um mir selbst Weihrauch zu streuen, spreche ich hier so unbefangen und ausführlich von meinem Fleisse und meiner Arbeitsamkeit; es geschieht blvs zum Besten meiner Nachkommen, für welche dieser Aufs satz bestimmt ist. Sic können hier den Werth dies scr Tugenden kennen lernen, wenn sic aus der Bes L 5 schrcis l7o V. Franklins fchreibung meines Lebens sehen, was für heilsame Folgen mir daraus zugewachsen sind. Georgs Webb, der von einem Freunde die e rforderliche Summe geliehen hatte, Key Kcimcr seine Zeit abzukaufen, kam eines Tages und bot sich an, bey uns zu arbeiten. Wir konnten ihm nicht sogleich zu thun geben, allein ich sagte ihm thörig- ter Weise im Vertrauen, daß ich den Plan habe, im kurzen ein neues periodisches Blatt herauszugeben, wo sich denn Arbeit genug für ihn findest würde. Meine Hofnung eines glücklichen Erfolgs, die ich gegen ihn äußerte, gründete sich darauf daß die einzige Zeitung, die wir damahls hatten, und die Bradford druckte, eine schlechte Einrichtung hatte, auf das nachlaßigstc besorgt und nichts wenige? als unterhaltend war, und ihm gleichwohl etwas einbrachte. Ich glaubte daher, einem guten Werke dieser Art könne es nicht an Bcyfall fehlen. Webb vcrrieth mein Geheimniß und theilte es Keimery mit, der sogleich, um mir zuvorzukommen, die Ans kündigung einer Zeitung bekannt machte, die er selbst drucken, und wvbey er Webb anstellen wollte. Diese Leben. 171 Diese Treulosigkeit empörte mich, und um ihnen wenigstens entgegen zu arbeiten, da wir selbst unser neues Blatt noch nicht anfangen konnten, so schrieb ich für Bradfvrds Zeitung verschiedene lustige Stücke unter der Aufschrift: Hann scheu in allen Ecken (!Zu5)' do-H') die Brlntnak einige Monate laug fortsetzte. 'H Durch dieses Mittel zog ich die Aufmerksamkeit des Publikums auf dieses Blatt, und Kenners Ankündigung, die wir lächerlich machten, fand keinen Eingang. Demvhngeachtet fing er sein Blatt an und setzte es neun Monalhc lang fort; als ex aber in dieser ganzen Zeit nicht über neunzig Subscribcntcn fand, so bot er mir es selbst für ein? Kleinigkeit an. Ich war eben mit meinen vorläufigen Anstalten fertig, übernahm es daher sogleich auf meine Rechnung, und in wenig Jahren harte ich ansehnlichen Gewinn davon. Ich H'Enie handschriftliche Anmerkung eines Exemplare von dem Amerikanischen Merkur, das iu der Dibliotbekni Philadelphia befindlich ist, sagt, Franklin sc» Vcr- fascr der fünf ersten Nummern, suid von einem Thcil der achten. >72 V- Franklins Ich bemerke, daß ich immer in der ersten Person spreche, obgleich unsre Geschäfte noch in Gemeinschaft gingen. Vielleicht kam ich darauf, weil in der That die ganze Last der Unternehmung auf meinen Schultern ruhte. Mercdith war kein Setzer, bloS ein unbedeutender Drucker, und selten ganz nüchtern. Meine Freunde beklagten michwe- gen dieser Verbindung, die ich jedoch iso gut als möglich war, benutzte. Unsere ersten Nummern zeichneten sich weder durch Schrift noch Druck vor irgend einem periodischen Blatt, das bisher in dieser Provinz erschienen war, aus: allein einige treffende Bemerkungen in meitter Manier über den Streit der noch imm5r zwischen dem Statthalter Burnet und der Assem- dly von Massachuftt fortdauerte, machten Personen von höhern Einsichten aufmerksam. Dicß gab Vers anlaßuug, daß viel von der neuen Zeitung und jhs ren Herausgebern gesprochen ward, und in wenig Wochen hatten wir sie alle zu Subscribenten. Jh. rem Beyspiei folgten eine Menge andrer, und unsre Subscribcnkenlisie wuchs bestandig an. Dieß war eine von den ersten guten Folgen der Mühe, die ich Leben. i/Z ,ch mir gegeben hatte , meine Gedanken schriftlich aufsetzen zu lernen. Auch diesen zwcytcn Vortheil hatte ich davon, daß die Haupter der Stadt den Verfaßer dieser Blätter als einen Mann fcnucn lernten, der geschickt mit der Feder umzugehen wiße, und daß sie sich vornahmen, mich auf alle Weise zu unterstützen und aufzumuntern. Vradford druckte noch die Debatten, Gesetze, Verordnungen und andre öffentlichen Papiere. Unter andern halte er eine Addreßc der Versammlung an den Statthalter äußerst schmutzig und unrichtig gedruckt. Wir druckten sie von neuem elegant , *) Unter der Menge schätzbarer Freunde, die Franklin seinem Blatte rerdankre, befand sich auch der Nachmühls so berühmte K. Wkitcfield, der schon als ein junger Mann die zauberische Beredsamkeit und die Kunst besaß die Leidenschaften nach Gefallen zu erregen, und die Herzen der Menge zu feßeln. Er predigte da- mahIS in ganz Nordamerika mir drm größten Genfail, und hatte eben einen Band seiner Reden zum Besten feiner sehr zahlreichen Anhänger ausgearbeitet. Franklin drnckie sie, und der starke Absatz derselben war eine der Hauptquelien seines zunehmenden Wohlstände-?, wenigstens fttzre er ihn in den Stand, seine Ee- schäste beträchtlich zu erweitern. 17-5- B. F r a u k l i n 6 gant und korrekt und schickten jeden Mitglied ein Exemplar zu. Sie sahen den Unterschied, und dieß verstärkte den Einfluß unsrcr Freunde in der Versammlung, die uns für das nächste Jahr zu ihren Druckern ernannte. Unter den Freunden, die wir in dieser Versammlung hatten, darf ich eines ihrer Glieder, den Mr. Hamilton, dessen ich schon oben gedacht, und der damahls aus England zurückgekommen war, nicht vergessen. Er verwendete sich bey dieser Gelegenheit, so wie in der Folge bey mchrern andern mit Nachdruck für mich, und schenkte nur sein Wohlwollen bis zu seinem Tode. Um diese Zeit erinnerte mich auch Mr. Berti on au meine Schuld, doch ohne mich zu drängen. Ich schrieb ihm einen schönen Dankbricf und bat ihn noch ein wenig zu warten, wozu er sich auch willig finden lies. So bald als mirs möglich war, bezahlte ich Kapital und Interessen mit den wärmsten Aeußerungen von Erkenntlichkeit. So war dieser Fehler meines.Lebens gcwissermaassm wieder gut gemacht. Dafür leben. Dafür gcrieth ich aber in cinc andre Verlegenheit/ deren ich mich nimmermehr versehen hatte. Me- rcdiths Vater/ der unserm Vertrag gemäß/ die ganze Auslage für unsere Druckcrey machen sollte, halte nur hundert Pfund Sterling baar bezahlt. Eben so viel war er dem Kaufmann schuldig gcblic- bei,/ der nicht langer warten wollte/ und uns alle bestürmte. Wir stellten Bürgschaft/ jedoch mit der traurigen Außicht/ daß wenn das Geld nicht zur bestimmten Frist in Bereitschaft wäre/ der Prozeß unaufhaltsam fortgehe»/ der Ausspruch des Richters vollzogen/ unsere schönen Hoffnungen vernichtet/ und wir gänzlich rninirt werden würden/ indem man ohnsireitig dic Preßc und die Schriften, vielleicht um das halbe Geld, verkauft und unsere Gläubiger davon befriedigt hätte. In dieser schrecklichen Lage erschienen zwry wahre Freunde, deren edles und großmüthigcs Verfahren ich nie vergeben Habe, und nie vergehen werde, so lang ich nur im Stande bin, mich an etwas zu erinnern. Jeder kam allein, ohne etwas von dem andern zu wißen, und ohne daß ich einen mit einem Worte angegangen war. Jeder erbot sich, l?6 B. Franklins sich, mir so viel vorzuschießen, als ich brauchte, um wo möglich, das Gewerbe allein zu übernehmen, weil sie nicht wünschten, daß ich ferner in Gemeinschaft mit Mcredith bliebe, den man, wie sie sagten, oft betrunken auf den Straßen fände, der in den Gasthöfen mit schlechten Spielern zu rhun harte, und unserm Credit großen Schaden thate. Diese beyden Freunde waren Wilhelm Cales man und Robert Gracc. Ich gab ihnen zur Antwort, so lange nur einige Wahrscheinlichkeit bliebe, daß die Meredith den Kontrakt, so weit ihnen obläge, erfüllen würden, so könnte ich um dcstswenigcr auf eine Trennung antragen, je mehr Dank ich ihnen für das schuldig zu seyn glaubte, was sie wirtlich Zechau hatten, und noch thun würden, wenn es in ihren Kräften stände. Sollten sie aber am Ende ihr Versprechen nicht erfüllen, so würde damit unser Kontrakt von selbst aufhören, und ich mich dann für befugt halten, die Unterstützung meiner Freunde anzunehmen. Die Sache blieb einige Zeit in dieser Lage. Eines Tages sagte ich zu meinem Compagnon: „Vielleicht ist Ihr Vater unzufrieden, daß Sie sich „mit Leben. 177 „mit mir eingclaßeu, und hat keine Lust, das für „uns beyde zu thun, was er für Sie allein tbnn „würde. Habe ich Recht, so sagen Sie mirs auft „richtig; ich überlaste Ihne» alles , und sehe, was „ich auf meine Hand machen k-nn.» — „Nein, „sagte er, mein V„»cr hat jich wirklich in seinen „Hofnungen getauscht. Er ist außer Stande zu „bezahlen, und ich mag ihm nicht noch mehr Sorge „machen. Ich sehe, daß ich schlechterdings nicht „zum Drucker tauge, ich bin zum Pachter erzogen; „es war eine gioße Thorheit von mir, in die Stadt „zu laufen, und im dreyß-gstcn Jahre erst eine neue „Prvfeßion zu ergreifen. Verschiedene von meinen „Landsleuten sind jetzt im Begriff sich in Südcaros „l>na anzusiedeln, wo das Land wohlfeil ist. Ich „habe große Lust, mit ihnen zu gehen, und zu meiü „ncr alten Handlhierung zurückzukehren. Sie fin<- „den gewiß Freunde, die ihnen unter die Arme „greisen. Wollen Sie unsre gemeinschaftlichen „Schulden übernehmen, meinem Vater die anoge- „legten hundert Pfund ersetzen, bezahlen, was ich „besonders schuldig bin, und mir außerdem drenßig „Pfund Steriingc und einen neuen Sattel geben, „so Franklins kleine Schriften. M I ?8 B. F r u !I k lins „so lhue ich auf die Gemeinschaft Verzicht und laße „alles in Ihren Händen." Ich nahm diesen Vorschlag ohne Bedenken an. Die Punkte wurden sogleich schriftlich aufgesetzt, unterschrieben und besiegelt. Ich gab ihm, was er forderte, und er ging bald darauf nach Carolina ab, von wo er mir, im nächsten Jahr zwcy lange Briefe schrieb, die die besten Nachrichten enthielten, die noch von dieser Gegend in Bezug auf Klima, Erdreich, Landbau u. s. w. bekannt worden sind. In Dingen dieser Art war er sehr erfahren. Ich ließ sie in meine Zeitung einrücken, und sie wurden mit vielem Beyfall aufgenommen. So bald er abgereist war, wendete ich mich an meine beydcn Freunde, und da ich weder dem «inen noch dem andern einen beleidigenden Vorzug geben wollte, so nahm ich von jedem die Hälfte von dem, waS er mir angeboten hatte, und ich brauchte. Ich bezahlte die gemeinschaftlichen Schulden, und setzte die Geschäfte unter meinen eigne» Nahmen fort, nachdem ich dem Publikum angezeigt hatte, daß die Gesellschaft aufgehoben wäre. Dieß geschah/ Leben. I7S geschah, wenn mir recht ist, im Jahr 1729 oder doch nicht viel spater. Um diese Zeit begehrte das Volk neues Papiergeld, weil man bis jetzt in dieser Provinz nur 15,000 Ps. Sterling gemacht hatte, die beynah verschwunden waren. Die reichen Einwohner, die gegen alles Papiergeld überhaupt eingenommen waren, aus Bcsorgniß, es möchte, so ww in Ncuengland der Fall gewesen war, zum Nachthcil aller Arten von Gläubiger im Werth fallen, Widers setzten sich dieser Forderung Wir hatten diesen Gegenstand m unserm Iunro verhandelt, wo ich auf der Seite derer stand, die die Vermehrung deS Papiergeldes verlheidigtcn; überzeugt, daß die erste kleine Summe, die man im Jahr 172z gewacht hatte, der Provinz viel Vonheil verschafft, daß dadurch der Handel und Kunsiflciß neues Leben gewonnen und die Bevölkerung ungemein zugenommen habe: denn ich sah, daß jetzt alle Hauser bewohnt waren, und daß man taglich neue erbaute, da ich mich hingegen sehr gut erinnerte, wie ich zum erstenmal)! mit meinen Groden in der Hand die Straßen von Philadelphia durchwanderte, an M 2 den ixo V- Franklins den meisten Häusern in Valuutsireet, zwischen Secocdstrcet und Fvmchstrcet, so wie an einer Menge anderer in Chesnutstreet und in den übrigen Gaßen Zeddel gesehen Halle, auf denen sie ganz zum Vcrmicthen ausgeroren wurden, was mich damahls auf die Gedanken brachte, die Einwohner dieser Stadt verließen sie, einer nachdem andern» Durch unsere Debatten über diesen Gegenstand machte ich mich deßen so ganz Meister, daß ich ein anonymes Pamphlet: Ueber die Beschaffene heit und Nothwcndigkeit des Papiergeldes schrieb und druckte. Die gemeinen Leute nahmen es im Ganzen sehr wohl auf, nur die Reis chcn waren sehr unzufrieden damit, weil es das Geschrcy nach neuen Papier vermehrte und der» stärkte. Da sich aber auf ihrer Seite kein Schrift, sirlier fand, der im Stande gewesen wäre, darauf zu antworten, so ward ihr Widerstand schwacher, die Majorität in der Versammlung trat nun auf die Seite des Projekts, und so ging es durch. Die Freunde, die ich mir unter den Gliedern der Assembly gemacht hatte, in der Ueberzcugung, daß ich mir um die gute Sachs einiges Verdienst erworben 5 e b c u. i8r worden habe, hielten es für billig, mich dadurch zu belohnen, daß man mir den Druck des Papiers auftrüge. Dieß war eine einträgliche Arbeit, die mir damahls ungemein zu statten kam. Abermahls ein Vorrheil, den ich der Fertigkeit im Schreiben verdankte. Zeit und Erfahrung bewiesen den Nu- tzcn des Papiergeldes so unwidersprechiich, daß es in der Folge nie wieder sonderlichen Widerspruch fand, in kurzem zu einer Summe von 55,000, und 1759 auf 80 ,000 Pf. Sterling stieg. Von dieser Epoche an wuchs es in dem letzten KÄeg bis auf z50,000 Pf. Sterling, und zugleich nahmen in Wcrhaltniß der Handel, das Bauen und die Bevölkerung beständig zu: jetzt bin ich indeß doch überzeugt, daß es Grenzen gibt, jenseits welcher das Papiergeld schädlich werden kann. M Z Bald *) So dachte Franklin nicht immer, ober fand es wenigstens für ndkhiq, seine wahren Gesinnungen zu verbergen. Geren das Ende des Jahres 1776. hatte der Kongreß über ai, Millionen Pf. Sterling ausgegeben, die anstatt baarcS Geldes im Umlauf waren. Man fing an besorgt zu werden, da man nicht wußte, wovon man eine so ungeheure Summe wieder einlösen sollte. Einige Glieder des KonareßeS fragten Franklin, knrz vor seiner Abreise »ach Frankreich, um Rath: ..Keine 182 V. Franklins Bald darauf erhielt ich durch Vermittlung meines Freundes Hamilton den Druck des Papiers geldes für New-castel Abcrmahls eine einträgliche ?trc»tt; so schien sie mir wenigstens damahls, denn Lernen von gcr.ngem Vermögen dünkt auch ein kleiner Gewinn schon ansehnlich, und wirklich war der Vvrtheil für mich beträchtlich genug, da es ungemein zu meiner Aufmunterung diente. Er vcrs schaffte mir auch den Druck der Gesetze und öffentlichen Papiere für jene Statthalterschaft, und diese Arbeit blieb so lange in meinen Händen, als ich bey meiner Kunst blieb. Damahl eröffnete ich auch einen kleinen Papicr- ladcn. Ich verkaufte Vcrschreibungen, Kontrakte u. d. gl. richtiger und beßer, als man sie je in der Provinz gesehen hatte, wobcy mir mein Freund Brintnal mit Rath und That an die Hand ging. Auch handelte ich mit Papier, Pergament, Pappe, gebundenen Büchern w, w. Ein gewißer White- mash, „Keine Serge, war seine Antwort: laßen Sie so lange „solche Münz- prägen als sie die Druckerschwärze und „daS Papier bezahlt- Dicß ist daß einzige Mittel, alle „Kricaskosten zu bestreiten/" Leben. mash, ein Setzer, den ich in London gekonnt hatte, und ein vortrcflichcr Arbeiter, bot sich mir an. Ich nahm ihn mit Freuden auf, und er arbeitete beständig und fleißig bcy mir. Auch einen Lchrburschen suchte ich mir aus, und zwar einen Cohn von Aquila Rosa. Nun konnte ich all- mählich an die Bezahlung der Schulden denken, die ich bey Uebernahme der Druekerey hatte machen mäßen. Um aber meinen Credit und Charakter, als Handelsmann zu sichern, so bemühte ich mich nicht blos, in der That fleißig und sparsam zu scyn, sondern auch allen Schein vom Gegcuthcil zu vcr- meiden. Ich trug mich höchst einfach, und erschien an keinem öffentlichen Lustort. Ich ging niemahls auf die Jagd oder auf den Fischfang. Es ist wahr, bisweilen lockte mich ein Buch von meiner Arbeit, doch geschah das nur selten, ganz im Stillen, und ohne Aufsehen: und um zu zeigen, daß ich mich nicht beßer dünke, als mein Gewerbe, so fuhr ich oft selbst auf einem Schieb- karren das Kapier / das ich in den Magazinen gekauft hatte, über die Straßen nach meinem Hause. M 4 So 5 84 Franklins So machte ich mich endlich allgemein als eis neu jungen fleißigen Mann bekannt, der sehr pünktlich im Bezahlen sey. Die Kauficute, die Papier und Druckmaterialien einführten, bemühten sich um meine Kundschaft, andere kamen und erboten sich, mir Bucher zu liefern: so daß mein kleiner Handel immer mehr auf lühte. Mittlerweile sank Keimers Credit und Handel taglich und er sah sich endlich gcnölhigt seme Druckerey zu verkaufen, Um seine Gläubiger zu befriedigen, und nach Bars badvS zu gehen, wo er eine Zeitlang in größter Dürftigkeit lebte. Sein Lehrling, David Harry, dem ich Unterricht gegeben hatte, als ich bey Keimer arbeitete, kaufte diese Materialien und setzte sich an seiner Stelle. Ich fürchtete anfangs an Harry einen furchtbaren Nebenbuhler zu fins den, weil er eine angesehene und mächtige Familie zur Stütze hatte, und bor ihm deshalb eine Verbindung an, die er zum Glück für mich mit der größten Verachtung ausschlug. Er war sehr sioiz, richtete sich wie ein großer Herr ein, machte ungeheuren Aufwand, und ging immer außer dem Hanse seinem Vergnügen nach. Er stürzte sich!U Schulden, vcrnachläßigte die Arbeit, und die Ar- be-t Lebe n° 585 beit verlies ihn- Da er in kurzer Zeit im Land: nichts mehr zu thun fand, so folgte er Keimern nach Barbados, und nahm die Druckerei) mit sich dahin» Dort brauchte der Lehrling seinen chema- lichen Herrn als Taglöhner. Sic geriethen oft u; Streit; Harry gcricth von neuem in Schulden, und ward endlich gezwungen, seine Schriften zn verkaufen und nach Pcnsyivanicn zu seinem Pflug zurückzukehren- Die Person, die sie kaufte, brauch? te Kcimern zur Fortsetzung der Arbeit, allein ey starb einige Jahre darauf. Run blieb mir kein anderer Nebenbuhler in Philadelphia als Vradford, der bcy seinem an? sehnlichen Vermögen nur dann und wann ein paar Arbeiter angestellt hatte, und dem es so viel nickt um Arbeit zu thun war. Da er indeß zugleich Postmeister war, so kann man leicht denken, daß er sich für seine Zeitung eher Neuigkeiten verschaffen konnte, als ich. Man glaubte übcrdicß, sie werde mehr und auch auswärts gelesen, natürlich bekam er mehr Ankündigungen aller Art zugeschickt. Dicß war eben so vorthcilhaft für ihn, als nachteilig für mich. Ich mochte noch so viel fremde M 5 Zei- 186 B. Franklins Zeitungen kommen laßen, und von meiner eignen noch so viel Exemplare versenden, nichts half, das Publikum blieb der gegenseitigen Meinung, weil ich jenes nicht anders als durch Bcstechustg der Postkncchte bewerkstelligen konnte, die folglich alles nur verstohlen mir zustellen und von mir abholen durften, da Vradford klein genug dachte, es ihnen zu verbieten. Dieses Verfahren erbitterte mich so fihr gegen ihn daß es mir Mühe kostete, es ihm nicht vergelten zu laßen, als ich in der Folge seine Stelle erhielt. Bis jetzt hatte ich beständig bcy Godfrey meinen Tisch gehabt, der mit seiner Frau und seinen Kindern einen Theil meines Hauses und die Hälfte des Ladens für seine Glaserwaaren inne hatte. Freylich arbeitete er nur wenig, da er immer in seine mathematischen Untersuchungen vertieft war. Misiriß Godfrey setzte sich in den Kopf, mich mir der Tochter eines ihrer Verwandten zu vcrheu- rathcn. Sie wußte es sehr geschickt so einzurichten, daß wir uns oft zusammen finden mußten, bis sie sah, daß ich -ernstlich verliebt war. Die Schwierigkeit dabcy war nicht groß, denn daö Madchen war Leben. 187 ihrer persönlichen Verdienste wegen einer ernsthaften Leidenschaft wcrth. Die Ekern begünstigten meine Bemühungen, indem sie mich oft zum Esten baten, und uns allein zusammen Keßen, bis es Zeit ward, sich naher zu erklären. Mistriß G 0 dfrcy nahm es auf sich unfern kleinen Traktat abzuschlieft sen. Ich kündigte ihr an, daß ich erwartete, mit der Hand des Mädchens eine Summe Geldes zu erhalten, die mich wenigstens in den Stand fetzte, den Rest meiner Schuld, den ich noch auf der Druckerei) stehen habe, abzutragen. Dieser Nest, glaube ich, belief sich damahls nicht viel über hundert Pfund Sterling. Sie brachte mir die Antwort, sie hätten keine solche Summe zu ihrer freycn Verwendung. Ich bemerkte, daß sie, wenn sie ihr Haus verschreiben wollten, diese Summe, und im RoZhfaü noch weit mehr geliehen erhalten könnten. Ruch einigen Tagen erhielt ich den Bescheid: die Eltern könnten die Heurath mit mir nicht billigen: sie hatten sich bcy Vradford erkundigt, und von diesem gehört, die Buchdruckerkuust fty kcm ein- rrägliches Gewerbe; die Schriften würden sich bald abnutzen und dann müßten neue angcschafl werden; Jacob Keimcr und David Harry hätten B- Franklins Hätten bcyde kurz nach einander fallirt, und mir werde es wahrscheinlich nicht bester gehen- Zugleich verbot man mir das Hau§, und sperrte das Mädchen ein. Ich kann nicht sagen, ob die Leute wirklich ihren Entschluß geändert hatten, oder ob es unreine Lisi war, weil man voraussetzte, wir hatten uns beydc schon zu weit mit einander cingeiaßen, um zurückzugehen, und wir würden folglich suchen uns durch eine heimliche Verbindung zu vereinigen, wodurch sie dann freye Hände bekommen hätten, zu geben oder abzuschlagen, was ihnen beliebte. Wenigstens vermuthete ich diesen Grund, wurde dadurch vor den Kopf gestoßen, .und dachte nicht weiter an die Sache- Mistriß Godfrey versicherte mich einige Zeit darauf, die Eilern des Mädchens hegten die gün» fitsten Gesinnungen gegen mich, und wollte mich von neuem in den Handel ziehen. Ich erklärte ihr aber geradezu, ich wäre ein für allemahl entschlossen, nichts mit dieser Familie zu thnn zu haben. Die Gvdfreys äußerten ihre Empsindl chkeit hierüber, wir konnten uns nicht wieder zusammen finden, sie äydcrrcn ihre Wohnung und überließen mir ^ e b e n> mir das ganze Hans. Ich beschloß nun keinen Miethmann wieder zu nehmen. Dieser Vorfall hatte iudcß meinb Gedanken auf das Heurathen gebracht, ich schaute um mich und wachte hier und da halbe Anträge, ich fand aber bald, daß die Buchdruckerey allgemein für ein schlechtes Ge- werbe gehalten wurde, und daß ich nicht hosten dürfe, Geld mit einer Person zu bekommen, wenn ich nicht zugleich auf alle andern Annehmlichkeiten Verzicht thun wollte. Jndeßcn hatte jene Leidenschaft der Jugend, die so schwer zu zähmen ist, mich oft zu IntrigUcn mit schlechten Weibspersonen, die mir in den Wurf kamen, verführt: dieß konn e nicht ohne Kosten und mancherlei) Nachtheile geschehen, die beständige Gefahr ungerechnet, meine Gesundheit zu zerrütten und mir eine Krankheit zn hohlen, die ich über alles fürchtete. Ich war jedoch glücUich genug, dieser Gefahr zu entgehen. Mein freundschaftliches Derhällniß mit der Familie der Miß Read war nie unterbrochen worden. Wir beh ndelten uns als Nachbarn Und alte Bekannten. Ihre Eltern hatten von der Zeit an, daß ich in ihrem Hause gewohnt, immer viel Neigung zu mir behalten. Ich erhielt öfters i9" V. F r a n k l i i? s öfters Einladungen von ihnen; sie zogen mich in ihren Angelegenheiten zu Rath, und ich war ihnen einigemahle nützlich gewesen. Die unglückliche Lage ihrer Tochter, die schwcrwüthig, selten heiter war, und stets die Einsamkeit suchte, rührte mich. Ich hielt meine Unbesonnenheit und meinen Unbcstand wahrend meines Aufenthalts in London, für die vornehmste Ursache ihres Uns glucks, obgleich ihre Mutter so offenherzig war, mehr sich selbst, als mir die Schuld davon zuzu- schreiben, weil sie nicht allein unsere Verbindung vor meiner Abreise gehindert, sondern sie auch beredet habe, wahrend meiner Abwesenheit einem andern ihre Hand zu geben. Unsere gegenseitige Neigung erwachte von neuem: allein noch fanden sich große Schwierig- feiten bcy unsrer Verbindung. Wahr ists, ihre Heurath ward allgemein für ungültig gehalten, indem ihr Mann, wie die Sage ging', in England eine ältere noch lebende Gattin hatte: allein desto schwerer war es, in einer so großen Entfernung hinlängliche Beweise zu erha ten, und obgleich ein Gerücht sich verbreitet Harle, der Mann sey gestorben, so war doch auch daS nicht erwiesen. Gesetzt Leben. setzt aber auch, das Gerücht lffar gegründet, so hatte er viele Schulden hintcrlaßen, für die sein Nachfolger angegriffen werden konnte. Gleichwohl wagten wir es trotz aller dieser Schwierigkeiten, und ich hcurathcte sie den ersten September 1750. Keine von den Verdrüßlichkeitcn, die wir gefürchtet harten, erfolgte. Sie ward für mich eine gute und getreue Gefahrdinn, und that mir gute Dienste, meinen Laden in Aufnahme zu bringen. Wir befanden uns wohl beysammen, und bestrebten uns gegenseitig einander glücklich zu machen. Auf diese Meise machte ich, so gut ichs vermochte, diesen großen Iugcndfehlcr wieder gut. Unser Club war damahls noch nicht an einen öffentlichen Ort verlegt. Wir hielten unsre Zusammenkünfte bey Mr. Grace, der einen Theilsmes Hauses zu diesem Gebrauch bestimmt halte. Jemand machte eines Tages die Bemerkung, da wir uns, bey unser» Untersucdungen über die vorgelegten Thesen, oft auf unsre Bücher beriefen, so wür- de cö sehr bequem seyn, wenn wir sie an dem Orte unserer Versammlung alle bey einander hätten, da- mit sie im Nothfall zu Rathc gezogen werden könnten; und wenn wir auf diese Weise aus unfern einzel- ^92 B. F r a n k li n s einzelnen Büchersammlungen eine gemeinschaftliche Bibliothek bildete»/ so würde jedes Mitglied Veit Vortheil genießen / die Tücher aller übrigen als sein Eigcnthum brauchen zu können: welches im Grunde fast eben so viel Werth war»/ als wenn jeder das Ganze besäße. Dieser Vorschlag fand Beyfall und ward ausgeführt. Wir stellten rn dem Versammlungssaal alle Bücher auf/ die wir nicht bestandig zur Hand haben mußten. Ihre Anzahl war jedoch nicht so gros / als wir erwartet hatten, und ob wir gleich am Ende des ersten Jahres vielen Gebrauch davon gemacht hatten/ so nöthigtcn uns doch verschiedene Ungemachlichkeiten, die aus Mangel an nöthiger Aufsicht entsprangen/ die Sammlung wieder zu vereinzeln, und jeder nahm das Seinige zurück. Um diese Zeit machte ich meinen ersten Entwurf zur Errichtung einer öffentlichen Leihbibliothek auf Subscription bekannt. Ich verfertigte den Prospcctüs und lies die Bedingungen förmlich von tu'.ftrm berühmtesten Notar, Mr. Brock den aufsetzen. Dieses Unternehmen kam auch glücklich zn Stande, wie man in der Folge sehen wird. Benjamin Frank! i n s Lebe fortgesetzt vom Dr. S t u b e r. Franklins kleine Sckrjnm. N Erstes Kapites- Frankl in stiftet eine öffentliche Leftbibllothek in Philadelphia — Großer Einfluß derselben auf die geistige Cultur der ProoiNZ — Almauach des armen Richard — großer Wegfall — Franklin tritt seine politische Laufbahn an — erhält eine Stelle bcy der Generalversammlung von Pcnsylva- nicN — n»rd Postmeister — Macht verschiedene nützliche Einrichtungen — Feueranstalten u. st w-, 3?och war für die Ausbreitung der Wissenschaften w Pcnsylvanicn wenig geschchn. Ger größte Theil der Einwohner war zu sehr mit Handel und Erwerb beschäftigt, um auf wissenschaftliche Gegenstände Lenken zu können, und die wenigen, die Nei? gung zum Studiren spürten, hatten, aus Maus gel hinlänglich vollständiger Bibliotheken mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Unter dlefttt Umstanden war die Einrichtung einer össentlichett N 2 Bib- zy6 B. Franklins Bibliothek ein wichtiges Ereianiß. Franklin legte gegen das Jahr 17z i den ersten Grund zu dcrsel- den. Fünfzig Personen unterzeichneten sich, jede mit vierzig Schillingen, und versprachen, jahrlich zehn Schillinge zu bezahlen. Ihre Anzahl wuchs, und im Jahr >742, gedieh die Gesellschaft zu einer förmlichen Corporation unter dem Nahmen: die Vibliotheksgesellschaft von Philadelphia. Nach dem Muster derselben bildeten sich verschiedene ahnliche Gesellschaften in der Stadt, die sich nach und nach alle mit jener größern vereinigten, die auf diese Weise einen ansehnlichen Zuwachs an Büchern und Eigenthum erhielt. Ge, genwärtig besitz sie gegen acht tausend Bände aus allen Wissenschaften, einen mathematisch physicali. schcn Apparat, und einen guten Anfang zu einer Sammlung von Natur- und Kunsiscltcnheitcn, nebst einem Eigenthum an liegenden Gründen von beträchtlichem Wcrthe. Vor kurzem hat die Gesellschaft ein schönes Haus in Fifch^strect gebaut, an dessen Vorderseite eine marmorne Bildsaule ihres Stifters, Benjamin Franklins aufgestellt werden soll. Dieses Lebe n. 197 Dieses Institut ward von den Freunden der Litteratur in Amerika und Großbriicanicn auf das thätigste unterstützt. Die Familie Penn zeichnete sich vorzüglich durch ihre Schenkungen aus. Unter die frühesten Gönner dieses Instituts muß der vcr- siorvene Peter Coilison gerechnet werden, der Freund und Corrcspondcnt von Dr Franklin. Er machte demselben nicht allein selbst ansehnliche Geschenke, und bcwog seine Freunde zu ähnlichen, Indern übernahm es freywillig, die Geschäfte der Gesellschaft in London zu besorgen, neue Schriften zu empfehlen, anzukaufen und zu übcrsch-cken. Seine ausgebreitete Gelehrsamkeit und fem Eifer für die Ausbreitung der Wißcnschaftcn machten ihn vorzüglich geschickt, diesen wichtigen Auftrag zum größten Vorkhcil der Gesellschaft auszuführen. Mehr als drcyßig Jahre hindurch besorgte er dieses Geschäfte, und war nie zu bewegen, einen Ersatz für seine Mühwaltung anzunehmen. Während dieser langen Zeit theilre er den Directorcn die besten und zuverläßigstcn Nachrichten von Verbeßerungcn und Entdeckungen in den Künsten, dem Landbau und der Philosophie mit. Die z?8 B. Franklins Die heilsame Wirkung dieses Instituts zeigte sich bald deutlich. Der geringen Kosten wegen konnte jedermann daran Theil nehmen. Seine Vorthcile waren nicht auf den Reichen und Wohlhabenden eingeschränkt. Die Bürger aus den Mittlern und untern Klaßen und Handthierungcn machten sich dieselben bald zu Nutze/ und so ver- breitete sich allmählich durch die ganze Maße ein Grad von Aufklärung und Wissenschaft, den man anderwärts selten antreffen wird. Das gegebene Vcyspiel wurde befolgt. In verschiedenen Städten wurden Bibliotheken errichtet/ so daß sie gegen- wärtig in den vereinigten Staaten/ besonders in Pensylvanicn sehr zahlreich sind. Auch hat man gegründete Hofnung/ daß sie sich noch mehr verbreiten/ und Aufklärung und Kenntnisse allenthalben wachsen werden. Dieß wird die beste Sicherheit für die Erhaltung unfler Freyhciten seyn» Eine Nation von wohlunterrichteten Mannern, die gelernt haben, die von Gott ihnen verliehenen Rechte, zu kennen und schätzen, dürfen nichts von den Ketten der Sklaverei) fürchten. Tyranney und Despotismus herrschen nur in Gegenden der Unwissenheit. Sie fliehen bor dem Lichte der Wissenschaft. 5 e b e n. l99 schaff. Mögen also ja die Bürger von Amerika Einrichtungen begünstigen, die dahin zielen, Ein» ficht und Aufklarung unter das Volk zu verbreiten, und unter diesen sind öffentliche Bibliotheken gewiß nicht die minder wichtigern. Im Jahr 17Z2. gab Franklin das erstemahl den Almanach des armen Richard heraus- *) Dieses Büchlein zeichnete sich durch eine Menge trefiicher kurzer Denksprüche und Maximen aus, die es enthielt, und die alle dahin zielten, Fleiß und Sparsamkeit einzuschärfen. Er ward mehrere Jahre nach einander fortgesetzt. In dem Almanach für das letzte Jahr waren alle Maximen der vorft gen Jahrgänge zusammengezogen und unter der Aufschrift Mittel reich zu werden einer Anrede an den Leser einverleibt Dieser Aufsatz ward in verschiedene Sprachen übersetzt, und in mehrere Sammlungen und Zeitschriften aufgcnom. mcn. Man druckte ihn auch einzeln auf einem großen Vogen ab, den man in vielen Häusern in Philadelphia in Rahmen aufgehängt sieht. Viel» N 4 leicht ') Man sehe die kleinen Schriften, Nr.xvli. 200 V. Franklins leicht enthalt diese kurze Ermahnung das beste praktische System der Ockonomie, das je erschienen ist. Es ist in einer für jedermann verständlichen Manier geschrieben, die nvlhwendig jeden Leser von der Richtigkeit der Grundsätze und dem Nutzen der Lehren und Ermahnungen, die es enthalt, überzeugen muß. Die Nachfrage nach diesem Almanach war so stark, daß in einem cinzigcnIahre zehn tausend Exemplare abgesetzt wurden. Eine sehr große Anzahl, wenn man bedenkt, wie gering damahls noch die Bevölkerung der Gegend war. Es laßt sich nicht zweifeln, daß die in diesen Kalendern enthaltenen heilsamen Maximen einen vorkhcilhasten Eindruck auf viele Leser gemacht haben werden. Kurz darauf betrat Franklin auch seine politische Laufbahn. Im Jahr l^z6. ward er Secrc- tär der Generalversammlung von Pensylvanicn, und von den solgcnocn Versammlungen sieben Jahre hinter einander immer wieder gewählt, bis er endlich selbst als Repräsentant der Stadt Philadelphia Eitz und Stimme erhielt. Die Stelle eines Postmeisters verschaffte Bradsord manche Vorthcile über Franklin, indem Leben. 20! indem er so seine Zeitung weiter verbreiten und zu einem bcßcrn Vehikel für Anzeigen, Preislisten und Ankündigungen aller Art machen konnte. Die Reihe kam nun an Franklin diese Vortheile zu ge? ui.ßcn, indem er 1737 zum Postmeister für Philadelphia ernannt ward. Bradkord hatte sich, wahrend seiner Verwaltung, sehr ungroßmüthig gegen Franklin benommen, und den Umlauf senicc Zeitung so viel möglich gehindert. Jetzt hatte dieser Gelegenheit, gleiches mir gleichem zu vergelte», seine edle Dcnkungsart verbot ihm aber, Gebrauch davon zu machen. Die Policcy von Philadelphia hatte gleich anfangs nach Erbauung der Stadt Wächter angestellt, deren Bestimmung war, die Bürger gegen Diebe und N 5 nachts ") Franklin machte sich nicht allein bc» den Pcnsylva- niern durch seine Widersehnng gegen die Parke» der Eigenthümcr, und seine Bemühungen, die königliche Regierung in der Provinz einzuführen beliebt, sondern auch dem englischen Kabinett bekannt, und zut Belohnung dafür, wie für seine Plane zu einer bcsern Verwaltung des amerikanischen Posiwescns, und einer der Regierung vorthcilhaftern Art, die Auflagen zu erheben, soll er die genannte Stelle erhalten haben. 202 V. Franklins nachtliche Einbrüche zu schützen und Key Feucrsge- fahr sogleich Lärm zu machen. Diese Pflicht ist vielleicht die wichtigste, die irgend einem Menschen im Staat aufgelegt werden kann. Die Anordnung war indeß noch nicht streng und bestimmt genug. Franklin erkannte die Gefahren, die von dieser Seite drohten und brachte eine Acndcruug in Vors schlag, die die Nachtwächter ndthigte, das Leben und Eigcnthum der Bürger sorgfältiger zu hürhcn. Die Zweckmäßigkeit derselben ward sogleich erkannt, und die Verbeßcrung auf der Stelle eingeführt. Nichts ist dem Anwuchs der Städte nach- Heiliger, als Feuers brünsie. Andere Ursachen wirken langsam und fast unmerklich; diese aber verzückte: in einem Augenblick die Bemühungen ganzer Generationen. Man sollte daher billig in allen Städten eine Menge Instrumente, die der Verbreitung des Flammen wehren können, beständig in Bereitschaft haben. Franklin sah bald die Nothwcndigkcit solcher Anstalten ein, und stiftete um das Jahr I7Z8 die erste Feucr-g-ftllschast in Philadelphia. Andere folgten in kurzem diesem Wcyspftle nach, und jetzv gibt es in der Stadt und den leben» 20z den Vorstädten eine Menge Gesellschaften zu diesem Zwecke. Diesen hat man gewiß großentheils die Thatigkeit beym Fcucrlöschcn zu verdanken, dercnt? wegen die Bürger von Philadelphia so berühmt sind, und den sehr unbeträchtlichen Schaden, de^ die Stadt von dieser Seite erlitten hat. Einige Zeit darauf legte Franklin den Plan zu einer Brand-aßecurationscaße vor, der auch sogleich aus. geführt wurde. Die Gesellschaft besteht noch auf den heutigen Tag, und hat, wie die Erfahrung lehrt, großen Vortheil gestiftet. Zwey. 2a4 B. Franklins Zwcptcö Kapitel» Innerliche Zwistigkeitcn in Pensylvaincn — Franklin wird zum Obersten eineS Regiments erngnnt, schlagt aber diese Ehre aus — Seine Entdeckungen in der Lehre von der Elektrizität — seine Schriften Uber diesen Gegenstand. Seine Gegner und Bcrtheidigcr, ^eit der ersten Gründung von Pensylvanicn scheint ein Geist der Uneinigkeit unter den Einwohnern dieser Provinz geherrscht zu haben. Während den Leb,-ecken W ilhclm Pcn ns ward die Vcrfeßung drcymahl verändert. Nach dieser Periode ist die Geschichte von Pcnsylvanicn wenig mehr, als eine Erzählung der zwistigkeiren unter den Eigenchin meeu oder ihren Statthaltern und der Asscmbly. Die Eigenlhümcr behauptete»/ ihre liegenden Gründe waren von allen Auflagen frcy/ dicß aber wollte die Asscmbly auf keine Weise zugestehen. Dieser Leben. 205 Dieser Gegenstand des Streites mischte sich fast in alle andern Angelegenheiten, und hinderte daß die heilsamsten Gesetze nicht durchgingen oder doch nicht gchandhabr wurden, weiches dem Volke zuweilen sehr wesentliche Nachtheiie zuzog. Im Jahr 174-!. wahrend dein Krieg zwischen Frankreich und Groß- brittanicn, harte ein Haufe Franzosen und India> ner einen feindlichen Streifzug gegen die Einwoh, ner der Grenze der Provinz, die auf einen Angriff völlig unvorbereitet waren, unternommen. Es ward also nöthig, daß die Bürger sich zu ihrer Vertheidigung bewaffneten Der Statthalter Tho- mas stellte der Affembly, die clffn ihre Sitzungen hielt, die dringende Notwendigkeit vor, ein Kriegsgesctz ergehen zu laßen. Hierzu wollte diese aber nur unter der Bedingung ihre Einwilligung geben, daß er gcwißcn andern Gesetzen., die sie dem Besten des Volks zuträglich hielten, seine Bcy? sti mung gebe. Die Lage der Provinz war damahis h.-chst bedenklich: sie war den beständige» Einfällen des Feindes ausgesetzt, und von allen Mitteln zur Vertheidigung entblößt. Bcy diesen gefährlichen Umständen blieb Franklin kein unthätiger Zu. schauer. In einer Versammlung der Bürger von Wllm 2OÜ N. Franklins Philadelphia legte er den Plan eines fteywiliigen Aufstandes zur Verthcidigung der Provinz vor. Er ward allgemein gebilligt, und auf der Stelle von wehr als zwölf hundcr t Personen unterzeichnet. Abschriften dieses Plans wurden durch die ganze Provinz verschickt, und in kurzem betrug die Anzahl der Unterzeichner über zehn tausend Personen. Franklin ward zum Obersten des Regiments von Philadelphia erwählt; er hielt es aber nicht für rathsam, diese Ehre anzunehmen. ' Beschäftigungen ganz verschiedener Art fcsieft !en nun die Aufmerksamkeit feines Geistes für einige Jahre. Er begann eine Reihe elektrischer Versuche mit dem 'ganzen Eifer und dem Durst nach Entde. ckmigcn, der die Naturforscher jener Tage bczcichs netc. Unter allen Zweigen der NatUrlchre war die Eiektticität am meisten vcruachläßigt worden. Nun kain die Reihe auch an sie. Schon Theophrast und Plinius, und aus ihnen spatere Natursorz scher, gedenken der anziehenden Kraft des Venu sicins. Im Jahr 1600. vermehrte Gilbert, ein englischer Arzt das Verzcichniß der Substanzen, die die Eigenschaft besitzen-, leichte Körper anzuziehen, um Leben. 207 um ein beträchtliches. Doyle/ Otts Euerike, Bürgermeister von Magdeburg, berühmt durch die Erfindung der Luftpumpe/ Dr. Wall und Sir Isaac Newton fügte einige Beobachtungen hin? zu Guerike bemerkte zuerst die zurückstoßende Kraft der elektrischen Materie und das Licht und Geräusch/ das sie hervorbringt. Im Jahr 1709. thcilte Hawksbee der gelehrten Welt einige wichtige Beobachtungen und Versuchemit. Hicraufaber ward die Elcktricitat wieder mehrere Jahre langv öl- lig vernachläßigt, bis Mr. G r cy im Jahr 172Z sich mit großem Eifer auf sie legte. Er und sein Freund Mr Wheeler machten eine Menge manuichfalti- ger Versuche, durch die sie erwiesen, daß die Elek- tricttät unmittelbar von einem Körper zum andern auch wenn sie sich nicht berühren, übergetragen und auf diese Weise in eine große Entfernung fort- geleitet werden könne. Mr. Gr et) entdeckte hierauf, daß wenn man eisernen Drath an ftidnen oder harnen Schnüren aufhänge, und eine clcktri- firte Röhre darunter bringe, Funken herausgezogen werden könnten, und an Heyden Enden im Dunkein ein ausströmendes Licht bemerkt werde. Hr. Du Faye, Aufseher der königlichen Gärten in Paris/ 208 B. Franklins' Paris, stellte eine Anzahl Versuche an, die nicht wenig Licht in dieser Materie anzündeten. Er cnt- deckte, daß es zwcy Arten von Elcktricitat gebe, die er Glas- und Harzclektricitat nannte. Die crstere entsteht, wenn man Glas reibt; die zwcyte von geriebenen Schwefel, Siegcllak u. s. w. Diese Idee gab er jedoch in der Folge als irrig auf. Zwischen den Jahren 1759^-742. machte Desas guliers eine Menge Versuche, doch ohne etwas Neues von .Belang zu entdecken. Er führte zuerst die Ausdrücke Conductor (Leiter) und idco- elektrisch (an sich elektrisch) ein. Im Jahr 174a. fingen mehrere schafsinnige deutsche Gelehrte an, sich mit dieser Sache zu beschäftigen. Die vornehmsten darunter waren Profeßor Vose in Wittenberg, Profeßor Winkler in Leipzig, Gordon, ein schottischer Bencdiktincrmönch, Profeßor der Philosophie in Erfurt und Dr. Ludolf in Der. lin. Die Resultate ihrer Untersuchungen fetzten die Naturkundigen von ganz Europa in Erstaunen. Ihre Maschinen und ihr ganzer Apparat war groß, so konnten sie ungewöhnliche Quantitäten von Elcktricitat häufen, und Erscheinungen hervorbringen, die bisjctzt sich noch aller Beobachtung entzogen hakten. Leben. 209 hatten. Sie tödteten kleine Vögel und zündete» Spiritus an. Ihre Versuche erweckten den Eifer andrer Naturforscher. Collison schickte um das Jahr -745 der Bibliotheks-geftllschaft von Phllas delphia eine Nachricht von diesen Versuchen, mit einer Röhre und einer Anweisung sie zu gebrauchen» Franklin machte sogleich mit einigen Freunde» den Anfang, eine Reihe Versuche anzustellen, derc» Resultate allgemein bekannt sind. Es glückte ihm^ eine Anzahl wichtiger Entdeckungen zu machen, und Theorien zur Erklärung verschiedener Erscheinungen aufzustellen, die allgemein angenommen Wörde» sind, und die, allem Anschein nach, noch manche Generation überleben werden. Seine Beobachtung gen thcilte er seinem Freunde Collison in einer Reihe Briefe mit, von denen der erste vom 23stc» Merz 1747 datirt ist. In demselben macht er die Eigenschaft der Spitzen, elektrische Materie einzunehmen und auszulasten, die bisher der Aufmerk-- samkcit der Beobachter entgangen war, bekannt» Auch machte er die wichtige Entdeckung eines Plus oder Minus oder einer positiven und negativen Elektricität. Ohne Bedenken gebe» wir ihm die Ehre dieser Entdeckung, obgleich die Franklins kleine Schriften. O EnM 2 B. Franklins Engländer sie für ihren Landsmann/ den Dr. Watsou in Anspruch uchinen. W atsons ?luf- satz ist vom 2 > sie« Januar 174Z, und Franklins Brief den i'ten Jul. 1747. datirt, also einige Monate alter. Franklin erklärte durch dieses Prinzip von positiver und negativer Eicktricität auf eine befriedigende Weise die Erscheinungen der Leisner Flasche, die zuerst von Hrn. Cunaus oder von dem Profcßor M tischen brock in Lehden beobachtet worden waren, und die Naturforscher in große Verlegenheit gesetzt halten. Er zeigte klär- lich, daß die Flasche, wenn sie geladen sey, nicht mehr Elcktricität enthalte, als zuvor, sondern daß eben so viel von der einen Seite hinweggenoinw.cn würde, als zu der andern hinzukomme, und daß, um sie zu entladen, nichts weiter erfordert werde, als, bcyde Seiten miteinander in Veibindung zu bringen, wodurch das Gleichgewicht hergesielu werde, und daß sodann keine Spur von Elektneuät zurückbleibe» In der Folge erwies er, daß die Elektricitäl sich nicht in der Belegung befinde, wie man angenommen habe, sondern in den Poren des Glases selbst. Wenn er eine Flasche geladen hacke, so nahm er die Belegung hinweg, und fand, daß wenn Leben. 211 wenn anch eine neue Belegung hinzukam, der Schlag gleichwohl erfolgte. Im Jahr 1749 machte er zu» erst seinen Gedanken bekannt die Erscheinungen der Gewitter und des Nordlichts aus elektrischen Grundsätzen zu erklären. Er macht auf mehrere Eigenschaften aufmerksam, worum der Blitz und die Elcklrieität übereinkommen, und führt zur Uns tcrsiützung seiner Behauptungen mehrereThatsachcn und Schlüße aus Thatsachen an. In demselben Jahre faßre er die zum Bewundern kühne und große Idee, die Wahrheit seiner Theorie dadurch außer allen Zweifel zu setzen, daß er den Blitzstrahl, vermittelst eines scharfen und sp.tzigen Ciscndraths, der aus irgend eine Weise in die Region der Wolken erhoben worden, wirklich zur Erde herabzöge. Selbst bcy dieser noch unentschiedenen Lage der Sache zeigte sich seine brennende Leidenschaft, das Beste des Menschengeschlechts zu befördern, auf eine sprechende Weise. Die Annahme der Jdenti» tat der Elelmcität und des Blitzes, so wie die Kcnntmß von der Eigenschaft der Spitzen, mit Eltltricttat angefüllte Körper zurückzustoßen, und ihr Feuer still und unvermerkt abzuleiten, brachte ihn auf den Gedanken, Häuser, Schiffe u. s. >v« O 6 öadMch 2>2 Franklins dadurch gegen Blitzschäden zn sichern , daß man eiserne Drache über ihnen errichte, die sich einige Fuße über den höchsten Thcil derselben erhüben^ und wiederum einige Fuße in die Erde oder unter daS Waßer gingen. Die Wirkung derselben, so schloß er, müße entweder das Einschlagen dadurch verbuchen, daß die Spitzen die Wolke über did Cchlagweite hinauStricben oder das elektrische Feuer, das sie enthielte, einsaugten: oder, wenn sie auch das nicht vermochten, so würden sie doch wenigstens den Schlag, ohne Schaden zur Erde leiten. Erst im Somlncr 175-- sah er sich in den Stand gesetzt, seine große und unvergleichliche Entdeckung durch Erfahrungen zu vollenden. Der Plan, den er anfangs da.Zu vorgeschlagen hatte, war, auf einem hohen Thurme oder einem andern hochgelegenen Orte ein Schildcrhäuschen zu errichten, aus welchem ein spitziger eiserner Drakh, durch einen Harzkuchen isolirt, aufsteigen sollte. Wenn nun elektrische Wolken über d-csc Spitze hinweg- zögen, so müßten sie, seiner Meinung nach, demselben einen Thcil ihrer Elektricität mitthcilcn, denn Dascyn sich durch Funken äußern müßte, wenn man Lebe». 2lZ man den Knöchel, einen Schlüßcl oder andern Ab- lcitcr in die Nahe brächte. Ganz Philadelphia bot damahls keinen, zu einem solchen Versuche schicklichen Ort an. Zndeß Frau kl in auf die Erbauung eines Thurms wartete, fiel ihm ein, daß er durch Hülfe eines gemeinen Drachen weit leichter in die Region der Wolken dringen könne. Er verfertigte einen solchen, indem er zwey kreuzweis gelegte Stabe an ein scidncs Tuch befestigte, das weniger vom Regen leiden konnte, als Papier. An dem aufccchtstchcnden Stabe setzte er eine eiserne Spitze an. Die Schnur war wie gewöhnlich von Hanf, bis auf das untere Ende, das von Seide war. Da wo die hänfene Schnur sich endigte, war ein Schlüßel befestigt. Mit dieser Zurüstung ging cr, wenn ein Gewitter sich zeigte, in das ftcys Feld, in Begleitung seines Sohnes, dem cr allein seine Absicht initthcsttc, weil er aus Erfahrung wußte, daß verunglückte physikalische Versuche zum größten Nachtheil der Wißenschaft, den Laycn gewöhnlich zum Gespötle dienen müßen. Er selbst nahm, dem Regen zn entgehen, unter einem Schöpfe Platz. Der Drache stieg- Eine Donnerwsike ging über ihn hin; aber keine Spur von Elektrici- O z tat 214 B. Franklins tat war zu entdecken. Fast verzweifelte er schon an einem glücklichen Erfolg, als er bemerkte, daß die losen, seinen Fibern der Schnur plötzlich ans fiengiii, sich aufzurichten. Nun hielt er den Knös chcl seines Fingers an den Schlüßel und erhielt einen starken Funken. Welch eine ftclige Empfindung mag er in diesem Augenblick genoßcu haben! Von diesem Versuche hing das Schicksal seiner Theorie ab. War er glücklich, so mußte seinNahs nie einen hohen Rang unter den Erweitern der Wissenschaften erhallen; mißlang es, so war er unvermeidlich dem Spott, oder was noch schlimmer ist, dem Mitleid der Menschen, als ein gutmmhls gcr, aber schwacher und kurzsichtiger Projektier blvsgestcllt. Die Aengstlichkeit, mit der er den Erfolg seines Versuches erwartete, kann man sich leicht denken. Zweifel und Verzweiflung wollten schon die Oberhand gewinnen, als die Tharsache aus eine so unwidersprechliche Weise erhärtet wurde, daß selbst die Ungläubigsten ihre Zustimmung Nicht langer versagen konnten. Er lockte mm wiedcrhohlte Funken heraus, lud eine Flasche, be- kam einen Schlag, kurz er machte aste Versuche, die man gewöhnlich mit der Elektricität anstellt. Ohnae Leben. 21? Ohngefehr einen Monath vor dieser Periode hakten auch einige scharfsinnige französische Natur» forscher, nach der, ursprünglich von Dr. Frank- l! n vorgeschlagenen Weise, die Erfindung vollendet. Den Briefen, die er hierüber an Mr. Collinson schrieb, wurde, wie man sagt, eine Stelle in den Abhandlungen der königlichen Societat in London verweigert- Wie dem auch scyn mag, genug C o l» linson gab sie einzeln unter dem Titel heraus: Neue Versuche und Beobachtungen über Elektricität, angestell t zu Philadelphia in Amerik a. Sie wurden mit Begierde gelesen und in verschiedene Sprachen übersetzt. Eine sehr fehlerhafte französische Uebcrsetzung derselben fiel dem berühmten Buffon in die Hände, der, Key allen Mängeln, unter denen das Werk schmachtete, großes Gefallen daran fand, und die Versuche mit glücklichem Erfolg wiederhohlte. Er bewog seinen Freund, den Hrn. d'Alibard seinen Landsleu» ren eine richtigere Uebersetzung von der Schrift des amerikanischen Naturforschers zu geben. Dicß trug ungemein viel zur Verbreitung der Franklinschen Theorie in Frankreich bey. Selbst Ludwig der Fünfzehnte hatte von diesen Versuchen gehört, L> 4 und 216 B. Franklins und wünschte einen Zuschauer bey denselben abzu- geben. Hr. de Lor stellte daher in Gegenwart des Monarchen auf einem Landsitze des Duc d' Ayen zu St. Ger Main eine vollständige Reihe dieser Versuche an. Der Beyfall, mit Welchem der König Franklin beehrte, erweckte in Buffon, d'Alibard und de Lop den eifrigen Wunsch, seine Theorie vom Gewitter zur vollkommensten Gewißheit zubringen. Buffvn stellte seinen Apparat auf dem Thurm von Montbar auf, Hr. d'AIi- b a.r d in Marylaville und deLvr auf seinem Hause guf der Estrapadc in Paris, einer der höchsten Gegenden dieser Hauptstadt. D'Alibar ds Maschine gab zuerst Zeichen von Elcktricität. Den io. May 1752. zog eine Gewitterwolke über sie hin, als Hr. d'Alibard eben abwesend war. Coiffier ein Schreiner, den d' Aiibard mit der nökhigcn Anweisung, wie er zu verfahren habe, dabey ge- laßen, und Hr Raulet, Prior von Marylaville zogen eine Menge Funken heraus. Hr. d'Alibard berichtete der königlichen Akademie der Wißenschaf- ten diesen Versuch in einer Abhandlung, die vom zZtcn May 1752 detirt ist. Den i8kcn May war Kx Lop mit dem auf seinem Hause errichteten Apparat 5 e b e n. 21? parat eben so glücklich. Diese Entdeckungen verein- laßten die Naturforscher in andern Ländern Euros pens, den Versuch gleichfalls zu wicdcrhohlen. Keiner von allen zeichnete sich dabcy mehr aus als Pas ter Bcscaria in Turin, deßen Beobachtungen die Wißcnschaft viel verdankt. Selbst in die kalten Gefilde Rußlands drang die feurige Begierde nach Entdeckungen. Profeßor Nich m an n wgr auf dem besten Wege, die Maße der Kcnntniße über diesen Gegenstand ansehnlich zu vermehren, als ein un^ glücklicher Strahl seines Leiters seinem Leben ein zu frühes Ende, machte- Die Freund? der Wißens schaft werden lange mit Bedanern an diesen liebcnss würdigen Märtyrer der Elektrieität denken» Durch diese Versuche ward Franklins Theorie auf das festeste gegründet. Jetzt, wo dch Wahrheit derselben nicht langer bezweifelt werden konnte, suchte die Eitelkeit und der Neid der Mens scheu wenigstens das Verdienst derselben zu schmäs lern. Daß ein Amerikaner, ein Bürger der unbedeutenden Stadt Philadelphia, deren Nahmen iy Europa kaum bekannt war, im Stande seyn sollte, Entdeckungen zu machen, und neu? Theorien zu O 5 schaft ?,!8 V. F r a n k i i n s schassen, die dem Scharfsinn der größten Naturkor« scher der alten Welt entgangen waren, das war der Selbstsucht zu kränkend, als daß sie es hatte cimäumcn können. Er mußte sicherlich die Idee von irgend einem andern entlehnt haben. Ein Amerikaner, ein Wesen niedrigerer Art, sollte Ents dcclungc» machen können? Unmöglich. Man bes h uptetc, der Ahbe Ndllet habe 174g in seinen Eocons llo zuerst den Gedanken von der Verwandschaft pes Blitzes und der Elcktricität geäußert. Es ist wahr, der Abbe tragt diese Idee vor, allein er wirft sie als eine bloße Verminhung hin, unv thut keinen Vorschlag, sich von ihrer Wahrheit zu versichern. Er selbst gesteht, daß Franklin zuerst den kühnen Gedanken dachte, vermittelst spitziger in die Luft erhobener Stangen den Blitz vom Himmel herab zu locken. Die Achn- l'.chkeit der Elcktricität und des Blitzes ist so groß, daß man sich nicht verwundern darf, wenn sie so- gleich bemerkt ward, als man sich etwas mehr mir den elektrischen Erscheinungen beschäftigte. Schon damehls als die Wißenschaft noch in ihrer K ndhett war, erwähnten Dr. Wall und Mr. Grey de.selben. Unwidersprechlich al Leben. Franklin der Ruhm, eine förmliche Theorie der Gewitter ansgesonnen, Mittel, die Wahrheit de« selben durch Versuche zu erforschen, und diese Versuche auszuführen, vorgeschlagen und so seine Theorie auf eine feste und sichere Grundlage gestützt zu haben. D'Alibard, der die ersten -Versuche in Frankreich anstellte, gesteht, daß er blos den von Franklin angegebenen Pfad verfolgt habe. Andere behaupteten, die Ehre, den Versuch mit dem elektrischen Drachen vervollko nmt zu haben, ge> bührc uuserni Franklin nicht. Einige englische Zci« tungsschreibcr legen sie einem Franzosen zu, dcßcn Nahmen sie aber nicht augeben, und der Abbe Bertholon enhciit sie dem Hrn. de Romas Pcysitzcr des Hofgcrichks zu Nerac. Wahlschein? lich hatten die englischen Paragraphenschreiber diesen Mann im Sinuc. Die geringste nähere Prüfung aber wird uns von der Unrichtigkeit dieses Vorgebcns überzeugen. Dr. Franklins Versuch ward im Junius 1752 angestellt, und sein Brief, wvrinn er denselben beschreibt, ist vom 19 Di toller >75?. Hr. de Romas sing zuerst am 14. May 175z au, sich mir der Sache zu lleschastigen, und 22o B. Franklins und es glückte ihm nicht eher, als de» ig-Zunius, folglich ein ganzes Jahr später, als Franklin seine Entdeckung vollendet hatte, und als sie schon allen Naturforschern Europens bekannt war. Außer jenen Hauptprincipien enthalten Frau k- lins Brief? über die Elektricität eine Menge That- fachen und Winke, die sehr viel bcygetragxn habe;?, diesen Zweig menschlicher Kcnntniße zu einer Wissenschaft zu erheben. Sein Freund Mr. Kinuer- flcy, theilte ihm eine Entdeckung von den verschiedenen Gattungen durch geriebenes Glas und Schwefel hervorgebrachter Elektricität mit. Hr, du Faye, wie wir schpn erinnert haben, bemerkte dieß zuerst, ymn hatte aber seit Jahren nicht weiter darauf geachtet. Die Nacurlehrer waren geneigt, die Erscheinungen vielmehr aus der verschiedenen Quantität der gesammelten Elektricität zu erklär?», und du Faye selbst scheint endlich diese Lehre angenommen zu haben. Franklin dachte anfangs eben so, wicdcrhohltc Versuche aber belehrten ihn, das Mr. Kinnerslcy Recht habe, und daß die Glas- und Harzclektricitat des du Faye nichts anders sc?, als die schon langst von ihm beobachtete 5 e b e n- 22t tele positive Lud negative; daß die Glasscheibe öder Kugel positiv lade oder die Quantität der Elcktricität des ersten Leiters verwehre, did Schweftlscheibe aber seine natürliche Quantität vermindere, oder negativ lade. Diese Versuche und Beobachtungen eröffneten ein neues Feld zu weitem Forschungen, das auch sogleich von den Naturforschern mit Begierde betreten ward, und ihre Bemühungen haben die Maße unster Kenniniße ansehnlich vermehrt» Im September 1752. begann Franklin eine Reihe von Versuchen, die Gattung der Elektricitat der Wolken zu bestimmen. Aus einer Anzahl Versuche schloß er: die Gewitterwolken befänden sich meistens in einem Zustand von negativer, doch bisweilen auch von positiver Eicktricität: und dar. aus ergibt sich die Natürliche Folge, daß bey Ge« wittern der Blitz öfter aus der Erde in die Wol. kcn, als aus den Wolken in die Erde schlagt. Sein Brief, in dem er von diesen Beobachtungen Rechenschaft ablegt, ist vom September 175z, uUd gleichwohl hat man sich unterstanden, zu behaupten, die Entdeckung von aufsteigenden Blitzen sey von 222 B. F r a !t k l i n s von neucrm Datum, niB gehöre demAbbe Vers thvlon, der seine Abhandlung über diesen Gegen- siand erst 1776. bekannt machte. Franklins Briefe wurden in die meisten europäischen Sprachen und in das Lateinische über- setzt. Im Verhaituiß wie sie bekannt wurden, nahm man auch seine Grundsätze an. Zwar wurden hier und da, vorzüglich von dem Abbe Rollet einige, ober nur mit schwachen Gründen unterstützte Einwürfe gegen seine Theorie vorgebracht, dagegen verthcidigren die ersten Naturforscher Europens, unter denen sich d' Alibard und Beccaria vorzüglich auszeichneten, Franklins Grundsätze. Der Widerspruch nahm nach und nach ab, und das Frankiinsche Softem ist letzt allenthalben, wo die Wißenschaft blüht, das herrschende. Von dem wichtigen praktischen Nutzen, den Franklin von seinen Entdeckungen machte, indem er dadurch die Wohnungen der Ätcnschcn vor Biitz- schaden sicherte, haben wir schon gesprochen. .Echtz- ab- ") Diese Dehaurrung ist nicht der strengen Währkeil gemäb. Die Franklins.,e Theorie ist »iriiiahls allqc, mein angclicMinen. und aiiserkäid England »nv Amerika schon ft-ii geraumer Zeit, von den meisten Natur- Ichrern wieder aufgegeke» msidem Lsbe n. ablciter sind jetzt in Amerika sehr gemein, in Europa aber haben Vornrtheilc die allgemeine Einführung derselben bis jetzt immer noch verhindert, ob man gleich die uuwidersprechlichsten Beweise von ihren Nutzen vor Äugen hatte. So sind die Menschen ! Nur mit größter Mühe können sie bewogen werden, alte Gewohnheiten abzulegen, und neue Einrichtungen zu machen. Und vielleicht haben wir mehr Grund, uns zu verwundern, daß ein, wenn gleich noch so vernünftiger Gebrauch, der vor vier- zig Jahren zuerst vorgeschlagen ward, in diesem Zeitraum doch schon an so manchen Orten angenommen worden, als daß er nicht allgemein Eingang gefunden- Nur stufenweise kann der große Haufe der Menschen zu neuen Gebräuchen, wenn ihr Nutze auch noch so einleuchtend ist, gebracht werden. Es sind nun beyncche achtzig Jahre verstoßen seitdem das Einimpfen der Vlatten, in Europa und Ame- rika eingeführt worden, und noch jetzt fehlt soviel an der Allgemeinheit dieses Gebrauchs, daß bis dahin wahrscheinlich noch mehr als Ein Jahrhnitt dert vergehen wird. Drit- 22^ B. Franklins Drittes stapitels Franklin erfindet ein neues Kamin — nM Mitglied der Gettcralversammlttng scn Pcnshlva- tiien — seine Talente als Redner sind nicht aroS — Universität in Philadelphia — Franklins Briefe über diesen Gegenstand. O' /Hm Jahr 1745. gabFranklin eine Beschreibung feines Ucuerfundcncn ipensylvanischcn StubcnwarS lners heraus, worinn er mit größter Genauigkeit und bis itt das kleinste Detail die Vorzüge und Nachthcile der verschiedenen ?lrtcn Kamine angibt, und zu zeigen sucht, daß das von «hm beschriebene allen andern vorgezogen zu werden verdiene. Diese Erfindung gab Veranlassung zu den offnen Öefcn, die jetzt allgemein gebräuchlich sind, in ihrem Bau aber etwas von der Franklinschen Angabe abwci/ chen, besonders darinn, daß sie hinten keinen Lufts kasteit (air-box) haben, aus dem beständig frische llvah- L e b n. 225 während dem Einströmen über dem Feuer erwärmte Lust in das Zimmer gebracht wird. Die Vorzüge von Franklins Erfindung bestehen Varinn, daß, indem bestandig ein Strohin erwärmter Luft in das Zimmer dringt, weniger Holz und Kohlen erfordert werde», eine heilsame Temperatur zu erhalten, und das Zimmer ohne Nachtheil der Gesundheit so sorg- saltig verwahrt werden darf, daß keine Lust durch Ritzen und Spalten eindringen kann, wovon Flüßc, Zahnweh w. w. die Folgen find. Erforschung der Natur war feit mehrern Jahren Franklins Hauptgeschäfte gewesen, allem er schrankte sich doch nicht ganz darauf ein. Im Jahr 1747. ward er Mitglied der Generalversammlung von Pensylvanien, als Abgeordneter der Stadt Philadelphia. Um diese Zeit lagen die Ei, gcnlhümcr in heftigen Streit mit der Asscmbly, und jeder Theil stritt für seine, wie ihm dünkte, unstreitigen Rechte. Franklin, von Jugend auf ein Freund der Rechte des Menschen, that sich bald als ein standhafter Widersacher der ungerechten Forderungen der Eigcnlhümcr hervor. Matt betrachtete ihn bald als das Haupt der Opposition, Franklins kleine Schritten. B UN 'S 226 B. F r u » k li n 6 und mehrere von den geistvollen und nachdrückst» chen Antworten der Assembly auf die Zuschriften des Statthalters gelten für sein Werk. Er hatte großen Einfluß in der Versammlung: doch war dieß bey ihm nicht die Folge vorzüglicher Talente zur Bercdtsamkeit. Er sprach nur selten, und nie» mahls so anhaltend, daß man Härle glauben können, eine ausgearbeitete Rede zu hören. Seine Vortrage bestanden oft in einer einzigen Sentenz oder einem gut erzählten Gcschichtchcn, deren Moral immer zur Sache paßte, und nicht zu verfehle» war. Nie versuchte er, die blumigen Gefilde der Beredtsamkeit zu betreten. Seine Manier war sanft und einfach. Sein Styl im Sprechen, wie seine Schreibart, ungekünstelt, ungeschminkt, in hohem Grade kurz und gedrängt. Mit dieser edlen Einfalt und seinem richtigen und durchdringenden Verstände, machte er die beredtesten und verschlagensten unter seinen Gegnern zu Schanden, unterstützte die Vorschlage seiner Freunde, und brachte viele von Vorurtheilen frcye Personen, die sich ihm anfangs widersetzten, auf seine Seite. Durch eine einzige Bemerkung vernichtete er den ganzen Eindruck der längsten und zierlichsten Rede, und bestimmte Leben. 227 stimmte das Gchicksahl einer streitigen Frage von der größten Wichtigkeit» Doch es genügte ihm nicht, auf diese Weise die Rechte des Volks zu veriheibigen: er wünschte sie für immer zu sichern. Dieß ist nur dadurch mög« lich zu machen, daß man ihm seinen eignen Werth kennen lehrt, und dieses hangt größtentheils von der Vermehrung und Verbreitung wahrer Aufkläs rung und nützlicher Kenntnißc unter allen Volksküchen ab. Wir haben bereits gesehn, daß er Stifter einer öffentlichen Bibliothek ward, die uns gemein viel zur Aufklärung der Bürger beytrug. Doch dieß war nicht hinreichend. Die damahls bestehenden Schulen waren von geringem Nutzen> die Lehrer bestanden größtentheils aus unfähigem Menschen, die den wichtigen Pflichten ihres Zimtes nicht gewachsen waren, und das höchste, was in diesen Schulen zu lernen war, lief auf die Anfangs, gründe eines gemeinen englischen Unterrichts hinaus- Franklin entwarf den Plan einer in Philadelphia zu errichtenden Akademie, die den Res dürfnißcn eines jugendlichen Staates (seinen eignen Ausdruck zu brauchen) angemeßen wäre. In P 2 diesem, Ä28 V. Franklins diesem, so wie Key allen seinen übrigen Planen abc» nahm er nicht allein auf die jetzigen Zeiten Rücksicht» Er blickte vorwärts in eine Periode, wo ein Institut von weit umfaßcndern Plan nochwendig wer? den wurde. Aus diesem Standpunkt betrachtete er seine Akademie als «eine Stiftung und Grunds „läge für die Nachwelt, auf welche diese ein, künf-> „tigen Umbanden angcmcßenes, mehr umfaßcndes „res gelehrtes Seminarium errichten könnte." Dies fem Emwurf gemäß, wurden die Gesetze und Eins richtungcn dieser Akademie aufgesetzt, und den iz, November 1749- unterzeichnet. Vier und zwanzig der angesehensten Bürger von Philadelphia wurden zu Ephorcn deßclbcn ernannt. Bey der Wahl dcrs selben und der ganzen Anlage des Plans soll Franklin vorzüglich Thomas Hopktnsoi; Esq., den Ehrwürd. Richard Peters, damas sigen Secrckär der Provinz, Tench Francis Esq. und den Doctor P hi n c as Bond zu Rache gezogen haben. Folgender Artikel ist ein Bcyspiel von einem nachahmungswürdigen Geist des Wohlwollens i und zur Ehre unfter Stadt müßen wir hoffen, daß er nie seine Kraft verlieren werde. "Im Leben. 229 «Im Fall, daß der Neckar oder irgend ein «Lehrer (die vermöge der Stiftung zu einem beistimmten Gehalt angewiesen sind) durch Krankheit «oder irgend eine natürliche Schwäche und Alter «außer Stand gesetzt werden sollten Unterricht zu »geben, so sollen die Ephoren, um ihn vor dem «Elend der Dürftigkeit zu schützen, freye Macht «und Gewalt haben, nach Verhältniß seiner Um- «stände und Verdienste, so wie des in Händen «habenden Kapitals für seinen Unterhalt zu sorgen." Der letzte Abschnitt der Grundgesetze ist in einem so warmen und menschenfreundlichen, so wahrhast väterlichen Ton geschrieben, daß er dem Herzen n»d dem Kopf der Stifter zu ewigem.Ruhme gereichen muß. «Man Host und erwartet, daß die Ephoren «sichs zum Vergnügen und gewiszcrmaaßen zur «Pflicht machen werden, die Akademie recht oft zu «besuchen, und dadurch der Jugend Much und «Ehrgeiz einzuflößen, auch die Lehrer zu ermuntern «und zu stärken, und auf alle, in ihren Kräften «stehenden Mittel, den Nutzen und das Ansehn U z «des 2ZO B. Franklins „des Instituts zu befördern. Mau Host, daß sie „die Schüler gewißcrmaaßcn als ihre eigne Kinder „betrachten und ihnen mit Traulichkeit und Zunci- „gung begegnen werden: und daß, wenn sie sich „gut aufgeführt, ihre Studien vollendet und nun „im Begriff sind in die Welt einzutreten, die Ephv- „rcn sich mit Eifer vereinigen und alles, was sich „thun laßt, ihn» werde», ihnen weiter fortzuhelfen, sie bor allen andern Personen, selbst von „gleichen Verdiensten, in Geschäften und zu Aem. „lern anzustellen, durch gute Heurathen zu versor- „gen, und ihren Vortheil auf alle erlaubte Weise „zu wahren." Nachdem die Gesetze unterzeichnet und mit den Nahmen der Personen, die sich selbst als Stifter und Vorsteher angaben, waren bekannt gemacht worden, so fand der Gedanke Key den patriotischen Bürgern von Philadelphia gleich so allgemeinen Beysall, daß in wenig Wochen die zur Ausführung verlangte Summe von acht hundert Pfund Sterling jahrlich, für fünf Jahre, durch Unterzeichnung zusammen kam, und zu Anfang nächstfolgenden Januars 076o) wurden drey von den Schulen geöffnet, Leben. öffnet/ nchmlich die lateinische und griechische; die mathematische und die englische. Einem Artikel des Originalplans gemäß/ wurde eine Erziehungsschule für sechzig Knaben und drcyßig Madchen (seitdem in der Urkunde milde Schule genannt) eröffnet, und trotz den zahllosen Schwierigkeiten, mit denen die Vorsieher Key den spärlichen Fonds zu kämpfen hatten, vierzig Jahre lang ununterbrochen fortgesetzt: so daß, wenn man rechnet, jeder Knabe und jedes Madchen, das darum aufgenommen worden, scy drcy Jahr in demselben geblieben, (welches die gemeine Regel isi) in diesem Zeitraum wenigstens zwölf hundert Kmdcr, die sonst größtemheils ohne allen Unterricht geblieben seyn dürften, den wichtigsten Thcil ihrer Erziehung durch diese Anstalt bekommen haben. Und was ihr noch mehr Ehre macht, eine große Anzahl derer, die in ihr gebildet worden, gehören jetzt unter die nützlichsten und rechtschaffensten Bürger dieses Staates! Dieß unter so glücklichen Anzeigen begonnene Institut, blühte zur größten Freude Franklins taglich auf. Die zahlreichen und verschiedenen Geschäfte und Zerstreuungen der damaligen so P 4 thati- 2Z2 B. Franklins thatigcn Periode seines Lebens hielten ihn gleich? wohl nicht ab, den monatlichen Visitationen und Prüfungen der Schulen regelmäßig bcyzuwvhncn, und er machte sichs zu c>ncr heiligen Pflicht, mit. lelst seines ausgebreiteten Briefwechsels im Aus? lande, den Ruf des Seminariums zu vergrößern, lind aus den verschiedenen Thülen von Amerika und Westindischen Inseln Schüler und Studenten hcrbeyzuziehen. Auf Ansuchen der Vorsteher ward durch Vermittelung seines gelehrten und cdeldcn? kenden Freundes Peter Collison in London von den Eigenthümcrn der Provinz Pensylvanien, Thomas Penn und Richard Penn Esqrs. eine Corporationsakte (datirt den iz. Iuly 175z.) ausgewirkt, die zugleich von diesen großmülhigen Wohlthärcrn mit einem ansehnlichen Geschenk von fünf hundert Pfund Sterling begleitet wurde. Dr. Franklin sing nun im Ernst an, sich mit der Hofnung zu schmeicheln, seinen ursprüglichen Plan im Kurzen ganz ausgeführt zu sehen. Dieser ging auf nichts geringeres als die Errichtung einer vollständigen hohem Erziehungsanstalt, nach dem Plan der europäischen Collcgien und Universitäten, zn der seine Akademie nur die Vorlaufcrinn oder die Leben. 2zZ hie Grundlage abgeben sollte. Eine genaue Nach» richt von dicscp Verhandlung ist eine Sache, die in der genauesten Verbindung mit der Sorge für das Andenken und den Charakter des Dr. Frank» lins, als Philosophen, Freundes und Gönners der Wißenschastcn und Künste steht- Denn, ohn- erachtet er m der Einleitung zu den Gesetzen und dein Plan der Akademie ausdrücklich erklart, daß „sie in der Absicht gestiftet werde, um die lateinische und griechische Sprache mit allen nützlichen „Zweigen der Künste und Wißenschastcn, wie sie „den Bcdürfnißcn eines jugendlichen Staates ange» „mcsien sind, zu lehren, den Nachkommen vorzuarbeiten, und einen Grund zu legen, worauf sie „eine mehr umfaßcnde gelehrte Erziehungsanstalt, „wie sie ihren künftigen Verhaltnißen angemeßen „scyn möchte, errichten könne:" so hat man doch vhnlangst, gleichsam unter Franklins Autorität zu behaupten gewagt, das Lateinische und Gricchi- sche waren, als tvdte Sprachen, ein überflüßigcr Auswuchs in dem Plan einer liberalen Erziehung, und die Stiftung und Einverleibung eines Colles giums oder einer eigentlich gelehrten höhern Schule ,nit seiner Akademie, sey ohne seine Bewilligung P 5 und 2Z4 B. Franklins und Mitwirkung, geschehen, ja er sey sogar höchst unzufrieden damit gewesen. Sollte das Gegciuheil davon aus dam bereits angeführten nicht bereits deutlich erhellen, so werden folgende Briefe die Sache außer allen Streit setzen. Er,schrieb sie an einen Mann, der daniahls den Plan einer höhern Lehranstalt, angeniesten den Vcdürsnißen eines jungen Staates (die Rede war von Neu-Uork) herausgegeben und ein Exemplar dcßclbcn an Dr. Franklin mit der Bitte geschickt hatte, ihm sein Unheil über diese Sache mitzutheilen. Dicß gab Veranlastung zu einem Briefwechsel, der sich ein Jahr nachher damit endigte, daß das Cottcgium aus die Grundlage der Akademie errichtet und jener Gelehrte an die Spitze beydcr Institute gestellt ward, denen er noch jetzt, nach einem Zeitraum von sechs und drcystig Jahren, mit ausgezeichnetem Ruhme vorsteht. Ans diesen Briefen wird man sich zugleich eine Vorstellung von dem Zustand der Akademie in jener Zeit machen können. Erster Lebe n. 2Z5 Erster Brief an Mr. Smith, auf Long- Islanv. Philadelphia, am iZtenAprill 175Z. Werthestcr Herr, Ihre schmeichelhafte Zuschrift vom Ilten dieses habe ich mit Ihrer neuen Schrift über die Erste, hung *) richtig erhalte». Ich werde sie mit der größten Aufmerksamkeit lesen, und Ihnen, wie Sie es begehren, mit der nächsten Post meine Meinung darüber melden. ch Ich glaube, Ihre jungen Mündel würden hier eine sehr gute Erziehung und einen gründlichen Unterricht in der Mathematik und Philosophie er- halten können. Mr. Alison ^), (der in Glas, gow erzogen worden) hat die erstere Wißcnschaft schon seit mehrern Jahren, so wie Mr. Gr e w die ») Der Titel desselben ist: »cneial iUea c >k rlie aollc. ok IVtii.>nii>. ") Der gelehrte und el,r!?ürdiae -Nr. Fran ei 6 Ali^ son, in der Folge Doetor der Gortchgelahrheil und Vicekansier nvnti) der Universität. »*») Mr. The 0 phiIu , in der Folge Professor der Mathematik an der Unioersilät. 2Z6 B. Franklins die letztere vorgetragen, und nur scheint, ihre Zöglinge mache» gute Fortschritte. Mr. Alison hat die Aufsicht über die lateinische und griechische Schule, allein da er jetzt drcy gute Gehülfcn hat")/, so kann er sehr bequem raglich einige Stunden zum Unterricht derer abmüßigen, die schon etwas tiefer in die Wißenschaftcn eingedrungen sind. Die mathematische Klaße ist recht artig mit Instrumenten versehen. Die englische Bibliothek ist sehr gut, und wir haben einen zu ihr gehörigen leidlichen physikalischen Apparat, den wir nächstens vollständig zu machen denken. Die Loganische Bibliothek, eine der besten in Amerika, wird in kurzem geöffnet werden; so daß es weder an Büchern noch anIn- firumentcn für den Unterricht fehlen kann; und da wir entschloßcn sind, immer gute Besoldungen zu geben, so hoffen wir auch stets unter den besten Lehrern die Wahl zu haben, wovon in der Zhat der glückliche Erfolg größtenthcils abhängt. Wir danken Ihnen für Ihr gütiges Anerbieten über diesen Punkt, und werden, wenn Sie sich in England Diese Gehülfcn rraecn damahls Mr. Charles Thomson, hernach Sekretär des Congrcscs, Mr° Paul Jackson, und Mr. Jacob Duche. Leben. 2Z7 lar.d niedergelassen haben, gelegentlich von Ihrer Freundschaft und Ihren Einsichten Gebrauch machen. Wenn Ihre Verhältnisse es erlaubten, daß Sie, vor Ihrer Rückreise nach Europa Philadelphia besuchen könnten, so würde mirs ausserordentliches Vergnügen machen, Sis hier zu sehen und zu sprechen, als auch nach Ihrer Niederlaßung in England einen Briefwechsel mit Ihnen zu unter, halten: denn Bekanntschaft und Verkehr mit Mans' nern von Gelehrsamkeit, Tugend und Gemeingeist rechne ich unter die größten Glückseligkeiten meines Lebens- Ich weiss nicht, ob der erste Vorschlag, den ich zu Errichtung der Akademie that, Ihnen je zu Augen gekommen ist; ich lege ihn daher diesem Briefe bey. Er hatte, so unvollkommen er auch war, doch den erwünschten Erfolg, daß kurz darauf eine Summe von vier tausend Pfund unterzeichnet wnrs de, die die Ausführung des Plans möglich machte. Da wir uns gern belehren laßen, und täglich durch . Erfahrung weiter kommen, so hoffe ich, unser Zsi- B- Franklins Instituts soll in ein paar Jahren, der Vollkome nmchelt so ziemlich nahe Heyn. Ich bin mit wahrer Hochachtung u. s. w. Benjamin Franklin. Zwei) ter Brief. Philadelphia, den zten May 175z. Wcrthcstcr Herr, Mr. Peter 6 ist so eben bcy mir gewesen, und wir haben unsere Anmerkungen über Ihre neue Schrift zusammen verglichen. Ihr ganzer Erzie- hungspian, so sehr er sich dem Ideal nähert, cnts halt gleichwohl, wenigstens unserer Einsicht nach nichts, das nicht vollkommen ausführbar wäre. Die größte Schwierigkeit wird seyn, den Ara? tus*) zu finden ober andere taugliche Personen, ihn ") Der Nähme des' Vorstehers oder HauvtcS dcS idca- tischen Loüegiums, cineS Systems der Erziehung, daS gleichwohl durch das Coliegium und die llnirersttär von Philadclrdia und einige andere gelchrre Pstanzschii- lcn von Amerika in unjern Tagen deynahe zur Wirk- . irchreit gebrachr, oder doch in den meisten Punkten zum Mustert genommen worden. Leben. 2Z9 ihn zur Ausführung zu bringen: doch auch diese wird man bekommen, wenn man ihnen nur hm? längliche Aufmunterung gibt. Beyde haben wir die kleine Schrift mit dem lebhaftesten Vergnügen gcle» sen. Ich für meinen Thcil erinnere mich nicht, daß mir je eine Schrift einen angcnehmcrn Genuß verschafft hatte; so edel und richtig stnd die Gesinnt»:, gen, so warm und beseelt die Sprache! Allein da Tadel Ihnen von Ihren Freunden nützlicher und selbst tvillkommner sevn muß, als Lob, so muß ich bemerken, daß ich wünschte, Sie hätten nicht allein das Citat aus dem Rcviewhimvcggelaßeii, mit dem Sie jetzt selbst unzufrieden sind, sondern auch Aeußcrungen von Empfindlichkeit gegen Ihre Gegner, wie Seite 65 und 79. stehen, vertilgt. Der edelste Sieg in solchen Fällen wird dann er? fochten, wenn man von den Lästerungen gar keine Notiz nimmt, oder dazu lächelt- Mr. ') Dieses Citat, worauf liier angespielt wird, war eine Stelle auS dem Lviidner ktevlew von 1749. in der die Vcrfasung der englischen Uiuoersnäten Oxford und Cambridge zu heftig angegriffen war, und die deshalb auch auS den folgenden Ausgaben dieses'äLert: hinwegblieb. 240 V. Franklins Mr. Allen ist die letzten vierzehn Teige nicht iit der Stadt gewesen. Jedoch, eh er sie verlies/ bat er mich, ihm sechs Exemplare Ihrer Schrift zu schicken. Mr. Beters hat ihrer zehn genommen. Er war Willens, Ihnen zu schreiben, gab aber den Gedanken wieder aüf, weil er ohnehin hofft, Sie im kurzen hier bey uns zu sehen. Er ersticht mich/ Ihnen viel Complllnente von ihm zu sagen, und Sie zu versichern, daß Sie ihm herzlich willkommen styn werden, wenn Sie unsrev Stadt Ihre Anwesenheit schenken wollen. Ich sage Ihnen weis ter nichts, als daß ich alles thun werde, was in meinen Kräften steht, Ihnen den Aufenthalt in Philadelphia so angenehm, als möglich zu machen. Ich bin mit u. st w. Benjamin Franklin^ Dritter Brief. An denselben. Philadelphia, den 27. Nov. 175z» Nerthester Herr, Da ich Ihnen, über Bristol, ausführlich geschrieben habe, so weiß ich für jetzt nur wenig hin- znzu- Lebe n. 241 zuzufügen« Die Angelegenheiten, die Akademie bct> essend blechen in statu gno. Die Vorsteher wünschten recht sehr, einen Rcctor anstellen zu köns ucn, allein sie scheuen sich/ neue Verbindungen einzugehen, che sie sich von Schulden bcfrey? haben, Md es ist mir noch nicht gelungen, sie ganz zu meinem Glauben zu bekehren, daß em guter Pro- seßor oder Lehrer der höhcrn Zweige der Wißcns schuften, Schüler genug hcrbey ziehen müße, um davon wenigstens den größten Thcit, wenn nicht seinen ganzen Gehalt bestreiten zu können Wenn also auf diese Wesse die E'genlhün.er cher Provinz) sich Nicht entschließen, die letzte Hrnd au unser Institut zu legen, so furchte ich, daß noch einige Jahre verfließen werden, eh es die Siufe der Vollkommenheit erreichen kann, deren mir es fähig scheint; und das große Vergnügen, das ich mir versprochen hatte, Sie für bestandig unter uns zu sehen, wird wie em schöner Traum verit schwinöen- Doch eben schreibt mir unser guter Mr. Coss iinson, daß er alles thun werde, was in semeu Kräften steht, und er hofft, mit Hülfe des Erz- Franklins kleine Schriften. Q. blschösss,' 242 V. Franklins bischoffs, es bey unfern Eigenthümcrn dabin zu bringen, daß sie sich zu dem erforderlichen Bey? trag entschließen. Gott gebe, daß seine Erwartung nicht getäuscht werde! Mein Sohn verbindet seine Versicherung der innigsten Hochachtung mit der Ihres u. s. w. Benjamin Franklin. N. S- Seit ihrer Ankunft in England haben Sie mich mit keiner Zeile von Ihrer Hand beehrt. Vier« Der ErzdischvffH erring und P. Coll-nson Cfg. aufgefordert von Franklin vermochten (unterstützt von den Briefen der Herren Allen und Pcre/S) den .Hrn. Tbom a S Penn Efg., eine jährliche Summe zu unterzeichnen. Auch in der Folge gab er wenigstens ;o>?o Pf. St. zur Stiftung und Verbindung des CoUe.' giumS mit der Akademie- Leben. 24Z Vierter Brief. An Denselben. Philadelphia, den igten April! 1754» Werchesier Herr, Seit Ihrer Ankunft in England habe ich nur einen einzigen, und zwar sehr kurzen ^Brief, über Boston, vom igten Oktober von Ihnen erhalten, worinn S-e sagen, daß Sie mir durch Capitan Davis ausführlicher geschrieben hatten- Davis ist verunglückt, und zu meinem größten Verdruß, Ihr Brief mit ihm. Mesnard und Gibbon sind seitdem hier eingetroffen, und ich höre nichts von Ihnen. Mein Trost ist, daß ich mir einbilde, Sie schreiben blos darum mcht, weil Sie bald selbst zu kommen, und mir alles vivs voce zu sagen gedenken. Da ich nicht weiß, ob diese Zeilen Sie noch in England finden werden, und da ich hoffe, mit der Myrtilla, Cap. Buddens Schiff, das hier täglich erwartet wird, von Ihnen zu scheu oder zu hören, so setze ich nur noch hinzu, baß ich mit der größten Achtung und Freundschaft bin Ihr u. s. w. Benjamin Franklin. Q 2 Ohn- 244 B. Franklins Ohngefehr einen Monath nach dem Datum dieses letzten Briefs kam der Gelehrte, an den er gerichtet war, selbst in Philadelphia an, und ward sogleich an die Spitze der Ansialt gestellt. Hier- durch wurden Dr. Franklin und die übrigen Vorsteher in den Stand gesetzt, ihren Plan voll- lends auszuführen, das Institut zu erweitern, und die hoher» Elasten des Cvllegiums zu eröffnen und das Ganze auf den großen und glänzenden Fuß zu bringen, auf welchem es sich noch jetzt erhalt. Die hierzu nöthige Eriaubniß erhielten sie unter dem 27» May r75?<- Viep V 5 e b e n. 245 Viertes Kapitel, Franklins thätiger Anthcil an dar Etislung eines Hospitals — macht eine» wichtigen Plan zu einer neuenRegicrungSverfaßung für die amerikanischen Cvlonien, der aber so wvh! von diesen, als von den brittisehen Minister» verworfen wird — wird Oberster eines Regiments — schützt die Grenzen von Pcnsvlvanicy gegen die Einfälle des, Feindes — wird von Seiten der Provinz und der Asscmdly als Abgeordneter mit einer Bittschrift nach London an den Kdnig geschickt — Vergleich mit der Familie Pcun. ^'0 weit achteten wir es für dienlich, Franklins Verdienste um die Stiftung und Verbeßerung des Seminars in einer zusammenhangenden Erzählung darzustellen. Bald darauf ging er im öffentlichen Dienst seines Vaterlandes nach England unter Seegcl, und da er den größten Theil seiner s.brigcn Lebenszeit auf gleiche Weise außerhalb Law- Q z des 246 B° Franklins des gebraucht ward, wie die weitere Fortsetzung dieser kurzen Lebensbeschreibung zeigen wird, so hatte er von nun an nur wenig Gelegenheit, weitern thäti- gen Antheil an den Angelegenheiten dieses nützlichen Jl'snims zu nehmen. Seine Aufmerksamkeit wurde erst nach seiner letzten Zurückkunst im Jahr 5785. wledec auf diesen Gegenstand gelenkt, als er sah, daß man in vielen Stücken ganz von der ursprünglichen Einrichtung abgewichen war, und es Key der gesetzgebenden Gewalt dahin gebracht hatte, seine alten Collegcn- die anfänglichen Stifter, durch eine förmliche Akte von ihren Posten zu verdrängen. Ob man gleich die Vorsicht gebraucht hatte, seinen Nahmen auf die Liste der neuen Vorsteher zu setzen, so war er doch nicht zu bewegen, seinen Sitz nnrcr ihnen, oder einigen Antheil an der Verwaltung ih? rcr Geschäfte zu nehmen, bis das Institut durch em neues förmliches Gesetz seinen ursprünglichen Eignern zurückgegeben war. Erst als dieses ge< schchen, versammelte er seine ehemaligen Coliegen in seinem eignen Hause, und da diese ihn zum Präsidenten wählten, so wurden auf sein Verlangen, alle ferner« Zusammenkünfte bis wenige Monathe vor seinem Tode daselbst gehalten. Erst dann hörte er Leben. -47 er auf ihre dringende Bitte, durch Theilnahmc au ihren Geschäften seine ohnehin schon geschwächte«! Lebensgeister nicht vollends zu erschöpfe»/ und be- willigic es/ aber auch jetzt noch sehr ungern, daß sie in dein Scminarium zusammen kommen durften. Franklin stiftete nicht allein selbst mehrere nützliche Anstalten, sondern war auch stets bereit, gemeinnützige Plane Anderer auf das thätigste zu befördern. Um das Jahr 1752. gericth ein angesehener Arzt dieser Stadt, Dr. Bond, der bei) seinen Besuchen armer Kranken, Gelegenheit hatte, ihre traurige Lage in der Nahe zu beobachten, auf die menschenfreundlichen Gedanken, ein Hospital zu stiften. So viele Mühe er sich aber auch gab, diese Idee zur Wirklichkeit zu bringen, so gelang es ihm doch nur bey äußerst wenigen Personen, sie so für seinen heilsamen Plan zu intereßiren, daß sie sich zu wirklichen Geldbcyträgen verstehen wollten. Gleichwohl konnte er sich nicht entschließen, seinen Entwurf aufzugeben. Er wendete sich an F r a n k- lin, der sogleich seine Hand dazu bot, und sich so wohl seines Einfiußes auf seine Freunde bediente, als auch in seiner Zeitung den vorthcilhaftcn Q 4 Em« 248 B. F r a n k l i n L E'nfluß des vorgeschlagenen Instituts in das hellst? Licht scyte. Diese Bemühungen wurden durch einen glückliche» Erfolg gekrönt. Ansehnliche Summen wurden unterzeichnet, die aber doch noch nicht die nöthige Summe betrugen- Franklin griff nu» die Sache von einer andern Seile an. Er wendete sich an die Assembly, und erhielt nach einigem Widerspruch, Erlaubniß, eure Bill einzubringen, nach welcher, so bald zwey tausend Pfund unterzeichnet seyn würden, gegen einen Schein des Sprechers, «eine gleiche Summe aus dem öffentlichen Schatz genommen, und zum Behuf des neuen Instituts verwendet werden sollte- D diese Summe blos be. dluguugsrpcise auf einem Fall gefordert wurde, der, Wie man glaubte, nie eintreten werde, so schwieg die Opposition und die Bill ging durch. Die Freunde der Ansialt verdoppelten nun ihre Bemühungen, die in der Bill benannte Summe dmch Unterzeichnung zusammen zu bringen, und es gelang ihnen in kurzer Zeit- Hieß ist die Geschichte der Stiftung pcs Hospitals von Pcnsylvanicn, das nächst dem Bcßcrungsh.iuse und der öffentlichen Apotheke ein sprechendes Denkmahl von den menschenfreundlichen Gesinnungen der Bürger von Philadelphia ist. Dr Leven. 24? Dr. Franklin hatte das Amt eines Post- Meisters so gut verwaltet, und so gründliche Einsichten in den Geschäften dieses Departements vcr- rathen, das man es für zuträglich hielt, ihn zu einem höhern Posten zu befördern. Im Jahr 175z. ward er zum Mce-gcneral-Postmeisier der brittischcn Kolonien ernannt. Der Ertrag der Briefposten machte keinen unbeträchtlichen Theil der Einkünfte aus, welche die Großbriltannische Zscgiermig aus diesen Kolonien zog. Unter Franklins Verwaltung soll das amerikanische Postweseii dceymahl so viel eingetragen haben, als das Irländische. Die amerikanischen Kolonien waren, besonders dann, wenn ein Krieg zwischen England und Frankreich ausbrach, an ihren Grenzen den Einsal- len der Indianer sehr ausgesetzt. Einzeln genommen waren die Kolonien zu schwach, wirksame Anstalten zu ihrer eignen Verthcidigung zu treffen, oder auch ungcneigt, die ganze Last her Anlage und Besatzung befestigter Platze allein ans sich zu nehmen , luocß ihre Nachbarn, die doch mit ihnen gleichen Vorthcil davon zogen, nichts zu den Unkosten beyirugen- Bisweilen hinderten auch die Q 5 Strci- 250 B. Franklins Streitigkeiten, die zwischen den Versammlungen und den Statthaltern obwalteten, die Ausführung schleimiger Verthcidigungsaustaltcn. Dieß wax z. B. wie wir gesehen haben, im Jahr 1746. der FAi in Pensylvanien. Es schien daher eine sehr wüuschcnswerche Sache, einen Vere-mgungsplan zwischen den Kolonien zu entwerfen, worinn für diese und ähnliche Falle gesorgt würde. In dieser Absicht kamen Abgeordnete von New-Hampshire, Massachusels, Rhode-Island, New,-Jersey, Pcn- sylvanicn und Maryland in Albanien zusammen. Dr. Franklin erschien hier als Dcpurirtcr von Pensylvanien, und legte einen Plan vor, der ge< wohnlich von dem Orte der Zusammenkunft: der Albanische Unionsplan heißt. Ii, demselben wurde vorgeschlagen, sich um eine Parlaments- akte zu bemühe», durch die eine allgemeine Regie, rung für sammtliche Kolonien errichtet würde, die aus einem Gcncralpräsidenten, den die Krone ernennte, und aus einem großen Rath bestehen sollte, deßen Mitglieder von den Repräsentanten der verschiedenen Kolonien gewählt würden. Ihre Anzahl so..te in genauem Vcrhaitmß zu der Summe stehen, die jede Kolonie in den allgemeinen Schatz zahlte, doch Leben. 2?r doch mit der Einschränkung, daß keine Kolonie mehr als sieben, noch weniger als zwcy Repräsen. tanrcn bekäme. Die ganze ausübende Gewalt sollte dem Gcncralpräsidenten übertragen werben: die gesetzgebende Gewalt hingegen gemeinschaftlich dem großen Rath und dem Generalprasidentcn zukommen, und die Bestimmung dcö letztem nothwcn- dig scyn, um eine Blll zum Gesetz zu erheben- Der Präsident und der große Rath zusammen sollten die Macht haben, Krieg und Frieden zu erklären, Bündnißc mit den indianischen Nationen zu schlieft sen, Handelsverträge mit ihnen zu machen, lcdlges Land von ihnen zu kaufen entweder im Nahmen der Krone oder der Union; neue Kolonien anzulegen, Gesetze für diese zu machen, bis sie zu besondern Statthalterschaften erhoben würden; Truppen anzuwerben, Forts zu bauen, bewaffnete Schiffe auszurüsten, und andere Anstalten zur gemeinschaftlichen Vcrthcidigung zu treffen. Und um alles ausführen zu können, sollten sie Macht haben, dazu dienliche Gesetze zu geben, und solche Auslagen, Jmpostc oder Taxen zu bestimmen, die sie nölhig fänden, und dem Volk am wenigsten lästig sielen. Alle Gesetze sollten nach Englang geschickt werden, um 2?2, B. Franklins BN die Zustimmung des Königs zu erhallen, und Wenn sie innerhalb drcy Jahren nicht verworfen würden, in Kraft bleiben. Alle Offiziere bcym Lands und Scedicnst sollten von dein Generalpräsi? deuten ernannt und von dem großen Rath bestä« tiget, und so umgekehrt, alle Civildicner von dem großen Rath ernannt und von dem Präsidenten bestätigt werden- Dieß waren vhngefchr die Hanptpunkte des Plans, den Dr. Franklin der Prüfung des Kongxcßes vorlegte. Nach einer De? batte von mehrern Tagen, ward er einstimmig ge« billigt, eine Abschrift davon an jede Asscmblp, und eins an das königliche Conscil geschickt. Das Schicksal dieses Plans war höchst sonderbar. Das Grosbrittannische Ministerium verwarf ihn, weil er seiner Mcynung nach den Repräsentanten des Volfs zu viel Macht gebe, und alle einzelne Asscin- bly's verwarfen ihn gleichfalls, weil durch dcnsel? den der Generalpräsidcnt, als Repräsentant der Krone, eine größere Gewalt erhalte, als sich mit der Grundlage einer für sreye Männer bestimmten Verfaßmig vertrage. Vielleicht ist diese Verwerfung von Heyden Seiten der stärkste Beweist von seinerVors trcfflichkeit in Rücksicht auf die damaligen Verhältnis Lebe n. 25z niße von Großbrittanien und Amerika« Wie es scheint, so traf er genau die glückliche Mittclstraße zwischetz dem entgegengesetzten Intereße bcyder Reiche. Würde dieser Plan, im Fall er zur Ausführung gediehen wäre, die Trennung Amerikas von Großbrittanien verhindert haben? Dieß ist eine Frage, die viel Stoff zum Nachdenken darbie- tet. Von der einen Seite könnte man sagen, d« die Provinzen durch denselben in den Stand gesetzt worden waren, sich selbst zu vertheidigen, so würde der Vorwand zur Stempclakts, Thceakte und andern Akten des brtttischen Parlaments hmwcgge- fallen seyn, der den Geist der Widersetzlichkeit reizte und den Grund zur Trennung beyoer Länder legte. Von der andern Seite hingegen muß man gestehen, daß die Feßeln, die Großdrmmuen unserm Handel anlegte, indem es uns zwang, unsre rohen Produkte allein an seme Ulitcrthanen zu vcr- kaufen, und verschiedene Artikel von ihnen zu nehmen, die wir, da unsre Manufacturisten auf alle Weise niedergehalten wurden, nicht, entbehren konnten, und zwar um einen viel höhern Preis zu nehmen, als wir sie von andern Nanonen bekommen hätten, endlich doch, .auch ohne jene von dem Par- 254 B. Franklins Parlament aufgelegte Taxen, allgemeine Unzufriedenheit erzeugt haben würben, Ueberdicß, da der Gencralpräsidenr von der Krone ernannt werden sollte, so würde er natürlich allein ihr Intereße vor Augen gehabt und daher kein, wenn gleich dein allgemeinen Wohl noch so zuträgliches Gesetz, san- ctionirt haben, das nur den entferntesten Schein gehabt hätte, die Vorrechte seines Monarchen zu schmälern. Und selbst, wenn sie seine Bcystimmung erhalten hatten so wäre immer noch die Billigung des Königs erforderlich gewesen, der ohnstrcitig in jedem Fall den Vvrrhcil scmer einheimischen Besitzungen dem Intereße semec Kolonien vorgezogen haben würde: und so wäre eine neue Quelle zu ewigen Miöversiändmßcn zwischen dem großen Rath und dem Gencralpräsidentcn, und von der andern Seile zwischen dem Volke von Amerika und der Krone von Großbrittanien geöffnet worden. So lange die Kolonien schwach blieben, halten sie sich vtcllcich unter der schweren H«nd geschmiegt, allem, so bald sie mehr Stärke bekommen, waren sie dringender in ihren Forderungen geworden, bis sie doch am Ende das Joch abgeworfen und jich für unabhängig erklärt harten. Näh- Leben. 2,5 Wahrend dem die Franzosen im Besitz von Canad a waren, erstreckte sich ihr Handel mit den Indianern sehr weit, selbst bis in den bückender englischen Niedeclaßungcn. Sie zeigten von Zeit zu Zeit große Lust innerhalb des Gebietes, das die Engländer als ihr E>gcnthum betrachteten, Posten anzulegen. Ungerechnet den Schaden, den ihr Rauctchandel litt, und der allein schon beträchtlich genug war, hatten die Kolonien noch den andern großen Nachthcil zu dulden, daß die Indianer hau- fig von den Franzosen angereizt wurden, verheerende Einfalle auf ihre Grenzen zu lhun. Im Jahr 175z. wurden die Grenzen von Virginien verwüstet, Vorstellungen hatten keine Wirkung. Das folgende Jahr wurde ein Haufe Truppen unter der Anführung von Mr. Washington ausgeschickt, der, obgleich damahls noch ein sehr junger Mann, sich durch sein Benehmen im vorigen Jahre eines solchen wichtigern Auftrags würdig gezeigt hatte. Auf seinen Marsch nach der neu angelegten Post an dem Zusammenfluß des Allegany und Mvnon- gahcla, deren er sich bemächtigen wollte, hörte er, daß d:e Franzosen bereits dort ein Fort errichtet hatten. Ein Detaschement ihrer Truppen rückte ihm 256 B- Franklins ihm entgegen. Er verschanzte sich selbst so stark, als Zeit Und Umständk ihm verstattcten. Die über, legene Anzahl der Feinde ttöthigtt ihn jedoch bald, das FvrtNeceßity zu übergeben. Er erhielt ehren-! hülle Bedingungen für sich selbst und seine Truppen und kehrte nach Virginicn zurück. Nun fand die brittische Regierung es nothig, sich in die Sache zu mischen. Im Jahr 1755. ward der General Braddvck mit einigen Regimentern regulärer Truppen und Provinzialmilitz abgeschickt, die Frans zosen aus den von ihnen besetzten Platzen zu vcrs treiben. Die Truppen waren ganz gerüstet, als sich eine Schwierigkeit zeigte, d e beynahe die ganze Erpedit-on verhindert hatte. Sie bestand in einem Mangel an Wagen. Franklin regte sich nun, und schaffte ihrer, mit Bcyhülfe seines Sohnes, in kurzer Zc.t hundert und fünfzig Unglücks licher Weise geneth Braddvck m einen Hinters halt, und kam mit einer großen Anzahl von seinen Hmten »m. Washington, der ihn als Flügels Adjutant begleitete, und ihn, aber vergebens, vor der Gefahr gewarnt hatte, zeigte nun seine großen kriegerischen Talente, indem er mit dem Rest der Truppen einen meisterhaften Rückzug machte, und dir Leben. 257 die Verbindung mit dem Hintertreffen unter dem Obersten Dunbar, auf den nun das Obercom« mando fiel, erhielt. Mit großer Schwierigkeit brachten sie ihr kleines Häufchen an einen sichern Platz, sahen sich aber gezwungen, ihre Wagen und eigenes Gepäck zu vernichten, um zu verhindern, daß es nicht in die Hände des Feindes gcrakhe- Für die gelieferten Wagen hatte Franklin mit einer beträchtlichen Summe gut gesagt- Die Ei> genthümcr erklärten sich, daß sie ihn zwingen war« den, ihren Schaden zu ersetzen. Hatten sie die Drohung wirklich erfüllt, so wäre Franklins Ruin unvermeidlich gewesen. Der Statthalter Shirley sah ein, daß er diese Schuld zum Dien» sie der Regierung gemacht habe, und sorgte dafür, daß sie von dieser bezahlt, nnd Franklin aus seiner unangenehmen Lage befreyt ward. Sehr groß war der Schrecken, der sich nach Braddvcks Niederlage durch die Kolonien verbreitete. Allenthalben sieng man an, sich in den Waffen zu üben. In Pensyloanien, wo die Qua? ker den meisten Einfluß hatten, wußten sie die Verwerfung jedes VertheidigungssystemS durchzm Franklins kleine Schriften. R sitzen, 255 B. F r a n k l i n s setzen/ das die Bürger nöthigen wollte, die Waft fen zu ergreifen. Franklin brachte Key der Assembly eine Bill zur Errichtung einer Miliz ein, bey der jedermann freycn Willen haben sollte, die Waffen zu ergreifen oder nicht. Da die Quacker auf diese Weife frcy blieben, so ließen sie die Bill durchgehen- Denn obgleich ihre Grundsätze nicht erlaubleu, selbst zu fechten, so hatten sie doch nichts dagegen einzuwenden, daß ihre Nachbarn für sie fochten. Dieser Akte gemäß ward eine ansehnliche Miliz errichtet. Das Gefühl der drohenden Gefahr flößte allen, deren Glaubenslehren nicht durchaus den Krieg untersagten, einen kriegerischen Geist ein. Franklin ward zum Obersten eines Phila-« delphische» Regiments ernannt, das ans zwölf hundert Mann bestand. Da der Feind bereits die nordwestliche Grenze angefallen hatte, so wurden schleunige Mittel zur Vcrthcidigung derselben nöthig. Franklin erhielt von dem Statthalter den Auftrag, dieses Geschäfte auszuführen. Er ' erhielt die Macht, Truppen zu werben, und die Offizirc, die sie coms mandiren sollten, zu ernennen. Im kurze» hatte er einen Leben. 259 einen ansehnlichen Haufen lzusammen, mit dem er an den Ort eilte, wo ihre Gegenwart am nöthig- sie» war. Hier errichtete er ein Fort und zwar an einem so wohl gewählten Orte, daß die darein gcs legte Besatzung auf das nachdrücklichste den Enft fallen wehren konnte, denen die Einwohner bisher ausgesetzt gewesen waren. Er blieb eine Weile hier, um den ihm crtheiltcn Auftrag desto pünktlicher und vollständiger erfüllen zu können. Endlich machten gewiße wichtige Geschäfte seine Anwesen? heit in der Versammlung nolhwendig, und .er kehrte nach Phiiadclphia zurück. Die Verteidigung der Kolonien war für Eng? kar.d eine große Ausgabe. Das wirksamste Mittel, sich diese Bürde zu erleichtern, wäre gewesen, den Einwohnern Waffen in die Hände zu geben, und sie den Gebrauch derselben zu lehren. Allein Groß, brittanien wollte nicht, daß die Amerikaner ihre eignen Kräfte kennen lernen sollten. Es fürchtete, so bald dieß geschähe, würden sie sich nicht länger dem Joch ihrer Monopole unterwerfen, die für ihren eignen Handel so äußerst nachteilig, dem Mutterlande aber in gleichem Grade bortheilhaft R 2 waren. v x 26>? B. Franklins waren. In Verglcichnng mit diesem Gewinn waren die Unkosten zur Unterhaltung einer Flotte und Armeen zu ihrer Vertheidigung eine wahre Kleinigkeit. Durch diese Vertheidigung suchte sie die Kolonien von sich abhängig zu erhalten. Dicß war der beste Plan, der ersonnen werden konnte, sie in ruhiger Unterwürfigkeit zu erhatten. Man war folglich bey dem geringsten Zeichen eines sich regenden kriegerischen Geistes auf der Hnth, und das Ministerium niisbilligte sogar, obgleich danwhls der Krieg schon förmlich ausgebrochen war, die Akte, durch die beschießen wurde, eine Miliz zu bewaffnen. Die Regimenter, die inGcmaßheit derselben errichtet worden waren, wurden entlasten, und die Vertheidigung der Provinz regulären Truppen übertragen. Wüthete schon ein verheerender Krieg an den Grenzen, so wurden dennoch die Streitigkeiten zwischen den Eigenihümern und dem Volke mit gleicher Heftigkeit fortgeführt. Selbst die nahe, drohende Gefahr konnte ihr streitendes Jukereße auch nicht auf eine kurze Zeit vereinigen- Die Assembii) bestand unwandelbar auf ihrer gerechten Forderung, die liegenden Güter der Eigenthümer einer Leben. 261 einer Taxe zu unterwerfen, und eben so standhast verweigerte der Statthalter, ohne dem keine Bill zum Gesetze werden konnte, seine Zustimmung zu dieser Neuerung. Aufgebracht über diese Hart, näckigkeit, und dieses, wie es ihnen vorkam, höchst ungerechte Verfahren ihrer Gegner, beschloß die Versammlung endlich, sich bey dem Muttcrlan» de nach Hülfe umzusehen. In einer Committes ward eine Bittschrift an den König aufgesetzt, worinn alle Bedrückungen und Beschwerden der Einwohner der Provinz ausführlich geschildert Wae ren. Man schrieb sie auf Rechnung des Elgemiu« tzcs der Eigenthümer, die bloS aus ihr Privat? jntcrcße sähen, und das allgemeine Beste buuan- setztcn- Zugleich ward um Abhclsung dieser De, schwcrden geboren, Franklin erhielt den Auf, trag, als Abgeordneter der Provinz Peiisylvauien diese Bittschrift zu übergeben, und ging in, Iunius 1757 von Amerika nach England ab. Zufolge der Instructionen, die er von der gesetzgebenden Ver, sammlung erhalten hatte, hielt er mit den Eigen, thümern, die sich damahls in England aufhielten, Conscrenzcn, und gab sich viel Mühe, sie zu bewe, gen, den lang bestrittenen Punkt aufzugeben. Er R z fand 262 V. Franklins fand bald, daß von ihnen kein annehmlicher Verl gleich zu erwarten war, und legte daher dem königlichen Staatsrats) seine Bittschrift vor. Um diese Zeit gab der Statthalter Dcnny seine Zustimmung zu einem Gesetz, welches eine Tape auflegte, von der zum Gunsten der Besitzthümcr der Familie Penn keine Ausnahme gemacht worden war. Die Penn's, durch diese Nachricht und Franklins Bemühung«',? erschreckt, boten alles, was in ihren Kräften stand, auf, zu verhindern, daß der König nicht seine Einwilligung zu diesem Gesetz gäbe. Sie schilderten daßelbe als höchst ungerecht, indem es die Absicht habe, die Lasten der Regierung allein auf sie zu werfen, und ganz darauf eingerichtet sey, sie und ihre Nachkommen in die verderblichsten Händel zu verwickeln. Der Prozeß ward sehr ausführlich vor dem geheimen Conseil verhandelt. Die Pcnn's fanden hier einige eifrige Vorspreche?', doch gab es dafür andere, die sich der Sache des Volks mit Wärme annahmen. Nach langen Debatte»? ward die Sache endlich dahin vermit« tclr, daß Franklin fcycrlich versprach, die Auflage sollte so Vertheilt werden, daß die Be- sitzun) Leben. sitzungcn der Eigentümer nicht mehr als den ge- hörigen Theil trügen. Zu dieser Bedingung verstand er sich, die Familie Penn gab gleichfalls nach, und so ward noch «inmahl die Ruhe in der Provinz hergestellt?. R 4 Fünf- 264 B. Franklins Fünftes Kapitel. zO Franklin erwirbt sich großes Anschn als ein Man» von Rechtschasienheit und Ehre — er bleibt in England als Geschäftsträger der Provinzen Pensylvanien, Massachusets, Maryland und Georgien — wird Mitglied der königlichen Soeielät der Wissenschaften in London — und anderer gelehrten Gesellschaften — erhält das Dvctordi- xlom von mehrcrn Universitäten — zeigt, wie wichtig der Besch von Canada für England scy — neue physikalische Versuche — Erfindung der Harmonika — Rückkehr nach Philadelphia. .^ie Art, wie dieser Streit beygelegt wurde, ist ein sprechender Beweis von der hohen Achtung, die man für Franklins Rcchtschaffenhcit und Ehrt gefühl hatte, und zwar selbst bcy denen, die ihn mit Recht als einen Gegner ihrer Absichten betrach. tcten. Sie tauschten sich aber auch nicht in ihrem Zutrauen. D,c Vertheilung der Taxe ward nach den Leben. 265 den strengsten Regeln der Billigkeit eingerichtet, und die liegenden Güter der Eigcnthümcr trugen nur einen vcrhaltnißmaßigen Ainheil der Kosten, die die Regierung des Landes erforderte. Nach Vollendung dieses wichtigen Geschäftes blieb Franklin als Geschäftsträger der Provinz Pensylvanien am Großbrittannischen Hofe. Die ungemeinen Kenntniße, die er von der Läge der Kolonien besaß, und der große Antheil, den er bey jeder Gelegenheit für ihr Intcreßc äußerte, war der Grund, daß auch die Provinzen Massachusets, Maryland und Georgien ihm eben daselbst die Besorgung ihrer Angelegenheiten übertrugen. Sein Benehmen in diesem Posten war so, daß es ihm immer mehr die Achtung und Liebe seiner Lands, leutc erwarb. Nunmehr hatte er Gelegenheit, den Umgang der Freunde zu genießen, die seine Verdienste ihm in der Entfernung verschafft hakten. Die Achtung, die sie bisher für ihn empfunden hatten, ward durch seine persönliche Bekanntschaft noch vermehrt. Der Widerspruch, den seine Entdeckungen in der R 5 Physik 266 B. Franklins Physik gefunden hatten, nahm nach und nach ab, und die Belohnungen, die großen littcrarischen Verdiensten bestimmt sind, wurden ihm im Ueberfluß crrheilt. Die königliche Societat in London, die sich che! cm geweigert hatte, seine Abhandlungen in ihre Philosophischen Transaktionen aufzunehmen, rechnete sichs jetzt zur Ehre, ihn unter ihre Mitglieder zu zahlen. Andere europäische Socictät?n wetteiferten gleichfalls, ihn unter ihre Ehrenmitglieder aufzunehmen. Die Universität zu St. Andrews in Schottland ertheilte ihm das Diplom eines Doctors der Rechte. Ihrem Beyspiele folgten die Universitäten von Edinburgh und Oxford. Sein Briefwechsel (1762) ward von den größten Naturforschern Europens gesucht. Seine an dieselben gerichteten Briefe enthalten einen Schatz achter Gelehrsamkeit, in dem einfachsten, schwach/ losesten Gcwandc. Die Provinz Canada war um diese Zeit in den Besitz der Franzosen, die hier zuerst eine Kolonie errichtet hatten. Der Handel mit den Indianern, zu den ihre Lage sie so vorzüglich geschickt machte, war außerordentlich einträglich. Die französischen Kauft Leben. 267 Kauficulc fanden hier einen Warft für ihre Maaren, und erhielten dafür zur Bezahlung große Quantitäten von reichem Pelzwerk, das sie in En» rvpa wieder zu hohen Preisen verkauften. So vorthcühaft also der Besitz dieses Landes für Frankreich war, so höchst nachthcilig war er dagegen für die Bewohner der brittischen Kolonien, Die Indianer waren fast ohne Ausnahme geneigt, die Freundschaft der Franzosen zu suchen, die sie üverfiüßig mit Gewehr und Pulver und Vley versorgten. So bald ein Krieg ausbrach, waren die Indianer sogleich bereit, einen Einfall über die Grenzen zu rhun, ja dieß geschah selbst dann sehr häufig, wenn zwischen Großbrirrannicn und Frankreich Friede herrschte. Aus diesen Betrachtungen erhellt, daß das Intcreße von England es erfordere, sich in Besitz von Canada zu setzen. Allein in England hatte ma»r keine richtigen Begriffe von der Wichtigkeit dieser Erwerbung. Um diese Zeit machte Franklin sein Pamphlet über Canada bekannt, worin» er mit siegreichen Gründe» die großen Vortheüe zeigte, die mit der Eroberung dieser Provinz verbunden seyn würden. End- s6g B- Franklins Endlich ward ein Angriff auf sie beschießen, und dem General Wolfe das Commando über, tragen. Der Erfolg derselben ist bekannt genug. In dem Frieden von 1762. trat Frankreich Canada an Großblttauicn ab, und da es zugleich auch Louisiana herausgeben mußte, so verlor es seine sämmtli- Hcn Dcsttzungen auf dem festen Lande von Amerika. Franklin war auf diese Weise größtcntheils mit politischen Gegenständen beschäftigt, doch fand er immer noch Zeit, die er auf physicalische Unter^ suchuugen verwenden konnte. Er setzte seine elektrische Forschungen weiter fort, und machie eine große Anzahl Versuche, besonders über den Tur- malin. Die sonderbaren Eigenschaften, d.e dieser Stein besitzt, indem er blss durch Wärme ohne Reiben, auf der einen Seite positiv, auf der andern negativ elektrisirt wird, ist erst ganz kürzlich entdeckt worden- Verschiedene Versuche über die durch Ausdünstung erzeugte Kalte, die Dr, Lullen angestellt hatte, waren dem Dr. Franklin durch den Pro? ftßor Simpson in Glasgow mitgecheilt worden. Er Leben. 269 Er wiederholte sie und fand/ daß dadurch das Der» dunsten des Acthers in dem luftleeren Neeipicnle» einer Luftpumpe ein so großer Grad von Kalte er. zeugt werde, daß selbst an einem heißen Sommer» tage Waßer in Eis verwandelt werde. Diese Entdeckung brauchte er zur Auflösung einer Anzahl Erscheinungen, vorzüglich zur Erklärung einer be- sondern Beobachtung, die die Naturforscher vergeblich aufzulösen versucht hatten, nehmlich, daß die Temperatur des menschlichen Körpers im gesunden Zustande nicmahls über 96° Fahrenheitischen Thermometers sieige, obgleich die Atmosphäre um densel- den zu einen ungleich höher» Grad erhitzt seyn kam-. Dieß schrieb er der durch die Hitze vermehrten Ausdünstung und darauf folgenden Verdunstung zu. In einem Brief an Mr. Small in London, datirr vom May 1760. macht Dr. Franklin eine Menge Beobachtungen, die alle dahin zielten, zu .zeigen, daß in Nordamerika die Nordost Stürme in den südwestlichen Gegenden des Landes cnsie- hen. Aus einer angestellten Beobachtung ergab sich, daß ein Nordost-Sturm, der sich auf eine beträchtliche Weite erstreckte, in Philadelphia fast vier Stunk 270 B.' Franklins Stunden eher ansieng, als man ihn in Boston suhlte. Dicg sachte er dadurch zu erkläre», daß er annahm, im Meerbusen von Mexiko werde durch die große Hitze die Luft beträchtlich verdünnt; die Lust weiter nordwärts, die kälter ist, ströme nun mit Gewalt nach, dieser folge die noch kältere und dichtere Lust noch weiter nordwärts, und so werde endlich ein fortgesetzter Luflsirohm erzeugt» Schon längst war der Ton allgemein bekannt, den ein Trinkglas, am Rande mit einem naßcn Finger gerieben, hervorbringt. Ein gewißcr Irlän- der, Mr. Packer idge suchte dadurch, daß er eine Anzahl Gläser von verschiedener Große ans einen Tisch zusammenstellte, sie mehr oder weniger mit Waßer füllte, und dadurch verschieden stimmte, eüi Instrument hervorzubringen, auf dem man ordentlich spielen könne. Ein frühzeitiger Tod ver< hinderte ihn, seine Erfindung zu irgend einem Grade der Vollkommenheit zu bringen. Nach seinem Tod wurde sein Plan gewißcrmaßcn vcr» beßert- Die Süßigkeit der Töne veranlagte Dr. Franklin eine Menge Versuche anzustellen, und end- Leben. 271 endlich bildete er das reizende Instrument, dem es den Nahmen Harmonika gab. Im Sommer 1762. ging er nach Amerika zu, rück. Auf seiner Ucberfahrt beobachtete er dieson- dcrbare Wirkung, die durch die Bewegung eines Gefäßes hervorgebracht wird, das Oehl enthalt, welches ans Waßer schwimmt. Die Oberfläche des Oehls bleibt eben und ruhig, indcß das Waßer mit der größten Heftigkeit bewegt wird. Irre ich nicht, so ist bisher noch keine befriedigende Erklärung von dieser Erscheinung gegeben worden» Dr. Franklin erhielt von der Astembly von Pensylvanicn eine ftycrliche Danksagung: «sowohl „für die treue Erfüllung seiner Pflicht gegen diese „Provinz insbesondere, als für die zahlreichen und ^großen Dienste, die er während seinem Aufenthalte „in England ganz Amerika überhaupt geleistet ha, „be." Ferner ward ihm zu seiner Entschädigung für seinen sechsjährigen Dienst eine Summe von 5000 Pfund Pensylvanisch bewilligt. Sech.- 272- Franklins Sechstes Kapitel. Franklin stillt einen Aufruhr — Neue Unruhen in Pensnlvan-en — Franklin verliert seinen Sitz in der Asscmbly, rvird aber Provinzial- agent — Seine Reift nach England wegen der berüchtigten Stempcinkte — Reift durch Holland und Deutschland üu Jahr 1766. — Rückkehr nach England — Reift nach Frankreich 1767. „ Franklin entdeckt wichtige Papiere. j^> seiner Abwesenheit war Franklin alljährlich zum Mitglied der Assembly gewählt worden. Bcy seiner Zurückkunst nach Philadelphia Nahm er wie> der seinen Sitz in der Versammlung, und fuhr fort, sich als einen standhaften Vcrtheidiger der Freyheiten des Volks zu zeigen. Im Dezember 1762. ereignete sich ein Vorfall, der große Bestürzung in der Provinz erregte. Eine Anzahl Indianer hatten sich in der Grafschaft Sans castcr Leben. 27? rasier niedergelaßen und beständig als Freunde der weißen Einwohner betragen. W'edcrhvhlte Vec- Leerungen und Plünderungen auf der Grenze hatten die Einwohner so sehr aufgebracht, d^ß sie be- schloßen, deshalb an den ersten besten Indianern Rache zu nehmen. Ohngefchr Hunden und zwanzig Mann, größtentheils Einwohner von Oonneg .l und Peckstang oder Paxton Tvwes.h-ps ,n der Grafschaft Dork Versammelren sich, stl'gcn.zu Pfer» de, und ritten nach dem Aufcmhalt jener unschul- digcn und wehrlosen Indianer, bereu Anzahl sich im Ganzen höchstens noch auf zwanzig belief. Die Indianer erhielten Nachricht von diesem, ihnen zugedachten Angriff, gaben ihr aber keinen Glauben. Da sie die weißen Leute als ihre Freunde betrachteten, so fürchteten sie keine Gefahr von ihrer Seite. Die Rotte fand bey ihrer Ankunft in dem indianischen Dorfe blos einige Weiber und Kinder und ein paar alte Männer, indem die übrigen bey der Arbeit und abwesend waren. Sie ermordeten alles, was sie fanden, und unter andern ihren Anführer ShahaeS, der sich immer durch seine Freundschaft gegen die Weißen ausgezeichnet hatte. Die,e blutige Thal er- Franklms kleine Schriften. G regte 274 B- Franklins regte großen Abscheu bey dem gutgesinnten Thcil ihrer Mitbürger. Der Uebcrrcst dieser unglücklichen Indianer, die durch ihre Abwesenheit dem Schwert der Mörder entgangen waren, wurden nach Lancastcr gebracht, und in das dortige Gefängniß, als einen Sicherhcitsvrt gebracht. Der Statthalter ließ eine Prvclamativn ergehen, worinn er diese Handlung in den stärksten Ausdrücken misbilligtc, denjenigen, die die Thater angeben würden, eine Belohnung versprach, und für die Zukunft alle Gewaltthatig- keucn gegen friedfertige Indianer bey Strafe untersagte- Trotz dem aber marschirte ein Trupp von denselben Leuten kurz darauf nach Lancaster, erbrach das Gefängniß und metzelte unmenschlicher Weise die unschuldigen Indianer nieder, die man dort zu ihrer Sicherheit hingebracht hatte. Hierauf erging eine zweyte Proclamation, aber mit gleich schlechtem Eejolg. Eni eignes Detaschemcnt marschirte einzig in der Absicht nach Philadelphia herab, um einige friedliche Indianer umzubringen, die man zu ihrer Sicherheit in diese Sradt geschafft hatte. Eine Anzahl von Bürgern bewaffnete sich zu Leben. 275 ZU ihrer Verteidigung. Die Quaker, deren Reils gion jeden Kampf, selbst zu ihrer eignen Verthewi- gung, verbietet, waren bey dieser Gelegenheit sehr thatig. Die Aufrührer kamen nach Eecmanrown. Der Statthalter floh seiner Sicherheit wegen in Dr. Franklins Haus, der nebst einigen andern den Burschen von Paz-lon iwie man sie nannre) entgegen ging, und durch seine Vorstellungen so viel über sie vermochte, daß sie ihre Unternehmung aufgaben, und ruhig nach Hause gingen. Die Streitigkeiten zwischen den Eigenthümer» und der Assembly, die eine Welle geruht hatten, erwachten von neuem. Die Eigenthümer waren mit den zu Gunsten des Volks gemachten Vcrwilllgungcn uns zufrieden, und boten alle Kräfte auf, das Privilegium der Befrcyung ihrer Güter von der Landtaz-e, zu dcßcn Entsagung sie bewogen worden waren, wieder zu erhalten. Im Jahr i?6z. ging in der Assembly eine Bill über das Milizwcscn durch, welcher der Statthalter feine Zustimmung versagte, und die er nicht eher geben wollte, b-ö man ihm gcwiße Entschadi- gungen bewilligte. Diese bestanden in Erhöhung S 2 der 276 B. Franklins der Geldstrafen, und in einigen Fallen in einer Vcrtauschung der Geldstrafen mit Todesstrafen. Auch wünschte er die Offiziere allein ernennen zu können, und das Volk von der Wahl eines Theils derselben auszuschließen; ein Vorrecht, das ihm durch die Bill eingeräumt worden war. Die Affeln» bly glaubte, diese Entschädigungen wären mit dem Geiste der Freyheit unverträglich. Sie gestanden sie nicht zu; auch der Statthalter blieb auf seinem Sinn, und so fiel die Bill durch. Diese und verschiedene andere Umstände, brach? len die Unzufriedenheit, die zwischen den Eigen? thümern und der Asscmbly herrschte, zu einer solchen Höhe, daß im Jahr 1764. eine Bittschrift an den König von dem Hause beschlossen wurde, worinn man die bisherige Staatsverfassung abgeschafft Wissen und allein von dem König abhängig seyn wollte. Diese Maasregel fand jedoch nicht allein in dem Hause, sondern auch in öffentlichen Bläts tern und Schriften grossen Widerspruch. Mr. Dickcnson lies eine Rede mit einer Einleitung vom Dr. Smirh drucken, worin» diese Herren sichs sehr angelegen seyn ließen, das Unpolitische und Lebe n. 277 und Unrechtmäßige eines solchen Verfahrens darzus thun. Zur Antwort hierauf ließ Dr. Gall 0 way eine andere Rede mit einer Vorrede von Dr. Franklin drucken, worinn er die in der Vorrede zu Mr. Dicke nsons Rede aufgestellten Grunds fatze mit vieler Kunst bestritt. Diese Appellation «n den Thron hatte keinen Erfolg. Die bisherige Vcrfaßung und die Rechte der Eigenthümcr blieben unverändert» Bey der Wahl zu einer neuen Assembly für das Jahr 1764. thatcn die Freunde der Eigcnchüs wer alles mögliche, die von der entgegengesetzten Partey auszuschließen, und wirklich erhielten sie in der Stadt Philadelphia eine geringe Majorität» Franklin verlor nun seinen Sitz im Hause, den er vierzehn Jahre lang behalten hatte. Bey der ersten Zusammenkunft dieser Assembly zeigte sich aber gleich, daß Franklins Freunde noch eine entscheidende Majorität ausmachten- Er ward aus der Stelle, zur großen Krankung seiner Feinde, die eine förmliche Protcstation einlegten, zum Prosit» ziaisagcntcn ernannt. Da dieser Schritt indeß ge« gen alles Herkommen war, so ward die Protestatio» S z nicht 278 B. Franklins nicht in das Protokoll der Assembly eingerückt. Franklins Feinde ließen sie nun in den öffentlichen Blattern abdrucken, und er setzte ihr kurz vor seiner Abreise nach England eine geistvolle Neplck entgegen. Die Unruhen , die Mr. Grenville ' s Stempelakte, und die heftigen Widersprüche, die sie fand, in Amerika erregten, sind allgemein bekannt. Unter Rockin ghams Staatsverwaltung hielt man es für rathsam, alles zu thun, die Gcmüthcr der Kolonisten zu besänftigen, und dachte darauf, die verhaßte Taxe aufzuheben. Unter andern Mitteln, die man brauchte, die Stimmung des Volks zu erforschen, um die gehörigen Maasrcgcln zu ergreifen, ward auch Dr. Franlin vor die Schranken des Unterhauses gefordert. Das Vcr- hör, das er hier aushiclt, erschien öffentlich im Druck und gibt den sprechendsten Beweis von seinen ausgebreiteten und genauen Kcnntnißcn, und der Leichtigkeit, mit der er seine Gedanken, selbst unvorbereitet, entwickelte. Er stellte Thatsachen unter einem so hellen Gesichtspunkte dar, daß jedem rvrurtheilsfreyen Manne die Unzweckmaß-gke t der L' e b e n. 279 der Akte einleuchten mußte. Sie ward auch wirk» lieh, nach einigem Widerspruch, ein Jahr darauf, als sie durchgegangen, und eher noch, als sie in Ausübung gekommen war, wieder zurückgenommen. Im Jahr 1766. that Franklin eine Reise nach Holland und Deutschland, und erhielt überall von den Gelehrten dieser Lander die größten Beweise von Achtung. Auf seiner Ucbcrfahrt nach Holland lernte er von den Sch sscrn die Wirkung der verminderten Quantität des Waßers in den Kanälen, den schnellen Fortgang der Bote aufzuhalten. Auf der Rückreise nach England stellte er hierüber eine Menge Versuche an, die sämmtlich diese Beobachtung bestätigten. In einem Briefe an seinen Freund Sir John Pringle, den man in der Sammlung semer physikalischen Arbeiten findet, machte er diese Versuche und zugleich eine Erklärung dieser Erscheinung bekannt. Im folgenden Jahre rcißte er nach Frankreich, wo er eben so ausgezeichnete Aufnahme fand, als S 4 in Ssts B. Franklins Zn Deutschland. Er ward Key den berühmtesten Gelehrren und Schriftstellern eingeführt, und selbst dem Konige, Ludwig XV. vorgestellt» Verschiedene von Hutchinson, Olive« und andern Personen von Rang und Einfluß in Großbrittannien geschriebene Briefe fielen in Franklins Hände. Diese enthielten die heftigsten Schmähungen gegen die angesehensten Männer des Staates Massachuscts, und drangen mit Nach, druck auf die Anwendung nachdrücklicher Maas- regeln, das Volk zum Gehorsam gegen die Maas- regeln der Minister zu zwingen Franklin schickte sie der gesetzgebenden Versammlung jenes Staates zu, die sie öffentlich bekannt machte. Beglaubigte Abschriften davon wurden nach Groß, brittannicn mit einer Addreße an den König ge- schickt, worum dieser gebeten wurde, Männer, die sich dem Volke so verhaßt gemacht, und so feindselige Gesinnungen gegen das Jntereße deßclbcn »erreichen hätten, ihrer Dienste zu entlasten. Die Bekanntmachung dieser Briefe veranlaßt? einen Zwey- kämpf zwischen.Mr. Whately und Mr. Templ e, die Leben. 28- die man beyde in Verdacht hatte, sie veruntreut zu haben. Alle weitern Streitigkeiten über diesen Punkt zu vermeiden, erklärte Dr. Franklin in einem öffentlichen Blatte, er habe diese Papiere nach Amerika gesendet, doch wollte er sich nicht dazu verstehen, die Art und Weise zu entdecken, wie er zu ihnen gekommen. Auch ist dieß immex ein Echeimniß geblieben- Kurz darauf ward die Bittschrift der Assembky von Massachuscts vor dein königlichen geheimen Rath in Ucberlegung genommen. Dr, Franklin erschien hier als Agent derselben. Der Solicitor- gcncra! Wcdderburne *), der als Sachwalter in Olivers und Hutchinsons Nahmen er? S 5 schien, Jetziger korb Loughborvugh. Ein englischer Biograph Franklins erzählt hierüber eine kleine Anekdote, die wir hersetzen, ohne ihre Wahrheit verbürgen zu wollen. „Franklin ertrug diese „n, „anständige Behandlung des Mr. Wevder turne „mit Ruhe und Würde: doch konnte er sich nicht „enthalten, am Ende des Vorstandes, als er neben „dem Polterer vorbey zur Thüre hinausging, ihm „ins Obr zu sagen: „dafür will ich euren Herrn „zu einem kleinen Ähnig machen." 282 B. Franklins schien, ergoß sich in einen Schwall der gröbsten Beleidigungen und unerweislichsten Bcschuldiguns gen gegen ihn. Die Bittschrift ward für skandalös und muthwillig erklärt, und das Gesuch abgeschlagen. Sieben. Leben. Siebentes Kapitel» Ursachen des amerikanischen Kriegs — Bedrückungen der Amerikaner — Vortbcile Englands von den Kolonien — Franklins Vorstellungen Hey dem englischen Ministern sind fruchtlos — er kehrt nach Amerika zurück. — Kongreß — Franklin, ein Mitglied desselben — bemüht sich vergebens, Canada in den Bund der übrigen Provinzen zu zieh» — Unterhandlungen mir kord H o w c F ra n kli n S Anthcil an Pa ine'S berühmter Schrift Lommeuikenke — er wird Prä.' sidenc dcS Convents von Philadelphia, zur Festsetzung einer neuen Konstitution er geht nach Frankreich. Äas Parlament hatte nun zwar die Stempelakte zurückgenommen, allein dies war blvs aus Noch und Politik geschehen. Es bestand noch immer auf seinem Recht, den Kolonisten Abgaben aufzulegen, und zu derselben Zeit, wo die Stempelakte wieder- rufen ward, ging eine andre Akte durch, in der 284 V. Franklins das Parlament behauptete, ein Recht zu besitzen, den Kolonisten in allen möglichen Fällen Gesetze vorzuschreiben. Diese Sprache führten selbst die eifrigsten Gegner der Stempclakte, und unter ans den: auch Mr. Pitt. Nie hatten die Kolonisten ein Recht dieser Art anerkannt, da sie sich aber schmeichelten, man werde keinen Gebrauch davon machen so waren sie eben nicht thätig, Vorstellungen gegen jene Erklärung einzugeben. Härte man jcncS angebliche Recht ruhen laßen, so würden die Kolonisten gern und willig ihrsn Bcytrag zu Staatsbedürsnißcn auf die von ihnen gewohnte Weift, das heißt nach Schlüßcn ihrer eignen Asscmbl'ys, auf Requisition des Staatssekretärs, gegeben haben. Noch hingen die Kolonisten, ohns erachtet der Bedrückungen, die ihr Handel litt, dem man zum Vvrthci! des Handels- und Manufaktur» intcrcße von Großbrittannicn die schwersten Fcßcln angelegt hatte, so fest an dem Mutterland?, daß, wenn man nur jene Sache aus dem alrcn Fuß hätte laßen wollen, die Trennung heydcr Länder wahrscheinlich ein wert entferntes Ereignis? geblieben wäre. Von der frühesten Jugend an lehrte man die Amerikaner, eilt Vvk zu ehren, von dem sie ab- Leben» 285 abstammten, dessen Sprache, Sitten und Gesetze zugleich die ihrigen waren. Sie betrachteten dasselbe als ein Muster der Vollkommenheit/ und die blinde Vorliebe ging so weit, daß in ihren Augen die aufgeklärtesten Nationen von Europa, in Ver- gleichung mit den Englandern, fast für Bar. baren galten. Der Nahm- eines Englandlers erweckte bcy dem Amerikaner die Vorstellung von Allem, was guc und groß ist. Menschen, denen von Jugend auf solche Ideen eingeflößt wurden, konnten fürwahr nur durch Wicdcrhohlung der ungerechtesten Behandlung auf den von ihnen so entfernten Gedanken einer Trennung gebracht werden. Die Auflagen auf Glas, Papier, Leder, Mahlcr- farbcn, Thee u. s. w. der Raub an den Freiheiten und Privilegien einiger Provinzen, die Lähmung der Maasregeln der gesetzgebenden Gewalt in andern durch die königlichen Statthalter, die verächtliche Behandlung ihrer demüthigen Borstel, lungcn, in denen sie ihre Beschwerden aufzahlten, und um Hebung derselben baren — diese und an- dere gewaltsame und unterdrückende Maasregeln erzeugten endlich einen heftigen Geist der Widersetzlichkeit. Anstatt diesen durch «in sanfteres Verfuhren LlZ6 B. F r a n k s t n s /ahcen !u dämpfen, schienen die Minister fest ent. schloßen, die Kolonien zu dem sklavischsten Gehorsam gegen ihre Machtsprüche zubringen. Alleindieß diente blos, die Gemürher desto mehr zu erbittern. Umsonst waren alle Bemühungen, die man anwendete, die Minister zu bewegen, ihren Planen zu entsagen, und sie v»n der Unmöglichkeit ihrer Aus, führung, so wie von den verderblichen Folgen, die ein längeres DeHarren bcy denselben nolhwcndig haben müße, zu überzeugen. Sie blieben Mit einer Hartnäckigkeit, die schwerlich ihres Gleichen haben durfte, auf ihrem Sinn. Die Vorthcile, die Eroßbrittanien von seinen Kolonien zog, waren sogroß, daß nur en, Grad von Verblendung, dem wenig mehr zum förmlichen Mahnst»n fehlte, die Forlseyung von Maaoregcln anrochen konnte, die gleichsam absichtlich berechnet waren, einen Geist von Unzufriedenheit zu nähren, der auch nur den leisesten Wunsch cmer Trennung veranlassen konnte. Betrachten wir die großen Verbesserungen, die die Regierungskunst erh.Utcn hat; die allgemeine Verbreitung der Frei,hcitsgrund- säße unter den europäischen Nationenz die Wirkungen Leben. kungen, die diese bereits in Frankreich hervorges bracht haben; die wahrscheinlichen Folgen, die sie in allen andern Staaten haben werden, und die sammtlich ihre Quelle in der amerikanischen Revo- lution haben; so muß man allerdings erstaunen, daß Begebenheiten von einem so wichtigen Einfluß auf das Glück des Menschengeschlechts, ihren letzten Grund doch nur in der Bosheit oder Uns wißcnheit eines britischen Ministeriums h.,ben. Dr- Franklin lies nichts unversucht, die Minister zu bewegen, ihre Einwilligung zu veränderten Maasrcgcln zu geben. In Privatgesprachen sowohl als in Briefen an Personen, die an der Regierung Theii hatten, machte er sie beständig auf das Unpolitische und Ungerechte ihres Betragens gegen Amerika aufmerksam: er behauptete frey, bey aller Anhänglichkeit der Kolonisten an ihr Mutterland müße dennoch eine Fortsetzung der üblen Bchauds lung ihre Herzen endlich von demselben entfernen. Umsonst: sie honen mchr auf seinen weisen Rath. Blind verfolgten sie ihre eignen Plane, und ließen den Kolonisten nur die Wahl zwischen unbedingter Unterwerfung und lhätigcn Widerstände. Jene ver- 288 B. F r a n k li n 6 vertrug sich nicht mit den Grundsätzen der Frey» hcit, in deren Verehrung sie erzogen waren; sie sahen sich also am Ende, wiewohl ungern, genötigt, ihre Zuflucht zu dem letztem zu nehmen- Dr. Franklin, der nun überzeugt war, daß alle weitem Bemühungen, die Eintracht zwischen Eroßbrittannicn und seinen Kolonien wieder herzustellen, verschwendet scyn würden, kehrte im Jahr ,775, gleich nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten, nach Amerika zurück. Den Tag nach seiner Ankunft ward er von der gesetzgebenden Versammlung von Philadelphia als Abgeordneter zum Kongreß erwählt, und bald darauf eme Committee ernannt, die aus Mr. Lynch, Mr. Harrison und ihm selbst bestand, das Lager bey Cambridge zu besuchen, und gemeinschaftlich mit dem Oberbefehlshaber die Truppen, deren Dienstzeit bald um war, von der Notwendigkeit zu überzeugen, ferner unter den Waffen zu bleiben, und für die Frey- heit ihres Vaterlandes zu fechten. In dem Laufe deßclbcn Jahres besuchte er Ca- nada und gab sich alle Mühe,' es mit der gen einschifft- Leben. 289 schaftlichen Sache der Freyheit zu verbinden: allein die Einwohner ließen sich nicht bereden , den Maasregeln der brittischen Regierung thatigen Wis verstand zu leisten. Herr Le Roy versichert in einem Briefe an den Bischofs Fauchet, der üble Erfolg dieser Unterhandlung scy größtencheils eine Folge der religiösen Feindschaft gewesen. die zwis schcn den Canadiern und ihren Nachbarn herrschte, von denen mehrere zu verschiedenen mahlen >hrt Kapellen in die Asche gelegt hatten- Als Lord Howe im Jahr 1776» mit de? Voll« macht nach Amerika kam, mit den Kolonisten ztt unterhandeln, so trat er mit Dr. Franklin, über die Mittel eine Aussöhnung zu bewirken, in Briefwechsel. Dr. Franklin erhielt in der Fols gc nebst John Adams und Edward Rutleds g e den Auftrag vom Kongreß, eine Zusammenkunft Mit den englischen Kommißaren zu halten, Um zu erfahren, wie weit sich ihre Vollmacht erstrecke. Diese ging, wie man sogleich hörte, nicht weiter, als, nach vorgaNgigcr Unterwerfung, Vergebung zu crtheilen. Dicß waren Bedingungen, die matt nicht Franklins kleine Schriften. E 290 B. F r a nicht eingehen mochte, Sendung verfehlt. n k l in s und ward der Zweck der Kurz darauf kam der wichtige Punkt der Unab- hangigkeit, zu einer Zeit, wo die zur Erzwingung des Gehorsams ausgeschickten Flotten und Heere furchtbar genug waren, bcy dem Kongreß zur Sprache. Mit einer zwar zahlreichen, aber völlig undisciplinirtcn, in der Kriegskunst ganz unerfahr- ncn Armee, ohne Geld, ohne eine Flotte / ohne Bundsgenoßen, mit keiner andern Unterstützung als der Liebe zur Freyhcit, beschloßen die Kolonisten die Trennung von einem Lande, von dem sie so wiederhohlte Beleidigungen und Krankungen erfahr ren hatten^ Bey den Debatten über diese Frage, war Dr. Franklin entschieden für dieses vorgeschlagene Mittel, und es gelang ihm, eine Menge anderer, die anfangs für das Ecgcntheil geneigt waren, aus seine Seite zu bringen. Der Geist des Volks war durch Mr. Paines berühmtes Pamphlet, Common Sense, zu diesem wichtigen Entschluß vollkommen vorbereitet. Man hat guten Grund zu glauben, daß Dr. Fran k- Leben. 291 Franklin keinen unbeträchtlichen Antheil an dem? selben gehabt, wenigstens Materialien dazu geliefert habe- Der Konvent, der sich 1776. in Philadelphia versammelte/ um dem Staat von Pensylvanien eine neue Verfaßung zu geben, wählre Franklin zu seinen Präsidenten. Die damahls beschloßeiieKvn? stitution, die das Resultat ihrer Beratschlagungen war, kann man als einen Jnnbegriff seiner staars- wißenschastlichcN Grundsätze betrachten. Die Ue, bertragung der gesetzgebenden Gewalt auf Eine und der ausübenden auf mehrere Personen scheint seine Lieblingsidce gewesen zu seym In der letzter« Halste des Jahres 1776. warb Dr. Franklin ernannt, Theil an den Unterhandlungen zu nehmen, die Silas Deane an den! französischen Hofe ange aNgcn halte. Die Ucber. Zeugung von den Vorthcilcn c-ncs Handelvetkehrs Mit Amerika, und der Wunsch das brittische Reich durch Zergliederung zu schwächen, bewogen zuerst das Vccsailler Kabiner, auf die Vorschläge zu einem Bündniß zu hören. Jndeß zeigte es doch im- T 2 inee 292 B. F r a tt k l i u 6 mcr noch gegen jede ernstliche und öffentliche Vcr« bindung einen Widerwillen , bis auch dieser endlich, durch die Addrcße des Dr. Franklin und'das Glück der amerikanischen Waffen gegen den Gcs ncral Bourgoync besiegt, und im Februar, 1778 ein förmliches Schutz und Trutzbündniß geschloffen ward, welches Frankreich natürlich mit in den Krieg gegen Großvrittanien verwickelte. *) Sollte folgende merkwürdige Anekdote, die ein englischer Biograph Franklins erzählt, gegründet scvn, so hätte dieser an der endlichen Entschließung Frankreichs weit weniger Anthcil , als Dea n e. Noch hatten , erzählt jener Ungenannte, Ludwig XVI und seine Minister den amerikanischen Deputieren eine dffentlche Audienz verweigert: allein ohncrachre: der Wachsamkeit dcS englischen Gesandten Lord Stormont war eine Correspvndcnz zwischen ihnen und dem damaligen Secniuiister v. Sartine. vermittelst dcS SokrctärS von letzter»! nngekiiüpst worden. Dean e, den die Zö- gerunacü dcS Ministers ermüdeten, schrieb ihm, er »ndchre sich i» zweyiuahl vier und zwanzig Stunden entschliefen, den Traktat unterzeichnen zu lasen, sonst würde er sich mir England sehen. Diesen raschen und uyrcgclmäßiaen Schritt hatte er ohne Norwisien seiner Kollegen gethan. Kaum hätte er ihnen Nachricht davon ertdciit, alsFrankiin alles verloren gab. Sie haken den sranchsischen Hof keleidigt: rief er. — Beruhigen Sie sich, lnS wir eine Skuworr Häven, erwiderte der durchgreifende Unterhändler. „Eine Ant- „wort, Lebe n. »wort, fuhr Franklin fort; man wird uns in die »Bastiile setzen." Einige Stunden darauf erschien der vertraute Sekretär, und redete sie folgcndennaaßcn an: ,,M. 5?. Hr. v. Sartiue ersucht sie, sich zu einer »Zusammenkunft um Mitternacht fertig zu halten." — Um Mitternacht! rief Franklin aus, so bald der Sekretär weg war, meine Prvphezeihung ist erfüllt- Deane, Sie haben alles verdorben." Um Mitternacht stiegen sie in einen Wagen und fuhren nach einem Landhause fünf Meilen von Paris. Man führte sie zu Hru v Sartine, und die wichtige von Deane so gebieterisch geforderte Erklärung ward sogleich unterzeichnet. Der Minister bcgicbt sich hinweg, die Dexutirtcn kehrten triumphirend nach Haufe zurück, und Lord Storni out schichte Depeschen über Depeschen nach England, welche die ausdrücklichsten Versicherungen von Frankreichs freundschaftlichen und friedlichen Gesinnungen enthielten! -- T z Achtes SY4 B. Franklins Achtes Kapitel. Franklins Talente zu politischen Verhandlungen — Tätigkeit jn Paris — Traktat mit Schweden und Preußen — Thicrischcr Magnetismus — Franklin kehrt zum letztenmal)! nach Ämcnka zurück — Neue Konstitution — Politischer Club — er wird Präsident von zwey Gesellschaften — Satnrc gegen die Vertheidigcr des Negerhandeis — s.,ne Krankheit und Tod. schwerlich wäre jemand im Stande gewesen, den vereinigten Staaten an dem französischen Hofewe- scntlichere Dienste zu leisten, als Dr. Franklin. Man kannte ihn als einen Philosophen und Naturforscher, und hatte die größte Achtung für seinen Charakter. Die angesehensten Gelehrten von Paris empfingen ihn mit Beweisen der aufrichtigsten Hvchschatzung, die sich bald unter alle Volks- klaßcn verbreitete. Sem persönlicher Einfluß war daher Lebet!. 2Y5 daher sehr beträchtlich. Hierzu kam noch die Wirkung und der Eindruck verschiedener Schriften, die er damahls herausgab, und worinn er alles aufbot, den vereinigten Staaten Credit und Achtung zu verschaffen. Diesen seinen Bemühungen ist sicher der gute Erfolg der Anleihen, die in Holland und Frankreich für Amerika eröffnet wurden, und die ungemeinen Einfluß auf den glücklichen Ausgang des Krieges hatten, größtentheils zuzuschreiben. Die brittische Nation ward endlich durch das wiedcrhohlte Unglück ihrer Waffen, und vorzüglich durch die Gefangennchmung des General Corn- wallis und seiner Armee von der Unmöglichkeit überzeugt, Amerika durch Gewalt zu unterjochen. Die Kaufleute vorzüglich schrieen laut nach Frieden. Die Minister sahen sich außer Stande, diesen Forderungen langer zu widerstehen. Man kam über vorlaufige Fricdensartikcl übcrcin, die zu Paris den zosten Nov. 1782. von Dr. Franklin, Mr. Adams, Mr. Jay und Mr. Laurens von Seiten der vereinigten Staaten, und von Seiten Grvßbnttanniens, von Mr. Oliver unterzeichnet T 4 wure 2?6 B. Franklins wurden. Diese gaben die Grundlage des Haupts Vertrags ab, der den zten September l?8z ges schlössen und im Nahmen der Vereinigten Staaten von Dr. Franklin, Mr, Adam und Mr. Jay, und im Nahmen Großbrittaniens von Mr. Das vid Hartley unterzeichnet ward. Am zten Aprill i ?8z- ward ein Freunds schafts s und Handelsvertrags zwischen den vereinige Len Staaten und Schweden, gleichfalls zu Paris von Dr. Franklin und dem Baron von Creuz geschloßcn. Ein gleicher Vertrag kam mit Preußen im Jahr 178s, nicht lange vor Dr. Franklins Abreise aus Amerika, zu Stande. Franklin ließ sich durch alle diese wichtigen politischen Geschäfte gleichwohl nicht seine ganze Zeit rauben, sondern gab zu Paris einige klcme Aufsätze in Druck- Der Gegenstand derselben war größtcntheils Beförderung des Kunsiflcißcs und der Oekonomie. Im Leben. 297 Im Jahr 1784. machte der thierische Magnet ticmus großes Geräusch in der Welt, vorzüglich in Paris, wo er als eine Sache von solcher Wichs ligkcit betrachtet wurde, baß der König eigene Kommißare ernannte, den Grund dieser vorgeblichen Wissenschaft zu prüfen. Dr. Franklin war einer davon, Nach einer genauen und unpartheys ischcn Untersuchung, in Gegenwart dcx Abgeordnet tcn, wvbey Mesmer eine Menge Versuche wie- dcrhohite, von denen mehrere an ihnen selbst angestellt wurden, thaten sie den Ausspruch, alles scy eine bloße Eaukcley, erfunden, die Unwißendeu und Leichtgläubigen zu tauschen. Co ward Mesmer auf seiner glänzenden Bahn nach Nahm und Schätzen aufgehalten, und ein höchst unverschämter Versuch, das menschliche Geschlecht zu hinttt'Zchetz, zu Schanden gemacht. Da der hauptsächlichste, wichtige Zweck von Dr. Franklins Sendung durch die Befestigung der Unabhängigkeit von Amerika erreicht war, und Alter und Kränklichkeit nun immer stärker auf ihn wirkten, so ward bey ihm der Wunsch lebendig, in sein Vaterland zurückzukehren. Er erbat sich und T 5 erhielt 2Y8 V. Franklins erhielt von dem Kongreß seine Zurückberufuug, und Mr. Jcffcrsvn ward 1785 zu seinem Nachs folgcr ernannt. Dr. Franklin trat nun seine Reise an, und traf im September dcßclbcn Jahrs in Philadelphia ein. Kurz darauf ward er zum Mitglied des höchsten Regicrungskollegiums der Stadt und bald nachher zum Präsidenten deßel- den ernannt. Als im Jahr 1787° ein Konvent nach Phila. dclphia zusammcnberufcn ward, in der Absicht der Unionsregienmg mehr Kraft und Nachdruck zu geben, und die Artikel der Bundcsaktc durchzusehen und zu vcrbeßern, so ward Dr. Franklin von dem Staate Pensylvanien zu seinem Abgeordneten erwählt. Er unterzeichnete die Konstitution, die sie für den ganzen Bund vorschlugen, und gab ihr *) Hm Hafen ward er von einer Menge Bürger empfangen, die ihn unrer lautem Jude! in seine Wohnung begleiteten. Man Ikl-te die Kanonen und läutete mir den Klvekcn. Alle Eju-vohner der Etgdr wetteiferten, ihm Beweise ihrer viebe und Verehrung zu geben. Der Kon. res, die Universität, und eine Menge Gesellschaften schickten ihm die ehrenvollsten Addrcßen zu. Dagegen wurden 1787° zwey neue Gesellschaft ten in Philadelphia errichtet, die sich beyde auf den edelsten und feinsten Grundsätzen der Menschenliebe gründeten: Die Philadciphische Gesell? schart zur Erleichterung desElen dsder öffentlichen Gefängniße und die Penin sylvanische Gesellschaft zur Beförderung der Abschaffung der Sklaverey, der U.ntcrstützung dcr freyenNege rn, die wider In wie fern dich gegründet sen, kann man aus der Rede ftben, die Franklin de? dieser Gelegenheit hielt, und die man in feinen kleinen Schritten stnden wird. Leb e n» 299 ihr die uuzwcydeutlgsten Beweise seiner Zuftie? denheit- D Um diese Zeit ward eine Gesellschaft für Poll? tische Untersuchungen gestiftet, die Franklin zu ihren Präsidenten wählte. Die Zusammenkünfte wurden in seinem Häuft gehalten. Zwey oder drey Versuche, die von den Gliedern derselben vorgelesen worden waren, erschienen im Druck. Sie hatte keine lange Dauer. Zvv> B. F c a ii k ! l n s widerrechtlich in Feßcln gehalten werben und der Verde ßerpug der Lage der armen Afrikaner. Von jeder dieser Gesellschaften war Dr. Franklin Präsident. Die Bemühungen ihrer mcnschcnfreundilchen Stifter sind mit glücklichem Erfolg gekrönt worden, und sie fahren swch mit ruhmwcrlhen Eifer fort, den Zweck ihrer Vereinigung zu befördern. Die zunehmende Schwächlichkeit verhinderte unfern Franklin, den Sitzungen der Regierung regelmäßig bcyzuwohncn, und im Jahre 1788 zog er sich gänzlich ans dem öffentlichen Lebe;, zurück. Seine körperliche Beschaffenheit war immer vorzüglich gut gewesen. Anfalle von Podagra, die sich dann und wann zeigten, abgerechnet, hatte er bis zum Jahr 1781. wenig von Krankheiten gelitten, wo sich zuerst Symptomen von Stcnzschmcr- zcn zeigten, die ihn auch vor seinem Ende nicht wieder verließen. In den ruhigen Zwischenzeiten dieses höchst schmerzhaften Uchcls hatte er noch manche höchst vergnügte Stunde, wo er die Per- 'sucn UM sich aus das aufgcnchmsie und lehrreichste unter- L e o e !?. unterhielt. Die Kräfte seines Geistes blieben um geschwächt bis zum letzten AHemzug. Als Präsident dse Gesellschaft zu? Abschaffung des Negcrhandcls unterzeichnete er seinen Nahmen unter die Bittschrift, das dem Häuft der Repräsentanten der vereinigten Staaten am loten Februar 1789- übergeben, und worin» dasselbe ersucht ward, vollen Gebrauch von der durch die Konstitution ihm übertragenen Gewalt zu machen, um den die Menschheit schändenden Sklavenhandel auf alle Weise einzuschränken. Die st war seine letzte öffentliche Handlung. Zn den Debatten, die durch diese Bittschrift veranlaßt wurden, machten mehrere Redner Versuche, den Handel zu rechtfertigen. Dagegen erschien in der Feder al Ga zettc vom 25. Marz ein Versuch, Hisiorikus unterzeichnet und von Dr. Franklin geschrieben, worin» er eine Rede mitthellte, die nach einer witzigen Dichtung 1687. in dem Divan zu Algier, and zwar gegen Gesuch der Bittschrift einer Sekte Erika, oder Puristen genannt, für die Abschaffung de? Sklaverei) und Seeräuber?!) sollte gehalten worden fty!?-, Diese angebliche afrikanische Rede ZO2 B. F Danklins Rede war eine meisterhafte Parodie einer andern, die Mr. Jackson aus Georgien wirklich gehalten hatte. Alle Gründe, die man gewöhnlich zur Ver- theibigung des Ncgerhandels vordringt, werden hier mit gleicher Stärke gebraucht, die Raubes rcyen der Algierer und ihre Gewohnheit, ihre Gefangenen zu Sklaven zu machen, zu rechtfertigen. Zugleich enthält sie den besten Beweis von der Dürftigkeit der Gründe zur Verthcidigung des Sklavenhandels, und von der Stärke des Geistes und Witzes ihres Vcrfaßcrö bcy seinem so hohen Alter. Ferner liefert sie einen nicht weniger sprechenden Beweis von seiner Kunst, den Styl «»des rcr Zeilen und Rationen nachzuahmen, als seine berühmte Parabel gegen den Derfolgungsgeist. *) Und so wie viele Leute nach dieser wirklich in der Bibel suchten, wo sie dieselbe zu finden glaubten, so veranlaßre jene Rede Andere, in Buchlädcn und Bibliotheken nach dem Werke zu suchen, aus deni sie angeblich genommen war. Ini *) S- Kleine Schriften, Nr. XIV, S. kleine Schriften- Leben. Zvz Im Anfang des nächstfolgenden Aprils wurde Franklin von einem Fieber und Schmerzen auf der Brust ergriffen, die seinem Dascyn ein Ende machten. Folgende Nachricht von seiner letz, ten Krankheit ist aus der Feder seines Arztes und Freundes, dcs Dr. Jones gefioßciu „Die Steinschmerzen, die ihn schon seit mchrern Iahren quälten, hielten ihn die letzten zwölf Monate seines Lebens über größtentheils an sein Lager gcfeßelt, und wahrend der ausnehmend schmerzhaften Paroxysmen, sah er sich genörhigt, zur Linderung seiner Qualen reiche Dosen Laudanum zu nehmen. In den Zwischenräumen seines Ucbels aber, amüsirte er sich nicht allein mit Lesen und unter Gesprächen mit seiner Familie und einer kleinen Anzahl Freunde, die ihn besuchte; er beschäftigte sich selbst noch mit öffentlichen und Privatangelegenheiten mit verschiedenen Personen, die in dieser Absicht zu ihn kamen. Durchaus zeigte er nicht allein die Neigung und Bereitwilligkeit, Gutes zu thun, die die unterscheidende Charakteristik seines Lebens ausmachte, sondern auch den vollständigsten und ungcschwächlen Besitz seiner ungei V- F r a u l l i n s ungemeinen Meiskesfahlgkeitett. Ja, häusig über» ließ er sich selbst seinem Hange zu Spielen des Witzes und erzählte feine muntern Anekdoten, die allen seinen Bekannten ss viel Vergnügen machten,." »,L)hngcfehr scchszchn Tage vor seinem Tode bekam er einen Fiebcranfall, doch ohne besondere Symptomen, bis zllm dritten oder vierten Tage, wo e? über Schmerz in der linken Brust klagte, der immer zunahm, endlich fast unerträglich ward, Und von Husten mid einem schweren Alhem des gleitet war. In diesem Zustand, wenn die Star» ke der Leiden ihm bisweilen einen klagenden Seufzer auspreßte, äußerte er die Besorgiuß, er ertrüge sie Wohl nicht so, wie et sollte. Zugleich äußerte er sein Dankzcfühl für die mancherlei) Scg« Nungen, die er von jenem höchsten Wesen erhal? tctt, das ihn von einem so kleinen und geringen Anfang zu einem so höhen Nang und solchen Anfthn unter den Menschen erhoben habt, und zweifelte nicht, seine gegenwärtigen Leiden hakten keinen andern Zweck, als ihn von einer Welt zu entwöhnen / in der er nicht länger geschickt scy> die Leben. die ihm angewiesene Nolle zu spielen. In diesem Zustand an Körper und Geist blieb er bis den fünften Tag vor seinem Tode, wo seine Schmerzen und der schwere Athcm ihn verließen, und seine Familie sich mit der Hofnung, ihn wieder hergestellt zu sehen, schmeichelte. Allein jetzt ging ein Geschwür, das in seiner Lunge entstanden war, plötzlich auf, und er warf eine große Menge Eiter aus. Dieß dauerte so lange, als er Kräfte genug hiezu besaß. Diese wurden aber bald erschöpft, und die Werkzeuge zum Athem- hohlcn gelähmt. Er sank in einen stillen Todes- schlmnmcr, entschlief den 17WN April! 1790 gegen eilf Uhr des Nachts sanft, und schloß ein langes und nützliches Leben von vier und achtzig Jahren und drey Monden. " «Es ist vielleicht nicht unangenehm, wenn ich hier noch erinnere, daß Dr. Franklin im Jahr I7Z5- von einem heftigen Seitenstechen befallen wurde, das sich mit einem Geschwür im linken Lungenflügel endigte. Dieses Geschwür ging damahls so plötzlich und mit einem so starken Erguß von Eiter auf, daß er beynah erstickt Franklins kleine Schriften. U wäre. zo6 B- Franklins wäre. Einen zwcyten Zufall derselben Art hatte er einige Jahre nachher, doch erhohlte er sich auch diesmahl bald wieder, und es scheint nicht, daß er späterhin einige Beschwerden im Athmen von diesem Uebel empfunden habe." Anhang Leben. Z°7 Anhang. Zusätze zu den Lebensumständen Franklins; einige Anekdoten und charakteristische Zuge. Auszüge aus Franklins Testamente. «Ä3as meine Bücher betrifft tsowohl diejenigen, die ich in Frankreich bescßen, als jene, die ich in Philadelphia zurückgelaßen) die nun hier zusam, mengestellt und worüber ein Catalog verfertigt worden; so verordne ich darüber folgendes: «Meine Geschichte der Akademie der Wißenschaften in sechzig oder siebenzig Quart- banden vermache ich der Naturforschenden Gesellschaft von Philadelphia, deren Präsident zu seyn U 2 jch zog B- Z r a u k l i n 6 ich die Ehre habe. Meine Foliosammlung von I^ss arts er les merieis vermache ich der Amerikanischen nalurforschenden Gesellschaft in Neuengland, deren Mitglied ich bin. Meine Quartausgabe von demselben Werke vermache ich der Biblorhcksgesellschast von Philadelphia Alle und jede Bücher/ die ich, im besagten Katalog, mit dem Nahmen meines Enkels Benjamin Franklin Bache bezeichnen werde, vermache ich demselben hiemit als sein Eigenthum. Alle und jede Bücher, die ich, im besagten Katalog, mit dem Nahmen meines Enkels William Bache bezeichnen werde, vermache ich demselben hiemit, so wie die mit Jonathan Williams bezeich? ncten meinem Vetter dieses Nahmens. Alles übrft ge von meinen Büchern, Handschriften und Pa» picren vermache ich meinem Enkel William Temple Franklin. Meinen Antheil an der Biblivtheksgesellschaft in Philadelphia vermache ich meinem Enkel Benjamin Franklin Bache, m der Hofnung, daß er seinen Brüdern und Schwestern den gemeinschaftlichen Gebrauch erlaub den w-rd." --Ich Leben. «.Ich bin in der Provinz Neuengland zu Bot sion geboren, und verdanke meinen ersten gelehrten Unterricht der dort bestehenden frcyen lateinischen Schule. Ich gebe daher den Vollstreckern meines letzten Willens ein hundert Pfund Sterling, daß sie, ihre Erben oder Nachkommen dieselben auszahlen an die Vorsteher oder Dirxctvren der Freyschule in meiner Gcburtsstadt Boston, damit diese oder derjenige, der die Besorgung und Oberaufsicht ge- nannlcr Schule haben wird, sie auf Intercßen ausleihe, und sie so beständig auf Intercßen stehen bleiben. Diese Intercßen sollen zu silbernen Medaillen verwendet und jährlich, als eine ehrenvolle Belohnung, von den Direktoren zur Aufmunterung der Schüler besagter Freyschule in genannter Stadt so vcrtheilt werden, als es nach dem weisen Ermeßen der Väter besagter Stadt am zw tragischsten und billigsten seyn wird." „Von dem Salarium, das mir, als Prasst denken des Staates Pcnsylvanicn, noch rücksteht, gebe ich den Vollstreckern meines letzten Willens zwcy tausend.Pfund Sterling, daß sie oder ihre Erben und Erbnehmer dieselben an diejenigen oder U z dens zio B. Franklins denjenigen auszahlen, der durch eine Akte der Assembly .die Vollmacht erhalten wird, benannte Summe in Empfang zu nehmen, und sie zur Schiffs barmachung des Skuylkil zu verwenden." „Während der langen Jahre, die ich als Duchdruckergeselle, Buchdrucker und Postmeister Geschäfte gemacht habe, sind mir eine große Anzahl kleiner Posten für Bücher, Avertißements, Buefpvtto und andre Dinge rückständig geblieben, die ich nicht Zeit hakte einzukaßiren, als ich im Jahre 1757. von der Assembly als Agent nach Engs land geschickt ward, (wo ich in verschiedenen Angelegenheiten bis zum I. 1775. blieb,) und Key meiner Zurückkunft wurde ich sogleich in die Ges schäfte des Kongresses gezogen und 1776 nach Frankreich geschickt, wo ich neun Jahre blieb, und nicht eher als 1785. zurückkehrte. Da besagte Nesse in einem so langen Zeitraum nich eingefordert worden, so sind sie zwar gcwißermaaßcn verjährt, allein nichts destowenigct rechtmäßige Schulden. Diese, so wie sie in mein groß Folio Diarium C- eingetragen sind, vermache ich den Beförderern des Mnsylvania Hospitals: in der Hoffnung, daß diese Schuld- Leben. Schuldner, oder die Erben der Verstorbenen, die wie ich jetzt finde, einige Schwierigkeit machen, sol» che veraltete Forderungen und gerechte Schulden zu befriedigen und abzutragen, sich nicht weigern werden, sie als ein Almosen oder einen milden Beytrag zu jener vortrefilchcn Stiftung zu bezech» lcu oder zu schenken. Zrcylich fürchte ich, ein großer Theil davon wird unvermeidlich verloren seyn, doch hoffe ich, es soll immer noch etwas ansehnliches gerettet werden. Auch wäre es möglich, dch einige der in Anspruch genommenen Personen alte unbefriedigte Forderungen an mich zu machen hatten: in diesem Fall werden die Verwalter besag, ten Hospitals den Betrag anerkennen und abziehen, oder den Ueberschuß bezahlen, wenn die Gegenforderung dlc mcinige übersteigt." „Ich ersuche meine Freunde Heinrich Hill, Esq. Johann Jay, Esch. Francis H opkin- son, Esq. und Mr. Edward Oussield aus Bonfield in der Grafschaft Philadelphia, die Vollziehung dieses meines letzten Willen und Testamentes zu übernehmen, und ernenne und bestelle sie hie- mlt zu diesem Geschäfte." U 4 »Ich ZlA B. Franklins -.Ich wünsche, daß wein entseelter Körper mit so wenig Ccrcmonicn und Aufwand, als möglich, zur Erde bestattet werde." Philadelphia, am 17. Jul. 1788- Kodizill. >)Ich Benjamin Franklin, halte es, nach reiflicher Ueberlcgung des vorstehenden oder angehängten Testamentes oder letzten Willens, für gut, folgendes Kodizill oder Zusatz zu demselben zu machen und beyzufügen; ..Da es lange einer meiner festen politischen Grundsätze gewesen ist, daß es in einem demokratischen Staate keine einträglichen Acmter geben dürfe, tmeinc Gründe dafür habe ich in einem von mir herrührenden Artikel unsrer Konstitution angegeben) so faßte ich gleich dnmahls, als ich die Stelle eines Präsidenten annahm, den Vorsatz, die angewiesene Besoldung dieses Amtes zn irgend einem öffentlichen Gebrauche zu verwenden» Demnach hatte ich schön vorher, eh vergangenen Julius mein Testament machte, ansehnliche Summen davon an Universitäten, Schulen, zu Kirchbauen u. d. g. Leben. z i Z u. d. g. gegeben, und in jenem Testamente vermach, tc ich dem Staate noch zwcy tausend Pfund Sterling zur Schiffbarmachung des Skuylkil? da ich aber seitdem gehört habe, daß diese Summe zur Ausführung eines solchen Werks kaum in Betracht komme, und daß schwerlich sobald an ein Projekt dieser Art gedacht werden dürfte; da mir zugleich ein andrer Gedanke gekommen ist, der wie ich hoffe noch allgemein nützlicher seyn wird, so nehme ich hiemit jenes Vermächtniß zurück und vernichte es, und verordne, daß besagte Summe vou zwey lausend Pf. St. auf folgende Weise verwendet werde/« „Man pflegt gewöhnlich zu sagen, derjenige, der von seinen Vorfahren ein Vermögen überkommen, habe gewißcrmaaßen die Pflicht, es unver- ringert seinen Nachkommen zu hinterlassen. Diese Verpflichtung kann mir nun zwar nicht obliegen, da ich niemahls einen Schilling von Eltern oderVer- wandten geerbt habe. Gleichwohl werde ich meinen Nachkommen und Verwandten ein ansehnlicher Vermögen nachlaßen, wenn es nicht durch irgend einen Zufall noch vor mciucm Tode verringert wird. Obige Einnerung.habe ich blos als eine Art von U 5 Aps- Z54 B. Franklins Apologie für mich gegen meine Familie hergesetzt, dafür, daß ich Vermächtniße mache, die keinen nn- mittelbaren Bezug auf ihr Iutercße zu haben scheinen«" „Fch ward zu Boston in Neuengland geboren, und verdanke meinen ersten litterarischcn Unterricht der dort bestehenden Frcyschuie. Aus diesem Grün- de habe ich jene Schul« in meinem letzten Willen bedacht«" „Allein, ich habe auch Verbindlichkeiten gegen den Staat von Massachusets, der mich, ohne mein Ansuchen, zu seinem Agenten ernannte und eine artige Besoldung aussetzte, die sieben Jahre fortdauerte; und ob ich gleich in seinem Diensie zufallig durch die Mitthcilung von den Briefen des Statthalter Hutchinson weit mehr verloren habe, als die von ihm erhaltene Summe beträgt, so glaube ich doch nicht, daß dicß meine Dankbarkeit im geringsten schwächen dürfe. Da ich in Erwägung gezogen, daß unter dem Gcwcrbsstandc, gute Lehrlinge gewöhnlich auch gute Bnrgcr werden, und da ich selbst zu einer Handarbeit, dem Drucken, Leben. 3'5 cken, in meiner Geburtsstadt erzogen worden, und in der Folge in Philadelphia von zwey dortigen Freunden durch gefällige Vorschuß? in den Stand gesetzt worden bin, mich auf meine eigne Hand niedcrzulaßcn, wodurch zugleich der Grund zu meinem ganzen Glück und allem dem Guten gelegt ward, das ich vielleicht in meinem Leben gestiftet habe; so wünsche ich, wo möglich, auch nach mei- nein Tode dadurch nützlich zu werden, daß ich etwas zur Bildung und Unterstützung anderer jungen Leute beytrage, die in der Folge cinmahl ihrem Vaterlands in diesen beyden Städten Ehre und Vortheil bringen können," „Zu diesem Ende bestimme ich zwey tausend Pfund Sterling, ein kausend den Einwohnern der Stadt Boston, in Massachusets, und die andern tausend den Einwohnern der Stadt Philadelphia, als ein Fideicvmmiß zu nachstehenden Absicht, Gebrauch und Verwendung." „Wenn die Einwohner der Stadt Boston besagte Summe von ein tausend Pfund Sterling angenommen haben, so soll sie den dortigen Stadt- vor- Zi6 B. Franklins Vorstehern vereinigt mit den Geistlichen der ältesten, bischöflichen, prcsbylerianischen und andern Gemeinden O jener Stadt ausgezahlt werden, die gehalten seyn sollen, diese Summe zu fünf Proccnt jährlicher Jntcrcße an solche junge vcrheuralhcie Künstler und Handwerker, die unter fünf und zwanzig Jahr sind, in besagter Stadt gelernt und die in ihrem Kontrakt versprochenen Obliegenheiten treulich erfüllt haben, auszuleihen, unter der Bedingung, daß sie wenigstens von zwey angesehenen Bürgern das Zeugniß eines guten moralischen Charakters erhalten, welche sich zugleich zur schriftlichen Bürgschaft für die richtige Wiederbezahlung verglichenen Summe nebst den Jntcrcßcn zu den weiter unten zu bestimmenden Fristen verstehen wollen. Alle Obligationen sollen auf geprägte spanische Piaster, oder nach ihrer Währung in Curant Goldmünze ausgestellt werden, und der Rechnungsführer soll ein gebundenes Buch oder Bücher führen, worein die Nahmen der Expectanten, und derer, di? ") C.onxrex-Itlonzl tlliui'clles: Kirchen solcher christlichen Sellen i'cherdanpt, bey denen jede Versammlung oder Gemeinde für eine eigne und unabhängige Kirche gehalten wird, Lebet?. die die Wohlchat dieser Stiftung wirklich empfange,,/ nebst ihren Bürgen / der Betrag der erhalte, r-cn Summe/ das Datum und ander- „bis >e Erinnerungen/ die Angelegenheiten und Geschäfte des Instituts betreffend, eingetragen werden sollen. Da diese Vorschüsse jungen verheuralhcken Künstlern und Handwerkern zu ihrer ersten Einrichtung bestimmt sind / sS müssen sie von den einsichtsvollen Vorstehern/ vcrhältnißmaßig cingetheilr werden, so daß eine Person nicht leicht über scchszig noch unter fünfzehn Pfund Sterling erhalte." „Sollte aber die Anzahl der Bewerber so gross ftyn, daß das Ganze nicht hinreicht, jedem so viel zu geben, als in andern Betracht rachsam wäre, so soll der Antheil eines jeden verringert werden, damit wenigstens jeder einige Unterstützung erhalle. Die Hülfe mag daher im Anfang immer klein ftyn, da daö Kapital durch die gesammelten Interessen immer anwachßt, so wird sie mit der Zeit desto be- trachtlichcr werden Um aber so Vielen, als möglich, zu helfen, und zugleich die Rückzahlung des geliehenen Kapitals zu erleichtern, so soll jeder Aufnehmer verpflichtet ftyn, mit den jahrlichen Interessen zugleich Z>8 B. Franklins zugleich einen zehnten Theil der Kapitals zu bezahlen, und diese eingekommcnen Summen von Kapital und Intcreßcn, sollen sogleich wieder an andere ausgeliehen werden. Da sich nicht anders als erwarten laßt, daß es immer in Boston tugendhafte und wohlwollende Bürger genug geben wird, die gern, ohne Bezahlung, einen Theil ihrer Zeit auf die Verwaltung dieses Instituts zum Besten der auf, wachsenden Generalion wenden werden, so ist zu hoffen, daß je nicmahls irgend ein Theil von diesem Gclde tod da liegen/ oder zu andern Zwecken verwendet werde, sondern daß das Ganze durch die hinzukommenden Jneereßen immer ansehnlicher werbe, in welchem Fall es dereinst so viel betragen kann, daß matt es in Boston allein Nicht alles brauchen dürfte, und dann kann etwas davon an die benachbarten oder andern Städte der Provinz Massachusets, die deshalb einen Wunsch äußern, überlaßen werden. Doch müßen diese Städte sich verpflichten, die Jmereßen und den respektiven zehnten Theil jährlich und pünktlich an die Einwoh. ner der Stadt Boston zu bezahlen. Wenn dieser Plan ausgeführt, und dieser Vorschrift nach, ununterbrochen hundert Jahre verfolgt wird, so muß die Leben. Z19 die ganze Summe ein hundert und ein und dreyßig tausend Pfund betragen- Bv» diesen wünschte ich sodann, daß die Vorsteher der Schenkung an die Stadt Boston, nach ihrem Ermeßen, hundert tau- send Pfund zu öffentlichen Unternehmungen an» wenden möchten, die für sämmtliche Einwohner «m gemeinnützigsten erachtet werden dürsten; als zum B. zu Festungswerken, Brücken, Waßerleis tungen, öffentlichen Gebäuden, Bädern, Straßen- pfiaster, oder was sonst beylragen kann, den Einwohnern der Stadt das Leben bequemer zu machen, oder Fremde anzureizen, ihrer Gesundheit wegen sich eine Zeitlang in derselben aufzuhalten. Die übrigbleibenden ein und dreyßig tausend Pfund würden dann, meinem Wunsche nach, auf die oben beschriebene Weise ferner für hundert Jahre auf Intereße ausgeliehen, wo man denn, hoffe ich, aus Erfahrung sehen würde, daß das Institut einen guten Einfluß auf das Betragen der In- gend gehabt und manchem braven Mann und würdigen Bürger wahrhaft nützlich gewesen fty. Am Schluße dieses zweyten Termins, muß, wenn kein unglücklicher Zufall die Operation gestört hat, die Summe vier Millwnen und ein und sechzig tau» send z2o B. F r a n k l i n 6 send Pfulld Sterling betragen. Von diesen übet'S laße ich eine Million und ein und sechzig tausend Pfund den Einwohnern der Stadt Boston zu ftcyen Verwendung und Benutzung, und die drey übrigen Millionen zur Disposition der Regierung des Staates; indem ich mir nicht anwaaße, für eine noch fernere Zukunft Vorschriften zu geben." „Alle so eben auseinander gesetzten Vcstims man gen für die Verwaltung und Benutzung meines Vermächtnißes an die Einwohner von Boston, sollen auch gleiche Kraft, Verbindlichkeit und An^ Wendung haben für die Schenkung an die Eins wohncr von Philadelphia; nur mit dem Unter; schied, daß, da Philadelphia einen Magistat hat, ich den Stadtrath dieses Orts ersuche, die Verwalk tung und Aussicht besagter Summe zu übernehmen, wozu ich ihm volles Recht und Vollmacht verleihe» Und nachdem ich in Erwägung gezogen, wie das durch, daß das Erdreich um die Stadt immer mehr mit Häusern und Pflaster bedeckt wird, die den größten Theil des Regens fortführen und das Eindringen deßelben in die Erde so wie die Erneues mng uud Reinigung der 'Quellen verhindern, das Waßer 5 e b e Z2i Wasser in den Ziehbrunnen nach und nach immer schlechter und zum Gebrauch untauglicher werden muss, welches, wie ich finde, der Füll in allen alten und großen CtadtcN ist; so empfehle ich dem Magistrat dieser Stadt, am Ende der ersten hundert Jahre swcnn es nicht früher geschieht) einen Bheil der hundert tausend Pfunde dazu zu verwenden, daß Man das Wcißer zum Gebrauch der Einwohner aus dem Wissahickonkrcek durch Röhren in die Stadt leite, welches, wie mir scheint, ohnö große Schwierigkeit geschehen kann, da die Oberflache jenes kleinen Meerbusens höher liegt als der Boden der Stadt, und durch Schleusen noch mehr erhöht werden kann. Auch empfehle ich die ganzliche Schiffbar machung des Skuylkil. Am Ende des zwcyten hundert Jahre wünschte ich die vier Millionen und ein und sechzig tausend Pfund zwischen den Einwohnern der Stadt Philadelphia und der Regierung von Pensylvanien eben so vertheilt zu sehen, wie oben in Ansehung der Einwohner von Boston und der Regierung von Massachusets vorgeschrieben worden. Mein Wille Und Verlangen ist/ daß dieses Institut binnen einem Jahre nach meinem Tode seinem Anfang Franklins kleine Schriften. Z mhmk, Z22 V. Franklins nehme, weshalb noch vor Ablauf dieses Jahrs das Nöthige öffentliche bekannt gemacht werden soll, damit diejenigen zu deren Dortheil diese Anstalt errichtet worden, sich gehörigen Orts melden können: und ich weise hiemit die Vollstrecker meines Testaments oder ihre Nachfolger an, innerhalb sechs Monathen nach meinem Tode, besagte Summe von zwcy tausend Pfund Sterling an diejenigen Personen auszuzahlen, welche die Vorsteher von Vostvn und der Magistrat von Philadelphia gehörig ernennen werden, die besagte Summe von ein lausend Pfund für jeden Thei! zu genannten Zwecken in Empfang zu »eh, wen und zu bescheinigen. Wenn ich die Zufalle betrachte, denen alle menschlichen Atigelegenhc.tcn und Projekte auf eine solche Dauer von Zeit unterworfen sind, so habe ich mich vielleicht zu viel mit der eitlen Einbildung geschmeichelt, daß diese Vorschriften, wenn sie ja zur Wirklichkeit gedeihen, ununterbrochen befolgt und die vorgesetzte Wirkung hervorbringen würden: doch, hoffe ich, daß wenn auch die Einwohner beyder Städte die Ausführung dieses Plans Nicht für rachsam finden sollten, sie dennoch das Anerbieten dieser Scheu, Leben. Z2Z Schenkung als ein Zeichen meines guten Willens, ein Pfand meiner Dankbarkeit, und ein Zeugniß meines Verlangens, ihnen auch nach meinem Tode nützlich zu seyn, aufnehmen werden. In der Thai wünsche ich, daß beyde Städte wenigstens einen Versuch machen möchten, meinen Plan auszuführen, weil ich glaube, daß obgleich sich nicht vorher zu sehende Schwierigkeiten zeigen können, es doch auch Mirtel geben werde, sie zu besiegen, und daß die Idee im Ganzen thunlich sey. Nimmt eine von beyden die Summe unter obigen Bedingungen an, und die andere schlägt sie aus, dann ist mein Wille, daß die Stadt, welche annimmt, beyde Summen erhalte, und das Ganze genau nach der beschriebenen, für jede besonders geltenden Anweisung und zu demselben Zwecke verwendet werde. Schlagen beyde Städte das Anerbieten aus, so bleibt die Summe in diesem Fall bcy der Hauptmasse, üver die, mcnien letzten Willen vom siebenzchnren Iulii 1788. gemäß, di- spvnirk werden soll." „Meinen guten Spcitzicrstock von wilden Apfelholz mit dem goldtten artig gearbeiteten X 2 Knopf Z24 B. Franklins Knopf in der Gestalt eines Freyhcitshuthes ver- mache ich meinem Freunde, und dem Freunde der Menschen, dem General Washington. War es ein Zepter, er hätt es verdient, und es würde ihm kleiden." Nur wenige große Männer verbanden / so Wie Franklin, mit einem freycn, kühnen Geis sie, der sich weder durch Vorurcheilc noch Autoritäten in feistem Gange aufhalten lies, so viel Nachsicht und Schonung gegen Schwachheit und Irthum. Wie weise und musterhaft war hierum sein Betragen in Berglcichung mit der Aufführung von Voltaire und seinen Pariser Philosophen , die mit Ungestüm für sich Duldung forderten , ohne sie andern widerfahren zu laßen: dieß macht ihm Um desto mehr Ehre, wenn man weiß/ wie stark von Natur sein Hang zur Sa- tyre war, und wie frühzeitig er sich von gewißcn angenommenen Meinungen losgemacht hatte. Fol- gcstde? charakteristische? Zug kastn Zur Bestätigung tzcßen dienen, was et selbst von seiner jugendlichen Leben. Z25 chen Freydenkerey erzählt. Sein Vater hatte die Gewohnheit, vor jeder Mahlzeit lange Gebete herzusagen, und über jede Schüßcl besonders den Segen zu sprechen. Dein Knaben mochte dich lange Weile machen, und da er seinen Valcr einst beym Eintritt des Winters einen Vorrath von Fleisch einsalzen sah, so sagte er zu ihm: „Vater, ihr solltet ein für alle mahl über die „ganze Tonne Fleisch den Segen sprechen : das „war ein großer Zeitgewinn.^ Die Konstitution von Philadelphia versagt durchaus keiner Menschcnkkaße Aufnahme und Bürgerrechte. Nur allein erklärte Atheisten und Müßigganger sind ausgeschloßcn, weil sie nicht für wahre Menschen gelten könnten. Franklin machte hierüber die schöne Bemerkung , daß diese Ausnahme überflüßig sey° «Denn, sagte er: gab „es auch sonst in der übrigen Welt einen Athcü „sicu, er müßte sich bekehren, wenn er in eine „Stadt träte, wo alles so gut ist; und würde „auch ein Träger in ihr geboren, so müßte es „doch , da er beständig drcy liebenswürdige „Schwestern, Ncichthum, Wißcnfchaft und Xz --Tugend Z2 <5 B. Franklins ^Tugend, die Töchter der Arbeit sind, vor „Augen hätte, sie bald liebgewinnen, und sich „bestreben, sie von ihrem Vater zu erhalten " Es ist unmöglich, daß irgend eine große Revolution, gesetzt auch daß sie im ersten Ent» stehen allein die Folge unerträglicher Bedrückung gen war, in ihrem Fortgange sich auf dem We. ge des strengen Rechts erhalten, und nur durch erlaubte und reine Mittel ihr endliches Ziel er» reichen könne Wollte man indcß auch diese Möglichkeit annehmen, so ist es doch ausgemacht, daß die Revolution, durch die sich der große Staatenbund in Amerika bildete, nicht als ein Bcyspicl dafür aufgestellt werden darf. Ein großer Theil der Kolonisten war, und nicht ganz mit Unrecht, mit der englischen Regierung unzufrieden, und wünschte von manchen lästigen Feßcln, die ihrem - Handel angelegt waren, befreyl zn scyn. Der Gedanke aber, sich ganz von dein Muttsrlande loszureißen, und zu einem unabhän? gigen Staat zu erheben, lag selbst bcym Ausbruch der Unruhen nur noch in den Kopsen einiger wenigen Männer, die aber in kurzer Zeit ihre Gcstn. Lebe n. Z-7 Gesinnungen der größer» Anzahl ihrer Mitbürger einzuflößen und diese selbst zum Enthusiasmus für das ihnen ursprünglich fremde Idol zu begeistern wußten. Unter diesen war auch Franklin, und zwar einer der ersten und wichtigsten- So unendlich sein ganzes Betragen dabcy über das Betragen der französischen Demagogen, selbst der cdlcrn und beßcrn unter ihnen erhaben war, so kann doch nur der es ganz unbedingt billigen, der jenen, im Grunde alle Moral pcrnichtcnde» Grundsatz begünstigt, daß die Mittel durch den Zweck geheiligt würden. Umsonst zeigt man auf die schöne Blüte des neuen Freystaats, die für die Menschheit noch so herrliche Früchte verheißt; umsonst thut man dar, daß die Trennung der Kolonien von England, selbst diesem Reiche mehr wahren Vortheil als Schaden gebracht habe; alles das rechtfertigt vor dem Richterstuhl der unerbittlichen Moral Nicht die Bemüh, nger, Franklins und seiner Freunde, durch gesetzwidrige Mittel ihre Mitbürger so zu stimmen, wie sie dieselben zur Erreichung ihrer, wenn gleich noch so wohlwollenden und edlen Zwecke uöthig hatten, rechtfertigt nicht ihr unabläßiges Besire- N 4 ben, Z28 B» F x a tt k li n s Heu, Unzufriedenheit zu verbreiten, die Gemächer zu reizen, zu erbittern und in Wahrung zu bringen» Es ist eine erwiesene Thatsache, daß im Anfang her Unruhen das Volk nichts weniger als einen bestimmten Plan und nicht den entferntesten Gcs danken hatte, seine Unabhängigkeit von England zu erkämpfen» Alle öffentliche Addreßen aus den verschiedenen Kolonien waren in Ausdrücken voll Ehrerbietung und Ergebenheit gegen den König abgefaßt, und äußerten das eifrigste Verlangen nach einer Versöhnung. Dieß stimmte aber nicht m die Plane Frankfins und seiner Freunde» Sie setzten alles dagegen in Bewegung, unh Nichts trug wehr zur UmstimwMg der Eemüther bey, als der aufreizende Briefwechsel, den der Doctyr mit seinen zahlreichen Freunden und Bes kannten führte, die seinen Grundsätzen ganz ers geben waren, und sie immer weiter verbreiteten» „Amerika, so predigten diese, jeder an seinem „Orte , muß frcy und unabhängig werden. „Nichts ist widersinniger , als der Glaube, ein ->so weites Gebiete könne nicht anders billig res „giert werden, als von einer kleinen Insel, einem „fast unmerklichen. Punkt, der fünfzehn hundert „Meilen L ? Z g t?. ZLI »Meilen von uns entfernt ist, und deßen König »die Lage und die Einwohner der Kolonien NU? „nu§ den einseitigen Berichten eigennütziger und „bestochener Stadkhaltcr kennen kann." Der Widerruf der Stempclakts besänftigte die Amerika» Ncr nicht ; im Eegentheil rief er sie nur zu neuen Ansprüchen auf. Sie wollten nun noch eine Menge aydercr Akten abgcschaft haben. Der Thce-tumult in Boston brachte die Nahrung zum Ausbruch, und sie nahmen die Maske ah. Schon einige Zeit vor dieser Epoche waren die amerikas Nischen Zeitungen voll bitterer Deklamationen ges gen den König und dje Minister. Der größte Thcil dieser Aussätze floß aus der Feder Mr» Samuel Ahams, eines Corxcfpondenten und Hauptagcntcn Franklins. Adams ließ bes standig Auszüge von Briefen/ di? er aus London erhalten hatte, in die Zeitungen einrücken. Die» se Briefe waren immer nahmcnlos, mqn erman» gelte aber nicht jedesmahl zu erinnern, ihr Urs Heber sey ein Wann von Verdienst, stehe in ei» nein öffentlichen Amte und sey ein großer Freund der Kolonien. Wir wollen hier nur Einen dieser Frau klinischen Briefe mitcheilen- P 5 »Jetzt zzo B- Franklins „Jetzt ist, sagt er unter andern, der cnt< „scheidende Augenblick gekommen, und ginz En- „>'opa wird sehen, ob die Amerikaner Tugend „und Geisteskraft besitzen Von allen Seiten der „Erve hat man die Augen auf euch gerichtet, „und ist begierig zu erfahren, wie ihr euch nach „den thellweisen Widerruf der Akten benehmen, „und was für einen Auöwcg ihr ergreifen wer- „det. D>e englischen Zeitungen werden euch die „besonder» Umstände dieses Widerrufs und der „dadurch veranlaßwn Debatten meiden. Euer „Benehmen bey den jetzigen Umständen muß groß- „tenchells über euer künftiges Schicksal einsehet-' „den, denn die Uebergchung deS Thceimpostö in „dem Widerruf ist gleichsam als der Probirsteni „der Freyheit der Amerikaner zurückgclaßen. „Liebster Freund, Sie können sich nicht vorstellen, „waS für eine Last mir so lange auf dem Herzen „bleiben wird, bis ich euern Entschluß erfahre. „Von ihm hängt fast allem der künftige Einstuß .des englisch.» Ministeriums auf die Kolonien ab. 7,Dieses hofft, d-e Provinzen sollen sich cntzwcyen, „einige bey ihren Forderungen bleiben, andere „sie aufgeben', und die letzten endlich auf einen „Milte!- i e b e n« «.Mittelweg bestehen: allein euer aufrichtiger „Freund hat einen beßcrn Rath für euch/ und „ich kann mich nicht überreden/ daß ihr im „Stande seyn solltet nach einen so xdlcn Widert „stände, euer natürliches Recht für einen Teller „Suppe zu verkaufen. Seyd nur unter euch selbst „einig und offenherzig, und hofft übrigens das „Beste. Eure hiesigen Freunde sind verständige „Männer von großem Einfluß, sie werden schon „zu rechter Zeit und am gehörigen Orte allen „Widerstand hinwegräumen. Seyd standhaft, „seyd muthig, und wie König Heinrich im „Augenblick der Schlacht zu seinen Soldaten sag- „te: macht euern Müttern keine Schau- „de. Beweißt (jetzt ist der wahre Zeitpunkt da- „zu) daß die, welche ihr eure Väter nennt, euch „wirklich gezeugt haben." Und in einem andern Briefe sagt er: „Es „ist eine große Freude für mich, zu hören, daß „ihr fest entschloßcn seyd, den englischen Tand „nicht mehr unter euch zu dulden, und in euerm „eignen Lande den Kunsifleiß zu ermuntern. Bald „werdet ihr die Früchte dieses weisen Betragens „gc- ZZ2 Franklins „genießen, gesetzt auch die drückenden Akten „würden niemahls zu eurer vollen Befriedigung „zurückgenommen. Euer Land uns euer Meer, „die wahren Quellen deS Neichchums, sind um „crschöpflich. Diese Quellen werden mit jedem „Jahre ergiebiger, und wenn ihr nur aufhört, „ihren köstlichen Ertrag gegen die Bagatellen jes „ncr Insel zu vertauschen; wenn ihr eure Zeit „anwenden lernt, euch selbst die nöthigen Dinge „zu verfertigen, bann werdet ihr euch bald aus „eucrn Schulden helfen. Man hat mir versichert, „in vielen euerer Gerichtshöfe kämen vierteljährig „mehrere hundert Schuldklagen vor, und diese -.Schulden, derentwegen die Kausicute euch und „eure Mitbürger gerichtlich verfolgen, beträfen „sammtlich gelieferte englische Waaren. Was für „einen Zeitverlust muß dieser verderbliche Handel „dem Volke verursachen, wenn man auch die „mchöthigen Kosten und die Uebertheurung nicht „in Anschlag bringen will: und wie können freye „Menschen den Gedanken ertragen, nicht sicher „für h-m Schicksal zu sepn, paß der erste beste „Herumttagcr sie nach Gutdünken ihrer persönlst »zchen FreyHejt berauben kann, wenn sie dem eit» „len iebem Zzz e.lest VeMugen stöhnt, sich mit englischen Tand .-.herauszuputzen, da sie sich doch durch ihren eig5 „neu Fleiß selbst ein Haus, und ein sicheres und ^.anständiges Auskommen erwerben könnten Z -.Möchten doch die Anhänger dieser thörigtcn ..neuen Moden sehen, wie viel Kaufleute, ja „selbst Krämer hier (in London) blos allein von - dieser amerikanischen Thorheit auf einem großen „Fuß leben! Wie viel Butiken von A- B. C. und --Comp, mit Waaren zur Ausführung in die Kos „lonien erhalten drey bis vier Associes mit ihren „Familien, von denen jeder sein Landhaus und „eigne Equipage halt, sich wie ein Prinz von „euerm säuern Schweiße mästet, und sich zwar „bisweilen das Ansthn gibt, als meine er es „gut mit euch, im Augenblick der Noth aber we-- „gen Aügcn noch Ohren für euch hat. Ich bin „überzeugt, Unwille würde sogleich an die Steh „le unserer Nachkaßigkcit treten / wir würden „uns der Dienstbarkeit schämen, wvrinn jener «.verderbliche Handel uns gehalten hat, und den „unerschütterlichen Vorsatz saßen, ihn für ewig „von uns zu stoßen, und in Zukunft unsre Hülfs/ „mittel da M suchen, wo Es« m;d die Natu? . ' «.st? z^4 Franklins „sie hingelegt haben -- in uns selbst. " " Die- ses Inhalts waren die Briefe, die Franklin von London aus seinem Freunde A d am 6 schrieb, die dieser in den Bürgerversammlungen von Boston kommentirte, und die er mit Zirkclbricfen an die Komilkeen und Sicherhcitöraihe der verschiedenen Provinzen verschickte« Nun strahlte von New-Hampshire bis Georgien die Flamme der Freyhcit aus den Augen der Amerikaner, und einige Schwärmer schrieben ihren Glanz und ihre schnelle Verbreitung einer besonder» Gunst des Himmels zu. Unglaublich groß und tief war auch der Eindruck, den ein kurzer Brief von Franklin, den er nach dem Treffen Key Lexing- ton an einen seiner chemalichen vertrauten Freunde, den königlichen Drucker und Parlamentsglicd sür MalmSbury, Mr. Strahan schrieb, und in die öffentlichen Blatter einrücken lies, auf die Gemüther der Kolonisten machte. Philadelphia, d. 15. Jus 1775» Mr. ^ rd e u. zzz Mr. Strahan, «Sie sind ein Glied des Parlaments, und «gehörten zu der Majorität deßclbcn, die mein «Vaterland dem Untergang weihte. Schon habt «ihr den Anfang gemacht, unsre Städte zu verbrennen , und ihre Bewohner zu morden! Bcs «trachtet eure Hände, sie triefen vom Blute eurer «Verwandten oder Freunde. Lange waren wir «beyde, Sie und ich, Freunde; jetzt sind Sie «mein Freund und ich bin der ihrige." B. Franklin» Franklins Geschicklichkeit und fein großes persönliches Anfthn, worinn er vorzüglich in Frankreich stand, waren für den Kredit des Kon? greßes von der größten Wichtigkeit, und wahrscheinlich würden sie, ohne ihn, weder den in? mrn Krieg mit diesem Erfolge geführt, noch auswärts in ihren Unterhandlungen so glücklich gewesen seyn. Sein Einfluß erstreckte sich selbst auf den spanischen Hos, und durch seine Schriften ggck B. Franklins Scn und Briefe verbreitete er allenthalben die vor? theilhaftestcn Ideen von den Amerikanern. ..Ganz -.Europa^ sagt er in eitlem dieser Briefe, ist auf „eurer Seite. Mein übersetzt Und druckt hieb die „Konstitutionen eurer verschiedenen Provinzen/ ->UNd sie geben den Politikern vott Eüropa Stoff „zu Betrachtungen und Spekulationen. Mast ist „allenthalben der Meinung, daß ihb, wenn es „euch glückt, die Freyhcit zu erkämpfen, sogleich „nach dem Frieden einen unermeßlichen Zuwachs „von Rcichthümern und baaren Gelb durch die „Familien erhalten werdet, die mit ihrem Verwes „gen Europa verläßen, und Theil an eurer glucks glichen Verfaßung nehmen wollen. Der Dcspö^ „tismus herrscht so allgemein in dem übrigen „Europa, daß schon die Aussicht auf eine Freys „statte in Amerika allen Freunden der Freyhcit ,dic lebhafteste Freude erweckt, und eure Sache „gilt überall für die Sache der Menschheit." " E«vcr Sage nach befindet sich ist den Archis Den von Philadelphia ein genauer Plan der Ins surrection, mit Listen über die Starke der Negis w.kitter und Kompagnien, den Sold der Truppen, mit Leben. ZZ7 mit Instructionen, kurz den kleinsten militärischen Details, den Franklin zehn Jahre vor dem Ausbruch der Revolution mit eigner Hand aufgesetzt haben soll. Allein, als Franklin nach Frankreich geschickt ward, dort Hülfe zu suchen, war so wenig baares Geld vorhanden, daß er an dcßen Statt eine Schiffsladung Tabak mit sich nehmen mußte. Franklin kannte die Menschen und die Franzosen. Mit großer Klugheit wußte er gleich anfangs, als er unter ihnen erschien, die allge, meine Aufmerksamkeit zu reizen, und auf einein neuen Wege nicht allein "Achtung sondern den größten Enthusiasmus für sich zu erwecken. Er trat erst blos als Privatmann, als Phhilosoph auf, den die Stürme in seinem Vaterland verlrieben und der »tt Frankreich einen ruhigen Aufenthalt zu suchen komme. Aeußere' Formen sind das, was den großen Haufen am meisten blendet. Franklin nahm seine Wohnung zu Passy, ei- nem Dorfe in der Nahe von Paris auf dent Weg nach Versailles. In dieser Einsamkeit sah er wenig Menschen, und war sehr zurückhaltend. Franklins kleine Schriften- D MaN ZZ8 B. F r a tt k l i n s Man sagte sich ins Ohr, der Haß der englischen Minister laße das Schlimsic für ihn fürchten, und schon diese Idee machte ihn desto intcreßan- tcr. Nach Paris kam er nur in zahlreicher Bei gleitung, wozu steh Männer von Genie gesellten, die, obgleich von ihren eignen Landsleuten vcr- nachläßigt oder verfolgt, doch auf den Fremd» ling, dem sie so ausgezeichnete Achtung erwiesen, einen fcyerlichen Glanz verbreiteten. Sein ganzer Aufzug verkündigte jene Einfalt und Unschuld der Sitten, die man oft reizend geschildert, und vielleicht nie so in der Natur gesehen hat. Franklin hatte die Perücke, die er sonst trug, abgelegt, und zeigte Per erstaunten Menge einen greisen Kopf, der des Pinsels eines Guido würdig war, auf einem für sein Alter geraden und starken Körper. Seine Kleider waren höchst einfach; er trug beständig eine große Brille und in der Hand einen weisen Stab. Er sprach wenig, und vernachlaßigte die modischen Formen der Höflichkeit, ohne bäurisch zu werden. Eine solche Figur war wie gemacht, die Neugierde von ganz Paris zu spannen. Man fragte: wer ist der alte Bauersmann, der einen so edeln Anstand Leben. ZZ9 stand hat? „und antwortete um die Wette:" „Das ist der berühmte Franklin!" Er be« suchte alle Oertcr, wo die Menschen sich zu bessern Zwecken versammeln, und allenthalben ems pfing man ihn mit lautem Veyfall. Er wohnte den öffentlichen Sitzungen der Akademie der Wissenschaften bey ; er besuchte die Acadcmie francoise, wo d' Alembert ihn mit dem paßenden , durch ihn so berühmt gewordenen Vers empfieng: Tiipuft coslo kulmen, iriox kceptra t)ran» vis. — die Ausstellungen der Akademie der Mahlerey und Bildhauerkunst, die Parlamentssttzungen u. s. w. Nie ward ein Mann so allgemein geehrt, ohne Neid zu erregen. Man nannte seinen Nahmen nicht, ohne hinzuzusetzen: welch ein ehrwürdiger Mann! drcy Monathe nach seiner Ankunft fand man sein gestochenes Portrait in allen Hausern N 2 voil ') Nach andern ivar eS Tnrgot, der diesen VcrS zuerst unter ein Gemälde von Franklin schrieb. z4° V. Franklins von Paris. Nach Vollendung seines großen Werks lebte er noch einsamer zu Pafsy unter eis ner kleinen Anzahl auserlesener Freunde und uns ter leichten und angenehmen Beschäftigungen. Nach der Kriegserklärung an England ers schien Franklin vor dem Könige. Er wurde demselben in der Gallerie von dem Grafen v. Vergennes vorgestellt. Ein zahlreiches Gefols ge von Amerikanern und Personen aus allen Ständen, die die Neugier hcrbeygclockt halte, begleitete ihn- Sein Alrer, sein ehrwürdiges Aeußere, sein einfacher Anzug Key einer solchen Feierlichkeit, spannte die Aufmerksamkeit, und setzte die Phantasie der Zuschauer in eine Tbatig, seit, die nur bey Franzosen möglich ist. Der König sagte zu ihm: „Versichern Sie die vereinigten Staaten von Amerika meine Freunds „schaft: vorzüglich bin ich ungemein mit dem „Betragen zufrieden, das Sie in meinem Reich „beobachtet haben." Im I. >777- kam Voltaire nach Paris. F ranklin suchte ihn auf, und Voltaire, der längst Lebe n. 34l längst die Fertigkeit englisch zu sprechen verloren hatte, versuchte gleichwohl die Unterhaltung in dieser Sprache zu führen. Es ward ihm zu des schwerlich und er ging mit folgenden Worten zu feiner Muttersprache über: „Ich konnte dem „Verlangen nicht widcrstchn, einen Augenblick „Franklins Sprache zu sprechen." Der amerikanische Weltwcise stellte ihm seinen Enkel vor, und bat um seinen Segen für ihn. „Mein Sohn, sagte Franklin, laße dich vor diesen großen Mann auf deine Knie nieder!" und Voltaire legte seine Hand auf den Knaben und sprach: Lock snci l^ilzeil)': „dieß ist der einzige Secgen der sich für den Enkel eines Franklin schickt." Zum zwcytenmahl sahen sie sich bey einer osfent. liehen Sitzung der Akademie der Wißcnschasten. Mit Rührung betrachteten die Zuschauer diese Heyden großen Männer, die in zwcy Wclttheilen geboren waren und hier neben einander saßen, ehrwürdig durch ihr Alter, ihren Ruhm, die Anwendung ihres Lebens, und bcyde im Genuß N z des >,) Sott und Zreyheit! Z42 V. Franklins des großen Einflußes, den sie sich auf ihr Jahrhundert erworben hatten. Sie umarmten sich unter dem lautem Jubel der Zuschauer: man rief: »Solon umarmt den Sophokles!" Eine bestandige Munterkeit, sanfte Geschmeidigkeit im Umgang und ruhige Unbiegsamkeit in wichtigen Geschäften bildeten Franklins Charakter. Die beiden letztem Eigenschaften vereinigen sich leicht bey Menschen, die mit einem durchdringenden Verstände und einer starken Seele begabt, kleine Dinge als Kleinigkeiten behandeln , und den gemeinen Menschen dieses ihr Gebiete nicht streitig machen. Sein Lebcnssysicm war höchst einfach, durch Mäßigkeit und Arbeit entfernte er Schmerz und Langeweile von sich. »Das Glück, sagte er, besieht, wie der Körper, »aus unmerklich kleinen Elementen." Mehrere Jahre vor seinem Ruhm und dem Zeitpunkt, wo er ein unabhängiges Vermögen genoß, bot man ihm ein Privilegium für eine von ihm erfundene Art von Oefen an. Er schlug es aus. »Ich habe die Erfindungen anderer benutzt, »ant- Leben. 84z „antwortete er, ist es nicht billig, daß sie auch ..die meinigcn benutzen?" Seine Unterhaltung war wie sein Styl immer natürlich, und oft witzig. Die Provinzen, deren Agent er in London war, hatten ihm den Auftrag gegeben, um die Abschaffung der beschimpfenden Gewohnheit anzuhalten, nach der man die Verbrecher in die Kolonien schickte- Der Minister stellte ihm die Notwendigkeit vor, England von diesen Menschen zu befrcyen. „Was „würden Sic sagen , crwicderte Franklin, „wenn wir unsere Klapperschlangen nach Eng- „land schaffen wollten?" In dem letzten Theil seines Lebens wurde Franklin von allen Seiten , vorzüglich in Frankreich mit Ehrenbezeugungen überhäuft. Als 177L. die königl. Akademie der Arzncykuust gestiftet wurde, so setzte der König mit eigener Hand seinen Nahmen an die Spitze der auswärtigen Ehrenmitglieder. Ein Mahler des Königs verfertigte ein großes Ecmählde, auf welchen man Franklin erblickte, wie er in der einen V 4 Hand 344 B. Franklins Hand einem Blitz die Aegide der Minerva entgegen halt, und mit der andern dem Gott des Kriegs ein Fetchen gibt, den Geiz und die Tyranncy zu bes kämpfen, »ndcß Amerika sich in einer edlen Stell lvng auf ihn stütz, in ihrer Hand die Faftes, das Sinnbild der vereinigten Staaten halt, und ruhig ihre niedergestreckten Feinde betrachtet. — Die Franzosen wollten sogar den Engländern die Ehre streitig machen, Franklins Vorsah« ren in ihrem Schoos erzeugt zu haben, und man bewiest, daß der Nähme Franklin oder Franquelin in der Picardie sehr gewöhnlich scy. Doch fehlte es ihm auch nicht an Feinden und ervitrerten Widersachern, die aber fast allein ans Engländern bestanden. Man verbreitete in dieser Insel Schmähschriften gegen ihn, und suchte seinen Charakter in das schwärzeste Licht zu stellen. Selbst gemäßigte englische Schrift- steller erzählen mit Wohlgefallen kleine Anckdo« tcn und Umstände, die einen Schatten auf ihn werfen, deren Wahrheit aber nichts weniger, als erwiesen ist. Sr beschuldigt man ihn z, B. einer Leben. Z45 einer großen Falschheit und Doppelzüngigkeit. Co sehr er beständig gegen die Stcmpelakte geschrieben und geeifert, so soll doch die erste Idee dazu von ihm selbst herrühren, und er sich selbst für seine Freunde um Stellen bcy der Administration derselben beworben haben u. s. w. Andere machten ihm seinen Deismus zum Verbrechen, und daß er sich in der Gesellschaft seiner Freunde erlaube, über die Wunder des alten Testaments zu scherzen. Man behauptete, er sey dem Ehebett nicht treu geblieben, und seine Gat- tinn habe ihn von Zeit zu Zeit über einen Lie- beshandcl ertappt. Es sey bekannt, daß er mehrere Matreßcn gehabt, und daß noch verschiedene Früchte seiner unerlaubten Liebe am Leben wären. Der Verfaßcr einer kleinen Schrift über ihn versichert folgende Anekdote aus dem Munde eines Bürgers von Philadelphia, der ein guter De- kannter von Franklin gewesen, gehört zu haben. Dieser Mann fand einst vor dem Hause des Doktors zwey Weibspersonen in einem hcfti- tigcn Zank. Das eine war seine Haushälterin», und die andere eine sehr artige Wäschcrinn, die vor den Augen des Doktors Gnade gefunden V 5 halte. Z46 B. Franklins hatte. Die eine besaß seine Gunst, die andere hatte sie bcseßcn; kein Wunder, daß sie nicht sehr gut auf einander zu sprechen waren. Der Streit wurde immer hitziger, von Worten kam es zu den Fausten, die Straße erschallte von ihrem Geschrcy, ihre Hüte, Mantel, Halstücher flogen in Stücken umher. Franklin sah aus seinem Fenster dem Kampfe zu und wollte sich vor Lachen ausschütten. Nemo niortsliuin omni» das tioris lsplr, Franklins glückliches Gedächtniß blieb ihm bis in das höchste Alter treu. Er schien eine Ausnahme von der allgemeinen Erfahrung zu machen, daß die Organe, die zu diesem Seelcnvermögcn dienen, in einer gewlßen Periode des Lebens unfähig werden, neue bleibende Eindrücke aufzu, nehmen. Ein merkwürdiger Beweis davon ist, daß er erst in seinem siebcnzigsten Jahre französisch sprechen lernte. Sein mündlicher Vortrag war mehr sentenziös, als fließend; er hörte lieber , als er sprach. Höchst ungern aber ließ er sich im Reden unterbrechen, und er erwähnte oft nick großem Beyfall der Sitte der Wilden, die, Leben. Z47 die, 'wenn sie mit großer Aufmerksamkeit die Bemerkung anderer angehört haben, einige Augenblicke ein ehrerbietiges Schweigen beobachten, che sie ihre Antwort anfangen. Sein Testament hebt mit einem Kompliment für die Kunst an, die er in seinen frühern Iahren ausübte. Selbst auf seinem Sterbebette gab er einen Beweis seiner Achtung für dieselbe, indem er selbst seinen Enkel, Benjamin Bache darinn unterrichtete, der stolz auf diesen berühmten Lehrer gegenwärtig Drucker in Philadelphia ist. Franklin hintcrlies nur Einen Sohn, den Statthalter William Franklin einen eifri- gen Noyalistcn zur Zeit des unglücklichen amerikanischen Kriegs, und eine Tochter, die an Mr. William Bache, einen Kaufmann in Philadelphia vcrhcurathct ist. Dieses Frauenzimmer, die er zärtlich liebte, wartete ihn in seiner letzten Krankheit. Drcy Tage vor seinem Tode bat er, man möchte ihm sein Bette machen: „damit er „auf eine anstandige Weise sterben könne." Eine Idee, die offenbar seine Bekanntschaft mit den Sitten Z48 B- Franklins Sitten der Vorwclt in ihm erweckte. Mrs. Bache versetzte, sie hoffe, er solle wieder aufkommen und noch viele Jahre leben; allein er crwie- dcrtc: "Ich hoffe nicht." Den größten Theil seines Vermögens vermachte er seiner Tochter und ihrem Gatten auf Lebenszeit. Nach ihrem Tode sollte es. unter ihre Kmder vcrthcilt werden. Dem Sohn des Statt. Halters, William Temple Fr all kl in setzte er einige liegende Güter in Georgien, den größ. tcn Theil seiner Bibliothek, alle seine Handschriften, und im Fall er sich vcrheurathe, noch besonders eine bestimmte Summ« ans. Franklin ward den 21. Aprils auf den Gottesacker der Christuskirche in Philadelphia begraben Eine unermeßliche Menge Menschen strömte dabcy zusammen: man läutete mit allen Glocken der Stadt, die Leiche ward unter dem Donner der Kanonen eingesenkt. Selbst die Acituu- g-n hatsen a». diesem Tage einen schwarzen Rand. Der Kongreß verordnete eine allgemeine Landtrauer für einen Monath. Die Pariser National- per- Leben. Z49 Versammlung trauerte drey Tage um Franklin, und so auch der größte Theil der Einwohner von Paris. Mirabeau, R o ch e so ucaul t- La Fayctte, Fauchet hielten Lobreden auf ihn, und in Philadelphia geschah dies von dem Dr. Smith, Dircctor der Akademie, und Mr. Ritte nhouse. Die Didliotheksgesellschast die» ser Stadt lies von einem italienischen Künstler Fr. Lazzarini ihrem Stifter eine Bildsäule von carrarischen Marmor errichten. Franklin ist hier stehend abgebildet; den linken Arm stützt er auf eine Lage von Büchern; in der rechten Hand hält er einen umgekehrten Zepter, das Sinnbild seiner antimonarchischen Grundsätze, und in der linken eine Rolle Papier. Sein Gewand ist eine römische Toga, Der Kopf ist eine Kopie de? be» rühmten Büste von Houdon und die Aehnlich- kest sprechend. Franlins Schriften sind zahlreich, und beweisen zur Genüge die Vielseitigkeit seines Genies, dem kein Gegenstand zu groß, und keiner zu gering war. r) Einige Briefe, die er ^26. jn seinem 2!stcn Jahre an Sir Hans SZoane rich- Z5O B. Franklins richtete. 2) kxpsrimenls ancl Obver5at!ol>s in Llectricrt^ rnacle st Ulrilaä. irr tvvo parts. r75Z. 4. z) iXlevv kxzzsrimerits etc. 1754. Beyde ZttS sammcn in Einem Bande 17Ü9. nebst andern phy- stcalischen Abhandlungen. 4.) An bliltorical Review ab tks OonUitution anä Oonverncnerrr ob ?enns)'lvanig. 1759. Ohne seinem Nahmen. 5) 'Ulis loterelk ob Oreat Lritsin cooliclerscl witil reZarcl ta tlre Oolonies arrcl tlre Ac^nilltion ob Oanatla snä (Zuacleloupe 1760. Gleichfalls ohne seinem Nahmen. 6) Uolitical, lVliscelianeaus auc! ktrilokoplrrcal kiecss never Irekore collectecl. 1779. 4. und 8. Französisch von Dubourg/ deutsch von Wenzel, sehr steif und undeutsch. 5) Ubv- lical ancl Nereorological Odlsrvations, Lonjecto» res arrcl Luxxoktions. In den klrilok. "Urans. 1765. 8) b)n tlre LiillirrA ak Waves Ir^ inearrs c»k oil. Ebcndas. 1774« — Mehrere kleine flies gende Blatter und Pamphlets: Aclvice w Ler- vsnts — Aclvice to Zeltlers in Arnerica — Knies kor Llulrs ancl Oonversations — Ulsrrr Urcitli .— Ulro karmer's Uliiloko^lrer — Ulre Rurs! LZAS — Ulre Ueoingrr's ancl Uealant's Oracle. Unter seinem Nachlaß befinden sich mehrere jntereßante ,Abs Leben. Z)l Abhandlungen über ein allgemeines Fluidum (uui- verl-il lluicl). die ursprüngliche Bildung der Er- de *) — in wie fern man aus angestellten Veobz achtungcn im Sommer die Strenge oder Milde des nächsten Winters bestimmen könne — über den Schissbau. Von der Menge Gedichte und Grabschrifken auf Franklin führen wir hier nur zwey an. Das kleine Gedicht ist ein Vieroers, den Du- bourg unter Franklins Bildniß setzen ließ: die Grabschrift rührt, wie bekannt, von ihm selbst her. „I! a rsvi le keu cles cieux: »>I! ksit lleurlr las sitz en cles climalz ssn- V3AS5: ,ch' ^msrigus le plsce ir Is tsts els ksz LsZk-s, (Zrece 1' uurolt mis su rlomdrs üs las lZIsux. Der ") Diese beyden Aufsatze stehen aus einer Handschrift übersem in dem deutschen Magazin vcn Hrr, ?° EggerS, Dezember z?sZ. z52 B- Franklins ^ c b c n. Der Körper Benjamin Frank l ins, eines Druckers, liegt hier (gleich dem Band eines alten Buchs, dessen Blatter zerrissen, dcßen Titel und Vergoldung verwischt find,) den Würmern zur Speise: das Werk selbst aber soll nicht verloren gehen, denn es wird (so hoffte er) noch einmahl erscheinen in einer neuen Und schönem Ausgabe durchgesehen und verbessert von dem Autor- Ende des erste»; Theils,