Systematisches Handbuch d e r g e s a m m t e n Chemie von Friedrich Albrecht Carl Gren, der Arzneyzelahrtheit und Weltweishcit Doctor, vrdentl. öffentl. Lehret auf der Friedrichsuniversität zu Halle, der Ivuigl, preuß. Acadcmie der Wissenschaften zu Berlin, der churfürsrl, Maynz. Acad.der Wissenschaften zu Erfurt, der königl. preuß. Societät der Wissenschaften und Künste zu Frankfurt an der Oder, und der naturforschcnden Gesellschaft zu Halle und Jena Mitglied?. Erster Theil. Zweyte, ganz umgearbeitete, Auflage. - — Halle, im Verlage der Waisenhaus - Buchhandlung. i 7S4. Dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herr n Aeltest-Negierenden Fürsten zu Anhalt, Herzog zu Sachsen, Engern und Westphalen, Graf zu Ascanien, Herrn zu Bernburg und Zerbst Durchlauchtigster Fürst, Gnädigster Fürst und Herr! - iüßte ich nicht, daß Ew. Hochfürstl. Durchl. mir ein Unternehmen gnädigst verzeihen würden, welches aus Ehrfurcht und Hochachtung entspringt, so würde doch das lebhafteste Gefühl der innigsten Dank» a z begicrde beaierde mich selbst rechtfertigen, das mich auffordert, Dmmstlben gegenwärtigen Ent» wurf einer Cbenue als einen schwachen Beweis meiner tiefsten Verehrung in Unter» thäm'gkm zu überreichen. Ich verehre in Ew. Hoch fürst !. Durch!, nicht nur meinen erhabenen Gönner und Wohlchäter, sondern auch den Kenner und Beförderer der Wissen» schuften. Der Unterstützung meines Vater» landes, das sich Dero glücklichen Regierung freuet, hatte ich größtentheils in meiner aca» dcmischen Laufbahn die sorgenfreycre Muße zu verdanken, deren Frucht gegenwärtiges Werk ist, und von deren Anwendung ich durch durch dasselbe bey Ew. Hochfürstl. Durch!» jetzt Rechenschaft geben möchte. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn Ew. Hochfürstl. Durch!, mein Bestreben, etwas zur Beförderung der nützlichsten Wissenschaft beygetragen zu haben, Ihres gnädigsten Beyfalls nicht unwürdig finden sollten. Die Vorsehung erhalte Ew. Hochfürstl. Durch!, in der dauerhaftesten Gesundheit, und lasse Dieselben noch lange den größten Ruhm der Fürsten genießen, der Vater Ihres Volks zu seyn. Ich Ich habe die Ehre, zeitlebens mit der tiefsten Ehrfurcht zu verharren. Durchlauchtigster Fürst, Gnadigster Fürst und Herr! Ew. Hochfürftl. Durchl. unterthanigster Diener, Friedrich Albrecht Carl Grem Vorrede zur zweyten Ausgabe. ^9^an wird bey Begleichung dieser Ausgabe mit der erstem sehr bald gewahr werden, daß sie sich von derselben sehr wesentlich unterscheidet. Bey den betrachtlichen Umänderungen, die durch den Fleiß der Chemisten in den Theorien veranlaßt worden sind, wäre es nicht genug gewesen, bloß die neuern Entdeckungen von Thatsachen hier und da einzuschalten, sondern ich mußte das Buch durch? aus umarbeiten, und so ist dasselbe jetzt eher für ein a 5 ganz > X Vorrede ganz neues Werk, als für eine neue Ausgabe des vorigen zu halten. Der vorige Plan ist im Ganzen beybehalteu, dies ausgenommen, daß ich die Untersuchungen der Körper des Thier - und Pflanzenreichs aus dem ersten Theile herausgelassen, und dagegen den ganzen zweyten Theil dazu gewidmet habe. —- Der Confiiet der Parteyen in der Sache für und wider den Brennstoff hat zur Berichtigung so manchen Satzes, zur Aufdeckung dieser und jener That- sache, und zur Vollkommenheit der Wissenschaft beygetragen. So mannigfaltig auch die Waffen gewesen sind, mir denen man die Lehre vom Brennstoff angegriffen hat; so glaube ich doch, daß sie aus diesem Streite unüberwunden hervorgegangen ist. Der seichteste Einwurf gegen dieselbe ist wol von der öftern Abänderung und der Verschiedenheit des Begriffs vom Brennstoff hergenommen worden. Es würde ja lacherlich seyn, die electrische Materie deswegen für ein Phantom zu halten, weil die Vorsiel- zur zweyten Ausgabe. X! sielltmgen der Naturforscher darüber so verschieden gewesen sind, und noch sind. — Ich habe zwar das antiphlogistische System ganz zum Grunde meines Lehrgebäudes gelegt; aber ich habe auch die Lücken belmrkllch gemacht, die es bat, und die man nur durch die Lehre vom Brennstoff ausfüllen kann» Bey dieser schwesterlichen Verknüpfung beider Systeme wird man hosscml:ch nicht weiter eines durch das andere bestreiten können. Ich hielt eö indessen, doch auch für Pflicht gegen weine Leser, die Erklärungen der Phänomene auch nach dem antiphlogistischen Systeme rein und ohne Zusatz zu geben; es bleibt auf diese Art ihrem eigenen Urthcil überlassen, zwischen diesem und dem vereinigten Systeme zu entscheiden. Sonst habe ich mich alles weitlanftigm Polemisirens enthalten. Theorien, welche von ihren Urhebern schon selbst wieder aufgegeben sind, habe ich gar nicht mehr erwähnt. Ich habe mich einer gleichförmigen Nomenclatur bedient, und ich hoffe- Xll Vorrede zur zweyten Ausg. ' hoffe, daß man die Wahl meiner Benennungen, die zum Theii durch das neue System nochwendig gemacht, und von vielen Schriftstellern schon aufgenommen worden sind, nicht mißbilligen wird. Die übrigen Synonyma habe ich immer mit beygefugt, und auch die der neuen französischen Nomenclatur. Die litterarifchen Nachweisungen habe ich sorgfaltig nachgetragen. Im Ganzen wird man mein Bestreu ben nach mehrerer Vollkommenheit meines Buches nicht verkennen. Halle, dm 15. Zanuar G r e n. Vor» Vorrede zur ersten Ausgabe. ^^hngeachtet der nicht geringen Anzahl neuerer chemi- scher Lehrbücher, welche wir jetzt besitzen, fühlte ich doch seit einigen Jahren, da ich auf hiesiger Academie chemische Vorlesungen halte, den Mangel eines Handbuches, welches die gesammte Chemie mit den neuern Entdeckungen und Fortschritten, in einer zusammenhangenden Ordnung, und ihre allgemeinere Grundsatze so vortrüge, daß sie nicht nur der Cameralist, oder der Arzt, sondern jeder brauchen könne, der Anwendung davon zu machen hat. Die Zeiten sind vorbcy, da man die Chemie als einen besondern und ei- genthümlichen Theil der Arzncytunst, oder sie bloß dem Arzte zu wissen für nöthig ansähe. Ich würde setzt einen Theil meiner Zuhörer offenbar eben so zum besten haben, wenn ich ihm bloß pharmaccvtische, als wenn ich bloß technische Chemie vortragen wollte. Wir haben zwar neuere Handbücher der Chemie, welche diese in ihrem ganzen Umfange abhandeln ; aber nicht als ein zusammenhangendes Ganzes, sondern besondere Emtheilungen der Wissenschaft machen, als physische, pharmacevtische, technische Chemie, u. s. w., Emtheilungen, welche unnöthiae Wiederholungen veranlassen, und dem Erfordernisse kein Genüge leisten, die Chemie dem Arzte und Cameralisten und Naturforscher zugleich nützlich und lehrreich vorzutragen; so wie es überhaupt nur Eine Chemie siebt, davon die sogenannte phar- macev- X!-V ' - Vorrede' macevtische oder technische Chemie nur Anwendungen, und deren Grundsätze der Aurübung in allen ihren Zweigen gemein sind. Ich liefere daher hier ein Lehrbuch der reinen Chemie mit den Anwendungen auf das gemeine Leben da verwebt, wo mich die Natur der Sache jedesmal darauf leitete, ohne jene besonders abzuhandeln. Ich habe mir das Handbuch des sei. Etzleben, dieses Meisters in der Compenvicnkunft, ganz zum Muster genommen, der zuerst von dem richtigen G-sichtspanct ausging, die Chemie allgemein nützlich vorzutragen, und, immer Einsicht nach, den Weg deutlich zeigte, auf welchem man diese wissenschaftliche Kunst so lehren kann, daß d> r Zögling das Ganze zu übersehen vermag. In einer Wissenschaft, wo es auf intuitive Kcnntniß von Dingen ankömmt, wo der Anfänger Begriffe von mchrern Stoffen erlangen sdll, und in der Erlernung als Hauptbegriffe vorläufig erlangen muß, die ihm sonst im gemeinen Leben gar nicht oder nur sehr undeutlich bekannt waren, muß man im Vortrage derselbe,! nothwendig darauf Bedacht nehmen; immer suchen, das Folgende aus dem Vorhergehenden herzuleiten, nichts als bekannt voraussetzen, was es dem Anfänger nicht ist, und Theorie stets mit Erfahrungen verweben. Die beträchtlichen Fortschritte, welche die Chemie in dem letzten Jahrzehend gemacht hat, nöthigten mich freylich in vielen Stücken von dem Erxlebischen Plane abzugehen, und die Sachen anders zu ordnen, wie man bcy einer, nur flüchtigen, Vergleichung bald finden wird. Nach einer kurzen Einleitung gebe ich im ersten Abschnitte die nöthigcn Grundbegriffe, welche zur Erlernung der Wissenschaft erfordert werden. Die Nothwendlgteit, mehrere allgemeine Grundjatze voranzuschtcken, und besonders zur ersten Ausgabe. XV ders, mehrere Wort- und Sacherklärnngen zu geben, zwingt mich, hier öfters schon mancher Stoffe zu erwähnen, die ich freylich bey Anfängern nicht als ganz bekannt voraussehen kann; allein hier hebt.auch der mündliche Unterricht die Schwierigkeiten sehr leicht. Im zweyten Abschnitte handele ich von den Eigenschaften einiger vorzüglichen Stoffe, mit denen der Ansanger erst bekannt gemacht werden muß, da sie uns die wichtigsten Hülfsmit- tel zur weitern chemischen Untersuchung der Körper werden. Im dritten Abschnitte gehe ich zu den nahern Bcftand- theilen der Körper des Pflanzenreiches, und im vierten zu denen der Körper des Thierreiches über. Im fünften Abschnitte handele ich die Erden und die mineralischen Sauren, die Verbindung der lehtern zu Neutral und Mittelsalzen und mit brennbarem Wesen ab. Daß ich hier der Saure des Bernsteines, des Arseniks, des Tung- sieins, und des Wasscrbleyes noch gar nicht erwähnte, kann dem nur sonderbar vorkommen, der meinen Plan nicht zu beurthcilen versteht, die Wissenschaft in zusammenhangender Ordnung vorzutragen. Ich hatte im Vorhergehenden weder die Erdharze, noch die Metalle abgehandelt, und konnte also noch nicht der Saure eines Erdharzes oder eines metallischen Stoffes erwähnen, ohne unverständlich zu werden, oder ohne mich ans das Nachfolgende zu berufen. — So bitte lch überhaupt diejenigen , welche mein Buch beurthcilen, darauf Rücksicht zu nehmen, — daß ich kein Wörterbuch schreiben wollte. Manches, was man im ersten Theilc vermißt, wird man im zweyten Theile am gehörigen Orte und in der, der Natur der Sache angemessenen Ordnung finden. Im XVl Vorrede Im ^weyten Theile handele ich die entferntem Be- standtheile der Pflanzen- und khierischen Körper, ihre Un- tersuchung durchs Feuer, und ihre von selbst erfolgende Zerstörung ab. Ich konnte dies noch nicht im ersten Theile bey den nahern Bestandthcilen dieser Körper thun, weil meine Zuhörer erst die mineralischen Sauren und am dere Stoffe kennen lernen mußten, die wir mit bey dee Untersuchung der entferntem Bestandtheile der organischen Körper anwenden müssen. Würde es wol der Natur der Sache angemessen seyn, wenn ich z. B. beym Zucker schon von der Zuckcrsaure handeln wollte, ehe ich noch mit dee Salpetersäure, mit ihrer Einwürkung auf das brennbare Wesen, die Anfänger bekannt gemacht hätte? >— Ich gehe hierauf ferner zu den Erdharzen über, auf welche mich die durch Verwesung der organischen Körper entstandene Dammerde ganz natürlich leitet,' dann zu den Metallen, und mache den Beschluß mit einer nochmaligen Ucbersicht aller in dem Vorhergehenden abgehandelten chemisch-einfachen Stoffe, ihrer Natur und wirklichen oder eingebildeten Verwandlung in einander. Auf diese Art glaube ich den Zuhörer von dem Leichtern zum Schwerern, von dem Einfachem zu dem Verwickeltem, von dem Bekanntem zu dem mehr Unbekannten allmählig und unvermerkt zu führen. Freylich müssen bey dem mündlichen Vortrage Erfahrung, sinnliche Darstellung, und wirkliche Versuche immer zu Hülfe kommen. Denn die Chemie läßt sich ohne diese schlechterdings nicht am Schreibtische und auf der Studierstube erlernen. In Rücksicht der Menge der abgehandelten Sachen möchte mir Mancher Vorwürfe machen, daß mein Buch für ein Handbuch viel zu groß sey, als baß man die Wissen- zur ersten Ausgabe. XVIl senschaft in einem halben Jahre darnach endigen könnte, wenn man täglich nur eine Stunde darauf verwenden darf. Ich gebe dies zu; allein ich behaupte auch, baß dieser Vorwurf nicht sowol mein Compendium, als die Wissenschaft selbst trifft. An dieser wird man doch wol nicht eine zu große Reichhaltigkeit an Sachen, und ihre zu weite Ausdehnung tadeln wollen? Ich glaube nicht, daß man mir Weitschweifigkeit in Rasonnemeuts mit Grunde vorwerfen kann; sie nehmen gewiß den kleinsten Theil ein: alles andere sind Erfahrungssatze, die ich nicht auslasset? konnte. Folgerungen und Schlüsse mußte ich aber noch- wendig aus den Erfahrungen und Beobachtungen ziehen. Die letztem halte ich für den Körper, die Theorie aber für die Seele, welche ihn belebt, und in weitere Thaligkeil versetzt. — Immer gehe ich bey der Erklärung auf die Verwandtschaften zurück, welche die kehle Granzc find, über welche weiter hmauezuschrcittu ich mir nicht getraue. Ich bin kein liebhaber von spitzfündigen Untersuchungen, votk Grübeleycn, und wcülauftigem Dogmatismen; ich habe nur Muihmaßungen gewagt, wo uns hinlängliche Erfahrungen zur Entscheidung mangelten; oft lieber manches unerklärt gelassen, was ich nach den ordentlichen Gesetzen der Natur nicht erklaren konnte. -Oft weichen frcylich meine Theorien von den gewöhnlichen ab, oft sind sie ihnen ganz entgegengesetzt; und ich sehe voraus, daß viele mein Buch deswegen radeln werden, weil ich in manche«? Stücken anders denke als sie. Ich hoffe aber auch, daß ich immer hinlängliche Gründe aus Erfahrung und Vers nunft dazu hatte, wo ich es that. Ich bin überzeugt, daß, wenn man so fortfahrt, wie man jetzt anfangt, wo man auf das Ansehe»! einiger Masiner im Auslände Theo- b rim XVIII Vorrede zur ersten Ausgabe. rien annimmt, ohne sie zu prüfen, wenn sie auch mit andern Naturgesetzen stritten; wo man der Natur Gesetze aufbürdet, die sie nicht hat; wo man die Erscheinungen in der Körperwelt nach seinen Begriffen modelt; wo man aus einzelnen Erfahrungen allgemeine Schlüsse und Folgerungen macht; wo man Erklärungen entwirft, ohne das Ganze zu übersehen; wo jeder, der etwa diesen oder jenen Versuch anzustellen weiß, auch sogleich eine Theorie in die Welt schickt; ich bin überzeugt, sage ich, daß dann in einigen Jahren die Wissenschaft in ein Chaos verwandelt seyn wird, wo Dunkel und Finsterniß herrscht; in ein Labyrinth, aus welchem sich der Geübteste nicht wieder sindcn kann. Es war mir jetzt schon unmöglich, bcy den verschiedenen Erklärungen alle die mancherlcy Meynun- gen der Chemisten anzuführen. Ich konnte nur die vorzüglichsten, oder die am mehresten Aufsehen erregenden bemerken. Ich werde mich glücklich schätzen, wenn ich durch mein Buch nur hie und da zur nahern Prüfung dieses oder jenen Satzes, zur Aufdeckung irgend eines Jrrthums, und zur Bestätigung auch nur einiger Wahrheiten etwas Gelegenheit gegeben haben möchte. Geschrieben auf der Friedrichsuniversitat zu Halle, den 26. Aprill 17L7. F. A. C. Gren. Inhalt. Inhalt. Einleitung, S. i -- zo. Begriff. Eintheilung. Geschichte der Chemie, S. Verzeichniß chemischer Schriften, S. 10 — 29. 1. Systeme und Lehrbücher, S. 10« 2. Wörterbücher, S. 18. Z. Nomenclaturen, S. 18. 4. Vermischte chemische Werke, S. 19. 5. Magazine und Journale, S. 25, Chemische Zeichen, S.zo. Erster Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse zur chemischen Untersuchung der Körper, S. zr —132. Gleichartige und ungleichartige Theile, S. Zl. Nähere und entferntere Bestandthcile. Elemente, S. ZZ. Mechanische Theilung der Körper, S. Z7» Eigentliche chemische Zerlegung und Zusammensetzung. Chemische Verwandtschaft, S. 4Z. Chemische Mittel zur Zerlegung und Znsammensetzung der Körper, S. 52. Auflösung, S. 54» b Z Nie- Inhalt. Niederschlagung, S. 66. Anwendung des Feuers zur Untersuchung der Kirper« -Üefen, S. 7l- Schmelzen, S. 8l° Verflüchtigen lind Abdampfen, G. 96» Verkalken, S. ic>l. DesiilZiren, S. 107. Pneumatisch-chemischer Apparat, S. uz. Sublimiren', S. 119. Andere Gerächschaften. Waage» Gewichte» Maaße^ S. 122. Gegcnwirkendt Mittel, S. izr» Laboratorium, S»>Zi. Zwevter Abschnitt. Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe, S. izz —196. Warmemalerie, S. iZZ. Lichkmaterie. Brennstoff, S. 152» Dhänomene des Verbrenuens. Stickgas, S- 158. Lebenslust, S. 162. Atmosphärische Lust, S. 167. Theorie des Feuers und des VerbrennenS, S, i6Z. Kohlensaures Gas, S. 176. Wasser, S. isto. Zerlegung des Wassers, Brennbares Gas, S» 186» Dnt- Inhalt. Dritter Abschnitt. Von den Salzen im Allgemeinen, und den Alkalien insbesondere, S. 197-220. Salze. Crystallisiren, S. 197. Säuren, S- 206. Alkalien, S. 2lo. Ammoniakgas, S. 214« Neutralsalze, S. 218. Vierter Abschnitt. Erden. S. 221 —272. Erden, S. 221. Mittelsalze, S. 222. ' Kieselerde, S. 224. Glas, S. 227. Glasflusse. Email, S. 2Zl. Kieselfcuchtigkeit, S. 235. Kalkerde, S. 237. Mörtel, S. 24z. Talkerde, S. 244. Thonerde, S. 248. Thon. Anwendung desselben zu Töpferzeng. Steingut. Fayence. Porzellan, S> 255, Schwercrde, S. 26Z« Zirkoncrde, S. 270. Korunderde, S> 27c. Australccde, S. 272. Fünfter Abschnitt. Mineralische Sauren und ihre Verbindungen mir Alkalien, Erden und Brenn-- sioff, S. 273—560. Kohlensaure, S> 273. Kohlensaure Neutralsalze. Kohlensaures Gewächsalkali, S. 278. Kohlensaures MineraZalkali, S. 280. Kohlensaures Ammoniak, S. 282» Kvh-- Inhalt. Kohlensaure Mittelsalze. Kohlensaure Kalkerde, S. 2 84» Kohlensaure Talkerde, S. 291. Kohlensaure Schwererde, S. 294. Kohlensäure und Brennstoff. Wiederherstellung der Kohle, S. 296. Schwefelsäure, S. 298. Schwefelsaure Neutralsalze. Schwefelsaures Gewächs, alkali, S. ZO6. Glaubersalz, S. Z09. Schwe« felsaurcS Ammoniak, S. ziz. Schwefelsaure Mittelsalze. Eyps, S. Z15. Bitter, salz, S. Z22. Alaun, S. Z26. Schwerspath, S. ZZZ- Schwefelsaure Zirkonerde, S. ZZ?. Wechselseitige Verwandtschaften der Schwefelsäure und Kohlensäure gegen Alkalien und Erden, S. ZZ7. Schwefelsäure und Brennstoff. Schwefligtsames Gas, S. ZZ9. Schwefligtsaure Neutral. und Mittelsalze, S. Z4Z. Theorie der schwefligten Säure und des schwefligtsauren GaS, S. Z45. Schwefel, S. Z50. Schwefellcber. Hepatisches Gas, S. 364. Pyrophorus, S. Z87. Verwittern der Kiese. Gewinnung des Alauns, S. Z92. Dephlogistisirte Schwefelsäure, S. 40z. Salpetersäure, S. 404. Salpetersaure Neutralsalze. Gemeiner Salpeter, S. 415. Rhomboidalsalpeter, S. 417. Salpeter, saures Ammoniak, S. 419. Sal, Inhalt. Salpetersaure Mittelsalze. Salpetersaure Kalkcrde, S. 420. Salpetersäure Talkerde, S. 42Z. Sal, petersaure Thonerde, S. 424. Salpetersäure Schwererde, S. 425. Wechselseitige Verwandtschaft der Salpetersäure und Kohlensaure gegen Alkalien und Erden, S. 427. Wechselseitige Verwandtschaft der Salpetersaure und Schwefelsaure gegen Alkalien und Erden, S. 427. Salpetersaure und Brennstoff. Salpetergas, S. 4Z0. Eudiometer, S. 4Z8. Theorie der Salpetersäure und des Salpetergas, S.44Z. Verpuffen der salpetersauren Salze, S. 449. Schieß, pulver, S. 451. Kvallpulver, S. 456. Theorie des Verpuffens der salpetersauren Salze, S. 457. Salzsäure, S. 465. Salzsaures Gas, S. 469. Salzsaure Neutralsalze. Salzsaures Eewächsalkali, S. 472. Küchensalz, S. 47z. Gemeiner Sal, miak, S. 485. Salzsäure Mittelsalze, S. 49Z. Salzsäure Kalkerde, ebend. Salzsaure Talkerde, S. 498. Salzsaure Thonerde, S. 500. Salzsaure Schwcrerde, S. ;oi. Wechselseitige Verwandtschaft der Salzsäure und Koh, lensäure gegen Alkalien und Erden, S. 502. — der Salzsaure und Schwefelsäure — —- S. 50z. — — der Salzsäure und Salpetersaure —- S. zog» De-> Inhalt. Dephlogistislrte Salzsäure, S. 51c?« Neutral- und Miltelsalze mit dcphlogistisirter Salzsäure, S. ;i6. Theorie der dephlogistisirlcn Salzsäure, S. 518. Königswasser, S. ;2r. Flußspathsäure, S. 524. Flußipathsaurcs Gas, S. 528. Flußspathsaure Neutralsalze, S. 5ZI» Flußspathsaure Mittelsalze, S. 5Z2. Flußspath, cbend. Flußspathsäure und Kieselerde, S. ;z6. Wechselseitige Verwandtschaften der Flußspathsäure und Kohlensäure gegen Alkalien und Erden, S. 5Z7. ^ hxx Flußspathsäure und Schwefelsäure S. 5Z8. —- — der Flußspathsäure und Salpetersäure S. ;z9- — — der Flußspathsaure und Salzsäure —- S. 540. Boraxsaure. Borax, S. 541. Boraxsaure Neutralsalze, S. 552. Boraxsaure Mittelsalze, S. 55z. Wechselseitige Verwandtschaften der Voraxsäure und Kohlensäure gegen Alkalien und Erden, S. ;;6. — — der Boraxsäure und Schwefelsäure — — S. 557° — — der Boraxsaure und Salpetersäure ——— S. 558. — — der Boraxläure und Salzsäure cbendas. — — der Voraxsäure und Flußspathsäure —- S. ;;9- Boraxsäure und Brennbares, S.;6o. Syste- Systematisches Handbuch der Chemie. Einleitung. §. i. Chemie ist eine Wissenschaft/ die uns die wechselseitigen Wirkungen der cinfachern Stoffe in der Natur, die Zusammensetzung derKörper aus ihnen und nach ihren verschiedenen Verhaltnissen, und die Art und Weise kennen lehrt, sie zu trennen, oder sie wieder zu neuen Körperarten zu verbinden. Meinungen über die Herleituug des Worts Chemie, oder Cch'-- mie. Synonymen dieser Wissenschaft: Schcw kunst oder spagieische Runst, hermetische Runch P^rorcchnie» h. 2. Die Chemie ist aber nicht nur eine Wissenschaft, die eine Sammlung zusammenhangender, und aus allgemeinen Principien abgeleiteter, Wahrheiten enthalt, welche auf Erfahrungen, Folgerungen und Vernunfcschlüs- sen beruhen; sondern sie ist auch eine ch>'.mss, deren Arbeiten in die Sinne fallende Erfolge haben und körperliche Ausübung erfordern. Ihr Zweck ist nicht bloß, specula- tive Betrachtungen über die Natur und Mischungen der Körper anzustellen, sondern auch diese durch rechte Bearbeitung für die Welt brauchbar zu machen. Gtcns Chemie. t-TK. A 2 Einleitung. §. z. Die Gegenstände dieser wissenschaftlichen Kunst sind alle Körper und Materien nnsrer Welt, die einen Gegenstand unserer sinnlichen Wahrnehmung ausmachen. Ihre Grundlage ist Erfahrung, sowohl Beobachtung,, als Veriucbe, aus denen sie durch richtige Vernunftschlüsse die Theorie ableitet, die die Erfahrungssatze zu einem wissenschaftlichen Ganzen verknüpft. Uebrigens ist sie in ihrer Ausübung unermeßlich, und in den Quellen zu ihrer Untersuchung uncrschöpstlch. §. 4. Die Chemie ist folglich ein Theil dert"?attlrrvl'stett5 scbafc. Sie ist aber keinesweges ein besonderer Theil der Arzncywissenschaft oder der Haushaltungskunst, und sie kann nicht mit mchrerm Rechte für einen solchen angeschen werden, als die Physik oder Naturgeschichte; ob sie gleich dem Arzte und Technologen ganz unentbehrlich ist. §. 5. Die Grundsatze der Chemie lassen sich auf vielerlei) Wissenschaften, Gewerbe und Künste anwenden, welche lauere Veränderungen, Zerlegungen und Zusammensetzungen dieser oder jener Stoffe, um sie zu ihrem Zweck zu verwenden, bewirken müssen; allein es scheint mir unnatürlich lind gezwungen zu seyn, deswegen so viele und besondere Eintheilungen der Chemie zu machen. Es giebt im Grunde,nur Chemie, die aber, wie z. B. auch die Mathematik, zum Vortheil unterschiedener Künste besonders angewendet werden kann. Eiutheilung der Chemie i) in die physische; 2) in die mevicinische, a) physiologische, b) pathologische, c) phannacevcische; z) in die technisch-ökonomische, a) -Halorechnic (Salzchemie), d) SUwnrgie (Steinchemie), c)-HMurgie (GiaSchsmie), ä) jdhlogurgie (Chemie Einleitung. -5 mie brennbarer Stoffe), e'' Fymorccknw (Gährungschemie), f) NZecaUurgie, «)Docimasie (Probicrtunsi), -?) ^Hürccn- rveseu, o ) (pbcrfiächcnehcime, !>) Ökonomische oder Kr-» sielmigschcmie, u. s. w. §- 6. Die Alchemie hat mit unsrer Wissenschaft nichts weiter gemein, als die Aehulichkcit des Jemens. Ihr Zweck ist, den phüosöphstcben Srem, das heißt, eine Materie zu finden, durch welche sich alle übrige Metalle in Gold verwandeln lassen, und weiche zugleich eine allgemeine Arzney gegen alle Krankheiten abgebe. Man thm der A chemie und ihren Verehrern, den sogenannten Aoeptcn, wol nicht zu viel Unrecht, wenn man die crstere für ein Hirngespiuust, und diese für Personen erklart, welche das Wirkliche verlassen, um nach einem Phantom zu haschen. §- In Ansehung des Nutzens det Chemie bedarf es wol gar keines besondren Beweises: denn schon aus dem von ihr gegebenen Begriff erhellet ihre Unentbehrlichkeit, in der Mineralogie zur richtigen Classification der Fossilien , in der phislk zur Erklärung so vieler Naturerscheinungen und zur Kenntniß der Natur und Eigenschaften so vieler Stoffe, in der Philologie und Pathologie zur Erläuterung der innern Veränderungen, Mischungen und Scheidungen fester und flüssiger Theile des gesunden und kranken Körpers; in der Arzneimittellehre und pharmacie zur Beurtheilung der wirkenden Bestand- theile der Arzneymittel, ihrer Verhältnisse zu andern, zur Scheidung und Veränderung derselben, zur Kenntniß ihrer Güte und Verfälschung/ und endlich zur Bereitung und Zusammensetzung derselben; in der Technologie zur Einsicht des Wesentlichen der mchrcsten Künste und Handwerke. Sehr viele Gewerbe sind von der Art, A s daß Einleitung. daß sie ganz auf chemischen Grundsätzen beruhen; und in den mehresten andern finden diese eine Anwendung. Die Chemie kann sich mit Recht der Erfindung und der Verbesserung sehr vieler Künsie rühmen, und ohne sie kann man keine gründliche Einsicht in die mehresten derselben erlangen. Sie gehört daher zu den ersten Wissenschaften, welche die menschliche Glückseligkeit vermehren, und sie belohnt ihren Verehrern den Fleiß, den sie auf sie wenden, auch unmittelbar. Durch die Chemie lernt man so vieleDinge des gemeinen Lebens und die nützlichen Eigenschaften so vieler Körper kennen, ihren Werth und ihre Unentbchrlichkeit schätzen, und ihren Einfluß auf unser Wohl und Weh besser beurtheilen. §. 8. Es giebt mancherlei) Methoden, nach welchen die Chemie vorgetragen worden ist. Bald ordnete man den systematischen Vortrag nach den Arbeiten und Operationen, die man zur Kenncniß der Mischung der Körper anwenden muß; bald nach den Producten und Stoffeil, die man durch jene erhalt; bald nach den einfacher» Be- standtheilen und Elementen der Körper; bald nach der Anwendung der Chemie auf Wissenschaften, Gewerbe und Künste. Allein alle diese Methoden haben ihre entschiedene Schwierigkeiten. Denn außerdem, daß sie häufige Wiederholungen veranlassen, laßt sich dabei? das Ganze nicht so ordnen, daß das Folgende aus dem Vorhergehenden erklärtlwürde, ein Erforderniß, das bey dem Lehrvortrage unsrer Wissenschaft unumgänglich noth- wendig ist. H. 9. Wir werden hier suchen, diesem Erfordernisse so viel als möglich, ein Genüge zu leisten, und uns sorgfältig hüten, nichts als bekannt vorauszusetzen, was erst durch das Nachfolgende erläutert werden muß. Wir wer- Einleitung. 5 werden die tbeorensike oder rcmc Chemie nicht von der ausübenden oder pmccstckwn trennen; sondern diese mit jener verweben. Denn die theoretische Chemie besonders abzuhandeln, und vor der practischen voranzuschicken, scheint deswegen nicht Vortheilhaft zu scyn, weil sie sich ans diese gründet, und ohne dieselbe von Anfängern schlechterdings nicht verstanden werden kann. §. !O. Die Chemie ist, als eine gemischte Wissenschaft, auf Beobachtungen und Versuche gegründet. Diese mußten nothwendigerweise eher angestellt und gemacht scyn, ehe man auf wissenschaftliche Art Folgerungen und Schlüsse daraus machte. Es ist daher auch rhörigt, den Ursprung der Chemie, als WlssenZchafr betrachtet, in dem entferntesten Alterrhum suchen zu wollen. Die Entdeckung von Thatsachcn ist blos das Werk der Sinne, und es ist nicht zu verwundern, daß Jahrhunderte verstreichen konnten, ehe man mehrere dieser Entdeckungen machte, und noch mehr, ehe man diese Thatsachen sammlete. Nur erst in den neuesten Zeiten verband man sie zu einer rmssinschafcltchcn Form. Schon die ersten Bewohner der Erde hatten Bedürfnisse, deren Befriedigung allerdings die Ausübung dieser oder jener chemischen Operation erforderte. Allein alles beruhete gewiß nur auf einzelnen Erscheinungen und einer empirischen Ausübung. Von den Völkern des höhern Alterthums erwähnt man in der Geschichte der Chemie besonders die Aegypter, unter denen auch wol ohne Zweifel, wie aus den übrig gebliebenen Datis geschlossen werden kann, die Caste ihrer Priester in dem Besch mehrerer solcher Erfahrungen war, und Operationen ausübte, die chemisch genannt werden können. Aber auch ihre Chemie ist wol nur eine bloße unvollkommene Kunst, und nichts weniger als eine Wissenschaft zu nennen. Die spätem Neuplatoniker haben A z Haupt- 6 Einleitung. Hauptsächlich zu der hohen Meinung von den chemischen Kenntnissen der Aegypter beigetragen, und die Neigung der Menschen zum Wunderbaren und Mystischen hat diesem Glauben Eingang verschafft. Mehrere chemische oder vielmehr olchemische Schriften, die einigen merkwürdigen Personen jenes hohen AltcrthumS zugeschrieben werden, sind untergeschobene Producte der christlichen Mrstlker und Neupiatoniker. Mehrere metallurgische Arbeiten wurden indessen von den Alten ausgeübt; die orientalischen Nationen, besonders auch die Aegypter, trieben sie in diesem ersten Zeiträume, der von der Pflanzung der Nationen an zu rechnen ist. Tubalcam. Noch. Moses. Hermes ttrismcgisius oder Slphoaz» Isis. Horns. Democnms. §- ir. Seitdem das Gold der allgemeine Preist von allen Gütern wurde, war eö wol nicht zu verwundern, daß sich einige Personen einfallen ließen, zn glauben, daß vielleicht dieses Metall durch Kunst hervorgebracht werden könne, worin sie durch falsche Vorstellungen von der Erzeugung der Metalle noch mehr bestärkt wurden. Die Alcbemw aber nahm erst ihren Ursprung unter der Neu- Platonischen Seele der Philosophie, und man findet ihren Namen und das Problem derselben erst nach dem vierten Jahrhundert nach Christi Geburt erwähnt. Uebcr diesen Gegenstand verlohr man bald andere aus dem Gesichte. Die Verwandlung der Metalle war der Punct, um welchen sich die Untersuchungen der damaligen Che- mistcn sämmtlich dreheten; und diejenigen, welche sie suchten, schrieben dunkel und geheimnißvoll, khcils um sich den Schein einer hohen Weisheit zu geben, tbcils um ihre wirkliche Unwissenheit zu bedecken. Dieser Zeitraum dauerte ohugefshr bis ins achte Jahrhundert nach Christi Geburt, wo die Varbarey auch den Schriften de? Einleitung. 7 der Alchemie unter den Christen auf eine Zeitlang ein Ende machte. Porpbprius. Iamblickus. -Heliodorus. Philippus Epi- byckius. Zoiünus. Syncsius. Glpnipiodorus Alcxan-- vrinus. -Hierolheus. Ärcliclaus. Pclagius. Eugenius. Kosmas. Sergius. Stephanns Aiexandrinus. Pappus. §. 12. Die Künste und Wissenschaften, welche durch die Barbarei) von den Christen verdrängt wurden, gingen zu den Arabern über. Mit ihnen kann man füglich einen neuen Zeitraum anfangen. Aber auch sie betrieben nur die Alchemie, die sie von den spatern Griechen erlernt hatten, und ihre Neigung zum Wunderbaren machte sie zu eifrigen Beförderern aller Zweige der Theosophie. Sie schrieben ebenfalls dunkel und gcheimnißvoll, und arbeiteten handwerksmäßig. Sie verbanden mit der Weltweisheit mehrentheils dieArzneywissenschaft; dies sowohl, als unrichtig verstandene hicroglyphische Redensarten, gab vielleicht Anlaß, durch alchemistische Operationen allerhand Arzncyen zu bereiten. Man trifft in den Schriftstellern dieses Zeitraums auch schon wirklich chemisch bereitete Arzneyen an; so daß man füglich den Ursprung der mcdicinischen Chemie bey den Arabern zu suchen hat. Geber oder Dstliafar. Rhades (Muhhammcd Ebn Sa- charfah Abu idebr Al-Rasi). Avicenna (AlsHussiun Abu - Ali Ben Abdallah Ebn Sina). Mcsue. Serapion. §. rz. In dem dreyzehntcn Jahrhundert näherte man sich zwar in Europa wieder in etwas der Aufklarung in Wissenschaften, und man fing daselbst an, auch mehr Aufmerksamkeit auf die Chemie zu wenden. Aber ohngeachtct der Bemühungen einiger verdienter Manner um mehrere Aufklärung, ihres Jahrhunderts, ungeachtet der Beförde- A 4 rungen, ?! Einleitung. rungen, die das Studium der Natur bekam, und der vermehrten Kemmusse, die eine mehrere Gemeinschaft der Nationen durch Handel und Schiffahrt verschaffte, blieben die handwerksmäßigenAichemisteu noch immer die einzigen Chemistm, und der Srcin der Weisen das Ziel ihxer Bemühungen. Das herrschende scholastische System in der Philosophie war nicht fähig, die Physik und Chemie der Araber zu verbessern, oder auf den Weg zur Erperimentaluntersuchung der Körper zurückzuführen. Die Zahl der alchemistischen Schriftsteller dieses Zeitraums ist ziemlich groß; aber unzahlig war die Zahl derer, welche von dem Schwindel des Weiseusteins angesteckt wurden. Einige wenige haben das Verdienst, einiges in der mcdicinischen Chemie eindeckt zu haben; allein die Hindernisse, die sie durch ihre alchemistischen Bemühungen der wahren Chemie in den Weg setzten, verdunkeln alles übrige. Ihre Schreibart blieb dunkel und mystisch. Die Seuche, welche die alchemistischen Schriftsteller damals in dem Gehirne der Menschen verbreiteten, dauert noch forr; und kann von aufgeklarter Weltweiöheit jetzt noch nicht ganz vertilgt werden. Albert von Bollstedt (oder Albrccht der Grostc). Roger Baco. Raimund tbutkus. Thomas de Aquino. Arnold von "Villanova. Job de Rupcseypa. Thaddens Flo- renrmus. vvilh. Guarignara. Petrus Bonus.ibombar-- dus. Iooocus Grevcr. Alanus. Dionys Zacharias. Nie. Flamcilns. Beruh. Trcvijanus. Barrhold Sckwarx» Job. Alnak Holland. Georg Zviplaus. Thom. und Gam. Norron. Vlnccn? Rost'skch. Richard Gnhola-- nus. Aurelius Augurctlus. n^ici). potior. Bast!. Vas jencinus. und mehrere Anonymi oder erdichtete Namen. 8' 54' Im fünfzehnten Jahrhundert gewann die Philosophie durch das Studium der Quellen der altanechischen Gelehrsamkeit mehrere Aufklärung, und es verbreitete > sich Einleitung. 9 sich dadurch nach und nach ein besserer Geschmack in Bearbeitung der Wissenschaften, die auch noch durch Erfindung der Buchdruckerkunst eine mächtige Stütze und eine ungemeine Erleichterung erhielten. Viele vernünftigere Manner fingen an, die scholastische Wcltweisheit zu verdrängen, den Nebel des Aberglaubens zu zerstreuen, und den Weg der Experimental-Naturlehre einzuschlagen ; die Morgenröthe einer bessern Naturlehre ging auf. Viele einzelne chemische Künste und Arbeiten waren schon damals btS zu einer merkwürdigen Stufe der Vollkommenheit gediehen. Man bemühete sich, diese immer mehr und mehr zu sammlen, die Handgriffe zu entdecken und zu entwickeln. Die Metallurgie erhielt mit Acmi- cola eine neue Periode. Demohngeachtet war der Einfluß einer größern 'Aufklärung und der Entdeckung einer großen Menge von Thatsachen für die Chemie noch nicht so wohlthätig, als er es hätte seyn können. Das Hirn- gespmnst der Alchemie beschafftigte noch immer die sogenannten Chemisten. Der berüchtigte paracelsus, der an Prahlerei) und lügen alle seilte Vorgänger übertraf, fand noch immer Nachahmer und Vertheidiger. Die glücklichen Euren desselben trugen indessen selbst mit dazu bey, daß man die Chemie mehr auf die Arzneykunde anzuwenden anfing, und mehrere chemisch bereitete Arz- neyen einführte. Man machte in den übrigen physikalischen Wissenschaften mehrere Entdeckungen, die den beträchtlichsten Einfluß auf die Chemie hatten: kurz, man trug im sechözehnten bis zum Ende des folgenden Jahrhunderts die Materialien zu dem Gebäude zusammen, das in neuern Zeiten daraus errichtet wurde. Aureolus Philipp Paracclsus Theophraft Bombast von-Hohenheim. Ioh. Baptist, von-Hclmont. Georg Agricola. Wsrvalo Crollius. Anvr. Eihavuis. Aaziarus Erker. Am. Neri. Zranr Baco von Derulam. Dan. Sennert. Joh. Bcguin. Zacharias Brendel. Joh. Ruv. Glauber. Guerner Rolfinc. Ttto Tacken. Joh. Aoach. Becker. A 5 §. 15. Einleitung. H. rZ. Zu Ende des siebenzchnten Jahrhunderts jrng may an, das Gebäude der Wissenschaft zu errichten, und die verschiedenen aus Erfahrungen und Versuchen gefolgerten Satze und Wahrheiten in ein zusammenhängendes Ganze zu bringen. Aufgeklarte Philosophie, errichtete Akademien und Societaten der Wissenschaften, thatiger Eifer der Liebhaber der Chemie, und Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse unter Künstler brachten die Wissenschaft zu der Höhe, auf welcher wir sie jetzt erblicken.- /-/c?'?«. äs Iierrnetle« ^eg-^ptiorrim veters et?g- rgceliicomm iiova meäieiirg Über. täelmUaä. 1648. 16S9. 4. O/ai äs ortu et xro^reUn cbemlss äiä'ertgtlc). Hgfuige 1668- 4. — läermetiz, ^e^ptiorum st Liremicorum kg» xisntig gb /ke??». gniurgäverlroulbrrs vlaärcats. Hakn. 1674. 4. //c--?». Aoeftlsve äe Irlkkorrg nrtls; in feinen c/iemise. 17Z2. S. 4. ff. Hikkoire äe Ig pkilokopbie bermetigrie, per Xlr. I'^bbs ä« g Ig Hg^e 1742. B. I — III. Z. Ao? ö. äikk. äs primoräiis ckemlge. täpksl. 177Y. 4. unv in seinen ozgtt/c. x/iZ/l c/öe?«ic. k^ok. G. 1.ff. L-urcie?» Itlikorigs clremige meäium keu obkenrunr aevrim a meälo keeulo VII. aä msäinmieenli XVII. täpisi. 17L7. 4. uns in seinen ox«/c. e^eme'c. ^0/. 11^. !U. 1599-8- Einleitung. ^Iciiemi-z. ?rfrt. 1597. 4. recoZnits, emenä. et sucla. ibiü. 1606. l?ol 2) I.ez eleinens 6e Lk^mie äe >l. s. ?aris 1 ^c>8- 12. 161 r. 8- >6, >. 8- 1620. 8. 1624. 8- ä (Zeneve 1624. 8- ä Rouen 162?- 8- 2 l.^c>u 1665. 8- Tg^roeinium cIi)'>11!cum lo, per lei'. Ukr. 16 >8 8- sä. a (?/llc/^'ac!t. tie^romont. 1618. 8- c. utriu5gue uotis emiil. a lo/z. (reo.Cc/r/io/c^o. ^Vit- teb. >6g4. 1650, 8^ not!« perpetuis illulirstum eäente (rer/e. ö/a/10. tXmlieloä. 1659. 12. eäit. suK. ibiä. 1669. 12. z) ^ac/zor. Lrr»cie/ii cir^mis in artig (armam rsäsÄa. len. i6go. l2. 1641. 8- 22mlbeloä. 1672 12. 4) eg elemens cie la pliiloloplüe äe I'art äu 5eu ou clremis äe 1661. 4. '679. 4. lZenev. 1671. 4. k'rkt. 1676. 4. ?rtt. et I.!p5. >6Z6. 4. 6) 5ke7>/i. L/avei courg äe cli^mie. s ?sris 1646. 8- 7) lo. D'a?rc. KiAo»i meäulls elremiae. I.onä. 1658- 8- ^eu. 16Z2. 8 ->uK. I.c>nä. i68.2- 8, 1688- 8- cum nötig st oblervat. Da«. 6-?a?,r. I>. L. 1692- 8- IKorimk. 1718- 8- K) IV/c. ch traite äe la clr^mie. s ?arig Vc>I. I. II. 1660.8. äl.e^äe 1669.12. N. I, II. cours äe Liiimie — per kä. ei» 18. I — V. a ?sr!g 1751. 12. Näc. lc .?ebure chnniisches güldenes Kleinod. Nürnb. 1672/ 8. — chnmischcr Handleiter. Nürnberg 1676. z. vermehrt von Joh. ^.isii. Carsiluccio. Nürnb. 1685. 8. 9) lo. loac/i. Hccc/icri Oeäipus clivmicuz. Z7r5rt. 1664. 12. suA. k-rfrt. 1720. 8- Li».säc?,i I'Ii^iica ludterransa. ?rancof. 1669. 4. eäiä. (reo-. Lr'tt. 6Va/ch. I-ipI. 170g. Z. >738. 4- ZO) Nraite äs Iz cli^mäe, par L/rxi/i. (r/o/er-. s ?gN8 166Z. 8» 1668- 12. ä Lruxeüeg >676. 12. Lbpb. Glasers Hämischer Wegweiser. Jena 1684. 12. 1696. iz. 1710. 12^ ii> » M« im Einleitung. a Paris ^667. F. lVorimlz. zr) Conrz äe ch)'m!s par 7/st^n«k. 1674. 8- a l.e!äe 1672. >2- !2) Lll)'mia plrilol'oplrica, autore Inc. ^lni^/c^ci. 1639. 8- ?z) Zl/c. I.c?«cr>/ cour« äs clt^rnie. ä pari« >6??. 8- 1677. 12. >679-12 1632.8- !6LZ- 3 >687.3. >690.3. 1697. Vol. I. I!. 3. 171?. 8- >7?O. 3. a /tinsterä. 1698. Vol. I. II. 8- ä l^eiäe 1716. 3. i ?Zc>. 8- a Lrnxelles 1744- s- 1747- 8- a ^vixnon 1751. 4. »— nonv. eclit. par ?4r. lznron. 282115 17^6. 4. Iilnrcstm curlus ck)>inicns, lat. verl. a I. L. I)c? elcc^rre. Lenev. 1631. 12. Delselbcn cour« äe ck^mie, oder der vollkommene Chymist. Dresd. 1698. 8- 1705. 8. 171z. 8- 1726. 8. 17Z4. mit Zusätzen von Ioh. Christ. Zimmermann, Dresden 1754- 8- 14) lo./Ic//>.^»»Alcn Clr^mia experimsntali« crrriola. I?ran- col. r68>. 8- >701.4. IZ) Inc. lc Zlo,'» compenclinin cli^miae. I,. p. 1682. 12. elr^mia mellico-pli/iics. I.. p. 1634. 8. — clr^mia rationilm« et experimenli« InperllruÄa. I.. L. i683- 8- 16) Lar. ste Illacrr proäromn« clremiae rational!«. I.. L. 1684. 8- It/Arilc?» clrsmia rational!«, nee non praxi« elrimiatrica ra- tionalis. I.. L. 16L7. 4- 17) Zllc/i. clriinia rational!« ac experimentali« cnriala, cura et stnnptibns lo. /lmr/c/ili. I.. L. 1684. 4- 18) K/rn»/ manncluclio aä cliemiam plrarma- esnricam. I.ips. 1690. 12. 19) 7^ compleat courle ofclmmillr^, k)? t?c. IH//o». lllonä. 1699. 3- 17^0. 8- 1709- 8- l7ZZ. 8- 1746. 8- 20) lo. Co»?-. Lnrc^«/c» p^roloplria lnccincla. I.. 8. 1698- 4. lüttirst. compsnäinm rativcini! clremiei. I.. L. 1712. 8. — elementa p)-'roloplriae. I.. L. 1718- 4- 21) I?. praeleÄiones clr^micae. Oxon. 1704. 8- /nnlieloä. 1710. 3. 1718- 8- 22) vlnlr. I'crcr?«-?«»! clr^mia. lllipl. 1703. 4. 2Z) ar Iclr. ä ?aris ^?2Z. 12. 1736. 12. 28) Loei-Zia^c inllitntiones et experimenta clremiae. I. II. a ?aris 1724. 8- elementa elremiae. I.. N. I7Z2. 1". I. II- 4- I.ipl'. ,732. IV I. II. 8. Herrn Bocrhave Anfangsgründe der Chimie. Halbcrst. 17z 2 — 17Z4. — Leipzig 175z. 8. — Verl. 1762. 8. Mit Aumerk. von I. C. NAcglcb. Verl, und Stettin 1782. 8- 29) I'rt. New inetlroä ob elr)'millr^. I^onä. 172?' ll- — — clr^mlegl leelnres. I^onä. 1734. 8- I^econs äe cli^mie, traä. äs l'anAl. a ?ar!s 1759. 4. Zv) (reo. cü^mia äo^matieo - experimentalis. ttsl. 1727. 8- Zl) 7/er-?«. I rilc!. inllitntiones chemiae äog^ma- ticae et experimentalis Jen. >729. 4. >752. 4. Z2) Lonlheelus elremiae tlreorstico - praÄicae, snÄ. ^o/r. ^»?/cke»-o. ldlal. 1730. 4. I'om. II. 1738. 4- M I II. 1744.4. Lonlpeetns cliemiae tlreoretico - praelieae, vollständige 7tb> Handlung der Chemie. Halle. Th. I. 1749. II. 1750. III. 1753. 4. Llsmens äe clrimie, avec äes Notes par >1. ne a ?ar!s 17Z7. Vol. I—VI. 12. ZZ) lo. F>. Larv/lett/er- elementa elremiae äoA'matico-exxeri' mentalis. Hai. 173Ü. 8. ?rtrt. aä Viaär. 1753- L> 1766. 8- Z4) rCerr-. fnnäamenta chemiae rational!«. I^ixl. et Lnelplr. 1740. 8- ZZ) Casp. Neumanns praeleeliones chemicae, herausgegeben von Ioh. Chrljn Zimmermann. Berlin 1740. 4. Lo/zz. ?4 Einleitung. Llremia meäica äogmatico - experiments» Uz, herausgegeben von <7>risr. . III. 1750. V. II. Th. I. il. 1751. Th. III. IV. 1752. B. III. 1753. V. IV. Th. I. 1754. Th. II. >755. 4. >" clrvmia meäica äogmatico - exgerimentalis. Züllichau. Th. I. 1755. Th. >>. 1 -56. 4. »°- — allgemeine Grundsätze der theoretisch - practischen Chemie. Herausgegeben von I. L. Zimmermann. Dresd. B. I. 175z. B .II. 1756. 4. J6) Reiestr eornle c>t' pracllcsl clremistr^. Ronä. 1746. 8- Z?) /7oK7»s«??I ctivmia rational!» et experlmentalts, Ilvs cotlegium xti^lico - ctremicum cnriolum. I.. ö. 1748- L- Z8) Riemens äs ch^mle tiieoretrgne, var IN. ä?a- rrs >749. 12. 1754. 12. Riemens äs cir^mis pratigns —> a ?ar!s. Vol. I. II. 1751. 12. 1756. t2. Des Herrn Macqners Anfangsgründe der theoretischen Chymie, aus dem Franz. Leipz. 1752. Z. 1768. 8- Anfangsgründe der praetischcn Chemie. Leipz. 175z. 8> 1768. 8. Z9) Änfangsgründe der metallurgischen Chemie, von Chph. tLH- reg. Geliert. Leipz. 1750. 8- 1776. 8. 40) Micron. iRuvolffu vollständige und gründliche Einleitung in die Chemie. Erfurt 175 2.8. 4!) TL ns>v conrls vi ciremilirv, Ii^ AI/L»?'. I.onä. i?54- L> 42) inllitutionez ciremlse. (Zoetting. 1755. 8- R. L. etRips. 1757. g. Rrlrt. et Rinst 1762. 8° 1764.8. >774^8. Ruv. Aug. Vögeln Lehrsätze der Chemie, übersetzt mit Anm. von Joh. Chr. LVieglcb. Weimar 1775. 8- 1785- 8. 4Z) 2lnt. Rivigers systematische Anleitung zur reinen und überhaupt angewandten Chumie. Leipzig 1756. 8 - 44) (Koä. vo^/ie) Institutes of exgerimencai cl,)>in!str^. Ronä. 1759. Vol. I. II. Z. Grundlehren von der Erpcrimentalchemie. Altenburg 17S2. B. I. II. 8. 45) Liiemia gll^iiea, Rärsta Velen. vtzifven ab lo. t?okk/c/i. Stochh. 1759. g. tXnära Veten. I ock l! /ästet- Einleitung. 15 ^fchelninxen, 8toclsti. I?6z. g. III «eli IV ^fchelnin^, Ltoeielr. l/68. 8. Ellremia pk^stca, pars prima, e luec. inlin^. latin. trans!. er lorupletata alz .Auck. lo. (?srr/c/i. //st-//crio. 8tockk. 1760. Z. Der physischen Chemie Erster Theil, aus dem Lat. übers, von Chr. Anvr. Mangolv. Gotha 1761. 8> Zwote Auflage mit Anmerk. von Christ. Ehrcnfr. LDeigcl. Leipz. 178c.. 8. Zwevter Theil, erste und zwote Abtheilung, aus dem Schweb, übersetzt mit Anmerk. von Ctn ist, »LH- cnst-. Lvcigel. Leipzig 1770. 8. Dritte und vierte Abtheilung. Leipz. 1776. 8. 46) lelanuel che Lh/mie, par k^lr. a Paris 1763. 8» 1766. 12. Handbuch der Scheidekunst, a d Franz. des Hrn. Baume übersetzt mir Anmerk. von .'sr. X von Lvasterberg Wien 1774.8. (Himmle experimentale et raikonnee par d4r> Lsnme. a Paris 1773. 8. 1'. I —l>I. Hrn. Anr. Daume erläuterte Erpcrimental - Chymie, aus dem Franz. übersetzt von I. C. Gehler. Leipz. Th. l. >1. 1775. III 1776. 8- 47) Inc. institutiones clremiae. /n-Aentor, 1763. 8> i76ü. 8- Hrn. Prof. Spiclmanns chemische Begriffe und Erfahrungen, verdeutscht von Ioh. -Herm. Pfingsten. Dresd. 178Z. 8- 48) Instituts che clr^mie, ou principes eiementairss äe eetts science, par I^lr. a Paris Vol. I II. 1766. 12. Protestes clizrmigues, rgn^es metliostiguement et stennis —- par ^Ir. a Paris 1769. 8- 49) A.anr» Joh. Dan. t?uecorv Entwurf einer physischen Schci- dekunst. Jena und Leipzig 1769. 8. 50) Joh. Joack. lLangen» Grundlegung zur chemischen Erkenntnis; der Körper, mit Anmerkungen von Jul. Joh. Maoihn. Halle 1770.8. Zl) Llr^miae elementa in aplroristnos äi^esta, a Venet. 1772. 8- Z2) Draite che Chemie, par KIr. Oekorme. a l?aris 1773- 8» zz) Dableau cle !'anal)rse cli^migus, ou procestes chu eours che clrimie che kilr. a Paris 1774 l2. 54) Joh. Gottl. Arugers sE. A. Nieolai) Naturlehre, vierter Theil, welcher die Chemie enthält. Halle 1774.8> 55) Einleitung. 55) Anfangsgründe der Chemie, von Tsdk. Christ. Höhst'. Eerleben. Göttingen 177;. 8- mir Zusätzen von Doh. Christ, lwiegleb. ebend. 1784. 8. 179z. 8. 56) Isterr ist. Ac^e^err pöreiiisirin^iir - lamlaste, ! orstninF stäiste, oelr meci ^lrmeiknlnuar rrtoilve. lstfitala >775. 8> Herrn I. B. Schcster chemische Vorlesungen — gesammlcr, in Oronung gestellt und mir Anmert. herausgegeben von Herrn Prof. und Ritter Corb. Bergmann. Aus dem Schwed. übers, von Cvnst. Ehrenfr. Vr'eige! Greifsw. 1779. 8- 57) Grundriß der reinen und angewandten Chemie, von Christ» Ehrenfr. N7eigci. Greifsw. B. I. il. 1777. 8- z8) lo. t'uiistameuta clremiae. pra^. 1777. st. papiae >730. st. Z9) stlemenz cie elr^mie thec>r!gne etpratigue, resti^ez stanz rrii norrvel oräre st'aprez ies äecouverres mosternes, ponr servir aux eorrrs fnibiigusz ste lVeastemie sts Oison. ä Olson. 1". I II. 1777. I'. l!I >778. >2. Ztnfangsgründe der theoretischen und practischen Chemie, — von den Herren de dlrorvcau, Marct und Pnrande. Aus dem Franz. übersetzt mit'Anmerr.von Conii. Ehrenfr. dDci- gel. Leipz. V. t. 1778- B. u, ill. 1780. 8- 60) 'I'ablesu, ansl^tlczne stez comblnaiivns et stes steeompost- tioiu. cie stiisterentez iubstances, ou prvceäez äe ch^nne pcnar stervir ci'irtteili^ence sts cette icnence; par I.. AroZui.-»'k. a Paris 1778- 8- übersetzt in Hrn. Pfingstens Zdibl. B. il. S. 1 —240. B. 1U. S. i —166. V. IV. S. 1 — 154. 61) ste instituticniez chemiae. Vinstoh. V. l. II. 1778. p. Irl. 1780. 8- 62) Klemens sts LIr/mis — xar idst Astir/ief st?i 1"e?/»er»r. a Vlet?, 1779. 8' 6z) ?oh. Friede. Gmelins Einleitung in die Chemie. Berlin und Stettin 1780. 8- Ebendesselben Grundriß der allgemeinen Chemie. Göttingen 1789. Th. ! ll 8. — — Grundsätze der technischen Chemie. Halle 1786.8. 64) Handbuch der allgemeinen Chemie, von Joh. Christ. NAegleb. Verl. und Stettin. B. >. il. 1781. 8. NeueAufl. 1786.8. 6z) becons elementaires st'riistcnre natiareile et cie d.h^mie. psr Ivlr. ste ä Paris. Voi. I. U. 17L1. L- 'k - Lismens Einleitung. 17 Klemens chllistoire naturelle et äs Chemie, par Idlr. cie cho«rr,-oy. ü Paris 1786- Dom. I IV. ä Paris 1791. D. l — V. g- Des Herrn von Fourcroy Handbuch der Naturgeschichte und Chemie. Mit Anm. von Z. Chr. U?iegleb>. Aus dem Franz. übers, von PH. Hoos. Erfurt. B- l — I V. 1788 - 1791. z. 66) knnclamenta clieiniae tkeorerico - praKicae, polita a )^o. ks?»»er. Liebs. 173z. 3- 67) Nikol. Jos. Edlen von Jacguins Anfangsgründe der medizinisch/practischen Chemie. Wien 178z. <8- 1785.8. 63) Anfangsgründe der ökonomischen und technischen Chemie, von Seo. Ad, Suckow. Leipzig 1784. 8, 1789. 8. 69) Chcmist Haandbog afNicol. Th'chsen. Kiobenh. B. I — III. 1784- 8. Nicol. Tpchscn kurzes chemisches Handbuch. Kopenh. 1787. 8. 70) Carl Goltfr. -Hägens Grundriß der Erperimentalchcmie. Königsberg und Leipzig 1786. 8. 1790, 8. 71) ^nal^be cchemigns et Loncoräance äes trois reines. ?ar kcl. a Paris 1786. D. I — III- 8- 72) Chemischer Lehrbegriff nach Spielmanns Grundsätzen ausgearbeitet, von Ge. Fr. Christ. Fuchs. Leipzig 1787. 8. 7z) Einleitung zur allgemeinen Schcidckunst. Entworfen von Christ. Ehrenfr. rvcigel. Leipzig. I. St 1788. Ii, 1790. III, 179z. 8. 74) Erste Gründe der systematischen Chemie, von Dr. A. I. G. Rarl Dacsch. Jena 1789. 8- 75) Draite elemencaire äe Llrimis, prebente äans un orärs nonveau et ä'apres les äecouvertes moäernes, p^r l81r, kavoiFer. a Paris 178?. 8. L.avoif>er Spstem der antiphlogistischen Chemie. Aus dem Franz. mit Zusätzen von Slgm.Fr. -Hermbstadr. Berlin Th. I. II- 1792. 8- 76) Klemens äe clnmie, per klr. L/raxra/. ä Idlontpelller. Vol. I — III- 1790- 8- I. A. Chaptals Anfangsgründe der Chemie, aus dem Franz. mit Anmerk. von Fr. tvolf. Königsberg. Th. I. 1791. Th. l>. III. 1792. 8. 76) h) Systematischer Grundriß der allgemeinen Erperimental- chemie von Sig. Fr. -Hcrmbstadt. Beel. 1791. Th. l - «II. 8. 77) ilvüh. Nicholsons Anfangsgründe der Schcidckunst. Aus dem Engl, übersetzt vomC. Spohr. Riga 1791. 8. Grens Chemie. 1. Th. D 78) 7L) Sr. 2lv. Richters Lehrbuch der Chemie. Halle 1791. 8. 79) I. L. ?l. Gottlings Versuch einer physischen Chemie. Jena 1792. 8. Zo) Tlnkan^s^runäs äer antiplilogiAikchen Lüemie, von I-erlin I?Y2. 8- 81) Jos. Franz LLdlcir von Jacguin Lehrbuch der allgemeinen und medizinischen Chymie. Th. I. II. Wien 179z. 8- II. Wörterbücher. 1) Oielionnaire äs aontsnaut !a tüeorie et la preti- c^ne äs cette ksienee — zrar dir. ä lArlz 1766. Vol. I. II. III. 12. 2lllgemeine Begriffe derChymie, nach alphabetischer Ordnung, ans dem Franz. übersetzt und mit Anuierk. vermehrt, von R. W-lh. Pärner. Lcipz. 1767. Th. I. II. 1769. Th. III. 8. Dlelionnsirs äs Lü^inie — zoar dir. kec. bäit. S Paris 1773. Vom. ! — IV. 8. und 4. Herrn Per. Jos Macgucr chemisches Wörterbuch, oder allgemeine Begriffe der Chemie, nach alphabetischer Ordnung. Aus dem Franz. mit Anmerk. und Zusätzen von Joh. Gorcfr. Leonhard!. Leipzig. Th. I — III. 1781. Th. IV — V. 1782. Th. VI. 178z- 8- Neue vermehrte Ausgabe. Leipzig 1788 — 179c. Th. I — VII. 8- Neue Zusätze und Anmerk. zu Macguers chvmischcm Wörtcr- buche erster Ausgabe, iion Joh. Gottfr. chconharvi. Leipzig. V.l. 1792. B. II. 179z. 8- .?) rac!ie, von Oüzch. Lerlin 1791. 8- ?) Ver- Einleitung. 19 z) Versuch einer neuen Nomenclatur für deutsche Chymisien, von Ioh. Andr. Schercr. Wien 1^92. 8. 4) Versuch einer französisch-lateinisch-italianisch-teutschen Nomenklatur der neuern Chemie. Leipzig 1792. kl. 8.. z) I. Th. W. Temmlers tabellarischer Versuch einer französischdeutschen Nomenklatur der neuern Chemie. Leipzig 179z. gr. Fol. 6) Neues chemisches Wörterbuch oder Handlericon und allgemeine Uebersicht der in ncucrn Zeiten entworfenen französisch-lateinisch - italiänisch - deutschen chemischen Nomenklatur — von Job. Christ. Neinm-cr. Erfurt 179z. 8. 7) Versuch einer systematischen Nomenklatur für die phlogistische und antiphlogistische Chemie, von (Leo. Eunbke. Halle 179z. 8. 8) Versuch eines Beytrages zu den Sprachbereicherungen für die deutsche Chemie, von Joh. Fr. XVcstrmnb. Hannover 179z. 8- IV. Vermischte chemische V7erke und Sammlungen von Versuchen. 1) rlrsia»-?/ Xi,-c/reri munäus kukterraueus in XII. libroz äi^elkue. V.l. II. ^mkkelaä. 166g. l?ol. 167g. ?ol. 2) ktaz-ri/kse opera omnia. ?raueok^ ,6g2. 4. Ilakn. 1707- 4. z) opera ck^miea, Bücher und Schriften. Frankfurt 16; 8- 4- — — o^zernin cll^mieornm contlnnatio. Frkt. 1659. 4. Llanksrue concentratns. oder Kern der Glaubcrschen Schriften. Leipzig und Breslau 1715. 4. 4) Job. Ioack. Lechers chymischer Glückshafen, oder große chymische Concordanz. Frft. 1682. 4. Halle 1726. 4. Ebendesselben narrische Weisheit und weise Narrheit. Frankfurt 1682. 12. 1707.12. ^o. ^oac/r. LeccNN opuleuls cb^mica rsriorg, per RNch Raesi/rsioisi?-?». Korlmb >7tn Z. Z) Joh. Runkels chymische Anmerkungen. Wittenb. 1677. 8. oblsrvatioiies ch)-mlcae, ist. cloust. a Ka?u/aio. I.c>nä et llnteroä. .-878. > Ioh. Runkel' von Eoroensterns V curiöse chymische Tractät- lein. Frankfurt und Leipzig 1721. 8. B a uo» Doelvee/Mrur LolleKium plr/lico - ck)-Ml- cum experimeutals, oderl.!>boratar!u!n cb)nriicum. Hanr- bürg 1716. 8- Hamburg und Leipzig 1722. z. Hamb, i/zz. 8- Verlin 1767. 8- 6) Ilo/n HoAle opera vorig. (Zeuev. 1677. 4. l6Zc>. 4. DIre Works o5 tlrs Hon. Kol?. öoi//e. Donä. 1744. ?ol. Vol. I — V. '?) 5^- slsac/n?k- t'-eÄstus guingus ineoico - plr^iici. Oxort. 1669. 8- 1674. 8- 8) Lollecksneg cliymica Ie)'äeuiig, colleoüt, Z'iFellit, eäiäit I.»uc u. II. ZÜ84. 4. Deutsch, Jena 1726. g. 9) . L?«. oblervstionos lsleckiores plr^lico-clre» mico-meclicse curiolse. blal. >709. 8- Littrcir?» opulculum clr^mico - obvüco - meäicum. Hol. W-Z- 4- »-» experimenta, oblervstiones, aiumüäverliones LLtü numero, clr^micae et pirz-licae. Uerol. 17ZI. g. lv) )^o. ZrM-ri 6e pl-aenomenis czulkusäsm clreml- co - pli)'llcls äill'ertatio. Lruulu. (1688-) 4- 11) l/?/?. s/ic^/e sÄa et rentomiim cirz-mica. Holm. 1712. 4. cum snnotat. .^0. (?oer/c/e. ^aLeri/. I4olm. l7ZZ. Dom. I. II. 8- 12) s'ricl. oblervotionum pli^llco. clr^micarum leleckiorum U. III. Hal. 1722. 4. 1736. 4. Veiiet. 1749. 4. ^ . iz) I9c?-W. Hocr/raue oxulcula ommz. Ils^. comit. 173g. 4. 14) )ko/t. //-???,'. I8okt exercitationes cb^micae. Lerol. 1738- 4. Li«rei. odlervationum st animaclverlronum clr^micgruru colleKio I. Lerol. 1739. 4. II. 1741. 4. Ebendesselben chymische Untersuchungen von der Lithogeognosie. Potsdam 1746. 4. Berlin 1757. 4. Fortsetzung, Verlin und Potsdam 1751. 4. Zwcyte Fortsetzung 1754. 4. iz) Joh. Friede.'-Henkels kleine mineralogische und chymische Schriften, herausgegeben von Carl Fr. Zimmermann. Leipzig 1744. 4. 16) Chpb. Andr. Mangold chymische Erfahrungen. Erfurt 1748. 4- Desselben fortgesetzte chymische Erfahrungen. Frankfurt und Leipzig 1749. 4- -7) Einleitung. 2 r 17) Chornische Versuche und Erfahrungen, von Joh. Chris?. Bernhard. Leipzig 175;- 8- ig) Ernst Gorcfr. Äturclla's chymische Versuche und Erfahrungen. istes Stück. Berlin 1756. z. 19) Sammlung achthundert und sieden und fünfzig chymischerEr- perimente einer Gesellschaft in dem Erzgebirge. Berlin 1759.8- 20) 1'kc eladorator)- iaick opeu Äoö. OoL/e). Povä. '7SL- 8- Das geöffnete Laboratorium, übersetzt vonG. -H. Ronigsdor- fer. Altenburg 1760. 8. 2te Auflage, von Joh. Christ. Wiegled. Ebend. 178z. 8- 2k) Ie'h. -Heiur. Goul. von Justi gcsammlete chymische Schriften. Berlin und Leipzig. Band I. 1760. II. 1761. III. 1771. 8- 22) Joh. Goctl. Lehmanns physikalisch-chemische Schriften, als eine Fortsetzung seiner Probicrkunst. Berlin 1761. 8. 2g) Chnmische Nebensiunden, abgefaßt von Je». Ge. Modele St. Petersburg (1762.) 8. — Fortsetzung seiner chymischen Nebensiunden. St. Petersburg 1768. 8- — kleine Schriften. St. Petersburg 177z. 8- 24) Andr. Gigm. Marggrafs chymischer Schriften I. Th. Berlin 1761. II. Th. 1767. 8. 2Z) Commercium plnlol'oplkico - teclrnicum; or tlre plrilofo- plrical commerce ok.^rts. Couä. 176Z. 4. Wilh. Eervis Zusammenhang der Künste , philosophisch - pra- ctisch abgehandelt, aus dem Engl, von I. -H. Zieglcr. Zürch. B. I. 1764. B. II. 1766. 8. »- — physisch - chemische Abhandlungen. Berlin 1764. Th. I. II. 8- 26) Ic>. Chcod. Ellcrs physikalisch - chymisch - medicinische Abhandlungen, übersetzt von C. Adr. Gerhard. Th. I. II. Stettin und Leipzig 1764. 8- 27) Iixperrmentol eüä/Z — d)- Oau. ltzonck. 1764. g. 1767. 8- Dav. Macbridc durch Erfahrungen erläuterte Versuche, aus dem Engl, von Conr. Rahn. Zürch 1766. 8- 28) ?oh. Christ. Wicgleds kleine chymische Abhandlungen. Langensalze 1767. 8. — fortgesetzte kleine chymische Abhandlungen. Langensalze 1770. 8. B 5 29) 22 Einleitung. 29) Llls)'8 meäiesl »nä experimeritgl — ov 'I'/iom. F'ck'ck'oa/. Uonä. 17Ü7. Z. >772. 8- Vol. II. 177?. 8- khiioläpInLal, meälcal anä experlmental Lils^z, D/ivm. /'ci'cioal. Uonä. ,776. 8- zo) opul'ctrla meälca stelecla. Coettin^. .768. 4- Oblervationes cbemlcos mllcellze, lub Praest st. ui. plopolitae a A^o. (?0lko/'r st,/o^r. t?oettiiiA. 1768» 4- Zi) )^n. Ana. 5co^ost 0INIU8 I. Instoi lco - naturalis. I.!psti76y. II 17Ü9. III. >7^y- IV. «770. V. 1772. 8- Job. Anron Scopol, Bemerkungen aus der Naturgeschichte. Erstes Jahr, überseht von Fr. Chr. Günthern. Leipzig 1770. 8- Zwevtes Jahr, übersetzt von A.. von MciVlngcr» Wien 1781. Drittes Jahr, von ebendems. Wien 1781. 8- »— — äillärtationcs aä lLteittiam naturalem pertiiieiites. ?. I. UraA. 1772. 8- Z2) Lxamen clr^migue äs äitsterentes stuhltancc8 minerales. par lelr. a Paris ,769. -2. Des Herrn Gage chemische Untersuchung verschiedener Mineralien. Aus dem Franz. mit einigen Anmerk. von Joh. Hek-- niann. Güttingen 1775. 8- —- ülemoirss äs cbimie. par stl. a Paris 177Z. 8. zg) Mineralogische Abhandlungen von Ar. Aug. Carrhcujcr« Gießen 1771. Th. Ii. 177z. 8- Zip) ststcro?/. stiau. aäverstariorum vsri! aiAUmentr liker unus. L. 1771. gr. 4. Des Herrn Hicron. Dav. Gaubiun Entwürfe von verschiedenem Inhalte. Aus dem Latein, übersetzt von A. M. Giefterr, herausgegeben mit Anmerkungen von LVilh. Hemr. Scdast. Vncitholp. Jena 1772. 8. Zz) Obstervationes chemicas et mineralvAicae. ^uA. L/n lF. Cocttin^. 1771. 4. ?- II. (lr>plüsrv. 177-.' 4. Chemisch - tnineralogische Beobachtungen von Christ. Lhrcnfr. VOcigcl. A. d. Lat. übers, und mit vielen Zusätzen vermehrt voll Joh. Theos. P)'l. i. und II. Th. Breslau 1779. 8- z6) Carl Adr. Gerdaus Beytrage zur Chcniis und Geschichte des Mineralreichs. Berlin. Th. I. 177z. Th. II. 1776. 8- Z7) stxperiments anä Odlcrvations 011 clitkerent stinäs ost stir. L/ s^o/r. strn9?/ei/. stonä. 1774. 8- r?75- 8- Vol. II. 177z. Vol. III. 1776. 8. Einleitung. -- Dr. Ioh. priestlcy's Versuche und Beobachtungen über verschiedene Gattungen der Lust. Aus dem Engl. Th. I. Wien und Leipzig 1778. 8- Th. il. 1775». Th. Iii. 1780. 8. Axperimeinü snä V ossrvstloris relslinA rc> vsrious drsirestos ok natura! plstloloplr^. Lv )^o/i A?stc/?7cr/. Aonä. 1779. Vol. II. IlirminFlr. 178^.8- Vol. III. ebend. 1784.8. Dr. Jos. Pricstlep Versuche nnd Beobachtungen über verschiedene Thcile der Naturlehre. Aus dem Engl. Leipzig 1780. 8. B. lt. Wien und Leipzig 1782. 8- Z3) Opulcules pb^liguez et cüz-mlguez. ?ar HIr. Aavo-Fen. a ?arir. D. I. II. 1774. 8- Herrn Kavoistcr phvsikalisch - chemische Schriften. ?l»S dem Frau-,, übersetzt mit Anmcrk. von Christ, ükhrenfr. LVeigel. Greifsmalde. B. 1. 178g. B. II. 1785. B. III. 1785. Aus dein Franz. gesammiet und übersetzt mit Anmerk. von V,. F. F.inli. Grsifsw. B. IV. 1702. B. V. 179z. 8. Zy) Rceusi! äe Dist'ertations xlr^lico-elizmüguez — psrltlr. D-mac/s^. ä Vmst. et ?ails 1774. 8. ^ D'srt äu äesbillateur ä'eaux fortee. s ?aris 177g. kol. Herrn -Ocmack?pA Laborant im Großen. 'Aus dem Fmnzöst mit Zusahen von Sani. -Haynemann. Leipzig. B. I. II. 1784. 8- 40. 0) Joh. Jac. Feeder neue Dcytrage zur Mincralgeschichte vcr^ schiedener Lander. Miclau -778. 8- 40. d) ^ic. s/o/r. inileellsnes suKrisca, sä IZotairr- eam, Llremiam st Historism naturslem Iszsclsirtra. Vol. I.II. Vieun. 178t. 4- A-A/stc?» collsÄsneg sä Ilotsuicsm, Elkemism et Hilioriam. naturalem IpeÄantis.^ Vinäod. Vol. 1-IV. 1786- 17YO. 4. 41) DaiA. oxuseula p>k)-Ilea et cstemica. Vol. ?. Holme läpsal. et TLKone 1779. Vol. II. läplal. 178c?. Vol. III. 178z. 8- (Vol. I — M. Dips. 1786. 8-) Vol. IV. eäiä. Ar?/. Ac?/s. A/eöe»/?rc5r. Alps, 1787«. Vol. V. 1778. Vol. VI. 1790. 8- 42) ?4emoirez cle cd^mie äs I^l. A. /A. 5c^cesc, traä. äu. 8ueäo!s et äs I'tViem. a Oison. ?. I. II. 1785- 8- ticir. (Z«//. .Lr^ec/s opuscula cdemica et pl'./bea, Int. vert. 6osto/7. IA???/c. ä'c/zac/e»-, eäiä. Ar?-, de»/, (ioc?/. //e, bo?-F?-cir. Vol. I. lbips. 1788. Vol. II. 1789. 8- 4Z) Physikalisch - chemische Abhandlungen von Iah» Christ. Ps-» lpk. iTrxkbm, B. I. Leipzig 1776,. L>. V 4 44) -4 Einleitung. 44) Abhandlungen chemischen und physikalischen Inhalts von Hcinr. Hagen. Königsberg 1778. 8. 45) Versuch einiger Beyträge zur Chemie, von Carl Xvill). Nisse. Wien 1778. 8- 46) Oeuvres sie kvl. 7>a/e ck'/Ä»rz>. s Z?srls. T. I. II. 1780. 12. 47) (rorr/c/i. Oilputatiouum aosflemicarum ?.lcieul. I. blolm. st blps. >780. ?ale. II. 1781. 8- 48) Fr. C. Ackiarvs chynüsch - physische Schriften. Berlin 1780 .8. flkbendcsselbcn Sammlung physikalischer und chymischcr Abhandlungen. B. l. Berlin 1784. 8- 49) Richard Rarrvang physisch - chemische Schriften. Aus dem Engl, von D. Toren; Trell. B. I. St. !. Berlin und Stettin 178z. St. ll. 1785. (Unter vem Tircl: Versuche und Beobachtungen über die spezifische Schwere, und die Anziehungskraft verschiedener Salzarten, und über die wahre neu entdeckte Natur des Phlogisrons) V. U. 1785. (auch unter dein Titel: Anfangsgründe der Mineralogie.) B. III. 1788. B. IV. 179z. 8- ZO) I A. vorder physikalisch - chemisches Magazin. Berlin 1780. Tb. l. II. 8. 51) Opul'col! silico - clumlLl 6el Oavsl. A/arF/m dülsno l?8i. 8- 52) Praetische Vortheile und Verbesserungen verschiedener phar- maceutisch - chemischer Operationen, von I. F. A. Gorrlmg. Weimar 178z. 8. 1789. 8- 53) Job- Ingenhoun vermischte Schriften, physisch - mcdicini- schen Innhalts. Ucbersetzt und herausgegeben von Llck'l. Rarl Moliror. Wien 1782. 8- Zwote verbesserte und vermehrte Auflage. Wien. B. I. >1. 1784. 8. L4) OolleKIoir cte memolres Lbz-mlgues et pb^ssgues — pst klr. T. I. g?srlz 1784. 4. Ttuatremere D' Isionvalls vermischte chymische und physische Abhandlungen. Aus dem Franz. Th- I. Leipzig 1785. 8- 55) idlemoires st Oblervstrons cle cbiune par blr. cke cho?/-» g?sr!s 1784. 8> Von Fourcroy's chemische Beobachtungen und Versuche. Aus dem Franz. vonpT. Zb. G. Hcbenfircit. Leipzig 178;. 8- §6) Kleine physikalisch-chemische Abhandlungen von Ivb Fr. U7cftrnmb. H. I. Leipzig 1785. H. II. 1786. B.II. H- k. 1787. H. II. 1788. V- III. H. I. 1789. H- Ui> Hannover 179z. 8. che. Einleitung. 25 lArem!lcbe ^blwnälunAeu von L. I. Hannover i^yg- 8- 57) Physikalisch-chemische Versuche und Beobachtungen von Gig. FricVr. ^ermbstävt. B.I. Berlin 1786. B. II. 1789. 8- 58) äDcnccsl. Job. Gust. Rarsten phvsisch- chemische Abhandlungen. H. I. 1786. H. II. 1787. 8- 59) Pharmaceutisch - chemische Erfahrungen über die neuesten in der practischcn Pharmacie gemachten Entdeckungen und.Ver« besserungen, von I. Easp. Dollfusi. Leipzig 1787. 8- 60) Ueber die ncucrn Gegenstände derChymie, von I. B. Richter. Brest, und Hirschberg 1791. St. II. 1792. St. III. 179z. 8. V. Magazine unv Ionrnale. 1) Sammlung von Natur und Medicin, wie auch hierzu gehörigen Kunst - und Literatur - Geschichten. Als ein Versuch ans Licht gestellt von einigen Breslauischen Medicis. Sommer- quartal 1717. Breslau 1718. 4. Zweyter Versuch, ibiä. eoä. Dritter Versuch, 1719. bis siebenter Versuch, Iliicl. 1720. bis sieben und dreißigster Versuch. Leipzig und Bu- dissin 1729. 4. Acht und dreyßigster Versuch von Anvr. El. Büchner. Erfurth 17Z0. 4. Lupplementum I. gesammlet von Job. Ranolv. Budisilit 1726. 4. — IV. 1729. 4. ^Ulcellaneg plr^lico - mecbco - matüematlca —- gesammlct und herausgegeben von Anvr. El. Büchner. Erstes und zweytcs Quartal -^nn. 1727. Erfurt 17z:. 4. Drittes und viertes Quartal 1727. ilüä. 17z:. — bis.^n. 2750. Erfurt 17Z0. Vollständiges und accurates Universal-Register aller wichtigen und merkwürdigen Materien, welche in denen ehemals durch Herrn D. Job Ranolv von Anno 1717. bis 1726. einzeln nach einander herausgegebenen acht und dreyßig Versuchen und vier orrpplementi» etc. etc. befindlich sind. Von A-stö. Büchner. Erfurt 17z 6. 4. 2) Odlervatlans curieulez l'ur tonte« les partrs« äe la Uliz-li- gne. extraite« et recueillle« cie« meillenre« memoire«, a?gris 1719. 1726. I7go. l2. i''?«- 8- Vol. I — IV. Neue Anmerkungen über alle Thcile der Naturlchrc. Ans dem Franz. Th. I. Kopenhagen und Leipzig 175z. Th.II. 1754. Th. III. 1755. 8- ^ z) Raccolta ci'opnl'coli lcrentürci e lllolo^Ici. D. I. Vene?.. I?Z8> bis D. I.I. 1757. 12. V 5 Kuov» -6 Einleitung. >luova raceolta ä'opu5coli leieutilic! e ülolo--ici. 1°. I. Vene?,. l7zz.— V. XXXII. 1778. 12. 4) Commercinsn iittsraririm aä rei meäicw et leientiae na- tneslis incrementum iullitntuin — unni 17Z1 — ^745- Norlmk. 4. (XV. Vol.) z) Hamüurgischcs Magazin, oder gesammlete Schriften zum Unterricht und Vergnügen aus der Naturforschung und den angenehmen Wissenschaften überhaupt. Hamburg und Leipzig. B. I. 1747. — B. XXVl. 176z. 8- Dreyfaches Univcrsairegisier und Nepcrwrium über die 2 6 Bande des Hamburgischen Magazins. Hamb, und Leipzig 1767. B. I — !!!- 8. Neues Hamburgisches Magazin, oder Fortsetzung gesammlctcr Schriften aus der Naturforschung, der allgemeinen Ctadt- und Land - Ockonomie und den angenehmen Wissenschaften überhaupt. Erstes St. Hamburg und Leipzig 1767. —» 120 St. 17L0. 8- (l — XX. B.) 6) LcleÄa pnz-lico - oeconomlce, oder Sammlungen von allerhand zur Naturforschung und HauShaltuugskunst gehörigen Begebenheiten, Erfindungen, Versuchen :c. :c. Stuttgard. St. l. 1749. — St. XVII. 1756. z. 7) Hannoverisches Magazin. Erster Jahrgang. Hannover 176z. 4. w. f. x) Physikalische Belustigungen. Verlin. 1. St. 1751. — zo St. 1757. 8- 9) Ockonomisch-physikalische Abhandlungen. Leipzig. TH.1.1751. — XX. Th. 1761. 8. 10) Allgemeines Magazin der Natur, Kunst und Wissenschaften. Leipzig. Th. I- i75Z- All. Th. 1767. 8. 11) Vermischte Anmerkungen über einige auserlesene Materien zur Beförderung nützlicher Wissenschaften, entworfen von Carl K.uvcrv. Neucnhahn. Leipzig. Th. l. 1754. — Th. IV. 1756. 8. Lrbendeftrlben vermischte Bibliothek. I. II. Samml. Braunschweig 1758- 1760. 8. 12) Ilecneil äs Xlömoirss ori LolleÄion äe ?!ecsz scaäeml- gnes — par tsu Ivl. V. I. 4. a Oison st tVn- xerre I?Z4- VolleNon gLlläem'raue — V. I. a Oizon, /^uxerre et res 1755- V. XIII. a ?arls et ä AiöZs 1779. 4- iZ) Einleitung» 27 g) Uscueil perioälgus ä'Onlervstionz äs dAsäscine, äs LftlrurAte et äe ?lmrmscle. 1'. I. ä ?ar!s 17Z4. g. — 1", Iii. 1755- IAr Xlr. 'I'. IV. 175Ü. —- IV VII. >757- Journal äe Xlsäecine, Llnr'.trg'ie, I'luir- masle, xar dir. '>". VIII. l^zg. .— N. XVI. 1762. par dir. Xo«.v. "I". XVII. 1762. — AVXI.VI. ^776. (Vonda fortgesetzt ohne kioc/.v Namen.) — 'IV H.XXXI. 1789. f. Sammlung auserlesener Wahrnehmungen aus der Arzncvwis- scnschafc, der Wuudarznei) - und der Apothckcrkuust. Aus dem Franz. übers. V. I. Frankfurt und Leipzig 1757. —> B. IX. 1765. z. Neue Sammlung auserlesener Wahrnehmungen aus allen Thei- len der Arzneznvissenschast. Aus dem Franz. B. I. Strasburg 1766. — B. X. 1775. 8. 4) Dan. Gatts-'. Scbrebcrs Sammlung verschiedener Schriften, welche in die ökonomischen, Policen - und Eameral-, auch andere Wissenschaften einschlagen. Th.I.Halle 1755.— TH.XVI. 1765. 8- Neue Sammlung verschiedener in die Cameralwissenscbaften einschlagender Abhandlungen und Urkunden. Th. I. Dützow und Wismar 1762. — Th. Vill. 176;. 8- Neue Cameraischriften. Th. I. Halle 176z. — Th. XII. 1769. 8- 5) Fränkische Sammlungen von Anmerkungen aus der Natur? lehre, Arznengclahrtheit, Ockonomic, und denen damit verwandten Wissenschaften B. I. Nürnberg 1756. — B. VIII. 1768. 8. 6) Vermischte Schriften aus der Naturwissenschaft, Chymie und Arzueygelahrtheit. St. I. Frankfurt an der Oder 175 ü. — St. VI. 1757. 8- Auch unter dem Titel: Sammlung vermischter Schriften aus der Naturwissenschaft :c. herausgegeben von Fr. Zlcifl. Larcheuscr. Leipzig 176z. 8. 7) Bremisches Magazin. B. I. Hannover 1757. — B. VII. 176z. 8- Neues Bremisches Magazin. V. I. Bremen 1766. — V. IV. 1771. 8) Dresdnischcs Magazin. Dresden. B. I. 1759. B- II. 176;. 8- 9) Gemeinnütziges Natur? und Kunstmagazin. Th. I. Berlin 176z. — Th. III. 1767. 8. Zv) 2 8 Einleitung. zo) Berlinisches Magazin, oder gesammelte Schriften und Nachrichten für die Liebhaber der Arzneywissenschaft, Naturgeschichte und der angenehmen Wissenschaften überhaupt, B. l. Verlin 1765. — B. IV, >769. li. 2>) tZicirnsls ä'Italis, ljzsttants allg 8c!en?,a naturale e pr!u- clpalments all' ^^rlcoltura, alle ^rtl ecl sl Lommerelo. in Veue?-. 1764 4, — I. Xll. 1776. Xluovo tZioruals ä'Italis etc. N. I. in Vene?,. i?77- Italianische Bibliothek, oder Sammlung der merkwürdigsten kleinen Abhandlungen zur Naturgeschichte, Oeconomie und dem Fabrikwcscn. Aus den neuesten ital. Monatsschriften. B. I. Leipzig 1778- B. II. 1779. 8. 2 z) Kleine Abhandlungen einiger Gelehrten in Schweden über verschiedene in die Physik, Chemie und Mineralogie laufende Materien. Aus dem Schwed. B. I. Kopenhagen und Leipzig 1766. B. II. 1768. 8- zz) Stralsundisches Magazin, oder Sammlungen auserlesener Neuigkeiten, zur Aufnahme der Naturlehre, Arznemvisscn- schaft und Haushaltungskunst. B. I. Berlin und Stralsund 1767. 8. B, II. 1776. 8- ?4) Berlinische Sammlungen zur Beförderung der Arzneywissen- schast, der Naturgeschichte, der Haushaltnngskunst, Came- ralwissenschaft, und der dahin einschlagenden Litteratur. Berlin. B. I. 1769. — B. X. 1779, 8- 25) Mineralogische Belustigungen zum Behuf der Chymie und Naturgeschichte des Mineralreichs. B. I. Leipzig 176z. —. B. VI. 1771. 8- 26) Mannichfaltigkciten. Eine gemeinnützige Wochenschrift. Jahrgang I- Berlin 1770. 8- — Jahrgang IV. 177z. Neue Mannichfaltigkeiten. I. Jahrgang. Berlin 1774. —> IV, Jahrg. 1777. 8. Neueste Mannichfaltigkeiten. I. Jahrgang. Berlin 1778. -- IV. Jahrg. 1781. 8. Allerneueste Mannichfaltigkeiten. I. Jahrg. Berlin 1782. -- IV. Jahrg. 178;. 8- 27) Odlervsticiuz lur la?li)Ngue, stur I'Hiftoirs naturelle et stur les -^rts, par ^1. XI, l'/^lilze stcosiei'---- Astedes et eis /a Tlster/zei'ie. N. I. ü I'sriz 177z. — N. XI, II. ,79g. 4. wird fortgesetzt. 28) Der Naturforscher. Halle 1774. St, I, — St. XXVI. 1792. 8, wird fortgesetzt. 29) Einleitung. 29 .29) Beruisches Magazin dcr Natur, Kunst und Wissenschaften. Bern. B. I. St. i. i/75- St. 2. 1777. z. zo) 8ceim äi opuscoli interetkanti. Xlllano. V. I. 1774. — N. XII. 1776.8. vpul'coli l'celti lulle lclen7.e e lulle ort!. N. I. 177g. 4. f. z 1) Magazin für Aerzte. Herausgegeben von iL. G. Baldinger, St. l. 177;. — St. XII. 1778. 8- Neues Magazin für Aerzte. Herausgeg. von E. G. Baldinger. Leipzig. B. I. 1779. lviro fortgesetzt. Medicinisches Journal. Von iL. G. Baldingcr. Güttingen St. I. 1784. w. f. zz) Eor. Crcll chemisches Journal. Th. l. Lemgo 1778. --- Th. VI. 1781. 8- . Ebendesselben neueste Entdeckungen in dcr Chemie. Th. l. Leipzig 1781- — Th. XII. 1784. 8- Auswahl cigcnthümlicher Abhandlungen und Beobachtungen aus den neuesten Entdeckungen. Leipzig 1786. B. I — IV. 8- Ebendesselben chemische Annalen. B. I. Helmstadt und Leipzig 1784. B. I. II. wird fortgesetzt (jahrl. 2 Bande). 8- Ebendesselben Benträge zu den chemischen Annalen. B. k. Helmst. und Leipz. 1786. 8- B. V. 1792. w. f. Ebendesselben chemisches Archiv. Leipzig 178z. B- I. II. 8. ,— — neues chemisches Archiv. Leipzig. B. I. 1784. —» B. VIII. 1791. 8- zz) Sammlungen zur Physik und Naturgeschichte, von einigen Liebhabern dieser Wissenschaften. B. I. Leipzig 1779. —. B. IV. 1792. 8- Z4) Almanach oder Taschenbuch für Scheidekünstler und Apotheker, vom Jahr 1780. Weimar 12. (wirb jahrl. fortgcs.) z;) Allgemein nützliches chemisch - physikalisches Mancherlei). Berlin 1781. Th. I. 8. z6) Neue nordische Beytrage zur physikalischen und geographischen Erd - und VSlkerbeschreibung, Naturgeschichte und Öekouomie. Petersb, und Leipzig. B. I. 1781. — B. VI. 179z. 8. 37) Iah. Ra.jp. Pkil. Elwerts Magazin für Apotheker, Che- misten und Materialisten. B. I. St. 1. Nürnberg 1784. 8. Sc. 2. 1786. St. z. 1787. z8) Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte, herausgegeben von Eickrenberg. B. I —III. Gotha 1781. — 1786. Fortgesetzt von Voigt, B. IV. 1786.— B. VIII. I79Z- 8. (f.) Z9) Einleitung. z?) Bergmännisches Journal, aufs Zahr 1788. Freyberg 8, (wird forlgesetzt, jährlich 12 St.) 40) Libllollisca liiica 61 Iiuroxo, äi I.. Navlll. 1-. I. 178-ch -- V. XX. i?c)r. 8- 41) rXunalss 6e cl^-uiis, vu Necusil 6s Xtsmolrez concer- nsnt !o c!i)'»ne st les .Xrtz, par ctc 6^0,-oes?,, I.«. no//?r?-, Lr^r/ioZ/sr, ctr Is IZaroii 60 Dirrervc/i, et.chirr. 'l". I. ä vaiiz 178c,.'—» V. XV. 1792. 8. 42) souvual 6er l'livlil<, dsrausNSAevsn von O. IV. Lär>'/ L. s. Halls uns 1790. — L. Vtlk. '798- 4Z) Journal der Erfindungen, Theorien und Widersprüche in der Natur - und Arzneywissenschaft. Gotha 179z. St. t — 1X9 fortgcs. z. §- ^7. Die chemischen Schriftsteller bedienen sich öfters gewisser Zeichen, »m damit verschiedene zu untersuchende Körper, oder ihre Bcstandtheile, oder die Operationen selbst, oder die Werkzeuge anzudeuten. Man hat bcy ihrer Anwendung die Bequemlichkeit, abgekürzt zu schreiben und Raum zu ersparen; man müßte sie aber doch nie da brauchen, wo ein Jrrthum, den sie leicht veranlassen, wichtige Folgen haben könnte. Indessen muß mauste, da sie einmal eingeführt sind, kennen lernen, um die Schriftsteller, die sich ihrer bedienen, zu verstehen. Wir werden in der Folge die gebrauchlichsten jedesmal mit bey den Körpern, bei) den Arbeiten oder Werkzeugen selbst anführen, welche durch sie bezeichnet werden. Tiefe Geheimnisse oder große Weisheit hat man nicht Ursach in ihnen zu suchen. Erster Erster Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse zur chemischen Untersuchung der Körper überhaupt. Gleichartige und ungleichartige Theile der Körper. H. l8. ^^ie Körper um uns herum sind aus allerlei) Theilerr zusammengeseht, die durch die verschiedene Art und> -Weise ihrer Verbindung und ihrer Proportion die so große Verschiedenheit in der Natur und in den Eigenschaften jener hervorbringen. Diese mannigfaltigen Theile von einander zu trennen, oder auf unterschiedene Art wieder zu verbinden, und ihre Verhältnisse kennen zu lernen, ist der Vorwurf der Chemie. i.) h- 19- Die Theilung der Körper läßt sich auf eine doppelte Weise bewerkstelligen; entweder in gleickarrige Theile (pm-ws ümiwroz), das heißt, in solche, die dem Ganzen, von dem sie herrühren, so wie unter einander selbst, irr der Natur und Mischung gleich, und nur in der Größe von jenem verschieden sind; oder in üngleicharttge (pso» tes ciillimüarLZ), das Heißt, in solche Theile, die weder dem Ganzen, wovon sie genommen sind, noch sich selbst unter einander in ihrer Mischung gleich sind, die aber irr der gehörigen Verbindung zusammen das Ganze machen. Jene nennt man auch Grundmasten, Thcilganze, ganze Theile, Grgänzungschejle O-mos imsZi-sn- 5 2 I. Abschnitt. Nöthige Voikenntttisse tsz); diese Bcstandtheile, Grundstoffe (partes cvn- iiitutivse). §. 2O. Ein Beyspiel kcmn diesen, zur Erlangung richtiger Begriffe in der Chemie so nöthigen, Unterschied am besten erlanrcrn. Wenn man z. E. Zinnober in ein mehr oder weniger feines Pulver zerstückt, so erhalt man lauter gleichartige Theile des Zinnobers. Das feinste Staubten ist noch Zinnober, wie vorher, hat noch eben die Natur und Mischung, als das Ganze, und ist nur in der Größe von diesem verschieden. Zerlegt man aber Zinnober in Quecksilber und Schwefel, so erhalt man die ungleichartigen Theile, oder die Bestandthcile des Zinnobers, wovon weder Quecksilber, noch Schwefel für sich allein Zinnober sind, die ferner weder diesem, noch sich selbst unter einander, in ihrer Natur und ihren Ei, gcnschaften gleich sind, die aber in gehöriger Verbindung zusammen Zinnober machen. Man kann also niemals die ungleichartigen Theile der Körper von einander trennen, ohne den Körper selbst in seiner Natur und Eigenschaft zu zerstören; da hingegen durch die Thcilung in gleichartige Theile die vorige Natur und Eigenschaften unverändert bleiben. Andere Beispiele giebt Glas, Rüchensal?, Gel, Spiesglan;, «. s. U). H. 2l. Die Verbindung der gleichartigen Theile unter einander zu einem Ganzen heißt die Zujammenhaufung oder Zusämmenfügung (a^rexgtio); die Verbindung von ungleichartigen zu einem homogenen Ganzen hingegen die Mischung oder Zusammenlegung (ftntbells, compnlltio, mixtio). Durch jene erhalt man natürlicher Weise keinen neuen Körper, sondern nur einen der Masse nach vergrößerten und ahnlichen; durch diese aber einen ganz neuerzeugten und verschiedenen. §. 22. zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt, z z 22. Die Theilung der Körper in gleichartige Theile (§. 19.) nennt man die Zccrrennung, oder im eigentlichen Verstände die Theilung, Zerrheilung (ciivilie.); die lingleichartigen Theile (§. 19.) scheider man durch Zerlegung, Zerfcyung, Bcheidung (analvlis, clis- gunbtio ). §. 2Z. Die durch Zerlegung der Körper (§. 22.) erhaltene Bestandtheile (§. 19 ) sind gemeiniglich nicht so einfach, daß sie weiter keine ungleichartige Theile hatten. Wenn sie noch gemischt (mixt») sind, das heißt, wenn sie noch aus andern ungleichartigen Theilen bestehen, so nennt man sie die nächsten Bestandtheile (partes contkitut!» vso proximas, principia proxima); und ihre weitere ungleichartige Theile heißen die entfernter» Bestandtheile lpartes conikitutivasremcitae, principia remota) des Körpers. So sind in dem (§. 20.) angeführten Bepspiele die ungleichartigen Theile des Zinnobers, der Schwefel und das Quecksilber, seine nächsten Bestandtheile, weil sie noch zusammengesetzt sind, und wieder aus andern ungleichartigen noch einfachem Grundstoffen bestehen, welche die entferntem Bestandtheile des Zinnobers ausmachen. Die allerletzten, nicht weiter aus ungleichartigen Theilen bestehende, Grundstoffe der Körper nennt man Uranfänge, Urjioffe, Llemenre (pria- cipia prima, primitiv»; «ckementa). Es erhellet hieraus, inwiefern man die Körper in ganz einfache, zusammengefegte, doppelt zusammengefegte, dreifach zusammengefegte, u. s. w. eintheilen könne. H. 24. Sehr viele Stoffe kann zwar der Chemist nicht weiter in andere ungleichartige Bestandtheile trennen; wir Grens Chemie. 1. Td- ^ lmd Z4 l. Abschnitt, Nölhige Vorkenntnisse sind aber deswegen noch nicht berechtigt, sie für Uran- fange zu halten. Solche, für den Chemisten bis jetzt einfache, Substanzen sollte man nicht gleich imzerleF- bare, sondern nur unzerlegre Stoffe nennen; denn vielleicht erreichen unsere Sinne die wahren Elemente lind die an sich unzerlegbaren Dinge nie. Die über das Gebiet der Erfahrung hinausschweifendcn Spcculatio- nen über die Elemente der Dinge haben das Studium der Natur gar nicht gefordert. Peripatecische Elemente: Feuer, ffufr, Erde, vvasscr. Alchemistifche oder Paracet fische; Mcrcurius, Phlegma, Schwefel, Salx, Erde. Zhccherfchc: vi?asicr, glasacktige Erde (terra prima L.), cnt;ündliche Erde (terra lecuuäa L.), LNcrcurialerde (terra tertia L ). Als unterlegte Substanzen, bey denen wir in der Zergliederung der Körper bis jetzt die Granzen der chemischen AnalysiS finden, sieht die neuere Chemie an: II. Nack dem System vom Sauerstoff: 1. Lvarmestoff (Lalorigue). 2. fflchtstoff (Nuin'ltre). Z. N>afferstoff(llyärvAöue). 4. Sauerstoff(vx^Aöue). Z. Stickstoff (^ots). 6. Kohlenstoff (Larboue). 7. Schwefel (8oukre). L. Stoff der Rochfalffaure (lisäical nwriatigue). 9. Stoff der Flußfpachffuce (ltacjical Nuorigue). 10. Borarsäure Grundlage, 10, Stoffver Boraxfaure (Na 11. Phosphorsäure Grund- boracigne). läge, II, Phosphor (Nbospbore). IL- !. Nach dem System vom Brennstoff: z. Vvarmestoff. Nrcnnstoff, (Basis des Lichts). Z. vvaffcrstoff» 4. Grundlage der ffebens- luft. Z. Galpetersäure Grundlage. 6. Rohlcnfaure Grundlage. 7. Gchwefelfaure Grundlage. L, Salffaure Grundlage. 9. Flußfpachfaure Grundlage. zu? chem. Untersuch« der Körper überhaupt. 12. Riesclerde. iz. Zxalkerde. 14. Talkcrdc. iz. Thon erde. 16, Schrvererde. 17« Zirkoucrde. ig. Torunderdc. 19. Ansicalcröe. 20. Gewächsalcali. 2,. 22. 2Z. 24. 25« 26. 27- 23. 2Y. ZV. Zl. 32. 33- 34. 35- 36. 37. 38« 39. Mineralalkali. Grundlage des G'slvcs. Platins. Silbers. — — G.uccksilbcrs» — — A-leps. Rupfers» — — «Lüsens» Zinns» Zinks. rvismuths. Gpiesglan;es. — — Nickels. Robalrs. Arseniks. — — Drannsteins» Moh'bvaus. Lvolframs. Uraniums. 12. Ricsc!crdc(8ll!ee). iz. Ralkcrdc(Lbaux). 14. Talkerde (ZkzAnells). 15. Tkoncrdc(^lnmlne). 16. Gcbwercrde(lZgr^te). 17. ZirkoncrdeZai^on). ig. Terunderde. 19. Zluskralcrdc. 20. Geroachsalkali s?otaNe). 21. Mii:cralalkal,(8ouge). 22. Gold(L)r). 2g. Platina (Platine). 24. Silber(,->rAent). 2Z. Guecksiiber (lclercure). 26. Vlersploirib). 27. Rupfer (Lui vre). 2g. «Lisen (lCer). 29. Zintt(Utaill). ZO, Zink(^!ne). Zi. Mismuth (kismutli). Z2. Spicsglan^ (^ntimoine). gg. Nickel (dlielc«.!). Z4. Robalc (Lobalt). zz. Arsenik (TXilenie). z6. Braunstcinmctall(I«lgu^a° nel'e). Z7« Molybdän (lvlol^bäöns). Zg. itvolsranimctall('punFllS. ne). Ucanium (Granits). 39 §- 25. Die durch Zerlegung eines Körpers erhaltenen einfacher!, Besiandtheile sind dann nur erst als die richtigen bewiesen, wenn wir durch ihre Zusammensetzung, in dem gehörigen Vcrhältniß, einendem vorigen Körper ähnlichen daraus wieder erhalten. Jenes nennt man die analyristde, dieses die ftnchettsthe Untersuchung. Nicht selten müssen wir uns bloß mir der erster,, begnügen; denn die Zusammensetzungen eines Körpers sind öfters C 2 ein i»i z6 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse ein bloßes Werk der Natur, das voll der Kunst nicht erreicht werden kann. Beyspiele geben: der VVemgeisk, die tDele, das Alm. H- 26. Bey der Zerlegung eines oder mehrerer Körper verbinden sich oft mehrere ungleichartige Bestandtheile derselben zusammen in andern Verhältnissen, als vorher, und machen einen neuen Körper, der bloß der dazu angewandten -Operation sein Daseyn zu verdanken hat. Man nennt ihn einen hervorgebrachten 2xörpcr (pro- clnKum), und unterscheidet ihn von dem ausgeschledc- Nen(eZutlum), der als ein solcher vorher einen Bestand- theil des zerlegten Körpers ausmachte. Es folgt hieraus, daß jedes product ein zusammengesetzter Körper seyn müsse, ein tLducr hingegen einfach seyn könne. §. 27. Die Theilung eines Körpers in seine gleichartigen Theile (§. 19. 22.) geschieher durch sogenannte mechaui» sche Mittel, bey denen er durch äußere Gewalt zcrstückt wird. Man nennet deswegen die Trennung (H. 22.) auch die mechamsche Theilung (divilio meclmmLs), und die dadurch erhaltenen gleichartigen Theile mechanis sehe Bestandtheile der Körper (partes mecdanicae); im Gegensatz der chemischen oder ungleichartigen Theile (partes clismiLae), welche nur durch die im Folgenden vorzutragenden'eigentlichen chemischen Mittel geschieden werden. Aus diesem Grunde nennt man auch die Zers legung (§. 22.) eines Körpers seine chemische Thett lttNZ (äiviüo ckiomlca). H. 28. Die Zusammenhaufung (§. 21.) kann aber nicht immer, wie die Trennung, durch mechanische Mittel bewirkt zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt, z? bewirkt werden. Sie ist keine bloste Nebeneinander? stclluktg der gleichartigen Theile (ein Haufrverb); sondern es wird dazu eine innige Verbindung durch innere Kraft des Zusammenhangs erfordert, die oft erst dann wirken kann, wenn wir die gleichartigen Theile durch chemische Mittel in einen andern Zustand versetzen. Wenn ungleichartige Theile so neben einander liegen, so heißt dies ein Gemenge, das man wohl von dem Ge? mische (§. 21.) unterscheiden muß. Beyspiele g'bm: Mctallfcile, Glaspulvcu u. a., die wir ohne Zllsaminenschmcben nicht zu einem Aggregat bringen können. Gchwcfelvlumcn find ein Haufwerk; mit Eisenfeile zusammen- gericben ein Geineng; für sich allein zusammengeschmolzen eine Slisammenbaufimg; mit Eisenfcile geschmolzen eine Mischung oder Gemisch. Mechanische Theilung der Körper. §. 29. Die mechanische Theilung (H. 27.) der Körper ist zwar kein eigentlicher Gegenstand der Chemie, sie dient aber doch zur Erleichterung mehrerer 'Arbeiten, welche der Chemist zur Untersuchung eines Körpers anstellen muß; und sie muß in vielen Fallen der chemischen Theilung vorangehen. Sie gehört daher allerdings mit zu den Hülfsmittcln, die man zur Zergliederung der Körper kennen lernen muß. §< Zo. Die festen und spröden Körper erfordern nach Verschiedenheit ihrer Beschaffenheit, ihrer Menge und ihrer Anwendung, unterschiedene Mittel zu ihrer Zerstückung. Harte und spröde Körper zerschlägt man entweder mit dem Hammer zu kleinern Stücken, oder man zerstößt C z sie Z 8 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse sie in einem metallenen Mörser mit der Rcule (pickil. tum) zu einem Pulver (pulvis, Z, S- P.), oder man pocbc sie in eigenen Pochwerken, oder zcrmahle sie in eigenen Mühlen a). Zu einem noch fcinern Puloer bringt man kleinere Massen durch das Reiben in Rcibs scbaaien von Achat, Glas, Jaspis, Serpentinstein, Marmor oder Metall, mit einer Keule von eben diesen Materien; und noch mehr durch das L.ävigiren oder Prapariren auf einein Rez'osseinc (lapis !-->evi^grnrius, pnrph^l-ites) mit seinem Käufer (eurlor), von Porphvr, Marmor und andern harren Steinen. s) S. v. Millp's Kunst, das ächte Porzellan zu verfertigen. Taf. IV. 5 i. z. z. §. ZI. Größere Stücke von sehr harten und spröden Körpern zerstückt man dadurch, daß man sie glühend zu wiederholten malen in kaltem Wasser nbiöscbt(>xt:!mu?rt?), da man dann die verkleinerten Stücke auf die vorbeschric- bene Art weiter pulvert. Das Zerstäuben der zu zerstoßenden Dinge verhütet man durch das Verschließen des Mörsers mit dem Deckel, und durch das Anfeuchten der Körper (das aber nicht in allen Fällen anwendbar ist) mit Wasser, Weingeist, Oel u. s. w. Den mit Wasser angemachten Teig der auf dem Reibsteine präparirtcn Körper pflegt man durch Hülfe eines Trichters in kleinen Kegeln auf Papier aufzusetzen, um ihn desto besser zu trocknen. H. Z2. Bey dem Gebranch der (A. zo.) angegebenen Zcr- theilnngsmittel hat man Sorge zu tragen, daß die Werkzeuge sich nicht abnutzen und die Körper verunreinige!!. Mau muß also im nörhigen Fälle dahin sehen, Körper nie in solchen Werkzeugen zu zerreiben oder zu pulvern, zur chem. Uittcrsuch. der Körper überhaupt. 39 die weicher sind, als jene. Zum Pulvern innerer Arz- neymittcl sollten schlechterdings nie messingene Mörser erlaubt seyn. §. ZZ- Zähere Körper des Thier - und Pflanzenreichs bringt man auch nach ihrer Beschaffenheit oder ihrer Bestimmung auf mannigfaltige Weise zu kleinern Stücken oder Pulver. Mau zerschneidet sie entweder mit einer Scheere oder mit dem Schneidemesser, oder man zers hobelt sie, oder zerreibe sie mit einem Reibeisen, oder raspelt sie mit der Feile in dem Schraubstocke, oder zerstampft sie mit Stampfen, oder zermahlt sie auf größern oder kleinem Mühlen von verschiedener Einrichtung, oder pulvert sie auch wol in einem Mörser durch Hülfe anderer zugesetzter mehr spröder Körper s). «) Hiehcr gehört das sonst mehr als itzt gewöhnliche, sogenannte, iLrochiscicc» in der Pharmacie, vermittelst des Tragcmths. H. 34- Metalle zerstückt man bald durchs Zerfeilen, bald dadurch, daß man sie auf einer Drehebank zu kleinen Spanen drehet, bald durchs L.am:mrcn, indem man sie auf dem glatten Amboß mit dem ebenfalls glatten Hammer zu dünnen Blechen streckt, die man hernach mit einer Scheere leicht weiter zerschneiden kann. Einige spröde Halbmetalle lassen sich auch im Mörser pulvern. Hieher gehört auch das Dörnen oder Granuliren der Metalle. Man gießt nemlich das geschmolzene Metall auf einen im Wasser liegenden Besen, oder auf eine mit Dornen überzogene und im Wasser liegende Walze, die bestandig gedrehet werden muß, oder laßt es durch einen durchlöcherten Löffel ins Wasser fallen. Leichtflüssige Metalle, die vor dem Glühen schmelzen, kann man dadurch körnen, daß man sie fließend in eine, inwendig C 4 mit 4v I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse mit Kreide ausgestrichene, hölzerne Aornbüchst gießt, »mV sie darin stark hin und her schüttelt. Verfertigung des Schrats aus Pley. H. zs. Bey allen diesen Theilungsarten (§. ze> — Z4.) der Körper, kann man es nie dahin bringen, daß alle Theile einen gleichen Grad von Feinheit erhielten. Dieser Unbequemlichkeit kann man durch Siebe und DurckscHlaIs abhelfen, vermittelst deren die Pulver oder kleinern Stücke von den gröbcrn und noch nicht klein genug geratheuen Theilen abgesondert werden können. Die Siebe müssen verhältnismäßig so fein seyn, als das Pulver werden soll. Man hat sie daher von Bast, Drath, Pferdehaaren, Flor und feiner Lcincwand. §. z6. Zu eben diesem Zweck dient das Gcblemnien trigtio), wenn die Natur des Körpers die Anwendung desselben gestattet. Es gründet sich darauf, daß schwerere Körper eher im Wasser zu Boden sinken, als leichtere. Man rührt zu dem Ende das fein gemahlene oder geriebene Pulver mit vielem Wasser an, laßt alles einige Augenblicke ruhig stehen, und gießt die von den feiner» Theilen noch getrübte Feuchtigkeit ab, aus der sich dann jene mit der Zeit zu Boden sehen. Die Bodensahe von verschiedenen Zeiträumen sind auch natürlicherweise von verschiedener Feinheit. Diese Arbeit ist nur anwendbar, wenn das Wasser auf den zu schlemmenden Körper keine auflösende Kraft hat. Bettspiele geben: das Schlemmen des Snnrgels, des Blut- sieins, der olnngsche, der Gmglte. §- Z7- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 41 §- Z7- Oft dient diese Arbeit auch, um vermengte fremdartige Theile, dievon verschiedenem eigenthümlichen Gewichrsind, zu trennen. Zm Hüttenwesen scheidet man so die schwercrn metallischen Körper durch das Waschen oder Schlich- fuhren von leichtern Stein - und Erdarten. Die Erze werden dazu vorher trocken zu Stufschlich oder naß zu nassem Schlich gepocht, der aus dem Pochtroge in die Schoßgerinne geführt wird; und hierauf durch Schlem- meu mit Wasser, das mit den tauben, unmetallischen, den Erzen beygemischtcu, Bergen abfließt, zur Schlich gezogen. Dies Waschen kann bey kleinern Erzmasscn in einer Mulde geschehen; bey großer Menge geschiehct es in Schlemmgraben oder auf Wasch- oder plan- heerden, deren Boden mit grobem Zwillig bedeckt ist, und der Abhang sich nach dem eigenthümlichen Gewicht des Erzes und der Geschwindigkeit des herzufließenden Wassers richtet. Hiehcr gehört: das Schlemmen der Kreide, des Thsnes, die Bereitung des dUtramarins aus dem Lasursteine. Z 8. Auf eben die Weise scheiden sich auch flüssige Körper von den, in ihnen schwimmenden, festen, fremdartigen Thcilcn durch die Ruhe; worauf man sie abhcllt (llk-csnti-re) durch Abgießen, oder durchs Abnehmen mir einem Heber oder mit einer Sprüyc. Wenn aber das Setzen zu lange dauert, oder die festen Theile wegen ihrer Feinheit sich zu schwer senken, so jeiher man die flüssigen Körper durch (stltrure, percolsrs). Im Großen gcschiehet dies durch sagen von Stroh in Fässern , deren Boden durchlöchert ist. Im Kleinen nach der verschiedenen Feinheit der Stoffe entweder durch trichterförmiges L.ösch-, Druck-oder Seideupapier, das in einem gläsernen Trichter oder nn Filttttkorbe liegt, C 5 die 42 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse die man auf das Filtrirbrett stellt; oder durch Z.em- A?and und Awillig (cokutorig), die mau über einen hölzernen, mir Stiften versehenen, Rahmen , den Te- nakel (N'en^cu'nm) ausspannt, über welches man bey fcineru Flüssigkeiten auch wol noch Löschpapier legt; oder durch Sacke von eben diesen Zeugen, die, wenn sie unten spitzig zulaufen, msrÜLas lckippoerstiz gcnennt werden. Weißer, ungefärbter, trichterförmiger Filz läßt die Flüssigkeiten zu langsam durch, verschwillt zu leicht, und kann auch nicht so gut wieder gereinigt werden. Die durchzuseihenden Flüssigkeiten müssen nicht so scharf seyn, daß sie die Gcihcwerkzettge zerfressen. Diese reinigt man am besten so, daß man sie durch einen mit feinem und gewaschenem Q.uarzsande augefüllten gläsernen Trichter fließen laßt. Geschmolzene, zähe, harzigte Materien gießt man am besten durch -Hanf, der über ein im Tena- kel ausgespanntes Netz ausgebreitet ist. Mit Schmutz verunreinigtes Quecksilber drückt man zur Reinigung durch j^eder, oder besser, läßt es durch einen gläsernen, in eine ganz enge und feine Rohre ausgezogenen, Trichter laufen, an dessen Wänden der Schmutz hängen bleibt. Die in saftigen Körpern des Pflanzenreichs steckenden Flüssigkeiten trennt man durchs Ausdrücken mit der Hand, nachdem sie in Tücher oder Säcke geschlagen worden sind, oder noch besser durchs Auspressen (exprime- re)'in eignen kleinern oder größern prej^cn (prela). Dies letztere Verfahren findet auch bey den -Velen statt; und man nimmt dabei) gemeiniglich noch äußere Wärme zu Hülfe. §- 39- Um den Rückstand rein zu erhalten, der in den Scihezeugen zurückbleibt, so muß man ihn von den daran hängenden Thülen der Flüssigkeit durch daraufgegossenes kaltes oder heißes Wasser, oder auch in manchen Fällen durch Weingeist, befreym. Diese Arbeit heißt das Aus- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 4? Ausstöße»! (eäulcorsre), und sie unterscheidet sich von dem Auslarmcn (elixivm-s) dadurch, daß man bey diesem hauptsachlich das durch das Seihezeng durchgelaufene zu benutzen pflegt. h. 4O. Zum Klarmachen (clariücatio) solcher Flüssigkeiten, welche schleimigtc Unrcinigkeitcn ilt sich haben, die vermittelst des Durchseihens nicht rein oder bequem abgesondert werden können, und solcher, welche selbst zu dick sind, als daß sie durch die Scihezeuge hindurch gehen sollten, bedient man sich eines andern Verfahrens. Man setzt ihnen nemlich solche Dinge zu, die beym Sieden gerinnen, ohne sich mit denselben zu verbinden, wie z. B. Eyweiß, Blut, Hauscnblasc, in die sich die Unreinig- keicen verwickeln, und obenauf schwimmen, wo diese also mit jenen zugleich weggenommen werden können. Bey mehrern Flüssigkeiten kommen die leichtern Unrciuig- keiren auch schon von selbst wahrend dem Sieden obenauf, und können vermittelst des Schaumlöffels abges schäume werden (üostmmsri). Eigentliche chemische Zerlegung und Zusammensetzung. Chemische Verwandtschaft. §. 41. Die Scheidung der Körper in ungleichartige Thcile (H. 19.), so wie die Zusammensetzung aus ihnen, kann nicht durch äußere mechanische Kräfte geschehen, die nur die Zusammcichaufung, nicht die Mischung der Körper aufheben. Nicht nur die gleichartigen Theile derselben, sondern auch die ungleichartigen, sind durch eine, aller Materie bcywohnende, in der ganzen Natur verbreitete unverkennbare Kraft vereinigt, deren Wirkung wir überhaupt 44 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse Haupt Zusammenhang, ?tnziehung (Lodaefio, ^t. trsSia) nennen. Diese Kraft kann zwar bey gleichartigen Theilen durch äußere mechanische Kräfte überwunden werden, die die Zujammenhättfuncz derselben aufheben; aber diese sind ganz unzulänglich bey ungleichartigen Theilen. Hier kömmt uns vielmehr diese Kraft der Cohäsion selbst zu statten. Denn die Erfahrung lehrt, und wir werden uns davon durch sehr viele Versuche überzeugen, daß die verschiedenen ungleichartigen Bestandteile der Körper gegen einander nicht eine gleich starke Anziehung haben; und daß durch die Verbindung von zwcyen oder mchrern ungleichartigen Theilen nun die Anziehung zu einem dritten aufgehoben werden kann, der vorher einen von jenen stark anzog. H. g2. Man nehme diesemnach an, daß zu einem aus zweyen ungleichartigen Bestandteilen ^ und IZ zusammengesetzten Körper ein anderer Stoff L gesetzt werde, der eine stärkere Anziehung zu ^ habe, als dieser gegen den vorher damit verbundenen L äußert, so vereinigt sich natürlicherweise /r und L zusammen; und wenn nun die Verbindung von diesen keine Anziehung mehr zu IZ har, so wird dieser abgeschieden. Es gehet also hier eure chemische Scheidung und Zusammensctzung^vor; und man stehet hieraus, daß die in den Körpern und ihren Bcstandthei- len sich befindende Kräfte der Anziehung selbst Mittel zur chemischen Theilung und Zusammensetzung werden, die durch mechanische Mittel nicht bewirkt werden können. §- 4Z- Man nennt in der Chemie die Wirkung dieser den ungleichartigen Stoffen in der Natur beywohnenden Kraft, vermöge welcher sie untereinander zusammenhangen, oder sich innigst vereinigen, die chemische Verwandt- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 45 wandrschafc (sKm'ms cllsmiLa); und man schreibt demjenigen Stoffe eine nähere chemische Verwandtschaft mir einem andern zu, als mit einem dritten, der mit jenem sich lieber und genauer verbindet, als mit diesem. So hatte im vorhergehenden Beyspiele A eine nähere oder stärkere Verwandtschaft zu L, als zu L, und zu diesem folglich eine entferntere, geringere, schwäche- re Verwandtschast; und der Körper hatte zu L gar keme Verwandtschaft. §. 44- Wir brauchen uns hier nicht in die Erklärung der Ursache dieser großen Wirkling einzulassen, die außer dem Gebiet unserer Erfahrungskenntniß liegt. Nur die Gesehe, nach denen sie wirksam ist, können der Gegenstand unserer Nachforschung seyn, und diese bleiben für uns immer die letzte Gränze bey der Erklärung der Erscheinungen und der Einwirkungen, welche die Stoffe in ihrer Verbindung untereinander äußern. Ob es gleich im Grunde nur eine und eben dieselbe Kraft ist, die nach Beschaffenheit der Umstände verschiedentlich abgeändert wird; so haben die Chemisten doch mehrere Arten der Verwandtschaft unterschieden, die man um des Sprachgebrauches und der mehrern Deutlichkeit willen kennen lernen muß. H. 45. Man unterscheidet zusammenhäufende Verw andtschaft (atllinlgz sgAre-ßUtornm) und mischende Verwandtschaft (üKrnMZ mlxtioniz, ftnttielüca). Jene ist das Bestreben zur Vereinigung zwischen gleichartigen, diese zwischen ungleichartigen Stoffen, die sich dadurch zu einer homogenen Masse verbinden. Von dieser mischenden Verwandtschaft hat man wieder mehrere Arten unterschieden. 46. lst--. - > l 46 !. Abschnitt. Nöthigs Vorkenntnisse §. 46. 1) Die einfachste Art ist die bloß zusämnienssyetts de Verwandtschaft, wo zwey oder inchrcrc ungleichartige Stoffe sich zu einem homogenen Ganzen verbinden, ohne daß dabey zugleich eine Trennung eines oder des andern Bestandtheils erfolgte. Hieher gehören alle simpele Auflösungen. §- 47- Man kann 2) ferner einen Stoff st, der mit einem andern st wenig oder gar keine Verwandtschaft hat, doch mit diesem vermöge eines dritten L in genaue Verbindung sehen, der mit beiden st und st nahe genug verwandt ist. Genkel hat hierauf zuerst aufmerksam gemacht. Er nannte es eine Aneignung (appropriaiio), und diese Art der Verwandtschaft heißt daher eine aneignende Verwandtschaft (ainnirgz sclinm, spprc>pristu), der Körper k aber, der die beiden andern st und st mit einander vereiniget, das Zwffchenmittc!, das aneignende Vor- wandrschafrsmmel (iMsrMLcilum, Lc>rpu8 uppru- pri-zns). Vcyspiele: st (7 L (Pcl, Ovalst-.-; Haugcnsalr. Schwefel, Master; Eaugensalx. ColV, Scdwcfel; Elsen. 17 lct. cie gp^roprikttwuc. Orssä. 7727.8., und in feinen kleinen inincpal. uns chcm. Sehr. S. 1. §- 48- z) Die Verwandtschaft der Körper dient auch zur Zerlegung derselben. Hicher gehört der §. 42. angegebene Fall, wo ein dritter Stoff sich mit cincm von zwcy verbundeneu vereinigt, und den andern sich abzuscheiden »öthiget. Dies nennt man eine Wahlverwandtschaft, und zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 47 und zwar eine einfache (aftlnims eleKiva ftmplsx), und weil hierbei) immer eine Zersetzung des vorigen Körpers, eine Abschcidung eines Stoffs, und eine neue Zusammensetzung vorgehet, eine zerlegende Verwandtschaft mir enier einfachen Ausämmenstyung (sKmtaz sna- I/tica cum sz'ntkcll ümplici). §. 49- Diese einfachen Wahlverwandtschaften sind die wichtigsten und merkwürdigsten. Ihre Kenntnis ist noch- wendig, um die Erfolge bcy der Verbindung zusammengesetzter Stoffe und ihre Wirkungen aufeinander gehörig bcurtheilen zu können. Erst in der neuesten Epoche der Chemie hat man angefangen, mehrere Erfahrungen hierüber zu sammlen, und Stufenleiter» oder Tafeln der einfachen Wahlverwandtschaften (wsise, mbnws sKnitstum ekeKZvarnm fimplicium) zu entwerfen,worin man die einfachem Stoffe nach ihrer starkern oder geringem Verwandtschaft zu einem Stoffe in einer Stufenfolge ordnet, welches der Kürze wegen auch wol durch Zeichen in Columnen gcschichet. Geofroy war der erste, der um das Jahr 1718 eine solche Verwandtschaftstafcl entwarf, die hernach Geliert, Marherr, Ücrxiebett u. a. mehr erweiterten und verbesserten, bis sie in den neuesten Zeiten Wenzel und vorzüglich Bergmann und Airwan durch ihre Versuche der Vollkommenheit näher brachten. Man ordnet die Stufenleitern der Wahlverwandtschaften entweder so, daß man den Körper, der dem in der Aufschrift erwähnten am entferntesten verwandt ist, zuerst setzt, und hierauf die übrigen, nach ihren Graden der Verwandtschaft, in herabsteigender Ordnung so folgen laßt, daß der später genannte dem in der Aufschrift erwähnten Körper immer näher verwandt ist, als der eher genannte s); oder umgekehrt b). Z, B, a) 48 I. Abschnitt. Nvchige Vorkenntnisse M W d) Scheidcrvaster. 1 Schwerere 2 feuerbeständiges Laugensalz z Kalkerde 4 Talkerde 5 flüchtiges Laugensalz 6 Thonerde 7 Z'"k L Eisen 9 Braunstein ic> Kobalt i i Nickel 12 Vley iZ Zinn 14 Kupfer 15 Wismuth 16 Spiesglanz 17 Arsenik ig Quecksilber 19 Silber 20 Wasser Vablsz ciss älkksrens rzggort5 observös en cbimle entr« cküfereutes lübstances, gar dir. l'aiue; in den Mrwoü'er cke /'acast. ?-«?/. -ker/c. a?/??ee 1718. S. 2O2. ff. überjeyt in Crciis neuem chem. Archiv Ä. I. S. 197. ff. LLlaircilkemsiiz tur la table, coirceruant !es ragports ob- lsrves entrs älcksreuteZ fubstgnces, par dir. I'aine, cbendas. 172-0. S. 20., übers, cbendas. B. Ii. S. 37. ff. Gelleres Anfangsgründe der metallurgischen Chemie. Anchnos M«? äilll 6e akstiiltkite cor- porum. Vinäob. 1762. Z. Phil. Ambros. tlearhcrr chymische Zlbhandlung von der Verwandtschaft der Körper, ans dem Latein, übersetzt von Ernst Gocifr. Balvingcr. Leipzig 1764. 8. Etzlebens 2lnfangsgründc der Chemie. C. F. Wenrcls Lehre von der Verwandtschast der Körper. Dresden l-77. 8- 7onü. LenA?/sa»n cle attrackronibris eleckivstz; in seinen ox/str. 7'/^/ c/st,/ür. ^0/. ü//. S. 291. ff. A. C. Wiegleb Revision der Lehre von der Verwandtschaft der Körper. Erfurts 1780. 4. Rirwans oben (S. 24. Nr. 49.) angeführte Schriften. Hrn. Professor Sacrow's Veras Scheivcrvasser. 20 Wasser 19 Silber ig Quecksilber 17 'Arsenik 16 Spiesglanz 15 Wismuth 14 Kupfer i z Zinn 12 Bley 11 Nickel iO Kobalt y Braunstein 8 Eisen 7 Zink 6 Thonerde 5 flüchtiges Laugcnsalz 4 Talkerde z Kalkerde 2 feuerbestandigesLaugensalz r Schwcrerde zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 49 Versuch einer neuen Bezeichnung der Verwandtschaften der Körper ; i» Creiln ncueiken iLmscck. Tb. IX. S. gz. ff. Von dem Unterschiede der Verwandtschaften auf nassem und trsckilcm Wege in der Folge bey Auslosung und Wevett- schlagung. §- 50. Wir kennen bis jetzt noch kein allgemeines Gesetz, wornach sich diese Wahlverwandtschaften ereigneten, und müssen sie daher bey jedem einzelnen Körper durch unmittelbare Erfahrungen bestimmen. Mehrere Bestimmungen der Grade und Stufenfolge dieser Verwandtschaften sind noch zweifelhaft nnd verdienen genauere Untersuchungen. Ueberhaupt aber, und dies ist ein sehr wichtiger Umstand, andern sich die Verwandtschaftsgrade gar sehr nach der Temperatur, und sind sehr oft ganz anders unter dem Gcfrierpnncte, als über demselben. So z, B. zersetzen sich Kocbjal? und Alaun, Kocdsalr und (ch'pi-. in der Mittlern Temperatur nicht, wohl aber unter dein Gefrierpuuct. H. 5l> 4) Wenn zwey Körper K und IZ, deren jeder ans zwey ungleichartigen Stoffen, K aus s und b>, IZ ans c und cl, zusammengesetzt ist, mit einander in Verbindung kommen, und der Stoff s zu a eine naheie Verwandtschaft hat, als zu h , und die Verwandtschaft von c zu s auch starker ist, als die von c zu cl; so muß sich natürlicherweise a und c zu einem neuen Körper I) vereinigen; wenn nun b und ü auch nicht ohne Verwandtschaft zu einander sind, so treten sie ebcnsalls zu einem neuen Körper s, zusammen. Durch die gegenseitige Vertauschung ihrer Bestandkheile werden also aus den Körpern /c und IZ zwey neue Körper s, und O entstehen. Diese Art der Verwandtschaft nennt man eine doppelte Wahlverwandtschaft oder eine doppelte trennende Grens Chemie. l-TH. ^ Der- -5O I. Abschnitt. Nölhige Vorkenntnisse Vernaandtscdafr (attraktiv Znplsx, slknitaz Lnalyti' ca cum ftutliLÜ ckuplici). Beyspicl: v. G»ps Glaubersalz ^ ^ Vitriolsäure a — c Äalkerde ^ salzsaure Kalkerde v. zz. Kochchlz. schwcfelartiges Kupfer i Zupssrhaltigess Gold l s Kupfer a — c Schwefel ^ i N. > rohes Spiesglanz s Gold d ä Spiesglanz. ü. spiesglauzhaltiges Gold, ch 52. In dem angeführten Falle verhalten sich die Stoffe b und 6 gleichsam nur leidend; aber nicht selten hat n zu c keine größere Verwandtschaft, sondern noch eine geringere, und es würde keine Zersetzung der beiden Körper /V und L, bei) ihrer Verbindung unter einander, entstehen, wenn sich b> und ci nicht auch wirkend erwiesen. Man nehme an, daß die Summe der 'Anziehungen zwischen a und c, verbunden mit der Anziehung zwischen b und (Z, starker ist, als die Summe der'Anziehung zwischen a und b und c und cl zusammen, sv wird ebenfalls die Vertauschung der Vestandtheile der Körper und k, und also eine doppelte trennende Verwandtschaft stattfinden, ohugcachtet s zu c oder d zu 6 nicht so nahe verwandt ist, als a zu d oder d zu n; k> und cl verhalten sich aber in diesem Falle nicht mehr leidend. Bey- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 5 r Bevspiei: O luftsaure Kalkerde s' Ka'kcrde c — -k Luftsäure s s luftsaures Mi- I neralaltali sÄitriolsäurea — - Mineralalkalis L. Glaubersalz. §- SZ- Hiedurch kam; es also geschehen, daß zwcy emsiw chere Stoffe die Trennung derBestandtheile eines andern Körpers hervorbringen können, die sie nicht bewirken könnten, wenn sie einzeln für sich wirkten, weil ihre einzelnen Verwandtschaften zu den Bestandteilen des andern Körpers geringer sind , als die Verwandtschaft dieser Beftandtheile des Körpers unter einander ist. - So würde in den; (§. 52.) angeführten Beyspiele weder e noch ä allein den Körper ^x zersetzen können ; da sie es hingegen durch eine verbundene Wirkung zn ehnn vermögend sind. Es ist wo! gewiß, daß, wenn man hierauf gehörig Rücksicht nimmt, sich noch viele Scheinwider- sprüche bey den Verwandnchaftstafcln heben lassen, indem die mehresicn Wahlverwandtschaften, die man für einfach ansieht, im Grunde doppelt sind; wovon im folgenden Beyspiele vorkommen werden. Rirwan Versuche und Deobachn St. i. S. z8. 5) Wenn ein Stoff .X sich geradezu mit einem ändern L nicht vereinigt, doch aber, wenn man rx erst mit G in Verbindung gesetzt hat, die beide gegen einander eine chemische Verwandtschaft Habel;, sich mit L vereinigt, und zwar eine sv starke Verwandeichaft daün ddacaen zeigt, daß er G wieder von l> abick cket, so nennt mal; dies eine vorbere;m»de Vcrwnlidrschafe («ki-wm« §. .^4- D s 52 l. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse prs^parala); allein es ist hiebcy wol ausgemacht, daß der Scoff/X durch die Vereinigung mitL erst eine gewisse Veränderung erleidet, und einen Bestandcheil verliert, der ihn hindert mit !Z eine Vereinigung einzugehen. Es ist also im Grunde eine einfache Wahlverwandtschaft; und wenn man dies gehörig erwagt, so fallen auch wieder manche Scheinwidersprüche weg, die man gegen die Wahlverwandtschaften gemacht hat. Beispiel: L. c. Salzsaure. Quecksilber. Schcidewasser. Vitriolsäure. Bleu. Schcidewasser. H. 55. Noch giebt es endlich 6) einen Fall, auf den man bisher eben nicht Rücksicht genommen hat, wo nemlich eilt Körper mir zwey andern zusammenverbundencn Stoffen L nnd S eine genaue Vereinigung eingehet, ohn? geachtet er mit keinem von beiden alleilt verwandt ist. Diese Art der compllcirten Verwandtschaft könnte man die ncuerzeugce Verrvandrjchaft (sKalm; prexkucku) nennen, denn sie ist weder eine aneignende (h. 47,), noch eine vorbereitende (H. 54.) Verwandtschaft. Veyspicl: /V. L. L. Gold. Schwefel. Laugsnsalz. ^ ' Schwefclleber. LL. Chemische Mittel zur Zerlegung und Zusammensetzung der Körper. h. 56. Da das ^euer in den Körpern, die man ihm aussetzt, sehr betrachtliche Veränderungen hervorbringt, da es feste Körper flüssig macht, flüchtige Körper verjagt, und zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 5 5 und die in den Körpern steckenden flüchtigen Bestandtheile solchergestalt abscheidet und trennt, da es die entzündlichen Körper verbrennt, und sie in Asche verwandelt; da also durch das Feuer die Mischung der Körper sehr ver» ändert wird, und mancherlei) ungleichartige Bestandtheile abgeschieden werden, so hat man das Feuer von jeher immer als ein vorzügliches rvirkcndes VOerkzeug (in. ikrume-ntmn cb^micum aetivum) zur chemischen Thei- lung und Zusammensetzung (§. 41,) der Körper angesehen; ja einige haben sogar, wiewohl ganz mit Unrecht, das Hauptgeschäft des Chemisten auf die geschickte Anwendung des Feuers zu Zerlegung der Körper eingeschränkt. §- 57. Wenn wir aber die Einwirkungen des Feuers ans die ihm ausgesetzten Körper gehörig untersuchen, so finden wir, daß sie im Grunde auch auf der Verwandtschaft der wesentlichen Theile des Feuers zu den Körpern oder ihren Bestandtheilcn beruhen, und daß folglich die Verwandtschaften die einzigen chemischen Mittel zur Zerlegung der Körper 42.) bleiben, und aus diesem Grunde jeder Körper zu den wirkenden chemischen Werkzeugen gerechnet werden könne. Indessen ist es einmal eingeführt, diejenigen Arbeiten, die steh auf die Wirkung des Feuers gründen, von denen zu unterscheiden, welche auf den eigentlichen unterschiedenen Verwandtschaften der Körper und ihrer Bestandtheile gegen einander beruhen. Die auf beide sich gründende Mittel nennt man chemische Mittel, im Gegensatz der mechanischen (h. 27-.)., Die Anwendungen dieser Mittel zur Zerlegung, oder Zusammensetzung eines Körpers heißen chemische Operationen (opsrstlvoe« cbsmicss) oder processe (proeeÜnz cksmlci). Dz H. 58. 54 l. Abschnitt. Nöchige Vorkenntnisse H- 5 8. Zu der Classe der chemischen Mittel, die sich auf die Verwandtschaften der Korper und ihrer Bcstandrhei- le unter einander gründen, gehört: das Auslösen und Niederschlagen; 5" der andern Ciasse aber, die sich besonders auf die Wirkungen des Feuers gründen: das Schmelzen, Abtauchen, D siUUren, Gublnmrcn. Dies sind die hauptsachlichsten chemischen Arbeiten, die man vorlausig nebst den dazu gehörigen Serarhschafc-n und hVerkzeUgcn (lnppAIex cbemiLtt, imirnmmita, Passiva ) kennen lernen muß. Noch giebt es mancheriey andere Arbeiten in der Chemie, die unter jene Fächer niecht gebracht werden können, und eigene Handgriffe und Gerarhschafcen erfordern, die sich aber am besten bey der Untersuchung der Körper selbst deutlich machen lassen. Auflösung. §- 5?. Wenn ein Körper sich mit einein andern ungleichartigen dergestalt vereinigt, daß sie zusammen eine vollkommen homogene Masse ausmachen, so daß man n'.cht mehr die Theile des einen Körpers von den Thcilen des andern zu unterscheiden vermögend ist, so nennt man dies eine Auflösung, (icssurw, ^tio, Duo). Matt nennt gemeiniglich denjenigen von beiden Körpern, der durch seine Flüssigkeit oder Schärfe, oder auch durch seine Menge hieben vorzüglich wirksam zu scyn, und den andern in seilte Zwischenräume aufzunehmen scheint, das Auflösungsmirrcl oder den auflösenden Zxörpcr (knlvewz, K1>-Mkruum), den andern aber, der sich mehr leidend zu verhalten scheint, den aufzulösenden Körper (ssiv^rMnm), und man sagt von ihm, er werde von jenem aufgelöst (ssivm-r)> Nicht nur die Wirkung der beiden ungletchartigen Körper auf einander, sdn- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 5 5 fondern die neue Zusammensetzung,, die aus beiden ent- stehet, heißt die Auflösting. Beispiele: Salz und Wasser. Zucker und Wasser. Harz und Weingeist. Silber und Scheidcwasser. Kalkerdc und Essig. Pley und Quecksilber, u. a. m. H. 60.. Bey jeder Auflösung wird der Zusammenhang der Theile des aufzulösenden Körpers gänzlich aufgehoben, und dieser wird so mir dem Auflösungönnttel vereinigt, daß sie nun beide zusammen einen vollkommen homogenen Körper ausmachen, und daß auch die besten Vergrößerungsgläser keine ungleichartige Theile mehr darin entdecken können. Es muß also nothwendig eine wechselseitige Anziehung zwischen den Theilen des Auflösungsmittels und des aufzulösenden Körpers stattfinden, welche stärker ist, als die Kraft des Zusammenhanges zwischen ihren gleichartigen Theilcn selbst; oder die Verwandtschaft der sich auflösenden Körper gegen einander muß starker wirken, als ihre respective Cohasion. Von der Art und Weise des Zusammenhangs der aufgelösten Theile unter einander können wir weiter nichts sagen, da sie sich gänzlich unfern Sinnen entzieht. Es ist aber irrig, wenn man, wie gewöhnlich, sich vorstellt, daß die aufzulösenden Körper bloß in zarte Zheilchen zerrissen würden, die auf mechanische Art in die Zwischenräume des Auflösungsmittels aufgenommen , und von demselben fortgetragen würden. Eben so ist. auch der Unterschied zwischen dem Auflösungsmittel und dem aufzulösenden Körper (H. zy.)in der Wirklichkeit nicht gegründet; der letztere verhält sich nicht bloß leidend, sondcrw die Wirkung beider Stoffe auf einander ist wechselseitig. D 4 Die 56 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse Me Hypothese, nach welcher man die Theile des Auflösungs- MittelS die Gestalt von kleinen Keilen oder Spitzen haben läßt, welche in die Zwischenräume des aufzulösenden Körpers eindringen und seine Theile auseinander treiben, bedarf wol keiner weitem Widerlegung. §. 61. Das erste Geseh der Auflösung ist: Zwep feste Körper können sich einander nicht auflösen, sondern es ist vielmehr bey /oder Auflösung nöthig, daß wenigstens der eine Körper sich im Zustande der Flüssigkeit befinde. Im ersten: Falle lst nemiich die Summe der Cohasions- krafte ihrer respectiven gleichartigen Theile größer, als die Summe ihrer Verwandtschaften. Daher muß also erst immer, wenigstens be» Emen: Körper, die Coha- sion seiner gleichartigen Theile in einem so hohen Grade aufgehoben werden, daß er fisissiA sep, ehe eine Auflösung vor sich gehen kann. Schon in der altern Chemie harte man daher den Grundsah: cc>rpni-g non »l-um, «ist üuielu. Selbst zwey feste Körper von gleicher Art können sich nicht unter einander zu einen: homogenen Ganzen vereinigen, wenn sie nicht vorher erst in den flüssigen Zustand verseht worden sind. DieZusammenhau- funghH. 28.) kann daher nicht bey allen Körpern durch mechanische Mittel geschehen. §- 62. Man unterscheidet hiernach Auflösungen auf nass fem Wec^c (folutinnc-z kiumiäge, viu kiumicM ) und AuftojünFen auf rrsc?nem (lolutionk-5 kieess, viu siccu). Beil jenen ist von den"sich auflösenden Substanzen wenigstens Eine schon an und für sich im tropf- barflüssigen Zustande; bey diesen hingegen sind die sich auflösenden Körper an und für sich fest, und müssen erst durch Hülfe des Feuers oder durch Schmelzen in den zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 57 den Zustand der Flüssigkeit versetzt werden, che sie sich auflösen können. Benspiele von Auflösungen auf trocb'ncm Ndege: Schwefel und Pley, Schwefel und Eisen, feuerbeständiges Alkali »nd Kieselerde. §- 6 z. Hieraus erhellet auch, in wiefern sich die Verwandt- schaften der Körner selbst, und alle ihre verschiedene Abänderungen und Arten (§. 4z — 55.) in Verwandtschaften auf nassem und rrocknem Wege eintheilen lassen. Beide Arten muß man sorgfaltig unterscheiden, und eben, weil man diesen Unterschied ehemals nicht genau beobachtete, konnte man viele anscheinende Widersprüche in den Verwandtschaften nicht heben, die wir jetzt zu heben vermögend sind. Freylich ist gewiß, daß man nicht selten etwas einer Verwandtschaft auf trocknem Wege zuschreibt, was mehr Wirkung des Feuers allein ist. Sonst unterscheidet man auch mechanische oder supcrsicielle Auflösungen (tolurionez mecssauicne, lupersicicilez), wobep nur die Zusammenhäufung des aufzulösenden Körpers aufgehoben wird, von den eigentlich chemischen oder wirklichen (ci,Il!c>lut!c>ue5, l'cüurloiies clienilese,, elleutialez), wo die Zusammensetzung oder die Mischung des AuflösungsmittelS oder des aufzulösenden Körpers getrennt wird. Mir scheint dieser Unterschied überflüssig und der Natur der Sache Vicht angemessen zu seyn, weil ben allen Auflösungen doch nur die wirklich untereinander verbuudncn ungleichartigen Theile in Betracht kommen, die es ben den letztern Auflösungsarten auf eben die Art und Weise sind, als ben den ersteren. Die gänchchen oder ravicalcn Auflosungen der Alchemisten (lolutioues I'gä!cc >le8, aloliemlfllcne» siissso!cliic>tesi, woben die Körper so in ihre Elemente zerlegt werden, daß man sie nicht wieder daraus zusammensetzen: könne, ohngeachlet sich alle diese Element? in der Auslösung befinden, enthalten einen Widerspruch in sick selbst. D 5 §. 64. I - lö PI Uj! t» UW 58 I.Abschnitt. Nölhige Vorkenntnisse §. 64. Wir sinken Key allen Auflösungen auf nassem Wege, daß, wenn das Auflösungsmittel durchsichtig ist, auch nach geschehener Auflösung die neue Zusammensetzung durchsichtig bleibt, (wenn sie nicht sonst ihren flüssigen Zustand ändert;) widrigenfalls ist die Auflösung entweder nur unvollkommen geschehen, oder es sind unaufgelöstc- Theile damit vermengt. So nehmen auch die aufgelösten Körper untereinander an ihrer wechselseitigen Natur An- rheil, und die mannigfaltigen Zusammensetzungen der Körper untereinander besitzen ganz andere Eigenschaften, und zeigen ganz andere Verhältnisse, als die einzelnen Theile, woraus sie bestehen. H. 65. Die Verbindung zwcycr verschiedener Korver, die sich aufgelöst haben, ist oft dichter, als sie es der Natur der einzelnen Körper nach scyn sollte, aus denen sie zusammengefetzt ist, oder das Volum der Auflösung ist nicht wehr gleich der Summe der Volume, welche die Körper vor der Auflösung hatten. Manchmal ist das neuentstandene Gemisch auch wol lockerer, als cS der Berechnung zu Folge seyn sollte. Alles dies beweist nicht nur die genaue und innige Vereinigungsart der Stoffe, die sich unter einander auflösen, sondern auch die Verschiedenheit des Gefüges und der Stellung der Zwischenräume, welche die Körper nach ihrer wechselseitigen Auflösung erhalten. Oav, //iUlu ällll äs elllcaclg Mlxtioiüz III inniAnälz eorxoru.m voiumlickbus. I.. L. 1751. 4. H. 66. Die Auflösungen mehrerer Körper gehen mit Geräusch und Aufschäumen vor, das man Aufbrause»! (eiksr» zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 5 9 (okwrvösesmw) nennt, und durch eine häufige und schnelle Entwickelung von luftartigem Stoff hervorgebracht wird. Von dieser Luft darf man nicht glauben, daß sie in dem. aufzulösenden Körper zusammengepreßt gesteckt habe, und durch die Aufnahme derselben in die Zwischenräume des Auflösungsnmtels setzt frey werde, und sich nun als elastische Luft zeige; wir werden in der Folge Gelegenheit haben, zu beweisen, daß sie jederzeit in dieser ihrer Form erst neu erzeugt wird, und mich von demAnf- lösungomittcl wesentliche Bcstandthcilc empfangt. Auch ist dies Aufbrausen kein Beweis von der Gewalt und der H ftigkeit der Anziehung zwischen den sich auflösenden Körpern. H. 67. Wenn ein flüssiges Auflösungsmittel von einem festen aufzulösenden Körper so viel in sich genommen hat, als es nur davon auflösen kann, so sagt man, es sey gcsarnge slaturatum). Hier hat dann die Anziehungskraft des erstern gegen die Theile des letztern ihre Granzen. Nach der verschiedenen Natur derAuflösungsmittel und der aufzulösenden Körper ist die Granze dieser Sättigung sehr verschieden, und in den allcrmehrsten Fallen hangt sie bey einerley Körpern sehr von der Temperatur ab; oder in der Hitze nimmt das flüssige Auflösungsmittel von einerlei) aufzulösendem festen Körper mehr in sich, ehe es gesättigt wird, als in der Kalte. H. 68. Cs ist leicht einzusehen, daß die unterschiedenen Körper nach ihrer verschiedenen Natur auch ganz unterschiedene Aufldsungsmittel erfordern, ohncrachtct sehr viele ein gemeinschaftliches haben können. Die Menge der letzter» ist daher betrachtlich; und eine entstandene Auf- Lösung kann öfters auch wieder ein neues Auflösungsmittel 6o I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse tel abgeben. Im eigentlichen Verstände unauflösbare Körper kennen wir jetzt nicht. Allein die Forderungen der Alehemiften, ein allgemeines Auslösungsmitrel darzustellen, gehört in das Reich der Unmöglichkeiten. §. 69. Ben allen Auflösungen, welche der Chcmist unternimmt, muß er dahin sehen, daß die Gefäße von den Körpern, die sich auflösen, selbst nicht angegriffen werden, und die Auflösungen verunreinigen. Die gläsernen Gefäße entsprechen dieser Absicht in den allermeisten Fallen bey Auflösungen auf nassem Wege. Das grüne Glas schickt sich am besten zu Aufösungen, wobei) viel Hitze erfordert wird, oder zugegen ist; das weiße, wo man die Farven oder sonstige Umstände der Auflösungen beobachten will. Weiches Glas wird von manchen Auf- lösungsmitteln angegriffen, die sonst auf hartes GlaS nicht wirken. Jenes ist daher in diesen Fällen zu vermeiden. Uebrigens müssen die gläsernen Gefäße, die in die Hitze kommen, so viel als möglich, gleichförmig dick seyn, keine nnverglaste Körner oder Blasen, zumal im Boden, enthalten, und nur allmählich erwärmt und er-, kältet werden. §. 70. Die gebräuchlichsten gläsernen Gefäße zu Auflösungen sind die Kolben (cnLurbitae, nimracia); dies sind kugeiförmige Gläser, mit einem kegelförmigen Halse. Man unterscheidet sie in Gcheidckolbcn (c. toparmo- riae), die von einigen Zollen bis zu einem halben Fuß im Durchmesser haben; in gemeine Kolben (c. vul- Kgrk>5), die bis einen Fuß im Bauche weit sind ; m Hers rentslben (c. mgochkrall-5), welche bis zwey Fuß im Durchmesser haben; und in die noch größern Ballons Hder Acerpiemev (rocchiemss, ?xcl^zuis), die aber mehr zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 6r mehr zu anderweitigem Gebrauche dienen, lind wegen ihrer Größe nicht gut gleichförmig erhitzt werden können, und deswegen leicht zerspringen. Sonst bedient man sich auch wol der phlKen (pln-ila«), die sich von den Kolben durch ihren cylindrischeuHals unterscheiden; häufiger aber der bekannten Zuckerglastr, Urmgiaser, und gewöhnlicher cyliudrischer Trinkgläser, oder irdener Töpfe und Pfannen; im Großen wendet man auch zu den Auflösungen metallene Aessel und Pfannen von Eisen, Kupfer, Bleu und Zinn au, wobei) man aber umner auf dle Natur des Aufösungsmittels Rücksicht nehmen muß. Die Auflösungen auf trocknem Wege werden in Schmelzgefaßen verrichtet, von denen in der Folge beym Schmelzen gehandelt werden wird. §- ?r- Die Auflösungen werden befördert, wenn man den aufzulösenden festen Körper, so fein als möglich, zcrstückt. Die Ursach folgt aus dem, was tz. 60. angeführt ist. Ferner befördert man sie auch dadurch, daß man die festen Körper mit ihren flüssigen Auflösungsmitteln eine Zeitlang einer anhaltenden Warme aussetzt; auch durch Sieden; und durch Schütteln oder Bewegen der Mischungen, oder auch durch Reiben. Bey Auflösungen, die gewaltsam geschehen (h. 66.), muß man nur wenig von dem aufzulösenden Körper in das Auflösuugsmittel auf einmal eintragen; und beym Digeriren die Gefäße mehr oder weniger nach der verschiedenen Natur des Auflö- sungSmittcls und der verschiedenen Absicht, die man da- bey hat, verschließen. §. 72- Wir merken hier noch den Unterschied zwischen par? ticller und rsralev Auflösung eines Körpers. Ben der letzter» wird mcht der ganzeKbrper, sondern nur der eine oder 62 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse oder der andere nähere Bestandthcil desselben von dem flüssigen Auflösnngsmittcl in sich genommen, mit Zurück- lassnng der übrigen, gegen die das letztere keine Verwandtschaft hat. Diese partielle Auflösung nennt man auch Ausziehimg (Nxtruetio), Durch Hülfe der Aneignung (ch. 47.) können bey dergleichen Ausziehungen doch Be- standtheile mit in das Auslösungömitrel übergehen, die es sonst nicht für sich auflöst. Mit Unrecht nennt man manche totale Auflösungen der Me- tallkaike Auszicyumger.; z. B. Bleyextract, Eisenertracr. 7Z- Man verrichtet das Ausziehen auf verschiedene Weise, und unterscheidet die Anwendung dieser Operation durch verschiedene Namen. Wenn man den Körper in das dazu schickliche Menstruum in der Kalte bringt, und damit ohne Erwärmung stehen laßt, so beißt es das Emvsetcben oder dNtacorlrcmlVluce-ruuc)); wird hingegen eine maßi- geWarme angewendet, so nennt man eSDkgcnrcn (Ol- gt>tcic>). Eine andere Art des Ausziehens ist das Infun» dwcn (lnücki-), wo man den auszuziehenden Körper mit dem heißen Menstruum übergießt, und dies entweder damit erkalten laßt, oder nach einiger Zeit wieder davon abgießt oder durchseiht. Es findet diese Operation da ihre Anwendung, wo leicht zu entwickelnde auflösliche T heile in dem Körper enthalten sind, besonders aber, wenn diese vom AuftösnugLmirtel aufzunehmende Theile so flüchtig sind, daß sie bey der Anwendung einer mehr anhaltenden Hitze und beym Sieden Verlohren gehen würden. Die ylerdurch erhaltene Ausiöjung heiße ein Äch-guft (lnknt'um). Wenn das Menstruum endlich mir dem auszuziehenden Körper bis zur Stebhitze gebracht wird, so heißt die Operation das Abkocpen ftlwLi-'tlii,, tAui"), und die Auözwhung, die man dadurch erhalt, eine Ab- (chgecortum, Hierbei) verbinden zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 6 z sich mehrere auflösbare Thcile mit dein Auflösungsmittel und in kürzerer Zeit; es werden aber auch die bey der SiedhiHe des Menstruums flüchtigen Bestandtheile zerstreut. §- 74° Eine eigene Ar! der Auflösung ist die Dampfaust- lösimA (8olntill vuporofs), wobey die partielle oder totale Auflösung eines festen Körpers dadurch befördert wird, daß man das Auflösungsmittel durch die Hihe in Dampfe verwandelt darauf wirken laßt. Man unternimmt sie bey flüssigen Auflösungsmitteln am besten in der paplmamsthcn Masclzstle fmgelnim kl Direktor einem walzenförmigen Gefäße aus gegossenem Eisen oder Bronze, dessen Oeffnung eine metallene Platte vermittelst eines dazwischen liegenden Leders durch Schrauben ganz genau verschließt. Die Wirkung des Auflö- sungsmittels auf den aufzulösenden oder auszuziehenden festen Körper wird darin hauptsachlich auch dadurch mit befördert, daß das erstere, weil es eingeschlossen ist, einen höhern Grad der Hihe anzunehmen fähig ist, als in offenen Gefäßen. Bey dein Gebrauche muß mau aber, wie es sich von selbst versteht, kein Auflösungsmittel gebrauchen, das das Metall angreift; und wegen der großen Elastiätat der Dampfe dabe-y Behutsamkeit anwenden. lda manltrs ä'nmolir les os, ou cie tsire euire toutes forte« cles visnäez sir fort peu fln tems, par Xlr. ü üerä. idgr. g. Versuch einer neuen Vorrichtung von Pa- pins Digestvr, von C. tVilke; in Vcn schrvev. Mhansl. B. XXXV. S. z., unv in Lrells neuesten Ukmd. Th. I. S. 8 8. ff. §> 75. Wenn bey den Dampfauflösunaen die durch die Hihe hervorgebrachten Dampfe von einem festen Körper herrühren, so nennt man die darauf sich gründende Arbeit 64 l- Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse bcir das Ccmentiten (cc-mentstin), und die Substanz, welche in der Hitze die Dämpfe hergicbt, das tLcmenrs pulver (cemomtun,^ pulvis cvmentaknrius) mit welchem man den aufzulösenden oder zu scheidenden oder sonst zu verändernden Körper sci?lcktrvclss (ckrnlnm super Kratum, 8. 8. 8.) in der (Lcmentllbückfe (p^xiz csmeuwwri-i) in die Hitze bringt. Dies Gefäß ist walzenförmig, von gutem feuerfesten Thone, nicht glasurt, und mir einem genau darauf passenden Deckel versehen, den man beyin Gebrauch darauf küttet. Sonst nennt man auch überhaupt das Glühen der Körper in verschlossenen Gesäßen, zwischen andern, die sie verändern sollen, eine Lemenracian, wenn auch eben keine Dampsauf- iösung stattfindet. h. 76. Das Zerfließen füsliguium) einiger Salze an der Luft kann wol nicht als eme eigene Art der Auflösung unterschieden werden. Es hat darin seinen Grund, daß das dazu geeignete Salz die Feuchtigkeiten der Luft, die es berührt, in sich nimmt, und endlich darin aufgelöst wird. — Endlich die Auflösung der Metalle in Quecksilber heißt das Verquicken, oder Amalgannren (amal. xammiiz)., und davon wird ui der Folge gehandelt werden. tz- 7?- Die Auflösungen haben in der praktischen Chemie den beträchtlichsten Nutzen darin, daß sie uns neue, aus einfachen: Theilen zusammengesetzte, Körper liefern; daß sie die Körper auch zerlegen und Bestandtheile scheiden, und endlich auch zu ihrer Reinigung von fremdartigen Thülen dienen. Aber auch für die theoretische Chemie sind sie überaus nützlich. Denn nur durch die damit an- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 65 gestellten Versuche lernen wir die Mischenden Der? wandrfchascen der Stoffe untereinander kennen. H. 78. Man hat auch gesucht, aus den Auflosungen der Körper die Stufen der Verwandtschaften zu bestimmen (H. 49.), und die verschiedenen Grade der Anziehungen; und so durch sie ein allgemeines Gesetz für die Wahlverwandtschaften auszusinden. In verschiedenen Fallen findet man wirtlich, daß sich ein gemeinschaftliches Aufiö- sungSmittel mit einem Körper desto schneller vereiniget, se naher es damit verwandt ist, und Herr siOenzel folgert daraus das allgemeine Gesetz: Die Verw andt-- fchaft der 2xö;per m:r einem gemeinschaftlichen Auslöfungsmitccl verhalte sied umgekehrt, w:e die Zewen der Auflösimg. Indessen bestätigt die Erfahrung die Allgemeinheit dieses Satzes keineöweges, wie wir in der Folge erst beweisen können. Herr 2silrwan hingegen zieht aus noch mehrcrn Erfahrungen für mehrere Körper das Gesetz: daß sich die Verwandtschaft derselben mir eurem gemcmlchaftl:cheuAuflöfungss niwrel wie d:e Menge des davon aufgelösten Aörs pers verhalte- Nach diesem Gesetze würde man sehr bequem die Grade und Stufen der Anziehung durch Zahlen ausdrücken können; wenn es nur durchachens und allgemein mit der Erfahrung übereinkäme. Diese bestätigt vielmehr : daß die Anziehung der Aörper gegen cm gcmclnjchafrilches Auflösungsm!lr..'l, und also dw Stufenfolge der einfachen 'Wahlverwandtschaft weder ihrer ctgemhümlichen Dichtigkeit, noch den Zeiten der Auslosung, noch der Menge, m wich cbcr sie aufgelöst werden, entspricht; sondern sich nach der cigenchümlichen HAarur eines jeden ^Körpers richtet, und also jedesmal durch Erfahrung gesiindcu werden muß. Akens Chemie, l. Th> ^ lNkenzels 66 !. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse Vveii5cw Lebre von dcr Vcrwandtsch. derK. S. -8. Rirrraus Versuche und Beob. St. i. Niederschlagung. §- 79- Die Scheidung eines aufgelösten Körpers von seinem Auflösungsmittel, durch Hülfe eines dritten zugesetz- tcn, und zwar in fester, sichtbarer Gestalt, heißt die Nie» dcrschlacznnF oder Füllung (geg. cipirgnn, r^tutio). Wenn nämlich einer Aufösung ^, die ans dem Auflösungsmittel s und dem aufgelösten festen Körper b besteht, ein dritter Stoff a zugesetzt wird, der mit g naher verwandt ist, als b; so wird der Körper cu entstehen, und, wenn dieser keine Anziehung mehr zu b hat, so wird b abgeschieden und frey werden. Das Auflösungsmittel g, das dieser Körper b vorher aufgelöst hatte, ist durch die Verbindung mit c ein neuer gemischter Körper ca geworden, dcr wegen veränderter Natur und Anziehung b nicht mehr aufgelöst erhalten kann; und nun kömmt dieser wieder zum Vorschein. Er sinkt entweder zu Boden, oder er begiebr sich in dcr Mischung obenauf, nach Verschiedenheit seines spccisisehen Gewichts. Nur bloß ein solcher sichtbarer fester Körper allem heißt ein Niederschlag (prgcipitstnm, und zwar im letztem Falle besonders ein Rahm (er^nmr; der Körper c hingegen das Fallungs-oder Niederschlagungvmmel (prus- MMUNS, n^rsnz). Bsyspiel: ^ s a t> Elsig — Kreide, s Laugcnsalz. §. 80. zur chcm. Untersuch, der Körper überhaupt. 67 §. 80. Die Fallung kann aber auch so geschehen, daß das NiederschlagungSmittel c mit dem aufgelösten Körper b naher verwandt ist, als das Auf ösiingsmittel u, und der neu entstandene Körper c b ein solcher wird, gegen welchen n keine oder keine so starke Verwandtschaft mehr hat, der also als ein Niederschlag oder als ein Rahm sichtbar zum Vorschein kömmt. Beyspiel e /V §. 8r. Die Niederschlage geschehen ebenfalls entweder auf nassem TVcgo (pr-ieclpltuNcinez bumiü-w), wenn die zu trennende Auflösung schon an und für sich flüssig ist? oder auf rrocchnem (pruecipitntieme-z sicca-.'), wenn diese erst durch Hülfe des Feuers flüssig gemacht werden muß. Im erstcrn Falle kann der niederschlagende Körper fest oder flüssig seyn; im letztem Falle verstehet es sich von selbst, daß er fest seyn müsse. Beysp. der Niederschlagung auf nassem Wege sind die eben angeführte». — Auf lrock'ncm: Blcuglanz /X. Zede Niederschlagung setzt voraus, daß die Kraft aufgehoben wird, welche die vorher aufgelösten Körper mit einander verband. Dies gesehiehet aber ebenfalls durch eine ahnliche, nur stärkere Kraft, deren Wirkung !l V Elsig Kreide > ck> c >G>)ps. Vitriolsaure Schwefel ->. Bley V. Eisen c. §. 82. E s 68 I. Abschnitt. Notlüge Vorkenntnisse wir Verwandtschaft nennen fH. 4z.). B^y jeder Niederschlagung gehet daher nicht nur eine Trennung, sondern zugleich auch wieder eine neue Verbindung vor; es findet also eine Wahlverwandtschaft (§. 48.) statt; und zwar nicht nur bloß eine einfache, sondern auch eine doppelte, wenn nemlich die bey diesen angeführte Falle stattfinden. Viele Niederschlage, die man gewöhnlich, als durch eine einfache Wahlverwandtschaft bewirkt, bisher angesehen hat, rühren von einer doppelten her, indem feinere Stoffe, als der Grossder LVärme, dabcy wirksam sind, auf die man eben nicht Rücksicht nimmt. Beysp. von Niederschlägen durch doppelte Verwandtschaft siehe oben §. 51. 52. §. 8Z. Da die Entstehung eines wirklichen Niederschlages, d. h. die Abscheidung eines Körpers, der in fichtbarer Gestalt zum Vorschein kömmt (§. 79.), in der That sehr oft nur zufallig ist, und nicht selten sich nach der Menge-des Wassers bey dem Auflösungsmittel richtet; und da der abgefchiedne Körper wegen seiner cigenthümlichcn Natur, bey seinem Freuwerden auch oft soglelch entweicht und verflüchtigt wird oder verdampft: so scheine es mir nicht sonderlich rarhsam zu seyn, daß man hier einen Unterschied macht, wo alles doch auf einerley Gründen beruhet; und daß man den Ausdruck Niederschlagung nur in dem angeführten Falle braucht. Man sollte billig da, wo die Verbindung eines aufgelösten Körpers von einem Auflösungsmittel durch einen dritten Stoff bewirkt wird, entweder dies Wort auch auf die Falle ausdehnen, wenn der abgeschiedene Körper, vermöge seiner Natur, in dem zufälligen Wässerigen des Auflösnngsmittels aufgelöst bleibt, und also nicht sichtbar zum Vorschein kömmt, oder wenn er sich verflüchtigt, und sichtbar oder unsichtbar verdampft; oder noch besser, man follre den allge? zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 69 allgemeinen Ausdruck Sckcidltng einführen. Irrig ist es allerdings, wenn man sich unter Niederschlagung, nach dem angeführten engen Begriff genommen, im Allgemeinen das Gegentheil von Auflösung vorstellt, da es nur eine besondere Art der Scheidung ist, die man besser Gerinnung (cosAukmio) nennen tonnte. H. 84. Man unterscheidet ferner diese eigentlich sogenannte Niederschlage, die ein niederschlagendes Mittel erfordern, von denen, welche ohne dieses von selbst erfolgen. Jene nennt man erzwungene oder gewaltsame fpraecipirg- ticzne-5 cosÄse); diese frcywllitge (p tpomZiw2e),oder falscblicb genannte Z^ledcrscblagungen (p. lpnri'ge). Die letzteren geschehen 1) durch die Wirkung der Kalte, indem die Sättigung vieler Auflösungsmittel nach der verschiedenen Temperatur sehr verschieden ist fH. 67.); oder 2) durch allmähliche Vcrdünstung des Aufiösungs- mitrels; oder z) dadurch, daß ein Bestandthetl der Auflösung verfliegt, der als aneignendes Verwandtschaftsmittel die übrigen Theile verband; 4) oder durch zu große Verdünnung und Schwächung des Auflösungsmittels. Bei? genauerer Untersuchung finden wir aber auch, daß feinere tinsichtbare Stoffe hier in allen diesen Fällen als niederschlagende Mittel wirken, und daß folglich jene Emtheilung unnörhig und falsch ist. Denn im erster» Falle gcschiehet der Niederschlag durch Entweichnng des Warmestoffes, der als ein aneignendes Mittel wirkte. Diese Entweichung beruhet aber auf der nähern Anziehung anderer Stoffe gegen denselben. Im zweyten Falle Verbinder sich eben dieser Stoff mit dem Auflösungsmittel selbst, und verwandelt es in Dunst. Bcym dritten ist mehrentheils die Luft wirksam, die mit dem verfliegenden Bestandtheile näher verwandt ist, oft auch der Warme- E z s>°ff; 70 !. Abschnitt. Nöthigo Vorkenntnisse stoss; im letztern angeführten Falle aber wirkt das zugesetzte Wasser als Niederschlagungömicrcl selbst. §. 85. Nach der doppelten Art, wie die Fallungen geschehen (§. 79. 80 ), sind die erhaltenen Niederschlage entweder ein einfacher Bestandtheil der vorigen Auflosung, oder ein neuer zusammengesetzter Körper; und man kann nach der Wahl des Fallungsmittels einen Körper aus einerley Auslösungsmiccel unter sehr mannigfaltigen Gestalten niederschlagen. H. 86. Zur gehörigen Bereitung der nassen Niederschläge (§. 81-) ist es nöthig, das, die Auflösung vollkommen gesättigt und rein scy, das ste gehörig mit reinem Wasser wrdünnt werde, (wenn sie oder der niederzuschlagende Körper nemach dasselbe zulaßt,) und daß das Failungs- mittel nur nach und nach langsam zugesetzt werde. Man läßt zu diesem Ende das Gemenge nach dem ersten Eintragen des Fallungsmittels ruhig stehen, damit die abgeschiedenen T helle sich absondern, wo man denn zusteht, vb die übrige Flüssigkeit noch weiter getrübt wird, oder man seihet etwas davon durch, und versucht das Durchgelaufene von neuem. Mau muß sich aber auch hüten, mehr von den Fallungsmittcln zuzusetzen, als nöthig ist, Null ste sich oft mit dem gefällten Körper dann selbst von neuem verbinden. Den erhaltenen Niederschlag sondert man nun nach der oben ch zg. angegebenen mechanischen Scheidungsart ab. Die verschiedene Natur der Niederschlage und der Fallungsmittel, so wie die verschiedene Absicht und Menge, ändern das Versahren mehr oder weniger von die'er Vorschrift ab. So muß man auch manchmal das Gemenge erwärmen, um die ganze Menge des gefällten Körpers abzusondern, wenn ihn flüchtige, aus zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. ?! aus dem Fällungsmittcl damit verbundene, Bestandtheile zurückhalten. (§. 84. m z.) h. 87. Wenn wir die Niederschlagung nach der von uns gegebenen Bedeutung nehmen, und also alle Abscheibnn- gen dahin rechnen, welche durch Hülfe eines dritten Körpers aus zwey oder mehr verbundenen geschehen, der abgeschiedene Stoff mag sichtbar oder nicht so zum Vorschein kommen; so tonnen wir sie milden Auflösungen ms die wichngstcn Arbeiten des Chemisicn betrachten. Denn vermittelst derselben werden nicht nur aus natürlichen Körpern Bestandtheile dargestellt und erhalten, und also o,e Natur und Mischung derselben erforscht, sondern es werden auch diese Bestandtheile selbst sehr nützliche Stoffe, die uns in vielen Fällen, theils als Arzneyen, theils als Dinge ungemeinen leben zu statten kommen; ferner werden die abgeschiedenen Stoffe auch durch das Niederschlagen theils oft von andern, ihnen vorher bey- gemischrcn, fremdartigen Theilen gereinigt, theils auch zu ganz neuen chemischen Körpern, deren Natur und Beschaffenheit uns auf die Mischung des vorigen Körpers schließen laßt. Endlich sind sie die vorzüglichste Quelle der Erfahrungen, die Stufen der Verwandtschaften festzusetzen, welche durch die bloße Auflösung kei- ueswegeS bestimmt werden können (§. 78.). Sie sind folglich der Grund zur Bestimmung aller Wahlverwandtschaften» Anwendung des Feuers zur Untersuchung der Körper. Oese». §. 83. Bey der Anwendung der zweyten Classe der chemischen Mittel (§. 58.), die sich hauptsachlich auf die Wir- E 4 kung, 72 I. Abschnitt. Nölhige Vorkenntnisse kung des F uers gründen, ist es natürlicherweise noth- wendig, in den zu unrersuchenden Körpern die gehörige H tze nicht nur h>rvorzubringen, sondern auch gleichförmig zu regieren und zu unterhalten. Als eines Brenn- matnuals bedient man sich nur in wenigen Fallen des Holzes, wegen des Rauches und Russes, den es verursacht, und wegen der ungleichen Hitze, welche es beym Brennen giebt. Die Holzkohlen geben ein gleichförmiges und leicht zu regierendes Feuer, und werden in den mehresten Fällen angewendet. Am besten sind die von hartem Holze, besonders die büchcnen. Sie müssen weder zu klein, noch zu groß semi. Im letztcrn Falle brennen sie zu ungleich und schwachen die Hitze. Am brauch- > barsten sind sie, wenn sie von feuebrer Luft, doch ohne naß zu seyn, durchdrungen sind. Andere Arten der Feu- rung g ben die Steinkohlen, die aber auch die Unbequemlichkeiten des Holzes haben, so wie auch der Tors und die LAohballen, die übrigens zu einem gelinden, gleichförmig zu unterhaltenden Feuer, sehr nützlich zu brauchen sind. Zu diesem Endzweck dient vorzüglich das L.ampenscuer, das man aber besser mit Weingeist, als mit Del unterhalt, wegen des Russes und der Schnuppen, welche dieses macht, wenn man sich dazu nicht der A-gandjÄxn L!.ampe bedienen kann. Die besondere Art der Arbeit muß übrigens in jedem Fall die Vorzüge und den besondern Werth dieser Brennmaterialien bestimmen. Alle diese Feucrungöartcn machen das sogenannte Aücheufcuer aus. Der Gebrauch der Gon- nenrvärme i mlowkin) und die Hitze der durch Brcnn- gläsir und Brennspiegel verdichteren Sonnenstrahlen findet nur zu Zeiten statt. In ihrer größten Stärke übertrifft sie freylich die von unserm gewöhnlichen Küchcnfeucr um sehr vieles; indessen können wir diese jetzt doch auch durch Hülfe der reinen Luft zu einem sehr hohen Grade bringen, und also des Sonnenfeuers um so mehr entbehren. zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 75 H. 89. Um das Feuer gehörig anzuwenden, zu regieren, und es dahin zu dringen, wohin es wirken soll, dienen die Oesett (turni, lürnscas), die das nothwcndlüste und unentbehrlichste Werkzeug des Chemistcn ausmachen, ^chre Bestimmung wacht die Feuerfestigkeit zu ihrem ersten Bedürfniß. Man bauet sie daher aus Backsteinen von feuerfestem Thone und Sande; oder aus andern gu reu Steinen, die starkes Feuer aushalten können, so wie mau sich hauptsächlich im Hüttenwesen des Gestelltem» bedient; oder man macht sie aus gegossenem Eisen oder Eisenblechen, die man theils zum Schutz gegen das Feuer, lheiis der mehrcrn Dicke wegen bcscdläFt, d. h. ihnen einen Uebcrzug giebt, der aus kehm oder Thon mit Kalk und Hammerschlag, oder auch aus Lehm mit Ochsenblur Und Haaren durchknetet, wozu man noch Sand oder Ziegesstemmehl mischen kann, bestehet, und vermittelst der an den Wänden des Ofens angebrachten Stifte oder Haken befestiget wird. §. 90. Ein einziger Ofen kann nicht allen Arbeiten, die man vorzunehmen hat, ein Genüge leisten; ob man gleich auch die wenigsten von allen den Oefen braucht, welche die Chcmisten, vielleicht mit zu vielen Künstclcyen, ausgesonnen haben. Hier kann nur vorerst das Allgemeinere derselben berührt werden, da die Beschreibung derjenigen Oefen, die zu besondcrn, mehr speciellen, Absichren dienen, im Folgenden wird vorgetragen werden. H H Wie man einen Ofen zu verschiedenen Zwecken einrichten könne, davon geben die (l'cscn des Hrn. Aemis und Black Verspiele. S. wcrrls Beschreibung eines beweglichen Ofens ; in seinem Zusammenhange der Künste, Th. l. S. 1. Aug. Chr. Rcuß Beschreibung eines neuen (Blackischcn) chemischen Ofens, Leipzig 1782. 8. ck> F. >fmveno:irgs Anmerk. über Blacks neuen chnmischcn Ofen; im Leipziger Magazin zur Naturkunde 1782. St.z-S.z41. nndSc.4. S.429. E 5 §. yr. 74 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse H. yi. Man bauet dieOefen entweder viereckig oder rund; ferner fesistebend (kui-ni ckkbiws), oder rragbar (f. xurrsnles). Das letztere fällt bey großen Oefen von selbst weg. Das Feuer unterhalt sich in den Oefen aus den Brennmaterialien entweder durch einen natürlichen Luftzug, den es bewirkt; oder es geschieht dies vermittelst eines Gebläses durch Blasebalge. Jene ncnnr man VLllndöfci» (kurni nuemu), diese GebtäsofeN» §. 92. Bey allen Windöfen sind zwey wesentliche Theile: der A-lsexhectd (locus), den nian auch den Böhlens Zzeerd oder Rohlcnjack nennt, oder die Stelle, worauf das Brennmaterial ruhet; und der Ajcbcnhcerd (eins- rsrianch, der die Asche des verzehrten Brennmaterials aufnimmt, die Luft zum Feuer durch das Ascbcnloclz, das mit einer Thüre oder besser mit einem Schieber verschlossen werden kann, zulaßt, und durch den Rost (cra- riculs) vom Feuerheerd abgesondert wird. Dieser besteht aus einer Anzahl glcichweit von einander liegender vier- cckigter Stäbe, die am besten so eingemauert werden, daß ihre Schärfen aufwärts stehen. Ihre Entfernung von einander richtet sich nach dem Brennmatertal, das zur Absicht des Ofens erforderlich ist. §- 9Z- Wenn die zu untersuchenden Körper nicht unmittelbar ins Feuer des Feuerheerdes kommen, sondern oberhalb demselben entweder auf eisernen Stäben, oder in andern vom Feuer zu erhitzenden Gefäßen ruhen, so entstehet ein dritter Raum des Windofens, der Arbeitsort (er»giiulum). In diesem Falle hat der Feuerheerd auch eine Thüre, um die Kohlen einzutragen. Wenn diesen letztern zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 75 letztem der'Arbeitsort ganz zuschließt, so muß er auch Zuglöcher oder lKeZi>ker (tfiiruLulm) haben, die mit Schiebern versehen sind. Ehemals rühmre man die elliptische Gestalt des Fcuerhecrdes; aber aus einer unzeitigen Anwendung der Mathematik: denn sie erschwert das Eintragen der Kohlen, verkleinert den Rost, und bringt die gehoffte Wirkung gar nicht hervor, da das Feuer nicht bloß aus Einem Puucr gegen die Flache Mr., §- 94. Wenn die VOlndofen oben spitzig zulaufen, oder mit einem gewölbten Deckel staube, Dohm, pel, Aappc) (OpvrLnImu) geschlossen werden, und sich oben in eine engere, etliche Schuh lange Zugröhre (cs- minuz) endigen, so heißen sie i^everberiröfett, Streich s oder ^uppclöfcn ( kurni revsrber»). In dem Gewölbe befindet sich auch eine Thürs, zum Eintragen der Kohlen; und in der Zugröhre ist ein beweglicher Tclür, der sie verschließen kann, sehr nützlich. Vermittelst dieses Gewölbes wird das Feuer mehr zusammengehalten , und die Flamme auf das im Ofen liegende Gefäß oder den Körper zurückgeworfen. Es ist beweglich oder feststehend. Um bcy dem Nachlegen der Kohlen nicht so viele Sorgfalt anzuwenden, hat man ein Kohlenbehaitniß in Gestalt eines hohen Thurms, der oberwarts verschlossen ist, und dessen untere Ocssnung nach dem Feucrhecrd des Ofens hingehet, ausgeson- ncn, wodurch immer frische Kohlen dahin gelangen, so wie die erstem verbrannt sind. Man nennt einen so eingerichteten Ofen den faulen -Hein, oder AchanoL (pi--eo I4ein>cu5, f. Iwv li^enriae). Meistens muß der Kchleuthurm mehrere Ocfcn zugleich versorgen. Diese entbehrliche Einrichtung hat die Unbequemlichkeit, daß, man das Feuer nicht in seiner Gewalt hat, und daß er beym Gebrauche immer mehrere Arbeiten, die man vorzunehmen hat, voraussetzt. S. Gcllcvtü Metallurg. Chem. Tafel z. S. iyi. Eine 76 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse Eine andere Art von Streich- oder Ruppelofen im Hüttenwesen sind die, wo das Brennmaterial in einem eigenen Ofen brennt, und die Flamme desselben über den Arbeitsort, ober den Heerd des daneben stehenden Ofens ir einstreichen gcnö- thigt wird, wovon der im Folgenden zu beschreibende Trcch-- oferi ein Beispiel abgeben raun. §- ?5- Die Güte eines jeden Windofens bestehet i) in dem guten Luftzuge; 2) darin, daß er wenig Kohlen zur Feuerung erfordere; z) daß die Hitze gehörig zusammengehalten werde, und nicht zu sehr unbenutzt verlohren gehen könne; 4) daß mau die Hitze eben so leicht verstarken als auch wieder schwachen könne. Der Lustzug entstehet durch die Verdünnung der oberu im Feucrheerdc enthaltenen Luft, vermittelst der Erhitzung durchs Feuer daselbst. Diese steigt nemlich wegen ihres geringeru eigenthümli- chcn Gewichts in die Höhe, und die unrer dem Roste befindliche kältere und dichtere dringt nun zum Feuerheerd hin, blast das Feuer an, und unterhält so das Verbrennen. Wegen des geringem Durchmessers der Zugröhre wird die verdünnte Luft genöthiget, ihren Lauf zu beschleunigen. Das Aschenloch muß zu dem Ende auch die gehörige Weite haben, und der Aschenhecrd nicht zu nahe am Roste liegen. Eigene verengerte Zugröhren an dasselbe anzubringen, ist unnöthig. Das zweyte Erforderniß hangt von dem Luftzuge und dem ganzen Baue, und das dritte von der Dicke der Wände ab, und findet vorzüglich bey Kuppelöfen mehr statt, als bey andern. §. 96. Man verstärkt in den Windöfen die Gluth, rheils durch Vermehrung des Brennmaterials, theils durch Beschleunigung des Luftzuges. Dies letztere geschieher dadurch, daß man die Thür'e des Ascheuhcerds öffnet, die heiße Asche wegnimmt, die Thüre des Feuerhcerds und der zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 77 der Klippcl schließt, die Register aufmacht und Zugröhren aufsetzt, und auch wol noch Blasebälge anbringt. Durch Verminderung des Luftzuges, also durch Vcr- schließung des Aschenlochs, der Register und der Zug- röhren, vermindert man die Hitze und unterdrückt pe. §- 97- Die Geblaseofm (§. yi.) sind einfacher als die Windöfen, und der Aschenheerd, Feuerheerd und Arbeitsort, ist bey ihnen auch gewöhnlich ein und eben derselbe. Ihre Bestimmung macht mehrere Verschiedenheiten derselben norhwendig, die wir in der Folge anführen werden. Die Blasebälge sind gewöhnlich von Lieder, im Großen auch von Holz. Die erster» müssen doppelt seyn, und ohne Absatz wirken. Man vermehrt ihre Wirkung durch darauf gelegte Gewichte. Von den hölzernen, da sie einfach sind, sind zwcy zugleich an einem Ofen angebracht, lim so durch eine wechselseitige Wirkung eben dies auszurichten. *) Das sogenannte Cylmder-Geblase ist eine Erfindung neuerer Zeiten. Auch durch sogenannte Wassetttommeln kann ein Geblase bewirkt werden. 5) Beschr. davon s. in Schlüters Unterricht vom Hüttenwerk, S. 52. Tafel VI. I.. (?. H. 55) Iamcs Stirlinq Beschreibung einer Maschine, Feuer durch den Fall des Wassers anzublasen; aus den xbllob. BrsnO Vol. 4z. S. ziz. übersetzt in Crells neuem chem. Archiv B. z. S. 81. L.ewi-5 Zusammenhang der Künste, B. i. Th. i. S. 4Z7. IV»! cie veninnm memll!» c-urim sxooKione, Vlnäob. 1780. 4. Vol. I. S. 17. T. 51. Des Hrn. Marquis von Perouse Abhandlung über die Eisenbergwerke und Eisenhütten in der Grasschaft Foix. Aüs dem Franz. von G. Rarsien. Halle 1789. S. ,28 ff. Taf. II. III. §- 98. 78 !. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse §. ?8. Die verschiedenen Arten der Windöfen, thcils solcher, welche der Cheimst zu Untersuchungen braucht, thcils derjenigen, welche bey 'Ausübung dieser oder jener chemischen Arbeit im Großen dienen, und zu besonderer Bestimmung eingerichtet sind, können wir hier nicht der Reihe nach erwähnen, sondern nur vorerst i) den ge- VRndofen oder den .emfacben Gfcn (kurnuz ckiAelbarniz, b. anoniiuz bmplsx). Er besteht bloß aus dem Feuerheerde und dem Aschenheerde. Nur bey diesem letztern ist eine Oejfnung mit einer Thüre nothwendig, indem man die Kohlen durch die obere Oeffnung hineintragt; doch ists wegen anderer Bestimmung dieses Ofens rathsam, wenn der erster? auch eine Thüre hat, die man bei? dem Gebrauche als einfachen Windofens frcylich verschlossen läßt. Er ist gewöhnlich cylindrisch und von Eisenblech; sonst auch prismatisch und von Backsteinen. Er dient dazu, daß man die im Feuer zu untersuchenden oder zu behandelnden Körper entweder bloß, oder in Gefäßen, mitten zwischen die brennenden Kohlen bringt. Das Kohlenbecken mit emem Roste stellt gleichsam diesen Wmdofen lm Kleinen vor. §- 9?. 2) Den Anpessofen (knrnns cgtim), welcher entstehet, wenn die obere Oeffnung des vorigen mit einer Capelle (cstiims, cstinum) geschlossen ist. Diese Kapellen sind cylindrische Gefäße mit einem nach außen convexen Boden, von Eisenblech, sonst auch wol von gegossenem Eisen, von Kupferblech, oder von Thon. Sie haben einen nach außen umgelegten Rand, und gewöhnlich einen kreisförmigen Ausschnitt an der Seite, der auch einen solchen Rand haben muß. Sie machen den Arbeitsort des Ofens aus, und theilen die Hitze, die zur chsm. Untersuch, der Körper überhaupt. 79 die sie unmittelbar vom Feuerhecrde erhalten, dem in ihnen enthaltenen Gefäße mit, dag man nicht bloß ins Feuer bringeil darf, wie z. B. bey Digestionen in gläsernen Gefäßen. §. lO0. Man kann den einfachen Windofen zum Kapellofen einrichten, wenn man zur Erhöhung deö Feuerheerdes noch einen, verhältnismäßig hohen, eisernen Rmg, der ebenfalls mit einem kreisförmigen Ausschnitte an der Seite versehen ist, wenn die Kapelle einen hat, auf denselben so legt, daß er genau anschließt; auf welchem die Kapelle vermittelst ihres Randes ruhet. Der Feuerhccrd muß in diesem Falle eine eigene Thüre zum Eintragen der Kohlen haben (h. Y8-); und in dem Rande der Kapelle werden die Zuglöcher am besten angebracht. Sonst muß man auch nach der Größe der Gefäße Kapellen von verschiedener Weite haben, die auch wieder eigene Oefen erfordern, in welche sie passen. .Vortheilhafte Einrichtung dieses Kapellofens s. in VOcigels chemischen Mineral. Veovachc. Th. 2. S. uz. Tafel 1. ft 1. 2. Z. 4- §. lor. Die gläsernen Gefäße, mit denen in die Wärme oder Hitze zu bringenden Körpern, werden aber nicht in die leere Kapelle gestellt, sondern, um sie gleichförmig zu erhitzen, wird diese nm einem andern fein zertheilten festen Körper angefüllt, in welchem die Gefäße ruhen. Diese Anstalt nennt man ein Bad (bslneum). Die gewöhnlichste Materie dazu ist der Sand, und die damic angefüllte Kapelle heißt das Gandbad (b. srsnss ^.). Der Sand muß fein gesiebt, rein, trocken und O.uarz- sand sei)m Grober Sand erhitzt nicht gleichförmig. Dieses Sandbad ist das bequemste von allen, und zureichend alle Grade von Warme, bis zum Grade des Glühens, anzubringen. Vor Zo I. Abschnitt. Nöthiee Vorkenntnisse Vor dem Gebrauche dos Tbcrmometers suchten die Chemisten mehrere Stoffe hervor, womit sie die Kapellen füllte», um den gehörigen Grao oer Warme gleichförmig zu machen; und daher rühren noch die Benennungen des llfci)e>>dac>en b, ci- ueruin), des zsellw^iMasc i, wenn inan die Kapelle mit ge- siebter Asche oder Eisenfeilfpaneu anfüllte; ferner des Mili- basea fVenter eguinus), des rvcinrrelrcrbaven G- v uz- ceorum), wenn man die Gesäße in die Warme des faulen oen Mistes oder der gahrenden Weintresiern jlcllte; deren Gebrauch aber mit Nechc abgeschafft und ganz cnrbchrüch ist. §. 102. Wenn hingegen die Gfäße durch heißes oder siedendes Wasser erhitzt werden, in weichem sie stehen, so heißt das ein Wajserbad oder kNarlcnbad (buin. lVlu- rias, maris, L. ivi. ein Dampfbad ( b. vgpo- rZz, äA.) hingegen, wenn die Dampfe des siedenden Wassers das Gefäß erhitzen. Zum Wasserbade kann man einen Kessel mit Wasser gefüllt, der statt der Kapelle dient, und auf den vorigen Windofen ( H. c,g.) gestellt wird, gebrauchen, worin die Gefäße auf einem Strohkranze stehen, die man nicht unmittelbar ins Feuer bringen darf, und die man auch wol mit einem bleyernen Kranze beschwert, um sie zu befestigen und niederzuhalten. Es ist gerade nicht nöthig, daß der Kessel mit einem Deckel geschlossen sei), der alsdann in der Mitte ein Loch haben muß, um den Hals des Kolbens oder der Phiole herauszulassen. Zum Dampfbade schickt sich diese Vorrichtung besser, wo man Gefäße auf einen Dreyfuß so stellt, daß das Wasser sie im Sieden nicht berühren kann, sondern nur die Dämpfe dieselben erhitzen. §. ioz. Da das Wasser, wenn es an frcycr Luft siedet, nur einen bestimmten Grad von Wärme anzunehmen fähig ist, so gicbt das Wasserbad ein zuverlässiges Mittel ab, diesen zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 8 : diesen Grad gleichförmig anzubringen; besonders dient es bey Dingen, die sonst in der H'tzeso leicht brenzlicht werden; und überhaupt zu allen Graden der Wärme, die unter dem Siedepunct ist. Das Dampfbad wirkt schon ungleicher und unsicherer; ob es gleich einen höhern Grad von Hitze dadurch anzunehmen vermag , daß man den Dampfen den Ausgang versagt. Es ist durch das Sandbad ganz entbehrlich, das überbaupt kür alle Arten von Arbeiten hinreichend ist, die man nicke im freyen Feuer vornehmen darf. Diese beide Arcen von Badern heißen übrigens nasse Sader (b>. bumiün); im Gegensatz der vorigen Sand-, Aschen- und Feillpanbäder 101.), welche trockene (b. sicca) genennt werden. Statt der Kapellen zum Sandbade kann man übrigens auch eiserne oder irdene Pfannen, Töpfe und Tiegel (Tlenclbad) anwenden. Das Gel- und Gnockwbei'baV sb. ole', sind ebenfalls unnSthig unc überflüssig. Ucberdem ist jenes wegen des Aufstcigens und Anbrenncns des Oeies gesa rlich, dieses wegen des Vcrdampfens des Quecksilbers der Gesundheit nachtheilig. So kann man auch des von Komin empfohlenen leichtflüssigen Metallgemisches aus gleichen Theilen Zinn und Ble», und doppelt so vielem Wismuth zum chemischen Bade entbehren, das ohnehin sich so leicht in der Hitze in Kalk verwandelt. §. 104. Die Starke des Feuers, oder die relative Menge tzer Warmethcilchen, laßt sich am besten durch diedadurch bewirkte Ausdehnung der Körper erkennen. Bei) geringem Graden werden daher die Tkcrmcmercr sehr nützliche Werkzeuge für den Chemisten, um einen bestimmten Grad von Warme zu unterhalten; aber um die stärkere Hitze zu messen sind die Pyrometer, die wir jetzt haben, noch sehr unvollkommene Werkzeuge. Unter allen Pyrometern verdient das von Hrn. XVedgewood vorgeschlagene den Vorzug. Erens Chemie, i. Th. E kllstlost 82 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse ?b!1os. Msickact. Vol. I.XXII. Gütlingisches Magazin, Zahl,'- gang III. St. 2. S. ziz. §. 105. Qhngeachtet der Unzulänglichkeit der gewöhnlichen Bestimmungsart der Hitze in ihrer größern Stärke hat man doch folgende fünfGrade des Feuers angenommen, und sie mit besondern Namen belegt, die man wissen muß, wenn man die Sprache der Chemisten ganz verstehen will. Der erste Grad oder der Digestionegrad geht ohngefähr vom 4often bis zum y6sten Grade nach Fahrenheits Thermometer oder bis zur natürlichen Blur- wärme. Der zrveyte Grad, oder der Destillations- grad, vom 9üsten Grad dieses Thermometers bis zum 2i2ten Grad, oder bis zum Siedepunct des Wassers. Diese beiden Grade können wir durch unsere gewöhnlichen Thermometer messen, und durchs Wasserbad (H. 101.) recht gut anbringen. Der dritte oder der Sublimat tions-, Cemenrarionsgrad ist zwischen 212 bis 6oo Grad Fahrenheits, und reicht also bis zum Siedepunct des Quecksilbers. Durch Verlängerung der gewöhnlichen Scale und Röhre des Thermometers kann auch dieser noch gemessen und in? Sandbade erreicht werden. Bcy dieser höchsten Stufe werden die Gefäße bis zur braunrothcn Glühung gebracht. Der vierte oder der Schmelzgrad, Glasofen- und Reverberirgrad reicht von 6oo Grad bis zum 1500 Grade des Fahrenheiti- schen Thermometers, oder bis zum Schmelzen des Roheisens. In seiner größern Stärke glühen die Gefäße weiß, und man sieht leicht, daß die Bestimmung dieses Grades nach Fahrenheits Thermometer nur willkührlich sey. Für« den fünften und letzten Grad rechnet man endlich die noch größere, durch die größten Brennspiegel und Brenn- glaser, so wie auch durch reine!uft, bewirkte Hitze. Schmes- zur chem. Untersuch der Körper überhaupt. 8 z Schmelze n. §. io6. Das Feuer dehnt alle Körper ohne Unterschied auch und man sieht auch daher diese Ausdehnung als den sichersten Maasistab der relativen Menge des Feuers an. Bey festen Körpern kann diese Ausdehnung in der Hitze so weit gehen, daß sie flüssig werden, das heißt, daß ihre gleichartige Thcile so wenig zusammenhangend sind, daß sie bei) ihrer ganzlichen Trennung keinen merklichen Widerstand mehr thun, und Verschiebbarkeit in einem hohen Grade erhalten Diese Wirkung des Feuers auf feste Körper, nennt man das Schmelzen lk„s,n, "Z'in); und man sagt von einen, durchs Feuer flüssig gemachten Körper in diesem Zustande, er sey »m Flusse, oder er fließe, er schmelze. §. 107. Zum Schmelzen wird also erfordert, daß der Zusammenhang der gleichartigen Theile der festen Körper in einem ziemlich hohen Grade aufgehoben werde. Dies laßt sich aber nicht anders denken, als durch die Dazwi- schenkunft eines andern, selbststandig flüssigen, expansiven Stoffes, durch dessen Erpansivkraft der Zusammenhang derTheilchen des festen Körpers in einem so hohen Grade aufgehoben wird, als zum Flüssigseyn erforderlich ist. §. 108. Wenn man erwagt, daß die Kraft der Cohasion der Grundmassen verschiedener fester Körper größer oder geringer ist, daß die Anziehung der Theile der Körper zum Warmestoff eben so wenig sich nach einem allgemeinen Gesetze richtet, als zu andern Stoffen, und sich dann eine richtige Vorstellung von der Art und Weise macht, wie die Schmelzungen geschehen; so darf man sich nicht F s wum 84 l» Abschnitt. Nölhige Vorkenntnisse wundern, daß einige Körper ein geringeres, andere ein stärkeres Feuer zum Schmelzen erfordern. Jene nennt man leichtflüssig, diese strengflüssig, schwerflüssig; und man belegt das Schmelzen der erstem auch wol mit dem Namen des Zcrlassins oder Zergehen» (liguo- LnÄio). Uebrigens hat man bis jetzt noch keine feste Grenzlinie zwischen Lcichtflüssigkcit und Strengflüssigkeit bestimmt, und beide sind in Beziehung auf einen gewissen FeuerSgrad nur relativ. §. 109. Merkwürdig ist es, daß verschiedene Körper, besonders die mehresten Metalle, schnell und auf einmal schmelzen, da andere, wie die Fette und Harze, und un ter den Metallen das Eisen und die Platina, erst verschiedene Stufen der Consistenz durchgehen, ehe sie in den flüssigen Zustand kommen. Einige Metalle erfordern einen glühenden Zustand, ehe sie in Fluß kommen, andere nicht. Ferner schmelzen manche schon zusammengeschmolzene Mischungen leichter, als ein jeder der Körper, woraus sie bestehen, einzeln für sich thut. Ein Veyspicl hicvon gicbt das Rose'schc Metallgsmisch, aus Bley, Zinn und Wismuth. §. 110. Einige Körper können durch keine Hitze, die wir jetzt hervorzubringen im Stande sind, in Fluß gebracht werden : man nennt sie unschmelzbar, feuerfest (m- LraKsris). Folgt aber daraus, daß sie absolut unschmelzbar sind? Oder fehlt es uns wol nicht vielmehr an einem so hohen Grade von Hitze, bep welcher die Cohäsionskrafc ihrer Theile überwunden werden kann? — Schwerflüssige Körper werden auch durch den Zusatz anderer leichtflüssig, die man in diesem Betracht Flüsse (lluxus) im Großen beym Hüttenwesen Zuschläge nennt. Aber wie zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 8 5 wie gehet es zu, daß zwey unschmelzbare Körper mit einander vermengt schmelzbar werden, und daß also Flüsse oft selbst unschmelzbar scyn können, und doch das Schmelzen anderer schwerflüssiger oder schmelzbarer Körper befördern? Verspiel: reiner Kalk und reiner Thon, die für sich unschmelzbar sind, nicht aber in der Verbindung mit einander. Daß einige andere, sonst vom Feuer so leicht zu verändernde, feste Körper, darin nicht schmelzen, wie z. B. die Gummi , das hat seinen Grund eben in ihrer leichten Zerstörbar- keit, oder in ihrer Entzündlichkeit und Flüchtigkeit, welche die Hitze nicht aushalten kann, die zu ihrem Schmelzen nöthig seyn würde. H. in. Von dem wahren Schmelzen ist das Flüssigwerden mancher Salzkrystalle im Feuer zn unterscheiden, das seinen Grund in den wässerichten Thcilen derselben har, die in der Hihe das Salz auflösen, ohngeachtet sie es in der Kalte oder geringern Warme nicht können, da ihr Sattigungspunct sehr von der Temperatur abhangt (§.67). Mit Unrecht nennt man auch überhaupt Auflösungen fester Körper in naßflüssigen Anflösungsmitteln ein Schmelzen, Zerschmelzen, Zergehen» Beispiele geben Vitriol und Alaun. H. 112. Wenn von geschmolzenen Körpern der Warmestoff wi eder entweicht, oder sich darin vermindert, so gestehen sie oder gefrieren. Ihre Theile treten ncmlich wieder so nahe an einander und ziehen sich wieder so stark an,, daß sie einen festen Körper ausmachen. So wie die verschiedenen Körper nicht bey einerlei) Menge von Hihe schmelzen, so gestehen oder gefrieren auch nicht alle bey einerlei) Grad der Verminderung derselben. Je schwerflüssiger ein Körper ist, desto eher erstarrt er in der Kal- F z toz 86 I. Abschnitt. Nöchige Vorkenntnisse te; und umgekehrt. Es ist nicht zu verwundern, daß es auch so leichtflüssige Körper geben kann, die in der gewöhnlichen Temperarur unsrcr Atmosphäre flüssig bleiben. Einige flüssige Körper erfordern zum Festwerden eine so große Verminderung der Warme, als wir sie nicht zu allen Jahreszeiten in der Atmosphäre haben; und einige gefrieren in den uns bekannten Graden der Kalte nie. Daß verschiedene feste Körper, in naßflüssigen Auflösungs- mitteln aufgelöst, das Gefrieren dieser Flüssigkeiten erschweren und verhindern, das hat seinen Grund ebenfalls wol m ihrer starkern Anziehung zum Warmestoff. H. uz. Nach der oben (H. 106.) angeführten Erklärung Wiedas Schmelzen gcschichet, müssen also alle Körper im Flusse einen größern Raum einnehmen, als im festen Zustande; und bey dem Gefrieren oder Gestehen sich wieder in einen engcrn Raum zusammenziehen. Die Erfahrung bestätigt dies auch allerdings. Nur bey einigen Körperu scheint gerade das Gegenthcil zu erfolgen, die nemlich in ihrem festen Zustande auf dem geschmolzenen Körper, von eben der Art, schwimmen, folglich bey einerlei) Raum weniger Masse enthalten, und also ausgedehnter seyn müssen. Der Grund hievon liegt in der besonder» Art von tage oder Crystallisarion, welche die Theile beym Gefrieren einnehmen, und wobcy Zwischenräume übrig bleiben. Die Zusammenziehung dieser Stoffe im Flusse, und ihre Ausdehnung beym Gestehen ist also nur scheinbar; und ihren eigentlichen materiellen Theilen nicht eigen. Wie Eis, Roheisen, ZLisnmth, Spiesglas, Schwefel. §. 114. Da die Unterbrechung der Zusammenhaufung eine zur chemischen Verbindung der Körper nvchwendige Be- din- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 8 7 dingung ist 61.) und keine Auflösung ohne dieselbe vorgehen kann, so muß man in diesem Betracht das Schmelzen mit zu den wirksamsten chemischen Operationen rechnen. Es wird dem practischen Edemissen aber auch dadurch wichtig, daß man vermittelst desselben verschiedene Theile eines Gemisches wegen der verschiedenen Schmelzbarkcit derselben von einander trennen, den Körpern in ihrem flüssigen Zustande allerlei) Formen geben, und sie zu mancherlei) Verbindungen lind Scheidungen geschickt machen kann. Nach Verschiedenheit des Grades, bei) welchem die verschiedenen Körper fest werden und gefrieren, bedient man sich auch des Gefrierene mit Nutzen zu Scheidungen und Concentrirungen. §. uz. Um das Feuer in der gehörigen Starke an die zu schmelzenden Körper zu bringen, hat man, nach Beschaffenheit und Menge derselben, verschiedene Vorrichtungen und Werkzeuge nöthig. Es geschiehet entweder ohne alle Gefäße, im Kleinen vermittelst der Flamme eines Lichtes durchs L.öchrohr (rudus kerruminstorius), im Großen, indem man die zu schmelzende Körper mitten zwischen die Kohlen in eigenen Schmelzofen bringet; oder man nimmt es in eigenen Gefäßen vor, die man der erforderlichen Hitze des Ofens aussetzt. §. 116. Das jhörhrohr (H. liz.) ist zur Untersuchung und Schmelzung der Mineralien im Kleinen ein sehr vorzügliches Werkzeug. Es bestehet aus einer kegelförmigen, ohngefahr einen Fuß langen, in eine gebogene, ganz enge, vollkommen runde, Mündung auslaufenden Röhre, aus Messing, Kupfer, Silber, nicht so gut ans Glas. Die metallenen werden nach Bergmann zur bessern Reinigung aus drcy, genau in einander passenden, Stücken F 4 zu- 88 I.Abschnitt. Nöchige Vorkenntnisse zusammengesetzt, wovon das mittlere an seinem untern Theile eine kugelförmigeHöhle hat. Beym Gebratich blast man die Luft durch die weitere Ocffuung verntittclst des Mundes hinein, und Kirch die engere Viündung auf die Flamme eines Lichtes oder einer Lampe, um durch die Spike derselben den auf einer ausgehöhlten Kohle von festem Gewebe liegenden Körper, der ohngefahr die Größe eines Pfefferkorns haben muß, zu schmelzen. Sonst legt man diesen auch wol in einen silbernen Löffel, oder halt ihn mit einer kleinen Zange, und bedeckt auch, um das Wegspringen des Körpers zu verhüten, die Höhlung der Kohle mit einer andern, so daß bloß die Spitze der Flamme Zugang hat, oder heftet ihn an das äußerste Ende einer kleinen Glasröhre an. Die Feuchtigkeit der ausgeblasenen Luft sammelt sich in der Mittlern Höhle des Löthrohres. Die Flamme muß weder zu groß noch zn klein seyn. Am besten ist sie, wenn man die abgebrannte Schnupfe so weggeputzt hat, daß sie sich noch etwas krumm biegen laßt. Oeftere Uebung und gute Beschaffenheit der Lunge ist nöthig, wenn man dies Werkzeug mit Fertigkeit brauchen will. Grift, von Engfkrom Beschr. eines Mineral. Taschenlabowto^ riurns, und insbesondere des Nutzens des Blaserohrs, a. d. Schwed. von Chr. »Phrenfr. rvcigel. Greifen.'. 1774. u. 1782. 8- eommentgcio cle tnbo t'errn- nnnatorio esuräemgue uin in exploranclis corporibns, xr«elevtim minei-glibns, Vinäob. >"79. g. und in seinen Vol. I>.S. 45;; auch übers, in den Aich, einer Privatacscllschaft in Bobinen B. IV. S. -54. Herrn dcSaufiure verbesserte Einrichtung und Anwendung des LörhröhrchenS; in Crells Bevrrägen 5» ven clicin. Annale» B. II. S. z. ff. Versuch einer Geschichte des Blaserohrs und seiner Anwendung > gen vom Herrn Prof. ^e-aei - Crellg Betragen ru?e» clicm. Annalen B. IV. S. -62. ff. S. Z?Z. ff- V. S. 6. ff. S. 198. ff- §. 117. zur chem. Untersuch der Körper überhaupt. 89 §. "7. Da es aber ohne viel Uebung schwer halt, mit dem Blaserohr anhaltend und gleichförmig zu blasen, da dies Blasen beschwerlich ist, und überhaupt eine gute Beschaffenheit der Lungen erfordert; so ist in dieser Hinsicht vie Anwendung der atmosphärischen Luft vermittelst eines doppelten Blasebalgs, aufs Löchrohr, vorzuziehen. Rolrlin Beschreibung eines Blasebalgs zum Gebrauch chnmi- scher Versuche; in Erells neuesten Entdeckungen der Chemie Th. tv. S. 1. §. HL- Aber unsere atmosphärische Luft dient nur in so fern zur Unterhaltung der Flamme, in so fern sie einen Antheil reiner L.ufc enthält. In neuesten Zeiten hat man diese reine Luft nicht nur in Menge darzustellen gelernt, sondern sie auch mit glücklichem Erfolge aufs Löth- rohr angewendet. Die Hitze wird dadurch ganz ungemein verstärkt, und bringt Wirkungen hervor, die man durchs gewöhnliche Feuer auf keine Weise erreichen kann. Man kann zu dem Ende diese reine Luft entweder aus einer, an das Löchrohr gebundnen, und damit gefüllten, Blase auf die Flamme des Lichtes drücken; oder auf bequemere Weise durch eigene Vorrichtungen vermittelst eines Wasserfalles durchs Löthrohr auf eilte Lichtflamme streichen lassen. Herrn LLHrmanns Apparat ist hier vorzüglich zu empfehlen. Versuch einer Anwendung der dcphlogistisirten Luft aufs Läth- rohr, von D. Gallisch; in Erclls cvem. Annale», Jahr 1784. B. I. S. zi. ?. F. A. Gonling Beschreibung verschiedener Blasemaschincn. Erfurt 1784. 4. Schmcl- zungsversuche mit Fcuerluft an einigen edlen Steinen und andern Erd - und Steinarten, von Äcngt Reinbolv Ge^cv; in Crclla ckem. Annalcn, 1785. B. I. S. 29. liA, I. F. .lt.. EHrmannK Versuch einerSchmelzkunst mit Bcvhülfe der Feucrlust. Strasb. 1786. 8. Des Hrn. L.avc>isier Abhandlungen über die Wirkung des durch die Lebenslust verstärkten F 5 Heuers. 9O I. Abschnitt. Nöthl'ge Vorkenntnisse Feuers. Aus dem Franz. mit Zusätzen von F. F.. Ehrmann. Strasb. 1787. 8. Beschreibung einiger zum Gebrauch der dcphlogisiifirtenLust bey dem Blaserohr und Schmeizfeuer eingerichteten Maschinen. Tübingen 1785. 8- (Unausführbar.) H. 119. Beym Hüttenwesen findet das Schmelzen ohne Gefäße (H. 1 - 5.7 unmittelbar zwischen den brennenden Kohlen, auf eine sehr einfache Art, in eigenen Schmelz? öfen, die durchs Geblase betrieben werden, vorzüglich statt. Diese haben nach ihrer besonder» Absicht eigene Einrichtungen und Benennungen, worüber man die Schriftsteller, die umständlicher vom Hüttenwesen gehandelt haben, nachsehen muß. Gründlicher Unterricht von Hüttenwerken, von Christoph Anvr. Schlüter. Braunschw. i?g8- Fol. Joh. Ansr. Cramer Anfangsgründe der Metallurgie. Th. I - III. Blankenburg und Quedlinburg 1774 — i?77- kl. Fol. Vo)-sges metallnrgigues, par Xlr. Vol. I. a I-z-on 1774. Vol. II. 1780. Vol. III. ä ?sris 1781. Vol. IV. 1784- 4- Gabriel Iars metallurgische Reisen, a. d. Franz. mit Anmerk. von Carl Abr.Gcrharv. V. I. II. Berl. 1777. B. III. IV. 1785. 8- I'i»! äe vensrum mstalllcsrum excoclioire. Vol. I. Vinclob. 1780. Vol. II. 1781. 4- Joh. 2lnr. Scopoli's Anfangsgründe der Metallurgie. Manheim 178?. 4. Von Schmelzöfen überhaupt: Schlüter a. a. O. S. 45- 1 ) Gc limcl;ofen über vem Tiegel: Schlüter a. a. O. S- 57. ff. Bsb. XX. s) Schmelzofen auf dein Stich unv Nrillofen: Schlüter a. a. O. S. 60. ff. V. XXI - XX V. Z) Rrnmmofen: Schlüter a. a. O. S. 71. ff. M XXVI -7 XXXIV. 4) -Halbhohe Gefen: Schlüter a. a. O. S. 94. ff. M XXXV. XXXVI. 5) Hohe wcftn: Schlüter a. a. O. S. 98- ff- 28. XXXVII — XHI. §. 120. zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 91 120. Andere Arten von Schmelzungen, zumal im Kleinen, verrichtet man in Gefäßen, die auch, nach Beschaffenheit der zu schmelzenden Körper, und der Absicht, die man dabey hat, von verschiedener Form und Materie sind. Leichtflüssige Dinge kann man in metallenen, am besten in eisernen, Pfannen und Dösseln, zergehen und schmelzen lassen; zu strengflüssigen aber, und zu solchen, welche das Metall angreifen und zerstören würden, werden irdene feuerfeste Schmclzgefäße erfordert, die nicht nur den erforderlichen Fcuersgrad aushalten, sondern auch beträchtliche Abwechselungen von Hitze und Kalte vertragen können. Gefäße aus einem feuerfesten Thone sind unter allen die geschicktesten, ein starkes und anhaltendes Feuer auszuhalten. Wenn sie aber aus bloß solchem Thone gebrannt werden, so schwinden sie zu sehr bcym Brennen, und lassen sich, ohne zu zerspringen, nicht schnell erhitzen und abkühlen. Um dies zu verhindern, wird dem Thone vieler Sand, (z. B. zwey Theileder nicht zu fein feyn darf, beygemengt. §. 121. Aus diesem Gemenge verfertiget man die Schmelz? tiegel icoucibiila, X, U), besonders in Hessen zu Groß-Almcrode und Ellrode, so wie auch zu Waldenburg und an einigen andern Orten, wiewohl schlechter. Man hat zweyerley Arten davon : größere, welche im D.ueerdurchschnitte allemal Kreise geben, doch unten enger als oben, und hier mit einem kleinen Schnabel versehen sind; und kleinere, oben im Durchschnitte dreyeckigte. Man nennt diese letztern auch Gaynegel, weil sie in Einsatzen, die aus mehrern immer kleinem, in einander passenden, bestehen, verkauft werden. §' 122. 92 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse H. 122. Die besten hessischen Tiegel müssen einen hellen Klang beym Daranschlagen von sich geben, frey von schwarzen Flecken, gleich dick und gleich stark gebrannt seyn. Die größern muß man nicht zu schnell erhitzen oder abkühlen, und sie auch nicht auf den bloßen Rost, sondern auf einen Fuß, oder auf ein Ziegelstück stellen, damit die zutretende kalte Luft sie nicht zersprenge. Man überzieht sie zu dem Ende auch wol mit einem Beschläge von Lehm, oder stellt einen in den andern, und füllt den Zwischenraum mit feinem Sande oder feingeftoßenen Glase aus. Als eine Probe einer vorzüglichen Güte wird es angesehen, wenn man Bleyglas etliche Stunden in ihnen flüssig erhalten kann. Nach Herrn HVeber sott man ihnen diese Eigenschaft dadurch besonders geben können, wenn man ihre innere Oberflache mit Leinöl beschmiert, hierauf mit feinem grünen Glaspulver allenthalben gleich dick bestreuet, und dann in ein anfangs gelindes und hernach stufenweise bis zum Weißglühen verstärktes Feuer bringt, worin man sie eine halbe Stunde stehen und dann allmählich abkühlen laßt. Ich zweifle aber sehr an dem erwarteten Erfolg. Ueber die Tiegel, welche das Bleyglas zwanzig und mehrere Stunden im Fluß halten; in XVebers pch'sik. chemischem N»»ga?«n. H. I2Z. Man hat durch zahlreiche Versuche noch mehrere Mischungen von Erdarten als brauchbare Massen zu Tiegeln und Schmelzgcfaßen kennen gelernt. Pott hat besonders viele Verdienste um diesen Gegenstand, den auch neulich Herr Schönwald weiter bearbeitet hat. Jener suchte aus der Vermischung des Thons nach allerlei) Verhältnissen mit Metallkalchcn, mit Kalk, mit gebrannten Knochen, mit Speckstein, Bimsstein, Trippel u. a. zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 9 z u. a. gute Massen zu erhalten. Die Vortheilhafteste Verbesserung fand er noch, wenn man dem Thons statt des Sandes einen gebrannten und etwas gröblich gestoßnen guten Thon zusetzt. Demohngeachtet sind auch diese Gefäße doch alle von der Beschaffenheit, daß sie mehrern darin zu behandelnden Stoffen in starker Gluth nicht widerstanden, sondern davon aufgelöst wurden. Dies setzt manchen Untersuchungen der Körper große Hindernisse entgegen. Gefäße aus der im Küchenfeuer höchst strengflüssigen Platina, würden den mehresten Absichten am vollkommensten entsprechen, wenn sie zu haben waren. In manchen Fällen dienen auch eiserne, auch wol silberne, Tiegel.' Job. -Heine. Potts Versuche wegen Bereitung fester Gefäße, welche das heftigste Feuer und schmelzbare Körper am besten aushalten: in der zweyten Fortsetzung seiner Lithogcognosie S. 1. Einige Versuche in der Stcinchcmie auf Mischungen zu haltbaren Gefäßen, und vorzüglich auf ein dauerhaftes Steingut, von C. G. Schonroalv; in Erells ehem. Anna- ten, Jahr 1784- B. 2. S. 401. H. 124. Hieher gehören auch die so genannten Ipser oder Pastauer Tiegel. Sie bestehen aus zwei) Theilen zerstoßenem Reißbley und einem Theile Thon. Sie sind schwarz von Farbe, schmutzen ab, und lassen sich leicht schaben und schneiden. Sie sind sehr dauerhaft gegen Abwechselung von Hitze und Kälte, und können ein sehr langes und heftiges Feuer aushalten; aber sie dienen nicht für Salz oder salzigte Stoffe, und werden daher bloß zum Schmelzen der Metalle gebraucht. Sie ziehen sich auch bey anhaltendem Feuer, und werden krumm. Man hat sie von vielfältiger Größe, die durch Nummern auf dem Boden bezeichnet werden. H. 125. Beym Ausschmelzen der Erze im Kleinen zum Probiren bedient man sich der prHbMMM (cstiiü proda- torü). 94 I- Abschnitt. Nochige Vorkenntnisse torii). Dies sind irdene Schmelztiegel mit einem Fuße, deren Höhlung unten spitzig zulauft, in der Mitte bau- chigt ist, und sich oben wieder in eine engere Ocffnung endigt. Eine andere Art sind die Aclclmircn, deren Höh ung parabolisch ist, und die auch mit einem Fuß versehen sind. Noch gehören hieher die Muffeln (formwes Zocimalkicas), die meistens aus eben der Masse, oder aus Eisen bereitet werden. Es sind halb walzenförmige Gehäuse, mit einem platten Boden, die vorne offen und etwas höher sind, und in jeder Seitenwand und hinten einige kleine schiefe Einschnitte oder Oeffuungen haben. Das Bodenblatt kann auch abgesondert seyn; oder in dessen Ermangelung kann auch ein dazu eingerichteter Dachziegel gebraucht werden. Diese Muffeln dienen, um zu schmelzende und sonst im Feuer zu behandelnde Körper in kleinen Gefäßen darunter zu stellen, die von Kohlen oder Asche nicht verunreinigt werden dürfen. Ucbrigens müssen sie in den Wänden und Gewölbe von gleicher Stärke, aber weder zu dick, noch zu dünn seyn. §. 126. Leichtflüssige und nicht schwer zu schmelzende Körper stellt man in den dazu schicklichen andern Gefäßen oder in Schmelztiegeln in den einfachen Ofen (h. yg.) mitten zwischen die brennenden Kohlen; strengflüssigere aber in den Revcrberirofen (H. 94.), oder in eine LLjse, vors Gebläse (§. 97.), wo man die Gluth durch die auf den Blasebalg gelegten Gewichte vermehrt. Dies Gebläse vor einer Esse richtet man auch so ein, daß die ganze Vorrichtung tragbar ist. Es dient, wo man eine sehr starke Hitze in der Geschwindigkeit anbringen will, und hat große Bequemlichkeiten. §- 127. Um den möglich größten Grad von Wärme ohne Gebläse anzubringen, dient der eigentliche Schm iz? ose» zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 95 ofen fkurnuz kufoi-iuz), der auch wol schlechtweg der VOmdofen genannt wird. Seine stärkere Wirkung hangt von seiner Einrichtung und dem dadurch bewirkten stärkern Luftzuge ab. 1) Cramers Glasosen (dessen Probirkanst Th. II. S. 6z6. ff. ^ab. VI.) 2) Pott» Schmelzofen (dessen zweite Fortsey. der F.irho- geognos.) z) Macquer's Schmelzofen (VaumS's erl. Erv. Chem. Th. I. S. 7. T'. I. und Macquers chem. levorterbuch Th. III. S. 6z 2. ff.) 4) Xveigel-i Ofen (dessen chem. mm. Beobachtungen Th. II. S. .47- ff- II ) H. 128. Mit diesem hat der probirofen (purnus -komm»- ssicuz) Aehnlichkeit. Er dient zu Arbeiten im Kleinen unter der Muffel. Er ist gemeiniglich tragbar, wird viereckigt und von Eisenblech, das mit einer guten Thonmasse inwendig beschlagen ist, gemacht, und endigt sich oben in eine Kuppel, welche die Gestalt einer abgestutzten viereckigten Pyramide hat. Uebrigens kann man diesen Ofen auch von Backsteinen, feststehend, aufführen. Lramers Anfangsgr. der Probirkunst S. 148- ff- l'. III. §. 129. Die geschmolzenen Körper, besonders Metalle, gießt man aus den Schmelzgefäßen entweder auf einen polirren concaven Stein; oder in den Gwßpuckcl, ein Gefäß von gegossenem Eisen oder Bronze, mit einer kegelförmigen Höhlung, deren Spitze nach unten gekehrt und die inwendig polirr ist, mit einem breitern Fuße zum Feststehen und einem Handgriffe; oder in den Einguß (Iin^o), welcher ein stählernes oder eisernes Gefäß ist, das halb walzen- 96 ?. Abschnitt. Nölhige Vorkenntnisse walzenförmig ausgehöhlt und inwendig sehr glatt und eben ist, und den man von verschiedener Größe haben muß. Beide Werkzeuge müssen vor ihrem Gebrauche gehörig erwärmt und mit Fert, oder auch wol mit Ruß oder Kreide ausgestrichen werden. Des Gicßpuckels bedient man sich hauptsächlich um metallische Theile von andern crdigtcn oder Schlacken abzusondern, indem jene durch ihr größeres Gewicht sich nach unten in den engern Theil des Gicßpuckels begeben, (das man auch noch durch gelindes Anklopfen mit einem Hammer befördert,) und hier einen Römg (i'^uluz) bilden, den man durch abermaliges Schmelzen und Ausgießen in den Einguß zu einem Zam oder lAingotre, oder auch zu großem Barren verwandelt. Noch gehören hieher 'Lmstrstöffel, mit einem langen Stiele, um die Körper in das Schmelzgcfaß einzutragen ; Rührhaken, um geschmolzene Gemische umzurühren; Rsruzangen, Gchnabelzangen, Hebe- zangen, Rlüfte; Rohlenhakcn, Kohlenzangen; Schaufeln. Verflüchtigen und Abdampfen. §. iZv. Sehr viele Körper oder Bestandtheile derselben verwandeln sich in der Hitze in elastische oder crpansibele Flüssigkeiten, in Dämpfe und.»Aufr - oder Gasarren, Bstde unterscheiden sich so, daß die erstcren durch äußern Druck oder durch Kälte ihren expanfibeln Zustand wieder verlieren, und dadurch wieder zum festen oder tropfbar- flüssigen Aggregatzustand zurückkehren; die letztern hingegen ihre crpansibele Form behalten. Die durch Zersetzung des Dampfes sichtbar gemachten und fein zerthcilten Stoffe desselben nennt man Rauch oder Nebel, die aber mit Unrecht noch Dampf genennt werden. §. IZl. zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 97 K. izi. Die Bildung aller Dampfe und Gasarten geschiehct nur durch Hülfe des Warmestoffs, und wir unterscheiden in jedem Dampfe und jeder Gasart die Basis, oder die an sich nichr expansibcle Substanz, und den Wärme? stoff, durch den jene Basis expansibel wird. Nach Entziehung des Warmestoffs wird die Basis aus dem Dampfe niedergeschlagen, und macht nun den nicht mehr elastischen Nebel oder Rauch, aus welchem durch das nähere Zusammentreten seiner Theilchen der vorige feste oder tropfbarflüssigc Stoff wieder gebildet wird. In den Dampfen adhärirt der expansive Warmestoff mit der Basis, in den Gasartcn ist er damit chemisch vereinigt, und es ist in den letztern wahrscheinlich das Licht, das das chemische Bindungsmittel beider ausmacht. §. IZ2. Die atmosphärische Luft hat an der Bildung der Dampfe und Gasarten keinen Ancheil; sie ist vielmehr durch ihren Druck der Dampfbildung hinderlich, oder macht, daß eine größere Quantität des Wärmestoffs erforderlich ist, um bep gleicher Temperatur, eine bestimmte Menge der Basis in die gleich elastische Form zu bringen; und im luftleeren Räume geschiehct die Verwandlung eines Körpers in Dampf noch leichter. Die Auflösung des Körpers in der Luft, und der darauf gegründete Unterschied zwischen wirklicher Verdampfung (c-vsporsno) und natürlicher Ausdünstung (oxbulacio) ist in der Natur nicht gegründet, und kann nicht bewiesen werden. Jede Ausdünstung ist vielmehr eine wahre Verdampfung, die bey einer niedrigem Temperatur der Luft nur deswegen langsamer und in geringerer Menge erfolgt, weil dann eine geringere Quantität des Warmestoffs zugegen ist, der durch seine Cohärenz mit derBasis diese dampfförmig Grens Chemie, i. TI>> ^ 98 l. Abschnitt» Nölhige Vorkenntnisse und so elastisch machen muß, daß die Elasticitat des gebildeten Dampfs der der Luft das Gleichgewicht halt. De nouvelles Iclees lur la Meteorologie. N. I. lll. ä Uoiiäres 17K6. g- I. 2t. de K.uc neue Ideen über bis Meteorologie. Aus dem Frcmzös. Th.!. II. Verlin und Stettin 1787. 1788- 8- Zwcyter Brief des Hrn. de Ä.uc an Hrn. se la Mecherie über die Wärme, das Schmelzen und die Verdunstung; in Grcns Journal der PhpflL, B. ll. S. 20 ff. Dritter Brief des Hrn. ve Huc über die Dämpfe, die luftsörmigen Flüssigkeiten, und die atmosphärische Luft; ebendast B. III. S. 1 z 2. ff. De A.uc Prüfung einer Abhandlung des Hrn. Monge über die Ursach der hauptsächlichsten Phänomene der Meteorologie; ebenvas. V. Vl.S. 121. ff. §- rzz. Einen Körper in der Absicht der Hitze oder Warme aussetzen, um ihn dadurch in eine expansibele Flüssigkeit, in Dampf, oder Gas zu verwandeln, heißt ihn verflüchtigen, und man nennt diejenigen Stoffe, welche sich durch die Hitze in Dampfe oder in luftförmige Flüssigkeiten verwandeln lassen, flüchtig (corpo- 5S volatilis, /V), und setzt ihnen die feuerbeständigen, stren (eorpora sixa, äft) entgegen, welche der Verflüchtigung im Feuer widerstehen. Indessen ist die Flüchtigkeit und Feuerbeständigkeit der Körper nur relativ , und im Grunde gicbt es wol keinen absolut feuerbeständigen Körper. Der Grund der größern oder geringem Flüchtigkeit oder Feuerbestandigkeit der Körper liegt wol nicht, wie bNacquer annimmt, in der größern oder geringem Ausdehnbarkeit derselben im Feuer, sondern in der eigenthümlichen Anziehung und chemischen Verwandtschaft derselben oder ihrer Bestandtheilc zu dem Stoff der Warme. §- IZ4- Viele Stoffe, die sonst für sich allein feuerbeständig sind, können durch Hülfe anderer flüchtiger Körper, ebenfalls zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 99 falls dahin gebracht werden, mit Hülfe der Hitze, sich in Dampf oder luftförmige Flüssigkeiten zu verwandeln. Man nennt dies eine LMtverflüclmgung (convolsti- Ziluuo), und sie hat ohne Zweifel ihren Grund in einer aneignenden Verwandtschaft, wo der flüchtige Stoff das Zwischenmittel zwischen dem Stoff der Warme und dem sixen Körper wird. So kann aber auch cm flüchtiger Körper durch einen andern feuerbeständigen auch wieder sixirt werden. Manchmal verlieren zwcy sonst sehr flüchtige Substanzen durch ihre Vereinigung viel von ihrer großen Flüchtigkeit. Beispiele der tNiwcrflückittgnnz kommen in: Folgenden vor, an der Kieselerde und der Flußspathsaure, dem Eisen und der Sahsaure u. a.; Beispiele der Firmung aber au der Vitriolsaure im vitriolsaurcn Gewächsalkali, au der Salzsäure im Kochsalz, an dem Arsenik in einigen Metallen, u. a. vor. Den ganz letzten Sah beweist der Salmiak. §- iZ5. Auf die Verflüchtigung der Körper in der Hitze gründen sich verschiedene chemische Operationen. Wenn man flüssige Gemische einem hinlänglichen Grade des Feuers aussetzt, um die feuerbeständigen oder weniger flüchtigen Substanzeil von den Theilen der flüssigen, mehr flüchtigen, Auflösungsmittel zu scheiden, so heißt dies abs dampfen, abraucbcn sevuporsrs; 56./ wobey jene überhaupt entweder mehr in die Enge sconccnrrlrt) oder bis zur ganzlichen Trockniß (ucl '.iccumem) gebracht, oder zu einer dickern Consistenz (sä l'Micuüi. vom) cmgedtc^e werden (mlpiüare). §. i?6. Allemal hat man bey diesem Abrauchen zur Absicht, zurückbleibende Theile zu gewinnen, indem dw verflüchtigten in der inst zerstreuet werden. 'Allein da dre Fener- G 2 bestan- 100 I. Abschnitt. Nölhige Vorkenntnisse bestandigkeit des abzudampfenden Körpers von sehr ver schiedenem Grade seyn kann, so ist es hierbey ein Hauptumstand, den Grad der Warme nach der Flüchtigkeit oder Feuerbeständigkeit derjenigen Substanzen abzumessen, welche zurückbleiben sollen; so wie man überhaupt auch auf die Mitverflüchtigung i z4.) dabei) mit Rücksicht nehmen muß. -Oft ist es hinreichend, die Warme der Atmosphäre allein anzuwenden. Man könnte dies im engcrn Sinne abdunstcn, verdunsten (oxlmlaro) nennen. §- !Z7- Die Verdampfung wird befördert: durch vermehrte Einwirkung der Hitze, durch Beförderung des Austrittes der gebildeten Dämpfe, und daher durch Anbringung eines Luftzuges auf die Oberfläche des abzudampfenden Körpers, durch Vermehrung dieser Oberfläche, und durch Bewegung und Umrühren desselben. Veyspiele geben das Gravircn schwacher Salzsoolen; das Verblasen des Spiesglanzes vom Golde. §- iZ8- Die bcym Abrauchen anzuwendende Gefäße richten sich in Ansehung ihrer Größe und ihrer Materie, woraus sie gemacht seyn müssen, nach der Menge und Natur des abzudampfenden Körpers. Man bedient sich im Großen entweder eiserner oder bleyerner, oder zinnerner, oder kupferner Pfannen und Aessel; im Kleinen irdener Topfe, Schüsseln und Napfe, oder gläserner oder porzellänener, runder oder viereckigter Abrauchsthaalen (pstinas evgporstorias), oder auch tief abgeschnittener Aolben und porzellänener oder irdener Teller. Diese Gefäße stellt man nach ihrer verschiedenen Beschaffenheit entweder über bloßes Feuer oder ins Sandbad, oder auf den Stubenofen oder in die Wärme der Atmosphäre. Ver- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 101 Verkalken. izy- Wenn ferner (§. ig 5.) aus festen Körpern durch die Hitze verschiedene Grundstoffe verflüchtigt werden, so daß jene in einem loscrn, leicht zerreiblichen, Zusammenhange oder als Pulver zurückbleiben, so heißt dies verkalken (Lglclngrs j ^re) im wcitläuftigern Sinne; und man nennt den zurückbleibenden Körper, der jene Veränderung erfahren hat, einen Ralk (cskx, Im engem Sinne schränkt man das Wort Verkalken auch bloß auf die Metalle ein, und nennt die Operation, durch welche andere Körper jene Veränderung und Verminderung ihres Zusammenhangs im Feuer erfahren, ein Brennen (ullio), bey dem Erzen der Metalle ein Rosien (uünkatio) und wenn es bey vegetabilischen und thicrischcn Körpern in einem hohen Grade geschehet, das Einäschern (mcinemtio). §> 140- Manche Auflösungsmittel wirken auf die Metalle, wie das Feuer, so daß dieselben dadurch auch in einen lockern, wenig zusammenhangenden, Körper gebracht werden, oder es geschehet dies letztere wenigstens, wenn die Metalle aus ihren Auflösungen durch verschiedene Körper in diesem Zustande niedergeschlagen werden. Man nennt dies auch ein Verkalken, und zwar auf nassem V?eFe (cslcingtio potentiakiz), im Gegensatz des vorigen, das im Feuer, also auf rrock- nem XVcgc, geschehet. Wenn Körper bloß durch Einwirkung der Atmosphäre jene Veränderung ihrer Festigkeit erfahren, so heißt das ein Verwittern (ker- wemsüo kollikiz), bey den Metallen das Rosien» G ? Das iO2 ?. Abschnitt. Nöthige Vorkeuniniffe Das Verkalken im weitläustigern Sinne (Z. :zy.) belegten die Alchemisten mit dem Namen res pkllofopbuct'en Pulvcrns, weil daben ein Körper durch chemische, nicht mechanische Mittel, in einen losern Zusammenhang gebracht oder zersiückt wird, freylich mit Veränderung seiner vorigen Mischung. §. 141. Die Verkalkungen im Feuer geschehen in eben den Gefäßen, worin das Schmelzen unternommen wird, oft auch, wie im Großen das Rösten, ohne alle Gefäße, oder in eigenen Oefen. Sonst gehören noch hicher die Calcimrfcberbcii (putinns ullulmoriue), stäche Schaaken aus der Masse der irdenen Schmelzriegcl. Schlüter von Hüttenwerken, Cap. IV. S- 17. ff. Ca?. V. S. -8- '1'sd. VII — XII. Cap. XX —XXXV. D e st i l l i r e n» §. 142. Wenn man die, beym Verflüchtigen und Abdampfen durch das Feuer sich erhebenden, Dampfe und Dünste, die sich in dcr freyen Luft zerstreuen würden, nöthi- get, an einen kältern Ort zu gehen und sich da zu stimmten, so verlieren sie hier nach und nach den Stoff der Warme, der ihre Basis zu Dampfen bildet. (H. izi.), und jene verdichtet sich wieder, da sie dann nach ihrer verschiedenen Beschaffenheit bald als ein flüssiger, bald als ein fester Körper zum Vorschein kommt. Im erstem Falle nennt man die Operation das Desttlliren (lleKil. I-ztio, ss^-uZo); im letztern das Subliimrcn (ludlimg. tio, rfdtko.fl §. 14z. Die Absicht bey der Destillation und Sublimation also ist, die Bases der beym Verflüchtigen fortgehenden Dampfe zu gewinnen. Man bewirkt durch diese Operationen zur chem. Untersuch.der Körper überhaupt. ioz tionen bald eine Scheidung flüchtiger Stoffe aus einem Körper von den übrigen Bestandtheilen des Körpers; bald die Reinigung eines flüchtigen Körpers von andern weniger flüchtigen Tbeilen; bald eine genaue Verbindung mehrerer flüchtiger Substanzen, die jetzt durch eine Dampfauflösung (H. 74.) starker und inniger auf einander wirken. Die durch Destillation zu erhaltenden Materien führen nach der Beschaffenheit der Natur, die sie haben, öfters auch von der Aehnlichkeit mit andern, gewisse Namen. Einen Spiritus nennt man einen flüssigen, mit Wasser mischbaren, mehr oder wemger riechenden, oder auch scharfen, flüchtigen Körper. Ein ivcl (oleum) heißt eine Flüssigkeit, welche sich nicht mit dem Wasser geradezu verbindet und die Flamme zu ernähren geschickt ist; es heißt Butter (dutzmum), wenn es dicklich ist. Die altern Chcmisten haben aber auch manchen Produkten der Destillation, die ganz und gar nicht entzündlich sind, bloß wegen der Achnlichkeit in der Consi- stenz, den Namen (Del und Butter gegeben. Unter Phlegma versteht man die überdestillirts, bloß wasserigte, geschmacklose Feuchtigkeit. Das feuerbeständige oder auch weniger flüchtig? Rückblcibsel der Destillation nannten die Alten den Tovtenkopf (csxut mortuum, O); jetzt heißt man es schicklicher schlechtweg, den Rückstand (ressärmm). Er ist, wegen des vep der Destillation verhinderten Zuganges der freyen Lust, sehr oft von anderer Beschaffenheit und Mischung, als wenn er bey der Verflüchtigung im Freyen zurückgeblieben wäre. §. !44> Sonst (heilt man die Destillation ebenfalls auch in nasse und rrocVcnc. Jene geschiehct bei) Körpern, die an und für sich in einem flüssigen Zustande sind; diese hingegen bei) solchen, die zwar fönst trocken scheinen, aber durch die Hitze solche Dampfe von sich geben, welche hernach beym 'Abkühlen zu einer tropfbaren Flüssigkeit zusammentreten. Die nasse Destillation erhalt noch besondere Namen nach der Absicht, wozu sie dient. Abs G 4 Ziehen ic?4 I. Abschnitt. Nötige Vorkenntnisse ziehen (gkllraki?!-?) heißt, eine Flüssigkeit von einem andern Körper abdestilllren; CcHoluren (cobadLr?), sie zu wiederholtenmalen auf einen Körper gießen und davon abziehen; Rectissclrcn (reckiücgre), sie durch einen angemessenen Feucrsgrad von fremdartigen Thei- len, welche bey der ersten Destillation mit übergingen, befreyen. Bey der Dephtcgnnrung, Csnccnrrirung, Entwässerung hat man die Befreyung einer Flüssigkeit von dem außerwescntlichen Wasser zur Absicht, und dies geschiehet entweder durch Rectification, oder c6 geht das Phlegma zuerst bey gelindcrm Feuer über, und die Flüssigkeit bleibt mehr entwässert zurück. H. 145. Nach der Beschaffenheit und Menge der zu desiil- lirenden Materien braucht man mancherlei) Gefäße, welche unter dem Namen des Brennzenges, der Dc> sslstlkgerürhschasil (vatn llellillÄtni-jg, cieitil- Istorinz) begriffen werden. Flüssigkeiten, welche bey einer Hihe verflüchtiget werden können, die den Grad des siedenden Wassers wenig oder nicht übersteigt, und welche ferner das Metall nicht auflösen, destillirt man im Großen bequem aus der Blase (Velics), einem kupfernen, inwendig verzinnten oder nicht verzinnten Gefäße, welches oben eine nicht zu enge Oeffnung mir einem geradestehenden Rande hat, in welche der Helm oder Hurh (glsmbicnz, cApitulum) geseht wird, der die Gestalt eines hohlen Kegels hat, und in jene Oeffnung genau einpaßt. Die in ihm aufsteigenden Dampfe werden durch eine Röhre, (den Schnabel,) die an einer Seite des Helms oder auch an zwey Seiten heraustritt, und nicht zu enge seyn muß, abgeleitet. Der Helm ist entweder von reinem Zinne, oder doch wenigstens von gut übcrziuntem Kupfer, in manchen Fällen noch besser vom Sremzcuge. Die Helme mit einer Cropsrmne sind den ge- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 105 gewöhnlichen vorzuziehen. Auch befördert, den Grundsätzen der Verdeimpfung zu Folge, die Vergrößerung der Blasendffnung und der Grundflache des Helms die Destillation. §. 146. Die Blase (§. 145.) steht in dem Slasenofen (furnus velicg?), der am besten rund gebauet wird. Sie ruhet vermittelst einiger Handhaben auf der Mauer des Ofens, der sich oben um die Blase anschließt, inwendig aber von derselben einige Zolle rund herum abstehet. Er bestehet aus einem Rost mit der Thür zum Feuerhecrde und dem Aschcnheerde, und hat oben zur Seite noch einige Zuglöcher, wenn die Blase nicht frey in ihm hangt. Zu mancher Absicht ist es sehr nützlich, wenn die Blase nicht unmittelbar im Ofen, sondern in einem andern Wasserbad steht, nach Saumes und Des macbys Angabe. Zuweilen hat die Blase oben in ihrem Gewölbe noch eine Oeffnung mit einer zu verschließenden kurzen Röhre, um etwas in dieselbe nachgießen zu können; und auch wol unten zur Seite über dem Boden einen Hahn, der durch die Mauer des Ofens gehet, um rückstandige Flüssigkeiten aus der Blase bequem ausleeren zu können. Nach der j^udolfscben Einrichtung ist durch den Heim eine Stange mit einer Kurbel angebracht, die sich unten in einen Fächer endiget, lind durch jene in Bewegung gesetzt werden kann, um die Dinge auf dem Boden der Blase umzurühren. Zum Ausheben großer und schwerer Helme dienen Ketten, die über Rollen gezogen und an jene befestiget sind. S. Demachys Laoorant im Großen, Th. I. Taf. II. §. 147- Von den aufsteigenden heißen Dampfen und dem bey ihrer Zersetzung frey werdenden Warmestoff würde G 5 der ,c>6 I. Abschickt. Nöthige Vorkenntnisse der Helm und der Schnabel bald so erhitzt werden, daß jene nicht gehörig abgekühlt und zu Tropfen gerinnen könnten, sondern in Dampgestalt aus der Mündung des Schnabels herausfahren würden. Dies zu verhindern, dienen die Auhlaickalrcn ( rsfriAsratoria ). Es ist nemlich zu dem Ende oben auf dem Helme, oder besser rund um ihn herum, ein Gefäß angebracht, welches mit kaltem Wasser angefüllt ist, das man, wenn es heiß wird, durch einen Hahn abzapfen und mir frischem ersetzen kann. Man nennt diese Einrichtung einen dNohs S'enbopfscgput Hslbiypiz), die auch dann am besten ist, wenn bestandig kaltes Wasser aus einem größern BeHalter hinzu, und durch den Hahn wieder abfließt. Sie ist im Großen nicht so bequem, als wenn derSchna- Ibel des Helmes in eine andere zinnerne oder blecherne Röhre tritt, welche durch das sogenannte Aühlfaß entweder in gerader oder in gewundener spiralförmiger Richtung geleitet ist. Das Kühlfaß wird mit kaltem Wasser angefüllt, das man durch einen unten angebrachten Hahn muß wieder abzapfen können, wenn es heiß geworden ist, um es mit frischem zu ersetzen. Die gewundenen ScbianZcnröhrcn bieten zum Abkühlen mehr Oberflache dar, als die geraden, sie lassen sich aber nicht gut reinigen. Die Weigclscbe Abkühlungsmethode empfiehlt sich durch ihre Bequemlichkeit sehr. Bey der Einrichtung der Destillation mit einem Mohrenkopfe legt man die VsrlaFe (cxcipulum, excipula) zur Aufnahme der übcrdestillirenden Flüssigkeit an den Schnabel des Helmes; bey einem Kühlfaß aber an die Mündung der Röhre desselben. S. XVcigcls Mineral. Beobacht. Th. i. S. 4. §. 148. Sonst bedient man sich bey leicht aufsteigenden Flüssigkeiten der Destillation durch einen Adlbm (§. 7^.), auf zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 107 auf welchen ein glaserner Helm gesetzt wird. Diese Helme haben sammtlich eine Tropfnmie, welche sich in den Schnabel endiget, an den man die Vorlage anlegt. Hier hat man gewöhnlich keine eigene Abkühlungsanstalt, sondern es geschiehct die Niederschlagung der Dampfe durch die Abkühlung des Helms, der Rohre und Vorlage an der tust. Alan wendet dabey auch nur eine sehr gelinde Warme des Sand - oder Wasserbades (h.toi. 102.) an, worin man den Kolben stellt. Bequem sind rubulirre Helme (awmblcl tnbulmi), welche in der Mitte ihrer Wölbungen ein loch mit einem eingeriebenen Glasstöpsel haben, um dadurch in den Kolben nachgießen zu können, ohne den Helm abzunehmen. Statt glaserner Kolben und Helme, hat man auch größere irdene. Des sonst gebrauchlichen Pelikans (peliconnz, Vn5 circulstc!- rium) kann man gänzlich entbehren. Dies war nemlich ein glaserner Kolben mit einem daran geschmolzenen tubulirtcn Helme, an weichem statt des Schnabels zwey oder mehrere krumme Röhren angebracht und mit dem untersten Ende in den Kolben wieder zurückgeführt waren. Die in den Helm aust gestiegenen Dämpfe mußten also immer wieder in den Kolben zurücklaufen. Man nannte diese Arbeit, circulwen, die im Grunde eine Art von Digestion (§. 7z.) war. Zwey umgÄLe, per gscenl'um). Zhncn sind die schlescn oder schrägen (cleliillgtinnes obliqna?, per latus, per in- cliimtionc -m), und die unterrvärrsgehenden Deftillas ticnen (klmkillationez per ckelcensum) entgegengesetzt, "^er erstern bedient man sich bcy Flüssigkeiten, die leicht und D io8 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse und bep gelindem Feuer aufsteigen; der zweyten bcy solchen Materien, welche schwerer in die Höhe steigen, und eine größere, als die Hitze des siedenden Wassers erfordern. Die dritte Art ist ganz entbehrlich, und nur in wenigen Fallen noch gebrauchlich. H. 150. Die schrägen Destillationen (§. 149.) geschehen in Retorten (rotorm?, (7^). Dies sind gleichsam Kolben mit einem gekrümmten -Aalse, der aus dem ober» Theile (dem Gewölbe) des Bauches heraustritt. Der Bauch ist entweder kugelförmig (gemeine Retorten), oder langlichrrund (englische Rcrorecn). Sie sind entweder aus grünem, nicht so gut aus weissem Glast, aus Thon, oder auSlListn bereitet. Die irdenen haben gemeiniglich einen stachen Boden, und werden am besten aus der Masse zu Schmelztiegeln (§. reo.) verfertiget. Tubulirre oder Tubulär-Retorten (retortss tubuls- tse) haben in ihrem Gewölbe eine Oeffnung mir einem eingeriebenen Glasstöpsel; sie haben in vielen Fallen grossen Nutzen, dürfen aber in keine zu starke Hitze gebracht werden, weil sie wegen der ungleichern Ausdehnung des Glases, in Ansehung der ungleichen Dicke desselben, an der Ocffnung lcichtRisse bekommen. Bcy den Retorten überhaupt kömmt sehr viel auf die gehörige Krümmung des Halses an. Auch darf der Hals, zumal beym Anfange der Krümmung, nicht zu enge scyn. Uebrigcns muß man Retorten von verschiedener Größe vorrathig haben. §. 151. Zur Vorlage dienen bey den Destillationen aus der Retorte die Kolben, in welcher sich die übergehenden Dämpfe verdichten und sammien, und in deren Hals man den Hals der Retorte steckt. Die glaserneu Retorten zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 109 ten legt man in das Sandbad (h. iOi.) ein, zu welchem Ende die Kapellen (H. 99.) an der Seite den kreisförmigen Ausschnitt haben, um den Hals der Retorte herauszulassen. Wo ein stärkeres Feuer nöthig ist, gebraucht man die eisernen oder irdenen Retorten, die man ins offene Feuer des Reverberirofens (h. 94.) stellt. Manchmal thuc man dies auch mit den gläsernen Retorten. In diesem Falle überzieht man sie, so wie auch sonst die irdenen, mit einer Masse, um sie gegen die unmittelbare Einwirkung des Feuers zu schützen, das heißt, man be» schlägt sie (Im-icantur). Man nimmt zu diesem Beschläge entweder bloßen lehm; oder besser gleiche Theile Sand und feuerfesten Thon, die nian mit Wasser zu einem Teige macht, und etwas Kuhhaare zumischt; oder gute Ziegelerde, etwas Spreu oder Kuhhaare, macht mit Wasser einen Teig daraus, und überzieht damit die Gefäße. Den Beschlag laßt man im Schatten trocknen, und verstreicht die Risse gehörig. Niemals muß man die Gefäße ins Feuer bringen, ehe der Beschlag ganz trocken ist. Irdene Retorten müssen vor dem Ucberzuge erst ins Wasser getaucht werden, um den Beschlag desto eher anzunehmen. Ehemals bediente man sich statt eines Beschlages eiserner oder irdener Hauben, worin man die Retorten einschloß, (gepanzerte Rerorren) die aber auch zu entbehren sind, weil sie dieHitze zu sehr vom Gefäße zurückhalten, und noch weniger, als der Beschlag, das Zerspringen verhüten. Ein Reverberirosen, worin mehrere große eiserne oder irdene Retorten liegen können, heißt ein Galeerenofen. H. lA2. Um bey der Destillation aus Retorten im Rever- berirfcuer die Vorlage mehr abgekühlt zu erhalten, und von dem heißen Ofen zu entfernen, dient der Vorstoß (tubuz mtsrmslliuz), eine gläserne oder irdene Röhre, die lic> I.Abschnitt. NvchigeVorkenntnisse die in der Mitte einen kugelförmigen Bauch hat, an dem einen Ende kegelförmig zulauft, und an dem andern weiter ist. Jenes steckt in der Vorlage, und in diesem der Hals der Retorte. Sonst nimmt man auch abgesprengte kegelförmige Halse der Retorten zu Vorstößen. Bey Destillationen aus großen Retorten im Galeercnofen führt man auch wol zwischen den Vorlagen und dem Ofen noch eine eigene Mauer auf, um jene vor der Hitze des Ostens mehr zu schützen. Die )Dc!Fciscbc Abkühlunas- methode laßt sich auch mit Vortheil auf die Destillationen durch Recorten anwenden. Um die Vorlagen bequem stellen zu können, dient der DestlUtrbnccdc, eine Art von Schemel, den man nach Belieben erhöhen, und her- nntcrschieben kann, auf welchem die Vorlage in einem Strohkranze ruhet. S. Xveigel a. a. O. 2 Th. S. 98. §- i5Z. Die zwischen den Fugen der Dcstillirgefaße übrigbleibenden Oeffnungen verschließtman zur Verhütung des Berfiiegens der Dampfe mit den Amte» oder vem.Oxlcb> ivcor (lut-j). Bey nicht sehr scharfen oder flüchtigen Materien belegt man die Fugen zwischen dem Helme und der Blase, zwischen dem Kolben und dem Helme, zwischen der Vorlage und dem Schnabel des Helmes, zwischen der Retorte und dem Kolben mir Papier oder Lei- ncwandsireifen, welche mit Kleister aus Starke, der mit oder ohne zugesetztem Tischlerleime gekocht worden ist, bestrichen werden; oder mit naßgemachter Kalbs - oder Schweinsblase, die dann am besten klebt, wenn man sie vorher so lange in Wasser einweicht, bis sie einen etwas fauligten Geruch von sich verbreitet, und bcym Reiben mit den Händen sich stark anhangt; um welche man noch Bindfaden windet. Da, wo die gläsernen Dcstillirgefaße in einander greifen, umwindet man sie auch mit einigen zur chew. Untersuch, der Körper überhaupt. 11 r nigcn Lagen Löschpapier. Bey solchen Dingen hingegen, welche in der Destillation sehr scharfe, durchdringende, flüchtige Dampfe von sich geben, dienen eigene Aütte (Dum), die man auch zur Verklebung der Risse in gläsernen Gefäßen anwendet. Dazu dient entweder gebrannter Gyps, mit Wasser angemacht, oder Eyweiß und ungelöschter Kalk. Man schlagt dazu das Eyweiß mit einer gleichen Menge Wasser, rührt es hernach mit dem an der Luft frisch zerfallnen gesiebten Kalke zu einem Teige zusammen, und streicht es auf Streifen von Leinwand» Diese Kütte verharten sehr schnell, und müssen jedesmal frisch gebraucht werden. Das Kafigte von frisch geronnener Milch,mit Eyweiß vermengt und mit gleichen Thei- len ungelöschtem Kalk vermischt, bis ein gehöriger Teig daraus wird, giebt nach Gkoge einen guten und dauerhaften Kütt. Oft dient auch bloßer Thon oder Lehm, mit Wasser zu einem Teige gemacht. Alle diese Kütte müssen erst recht trocken seyn, ehe man die Destillation vornimmt, weil sie sonst die Dünste nicht zurückhalten. Zu den fetten Amte» nimmt man reinen geschlcmmten, trocknen und gesiebten Thon, oder reinen gepulverten und fein gesiebten Speckstein, den man mit Leinölficniß durcheinander stoßt und einen Teig daraus macht; oder man braucht auch klargefiebte Kreide und Lcinölfirniß dazu. Zu Verküttungen der Fugen, die nicht in die Hitze zn kommen bestimmt sind, dient auch ein Gemisch aus i6 Theilen Wachs und oder 2 Theilen Tcrpenthin, oder aus 16 Theilen Schellack und 1 bis 2 Theilen Terpcnthin, das man auf die gehörig trocknen Stellen heiß aufträgt. G. G. Sb'oge vom Kütt, der Feuer und Wasser aufhält; in den schrvev. Abhanvl, B. XXXV. S. 95. H. 154. Wegen der Elasticitat der beym Destiliiren übergehenden Dämpfe, und noch mehr wegen der Entwicklung man- I. Abschnitt. Nvthige Vorkenntnisse mancher luftförmigen Stoffe i zo.) in der Hitze, darf man nicht immer dieDestillirgefaße ganz genau verschließen, indem auch der Gebrauch großer Vorlagen und der Vorstöße das Zersprengen oft nicht verhindern kann. Zu dein Ende ist es rathsam, in die Vorlage oder in den Vorstoß zur Seite ein kleines koch zu graben, das zu Anfang der Destillauon offen bleibt, und erst geschloffen wird, wenn die am mchrestcn elastischen Dampfe etwas nachlassen. H- 155. Zu eben diesem Zweck dient auch der TVouiftsche Destillir-Apparat, bey welchem aus der ersten Vorlage, die an der Retorte liegt, eine gekrümmte gläserne Röhre in eine zweyte Vorlage, aus dieser wieder eine andere in eine dritte Vorlage u. s. w. und zuletzt in die frcye Luft tritt. Um aber auch die bey den Destillationen zu gleicher Zeit sich entwickelnden Gasarten mir auffangen zu können , ist der sinnreiche Destillir-Apparat des Herrn VSisser besonders zu empfehlen. . in ven IVzi/o/l Vol. t. Vit. zo. S- 5'7 lf- . ... 'praits elemeiit. lle LInmle. '1°. II. S. 4ZI. ff. I>I. IV. 1. H. 156. Die unterwärts gehenden Destillationen (§. 149.) wurden so angestellt, daß man die Hitze obcrwartö an die Körper brachte, deren Dampfe man sammlen wollte. Man stellte zu dem Ende zwei) Töpfe umgekehrt aufeinander, mir einem dazwischen liegenden durchlöcherten Bleche, auf welches man die zu destillirenden Körper legte. Der oberste Topf wurde durch Kohlen oder Holzfeuer erhitzt, und die hervorgetriebencn Dampfe sammleten sich im untersten Gefäße, das daher in die Erde versenkt stand. Diese Art ist, wie man leicht einsehen kann, ganz gegen zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt, i r z gegen die Natur der Verflüchtigung, fehlerhaft, und deswegen auch mir Recht abgeschafft. Gewissermaßen gehört die Thee> s-bwelere)? hieher, von der im Folgenden wird gehandelt werden. Zur Ausscheidung des Quecksilbers aus dem Qu ckb 'en wird in den Amalgamirwerten die unterwarrsgehende Desi.llation mit vielem Vortheile anaewendet. Von l'orn über das Anqmcken. Wien 1786. 4. S. 15 6. Vab. XVtlI. Pneumatisch- chemischer Apparat. §. 157- Die so wichtigen und interessanten Entdeckungen der lnfrförmigen Stoffe in der neuern Epoche der Chemie haben eigene Werkzeuge nöthig gemacht, um jene bey den Destillationen igo. 154.), bey den Auflösungen (H. 56.), oder bey andern Operationen, wobey sie sich entwickeln, bequem und leicht auffangen zu können. Man begreift die hiezu dienenden Werkzeuge unter dem Namen des pncumarstW-ckemiffhen Apparars Op- xararuz pneumarn- cb?nn'L!>8). Die Entbindung und Anfsammlung der mehrcsten luftförmigen Stoffe geschehet im Grunde durch eine Art von Destillation; nur daß die eigenthümliche Beschaffenheit der Lustartcn, nach West cher sie eine permanent-elastische Flüssigkeit sind, ferner das nochwcndige Erfordernis, die atmosphärische Luft ganzlich auszuschließen, und andere Umstände nothw ndst gerweise eine eigenthümliche Einrichtung nöthig machen. 158. Jede Luftart ist stets specifisch leichter als irgend eine andere tropfbare Flüssigkeit, und steigt daher in dieser aufwärts. Auf diesen Satz gründet sich das Wesentlichste beym pneumatisch - chemischen Apparat. Das erste Stück ist demnach eine ovale von Holz oder auch GnmS Chemie. l.TH. ii4 !. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse von verzinnten! Kupfer, zwei) bis drei) Fuß lang, einen bis anderthalb Fuß tief und breit. Drcy bis vier Zoll unter dem obcrn Rande ist ein Gesimse waagerecht so angebracht, daß es ohngefahr den dritten oder vierten Theil der Flache der Wanne ausmacht. Vorne besindct sich in dem Gesimse eine Reihe Locher, die bis -5 Zoll im Durchmesser haben, und in welchen unterwärts kurzröhrigte Trichter so befestigt sind, daß ihre weitere Mündung dem Boden der Wanne zugekehrt ist. Die Wanne selbst wird mit Wasser so weit angefüllt, daß das Gesimse einige Zolle hoch davon bedeckt ist. Dies Gesimse dient nun, um die ebenfalls mit Wasser gefüllten Vorlagen auf die Löcher zu stellen, durch welche vermittelst der Trichter die Luftblasen hernach in jene geleitet werden sollen. §- 7 59- Da aber einige Luftartcn vom Wasser sogleich verschluckt werden, so ist jene Vorrichtung nicht anwendbar, um dieselben dadurch zu sammlen. Am bequemsten schickt sich in diesem Fall das.Quecksilber. Der Preiß und das große eigenthümliche Gewicht desselben verursacht aber, daß man diesen GmccWberapparar, dessen Einrichtung im Grunde dem vorigen im Wesentlichen ähnlich ist, weit kleiner machen muß. Zur Wanne, in welcher sich das Quecksilber befindet, dienet entweder recht dicht zusammengefügtes Holz oder Eisenblech. Grcn's Beschreibung eines O.ucckfilberapparats; im Journ, der physt B. I. S. 201. §. l6o. Zur Entbindung der Luftarten selbst, die man durch Destillationen oder Auflösungen gewisser Stoffe erhalt, dienen entweder gemeine oder besser tubulirte gläserne Retorten, die man ins Sandbad einlegt, oder, wenn stärkere Hihe nöthig ist, gläserne beschlagene oder irdene Retor- zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 115 Retorten, die man ins fteye Feuer stellt. An die Mündung der Retorte kütter man eine mehrere Fuß lange blecherne Röhre, deren unteres Ende man unter den Trichter der Wanne steckt. Wenn sich aber dabei) zugleich solche Dampfe erheben können, die das Metall angreifen würden, so muß man irdene gebrannte oder gläserne Röhren von einer ahnlichen Einrichtung vorlegen. Vorzüglich bequem sind gläserne Tubulatrerorten, welche mit einem langen, am untern Ende nach oben gekrümmten, Halse versehen sind. Zuweilen dient auch ein Flintenlauf, dessen Zündloch gehörig zugemacht ist. Man bringt die zu destillirenden Stoffe in das zugemachte Ende des laufes, legt dies ins frcye Feuer, und die Mündung desselben unter den Trichter der Wanne. -Oft braucht man auch kleine Retorten aus grünem Glase mit einem längern Halse, als gewöhnlich, dessen Mündung man gleich unter den Trichter der Wanne treten läßt, und wobcy man also der Verküttung der Fugen ganz überhoben ist. 161. Wenn bey der Destillation der luftarten zu gleicher Zeit auch tropfbare Flüssigkeiten mit gesammlet werden sollen, so dienk die sogenannte NArrelf^aZche, oder auch der schon oben (§. 155.) erwähnte Lavoisiersche Dcstillir- apparat. Wenn nach Endigung der Destillation die Luft der Retorte sich wieder abkühlt, oder sonst absorbirr wird, so kann es kommen, daß der Druck der äußern luft die Flüssigkeit der Wanne in das Destillirgefäß zurückdrückt, und dieses dadurch zum Zersprengen gebracht wird. Um dies zu verhüten, muß man entweder die Mündung der Röhre aus der Wanne herausnehmen, oder dieTubuli- rung der Retorte öffnen, oder die sogenannte Stehers heirsröhrc (lAbs lls lurete) ") angebracht haben. 5) a. a. O. S. 454. IV. il^. 1. H 2 r6s» -ii 6 I. Abschnitt. Nölhige Vorkenntnisse §. 162. Zur Entwickelung luftförmiger Stoffe Key Auflösungen , wo man eben mit keiner äußern Wärme zu Hülfe zu kommen braucht, kann man die sogenannte Enrbm-- dttnczsflasche anwenden. Sie besteht aus einem weißen starken Glase, mit einem eingeriebenen Glasstöpsel, und hat oben zur Seite noch eine andere Qeffnung, in welcber eine gläserne krumme Röhre, entweder durch eine messingene Schraube luftdicht befestigt, oder in den an derOeff- nung augebrachten Hals eingeschmirgelt ist. Die Mündung der Röhre bringt man unter den Trichter der Wanne, während die Auflösung in der Flasche vor sich geht. H. i6z. Als Vorlagen gebraucht man zur Aufsammlung der entwickelten Luftart allerlei) Flaschen und gläserne Glocken, vorzüglich aber Glasc^lmder von verschiedener Größe zmd Höhe, welche au dem einen Ende entweder ganz zu, oder besser mit einem eingeriebenen Glasstöpsel versehen, an dem andern aber offen sind. Ihr Durchmesser muß ihrer Höhe proporciouirc seyn, damit sie fest stehen. Ihre Höhe überhaupt muß sich immer nach der Tiefe der Wanne richten, um sie darin ganz untertauchcirzu können. H. 164. Bep der Aufsammlung selbst sind nun allerlei) Handz griffe uöthig, mit welchen man sich bekannt machen muß. Man taucht nemlich erst das Glas, welches als Vorlage (H. 16z.) dient, so in das Wasser oder in das Quecksilber der Wanne, daß es gänzlich damit angefüllt wird, und gar keine Luft in demselben übrig bleibt. Man erlangt dies, wenn man es senkrecht, mit seiner Qeffnung nach oben, unter die Flache des Wassers oder Quecksilbers stellt. Mau kehrt hierauf das Glas unter dem Wasser so um, daß seine Mündung nicht daraus hervorkomme, zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt, i ^ 7- und führt es in senkrechter tage auf das Gesimse der Wanne , wo man es über eine Ocffnung in demselben hinstellt. Der Druck der äußern Atmosphäre halt das Wasser in der Vorlage zurück; und so auch das Quecksilber, wenn dessen Säule nicht über 28 Zoll hoch ist. Die sich entwickelnde tust geht nun hernach bey ihrer Entbindung aus der Mündung der unter dem Trichter des Traggesimses befindlichen Röhre als Blasen durch die Qeffnung, steigt wegen ihres weit geringem specifischen Gewichts in die Flüssigkeit der Vorlage in die Hohe, und treibt diese durch ihre Schnellkraft heraus. Wenn die Vorlage mit Luftart angefüllt ist, so schiebt man, nach der vorher beschriebenen Art, eine andere mit Wasser oder mit Quecksilber gefüllte an ihre Stelle. H. 165. Will man den mir der Luft angefüllten Glascylin- der besonders aufheben, so senkt man einen porcellänencn oder hölzernen Teller, oder eine Tasse waagerecht in die Flüssigkeit, womit die Wanne angefüllt ist, und führt die Vorlage senkrecht darauf, wo man sie dann mit der Flüssigkeit gesperrt auf dem Teller stehend auf die Seite setzen kann. Um in cnghalsigte Flaschen die Luftart aufzufangen, dienen knrzröhrigce flache Trichter, welche man in die Ocffnung jener steckt, und damit nach der angezeigten Art auf das Loch des Traggesimses führt. Zur Aufbewahrung der Luft in diesen Flaschen stopft man ihre Mündung unter dem Wasser der Wanne mit einem Kork- oder eingeriebenen Glasstöpsel zu, und verklebt sie noch mit Wachs. Um eine Luftart aus einer Flasche oder Vorlage in eine andere zu bringen, so stellt man diese mit der Flüssigkeit der Wanne gefüllt auf das Traggesimse, bringt jene mit ihrer Mündung nach unrcn gekehrt, in senkrechter Stellung, in die Flüssigkeit, öffnet sie unter derselben, führt ihre Mündung nach und nach H z unter ii8 l. Abschnitt. Nökhige Vorkenntnisse unter den Trichter, und laßt durch allmahliges Neigen die darin enthaltene Luft in Blasen in die Höhe steigen, und in die Flasche gehen, die über der Oeffnung des Trichters stehen. H. 166. Um einige Key Auflösungen sich entwickelnde GaS- arten, die sich im Wasser nur nach und nach auflösen lassen, bequem damit in Verbindung zu bringen, dient die parkersthe Glasgcrachschafc. Der erste Erfinder derselben ist eigentlich D- Noorh. Herr Parker hat sie aber ansehnlich verbessert und bequemer gemacht. Sie bestehet nach dieser Einrichtung, die aber frcplich durch bloße Beschreibung nicht deutlich gemacht werden kann, aus dreyen, genau in einander passenden, Glasern. Das unterste lauft kegelförmig in eine, ohngcfahr anderthalb Zoll weite, Oeffnung zu, und hat einen flachen, nach innen erhabenen, Boden. An der Seite hac dies Unter- Lheil auch noch gewöhnlich eine Oeffnung mit einem eingeriebenen Glasstöpsel. Dies nutete Gefäß muß nicht zu klein, besonders nicht zu niedrig scyn. In die Oeffnung desselben paßt das mittlere Gefäß, das kugelförmig ist, und das den wesentlichsten und künstlichsten Theil der Maschine ausmacht. Es hat unten emen Hals, der in die Mündung des vorigen genau und luftdicht eingeschliffen ist. In diesemHalse befinden sich zwcy senkrecht übereinander stehende gläserne Zapfen, welche mit mehrern Haarröhren durchlöchert sind. Zwischen beiden ist aber ein kleiner Raum, den ein planconvcxes Linsenglas so einnimmt, daß es mit seinem flachen Theilc auf dem untersten Zapfen ruhet. Dies Linsenglas hat einigen Spielraum, und dient als Ventil, die durch die Röhren aufsteigende Luft durchgehen, aber keine Flüssigkett zurückgehen zu lassen. Dies mittlere Gefäß endigcc sich oben auch m «ine, ohngefahr einen Zoll wette, Oeffnung, und hat zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 119 hat nach unten zur Seite eine andere, die mit einem eingeriebenen Glasstöpsel verschlossen werden kann. In diesen Mittlern Theil der Maschine paßt das obere ebenfalls kugelförmige Glas, welches sich unrcn in einen Hals endiget, der in die Oeffnung des vorigen genau und luftdicht eingcschliffen ist, und in eine engere erwas krumm- gebogene Röhre auslauft, die fast bis zur Mitte des Mittlern Gefäßes herabsteigt. Die Mündung des obern ist mit einem kegelförmigen eingeriebenen Glasstöpsel geschlossen. — Das mittlere Gefäß wird mit dem Wasser gefüllt, das mit der Gasart angeschwangert werden soll. In dem untern Gefäße bringt man die Materialien zusammen, die bey ihrer Einwirkung auf einander die Gasart entwickelt, und diese steigt nun durch das glaset ne Ventil ins Wasser, und durch dasselbe, sammlet sich oben in den Mittlern Gefäßen, und drückt von da das Wasser in das obere Gefäß, bis sie endlich, wenn sie überflüssig ist, sich selbst durch die Röhre des Mittlern Gefäßes in die Höhe begiebt, und durch Emporheben des kegelförmigen Stöpsels aus dem obersten Gefäße einen 'Ausgang verschafft. I. A> von tNagellan Beschreibung eines Glasgeräthes, vermittelst dessen man mineralische Wasser in kurzer Zeit und mit geringem Aufwände machen kann. Aus dem Engl, von Wenzel. Dresden 1780. 8. S u b l i m i r e tt» 167. Wenn bey der Verflüchtigung Dampfe sich durch Abkühlung zu einem festen Körper wieder verdichten, so entstehet eine Sublunacion (§. 142.)^ Es gilt von ihr, was von der Destillation im Vorhergehenden angeführt worden ist; ja in vielen Fallen ist mit der Sublimation auch zugleich eine Destillation verbunden. Die H 4 weh- i2v l. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse mchresten Dest'llirgefaße finden bemn Sublimiren eine Anwendung. Den aufsubnmircen Körper sammlet man in dem Helme des Kolbens, worin die zn sublimirende Marerie liegt, der keinen Schnabel zu haben braucht, wenn die Sublimation ohne Destillation ist. Ein solcher Helm heißt ein blinder H>el«tt Gl mbicu.« coucuch. Ferner wendet man bey schwer aufsteigenden Dingen gläserne Retorten an, in deren Gewölbe oder Hals sich die Dünste aufsublimiren; leichiere Dünste sublimiren sich auch wol in der Vorlage; und wenn eine Destillation zugleich dabey ist, so sind solche Vorlagen sehr gut, welche in der Mitte des Bauches ein loch mit einer Röhre haben, durch welcbeö sich in ein daran befestigtes Glas die Flüssigkeit bequem absondern laßt. §. l68. Auch kleinere Kolben, Phiolen und gemeine cylin- drische Medicinglaser kann man zu den Sublimationen gebrauchen. Man verstopft ihre Mündung wahrend der -Operation mit einem papiernen oder thönernen Stöpsel. Der Sublimat legt sich an dem Obertheile jener Gefäße an. Endlich wendet man in einigen Fallen bey trocknen Sublimationen Töpfe oder Sebmelztiegel an, die man mit den zu verflüchtigenden Substanzen anfüllt, und mit einer Papierreute bedeckt, worui sich der sublimirte Körper sammlet. Ganz eigends dienen auch dazu die Alubel oder Slibllniirröpfe, die man sich als mehrere auf einander passende und im Gewölbe offene Helme vorstellen kann. Ihr Gebrauch ist aber sitzt sehr eingeschränkt. Noch sind bei) gewissen Sublimationen eigene Einrichtungen nothwendlg, die sich theils auf die Beschaffenheit und Form, welche der zu sublimirende Körper erhalten soll, theils auf die Quanritac, welche auf einmal subli- Mlrt werden soll, und auf die Ersparnis der Kosten gründen, wovon wir un Folgenden reden werden. §. 169. zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 121 H. 169. Die Sublimationen geschehe mehrentheils im Sandbade. Immer aber muß der Grad des anzuwendenden Feuers der Flüchtigkeit der zu sublimirendcn Dinge ^ angemessen seyn. Man grabt die Gefäße bald mehr, bald weniger tief in den Sand der Kapelle oder des Tiegels ein, je nachdem der sublimirte Körper feuerbeständiger oder flüchtiger ist, oder sich niedriger oder höher anlegen soll. Manchmal soll derselbe auch zugleich in eine Art von Zusammenstnterung gerathen, oder zu einem derben und festen Klumpen werden, das nur durch eine stärkere Hitze bewirkt werden kann, weswegen die Dämpfe auch nicht hoch steigen dürfen, um nicht zu geschwind und leicht abzukühlen. §. 170. Der aufsublimirte Körper, der als eine feste, derbe oder zusammenhangende Masse erscheint, heißt im eigentlichen Verstände ein Sublimat (lublimsmm, -Q^rum); wenn er aber von einem lockern Zusammenhange, oder von einem mehligten Ansehen ist, so nennt man Ihn Blumen (Koros). §. 171. Von den Sublimationen, die in verschlossenen Gefäßen geschehen, sind die Geberischen oder Glauberl? scben Sublimationen verschieden. Diese gehen bemn Zutritte der freyen Luft vor, und die Ansehung des Nasses in unser» Schorsteinen, des Ofenbruchs in Schmelzöfen, des Arseniks in den Gifcfangen, kann hiervon ein Beyspiel abgeben. Gewöhnlich werden sie auch nicht besonders unternommen, sondern gehen bcy einigen Nebenarbeiten zugleich mit vor, deren Beschreibung noch im Folgenden vorkommen wird. H 5 Andere i22 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse Andere Gerachschaften. Waage. Gewichte. Maaße. §. 172. Außer den bisher angeführten Werkzeugen braucht man, zumal bey der wirklichen Anwendung der Chemie in eigenen Gewerben und Fabriken, mehrere, wovon das Hauptsächlichste hier noch nicht vorgetragen werden kann. Mehrere von den hier noch anzuführenden brauchen nicht erst erklärt zu werden. Dahin gehören zur Aufbewahrung allerlei) flüsiigerDinge gläserne Flaschen (IsZsnas), die man mit Kort und Blase, oder mit eingeriebenen Glasstöpseln verwahrt, welches letztere das hermetische Ver? siegeln (IiFÜIum bormetlcnm, 8. Ick.) oft entbehrlich macht. Man braucht sie von verschiedener Größe, runde und rnerecktgre. Weißes Glas verdient dazu auch einen Vorzug vor dem grünen. Ferner Medicinglästr, von denen man die langen cylindrischen, Mönche, die kleinern kugelförmigen, Nönnchen nennt; und allerlei) irdene Flaschen. Für trockene Sachen nimmt man Fuckcrglästr, pulverglastr, die man mit Papier oder Blase verbindet, steinerne oder hölzerne Büchsen, Schachteln. Ferner metallene und gläserne Trich? ter, Sprcngeiscn, -Heber, kleine gläserne Gpriyen, Space! von Holz, Elfenbein, Metall, Bostel von verschiedener Größe, gläserne Röhren zum Umrühren, Rorkstopstl von allerlei) Größe, Blasen, -Handblast? bälge, Feuerwedel, Rohlenkorbe. H- 17z. Sonst sind auch noch einige physische Werkzeuge dem Chemisten unentbehrlich. Dahin gehören gute Ba? rsmeter und Thermometer, mit deren verschiedenen Scalen man nothwendigerweise sich bekannt machen muß, giite Aräometer, ein Hygrometer, eine Luftpumpe; eiii zur chsm. Untersuch, der Körper überhaupt. 12z ein etwas großes Brcnnglas; künstliche Magnete und Magnetnadeln, Mikroskope, und endlich ein clecmsther Apparat. §. 174- Die unentbehrlichsten Dinge in der chemischen Ge- rathschaft sind endlich noch die Waagen und Gewichte. Elftere Mllß man von verschiedener Große haben, und es verstehet sich von selbst, daß sie sammttich richtig scyn und scharf ziehen müssen. Besonders gilt dies für die kleinern Waagen, vornemlich für die probirwaagc, bey der man auf Empfindlichkeit und auf die Lange der Balken wohl Rücksicht zu nehmen hat, und welche man auch, um sie für Staub und für den Zugang der Luft zu sichern, in Schranken mit Glasfenstern einschließt. Man muß sie nie mit zu großen Gewichten beschweren. H. 175. Um die Schriftsteller in den verschiedenen Theilen der Chemie gehörig zu verstehen, muß man sich mit den Eintheilungen und dem Unterschiede der verschiedenen Gewichte, welche bey ihnen vorkommen, wohl bekannt machen. Das Apotheker- oder Nürnbergisthe Mc- dicinaigewicht Gallus mellicinsle) ist durch ganz Deutschland einerlei). Ein Pfund (librg, stz) wird in zwölf Unzen; die Unze (unci'g, z) in acht Drachmen; die Drachme (llrsLbms, Z) in drey Scrupel; und der Scrupel (lcrupulrw, )) in zwanzig Grau (ßrsns) getheilt. In Frankreich theilt man die Unze in acht Gros oder Drachmen, diese in drey Scrupel, den Scrupel aber in 24 Gran lftrsms). Das französische Apothekerpftmd zu 12 Unzen gerechnet, ist aber schwerer, als das deutsche. Denn dieses macht nur i! Unzen 5 Drachmen z? Gran im französischen Gewichte. Das deutsche Apothekerpfund ist serner auch z 124 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse z Drachmen, 2 Scrupel und iz^z- Gran leichter, als das engitsclw; aber 1 Scrupcl 18^- Gran schwerer, als das schwedische. §. 176. Man cheilt die Medicinalgewichte ferner auch in halbe Pfunde, Unzen, Drachmen und Scrupel, und drückt es durch das beygeseßte st oder s aus. In der Medicin schreibt man der mehrern Sicherheit wegen den Werth der Gewichte mit römischen Ziffern; setzt aber nicht gern )lis statt Zj; incht )'st statt Zst; nicht Ziv statt ffst; nicht Zvüs statt A: wohl aber zo Gran statt Zst; 10 Gran statt )st, )iv statt Zs )s; 20 Gran statt )j, Zix statt ffs Zj u. s. w. Zur bessern Uebersicht der deutschen Medicinalgewichte kann folgende Tabelle dienen: N ltzst 5 515 5 Zff ) S Gran 1 — 2—1222224 — 96 — 192 — 288 — 576 — 5760 1212 6 — 12222148222 9622:1442222288 — 2880 16 222 24222 48 — 480 8 — 12 222 24 — 240 2 222 Z — 6222 6c> 1 222 1^222 Z — Zo I 2 222 20 ^ — 10 H. 177. In vielen Fallen rechnet man auch im Cöllnischen L'Narkgewlchre, wo man dieN ?ark in acht Unzen oder scchszchn Loch, die Unze in zwey Loch, das Loch in vier Quentchen, das Quentchen in vier Pfennige, den Pfennig aber entweder in zwey Heller, oder in 17 Eschen oder in r 9 As oder in 256 Richtpfennigscheile eiucheilk. Dieser Richtpfennig (äenarius lkiretkorius) kann mit Nutzen zur Bestimmung und genauesten Vergleichung anderer Gewichte gebraucht werden. Diescmnach enthalt C. M. zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 12; C.M. halb. M.Unz. Loch. Qu. I TU 2 21 8 — 16 21 64 8 — 32 Pf. 256 r — 4 i 4 1 >28 271 Z2 — l 6 771 4 — I — Rchtpfth. - 65536 Z2763 8 192 4096 1024 256 Im Cöllnischen EftbeNFewichte hingegen, wo 1 Eschen 15 Rchtpfth. betragt, ist 1 Mark Tu I. I I I I I 4Z52 Eschen 2176 5 544 - 272 - 68 - 17 - Unze — Loch 771 Qu. TU Pf. ^ Heller — 1 Z-i? Rchtpfth. n 1 - §- Die Unzen des deutschen Apotheker-Gewichtes sind von den Unzen des Cöllnischen Markgewichtes verschieden. Denn 65536 Rchtpfth. machen eine Mark oder acht Unzen Cöllnisch (H, i?7-); hingegen wiegen acht Unzen Nürnberger-Medicinalgewichr66949Rchtpfth. Es hat Pf. Medicinal-Gewicht T. . 2 1 Unze 1004234 Rpfth. 2. 502 r 8363^ 4184'/? 1046/4 343chzz ^ / ZS4O i Drachme - - 1 Scrupel - - 1 Gran - - Die Drachme Medicinal - Gewicht wiegt also 22/4 Rpfth. mehr, als das Quentchen Cöllnisch Markgewicht (H. >77), und die Unze von jenem 176^ Rpfth. mehr als von diesem. §. i?S. 126 I. Abschickt. Nölhigs Vorkenntnisse Nach dem französischen Trsvs - Gewicht wird die Mark in achr linzen, die Unze in acht (Neos, der Gros in drev Dcnicrs, der Denier in vier und zwanzig G'rains gccheilt. Es enthält aber nach Cöll- nischcin Markgcwicht i französische Mark - 63729 Rpfth. 1 Unze derselben - 859^ - - 1 GroS - - iL>7ZZ^ - 1 Denier - - ZZ?4?^ - 1 Gram - - 14-AsZ - Nach dem holländischen Troys - Gewicht sind in der Mark acht Gncen, in der Once 20 sLugcls. Ein Engel hat 32 2las. Nach Cöllnischem Markgewicht beträgt davon 1 Mark - 63985 Rpfth. 1 -Once - 862z ? 1 Engel - 43-/5 - 1 Aas - 1 z-M-? Diesemnachsind 19 Vlark holländisch TroyS-Gewicht gleich 20 Vtark,weniger 5 Rpfth., Cölinischem Gewicht. Im englischen - Gewicht wiegt ein Pfund Z wölf (Dances, eine (Dance zwanzig Nsnn^ nechbks, ein ?SNNZ' vier und zwanzig (Drains, ein (Drsin zwanzig lUites. Nach dem Cöllnsschcn Markgewicht sind in 1 Pf. desselben - 104633 Rpfth. 1 (Dunes - L724 - 1 ?ennz^ evsi^lrt - 4Z6^- -. 1 (Drain - - - 1 kUits - - H. 130. In unserm gemeinen oder bürgerlichen Gewicht (ponäus civiw) wird das Pfund m sechszehn llnzen oder zur chem. Untersuch, der Körper überhaupt. 127 oder zwe^ und dreyßig Aoth, und das Loch in vier «Qucncchen eingctheilt. Diese loche sind aber nicht aller Orten sich gleich, und man kann daher die halbe Unze im Medicinalgewichte nicht geradezu für ein loch im bürgerlichen, oder die Drachme für ein Quentchen nehmen. In Frankreich hingegen sind sich die medici- nischen und bürgerlichen Unzen gleich. Nach Pariser Unzen, deren 16 auf ein Pariser Pfund gehen, hat Par. Pf. Unz. Qu. Gr. Ein Amsierdammcr Pfund - r 42 Berliner " - - — 15 2 Z2 Danzigcr - - ----- l5 2 7 Deutsches Medicin. Pf. (§. r 75.) — 11 5 Z7 Florcntinisches - - — 11 — 50 Frankfurter (am Mann) - — 15 — 10 Genfer - - 1 — — 18 Genuesisches - - — 10 5 6o Hamburger - - — 15 2 15^ Köllnisches - - — 15 2 IZ^ Kopenhagener - - — 15 8 20^ Lisiabonncr - - — 15 7 63 jondner, - - — 12 z 12 Madritter - —- 15 — 16 Manheimer - - 15 2 2O^ Marseiller - - — iZ 7 62 Meilandisches - - — 9 z — Neapolitanisches - - — 10 7 54 Römisches - - — l r — 52 Stockholmer - - — iZ 7 8 Strasburger - - — l5 5 15 Venetianisches - ? — L 6 — Warschauer - - 1 lo 4 24 Wiener - - I 2 2 ZZ SxuelmannsPbsrrvzcop. xeneral. S. 6. §. 181- l28 I. Abschnitt. Nöthige Vorkenntnisse §. 131. Gold und Silber werden gewöhnlich auch nach dem Legjnljeben dNa-'kgcrnicbte (§. 177.) gewogen. Bey dem Golde thcilt man die Mark in vier und zr^an^ Z!N ^»arar sLursrium. t^gi-on''s»), und das Karat in zrvölf Gran. Die Mark enthalt also 238 Gran ; die man wohl von den gewöhnlichen Granen unterscheiden muß. In Frankreich theilt man das Karat in znwy und drcvß'A Tbe:le. Im Cöllnischen Markgcwichte wiegt in Deutschland 1 Mark - 65536 Rpfth. 1 Karat - 2730^ - 1 Gran - 227A - Ben dem Silber wird die Mark in seckszekn Ä.0tb, das Loth in acbrzebn Gran, und jeder Gran wieder in vier Dlerrhcüe getheilt. Diese Grane sind also auch wieder von den gewöhnlichen Granen weit verschieden, und 2 38 derselben gehen auf eine Mark Cöllnisch. Im Cöllnischen Gewicht enthalt r Mark Silber-Gewicht quch 65536 Rpfth. i loth - - 4096 - 1 Gran - ? 227A - ^ Gran - 5 - Züß- - H. 182. Das prsbirAevv'cdr sp» »ÜUZ 6ewimaikieum) ist ei n verjüngtes anderes Gewicht. Es wird bey der Untersuchung des Gehaltes der Erze im Kiemen angew n-, det. Man hat dazu ein sehr genan emgetheiltes kleines Gewicht mit allen Unterabtheilunaen im Gebrauch, welche sich auf das Gewicht bey der Arbeit im Großen beziehen. Man theilt den problrccmncr, der alw nur ein angenommener Centner ist, in Pfunde, Loche, O.ucnt- zur chcm. Untersuch, der Körper überhaupt. 129 Quentchen u. s. w. ein; allem da diese Untcrabtheilum am in verschiedenen Ländern von verschiedenem Gehalte sind, so ist es auch der Probircentner. Gemeiniglich pflegt man ihn zu einem Quentchen Cölinisch Markgewicht oder >024 Rvfth. anzunehmen, und in -oo, no oder 1 > 2 Theile, wie im Großen zu rheilen. Vom pro- birccumer-Gervtcbr muß man folgende Stücke haben: Rpfth. oder r Qu.K. - ^ - - Zoder i Pfen, 1 ^ — 100 K- !O24 s ^ - — ZO 512 5 - — 25 s — 256 16 5 .IUI I6Z-? 8 5 8'^ 4 405? 2 ^ 2oz-z I 5 um 10^,- - 1 6<0th—55? 8 - —2^7 4 - l ce 2 - -5 5 ' Zum probiren des Goldes und Gilbers, die un Großen nach Marken bestimmt werden (H. >8i.), hat man eine verjüngte Mark mit ihren Unterabtheilun- gen. Beym Golde nimmt man diese Mark zu 128 Rpfth., und man hat folgende Gewichte nach diesem verjüngten Maaßstabe, nemlich: r Mark oder 24 Karat — 128 Rpfth. 12 r 64 - 6 ? Z2 Z - — 16 x 2 - —- 10^- c Grer.s Chemie, t. LH. I l Karat iZO I. Abschnitt. Nölhige Vorkenntnisse i Karat oder 12 Gran — Z-s Rpfth. 6 s 222 2-ö - 3 - — - 2 ? 222 ^ - 1 - 222 ß - ^ — s - T . I ^ ^ 9 Beym probiren des Silbers iümmt man die Mark, im verjüngten Maaßsiabe, entweder zu einem Pfcnniggewichte von 256 Rpfth. oder zu 162 Rpfth. Man hat dicsemnach Gewichte von 1 Mark oder 16 Loth — 2 z 6 Rpft. oder r 6 2 Rpft. g ? 222: 128 - - 81 - 4 - 222 64 - - 40^ - 2 - 222 Z2 - - 20Z - z oder 18 Gr.—I 6 5 - 10? - 9 - — 8 - - 5?? ^ et - 222 5i - - Z chK - 3 - — 2-5 - - 2 - 222 - - 1-222 z- - -K' - -z - s - - 5 - ^ ? ^ ' §. l.84. Das Gewicht flüssiger Dinge zu bestimmen, hat man gewisse Gemäße, oder hohle Behaltnisse von einem bestimmten Umfange. Man hat aber zur Zeit noch kein allgemein eingeführtes Maaß, und richtet sich überhaupt hierin nach den in einem jeden lande gewöhnlichen und festgesetzten Gemäßen, die aber sehr von einander abweichen. Besser ist es, flüssige Dinge abzuwägen, als zu messen, weil sie von sehr verschiedener Dichtigkeit seyn können, und sich dazu des Medicinal - oder Cöllnischen zur chcm. Untersuch. der Körper überhaupt. : z: nischen Markgewichtes zn bedienen. Das sogenannte Meissiutegias ist gewöhnlich auch nur auf Wasser eingerichtet. 'Eden so unsicher ist es anck, Kräuter und Blumen nach einem äußern Umfange zu bestimmen, und es wird besser für eine chandvol! (manipuluO eine halbe Unze, und für drey Anger vsll (xuZilluz) eine Drachme genommen. Gegenwirkende Mittel» §. 185. Außer den Wsrkzeiigen gebraucht der Chemist zur Untcrsilchung der Körper noch eine zahlreiche Menge von Materialien selbst als Mittel. Diese Grosse, die durch gewisse Veränderungen, welche sie erleiden oder Hervorbringen, auf die Natur und Beschaffenheit des zu untersuchenden Gegenstandes schließen lassen, nennt man czcZcnwirbendc Mittel (U?Ä-;smm). Um aus ihnen sichere Resultate zu ziehen, müssen sie in der möglichsten Reinheit angewendet werden. Sie können hier noch nicht selbst aufgezahlt werden, sondern müssen in der Folge da erwähnt werden, wo von ihrer Anwendung die Rede seyn wird. VollMnälxss ebemilLl'.sz Ürodlseksdinet, UsmZgs» drsuebe — eunvorien von ff. ?'!>.. I. Isn. 1790. L- Laboratorium» H. rg6. Der Ort, worin der physische Chemist seine verschiedenen Arbeiten vornimmt, heißt das lLaboratsrtmn» Feuerfestigkeit und Bequemlichkeit, alle die erforderlichen Arbeiten darin ungehindert vornehmen Zn können, sind die beiden Erfordernisse desselben. Es muß zu dem Z s Ends iz2 s. Abschnitt. Nöchige Vorkenntnisse zur:e. Ende entweder ganz gewölbt seyn, so daß sich der Ranchfang in der Mitte befindet, oder es ist eine besondere Feueresse angebracht. Im erstem Falle kann man die versckuedenen Oefen an den Wanden umher vcrtheilen; im letztem Falle bringt man nur diejenigen Oefen unter die Esse, in welchen solche Operationen vorgenommen werden, wobey sich viele Dämpfe entwickeln. Es muß ferner geräumig, helle, luftig, reinlich, mit einem gut ziehenden Rauchfang und mit der Gelegenheit versehen seyn, immer frisches Wasser haben zu können. Die übrigen uöthigen Geräthschaften stellt man auf Reposi- toricn oder Gesimsen, oder hängt sie auf Haken, an den Mauern des Laboratoriums. Solche Werkzeuge, die wegen ihrer Feinheit, oder ihrer eigenthümlichen Beschaffenheit, leicht vom Rauche und den Dämpfen leiden können, und die zur Untersuchung dienenden gegen- wirkcnden Mittel und Zubereitungen bewahrt man in eiuem.abgesonderten Zimmer. In dem Laboratorio selbst muß ein besonderer Platz für die Kohlen seyn. Zwey- Zweyter Abschnitt. Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. §. 187. he wir zu der Untersuchung der Bestcmdtheile der Körper der drey Reiche der Natur übergehen, ist es nö- thig, un6 erst mir denjenigen Substanzen zu veschäffti- gcn, die keinem Reiche der Natur ausschließend eigen, sondern allgemeiner verbreitet sind. W ä r m e m a t e r i e. §. 183. Jedermann kennt die Empfindung, die wir mit dem Namen der tvärmc belegen, und die wir, wenn sie uns beschwerlich und unangenehm wird, Hiye nennen. Wir haben diese Empfindung nicht nur dann, wenn wir einen Theil unsers Körpers unmittelbar dem Küchenfeuer oder den Sonnenstrahlen aussetzen, sondern wir erhalten sie auch unter unzahligen andern Umstanden bey Einwix-^ kung von Körpern unter einander. §. 18Y. Mit Recht können wir aus der Veränderung unseres Zustandes, und aus der Wirkung, die wir Errvärs nittng oder Erhiyung nennen, auf eine materielle Ursache schließen, welche diese Empfindung hervorbringt. Dieses Wesen nun, das sich unscrm gesunden Gefühle durch die Wirkung der Erwärmung oder Erhitzung zu erkennen giebt, nennt man tVärmematcrie, XVärme- stsff (mstsrls caloriZz Lsloricum, um eS I Z so II. Abschnitt» so von der Empfindung dcr Warme und Hitze, davon es die materielle Ursach ist, zu unterscheiden. §. 190. Da wir dies Wesen, außer dem allgemeiner« Gefühle, keinem eigentlichen Sinne bemerkbar darstellen können, so müssen wir seme Narur und seine Eigenschaften aus den Erscheinungen und Wirkungen, die es in Verbindung mit andern gröbern und mehr sinnlichen S offen äußert, folgern. Das erste, was wir an den Körpern bemerken, die wir in den Zustand bringen, daß sie in uns die Empfindung der Erwärmung oder Erhitzung bewirken, ist die Ausdehnung in einen größern Raum, oder die Zunahme ihres Inbegriffs (rarelüüiv). §. Man bedient sich dieser Veränderung des Volumi- »is gewisser Substanzen selbst als Maaßstab zur Bestimmung der Abnahme oder Zunahme derO.uantität der freyen Warmerhcilchen in verschiedenen Umstanden der Körper, oder gründet darauf die Einrichtung dcr Werkzeuge, die uns Aenderungen der Wärme bemerklich machen, der Thermometer. Thermosöope, Warme? Messer, und der Pyrometer, deren nähere Beschaffenheit und Graduirung für die Physik gehört. H. 192. Man nennt die Warmematcrie in dem Zustande, da sie dw Empfindung der Hitze oder Warme auf uns, oder die Rarefaccion der thermoskopischen Substanz hervorbringt, freye, fühlbare, thermomcrnschc War? memarerie (süZtori-i (Mlnrix suo.sikiiiz). Es lassen sich aber die Phänomene nicht gcnugthuend erklären, wenn man nicht annimmt. daß die Materie dcr Wärme eine distrete Flüssigkeit ist, deren Thcilchcn in Beziehung auf Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe, iz 5 ihren Durchmesser durch große Zwischenräume von einander abgesondert sind. §- i?Z. Die Warmemateric ist eine elastische oder expansi- bcle Flüssigkeit. Um einen erhitzten Körper herum, wird auf allen Seiten desselben ein Thermometer afficirt. Es bewegen sich also die Theilchen desWarmcstoffs von dem Orte aus, wo sie frcp werden, nach allen Richtungen zu, und indem sie wie die Radii einer Kugel vom Mittel- xunet nach der Peripherie zu auslaufen, kann man sich eine Sphäre des Warmestoffs um den erhitzten Körper herum von einer unbestimmten Größe vorstellen, in welcher die Starke dieses Ausflusses oder die Dichtigkeit der Warmetheilchen abnehmen muß, wie das Quadrat der Entfernung vom erhitzenden Puncte zunimmt. §. 194. Die freye Warmemateric ist ferner eine strahlende Flüssigkeit, oder es bewegen sich die Theilchen ihrer Masse von da aus, wo sie frei» werden, geradlinige, und sie strahlen auch da, wo sie in ihrem Fortgange aufgehalten, und soi.st nicht ruhend gemacht werden, unter dem Winkel zurück, unter dem sie auffielen. Diese geradlinigte Strahlung laßt sich durch die Erscheinungen mit Hohlspiegeln und Thermometern entscheidend beweisen. ibamderts Pnrometrie, oder vom Maaß des Feuers und der Wärme. Berlin 1779. 4. S. 201. ff. Garrfiares Reisen durch die Alpen, Tl). IV. H. 92;. NIard'. Aug. Picrcrs Versuche über das Feuer, aus dem Franz. Tübingen 179-2. 8. Cap. III. Ueber das Gleichgewicht des Feuers und die scheinbare Reflexion der Kalte, von Hrn. Prcvojr; in Grcns Journal der Physik, B. VI. S. Z25. ff. §- r?5. u. Abschnitt. §- Mit dieser geradlinigten Strahlung der Thcilchcu des frcycn Warmestoffs kann das Schwerscyn derselben nicht bestehen. Es laßt sich also hieraus scbon a priori beweisen, daß die Materie der Warme der Schwerkraft nicht unterworfen ist, und g pnsieriori laßt sich durch keinen einzigen Versuch darthun, daß sie schwer sey. Der Warmestoff ist also eine inponderabele elastische Flüssigkeit. §. 196. Da sich nicht sinnlich erweisen laßt, daß die War- memarerie ihre Eppansibilität von einer andern Materie mitgethcilt erhalte, und da die Strahlung der Theilchen derselben vielmehr mit der Schwerkraft und der Coha- sionskraft im Widerspruche steht, als daraus erklärt werden kann; so sind wir genöchigt, die Bewegung der Warmetheilchen einer eigenen Grundkraft unmittelbar zuzuschreiben, die man paust vkrafr nennen kann, von der wir freylich gern gestehen wollen, daß wir von derselben an sich so wenig wissen, als von der Kraft der Schwere oder der Cohasion. Von der Dichtigkeit dieser strahlenden Wärmematerie, oder ihrer Quantität in einerley Räume, hängt die Intensität der Hitze oder Warme ab. Diese durch ihre Wirkungen aufs Thermometer bestimmten Intensitäten der Hitze nennt man die Temperaturen. §. i?8. Aus der Strahlung des Wärmestoffs folgt, und die Erfahrung lehrt, daß jeder erhitzte Körper, der nicht einer vaurcndcn Quelle neuer Warme ausgesetzt ist, seinen Ueberschuß der Temperatur über die umgebenden all- mählig Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe, iz 7 mahlig wieder verliert. Es ist kein Körper der Erde, der vermögend wäre, diese mitgetheilte höhere Temperatur zurückzuhalten. Es giebt also für den Warmestoff keine undurchdringliche Hülle. H. 199. Wenn ein Körper eine höhere Temperatur hat, als ein anderer, der mit ihm zusammengebracht wird, so pstanzt sich die Warme aus jenem in diesen fort, und der kältere entzieht den Ueberschuß der Warme dem warmem. Der eine verliert also an seiner Temperatur, und der andere überkömmt, und dies dauert so lange, bis sie beide zu einer gleichen Temperatur zurückgebracht sind. Deswegen sagt man auch, daß die Warme eines Körpers, oder eines umgebenden Mittels, einem gleich großen Grade von Warme in einem andern Körper das Gletchgewtchr halte. 200. Bey diesem Gleichgewicht des Warmestoffs in Körpern von einerlei) Temperatur muß man aber nicht die Vorstellung haben, daß derselbe durch sich selbst zurückzuhalten sey, oder daß er sich durch den Gegendruck des eben so elastischen Warmcstoffs in emer gleichförmigen Spannung oder Dehnung befinde, so wie etwa zwcy mit Federkraft begabte Polster oder Federn im Gleichgewicht sind. Diese Vorstellung streitet schlechterdings mit der Natur der Warmematerie, die als eine discrete strahlende Flüssigkeit sich nicht selbst zurückhalten rann. ES besteht vielmehr das Gleichgewicht der Warnte in der Gleichheit der durch Strahlung des bewegten Warmcstoffs hervorgebrachten Wechsel. Pre-ost a> a. O. §. i. §. a c-r,. iZ8 II. Abschnitt» 201. Wenn also ein Körper in cinerley Zeit eben so viele freye Warmetheilchen ausstrahlt, als er empfangt, und umgekehrt, so ist seine Temperatur daurcnd. Wenn er mehr empfangt, als er ausströmt, ohne diese empfangenen Wärmetheilchcn in ihrer Eppansivkrast zu modifici- ren, so nimmt seine Temperatur zu, oder er wird erhitzt. Wenn er hingegen mehr ausstrahlt, als er empfangt, so nimmt seine Temperatur ab, oder er wird erkaltet. Die Erhitzung oder Erkaltung eines Körpers ist also nur die Differenz dieser ein- oder ausströmenden Warmetheilchen. 202. Wenn die Theilchen des Wärmefluidums durch andere Substanzen keine Modisicarion ihrer Erpansivkraft, und daher ihrer Wärmeäußerung, erlitten, so würde aus der Natur des Warmestoffs selbst folgen, daß bey gleichen Temperaturen der Körper die absoluten Quantitäten desselben sich verhalten müßten , wie die Zwischenräume der Körper, die die Warmetheilchen aufnehmen. Denn, wenn gleiche Temperaturen gleiche Dichtigkeiten der strahlenden Wärmematerie voraussetzen (H. 197.), so müßten die Zwischenräume in Körpern von gleicher Temperarur von gleich dichtem Wärmestoff durchströmt werden; und bey gleicher Temperatur müßten also gleich viel und gleich große Zwischenräume gleiche Quantitäten des frcyen Warmesioffs enthalten. Es würde hieraus folgen, daß bey gleichen Temperaturen und Volumen zwcyer Körper die absoluten Quantitäten der Warmetheilchen sich umgekehrt verhielten, wie die wahren Dichtigkeiten dieser Körper. Da wir aber die wahren Dichtigkeiten derKör- per nicht zu bestimmen im Stande sind, und die Verhaltnisse der cigenthümlichen Gewichte noch gar nicht die Verhältnisse der erster:: und, so sieht man leicht, daß die Quantitäten des freye:: Wärmestoffs in zwcy Körpern von Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe, t z 9 von gleichem Volum und gleicher Temperatur sich nicht umgekehrt verhalten können, wie die clgenchümlichen Gewichte dieser Körper. H. 20z. So lange zwey Körper völlig gleichartig bleiben, so kann es gar keinem Zweifel unterworfen seyn, daß, wenn die Temperaturen derselben gleich sind, die absoluten .Quantitäten des freycn Wärmcstcffs sich darin verhalten wie die Volumina, oder auch wie die Massen der Körper. H. 204. Es folgt hieraus, daß, wenn zwey gleichartige Körper von ungleichen Temperaturen mit einander gleichförmig vermengt werden, sich die Warmctheilchcn beider zusammen gleichförmig durch das ganze Gemenge verbreiten, und die Verthcilung des Ueberschufses des Wärmestoffs im wärmern Körper den Volumen oder Massen derselben proportional seyn müsse, wie auch die Erfahrung bestätigt, wenn man zugleich das in Anschlag bringt, was während dem Zusammenmischen an die umgebende kuft oder das Gefäß tritt. §. 205. Wenn hingegen Körper von ungleicher Art in verschiedenen Temperaturen mit einander vermengt werden, so vertheilt sich, der Erfahrung zu Folge, der Ucber- schuß des wärmern weder nach Verhältnis der Gewichte dieser Körper, noch nach Verhältnis ihrer Volume, und es sind ungleiche Quantitäten der freyen Warmethcilchcn uöthig, um in gleichen Gewichten oder Volumen gleiche Veränderungen der Temperatur zuwege zu bringen. Wenn z. B. 1 Pfund Quecksilber mit l Pfund Wasser, das eine höhere Temperatur hat, als jenes, mit einander k"' 140 . U. Abschnitt. zusammengerührt werden, so wird die Warme des Gemenges allezeit größer seyn, als das arithmetische Mittel der vorigen Temperaturen; wenn aber das Quecksilber heißer ist, als das Wasser, so wird die Temperatur kleiner seyn, als das arithmetische Mittel. Ist das Quecksilber r io Grad Fahrenh., und das gleich große Gewicht Wasser 44Gr., so wird die Temperatur des Gemenges nicht 77 Gr. werden, wie sie werden sollte, wenn sich der Ueberschuß des frcyen Wärmcfluidums unter beide Massen gleichförmig vcrtheilte; sondern sie wird nur 47 Gr. Wenn hingegen das Quecksilber 44 Gr. Fahrenh. nud das gleich große Gewicht Wasser nc> Gr. Warme haben, so wird die gemeinschaftliche Temperatur 107 Gr. Wenn also das Quecksilber nur 6z Grad durch Verrhei- lung vcrstcrt, so gewinnt das Wasser nur z Grade, nnd wenn hinwiederum das Wasser z Gr. verstert, so gewinnt das Quecksilber 6z Gr. Man schließt also, daß so viel frcye Warmerheilchen, als das Wasser von einer gegebenen Temperatur um 1 Gr. warmer machen können, ein eben so großes Gewicht Quecksilber von eben dieser Temperatur um 21 Gr. erwärmen, und daß, wenn Wasser und Quecksilber bei) gleicher Temperatur gleiche Gewichte haben, die frcyen Warmerheilchen in jenem sich zu denen in diesem verhalten, wie 21 : r, oder wie 1, ooc> : 0,047. §. 206. Dies Verhältnis; der Quantitäten freyer Wärme- thesschen in ungleichartigen Körpern bcy gleicher Temperatur und gleichem Gewicht nennt man die specisische XDärme (ealor specillcuz) nach Hrn. Wilsc, oder die ^ompararive Wärme, auch die Lapacicär für War, Nie, nach Hrn. Crarvford. Bestimmt man dies Verhältnis; bei) gleich« in Volum, so nennt es Hr. Wüöc die relative Wärme. Man bestimmt nach dem vorher (§. 205.) Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 14 r 205.) angeführten Beyspiel diese specifische Warme der Körper aus den Veränderungen der Temperaturen, die sie zeigen, wenn sie in verschiedenen Temperaturen vermengt werden, und hernach auf eine gemeinschaftliche gebracht worden sind. Wenn ncmlich die Gewichte der beiden Körper gleich sind, so verhalten sich die specifischen Wärmen derselben umgekehrt, wie die Veränderungen der respcctiven Temperaturen, die sie erlitten haben, nachdem sie auf eine gemeinschaftliche gebracht worden sind. Wenn die Gewichte der zu vermengenden Materien ungleich sind, so verhalten sich die specifischen Wärmen umgekehrt, wie die Producte aus den Veränderungen der respcctiven Temperaturen in die Gewichte. Nach dem vorher (§. 205.) angeführten Beyspiel wird die Temperatur eines Gemenges von 1 Pf. Quecksilber von noGr. mit 1 Pf. Wasser von 44Gr., 47 Gr.; es ist folglich die Veränderung der Temperatur des Quecksilbers 110 — 47 222 6z Gr., und die des Wassers 47 —44222z Gr.; und demnach ist die specifische Wärme des Quecksilbers zu der des Wassers wie z : 6z 222 1 : 21 222^: 1. Der erste, der über diesen Gegenstand Versuche angestellt hat, ist Hr. vvilbe. Hr. Dlacr und Irvine, der Erfinder der vorhin angeführten Formeln, hatten sich zwar auch schon mit diesem Gegenstände beschafftigt; die Resultate ihrer Untersuchungen wurden aber erst bekannt, seitdem Hr. Craw- forv seine Versuche über diese specifische Wärme herausgab, die nachher Herr st-avoisicr, ve la Place, Airwan noch mehr erweitert haben. Man hat die Resultate dieser Versuche in Tabellen gebracht, und die specifische Wärme des Wassers dabey zur Einheit gesetzt. — Ich sollte nun auch hier eine solche Tabelle mitthcilen; ich gestehe aber, daß ich in alle diese Zahlen ein Mistrauen setze, thells weil man sich zurAnstellung oieser Versuche des Wassers bediente, in welchen doch, wegen der Verwandlung desselben in Dunst, der mitge- theilte frene Wärmestosszum unmerkbaren wird, theils weil man Körper zusammenbrachte, die entweder chemisch auf einander wirkten, oder sonst ihre Form änderten, woben latenter War- mestoss frey oder freyer latent wurde. Dadurch werden aber die !l. Abschnitt. die Resultate ganz anders, als sie fem, müßten, wenn sich bloß her freue Wärmestoff unter die zusammengebrachten Körper verteilte, ohne daß etwas davon verschluckt und unmerkbar, oder ohne daß vorher gebundener freu würbe. Wenn z. B. Essig und Wasser, oder Wemgeist und Wasser mit einander vermischt werden, so wird Wärmestoff aus rem Gemisch frey und sensibel, und folglich die mitgethsiite Temperatur erhöhet; es wird also die Veränderung der Temperatur nothwendigcr- aveise anders ausfallen, als sie ausfallen würde, wenn den der Vermischung beider Substanzen kein latenter Warmestoff freu und sensibel würde. Uebrigens verwechseln manche Chemisten ganz irrigerweise die latente Wärme mit der specisischen; denn die letztere ist das Verhältniß der freuen und sensibel» Wännetheilchen in Körpern von gleichen Temperaturen und Gewichten. Versuche über die eigenthümliche Menge des Feuers in den Körpern, und deren Messung, von I. T, QMck'o; m den neuen schwedischen Abhandlungen vom I t78i. B. il. S. 48. ff. und in Trolls neuesten Entdeckungen, Th. X. S. 16z. Tixperimeuts lliist oblervstiunz vir guimlll lleat, guä tlre iuilgmmlltluu ob comkulstbls bostie« " l>/ ^ä!a»> Taust. »779. ß. >738- 8- Adaie Trawford Versuche und Beobachtungen über die thierische Wärme, aus dein Engl. Herausgegeben von E, Troll. Leipzig 1789. 8- s/ wider die Theorie des Hrn. Trawfords, ans dem Englischen. Leipzig 1787. 8> Pressung der neuen Theorien über Feuer, Wärme, Brennstoff und Luft, von Gren; un Journal der PHM. B. l. S. 5. ff. S. 18?. ff. H. 20?, Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 14z §. 207. Die Wirkung des Warmestoffs auf andere Körper, Ausdehnung derselben zu einem größern Inbegriff (§. ryo.), Schmelzen der festen Körpers. 106. ff.), und Verwandlung in cxpanstbele Flüssigkeiten, in Dampfoder Gasform (§. l zo. ff.), ist Folge der Expansivkraft seiner Theilchen. Ohne den Warmestoff würden alle Körper unserer Erde im Zustande der Festigkeit seyn. Durch die Dazwischenkunft desselben aber kann die Kraft der Cohasion, die ihre Theilchen zu einem festen Körper vereinigt, so weit vermindert werden, daß sie Verschieb- barkeit in einem hohen Grade erhalten, und also flüssig werden. Der geringe Grad der Expansibilitat oder Elasticitat, den die tropfbar flüssigen Substanzen äußern, ist bloß Folge des mit ihnen verbundenen Wärmesioffs, der, wenn er sich in größerer Menge mit ihnen verbindet, sie in eigentlich sogenannte elastische Flüssigkeiten, in Dampf oder Gas, verwandelt, wovon schon oben (h. lzo. ff.) gehandelt worden ist. H. 208. Der Warmestoff, der in den Körpern durch seine Vereinigung damit die vorgenannten Wirkungen (§. 207.) hervorbringt, verliert dadurch seine Strahlung, und also seine wärmemachende Kraft auf unser Gefühl, und seine thermometrische Wirkung. Es sey z. B. eine Masse gestoßenes Eis in einem Gefäße so weit erkaltet, daß ein hineingestelltes Thermometer ro Grad Fahrenh. anzeige. Man bringe das Gefäß in ein geheiztes Zimmer, so daß die kalte Masse nun einem beständigen gleichförmigen Warmestrome ausgesetzt sey. Das Thermometer wird nun nach uuo nach bis 22 Grad steigen, aber hier stille stehen, wenn auch gleich der Warmcstrom, der dem Eise zufließt, der nemliche bleibt. Dle Temperatur des Elses steigt 144 II. Abschnitt. steigt nicht höher, soviel Warmetheilchcn ihm auch zugeführt werden; aber es schmelzt nach und nach, und erst dann, wann dies durchaus geschehen ist, steigt das Thermometer alimählig höher. Man erhitze ferner tropf- barflüssiges Wasser von 32 Gr. Fahrcnh. in einem Gefäße über dem Feuer, so steigt das Thermometer, das hineingehängt worden ist, nach und nach höher, und gelangt endlich an den Siedepunkt, wenn das Wasser zum Kochen gekommen ist; aber nun tritt wieder ein Stillstand desselben ein, und es steigt nicht höher, der dem Wasser zngcführte Wärmestrom mag noch so groß seyn, so lange nur das Wasser das Thermometer um- giebr. — Oder man vermische ein Pfund Schnee, dessen Temperarur 32 Grad Fahr, ist, mit einem Pfunde Wasser von 120 Grad; die Temperatur des Gemisches wird nicht 76 Gr. werden, sondern .32 Grad bleiben. — Oder man vermenge 8 Pfund Eisenfcile von 300 Gr. F. mir i Pf. Wasser von 212 Grad; die Temperatur wird nicht 29öS Gr. werden, sondern 212 Gr. bleiben. 209. Der auf das Eis von 32 Gr. Fahr, wirkende Warmestrom erhöhet also diese Temperatur des Eises eben so wenig über den Gefrierpunct, als der auf das tropfbarflüssige Wasser wirrende es über den Siedepunkt erhitzen kann. Die Wirkung der Wärmerheilchen auf das Eis , schränkt sich also darauf ein, die Form oder den Aggre- gcuzustand des Eises zu verandern, und es in tropfbar- flüssiges Wasser zu verwandeln; so wie die Wirkung derselben auf das troprbarflüssige Wasser bey der Siedhitze ebenfalls sich darauf einschränkt, es in Dampf zu verwandein. Solange diese Verwandlung dauert, bleibt das Thermometer im erstcrn Falle auf dcm Grsrierpunkt, im andern auf dem Siedepnncte unverändert stehen. §. 2l0, Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 145 H. 210. Da nun die dem schmelzenden Eise, oder dem siedenden Wasser mitgetheilre Warme keine höhere Temperatur, keine vermehrte Wirkung auf unser Gefühl oder aufs Thermometer darin hervorbringt, sondern ihre ther- mometrisehe und erwärmende Kraft dadurch ganz verliert, daß sie das feste Wasser in tropfbarflüssiges, oder dieses in Dampf verwandelt, so nennt man sie deswegen unmerkbare, verborgene, auch wol gebundene VOars memarerie (calnr inl'sni'itziliz, Iäten5, ilxstuz). Die .Quantität der Warmetheilchen nemlich, die zur Aende- rung des Aggregatzustaudes des festen Wassers in liquides, oder des liquiden in dampfförmiges verwendet werden muß, muß für das Thermometer und das Gefühl verloren gehen; und in der That kömmt sie auch wieder zum Vorschein, wenn der Dampf des Wassers zum tropfbarflüssigen Wasser durch Zusammendrückung, oder das flüssige Wasser plötzlich zmy Gefrieren gebracht wird. H. zri. Man muß aber die unmerkbar gewordene War- mematerie (§. 210.) in der doppelten Hinsicht unterscheiden, als adhänrende und als chemisch gebundene. Die von dem Eise bey seinem Uebergang zum tropfbar- flüssigen Wasser, oder von diesem bey seiner Verwandlung in Dampf verschluckte Warmematerie hat zwar darin ihre Strahlung verloren; aber die Verbindung derselben darin mit den Wassertheilen, oder mit der Basis, ist doch so, daß jeder kältere Körper von einer niedrigem Temperatur sie schon entzieht, oder daß keine chemische Wirkung nöthig ist, um sie zu trennen. Diese Schmelzungs - und Verdampfungswarme ist also im Grunde nur adharirend, nicht chemisch gebunden. Die chemische Bildung des Warmestoffs findet bey der Bil- Gkcns Chemie. I-Th. ^ dung 146 II. Abschnitt. dung der Luft- oder Gasarten statt, die weder durch Druck von außen her, wie der Dampf, noch durch eine niedrigere Temperatur, wie der Dampf und das tropfbarflüssige Wasser, ihres expansiven Warmcstoffs beraubt werden können. §. 212. Es ist nicht bloß das Wasser, was bey der Aende- rung seiner Forin Warmcstoff verschluckt oder wieder entlaßt, sondern es findet dies bey allen Körpern statt, wenn sie eine Acnderung ihrer Form erleiden. Es kann also die Warmematerie auf eine höchst mannigfaltige Weise bald frey und fühlbar, bald wieder unmerkbar werden; es kann also Erhitzung und Erkaltung in sehr vielen Fallen bloß durch die Veränderung hervorgebracht werden, welche die Körper in Absicht ihrer Form erleiden. H- 2IZ. Aus den bis jetzt angestellten Versuchen lassen sich folgende sechs Gesetze über die Verschluckung und Ent- wickelung des Warmestoffs festsetzen, und daraus viele in der Folge vorkommende Phänomene der Erhitzung und Erkaltung bey der Verwandlung der Form der Körper erklaren: 1) Die freye Warmematerie wird zur unmerkbaren in Körpern, die aus dem Zustande der Festigkeit in den der Liquidität übergehen. 2) Wenn liquide Körper zu festen Körpern gerinnen oder verdickt werden, so entlassen sie den vorher darin unmerkbar enthaltenen Warmestoff, und es entsteht Erhitzung. z) Der Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 147 z) Der freye Warmesioff wird zum unmerkbaren in Körpern, die aus dem Zustande Oer Liquidität in den des Dampfs übergehen. 4) Wenn Dampf zersetzt wird, so wird der darin befindliche unmerkbare Warmestoff wieder frey und sensibel, oder es entsteht Erhitzung. 5) Der freye Wärmcstoff wird verschluckt und gebunden, wenn Substanzen die Gasgestalt durch ihn annehmen. 6) Der gebundene Warmestoff wird wieder frcy, wenn Gasarten wieder zersetzt werden, und ihren luft- förmigen Zustand wieder verlieren. Uebcrsicht der Gesetze, nach welchen sich die Capacitat der Körper gegen den Wärmestoff bey Veränderung der Farm ihrer Aggregation richtet, von Gren; im gouini. Vcr Pk'/sik, B. U. S. 24.; imgleichen Vesser» V7attielebre, 2te AuSg, §. 729 bis 7ZZ. 214. Wenn es für den strahlenden Warmestoff eine undurchdringliche Hülle gäbe, so würde der darin eingeschlossene Körper stets die Temperatur behalten, die er einmal hat, da die Intensität seines Warmcstoffs durch Verbreitung nicht geschwächt würde. Es existier aber keine Materie in der Natur, die für die Warmetheilchen undurchdringlich wäre. H> 2tZ. Die Erfahrung lehrt aber, daß die verschiedenere Körper den Warmestoff nicht gleich schnell durchlassen, und bey gleicher Temperatur einen und eben denselben in ihnen eingeschlossenen Körper von der höhern Temperatur, bey übrigens gleichen Umständen, nicht in gleichen Zeiten um gleich viele Grade abkühlen lassen, So lehren schon alltagliche und gemeine Erfahrungen, daß wir durch wol- K s lene ^48 ll. Abschnitt. lene Kleider und Bedeckungen uns wehr vor der Kalte schützen können, als ohne diese; daß wir uns in Federbetten, auch in Zimmern, die unter dem Gefrierpunct kalt sind, in der zum Leben nöthigen Temperatur unseres Körpers erhalten können, wenn wir daselbst in einer Hülle von Metall ohnfchlbar erstarren müßten; daß ein erhitzter Körper schneller im Wasser abgekühlt wird, als in Luft von eben der Temperatur; daß Baume mit Stroh umwunden vor dem Winterfroste besser geschützt werden, als ohne diese Bedeckung; daß es unter Strohdächern im Sommer kühler Und im Winter warmer ist, als unter Ziegeldachern; daß Eisgruben mit hölzernen Bekleidungen den Eindrang der äußern Warme ungleich langer abhalten , als mit steinernen Wanden; daß eine Eisenstange mit einem hölzernen Handgriff sich an diesem ohne Verletzung der Hand anfassen laßt , wenn sie an ihrem Ende glühend gemacht wird, da sie hingegen mit dem metallenen Handgriff bald eine verletzende Warme erlangen würde; daß unter der Hülle des Schnees die Temperatur des Bodens weit langer warm bleibt, als wenn er von der Luft allein berührt wird; daß wir unter Asche erwärmte Flüssigkeiten länger wärm erhalten können, als in der Luft, u. drrgl. mehr. H, 216. Wir schreiben diesemnach demjenigen Körper, der dieWarmetheilchen schneller durch sich durchlaßt, als ein anderer, oder in kürzerer Zeit bei) gleicher Oberfläche durch einerley Warmestrom von einerlei) Temperatur zn einer gleichen Anzahl von Graden erhitzet wird, eine grössere wärmeleitende Graste zu, als einem andern; und gründen hierauf den Unterschied zwischen guten und schlechten Leitern für dieWarmematerie. Einen vollkommenen Nichtleiter für die Warme giebt es nicht. H. 217. Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 149 H. 217. Ich bestimme diese Wärmeleitende Kraft durch das Vermögen der Körper, bey übrigens gleichen Umstanden, die Abkühlung eines in ihnen eingeschlossenen erhitzten Körpers schneller oder langsamer zuzulassen. Der Körper, der diese Abkühlung schneller zuläßt, ist ein besserer Leiter, als der, welcher sie langsamer, oder in längerer Zeit zulaßt; und es stehen ihre Leitungskräfte für die Wärme im umgekehrten Verhältnisse der Zeit dieser Abkühlung. Im gemeinen Leben nennen wir schlechte Leiter für die Wärme, wie z.B. Wolle, Federn, Haare, Pelzwerk, Scroh, u. dergl. warme, auch warmhaltende Körper. Versuche über diesen Gegenstand, und übes die Bestimmung der wärmeleitenden Kräfte verschiedener Körper haben Richmann, Thompson, InZLNhouß,. Achard, picree und Mayer angestellt. Experiments upoir best, by- Lolon. 8»r Lenf. -käom- x/o», in den x/stio/. p. I. >786, und I.cinä. 1786. 4.; Ebendesselben Experiments upon best, ebendaselbst i?y2. ? I. S. 48. Versuche über' die Warme, vorn Generalmajor Herrn Bens, Thompson; im Journal der Physik, B- VI>. S. 246. ff. Ingenhoust über die Leitungskräfte der Metalle für Warme; in Gren's Jonen, der Physik B. I, S. 154. Versuche zur Bestimmung der Grade, bep welchen die Flüssigkeiten Ableitet der Warme sind, vom Hrn. Dir. Ackard, in Trells ehem. Ann. 1787. B ll«, S. 195. ff. S. 291. ff Ueber die Gesetze und Modifikationen des Warmcstoffs, von Joh, Tob. Mayer, Erlangen :79t. S. 228. ff. Ueber das Gesetz, welches die Leitungskräfte der Körper für die Wärme befolgen, von Hrn. H. R. Mayer; in Grcn s Journal der Physik, B. lV. S. 22. ff. pictet a. a. O Cap. 4 5. 6. Entwurf zu e.ine?: Tafel für di--/ wärmeleitende Kraft der Körper, von Herrn von Humboldt; in Trells chem. 2lnn. 1792. B. I. S. 42z. ff. §. 218. Die wärmeleitende Kraft der Körper hängt hauptsächlich von dem Vermögen derselben ab, die strahlende K z ' War II. Abschnitt. Wärmematerie zur unmerkbaren zu machen, beym Schmelzen oder Verdiinsten oder auch selbst bey der Ausdehnung. Ist nemlich ein erhitzter Körper mit einem le stn schmelzbaren oder verdunstbaren ballern umgeben, so wird die ans ihm auf den letzteil strahlende Warme schmll und leicht zur latenten gemacht, die nicht wieder zurückstrahlt, lind der erhitzte Körper verliert so desto si>ch»r sein n Ueberschuß der Temperatur, oder seiner freuen Wärme. Wenn hingegen der Körper nicht eigentlich zu den schmelzbaren oder verdunstbarcn gehört, dergleichen Baumwolle, Federn, Wolle, Haare, Holz, Kohlen, Rus, Asche, Bärlappsaamen, u. a. sind, so kann, wenn sie um einen erhitzten Körper herum eine Hülle bilden, nur der Theil der freuen Wärme frey ausströmen, der auf die in gerader Linie liegenden Zwischenräume trifft; der Theil, welcher intcrcipirt wird, wird wieder zurückgeworfen, und es wird solchergcstallt die Abnahme der Temperatur weit langsamer erfolgen, als da, wo dieser intercipirte Anthcil verschluckt wird , und seine Strahlung, folglich seine warmmachende Kraft, verliert. Bey dem Abkühlen der Körper in der Luft lind anixrn erpansiblen Flüssigkeiten ist noch zu erwägen, daß die erwärmten Luftrheilchen emporsteigen, lind andern kältcrn Platz machen; folglich der Körper nicht mir dem unbeweglichen Medium umgeben ist, was doch auf die Lkejultate so betrachtlichen Einfluß hat. H. -iy. Da ein Product, das aus der Verbindung ungleichartiger Stoffe entspringt, andere Natur und andere Eigenschafren zeigt, als die einzelnen Bestandrhcile desselben vor der Zusammensetzung hatten, so darf es uns nicht wundern, daß die neuen Verbindungen aus einem expansiven Stoffe, dergleichen der Warmcstoff ist, mit andern mcht expansiven Substanzen, die durch ihn ex- pan- Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 151 pansibel werden, andere Verhältnisse und Eigenschaften zeigen. So wie aber nun in einem ursprünglich expansiven Stoffe, wie die Wärmematerie ist, durch die Vereinigung desselben mit einem nicht expansiven, seine Expansivkraft und die davon abhängende Strahlung ruhend gemacht und aufgehoben werden kann; so könnte auch hinwiederum in den schweren Beftandtheilen, mit denen diese nicht schwere Flüssigkeit zusammentritt, die Schwerkraft derselben gewissermaßen ganz ruhend und aufgehoben werden, so daß das aus beiden zusammengesetzte Pro- duet, außer der Cohärenz, keiner andern Grundkraft folgt, und in so fern als bloß träge anzusehen ist. §. 220. Wirklich lehren auch Erfahrungen, daß, wenn der Wärmestoff in den Körpern durch die Cohäsion mit ihren Thellen zum unmerkbaren wird, dadurch eine Abnahme des Gewichts jener Körper, und hinwiederum eine Zunahme des Gewichts erfolge, wenn der darin vorher unmerkbar gewesene Wärmestoff wieder als freycr Wärme- stoff ausstrahlt. Ich erkläre dies daher, daß die Wär- mcmaterie m den Theilcn des Körpers, durch die sie vermöge der Cohäsion damit ihre Expansivkraft verliert, die Schwerkraft aufhebe, daß folglich dadurch die Summe der schweren Thesit, das ist, das Gewicht des Körpers vermindert werde. Die Beschleunigung der noch übrigen schweren Atome durch ihre Schwerkraft muß dieselbige bleiben, weil eine damit verbundene bloß träge Masse kein Hindcrniß derselben seyn, und dem Zuge der Schwerkraft keinen Widerstand entgegensehen kann. Ueber den Verlust des Gewichts, welchen die geschmolzenen oder erhitzten Körper erleiden, von Hrn. Fordxce, im Magazin für Vas Ndncsie aus Ver Phxsik und Narurgeschicbce, V. IV. St. IV. S. 49, ff. Lrclls cbcm. Annalen 1786. V. I. S. :6i. Einige Versuche über den Wärmesioss von Ge. Eimvcke, in Gren's Journal ver Phxsik, B. VII. S. z i.ff. Grm's Naturlehre, -te Ausg. §. Z4Z. 544. 744. K 4 Licht- 152 II. Abschnitt. Lichtmatene. Brennstoff. §. 221. Die materielle Ursach der Empfindung, die jedermann unter dem Namen des Gehens kennt, heißt LAcht, oder Lhichrmarerie (lux, materig lucis), und der Zustand der Körper, die in unserm Gcsichtsoraan die Empfindung des Sehens hervorbringen, Erleuchtung oder Helligkeit (claritaz), welchem die Dunkelheit oder Flttstermß entgegcngeseht wird, die also nichts positives ist. H. 222. Diejenigen Körper, die aus sich selbst das licht entwickeln, und also für sich allein die Empfindung des Sehens verursachen, heißen leuchtende Körper, wie die Sonne und die brennenden Körper; alle andere Körper ober, die uns nur durch Hülfe des von jenen mitgetheil- ten Lichts sichtbar werden, heißen, wenn sie die Empfin- dimq des Sehens bewirken, erleuchtete oder erhellte Körper. H. 22Z. Solche Körper, welche die Wahrnehmung anderer leuchtender oder erleuchteter Körper durchs Gesicht nicht hindern, wenn sie sich in der geraden Linie zwischen dem Auge und diesen Körpern befinden, werden durchstich» tlge Aorper '.cmrpcira illapliana, pelluciila, tranüpg. rencia) genannt, denen die opaken oder undurchsich» tlgcn entgegengeseht werden. Die Durchsichtigkeit jener leidet übrigens verschiedene Stufen. H. 224. Die Phänomene der Optik beweisen, daß sich das Licht von den sichtbaren Puncten nach allen Richtungen fortpflanze, und wir können uns die Verbreitung des Lichts Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 15z Lichts von jedem leuchtenden oder erleuchteten Punete als eine Sphäre von unbestimmter Größe vorstellen, deren Centrum der strahlende Punct einnimmt, und deren Ra- dii die Lichttheilchen sind, die sich in gerader Linie hinter einander bewegen. Das Licht ist also eine strahlende, elastische Flüssigkeit, die auch von der Erpansivkraft affieirt wird. Es ist ferner eine discrete Flüssigkeit, deren Theil- chen in Beziehung auf ihren Durchmesser durch große Zwischenräume von einander abgesondert sind. Das Licht halt daher den Lauf des Lichts nicht auf; und der Zusammenhang der Lichtstrahlen in der Lange und Breite ist nur scheinbar. Aus der geradlinigten Strahlung des Lichts aber, und aus seiner Verbreitung nach allen Seiten zu, folgt, daß es nicht von der Schwerkraft affwirt werde, und daher inponderabel sey. H. 225. Wir müssen es der eigentlichen Naturlehre überlassen, die Phänomene zu untersuchen, welche von der ges radlimgren Strahlung, Zurückjirahlung, Bres cbung, ZcugunZ des Lichrs, und der vermiedenen Drechbarkleit der verschiedenen Arten desselben, abhangig sind, und die Ursachen davon zu entwickeln. Uns genügt es hier, daraus den Beweis zu cntlehucn, daß das Licht eine Materie, im Räume und in der Zeit enthalten , sei). Weil die Entwtckelung der freuen Warniematerie so sehr oft zugleich mit Licht verbunden ist, wie z.B. bey dem Verbrennen, so glauben einige Naturforscher, Erleuchtung lind Erhitzung als Wirkungen eines einzigen Wesens ansehen zu können, und glauben, daß die Wärmematerie dann die Wirkung des Leuchtens hervorbringe, wenn ihre Intensität oder Dichtigkeit bis auf einen gewissen Grad zunehme. Es kann aber wol gar kein Grund seyn, zwev von einander so wesentlich verschiedene Wirkungen deswegen von einem einzigen Stoffe K 5 ableiten 154 II. Abschnitt. ableiten zu wollen, weil sie oft zusammen verbunden sind. Wirkungen, die von einander so verschieden sind, als Erhitzen und leuchten, die sogar nur von verschiedenen Smnen empfunden werden können; die nicht aufhören, ihre eigenthümliche Wirkungsart zu außer», wenn sie auch nicht in Verbindung mit einander sind; die häufig genug in der Natur von einander abgesondert, und ohne Verbindung mit einander angetroffen werden; diese verschiedenen Wirkungen müssen aucb nothwendig von verschiedenen Ursachen herrühren. Wenn aber eine große Intensität des freuen Wärmestoffs auch zugleich die Wirkung des leuchtens hervorbrachte, so müßte doch wol, nach einer ganz natürlichen Folge, bey jedem Leuchten eine ! hohe Temperatur zugegen seyn; dagegen aber spricht die I Erfahrung. Kochendes Wasser leuchtet nicht, und der leuchtende Phosphor hat bey weitem nicht die Temperatur des kochenden Wassers. H. 226. Mehrere Erfahrungssätze, besonders in der lehre von den Farben der Körper, berechtigen zu dem Schlüsse, daß das freye und bewegte Licht von den Körpern eingesogen, und durch die Verwandtschaft und Adhäsion damit so aufgenommen werden könne, daß es alle seine Strahlung verliere, und seine Expansivkraft ruhend gemacht werde, und solchergestalt nicht mehr fähig sey, daö Organ des Gesichts zu rühren. Die Nothwcndigkeit des Lichts zum Gedeihen der Gewächse, die Fähigkeit aller Körper der organischen Reiche, und aller nähern Bestand- theile derselben, und die der mchresten Körper des unorganischen Reichs, licht bey ihrem Verbrennen zu entwickeln; die Nothwendigkeit des Lichts zur Bildung der mehrcsten luftförmigcn Stoffe, und die Veränderung der Eigenschaften und Verhältnisse mehrerer Körper durch Kloßes Licht, nicht aber durch dunkele Wärme, beweisen, daß Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 15 5 daß das Licht ein vorzügliches Agens in der Nattir sey, und daß es durch seine Affinität mit anderer Materie den Zustand seiner Strahlung verlieren, und zum chemischen Bestandcheil i^r Korper werden könne. Zvlemolreg pbysico - cliymlguez lur Isin.siueucs 6e Ig lumlörs saiglrs pour mciäiklsr leg ttrcs 6eg trois reZues 6e la ztgtuie et tur touc ceux 6u rsAne ve^etgl, pgr g tZsnevs. Pom. I — III. L- Ebendesselben Iis- cberebsü l'nr l'iullusnLS 6e Ig lumIZrs lolaiie pour ms- tgmorpllolsr l'gir sixs eu g!r pur pgr Ig veAststion. g(?e- nsoe !7Lg. 8- Job- Scnncbiers physikalisch-chemische Abhandlungen über den Einfluß des Sonnenlichts auf alle drcy Reiche der Natur, aus dem Franz. Th. I - I V. Leipzig 1785. 8. Ebendesselben IZxperiencsz lur I'gÄlon 6s Ig Imuisrs l'olglre puur Ig ve^stgtiou. a Lsneve 17ZL. g. H. 227. Die Behauptung, daß das Licht fähig sey, anderen Materien so zu adhäriren, und von ihnen chemisch gebunden zu werden, erhalt dadurch ihre Bestätigung, daß wir im Stande sind, aus Körpern, die sonst an sich den Zustand der Helligkeit nicht hervorbringen, Licht zu entwickeln, wie durchs Verbrennen der verbrennlichen Körper, durch Electricirär, und nach VDedgwood's Erfahrungen durch Erhlyung vieler sonst unverbrcnnli- chen Körper. Uebcr das Leuchten verschiedener Körper beym Erhitzen oder An- einandcrreiben, von Jos. xvedgrvoov; in Gren's Journal der Physich B. VII. S. 45. sf. §. 228. Aus dem Umstände aber, daß in allen den Fällen, wo Licht frey werden soll, wie z. B. bcy dem Verbrennen, immer erst ein bestimmter Grad der Hihe oder Warme nöthig ist, werde ich geneigt zu schließen, daß das Licht nicht an sich expansiv sey, oder nicht ursprünglich von der Ex- II. Abschnitt. .Erpansivkraft afficirt werde, sondern seine Erpansibilitat lediglich dem damit vereinigten Warincstoff verdanke, und nur durch diesen strahlend sty. 2 2Y. Das strahlende Licht also, das sich uns durch die Wirkung des Erhcllens und Leuchteus zu erkennen giebt, ist eme Zusammensetzung aus einer eigenen Basis und dem frepen Warmestoff, der für diese Basis das fortleitende Flüssige wird; es ist nur dann erwärmend, wenn ein Uebcrichuß des letztern darin stattfindet.. Diese Basis des strahlenden Lichts könnte man Lichtstoff nennen; weil aber damit schon das strahlende Licht selbst, oder jene Zusammensetzung belegt wird, so nenne ich mit Hrn. Scotts Hardt und Ricbrer diese Basis des strahlenden Lichtes Vremistofs oder phlsgiffon (principium intlamma- dils, comb u tri knie, PIilyZilkon). jkeonharvl m den Zusätzen zu bNacguer-, clivin. N^orteibuch. V. I S- 401. f. B-1>. S. 556. Richter über die neuern Gegensianbe der Chemie, St. III. H. 2ZO. Da es gedenkbar ist, daß zwischen dieser Basis des Lichts und dem Warmestoff ein verschiedenes quantitatives Verhältnis stattfinden kann, so ließe sich vielleicht auch hieraus die Verschiedenheit der einfachen Arten des gefärbten Lichts herleiten, und auch daraus das Phänomen der verschiedenen Brechbarkeit des Lichts erklären, was aber in die eigentliche Naturlehre gehört. Ohne Zweifel aber ist ein gewisses Verhältnis des Brennstoffs zum Warmestoff nöthig, wenn der letztere dadurch leuchtend werden soll. h. 2g s. Die sogenannte Einsaugung 226.) des Lichts durch andere Körper besteht darin, daß diese die Basis desselben mehr oder weniger in sich nehmen, und also den Wärmeftoff des Lichtes frey machen. Da aber das Licht eine Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 157 eine so äußerst dünne Flüssigkeit ist, so darf es uns nicht wundern, daß wir dabei) oft diesen im Augenblick der Beobachtung frey werdenden Warmestoff gar nicht gewahr werden, der auch wieder durch andere Ursachen sogleich latent gemacht werden kann. §. 2Z2. Diejenigen Körper, welche bey dem Verbrennen die Basis des Lichts entlassen, heißen brennbare oder cm? zündllche Aörpcr (eorpora inüammabilig, eombuüi-. bilis). Mehrere Substanzen sind zwar nicht eigentlich entzündlich , es laßt sich aber doch in ihnen auf andere Weise das Daseyn der Basis des Lichts und die chemische Vereinigung desselben damit folgern; und diese und die vorhergehenden Körper zusammengenommen begreift man unter dem Namen der phlogiflijchen Körper. §- 2ZZ. Durch die Aufnahme der Basis des Lichts oder durch phlsFisttsirmig erleiden die Substanzen natürlicherweise Veränderungen ihrer Natur und Eigenschaften, und nehmen eine andere an, wenn sie dephloglstlftrt werden, d. h. wenn sie die Basis des Lichts wieder entlassen. Ohne Zweifel hat auch die elecrnsche Materie diese Basis des Lichts oder den Brennstoff zum Bestand- theil; es ist aber noch nicht gehörig ausgemacht, in wiefern und wodurch sich die insensibele electrische Materie vom Brennstoff, und die freywerdende vom Lichte unterscheide. Wegen der außerordentlichen großen Feinheit und Dünne der Masse der Lichtbasis darf man aber wol nicht erwarten, eine merkliche Vermehrung des Gewichts durch Phlogistisirung der Körper zu erhalten. §. 2Z4. Das Verbrennen der entzündlichen Körper, und die Entwickelung des Lichtes und des Wärmestoffs dabey, ist em l58 !I. Aöstchnilt. ein an Folgerungen so fruchtbares Phänomen, baß wir erst uns genau mit desselben begleitenden Umstanden und den dabei) stattfindenden Bedingungen bekannt machen müssen, che wir weitere Schlüsse daraus ziehen. Phänomene des Verbremiens. Stickgas. -ZA. Schon alltagliche Erfahrungen belehren uns, daß das Verbrennen der Körper, oder ihre Entzündung nicht anders Statt hat, als unter dem Zutritte der Luft, und daß mit Ausschluß derselben die breunenden Körper verlöschen. Um aber desto besser beurtheileu zu können, was für Einstuß die Luft auf das Verbrennen der Körper habe, wählen wir den folgenden Versuch. H. 2Z6. Man lege ein Stück Kunkelschen Phosphorus auf ein gläsernes oder elfenbeinernes Fußgestclle, das in einer Schüssel stehet, die mit Wasser oder mit Quecksilber bis zu einer gewissen Höhe angefüllt ist; man stürze einen großen gläsernen Cylinder, der oben mit einen: Glasstöpsel verschlossen werde:: kann, offen darüber; man verstopfe ihn genau, und merke sich die Höhe der Flüssigkeit in dem Cylinder durch ein auswendig angebrachtes Zeichen. Man zünde hierauf durch ein Brennglas vermittelst der Sonnenstrahlen den Phosphorus an. Er bricht dann in eine starke Flamme ans, und verbrennt mir vielem weißen Rauche. Anfangs drückt die expandirte Luft das Wasser oder das Quecksilber stark nach unten, und man muß Sorge tragen, daß von der ausgedehnten Luft nach unten zu nichts entwische; bald aber fangt d:c Flüssigkeit wieder an empor zu steigen, selbst während dem Brennen des Phosphorus, und die Luft wird vermindert; die Flamme des Phosphorus wird lmmer Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 159 immer kleiner und kleiner, und verlöscht endlich ganz. Nach dem Erkalten findet man das Wasser über das gemachte Zeichen hinaufgestiegen. Wenn die Arbeit gut von statten gegangen ist, und der Phosphor in der gehörigen Menge da war, so findet man, daß durch jeden Gran des verbrannten Phosphorus etwa z Pariser Cubiczolle atmosphärische Luft verloren gegangen sind; und daß überhaupt die atmosphärische Luft etwa um den vierten Thcil vermindert worden ist, wenn Phosphorus genug da ist, und wenn er gehörig verbrennt. Wenn man Quecksilber zum Sperren anwendet, das den entwickelten Rauch nicht verschlucken kann, so schlägt sich dieser als weiße Blumen auf das Quecksilber nieder, und hängt an den Wänden des Cylinders. Ihr Gewicht betragt mit dem Rückstände des verbrannten Phosphorus zusammen mehr, als der Phosphorus vorher ausmachte, auch ehe sie noch in der fteyen Luft Feuchtigkeit eingesogen haben. Auf jeden Gran des verbrannten Phosphorus erhalt man etwa 2^ Gran dieser weißen Blumen, die sauer sind und an der Luft sehr bald zerfließen. banochic»- trsite slement. 6s Lblmlc S.;8 ü6. h- . 2Z7. Das Merkwürdigste bey diesem Versuche ist das Verschwinden eines Theiles der atmosphärischen Luft durch das Verbrennen des Phosphorus, und die Zunahme des Gewichts des verbrannten Rückstandes. Genauere Versuche lehren nun, daß diese Zunahme des Gewichtes sehr genau dem Gewichte des verschwundenen TheilS der Luft propor- tionirt sey, und daß folglich das Ganze nach dem Verbrennen, oder der Rückstand des verbrannten Körpers mit dem Rückstände der zum Verbrennen angewandten Luft zusammengenommen, so viel wiege, als der verbrennliche Körper und die Luft zusammen vor dem Prozeß des Wertrennens vorher wogen. §. 2ZL. i6c> II. Abschnitt. §. 2Z8. Die Luft, die nach dem Verbrennen der hinlänglichen Menge vonPhosphorus im vorigen Prozeß (h. oz6.) übrig bleibt, hat ganz und gar nicht mehr die Eigenschaften der atmosphärischen Luft. Sie dient nicht mehr zum fernern Verbrennen von PhoSphorus, und es kann der vorige Prozeß damit kcinesweges wiederholt, und überhaupt kein entzündlicher Körper darin in Brand gesetzt werden. Wir wollen diesen Rückstand durch den Namen des Sttc?INS ((?U5 L?0licnm, taar unterscheiden; sonst nennt man sie auch phlorsssftftrte L.ufr (sei- pkiiochlriLgtuz), Verdorbene L.use (ser vi- ristus), Mephlplsche ^ufr (aer mepbiticuz). §- 2ZY. Als unterscheidende Eigenschaften dieses Stickgas führe ich hier vorerst folgende an: i) Es ist fpecifisch leichter, als atmosphärische Luft. Ein Pariser Cubiczoll von derselben wiegt, nach Hrn. L^avolsier, bey der Temperatur von -c> Gr. R. und 28 Z. Barometerstand 0,44444 Gr. (franz.), wahrend ein gleiches Volum der atmosphärischen Luft bey gleichen Umstanden 0,46005 Gr. wiegt. 2) Es dienr nicht^zur Respiration für Thiere, und diese ersticken darin sehr bald. 5) Es gicbt keine Bedingimg zum Verbrennen entzündlicher Körper ab; sondern diese verlöschen darin sogleich, wie man findet, wenn man eine brennende Kerze hineintaucht. 4) Es ist geruch- und geschmacklos. 5) Es hat keinen Einfluß auf das Wasser, wird davon nicht eingesogen, und durch Waschen damit nicht geändert. 6 Es läßt sich mir der atmosphärischen Luft in allen Verhältnissen verwaschen, ohne einen sichtbaren Rauch zu bilden, und ohne zersetzt zu werden. Von der Zusammensetzung dieses Stickgas, und andern Mitteln, es zu erhallen, in der Zolge. §. 240. Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 16 r §. 2 40. Die eingeführten Phänomene finden nicht bloß Key dem Verbrennen des Phosphorus statt; sondern es sind bey allem nnd jedem Verbrennen gewisse übereinstimmende Umstände. Die zur Entzündung der verbrennlichett Körper erforderlichen Bedingungen und die sie begleitenden Umstände überhaupt sind folgende: r) Zur Entzündung eines jeden vcrbrennlichen Körpers ist eine vorhergehende Erhitzung nöthig, die nach der verschiedenen Natur derselben größer oder geringer seyn muß, und entweder durch Aussetzung des Körpers in diese höhere Temperatur, oder alich wvl durch Reiben erhalten wird. Soll Phosphorus verbrennen, so muß er wenigstens Z2 Gr. R. erwärmt seyn; soll Kohle entzündet werden, so muß sie erst bis zum Glühen erhitzt werden, u. s. w. 2)Zur Entzündung verbrennlicher Körper ist der Zugang der atmosphärischen, und überhaupt der respirabeln Luft schlechterdings nothwendig. Beym Ausschluß der Luft können Phosphor, Kohle, Schwefel, und dergleichen entzündliche Körper bis zum stärksten Glühen erhitzt werden, ohne zu verbrennen, z) Das Verbrennen geschie- hct um desto lebhafter, je reiner die Luft ist, und je mehr chr Zugang befördert wird. Dies beweisen die Erscheinungen des Löthrohrs, die Wirkungen der Blasebalge und des Zuges der Windöfen. 4) In einer bestimmten Menge von Luft kann nur eine gewisse Menge des ver- brennlichen Körpers verbrennen. So verlöschen brennende Kerzen, brennende Kohlen, brennender Phosphor von selbst in einem eingeschlossenen Räume von Luft, wenn sie in hinreichender Menge da sind, und der Zugang frischer Luft verhindert wird. So erfordert bey dem vorigen Versuche sz6.) ein Gran Phosphorus etwa 5 2 Cubikzoll atmosphärischer Luft, um völlig zu verbrennen. 5) Die Luft, worin ein Körper verbrennt, nimmt am Umfange ab, und an absolutem Gewicht. Dieser Greils Chemie, l. TIi. L Rust- LI. Abschnitt. Rückstand ist allemal Stickgas, wenn eins hinreichende Menge des verbrennlichen Körpers darin verbrannte, und das erwanige kohlensaure Gas durch Waschen mir Wasser oder Kalkwasser davon weggebracht worden ist. 6 ) Das absolute Gewicht des Rückstandes vom verbrannten Körper ist um so viel vermehrt, als das Gewicht der verschwundenen Luft betrug. So verjehrt ein Gran Phosphorits etwa z Cubikzolle von der atmosphärischen tust, und die Zunahme des Gewichts semes Rückstandes betragt etwa Gran. §. 241. Die Kennkniß der physischen Eigenschaften der Luft, ihrer Schwere und Elasticitat, reichte nicht hin, eine Erklärung zu geben, die den Umstanden dieses Phänomens tntsprach. Es muß vielmehr in der Mischung der atmosphärischen Luft selbst etwas seyn, was sie zur Unterhaltung des Verbrennens verbrennlicher Körper und des Athmens der Thiere fähig macht, und was bey dem Act des Verbrennens zersetzt wird, da wir sinden, daß die übrigbleibende Stickluft weder zum Athemholen für Thiere, noch zum Verbrennen der Körper darin weiter geschickt ist. Man hat diesen Bestandtheil der atmosphärischen Luft, der sie zur Unterhaltung des Feuers und des AthemholcnS der Thiere einzig und allem fähig macht, in ueuern Zeiten besonders darzustellen gelernt, und mit diesem müssen wir uns erst bekannt machen, ehe wir zu der Theorie des Verbrennens übergehen. L e b e n s l u f t» §. 242. Man nennt den Bestandtheil der atmosphärischen Luft, der sie zur Unterhaltung des Feuers und der Respiration für Thiere einzig und allein fähig macht, Gebens, Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. ! 6Z bcnslttfc (uer vltaliz), sonst auch reine L.nfr (sör pu- I-U8), brennjroffteerc oder dephlogtstlsirrc Ll.ufc (»er Zczplito^itricaniz), Fouerluft, und SauersiofsZas (ßgz ox^^eniam, 6-?/ Wir kennen jrtzt mehrere Körper, aus denen diese Luft dargestellt werden kann, wie in der Folge an seinem Orte angeführt werden soll; hier führe ich nur erst die wohlfeilste Methode an, sie rein zu gewinnen. H. -4Z. Man fülle eine kleine irdene Retorte mit reinem, gepulverten Lraunftcm, (den ich hier bloß historisch bekannt voraussetze,) ganz bis an ihren Hals voll, kütte an die Mündung des Halses derselben eine blecherne Röhre luftdicht an, lege die Retorte in einem Windofen ins freye Feuer, bringe die Mündung der Röhre unter den Trichter der mir Wasser gefüllten Wanne des pneumatischen Apparats, und erhitze die Retorte ganz allmählig und stufenweise bis zum Glühen. Anfangs, ehe die Retorte zum Glühen kömmt, geht bloß die atmosphärische Luft aus der Retorte und Röhre über; sobald aber der Braunstein glühend wird, entwickelt sich die Lebensluft, die sich dadurch zu erkennen giebt, daß ein glimmender Holzspahn darin getaucht von selbst zur Flamme ausbricht. Die zuerst übergehende Luft ist von minderer Güte, als die nachfolgende, wegen des noch damit vermischten Antheils der atmosphärischen Luft. Uebrigens erhält man aus dem Braunsteine eine beträchtlicheQuan? tität dieser Luft. -Hcrmbstävr über die wohlfeilste Bereitung der dcphlogististrten Luft, in Sellens neuen Seznrägen L7.;tur- uns 2W5- ne^rvisienschaft, Th. III. S. 1. ff. §> 244. Diese Luftart unterscheidet sich auf eine sehr auffallende Art von der atmssphärischen Luft. Sie ist etwas L 2 speci- 1^4 Zl. Abschnitt. specifischschwercr, als diese; und es wiegt ein Pariser Cubikzoll bey i o° R. und 28 Zoll Barometerstände, nach Hrn. Z.avotsier, 0,50694 Gr. (franz.). Sie ist ohne Geruch und ohne Geschmack; hat keine Spur einer Saure an sich; das Wasser verschluckt sie in etwas, wenn es vorher durch Kochen von aller Luft bcfreyet worden war, und nimmt nach Bergmann den einer kühlen Temperatur etwa/^seines Umfangs davon in sich auf; doch hangt sie mit dem Wasser nur lose zusammen, und laßt sich schon durch Schütteln und bloße Erwärmung davon wieder losmachen. Sie verwandelt sich bey Berührung der atmosphärischen Luft zu keinem sichtbaren Rauch, und wird in der Vermischung damit nicht zersetzt. Das auffallendste und am mehresien charactcristische Merkmal dieser Lebenslust ist ihre große Fähigkeit, zur Respiration für Thiers und zur Unterhaltung des Verbrennen» zu dienen. Sie laßt sich von Thieren nicht nur ohne Nach- thcil einathmen, sondern sie ist auch im Grunde die einzige athembare Luft. Ein Thier kann in einem eingeschlossenen Räume dieser Luft vier bis fünfmal langer leben, ehe es erstickt, als in einem ähnlichen Räume von atmosphärischer Luft. Eben so unterhält sie auch das Verbrennen weit besser, als die atmosphärische Luft; ein verbrennlichcr Körper nemlich, der vier Cubikfuß atmosphärische Luft zu seinem gänzlichen Verbrennen erfordern würde, hat nur Einen Cubikfuß von der Lebenslust nöthig. Die Intensität dieses VerbrennenS, oder die Entwicke- lung des Lichts und der Hitze dabey, ist weit stärker, als in atmosphärischer Luft. Eine Wachskerze brennt darin mit einer glanzenden und großer» Flamme, und wird viel schneller mir einem knisternden Geräusch verzehrt. Das glimmende Docht derselben wird darin wieder zur Flamme erweckt. Ein glimmender Holzspahn, glimmendes Papier brechen darin sogleich wieder zur Flamme aus. Zunderschwamm, der sonst nur glimmt, brennt darin Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 1 6; darin mit einer bläulichen Flamme. Glühende Kohlen brennen darin mit einem heilen Scheine und mit Fun- kcnwerfen. Eine zugespitzte stählerne Uhrfeder, die man vorher an der Spitze glühend gemacht hat, verbrennt und schmelzt darin mit vielem Funkensprühen, und einem starken Glänze. Besonders stark aber ist die Flamme des darin verbrennenden Phosphors ; der davon sich erhebende Dampf leuchtet so stark, daß die Augen den Glanz desselben, zumal an einem vorher dunkel gewesenen Orte, kaum ertragen können. Ingenhouft vermischte Schriften, B, I. S. - oi. ff. S. z 6;. ff. §- 245. Wir wollen nun den Prozeß des Verbrennens des Phosphorus in dieser Lebenslust auf eine ähnliche Art, als vorher in der atmosphärischen Luft (H. 236.), anstellen. Man fülle zu dem Ende einen gläsernen Cylinder in der Wanne des pneumatischen O.uecksilberapparats mit .Quecksilber voll, und lasse den dritten Theil feines Inhalts von der reinsten Lebensluft hinauftreten. Man bringe dann eine hinreichende Quantität Phosphor unter den im Quecksilber stehenden Cylinder, wo er sich auf die Fläche des Quecksilbers oben auf begiebt. Man zünde hierauf vermittelst eines Brcnnglases den Phosphor unter dem Cylinder an. Das Verbrennen geschieht mit großer Schnelligkeit, und mit Entwickelung von vieler Hitze. Anfangs ist daher eine Dilatation der Luft; aber bald steigt das Quecksilber über sein voriges Niveau, und wenn Phosphor genug da ist, und die Lebensluft völlig rein war, so verschwindet alle Luft, und das Quecksilber füllt den ganzen Raum des Cylinders au. Der Phosphor verwandelt sich hierbei) ebenfalls in solche weiße Blumen, als bey dem Prozeß in atmosphärischer Luft (K. 2z6.), die die Phosphorsäure find. Man kann eben diesen Prozeß auch über Wasser anstellen, worauf man den Phos- ! Z phoc i66 II. Abschnitt. phor in einer dünnen, blechernen Capsel schwimmen laßt; nur kann man hierbei) die weißen Blumen nicht sammle», die vom Wasser sogleich zur flüssigen Phosphorsaure aufgelöst werden, und sich damit vermischen. — Nach Herrn L.avotsters genauer Bestimmung verschwinden Key dieser Operation durch das totale Verbrennen von 45 Gran (franz.) Phosphor iz8S Cubikzoll (Pariser), oder 6<),z7Z Gr. (franz.) der Lebenslust; oder rooTheile Phosphor zersetzen beym Verbrennen i z^Thcile Lebenslust dem Gewichte nach, und liefern dann 254 Theile concreto Phosphorsaure, lbavoifle»- trslte elemerttslre, S. 59. f. H. 246. Die Lebensluft, welche der Braunstein durchs Glühen liefert, konnte nicht als elastische Luft vorher in ihm enthalten gewesen seyn, sondern sie ist ebenfalls ein Product der Operation, die zu ihrer Entbindung angewendet wurde. Sie besteht, wie jede Luftart, aus einer eigenen Basis, die durch den damit chemisch vereinigten Warmestoff erst die elastische Form und die Luftgcstalt erhalt (H. iz,.). Ich nenne dies Substratum Basis der L.ebenslufc, ohne weiter erwas über seine Natur zu entscheiden. Herr Lmvoistcr nennt es Sauerstoff aus Gründen, die in der Folge erhellen werden. Nur die Basis der Lebensluft ist in dem Braunstein enthalten; im Glühen verbindet sich der Brennstoff des LichtS mit dem Braunstein, wahrend die Basis der Lebenslust mit dem Warmestoff zur Lebensluft zusammentritt. Ein Anthcil dieser Lebensluft - Basis bleibt aber mit dem Braunstein vereinigt, und kann durchs bloße Glühen nicht ganz ausgetrieben werden. Nach Hrn. Aavoifter vereinigt sich die Basis der Lebenslust im Braunstein mir dem Warmestoffe und der Licht- materie Zusammen zur Lebenslust. Alme- Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 167 Atmosphärische Luft. §. 247. Da der Phosphor und andere verbrennliche Körper durch das Verbrennen in reiner Lebenslust ganz die- selbige Veränderung ihrer Mischung erleiden, als in der atmosphärischen Luft, so ist wol gar kein Zweifel, daß die Basis des Anrheils der atmosphärischen Luft, den sie wahrend dem Verbrennen zersetzen, ganz einerlei) sey mit der Basis der Lebenslust, daß die Erscheinungen des Verbren- ncns und des Athmens in der atmosphärischen Luft nur von der darin befindlichen Lebenslust abhängen, und daß die davon übrigbleibende Stickluft nur ausgeschieden sey. §. 248. Die atmosphärische LLuft (nec stmolpbZoricus) ist also aus zwey ganz verschiedenen Lufrarten zusammengesetzt, aus Lebensluft und ans Stickgas. Jene wird beym Verbrennen des Phosphors darin zersetzt, und die letztere bleibt davon allein übrig. Durch ein genaues Verfahren bey dem Verbrennen des Phosphors darin, so wie durch andere in der Folge vorkommende Mittel, findet sich das Verhältniß der Lebenslust zum Stickgas in der atmosphärischen Luft gewöhnlich wie 27 zu 7 z,bis gozu 70. Durch die Vermischung beider Luftarten in diesem Verhaltnisse kann man auch eine der atmosphärischen Luft ganz ahnliche elastische Flüssigkeit wieder herstellen. Das Stickgas, das in der atmosphärischen Luft mit der Lebensluft vermischt ist, ist Ursach, daß die Erscheinungen des Ver- brennens des Phosphors und anderer verbrennlicher Körper in der atmosphärischen Luft nicht mit der Lebhaftigkeit vor sich gehen, als in reine? Lebensluft. Carl Lvilh. Scheele chemische Abhandlung von Lust und Feuer, Leipzig 1782. 8. S. 7- ff> S. ZZ. ff. ! 4 .§- 24?. ?68 II. Abschnitt. §. 24?. Uebngens müssen wir die atmosphärische tust von der Atmosphäre selbst oder dem Dunstkreise unserer Erde unterscheiden , worin außer der eigentlichen atmosphärischen Luft, noch andere elastische Flüssigkeiten, als Wasserdunst, lufnaures Gas, und andere Luftarten im veränderlichen Verhaltniß zugegen sind. Auch das Verhalt- niß des Stickgas und der Lebensluft darin ist nach dem Locale veränderlich. Theorie des Feuers und des Verbrennens. §. 250. Man pflegt das Wort Feuer (W) in einer gar Verschiedenen Bedeutung zu nehmen, und darunter entweder bloß den Warmestvff allein zu verstehen, den man deswegen auch wol mit dem Namen ^lcmemarfeuer belegt, oder darunter nur eine Modification des LichtS, oder endlich den Znstand zu begreifen, wo sich beides, Licht und Warme, zugleich unfern Sinnen zeiget. In dieser lehtvrn Bedeutung nehmen wir es hier. Wir betrachten alsochier den Zustand der Körper, worin sie zu gleicher Zeit erwärmen und erleuchten, wie es bey dem eigenrlichen Verbrennen der Fall ist. Feuer ist diesem- nach die Verbindung des Lichts mit freyem Warmestoff. §. 251. Man unterscheidet das Gonnenfcuer vom Aus cbenfuer. Jenes ist das reinste, dieses enthalt nicht nur mehr oder weniger fremdartige Theile, die bey dem Verbrennen zugleich mit entwickelt werden, fondern es ist auch darin die Verbindung zwischen dem Warmestoff und dem Licht nicht« so innig, als im erstcrn. Daher kömmt es, daß man durch eine kalte Glastafel das Gesicht gegen die Gluth desselben eine Zeitlang schützen kann, was beym Sonuenfeuer nicht angeht. H. 252. Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 169 H. 252. Da nicht alle Körper des Verbrennens fähig sind, oder nicht alle dazu dienen, Feuer zu entwickeln, so war wol nichts natürlicher, als in den brennbaren Körpern ccn,-as anzunehmen, was ihnen diese Fähigkeit ertheilt. Was dieses Etwas aber sey, darüber hat man gar ver- schieden? Meinungen von jeher gehegt; so wie auch dar.- ül er, wie es das Feuer hervorbringt. Jeder, wer nur einigermaßen Nachdenken braucht, wird einsehen, daß ein Oel, eine Fettigkeit, oder einen Schwefel in den ver- brennltchen Körpern als den Grund ihrer Entzündlichkeit anzunehmen, wie die Alten thaten, gewiß nicht die Ursach des Verbrennens der Körper erklart, sondern vielmehr noch immer die Frage unbeantwortet laßt: was tragt das Oel, das Fettige, oder der Schwefel zur Entstehung des Feuers bey? 25z. Becher nahm zuerst gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts ein gewisses eigenes Wesen an, welches die Ursach der Fähigkeit zum Brennen in den brennbaren Körpern wäre. Er hielt es für clementarisch, und wie alle seine Grundanfange, für eine feine Erde (t^rrn Keunlls, §. 2z.),^die er entzündliche,, und aus jener vorgefaßten Meinung, auch ferrige, schrveflrgte Erde (tt-rrs mllamnuzbNis, piriAuU, lnlpllnres ) nannte. Sein verdienstvoller Commentator Gcah! erläuterte den Begriff von diesem Wesen naher und nannte es phlss giffsn, brennbares lVescn (bAioßilkon, pUncipinm milanunsbilö, yßq,). Er behauptete von demselben, daß es in allen vcrbrennlichen Körpern, und also auch in den Oelen und dem Schwefel die materielle Ursach ihrer Fähigkeit zum Brennen wäre; und da man freylich endlich bcy einem solchen Wesen in den vcrbrennlichen Körpern stehen bleiben mußte, so kam es, daß dies Stahlische L 5 Mo II. Abschnitt. Phlogision Epoche machte, und nachher das ganze System der Chemie darauf gegründet wurde. öecc/itt'i lukterrsues, Uchs. i?OZ. 8. 8veLimen beccyerlannm, exüiii (?e». Z. Ge ErM Gmbl zufällige Gedanken, und nützliche Bedenken über den Streit vom sogenannten duhMur, Halle Z747- «- §. 254. Allein die Meinungen, über die Natur dieses Phlo- gistons, und über die Art und Weise, wie dadurch Feuer hervorgebracht werde, blieben sehr getheilt. Grahl dachte sich nach Vecbers Grundsahen das Phlogision in einer erdigten Form, und glaubte, daß es das Elementarfeuer gebunden enthielte, das bey dem Verbrennen daraus frey werde. Die nachfolgenden Chemisten änderten diesen Begriff vom Phlogision mannigfaltig ab, wie sich die Kenntnisse von den Umstanden bey dem Phänomen des Verbrennenö, von dem Einflüsse der Luft und den Veränderungen derselben dabey vermehrten. §- 255- Herr L.avsis?er, dem wir die genauere Kenntniß der oben (§. 240. 245.) angeführten Bedingungen und Umstände beym Verbrennen vorzüglich verdanken, hielt sich nach diesen Erfahrungen für berechtigt, die Annahme eines eigenen entzündlichen Grundstoffes oder Phlogi- stons ganz aufzugeben, und ohne dieselbe das Phänomen des Verbrennens zu erklaren. Das System der Chemie, das er errichtet hat, heißt daher das anriphloAtstlsche. Nach ihm ist die Quelle des Feuers beym Verbrennen nicht, wie Grab! annahm, im verbrennlichen Körper, sondern bloß in der Lebensluft, die eine Bedingung zum Verbrennen ist. Die Lebenslicht besteht ans einer eigen- thümlichen Grundlage oder Basis, die crVxygcne nennt (§. 246.), und aus Warmestoff nnd Lichtmaterie, die durch Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 177 durch jene Basis gebunden sind. Ein verbrennlicher Körper ist nach ihm ein solcher, der bey einer gewissen Temperatur das Vermögen besitzt, das Orygene der Lebenslust starker anzuziehen, als dasselbe vom Warmestoff in der Lebenslust angezogen wird. Dadurch wird die Lebensluft zersetzt, und die vorher gebundene Warme - und Lichtmaterie wird frey, dringt durch die Gefäße; der verbrennende Körper nimmt das Oxygen auf, wird dadurch in seiner Natur und seinen Verhaltnissen geändert, und weil die Warme- und Lichtmatcrie inponderabel sind, so viel im Gewicht vermehrt, als das Gewicht der zersetzten reinen Luft betragt. Das Stickgas wird vom vcrbrenn- lichcn Körper nicht afficirt, und bleibt also als Rückstand der atmosphärischen Luft. Da der Rückstand des verbrannten Körpers in vielen Fallen eine Säure ist, wie z. B. bcym Phosphor, so nennt eben deswegen Hr. Z.as volslcr den Grundstoff der Lebenslust (was man durch Sauerstoff übersetzt hat), das Verbrennen selbst 1 und den verbrennlichen Körper die saures saftige Basis Das Product des Verbrenncns, das zwar unleugbar die Basis der Lebensluft aufgenommen hat, aber dadurch noch keine eigentliche Säure geworden ist, nennt er Sackas, (was man durch Halbsaure übersetzt hat). Memoire inr Ig comknlklon, par ?ckr. , in dm Ate?». cie i'acack. ciee /c. 1777. S. 592.; übersetzt in Crells neuesten Entdeck. Th. V. S. 18 8. Eavoifier Betrachtungen über das brennbare Wesen zur Entwickslung seiner Theorie vom Vervrennen und Verkalken; aus den Ate???. ike i'acaci. -ie- /e. 178z. S. 505. ff-, übersetzt in CrcUs ck?em. 2lnnalen 1789. B. II S. 145. ff. I.ai-e?/ze>- -ra-re e/c- ?»cl?-»?>e -te c/!??»?e, S. 57. ff. 8)-ntdeÜ8 ox^^enii ex- xerimentis conürmats, eälcstt t'?'. I-nei. Ar^eii- torgt. 1789. 4. §- 2 56. z 72 II. Abschnitt. §. 256. Das torale Verschwinden der reinen Lebensluft, beym Verbrennen des Phosphors darin, bestimmt mich, die vorzüglichsten und unterscheidenden Sähe des Lavoisier- schcn Systems anzunehmen; allein verschiedene Erscheinungen des Lichts, die zum Theil schon oben angeführt sind, und andere Gründe, die aus der Folge erhellen werden, nöthigen mich auch, doch einen eigenen Brennstoff anzuerkennen, worunter ich, wie ich schon oben 229.) bemerkt habe, nach Hrn. sichrer, die Basis des Lichts verstehe, die darin mit dem Warmestoff zur strahlenden und leuchtenden Flüssigkeit vereinigt ist. Ich nehme deshalb nicht mehrere Wesen an, als Hr. L.a» rolsicr thut. Ich sehe aber die Quelle des Feuers nicht bloß in die Lebenslust, sondern auch in den verbrennlichen Körper, der ein solcher ist, welcher die Basis des Lichts oder den Brennstoff enthalt. Ich halte mich ferner noch nicht überzeugt, daß in der Basis der Lebenslust der Grund der Saurebildung des in Lebenslust verbrannten Körpers liege, weil so viele verbrannte Körper keine Spur einer sauren Beschaffenheit äußern, und halte also die Benennung Qxygen oder Sauerstoff noch für zu voreilig. Um nun diese Theorie des Verbrennens deutlicher zu machen, wollen wir das Verbrennen des Phosphors wieder zum Beyspiel nehmen, und die schon vorher angeführten Umstände des Phänomens damit vergleichen. Der Phosphor besteht aus der Basis des Lichts, oder dem Brennstoff, und der phosphorsauren Basis. Wird er in der Lebenslust einer Warme über g2 Gr. R. ausgesetzt, so verbindet sich durch eine doppelte Wahlverwandtschaft die Basis der Lebenslust mit der Phosphorsaure, wahrend der Brennstoff des Phosphors mir dein Warmestoff der Lebenslust zum Licht zusammentritt, und damit Feuer bildet, das als solches ausstrahlt. Der freye Warmestoff allein kann das Brennbare des Phosphors nicht Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 17 Z nicht entbinden; es muß durch doppelte Wahlverwandtschaft geschehen, und hieraus erklärt sich die Nothwen- digkeit des Zutritts der respirabeln Luft zum Verbrennen. Je reiner diese Luft, oder je geringer das Verhältnis der Stickluft darin ist, desto freyer kann der verbrennliche Körper die Basis der Lebenslust darin anziehen; desto größer ist in jedem Augenblick die Entwickelung des Brennstoffs und die Zersetzung der Luft, folglich desto größer die Intensität des Verbrennens. Da die verbrennliche Substanz nur eine bestimmte Menge der Lebenslufcbasis in sich aufnehmen kann, so erklärt sich hieraus, warum in einer bestimmten Menge von Luft nur eine gewisse Menge des verbrennlichen Körpers verbrennen kann; und da das Srickgas den verbrennlichen Körper nicht afficirt, und davon nicht afficirt wird, so erklärt sich ferner, warum um desto mehr von der verbrennlichen Substanz in gleicher Menge von Luft verbrennen kann, je reiner diese Luft von Stickgas ist. Da die Lebenslust ihre Basis an den verbrennlichen Körper abtritt, während dessen Brennstoff mit dem gebundenen Wärmestoff der Luft zum Lichte und zum Feuer wird, das als solches entweicht, so wird die Luft zersetzt; sie nimmt also durchs Verbrennen an Umfange und an absolutem Gewichte ab; der Rückstand des verbrannten Körpers nimmt aber durch die Aufnahme der ponderabeln Basis der Lebenslust an absolutem Gewicht zu. Diese Zunahme des Gewichts des verbrannten Rückstandes, und jene Abnahme des Gewichts der Luft corrc- spondiren einander, weil die Wärmematerie der Luft und das Brennbare des verbrennlichen Körpers inponderabel sind. Der Wärmestoff der zersetzten Lebenslust gehr theils als freyer Wärmestoff, theils in Verbindung mit dem Brennstoff zusammen als Licht fort. In Ansehung der Natur der Basis der Lebenslust getraue ich mir nichts zu entscheiden. Ich halte mich noch nicht davon überzeugt, daß sie die säureerzeugende Substanz sey, und dem II. Abschnitt. dem Substrate des Phosphors erst die saure Beschaffenheit crcheile; und ich halte diejenigen noch nicht für widerlegt, die das Wasser selbst als Basis dieser Luft anerkennen. Die Kürze eines Handbuchs erlaubt mir nicht, andere, neuere Theorien über das Feuer und das Verbrennen, hier anzuführen; und ich muß mich begnügen, bloß auf die Schriften selbst zu verweisen. Dahin gehört: ,) Scheelens Theorie. Carl LVilh. Scheele chemische Abhandlung von Lust und Feuer. ateAusg. von D. I. Gorrfr. iLconharoi. Leipzig 1782.8. -) De la Metherics Theorie. Lftai sual^tigue l'ur fair pur et le« äiftereutss elpeces ä'air, par hl. cle m a Lari« 1785- 3- 1788- 3- z) Crarvford's Theorie. S. die oben (§. 206.) angeführte Schrift. 4) De ZLuc's Theorie. Neue Ideen über die Meteorologie, von I. A. Ve S.uc. Aus dem Franz. übersetzt, Th. l. Berlin 1787. 8> S. 82. ff. 5) Voigts Theorie. Versuch einer neuen Theorie äes Teuer«, äer Verdreu- nun^, äer hünttliclien Tuftarteu, äs« ^.tkmeus, äer tZLbrunA, äer TleKricität, äer Vleteoreu, äs« I-iclu« unä äe« täla^net!«mus. t^u« /LusloAieu herAeieltet, unä äureh Verbuche deftiiti^t von //ei»?-, Jena 17^,3. L- H. 25?. Der Erfahrung zu Folge verbrennen die entzündlichen Körper entweder mir Glühen, oder mit Flamme. Die chemische Zergliederung zeigt, daß alle die Körper, welche mit Flamme verbrennen, entweder selbst flüchtig sind, oder flüchtige Bestandthcile haben, die durch die Hihe in Dampfe verwandelt werden können, und die, wenn sie zu festen Theilcn wieder niedergeschlagen werden, den Ruß bilden. Die Flamme des brennenden Körpers ist solchergestalt der brennende Dampf desselben. Ben der Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 17 5 der Erhitzung werden nemlich die flüchtigen entzündbaren Theile in Dampf verwandelt, und sie entzünden sich erst bey der Verflüchtigung. Wenn nun aus Mangel des Zutritts der tust zum Innern der Flamme, oder aus Mangel der nöthigen Erhitzung nicht aller Brennstoff dieses Dampfs stey gemacht wird, so kann auch der Ruß dieser verbrennenden Körper noch entzündlich, wenigstens noch phlogistisch set)n. §. 258. Höchst verschiedene Dinge können also in dem brennenden Körper die Flamme ausmachen, je nachdem der Körper ist, welcher verbrennt. Die Verschiedenheit der Farbe der Flamme rührt wol von dem verschiedenen Ver- haltniß her, in welchem der Brennstoff des verbrcnnli- chen Körpers mit dem Warmestoff zum Licht vereiniget wird. §. 2ZY. Wenn Materien zusammen vermischt werden , die bey ihrer Einwirkung auf einander Warmematerie entwickeln und frey machen, und entzündliche Stoffe dabey sind, so kann dadurch beym Zutritt der freyen Luft Selbstentzündung bewirkt werden, wovon im Folgenden Beyspiele vorkommen werden. Aber auch dann, wenn in entzündlichen Gemischen durch die Veränderung ihrer Mischung beym Ruhigstehen Warmestvff entbunden wird, kann unter dem Zutritte der Luft Selbstentzündung hervorgebracht werden. Neue norvlscke Verträge, B. III. S. Z7- ff. Vertrag zur Geschichte der Selbstentzündungen, und der sogenannten.Lustzünder, vom Hrn. V. R. Suckhoff, inCrelln chem. Anna- len 1784. B. l. S. 411. ff. und S. 4«z. ff. -Hacgner, ebcnoasi 1791. B. I. S. zoz. Kohlen- II. Abschnitt. Kohlensaures Gas. H. 260. Das Verbrennen der Aohle macht uns noch mit einem Umstände bekannt, der bey dem Verbrennen sehr vieler anderer Substanzen eintritt, nemiich mit der Erzeugung einer Gasart, die bep dem Verbrennen des Phosphors nicht Start fand. Man bringe zu dem Ende unter eine, mit reiner Lebenslust gefüllte, und mit Quecksilber gehörig gesperrte Glasglocke etwas, vorher wohl ausgeglühete, Holzkohle, an die man ein Stückchen Zunderschwamm mit etwas wenigem Phosphor befestigt hat. Man zünde den Phosphor durch ein Brennglas unter der Glocke, oder durch ein gekrümmtes glühendes Eisen durch das Quecksilber hindurch, an; die Entzündung verbreitet sich dann bald zum Zunderschwamm und von da zur Kohle; das Verbrennen geht schnell und mit ziemlich starkem Lichte von statten. Damit nun durch die anfangliche Dilatation keine Luft entwische, muß man vorher Sorge getragen haben, daß das Quecksilber in der Glasglocke hoch genug siehe. Nachdem alles erkaltet ist, so findet man die Luft nur um weniges, bey weitem nicht so vermindert, als durch das Verbrennen des Phosphors geschähe. Die übrigbleibende Luft ist auch nicht weiter zur ferner» Unterhaltung des Verbrcunens tauglich, so wenig, als zur Unterhaltung des Athmens für ?hiere. Bringt man aber diese übrigbleibende Luft mit kaltem Wasser zusammen, so wird sie davon nach und nach eingesogen, und das Wasser erhält die Eigenschaften einer schwachen Säure und röchet die Lackmustinctur. Aetzende Lauge und Kalkwasser verschlucken diese Luft noch schneller, und erleiden dadurch selbst Veränderungen ihrer Natur, wie wir in der Folge sehen werden. Die davon Übrigbleibende Luft, welche das Wasser oder die ätzende Lauge nicht verschluckt, ist der Änthell unveränderter Lebens- Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 177 bcnsluft, der nicht zum Verbrennen der Kehle mit angewendet wurde, weil ihn jenes erzeugte Gas zuletzt daran hinderte. Der verbrannte Anrheil Kohle ist in Asche verwandelt. Hat man nun die Kohle Vor dem Verbrennen gewogen, und war sie frey von Feuchtigkeit, so wiegt der Rückstand der Kohle nach den» Verbrennen mit der gebildeten Gasart, die die atzende Lange verschluckte, zusammen so viel, als die Kohle vor dem Verbrennen und der Anthcil der zersetzten Lebensluft zusammen wogen; oder die gebildete Gasart, welche nachher von der atzenden Lauge Verschluckt wird, wiegt so viel, als der zersetzte Antheil der Lebenslust und der Kohle zusammen betrug. Nach Herrn L.cwcüsicr's genauer Bestimmung verzehren 28 Theile Kohle etwa 72 Theile Lebenslust (dem Gewicht nach); und es bilden sich daraus zusammen loa Theile der Gasart, die bey diesem Prozeß von der atzenden Lauge verschluckt wird. A.ar>oisice über die Bildung der festen Luft der Kreideusäure oder besser der Kohlensäure, aus den 1781. S. 448. ff. übersetzt in Lrells cftem. Annal» 1788. B-1- S. 552. und B. 11. S. 55. ff. traue elemeut. S. 67. ff. §. 261. Diese hier gebildete Gaöart, die sich von dem Stickgas durch ihre Auflöslichkeic im kalten Wasser, und durch ihre säuerliche Beschaffenheit sehr wesentlich unterscheidet, kömmt auch bey dem Verbrennen aller organischen Pro- ducte, wie z. B. des Wachses, desOeles, dcsHarzcs, zum Vorschein, und zwar sowol bey dem Verbrennen in reiner Lebenslust, als in atmosphärischer Luft. Wenn man also statt des Phosphors in dem oben (§. 2z6.) angeführten Prozeß eine Wachskerze verbrennt, so ist der Rückstand der Luft nicht bloß Stickgas, sondern auch mit diesem jetzt erwähnten Gas vermischt. GrenS Chemie. I. Tl>. M §-262. 178 ll. Abschnitt. §. 262. Es hat diese merkwürdige Gasart alle Kennzeichen eines wirklichen Gas, und Permaneität der Elasticität in der Kalte und beym Zusammendrücken. Sie heißt Kohlensaures Gas (ZSZ ucicium carbonieum, sonst auch lusrsüures Gas (FS8 sei. Zum söreum), fixe L^uft (sörtlxuz), Kreldensäures Gas (ZS8 scicium eretss), und ^xalögas (Zas c^Ica. reum). Es ist der chiriru« tslvsKris des sl)aracelsüs, -^elmonts t?ÄZ sz'lvelrrs, vinorum, mutki, ^r. ^>ofs) Manns spiritus minerslis elglkicus koutium msllicuko- rum. Der Grund von diesen mannigfaltigen Benennungen wird aus der Folge erhellen, wo wir mehrere Methoden kennen lernen werden, diese Gasart aus Körpern, auch ohne Verbrennen, darzustellen. Sie ist specifisch schwerer als atmosphärische Luft, und es wiegt ein Cubik- zoll (Pariser) bey 10 R. und 28 Zoll Barometerstand 0,68985 Gr. (franz.). In der atmosphärischen Luft befindet sie sich ebenfalls, doch freylich nur zufällig, nicht immer und nicht an allen Orten. Sie ist aber in ziemlicher Menge in der Luft, die wir ausathmen. §. 26 z. Nach Herrn L.avois!er verbindet sich die Kohle in dem Prozeß des Verbrennens in der Lebensluft bey der dazu nörhigen Glühehitze mit dem Sauerstoff der letztern. Die Lebensluft wird also zerseht, ihr Wärme- und Lichtstoff wird frey, und macht das Feuer. Die Kohle und der Sauerstoff zusammen werden durch einen Antheil Wärmestoff, den sie aufnehmen und bindeil, gasförmig, und bilden so das kohlensaure Gas, dessen Gewicht dem Gewicht der zerstörten Lebenslust und der verbrannten Kohle zusammen correspondirt (H. 260.). Die Basis des kohlensauren Gas ist also nach Hrn. VSisier zusammengesetzt aus der einfachen Rohle (reine Rohle, Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 179 Zxohlc, Kohlenstoff, cgrbanicum, cs^o?^) und dem Sauerstoff, in dem Verhältnis von 28 zu 72 (H .26O.), und heißt daher auch kohlensaure Ocickum cgrboni» cum , ar/ale Diese Kohlensaure wird mit dem Warmestoff zum kohlensauren Gas. H. 264. Ich nehme in der Kohle, wie in sedem verbrennst- chen Körper, noch Brennstoff an, der in Verbindung mit der eigenthümlichen sauren Grundlage die Kohle oder den Kohlenstoff bildet. Ben der Glühehitze in der Lebenslust verbindet sich der Brennstoff der Kohle mit dem Warmestoss zum Feuer, und die Basis der Lebenslust mit der sauren Grundlage der Kohle. Diese neue Zusammensetzung, die kohlensaure, wird durch den Warmestoff, den sie bindet, gasförmig. Die Lebenslust wird also zersetzt, und weil Brennstoff und Warmestoff inpondera- bel sind, so muß auch das Gewicht dieses kohlensauren Gas dem Gewichte der zerstörten Lebensluft und der verbrannten Kohle zusammen gleich seyn. §. 265. Der Einfluß, den die brennenden Kohlen auf die Luft haben, crhellet aus dem angeführten leicht, und es laßt sich daraus beurtheilen, warum Kohlen, die in eingeschlossenen Zimmern brennen, dem Leben und der Gesundheit der Menschen nachtheilig werden können, indem sie nicht allein die Lebenslust der atmosphärischen Luft zersetzen, sondern auch eine neue irrespirabele Lufcart erzeugen. Man spricht im gemeinen Leben zwar viel von der Schädlichkeit des Kohlendampses; aber dieser Ausdruck selbst giebt auch zu dem Vorurtheile Anlaß, als ob Kohlen, die nicht mehr dampften oder rauchten, und die recht aus- geglühet wären, nicht mehr so schädlich seyn; da doch das Verbrennen selbst, auch von der reinsten Kohle, die Luft irrespirabel macht. M 2 Was- ll. Abschnitt. Wasser. Brennbares Gas. 266. Das VOasier (sgua, V) ist im Zustande seiner Reinigkeit eine farbcnlose, unschmackhafte, geruchlose, dnrchsichrige, unenrzündliche Flüssigkeit, die nach Herrn Zimmermantts und Micks Versuchen allerdings ecwaS Elasticität besitzt und compressibel ist. Uebcr die Elasticität des Wassers, theoretisch und historisch entworfen, von L» 2ss N?. Zimmermann. Leipzig 1779. 8- H. 267. Das Wasser gehört zu den schmelzbarsten Substanzen : nur bey einer Verminderung der freyen Warmema- terie, oder bey einer Kalte, von 32 Gr. nach Fahrenh. fangt es au fest oder zu 5Lis zu werden und zu gefrieren. Die Entstehung des Eises ist im Grunde eine Art von Crystallisation, und in der That nimmt das Wasser auch beym Gefrieren, unter den gehörigen Umstanden, eine regelmäßige Gestalt und ein bestimmtes Gefüge an, so daß es nach Herrn von bNairan aus Nadeln besteht, die sich unter Winkeln von 60 bis 120 Grad durchkreuzen. Von dieser bestimmten Gestalt, welche das Eis erhalt, ist die starke Ausdehnung desselben wahrend der Entstehung, und das verminderte specifike Gewicht herzuleiten. Durchs Gefrieren wird auch die Luft aus dem Wasser ausgeschieden, die manchmal zu besondern Erscheinungen im Eise Anlaß giebt. S. Gage clnmlgue et concoräanee äs trolz reines. I'om. I. S. 78. 79. I. II. §. 268. Das Wasser ist in der Hitze flüchtig und verwandelt sich beym Sieden in Dampfe. Es geht nun durch Verbindung mit mehrerm Warmestoff in den Zustand der eigent- Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 181 eigentlichen expansibeln Flüssigkeit, in VOasserdampf über. Der Wasserdunst verliert seinen expansibeln Zustand durch mechanische Zusammendrückung und durch Abkühlung, und wird zum Nebcl niedergeschlagen, und eben deswegen ist eine größere Hitze zum Sieden des Wassers, oder zur Dampfbildung unter dem Drucke der . Atmosphäre nöthig, als ohne diese im leeren Räume. Je größer der Druck der Luft auf die Wasserfläche ist, desto mehr latenter Warmestoff ist nöthig, lim der Basis des Wasserdampfs eine der Luft gleiche Elasticitär zu geben. Die Verwandlung des Wassers in Dampf gcschie- hct indesseil nicht bloß beym Sieden, sondern in jeder Temperatur; nur daß bei) bleibendem Druck der Atmosphäre desto weniger Basis mit einerley Quantität vom Wärmestoff in elastischer Form erhalten werden kann, je niedriger die Temperatur ist. H. 269. Die Verdunstung des Wassers nimmt durch Verdünnung der Luft und durch Erhöhung der Temperatur zu. Wenn also Wasserdunst in der Atmosphäre befindlich ist, und es nimmt der Druck derselben bey bleibender Temperatur zu; so muß ein Theil des Dampfes zersetzt, oder ein Theil seiner Basis als concretes Wasser niedergeschlagen werden; eben dies muß bey bleibendem Druck der Atmosphäre durch Verminderung der Temperatur erfolgen, wo, wenn die Abkühlung bis unter dem Gefrier- punct stattfindet, die ausgeschiedene Basis des Wasserdampfes, als festes Wasser (Schnee, Reif) zum Vorschein kömmt. §. 270. Auf diese wechselseitige Zersetzung und Bildung des Wasserdampfs in der Luft gründen sich die bekannten Phänomene vom Sichtbarwerden unseres Hauchs in kal- M z ter l82 !I. Abschnitt. ter Luft und der Ulisichtbarkeit desselben in warmer; das sogenannte Schwitzen oder Anlaufen kalter Korper in feuchten und heißen Zimmern ; das Schwitzen der Fenster in diesen Zimmern, wenn die äußere Luft kalter ist, als die innere; das Beschlagen der Gebäude beym Tauwetter nach anhaltendem Froste; das Beschlagen der. Glocke der Luftpumpe bcy Wiederhiuzulassung der Luft nach vorhergegangener Verdünnung. §- 271. Die Atmosphäre ist nie vom Wasserdunste frey; und da ihr Druck und ihre Temperatur beständig Abwechselungen unterworfen ist, so geschehen immer bald Zersetzungen, bald neue Bildungen des Wasserdampfs darin; .und well nur die Basis des Wasserdampfs im liquiden Zustande feuchtmachend ist, nicht aber der reine elastische Dunst des Wassers, so erleidet die Luft auch solchergestalt Abwechselungen von Feuchtigkeit und Trockniß, und kann ohngeachtet des Daseyns des Dunstes, und sehr vielen Dunstes vom Wasser, doch trocken erscheinen. Nur dann, wenn ein Theil des Wasserdampfs durch Abkühlung oder Zusammendrückung zersetzt wird, entsteht Feuchtigkeit im Dampf durch die jetzt abgeschiedene wasserige Basis. §- 272. Das Wasser ist auch vermögend, durch die Verbindung mit andern Körpern, in den Zustand der Festigkeit und der mehrern Feuerbeständigkeit überzugehen, wie das Crystallisationswasser einiger Salze und Erden zeigt, welches die Siedhitze aushält, ohne verflüchtiget zu werden. Sonst ist das Wasser ein Auflösungsmittel für eine sehr große Anzahl von Körpern. Für die Salze ist es das eigentliche Menstruum; und wenn es von einem Salze gesattiget worden ist, so kann es doch noch etwas Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 18 z was von andern in sich aufzulösen vermögend seyn. Die Vermehrung des Umfanges des Wassers nach der Auflösung eines Salzes entspricht nicht immer dem Umfange des letztern. Die mit dem Wasser verbundenen Salz- rhcile können durch die aneignende Verwandtschaft dasselbe nun zu einem fcrnern Auflösungsmittel für sehr viele andere, sonst darin unauflösbare, Körper machen. §. 27z. Daher kömmt es,, daß in der Natur nur wenig Wasser zu finden ist, das nicht mit fremdartigen Dingen verbunden, oder das völlig rein seyn sollte. Zu den reinsten Wassern gehören die atmosphärischen, als Schnee-, Regen-, Hagel- und Thauwasser, wovon besonders die beiden erster«, wenn sie an einem freyen Orte in gläsernen Gefäßen bey nicht stürmischer Witterung reinlich aufgefangen werden, nachdem es schon eine Zeitlang geregnet oder geschneyet hat, schon zu mehrern chemischen Operationen gut angewendet werden können. Auf diese folgen die unschmackhafken Gruellwässer und iBrunnenwässer, davon die weichen reiner sind, als die harten , die ihre sogenannte Harte von darin aufgelösten erdigten Mittelsalzen haben. Das Flußwasser? und die stehenden Gewässer sind gemeiniglich voll von allertey Unrcinigkeiten, zum Theil auch sichtbarerweise. Die eigentlichen mineralischen NDässir zeigen schon durch ihren Geschmack die damit verbundenen fremdartigen Theile. Die Scheidung und Untersuchung derselben nach ihrer Beschaffenheit und Menge kann freylich hier nicht vorgetragen werden. Hieher kann man gewissermaßen auch die Galzsöolm und das Meerwasssr rechnen., ttorA. iZe sgusrum , in ssinen ozz»/c. Fco-c^e?». low. I. S>. 6z. ff. Strnve, in Crclls Verträgen den chemischen Annalcn, B. I. St. I. S. 97-ff- M 4 West- i84 II. Abschnitt. V?estrumb Anleitung zur Prüfung eines Mineralwassers; in feine» phvf. choin. Abhandlungen, B. I H. !I. S. 71. ff. Phvsikaüsch - chemische Beschreibung des Wildungcr Brunnen — von (5. -H, Stucke, mit einer Vorrede vom Berg- comm. U?estlumh. Leipzig 1791. 8. Tabellen über den Gehalt der in neuesten Zeiten untersuchten Mineralwasser, von Ich» Christ, Xvilh. Remlcc. Erfurt 1791. §. 274. Um zu genauen chemischen Versuchen sich noch reu ueres Wasser zu verschaffen, als wir irgendwo in der Natur antreffen, muß man das Wasser einer Destillation unterwerfen. Man wählt dazu die reinem atmosphärischen Wasser, als Schnee- oder Regenwasser, oder reines Brunnenwasser, und destillirt es aus einer reinen gläsernen Retorte im Sandbade, oder einer reinen kupfernen Blase mit zinnernem Helme und Röhre, bey einem mäßigen Feuer, wobey'man die zuerst übergegangenen Autheile Wasser wegen der, vicüotcht damit verbundenen, flüchtigen Theile, weggießt, undzumAus- spühlen der Vorlagen anwendet. Man endiger die Destillation, wenn ohngefähr zwey Drittel oder drey Viertel überdcstillirr worden sind. Dies destilliere VOaster (aqua üsstilluta communis, VlsVssa comm>) muß man in reinen, mit destillirtem Wasser ausgespühlten, gläsernen Flaschen aufbewahren, die man aber nicht mit Kork zustopft, sondern mit Papier überdeckt. Das gewöhnliche destillirte Wasser ist inzwischen noch nicht vollkommen und absolut rein, indem es mit der Zeit auch eine gewisse Verderbung erleidet, und dann von einigen ge- genwirkendcn Mitteln verändert wird, was reines Wasser nicht thun sollte. S- U9elgcls ckcmisth - mincval. Zbeob. Th. I. S. 81. und N'estrttmbs phpst chcm. Abhanvl. Heft 2. S. 207. §. 275. Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 18 ? H. 275. Da das Wasser auch nach oft wiederholten und behutsam angestellten Destillationen, aus reinen gläsernen Gefäßen, immer etwas Erde absetzt und zurücklaßt, wenn man es völlig abdunstet, so wollte man daraus schließen, daß sich das Wasser selbst ganz in Erde verwandeln lasse. Schon einige ältere Philosophen, wic Thalcs von Milet, behaupteten die Entstehung der Erde aus dem Wasser. Durch Versuche mir dem Wachsen der Pflanzen bloß vermittelst des Wassers, zumal des reinem, welche besonders van -Hclmone, Äovle und Ellcr anstellten; durch Ausscheidung einer wirklichen Erde bey wiederholter Destillation des Wassers, die Borrichtus, Bo^le, Gcos froy, TNallerlus, MIer, Marggraf, u. a. Hervorbrachren ; und endlich durch die Absetzung dieser Erde aus dem geriebenen Wasser, welche die beiden letztern Chemisten wahrnahmen, suchte man diese Meinung von der Verwandlung des Wassers in Erde zu bestätigen, welche aber von andern, wie schon von Locrhave, und nachher von porc als eine unrichtige Folgerung aus obigen Versuchen angesehen wurde; bis endlich in den neuesten Zeiten Herr L.avc>tster, Scbcclc, Fonrana, und Herr von Dalberg durch Versuche darrhaten, daß die beym De- stillircn lind beym Reiben des Wassers zum Vorschein gekommene Erde entweder ans dem Wasser ausgeschieden sei), oder von den gläsernen Gefäßen, worin man die Destillation vornahm, herrühre. Die über das Wachsen der Pflanzen im Wasser, angestellte Versuche, beweisen die Wasservcrwandlung noch nicht, da das Wasser selbst, als Wasser, einen vorzüglichen Bestandtheil der Pflanzen ausmacht, und da die Pflanzen auch aus der Luft ihre Nahrung und ihren Wachsthum zugleich mit erhalten, lind aus ihr hauptsächlich ihre ponderabeln Theile bekommen. Aavoisiers Abhandlung von der Beschaffenheit des Wassers und den Versuchen, durch welche man die Möglichkeit seiner M 5 Ver- Z86 II. Abschnitt. Verwandlung in Erde hat beweisen wollen; in seinen nach Herrn Vcigelu Ueberseyung, Th. II. S. 29. ff. wo man die hieher gehörigen Schriftsteller vom Hrn. lveigel angezeigt findet. H. 276. Die Verwandlung des Wassers in elastischen und unsichtbaren Dampf gab schon altern Naturforschern und Chemisten zu der Meinung Anlaß, daß die Luft selbst aus dem Wasser entstanden und Wasser im luftförmigen Zustande sey. Diese Vermuthung glaubte man durch die Phänomene der Windkugel oder Aeolipila noch mehr bestätigt, wo der daraus hervortretende Wasserdampf vermögend ist, das glimmende Docht eines Lichts wieder zur Flamme zu erwecken, Kohlen im Glühen zu erhalten, und die Gluth zu verstärken. Uebrigens kannte man keine Erscheinung, aus der man die elementarische Beschaffenheit und Einfachheit des reinen Wassers aufzugeben genöthigt gewesen wäre. H. 277. Erst seit dem Jahre 1784. machten die von Herrn Cavendlsh und IlVarc in England, und von Hrn.L.a» NSlsier, de la place und Monge in Frankreich angestellten, und seit der Zeit vielfach wiederholten und abgeänderten Versuche, die bisher angenommene Meinung von der Einfachheit des Wassers zweifelhaft, und lehrten neue Veränderungen kennen, die das Wasser erleiden kann. Wir wollen hier erst einige von diesen Versuchen beschreiben, die Umstände, die dabey stattfinden, angeben, die erhaltenen Producte kennen lehren, und dann die Schlüsse und Erklärungen, die man daraus gemacht hat, folgen lassen. H. 278. Man schütte destillirtes Wasser in eine kleine gläserne Retorte, lege sie in ein Sandbad ein , kütte den Hals der Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 187 der Retorte in einen eisernen Flintcnlauf, dessen innere Flache vom Roste frey ist, lasse diesen etwas geneigt durch einen andern Ofen treten , so daß die untere Mündung unter dem Trichter der Wanne des pneumatischen Apparats steht. Man bringe hierauf das Wasser in der Retorte zum Sieden, wahrend man den Mittlern Theil des Flintenlaufs glühend erhalt. So wie nun die Wasserdampfe durch den glühenden Theil des Flintenlaufs streichen, so verwandeln sie sich in eine eigene, höchst leichte, Gasart, die in Gestalt von Blasen durch das Wasser der Wanne tritt, und so aufgefangen werden kann. Nach Endigung des Versuchs findet man das Eisen an der glühend gewesenen Stelle auf der innern Flache in Glühespan verwandelt, oder verkalkt. §- 279. Dieses hier erhaltene Gas, dessen Darstellung noch auf andere Arten stattfindet, die in der Folge erwähnt werden sollen, und dessen Kenntniß wir zuerst priestle^ verdanken, unterscheidet sich auf eine auffallende Weise. Ich nenne es leichtes brennbares Gas (»ns intlsm- nobile levs); Herr L.avoisler hat ihm aus Gründen, die weiter unten erhellen werden, den Namen (Z5Z9 Gr. (franz.), und ein Cubikfuß 61,15 Gr. Es hat einen cigenthümlichen, unangenehmen Geruch, ist irrespirabel, und löscht ein hineingetauchtes licht aus. Sonst aber ist ,es selbst brennbar, und laßt sich entzünden, r88 I?. Abschnitt. den, wenn die respirabele Luft dazu Zugang hat. So brennt es in einer Flasche mit einer engen Mündung an dieser mit einer blaulichen Flamme, die desto schneller m das Gefäß hinabsteigt, je weiter die Mündung desselben ist. Vermischt man also das Gas mit etwa drey Theilen atmosphärischer Luft (dem Räume nach), so verbreitet sich die Entzündung sogleich durch die ganze Masse, und sie geschiehst mit einer starken Erplosion. Noch heftiger ist der Schlag, und noch schneller die Verbreitung der Entzündung, wenn man einen Thcil reine Lebensluft mit zwcy Theilen brennbarer Luft (dem Räume nach) mit einander vermischt anzündet. In der Vermischung mit respirabelcr Luft laßt sie sich auch durch den electrischcn Funken anzünden. Vom Wasser wird das brennbare Gas nicht verschluckt, und nicht geändert; und ebenso wenig von atzender Lauge eingesogen. §. 28l. Um aber die Veränderungen, die das Wasser bey der Erzeugung dieser Gasart erleider, besser bestimmen, und auf die Zusammensetzung des brennbaren Gas Schlüsse machen zu können, müssen wir erst noch einige andere Erfahrungen kennen lernen. Man nehme eine beschlagene Röhre aus hartem Glase, die im Durchmesser etwa 8 bis 12 Linien weit ist; man lege sie etwas geneigt durch einen Ofen, bringe in die Mitte der Röhre 274 Gr. (franz.) spiralförmig gewundenes dünnes Eisenblech, von weichem Eisen; man kütrc an die obere Mündung der Röhre den Hals einer kleinen gläsernen Retorte, die mit einer genau abgewogenen Menge destil- lirten Wassers gefüllt ist, und lege sie in ein Sandbad; das untere Ende der Glasröhre kütte man luftdicht in eine kleine Mittelflasche, ans der eine andere gekrümmte Röhre unter den Trichter der Wanne des pneumatischen Apparates tritt. Man bringe das Wasser in der Retorte zum Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 189 zum Kochen, die Glasröhre aber mache man an der Stelle, wo sie das Eisen enthalt, vorher glühend, und die Mittelflasche erhalte man gehörig kühl. So wie nun die Wasserdampfe durch das glühende Eisen streichen, verwandeln sie sich, wie beym vorigen Versuche, in brennbares Gas, das mit der atmosphärischen Luft der Gefäße zusammen in die Vorlagen tritt; das übrige Wasser, was keine Veränderung erleidet, sammlet sich in der Mittelflasche. Man sehe die Operation fort, bis alles Wasser aus der Retorte übergetrieben ist. Man erhält hierbey nach Abzug der atmosphärischen Luft etwa 416 Cubikzoll (Pariser) von dem leichten brennbaren Gas, die 15 Gr. (franz.) wiegen. Das in der Mittelflasche gesammlete Wasser beträgt 100 Gran an Gewicht weniger, als das zur Operation angewandte. Das Eisen in der Röhre ist verändert, ist zum Sinter geworden, oder hat seinen regulinischen Zustand verloren, und zu den 274 Gr., die es vor der Operation wog, ist jetzt eine Gewichtszunahme von 85 Gr. gekommen. traits elemsMsire, S. ?Z. ff. §. 282. Statt des Eisens lege man in die Röhre 28 Gr. (franz.) Kohle, die vorher in verschlossenen Gefäßen gehörig ausgeglühet, und zu einem gröblichen Pulver gebracht worden ist; und stelle den Versuch ganz wie vorher (H. 281.) an. Die Wasseroämpfe, die hierbey durch die glühende Kohle streichen, verwandeln sich auch in Luft, und das übrige Wasser sammlet sich in der Mittelflasche. Die, nach Endigung des Versuchs, übergegangene Luft beträgt, nach Abzug der atmosphärischen Luft, z24Cubikzoll (Pariser). Sie ist aber keineswegs bloß leichte brennbare Luft, wie bey den vorigen Versuchen, sondern z8o Cubikzoll davon sind brennbares Gas, und 144 Cubikzoll sind kohlensaures Gas, das sich durch Waschen i9v II. Abschnitt. Waschen mit Kalkwasser, oder äßender tauge, oder kaltem Wasser davon bringen laßt. Diese beiden Gasartcn zusammen wiegen 11 z^ Gr., und es kommen davon ioo Gr. aufs kohlensaure Gas und i z/ö Gr. aufs leichte brennbare. Das in der Mittelflasche gesammlete Wasser betragt nahe 8Z Gr. weniger, als das zum Versuch angewandte. Die Kohle in der Röhre ist zerstört, und in etwas weniges Asche verwandelt. H. 283. Aus diesen Erfahrungen (§. 278 — 232.) zieht nun Hr. L.ave>lsier den Schluß, daß, weil das Eisen und die Kohle in diesem Prozeß eben die Veränderungen erleiden, als bey dem Verbrennen in Lebenslust, auch die Basis der Lebenslust, oder der Sauerstoff, in dem Wasser zugegen seyn müsse, der das Eisen in den Zustand der Verkalkung gebracht und die Kohle in kohlensaures Gas verwandelt habe; daß, weil in dem einen Versuche (§. 231.) iooGr. Wasser verschwunden sind und dagegen das Eisen um 85 Gr. zugenommen hat, die Basis der Lebensluft oder der Sauerstoff 0,35 Theile im Wasser ausmache; welches durch den andern Versuch (§. 282.) bestätigt werde. Denn weil sich hier r oo Gr. kohlensaures Gas bildete, dazu aber 72 Gr. Basis der Lebensluft oder Sauerstoff erforderlich ist (§. 260.), so müßten die angewandten 23 Gr. Kohle dem Wasser 72 Gr. Sauerstoff entzogen haben. Da sich aber in diesen Versuchen noch leichtes entzündbares Gas entwickelt, so muß die Basis dieses lchtern mit dem Sauerstoff zusammen das Wasser ausgemacht haben, und zwar in dem Verhältnis; von 15 zu 35. Denn in dem einen Versuche (§. 231.) nahm das Eisen um 85 Gran zu, und das erzeugte brennbare Gas wog 15 Gran; und es waren roo Gr. Wasser verschwunden: in dem andern Versuche (§. 282.) beträgt die zur Bildung von den IO0 Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 19 r 100 Gr. kohlensaurem Gas erforderliche Basis derlebens- luft 72 Gran, und das erhaltene brennbare Gas wog iZ?o es waren aber 85/ö Gr. Wasser verschwunden, folglich müssen diese 85?ö Gr. Wasser aus 72 Gr. Sauerstoff und 1 Gr. Basis des brennbaren Gas bestehen, was ziemlich nahe wieder das vorige Verhaltniß von 85 zu rz gicbt. Das Wasser ist also nach Hrn. L.avoisier kein einfacher Stoff, wie man sonst glaubte, sondern zusammengesetzt aus 0,85 der Basis der Lebenslust, oder des Sauerstoffs, und 0,15 der Basis des brennbaren Gas. In den angeführten Versuchen entzieht das Eisen und die Kohle in der Glühehitze dem Wasser den einen Grundstoff, den Sauerstoff, und jenes bildet damit Eisenkalk, diese aber Kohlensaure; der andere Grundtheil des Wassers wird freu, und wird durch Aufnahme des Warmestoffs gasförmig und bildet das leichte brennbare Ggs. Die Basis dieses brennbaren Gas unterscheidet Herr L.av0lster eben deswegen durch den Namen fl^lzAroßk-njum), was man durch Wasserstoff, rvassererzeugenden Groff, übersetzt hat; das brennbare Gas nennt er daher auch 6s/ (§> 279.). I-svoi/le-' traite elemeM. S. 91. ff. §. 28g. Herr L.avsister bestätigt diese seine Theorie dadurch, daß, wenn man leichtes brennbares Gas und reine Lebensluft in dem Verhältniß von 15 zu 85 (dem Gewichte nach) langsam und nach und nach in verschlossenen Gefäßen mit einander verbrennt, beide juftarten zerstört werden, und sich reines Wasser bilde, das sich in dem Gefäße wieder verdickt, und dessen Gewicht dem Gewichte der angewandten beiden Luftarten, die vorher von aller anhangenden Feuchtigkeit befreyt worden sind, proportional ist. Bey diesem Verbrennen zieht II. Abschnitt. zieht also in der dazu uörhigen Temperatur die Basis des brennbaren Gas die Basis der Lebenslust wieder an, und sie vereinigen sich wieder zum Wasser, wodurch der Warme? und Lichtsioff frey werden, lind als Feuer entweichen. Um theils das Abbrennen beider Luftartcn bequem zn I veranstalten, theils die respectiven Quantitäten der dazu angewandten Luftarten genau zu messen, und das erhaltene Gas gehörig zu sammlen und zu wagen, hat man eigene Vorrichtungen eingeführt, denen man den Namen Gazomcrcr gegeben hat. Herr LL.avoisier undbNcus, liier, Succorv und van bNarum haben dergleichen beschrieben. Der Apparat des letzter» ist der einfachste und bequemste. I -civoi /ie»- tlültc elömeMsIre, Bc >m. tl> S. Z4Z. ff. Ucber die Apparate zur Wasser- und Säure - Erzeugung, und ihre vorthcilhafteru Einrichtungen, vom Hrn. Guceow; in Crcllg chcm. Annalen 1791. B. I. S. 45z. Beschreibung eines sehr einfachen Gazometers, von Herrn van Marnin; in Gren's Jonen, ver B. V. S. 154. ff. B. VI. S. z. ff. H. 28Z. Ohne das Daseyn des Brennstoffs zu leugnen, lassen sich, wenn man auch die Zusammensetzung des Wassers nach Herrn Arwolsicr völlig zugiebt, die angeführten Versuche eben so gut erklaren, und zu gleicher Zeit voit den Erscheinungen dcö Lichts dabcy noch mehr Rechenschaft geben, falls man nach den oben 229.) gegebenen Bestimmungen den Brennstoff annimmt. Bcy dem Durchgang des Wassers nemlich durch das glühende Eisen (§. 278. 28r.) verbindet sich die Lebeusluftbasis des Wassers mir dem Eisen, verwandelt es in Kalk, und vermehrt sein Gewicht; dabcy wird der Brennstoff des Eisens frey, und constituirt mir dem ebenfalls frey gewordenen andern Grundtheile des Wassers, oder dem Hpdro- gene, die Basis der brennbaren Luft, die durch Hülfe des War- Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 19z Wärmestoffs luftförmig wird. Da der Brennstoff und Wärmestoff iuponderabel sind, so betragt das G wicht der erzeugten brennbaren Luft, addirt mit der Zunahme des Gewichts des Eisens, so viel, als das Gewicht des verschwundenen Wassers betrug. Im andern Versuche mit der Kohle (H. 282.) verbindet sich die Lcbensluftbasis des Wassers mit der Grundlage der Kohle vermittelst des Warmestoffs zum kohlensauren Gas; und der Brennstoff der Kohle macht mit dem freygcwordencn Hydrogene des Wassers die Basis des brennbaren Gas aus, das sich hierbei) entwickelt. Wenn nun hinwiederum brennbares Gas und Lebensluft im gehörigen Verhaltnisse mit einander verbrennt; so verbindet sich in der dazu nöthigen Hitze der Brennstoff des brennbaren Gas mit dem Wärmestoff der Lebenslust, und macht Feuer, wahrend die Grundlagen beider Luftartcn wieder zum Wasser zusammentreten. H. 286. Andere hingegen, zumal die, welche die Basis der Lebensluft für das Wasser selbst halten, leugnen die Gültigkeit der Schlüsse, welche Hr. L.avoisicr aus den bisher angeführten Erfahrungen über die Zusammensetzung des Wassers zieht, und erklaren die erzählten Phänomene, ohne die Einfachheit des Wassers aufzugeben. Hiernach verbindet sich nemlich der Brennstoff des Eisens "oder der Kohle mit dem Wasser selbst zur Basis der brennbaren Luft, und der Estenkalk oder die saure Grundlage der Kohle tritt ebenfalls mit dem Wasser selbst, oder der Basis der Lebensluft, in Verbindung. Es ist also hiernach dies leichte brennbare Gas zusammengesetzt aus Brennstoff, Wasser, und gebundenem Warmcstoff. Wird dies brennbare Gas mit Lebensluft zusammen entzündet, so tritt in der Eutzündungshitze der Brennstoff mit dem Wärmestoff zusammen als Feuer aus, und die pondera- Grcns Chemie, l. Tb- ^ bele 194 N. Abschnitt. bele Grundlage beider Luftarten, oder das Wasser, wird niedergeschlagen, das daher auch dem Gewichte der verzehrten Luftarten proportional scyn muß, wenn Brennstoff und Warmestoff inponderabel sind. §. -8?. Man kann in der That nicht behaupten, daß diese Meinung (H. 286.) widerlegt, und also die Zusammensetzung des Wassers evident erwiesen sey. Ueberdem findet sich hierbey auch noch ein Umstand, den prwstie^ zuerst in das gehörige Licht gesetzt hat; ncmlich, daß bey dem Abbrennender Lebenslust mir brennbarem Gas, auch in der größestcn Reinigkeit beider, eine Saure zum Vorschein kömmt (die nach ihm Salpetersäure ist), wenn ein Ueberschuß Von Lebenslust stattfindet; daß hingegen das Resultat der Explosion simples Wasser ist, wenn ein Ue- berschuß von brennbarem Gas in dem Gemische ist. Fernere Versuche und Beobachtungen über die Zersetzung der dephloqiMrten und brennbaren Luft, von Jos. Priestle^; übersetzt in Grcn's Jonen, d. Ph)?s. B. VI. S. 240. ff. §. 288. Herr L.cwoisler leugnet, daß das Wasser für sich allein durch eine glühende gläserne Röhre getrieben etwas anderes erleide, als eine bloße Verwandlung in Dampf, und behauptet, daß hierbey das Wasser bloß überdestillire. Man schütte aber reines destillirtes Wasser in eine gläserne Retorte, lege sie in ein Sandbad, kütte den Kopf einer langen irdenen Tobackspfeife an ihre Mündung, bringe das untere Ende des RohrS unter den Trichter der Wanne des pneumatischen Apparats, umgebe den Mittlern Theil der Pfeiftnröhre mit glühenden Kohlen, und mache ihn durchaus glühend; dann bringe man das Wasser in der Retorte zum Kochen. Allgemeiner verbreitete einfachere Stoffe. 1 95 So wie nun die Dampfe des kochenden Wassers durch den glühenden Theil der Röhre zu treten anfangen, entwickelt sich nach der atmosphärischen Luft der Gefäße eine Gasart, die sich in ihrer Beschaffenheit als Stickgas zeigt; zu gleicher Zeit dringt aber auch ein Theil des Wassers als Dampf durch das Rohr, so daß sich hier keine gewisse Menge des gebildeten Gas angeben läßt. Woher kömmt hier das Stickgas? Dringt es etwa von außen durch das Rohr in dasselbe hinein? Auch durch das Ablöschen glühender, nicht entzündlicher, Körper im Wasser kann man nach Herrn para's Methode dies Gas erhalten. Neuere, vom Herrn von Hauch angestellte Versuche über diesen Gegenstand, nud zwar mit goldenen, silbernen, porzellänenen und gläsernen Röhren, bestätigen die Erfahrung des Herrn L.avols!cr, und beweisen, daß das Wasser durch bloßen Wärmestoff allein nicht in ein permanent-elastisches Gas verwandelt werden könne. Dkieorle 6es nouvelles äecouvertes en Aeiwe äe ?b)-ligns et äe Lkimle, per » ?gris 17L6. g. S. Zll. » » «d Crell über die Erscheinung des Wassers nach der Verbren, nung der entzündlichen und Feuerluft, und über verwandte Gegenstände; in ven chem. Annalcn, Iahr 1785. B. 1. S. 47. ff. Scheele neuere Bemerkungen über Luft und Feuer, und die Wassererzeugung, ebendaselbst, S. 229. ff. S. 291. ff.; Achards Versuche, um die Umstände zu bestimmen, unter welchen Luft hervorgebracht wird, wenn man Wasser als Flüssigkeit oder als elastischen Dampf mit verschiedenen rothglühenden Körpern, in Berührung bringt; ebendaselbst ^S. Z04. ff. S. Z87. ff- S. 522. ff. Eavendish Versuche über die Luft und das daraus erfolgende Wasser, ebendas. S. Z24. ff. Von Scopoli Briefe, ebendaselbst N - B. 2. 196 II. Abseht!. Allgem.verbreit. einfach. Stoffe. B. 2. S. ZZ9- U?cstrnmb chemischer Versuch über dir Verwandlung des Wassers in Lust, cbcnvasclbst S. 499. U?cm Gedanken über die Bestandtheile des Wassers und der dephlogistifirten Lust, cbcnvas. Zahr 1786. B. 1. S. 2z. ff. S. iz6. ff. ZSlagven Brief, cbcnvas. S. 58.; Xvcstrumb, auch ein Veytrag zur Chemie von Luft - und Wassererzeugun- gen; in vcn Beitragen zu vcn chcinischcn Zlnnalcn, B 1. St. 4. S. Z z. Mcusnicr und st.avoisier Beweis aus der Zerlegung des Wassers, daß diese Flüssigkeit kein einfaches Wesen ist, und daß es mehrere Mittel giebt, brennbare Luft im Großen zu erhalten; aus den cie i'acaff ,-»?/. cssr /c. 1781. S. 269. ff. übersetzt in Crcliu 2lnnalcn 1788. B. I. S. Z54. ff S. 441. ff fLavoisicr Beweis, daß Wasser kein einfaches Wesen, kein Element ist, sondern zerlegt und wieder zusammengesetzt werden kann; cbcnvasclbst S. 468. ff; übersetzt cbcnvasclbst S. 447. ff. S. 528. ff. Memoire für la cornbustion clu ^02 tz)-äroAZns äsnz stsz vaiissux clos, xsr Xl. cho»?'c?-oi/, et ; in Vcn /luna/er ste , V. VIII. S. 2zc>. ff. IX IX. S. zo. ff. Chemische Versuche über die Bestandtheile und die Zerlegung des Wassers, vom Hrn. Kammcrh. von-Hauch, in Kopenhagen; überseht in Gren's Ionrnal Vcr Physik, B. VIII. H. I. Dritter 197 Dritter Abschnitt. Von den Salzen im Allgemeinen und den Alkalien insbesondere. Salze. C rystallisiren. H. 289. ^>as gemeine Salz, das von dem Gebrauche, unsere Speisen damit zu würzen, den Namen des A.Ü? chensalzes erhalten hat, löst sich im Wasser auf, und erregt auf der Zunge einen Geschmack. Diese Eigenschaften kommen noch mehrern Körperu zu, die man deswegen auch Salze (lalez, ückig, A) nennt. Aber jene Kennzeichen sind nicht hinreichend, um die Salze von verschiedenen andern Körpern zu unterscheiden, die auch diese Eigenschaften haben, und die dcmohngeachtet nicht zu den Salzen gerechnet werden. Dieserwegen sind wir verbunden, eine künstliche Grenzlinie zwischen diesen und den eigentlich sogenannten Salzen zu ziehen, und diese so zu definiren: daß es Körper sind, die nur höchstens 2oomal so viel siedendes Wasser zu ihrer Auflösung erfordern, und auf der Zunge einen Geschmack erregen. §. 290. Die Auflösbarkeit der Salze in Wasser ist sehr verschieden. Einige erfordern mehr, andere weniger davon. Von den mehrcsten löst siedendes und heißes Wasser mehr auf, als kaltes; einige wenige lösen sich im erstem zwar schneller, aber in einer nicht viel größcrn Menge auf. Sichrere haben sogar eine so starke Verwandtschaft N z zum 198 III.Abschn. Von den Salzen im Allgemeinen zum Wasser, daß sie niemals für sich in einem trockenen Zustande dargestellt werden können. Einige im Wasser sehr auflösbare Salze können zwar trocken dargestellt werden, sie ziehen aber bald die Feuchtigkeiten der Luft wegen ihrer starken Verwandtschaft zum Wasser an sich, und werden davon aufgelöst, oder zerfließen an der luft (§. 76.). H. 291. Die festen Salze scheiden sich aus ihrer Auflösung im Wasser bcy der Verminderung dieses ihres Auflösungs- mittcls durchs Abdampfen, wenn die Arbeit gehörig verrichtet wird, in mannigfaltigen bestimmten Formen ab, und bilden Körperarten, von bestimmten Umrissen, die man Galzerystalle (crystickli, XX, I) nennt. Die Arbeit, um durcks Abdampfen die Salze in den, ihnen cigcnthümlichen, Gestalten zu erhalten, heißt das (Lr^ stalllsircn (crylkaMlinio). Die Gestalten, unter welchen die Salze beym Crystallisircn anschießen, benennt man gewöhnlich nach geometrischen Körpern. H. 292. Da sich viele Salze in weit größerer Menge in heißem Wasser auflösen lassen, als im kalten; bey andern aber derSattigungSpunct des heißen Wassers nicht merklich von dem des kalten Wassers verschieden ist, so hat man auch ein doppeltes Verfahren, um das Crystallisiren zu veranstalten, nemlich das Abkühlen und das Abraus che» der Salzauflösungen. §. 29z. Das Abkühlen ist bey der Crystallisirung solcher Salze nothwendig, welche vom kalten Wasser in nicht so großer Menge aufgelöst werden, als vom heißen. Hat man also eine gesättigte Auflösung eines solchen Salzes in heißem Wasser, so scheiden sich beym Erkalten die Salz- und den Alkalien insbesondere. 19 9 Salztheile, die in der vorigen Menge nicht mehr aufgelöst bleiben können, ab, und bilden Crystalle. Bei) der andern Art von balzen hingegen, würde dies Verfahren nicht anwendbar seyn, um Crystalle zu erhalten, weil das kalte Wasser fast so viel auflöst, als warmes. Hier muß man also durchs Abranchen das Auflösungsmittel selbst vermindern, um so die Salztheile zu nöthigen, sich abzuscheiden. Es entstehet hier in der Auflösung bcy dem 'Abranchen auf der Oberflache ein Dämchen (euticulg), das aus den sich hier abscheidenden festen Salztheilcn gebildet wird, die nothwendig hier zum Vorschein kommen müssen, weil die Verminderung des Auflösungsmittels nur unmittelbar an der Oberfläche geschiehet. Nimmt man dies Hautchen weg, oder sinkt es, wegen des durch Anhäufung der Salztheile vermehrten Gewichts, zu Boden, so entstehet bcy fortgesetztem Abrauchen ein neues, und dies gehet so lauge fort, als noch Flüssigkeit übrig ist. Bcvspiele an der Crvstallisirung des Salpeters und Kochsalzes. §- 294. Niemals kann man durch das Abrauchen so große und ansehnliche Salzcrystalle erhalten, als durch das Abkühlen bey andern Salzen erlangt werden; weil im ersiern Falle die Entstehung der Crystalle nur lediglich nach Maaßgabe der Verminderung des Auflösungsmittels bewirkt wird, die nur allein au der Oberflache geschehen kann. Das Abrauchen bewirkt bey den Salzen, die sich durchs Abkühlen crystallisiren lassen, nicht so gut, oder, wenn das Salz in wenig heißem Wasser auflöslich ist, gar keine Crystalle, sondern nur unförmliche Salzklumpen. Indessen ist das Abrauchen bey ihnen allerdings dann auch nothwendig, wenn die wasscrigte Auflösung auch nicht einmal in der Kalte gesattiget ist. Man kann aber dann das Abrauchen nicht jederzeit bis zum Hauc- N 4 chen 2OO Ill.Abschn. Von den Salzen im Allgemeinen chcn fortsetzen, oder bis zum Satrigungspunct in der Hitze, weil bcym Abkühlen alles auf einmal gerinnen, und eine unregelmäßige Masse geben kann. Es ist also beym Crystallisiren jedesmal die Auflösbarkeit eines Salzes im kalten und heißen Wasser zu erwägen. §. 295. Um diese Arbeit gehörig zu verrichten, muß man überhaupt die Salzsolutioncn von allen darin befindlichen Unreinigkeiren vermittelst des Durchseihens, Abschaumcns ^ oder Abhellens befreycn, und bey Salzen, die aus ihrer wasserigten Auflösung durchs Abrauchcn erhalten werden, dasselbe nur gelinde verrichten. Das entstehende Salz- hautchen wird nun entweder weggenommen, oder niedergestoßen, da es das fernere Abrauchen hemmen oder verzögern würde, wenn man die Mischung nicht zum Aufwallen bringen wollte, das aber nicht immer rathsam ist. ! Am besten erhalt man die Crystalle dieser Salze, und in ihrer größten Vollkommenheit, durch das unmcrklicheAb- dunsten an der Luft oder in sehr gelinder Warme. §. 296. Salzauflösungen, welche durchs Abkühlen anschießen i sollen, werden, wenn sie nicht schon in der Hitze gcsatti- get sind, entweder, wie bey schwerauflöslichcn Salzen, bis zum Hautchen, oder nur so weit gelinde abgeraucht, bis ein Tropfen davon, auf einen kalten Stein getröpfelt, bald anschießt. Man stellt die reinen Auflösungen in schicklichen Gefäßen, leicht zugedeckt, an einem kalten Ort ruhig hin, und laßt den Crystallcn Zeit, sich zu bilden. Im Großen legt man auch wol Hölzer in dieSalz- solution, oder hangt Faden hinein, an welche sich die Crystalle anhangen. Ucberciltes und zu weit getriebenes Abrauchen gicbt niemals schöne Crystalle. Diese werden auch immer um desto schöner und größer, je größer die Menge und den Alkalien insbesondere. 2 v 1 Menge des aufgelösten Salzes ist, wenn anders die übrigen Umstände gehörig beobachtet werden. Auch die unmerkliche Ausdünstung ist hier bey kleinem Salzportionen sehr nützlich. Wenn sich bei,in völligen Abkühlen die Crystalie gebildet haben, so läßt man das Uebrige der Auflösung, oder die Salzlauge, davon ablaufen, nimmt die Crystalle heraus und trocknet sie im Kleinen zwischen Löschpapier, im Großen auf Horden. Bey manchem ist es nöthig, sie vorher mit kaltem Wasser abzuspühlen. Die übrige Lauge enthält oft noch eine beträchtliche Menge des schon crystallisirten Salzes oder eines andern, das weniger Wasser zu seiner Auflösung erfordert, und man kann durch eine weitere Behandlung, durch Abrauchen und Crystaliisircn, alle Salztheile völlig aus derselben ausscheiden. Nöthige Erinnerungen wegen des Trocknens der feuchten Salz- crystalle bey kleinen Portionen aus Auflösungen, deren Gehalt man genau wissen will, auf und zwischen Löschpapier. §. 297. Das Crystallisiren muß in solchen Gefäßen geschehen , auf welche die Salzlaugen keine auflösende Kraft äußern, oder welche diese nicht verunreinigen können. Im Kleinen schicken sich zum Abrauchen und Abdunsten, gläserne, porcclläncne oder irdene, die aber von gutem Thone, fest gebrannt und gut glasurt seyn müssen. Die erstem stellt man ins Sandbad, oder sonst an einen mäßig warmen Ort. Das Abkühlen kann in eben diesen Gefäßen geschehen, oder in glasurtcn Schüsseln. Im Großen werden nach Beschaffenheit der Auflösbarkeit der Stoffe in den Salzen und anderer Umstände bald bleyerne, bald zinnerne, bald kupftrne, bald eiserne Kessel und Pfannen zum Abrauchen, auch wol zum Abkühlen gebraucht; das letztere kann aber gewöhnlich in hölzernen Gefäßen, welche man WachsgcWe nennt, geschehen. N 5 §. 298. -v2 III. Abschn. Von den Salzen im Allgemeinen §. 298. Der Nutzen der Crystallisirung der Salze ist: daß man diese in den ihnen eigcnthümlichen Gestalten erhalt, durch welche sie sich von einander unterscheiden; daß man sie von den ihnen bcygemengten Unreinigkeiren be- freyet, die entweder im Wasser unauflösbar sind, und also beym Auflösen und Durchseihen zurückbleiben, oder nicht in die Crystalle übergehen; daß man mehrere vermischte Salze von einander scheidet, die nach ihrer verschiedenen Auflösbarkeit im Wasser auch zu verschiedenen Zeiten daraus auschießen. Doch verbinden sich auch einige Salze so mit einander, daß sie auf diesem Wege nicht von einander geschieden werden können. §. 299. Die Salzcrystalle verlieren in der Hitze, und mehrere schon in der trocknen und warmen Luft, ihre Figur und ihre Durchsichtigkeit. Sie zerfallen oder verrviti tern zu einem weißen Pulver. Ihr Gewicht wird dabey merklich vermindert. Löst man sie in diesem Zustande von neuem wieder im Wasser auf, so kann man sie durchs Crystallisiren wieder in ihrer vorigen Figur und Schwere erhalten. Aus den noch nicht zerfallenen Salz- crystallen kann man durch eine Destillation reines Wasser scheiden. §- Zoo. Es ist daher außer allem Zweifel, daß das Wasser einen wesentlichen Bestandtheil der Salzcrystalle aus- - macht, das sie beym Crystallisiren bcybehalten. Man nennt dies den Crystallen der Salze beygemischte Wasser das Lrystallilartsnsrvastcr (aqua cryibgliis-jtinniz). Es hangt ihnen in verschiedener Menge und mehr und weniger fest an, und hat darin den Zustand einer Flüssigkeit verloren. Von diesem Crystallenwasscr ist es herzuleiten, daß einige Salze in der Hitze zergehen (H. irr.); und und den Alkalien insbesondere. 2VZ und in der Einsaugung dieses Crystallenwassers liegt der Grund, warum die verwitterten Salze mit Wasser erst Erwärmung hervorbringen, da sich die crystallinischen darin unter Erkaltung auflösen. Das Phänomen laßt sich sehr ungezwungen aus den oben (H. 21z.) angeführten Gesetzen des Wärmestoffs erklaren. H. zor. Nicht bloß die Salze, sondern auch andere feste Körper, nehmen eine bestimmte Form an, und ihre Theile bilden Gruppen von eigenen Gestalten, sobald sie ungehindert und frcy der Bewegung folgen können, welche die Kraft der Cohasion in bestimmten Richtungen unter ihnen hervorbringt. Diese Bedingung wird dadurch erreicht, daß sie erst flüssig gemacht werden, wodurch sie eben Verschiebbarkeit der Theile in einem hohen Grade erhalten, worauf sie dann bey dem Uebergange zur Festigkeit, nach Wegnahme dessen, was flüssig machte, sich in bestimmten Gruppen an einander anHaufen. Unter dieser Bedingung kann man wol von allen festen Körpern behaupten, daß sie eine gewisse bestimmte Gestalt beym Zusammentreten annehmen, und dadurch entweder eine bestimmte Form im Umrisse, oder wenigstens ein bestimmtes Gefüge erhalten. Die Natur zeigt uns diese bestimmte Gestalt und Fügung an unzahligen festen Körpern in unzahligen Verschiedenheiten, an Erden und Steinen, Salzen, Metallen, dem Schwefel, und dem festen Wasser; und wenn zahlreiche Arten nicht in dieser regelmäßigen und bestimmten Gestalt oder Fügung erscheinen, so laßt doch das, daß eben diese Arten sonst auch so angetroffen werden, schließen, daß bey ihrem Gestehen die Bedingungen fehlten, unter denen nur jenes Phänomen stattfinden kann. Bey einigen zähen Körpern , wie bey den dehnbaren Metallen, läßt sich das bestimmte Gefüge ebendeswegen nicht wahrnehmen, weil es 2-?4 III. Abschn. Von den Salzen im Allgemeinen es bey der Trennung selbst gestört wird. Die Kunst kann freylich dieNatur in derConfiguration nicht immer nachahmen, da es ihr an Mitteln fehlt, viele Dingein den dazu nöthigen flüssigen Zustand erst vorher zu versetzen. Sehr mit Unrecht nahmen einige sonst ein salzigtes Priu- cip für die wirkende Ursach der Erystallcnbildung an, da das Phänomen doch nicht blos den Salzen ausschließend zurömmt, und zwar vorheriges Flüssigscyn, aber nicht bloß und allein Auflösung in einem Liquido dazu Bedingung ist. Illl's)- äe Li')'slolIoAi'gph!e, par ttoms Oe/iUe. A ?gr!z 1772. 8. Versuch einer Crvstallographie, von Hrn. Rom« sOcli.'Uc. Aus dem Franzl l von Christ. iLhrcnfr. U7eigel. Grcifswaide 1777. gr. 8. LrllbülloArophle, ou äelcriptiou «Zes sormes xropre5 0 ton8 los oorps äu reone mnieral, zzar dtr. 8sc. ecllt. il ?gr!z. I - tV. 1784. 8- äe sormls cr^ünliorum, prse- jertim e lflatlio ortis; in seinen o7>?//c, 7>^A/!co - c^e?». Vol. II. S. 1. ff. Von den äußerlichen Kennzeichen der Fossilien, abgefaßt von A. G. V7erncr. Leipzig 1774. z. §. ZO2. Die zur Bildung der Crystalle, oder wenigstens eines bestimmten Gefüges, nöthige erste Bedingung, die leichte Verschiebbarkeit und Beweglichkeit der Thcilchcn, wird bey den festen Körpern nicht bloß und allein durch Auflösen in einem liquido erreicht, wie bey den Salzen, sondern kann auch durch Schmelzen, und endlich auch selbst durch feine Zcrtheilung in einem Vehiculo erhalten werden. Die andere Bedingung, die Wiederwegnahme dessen, was Flüssigkeit hervorbrachte, wird entweder durch Verdunstung des liquiden Auflösungsmittels, oder durch Acnderung des Sättigungsgrades desselben, wie bey den Salzen, oder durch Erkaltung und Gefrieren, oder durch Ruhe und Bodensatze erhalten, wobcy nur frcylich überhaupt keine andere Art der Bewegung, wie Schüt- und den Alkalien insbesondere. 205 Schütteln, Umrühren, die Anziehung der festwerdenden Theilchen hindern und stören muß. §> ZoZ- Warum aber nun die mannigfaltigen festen Salze und andere Körper unter den gehörigen Bedingungen kraft der Coharenz ihrer Grundmassen gerade diese oder jene bestimmte Gestalt annehmen, davon laßt sich weiter gar nichts sagen, weil die wirkende Ursach davon kein Gegenstand unserer Anschauung weiter ist. Wenn wir auch gleich die größern Crystalle bis zu gewissen primitiven oder Grundcrystallisationen verfolgen können, so können wir doch wol nicht den Atomen dieser Crystalle die- - selbe Gestalt beylegen. Eher ließe sich bcy mehrern schon- verbundenen Atomen eine nach der verschiedenen individuellen Natur der Materie verschiedene Tendenz ihrer Cohasionskraft annehmen, sich in dieser oder jener Flache lieber lind inniger zu verbinden, als in andern; dies ist aber noch gar nicht Angabe der Ursach selbst. Uettres plllloioplll^ues trir !a iormation äes lels et äes cr^lleux, par KIr. Z 1729. 12. a. a. O. S. 14. K. Z04. Die Anzahl der Arten von Salzen, welche die Natur und Kunst darstellen, ist betrachtlich; und es sinden sich bemerkenswerthe Unterschiede ihrer Eigenschaften und Verhältnisse, so daß man diese Classe von Körpern der bessern Uebersicht wegen in Ordnungen, Gattungen und Arten künftlicherweise abzutheilen genöthigt wird. Ich theile sie diesemnach in zwey Ordnungen, in einfachere und zujarnmengejeyte. Die Gattungen der erstem Ordnung sind die Gauren und die Altallen; die Garrungen der andern Ordnung: die Nemraljalze , die Mirretjalze, die meralltjchett Salze, und die fassen Salze oder Zucker. Salt- 206 lil.Abschn. Von dm Salzen im Allgememen Sauren. §. zoz. Säuren (Scilla, -^) sind Salze von einem sauren Geschmack, der, weil er ganz sinnlich ist, freylich keine Definition zulaßt. Sonst haben sie noch als wesentliches Kennzeichen die Eigenschaft, verschiedene blaue Manzensafte roth zu färben, und gewisse rothe Pflanzensafte zu erhöhen oder gelbroth zu machen. §. zc>6. Indessen werden nicht alle blaue Pflanzensafte von Sauren roth. Als gegenwirkende Mittel (§. 186.) für die Sauren braucht man insbesondere den Vcilcbcnsaft (8^rupu5 violsrum), und die L!.acfmustincrur (ti'nclu. rs lleliotropii). Jener, der aus dem wasserigen Aufguß der Kronblatter der Viow ollarsta bcy einem Zusatz von Zucker gemacht wird, ist nicht so empfindlich gegen alle, und gegen schwache Sauren, als die Lackmus- tinctur; er halt sich auch nicht lange und ist nicht immer frisch zu haben; deswegen verdient das Lackmus Vorzüge. Man macht zu dem Ende daraus eine Tincrur, indem man ic» — 12 Theile reines Wasser mit einem Theil gröblich gestoßenem Lackmus in einem ganz reinen irdenen glasurten oder porcellanenen Geschirre einen Augenblick sieden laßt, und dann durch reines Löschpapier seihet; oder man hangt gestoßenes Lackmus in einem reinen leine- ^ nen Sackchen so lange in reines kochendes Wasser, bis dieses gehörig blau gefärbt ist. Diese LackmuStinctur sieht, wenn sie gesattiget ist, dunkelblau; aber gegen das Licht gehalten, violett aus. Wenn man sie mit reinem Wasser stark verdünnt, so verliert sie ihre Rörhe völlig, wird himmelblau, und so muß man sie zu feinern Versuchen, um Sauren zu entdecken, anwenden. Damit sie sich besser halte, dient ein Zusatz von reinem Wein- und den Alkalien insbesondere. 207 Weingeist. Oder man verfertigt auch mit Lackmus gefärbtes Papier, indem man etwas weniges Stärkemehl mir der gesättigten LackmuStinctur kocht, und schmale Streifen Papier darin einweicht und im Schatten trocknet ; oder man wendet die verkäuflichen Turnesollapp? che» an. Außer den angeführten Reagenrien für Sauren könnte man noch mehrere blaue Pflanzcnfarben hier anwenden; man kann aber mit der Lackmusrinctur allein recht gut auskommen. Ueber die Bereitungsart einer neuen Probeflnssigkeit, die Gegenwart der Säuren und Alkalien in chemischen Mischungen zu entdecken, von Herrn Jamen VOarc; in LreUs chem. Annale», Jahr 17L6. B. I. S. 146» H. 307- Unter den sauren Salzen, welche die Natur liefert, und die Kunst darstellen kann, treffen wir mehrere Verschiedenheiten in Ansehung ihres Verhaltens gegen andere Substanzen an, und müssen deswegen mehrere Arten davon unterscheiden, die wir erst in der Folge einzeln betrachten können. Gewöhnlich theilt man die Sauren nach den Körpern, aus denen man sie erhalt, in mitten raliscbe (^ci^/?c/^?«c). 7) Die Phosphorsäuve (^ciäum plrospboricum. ^iciits 8) Die Zlrscnjksäure (^ciäum arlenlcale. /tc/cie 9) Die Mol)?bvänsäure (rXoiäum mol^dälcum. ^!c/cie mo- 10) Die LVolframsäure (rXciäum volsrsmlcum. Aciclo r»». 11) Die Essigsäure (^cläum scetum. ^cicie accr?^«e). 12) Die Gaueriilcesäurc oder Zuckersäurc (/rcnäum oxsll- num tl sgLclrsriuuin. ^lcicie o^a/-^»c). iz) Die U?einsteüisaure(^ciäum tartsreum. ^cicte rarr«. 14) Die Zitronensäure (rXcläum citrleum. cikr/^ttk). 1;) Die Acpselsaure (/^cläum malicum. /lcicie 16) Die Benzoesäure (beräum deuiolnum. ^c/cie äc»20i'. 17) Die Galläpfelsäure (r^cläum Aalleeeum. ^//i- 18) Die Ramphersaure (beräum camplroreum. ^cicie ca?«- 19) Die Dcrnsieinsäurc s^cläum 5uee!ueum. ^lc/cie/»cri- 10) Die MilckiUckersäure (beräum AslaÄicum. ^cicte/ac- ! c/io/aKi^?«r). 21) Die Dlausaure oder Dcrlincrblausäurc (/Xciclu-n borus- ücum. ^c/cie Noch führt man in dem Systeme der Chemie mehrere andere ! Säuren auf, deren wesentliche Verschiedenheit von den genannten noch nicht ganz sicher erwiesen ist, die aber in der Folge an ihrem Ort mit vorkommen werden. H. Zo8> So wie die oben angeführten Erfahrungen vom Verbrennen des Phosphors und der Kohle offenbar beweisen, daß die daraus gebildeten Sauren, die Phosphor- und den Alkalien insbesondere. 209 phorsäure und Kohlensaure die Basis der Lebenslust als Besiandtheile enthalten, so zeigen auch ahnliche Erfahrungen üder die Bildung anderer Sauren, daß alle Sauren überhaupt, so wie wir sie sinnlich wahrnehmen, aus einer eigenen Grundlage und aus der Basis der Lebensluft zusammengeseht sind. Nach Hrn.Ä.avolsicr ist die crstere nicht an sich sauer, sondern wird es erst durch die letztere, die daher auch Dxygen heißt (H. 255.). Ist jene Grundlage noch nicht völlig mit Oxygen gesattigt, so erscheint sie auch nur als un? Vollkommene oder nnvollständiZc Säure, wovon die unvollkommene Schwefelsaure (/A-ck-die unvollkommene Salpetersäure (Ace'cke im Folgenden als Beyspiele vorkommen werden. Nach eben diesem System kann die Grundlage der Säuren auch manchmal mit Oxygen überladen werden, wie die übersaure Salzsaure (Ac-e't/e 0x^5»/) davon ein Beyspiel geben wird. §. Zo?. Nach dem System vom Brennstoff ist in der Kohle, in dem Phosphor, und andern Stoffen, aus denen sich durch die Aufnahme der Basis der Lebenslust die Säure entwickelt, diese schon als Säure gegenwärtig gewesen; der Brennstoff aber, womit sie verbunden war, änderte ihre Natur und Eigenschaften ab, so daß sie in der Kohle, un Phosphor, im Schwefel u. s. w. nicht als Säure sich den Sinnen offenbaren konnte. Die Säurewerduug jener Körper besteht also nach diesem System nicht bloß darin, daß die Grundlage der gebildeten Säure die Basis der Lebensluft aufnimmt, sondern daß auch ihr Brennstoff abgeschieden wird, zu dessen Abscheidung die Aufnahme der Basis der Lebensluft Bedingung ist. Je weniger die Grundlage der Saure ihren Brennstoff verloren hat, desto unvollkommener oder unvollständiger erscheint Gecns Chemie. l.Zb' ^ 2ro III. Abschn. Von den Salzen im Allgemeinen sie als Saure. Diese unvollkommenen und unvollständigen Sauren sind also noch nicht gehörig dephlogisti- sirte Sauren, oder noch phloglsttsirte Sauren (eVciäs xblo^iüicsta). Alkalien. §- Zio- Die zweyte Gattung der einfacher« Salze sind die Alkalien (/VlcLlm (A) oder ^augensälzo. Sie erregen auf der Zunge einen cigenthümlichen, scharfen und uri- nöscn Geschmack, verandern die blaue Farbe verschiedener Pflanzen in eine grüne, die rothe in eine violette, und die gelbe in eine braune; und sie heben die Wirkungen der Sauren auf eben diese Pflanzenfarben auf, s» wie hinwiederum die Sauren die Wirkungen der Alkalien darauf vernichten. Sie äußern endlich im Zustande ihrer Rcinigkeit starke auflösende Kräfte auf das Zcilgewe be und die rhierische Faser, und man schreibt ihnen dce- wegen Aetzbarkeic zu. §. Z". Die Alkalien machen nicht alle blaue Pflanzensafte ! grün; so wie z. B. nicht die Lackmustinctur. Man kann auch diese Eigenschaft nicht allein für ein sicheres Kennzeichen eines Alkali ansehen, da mehrere Stoffe, die keine Alkalien sind, einige blaue Pflanzenfarben grün färben. Als eines gegenwirkenden Mittels bedient man sich zur Entdeckung der Alkalien gewöhnlich des Violenjvrnpo (h. zo6.), der aber, wegen der eben angeführten Gründe, so wie andere blaue Pflanzensafte, nicht so gut dazu dient, als die gelbe Farbe der Lurcuma - XVurzel (Lue- cum» IvnßÄ 1^-), die davon sogleich braun wird. Man kann zu dem Ende die gestoßene Wurzel mit Wasser mehrere Tage heiß digeriren, und so die Tinctur auszie- und den Alkalien insbesondere. 211 hen, oder Papierstreifen mit der Abkochung der Wurzel im Wasser eben so färben, wie bey der LackmuStinctur angeführt ist (Curcnmapapler). Zu gleichem Zwecke dient auch die rothe Fernambuc-Tmcrur und das damit roth gefärbte Papier (Fernambucpapwr), die man auf ahnliche Art bereitet, und deren rothe Farbe von den Alkalien violett wird. §. Z72. Wenn man zu einer, durch eine Säure roth gefärbten, blauen Pstanzenfarbe ein Alkali seht, so wird erst die blaue Farbe wieder hergestellt, und hernach durch mehr zugesetztes Alkali eine grüne Farbe hervorgebracht, wenn sie anders dadurch hervorgebracht werden kann. Und so wird auch umgekehrt durch Säuren die von Alkalien in blauen Psianzenfarben bewirkte grüne Farbe wieder in eine blaue, und durch mehrere Säure endlich in eine rothe verändert. Man kann deswegen auch das mit schwacher Säure, wie z. B. mit schwachem Essig, roch gefärbte Lackmuspapier als gegenwwkcndcs Mittel für Alkalien brauchen, die es wieder blau färben. So stellen auch die Säuren in den durch Alkali veränderten gelben und rochen Farben der Curcumawurzel und des Fer- nambucs, u. a. die vorige Farbe wieder her. Sie selbst machen die Farbe des letztern gelbroth. H. ZiZ. Die Laugensalze sind in der Natur ziemlich hausig verbreitet; nur findet man sie niemals ganz rein, sondern immer in Verbindung mit andern Stoffen. Der Fleiß der Ehemisten hat nicht Mehr als drei) Arten derselben entdecken können, die in Absicht ihrer Verhältnisse gegen andre Äörper und ihrer Eigenschaften wesentlich von einander verschieden sind. Diese drey Arrcn sind-: 1) das Gewachvalkalt, 2) das Mineralalkalt, und z) das O 2 Am- 212 III.Abschn. Von den Salzen im Allgemeinen Ammoniak. Es kann hier noch nicht die Art und Weise angeführt werden, sie zu gewinnen lind in dem Zustande der Reinigkeit darzustellen, worin sie die Natur nicht liefert. Ich muß sie also hier nur historisch aufführen, und ich merke bloß noch an, daß sie in dem Zustande ihrer Reinigkeit, wegen ihrer Wirkung auf die thierische Faser (H. z ro.), auch äyende Alkalien (glcgiia cimckic-») genannt werden. Man gewinnt sie gewöhnlich mit Kohlensaure oder mit Luftsaure vereinigt, und nennt sie in diesem Zustande wegen ihrer mindern Aetzbarkeit auch miff de Alkalien. Allein diese kohlensauren Alkalien können nicht als reine Alkalien angesehen werden, von denen hier die Rede ist. H. Z14. Das Gewächsalkali, oder die (einfache, reine) Pottasche (pntgt'imum, Av.), das Ge'>8 gvt'arveimbus, praelerüm cslcsreg. Ke^iam, 1784. 4- Io/n Hk-z/i. cbemikcbe Veriucbe über clls Lelkim- Q Z MUNT 214 III. Abschü. Von den Salzen im Allgemeinen muriA äer^raxe: ob mineralisches /Xllrali und ttzu^en- tal?. als /^rten^ oder als Varietäten nnterschlsdsn lind. Lrtorr 1786. 4. Von der Vittersalzcrde, als einem Ve- scandtheile des mineralischen Alkali, vom Hrn. Ritter Morgan, in Crells chem-Zt-malen, 1787. B- l. S- 21. ff. Chemische Abhandlung über die Grundstoffe der Laugcnsalze, vom Hrn.Prof. NZavrinocvich, cbenvas. 1791. B.II. S.iAü.ff. S. 294. ff. H. 317. Aufdielebensluft und das Stickgas haben die feuerbeständigen Alkalien gar keine Wirkung, außer daß sie die dann befindliche Feuchtigkeit in sich nehmen, wenn sie trocken damit in Berührung kommen. Das kohlensaure Gas verschlucken sie mit vieler Kraft, wie in der Folge weiter dargethan werden wird. Gegen den Brennstoff scheinen sie keine Verwandtschaft zu äußern. §. ZI 8. Die dritte Art der Alkalien, das Ammsmaß (>m- ! moniscum, , A/ft), oder das flüchtige Alkali, das flüchtige L.augensälz (cckcnli vo!utils),das urmöse Salz (ffck uriaotum), unterscheidet sich von den beiden vorhergehenden durch einen sehr lebhaften, stechen- i den und erstickenden Geruch, und durch seine große Flüchtigkeit. Es ist nicht bloß dem Thierreiche eigen, sondern findet sich auch in vegetabilischen und einigen mi- . neralischen Substanzen. Wir können es nicht als feste concrere Substanz darstellen, sondern es erscheint immer, wenn es ohne Verbindung ist, in Gasform; es laßt sich aber im Wasser aufgelöst erhalten, als tropfbarstüssiges Ammoniak (Ammomacum liquidum), das auch sonst dm Namen des äyenden Salmiakgeistes (lstirims falls sminoniaci cauüicus) führt. §. Ziy. Um das Ammoniak in Gasform zu erhalten, gieße man starken atzenden Salmiakgeist (§. Z18.) in eine kleine und den Alkalien insbesondere. ck 15 klcine gläserne Retorte mit einem langen Halse; man bringe die Mündung der Retorte unter den Trichter der mit Quecksilber gefüllten Wanne des pneumatischen Apparats, lege die Retorte in ein Sandbad, und erhitze sie gelinde durch Lampenftuer. Zuerst tritt die Luft der Gefäße hervor, und hernach folgt das eigene Gas, dessen Erfinder ebenfalls pricsilcy ist, und das den sehr schicklichen Namen Ammoniakgas (Las ammnickscals, 6/» führt, sonst aber auch flüchtig alkalmts fches Gas »Icalinum, voisuls), urmöft L.ufe (ad'r urinotuz) genannt wird. Man endigt die Destillation, wenn wasscrigte Dampft überzugehen anfangen, zu deren Absonderung man auch sehr nützlich eine Mit- kelflasche mit dem Apparat verbindet. §. 520. Dieses Ammoniakgas hat alle Eigenschaften einer luftförmigen Flüssigkeit, und wird weder durch Zusammendrückung, noch durch Kalte aus feiner elastischen Form gebracht. Es besitzt einen durchdringenden, fast erstickenden Geruch, der in allem mit dem Geruch des atzenden Salmiakspiritus übereinkömmt; und einen ganz ahnlichen scharfen, atzenden urinösen Geschmack. Es macht den Violensyrup sogleich grün, das angefeuchtete Curcumapapicr braun, und das Fernambukpapier violett. Es wird vom Wasser augenblicklich und ganzlich verschluckt und aufgelöst, wobey sich Warme erzeugt. Das dcstillirte Wasser wird, wenn es damit gesättigt ist, dem atzenden Salmiakspiritus vollkommen ahnlich. Man kann deswegen das Wasser schlechterdings nicht zu seiner Sperrung brauchen. Eis schmelzt in demselben ebenfalls sehr schnell, und wird dann auch zu Salmiakspiritus. Hieben erzeugt sich Kalte. Es ist irrcspirabcl und Thiere rödtend. Es dient nicht zm Unterhaltung des Feuers, so lang? die respirabcle Luft von ihm ausgeschlossen bleibt. Q 4 Ben s l6 III. Abschn. Von den Salzen im Allgemeinen Bey genügsamen Zugang der letzten: aber ist es selbst entzündbar und verbrcnnlich. Auch vermittelst des clectri- schen Funkens kann es dann zur Entzündung gebracht werden. Es ist leichter als atmosphärische Luft, und es wiegt ein Pariser Cubikzoll davon bei) >o° R. und 28 Zoll Barometerstande 0,27488 Gr. (franz.). Es verbindet sich mit der atmosphärischen Luft, mit der Lebensluft und dem Stickgas, ohne zersetzt zu werden. Es wird aber wahrscheinlich mit diesen Luftarten nur vermengt, nicht vermischt und aufgelöst. Das kohlensaure Gas tritt damit augenblicklich zu einer festen Substanz zusammen, und beide verlieren unter Erwärmung ihren luftförmigen Zustand. Von dieser Verbindung werden wir in der Folge bey der speciellern Betrachtung der kohlensauren Alkalien handeln. §. Z2I. Die Basis dieses Gas ist reines Ammoniak, und wahrscheinlich auch etwas Wasser. Durch die Erwärmung des ätzenden Salmiakspirirus wird dem Wasser desselben das Ammoniak entzogen, das in Verbindung mit dem Wärmestoff die Gasgestalt annimmt. Es läßt diese seine gebundene Warme wieder fahren, sobald es mir Stoffen zusammenkömmt, die seine Basis in sich ziehen, wie Wasser, Eis, Kohlensäure, Saure überhaupt, und muß dabcy nach dem oben angeführten Gefetze (§. 2iz. 6.) nothwcndig Wärme erzeugen, die aber im Falle mit dem Eise von dem werdenden Wasser von neuem verschluckt wird. H. Z2S. Das Ammoniakgas erläutert auch die Bereitung des atzenden Salmiakspirirus, und die Ursach, warum er nicht ohne Wasser erhalten, und warum überhaupt das atzende flüchtige Alkali nicht in fester Gestalt dargestellt wer- und den Alkalien insbesondere. 217 werden kann. Sobald es nemlich kein Wasser oder sonst keinen Körper findet, worin es sich auflösen kann, bleibt es im luftförmigen , also elastischen Zustande, und zersprengt bey der Destillation entweder die Gefäße, oder entweicht durch die Fugen. Da das reine Ammoniak nur in so fern luftförmig werden kann, als es ohne Kohlensaure ist, oder nur die wahrhaft atzenden Anthcile desselben die luftförmige Gestalt annehmen, so gicbt uns dies ein vortreffliches Mittel an die Hand, uns ein reines Ammoniak zu verschaffen. Bey dem ahenden Sal- miakgciste ist man, auch bey genauer Vorsicht, nicht immer von der ganzlichen Abwesenheit der Kohlensaure überzeugt, und diese kann bey Fallungsversuchen oft zu Jrr- lhümern Gelegenheit geben. Von den Vorzügen der luftförmigen Gestalt des flüchtigen Laugensalzes, in allen Fallen, wo man dieses Salz zu genauen Versuchen anwenden will; in Lourcroy's cl?cin. L>eobachr. unv Versuchen, S. Z92. §- Z2Z. Schon die Entzündbarkeit des Ammoniakgas beweist, daß das Ammoniak kein einfacher Körper seyn könne, und daß der Brennstoff einen Bestandtheil von ihm ausmache. Nach Herrn Berthollcr ist es ans dem Grundstoff der Stickluft, oder Azore, und der Basis der brennbaren !uft, oder dem Hydrogen (H. 28z.), und zwar in dem Verhaltnisse von 6 zu 1 zusammengesetzt. Wir können indessen erst in der Folge die Gründe für diese Mischling weitlauftiger auseinander setzen. Derchollct Zerlegung des flüchtigen Laugensalzes; ann vcn cht/»!. /'acach ?'0A. cicr /c. 1785. S. Zi6. ff. »verseht m Crells chem. Annale», 1791. B.II. S. 169. ff. O 5 Neu- 218 III. Abschn. Von den Salzen im Allgemeinen N e u t r a l s a l z e. §. Z24. Die ?llkalien zeigen gegen die Säuren sehr große Verwandtschaft, und treten damit zu neuen Körperarten von ganz andern Eigenschaften und Verhaltnissen zusammen. Durch die Verbindung mit denselben verlieren nicht nur sie ihren eigenthümlichen, sondern auch die Sauren ihren sauren Geschmack, und beide nehmen nun nach ihrer Vereinigung einen eigenen Geschmack an. Beide vernichten gleichsam einander in ihren vorigen Eigenschaften durch ihre Verbindung, und das Gemisch hat auch, wenn das Verhalrniß von beiden gehörig getroffen worden ist, nicht mehr die vorige Einwirkung auf die vorher angeführten Pflanzcnfarben; es wirkt nemlich nicht mehr als Saure, noch als Alkali, sondern bringt vielmehr gar keine wesentliche Veränderung der Farbe hervor. Aus dieser Verbindung entspringt jetzt ein neues zusammengesetztes Salz, das nicht mehr Saure, noch Alkali ist, sondern beiden zusammen sein Dasepn zu verdanken hat. Man nennt dasselbe ein Nemraljalz (M neukrnm, enixum, tallnm, ^), und diese Neutralsalze machen eine fernere, sehr wichtige und merkwürdige Classe unter den Salzen aus. h- Z-5. Bey diesen Verbindungen der Sauren und Alkalien unter einander findet eine gewisse Granze statt, wenn sie Neutralsalze so werden sollen, daß weder die Saure, noch das Alkali das Uebergcwicht habe, welche man den Sät? tlZMIISPUNct (pcmQum laturationiz) nennt. Dieser Sattigungspunct, oder das rechte Verhaltniß, in welchem man die Sauren und das Alkali mir einander zu versetzen hat, laßt sich nur durch Versuche jedesmal finden. Um thn auszumitteln bedient man sich der vorher auge- und den Alkalien insbesondere» 219 angeführten Pflanzensäfte. Denn ein wahres Neutralsalz, das völlig gesattigt ist, macht den Violensyrup weder roth noch grün, die Lackmustinctur nicht roth, das mit schwacher Saure roth gefärbte iackmuspapier und Fernambnkpapier nicht blau, und die gelbe Farbe der Curcumawurzel nicht braun. §. Z26. Außer den oben zoz. zio.) angeführten Kennzeichen einer Säure und eines Alkali gehört also noch das dahin, daß sie sich zusammen Neutralismen. Gewissermaßen kann man sich daher auch ein Alkali, als einen Antagonisten der Säure von salzigter Beschaffenheit, und umgekehrt, vorstellen. §- Z27. Jede Säure gicbt mit jedem der drey Alkalien (h. g l z.) eine eigene Art von Neutralsalz, und eben darin beruhet noch ein wichtiger Unterschied, außer den schon angezeigten, sowol unter den Alkalien selbst, als auch unter den Säuren. Denn nur diejenige Säure hat man von einer andern als wesentlich verschieden zu betrachten, welche mit eben dem Alkali ein Neutralsalz bildet, das wesentlich von dem verschieden ist, welches diese damit gicbt. Die Anzahl der unterschiedenen Neutralsalze läßt sich bestimmen, wenn man die Anzahl der bekannten Säuren nnt den drcycn Alkalien multiplicirt. H. 328. Die verschiedenen Neutralsalze un-terscheiden sich linter einander sehr merklich in ihrem Gcschmacke, in ihrer Auflösbarkeit im Wasser, in ihrer Crystallenge- stalr, in ihrer Fcuerbeständigkeir und Flüchtigkeit, und in ihrem Verhalten gegen andere Körper. Einige sind schwer- 22v III. Abschnitt. Von den Salzen :c. fchweranflöslich, lind in ihrer Crystallengestalc luftbe: standig. Andere sind gar keiner Crnstallisirung fähig, sondern geben gummigte Massen. Einige verwittern, wenn sie zu Crystallen gebracht sind, an der tust sehr leicht, wie besonders diejenigen, worin das Mineral- Alkali einen Grundtheil ausmacht; andere zerfließen an derselben. Auf alle diese Eigenschaften muß man bey der spccicllern Beschreibung der Neutralsalze Rücksicht nehmen. §. Z29. Durchgehends haben die beiden feuerbeständige« Alkalien eine nähere Verwandtschaft gegen die Sauren, als das Ammoniak, und sie zersetzen daher die mit diesen bereiteten Neutralsalze, welche man auch mit dem besondern Namen der Ammsniakaljalze (lall» smmc>- mscalis, Ais ZsUs) belegt. Das flüchtige Alkali wird durch jene von den Sauren abgeschieden. In den meh- resten Fallen hat auch das Gewachsalkali eine nähere Verwandtschaft zu den Säuren, als das mineralische. Vier- 221 Vierter Abschnitt. Erden. §. ZZo. Oine eigene Classe der mineralischen Substanzen machen ^ die Erden (terrae, ans. Dies sind unent- jündliche, feuerbeständige Körper, die sich ohne Zwischenmittel in 200 Theilen kochendem Wasser nicht auflösen lassen, und aus der Auflösung in Sauren durch Blut- laugc nicht gefallt werden. Alle Erden sind im Zustande ihrer Reinigkeit ungefärbt und weiß. Das Kennzeichen mit der Blutlauge gehört nolhwendig zur Vollständigkeit der Definition; obgleich hier die Bekanntschaft mit der Blutlauge selbst bey Anfängern nicht vorausgesetzt werden kann. H. ZZr. Die Natur liefert uns die Erden in mannigfaltigen Verbindungen mehrerer Arten derselben unter einander, und mir andern mineralischen Substanzen gemischt lind gemengt. Die historische Kenntniß davon müssen wir der NMeralogie überlassen, der es zukömmt, diese natürlichen Erden nach richtigen Kennzeichen gehörig zu classlficiren und durch Namen zu unterscheiden. Einfache Erden (terrae limplices) nennt man solche, die in keine andere ungleichartige Bestandtheile durch Kunst haben zerlegt werden können. Nur wenige kommen in der Natur, und noch dazu selten, ganz rein vor. Di- Mittel, sie rein von andern natürlichen Bestandthcilen darzustellen, werden in der Folge an ihrem Orte vorgetragen werden. §. ZZ2. ^22 IV. Abschnitt. §. ZZ2- Bey der Zergliederung der natürlichen Erd- und Stcinartcn haben die Chemistcn bis /cht acht, wesentlich verschiedene, einfache Erden aufgefunden. Diese sind: l) Xalkcrde, 2) Talkerde, z) Thoncrde, 4) Schwere erde, 5) Kieselerde, 6) ZwLoncrde, 7) Corundcrde und 8) Australcrde. Ihre Verwandlung in einander, und ihre Entstehung aus einander ist durch keine einzige entscheidende Erfahrung bis jetzt bewiesen. Herrn I. A. Feeders Untersuchung der Hypothese von der Verwandlung der mineralischen Körper in einander. Berlin 1788. 8. Uebcr die Umwandlung einer Erd- und Stewart in die andere, von Joh. Fr. XVicvemann. Berlin 1792. 8. Mitt el salze. §. Z?Z- Einige dieser einfachen Erden, wie z. B. die vier erstem Arten, verbinden sich mit den Sauren auf eine ahnliche Art, wie die Alkalien. Sie benehmen ihnen uemlich den sauren Geschmack lind die übrigen Eigenschaften, als Säuren zu wirken. Die Erdarten, welche diese Wirkungen auf die Säuren äußern, nennt man deswegen auch alkalische oder verschluckende Erden (terrss slcalmits, sdlc)rbsnt-?z), und die Verbindung, welche aus denselben und der Säure in einem solchen Verhältnisse entspringt, daß die Erde mit Säure ganz gesättigt ist, ein kltitcelsalz (la! meäium), oder auch ein erdig? tes Mlttelsälz (lul meclinm torimckre). Seit Berg-- manns Zeiten giebt man ihnen den ersten Namen vorzugsweise, der sonst auch auf die Neutralsalze zag.) ausgedehnt wurde. §- Z?4- Die Mittelsalze kommen in Absicht ihrer äußern Beschaffenheit sehr mit den Neutralsalzen überein: sonst sind Erden. 22Z sind sie aber, wie diese, unter einander selbst in ihrem Geschmack, in ihrer Auflösbarkeit, Crystallengestalt, und der Fähigkeit, sich zu crystallisiren, so wie in dem Verhalten an der lufc sehr verschieden. Einige sind so schwer- auflöslich, oder ganz unauflöslich, daß man sie billig nicht unter die Salze (§. 28?.), sondern mehr unter die Erden und Steine (H. zzo.) zahlen muß. Ihre Anzahl läßt sich aus der Anzahl der Sauren, mit der Anzahl der alkalischen Erden multiplicirt, bestimmen. Jede Erde ist für eigenthümlich zu halten, welche mit einer bestimmten Saure ein eigenes Auttelsalz hervorbringt, das von allen andern, mit eben dieser Saure bereiteten, verschieden ist. §. ZZ5- Der Sattigungspunct bey der Verbindung einer Säure mit einer alkalischen Erde zu einem Mittclsalze laßt sich eben so finden, als bey den Neutralsalzcn. Man kann die Erde zu der flüssigen Saure nach und nach tragen, wo dann, wenn diese gesattigct ist, die überflüssige Erde nnaufgclöst niederfallt, welche man durchs Filtriren absondern und das aufgelöste Mittclsslz durchs Crystallisiren, oder sonst durchs Abrauchen, scheiden kann. H. ZZ6. Die Mittelsalze bestehen also aus einem wahren Salze, der Saure, und einem Stoff, der eigentlich nicht salzarrig ist, der Erde, die aber mchrentheils durch die Verbindung mit jener an der Nacnr ihres Auflösungsmittels so Antheil nimmt, daß sie jetzt in einem salzartigen Zustande erscheint. Alle im Wasser auflösbare Mittelsalze können daher einen Beweis von der aneignenden Verwandtschaft (§. 46.) geben. Die im Wasser wenig oder gar nicht auflösbaren mittclsalzigen Verbindungen können wir eben deswegen auch nicht crystallisirt darstellen, sondern sie schlagen sich bey ihrer Entstehung aus 224 IV. Abschnitt. aus den: wässerigen Vehiculo sogleich als ein unförmliches Pulver nieder; obgleich die Natur dergleichen Verbin- düngen von Erden und Sauren oft in sehr ansehnlichen crystallmischcn Formen liefert. H. ZZ7. Die Verwandtschaft der alkalischen Erden und Sauren gegen einander ist verschieden. Gewöhnlich geht die Schwererde voran, dann folgt die Kalkerde, hierauf die Talkcrde, und dann die Thonerde. Bey vielen Sauren stehen die feuerbeständigen Alkalien noch vor der Kalkcrde in der Stufenfolge der Wahlverwandtschaft, aber nicht bey allen Sauren; das Ammoniak scheint bey mehrern Sauren mit der Talkcrde einerlei) Verwandtschaftsgrade zu haben, bey andern steht es ihr vor, bey einigen nach. Die Thoncrde weicht in der Verwandtschafrsfolge der Sauren den übrigen Erden und den Alkalien. §. ZZ3. Auf die Lebenslust, auf das Stickgas, auf das leichte brennbare Gas haben die Erden keme Wirkung; und gegen das brennbare Wesen wenig oder keine Verwandtschaft. Kieselerde. Glas. §- ZZ9- Die Kieselerde (chilex, 8!lices, l'erra lilices, U) macht einen hauptsachlichen Bestandtheil der sogenannten kieselartigen Erdarrcn aus, und man findet sie vorzüglich in dem .Quarze am reinsten, obgleich nicht ohne alle fremde Beymischung. Zu der Ordnung der kieselartigen Erdarten gehören als mineralogisch-einfache Fossilien: (Vadsilsi'iicbs Osderiicbt der ml- noraliscd - einkacben k'otlillen, vorr Di.-./ , /e'siFe/i. Lsrllir 1791. rdl. 1792. kol.) 1) Ehr)?- Erden. 225 1) Lhr^soberill. 2) -H)-aeii!ch. (0,2; Kieselerde; o,4oThoncrde; o,?oKalkerde; 0,1z Eisen. Dergman.) z) Chrysolith. (0^5 Kieselerde; 0,64 Thonerde; 0,17Kalk.; 0,01 Eisen. Acharv.) 4) Glwin. 5) Granau (0,48 Kies.; o,zc>Thon.; o^n Kalk.; 0,10 Eisen. AebarV.) 6) Rubin, g) aä?rer Rubin. (0,59 Kiesel.; 0,40 Thon.; 0,09 Kalk.; 0,10 Eisen. Dergman.h b) Gapphir» (o,Z5 Kieselerde; 0,58 Thon.; 0,05 Kalk.; 0,02 Eisen. Dergm.) 7) Spinell. (0,1; Kies.; 0,76 Thon.; 0,0 r Kalk.; 0,02 Eisen. Rlaprorb.) 8) Topas. (o,?9 Kieselerde; 0,46 Thonerde; 0,05 Kalkerde; 0,06 Eisen. Dcrgman.) 9) Smaragv. (0,24 Kiese!.; 0,60 Thon.; 0,08 Kalkerde; 0,06 Eisen. Dcrgm.) 10) Derill, a) gemeiner Derill. (o,64Kiesel.; o,24Thon.; c>/O8Kalk.; 0,02 Eisenerde. Dinobe>m.) b) weißer Schorl. (o,5oKiescl.; o,z o Thon. Rlaproth.) s a) sc!)u?ar;cr Schorl. (0,41 Kiesel.; o,z8 . ! Thon.; o,l6Eisen. diviealeb. 11) Schorl, 1 ^ (o,z 7 Kiesel.; o,z9Thonerde; 0,1; Kalk.; 0,09 Eisen. Dergman.) 12) Thumerstein. (0,5z Kiesel.; 0,26 Thon.; 0,09 Kalk.; v,io Eisen. Älaprorh.) iz) Quaru a) Amcrhist. b) Dergcr^-stall. (0,9z Kiesel.; 0,06 Thon.; 0,01 Kalkerde. Dergman. > c) gemeiner (v-uarr. (Kieselerde; sehr wenig Thon - und Kalkerde. Dergm.) ä) Prasem. e) Rosem ocher Äuarr. 14) -«Hornstein (0,72 Kiesel.; 0,22 Thon.; c>,66 Kalkerde. Kirwan, > 15) Feuerstein. (o,zo Kiesel.; 0,18 Thon.; 0,02 Eisenerde. XVtegieb.) Grens Chemie, l. Tb- P ^6) 226 IV. Abschnitt. 16) Lhalcedon. a) gemeiner Chalcedon. (0,84 Kieselerde; 0,16 Thonerde! fcrgman.) d) Rarniol. 17) -Holnstein. , g) heliotrop. Iy) Lhrysopas. (0,96 Kiesel.; 0,0008 Thon.; 0,0082 Kalk.; 0,01 Nickel. Zvlapeoch.) 20) Ricselschiefer. (0,7; Kiesel.; 0,04 Talkcrdc; v, 10Kalk.; 0,0z Eisen. Wieglet?.) 21) (Dlostolan. 2-) Raycnaugc. 23) Prehnit. (o,4Z Kiesel.; 0,zoThon.; 0,18 Kalk.; 0,05 Eiseneroe; 0,01 Wasser. Rlaprorh.) 24) ?eolitl). s) Mel?l,coltth. (0,50 Kiesel.; 0,20 Thon.; 0,08 Kalk.; 0,22 Wasser, pelletier.) d) Fasrigcr. (0,41 Kiesel.; o,zz Thon.; 0,11 Kalk.; 0,15 Wasser. Meyer.) c) Grrahliger. ä) flattriger. (0,58 Kiesel.; 0,17 Thon.; 0,06 Kalkcrde; 0,17 Wasser. Meyer.) 25) Rreu5stcin. (0,44 Kiesel.; 0,20 — 0,24 Schwererde; 0,21 Thon.; 0,16— 0,12 Wasser. -Heyer. 26) Lasurstein. Wcstrumb.) Sonst aber macht die Kieselerde auch noch in allen Gattungen der folgenden Thon - und Talkarten, und in den mehrest?» sogar den vorwaltenden, Grundlhcil aus. H. Z4o. Die reine Kieselerde ist im Wasser unauflösbar, und nur höchst fein zertheilt kann sie wegen ihrer Durchsichtigkeit unsichtbarer Weise darin schweben; bey einem Grade der Hitze, welcher den Siedepunct um vieles übersteigt, scheint sie sich in etwas darin auflösen zu können, wie die Erscheinungen des Geysirs aufZsland vermuthen lassen. Sie erregt ganz und gar keinen Geschmack auf der Zunge. Die Sauren verbinden sich mit derselben zu keinem Mittelsalze, nur die im Folgenden abzuhandelnde Erden. 227 de Flußspathsäurc kann sie auflösen. Für sich allein ist sie nicht zum Schmelzen zu bringen, und auch selbst nicht in der Brennspiegelhitze. Sie heißt also mit Unrecht Verglnsdgre Erde. öc?'^7?»-??? cls terra lillcea; in seinen S. 26. ff. S. 48. H- Z4r. Die feuerbeständigen reinen Alkalien hingegen greifen sie, wenn sie ganz fein zertheilt ist, auf nassem Wege etwas an. Auf trocknem Wege hingegen äußern sie eine vorzüglich starke Verwandtschaft zu derselben, und bringen sie in der Hitze zum Schmelzen; ohngcachtct sie sonst für sich allein unschmelzbar ist. Das Laugensalz wirkt also hier als Fluß (tz. 1 > c>.), und es geht eine wahre Auflösung auf trocknem Wege vor (H. 62.). Beym Zusammenschmelzen der Kieselerde mit den Alkalien wird die in letztern befindliche Kohlensaure unter einer Art von Aufbrausen entbunden. H. Z42. Aus dem Zusammenschmelzen de? feuerbeständigen Alkalien mit dem Sande und andern kieselartigen Erden und Steinen entspringt das gcnzemeGIas (vürum, )lX), eine durchsichtige, nur durch beygemischte fremdartige Theile mehr oder weniger undurchsichtige, harre, spröde, im Wasser unauflösbare Materie, die im Bruche glänzend, und im Feuer schmelzbar ist, sonst aber darin nicht weiter zerstört wird. Je mehr man Alkali dazu nimmt, desto weicher, schmelzbarer und undurchsichtiger wird das Glas, und desto weniger widersteht es der Einwirkung des Wassers und besonders den Säuren. Die Güte des Glases, seine Härte, seine Klarheit und Farbenlosigkeit, und daß es ohne Blasen, und in der Luft unwandelbar ist, hängen von der Reinigkeit der beiden P 2 In- IV. Abschnitt. Ingredienzen, nemlich des feuerbeständigen Alkalis und der Kieselerde, von ihrem gehörigen Verhältnis; gegen einander, und von der dünnen und anhaltenden Schineb znng ab. Z4Z. Das gemeine grüne Glas wird aus Asche von hartem Holze, oder von solchen Kräutern, die viel Alkali enthalten, und Sande zusammengeschmolzen. Die weißem und feinern Kristallgläser aber werden aus reinem Mali und reinen Kieselarten bereitet. In unfern Gegenden wendet man gewöhnlich das wohlfeilere Gewächsalkali dazu an; in Frankreich und Italien aber mehr das mineralische Alkali; das letztere giebt dauerhaftere und festere Gläser, als das vegetabilische. Die hier anzuwendenden kieselartigen Steine müssen vorzüglich frey von Eisenchci- !en seyn. §- Z44- Die kieselartigen Steine werden dazu erst zu wiederholten malen geglühet, und in kaltem Wasser abgelöscht, gemahlen, gepocht, und mit dem Alkali, auch wol noch mit andern Zusätzen vermengt, welche als Flüsse für die Kieselarten dienen können, als Gyps, einige Neutralsalze, besonders Salpeter, im Kleinen Borax; oder, um das Glaö dick er zu machen, Bleykalk. Die Kieselerde muß aber immer das Uebergewicht haben, und das Alkali, allein oder mit den andern Flüssen, nie über H der Kieselerde ausmachen. Das Gemenge, woraus nun das Glas zusammengeschmolzen wird, heißt der kLmsay, der Glassar;, oder die Friere. Diese wird vorher, um die Kohlensaure aus dem Alkali zu vertreiben, die das Glas blastgt machen könnte, und um das anhängende Phlogiston mehrentheils abzuscheiden, welches dem Glase eine Farbe mittheilen würde, in dem Culcimr- Gfen (Glühofen, Aschen ose n!, der entweder besonders geheizt wird, ooer seine Hitze zugleich mit vom Glasofcn em- Erde n. 229 empfängt, und einem Backofen gleicht, der sein Mundloch unmittelbar über dem Heerde hat, unter beständigem Umrühren nackt und nach gebrannt und ausgeglühet. Die so gebrannte Fritte wird nun in starken Gefäßen oder Giashafen, die aus reinem feuerfestem Thone, mit eben dergleichen gehemmtem und gröblich gestoßenem vermengt, bereitet werden, in dem Giasofen, (XDerkofeii, Schmelzofen,) in der dazu erforderlichen ansehnlichen Hitze geschmolzen. Dieser Ofen bestehet aus einem Gewölbe, in welchem Oeffnungen (Arbcirslöcher, Mund? lochcr, Fenster,) angebracht sind, unter denen sich inwendig im Ofen ciit Gesimse oder ein Norsprung (die Barste) befindet, auf welchem die Glashäfen stehen, die durch das, hernach zu vermaurendc, TwZclloch eingesetzt werden. In der Mitte des Ofens unter dem Ge-e simse liegt der aus eisernen Stäben bestehende Rost, zu welchem das Schür loch führt, worunter eine Grube angebracht ist, die zum Aschcnheerde und zum luftzuge dient. Dieser Ofen muß wegen der beträchtlichen Hitze, die man darin unterhalten muß, aus guten, feuerfesten Steinen gebauet seyn. Das Flammsnfeuer des auf dem Roste liegenden Brennmaterials spielt wegen der Bauart des Ofens in dem Innern desselben mit großer Wirksamkeit herum. Die geschmolzene Glasmasse wird so lange im Feuer unterhalten, bis sie gleichartig und dünne genug fließt, und die herausgenommenen Glaötropfen keine Blasen mehr zeigen, wozu mehrere Stunden erfordert werden. Wenn das zum Glassatze genommene alkalische Salz nicht ganz rein war, so sondert sich obenauf ein Schaum ab, der beym Erkalten zu einer festen Masse erstarrt, und sorgfältig abgenommen werden muß, weil er sonst Knoten oder unverglaste Körner im Glase verursacht. Diese, aus den, nicht mit in Verglasung übergehenden, mehrentheils salzigtcn, Theilen entstehende, sogenannte grk>kr. :k I'aris 177Z. li- und O/>/e?"oae. /»>' la ?/ch/i-/?co, ch-' «nr. et /«>- /eo Vom. XXVttl, S. 284. ff. Zdekmanns Technologie, S. zoz. Von der Verfertigung der Glasperlen oder des Schmelzes s. Succow Anfangsgründe vcr techn. Lhcmlc, §. 54g. §> Z-kst- Zu diesen Glasflüssen gehört auch die Email, womit Metalle überzogen werden. Sic ist entweder un durchsichtig od r durchsichtig, entweder weiß oder mannigfaltig gefärbt. Die Grundlage seder Emaille ist ein leichtflüssiges Glas, das aus dem vorher beschriebenen Straß bcy einem Zusätze von Mehrerin Bleykalke erhalten werden kann. Durch Zusatz von Zinnlalk wird dies Glas opak und milchweiß, dergleichen die rvelste Email ist. Soll die Emaille gefärbt scyn, so setzt man dem Glasflusse die schicklichen Metallkalke zu, und schmelzt ihn damit zusammen. 'Allemal muß die Emaille leichtflüssiger seyn, als das damit zu emaillirende Metall. Leichtflüssiges Metall kann man deswegen nicht emailiircn. Es werden dazu nur Gold, Silber und gelbes oder rorhesKupfer angewender. Bey dem Emaillireu dieser Metalle wird das SchmelzglaS fein gepulvert und mit Wasser geschlemmt, und der feuchreSatz auf das zu überziehende Metall ausgebreitet, abgetrocknet und unter der Muffe! geschmolzen; nach Erfordcrmß der Umstände auch wol noch mit einer zweyten Lage darüber auf eine ähnliche Art verschen; hierauf wird auch wol die Oberflache geschliffen und polirr. Soll die Email Mahlcrey haben, so werden die Pigmente, wozu man auch nur metallische Kalke nehmen kann, aufgetragen und nachher abermals unter der Muffel gebrannt. Diese Pigmente müssen aber leichtflüssiger seyn, als die Email selbst. Von den Pigmenten sowol zur Email selbst, als zur Mahlercy auf derselben, kann erst in der Folge bcy den Metallen gehandelt werden. D 5 Xrt IV. Abschnitt. Art cle I'emaÜIcur 5nr Xletgrrx, psr.4/. ilk dm .4?»-a/r/cie Lsi/S/i/r, ck'om. IX. S. 192. ff. §- 34?- Endlich gehört noch das FlintZlas der Engländer hierher, von dem man die so glückliche Anwendung zur Verfertigung achromatischer Fernrohre gemacht hat, und das sich durch eine größere Dichtigkeit, und eine stärkere, die Farben zerstreuende, Kraft vom gemeinen Crpstall- glase unterscheidet. Es hat diese seine Eigenschaft nach Zecher dem Bleykalke zu verdanken. Das Verhaltuiß der Materien, die zu der Zusammenschling dieses Glases kommen, ist nach Gebessert 24 Thcile Kiesel, 7 Theile Bleykalk, und 8 Thcile Salpeter. Bussen erhielt dergleichen aus 1 Pfunde weißem O.uarzsande, 1 Pf. Bleykalke, b Pf. Pottasche und 1 Loch Salpeter. Es halt bey dem Zusammenschmelzen dieser Composirio- nen schwer, Glasstücke zu erhalten, die frey von wellenförmigen Streifen sind. Joh. Ükrnsr ?eiher Abhandlung von denjenigen Glasartcn, die eine verschiedene Kraft, die Farben zu zerstreuen, besitzen. Petersburg 170z. 4. Gchesters chemische Vorlesungen, §. 17t). ä. ,i ssii/?o?>e l'om. 11. ä ?aris 1774. 12. S. 2L4. §- 350. Je mehr Alkali man der Kieselerde bey der Fritte (h. Z44.) zuseht, desto leichtflüssiger und weicher wird das daraus verfertigte Glas, und desto leichter wird es von Sauren angegriffen. GlaS, dem zuviel von demselben beygemischt ist, verliert auch schon in der Luft durch die Wirkung der darin befindlichen Feuchtigkeit und Kohlensaure von seinem Glänze, und splittert sich auf der Oberflache, wie die bunten Regcnbogenfarben beweisen, die solches schlechte Glas mit der Zeit zeigt. Selbst gutes Glas Erden. 2Z5 Glas kann durchs Zusammenschmelzen mit mehrcrem Alkali nicht nur weicher und leichtflüssiger, sondern auch selbst zur Auflösung im Wasser geschickt gemacht werden. h. 351- Wenn man daher gutes weißes Glas mit dreyThei- len Pottasche; oder reine kieselartige Steine oder Quarz- sand mir vier Theilen derselben schmelzt, so erhalt man daraus eine Masse, die zwar glasartig aussieht, aber einen scharfen, atzenden, alkalischen Geschmack auf der Zunge verursacht, sich im Wasser auflöst, und auch schon an der Luft zerfließt. Die so zerflossene oder in wenigem Wasser aufgelöste, Masse heißt Asse sc lfcu chs tig^eir (ickguor llüLum). §- 352. Um die Kieselfeuchtigkeit zu bereiten, muß man die erwähnten Gemenge erst gut zusammenreiben, und dann in einem bedeckten eisernen, nicht so gut in einem thöner- nen, Tiegel vor dem Gebläse so lange schmelzen, bis die Masse nicht mehr aufsteigt, sondern gleichförmig und dünne fließt, damit die Kohlensäure aus dem Alkali völlig entweiche, welche die Vereinigung des letzter» mit der Kieselerde hindert. Man gießt dann die Masse auf ein erwärmtes Blech, und löst sie am besten sogleich in drei) bis vier Theilen Wasser auf, und seihet die Auflösung klar durch. §> 353- Eine jede Sälire schlagt aus der Kieselfeuchtigkeir die Kieselerde nieder, weil das Alkali auf nassem Wege näher mit der erster» verwandt ist, als mit der letztem. Die Kieselerde scheidet sich in einem höchst feinen und lockern Zustande ab, und wenn die Kieselfeuchtigkeit mit vier IV. Abschnitt. vier bis achtmal so vielem Wasser gemacht ist, so erlangt sie durch zugesetzte Saure das Ansehen einer Gallertc, welches sie auch, selbst beym Nuhigstehen, in verschlossenen Gefäßen, behält. Die abgeschiedene Erde nimmt aufdieseArt in der Flüssigkeit wol einen zwölfmal größern Raum ein, als sie hernach beym Austrocknen erhalt. Ist aber die Kieselfcuchtigkcit mit 24 Theileu Wasser bereitet worden, so kommt durch zugesetzte Sälire gar kein sichtbarer Niederschlag zum Vorschein, sondern die Theile der abgeschiedenen Kieselerde bleiben in der Flüssigkeit so höchst fein zertheilt hängen, daß sie die Klarheit nicht mindern, und mit durchs Filtrum gehen. Wenn aber die Flüssigkeit durchs Abrauchen in die Enge gebracht wird, so wird der Niederschlag sichtbar. 'Auch die Kohlensaure kann die Kieselerde vom Alkali in der felfeuchtigkeit abscheiden, wenn man sie zumischt, oder mit Kohlensäure gesättigtes Wasser dazu bringt. Aus eben dieser Ursach wird die Kieselfeuchtigkeit auch mit der Zeit an der bloßen kuft trübe. §- 354- Die Kieselfeuchtigkeit dient auch, um die Kieselerde rsitt darzustellen, wie wir sie in der Narur nicht antreffen (§. ZZ9-). Man setzt nemlich zu der aus reinen Kieseiarteu bereiteten, in destlliirtcm Wasser aufgelösten Kieselfeuchtigkeit eine starke Saure, und zwar im Ucber- maaß, am besten Salzsäure, digerirt den Niederschlag in der Wärme, damit sich die überschüssige, mit niedergeschlagene, fremde Erde auflöse, seihet alles nach gehöriger Verdünnung mit destillirtem Wasser durch, süßt sie damit aus, und trocknet sie. Das spccifische Gewicht dieser getrockneten, reinen Kieselerde ist 1,975. a. a. O. Erden. 2Z7 K a l k e r d e. H. 35 5- Die Aalßerde (Lalx, 1>rra calcarea, K') wird auch nicht in chemisch reinen Zustande in der Natur angetroffen, sondern muß erst durch Kunst darin gebracht werden. Wir treffen die Kalkerde immer in Verbindungen mit Sauren, besonders mir Kohlensaure und Waffer, und es ist gewöhnlich, die kohlensaure Kalkerve rshe Aaltz? erde zu nennen. Sie braust bcy der 'Auflösung in andern Sauren auf, eben wegen des kohlensauren Gas, das sich dabey entwickelt. Ächtet man auf diese Kohlenfäure und auf das natürliche Crystallisationswasser nicht, so kann man freylich sagen, daß die Kalkcrde oft in einem sehr reinen Zustande, wie m dem ungefärbten körnigen Kalk-- steine und den weißen Kalkspathen, natürlich vorkomme. Das Verzeichnis! der natürlichen lustsauren Kalkarten in der Folge bey der Kohlensaure. Z- 356. Da die Kohlensaure und das Wasser der natürlichen, reinen, rohen Kalkcrde im Feuer flüchtig sind, so laßt sich auch daraus durch das Brennen im Feuer die chemisch reine Kalkerde darstellen, von welcher hier die Rede ist. Man fülle zu dem Ende eine irdene Retorte mit reinem, rohen Kalkstein, Kalkspath, ungefärbten Marmor, u. dergl. an, kütte an ihre Mündung eine blecherne Röhre gehörig an, verbinde sie mit dem pneumatischen Apparat, und gebe anfangs gelindes Feuer, das man nach und nach bis zum völligen Glühen der Retorte verstärkt. Anfangs entwickelt sich zuerst die in der Retorte und Röhre befindliche atmosphärische Luft, dann aber folgt kohlensaures Gas, das sich bey allen Untersuchungen als wahres kohlensaures Gas HH. 260.) verhalt. Wenn man die Retorte so lange in der Hitze anhaltend -z8 IV. Abschnitt. laßt, bis sich alle Kohlensaure aus der Kalkerde entwickelt hat, so findet mau diese betrachtlich verändert. Sie hat ncmlich einen beträchtlichen Thcil ihres vorigen Gewichts verloren, ist undurchsichtig, wenn sie vorher durchsichtig, oder durchscheinend war; sie löst sich nun in den Sauren, ohne Aufbrausen, und mit beträchtlicher Erhitzung und Aufwallung auf lind hat einen sehr scharfen und brennenden Geschmack. Sie heißt jetzt ge- branmcr, lebendiger oder ungelöjcbter 2xalk (ealx viva, ch'v.), und in diesem Zustande ist sie reine Aalfierde. H. Z57- Wenn man auf den gebrannten Kalk etwas Wasser gießt, so dringt dasselbe mit einem Gezische in jenen hinein, er zerspaltet, schwillt mit sehr starker Erhitzung auf, und zerfallt zu einem feinen Brey oder Teig, welcher ge? löfchrer AalkGalx extinKa) geneunt wird. Gießt man nachher Wasser in genügsamer Menge hinzu, so löst er sich, wenn er rein und gut gebrannt ist, völlig in dem Wasser auf, obgleich nur in sehr geringer Menge, indem 68e> Theile siedendes Wasser zu einem Thcile Kalk erforderlich sind. Diese Auflösung heißt Aalkwasser (agaa calcis, ^chssz). §- Z53- Alan gießt dies Kalkwasser von dem nicht aufgelösten, gelöschten Kalke sogleich ab, als es sich gesetzt hat. Es ist dann völlig durchsichtig und farbcnlos, und hat einen eigenen, scharfen, schrumpfenden und alkalischen Geschmack; es färbt den Veilchensaft grün; es macht die rothe Farbe des Fernambuks bläulich, und die gelbe der Curcuma braun. Durch Destillation des Kalkwas- serS erhält mau reines Wasser, und die Kalkcrde bleibt rein zurück. Es gehört aber das Glühefeuer dazu, ihr den letzten Ancheil Wasser zu entziehen. h- 359- Erden. §. Z5Y- Das Kalkwasser bleibt in genau verschlossenen und ganz damit angefüllten Gefäßen unverändert. Stellt man es aber an die freye luft, so erzeugt sich auf der -Oberflache desselben ein Häutchen, der A alkrahm (er?- mor calclz), das immer dicker und dicker wird, endlich wegen seines vermehrten Gewichts im Wasser zu Boden sinkt, und einem neuen Hautchen Platz macht. Dies dauret so lange, bis zuletzt aller vorher aufgelöste Kalk sich wieder abgeschieden hat, und das Wasser wieder zu reinem Wasser geworden ist. §. z6o. Dieser Kalkrahm verhält sich aber nicht mehr wie gebrannter Kalk. Er löst sich im Wasser nicht mehr auf, er braust wieder nnt Saure, und ist geschmacklos; kurz, er ist wieder roher Kalk. Eben dies widerfahrt auch dem gebrannten Kalk, wenn er der freyen luft ausgesetzt wird. Er schwillt ncmlich immer mehr und mehr auf, und zerfallt, ohne sich aber zu erhitzen. Sein Gewicht nimmt dabey immer mehr und mehr zu. Endlich erlangt er wieder mit der Zeit alle Eigenschaften der rohen Kalkerde. Man nennt ihn zerfallncn Aalk, Gtaubkalk, LPZchlkalk. Frisch zerfallncr Kalk unterscheidet sich aber allerdings von dem, welcher der Luft lange Zeit ausgesetzt gewesen ist. Wenn der lebendige Kalk vor den, Zugange der luft wohl aufbewahrt wird, so laßt er sich unverändert erhalten. §. Z6r. Diese Veränderungen, welche das Kalkwasser und der gebrannte Kalk an der Luft erleiden, rühren von der Eüstaugung der Kohlensäure der Atmosphäre, und beym letzter,, auch von der Einsaugung des Wassers her, gegen welche er einen sehr großen Hang hat. Wirklich kann man IV. Abschnitt. man auch aus dem an der tust zerfallnen Kalke wieder Wasser austreiben. Anfangs hat er auch nur erst wenig Kohlensaure. §. z6a. Durch das Brennen verlor der rohe Kalk die in ihm enthaltene Kohlensaure und sein Wasser; daher die Verminderung seines Gewichts. Er zeigt nun nach dem Brennen die ihm von Natur zukommende Auflösbarkeit im Wasser und alkalische Eigenschaft, da er hingegen als roher Kalk wegen der Kohlensaure in einem mittelsalzigcn Zustande war. Beyin löschen (§- Z57-) zieht der gebrannte Kalk das ihm dargebotene Wasser mit vieler Kraft in sich, und verwandelt es in festes oder CrystallisationS-Wasser. Die dabei) entstehende Erhitzung laßt sich leicht ans dem oben (h. 213.2.) angeführten Gesetz des Warmestoffs erklaren. h- Z6Z. Wenn man den gebrannten Kalk mit nicht zu vielem Wasser löscht, so bemerkt man im Dunkeln wahrend dem löschen an ihm ein leuchten. Beweist dies nicht, dast der gebrannte Kalk Brennstoff enthalte, welchen er vielleicht beym Brennen aus der Zersetzung des Lichrs eingesogen hat, und daß derselbe bey der Erhitzung durch den Wärmestoff wieder zum licht werde? Z64. Auf die Lebenslust und das Stickgas scheint die reine Kalkcrde keine Wirkung zu haben, und also auch die atmosphärische Luft nicht weiter zu andern, als daß sie daraus die Kohlensaure und das Wasser in sich nimmt. Was verursacht aber in der frischen Kalktünche den eigenen Geruch? Versuche, um zu besiimmeu, was das Löschen des gebrannten Kalks für Wirkungen auf die gemeine Luft und die verschiedenen Luftarten hervorbringt, von Hrn. Acharo ; in LrrUs chcm. Annaien 1787. B-t. S. ff. 5- Z65. Erden. 241 § 365. Das Brennen des Kalks im Großen geschiehst aus den Kalksteinen, seltener in frcyer Luft in den sogenannten Kalkmeilern, die man schichtweise mit Kalksteinen und dem Feuermatcrial aufführt, und in Gruben, welche man mit Kalksteinen so anfüllt, daß unten ein Raum für die Feuerung bleibt; gewöhnlicher und vortheilhafter aber in eigenen Oefen von Mauersteinen von verschiedener Form, in würfligtcn, parallelepipedalischen und elliptischen, die mit Holz, oder in umgekehrt kegelförmigen, umgekehrt pyrami'oalischcn, in walzenförmigen, die mit Steinkohlen, Erdkohlen oder ?orf gefeuert werden. Besonders vortheilhafr sind die kegelförmigen Arten von Stichöfen, worin man den Kalkstein mit Stein- oder braunen Kohlen schichtweise legt und brennt, wo .der gebrannte Kalk durch die untere Oeffnung immer herausgenommen, und durch die obere Oeffnung frische Steine und Feuerung nachgetragen werden kann. Ein solcher Ofen kann ohne viele Aufsicht und Mühe in stetem Gange erhalten werden. Der gebrannte Kalk, der auch jAcderilaff Hecht, muß durch und durch gleichförmig gebrannt scyn, sich schnell und stark im Wasser erhihen, und ganzlich darin zerfallen. Er muß durchs Brennen alle seine Kohlensaure und sein wesentliches Wasser verloren haben. Allein durch gar zu starkes und langes Brennen kann der Kalk allerdings auch verderben, da man ihn dann rodtgebrannr (calx mortu») nennt. Sollte der Grund davon wol in einer Art von Zusam- mensinterung, oder nach Bergman in der gänzlichen Entweichung der Luftsaure zu suchen seyn? Das lehtcre wird durch das vorherangeführre unwahrscheinlich gemacht. §. 366. Die Kalkerde ist für sich allein im strengsten Feuer unschmelzbar, nach -lLhrMKNN und Geyer selbst bei) der GcenS Chemie. I.Tb» ^ 242 IV. Abschnitt. Anwendung der Lebensluft; auch mit der Kieselerde vermengt ist sie nach Herrn Acbard nicht in Fluß zu bringen. Mit den feuerbeständigen Alkalien hingegen, besonders mit dem mineralischen, fließt sie in der Hitze zu einer 'Art von Glas, doch schwerer als die Kieselerde. Ackavv Versuche über die Verglasimg der mit den andern Erden auf alle mögliche Art verbundenen und in verschiedenen und bekannten Verhältnissen vermischten Kieselerde; i» seiner ^ Samml. pkss'f. uns ckem. Abk. B. >- S. z?y. Ebenders» über die Verglasung der mit Sahen in verschiedenen Verhältnissen gemischten Kalkcrde; ebenvas S. 444. §. Z67. Die Anwendung der gebrannten und gelöschten Kalkerde zum Mörrel (Laemontum) hangt von ihrer Fähig- ^ keit ab, das Wasser zu binden, und mit den kieselartigen Steinen stark zusammenzuhängen. Man bereitet diesen Mörtel so, daß man den zu einem Teige gemachten gelöschten Kalk mit nicht zu feinem Sande sorgfaltig vermengt. Er verhärtet erst nach dem völligen Austrocknen gehörig. Der Kalk kann nemlich nur eine bestimmte > Menge Wasser in sich nehmen und binden; so lange er nun noch eure überflüssige Menge davon enthalt, so ist auch dadurch seine Consistenz noch weich, und er laßt sich durch Wasser wieder abspähten. Wenn aber dies überflüssige Wasser verdunstet ist, so erleidet der Kalk eine Art von Crystallisation, wird durch die allmahlige Aufnahme der Kohlensaure wieder zum rohen Kalk, und verhärtet nun mit der Kieselerde zu einer steinharten Trasse. Man sieht hieraus, daß der Kalkmörtel zum Wasserbau untauglich ist, wenn er mit dem Wasser wieder in Berührung kömmt, ehe er völlig ausgetrocknet und also völlig verhärtet ist. L.orior hat eben deswegen mit Grunde zum wasserfesten Mörtel bcym Wasserbau borge- Erden. 24z geschlagen, zu dem gewöhnlichen Mörtel aus gelöschtem Kalk und Sand noch ein Drittel frischen ungelöschten und gepulverten Kalk zuzusetzen, der das überflüssige Wasser des erstern sogleich in sich sangt, damit schnell erhärtet, und deswegen auch gleich verbraucht werden muß. Sonst empfiehlt er auch noch zu einem sehr festen Mörtel einen Theil fein gestoßene Ziegelsteine, zwe» Theile feinen Flußsand, und so viel gelöschten Kalk mit einander zu vermengen, daß man beym Gebrauch noch ein Viertel der Summe der beiden erstern Ingredienzen vom ungelöschten und gepulverten Kalke hinzumischen könne. Uebri- genö ist es zurBereitung eines guten Mörtels nöthig,daß der dazu gebrauchte Kalk gehörig gebrannt sey, daß er frisch gelöscht sey, ehe er noch zerfallen ist, daß, wenn der gelöschte Kalk aufbewahrt werden soll, beym löschen überflüssig Wasser zugesetzt sey, damit er beym Aufbewahren nicht verharte; daß er nach dem Löschen sorgfaltig vor dem Austrocknen und vor dem Einsaugen der Kohlensaure verwahrt werde, wodurch er nach und nach die Natur des rohen Kalks wieder erlangen würde; ferner, daß der Sand, der beym Gebranch dazu gesetzt wird, nicht zu fein und nicht zu grob sey, ober auch nicht in zu großer Menge darunter komme. Es erhellet zugleich ans dem Angeführten, warum Mauerwerk, dessen Mörtel gefriert, ehe er ganz ausgetrocknet ist, keine Festigkeit erlangt, indem die überflüssigen Wassertheilchen zu Eis werden, dann die Kalktheilchen von einander entfernt halten, und folglich das Zusammenbacken derselben verhindern. Die Figur des Sandes hat auf die Festigkeit des Mörcels ebenfalls Einfluß. Daher verwendet man auch Puzollane und Traß wegen ihrer porösen Beschaffenheit mit Nutzen zum Mörtel. Ulemcilre lür uns ilecouverte clans l'art äs batlr, kalte par le 8r. ä Uarlz 1774 8. IiUtruckion tdr Iz nou- velle metlioäe, äs xrsxarer le mortier. a ?sii« 177z. 12. Q - I. R. 244 IV. Abschnitt. "I. R. Forster Anleitung, den Kalk und Mörtel so zu bereiten, daß die damit aufzuführende Gebäude ungleich dauerhafter senn, und auch im Ganzen genommen weniger Kalk verbraucht werde. Berlin 1782. 8- Abhandlung vom Mörtel; vom Hrn. Vdcrner; in Erelir. ckcm. Annalen, Band z. Zahr 1785- S. 107. kleolrsrclm sttr Is xrezzgrat!c>n, gue les Komelus äonnolent a 1a clraux, xar tclr. cke ia - 2 karis. I. II. i?77- i?7L- 8- T a l k e r d e. §- Z68. Die Talberde oder Bictercrde, Bütersalzerde (Magnesia, Ifc-rru muriuticu, unter- scheidet sich von der Kalkcrde wesentlich, nicht nur durch ihre in der Folge anzuführende Verbindungen mit den Sauren, sondern auch durch den Mangel ihrer Aetzbar- keit, und ihre fast ganzliche Unauflösbarkeit im Wasser. Die Natur liefert sie uns ebenfalls nicht rein, sondern immer in Verbindung mit andern Erden, oder mit San- ren. Znsbesondere macht sie einen Bestandtheil der sogenannten talkartigen Erden und Steine aus. Black und Marggraf haben ihren Unterschied von der Kalkerde und ihre Identität zuerst bewiesen. HxperimLNts upc>n kvll>Aueiik> ulda, enrä löms otber alceü- Iis sudlkances, d)- ^a/ Llnc/c; in Vcn o/-/e<-- z-caoi üe/ö^e n Boeder?./ ?» Vol. II. S. 157. ff 2! S. Marggrafs chvmische Versuche mit der lehteri? incru- siallisabcln sogenannten Mutterlauge des Kochsalzes in Absicht auf die darin enthaltene Erde; in seinen chznn. Sckrittcn, B. II- S. 20. E.bendcsielben Versuche mit der in der zuletzt zurückbleibenden Salzmuttersohle enthaltenen Eriart; cbenoas S. Z2. Beweis durch Erfahrungen, daß der sächsische Serventinstein nicht zur Thonclasse oder zu den thonig- tea Steinen gerechnet werden könne; ebcndaf c. Nachricht von den Wirkungen des -Xclä! vitriolici auf verschiedene Stein - und Erdarten; ebendaf S. 11. ff. 1b,-/-. I-e-Z- ,unu äe kck-!0'nsiia; in seinen 07-u/e. c/iev». Vvl. I- S. zü;. ff. "l - ^ Z>, Erden. 245 Zu der Ordnung der Talkerden, in welchen die Magnefle einen " B-standtheil ausmacht, gehören: a.a.O.S. 12.ff.) 1) Speckstein, a) gemeiner. (0,21 Talkcrdc; 0,48 Kieselerde; 0,14 Tdon- crdc; 0,01 Eisen; 0,16 Luft und Wasser. Rlaprorh.) b) blättriger. 2) Nephrit. (c>,z8 Talkerde; 0,47 Kieselerde; 0,04 Thon. ; 0,02 Kalk.; 0,09 Eisen. Döpfner.) z) Walkcrve. (von Hampshire: 0,007 Talk.; 0,518 Kiesel.; 0,250 T wn.; o,0zz Kalk.; o,oz7 Eisen.; 0,15; Wasser. Zhergman.) 4) Meerschaum. (0,15 Talkerdc; 0,54 Kieselerde. Lviegleb.) z) Dol. (^.cmnische »Lrde: 0,062 Talk.; 0,470 Kieselerde; 0,190 Thon.; 0,054 Kalk.; 0,540 Eisen.; 0,170 Wasser. Bcrgman.) 6) Serpentin. (o,zz Talk.; 0,54 Kiesel.; 0,06 Kalkerde; 0,14 Eisen.) 7) Talk, a) crviger. (0,45 Talkcrde; 0,50 Kieselerde; 0,05 Thon.; Rirevan.) b) gemeiner. c) verhärteter Talk. (o,z8Ta!k.; o,z8Kies.; 0,06 Thon.; 0,15 Eisen. Wiegieb.) L) 2isbcst. g) Zhergkark. (0,261 Talk.;. 0,127 Kalk.; 0,020 Thom; 0,562 Kiesel.; 0,0z0 Eisen. 2öergman.) b) Amiamh. (0,186 Talk.; 0,069 Kalk.; 0,02z Thon.; 0,640 Kiesel.; 0,060 Schwercrde; 0,012 Eisen. L>ergm.) c) gemeiner Ar-best. (0,48 Talk.; 0,46 Kiesel.; 0,04 Ei- sen.. Wieglet».) ä) Dcrgholz. y) R/anir. (o,iz Talk..; 0,66Thon.; 0,12Kies; 0,01 Kalk.; 0,05 Eisen- Saußure.) TO) Strahlstein, s) asbestarciger. K) gemeüicr» (0,200Talk.; 0,640 Kiesel.; 0,020 Thon.; 0,09zKalk.; 0,040Eisen. Bergman.) 246 IV. Abschnitt. c) glasartiger. (0,127Talk.; 0,720 Aicsel.; 0,020 Thon,; <-,c?6oKalk.; 0,07zEisen. Vercnnan.) 11) Tremolitl). (0,10 Talk,; 0,6; Kiesel.; 0,18 Kalk.; 0,06 Kohlensaure und Wasser. Rlaproch.) H- Z6e>. Man gewinnt die Talkerde gewöhnlich aus dem Bittersalze, das die Verbindung dieser Erde mit der Schwefelsaure ist. Setzt man nemlich zu der Auflösung dieses Salzes im Wasser kohlensaures Gewachsalkali, so verbindet sich durch eine doppelte Wahlverwandtschaft die Schwefelsäure des Bittersalzes mir dem Gewächsalkali zum schwefelsauren Gewächsalkali, und die Talkcrde des erstem mit der Kohlensäure des letztern, und schlägt sich also als kohlensaure Talkerde nieder. H. Z?o- Man löse zu dem Ende eine Quantität Bittersalz in vielem reinem Wasser durch Kochen auf, und gieße nach dem Durchseihen von einer noch warmen und klaren Lauge der gereinigten gewöhnlichen Pottasche so lange zu, als noch eine Fällung erfolgt. Man kocht hierauf das ganze Gemenge über dem Feuer nochmals eine Zeitlang auf, und gießt alles durch einen leinenen Spitzbeucel. Die zurückbleibende Erde kocht man nochmals von neuem mit vielem reinem Wasser, bringt sie wieder auf das Seihewerkzeug, und süßt sie so lauge mit heißem Wasser aus, bis sie ohne alle anklebende Salztheile des schwefelsauren Gewachsalkalis ist, und trocknet sie. Die getrocknete Erde ist weiß, locker und leicht, und geschmacklos. Sie ist aber noch nicht chemisch reine Talkerde, sondern enthält, wie gesagt, Kohlensäure, und dann auch noch Wasser, wovon man sie durch Glühen im Feuer befreyct. Man schüttet sie zu dein Ende in einen Schmelztiegel, bedeckt denselben gegen das Hineinfallen der Kohlen, und Erden. 247 erhalt sie darin so lange im Glühen, bis etwas davon herausgenommen, nicht mehr mit Sauren braust. Diese ihrer Kohlensaure und ihres Wassers beraubte Talkerde nennt man auch gebrannte 5Nagnes!e (lVIs^nellg csl- cinatg, ulks), und sie ist eigentlich nur als reine Talk- erde anzusehen. §- Z?r. Die gebrannte Talkcrde zeigt keine Aetzbarkeit und Scharfe, wie dieKalkcrde, und löst sich nicht, wie diese, im Wasser auf; erhitzt sich auch nicht damit. Sic saugt weit langsamer die Feuchtigkeit und Kohlensaure aus der Atmosphäre ein, als die gebrannte Kalkerde. Nach Hrn. Tmgr^'s Beobachtungen ist sie nach dem Calcini- ren phosphorescirend. Mit Wasser gicbt sie keinen zähen Teig. Die Alkalien lösen sie auf nassem Wege nicht auf. Auf die Lebenslust und das Stickgas hat sie keine Wirkimg. H. 372. Im Glühcfeuer verliert die Talkerde zwar alles ihr anhängende Wasser und die Kohlensäure; aber sie schmelzt nicht für sich aliein; und nur vor dem Löthrohre mit Lebenslust floß sie Herrn LLHrmann mit Mühe zu einer glasartigen Masse. Durch starkes Glühen im Fencr schwindet sie sehr; und wenn man die rohe Talkerde in einiger Menge calcinirt, so verfliegt im Anfange bey der Enrwickelung der Lufrsäure und des Wassers ein Theil derselben zugleich mir; aber nicht weil sie flüchtig ist, sondern weil sie wegen ihrer feinen Zcrtheilung mechanisch mit fortgerissen wird. Hcrr Göttlmg fand an der mit brennbaren Dingen einem starken und abhaltenden Feuer ausgesetzt gewesenen Talkerde eine schöne Crpstallisation auf der Oberfläche, Blätter und kleine Spieße, die mit sehr lebhaften Regenbogenfarben spielten. Mit der Kieselerde schmelzt sie in der gewöhnlichen Hitze nicht; wol O. 4 aber 248 IV. Abschnitt. aber mit der Kalkerde, und Herr Achard erhielt aus -Theilen der letztern und > Theile der crstern, ein gelbes, fencrschlagendcs Glas; auch mitKieselcrde und Kalkerde zusammen fließt sie, wenn die letztere im größer« Vor- haltniß zugesetzt worden ist. Die Alkalien wirken auf trockncm Wege nicht leicht auf die Bittcrsalzcrde; mit viermal so vielem fein gestoßenen grünen Glase vermengt giebr sie im Schmelzfeuer eine porzellanalznliche Masse, die mit dem Scahl Feuer schlägt. Ztckardj, oben (§. z66.) angeführte Schrift S. z8z. 441, Gorrling, in Grcn's Iomn. ver Ph^fl S. 21z. T h o n e r d e. §- Z7Z. Die Thsnerde oder Alaunerde (>Xr^Ng, 1>rrs srAiNsaen, nlaminiz, alaminsriz, "^) wacht einen Bestandrheil des Zhones und der Thonarten aus; und hat eben davon ihren Namen. Sie muß aber mit dem Thon selbst nicht verwechselt werden, worin sie zwar wesentlich enthalten, aber immer mit Kieselerde zugleich verbunden ist. Sie ist von den einfachen Erden bis jetzt die einzige, die man im reinen Zustande angetroffen hat. Sie findet sich als solche hier in Halle im Garten des Pädagogiums. Zu den Thonartcn rechnet man folgende mineralogisch - einfache Fossilien, von denen freylich manche eher zu den Kieselarten gebracht werden müßten. a. a. O. S. 6. ff.) 1) Reine Thoncrve. 2) Poi;cllancivc. (Thonerdc. Kieselerde.) Z) Gemeiner Thon. (Thonerdc. Kieselerde. Mit oder ohne Eisen.) g) Topfcrthon. b) Verhärteter Thon. c) Schicfcrthon. 4) Jaspw, Erden» 249 s) cgyptistber Jaspis. b) Zhandjassois. c) Gemeiner Jaspis, (0,20 Thon.; 0,75 Kiesel.; 0,0; Ei- sen. Rirrvan.) z) Opal, s) edler Opal. b) gemeiner Opal. (0,0025 Thon.; 0,9800Kiesel.; 0,0025 Eisen. Rlaprorh.) c) Halbopal. (0,01 Thon.; 0 ,89 Kiesel.; 0,0z Kalk.; 0,06 Eisen. Üivieglcb.) ä) Hostopal. 6) peckstein. (0,15 Thon.; 0,64Kies.; 0,05 Eisen, wiegleb.) 7) Feldspath, a) gemeiner Fcldspath. (o,zi — o,zo Thon.; 0,64 — 0,74 Kiesel.; 0,06Eisen. He)?er.) d) dichter. c) lbabradorstein. ä) Mondstein. 0,175 Thon.; 0,625 Kiesel.; 0,065 Kalk.; 0,060 Talk.; 0,020 Schwerspath; 0,140 Eisen. N2estrnmb.) x) Thonschicfer. (0,26 Thon.; 0,46 Kiesel.; 0,08 Talk.; 0,04 Kalk.; 0,14 Eisen. Rirrvan.) 9) Zörandstbicfcr. 10) 2llauncrdc. 11) 2llaunschicfer. 12) Alaunstein. (0 ,55 Thon.; 0,22 Kiesel.; 0,4z Schwefel. Dergman.) i z) Schwarbe Rreive. 14) Tripel. (0,07 Thon.; 0,90 Kiesel.; 0,0zEisen. Haast.) iZ) Glimmer. (0,46 Thon.; 0,40 Kiesel.; 0,05 Talk.; 0,09 Eisen. Zdcrgman.) 16) Chlorit, g) Sammtcrde. b) gemeiner Chlor. (o,o6Thon.; 0,41 Kiesel.; o,Z9Talk.; 0,01 Kalk.; o,ioEisen. Hopfner.) c) Chloritsclncfcr. Z?) Hornblende. 2) gemeine. (0,22 Thon.; o,z7 Kiesel.; 0,16 Talk.; o,o» Kalk.; 0,2z Eisen. Rirwan.) K) Hornblendesthiefer. Q. 5 0) 250 IV. Abschnitt. c) s.abradorische-Hornblende. (0 ,2z Thon.; 0,5: Kiesel.; 0,06Talk.; 0,07Kalk.; 0,17Eisen. Hc)-er.) ä) Basaltische -Hornblende. (0,27 Thon.; 0,58 Kiesel.; o,oi Talk.; 0,09 Eisen. Bergman.) iL) "Wackc. (0,14 Thon.; c>,6z Kiesel.; 0,07 Kalk.; 0,16 Eisen. lViihermg.) 19) Basale. (0,15 Thon.; o,;oKics.; 0,02 Talk.; 0,08 Kalk.; 0,25 Eisen. Bergman.) 20) A.ava. (0,22 Thon.; 0,69 Kiesel.; 0,^9 Eisen. Bcrgm.) 21) Elmstein. (0 ,82 Thon.; 0,11 Kiesel.; 0,04 Kalk.; 0,01 Eisen. Achard.) 22) Grünerdc. 23) Steinmark, ->) ^erreibliches Stcinmark. b) verhärtetes Srcmmark. 24) Bergseife. 25) Gelberde. Sonst verschafft man sich auch die Thonerde aus dem Alaun, worin sie mit der Schwefelsaure verbunden ist, und aus dessen Auflösung im Wasser man sie durch Alkalien auf eine ahnliche Art fallet, als vorher bey der Talkerde aus dem Bittersalze (Z. 370.) angegeben worden ist. Indessen halt es schwer, sie hierbei) frey von Schwefelsaure zu bekommen. Uebrigens hat die Thoncrde eben daher auch den Namen der Alaunerde erhalten (H. 373.). Reinigung der Thonerde ans dem Alaun von der anhangenden Vitriolsäure; in Richter's Abhandl. über die neueren Gegenstände der Chemie, St. II. S. izo. ff. Die aus der Auflösung in Sauren, oder aus dkm Alaun niedergeschlagene Thonerde ist, so lange sie noch nicht trocken geworden ist, ungemein fein, schlüpfrig, und von gallertartigem Ansehen; und daher rührt auch ihr langsames Setzen. Beym Austrocknen zieht sie sich sehr zusammen; und wenn jenes nicht in starker Hitze §- Z75- Erden. 251 geschehen war, so erhalt sie durchs Wasser, das sie stark in sich nimmt, und womit man sie zusammenrührt, eine gewisse Zähigkeit und Schlüpfrigkeit wieder, welches die vorher angeführten Erden nicht thun. Z?6. Die Thonerde läßt sich zwar in dem Wasser höchst fein zerthcilen, aber sie löst sich nicht eigentlich darin auf. Mit der Kohlensaure steht sie in keiner Verwandtschaft, und zieht daher auch aus der Atmosphäre keine Kohlensäure an. §- 377- Wenn man die noch nicht völlig ausgetrocknete Thonerdeins Feuer bringt, so bekömmt sie Risse, und springt umher, wegen der eingeschlossenen Wassertheile, die schnell erpandirt werden. Durch ganz allmähliges Austrocknen kann man dies verhüten; sie schwinder aber ganz außerordentlich stark im Feuer, backt zusammen und wird hart, daß sie sogar mit dem Stahl Feuer giebt. Sie verliert alle ihre vorige Schlüpfrigkeit und Zähigkeit, und läßt sich auch nicht wieder mit dem Wasser erweichen, wegen der verengerten Zwischenräume und des nunmehr fcstgewordcnen Zusammenhanges der Thcilchen. Durch Auflösen in Säuren und Niederschlagen mit Alkalien erlangt sie aber ihre vorige Beschaffenheit wieder. H. 378. Die im Feuer gebrannte Thonerde zeigt nicht eine Spur von der Aetzbarkeit, welche der gebrannte Kalk besitzt. Frisch niedergeschlagene und ausgesüßte Thonerde verbindet sich nach Scheele mit der im Wasser aufgelösten Kalkerde so, daß sie zum Kalkwasscr gemischt, dieses von allem Kalke befreyet, tind damit zusammen niederfällt. Scheele 252 IV. Abschnitt. Scheele Versuche und Anmerkungen über den Kiesel, Thon und Alaun; auu Ven schwev.Abhandlungen, B. zg. S. z o. ff. übersetzt in Crclls neuesten lLntdcck. Th. z.S. 174. §- 379- Noch hatHerr Macqncr an der frischniedergeschla- ! genen Thoncrde die merkwürdige Eigenschaft wahrge- nommen, daß sie sich in den Alkalien, sowol in den feuerbeständigen, als flüchtigen, in ziemlicher Menge auf nassem Wege auflöst, zumal wenn die Auflösung nicht ! mit zu vielem Wasser gemacht worden ist und durch ! Warme unterstützt wird. Frisch gefällte und ausgesüßte, - aber noch feuchte, Thonerde löst sich in einem Glaskolben in der über gelindem Feuer erwärmten Lauge des reinen Gewächsalkali auf, und zergeht, wie Wachs in heißem ^ Del. Die klare Auflösung schießt bcy vorsichtigem Ab- > dunsten in an einander gereihten Rhomben an. Herr Alaprorh empfiehlt daher die Lauge des ätzenden fener- l bestandigen Alkalis als ein Mittel zur Trennung der Thonerde von der Talkerde und dem Eiscnkalk. Die Sauren zerlegen diese Verbindung, weil das Alkali auf nassem Wege naher mit ihnen verwandt ist. Macquers Wörterbuch, Th. II. S. 178. Rlaproch, m Lrclls Annaicn 1790. V. II. S- ff- §. z8o. Im gewöhnlichen Feuer schmelzt die Thoncrde für sich allein nicht; nur in der größten Hitze vor dem Loch- ! rohr mit Lebenslust floß sie nach Herrn Ehrmantt hartnäckig zu einein weißen milchfarbenen Kügelchcn. Selbst die feuerbeständigen Alkalien bringen sie in der Hitze nach Acharv nicht zum Fließen; nach Echrmami auch nicht einmal vor dem Löthrohr. Wenn sene in hinlänglicher Menge, z. B. 4 Theile gegen 1 Theil Alaunerde, zugesetzt worden sind, so löst sie sich nachher im Was- Erde n. 255 Wasser auf, wie die Kieselerde in der Kieselfeuchtigkeit. Wenn viel Kieselerde mit der Thonerde verbunden wird, so schmelzt diese durch Hülfe der Alkalien mit zu Glase. Weder mit der Kieselerde allein, noch mit der Talkerde, fliest sie im Feuer, wol aber mit der Kalkerde; und Herr Achard erhielt aus z Theilcn der letztern mir einem Thei- le Thoncrde ein gelbgrüniiches, feucrschlagcndes Glaö. Deswegen fand Herr Gerhard die Thonerde auch in einem Kreidcntiegel, aber nicht im Thontiegel schmelzbar. Durch Hülfe der Kalkerde fließt die Thonerde auch mit der Taikerde und der Kieselerde leicht zu einem Glase oder zu einer glasahnlichcn Masse. Aclia, ? ci. a. O., und vesien Versuche über die Wirkung des Feuers auf die in verschiedenen Verhaltnissen mit Alaun- und Btttersalzerte vermischte Kalkerde; clx'nvasi S.440. ükbcn-- vers. über die Verglasung der mit den Salzen in verschiedenen und bekannten Verhältnissen vermischten Alaunerde; cbcnvafl S. 400. H. ZLr. Die Thonerde ist diesemnach eine eigene, von den andern völlig verschiedene, Erde, die wir so lange für einfach halten, bis uns jemand ihre ungleichartigen Be- staudthckle darthut. Vor nicht sehr langer Zeit glaubte mau noch, nach Saume, daß die Thouerde eine modi- sicirte Kieselerde und daraus entsprungen wäre, und berufte sich darauf, daß, wenn man diese aus der Kieselfeuchtigkeit (H. Z5Z.) niederschlüge, aussüßle, und noch vor dem Austrocknen eine Saure zusetzte, solche den Niederschlag auflöse, und dann dasjenige Mittelsalz damit liefere, welches sonst aus Thonerde und der angewandten Saure entspringe. Allein Herr Scheele, Nllcycr und Wiegle!? haben durch genaue Versuche dargethan, daß das auf solche Art entstehende thonerdigte Mittelsalz keineswegeS von der Kieselerde entstanden, sondern entweder von der, bey der Verfertigung des Gemisches zur Kis- 2)4 IV. Abschnitt. Kieselfeuchtigkeic im Schmelzen durchs Alkali aufgelösten, Thonerde der dazu gebrauchten irdenen Tiegel, oder von der den Kieselarten immer beygemischten, und durch Ab kalicn mit aufgelösten, Thonerde herrühre; daß daher auch nur ein Antheil des Niederschlages aus der Kiesel- fenchtigkeit, und keincöweges die ganze Menge in den Sauren sich auflöten lasse. Ganz reine Kieselerde gab daher auch Herrn Scheele durchs Schmelzen mit reinem Alkali in einem eisernen Tiegel, und durchs Auflösen zu einer Kieselfeuchtigkeit, nach dem Niederschlagen mit einer Saure nichts von Thonerde; welches aber freylich gemeine Kieselerde, Feuersteine, wenn sie auch in einem eisernen Tiegel mit Laugensalz geschmolzen werden, thun, da sie allemal etwas Thonerde in sich haben. Und selbst der Bcrgcrystall, den man sonst wol für ganz reine Kieselerde ansieht, hat nach Herrn VVwglcbs und Scrg, mans Untersuchung etwas Thon-und Kalkerde. Kein Wunder also, wenn die daraus bereitete Kieselfcuchtig- keic mit Saure einen Niederschlag giebt, der Thonerde enthalt. Dcmohngeachtet hat neuerlich Herr Starr Vaumos Sah von der Verwandlung der Kieselerde wieder behauptet. Seine Versuche sind aber nicht entscheidend, und Herr VOesirumb konnte auch bcy wiederholter Schmelzung der reinen Kieselerde, die aus der Kieselfeuchtigkeit gefallt worden war, mit feuerbeständigen Alkalien keine Thonerde daraus machen. Bcy Anstellung dieser Versuche ist übrigens das reinste Laugensalz anzuwenden, (das sonst wol selbst Thonerde aufgelöst enthalten- kann,) (H. z?. n lzrlquetler, pll!.- äu //.??»-/, et I I'-iis 176?. kol. üdcojoyc im VII. Ä.' ocs Sckauplaye?. vor Künste nnv Handwerler, S. iZ7-; Le.ri ro-chkie.V Anweisung, wie Zisgeihütten einzurichten; ederwasi B. VII. S. 145.; Beckmanns Technologie, S. 244. §- 386. Den gemeinen Thon braucht man ferner zu dem ge» meinen Topferzeuge oder den ^äffnerarbeiren. Es werden nach gehöriger Vorbereitung des Thones durch' Schlemmen und Treten, die Gefäße auf der Scheibe gebildet, in der Luft langsam getrocknet, die leichtflüssige Glasur aus Bleykalken und die Farben aufgetragen, (von deren Beschaffenheit erst bey den Metallen wird gehandelt werden,) und dann in dein Töpfcrofen gebrannt. Reinere Thonarten geben auch besseres Töpfcr- zeug,. als unreinere, die man oft nicht starr brennen darf, um sie nicht zum Fließen zu bringen. Die fehlerhafte Beschaffenheit des gewöhnlichen Töpferzeuges liegt in dem schlechten Brennen auch des feuerfesten Thoncü, und in der gar zu dünnen Glasur, durch deren Zwischenräume salzigte Auflösungen gar zu leicht durchdringen. Beckmanns Technologie, S. 251. Die ziemlich reinen und daher unschmelzbaren Thonarten sind ferner geschickt, in der gehörigen Versetzung mit Sand, zu Schmelzgcfäßen, wie zu Schmclztie- geln. Probiertuten, Muffeln, Cementirbüchsen, verarbeitet und gebrannt zu werden (H. 121. 125.); oder auch in Versetzung mir Reißbley zu den Jpsertiegcln (§. 124.) Erden. 259 (H. 124.). Der reinere ungefärbte Thon wird auch zur Verfertigung der Tobackspfeifen gebraucht. Potts und Schomvalvs oben (ß. 12z.) angeführte Abhandl.; Mönchs Nachricht von den hessischen Tiegeln; in Beckmanns Beitrage ?ue okonom. Technologie, Th. V. S. 290.; Beckmanns Tcchnol. S. 264. und 2S7.; t.'srt tbirs >kes pixes a tabae, pgr ldl. ct« «le Mvttcesu, a Vieris 1771. toi. Das Töpferzeug, welches aus einem reiner« und feiner« Thone gebrannt, mit einer bessern Glasur überzogen, und mit feincrn Farben bcmahlt ist, giebt die Fayence oder das unachre psrzellair. Der Thon wird dazu erst vorher durch Schlemmen gehörig gereinigt, geknetet, und wenn er fett ist, auch wol noch mit ganz feinem Sande vermengt, damit er hernach bcpm Brennen nicht zu sehr schwindet. Die daraus aus frcyer Hand, oder auf der Scheibe, oder in Formen gebildeten Gefäße werden langsam ausgetrocknet, und zum crstenmale schwach gebrannt, so daß sie hernach noch Wasser leicht einsaugen können. Man giebt ihnen hierauf die Glasur welches ein weißes, aus metallischen Kalken und Kieselerde bestehendes Schmelzwerk, leichtflüssig und undurchsichtig ist, so daß die darunter liegende Erde nicht durchscheinen kann. Man kann dazu r Theil Sand, H Thcil feuerbeständiges laugcnsalz, 2 Theile Bleykalk und ^ des Ganzen an Zinukalk nehmen, nach Boss D'AiM'c ioo— 1 ,c> Pfund feinen Sand, 20—zo Pf.Küchen- salz oder Glasgalle, 100 Pf. zinnhaltigen Bleykalk, der zur gemeinen Fayence aus 7 Theilen Bley und 1 Theile Zinn, zur feinern aus 4 Theilen Bley und 1 Theil Zinn bestehet. 'Aus dem Sande und Salze wird erst eine Fritte bereitet; und diese mit den metallischen Kalken, deren Bereitung im Folgenden vorgetragen werden wird, zusammcngcrieben, geschmolzen, und das Glas hernach H. Z88. R s fein fein gepocht und gemahlen. Dies zart geriebene Glas wird mit Wasser verdünnt, und in selbigem durch Umschütteln vertheilt. Die schwach gebrannten Gefäße werden nun in dieses Gemenge geraucht; sie saugen das Wasser in sich, und das Schmelzwerk bleibt auf ihrer Oberflache sitzen. Sie werden hierauf, wenn man es nöthig findet, mit den gehörigen Farben (die auch nur aus metallischen Kalken und schmelzbarem Glase bestehen können,) bemalt, völlig ausgetrocknet, und in irdenen Kapseln (Casettcn, Kocker) in dem Ofen zum zweptenmale in einer Hitze gebrannt, welche hinlänglich ist, das Schmelzwerk oder die Glasur in einen gleichförmigen Fluß zu bringen, wobey zugleich die darunter liegende Thonerdc vollends gut brennt. I. -H. Gottl. von Jusii von den Materien zu dem unächten Porzellan; in seinen ck^misibcn Schriften, B. I. S. Z21,; Vosc D'Antic oeuvr. Ichm. I. S. 2;8. ff.; Beckmanns Technologie, S. 258. §. Z8y. Das eigentliche Steingut oder Steinpsrzellän wird aus einem Thone gebrannt, der für sich allein oder durch Zusätze im starken Feuer dahin gebracht werden kann, daß er zusammensintert, aber nicht verglast oder in Fluß kommt; und nicht sowol mit einer eigentlichen Glasur überzogen, als nur dadurch obenauf glänzend gemacht, daß man beym Brennen dieses Steinporzellans Salz in den Ofen wirft, dessen Dämpfe auf der Oberflache des Thons eine Art Von Verglasung bewirken. Das englische weiße Steingut wird aus einem weißen, geschlemmten, getrockneten und fein gesiebten Pfeifen- thone bereitet, den man mit Wasser zu einem dünnen Brey anrührt und mit dem fünften Theile, dem Maaße nach, gebrannten, gemahlenen und fein gesiebten Feuersteinen genau vermischt, in einem eignen Behaltniß über dem Feuer unter beständigem Umrühren vom Überflüsse gen Erden. 261 gen Wasser wieder befteyet, wenn er die gehörige Consi- stcnz hat, durchkneter, zu Gefäßen bildet, an der Luft trocknet, und in eignen durchlöcherten Kapseln brennt, wobey man wahrend dem Brennen Kochsalz in den Ofen wirft, und dadurch dem Gefäße obenauf die Glasur gicbt. Dies Steingut verträgt Abwechselung von Hitze und Kältein ziemlichen Graden, und ist unschmelzbar. Der Zusah von Kieselerde dient dabey, der Waare mehr Festigkeit zu geben, daß sie wahrend dem Brennen ihre Gestalt behält. Das französische Steingut wird aus einem weißen Thone bereitet, dem ein guter Theil feiner, weißer Sandtheilchen beygemischt ist. Sonst kann man auch den feuerfesten Thon durch Zusähe von Mergel, Flußspath, Kreide u. dergl., im gehörigen Verhaltnisse mit Sande oder Kieselerde verseht, zur Anwendung zum Stcinporzellän geschickt machen. Das gelbe Steingut wird aus eben den Materien wie das weiße gebrannt, nur daß man weniger Kieselerde dazu nimmt, und nach dem Brennen mit einer schwefelgelben Glasur überzogen, auch wol noch mit Farben bemalt, und dann noch einmal in den Ofen gesetzt. Durch Zusähe von Braunstein kann auch die ganze Masse des Steinguts braun (braunes Gut), und durch Rauch von grünem Holze bey dem Brennen auf der Oberfläche schwarz gefärbt werden. Vieles in Deutschland verkäufliches gelbes und weißgelbes Töpferzcug wird für Steingut ausgegeben; und ist doch nur Fayence, wie der Bruch gleich zu erkennen giebt. Unser gemeines Steingut wird aus einem schlechten, nicht so weißen Thone verfertiget, der durch seine fremdartige Theilc zur anfangenden halben Verglasung geschickt ist, sonst aber mich aus feuerfestem Thone und Sand mit einem Zusähe von Kalk bereitet. potier äu, teere, par kch. ct» t/amc/ cte /kkoncea», ä ?sr!s 177z. toi. Beckmanns Technologie, S. 261.; Gmelms technische Chemie, S. 14z. ff. R z §. 390. IV. Abschnitt §. Zyo- Unter dem wahren Porzellan versieht man das schönste Töpferzeug, das im heftigsten Ofenfeuer unschmelzbar, vollkommen weiß, hart, nicht so spröde, wie Glas ist, Abwechselung von Hitze und Kälte verträgt, auf dem Bruche fein, dicht und matt, zwar glatt, aber nicht glastgt, klingend, und von einer eigenthümlichen Durchscheinbarkcit ist. Glasur, Maleret), Bildung gehören zur Schönheit, nicht zur Güte des Porzellans. H. 391. Das ächte Porzellan ist schon seit undenklichen Zell i ten in Japan und China verferriget worden, und wurde in Europa bekannt, seitdem die Portugiesen den Handel nach Ostindien anfingen. Ein Deutscher Js, Fr. Bot, ticUer, erfand in Europa die wichtige Kunst, das Porzellan zu machen, bey alchcmistischen Untersuchungen, l und verfertigte im Jahr 1706. zuerst ein rothes Porzellan. Das erste weiße Porzellan, zu dessen Verbesserung Herr von Tscblrnhau>e,l sehr viel bcytrug, ward 1709. gemacht, und im folgenden Jahre wurde die Porzellan- ! fabrik zu Meißen angelegt. Die dazu erforderlichen Erdarten und Gemenge wurden aber, wie noch setzt, in allen Fabriken geheim gehalten. Herr von Reaumur, der in den Jahren 1727. und 1729. seine Untersuchungen über die Natur des Porzellans bekannt machte, war so glücklich, das Hauptsächlichste, worauf es bey der Bereitung desselben ankömmt, zu entdecken, und die ersten richtigen Begriffe davon mitzutheilcn. Er lehrte uns zuerst den wichtigen Satz, daß die Materie, woraus wahres Porzellan verfertiget werde, eine solche seyn müßte, die beym Brennen in den ersten Anfang der Vcrglasuug übergehe, daß darin das Wesentliche des Unterschiedes zwischen Glas und Porzellan bestehe, daß es überhaupt zweyerley Hauptarten von Porzellan gebe, entweder sol- Erde n. ches, das aus Materien verfertiget sey, die in der Hitze feiner höhern Stufe, als der anfangenden Verglasung fähig sind , oder solches, das zwar ganz veralasbar ist, abcr^ durch Mäßigung der Hitze in der Verglasnng aufgehalten worden ist; und daß man endlich durch den Zusah unschmelzbarer Dinge das letztere in wahres unvcrglas- bares Porzellan verwandeln könne. Seit dieser Zeit sind auch in meistern landern Porzellanfabrikcn mit dem glücklichsten Erfolge angelegt worden. Fsnerüls äe5 cilskerente« Müriieoes, ckcmt anbeut kslee In porcr!d-!ne, et quelle« kout lez veritzhtes inatieres eis celte els ta Limine, pae ülr. cee in vcn cVtc/n. ile i'ncsci. ck-/c. cie h'ai'h- 1727. S. 185.; übers» in ckrclla neuem chcin. Archiv, V. III. S. 140.; Seeons t8lemo!ee, per le ?/<-?,-ir, cbcnbas» Hahr 1729. S. Z2).;. überheizt cbcnvas. S. 168, §- 39 2. Es können also mehrere Gemenge von Erden Key dem Brennen ein wahres Porzellan geben, und die Porzellane der verschiedenen Gegenden find auch wirklich selbst von einander in der Mischung verschieden. Die Grundlage alles wahren Porzellans ist aber wol Thon, der sich vollkommen weiß brennt, lind entweder wegen beygcmcngter Thcile, oder durch Zusätze fähig ist, im Fclier bcym Brennen nur die anfangende Verglasnng, die zum Porzcllän nöthig ist, anzunehmen., Die Chineser bereiten ihr Porzellan aus zwei) verschiedenen Stoffen, Kaolin und pcmmse, wovon jenes eine fetre Thonart seyn soll, dieses aber nach Schesser wahrscheinlich ein Schwcrspath ist. Sonst kann man auch durch Zusatz von Feldspats) oder Gyps dem unschmelzbaren Thone die anfangende Verglasung geben.. Kalk würde die Masse zu blasig machen. Reamnnr a. a, O,; Was PetuiNse ist, entdeckt von -H. Th» Schcffer, in bcn schweb. Abbaus!. 17 5 z. B. XV. S. 22z.; N 4 kklü. 264 IV. Abschnitt. Hill. 6e Ig äscouverts fgite erl ?rgr>ce 6e mutlöve iem- dladls a celles, äour Ig pc?rce!Ig!ne äs Ig (äliine ettcom- pnles, lue g I'iNsmIzies pudl. äe I'acgä. ro).'. >7^5. —. , zzgv kl. ci> g ?aris 1770. 4.; Odterv. lur Isz rn^moirss äs Klr. cvn?ernan" Ig porcellams, g pgris >766. 12.; tNacqncrs Wörterbuch, Th. IV. Art. PorMän. §- ZYZ- Zur Bereitung des wahren Porzellans wird also ein reiner, unschmelzbarer, sich weiß brennender Thon, den man auch Porzellanerde nennt, gewählt, aussortirt, sorgfaltig geschlemmt, und wieder getrocknet. Weil aber diese Thone im Feuer bepm Brennen sehr schwinden, und die daraus gebildete Gefäße ihre Gestalt nicht behalten würden; so wird er mit der nöthigen Menge Kieselerde versetzt. Man wählt dazu ganz reinen Quarzsand, oder andere reine Quarz- und Kieselartcn, die vorher durch Glühen und Ablöschen mürbe gemacht, gepocht, gemch ! len und fein gesiebt werden. Der Thon und die Kieselerde würden aber in Verbindung mit einander noch nicht die zum Porzellän nöchige ansangende Verglasung im Feuer annehmen. Man setzt ihnen also noch das Mittel zu, welches dies bewirkt, Feldspath oder GopS (§. zya.), die man ebenfalls vorher nach dem Brennen fem gemahlen und gesiebt, und überhaupt in der erforderlichen Rci- uigkcit ausgesucht hat. Auch soll man gestoßene und gemahlene Porzellänscherben mit dazu anwenden. Alles dies wird nun mit dem feingesicbten Thone und der Kieselerde aufs beste vermengt. Das Verhältniß derTheile unter einander richtet sich nach der Beschaffenheit des Thons und der übrigen Materialien, und wird gewöhnlich geheimgehalten. Die mit Wasser zu einem Teige angemachte Masse wird gehörig durchknetet, auch wol noch mit einer eigenen geheimgehaltenen Beitze benetzt, und muß gewöhnlich Jahre lang liegen, wodurch sie besser, geschmeidiger und weicher werden soll. §° Z?4. Erden. 265 H. ZY4. Die aus dieser Masse gebildeten Gefäße und Sachen werden an der Luft völlig ausgetrocknet, wieder ab- gedrehct, um sie auf der Oberfläche feiner zumachen, und hierauf in Kapseln von feuerfestem weißen Thone maßig gebrannt, um ihnen einige Festigkeit zu geben. Diese, noch unglasurte, rauhe Waare heißt lZikcuit. Zur Glasur derselben bedient man sich eines leichtflüssiger» Gemisches von Erdarten, wie z. B. eines Gemenges von Quarz oder Hornfelsstcin, Porzellanscherben und Gyps, die aber frcylich rein und also eine ungefärbte, vollkommen weiße Glasur geben müssen. Diese Stoffe werben jedes erst für sich fein gemahlen, dann aufs genaueste vermengt, und mit einander geschmolzen. Die daraus entstehende Crystallmasse wird auf besondern Mühlen zart gemahlen, und mit einer hinreichenden Menge Wasser angefeuchtet, so daß sie die Consistenz eines dünnflüssigen Milchrahms erhält. Hierin wird die rauhe Waare getaucht, wo sich die Glasurmasse allenthalben auf der Oberflache gleichförmig ansaugt. Nach dem Trock'cnwerden bringt man sie wieder von neuem in die Kapseln oder Casettcn, auf Sand, und brennt sie in der starken Hitze des porzellänofens völlig aus. Man laßt das Feuer ausgehen, wenn man an den Probestücken erkennt, daß das Porzellan völlig gut gebrannt sey. Die Stücke, welche weiß bleiben sollen, sind nun fertig, und werden von dem unten daran hängenden Sande durch Schleifen befreyet. Gewöhnlich wird übrigens auch noch das Porzellan mit feinen Malercyen versehen, die auch aus verglaslichen metallischen Kalken bestehen, und eben dieselben sind, wie bcy der Malercy auf Schmelzwerk Z48.), wovon erst im Folgenden noch mehreres vorkommen kann. Diese Farben werden auf die Glasur aufgetragen, und die Stücke nochmals besonders in einer geringer» Hitze gebrannt, welche bloß vermögend ist, das R 5 leicht- 266 IV. Abschnitt. leichtflüssigere Schmelzwcrk der Farben in Fluß zu bringen. cle la pvocelwine, xsr Ivlr. I? l7n?»re stc AM/,,, a Paris i77i.foI.; Die Kunst, das ächte Porzellän zu ucrfttti- geu, von dem Herrn Grafen 5ou übersetzt mir An.- iuerk. von Dan. Gemfr. Scbrcbcr, Königsberg und Leipzig 1774. 4.; Dockmannn Technologie, S. 271.; LNacgucrs Wörterbuch, a. a. O.; Gmelin's techn!schcCI)cmie,S. izz. §- 395- Hieher gehört noch das rcauumnschc Porzellan, das durch eine Art von Emglajung aus Glas verfertiget werden kann. Wenn man nemlich Glas, am besten hartes und grünes, in einem Gefäße von fenerftstcm Thonc mit gebranntem Gypsc, oder Sande, oder mir einem Gemenge von beiden, oder mit ausgelaugter 'Asche, oder mit weißem Pfcifeuthone, oder mit gebrannteil Knochen, oder mit Kalk, (wenn alle diese Stoffe zart abgerieben sind,) umschüttet, das Gefäß genau verschließt, und dann einer solchen Hitze nach und nach aussetzt, daß das Glas durchaus glühet, uud nachdem es eine Zeitlang roth geglühet hat, weiß glühet, so findet man alsdann das Glas in eine Art Porzellan verwandelt. Es hat, wenn es gut gcrathen ist, seine vorige Durchsichtigkeit verloren, ist durch und durch weißlich und auf dem Bruche fadig, übertrifft das Glas an Harte, schlägt mit dem Stahle Feuer, schneidet in Glas, widersteht der Feile, verträgt Abwechselung von Hitze und Kalte, und ist weit schwerer zu schmelzen als Glas. §> 396. Nach L.cwis Versuchen erfährt das Glas diese Veränderung nicht, wenn die Erhitzung das Glühen noch nicht erreicht; bey mäßigem Glühen erfolgt sie langsam, und bey starkem Glühen auch an dickem Glase in einigen Stnn- Erden. 267 Stunden. Bloßes Nachglühen ist auch nicht hinreichend. Durch gar zu heftiges und anhaltendes Glühen wird oaS Glasporzellan endlich im Bruche körnig, ja endlich löcherig und zerrciblich. Auch nicht jede Art von Glas ist zu dieser Verwandlung in Porzellan geschickt. Gemeines grünes Flaschen-und Fensterglas, zumal das harte, ist das tauglichste dazu. Auf der Oberflache wird dies Porzellan nie schön weiß; und die verschiedenen cementiren- den Substanzen veranlassen hierin selbst beträchtliche Un- terschiede. 397- Man hat den Grund dieser Verwandlung des Glases theils in einer betretenden Schwefelsaure, theils in der Kalkerde des Gypses gesucht, den man zum Umschütten des Glases braucht, theils auch wol im brcnnbaren Wesen, das sich dem Glase beymischen soll. Allein diese Meinungen können nicht statthaben, da auch andere Dinge zu Bereitung dieses Porzellans angewendet werden können , in welchen man diese Stoffe nicht findet (H- 395-)- Es ist vielmehr aus allen Umstanden wahrscheinlich, daß das Glas einen Theil seines Alkalis ausschwitze, und die Kieselerde also dadurch ihre glasigte Beschaffenheit verliere; daß also die ccmentircnden Pulver nur dazu dienen, um die Gestalt des zu entglasenden Körpers zu erhalten, zumal da crdigte und andere Glaser, welche ohne allen Zusatz von feuerbeständigen Alkalien verfertiget worden sind, so wie auch solche, welche zu viel Alkali in ihrer Mischung haben, diese Veränderung nicht erfahren. /ut äe kau-e uns uouvelle etx^ce cls?orsells!us per äes- Mosens exnLiueiueut llmples et t'ssilss, »u lls trsuskormsr le verrs äu porLsilsius, g?.r ctc in vcil Mc?». cle ckc- /c. ctc igz^». S. Z70.; übcrscyt im -Hamburg, tk-agaun, B. II. S. 6z., uns in Lrells neuem chem. Archw, V. III. S. a6z. vvuh. K.ewis 2 68 IV. Abschnitt. F.ewis Versuche von der Verwandlung gläserner Geschirre in Porcellän, überseyt im ll. Zl>. ves gcinciunüy. Narur-- unv Ivunst- Magazins, S. 46;. tla/c O in seinen Oeeeiu'er, B. II. S. 117. S ch tv e r e r d e. §- Z9L- Die Schwererde (Larstsz, Derrg pnnclsrcisz, wird nicht im reinen Zustande in der Natur angetroffen. Gahn und Scheele haben zuerst ihre Eigentümlichkeit und ihren Unterschied vonderKalk- erdc bewiesen. <5. V?. Scheele vom Braunstein und dessen Eigenschaften; ans vcn schwer«. Adhanvl. Vol. XXXV. I. 1774. S. 89. ff. 177. kff ; uberseyr in Crclls neuesten Emtvcck. Th. 1. S. 112. ff. 140. ff. Scheffers chem. Vorlest h. 167. Anmerk. Scheele von A.uft und Feuer, §. 95. Die Schwererde wird in der Natur nur in Verbindung mit Roklcnsaurc oder mit Schwefelsaure gefunden; diese natürliche Verbindungen werden erst in der Folge bey dieser Säure bemerkt werden. §> Zyy- Um sich die reine Schwererde zu verschaffen, nimmt man ganz reinen und weißen Schwerspath (der die Verbindung der Schwefelsaure mit der Schwcrerde ist), pulvert ihn sehr fein, und vermengt ihn aufs sorgfaltigste mit drey Theilen gewöhnlichem (kohlensauren) gereinigten Pottaschenalkali. Man schüttet das Gemenge >in einen hessischen Schmelztiegel, deckt einen größern darüber her, und laßt ihn in einem gut ziehenden Windofen einige Stunden lang hell kirschroth glühen. Nach dem Erkalten nimmt man die zusammengebackene Masse heraus, reibt sie fein, kocht das Pulver mir destillirtem Wasser, süßt den Rückstand so lange mit kochendem destillirtem Wasser aus, bis dies keine Saljigkeir mehr durch gehörige - Erden. 269 rige reagireicke Drittel zu erkennen giebt, und trocknet es. Bey diesem Prozeß verbindet sich die Schwefelsäure des Schwerspaths mit dem im Uebermaaß zugesetzten Gewachsalkali, während die Kohlensäure des letztern sich mit der Schwercrde des erstcrn vereinigt, und bey dem nachherigcn Auslaugen von den salzigtcn Theilen befreyt wird. Die zurückbleibende Schwererde ist nun noch nicht rein, sondern sie enthält Kohlensäure, und ist auch noch mit einem Antheile unzerlegtem Schwersparh verbunden, der der Wirkung des Alkali entging. Um sie vom letztern zu befreyen, löst man sie in reiner Salzsäure auf, woben der Schwersparh zurückbleibt. Die siltrirte Auflösung ist nun salzsaure Schwcrerde; da sie aber noch einige metallische Thcile enthalten könnte, die ein Begleiter des Schwerspaths sind, z.B. Eisen, so kann man dies nach Hrn. VOcstrumbs Angabe dadurch scheiden, daß man die salzsaure Schwererde-Auflösung in einer porzelläncncn Schaale bey gelindem Feuer eintrocknet, und das rückständige Salz in einem reinen Tiegel so lange dem Glühefeuer ausstellt, bis kein Rauch mehr von der Materie aufsteigt. Die rückständige salzsaurc Schwererde löst man wieder in reinem destillirtem Wasser auf, seihet die Auslösung klar durch, und fället sie durch ganz reines kohlensaures Gcwächsalkali. Die niedergeschlagene kohlensaure Schwcrerde süßt man mit reinem Wasser sorgfältig aus. Die erhaltene Erde enthält nur bloß noch Kohlensäure, wovon man sie durch anhaltendes Glühen, wie die Kalkerde (§. 356.), befreyen kann. Von der Bereitung einer ganz reinen Schwererde, von Herrn Upcstrumd; in Lrells chemischen Annalen 1792. B. I. S. Z90. ff- §. 400. Die reine Schwererde ist weiß, fein, und zeigt einigen, wiewol nur schwachen, Geschmack. Sie löst sich im 2 70 IV. Abschnitt. im Wasser auf, wicwol in geringer Menge, und erfor- dert davon an yoo Thcile. Diese Auflösung in Wasser reagirtaufPflanzenfarbcn, wie das Kalkwasser (§. z z g.), zieht aus der tust wieder Kohlensaure an, und die da- ^ durch entstandene kohlensaure Schwercrde fallt daraus nieder, nachdem sie vorher auf der Oberfläche des Was- ! sers ein Häutchen gebildet hat. Die Schwererde saugt indessen die Kohlensaure aus der Luft langsamer und in geringerer Menge ein, als die Kalkerde. §. Das brennbare Wesen, die Lebensluft, das Stickgas, wirken nicht auf die reine Schwercrde. Die reinen Alkalien lösen sie auf nassem Wege nicht auf. §. 402. Im gewöhnlichen Ofenfeuer ist sie für sich nicht schmelzbar. Nach Herrn D'Arcet fließt sie bey einem sehr heftigen Feuer im Thontiegel. Vor dem Löthrohre mit dephlogistisirter Luft fließt sie nach Geyer und EiM mann leicht. Die Wirkungen der feuerbeständigen Laugensalze und der übrigen Erden auf die Schwererde im Schmclzfeuer sind noch nicht gehörig geprüft. Z i r k 0 n e r d e. §- 40 z. Die Zl'rkonerde (Liroorna, c's ist erst vor einigen Jahren von Herrn ^xlaprorh als eine cigcnthümsiche Erde in den Zwilonett entdeckt, bis seht aber noch nicht viel in ihrem Verhalten gegen andere Körper erforscht worden. Sie ist in den Sauren auflösbar, aber mit der Kohlensäure nicht verwandt; m den Alkalien ist sie auf nassem Wege durch Hülfe der War- Erde n. 271 Warme nicht auflösbar. Durch das crsterc Kennzeichen unterscheider sie sich von der Kieselerde; durch das zweyte von der Kalkerde, Talkerde und Schwererde; und durch das dritte von der Thoncrde. Vor dem löthrohre wurde sie von dem Mineraialkali nicht aufgelöst, mit dem Bo- raxe floß sie aber zu einer auch nach dem Erkalten völlig klaren nnd ungefärbten Perle. Chemische Untersuchung des Zirkons, vom Herr» Rlaproch; in den Beobachtungen unv tchluveckungen aus Vor kTla- lurkunve von der Gesellschaft natursorschcnvcr Freunve 5» Berlin, V. lll. 1789. S. 147. ff. Die oird'oncn selbst enthalten: 0,68 Zirkonerdc; o,zi Kieselerde; 0,0; Eisen. (Rlaproch.) K 0 r u u d e r d e. §. 404. Die Rorrmdordo, ^arrcrde, oder Diamant fpalchcrde, (Lorunclg, chc-rra Käsiuantlna) istvonHrn. Rlaproch im D:amantst?a:l?e oder Cornnd-nm entdeckt worden, und muß, bis eine weitere Prüfung und Untersuchung es anders zeigt, als eine eigenthümliche Erde unterschieden werden. Sie ist weder in Sauren auf nassem Wege, noch in feuerbeständigen Alkalien auf trockncm Wege, auflöslich. Durch letzteres Kennzeichen unterscheidet sie sich von der Kieselerde; durch erstcreS von allen übrigen einfachen Erden. Kleine mineralogische Beyträge, vom Hrn. Prof. Alaproth; in Crclls chcin. Annale» 1789. V. 1. S. 5. ff. Der DiamantHach selbst besteht aus o,z z Rorunderdc und o,66 Thonerdc. (Rlaprotb.) Anstral- 272 !V. Abschnitt. Erden. A n st r a l e r b e. §. 4?A. Die Allstraicrde Estc>rru .^nstrizlis, Lumdriu) hat Herr VOcdgcrvood in einer Erdart von Neu-Süd- Wales entdeckt. Sie ist unauflöslich im Wasser, in Schwefelsaure und Salpetersaure, wird aber von der concentrirten Salzsäure durch Hülfe der Hitze aufgelöst, doch^durch bloßes Wasser wieder daraus niedergeschlagen. Gegen die Kohlensaure hat sie keine Verwandtschaft. In Alkalien ist sie auf nassem Wege unauflösbar. Im strengen Feuer ist sie für sich schmelzbar. Durch diese Kennzeichen unterscheidet sie sich hinlänglich von allen andern Erwarten. Zergliederung einer mineralischen Substanz aus Neu - Süd- Wales, vom Herrn Jost VVedgcrvooo, aus den x/«7°- Vol. I.XXX. >790. S. zo6. ff.; übersetzt in Gcen's Journal der Physik, B. IV. S. 479. ff »73 Fünfter Abschnitt. Mineralische Säuren und ihre Verbindungen mit Alkalien, Erden und Brennstoff. H. 406. HAir haben die sauren Salze oben zoz. ff.) nur generisch betrachtet, und wir gehen seht zu ihrer speciellern Untersuchung über. Zudesseu beschäfftigen wir uns hier nur mit der Kohlensäure, Schwefelsäure, Salpetersäure, Salzsäure, FlußZparhsäure und Boraxsäure, da die übrigen schicklicher bey der Untersuchung der Organischen Körper, der Erdharze, und der Metalle, zugleich mit abgehandelt werden können. Wir betrachten hier die Gewinnung jener Saureu, die Neutralsalze, die sie mit Alkalien, die Mittelsalze, die sie mit Erden liefern, die Gasartcn, deren Basis sie ausmachen, die Verwandtschaften, die sie zu den Alkalien und Erden, und die, welche diese zu ihnen zeigen, und endlich die Verbindungen, die sie mit dem Brennstoff einzugehen im Stande sind, und die Modifikationen, die sie dadurch erleiden. Kohlensaure. H. 407. Ich habe schon oben (H. 260.) bey dem Verbrennen der Kohlen in respirabeler Luft angeführt, daß sich dabey eine Gasart bildet, die sich durch ihre Auflöslichkeit im Wasser, durch ihre offenbare saure Natur, und durch ihre Verbindung mit Alkalien wesentlich vom Stickgas unterscheidet. Die Basis dieses Gas ist eine offenbare Grens Chemie, i- Th. ^ Saure, 274 V.Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Saure, die wir durch den Namen der Kohlensäure (^Vciclum cgebnlNLum, unterscheiden, die aber sonst auch gewöhnlich l!.ufcstäure (^ciüum -ickoum), ^)asts des lufrsäucen Gas, genannt wird. §. 408. Diese Kohlensaure macht einen Bestandtheil nicht nur aller organischen Substanzen, sondern auch mehrerer Fossilien aus, wie besonders der sogenannten rohe» Kalkerden. Das Aufbrausen ^H. Z55.), das bei, de». Aufgießen einer Saure auf Kreide, Kalkstein, Marmor, Kalksparh, entsteht, rührt von der schn.llen Entwicklung dieser Kohlensaure in gasförmiger Gestalt her, wie daraus erhellet, daß man durchs Brennen dieser Kalkerden in Verbindung mit dem pneumatischen Apparat kohlensaures Gas daraus erhalten kann (§. Z56.), und die gebrannte Kalkcrde nicht mehr mir Sauren braust. Wir können diese Kohlensaure nicht anders als im gasförmigen Zustande darstellen. §. 409. Man bedient sich der Auslösung der rohen Kalkcrde in flüssigen Sauren am gewöhnlichsten, um sich das kohlensaure Gas zu verschaffen, das sich, auf diese Art gewonnen, von dem durchs Verbrennen der Kohle in Lebenslust (ch. 26z.) und durchs Brennen der rohen Kalkcrde (§. Z56.) erhaltenen, durch nichts unterscheidet. Man schütte zu dein Ende eine Quantität einer flüssigen Saure, wie verdünnte Schwefelsäure, in die Entbindunas- flasche (H. 162.), bringe die Mündung ihrer Seiten- röhre unter den Trichter der Wanne des pneumatischen Apparats, schütte gepulverte Kreide so in die Flasche, daß nichts davon in der Mündung hängen bleibe und das Zuschließen verhindern könne; man verstopfe die Flasche gehörig, und lasse erst durch das erste Aufbrausen die in der mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 275 der Flasche und Röhre enthaltene atmosphärische Luft besonders heraustreten, und fange dann das aufsteigende Gas in den Vorlagen auf. §. 410. Ohngeachtet wir schon oben die characteristischen Merkmale dieses kohlensauren Gas betrachtet haben, so müssen wir uns doch hier noch naher damit beschafftigen. 1) Es wird vom kalten Wasser völlig aufgelöst, und seine Basis verbindet sich damit. — Wenn die Vorlage, worin man es nach der vorher beschriebenen Art gesammlet hat, auf dem Gesimse der mit kaltem Wasser angefüllten Wanne mehrere Stunden ruhig stehen bleibt, so steigt das Wasser immer höher hinauf, und das Gas wird endlich vom Wasser ganz verschluckt. Wasser, welches die Temperatur von 41 Grad nach FahrenheitS Thermometer hat, verschluckt nach Bergmann etwas mehr, als sein eigenes Volumen austragt; 50 Gr. warmes Wasser kaum ein gleiches Volumen, und immer so weniger, je warmer es ist. Ganz heißes Wasser verschluckt gar nichts von Kohlensaure. Durch Sieden wird daher alle Kohlensäure wieder aus dem Wasser ausgeschieden; aber auch durch den Frost, durch die Luftpumpe uud durch das Ausstellen an die freye Luft. DieAuflösung der Kohlensaure im kalten Wasser befördert man auch durch einiges Schütteln. Das specisische Gewicht des mit Kohlensäure ganz gesättigten reinen destillirten Wassers, verhält sich zum gemeinen destillirten Wasser wie 1,0015 zu 1,0000 bey der Temperatur von fast z6Gr. Fahrcnh. §. 411. 2) Das kohlensaure Gas ist sauer. — Man kann dies am besten an dem damit gesättigten Wasser, das man lufrsaurehalriges XVujffr (aqua aö'rgts) nennc, dar- thun. Man fülle zu dem Ende eine starke Flasche mit S 2 ein- 276 V. Abschn. Mineral. Sallren u. ihre Verbind. eingeriebenem Stöpsel mit kaltem destillirtem Wasser voll; man bringe sie mir ihrer Mündung nach unten gekehrt in die mit Wasser gefüllte Wanne, ziehe den Stöpsel aus, und führe sie mit ihrer Mündung über den Trichter, aus dem das kohlensaure Gas hervortritt. Man leere sie zur Hälfte dadurch aus, stopfe sie wieder zu, und schüttele sie nun eine Zeitlang. Oeffnet man nachher den Stöpsel, so fahrt die atmosphärische Luft in die Flasche mit Geräusch hinein. Ist die Flasche dünn und zumal platt, so kann sie auch durch den Druck der äußern luft zerbrochen werden. Das Wasser in. der Flasche hat einen gelinde säuerlichen, stechenden Geschmack, der besonders wahrzunehmen ist, wenn das Wasser eine Temperatur von 60 bis 70 Gr. Fahrenheit angenommen hat. Die Lackmustinctur wird davon sogleich roth gefärbt. Diese Röthe verschwindet aber wieder an der freuen luft, indem die Kohlensaure aus dem Wasser verfliegt. Die Farbe des Violensyrups ändert sich von der Kohlensäure nicht. Sonst äußert sie auch noch gegen andre Körper, besonders gegen die Alkalien und Erden, Wirkungen, die nur den Säuren eigen sind, wie wir gleich anführen werden. §- 4?2- Das mit der Kohlensäure angcschwangerte Wasser kömmt in Ansehung seiner Fähigkeit, Blasen zu werfen, wenn man es schüttelt, die Lackmustinctur zu röthen, und m dem säuerlichen und stechenden Gcschmacke mit den natürlichen Sauerbrunnen übcrcin, dergleichen das Gelter-, Pyrmonter-, Egerwasser u. a. sind, in denen die Kohlensäure einen hauptsächlichen Bestandtheil ausmacht, die sich aber frcylich vom reinen kohlensauren Wasser durch andere darin aufgelöste sixe Bcstandtheile unterscheiden. Die Anschwängerung des Wassers mit der Basis des kohlensauren Gas kann man zwar auf die jetzt eben beschriebene Art verrichten; weil aber die Ver- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. -77 dünnung des Gas in der verschlossenen Flasche die Sättigung des Wassers damit hindert, so muß man, um das Wasser recht stark kohlensauer oder luftsauer zu machen , die Flasche wahrend dem Schütteln mit ihrer offenen Mündung im Wasser lassen, damir das aufsteigende Wasser immer den entstehenden leeren Raum ersetzen könne; dann von neuem kohlensaures Gas in die Flasche treten lassen, und wie vorher schütteln, bis das Wasser hinlänglich angeschwangert ist. Sonst dient auch zu diesem Zweck die oben beschriebene Parkersche Glasgcrath- schaft (H. 166.), in deren unterm Gefäße man Kreide und Schwefelsaure zusammengebracht hat; und dann der Apparat des Hrn. Baader». Olrecklouz kor imjzreAirstinA VVgter v!tb ftxoä air, bz- IV/cMc?/. Uonä. 1772. g. cle aguis lneäickttis tiÜAläls arte parsnäls^ in seinen c/icm. Vol. I. S. 185. ff- INageltans oben (§. r66.) angeführte Schrift. Neue Weise, Wasser mit Luftsäure zu sättigen, von I. ter, die über einander liegen. H. 420. Die frischen und trocknen Crystalle des kohlensauren Mineralalkali enthalten nach Bergmann 0,64Crystalli- sarionswasser, 0,16 Kohlensaure, und 0,20 Mineralalkali. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 2 81 alkali An der trocknen und warmen Luft verlieren sie ihr Crystallisationswasser, und zerfallen m em weißes Mehl, oder verwittern (§. 299.). ^.hr Geschmack ist lauaenhaft, und sie haben noch Wirkung auf die Pflan- zcnfarben Sie erfordern bc»m zo Grad der Warme nach Gpiclinann 2,4?heile Wasser zu ihrer Auflösung; vom heißen Wasser noch weniger, und lassen sich also durchs Abkühlen crystallisiren. h- 4-l. In der Hihe zergehen die Crystalle auch in ihrem eigenen Crystallisationswasser; wenn dies aber verflogen ist, so schmelzt das Salz erst in der Glühchihe. Es laßc daben seine Kohlensaure nur zum Theil fahren, und sich nur schwer durch anhaltendes Calciniren ganzlich davon befreyen. §. 422. Das kohlensaure Mineralalkali findet sich schon von Natur im Mineralreiche; so z. B. in Ober-Ungarn in Marschländern, von thonigtcr und mergelartiger Beschaffenheit, und auf dem Boden der durch Sonnenwar- nie ausgetrockneten Seen; in Aegypten, Syrien, Pcr- sien, Ostindien, auch bey uns an einigen Orten als Mauersalz, und in verschiedenen mineralischen Wassern. Man erhalt es ferner durch das Verbrennen einiger am Meercsstrande wachsenden Pflanzen, deren Asche den Namen der Soda führt, und aus der man es durchs Auslaugen mit Wasser und Crystallisiren auch unter dem Namen des Godcsalzes (8a1 8c>clao) darstellt; wovon in der Folge bey den Körpern des Gewachsrcichs gehandelt werden wird. Job- Gco. Mosel Abhandlung von einem gewissen persischen Salze; in seinen ebpm. Ncdenstunven, S. 201. ff. ffe- larion luceinÄe concernaul la terie äe Oetirec?,ln, pzr >le. in den ck l'scael. S 5 clee 282V. Abschn. Mineral. Samen u. ihre Verbind. /c. ä 1772- S. 8> ff. Nachricht von einem reinen natürlichen crvstallisirten Natron, oder mineralischen alkalischen Salze, welches in der Gegend von Tripolis gefunden wird, von D. Donald rNonro, ans den 1771 Vol. bXI. S. 567. übeuscyt in Crcllz ckcm. sIonrnah Th. I. S. 164. ff. Bericht vom Kien, einem natürlichen mineralischen Alkali aus China, von I. Adr. Grill, Abrahams»«; ans den fchroed. Abhandlungen, V. XXXIV. vom Jahr 1772. S. 170. ff. überfcyr in Crells neuesten Entdeck. Th. I. S. 71. f. Versuche mit vorerwähntem Salze oder Kien, von G. von Engstrom; ebcnvas S. 172. ff. übcrsenc cbendas. S. 72. ff. Chr. Bagge's Beschreibung von Trona, oder einer Art Natten aus Tripoli; cbendas. V. XXXV I. 177z. S. 140. ff. überseyr cbendas S. 8; - fs Beschreibung der Soda - See» im Bihorer Comitate im K. Hungarn, von Hrn. Rückm; in Crells chem. Annale» 179z. B. I. S. 52z. ff. §- 42Z. Die Kohlensaure hat nach Bergmann auf nassem Wege eine nähere Verwandtschaft zum Gewachsalkali, als zum Mineralalkali; und dem kohlensauren Mineralalkali wird durch Gewachsalkali dte Kohlensaure entzogen. Kohlensaures Ammoniak. §. 424. Der ahende Salmiakgeist verschluckt das kohlensaure Gas ebenfalls mit vieler Kraft, und das Ammoniak desselben nimmt die Kohlensaure in sich auf. Bringt man kohlensaures Gas und Ammoniakgas über Quecksilber zusammen, so ziehen sich die Bases beider Gasarten an, treten zu einem festen Stoff, zum kohlensauren Amnion niak (^.mmnniuLUM cgrbonicnm,Gui-bnnuz Hmmomsci, ), oder lufrsäurcn flüchtigen Ali-alt (^lcali v ilo görgtum) zusammen, und der gasförmige Zustand beider wird unter Entwickclung von Warme- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 2 8 z mcstoff vernichtet. Schüttet man recht starkes flüssiges Ammoniak (H. zi8.) in eine Flasche mit kohlensaurem Gas, so schießt das entstehende kohlensaure Ammoniak zu ordentlichen Crystallen durch die Ruhe an. §. 425- Sonst gewinnt man das kohlensaure Ammoniak auch auf andere in der Folge zu beschreibende Weise aus thierischen Substanzen durch trockene Destillation derselben, insbesondere aber durch Zerlegung des salzsauren Ammoniaks, oder gemeinen Salmiaks, vermittelst kohlensaurer feuerbeständiger Alkalien und Kalkerde. Das kohlensaure Ammoniak heißt daher auch flüchtiges Sal» MlakAlz (8al volgtils tsliz ammornsci), und die wässerige Auflösung desselben rartaristrrer Salmiakgeist (bchirckuz ializ smmomgci tsrtsrltatuz). §. 426. Die Crystalle desselben sind ziemlich unbestimmt; Bergmann erhielt sie in Octa ödren, mit vier abgestumpften Winkeln; Rome de jZ.isle beschreibt sie als kleine, dünne, vierseitige, zusammengedrückte Säulen, mit einer dachförmigen oder zweyscitigcn Endspitze. Ihr Geschmack ist zwar noch immer urinös; doch minder stark, als der des reinen Ammoniak. Ihr Geruch ist flüchtig und durchdringend; doch in mindcrm Grade, als der des letztem. Sie wirken auf Pflanzenfarben noch wie Alkali. Sie enthalten im vollkommenen Zustande nach Bergmann 0,12 Crystallisationswasser, 0,45 Kohlensäure und O,4z Ammoniak, und brauchen in der Mittlern Temperatur etwa 2 Theile Wasser zu ihrer Auflösung. In verschlossenen Gefäßen, worin zugleich Luft eingeschlossen ist, verwittern die Crystalle, und werden undurchsichtig. Das kohlensaure Ammoniak ist flüchtig in der Wärme, ohne zersetzt zu werden. Es muß in wohl- verschlossencn Gefäßen aufbewahrt werden- H. 427. -84 V- Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind» §. 427. Gegen das Ammoniak hat die Kohlensaure keine so nahe Verwandtschaft, als gegen die beiden feuerbeständigen 'Alkalien. Zieht man also die Auflösung des kohlensauren Ammoniak über die feuerbeständigen Alkalien ans ,einer Retorte ab; so werden diese kohlensauer, und jenes wird ahender Salmiakgeist. Kohlensaure Kalkerde. §. 428. Wenn man zum frischen und klaren Kalkwassec Z5 7-) etwas kohlensaures Gas mischt, so wird es sogleich verschluckt, das Kalkwasser wird getrübt, und der vorher im Wasser aufgelöst gewesene Kalk fällt als kohlensaurer Kalk nieder. Eben diese Veränderung widerfahrt dem Kalkwasscr durch das Stehen an der luft, wie schon oben (§. 359.) bemerkt worden ist. § 42 y. Die Natur liefert lins die kohlensaure oder luftsäm re Aalkerdc (Lalx cnrbcmicg, seritts, Lsrbonsz calci;, cke 5/zatt-r), die man auch rohe ^xalkerdc(Ls!x ci-ncis) nennt, sehr häufig. Sic ist geschmacklos, und im Wasser unauflöslich; und kann eben deswegen nicht zu den Salzen gezahlt werden. Wegen dieser Unauflöslichkeit im Wasser sind wir nicht im Stande, sie in crystal- linischer Form künstlicherwcise darzustellen, so wie sie uns die Natur in sehr mannigfaltiger Art crystallifirt liefert, wie die Kalkspatherystalle beweisen. Die durchsichtigen Kalkpathe enthalten nach Bergmann 0,10 bis 0,11 Cry- stallisationswasser, o, Z4 bis 0, z6 Kohlensäure, und o,5 4 b.s 0,56 Kalkerde. Tie kohle ;4eu e Kaikgattunaen hat die Mineralogie (Teai/eu a. a. O. S. 14. f.) folgende: mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 2 8 5 A) Reinere kohlensaure Ralk'crve. 1) Ervigcr ^»ckk. 2) Rreioe. Z) 'Ke.lksiein. a) Wickler Ralk. «) Gemeiner Vichter Aal?« 6) Z(oogcniiein. d) Blätteriger Ralr. ^ «) Vornigcr Ralk» fi) Ralkspe.th. -/) Ralksinrer. 0) Mbsenjrcin. L) Gemischte kohlensaure Ralkgartuiigeu. 1) Schicferspath. 2) Brannspath. (0,50 kohlensaure Kalkerde; 0,-- Eisen; 0,28 Brannstein. Bergmann.) z) Stinkstein. 4) Mergel, a) Mergclervc. d) Verhärteter Mergel. (o,;o kohlensaure Kalkerde; 0,20 Kiesel.; 0,2; Thonerde. R,irwan.) Z) Bituminöser Mergelschicfcr. H. 4Z0. Wenn man zu dem durch Kohlensaure getrübten Kalkwasser (§. 428.) noch mehrcres kohlensaures Gas mischt, uud damit schüttelt, so wird alles wieder klar und durchsichtig, und die niedergeschlagene rohe Kalkcrde löst sich vollkommen wieder auf. Diese neue Auflösung schmeckt nicht mehr wie Kalkwasscr, uud wirkt auch nicht mehr, wie dasselbe, auf Pflanzenfarben. Wenn sie zum Kochen gebracht wird, so trübt sie sich wieder, und der aufgelöste Kalk fallt sammtlich als kohlensaurer Kalk nieder. Die Kohlensaure wird also hier ein 'Auflösungsmittel für die kohlensaure Kalkerde, oder die mitKohlcnsaure übersehte Kalkcrde ist im Wasser anflöslich. Durchs Sieden wird diese überschüssige Kohlensaure wieder aus dem Wasser als Gas verjagt, und daher kömmt nun die kohlen- 286V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. kohlensaure Kalkerde zum Vorschein, da sie kein Auflö- sungsmittel mehr hat. H. 4Zl. Hieraus ist es herzuleiten, warum das Quell- und Brunnenwasser, und viele Sauerbrunnen, rohe Kalkerde aufgelöst erhalten, warum sich beym Sieden des gemeinen Wassers in den Geschirren kohlensaure Kalkerde absetzt, die zur Entstehung des sogenannten pfannem sieins in Theekesseln Gelegenheit gicbt, woher die stark in- crustirende Kraft mancher Wasser rühre, und warum manche Quell- und Brunnenwässer durchs Aufkochen weicher und besser werden. Hundert Cubikzoll (schweb.) kohlensaures Gas, wenn sie dem Wasser beygcmischt werden sind, lösen nach Bergmann bcy 50 Gr. Fahrcnhcit 27 Gr. kohlensaure Kalkerde auf, und das mit Kohlensäure gesättigte Wasser kann also etwa seines Gewichts an roher Kalkerde aufgelöst enthalten. H. 4Z2. Durch das Feuer läßt sich die Kohlensaure wieder aus der Kalkerde austreiben, wie schon oben (H. Z56.) gezeigt worden ist. Die Kalkspathe knistern und verspritzen, wenn sie schnell einer starken Hitze ausgesetzt werden, wegen ihres mehrern Crystallisarionswassers, das dadurch plötzlich in Dämpfe verwandelt wird, die wegen ihrer Elasticirät die Theilchcn aus einander sprengen. §- 4ZZ- Wenn man in frisches und klares Kalkwasser die Auflösung irgend eines kohlensauren 'Alkalis tröpfelt, so entsteht sogleich ein Niederschlag von roher oder kohlensaurer Kalkerde, und das Alkali verliert seine Kohlensäure oder wird ätzend. Die Kohlensäure hat also eine nähere Verwandtschaft zur Kalkerde, als zu einem der drey Alkalien. §. 4Z4. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 2 z 7 H. 4Z4- Hierauf gründet sich die Zubereitung der reinen feuerbeständigen Alkalien und der atzenden Laugen, wozu man sich gewöhnlich des gebrannten Kalks bedient. Das Verhältnis;, in welchem man den Kalk zum kohlensauren feuerbeständigen Alkali zu fetzen hat, bestimmt man am besten jedesmal durch Versuche, weil die Quantität der Kohlensaure und der Feuchtigkeit in dem angewendeten Alkali größer oder geringer seyn kann. Man löscht zu dem Ende erst zwey Theile frischen gebrannten Kalk mit etwas Wasser, daß er zerfallt, setzt einen Theil gereinigte Pottasche zu, und gießt noch Wasser nach, daß alles zu einem dünnen Brey werde. Nach dem gehörigen Umrühren setzt man noch mehreres Wasser hinzu, so daß etwa im Ganzen z a Theile Wasser verwendet werden, und erhitzt alles über dein Feuer unter beständigem Umrühren. Man versucht hierauf etwas von der durch Leinwand ge- seiheten Lauge, ob sie noch mit einer Saure braust, oder vielmehr noch das Kalkwasser trübt, in welchem Fall man noch gelöschten Kalk zusetzen muß. Man seihet dann alles durch weiße Leinwand klar durch, und laugt den Rückstand noch mit etwa 8 Theilen kochendem Wasser aus. Diese so bereitete atzende Lauge muß weder mit Sauren brausen, noch das Kalkwasser trüben. Beides ist ein Beweis, daß sie noch Kohlensaure enthalt. Aber sie muß auch auf der andern Seite nicht vom kohlensauren Alkali getrübt werden; denn sonst enthalt sie Kalkerde aufgelöst, die im Uebermaaß zugesetzt wurde. Wird die atzende Lauge in einem eisernen Geschirre bis zur Trockniß abgerauchr, im Glühefeuer geschmolzen, und entweder Äuf eine erwärmte Marmorplatte oder in eigenen Formen in kleine Stangen ausgegossen, so erhalt man den schon oben (tz. z-4.) erwähnten alkalischen Aeystem» Da indessen das Alkali schon beym Abrauchen in offenen Gefäßen Kohlensäure aus der Atmosphäre einsaugt; so muß man, -88V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. man, um ein vollkommen reines Alkali zu erhalten, das Abdampfen der ätzenden Lauge in einer Retorte mit Vorlage bis zur Trockniß vornehmen, und die Netorte nachher zerschlagen, um das Alkali herauszunehmen. Gegen das Ende der Destillation, wenn die Flüssigkeit dick zu werden anfängt, ist viele Behutsamkeit in der Regierung des Feuers nöchig. §- 4Z5- Wenn man trocknes, ätzendes fixes Alkali zu ganz frisch bereitetem, oder gutem, Kalkwasser seht, so entsteht auch ein Niederschlag. Aber dieser ist reiner Kalk, kein kohlensaurer, wie durch kohlensaure Alkalien: denn er braust nicht mir Sauren, und löst sich auch bei) mehreren: zugesetzten reinen Wasser wieder auf; nur muß das Alkali ohne alle Kohlensaure gewesen seyn. Der Grund dieser Erscheinung liegt darin, daß das Alkali naher mit dem Auflösungswasser verwandt ist, als die Kalkerde. Die atzende Lauge bringt daher diesen Niederschlag nicht zuwege; nur das trockene atzende Alkali. §. 4Z6. Die im Wasser durch Kohlensaure aufgelöste kohlensaure Kalkerde wird durch die atzenden, oder noch nicht mit Kohlensaure gesattigten, Alkalien niedergeschlagen; aber nur deswegen, weil diese das blebermaaß der Kohlensaure anziehen, welches die kohlensaure Kalkerde im Wasser aufgelöst erhielt. H- 4Z7- Die auffallenden Veränderungen, die der rohe Kalk beym Brennen und die gewöhnlichen (kohlensauren) Alkalien beym Aetzcndmachen durch Kalk erfahren, die Auflösbarkeit im Wasser, die sener durchs Brennen erlangt, und die Erhitzung, die er beym Löschen verursacht, der Man- mit Alkalien, Erden imd Brennstoff. 28? Mangel seines Aufbransens mit Sauren nach dem Brem neu, und der Alkalien nach der Behandlung mit Kalk, welches Aufbrausen mau irrigerweise für eine wesentliche Beschaffenheit eines Alkali ansähe,, da es doch nur den kohlensauren Alkalien wesentlich ist, alle diese Veränderungen, sage ich, gaben ehemals zu mancherlei) Erklärungen Anlaß. Insbesondere sähe sich kNeyor dadurch veranlaßt, deswegen eine eigene Materie anzunehmen, die er das Causilcum, auch fette Saure (/VcAum, plague) nannte, die das reinste Feuerwesen mit einer Saure verbunden sei), aus dem Küchenfeucr wahrend dem Brennen, selbst durch die Gefäße an den rohen Kalk trete, und in demselben die Veränderungen bewirke, durch die sich der gebrannteKalkvom rohen unterscheide. Diese fette Säure mache den gebrannten Kalk zur Auflösung im Waffer geschickt; sie mache ihn ätzend; sie entwickele sich beym Löschen, und bringe die Erhitzung zuwege; sie gehe von dem Kalk an die Altalien und mache diese ätzend, u. s. w. kNc^ec kannte die Luftsäure oder Kohlensaure nicht, obgleich schon vor ihm Black (1756.) diese Substanz kennen gelehrt, und daraus die Phänomene glücklich erklärt hatte, indem er annahm, die Kalkcrde sey ihrer Natur nach im Wasser wirklich auflöslich und atzend; aber die im rohen Kalksteine damit verbundene fixe Luft (Kohlensäure) neutralisirc sie, verhindere die Auflösung, und mache sie milde. Gebrannter Kalk habe diese fixe Luft verloren, und zeige deswegen die ihm eigenen Erscheinungen so lange, bis er sich wieder damit angefüllt habe. Da Stacks Theorie unter den Deutschen mehr bekannt wurde, entstand unter den Anhängern dieser und der Meycrschen Theorie ein ziemlich heftiger Streit, der von beiden Seiten manchmal mir vieler Heftigkeit geführt wurde, woraus aber Stacks Lehre sieghaft hervorging, nachdem man zumal mehrere Fortschritte in der Kennmiß der Gasarten, und insbesondere des kohlen- Grens Chemie. l-TH. 5 sauren 29O V.Abschtt. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. saurci? Gas, gemacht hatte, und auch mit den Gesetzen des Warmestvffö bekannter wurde, so daß man jetzt, um die Erhitzung des gebrannten Kalkes mit Wasser zu er- klaren, zu Feuertheiien im Kalte seine Zuflucht nicht mehr zu nehmen braucht, zzo!). Fr. Mcpers chemische Versuche zur nähern Erkemrtliiß des ungelöschten Kalks, der elastischen und clcctrischen Materie, des allerreinstcn Fcucrwesens und der ursprünglichen allgemeinen Säure, Hannover 1764. 1770. 8. ülxpsrlmeMj upou dlgAueliz alba, snä lvme otlrer alcallue subilgireez, d/ tt/ncK- in den ss/?K/5 o/>/er-i--ZNo?r.c rc-ch t>e. /orc a XvcietA -« Vol. II. S. -57. ff. lex- porimeutal blla^s, b)'d)«r>. ch/sräriolc, lbouä. 1764. gr.z. Vav. bNacbrivc's durch Erfahrungen erläuterte Versuche über verschiedene Vorwürfe, aus dem Engl, übersetzt durch Cour. Aahn, Zürch 1766. 8. Vkree pgpers contuiiuiix experimeuts ou lnÄltiauz !>ir, in den x/lita/lrpä. Vol. l.Vl. S. 4i.ff. Hrn. Heinr. Cavcndish Experimente mir erkünstelter Luft; übersetzt in> neuen Hamburg. Magaftn, B. XII. S. Z87- ff- lixs- meu cbemieum äoclriucre Xlez-erisuge äs aciclo pruxul, et stlaelstgucis äe crere stxo retpeÄu calcis, suek. Viuäolr. 1769. st. //c»?-. z^o. ^710?». strnii- exomluis eliemici äocäriuae Xle^erisuse etc. reclilicatio, Impf. 1770. st. Ivc/?/ä. et guÄ. tUic/l. stoe/i?». ä!l!l exmueu aeläi piuzzuis, rXi-Aent. 1769.4 Joh. Christ. LVieglebs Vertycidigung der Meyerischen Lehre vom .-Xcräo pln^n!, Alteiiburg 1770. 8. Ja. I«. lWells Icechtfertigung der Blackischcn Lehre von der figirim Luft gegeu die vom Hrn. Lviegleb gemachten Einwürfe, Wien 1771. 8> Chymische Versuche über das Meyerische /cciäum piir^me, von IVilh. Heiur. Geb. Zdtlchhoh, Weimar 1771. 8. Ish. ?ac. Lvclls Forschung in die U>- fach der Erhitzung des ungelöschten Kalks, Wien 1772. 4 j^o/2. Oav. rekp. C)/cr. Oe ä!tl'. äs aers stxo, Ultras. 1772. 4. ?oh. Christ. Possk. Errlebcn über die fixe Luft und die fette Säure; in seinen Physik, chem. Abhandl. B. I. S. 1. ff. stupplemeutum !n ^ äe /tV// ässeustoiisln äoelriu.ae ftlacicigime et epierilm luper caleis iuLglekeeutia -»> eä!ä. lo/l I.^»v»,nier, Vinäob. 1778. 8- Kohlen- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 291 Kohlensaure Talkerbe. H. 4Z8- Die Kohlensäure verbindet sich mit der Tcilkerde ebenfalls. Durch die schon oben (§. z?o.) angeführte Fallung der Talkcrde aus dem Bittersalze vermittelst des feuerbeständigen kohlensauren Alkaltö erhalt man diese koh? lenchurc odcr llifrjaureTalLcrde (bgu8n,-liu curbouieu, särutu, Larbanus MiZANLkiuo, c/egewöhnlich. Sic ist die rveiße NIagnesle der Officinen (^Ä^n>?siÄ alba 0F/7.). Sie ist in ihrem reinen Zustande weiß, locker, und unschmackhaft. Sie ist im Wasser höchst weiüg auslöslich, so daß dies kaum seines Gewichts davon in sich aufnehmen kann. Eben deswegen kann man sie nicht zu den wahren Mittelsalzen zahlen. Die Natur liefert zwar kohlensaure Tallerce, aber immer in Verbindung mir andern Erden, und hierher gehören eigentlich mehrere der oben (§. .z 6z.) angeführten Talkarten. §- 4Z9- Durch Vermehrung der Kohlensäure wird die Talkerde im Wasser auflöslicher. Das mit Kohlensäure gesattigte Wasser löst von der gewöhnlichen kohlensauren Talkerde beym zo<> der Warme Fahreuheit ^ seines Gewichts auf. Die gesattigte Auflösung der Tallürde im kohlensauren Wasser macht den Violensyrup grün, und das Fernambucpapier violet. Durch den Verlust der überflüssigen Kohlensäure beym Ausstellen in die Kalte trennt sich die kohlensaure Talkerde nicht vom Wasser. Herr ButtM hat beobachtet, daß, wenn man die Auflösung der Talkerde mit überschüssiger Kohlensäure im Wasser erhitze, so trübt sie sich, »ud wird beym Erkalten wieder klar. Herr Kunni schließt daraus, daß die Verbindung im kalten Wasser in größerer Menge auflös- lich sey, als im heißen. Es gelingt die Erscheinung nach T s ihm 292 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. ihm am besten mit einer Auflösung, die zwei) Gran in der Unze enthalt, und die man bis 6cE N. erhitzt, wo sie milchigt wird; bcym Erkalten aber löst sich alle nie- dergeschlagene Talkerde wieder auf. elem. R. ^ seines Gewichts auf; und sie gehört also zu den wirklichen Mittclsalzen. wr '2 precipitatiou äir Lulkate äe ou fei cl'Lplvm par les trol5 cardonates glkalins et für Isz xroprletez äu Larkonsts ci(i, <9eo. in Vcu x/N/o. /ozzi^. /»T- küe I^c77<- 1792. N. I!. S. 289. ss. ^07-/7. i?c?-A?77-77777 de aciäo aereo-, m seinen 0777,/c. zz/it,/. c/iemie. Vc>1. I. S. e. ss. Schwefelsäure. H- 45Z- Durch das Verbrennen des Schwefels, eines bekannten entzündlichen Körpers, in respirabelcr Luft auf eine ahnliche Art, als oben bey dem Verbrennen des Phosphors und der Kohle angeführt worden ist, wird eine eigene Saure erzeugt. Eben diese Saure bildet sich auch, wenn Schwefelkics verwittert, nur daß hier die gebildete Saure nicht frey bleibt, sondern mit dem Eisen des Schwefelkieses in Verbindung tritt. Der Kies verliert ncmlich in der warmen und feuchten Luft seine Harte und seinen metallischen Glanz, zerfallt in ein Pulver und zeigt einen herben salzigten Geschmack. Nach einem Auslaugen mit Wasser laßt sich daraus eine eigene Art von Salz gewinnen, das man grütwn Vitriol, Eisenvimol, auch wol ZxupferwaMr nennt, und das die Verbindung jener eigenen Saure mit dem Eisen, auch wol mit Eisen und Kupfer zugleich ist. §. 454. Diese aus denrSchwefel durch Hülfe der Basis der Lebenslust gebildete Saure, mit der wir uns seht beschaff- tigen wollen, heißt Schwefelsäure (Acillum tulkun- cum, Ac-lAs , oder auch Vitriolsaure (Aci- äum vitriollLum, tt-Gl). Ehemals gewann man sie fast mit Alkalien, Erde!', und Brennstoff. 299 fast mir allein aus dem Vitriole (H. 45 g.) durch eine Destillation; jetzt aber bereitet man sie häufiger und wohlfeiler aus dem Schwefel durchs Verbrennen desselben. Von dieser letztem Gewinnungsart rönnen wir erst in der Folge handeln. h. 45,W Wenn man den grünen Vitriol in einem irdenen oder eisernen Gefäße über daö Feuer bringt, so zergeht er in seinem Crysiallcnwasser. Durch den Verlust desselben trocknet er immer mehr und mehr aus, und verwandelt sich endlich unter fleißigem Umrühren in ein weiß- graues (vitriolnm ml allwtlmom cglcir.ntnm), und bey forkgesetztem Brennen in ein gelbes (ml ilgverlinem cal» cinmum), und endlich in ein rothcö Pulver (gck rubö. «lincm calL.). 456. Wenn man dies Brennen des Vitriolcs in einer irdenen Retorte vornimmt, so erhalt man daraus bloßes Wasser, wenn man jenes nicht weiter als bis zur weißen Farbe treibt. Dies erhaltene Crystallenwasser nannte man sonst rnz oder gbls^ma vürinll. Durch das fortgesetzte Destillircn des bis zur Weiße calcinirten Vitriolcs wird die übergehende Feuchtigkeit immer säuerlicher, und zuletzt ziemlich stark sauer, wenn man den Vitriol bis zum Nochwcrdcn in der Hitze halt. Die übergegangene Saure hieß nun Vlrrislspmms (spirituz vitrioli, (schli), und ist eine mit vielem Wasser verdünnte Schwefelsaure. Wenn man aber die Destillation des bis zur Rothe calcinirten, und dadurch von allem überflüssigen Wasserichten befreycten, Vitriolcs, in dazu schicklichen Gefäßen, bey hinlänglicher Hitze unternimmt, so erbalt man in der Vorlage eine Flüssigkeit, welche höchst sauer und scharf ist, und wegen ihrer Consistenz den unschicklichen Namen Dimdlöl (oleum vitrioli, cho Dfli) erhielt. §- 457- ZOO V.Abschn. Milleras. Sauren u. ihre Verbind. §- 457- Da man die Destillation des Vitrioles doch nur zur Gewinnung dieser concentrirten Schwefelsaure, wie man sie schicklicher nennt, unternimmt; da die zuerst übergehende wasserigte oder schwach säuerliche Flüssigkeit von keinem sonderlichen Werthe ist, und da Überbein die Dcstillirgefaße dadurch leicht zersprengt werden, oder die Operation sehr verzögert wird; so nimmt man zur De- stiliirung des Vitriolöles den bis zur rochen Farbe calci- mrlen Vitriol. H. 458. Zur Bereitung dieses Vitriolöles im Großen wird der grüne Vitriol erst in eisernen Töpfen, unter beständigem Umrühren, über dem Feuer so lange gebrannt, bis er eine röche Farbe erlangt hat, wobey er ohngefähr die Hälfte am Gewichte verliert. Er wird hierauf noch heiß zerstoßen, gröblich gesiebt, und in große irdene wohl- gcbrannte und gut beschlagene Retorten gerhan, die bis zu Zweydrittel damit angefüllt werden. Man legt die Netorten in einen Reverberirofen oder Galeerenofen (ch. rzi.), mauert die Oeffnung zu, durch welche die Retorten in den Ofen eingelegt sind, so daß blos ihre Halse aus dem Ofen hervorragen; man giebt zuerst gelindes Feuer, und legt dann, wenn saure Tropfen zum Vorschein kommen, große Vorlagen, auch wol mit einem Vorstoße vor, und verwahrt die Fugen mir einem guten Kütte. Das Feuer verstärkt man hierauf allmahlig und behutsam, so daß es zulehr bis zum Weißglühen der Retorte vermehrt und unterhalten wird. Die Schwefelsaure geht hierauf in weißgrauen Nebeln über; und um die Vorlagen destomehr abzukühlen, muß man öfters nasse Tücher behutsam um sie schlagen, oder auch, um die Hihe des Ofens von ihnen abzuhalten, noch eine Wand von Ziegelsteinen zwischen jenem und diesen aufführen. mit Alkalien, Erden und Brennstoff, zo i führen. Wenn endlich bey der stärksten Hitze die Vorlagen wieder kalc werden, so endigt man die Destillation, die wol 24 bis z6 Stunden dauren kann. Nachdem der Ofen ziemlich wieder erkaltet ist, so nimmt man den Kütt von den Fugen der Gefäße behutsam ab, macht die Vorlagen los, und gießt das darin befindliche Vitriolöl durch einen Glastrichtcr in ein gläsernes Gefäß oder in Flaschen von Steingut, die man mir ahnlichen Stöpseln wohl verwahrt. Z. 459. Diese aus dem Vitriole durch Destillation gewonnene concenrrirte Schwefelsäure heißt auch Nordhäujer- oder Sächsisches Vitriolöl; da hingegen die aus dem Schwefel durchs Verbrennen desselben bereitete den Namen des Englischen Vuriolöls oder des Schrvef'ch öls im Handel führt. H. 460. Das Vitriolöl ist eine sehr starke Satire, es brennt und atzt in die Haut ein. Die natürliche Farbe desselben ist die weiße; es wird aber durch leicht verbrennliche Substanzen des Thier - und Pflanzenreichs mehr oder weniger braun. Diese Farbe hat gewöhnlicherweise das verkäufliche Nordhauscr Vitriolöl; das auch an der Luft weiß- graue Dämpfe ausstößt, und einen mehr oder weniger schwefligten Geruch besitzt, den das welße Vitriolöl nicht hat. Zum Sieden erfordert es eine beträchtliche Hitze, die nach Fahrcnheits Thermometer bis zu 546" gehet. Es übertrifft das Wasser an spceifischem Gewicht, und das eigenthümliche Gewicht eines guten Vitriolöls ist 1,800. Freylich findet hierin ein beträchtlicher Unterschied statt; indem das zuletzt Uebergehendc wegen seiner mehrcrn Entwässerung nach Bergmann wol 2,125 schwer seyn kann. Wegen der größern Feuerbestandig- keit zoa V.Abschn. Mineral, sauren !t. ihre Verbind. keit kann man daher schwächeres Vitriolöl auch von dem überflüssigen Wässerigten durch behutsames 'Abdampfen oderDestillircn in gläsernen Gefäßen im Sandbade mehr coneentriren und stärker machen, indem das zurückbleibende viel saurer ist, als das, was in die Vorlage übergehet. Durch dies Abtauchen in der Hitze kann man auch braunes Vitriolöl weiß machen, und ihm die Eigenschaft, an der Luft Dämpfe auszustoßen, benehmen. Völlig von allem Wasser bczsseyet, hat man bis jetzt die Schwefelsäure für sich allein noch nicht darstellen können. §. 46s. Weißes starkes Vitriolöl gefriert in der Kälte weit später, als das Wasser, und wol erst bey unter c> nach Fahrenheir. Bräunliches, starkrauchcndcs Vitriolöl gefriert aber eher, auch wenn es selbst mehr saure Scilz- rheile enthält, als das weiße. Duc d'Afwtt hat gefunden, daß Vitriolöl, welches schon bey iz° bis ,5° Reaumur gefror, durch die Verdünnung mit einer selbst etwas beträchtlichen Menge Wasser an: Gefrieren gehindert wird. Herr Chapra! fand bey eurer ansehnlichen Crystallisation des VirriolölS die Crystalle als plattgedrückte sechsseitige Prismen, mit einer sechsseitigen Pyramide. Sehr starkes, braunes, rauchendes Nordhauser Vitriolöl giebt schon bey einer mäßigen Kälte, in wohl verschlossenen Gefäßen, spicßigte Crystalle, die in dcr Wärme wieder zerfließen, und auch durch öfteres Oeff- neu dcr Gefäße an der Luft endlich verloren gehen. Vitriolöl, welches diese Eigenschaft hat, nennt man auch elSüMgcS Vitriolöl (oloum vttnoli Alacials). Lhapml Bemerkungen über die Crystaliengefralt des VitriolM; aus ven cis /'aeaci. ?'0A. lie, /c. 1784. S. 62z. ff. überscyt in Lociis Annetten, 1790. B. I. S. zzz.ss- h. 462. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. z-?z A. 462. Es ist aber irrig, wenn man hieraus folgert, daß ein solches eisartiges lind rauchendes Vitriolöl nur aus wenigem Wasser und vielen sauren Salztheilen bestehe, und daß die Crystalle, die es giebk, von dem gewöhnlichen Vitriolöle nur in der Confistcnz verschieden waren. Die eisartige Beschaffenheit des Vitriolölö rührt vielmehr vo>r einem eigenen, dabei) befindlichen, flüchtigen Wesen her, von welchem auch die rauchende Eigenschaft desselben abhangt. Durch gelinde Abdampfung geht die eisartige Beschaffenheit des Vitriolöls verloren; aber gewiß wird dadurch nicht seine Stärke vermindert. Das Vitriolöl kann also sehr stark und doch nicht crystallinisch seyu; obgleich das letztere auch nur bcy einer coucenlrir- ren Säure stattfindet. ^cmpel, über das Gefrieren des sogenannten Vitriolölö; m LreUs Auswahl Oer neuen iLncd. Th> lV. S. 146. §. 46 z. Man kann dies flüchtige Wesel? aus dem rauchenden, starken, Nordhauscr Vitriolöl erhalten, wenn man das letztere aus einer gläsernen Retorte im Sandbade mit einer daran gelegten trockenen, große» Vorlage behutsam so lange destillirt, als das rückständige Vitriolöl noch Dampfe von sich giebt. Die Fugen der Gefäße braucht man hiebe» nur mit Papier und Bindfaden zu umwinden. Die Vorlage, die am besten in kaltem Wasser oder Schnee liegt, wird bald mit weißen Dämpfen angefüllt, die sich als glänzende, zarte Fäden, meh- rcntheils sternförmig , an die Wände anlegen. DaS rückständige Vitriolöl hat nun die rauchende Eigenschaft ganz verloren , und auch die leichte Gefrierbarkeit, oder die eisartige Beschaffenheit. Das übergegangene fluch- ttFr Vltrloljalz (lül volstlls vltrioli) hingegen raucht ganz ungemein stark, wenn es die luft berührt; es zerstießt z 04 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. fließt sehr leicht an der Luft und in der Warme; es löst sich im Wasser mit sehr starker Erhitzung auf; schmeckt sehr sauer; und liefert nach der Auflösung mit Wasser und nach dem Ausstellen an die Luft eine gewöhnliche Schwefelsaure; sowie auch mit der Zeit, wenn es in nicht wohl verschlossenen Gefäßen aufbewahrt wird, die rauchende Eigenschaft ganz verloren geht. Man hebt eck am besten in einem Glase mit eingeriebenem Stöpsel auf, worein es aus der Vorlage gegossen werden kann, nachdem man diese erwärmt, und das Salz dadurch geschmolzen hat. Am besten stellt man die Destillation des Vitriolöles zur Erlangung dieses flüchtigen Wesens im Winter an. Meters ckem. Vcrfuckc, S. 164. Zöcricharvts ck/m, Erfahrungen, S. Z- und 45. i/o. (?orlo/>. Vit!'.de Lale vitrioll volatili, bielmlk. 1785.4. H. 464. Die Verbindungen dieses flüchtigen Vitriolsalzes sind noch nicht in das gehörige Licht gesetzt. Mit der in der Holge zu beschreibenden unvollkommenen Schwefelsaure hat es gar leine Aehnlichkeit. Fourcroy's Meinung aber, daß es aus der Verbindung der conccntnrten Schwefelsäure mit dem schwefligtsaurcn Gas entspringe, verdient weitere Prüfung. De Fourcro)? Erfahrungen über das rauchende Vitriolöl aus Sachsen, und über das trockene flüchtige Salz, das man durch Destillation daraus bekömmt; ans Vcn -te l'-ic. ,-oA. /c. 1785. S. Z7Z. ss. überftizl m LrcUs Aimal, 1791. B. II. S. z6z. ff. §. 465. Braunes Vitriolöl kann man zwar durch das Sieden in offenen Gefäßen völlig entfärben, und von dem rauchenden Wesen befreyen; aber dies Verfahren reicht nicht mit!Alkalien, Erden und Brennstoff. zc?5 nicht zu, um auch andere, darin aufgelöste, feuerbeständigere, Uneinigkeiten auszuscheiden. Dies wird nur durch eine Recrificirung des Vrrnolöles bewirkt, die man nach Hrn. XVcstrumb am besten fo unternimmt, daß man erst durch Erhitzung des Vitriolöls das rauchende Wesen völlig abscheidet; und dann aus kleinen Retorten (von 18 Unzen), die man zur Hälfte damit anfülle, de- stiliirt. Man legt die Retorte in einen Schmelztiegel, bedeckt sie überall mit Sand, setzt den Tiegel in einen gut ziehenden Windofen, so daß er mit dem Schnabel auf der Wand des Ofens ruhet, und legt ohne allen Kütt eine Vorlage an. Man destillirt hierauf bei) einem mäßigen Feuer, wobey der untere Theil des Tiegels glühet; und hütet sich, durch zu starke Hitze, die Dämpfe zu hänsig zu entwickeln. Bey der Rectisication des Vitriolöls in großen Retorten werden diese gewöhnlich zersprengt. xvestrumb über die sicherste Art, das Vitriolöl zu rectificiren; in seinen chem. Abbanvl. Heft. I. S. 149. h. 466. Gegen das Wasser hat das Vitriolöl einen großen Hang, und es zieht auch an der bloßen Luft die wässerigten Theile stark an sich. Daher rührt es auch, daß ge- frornes Virriolöl bey einem und eben demselben Grad der Kalte an der freyen Luft nicht gefroren bleibt (§. 461.). Wenn man starkes Vitriolöl ins Wasser tröpfelt, so zischt es, und erhitzt sich gewaltig damit. Diese Erhitzung läßt sich aus der wechselseitigen Verdichtung der Schwefelsäure und des Wassers erklären. Denn das Gemisch ist allerdings dichter, als es der Berechnung zu Folge seyn sollte. H. 467. Durch die Verdünnung des weißen Vitriolöles mit destillirtem Wasser kann man auch den Vitriolspiritus Gmu Sbeniie. i.TH. ^ ZO6 V. Abschu. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. bequemer, als nach der oben (h. 456.) angeführten Weise, erhalten, indem man hier das Verhältnis; der Säure zum Wasser weit sicherer und besser bestimmen kcmii, Gewöhnlich nimmt man einen Theil Vitriolöl zu Vre» oder vier Theilen Wasser. Das Eintröpfeln des Vitriolöles ins Wasser muß wegen der entstehenden Erhitzung behutsam geschehen, und man muß nicht umgekehrt das Wasser ins Vitriolöl gießen, weil sonst alles mit Gewalt umherspritzt. Durch die Verdünnung M Wasser verliert das rauchende Vitriolöl alle rauchende Eigenschaft. Schwefelsaure Neutralsalze. Schwefelsaures Gewachsalkali. §. 468. Wenn man stark verdünnte Schwefelsaure solange zum aufgelösten Gewachsallati tröpfelt, bis die vollkommene Sättigung geschehen ist, so erhalt man daraus cin eigenes Neutralsalz, welches in den Officinen vmiolü strter Weinstein (tarmruz vüriolstuz), im System ober schwefelsaures oder vicrislsimres Gcwacbsalkali (kwtullmum t'nlpllnricum ü vttricilatum, ^lcsli vo- Zstsbile vicrlolatum, Lulplms potakkas, üe ko- ech/e) genannt wird. Aeltere Simonyma dieses Salzes sind: 8ak clo lluolzuz, ^roanum clupIicÄtum, 8al pols- cllrelkum Slnwri. Dies Salz schießt in kleinen, durchsichtigen Crystallen an, deren Gestalt aber von verschiedenen Umstanden bcy dem Abrauchen sehr abgeändert wird. Wenn man die Auflösung langsam abraucht, so erhält man sechsseitige Pyramiden, oder kurze sechsseitige Prismen , die sich in eine oder zwei) sechsseitige Pyramiden endigen. Durch unmerkliches und freywilliges Abdun- sten an der tust bekömmt man oft zwölfseitige Crvstalle, welche aus zwey sechsseitigen, an ihrer Grundfläche cur mit Alkalien, Erden und Brennstoff. ZO? einander gefügten, Pyramiden bestehen, manchmal auch mit einer noch dazwischen liegenden kurzen sechsseitigeir Säule. Durch schnelles Abdunsten der Salzlauge entstehen zusammenhangende, unordentliche Crystalle, wie das verkäufliche Salz ist. §. 469. Der vitriolisirte Weinstein hat einen bitterlichen Geschmack. Er löst sich nur in geringer Menge und langsam im kalten Wasser auf. Beym 50^ Fahrenheit erfordert er 16 Theile Wasser zur Auflösung, beym Sieden aber nur 4,120 Theile. Er laßt sich also durchs Abkühlen crystallisiren. Seine Schwerauflöslichkeit ist schuld, daß er als ein Pulver niederfällt, oder einen unförmlichen Klumpen bildet, wenn man, nicht stark genug verdünnte, Schwefelsäure zum Gewächsalkali schüttet. Der vollkommene vitriolisirte Weinstein enthält nach Bergmann 0,52 an Gewächsalkali, <2,40 Schwefelsäure, und nur 0,08 Crystallssationswasser. §- 47°- An der luft sind die Crystalle des vitriolisirten Weinsteines beständig; er zerfließt nicht und zerfällt auch nicht in der Wärme. Auf Kohlen geworfen knistert er, und zerspringt wegen der geringen Menge seines Crystallen- wassers. Er erfordert zum Schmelzen eine sehr beträchtliche Hitze; und schmelzt erst nach dem Glühen zu einer undurchsichtigen, zerreiblichen Masse, die im Wasser auflösbar, und unveränderter vitriolisirtcr Weinstein ist, der nur sein Crystallenwasser verloren hat.. Denn vow der Säure läßt sich durch die Hitze nichts aus ihm austreiben. Bey anhaltender Gluth aber verflüchtiget sich dies Salz endlich doch, aber ohne daß es zersetzt würde. Die Kieselerde bringt er in starker Hitze nach Achard zur Verglasung. Us §4?r. ZO8 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. 47 Man macht dies Salz zum Gebrauch der Arzney- kunsr nicht durch unmittelbare Verbindung des Gewächs- alkali mit der Schwefelsaure, was zu theuer komm«, würde, sondern gewinnt es theils als Nebcnprodnct bey - der Zersetzung vitrislsaurerVcittclsalze oderNeurralsalze, z. B. des Bittersalzes oder Glaubersalzes, durch Gewachsalkali, theils durch Zerlegung von Neutralsten f aus Gewachsalkali und einer andern Saure, wie z.B. des Salpeters, durch die Schwefelsaure; sonst aber auch absichtlich nach der TacbcmjcbenXVelst durch Zersetzung - des grünen Vitrioles vermittelst des Gewachsalkali. Man ! löst zu dem Ende eine beliebige Menge grünen Vitriol in ^ einem eisernen Kessel über dem Feuer in acht Theilui ! Wasser auf, schüttet dann zu dieser Auflösung von einer heißen lauge aus Pottasche, und rührt das Gemenge um. ^ Eö entsteht ein Niederschlag des Eisenkalks und ein Ans brausen. Man fahrt so lange mit dem Zugießen deral- kalischen lauge fort, bis etwas von dem Durchgeseihetsn der lauge keinen Niederschlag weiter von dem Fallungsmittel erleidet. Man thut wohl, wenn man die Mischung mit etwas Alkali übersattigt. Man laßt hierauf ! den Niederschlag sich setzen, wobey man aber das Gemenge warm erhalten muß, wenn anders kein vitriolisir- , ter Weinstein niederfallen soll, und gießt dann die lauge klar ab; oder man seihet alles heiß durch Spitzbeutel, f laugt den Rückstand aus, raucht die klare lauge in eiser- ! nen Pfannen ab, und laßt sie crystallisiren. Das Salj muß weiß aussehen, seine Auflösung in Wasser muß von Alkalien nicht getrübt und vom Ammoniak nicht bläulich werden. Das letztere wäre ein Beweis seines Kupfergehaltes. H. 472. Herr Roucrle hat bemerkt, daß man mit dem vl- lriolisirten Weinsteine noch eine größere Menge von Schwe- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 309 Schwefelsaure verbinden könne, als er sonst von Natur enthalt, dadurch, daß man Vicriolöl aus einer Retorte darüber bis zum Glühen und zur Trockniß abziehet. Er wird dadurch mit Schwefelsaure übersättiget, und erlangt andere Eigenschaften. Er röthet die blauen Pflanzenfarben, er ist auflöslicher im Wasser, er hat einen säuerlichen Geschmack, und braust mit den kohlensauren Alkalien auf. Aber seine überschüssige Saure hangt ihm nicht bloß mechanisch an: denn sie kann weder durchs Auflösen mit Wasser und durchs Crystallisiren, noch durch die Dcstillationshitze davon geschieden werden. Nach Fourcrov schmelzt diese Verbindung in der Hitze auch zu einer Art von undurchsichtigem Giase, das sich wieder im Wasser auflöst, die Feuchtigkeit aus der wft aber nicht anzieht, ohngeachtet es sauer schmeckt. Llemens cdim. 4 eä. 1°. II. S. il. §- 47Z- Das schwefelsaure Gewachsalkali wird in dem Mineralreiche selten natürlich gefunden. In mehrern Gewachsen aber ist es zugegen, wenigstens trifft man es häufig in der Asche verschiedener Pflanzen an; und das gewöhnliche aus der Asche der harten Holzarten gezogene Alkali ist mehr oder weniger damit verunreiniget. Schwefelsaures Miueralalkali, oder Glaubersalz. §- 474. Mit dem Mineralalkali gesättigt giebt die Schwefelsäure das Glaubensche Salz oder Glaubers VOuns dersälz der Officium (lal mirsdils (ZIanberi), welches iin Systeme schwcfeljaurcs oder vittiolsäurcs NM Neralalkalt(Matrum luIpbuiiLam f. vitriolatum, Loüg, vitriolatg, ^VlLgli nnneralo vitnolgtum, 8ulpkm5 Loclss, tie 5ourie) genannt wird. Dieses Neutralsalz U z schießt. Ziv V. Abschn. Mineral. Sauren n. ihre Verbind. schießt in großen, ansehnlichen, durchsichtigen Crystallen an, welche eigentlich plattgedrückte Säulen, mir sechs ungleichen, gestreiften Flachen, und zweyscitigen, oder vierseitigen , oder sechsseitigen Endspitzen sind. Sie enthalten im vollkommnen Zustande nach Bergmann o,iz mineralisches Laugensalz, 0,27 Vitriolsäure, und o,zz Crystallenwasser. H. 475- Das Glaubersalz hat einen anfangs etwas kühlenden, hernach aber ziemlich bitterlichen Geschmack. Bey dem 50° Fahrenheit erfordert es nur 2,857 Theile Wasser zur Auflösung, wenn es crystallisirt ist; vom siedenden Wasser nur 0,800. Es läßt sich daher durchs Abkühlen crystallisiren; und bcym Abrauchen seiner Auflösung giebt es, wegen seiner großen Auflöslichkeit im heißen Wasser, kein eigentliches Salzhäutchcn (§. 29z.), sondern gerinnt vielmehr endlich ganz zu einem unförmlichen Klumpen. Wegen der großen Menge des Wassers in seinen Crystallen, und wegen seiner leichten Auflöslichkeit darin in der Hitze, zergeht es daher auch leicht ssber dem Feuer. Dies ist also kein wahres Schmelzen ^ (h. in). Denn wenn das Wasser verdunstet ist, so wird das Salz wieder feste, und schmelzt nun erst nach dem Glühen bey einer ansehnlichen Hitze. §. 476. An der Luft, zumal in der Wärme, verliert das schwefelsaure Mineralalkali seine Durchsichtigkeit und seine Crystallengestaltsehr leicht, und verwandelt sich in ein weißes Pulver. Dies rührt von dem Verlust seines Cry- ssallenwasscrs her. Denn das zerfallene Glaubersalz liefert nach dem Wiederauflösen im Wasser die vorigen Crystallen wieder. Man muß sich dies merken, wenn man das Glaubersalz als Arzney anwendet; weil von dem mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z i - dein zerfallenen Salze, wegen seines verlornen wasserigten Theiles, kaum H von der erforderlichen Menge des crystalliuischcn anzuwenden sind, und in dieser geringem Menge eben das dadurch bewirkt wird, was das crystal- linischc in der großer« thut. Das zerfallene Glaubersalz schmeckt nicht sowol kühlend, als vielmehr etwas erhitzend. Die Ursach laßt sich leicht aus dem obigen !/. /c. 1784 S. 7Zi. ff. übcrftyt in Lretls Annalcn, 1789- B- ll. S. ZZ2. ff. §. 48z. Dies Ammsniakalsalz soll sich übrigens auch natürlich, in der Nachbarschaft der Vulkane, besonders des Vesuvs, nach Herrn Sage sinden; allein Herr Bergs manu hat dies etwas zweifelhaft gemacht. Auch soll es in den mineralischen Seen von Toscaua, und an der Oberflache der Erde bey Turin gefunden werden. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. ? 15 opusc. Vol: III- S. ag6. okkervst. ?om. XVI. S. Z6Z- H. 4«4- Wenn man das schwefelsaure Ammoniak mit einem feuerbeständigen Alkali zusammcnreibr, so wird jenes zersetzt, und es entwickelt sich sogleich das 'Ammoniak, weil die Schwefelsaure naher mir dem feuerbeständigen, als mit dem flüchtigen Alkali verwandt ist. Wenn man ätzendes feuerbeständiges Alkali damit vermischt, so entwickelt sich durch eine einfache Wahlverwandtschaft das flüchtige Alkali ebenfalls wieder in ätzender Gestalt. Ist jenes aber kohlensauer, so geht durch eine doppelte Wahlverwandtschaft dieses mit der Kohlensäure verbunden als kohlensaures Ammoniak über. Nach Wenzel wird durch das schwefelsaure 'Ammoniak das gemeine Glas zersetzt, wenn man es darauf tragt, wenn dies im Flusse ist: das Ammoniak verfliegt nemlich, und die Schwefelsäure verbindet sich mit dem feuerbeständigen Alkali des Glases, wodurch die Kieselerde abgeschieden wird. U?cn?els Einleitung in die höhere Chimie, §. iz6. Schwefelsaure Mittelsalze. Schwefelsaure Kalkerde oder Gyps. §. 485. Die Kalkerde wird von der Schwefelsaure mit oder ohne Aufbrausen aufgelöst, je nachdem sie kohlensauer oder gebrannt ist. Die Verbindung, welche nach vollendeter Sättigung daraus entstehet, hat kaum einen merklichen Geschmack, und ist sehr schwerauflöslich, so daß, wenn man die Schwefelsaure nicht mit sehr vielem Wasser verdünnet hat, der größte Theil davon sich sogleich bey seiner Entftehung^niedcrschlägt. Wenn man aber recht sehr verdünnte Schwefelsäure anwendet, oder sie zum Kalk- 516 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Kalkwasser in dem Verhältnis; thut, daß sie mit der Kalkerde gesättigt wird, und nach dem Durchseihen die Auflösung abraucht, oder noch besser unmerklich abdunsten laßt, so bilden sich kleine, nadelförmige Crnftalle, ohne erheblichen Geschmack, welche Gelenkt, künstlicher G^ps (ilelemtez, ß^plum), oder nach Bergmann rltriolstmrer ^alk (cslx vitriolats), seht schrvefelsäure Balkerdc (Lulx tulplmrica, 8ulpdgz cglcl5, e/s genannt werden. Diese Verbindung der Schwefelsaure mit der Kalkerde kömmt mit dem natürlichen Gypje übcrein, der sich häufig und in Menge, mehr oder weniger durchsichtig, und in verschiedener Gestalt und Harle findet. Zu der natürlichen schwefelsauren Kalkerve gehört: (Aar/c« a. a. O. S- 16.) i) G)-ps. s) Gypscrde. b) Dichter Gs'ps (Alabaster). c) Fasrlger Gfps. s) Frauenels (Gypsspath, MarieneiS, I.sxis sxecukm, Llaciez tUariae, 8tirium pelluciäum). §. 486. Der Gyps müßte zwar wegen der Bestandtheile, woraus er zusammengesetzt ist, zu den Mittelsalzen gezahlt werden; er erfordert aber an 470 Thcile siedendes Wasser zu seiner Auflösung, und mehr als 500 bcy dem 50^ der Warme nach dem Fahrenheitischen Thermometer; und wir müssen ihn daher, nach unserer oben (§> 289.) gegebenen Erklärung von einem Salze, zu den Erden rechnen (§. zzo.). §. 487. Wegen der Schwerauflöslichkeit der schwefelsauren Kalkerde im Wasser können wir sie nur in sehr unbeträchtlichen Crystallcn barstellen; die Natur liefert sie uns aber im mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 17 im Fraueneise (§. 485. Anmerk.) oft in ansehnlichen Crnstallen. Diese Crystalle sind eine sechsseitige Säule, die an den Enden zugeschärft ist. Da zwei) gegen einander überstehende Seitenflächen oft weit breiter, als die übrigen vier, und die Zuschärfungen schief aufgesetzt sind, so erhalten die Crystalle dadurch ein rhomboidalischeS Ansehen, oder werden rhomboidalische Tafeln mit abgestumpften Kanten. Das Frauencis enthält eine verschiedene Brenge des Crystallenwassers, und daher rührt auch die größere oder mindere Durchsichtigkeit oder Un- durchsichtigkeit des natürlichen. Nach Bergmann enthält das crystallisirte Fraueneis 0,32 bis 0,34 Kalkerde, 0,44 bis 0,46 Schwefelsäure, und 0,22 Crystallenwafser. Die Crystalle sind in der Luft beständig; doch äußern freylich die gemeinschaftlichen Kräfte der Luft, des Wassers und der Wärme endlich einige zerstörende Wirkungen auf den natürlichen Selenit, in Absicht seiner, von dem Crystallenwafser abhängenden, Durchsichtigkeit. H. 488. In der Hitze hingegen verliert der Selenit sein Crystallenwafser leicht, er wird unter einer Art von Aufwallen undurchsichtig, wenn er vorher durchsichtig war, und sehr zerreiblich und locker, wenn er Festigkeit lind Härte besaß. Bringt man ihn schnell in ein starkes Feuer, so verliert er das Wasser unter einem Knistern. Der Gyps oder Selenit, welcher durchs Feuer seines Crystallwassers beraubt worden ist, heißt gebrannt (Zypsum uüum), und an einigen Orten auch Gypekalk oder Sparkalk. Der gebrannte Gyps saugt mit vieler Kraft das Wasser, das man mit ihm vermengt, ein, (wobey er oft einen schwachen Geruch von sich giebt, der dem von faulen Eyern ähnlich ist, wovon die Ursach aus dem Folgenden erhellen wird,) und erhärtet damit wieder, durch eine Art von unvollkommener Crystallisation, zu einem steinharten Z18 V. Abschtt. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. harten Körper. Hierauf gründet sich die Anwendlinz des Gypses zum Gipsmörtel- §. 489. Das Brennen des Gypses erfordert bey weitem das Feuer nicht, als das Brennen des Kalks; es geschiehst im Großen entweder in Meilern, oder in offenen Oefen; auch in Backöfen. Der gebrannte Gyps wird hernach auf eigenen Mühlen oder Puchwerken gepulvert, und hernach gesiebt, wobey es aber, aus dem eben angeführten Grunde, zu dem Gebrauche desselben nicht anders, als nachtheilig seyn kann, wenn man ihn mit Wasser besprengt. §. 490. , Wenn der Gyps zu wenig gebrannt ist, so verhärtet er mit dem Wasser nicht gehörig; und auch gut gebrannter Gyps thut dies, wenn er der feuchten luft zu Zange ausgesetzt wird, indem er die Feuchtigkeiten daraus in sich ziehet. Beym Brennen des Gypses ist aber auf der andern Seite wieder Vorsicht anzuwenden, das er nicht zu stark und zu heftig gebrannt werde; den» alsdann wird er mit dem Wasser auch nicht gehörig hart. Man nennt ihn codtgebranm; und er hat dann nicht sowol von seiner Schwefelsaure verloren, welche sich, ohne Zwischenmittel, durchs stärkste Feuer nicht daran abtreiben laßt, als vielmehr einen anfangenden Grad der Verglasung erlitten. H> 491. Bey der Anwendung des Gypses zum Gypsmörtel muß jener nicht nur gehörig gebrannt seyn, sondern es muß ihm auch weder zu wenig, noch zu viel Wasser zugesetzt werden. Im erstcrn Fall findet er weniger Wasser, als er in sich nehmen und binden kann; und verhärtet daher nicht gehörig. Im letztern Falle verhärtet er zu mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 19 zu langsam; doch ist dieser Fehler nicht so groß, als der crstere. Uebrigens dehnt sich der gebrannte Gyps bey seiner Vereinigung mit dem Wasser in einen größern Raum aus; und nimmt am Gewicht zu, ohne daß er nachher an der Luft diesen Zuwachs wieder ganz verliert. Daß der alte Gypsmörtel durchs Brennen nicht wieder zu gebranntem Gypse werden könnte, ist unwahr. — Der Zusatz des Sandes bcym Gypsmörtel ist unnöthig, da er schon für sich selbst einen festen Zusammenhang erhalt; mehr nützt noch dieBeymischung des gebrannten Kalkes. H. 4?2. Im heftigen Feuer, und auch vor dem Löthrohre, fließt der Gyps endlich zu einer Art von Glas; nach Hrn. Gerhard aber nicht im Kreidentiegel, sondern nur im Thontiegel. Vor dem Löthrohre mit dephlogistisirter Luft schmelzt er leicht. §. 4YZ- Wenn man etwas schwefelsaures Gewachsalkali oder Mineralalkali in Kalkwasser auflöst, und die Auflösung hernach abdunstet, so erhalt man Selenitcrystalle. Jene Ncurralsalze werden zersetzt, und ihre Alkalien in ätzender Gestalt abgeschieden. Die Schwefelsäure muß also mit den feuerbeständigen Alkalien nicht so nahe verwandt seyn, als mit der Kalkcrde. Uebrigens kömmt uns diese Verwandtschaft eben nicht zu statten, um aus dem Glaubersalze das Mineralalkali durch ungelöschten Kalk wohlfeil darzustellen, weil dieser nur nach Maaßgabe seiner Auflösung im Wasser die Schwefelsäure trennt. Kohlensaurer Kalk scheidet die Schwefelsäure keincsweges von den fixen Alkalien ab, weil hier zugleich die Anziehung der Kalkerde zur Kohlensaure wirkt. §. 494. KW M 32O V.Wschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. §. 4? 4. Aus dem schwefelsauren Ammoniak entbindet die ge- brannte Kalkerde sogleich das Ammoniak in ätzender Gestalt, und sie vereiniget sich mit der Schwefelsaure desselben zum Selenit. Kohlensaure Kalkerde bewirkt wegen der Kohlensäure, die von dem Kalk stark angezogen wird, keine Zersetzung des schwefelsauren Ammoniaks auf nassem Wege; auf trocknen: Wege hingegen, in der Hitze, scheidet sie das Ammoniak als kohlensaures ab; aber hier wirkt auch offenbar die Hitze zugleich mit. §. 495. Wenn man aber z Theile fein geriebenen Gyps mir z bis 6 Theilen kohlensaurem feuerbeständigen Alkali wohl vermengt, und zusammen einige Stunden lang in einem Schmelztiegel gelinde calcinirt, so läßt sich nach dem Erkalten aus der klar geriebenen Masse mit siedendem Wasser ein wirkliches, obwol mit Alkali übersetztes, schwefelsaures Gewächsalkali oder Mineralalkali auslangen, je nachdem das Laugensalz beschaffen war; und die Kalkerde bleibt als kohlensaure Kalkerde im Seihezeuge zurück. Auch auf nassem Wege läßt sich durch Kochen des kohlensauren Alkali's und Gypses mit Wasser dieser zerlegen, und die Kalkerdc desselben als kohlensaure Kalkerde abscheiden. Daher werden die gypshaltigen O.uell- und Brunneuwasser vom kohlensauren feuerbeständigen Alkali getrübt. §. 496. Auch das kohlensaure Ammoniak zersetzt auf nassem Wege den Gyps, und schlagt aus der Auflösung desselben im Wasser die Kalkerde, als rohe Kalkerde, nieder. So läßt sich auch schwefelsaures Ammoniak verfertigen, wenn man eine Auflösung des kohlensauren Ammoniaks mit feingepulvertem Gypse, in wohl verschlossenen Gefäßen zu- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 321 zusammen kalt digerier, das Gemenge öfters umrührt, und dann nach mehrern Tagen auslaugt, wo die Kalk- erde des Gypses im kohlensauren Zustande übrig bleibt, und das Ammoniak, wenn eS Gyps genug augetroffen hat, ganz in schwefelsauren Ammoniak verwandelt worden ist. Durchs Abtauchen und Crystallisiren kann man den etwa dabey befindlichen Gyps aus der Auflösung abscheiden. §. 497- Bey Vergleichung der vorher 49z. 494.) erwähnten Zerlegung der schwefelsauren Neutralsalze durch Kalk mir der eben angeführten (h. §. 495 .496.)!?^ Gypses durch kohlensaure Alkalien scheint es, daß eine wechselseitige Verwandtschaft der Schwefelsaure zu den Alkalien und zu der Kalkerde stattfände. Allein der anscheinende Widerspruch fällt weg, wenn man einfache Wahlverwandtschaft von der doppelten gehörig unterscheidet. Denn bey der Zersetzung des Gypses durch kohlensaure Alkalien ist die Kohlensaure mit in Anschlag zu bringen, gegen welche die Kalkerde eine starke Verwandtschaft besitzt, und die Summe dieser anziehenden Kräfte der Kalkerde zur Kohlensäure und der Schwefelsäure zu den Alkalien ist stärker, als die Anziehung zwischen der Schwefelsäure und Kalkerde allein. Es erfolgt also hier die Zersetzung, welche durch einfache Verwandtschaft sonst nicht bewirkt wird. §. 498- Reine Alkalien, feuerbeständige sowohl, als flüchtiges, schlagen daher aus der Auflösung des Gypses in Wasser die Kalkerde nicht nieder; freylich dann wol, wenn man die Vermischung an der Luft stehen läßt, wo die Alkalien Kohlensäure anziehen, und wo sich also nun wegen der letztern eme doppelte Wahlverwandtschaft er- Veens Thenu't. I. Th. K eignet. z 2 2 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind» eignet. Man muß also der reinen Kalkerde auf nassem Wege allerdings eine nähere Verwandtschaft zu der Schwefelsaure zuschreiben, als den feuerbeständigen und flüchtigen Alkalien. Schwefelsaure Talkerde oder Bittersalz. H. 499- Die Talkerde wird von der Schwefelsäure leicht aufgelöst. Auch bey einer ziemlich schwachen Verdünnung mit Wasser erhält man eine klare Auflösung, und es erzeugt sich kein solcher Niederschlag, als bey der Auflösung der Kalkerde in eben dieser Säure (§. 48z.). Man erhält vielmehr, bey getroffener Sättigung, durchs Abrauchen und Crvstallifiren der Auflösung, ein dm Selenit ganz verschiedenes Salz, welches in den Officium Bittersalz, Epssmsaiz, englisches purgirsii; (!'al l^ploncksitts, lal cntlwrticum un^Iiennum, sms- rum), nach dem System aber schwefelsaure oder vi? trisljaure Talkerde ttichlmriLn s. vicrio- lata, tulplmz msZnesiw, genannt wird. §. ZOO. Dies Mittelsalz hat einen sehr bittern, etwas kühlenden Geschmack, und schießt, bey gehöriger Behandlung, in schönen regelmäßigen, vierseitigen, glatten, gleichseitigen Säulen an, welche sich in dachförmige oder zweyseitige Endspitzen endigen. Die Crystalle verliert» in der Wärme ihre Durchsichtigkeit, unv zerfallen endlich in ein weißes Pulver, wegen des Verlustes des Ery- stallenwasscrs. Die Crystalle enthalten nach Ber^ manu 0,19 Talkerde, o,zz Schwefelsäure und 0,48 Wasser. H. 5°l. mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 2 z H. ZOt. Die schwefelsaure Talkerde ist im Wasser sehr auf- löslich, Bey der Mittlern Temperarur nimmt dies etwas mehr als die Hälfte von dem crystallifirtcn Salze auf; vom siedenden Wasser aber werden nur o,666 zur Auflösung desselben erfordert. Es laßt sich daher auch durcbö Abkühlen crystallifiren. Bey dem Abrauchcn der Auflösung darf man dieses nicht bis zum Hautchen fortsetzen, weil sonst alles , wegen der leichten Auflösbarkeit des Salzes in der Hitze, nachher bcym Erkalten zu einem Salzklumpen gerinnt. Am besten erhalt man die Cry- stalle, wenn man das Abtauchen nur so lange gelinde fortsetzt, bis ein Tropfen davon auf einer kalten Flache nach wenigen Minuten anschießt. Durchs unmerkliche Abdunsien lassen sich bey größern Salzportionen die schönsten Crystalle hervorbringen. Das verkätifliche Bittersalz bestehet aus kleinen nadelförmigen Crystalien, welche durch das Umrühren der zum Crystaliisiren fertigen Lauge erhalten worden sind. Es hat auch einigen Hang zum Zerfließen, und dies rührt von einem noch dabcy beflndlichen fremdartigen Salze (salzsaure Talkerde) her. 502. Zn der Hitze zergeht die crystallinische schwefelsaure Talkcrde in ihrem Crystallenwasser; sie schäumt stark auf; trocknet aus, und schmelzt dann erst in einer sehr starken Glühehitze, ohne die Saure fahren zu lassen. Die eal- cinirte schwefelsaure Talkerde verschluckt das Wasser begierig, verhärtet damit, und löst sich erst nach und nach wieder auf. Bey der Vermischung derselben mit dem Wasser erzeugt sich Warme. K- 50z. Die schwefelsaure Talkerde sindek sich auch häufig Natürlich, besonders in mineralischen Wässern, wie Ik s im Z 24 V. 'Abschn. AUneral. Sauren u. ihre Verbind. litt Seidschützer Wasser. In den Ebshamer Brunnen wurde das Bittersalz zuerst von Nchern. G'.cw 1675. entdeckt, und seit dieser Zeit in der Arzncykunst unter dem obigen Namen angewendet. erfand die wohlfeile künstliche Bereitung desselben zuerst aus der Mutterlauge des Kochsalzes, die wir unten erwähnen werden. Dies Verfahren wurde erst spater bekannt, nachdem die starke Constitution des Salzes schon vorher zur Muthmaßung Gelegenheit gegeben hatte, daß eö durch Kunst bereitet werden müßte. Kamillus von dem englischen Purgirsalze; aus den Abh. der Akavcm. der Nacurf. ,7,2—1714., übers, in Crclls chem. Arckw, B. IN S. 42. Versuche und Beobachtungen über das bittere Larirsatz, von I. Zörorvn; aussen x/liio/. Vol. XXXlt. I. 1722 und 172g. übers, cbendas. S. 175. Forrseyung, ebcndas S. 177. Uckr das Epsomsalz; von Boulvuc; aus der lütt cie Nsc-b, rov. äes sc. äe Paris von 1718- übcrs im neuen chem. 2Nchio, B. l S. 20g. Untersuchung des Epsomsalzcs, M Ebendemselben, aus den ülcm. vom >7Zi> übers, im n. ch)em. Archiv, B. III. S. 195. H. 504. Die schwefelsaure Talkerde wird sowol von den rcr ncn, als kohlensauren feuerbeständigen Alkalien zersetzt, Durch die erster« wird die Talkerde kohlensauer, durch die letztern rein niedergeschlagen. Die Alkalien geben mit der Schwefelsaure des Bittersalzes entweder eine» vitriolisirten Weinstein, oder ein Glaubersalz. Auf diese Neutralsalze hat aber die Talkerde gar keine Wirkung; sie ist also mit der Schwefelsaure entfernter verwandt, als die feuerbeständigen Alkalien. Hierauf gründet sich die oben angeführte (K. 370.) Gewinnung der Taikcrd! aus dem Bittersalze. §. 5--^ mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z-5 §. 505. In Ansehung des Ammoniaks scheint die Verwandtschaft der Schwefelsaure auf nassem Wege nicht starker zu seyn, als zur Talkerde. Schüttet man atzenden Salmiakgeist zur Auflösung des Bittersalzes im Wasser, so schlagt sich nur sehr wenig Talkerdc nieder; es bildet sich vielmehr nach Bergmann ein dreifaches Salz, eine Zusammensetzung aus Schwefelsaure, Ammoniak, und Bittererde, oder vielmehr zwey verschiedene Salze mit einerlei) Saure. forci/H? äemsgnelis, in feinen c/re?». 1°. I. S. 5?L-; cie aktrsÄ. ei. ebendafl 2^ .111. S. Z ZZ7. Memoire iur lg greciprtatroa äs fullste, uirrste Lr muilate mognellens psr l'ammcuiiague, Le tnr lez i'els triples am» monlaco mgAnelienz, gu! l'e formeut penägnt cerre pre- clgiratlon, psr sl. cie in den cie 2^. ift. G. 2>o. ff. Uebcr das Niederschlagen der virriol-, salpetcr- und salzsaurcn Bittererde durch das flüchtige Laugcnsalz, und über die dreifachen Salze, die sich den diesem Niederschlag erzeugen, von Hrn. de Fourcroy; in Lrells Annal. 1792. L>. t. S. 4z 1. ff. H. 506. Von dem Kalkwasser wird die schwefelsaure Talkerde sogleich zersetzt; die Schwefelsaure wird in Sclenit verwandelt, und die Talkerde fallt nieder. Hiedurch unterscheidet man bequem das Bittersalz vom Glaubersalze. Kohlensaure Kalkerdc, auch selbst im kohlensauren Wasser aufgelöst, kann das Bittersalz nicht zerlegen, wegen der starken Anziehungskraft der Kalkerde zur Kohlensaure. Man findet daher auch in einigen Sauerbrunnen kohlensaure Kalkerde und Bittersalz zugleich. H- 5°7- Bey der Auflösung der kohlensauren Talkerde in Schwefelsaure ist keine betrachtliche Erhitzung zugegen. T z Wenn z 26 V. Abschn. Mineral. Sauren tt. ihre Verbind. Wenn man aber gebrannte und völlig luftleere TM erde, in einer porzellanenen Tasse, oder einem andern schicklichen Gefäße, mit starkem Vitriolöle übergießt, so erhitzt sich das Gemisch stark, es dampft, und man steht es wirklich glühen und Funken umhersprühen, wenn man die Vermischung an einem dunkeln Orte vornimmt. Der Versuch gelingt mit dem weißen, besser aber mit dem braunen rauchenden Vitriolöle. Den Grund dieser Erscheinung kann ich nicht in der Warmematcrie der Talkerde oder cvncencrirten Schwefelsaure allein sindc», weil sie nie allein Feuer oder Glühen hervorzubringen im Standeist (225.), sondern ich folgere daraus, des das Virriolöl, auch das weiße, Phlogiston in sich hake, weiches mit der srepwerdeuden Warmematerie zum licht uno Feuer in Verbindung tritt. Die Erhitzung selbst aber ist aus dem pwtzlichen Uebergang der flüssigm Schwefelsaure mit der Talkerde zum festen Bittersalz zu erklaren. Bey der kohlensauren Talkerde wird diese Erhitzung nicht erregt, weil die Kohlensaure, um bist förmig zu werden, bey ihrer Entbindung die aus der Schwefelsäure freywcrdende Wärmematerie wieder M neuem bindet. Ndetkrumb über die Entzündung der gebrannten Bittersalzerkt mit Vitrioldie; in Erelka Aunalcn -784. Band II. S. 4,^2. ff. N:srnocif. !be über die Entzündung der Bitter- falzcrde durch Bitriolsaure; u, semeu klcüicu phps. chcm. Addaiwl. B. lki. H. l. S. 40;. ff. Schwefelsaure Thoucrde, oder gemeiner Alaun. §. Zog. Das Resultat der Verbindung der Thoncrde mit Schwefelsälirc ist de? Zetnewe Alaun (Blumen vulgare, cruclum, O), den man im System scbwcfcljäure oder Vttriolsaure Thsnerde (^.rZilla ">iub.uriou t'. vlcnols- tu, Lulx'-ms ZrML0z dchf/ule' nennt. A>:dr« mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 327 AnSr. Signa. Marggraf Vcrzeichniß einiger Erfahrungen, die Regeneration des Alauns — sowol, als auch dessen künstliche Zustimmcnschnng aus andern Erden mit dem Aciclo v!tc!o- lico betreffend; in seinen chcm. Scinnreir B. i. S. 595. ff. «Kbenveffelben Versuche mit der Alanncrdc, cbcnvaseibsk S. 212. Abcnveffciben Fortsetzung der Arbeiten milder terra slumrur?, cdcnvaf S. 226. lieekerclres iur la na- ture cle la dske 6e I'slrrn par dt. in den Atcm, cie /'acsci. rot,. -Acr/c. 1760. S. 274. ff. Barons Untersuchung der Grunderde des Alauns; in vcn mincra!. Belustigungen, Th. Iii. S. Z47. ff. §. 5oy. Der Alaun ist ein Mittelsalz von einem anfangs füßlichen, aber hernach herben zusammenziehenden Geschmack. Die Crysiallengestalt des Alauns ist sehr nach der Behandlung seiner Lauge verschieden. Eigentlich sind seine Crystalle vollkommene Occaödra, welche von zwcy vierseitigen, mit ihrer Basis aneinander gefügten, Pyramiden gebildet werden. Nach den verschiedenen Behandlungen sind die Spitzen mehr oder weniger abgestumpft, und die Seiren mehr oder weniger regelmäßig. Bey großen Anschüssen sitzen die Crystalle oft wie eingezapft in einander, so daß sie gewissermaßen eine gegliederte vierseitige Säule mit einer vierseitigen pyramidali- schen Endspitze zu bilden scheinen. Am vollkommensten werden die Octaödra vermittelst der Fäden erhalten, welche man in die zum Crystallisiren fertige Lauge aufhangt. Denn durch das Ansetzen der Crystalle an die Wände der Crystallisirgcfaße geht gewöhnlich eine oder mehrere Flachen verloren, und man sieht öfters auch wcl nur eine einzige Pyramide an dem Crystalle. §. 510. Der Alaun ist im kalten Wasser ziemlich schwerauf- löslich. Denn beym 50° Fahr, erfordert er mehr, als T 4 ib,z6z Z 2 8 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. I8,z6z Theile; vom siedenden Weisser aber nach Bau? ma nur l,6oo und nach Sergmann sogar nur O,750 Theilc Wasser, um sich im crystallinischcn Zustande vollkommen aufzulösen. Der Alaun laße sich daher sehr g»c durchs Abkühlen crystallisiren. Die Crystalle desselben bestehen nach Sergmann aus o, ,8 Thonerde, o,zz Schwefelsaure, und o, 44 Wasser. H. All. An der Luft werden die Alauncrystalke auf der Ober- flache, wegen des Verlustes ihres Wassers, unscheinbar, verwittern aber nicht eigentlich, wie das Glaubersalz. Zn der Hitze zergeht der Alaun in seinem eigenen Cry- stallenwasser, wegen der starkern Annahme der Warme. Das Wasserigte entweicht immer mehr und mehr, der Alaun wird zäher und trockener; er schwillt hiebey ungemein auf, und giebr nach dem völligen Austrocknen eine mattweiße, sehr schwammige, lockere, leicht zerreibliche Masse, welche nun gebrannter Alaun (alumeu ustuw) heißt. §. 512. Der Alaun verliert bey diesem Brennen sein Cry- stallenwasser ganzlich, und beynahe die Hälfte seines Gewichts. Der gebrannte Alaun schmeckt weit stypli- schcr, als der rohe. Er löst sich im Wasser wieder auf, niit Zurückmssung einiger erdigten Theile, und liefert dann durchs Abrauchen und Crystallisiren wieder wahren Alaun. Wenn man das Brennen des Alauns in einer irdenen Retorte vornimmt, welches wegen des Auf- blahens dieses Salzes nur in einer geraumigen Nelorre und bey vorsichtiger Regierung des Feuers geschehen muß, so geht fast bloßes Wasser in die Vorlage über, und nur zuletzt kömmt bey starker Hitze etwas Saure zum Vorschein, aber nach Geofrs>' laßt sieh diese kei- nesweges ganz aus dem Alaune abtreiben. Der hiebey s" mit Alkalien, Erden und Brennstoff. Z29 zu erhaltende Alaunspiritus (ip-riniü swmim;), wie er sonst wol genannt wurde, ist natürlicherweise von schwacher Schwefelsaure gar nicht verschieden. §. S-Z. Der Alaun enthalt immer einen Uberschuß von Schwefelsaure. Er färbt deswegen auch die Lackmus? riuctur und das damit gefärbte Papier roth, und man kann ihn nicht als ein vollkommen gesättigtes Mittelsalz ansehen; aber dieser Ueberschuß der Säure ist ihm wesentlich, und mit derselben geht zugleich Geschmack, Auf- löslichkeit und die ganze vorige Beschaffenheit verloren. Wenn man nemlich nach Hrn. Baumö in eine wässerige Auflösung des gewöhnlichen Alauns eine frisch niedergeschlagene, gut ausgesüßte, aber noch nicht getrocknete, Alauncrde thut, lind damit sieden laßt, so löst sich noch ein ziemlicher Theil davon auf, und die erhaltene durch?- gcseihete Auflösung schmeckt gar nicht mehr wie Alaun, sondern wie ein hartes Wasser, sie röther die Lackmus- tincrur nicht mehr, und liefert beym unmerklichen Ab? dunsten schuppige, weiche, im Wasser sehr schwerauflös- liche, unschmackhafte Crystalle, welche Baume Glas? sclomr nennt, und welche man als einen mir Thonerde völlig gesättigten Alaun ansehen kann. Durch zugesetzte Schwefelsäure verwandeln sie sich nur langsam wieder in gewöhnlichen Alaun. Lhaulncs und L.e Blanc erhielten beym unmerklichen Abdunsten des Salzes sehr regelmäßige Würfel. 25anme's Lrperlmcmalckcmie, Th. I. S. 477. Ambrost Miel). Siefen von würflichten Alauncryfrallen; im neuen -Hamburg. lkNagazin, V. Xll. S. idz. ff. und S. 195. ff. Beyträge zu Hrn. D. Steffens Abhandlung über den würff lichen Alaun, vom Hrn. D. T'ucbbok; in Lrclls chcm. Annalcn, 1785- S. 48z. ff Ulsm. cle dum. 4 Lcl. 1'om. I!. S. 217. X5 H. si4° Z ze> V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind» h. 514. Wenn aber dem Alarm bey seiner Verfertigung oder bey seiner Auflösung im Wasser noch mehr verdünnte Schwefelsaure zugesetzt wird oder bcyzemischr ich als er wesentlich haben muß, so wird dadurch das Anschießen desselben nach BerZsnanns Erfahrungen immer mehr und mehr gehindert und verzögert, je größer die Menge der freyen Saure bey demselben ist. Wenn man aber nach Baren zu einer gesättigten Auflösung des Alauns im Wasser starkes Vitriolöl schüttet, so schieße der Alaun sehr bald in langen strahlichten Crystallen an, welche nach dem Abtrocknen auf Löschpapier und nach dem Wiederauflösen und Crpstallisiren wieder die Gestalt des gewöhnlichen Alauns erhalten. Es scheint also hier das Gegentheil von dem vorigen stattzufinden, und die Schwefelsaure das Anschießen des Alauns eher zu befördern, als zu verhindern. Allein man muß hierbcy das gehörige Maaß der Wasscrigkeit erwägen; im letztem Falle zieht die concentrirte Schwefelsäure das Wässeriz- ke der 'Auflösung mit vieler Stärke an, und der Alaun muß wegen verminderter Menge des Auflösnngsmittels niederfallen. Wenn aber die Schwefelsäure schon Wasser genug hat, oder in der Auflösung des Alauns genug antrifft, so findet der letztere Fall nicht statt, und der 'Alaun wird, so wie auch der Selcnit, der vitriolifitte Weinsiem , und andere Salze, wegen des Uebermaaßes der tsäure im Wasser leichter auflösbar, und um desto schwerer zu crystallisiren. Den Alauncrystallen entzieht starkes Vitriolöl auch das Crystallenwasser, und verwandelt sie auf nassem Wege gewissermaßen in gebrannten Alaun. A. äe couk, slumiuis, in seinen oxulc. 1'. I. S. z 18. ss- §. 5i5. mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z z i §. srz. Man findet den Alaun hin und wieder, obgleich selten, ganz fertig von der Natur zubereitet, in einigen mineralischen Quellen, in Kohlenminen, an den Laven von Vulkanen, und sonst an verschiedenen andern Orten. Der größte Theil dieses Mitrelsalzes wird durch Kunst zusammengesetzt, wovon wir aber erst in der Folge handeln könncm Der gemeine, verkäufliche Alaun pflegt selten ganz rein zu seyn; gemeiniglich ist er mit Eisen oder vielmehr mit Eisenvitriol, und mir schwefelsaurem Gewächsalkali verunreiniget, welche beide mit zugleich in seine Crysiallen übergehen. Der letztere rührt daher, weil man zu der Alaunlauge, die wegen des gewöhnlich dabey befindlichen Uebermaaßes der Säure nicht anschießen will, Pottaschenlauge setzt, um so die überflüssige- Saure wegzunehmen. Manchmal ist der Alaun auch mit Bittersalz verunreiniget. Der gewöhnliche verkäufliche 'Alaun heißt sonst auch von seiner Farbe alumen sl- dum, von seinem Ansehen nlumem ^lacialo, und von der syrischen Stadt ldocabc, oder kbocoa (jetzt Edessa), wo die Europäer die Kunst den Alaun zu bereiten zuerst »ernten, ad rockim oder rnckium, und durch einen Mißverstand dieses letztern Worts auch sl. rupsum. Eine reinere Sorte ist der Neapolitanische, der bey Puzzuolo zu Solfatara (alumen 8olkatarcL) bereiter wird; und dann vorzüglich der römische oder der rothe Alarm (slum?u romauum, rubrum), den man in dem Alaun- Werke dclla Tolfa bey Civita-Vecchia gewinnt. Er ist frey von Eisentheilen, und nur äußerlich mit einer röth- lichen Erde vermengt, welche man durchs Auflösen im Master, Durchseihen und Crystallisiren davon'trennen kann. Diese röthliche Erde ist ihrer Natur nach noch nicht gehörig untersucht; scheint aber doch eisenschüssig zu fem'.. Der GraVenhorsuschs oder BraunschwetZis sche Almm ist durch und durch röthlich, und von dem römv !Z2 V.Abschn Mineral. Säuren u. ihre Verbind. -il römischen und andern Alaun, in Absicht seiner Mischung, merklich unterschieden. Er hat seine rothe Farbe ohne Zweifel vom Kobold. S. , sluminis rosel, <^uoä kratrez (Zravenlwr- Uli IZiuiUui^ae psisnt, exsmen cliemicum; in Ven Lo?»?» ^or. 'I'om. IV. S. Kv. a. a. !). S. zu. §. 516. Mit der Thonerde ist die Schwefelsaure nicht so nahe verwandt, als mit den andern Erden, und mit den Alkalien. Sowol die kohlensauren, als die reinen feuerbeständigen Alkalien trennen auf nassem Wege die Thonerde von der Schwefelsaure. Auch das Ammoniak schlagt die Thonerde aus der Auflösung des Alauns im Wasser nieder, und zwar sowol das reine, als das kohlensaure. Da die Thonerde keine Verwandtschaft zur Kohlensaure hat, so entsteht auch ein Aufbrausen, wenn man kohlensaure Alkalien zum Zersetzen des im Wasser aufgelösten Alauns anwendet. Uebrigens fällt es schwer, die Thonerde, welche man durch Zersetzung des Alauns vermittelst der Alkalien gewinnt, ganz von Schwefelsaure zu befreyen, weil der Alaun bei) der Entziehung seiner Saure immer schwerauflöslicher wird. Man erreicht seinen Zweck noch am besten, wenn man die durch Alkalien aus der Auflösung des Alauns, im Wasser niedergeschlagene Thonerde wieder durch reines Alkali im Wasser auflost (§. 379.), und daraus wieder durch reine Salzsaure fallet. I.V. Richter über die neuer» Gegenstände der Chemie, St. II. S- ?zo. fi. §. 517. Wenn man schwefelsaures Ammoniak mit Thonerde zusammen im Feuer behandelt, so bleibt schwefelsaure Thon- mit Alkalim, Erden und Brennstoff, z z z Thonerde zurück. Dies geschieht aber nicht wegen der nahern Verwandtschaft der Schwefelsaure zur Thonerde, sondern wegen der Wirkung der Hitze, wodurch sich das Ammoniak von der Schwefelsaure trennt. H. 518. Die Thonerde ist mit der Schwefelsaure nicht so nahe verwandt, als die Kalkerde; und es zersetzt sowol die reine, als die kohlensaure Kalkerde den Alaun aus nassem Wege. Schüttet man eine Auflösung des Alauns im Wasser zum Kalkwasser, so entsteht gleich eine Trübung; die Thonerde fallt nieder, und die Schwefelsaure verbindet sich mit der Kalkerde zum Gyps. §- Ziy. Endlich wird der Alaun auch durch Talkerde zersetzt, und zwar sowol durch reine, als durch kohlensaure, indem die Talkerde wegen ihrer nahern Verwandtschaft mit der Schwefelsaure des Alauns damit zum Bittersalz zusammentritt. Schwefelsaure Schwererde oder Schwerspath. §. 520. Die Schwefelsaure Verbinder sich mit der Schwererde mit oder ohne Aufbrausen, se nachdem diese kohlensauer oder rein war. Es gewahrt aber diese Verbindung keine klare Auflösung, auch wenn man sehr stark verdünnte Schwefelsaure anwendet; sondern es schlagt sich alles zu einem im Wasser unauflöslichen Pulver nieder. Eine solche schwefelsaure oder rurrlolsaure Schwere erde (öar^ces ialpkuriLus r. vitriolatus, Dk>rra PON- «korola sulpkiurica 5. viriialara, 8rilpkinz Karotis, >5»/. /are als ist auch der natürliche Schwerspats (üpätlmm poollerolum), der, weil er im Wasser ganz und z z 4 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. And gar unauflösbar, und also auch geschmacklos ist, mit Rech: zu den Erden und Steinen gerechnet wird. H. S2i. Wegen der Unauflöslichkeit im Wasser können wir die schwefelsaure Schwererde nicht in crystallinischerForm darstellen, sondern sie schlagt sich immer als ein unförim liches Pulver nieder. Die Natur hingegen liefert um diese schwefelsaure Schwererde oft in ansehnlichen Cr>>- stallen, von regelmäßigen Umrissen, und bestimmtem Gefüge. Die Mineralogie unterscheidet als Arten des Schwerspalhs a. a. r).): g) Gchrverspach - Erve. h) Dichter Schwcrsp.wh. (o,8z schwefelsaure Schwererde; 0,04 Eiscnk.; c>, 06 Kieselerde; o,o2schwcscl- saure Kalkcrde; 0,01 schwefelsaure Thoncrec; 0,02 Wasser. Wcsrrumd.) e) flattriger Schwerspath. ct) Rorniger Schwerspath. e) Gemeiner Schwerspath. f) kNuliniger Schwerspath. x) Scangenspach. h) fvlognescrstcltt» §. 522. Die Crystallinationen des natürlichen Schwerspaths sind höchst mannigfaltig. Nach Hrn. IVerner lasten sich indessen alle Schwerspathcrystalle unter folgende Hailptcrystailisarionen bringen: die doppelt vierseitige Pyramide, die schiefwinkligte vierseitige Säule, die schiefwinkligte vierseitige Tafel, die sechsseitige Säule, die rechtwinkligte vierseitige Tafel, und die achtseitige Tafel. Die Zuscharfungen der Kanten und Ecken gewahrt mch rcre Abwechselungen dieser Arten. Lronstevrs Mineralogle, überst von Werner; S. öi.ff. H. S-.H mit Alkalien, Erden und Brennstoff. Z z 5 §- 5-z. Der gewöhnliche oder gemeine Schwerspath besteht nach Lerginam, aus 0,84Schwererde, 0,1z Schwefelsäure, und 0,0z Wasser. Die Menge dieses Wassers ist in den durchsichngen Schwerspathcrystallen größer. Das spccifische Gewicht des Gchwersparhs ist ansehnlich, und zwischen 4,000 bis 4,500. §. §24- Der blatterige und crystallinische Schwerspath knistert tind zerspringt, wenn er schnell in ein starkes Feuer gebracht wird. Er verliert sein CrystallisarionSwasser, und brennt sich zu einem Pulver, das aber nicht, wie der gebrannte Gyps, mit Wasser wieder zusammenbackt. Durch die Hitze laßt sich die Schwefelsaure keineswegs aus ihm austreiben. Bei) einem lange fortgesetzten heftigen Porzellänfeucr fließt er nach d'Arcec endlich zu einer Art von Glas; aber nach Herrn Gerhard nur im Thontiegel, nicht im Krcidentiegel oder Kohlentiegel. Die feuerbeständigen Alkalien bringen ihn leichter zum Fluß. Vor dem Lölhrohr mit Lebenslust ist er ebenfalls schmelzbar, unrcr Entwickelung eines fchwefligten Geruchs. Z. 525. Unter allen alkalisch salzigtcn und erdigren Stoffen hat die Schwererde die nächste Verwandtschaft zu der Schwefelsäure. Die ätzenden Alkalien zersetzen daher den Schwerspath auf nassem Wege so wenig, als das Kalkwasscr; aber auch auf trocknem Wege haben sie keine zersetzende Wirkung auf denselben. Wenn man hingegen die reine Schwererde nur der Auflosung der schwefelsauren Neurralsalze zusammenbringt, so werden diese zerlegt, ihr alkalischer Theil wird abgeschieden, und die Schwererde verwandelt sich in Schwerspath. Eden so jer- zz 6 V. Abschtt. Mineral. Sauren «.ihre Verbind. zerlegt sie auch das Bittersalz und den Alaun. Ohne Zweifel wird die Auflösung des Gvvses im Wasser durch die reine Schwercrde auf ahnliche Art zersetzt; wenig- stenö geschiehst es durch eine doppelte Verwandtschaft sogleich, wenn die Schwercrde in irgend einer andern Saure aufgelöst ist. Die Wirrung der Schwererde auf trocknem Wege auf die schwefelsauren Neutralsalze mit einem feuerbeständigen Alkali ist noch nicht geprüft; aus dem schwefelsauren Ammoniak macht sie sogleich das flüchtige Alkali los. H. 526. Die oben (H. zyy.) angeführte Zerlegung des Schwerspaths durch kohlensaure feuerbeständige Alkalien gründet sich auf eine doppelte Wahlverwandtschaft, und beweist keincsweges, daß die Schwefelsäure näher mit diesen, als mit der Schwererde verwandt sey. Es ist auch ein beträchtliches Uebermaaß des Alkalis nöthig, wenn die Zerlegung des Schwerspaths völlig geschehen soll. Auch auf nassem Wege kann man durchs Kochen des fein gepulverten Schwerspaths mit kohlensauren feuerbeständigen Alkalien im Wasser eine Zerlegung des erstem, wiewol nur langsam, bewirken. H- 527. Der Schwerspath löst sich übrigens in der sehr con- centrirten Schwefelsaure nach tNorveau gänzlich auf; nur gehört eine große Menge der Säure und die Bey' hülfe der Siedhitze dazu. Bey dem Erkalten scheidet sich ein Theil wieder daraus ab, und auch durch wenige Tropfen Wasser, womit man die Auflösung verdünnt. Stellt man aber die erkaltete Auslösung an die freye luft hin, so crystallistrt sich der Schwerspath vermitreist der von der Saure nach und nach angezogenen Feuchtigkeit in regelmäßiger Gestalt heraus. Die stark conccntrirte mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z z 7 Schwefelsaure löst vom Schwerspath ^ auf. Aus dieser Auflösung laßt sich die Schwererde durch die kohlensauren Alkalien abscheiden. Schwefelsaure Zirkonerde. H. 528. Wenn die Zirkonerde noch maßig feucht ist, so löst sie sich nach Hrn. Alaprorh in der verdünnten und gelinde erwärmten Schwefelsäure, ohne Aufbrausen, auf. Die gesättigte Auflösung gerinnt in der Kälte zum zarten milchweißen Breye; die mit Schwefelsäure übersättigte hingegen bleibt auch in der Kälte klar, und schießt durchs unmerkliche Abdunsten zu zusammengehäuftcn, vierseitig säulenförmigen Crystallen an, die nicht bitter, sondern schrumpfend schmecken. Sonst kennen wir die Verhältnisse dieser sclzwefeljäuren Zirkonerde (Lircoins, lulpkmrica s. vnriolsta, 8u>p!m5 clraonies, noch nicht weiter. ch- W O §. 52Y. Auf die Kieselerde, Lorunderde und Austrat erde hat die Schwefelsäure keine auflösende Kraft. Wechselseitige Verwandtschaften der Schwefelsaure und Kohlensaure gegen Alkalien und Erden. §> SZo. Die Kohlensäure weicht in der Verwandtschaft der Alkalien und Erden der Schwefelsäure, und wird durch diese daraus entbunden. Die Schwefelsäure braust daher mit allen kohlensauren Alkalien und Erden auf, und die Kohlensäure entweicht in Gaögestalt. ErenS Lhcwie, d Th. H ZZ8 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. h. szr. Alis derKenntniß der respectiven Verwandtschaften der Kohlensäure und Schwefelsäure zu den Alkalien und Erden laßt sich die wechselseitige Zersehung kohlensaurer und schwefelsaurer Neutral-und Mittelsalze auf nassem Wege unter einander beurtheilem Wie haben diese zwar schon im Vorhergehenden mehrentheils angeführt, wir theilen sie aber hier noch einmal der bessern Uebersicht wegen mit. Schwefelsaures Gewachsalkali wird nicht zerseht: durch kohlensaures Mineralalkali, kohlensauren Ammoniak , kohlensaure Kalkerde, kohlensaure Talkerde; nur durch kohlensaure Schwererde, wenn sie durch Kohlensäure im Wasser aufgelöst ist. Glaubersalz wird nicht zerlegt: durch kohlensauren Ammoniak, kohlensaure Kalkerde, kohlensaure Talkerde; wohl aber durch kohlensaures Gewächöalkali und kohlensaure Schwererdc, wenn sie durch Kohlensäure im Wasser aufgelöst ist. Gchrve? felsaures Ammoniak wird durch alle kohlensaure Neutral- und Mittelsalze zerseht; nur nicht durch kohlensaure Talkerde. Gyps wird auch nicht zerseht durch kohlensaure Talkerde; wohl aber durch kohlensaures Gewachsalkali, kohlensaures Mineralalkali, kohlensauren Ammoniak, und kohlensaure Schwererde. Bittersalz wird nicht zerlegt: durch kohlensaure Kalkerde, wohl aber durch kohlensaures Gewächsalkali, kohlensaures Mineralalkali, kohlensaures Ammoniak, doch nur unvollkommen (§. 505.) und durch kohlensaure Schwererde. Alaun wird durch alle kohlensaure Neutral- und Mittelsalze zerseht; nur freylich nicht durch eine doppelte, sondern durch eine ciu- facheWahlverwandtschaft. Schwefelsaure Schwer? erve wird nicht zerlegt: durch kohlensaure Kalkerde, kohlensaure Talkerde; wohl aber durch kohlensaures Gewächsalkali, und kohlensaures Mineralalkali. mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z z? Schwefelsaure und Brennstoff. Schwefligtsaures Gas. Schwefligte Saure. H. 5Z-. Das weißeste Vitriolöl wird durch alle entzündliche Körper des Thier- und Pflanzenreichs braunlich oder schwarzlich, und erlangt einen schwefligten Geruch; und zwar immer um so viel starker, je genauer und langer es mit solchen Körpern in Verbindung gestanden hat. Wenige Tropfen eines schmierigten oder ätherischen Oels können beym Zusammenmischen mit weißem Vitriolöl sogleich die braunliche Farbe und den schwefligten Geruch hervorbringen; und wenn man eine glühende Kohle ins Vitriolöl taucht, so erheben sich sogleich, auch aus dem nicht rauchenden Vitriolöl, erstickende Dämpfe. H. 53 Z- Die Schwefelsaurs leidet hierbey beträchtliche Veränderungen , und sie scheint gewissermaßen ganz verloren zu gehen oder zerstört zu werden. Wenn man nemlich zu einem ausgepreßten Pflanzenöl in einem porzellanenen oder einem andern schicklichen Gefäße ein starkes Vitriolöl tröpfelt, so entstehtdabey ein starkes Aufwalleu undHitze; und es steigt ein schwefligter, erstickender Dunst daraus hervor; das Äel wird dicklich, und gleichsam schwarzgebrannt. Wenn man auf solche Art 4 Theile Vitriolöl und einen Theil Pflanzenöl in einer kleinen gläsernen Tu- bulatretorte, welche in einem erwärmten Sandbade liegt, unter Beobachtung der gehörigen Behutsamkeit, zusammenbringt, und bep einer vorsichtigen Regierung deS Feuers gelinde destillirr, so geht in die Vorlage, in welcher man etwas Wasser vorgeschlagen hat, eine schweflige riechende, erstickende Flüssigkeit über, die nur sehr wenig sauren Geschmack besitzt. Der Rückstand wird end- P 2 sich Z40 V. Abschtt. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. lich harzige und trocken, und man kann mit Wasser nur wenig von der vorher angewandten Saure auslaugen. H. 534- Um die Veränderungen, welche die Schwefelsaure durch Verbindung mit den verbrennlichen und phlogisti- sehen Körpern erleider, besser beurtheilen zu können, muß mau die dabcy sich entwickelnden flüchtigen Substanzen in pneumatischem Apparat beym Ausschluß der atmosphärischen !uft auffangen. Weil aber alle organische Stoffe bey ihrer Zerstörung und bey der Einwirkung der Schwefelsaure darauf zugleich kohlensaures Gas entwickeln, so muß man solche verbrennliche oder phlogistische Stoffe Wahlen, die keine Kohle zu liefern im Stande sind, und dahin gehören die Metalle. 535. Man schütte zu dem Ende gleiche Theile Quecksilber mrd reine concentrirte Schwefelsäure in eine glaserneRe- torte, bringe die Mündung der Retorte unter den Trichter der Wanne des pneumatischen Quecksilberapparats, lege die Retorte in ein Sandbad , uno erhitze sie nach und nach bis zum Kochen der Schwefelsaure. Es entwickelt sich nun eine Gasart eigenthümlicher Art, die man scl?wef!lfzrsaures (Nas ((3ns ncillum lulplmio- tum, 64/ nennen kann, und die mm auch nach prieftley, ihrem Erfinder, vltttoljaure Äuifc scillus vitrioiicus), sonst aber flücbtlg sc!)rvefcsi saures Gas ((3ns ncillnm kulpb.ur?nm volnülö), Hrr)chrvefelluft oder SclzrvefelFas (^.öe tulpllureus, 6az ckulpkur^um) und luftfornuge phlog:st:strte Vimosi fältre (^.cillum vitriolicum pbln^jtiicntnm nenkorms) genannt hat. Man setzt die Destillation des Gas fort, bis alles in der Retorte trocken, und zu einem weißen Salz geworden ist, das in der Folge erst weiter untersucht werdeuckann. §- 5Z6- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. Z4- H. 5Z6. Dieses schwefligtsaure Gas ist spccifisch schwerer, als atmosphärische luft; und es wiegt ein paris. Cub.Zoll bey io° R. und 28 Z. Barom. Höhe 1,03320 Gr. (franz.). Es hat einen ungemein stechenden und erstickenden Geruch, der dem des verbrennenden Schwefels vollkommen gleich ist, und einen sehr schwachen säuerlichen Geschmack. Es taugt nicht zum Athcmtzolcn für Thiers, und diese ersticken darin sehr schnell. Es löscht das Feuer sogleich aus, und es kann kein entzündlicher Körper darin in Brand gesetzt werden. Es wird vom Wasser verschluckt, und zwar nicht bloß vom kalten, sondern auch vom siedenden, welches mit dem kohlensauren Gas nicht geschiehst, und wodurch man beide auch von einander absondern kann. Bey der Auflösung desselben im Wasser erzeugt sich Wärme, und das Eis schmelzt im Gas schnell. H. 5Z7- Die Basis dieses Gas, deren Verhalten wir am besten an dem damit verbundncn Wasser (h. 536.) untersuchen können, nenne ich sthwefligte Saure oder unvollkommene Schwefelsaure snlpburo- kam, ck-icks(H. 308.), um sie so von der bisher abgehandelten Schwefelsaure (Aci-lum suZpbnricum) zu unterscheiden. Sonst nennt man sie auch phlsgistt? ftt'te Vurlolsaure (Eickum vilrioll pblo^ilclLälum), flüchtige Schwefelsäure (ÜLiilam sulplmriz vvlatils) und flüchtige Virriols amc (Aeiäum vitrioiicnlU vc>- Zati!?). §. ZZ8. Die schwefligte Säure unterscheidet sich von der gemeinen und gewöhnlichen reinen Schwefelsaure durch ihren erstickenden und durchdringenden Geruch, welcher mit dem vom verbrennenden Schwefel ganz übereinkömmt; st) 3 durch 342 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. durch ihre Flüchtigkeit, die so groß ist, daß sie schon Key Berührung der suft verstiegt, und welche verhindert, daß man sie nie concentrirc darstellen kann; und durch ihre mindere Saure. H. 539- Das Wasser, welches die Basis des schwefligtsau- ren Gas in sich genommen hat, und damit gesättigt ist, ist nur schwach säuerlich vom Geschmack, und hat eine» durchdringenden schwefligten Geruch. Es röchet zwar den Violensyrup, es zerstört aber endlich seine Farbe ganz. So verlieren auch die Tinctur der Rosenblatter, und mehrere Pigmente ihre Farbe dadurch gänzlich. Merkwürdig ist es, daß die gemeine Schwefelsäure diese Farbe wiederherstellt. §. 540. Am auffallendsten unterscheidet sich die schwefligte Säure von der Schwefelsäure durch ihr Verhalten gegen Alkalien und Erden. Ich nenne die damit gebildeten Neutral? und Mittelsalze föbrvcsligtsaure (ftilpkurosa, um sie so von den schwefelsauren ffulpbnnca, zu unterscheiden. Um die schwefligte Säure von Schwefelsäure frey zu erhalten, bedient sich Herr ZerthoUet zu ihrer Destillation des Woulsischen Apparats , so daß er in der ersten Flasche die Schwefelsäure, und in dem vorgeschlagenen Wasser deck übrigen Flaschen die schwefligte Säure sammlet. Lur I'gciäe lulkurenx, p-ir kett. in V?n M-m. che /'sc, che//c. 1782. S. 51,7. ff. V'crtbollet über die Schwefelsaure, übers, in Cretls chcm. Ann. 178?» B. i.S. gzo. ff. Luits äes Lxperieuces für I'scicis lud fureux, pzr ütr in den che II. S. 54. ff. Fortsetzung der Versuche über die Schwefelsäure, von Hrn. Berchotlec; übcrs. in Crcllo chcm. Ann. 1790. L>. 1. S. 457. ff. Schwkf- mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 4Z Schwefligrsaure Neutral - und Mittelsalze. H. 541. Die Auflösung des Gewächsalkali verschluckt da« schwefligrsaure Gas sehr schnell, und verbindet sichmitsei- ner Basis. Es liefert damit ein eigenes Neutralsalz, das wir schrvefllgtjaurcs Gervachsalkali (?otsss>nurn l'ulpllurolnm, Kulpins potackss, alsnennen können, und das sonst den Namen von Grahls Schrveselsttlz (8al Neutrum ckilpburis des geschwefelten Wenisteins Cckartarus sulpllnrstuz) und des flüchtigen vicriollsirren Weinsteins Ccksrtsrus Vltriolstns volstili5) führte. Es kann dies Salz auch auf mehrere andere, noch zu erwähnende, Arten dargestellt werden. Es unterscheidet sich vom schwefelsauren Gewachsalkali (A. 468.) durch die Gestalt seiner Crystalle, die spießigt sind, sonst aber auch in der Form zweyer vierseitiger, mit ihrer Grundflache an einander gefügter, und an ihrer Spitze abgestumpfter Crystalle vorkommen. Es schmeckt bitter, hat aber einen sehr merklichen schwcfligten Nebengeschmack, und löst sich im Wasser sehr leicht auf. Mit schwefligter Saure übersattigt ist es an der Luft zer- fließlich. Sonst verwandelt sich das schwefligtsaure Gewachsalkali mit der Zeit an der Luft wieder in gewöhnliches schwefelsaures Gcwächsalkali. pr-Lli D/. Dick, rsrtsro vltriolato volstili. Dal. 1757. 4. §- 542. Mit dem Mineralalkali erhält man durch schwcf- ligte Säure ebenfalls ein vom gewöhnlichen Glaubersalz verschiedenes Ncurralsalz, schwefligtsäurcs Mincral- alkall (Matrum snlplnn-olum, 8nlpk>iz 8vüss- te sle 5o«al-). Es schießt in kleinen nadelförmigen Crystallen an, und unterscheidet sich auch durch einen P 4 schwef- Z44 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. schwefligten Nebengeschmack. Mit der Zeit wird es an der Luft in gemeines Glaubersalz verwandelt. H- 54Z. Aus dem Ammoniak und der schwefligten Säure entsteht der sthrvefligtsaure Ammomak (^mmnniz. cum sulylinroinm, 8ulpl>iz ^mmonigci, Mom'ck/Z'tts), den man auch Gcbnwfelsaimt'aL (uicgii volatils l'ulpknrstum, lal smmoniucum lnlpluireum) genannt hat, der in nadeiförmigen Crystallen anschießt, sich nicht sublimiren läßt, und mit der Zeit auch in gewöhnlichen schwefelsauren Ammoniak verwandelt wird. Man hat ihn auch natürlich in einigen vulkanischen Gegenden, wie z.B. bey Solfatara, gefunden. §- 544- Die jchwcfligtsäure Aalkerde O-ckx 5alpburosz, unterscheidet sich ebenfalls vom Selcmt nach BerthoUet durch eine geringere Auflösbarkeit im Wasser, und durch den schwachen Zusammenhang ihm Bestandtheile. Sie crystallisirt sich in feinen Nadeln. Das schwefligtstmrc Btttcrjälz (magnvlm fniplnu-o- in, alsist nach Bergmann vom gewöhnlichen im Geschmack ganz unterschieden, undschicßt in zartern Crystallen an. Mit der Schwererde gesättigt liefert die Saure die sthwefligtsaurc Schwerere (Kurvten sulydurosuz, die zwar im Wasser ebenfalls unauflösbar ist, aus der aber in der Hitze ein Theik der Saure ausgetrieben werden kann. Gchrvefltgrsattrc Thonecdc OßMa kussibnrOls, 5nl- a!' Aü-MWe) lft nach Bcrthsüer im Wasser beynahe unauflöslich. ^ H. 545- Die Stufenfolge der Alkalien und Erde!? in der Verwandtschaft der schwefligten Säure dagegen isi noch nicht mit Alkalien, Erden und Brennstoff. Z45 nicht hinlänglich erforscht; es ist aber wahrscheinlich, daß sie mit der der gemeinen Schwefelsaure übereinkommen mögte. §. 546. Aus den kohlensauren Alkalien und Erden treibt die schwefliges Saure die Kohlensaure aus, und jene brausen mit dem Wasser auf, das man mit schwefelsaurem Gas gesättigt hat. §. 547- Die gemeine Schwefelsäure oder Vitriolsäure treibt die schwefliges Säure aus den damit verfertigten Neutral- und Mittelsalzen aus; und wenn man auf schwefc« ligtsaures Gewächsalkali reine, weiße Schwefelsaure gießt, so entbindet sich daraus wieder schwefligtsaures Gas. Theorie der schwefligten Saure und des schwefligffauren Gas. §. 548. Die schwefligtsaurcn Neutral- und Mittelsalze verlieren mit der Zeit in der atmosphärischen und in der Lebenslust ihren schwefligten Geschmack, und verwandeln sich endlich in schwefelsaure Neutral- und Mittelsalze. Auch das mit schwcfligtsaurem Gas angeschwängerte Wasser leidet an der respirabeln Luft mit der Zeit diese Veränderung, und verwandelt sich in eine verdünnte Schwefelsäure. In allen diesen Fallen wird die Lebensluft vermindert. Eben dies geschieht, wenn man schwefligtsaures Gas und Lebenslust zusammen stehen läßt; wo sich jenes nach und nach in flüssige Schwefelsäure verwandelt, diese hingegen zersekt wird. In dieser Einwirkung, der rcspirabeln Luft ist vielleicht der Grund zu suchen, warum ch und Cloucr bey starker Kälte V 5 das 546 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. das schwefligtfaure Gas in eine Flüssigkeit verwandelt fanden. F'o«, Tlem. äs cläm. 4 Lä. 1'. I. S. 475. Sbavo^le»- tralts elementslre, S. 244. §- 549> Wir wissen schon aus dem Vorhergehenden (^§.255. ?o8>), daß Hr. L^avoisier die Saurebildung überhaupt aus der Verbindung der Basis der Lebensluft oder des Oxpgenes mit der verbrennlichen Substanz ableitet. Die Bildung der Schwefelsaure erfolgt also seinem System zu Folge aus der Vereinigung des Schwefels mit dem Oxy- gene, oder der Basis der Lebenslust, und in der Schwefelsaure ist der Schwefel die Lata scläitmdle, die durch das Oxygen, oder die gci'äitisnt, sauer wird. Einige verbrennliche oder säurefähige Körper haben das Besondere, daß sie eines verschiedenen Grades der Sättigung mit dem Oxygen fähig sind, und eben wegen der Verschiedenheit des Verhältnisses des Sauerstoffs zur säurewcrdcnden Basis verschiedene Eigenschaften zeigen. Zu diesen Körpern nun gehört der Schwefel. Wird er mit wenig Oxygene oder Sauerstoff vereinigt, so bildet er bey diesem erstem Grade der Oxygenarion eine flüchtige Saure, von einem durchdringenden Geruch, die fchrvcfllgre Säure (^ciäs lulkureux); bey einem größern Verhältniß des Oxygens hingegen zum Schwefel verwandelt sich dieser in eine feuerbeständigere, geruchlose Saure, in Schwefelsäure (Haiäs tulkurigue). §. 550. Nach dieser Theorie wird also der coneentrirten Schwefelsaure, wenn sie mit verbrennlichen Körpern in Berührung kömmt, die mehr Verwandtschaft zum Oxygene haben, als der Schwefel dagegen hat, das Oxygene mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 4? gene entzogen, und folglich die Schwefelsaure zersetzt. Wenn nun der verbrennliche Körper der Schwefelsaure nicht allen Sauerstoff entzieht, sondern nur arösiten- theils, so verwandelt sie sich in schwefligte Saure. Bey der Vermischung der Schwefelsaure z. B- mit Pflanzenölen rauben diese derselben einen Theil ihres Sauerstoffs oder ihrer Lebensluftbasis, und sie entweicht als schwefligte Saure; der Sauerstoff aber tritt mit dem Kohlenstoff der Oele zur Kohlensaure zusammen, so wie sich auch wirklich kohlensaures Gas dabey entwickelt. In dem oben (§. zzz.) angeführten Versuch entzieht das Quecksilber der concentrirtcu Schwefelsäure in der Hitze ebenfalls einen Antheil Sauerstoff, und wird dadurch verkalkt, und von der übrigen unzersetztcn Säure aufgelöst; die zersetzte Schwefelsäure behält aber einen Ancheil Sauerstoff zurück, und bildet damit schwefligte Säure. H. 551. Da die schwefligte Säure bey dem Grade der Temperatur und des Drucks unserer Atmosphäre, worin wir leben, luftförmig ist, so entwickelt sie sich auch in Verbindung mit dem Wärmestoff luftförmig, und bildet so das schwefügtsaure Gas. Die Basis des schwefligtsau- rcn Gas ist also die schwefligte Säure, und diese bestehr aus Schwefel und einem Antheile Sauerstoff oder Lebensluftbasis. Das Waffer entzieht dem Wärmestoff die Basis, und wird also flüssige schwefligte Säure. An der respirabeln Luft nimmt die schwefligte Saure nach und nach noch mehr Basis der Lebensluft in sich auf, und wird dadurch wieder Schwefelsäure, wie die angeführten Veränderungen der schwcfligtsauren Neurral- und Mittelsalze in schwefelsaure, und die der flüssigen schwefligten Säure in verdünnte Schwefelsäure oder Vi- kriolsäure, und die in beiden Fällen siattsiudcnde Absorption der Lebensluft beweisen. tt-üts element. 1'. t. S. 71. f. S. Z44. ff. §. 552. 948 V.Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind» §. S52. Nach der Theorie vom Brennstoff ist die schwefcll saure Grundlage schon im Schwefel enthalten, kann aber wegen der Verbindung mit dem Brennstoff ihre saure Natur nicht äußern. Bey dem Verbrennen des Schwefels in Lebenslust nimmt seine saure Grundlage zugleich die Basis der Lebenslust auf, wahrend sein Brennstoff mit dem Warmcstoff zusammen das Licht und Feuer bildet. Wird von der sauren Grundlage im Schwefel nur ein geringer Anthcil des Brennstoffs, durch Aufnahme von weniger Basis der Lebenslust, ausgeschieden, so wird die Saure auch nicht ganz enthüllt, sie bleibt noch phlo- gistisirt, und erscheint als unvollkommene oder schwefliges Saure. Eben diese erzeugt sich nun auch, wenn con- centrirte Schwefelsaure mit verbrennlichen Dingen drS organischen Reichs, z. B. mit Oelen, zusammengebracht wird. Sie entzieht den Oelen einen Theil ihres Brcnn- stoffs, und entlaßt dagegen einen Theil ihrer Lebenöluft- basis an die saure Grundlage des Oels, die damit Kohlensaure bildet. Solchergestalt wird die Schwefelsaure in schwefligre Saure verwandelt, die durch Hülfe de» Warmestoffs in Gasform kömmt. So entzieht dem auch das Quecksilber in der Hihe der Schwefelsäure einen Theil ihrer Lebensluftbasis, und tritt dagegen seinen Brennstoff an dieselbe ab, so daß sie nun als schwcfligte Saure erscheint. An der respirabeln Luft entlassen die schwefligte Saure, und die damit bereitete Neutral- und Mittelsalze allmahlig den noch übrigen Brennstoff durch Einsaugung der Basis der Lebensluft. Daß man hierbei? kein Licht wahrnimmt, rührr ohne Zweifel von der geringen Quantität her, in welcher hier der Brennstoff mit dem Warmcstoff in jedem Moment der Beobachtung verbunden wird. mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 4? §. ssz. Uebrigcns erhellet aus dem bisher vorgetragene» leicht, warum das Vitriolöl durch brennliche Dinge einen schwefligtcn Geruch annehmen kann, und warum dasselbe, wenn es aus dem Vitriole in einer Retorte de- snllirt wird, die zufälliger Weise einen kleinen Riß hat, oder wahrend der Destillation empfängt, sich zum Theil in schwefligte Saure verwandelt. So ist auch das, was bey der gewöhnlichen Destillation desselben zuerst übergeht, wegen der brennbaren, dem Vitriole beygemischten Unrcinigleiten, gemeiniglich flüchtig und schwefligt. eaMlco, Vlitäod. 1766. 4. H- 554. Die concentrirte Schwefelsaure saugt nach Fsuv5 crs'f's Entdeckung das schwefligrsaure Gas ein, und erhält dadurch das Vermögen, dicke, weiße Dampfe, bey Berührung der atmosphärischen Luft auszustoßen. Diese Eigenschaft und die eisartige Beschaffenheit des Nord- Häuser Vitriolöls (H. 46 z.) rührt also von der Verbindung der Basis des schwefligtsauren Gas mit der coucen- trirten Schwefelsaure her. Durch Ausstellen an die Luft verliert sich diese Eigenschaft; eben so auch durch Verdünnung mit Wasser, weil dadurch das schwefligtsaure Gas entwickelt wird. Darnach wäre das obengenannte flüchtige 'Vltriolsitlz die gesattigte Verbindung von Schwefelsaure und schwefligter Saure, und hielt? also ihren Bestandtheilen nach das Mittel zwischen Schwe- fclsanre und schwefligter Saure. oben (§> 464.) angeführte Abhandlung. §. 555 ^ 5 o V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. §> 5S5. Selbst das reinste und weißeste Vitriolöl ist noch nicht ganz ohne alles Brennbare, wie die Entzündung desselben mit der gebrannten Bittersalzcrde beweist (§> 507.). Schwefel. §. 556. Wahrscheinlich hindert in dem oben angeführte» Prozeß (h. 535.) der Bildung der schwefligten Saure das Wasserigte der angewandten flüssigen Schwefelsaure, und die Flüchtigkeit des entstehenden Products, daß nicht alle Lebensluftbasis abgeschieden und die saure Grundlage nicht ganz mit Brennstoff gesattigt werden kann. Wenn man hingegen die Schwefelsaure erst in den wasserfreycn Zustand versetzt, und sie zugleich mehr figirt,wie dadurch, daß man sie in ein Neutralsalz verwandelt, und nun in der Glühehitze mir verbrennlichen Dingen behandelt, so geht sie in wahren Schwefel über, wie wir in der Folge sehen werden. H. 557- Der Schwefel (chulpbur, ist ein fester, entzündlicher Körper, von einer blaßgelben Farbe, der sich im Wasser nicht auflöst, keinen Geruch besitzt, außer wenn er erwärmt oder gerieben wird, einen eiaen- thümlichen, aber schwachen, Geschmack besitzt, ein Nichtleiter der Eleetricitat ist, in der Hand schnell erwärmt, knistert und in Stücken zerspringt, und bey der gehörigen Erhitzung unter dem Zutritt der Luft mit einer blauen Flamme und einem erstickenden starken Geruch verbrennt. H. 558. Aller Schwefel, welcher im Handel vorkömmt, ist natürlicher; und gewöhnlich nur durch Kunst von den damit mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 5 l damit verbundenen fremden Stoffen ausgeschieden. Denn außerdem, das; man hin und wieder reinen natürlichen Schwefel (tulplmr nativum, vir^ineum ), wie z. B. in betrachtlicher Menge in Solfatara und in der Nahe von feuerspeyendeu Bergen, antrifft, ist er auch sehr häufig in Verbindung mir metallischen Stoffen, welche durch ihn vererzt sind, besonders in den sogenannten Riesen (i^riMtO. Man erhalt daraus den Schwefel, entweder durch eine besonders angestellte Ausschmelzung oder Destillation, oder als Nebenproduct beym Rösten der sehr schwefligten metallischen Erze. §- 5ZY. Auf die erftere Weise gewinnt man den Schwefel in Böhmen und Sachsen aus den Eisenkiesen in den Schwefelbrennöfen oder Gchrvcfelrreiböfen, welche nach Art der obcrwarts gewölbten Galeerenöfen gebauet sind. Im Gewölbe befinden sich Oeffnungen, worin irdene Röhren, statt der Retorten, bepnahe waagrecht liegen. Diese Röhren gehen an dem Vordertheile, womit sie aus dem Ofen hervorragen, enger zu, und in denselben liegt der zerstückte Kicß, welcher durch die weitere Oeffnung in die Röhre gcrhan, und durch ein irdenes Blatt oder den Stern vor dem Herausfallen in dem en- geru Ende der Röhre gesichert wird, an welchen gegossene eiserne Vorlagen vorgelegt sind. Das weitere Ende der Röhre im Ofen verstopft man genau, und schmelzt durch ein maßiges Feuer des Ofens den Schwefel heraus, der in die Vorlagen fallt. Die erschöpften Kiese (Gchrvcfelbrättde) verwechselt man mit frischen, und benutzt jene noch weiter nach einer im Folgendes zu beschreibenden Art auf Vitriol. Der erhaltene Schwefel ist aber noch unrein und grau von Farbe (Trelbcjcbwc- ftl, Rohschwefel), und wird durch ein abermaliges Sublimiren oder Destilliren gereiniger. Schlüter von Hüttcmverken, Taf. X V §. 560. Z52 V.Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. H. 560. Diese Reinigung oder Läuterung des rohen Schwefels geschiehst in dem Ä.nurerofen, ebenfalls einem ga- leerenförmigen Ofen, worin auf beiden Seiten große eiserne Kolben (L.ämerLrüge) etwas geneigt stehen, in welche man den rohen Schwefel thut, und die mit einer Art von irdenem Helm (dem Sturz) bedeckt und verklebt sind, dessen andere Oeffnung oder Röhre in eine eiserne oder irdene Vorlage oder Krug (den Vorläufer) gehet, welche oben zur Seite noch eine kleine Oeffminz hat, um die Luft einzulassen, und eine dritte im Unter- thcile, um den Schwefel herauszulassen, welche mit einem hölzernen Zapfen verstopft wird. Der Schwefel, welcher hier bei) einer vorsichtigen Regierung des Feuers in die Vorlagen übergeht, wird , da er noch flüssig iß, aus der untern Oeffnung derselben in irdene Töpfe herausgelassen, und wenn er etwas verkalket, in hölzerne, mit Wasser angefeuchtete, walzenförmige Formen zu GranZcnjchrvefel (lulxllnr commune, citrinum) gegossen. Schlüter a. a. O. Tafel XVI. 56 r. Auf dem Rammelsberge hingegen und dem Harze sammlet man den Schwefel aus den schwefelreichen Silber-und Bleyerzen, in den gewöhnlichen Arbeitendes Röstens, welche man zur Ausscheidung des Schwefels sonst mit diesen Erzen vornehmen muß. Wenn nemlich die Röstung dieser Erze in den Rösthaufen schon eine betrachtliche Zeit angehalten hat, und das Erz obenauf fett oder gleichsam übcrfirnißt zu werden anfangt, so stößt man mehrere Löcher oder Gruben in die Röste, worin sich der Schwefel sammlet, nachdem man sie mit Vitriolklein glatt gemacht hat, und schöpft dm Schwefel taglich dreymal heraus in Gefäße mit Wasser. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 35z Dieser Schwefel wird hernach weiter durch Schmelzen in einem großen Kessel von gegossenem Eisen geläutert, von dem Bodensatz abgeschöpft, und hernach zu Stangenschwefel gegossen. ^Der hwr zurückbleibende Bodensatz ist der sogenannte (fti'.plmr -mbgUmam), und wird auch noch auf die vorher angezeigte Art zu geläutertem Schwefel besuchet. Schlüter a. a. O. Taf. X VII. und XVIII. §. 562. Der Schwefel wird in der Wärme erst weich, ehe er schmelzt, und dies Schmelzen gefchiehet bey 224" Fahrenheit. Bey dieser, etwas anhaltenden oder verstärkten, Hitze, fängt er an zu Dämpfen aufgelöst zu werden, an welchen man im Dunkeln schon ein leuchten gewahr wird. Wenn man den geschmolzenen Schwefel erkalten läßt, so crystallisirr er sich leicht in zarte Nadeln, welche vorzüglich an der Oberfläche der Masse wahrzunehmen sind. Am regelmäßigsten wird diese Bildung, wenn man bloß die Oberfläche des geschmolzenen Schwefels erst fest werden läßt, und dann den noch darunter befindlichen flüssigen Schwefel abgießt. Auch der natürliche Schwefel kömmt zuweilen in crystalliuischen Formen vor, und zwar in Octaedern mit abgestumpften Spitzen der Pyramiden; in Octaedern mit kurzer Zwi- schensaule; in rautenförmigen Octaedern mit scharfen Kanten und Spitzen; in Octaedern von vier dreyeckiaen und vier sechseckigen Flächen, und in Octaedern mir abgestumpften Kanten, oder mit abgestumpften Ecken des Grundes der Pyramide, liome -A l'Is/e Lr^ttsIIoArspkile, ?l. V. §. 56z. Zm Anfange des Schmelzens ist de? Schwefel sehr flüssig, er wird aber, wenn man ihn bis zum Brennen Greils Chemie. t.TH. 3 erhitzt, z 54 V.Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. erhitzt, immer zäher. Wenn man ihn jetzt ins Wasser gießt, so bleibt er weich wie Wachs, und hat eine rothe Farbe. Er dient dann sehr gut zu feinen Abdrücken. Diese Erweichung des Schwefels rührt wol von angezogenen Wafsertheilen her, und dauert auch nur eine Zeitlang, nach welcher der Schwefel seine vorige Farbe und Consistenz wieder erlangt. §. 564. Wenn man von dem geschmolzenen Schwefel zur Verhütung der Entzündung den Zugang der freyen luft abHalt, so steigt er ganz, ohne zersetzt zu werden, in der Hitze, als ein dicker weißer Rauch in die Höhe, der sich bev der Sublimation in Gestalt eines lockern Pulverö, oder als kleine zarte Nadeln, ansetzt, welche man Gchrvefelblumen, Schwefelblürhen (tlorex sulpbu- rZz) nennt. Man kann diese Sublimation des Schwefels in einem Kolben mit dem Helme oder in Aludeln im Sandbade vornehmen; sie wird aber gewöhnlich im Großen verrichtet, und ist ein Mittel, den Schwefel von allerlei) ihm beygemischten fremdartigen und feuerbeständigen Theilen zu reinigen. Den gewöhnlichen Schwefelblumen klebt doch etwas frcye Schwefelsaure an, welche durch eine Zersetzung eines Anrheils des Schwefels durch die in den Gefäßen eingeschlossene Luft entwickelt worden ist, und durch sorgfaltiges Abwaschen mit Wasser davon weggebracht werden kann. §. 565- Wenn man den geschmolzenen Schwefel beym Zutritt der Luft erhitzt, so entzündet er sich, und brennt mit einer blauen Flamme, ohne einen Rückstand zu hinterlassen, giebt aber dabey weder Rauch noch Ruß, sondern nur einen sauren und erstickenden Dunst. Zn Lebensluft verbrennt der Schwefel mit einer starken, glanzenden mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 355 zenden blauen Flamme, und weit schneller als in der ge- meinen Luft. Wenn man die langsam brennende Flamme des angezündeten Schwefels in eine gläserne inwendig mit Wasser benetzte Glocke schlagen laßt, so fließt in die untergesetzte Schüssel ein saurer Spiritus herab, welchen man sonst Gchrvcfelspirltus (ipirüuz tnlplluri'z per csmpanam) nannte. Es ist dies aber nichts weiter, als eine schwefligte Saure. H. 566. Wenn die Hitze, wobey der Schwefel verbrennt, nur schwach und die Flamme des Schwefels blau ist, so ist die Saure, die sich hierbei) bildet, schwefligte Saure; ist aber die Hitze starker, und die Flamme des Schwefels weiß und lebhaft, so ist die Saure, die sich erzeugt, größtenrheilö Schwefelsaure. H. 567. Wenn man Tücher mit feuerbeständigem Alkali trankt, und über langsam und schwach brennendem Schwefel aufhangt, so verwandelt sich das Alkali in ein schwcfligtsaures Neutralsalz, und dies ist eine zweyte Methode, sich die schwefligte Saure zu verschaffen; sie ist aber dabei) gewöhnlich mit Schwefelsaure vermischt. t?eo. oblervstlo lle coplols, kscil! et eoncen- trats collectioiee iplrltus seläl lumme vslatilis j'ulpliu» reo - vitrlollci; in seinen op«/c. G. 246. ff» H. 568. Wenn man den Schwefel nach der oben beym Verbrennen des Phosphors und der Kohle angegebenen Weise (H§. 236. 2üo.)in einer Sckaale unter einem Glas- cylinder in atmosphärischer Luft über Wasser verbrennt, so zeigen sich ebenfalls die beym Phosphor und der Kohle schon angeführte Phänomene. Die Luft wird vermindert, Z - Hc 556 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind» ihr rcspirabeler Authcil geht verloren, und das Wasser, das zum Sperren diente, steigt in den Cr, linder empor, verschluckt die schwefligte Saure, die sich hierbey bildet, und verhalt sich, wie das mit schwcfligtsaurem Gas an- geschwängerte Wasser. Die Luft, die übrig bleibt, ist Stickgas, obgleich noch mit etwas Lebenslust vermischt, weil der Schwefel durch das sich bildende schwefligtsame Gas immer eher verlöscht, ehe alle Lebensluft der atmosphärischen Luft zersetzt ist. Beym Sperren der Luft mit Quecksilber ist dies wegen des Mangels der Absorption dieses schwefligtsanren Gas noch mehr der Fall. Unternimmt man den Prozeß in reiner Lebenslust, so ist die Verminderung noch weit ansehnlicher; und wenn das Wasser alles schwesligtsaure Gas verschluckt hat, so ist die davon übrigbleibende Lebenslust noch so rein, als vorher. §. 56?. Aus den von Hrn. L.avois!er über das Verbrennen des Schwefels angestellten genauen Versuchen erhellet, daß er beym Verbrennen, wie jeder entzündliche Stoff, Lebensluft verschluckt; daß die Säure, die sich bildet, mehr wiegt, als der Schwefel selbst; und daß das Gewicht dieser Säure gleich ist der Summe der Gewichte des verbrannten Schwefels und der verschwundenen Lebensluft. K.avoifier neue Betrachtungen über die Zunahme an Gewicht welche Schwefel und Phosphor durch das Brennen erhalte», und ihre Ursach; ann Von istem. cls /'na. rvA. cür^/c. 17ZZ. G. 4 >6. ff. übers, in Cr et!?, chcnr. Ann 175?. B. II. G. 6Z. ff. tLbcnders in feinen Schriften, übers, von Upcigel. D. II. S. 402. ingi. Pesic» c/rm. G. 66. §. 570. Aus der Entstehung des Schwefels durch Vitriol- saure und entzündliche Substanzen aller Art, und aus der Bildung der erstem durchs Verbrennen des Schwefels mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 5 7 fels schloß Stahl, daß der Schwefel aus der concreten wasserfreyen Vitriolsaure und dem Phlogiston zusammengesetzt wäre, und gründete darauf hauptsachlich seine Lehre vom Phlogiston (§. 25 z.). Durch Entziehung eines Theils seines Brennstoffs werde der Schwefel zur schwef- ligten Saure, und durch völlige Dephlogistisirung zur Vitriolsaure. Stahl kannte indessen die Veränderungen nicht genug, welche die luft beym Verbrennen des Schwefels erleidet, und den Einfluß, den sie darauf hat; und daher konnte man aus seiner Theorie allein nicht alle Umstände des Phänomens des Verbrenncns des Schwefels erklaren. I?, », gnstomis lulpburis, communis ; m seinen S. 749. Gco. Leu. Stich! »»fällige Gedanke» und nützliche Bedenken über den Streit vom sogenannten 8ul- pb.ure, Halle, 1747. 8. experimentz, guee lulpliulis vulgaris uaturam, mixtlouem sc Feuers- tlonem clarlus exbident, in feilten oäsi c/ie?». I.. III. G. 276. ff. §. 571. Nach Hrn. L.avsls!er ist der Schwefel eine einfache Substanz, die bey einem gewissen Grade der Erhitzung das Vermögen besitzt, die Lebensluft zu zersetzen, oder ihre Basis, das Oxygen, daraus in sich zu nehmen, und so den Warmestoff und Lichtstoff der Lebensluft frey zu machen. Durch die Aufnahme einer geringern oder größer» Quantität der Basis der Lebensluft wird der Schwefel entweder schwefligte Saure (Aciclo ünmrevx), oder Schwefelsaure (H.ciäs lulfurigus), nach der Art, wie der Schwefel verbrennt (§. z66.). Die wasserfreye Vitriolsaure, oder Schwefelsaure, ist also nach diesem System eine Zusammensetzung aus dem Schwefel, als der Lais acieiillndw, und dem -Oxygen. trsüä elem. S, ö6. 72. 240. Zz §. 57». z 5 8 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. H. 572. Wir verbinden diese Theorie des Hrn. Ä.avoister mit der Lehre vom Brennstoff, und nehmen also an, daß der Sänvefel zusammengesetzt ist aus einer eigenen sauren Grundlage und aus der Basts des Lichts, oder dem Brennstoff. Durch die gehörige Erhitzung in der Lebensluft verbindet sich nach einer doppelten Wahlverwandtschaft der Brennstoff des Schwefels mit dem Warniestoff der Lebensluft zum Lichte und zum Feuer, und die Basis der Lebensluft geht mit der sauren Grundlage des Schwefels zusammen zur Schwefelsaure oder zur schwefligem Saure, je nachdem der Schwefel mehr oder weniger Brennstoff verliert. §- 57Z- Noch sind bis jetzt die Bestimmungen über die Quantität der Basis der Lebensluft, die eine gewisse Quantität des Schwefels in sich nimmt, wenn er zur Schwefelsäure wird, verschieden. Nach Hrn. Berthollet verschlucken 69 Theile Schwefel beym Verbrennen z i Theile Basis der Lebensluft, um 100 Theile Schwefelsaure zu bilden; nach einer andern Erfahrung eben dieses Chemisten nehmen 72 Theile Schwefel 2 8 Theile Sauerstoff auf. Nach Hrn. VAegleb hingegen bilden sich aus 5 0 Theilen Schwefel 100 Theile wasserfreye Vitriolsaure. oben (H. 540.) angef. Abhandl. Ueber das wahre Vcrhältniß der Säure im Schwefel, von Hrn.O.C.XViegleb; m Prelis chem. Ann. 1792. S. l. S> 400. §- S74- Aus der bey dem Verbrennen des Schwefels in re- spirabeler Luft sich bildenden Schwefelsaure hat man in neuern Zeiten Anlaß genommen, die concentrirte Schwefelsaure oder das Vitriolöl auf eine weit wohlfeilere Weise zu bereiten, als durch Destillation des Vimo- les mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 5, lcs geschehen kann (§. 458.). Um hierzu den Schwefel in verschlossenen Gefäßen in genügsamer Menge verbrennen zu können, bediente man sich eines Zusatzes von etwa Salpeter zum Schwefel, da dann die aus jenem in der Glühehitze entwickelte Lebenslust zum Verbrennen des Schwefels beytrug. Ehemals wendete man hierzu in England sehr große gläserne Ballons an, die wol vier bis fünfhundert Pfund Wasser fassen konnten, und mit einem weiten Halse verschen waren. Man legte sie auf einem beweglichen Gestelle in einer horizontalen Lage, in eine Art von Sandbad, und zwar viele neben einander. Man schüttete in jeden einige Pfunde Wasser, stellte einen steinernen Topf hinein, auf dem ein großer Löffel mit einem langen Stiele ruhere. Man machte diesen Löffel glühend, brachte vermittelst eines andern Löffels das Gemenge von Schwefel und Salpeter darauf* und verstopfte die Mündung des Ballons sogleich. Die Hitze des Löffels entzündete den Schwefel, und er verbrannte mit Hülfe der im Ballon enthaltenen atmosphärischen und der aus dem Salpeter bey der Hitze entwickelten Lebensluft. Die sich erhebenden schwefelsauren Dämpfe wurden vom Wasser eingesogen, und gaben damit eine verdünnte Schwefelsäure. Nach dem Verbrennen des aufgetragenen Antheils Schwefel wiederholte man diese Arbeit in jedem Ballon so lange von ueuem, bis das vorgeschlagene Wasser genugsam mit Schwefelsäure angeschwängert war. Man leerte hierauf die Ballons aus, und brachte die Säure durch Destillation aus gläsernen Retorten im Sandbade zu mehrerer Entwässerung, §, 575. Jetzt hat man in England die gläsernen Ballons wegen ihrer Zerbrechlichkeit abgeschafft, und dafür nach Aetr's Bericht große bleyerne Gefäße, welche man Z 4 Häuser Z 6o V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. fauler nennt, eingeführt. Sic haben eine prismatische Gestalt. Ihre Höhe betragt ohngefahr io Schuh, und ihre rechtwinklige? Grundfläche 6 Schuh in der lange, und 4 Schuh in der Breite. Auf dem Boden befindet sich etwas Wasser, und in das Gefäß selbst werden noch Wasserdawpfe eingelassen. Ueber dem Wasser beßndct sich der m-t Salpeter verseht? Schwefel in einem flachen Gefäße, das auf einem Fuße ruhet. Der Schwefel wird hierauf mit einem glühenden Eisen durch eine obm -Oeffnung angezündet, die man sorgfältig zumacht, nnd brennt so lauge, als noch rein? Luft genug in dem Gefäße Hörig ist. Wenn die Verdichtung der Dämpfe geschehen ist, wird der Schwefel, auf die vorige Art, von neuem a n a « zündet, es werden wieder Wasserdampfe eingelassen, ^ und so wird die Arbeit fortgesetzt, bis eine zureichende Mengn Saure gefannwü worden ist, aus der man hm l nach du'-ed Destillation aus GlaSreoorten im Sandback (in e'ner S mdaaieere) das überflüssige Wasscrigte wem br-ngt. Nach Hrn. Harber sind die sogenannten bleycr- nen Häuser große Bomben, die in horizontaler Lage ans einem beweglichen Gestells ruhen, in welche man die Dünste des siedenden Wassers durch eine eingelochte Röhre über den brennenden Schwefel aus einem andmi Gcchße leitet, durch eine Schraubenöffnung aber, in der obern Wölbung, frische Luft hineinbringt. Den Schwefel verbrennt man darin auf einem Löffel, wie in den gläsernen Ballons. §. 576. Das Beschwerlichste bey dieser Arbeit ist die langsame Vero.chcung der Schwefeldämpfe, und die Schädlichkeit derselben, wenn man sie einschluckt, nnd dann das baldige Verlöschen des Schwefels selbst. Der Salpeter be-ördert zwar allerdings das Verbrennen des Schwefels in verschlossenen Gefäßen, und macht, daß sich wcmgcr mit Alkalien, Erden und Brennstoff. z6i weniger schwefligtsaure Dämpfe entwickeln; allein man darf auch nicht zuviel von demselben nehmen, sonst entsteht zu bald eine Kruste vom erzeugten vitriolisirten Weinsteine auf dem brennenden Gemische, welche das Feuer unterdrückt. Um das Gemenge desto langer brennend zu erhalten, legt man es auch, in dem zum Verbrennen dienenden Löffel oder Gefäße, schichtweise mit Werg oder Heede. Zpossie geöffnetes Laboratorium, S. 4z. ff. 144. ff. Reir in Macquers chem. Wörterb. Th. I. S. 5 5 8. Demacl^'s Laborant im Großen, Th. I. S. 122. ff vvebcr's phiis. chem. Magaz. Th. I. S. z o. ff. Herkers neue Beiträge zur Mi- neralgesch. V. I. S. Z25. ff. silemeirs äe cb)-. mie, 'I'. II. 4 S. z6i. ff. §. 577- Um bey dieser Bereitung der Schwefelsaure der luft mehrern Zugang zu verschaffen, und dadurch das Brennen des Schwefels zu befördern, hat Hr. Grruve eine besondere Vorrichtung aus seiner Erfahrung vorgeschlagen, die wesentlich darin besteht, daß aus einem irdenen, glühend gemachten, Ballon, in welchen durch eine Oeff- nung die Luft freycn Zugang hat, Schwefel eingetragen wird, dessen Dämpfe vermittelst einer andern Öeffnung jn einen daran geküttetcn andern Ballon, und so weiter durch mehrere treten, wovon der sichrere am hintern Halse offen bleibt, durch welchen der Luftzug herausgeht. In diesen genau an einander gefügten Ballons, wovon die folgenden immer höher liegen, befindet sich etwas Wasser, das durch von außen angebrachte Hitze sich in Dämpse verwandeln muß. Der beständige, "durch den in den eisten Ballon immer eingetragenen und brennenden Schwefel bewirkte, Luftzug treibt die sauren Dämpfe des letztem durch die übrigen Ballons, wo sie von den Wasserdämpfen gänzlich verschluckt werden sol- Z s len. Z 62 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. len. Allein, ich kann aus eigenen, und aus den Ersah rungen unseres sel. Goldhagens versichern, daß bey einer größern Anzahl Ballons, als Hr. Gtruve brauchte, die Schwefcldampfe nur zum Theil verschluckt wurden, und der größte Theil derselben mit dem Luftzuge als schwef- ligtsaures Gas herausfuhr, und verloren ging. Noch ist die Unbequemlichkeit dabey, daß aus den erstem Ballons das Wasser selbst nach und nach mit in die folgenden, und durch den Luftzug auch vieler unzersehter, unbcr- brannter Schwefel übergeführt wird, der die erhaltene Saure gar sehr verunreiniget. Diese Vorrichtung, znr Erhaltung der Schwefelsaure, ist auch schon ziemlich alt. Gtruve in Demach)?'« Labor. B. I. Anm. i. S. izi.ff. Taf. III. Fig. 2. Meine Bem. hierüber, in Lrclls cheni. Annal. I. 1786. B. I. S. zzz. §. 578- Weit bequemer scheint der Vorschlag zu seyn, den Schwefel in einem Tiegel verbrennen zu lassen, der in einem Windofen unter einer irdenen Haube steht, und glühend gemacht ist, und die Dampfe des brennenden Schwefels mit dem Luftzug durch eine oben in dem Gewölbe der Haube angebrachte bleyerne Röhre über die Wasserflache in einem bleyernen Gefäße zu leiten, das in einem eigenen Ofen erhiht wird. Dies Gefäß ist mit einer bleyernen Haube geschlossen, durch welche jene bleyerne Röhre eintritt, die die schwefelsauren Dampfe den Wasserdampfcn zuführt. Eine andere bleyerne Röhre leitet diese Dampfe wieder zu einer bleyernen Kühlröhre, die durch ein Kühlfaß tritt, und an deren untern Mündung dieRecipienten die saureFlüssigkeir auffangen. Das Wassergefaß muß unten mit einem Hahn zum Abzapfen, und oben im Gewölbe mit einer zu verschließenden Ocff- nung zum Nachgießen des Wassers versehen seyn. — UcbrigenS verdienen bey Bereitung der Schwefelsaure aus mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 6 z aus Schwefel Hrn. Chaptals Bemerkungen darüber erwogen zu werden. Schreiben des Hrn. Du Portean an Hrn. de la Metbene über das Verfahren der Englander, Vitriolöl zu machen; m Grcns Journ. der Phyf. Zö. I V. S. Z12. f. Oblerva- tlouz lur guelgues pkenomdnez, gue xrclente la combrr- ttlon äu loutrs, psr I^Ir. L/laxra// in den cis II. S. 86. ff. §- 571- Die durchs Verbrennen des Schwefels gewonnene Schwefelsaure, oder das englische Vitriolöl, kann allerdings auch durch gehöriges Abdunsten zu eben der Starke und Concentrirung gebracht werden, als das aus dem Vitriole durch Destillation verfertigte, sogenannte Nord- hauser Vitriolöl (H. 459.). Es ist nie rauchend und eisartig, wie dieses; sonst aber auch gewöhnlich mit fremdartigen, von den Gefäßen und Werkzeugen herrührenden Stoffen, auch wol mit Schwefel verunreiniget, wovon man es vurch eiue Destillation befreyen kann (H. 465.), obgleich diese Verunreinigung zu dem mannigfaltigen Gebrauche, wozu das Vitriolöl dient, oft gar nichts Nachtheiliges seyn kann. H. S8c>. Verdünnte Schwefelsaure hat keine Wirkung auf den Schwefel. Wenn man aber concentrirte Schwefelsaure mit Schwefel sieden laßt, so nimmt sie eine dunklere Farbe, und einen schwcfeligten Geruch an, und es löst sich etwas weniges vom Schwefel auf, was man nach Baume durch Hülfe eines Alkali daraus niederschlagen kann. Der übrige Schwefel, der bey diesen Versuchen durch die angewandte Hitze schmelzt, und auf dem Vitriolöle schwimmt, hat eine mehr oder weniger dunkel grünliche Farbe. §- 58r. z64 V-Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. §. 58'. Wasser und Schwefel haben keine wechselseitige Wirkung auf einander, und es scheint nicht, daß der Schwefel das Wasser zerlegen könnte, auch in höheren Graden der Temperatur. Die Basis der Lebenslust hat also eine nähere Verwandtschaft zum Wasserstoff oder Hydrogene, als zum Schwefel. H. 582. Auf das Stickgas und auf das kohlensaure Gas wirkt der Schwefel ebenfalls nicht. Das brennbare Gas wird bey der gewöhnlichen Temperatur vom Schwefel auch nicht afficirt. Wenn man aber nach Hrn. Gcw Acmbre Schwefel unter einer mit brennbarem Gas gefüllten und mit Quecksilber gesperrten Glasglocke vermittelst eines Brennglases stark erhitzt, so soll sich der Schwefel darin auflösen, und damit eine Gasart consti- tuiren, die mit dem in der Folge zu beschreibenden hepatischen Gas übereinkömmt. Schwefelleber. Hepatisches Gas. §. 58Z. Ein vorzügliches Auflösungsmittel des Schwefels geben die feuerbeständigen Alkalien. Wenn man nem- lich gleiche Theile atzendes Gewachsalkali oder Mineralalkali und gepulverten Schwefel vermengt, und in einem bedeckten Schmclztiegel in ein mäßiges Feuer bringt, so erhalt man eine Auflösung, die nach dem Erkalten eine leberbraune Farbe hat, an der Luft leicht zerfließt, alsdann einen starken unangenehmen Geruch erhält, der dem von faulen Eycrn ähnlich ist, und sich im Wasser vollkommen mit einer dunkelgelbcn Farbe auflöst. Via» nennt diese Verbindung Gchwefclleber (Impar läi- -allurls). §. 584. mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 6 5 §. 584. Nicht bloß die Alkalien, sondern auch einige Erden gehen mit dem Schwefel dergleichen im Wasser auflösliche Verbindungen ein, und man unterscheidet daher alkalische und erdigreGchwcfelleber. In der neuen französischen Nomenclatur nennr man die Verbindungen des Schwefels mit andern Körpern (8ulkursw), was man sehr gut durch den Ausdruck schwefelhaltig geben, soffst auch durch Voraussetzung des Worts Schwefel ausdrücken könnte. Die alkalische Schwe? felledcr s/es//») könnte man also Schwefel? alkali nennen. Man hat davon dreyArten: i)Schwe? fclgewachsalkali oder schwefelhaltige Pottasche c/e 2) Gchwefelmmeralalkalt oder schwefelhaltige Soda cie , und Gchwefelammoiiiak, oder schwefelhaltigen Am? Moniak H. 585. Auch auf nassem Wege löst das atzende feuerbeständige Alkali den Schwefel leicht auf, und man kann gleiche Theile von beiden zusammenreiben, wo dann das Alkali durchs allmahlige Zerstießen an der Luft auf den Schwefel wirkt, und damit eine Auflösung giebt, die bey der Auflösung im Wasser blaßgelb aussieht, wie die vorige Schwefelleber riecht, aber nicht so viel Schwefel aufgelöst enthalt. Besser geht die Verbindung auf dem nassen Wege durch das Kochen einer atzenden alkalischen Lauge mit dem gepulverten Schwefel von statten. §. 586. Die völlig kohlensauren Alkalien lösen auf nassem Wege nichts von dem Schwefel auf; auf trockncm Wege bereitet man aber die gewöhnliche Schwefelleber, indem man einen Theil Schwefel mit gleicher oder auch dop- ^ l 566 V.Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. doppelter Menge von gereinigter gewöhnlicher Pottasche vermengt, und in einem bedeckten Schmelztiegel über dem Feuer eine Zeitlang schmelzt. Allein diese Schwefelleber löst sich nicht so vollkommen im Wasser auf, als die mit atzendem Alkali bereitete, und die Auflösung davon hat keinen so starken stinkenden Geruch; sie sieht blasser aus, und halt sich nicht so lange. Der Gttmd davon liegt in der Kohlensaure des Alkali, welche die genaue Vereinigung des Alkali mit dem Schwefel verhindert; denn es ist eigentlich nur der atzende Anthcil des Alkali's, der den Schwefel auflösen kann, oder derjenige Antheil, von welchem wahrend dem Schmelzen mit Schwefel die Kohlensaure ausgetrieben worden ist. §. 587. Die völlig trockene Schwefelleber hat keinenGeruch, sondern sie erhält ihn erst bcy dem Feuchtwerden und beym Auflösen im Wasser. Wenn man zu der Aiiflö- sung der Schwefelleber im Wasser irgend eine San« setzt, z.B. verdünnte Schwefelsäure, so verbindetfch das Alkali wegen seiner nähern Verwandtschaft dam, und läßt den vorher aufgelösten Schwefel in Gestalt eines weißen Pulvers fallen, das man Schwcfelmilch (I^sc lulpkuris, lVIgAickörium sulpburi'z, kdlpbur pras- cipitatum) nennt, und eigentlich nur gemeiner Schwefel ist. Auch die Kohlensäure zersetzt die alkalische Schwefelleber und präcipitirt den Schwefel, indem sie sich mit dem Alkali vereiniget. §. 588. Bey dem Zusatz der Säure zur Schwefellebcr wird der Geruch derselben viel stärker und unerträglicher. Es entsteht ein Aufbrausen, wenn man trockene Schwefel- leber mit einer Säure vermischt. Wenn man diese Vermischung im pneumatisch-chemischen Apparat, ver- mit- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 367 mittelst einer damit verbundenen, mit Quecksilber oder warmen Wasser angefüllten Wanne, wie oben (H. 409.) bey dem kohlensauren Gas gelehrt worden ist, vornimmt, so erhalt man in den Vorlagen eine luftförmige Flüssigkeit, welche vollkommen durchsichtig, ungefärbt, und permanent-elastisch, wie gemeine Luft ist, aber sich von dieser und den bisher erwähnten Luftartcn auffallend unterscheidet. Die Auflösung der Schwefelleber im Wasser zeigt beym Zusatz der Saure kein Aufbrausen, falls die Schwefelleber nur mit reinen oder völlig atzenden Alkalien gemacht worden ist. Sie entwickelt aber die hier zu erwähnende Gasart nach Gengembre für sich allein in der Hitze bey der Destillation im pneumatischen Apparat; nach Deiman und Troostwyk ist dazu doch ein vorheriger Zusatz von Saure nöthig. §. 589. Diese luftart heißt hepatisches Gas, Gchwes felleberlufc, oder hepatische L.uft (6a5 bepsticum, See Kssi-Nicnz) , und nach der neuern Nomenclatur schwefelhaltiges XVasscrstsffgas ((?az iulpkinrgtnm, Es hat l) einen ausnehmend starken stinkenden Geruch, wie die aufgelöste Schwefelleber. 2) Es taugt ganz und gar nicht zum Athemholcn, sondern die Thiere sterben darin sehr schnell, g) Ein Licht verlöscht darin, wenn man die atmosphärische Luft davon ausschließt. Wenn man ihm aber in einem Gefäße mit einer weiten Oeffnung einen entzündeten Körper nähert, so brennt es mit einer röth- lichblauen Flamme, und setzt während diesem Brennen an die Wände des Gefäßes etwas weniges Schwefel ab. Auch der electrische Funke bringt es dann zur Entzündung. Mit dreymal soviel atmosphärischer Luft vermischt, verbrennt es schneller, und mit einem Schlag. 4) Es röchet die Lackmustinctur und das damit gefärbte Papier nicht. z68 V. Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. nicht. Den Violensyrup macht es grünlich. 5) Es trübt das Kalkwasscr nicht, wie das kohlensaure Gas, wenn es durch dasselbe hindurch gehet. 6) Wenn man es mit atmosphärischer, oder noch mehr, mit Lebenslust über Quecksilber vermischt, so vermindert sich der Raum, welchen beide Luftarten einnehmen sollten, immer mehr und mehr. Das hepatische Gas wird zerstört; es scheidet sich ein wahrer Schwefel daraus ab, und die Lebensluft wirb ebenfalls zersetzt. §. syo. 7) Vom kalten Wasser wird das hepatische Gas nach und nach, wie das kohlensaure Gas, verschluckt. Ze heißer aber das Wasser ist, desto weniger löst es auf; und man kann deswegen heißes Wasser bequem zu seiner Entbindung anwenden. Hundert Cubiczoll destillirtes Wasser nehmen nach Bergmann 60 Cubikzoll hepatisches Gas, in der Mittlern Temperatur, in sich auf. Wasser, welches damit angefüllt worden ist, kömmt mit den frischen Scl?rvefeli?ad'ern (tbarmas bk-pmlcae), wie z. B. das Aachner und von Enghien ist, überein. Man kann die Anschwangerung des Wassers mit dem hepatischen Gas eben so vornehmen, als mit dem kohlensauren Gas, am besten in der Parkerschen Glasgerath- schaft. 8) Aetzende alkalische Laugen schlucken das hepatische Gas in Menge ein, und bilden damit wieder eine Art von flüssiger Schwefelleber. cke s-zui-. meäicatls culläls grte parauäls; IN feinen oxtt/c. ^0/. I. S. 229. ff. H. Z')r. In den Schwefelwassern und Schwefelbadern ist weder eigentlicher Schwefel, noch Schwefellcber, sondern hepatisches Gas aufgelöst, und von diesem rühren die Wirkungen und Eigenschaften dieser besondern Art der mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 369 der mineralischen Wasser her. Das hepatische Wasser hat einen starken Schwefellebergcruch, der an der ruft nicht so leicht wieder verfliegt, einen starken, etwas süßlichten, eckelhaftcn Geschmack, und sieht klar und helle aus, so lange es frisch bereitet ist, oder in wohlverschlossenen Gefäßen, ohne eingeschlossene respirabele Luft, aufbewahrt wird. Es röthet die Lackmnstinctur nicht, macht aber den Veilchcnsaft grünlich. Aehende und kohlensaure Alkalien, und auch das Kalkwasser, bringen keine Veränderung darin hervor. Dieses wird nicht davon getrübt. Nur wenn man zur Bereitung des hepatische» Gas eine, aus kohlensauren Alkalien durch Schmelzen bereitete, gemeine Schwefelleber (H. 586.) angewendet hat, so wird zugleich durch die Saure aus dem Alkali Kohlensaure entbunden, welche dann auch dem Wasser die Eigenschaft ertheilt, die Lackmnstinctur zu röchen und das Kalkwasser zu trüben. Durch die dabcy befindliche Kohlensaure kann das hepatische Gas auch mehr oder weniger von seiner Entzündbarkeit verlieren. Durchs Kochen in offenen Gefäßen wird das hepatische Gas gänzlich aus dem Wasser wieder verjagt. H. 592. Wenn man das hepatische Wasser mit Lebenslust eingeschlossen zusammenbringt, so wird diese immer mehr und mehr vermindert, und zerseßt. Das Wasser wird nach und nach rrübe, und es sondert sich ein wahrer Schwefel daraus ab. Hieraus ist es abzuleiten, warum aus den Schwefelbadern, bey Berührung der Luft, mit der Zeit ein Schwefel niederfallt, der vorher durchs Einkochen des Wassers nicht zu erhalten stand. Die Schwefelsäure ändert den Geruch des hepatischen Wassers nicht ab; nach Gengembre aber thut es die schwef- ligte Saure, die auch den Schwefel daraus niederschlagen soll. Auch diejenigen Sauren, welche das Brennbare GrensZhmie. l-TH. A a sehr zvc? V. Abschn. Mineral. Sauren ».ihreVerbind. sehr stark anziehen, (wie die Salpetersäure,) schlagen aus dem hepatischen Wasser einen Schwefel nieder, und benehmen jenem den starken Geruch, und alle Eigenschaften des hepatischen Gas. §- 59Z. In der Erklärung der Entstehung und der Erscheinungen des hepatischen Gas sind die Vertheidiger des antiphlogistischen Systems nicht einig. Darin kommen sie mit einander überein, daß die Basis desselben Schwefel und Hydrogen sH. agz.) sey, und eben deswegen nennen sie es auch Nacb Seiirr in- bre, Derma»!, paest van Trooftwyk, Nlcuwland und Bondr erhalt der Schwefel durch die Verbindung mit Alkalien und alkalischen Erden andere Eigenschaften, und befolgt andere Verwandtschaftsgesetze, als er sonst für sich allein thut; insbesondere wird dadurch sein Vermögen verstärkt, das Orygen anzuziehen. Du Ursach dieser wirksamem Anziehung scheint darin zu liegen , daß die alkalische Substanz der sich bildenden Verbindung des Schwefels und des Oxygen (Schwefelsaure) eine Grundlage darbietet, womit diese Verbindung zum schwefelsauren Neutralsalz zusammentreten kann. Wenn demnach die Schwefelleber mit dem Wasser in Berührung kömmt, so zersetzt sie das Wasser, sie entzieht ihm das Oxygen, das mir einem Theile des Schwefels zur Schwefelsaure wird, welche mit der alkalischen Substanz der Schwefelleber zum schwefelsauren Neutral-odcr Mittelsalz zusammentritt. Das frcywcrdende Hydrogcn des Wassers vereiniget sich auf der andern Seite mit einem Antheil des Schwefels, und bildet die Basis des hepatischen Gas. Diese Basis des hepatischen Gas wird aber von dem freygewordcnen Antheile Alkali fest zurückgehalten, und entlaßt sie erst beym Zusatz einer Saure, wo sie nun durch die Aufnahme des Wärmestoffs gasförmig mit Alkalien, Erden und Brennstoff. z 7 r förmig wird. Eine im Wasser aufgelöste alkalische Schwe- ftlleber enthält also eigentliche Schwefelleber, schwefelsaures Alkali, und hepatisches Gas durch Alkali aufgelöst. Löst man eine trockene Schwefelleber in Wasser auf, so erfolgt die Zersetzung des Wassers dadurch nur so lange, bis die alkalische Substanz mit der erzeugten Basis des hepatischen Gas gesättigt ist. Wenn auf die ! trockene Schwefelleber eine flüssige Säure gegossen wird, so ist es nach diesem System nur das Wasser der Säure, was Key seiner Zersetzung das hepatische Gas bilden hilft, und die Säure trägt weiter nichts bey, als daß ste das gebildete hepatische Gas vom Alkali entbindet. Bringt man hepatisches Gas und Lebenslust zusammen, so vereiniget sich das Hydrogen des erstem mit dem Oxy- gen der letztem wieder zusammen zum Wasser; der Schwefel des hepatischen Gas wird abgeschieden, dies wird solchergestallt zersetzt, und eben so auch die Lcbens- i luft. Man nimmt hierbey also freylich sehr willkührlich an, daß das ersteremal das Wasser zersetzt, das andere- »nal dasselbe wieder zusammengesetzt werde. De Fourcrop über die Bildung und Eigenschaften der Schwöb ftlleberlust; in Crclls chemischen Annalen 179z. 25. II. G. 64. ff. IVIemoirs wie la natura äes sulftirez aleallnz ou toi es äe solche, par dt. dl. che// vs» ch,oo/?- wiflc, er im 7 792. G. 4Ä9. und in den -ch 1". XI^. S. 294. elem. äs Lblmie. 4 eä. Bom. II. S. Z55. Z94. Andere Bertheidiger des antiphlogistischen Systems hingegen behaupten, daß die Schwefelleber nicht für sich das Vermögen habe, das Wasser zu zersetzen, sondern nur in Verbindung mir einer Säure, durch die gemeinschaftliche Wirkung mehrerer Verwandtschaften. Der Wärmestoff der Säure trete nemlich mit dem Hydrogen Aa s des Z72 V. Abschtt. Mineral.Sauren tt. ihre Verbind. des Wassers zusammen, das mit einem Antheil Schwefel nun das hepatische Gas bilde, und ein anderer Antheil Schwefel werde durch die Aufnahme des Oxygens vom Wasser zur Schwefelsaure. Die Zersetzung des hepatischen Gas durch Lebenslust erklären sie auf eine ahnliche Art. Wie geht es aber zu, daß das Hydrogen des.hepatischen Gas das Oxygen der Lebenslust in jeder Temperatur vom Warmcstoff befreyet, da sonst das brennbare Gas nur in sehr hoher Temperatur die Lebenslust zersetzt? cte kb XI^. S. ZII, f» H. ZY5. Wenn wir mit den Lehrsätzen der Antiphlogisiiker die Lehre vom Brennstoff verbinden, so können wir die Erklärung der erwähnten Phänomene, und der Erzeugung des hepatischen Gas leichter geben. Der Schwefel besteht nemlich aus Brennstoff und einer sauren Grundlage; in der Schwefelleber wird durch die Anziehung des Alkali zu dieser sauren Grundlage der Zusammenhang zwischen dieser und dem Brennstoff geringer, so daß sie freycr und kraftiger die Basis der Lebenslust anziehen kann, als sie es sonst bey eben dieser Temperatur nu Schwefel zu thun vermögend ist. Wird nun Wasser zu einer Schwcfcllebcr gebracht, so geht eine doppelte Wahlverwandtschaft vor; der Brennstoff des Schwefels verbindet sich mit dem Hydrogen des Wassers, und die saure Grundlage des Schwefels mit der Basis der Lebenslust des Wassers zur Schwefelsaure. Die erstcre Verbindung nimmt einen Antheil Schwefel auf, und bildet die Basis des hepatischen Gas, die vom Alkali bis zur Sättigung aufgenommen, durch Wärme aber gasförmig entwickelt wird, zumal unter Mitwirkung einer Säure, welche diese Basis des hepatischen Gas von dem Alkali, wovon sie zurückgehalten wird, losmacht. Die Basis mit Alkalien, Erden und Brennstoff. z?z des hepatischen Gas ist also Brennstoff, Hydrogen und Schwefel. Kömmt das hepatische Gas mit Lebensluft in Berührung, so werden beide Luftartcn, kraft einer doppelten Wahlverwandtschaft, wieder zersetzt. Die Basis der Lebensluft tritt mit dem Hydrogen des hepatischen Gas wieder zum Wasser zusammen, wahrend der Warmestoff mit dem Brennstoff in Vereinigung geht: der Schwefel wird hierbey niedergeschlagen. Da die Einwirkung beider Luftarten auf einander nur langsam geschieht, so ist auch die Entwickelung des Lichts für jeden Moment so geringe, daß es das Gesichtsorgan nicht af- ficirt. Die frische Auflösung der alkalischen Schwefelleber im Wasser besteht nach diesem System aus schwefelsaurem Alkali, aus schwefelhaltigem Alkali, aus freyem Alkali, und aus der Basis des hepatischen Gas, wie es auch die Erfahrung giebt. Andere Erklärungsarten, nach dem System vom Brennstoff, findet man in folgenden Abhandlungen: cle aguis ineäicaüz callclls arte pararxäls; in seinen OxH. H?chc. c/ie«. I. S. 2Z7. ff. Versuche mit hepatischer Lust, von Hrn. Rivuoan; in Lrells ödem. Annalen 1787. ^>- I- S. 26. ff i>6. ff. Zavar-- tcri Beobachtungen über die Natur und Zusammensetzung des hepatischen Gas; in Gren's Jouim. der sdhvs II. S. 99' ft- H. 596. Die völlig trockene frischbercitcte Schwefellcbcr hat keinen Geruch, da sie noch nicht die Basis des hepatischen GaS enthält , die sich sogleich erzeugt, so wie sie mit dem Wasser in Berührung kömmt. Durch die Hitze laßt sich auch aus der trocknen Schwefellcbcr kein hepatisches Gas entwickeln. §. 397- Die im Wasser aufgelöste oder mit Wasser befeuchtete Schwefclteber erfahrt in der rcsxirabeln Luft, wie in Aa z der 574 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. der atmosphärischen und in der Lebenslust, eine gänzlich Zerstörung. Bringt man die frische Auflösung der alta- lischen Schwefelleber in Wasser unter eine mit reiner Lebensluft gefüllte Glasglocke, die mit Wasser oder Quecksilber gesperrt ist, so wird die Luft nach und nach und ganzlich absorbirt; die Auflösung der Schwefelleber trübt sich, es schlagt sich etwas Schwefel als Schwefelmilch nieder, und die übrige Lauge enthalt endlich bloß noch schwefelsaures Alkalt, das mehr oder weniger gesättigt ist Hat man zu diesem Versuche atmosphärische Luft angewendet, und ist Schwcfellcber-Auflösung genug da, st bleibt zuleht bloß noch Stickgas übrig. Scheele schlug oben deswegen die Schwefelleber unter einer mir Wasser gesperrten gradrurten Glasglocke, als ein eudiometrisches Mittel vor, das Verhältnis; der Lebensluft zum Stickgas in der atmosphärischen Luft zu bestimmen; und man muß gestehen, daß man dadurch am besten und bequemer diesen Zweck erreicht, als durch andere Mttel, obgleich langsamer, Scheele von Luft und Feuer, G, 269. §. 598. Man kann also die Schwefelleber nicht anders unverändert altfbewahren, als in Gefäßen, die ganz damit angefüllt sind, und zu deren Jnnerm die feuchte Luft keinen Zugang hat. Beym Zutritt der feuchten Luft verwittert die Schwefellebcr, und verliert alle ihre eigen- thümlichen Eigenschaften, so daß endlich bloß schwefelsaures Neutralsalz, mit mehr oder weniger Schwefel vermengt, übrig bleibt. H. 5Y9- Diese Veränderungen der Schwcfellcber (H. 597> 598.) erklärt man nach dem antiphlogistischen System so, daß theils das Hydrogen der Basis des hevanschen Gas, mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z Gas, die in der flüssigen Schwefellebcr enthalten ist, sich mit dem Oxygen der Lebenslust zum Wasser vereiniget, theils der Schwefel der Schwefelleber dies Oxygen anzieht, und daß solchergestallc sich schwefelsaures Alkali bildet, und die Lebensluft zersetzt wird. Ich nehme hingegen an, daß die saure Grundlage des Schwefels in der Schwefelleber sich der Basis der Lebenslust bemächtigt, wahrend der Brennstoff desselben mit dem Warmestoff der Lebensluft zusammentritt. In der 5har kann auch bey dem Verwittern mancher schwefelhaltigen Gemische, wie z. B. des Kieses, Selbstentzündung entstehen. H. 6oc>. Wenn die alkalische Schwefelleber bey einem schwachen Feuer unter bestandigem Umrühren, um das Zusammenbacken zu verhindern, in einem flachen irdenen Geschirre so lange geröstet wird, bis man nichts Flüchtiges mehr wahrnimmt, das sich daraus entwickelt; so bleibt endlich ein weißgraues Pulver übrig, das theils freycs Alkali, theils schwefelsaures Alkali, vitriolisirter Weinstein, oder Glaubersalz, ist, je nachdem man Gewachsalkali oder Mineralalkali angewendet hat. Bey diesem Rösten verfliegt theils Schwefel in Substanz, theils wird er zersetzt, und durch die Aufnahme der Basis der Lebenslust der Atmosphäre in Schwefelsäure verwandelt. §. 601. Da in dem schwefelsauren Gewächsalkali und im Glaubersalze die Schwefelsaure nicht allein mehr sigirt, sondern auch in einem sehr concentrirten Zustande ist, so läßt sich auch darin die Schwefelsäure wieder in Schwefel verwandeln, wenn jene Salze mit verbrennlichen Dingen im Glühefeuer behandelt werden. Man kann zu dem Ende nach Stahl gleiche Theile feuerbeständiges Alkali A a 4 und Mi,!! 'V- 'iifs H-k ?^!U Äs!)! - M'fs M U! chssi ^ ß 76 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. und vitriolisirten Weinstein oder zerfallenes Glaubersalz, und noch den vierten Thcil des ganzen Gewichts dieser Salze, oder noch weniger, Kohlenstaub mit einander vermengen, in einem bedeckten Schmelztiegel schmelzen, und die geschmolzene Masse hernach ausgießen, welche nun eine wirkliche Schwefelleber ist, deren 'Auslösung (wegen der aufgelösten Kohlen) nachdem Durchseihen grünlich aussieht, und durch eine zugesetzte Saure wirklichen und wahren Schwefel fallen laßt. Der Zusatz des Laugensalzes dient bloß, um die Schmelzung zu befördern , und um den erzeugten Schwefel destomehr zu sichren. Jeder verbrennliche Stoff des Pflanzen-und Thierreichs, der eine Kohle zu liefern im Stande ist, bringt auf diese Art eine Schwefellebcr hervor. 6eo. experimenrum novum, verum tulpkwr iure xroäurenäl, iUuckrstum et äemouckrstum; in seinen o-,u/c. S. 299. H. 602. Bey diesem Prozeß verbindet sich, nach dem antiphlogistischen System, das Hxygen der Schwefelsaure der angewandten Neutralsalze mit der Kohle zum kehlensauren Gas, und der Schwefel wird wieder frcy, dcr nun mit dem Alkali verbunden die Schwefellebcr macht. Nach dem Systeme vom Brennstoff vereiniget sich das Phlogiston der Kohle mit der schwefelsauren Grundlage in der Glühehitze zum Schwefel, wahrend die kohlensaure Grundlage mit der Basis der Lebensluft in dcr Schwefelsaure zum kohlensauren Gas wird. Unternimmt man die Verfertigung dieser Schwefellebcr in einer Retorte in Verbindung mit dem pneumatischen Apparat, so erhalt man auch wirklich kohlensaures Gas. §- 60z. Auf diese Zersetzung der vitriolischen NeutralAze durch Kohlen im Glühefeuer gründet sich auch eine Methode, mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 377 thodc, das Mmeralalkali wohlfeil aus dem Glaubersalze zu gewinnen. Man nimmt eine beliebige Quantität cry- stallimsches Glaubersalz, pulvert es fein, und vermengt es mit dem sechsten Thecke Kohlenstaub; man schüttet das Gemenge in einen geraumigen Schmelztiegel, oder im Großen in einen mit Kohlenstaub und Lehm ausgefütterten eisernen Topf; man bedeckt das Gefäß leicht, und erhält es eine Stunde laug in einem mäßigen Glühen; läßt das Gemenge-erkalten, trägt es in vieles reines kochendes Wasser, seihet die erkaltete Auflösung durch, und läßt sie in offenen Gefäßen an der Luft einige Wochen stehen, wo sie sich trübt, und Schwefe! fallen läßt. Man seihet sie wieder durch, raucht sie ab, und laßt sie crystallisiren. Das dadurch erhaltene Mineralalkali muß, um es rein und weiß zu machen, nochmals aufgelöst und crystallisi'rt werden. — In diesem Prozeß bildet sich durch das Glühen der Kohle mit dem Glaubersalze aus der Schwefelsäure des letztern ein Schwefel. Ein Antheil dieses Schwefels wird schon durch das anhaltende Glühen verjagt; und da das Mineralalkali zugleich Kohlensäure aufzunehmen Gelegenheit hat, wodurch dessen Verwandtschaft zum Schwefel aufgehoben wird, so bildet sich eigentlich nur soviel Schwefelleber, als von dem noch übrigen ätzenden Alkali aufgenommen werden kann. Beym Auflösen im heißen Wasser entweicht der größte Theil dieses Schwefels noch als hepatisches Gas, und läßt einen Theil des Alkali frei), das nun nach und nach aus der atmosphärischen Luft Kohlensäure in sich nimmt, sich dadurch immer mehr vom Schwefel entledigt, und endlich als reines kohlensaures Mineralalkali in der Auflösung übrig bleibt. In der Kohlensäure, die sich bey diesem Prozeß bildet, und an das Alkati legt, ist hauptsächlich der Grund zu suchen, warum diese Schwefelleber-Auflösung sich nicht so verhält, als die aus atzendem Alkali bereitete. — Vielleicht Aas ließe z?8 V.Abschn. Mineral. Saureil u. ihre Verbind. ließe sich im Großen noch vortheilhaftcr und kürzer das, Glaubersalz in Mineralalkali zerlegen, wenn man dasselbe in einem Kupellofen auf einem Heerde in Versehung mit Kohlenstaube röstete, und die Arbeit so lange mit Zusah von frischem Kohlenstaube wiederholte, bis endlich alle Schwefelsaure als Schwefel oder schwefligte Saure verjagt wäre. Gren's Pharmacolocu'e, Th. II. S. 15 6. f. Ilsemann in TiM Verträgen ;u den cdeimsthen Annalei,, V. III. S. 489. Uber ckle belle emä ?,eveckmLls!AlIe IIe,eilu»x «Zes mlnerslileben I>g,iAensslTes, IN seinen A. I. izi i. Fl §. 604. In Rücksicht der Verwandtschaft des Schwefels zu den beiden feuerbeständigen Alkalien scheint übrigens kein Unterschied stattzufinden, und mau findet auch zwischen dem schwefelhaltigen Gewachsalkali und Mineralalkali keinen Unterschied des Verhaltens. Die Kohlensäure scheidet von beiden Alkalien den Schwefel ab; und dies ist der Grund der UnVollkommenheit der gewöhnlichen Schwefelleber (H. 586.). Bittersalz und Alaun werden durch die aufgelöste Schwefelleber sogleich zersehr, und der Schwefel fallt mit der Talk - und Thonerde zusammen nieder. Kalkwasser bringt in der Schwefelleber keine Veränderung hervor, außer in der mit kohlensaurem Alkali bereiteten unvollkommenen, wodurch es selbst, wegen der Kohlensaure, getrübt wird. §. 605. Auch das Ammoniak ist vermögend, sich mit dem Schwefel zu verbinden. Durch Digestion nimmt das flüssige Ammoniak indessen nur wenig vom Schwefel in sich auf. Wenn man aber dasselbe in Gasform mit den Schwcfeldampfen zusammenbringt, so verbinden sie sich leichter mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 379 leichter mit einander, und geben mit etwas wenigem Wasser eine Schwcfeilcber, die man flüchtige ^ckwefel- lebcr (»--par tlllpwiriz valiNiw) genannt hat, die wir aber durch den Namen schwefelhaltiges Ammomak (8ulplruretnm ämmoniZci, ) unterscheiden. Sonst heißt sie Bohle's rauchende Flüfl slgkelt (Liquor kumkiuz Lo>lei), geschwefelter Gcch Mlakgelst (Lpiriruz sali; ammoaiaLl luIkurLuz), 5pbc>iU!, tkiot »vlll im- Kids snä emit Ick^bt llke tbe LoloAuIon Kons; vitk sxper!meut5 snä oblervatlons, b). ^o/t» Canro?»,- in den I^o/. I-l^III. G. Zg?. ff. Eine leichte Methode, einen Phosphorus zu verfertigen, von Herrn Cnnron, überseht im XI. H. Ves neuen -Hamburger Magax. S. 52^. f. Leccarü 6e gusmpluri» m!s pbozxboris nunc primum cleteclls commentarlus; in ven co??»??e?/ec>-. Io?»o». ?o?/». II. I'. II. G. ig6. f. I:/?^lIe?.>t — commentarlu5 slter; cbcndast 1^. III. G» 4?L- fsi Aac. Harth. Seccari Abhandlung von den meisten erst entdeckten Phosphenen; in» allgemeinen Maga?. Tb. ?"I. S. >8». ff. lSbenVesfelben zwepte Zlbhandlung; cbcnvas. Th. i^II. S. i6z. ff. §. 614. Die gebrannte Schwererde wirkt nicht sehr stark auf den Schwefel, wenn man sie, nach Art der gebrannten Kalkerde (H. 6oy.), damit im Wasser löscht. Man erhält eine Auflösung, die nur schwach hepatisch ist, wegen der geringen Auflösbarkeit der reinen Schwerere im Wasser. Auf trocknem Wege hingegen verbindet sie sich inniger mit dem Schwefel zu einer schwerer- diAren Schrvcfellehcr (kiepgr buroticum) oder zur schwcfelhalttAen Gchwercrde (8ulpburstum hgi-yckz, c/e Wenn man nemlich acht Theile ganz fein gepulverten Schwcrspath mit anderthalb Thei- len Kohlenstaub vermengt, und in einem wohlbedeckren Tiegel z84 V.Abschü. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. Tiegel eine Stunde lang glühet, so erhalt man eine wenig zusammenhangende Masse, die sich im heißen Wasser Zum Theil auflosen läßt, wobey die überflüssige Kohlen- theile zurückbleiben, und eine gelbe Auflösung giebt, welche Geruch und alle Eigenschaften einer Schwefellebcr besift. §. 6i?. Die Auflösung der schwererdigten Schwefellcber wird gleichermaßen an der Luft zersetzt; und sie verwandelt sich mit der Zeit erst in schwefligtsaure und hernach in schwefelsaure Schwererde. Auch beym Rösten wird diese Schwefelleber wieder in schwefelsaure Schwererde verwandelt. Die Sauren trennen den Schwefel, der Key Anwendung der Schwefelsaure zugleich mit dem entstehenden Schwerspath vermischt ist. Die atzenden feuerbeständigen Alkalien scheiden wahrscheinlicherweise den Schwefel von der Schwererde. Thür es vielleicht auch die Kalkerde? 6i6. Auf die Entstehung eines Schwefels aus der Schwefelsaure des Schwersparhs mir Brennbarem gründet sich auch Bergmanns Verfahren, die Schwererde aus dem letzter» auszuscheiden. Man vermengt nemlich gleiche Theile ganz femgepulverren Schwerspath und feuerbeständiges kohlensaures Alkali und Kohlenstaub, und glüher das Gemenge in einem wohlbedcckten Tiegel, ohn- gcfähr eine Stunde lang. Auf die erkaltete und gepulverte Masse schürtet man hernach eine solche reine Saure, welche mit Schwererde ein auflösliches Mittelsalz liefert, (Salpetersaure oder Salzsaure,) bis kein Aufbrausen mehr wahrgenommen wird, seiher die Auflösung durch, und schlagt die Erde durch ein kohlensaures fixes Mali wieder daraus nieder. Diese Methode, die Schwererde aus dem Schwerspathe zu scheiden, wobey man nach Morveau auch des Zusatzes von Alkali ganz entbehren ' kann, mit Alkalien, Erden und Brennstoff. z85 kann, ist indessen nicht so gut, als die oben (§. 399.) angegebene. HcrA?»-?»« tcwArgpb. I'LAN. minor. S. 6l. De kl^ornean über den schweren Späth, und die Art, seiner Erde seineSäure auszuziehe»; airs Ven Ate/», cic/'»c»<.I cic O/so», I. 5c?». zzo/?». /'»??. 17L2. S. >59. übers in Crells cbem. An». ?7N6. Zb. II. S. 266. ff. Uebcr die Zersetzung des Schwerspaths durch Kohlenstaub, vom Herrn Prof. Fuchs, in Lrclls chem. 2lnn. 1793. L>. I. G. 146. ff. §. 617. Auf diese Erzeugung einer Schwefelseber gründet sich auch die Eigenschaft des Schwerspaths, durch fortgesetztes Glühen zwischen Kohlen das Vermögen zu erhalten, im Dunkeln zu leuchten. Es gehören hierher der BsnonsseHe A.eucl)tsteM (?bn8pbnrn8 lz-monienliz) aus Bologneser-Späth, der ein wahrer Schwerspath ist (§. 52 1. Anm.), und an dem Vmcenzo Easciarolo diese Eigenschaft zuerst beobachtete; und dic Marggra? ftsthci: Ä.eucbtstcmc. Man kann, um aus dem Schwer- spathe dergleichen leuchtsteine zu machen, denselben erst in einem Tiegel roch glühen lassen, dann in einem steinernen oder gläsernen Mörser zu einem feinen und zarten Pulver reiben, mit etwas Traganthstein vermengen, und daraus dünne Scheiben und allerlei) Figuren bilden, die man trocknet, zwischen Kohlen in cmem gut ziehenden Windofcn stark glühet, und sie nach verzehrten Kohlen herausnimmt. Sie äußern beym Befeuchten einen hepatischen Geruch, und leuchten im Dunkeln, wenn man sie vorher eine Zeitlang am Tageslichte liegen läßt. Ihre leuchtende Kraft verliert sich mit der Zeit, und kömmt durch ein neues Glühen wieder. Anvr. Siegm. Marggraf Abhandlung derjenigen Steme, welche mit Kohlen —so weit gebracht werden, daß sie — im Dunkeln leuchten; im II. S. seiner ck)-m. ^>chr,sten G. uz. ff. S. 135. ff. Grens Chemie. I. Th. ^ b H. 618. Z 86 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. §. 618. Die gebrannte Talkerdc verbindet sich, wegen ihrer Unauflösbarkeit im Wasser, auf nassem Wege nicht mir dem Schwefel; aber auch auf trocknen: Wege kann ^ durchs Schmelzen des Schwefels mit dieser Erde keine vollkommene hepatische Verbindung erhalten werden. Mit der kohlensauren Talkcrde laßt sich nach Bergmann auf nassem Wege eine ralkordigte Gcdroofoilosier (Ue- xar bckc!Fnoll!L) oder fthwcfAyalttIc Calborde (8ul- pllnretnm lVI-ignaino, Uc hervorbrim gen. Wenn man eine Flasche, die z. B. ohngcfähr ein Pfund halt, bis zu Zweydrittel mit destillirtc»: Wasser anfüllt, drey Finger voll Schwcfclblumen und Magnesit hiiwinthut, die in der Flasche noch enthaltene Luft durch Wärme verdünnt, und die wohlverstopfte Flasche einige Stunden der Warme des Wasserbades ausseht; so er- s hält man eine Flüssigkeit, die einen hepatischen Geruch giebt, und sonst schwache Wirkungen der Schwefelleber zeigt. Durchs frcywillige Abdunstcn entstehen darin theils kleine nadelförmige Crystalle, die aus gashaltiger Talrerde bestehen, theils erzeugt sich auch wirklich eine schwefelsaure Talkerde. Das feuerbeständige ahende Alkali trennt die Talkerde vom Schwefel. Wahrscheinlich geschichet dies auch durch reine Kalk- und Schwerere. An der Luft ist diese Schwefelleber gar nicht dauerhaft, weil der wenige Schwefel, der sich auflöst, größtenthcils schon als hepatisches Gas entweicht. Durch das Calci- niren des Bittersalzes mit verbrennlichen Dingen, wie niit Kohlenstaub, in verschlossenen Gefäßen, läßt sich zwar die Schwefelsäure dieses Salzes auch in Schwefel verwandeln, aber doch keine talkerdigte Schwefelleber hervorbringen. III seinen opulc. Vol. I. S. ZPI. PlM mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 87 Pyrophorus. §. 619. Die Thoncrde ist weder auf nassem, noch auf trocknen! Wege im Staude, den Schwefel in eine, im Wasser auflösbare, Schwcfelleber zu verwandeln. Wenn man aber die Kohle eines brennbaren Körpers mit gebranntem Alaun eine Zeitlaug glüher, so erhalt man den merkwürdigen hombergischcn Pyrophorus oder zündcr, Seldstzünder, ein schwarzes oder schwarzgraues Pulver, das sich an der freyen luft, zumal wenn diese feucht ist, von selbst entzündet, und mit einem Schwefelgerüche abbrennt. 620. -Homberg erfand den Pyrophorus im Jahr 1710 zufälligerweise, da er Menschenkoth mit Alaun im Feuer destillirte, um aus dem ersten: ein weißes Oel zu ziehen, und theilte hernach die Vorschrift zur Bereitung dieses Pyrophorus mir. L.emery, der Jüngere, zeigte hier- auf(Z. 1714 und 171Z.), daß statt jener Materie andere rhierische und Pflanzcnstoffe, welche in der Hitze eine Kohle geben, zur Bereitung des Pyrophorus angewendet werden können. EuvlAny hat endlich in den ueucrn Zeiten gelehrt, daß auch ohne Alaun Pyrophorus gemacht werden könne, wenn man vitriolische Salze mit brennbaren Dingen im Feuer behandelt. 8ur un uouvesu pllospllore, in der InK. äs I'gcxiä. ro^.cies 5c. äs ?aris, I. 1710. S. 54. Oblervstiöus t'ur In ingtlörs kecgle, psr dir. in ven Me?,/ etc. I. 1711. S. 49. und Z07. ; überf. in Lrclls n. cbcm. Archiv, B. I. S. 59. und 65. tZxperlsuces 5ur Ig äl- verlite äes rnatleres, gul Wut propre g üilrs uu pbos- pbore avec 1'alun, par dir. I-eWsrl/; ebcndas I. ^71^., S. 52O.; übers, a. a. O. S- 1Z9. üellexlous pbX' tigues bur un^ uouvegu pbvspllorez et lur uu ^rguä Bb S nombre M U >5 p: i? x IL . K UM. IM!» Ws-i ?WW ' M' ' z 8Z V. Abschn. Mineral. Sauren u.ihre Verbind. nomdre ä'experievces, gn! onr ele faltes ä ton oc>.z- tion, von ebcnvcms.; cbenvas. I. 1715- S. zo.; übces. a. a. L>. S. 147. chtonvetls tbeorie äu pvrojzliore äs ^lr. par ^Ii-. äs ; in den t^-Iem. xrstent. 1. III. S. i z o. 621. Vermittelst des Alauns kann man den Pyrophv- rus am bequemsten so bereiten: daß man einen Thcil Zucker mit drey Theilen gewöhnlichen Alaun vermengt, u»d in einer eisernen Pfanne unter bestandigem Umrühren so lange röstet, bis alles zu einem schwarzen kohlenarti- gen Pulver geworden ist. Man füllt mit diesem Pulver eine irdene Flasche mit einer engen Mündung bis zu Zweydrittcl an, setzt sie in einen Tiegel mit Sand, und stellt diesen ins Feuer. Man erhitzt hierauf alles stufenweise , bis zum Glühen der Flasche. Nun steigen schwefligte Dünste in die Höhe, die sich endlich mit einer blauen Flamme an der Mündung der Flasche entzünden. Wenn man die Flamme nicht weiter wahrnimmt, so ist der Pyrophorus fertig. Man verstopft dann die Flasche mit einem gut passenden Korkstöpsel, nimmt den Tiegel aus dem Feuer, und laßt alles allmählich kalt werden; worauf man die Flasche noch weiter mit Blase und Papier verbindet. Es ist besser, die Calcination lieber zu lange als zu kurze Zeit zu unterhalten, zumal wenn die Qeffnung der Flasche nicht sehr weit ist. H. 622. Auf eine kürzere Weise kann man den Pyrophorus auch so verfertigen, daß man fünf Theile gebrannte» Alaun und einen Theil Kohlenstaub vermengt, und auf die vorerwähnte Arr calcinirt. Statt des Kohlenstaubes und Zuckers, kann man jeden verbrennlichen Körper des Pflanzen- und Thierreichs anwenden, der eine Kohle giebt. Die Bereitung gelingt aber keineswegeS mit mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 8 9 mir Alaun, der ganz frei) von feuerbeständigem Alkali ist. H. 62z. Wenn man von dem gut gerathencn Pyrophorus etwas auf Papier oder sonst wohin schüttet, so erhitzt er sich beym Zutritt der freuen Luft, zumal beym Anhauchen, und fangt dann früher oder spater ganz von selbst Feuer. Er brennt unter einem Glühen und einem starken schwcfligten Geruch, und hinterlaßt eine weißgraue Asche. In der Lebenslust verbrennt er heftig, mir einer rörhlichcn, sehr glänzenden Flamme. Er vermindert die respirabele Luft beym Verbrennen ansehnlich, und mehr, als irgend ein anderer verbrennender Körper. Zugleich erzeugt sich kohlensaures und schwefligtsaures Gas, und dieses und der Rückstand des verbrennten Pyrophorus wiegen so viel, als das Gewicht der zersetzten Lebenslust und des Pyrophors vor dem Verbrennen betrugen. In nicht gut verwahrten Gefäßen verliert der Luftzünder nach und nach seine Selbstcinzündlichkeit, die man ihm aber (wenn er nicht etwa verbrannt ist,) durch neues Glühen wiedergeben kann. klxperiences lvr la comdliigünn I'/Vlun avec les mztiZ- res cartzonnentes, et tirr les alterstlons, czv! arrivent 4 l'sir, äavs le czvel on kalt drüler clir ?^ropyore, psr telr. m Ven /kk»». cle kac. cicr/c. I. 1777. S. z6z.; übcrs. m Crcllg n. Entd. Th. V. S. 1Ü7. uns m seinen Merken von Mcigcl, Th. III. S. 8 6. §. 624. Aus der Schwefelsäure des Alauns erzeugt sich offenbar mit dem brennbaren Wesen der Kohle vermittelst der Hitze ein Schwefel, dessen Dämpfe sich auch bey der Arbeit entzünden, der aber nicht ganz zerstört werden kann, wegen des geringen Zuganges der freyeu Luft. Man sollte nun dem ersten Anscheine nach meynen, Bb z daß Zyo V. Abschl!. Mineral. Säurcilu. ihre Verbind. daß die Erde des Alauns mir diesem Schwefel eine Schwefelleber bildete. Allein beide gehen sonst zusammen keine solche Vereinigung ein (§. 6iy.), und dann ist es, besonders durch GcheAens Versuche, bewiesen, daß der Alaun nur in so fern einen Pyrophorus gicbt, als er feuerbeständiges Alkali enthält (h. 622.), oder in so fern die Kohle, welche man mit dem Alaun verbindet, dergleichen in der Asche liefert« Es entstehet also eine wahre alkalische Schwefelleber. Der Pyrophorus schmeckt deswegen auch nach Schwefellcbcr, und wenn man ihn vordem Verbrennen mit Wasser kocht, so laßt sich durch Saure aus der durchgeseiheten Abkochung eine wahre Schwefelmilch, wiewol in geringer Menge, niederschlagen. Wenn man die Bereitung des Pyrophorus m einer Retorte, in Verbindung mit dem pneumatisch- chemischen Apparate vornimmt, so erhalt man kohlensaures Gas, und brennbares Gas, und zugleich sublimirt sich Schwefel. H. 625. Die wesentlichen Bestandtheile des Pyrophorus sind demnach feuerbeständiges Alkali, Schwefel und kohligte Substanz. Die Thonerde selbst ist nur außerwcsent- lich, und so erhält man auch ohne allen Alaun einen Pyrophorus, wenn man nach Guvlgtty gleiche Theile Glaubersalz und Mehl; vier Theile virriolisirten Weinstein und fünf Theile Mehl; gleiche Theile Gewächsalkali und Niehl mit dem vierten Theile Schwefel; oder uach Bergmann einen Theil Mineralalkali, mit dem vierten Theile Schwefel und dem dritten Theil Kohlenstaub; oder nach Scheele virriolisirten Weinstein mit Z Theilcn (dem Volum nach) Kohlenstaub zusammen auf ahnliche Art calcinirt; welches auch durch Bewiese Erfahrungen bestätiget wird. Slwignf mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 91 Sllvign)- a. a. O>; Vcrgmann in Scheffcrs chem. Vorlesungen §. 20;. uo. 1. unv in leinen ^o/. I. S. 326.; Scheele oon S.uft nnv Feuer, H. gi.; vesselben berichtigende Bemerkungen über den Luftzünder, in Lrclls ehem. Ännalen, Z. 1786. LS. I. S. 484-; Lcwley, im 2lnh. zu s>ricstlez''s L^xeri?». oü/c»n>ar. ^0/. ltü ini Ausr. in vveigcls Beytr. zur Gesch. der L.uftarten Th. !. S. z 82.; vcsftn fernere Versuche, cbcnyas. uu Auszuge Die Bedingungen zum Sclbstentzünden des Pyrophorus sinv feuchte und respirabele Luft. Man beobachtet, daß er vor der Entzündung sich erst erhißt. Hieraus und aus den Bestandtheilev desselben (H. 625.) lassen sich nun die Erscheinungen desselben erklaren. Berühret nemlich der gut bereitete Pyrophorus die feuchte respirabele Luft, so ziehet sein, höchst trockenes, Alkali die Feuchtigkeit an, und erhitzt sich damit (§. 314.); zugleich entwickelt sich hepatisches Gas, das nun durch Berührung der respirabelcn Luft wieder zersetzt wird, und die Lebenslust selbst zersetzt; dadurch wird noch mehr Warmestoff frey, der mit dem Brennstoff des Schwefels das Feuer bildet, das zur Entzündung der Kohle stark genug ist. Nach dem antiphlogistischen System bemächtigt sich, bey der entstehenden Erhitzung, der Schwefel des Pyrophorus des HxygenS der Lebenslust; diese entlaßt ihr Feuer, welches durch die Kohle noch mehr unterhalten wird. Andere Erklarungsattcn sehe man in den nachfolgenden Schriften: Homberg a. a. O. L.omery a. a. O. Guviguy a. a. )T>ieg!cb Handb. der Chemie Th. I. §. 539. Gottlings Bemerkungen über den Luftzünder; in Crells Bch'tr. zu ven chcm. Ann. Zb. r. St. I. S. 60. ff. Vcwlc^ a. a. O. Kt/akre ste Koste»' observsstous für le y^ropbore; im cle V. S. z8r., übers, im Ausz. in Lichtenbergs Magaz. für vas Neueste aus ver Phys. .D, I. Gr. I. S» Lo, Scheele a. a. O.. A.eonbarvi, in Bb 4 Macgucrz 592 V. Absebn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. LNacqners ckcm. U?oeterb. Th. 1^. S. 129., lind den Anm v«z-u, Th. II. S. 62. Verwittern der Kiese. Gewinnung des Alauns. H. 627. Auf eine ähnliche Art geschiehst auch die Zerstörung der Kiese (h. 558-), worin Schwefel und Eisen, mit oder ohne Kupfer, verbunden sind, was man das Der? rvurern (.kt-rmeursci'-i fnl'liliz) derselben nennt. Der Kies verliert nemlich bepm Zugange der Luft und vermittelst der darin befindlichen Feuchtigkeit, in einer längern oder kürzern Zeit, seinen metallischen Glanz und seine Härte, er zerfällt in ein Pulver, und zeigt nun einen herben salzigten Geschmack. Einige Kiese erfordern zu dieser von selbst erfolgenden Zerstörung erst die Beyhülfc des Röstens; und auf eine ähnliche Art verwittern auch die Schwefeibrände 559.). Wenn die verwitternden Kiese in einiger beträchtlichen Menge beysammen liegen, und Luft und Feuchtigkeit gemeinschaftlich zusammen wirken, so äußert sich nicht allein eine starre Hift in dem verwitternden Körper , sondern es entzündet sich auch wol sogar alles mit einander. H. 628. Die Lebensluft erfahrt bey dem Verwittern der Kiese eben die Veränderung, als durch die Schwefelleber; sie wird zersetzt, und der Schwefel des Kieses wird zur Schwefelsaure, die sich nun mit den Eisentheilcn des Kieses zum Vitriol, und mit den dabei) befindlichen erdigten Theilen zu Mittelsalzen verbindet. Durchs Auslaugen mit Wasser, Abrauchen und Crystallisircn erhält man diese Salze, von denen man vorher in dem unver- wtttertcn Kiese keine Spur antraf; die also erst aus den entferntem Bestandtheilen desselben bey seiner Zerstörung zusammengesetzt werden. §. 629. mit Alkalien, Erden nnd Brennstoff, z 9 z H. 629. Resvirabele Luft und Feuchtigkeit sind bey dem Verwittern ganz nothwendige Dinge. Alle dabei) sich ereignende Erscheinungen lassen sich sehr leicht auf eine ahnliche Art nach beiden Systemen erklären, als die Veränderung der alkalischen Schwefellebcr durch Feuchtigkeit nnd Lebenslust. Ickämoire tür la vitrioliistiou äes mgrtlales, xsr IN den kk/cm. Äe i'ac. ^0A. cie-/ c. cie I. 1777. S. Z9Z.; nbcrs in Trells neuen tL^ncv. Th. V. S. 194., und in seinen Werken von Weigel, Th. III. S. IOZ. §. 6zo. Wenn bey dem Eisenkiese nun noch Thon - oder Alaunerde ist, so erzeugt sich natürlicherweise durch die frcywerdende Schwefelsaure Alaun, und wirklich gewinnt man diesen auch auf eine ähnliche Art aus den eigentli- chen, sogenannten, Alaunerzen. In denselben wird der Alaun erst aus ihren entferntem Bestandtheilen durchs Rösten und Verwittern zusammengesetzt, da sie keinen Alaun, sondern, außer mehr oder weniger fremdartigen Stoffen, Kies und Thon oder Schwefel und Thon enthalten, welche durch ihre Zersetzung erst zu Alaun zusammentreten. §. 6zr. Das gewöhnlichste Alaunerz ist der Alaimschiefer (Tcbikkus klummuriü), ein thonigter, mit eingetrocknetem-Bergöl oder Erdharz durchdrungener Schiefer, der außer wenigen Kalk - und Bittcrsalztheilen, ein veränderliches Verhälcniß an eingemengtem Eisenkies enthält. Diese kiefigten Theile enthalten den Schwefel, dessen Säure mit der Thonerde den Alaun giebt. Zu dem Ende werden die Alaunschiefer geröstet, wodurch das Erdöl verbrennt, und der Schwefel aus seiner Mischung gesetzt Bb 5 wird, Z94 V.Abschtt. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. wird, dessen Säure bemn Verwittern mit dem Eisen z» Vitriol, und mit der Thonerde zu Alaun zusammentritt. 'Au6 ungcröstetem und unvcrwittertcn Alaunschiefcr läßt sich daher nichts salzigteS auslaugen. Wenn wenig Bituminöses dabei) ist, so zerfällt der eisenkiesigte Theil des Schiefers auch an der bloßen Luft, ohne vorheriges Rösten. Ist das Verhältnis des Eisenkieses im Schiefer zu groß, so benutzt man ihn nicht auf Alaun, wegen der gar zu starken Verunreinigung desselben in Vitriol. Hier würde aber nach Bergmanns Nathe ein Zusatz von Thon sehr nützen, und nach Monner kann man auch ans Thon und bloßem Kies, zusammen zu wiederboltcn- malen geröstet, Alaun erhalten. §. 6Z2. Mit dem Alaunschiefer kömmt der eisenkiesigte Thon darin übercin , daß er aus Thon, Eisenkies uud Erdharz bestehet, und also durchs Verwittern Alaun liefert, wozu er nach Beschaffenheit der Menge des crdhcir- zigen Anthciles entweder durchs Rösten vorbereitet wird, oder welches er nach einer längern oder kürzern Zeit von selbst erleidet, wenn er der Luft und Feuchtigkeit ausgesetzt ist. §- 6zz. Bey den sehr erdharzigcn Alaunerzen ist also das Rösten die erste Arbeit, die man vornimmt, um dcu Alaun zu gewinnen, die aber nicht nöthig ist, wenn die kiesigten Thcile durch nicht viel Bituminöses eingehüllt sind. Die Verschiedenheit des Erzes und das Locale lassen keine allgemeine Regeln für diese Arbeit zu. In Schweden legt man nach Bergmanns Bericht auf eine Reihe angezündeter Reisigbündel den gröblich zerschlagenen Alaunschiefer, ohngefähr einen halben Fuß hoch; bedeckt diesen eben so hoch wieder mit schon gerösteten und viermal ausgelaugten Stücken, wenn die Reiser verbrannt mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 9 5 brannt smd; und legt so stufenweise, und in gehörigen Zwischenzeiten, solche Schichten übereinander, damit das Fener unterhalten und die Masse gut durchgeheizt werde und dampfe, aber nicht in Flammen auebreche. Man legt auf diese Art ohngefahr acht Schichten übereinander, und errichtet neben diesen gleichlaufende, bis der ganze Hänfen die gehörige Größe hat. Das nur einmal geröstete Erz enthalt noch nnzcrstörtes Erdöl, so daß das Wasser noch nicht gehörig darauf wirkt, und erst nach einem wiederholten zweyten, dritten oder vierten Brennen wird es ganz ans seiner Mischung gesetzt. Das Erdharzigte unterhalt das Feuer bcym Rösten des Erzes selbst , und eben deswegen werden die Schichten wechselswcise mit den rohen und schon gerösteten gemacht. In dem Alaunwerke bey Garphytte gebraucht man das sehr erdharzigte Alauncrz zugleich mit als Feuerung beym Alaunsiedcn, in eigenen, dazu von Hrn. Rmmann erfundenen, -Vefen, und benutzt das ausgebrannte Erz hernach auf Alaun. §. 634. Bey diesem Rösten ist es cineHauptsache, das Feuer und die Hitze gehörig zu regieren, wodurch das Erdharz zersetzt wird. Durch zu schwache Hitze wird die Arbeit verzögert und das Erdharz nicht gehörig zerstört. Durch zu starke Hitze wird aber auch zu viel Schwefel in Substanz verjagt, oder die Erzstücke schmelzen und sintern auch zusammen, und taugen hernach nicht zum Auslaugen. Wenn das Feuer von einem starken Winde zu sehr angeblasen wird, so dampft man die Starke desselben dnrch etwas darauf gegossenes Wasser; zu schwaches Feuer verstärkt man dadurch, daß man hin und wieder Löcher in den Haufen stößt, um der Luft Zugang zu verschaffen. §- 6 z 5. z 9 6 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. §- 6zz. An einigen andern Orten röstet man die Alaunschie- fcr anch wol nur einmal, und legt sie dann an die lufr, so daß sie hier nach und nach weiter verwittern müssen; in Schweden laugt man sie sogleich aus, wenn sie durch wiederholtes Rösten gehörig aufgeschlossen worden sind, i Bey crdigtcn und lockern Alaunerzen kann man das Resten auf die vorige Art ohnedem nicht anwenden, und man überlaßt sie daher, wie zu Schwemsal, dem freiwilligen Verwittern, und dies geschiehst auch wol bey andern nicht sehr erdharzigcn festen Erzen. Diese von selbst erfolgende Zerstörung erfordert aber eine längere Zeit zur Zusammcnschung des Alauns, als das Rösten. Mail häuft zu diesem Zweck das Erz in langen, dachförmigen Haufen von drei) bis vier Fuß Höhe und Breite auf, und wählt einen festen thonigten Boden, und zieht entweder einen Graben herum, in welchem sich die lange sammlet, die von einfallendem Schnee und Regcnwasser aus dem verwitterten Erze abläuft, und die lauge in eine Grube leitet; oder man errichtet die ErzHaufen unter einem offenen Schuppen, welcher der luft freyen Zugang läßt, Regen und Schnee aber abhält. §. 6z6. Das, durchs Rösten oder durchs freywillige Zerfallen und Verwittern gehörig aufgeschlossene, Alaunerz wird nun ausgelaugt. Dies geschiehst in den mehrcstcn Alaunwerken durch aufgegossenes kaltes Wasser in Gruben , die mit Mauerwerk oder Dielen gut ausgefüttert sind. Da es aber zur Ersparung des Feuermaterials nothig ist, die lauge so coneentrirt als möglich zu erhalten, dies aber weder durch Gradiren schicklich angeht, noch durch den Frost bewirkt werden kann, da der Alaun das Gefrieren des Wassers verhindert; so ist gewöhnlich mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 397 die Einrichtung getroffen, daß die erste lauge des Erzes wieder auf frisches geleitet, und so immer mehr mit Alaun- theilen angeschwangert wird; überhaupt aber müßte man sie billig ganz mit den Alauntheilen sättigen. Die ausgelaugten Erze werden mit Wasser oder mit schwacher Alaunlauge abermals übergössen, so lange als das Wasser davon noch einen Aiaungeschmack erhalt. Man versiedet auch wol nur die ersteren Laugen, und braucht die letztem zum frischen Auslaugen. Die gänzlich ausgelaugten Erze werden entweder, wie in Schweden, durch frisches Rösten, oder durch weiteres Verwittern noch ferner aufgeschlossen und so zu wiederholtenmalcn auf Alaun bcnntzt. Die siedwürdige (rohe) lauge hebt man in eigenen BeHaltern zum Vcrsieden auf. §. 6z 7. Die zum Versiedcn bestimmte Alaunlaugc wird hierauf aus den Behältern in bleyerne Kessel geleitet, in welche noch aus einem darüber befindlichen Gefäße beständig soviel frische lauge nachtröpfelt, als Wäßrigkeit verdampft, so daß die Kessel bestandig voll bleiben. Das Einkochen der lauge wird nun so lange fortgesetzt, bis etwas davon in eine kalte Schüssel gegossen beym Erkalten zu Crystallen anschießt. Man bringt die lauge durch Rinnen in hölzerne Kästen, nachdem man sie erst vorher durch Setzen von den grobem Unrcinigkeiten be- freyet hat, worin nach dem Umrühren und Erkalten der Lauge der Alaun in kleinen Crystallen, und als ein Mehl (Aiaunmehl) niederfallt, das man nach dem Abwaschen durch Auflösen in wenigem heißen Wasser und Abkühlen zu großen Crystallen bringt, die man nachher abspült und trocknet. §. 638. Die crstere Mutterlauge wird mit dem dritten Thei- le roher lauge (§. 6z6.) wieder versetzt und weiter eingekocht. 398 V.Abschil. Miiierül.Sauren «.ihreVerbind. kocht. Da aber die überschüssige Saure der Mutterlauge, die durch Zersetzung des Eisenvitriole-, und durch Herausfallen des Eiscnochers sich bildet, bey dieser Muten und den folgenden Crystalüsationcn das Anschießen des Alauns verhindert (§. 514-), so setzt man nach dem gehörigen Eindicken derselben, und überhaupt auch den ersten Laugen, wenn sie zu schmierig oder fett, d. h. mit zu vieler Saure beladen sind, um das Alaunmehl daraus niederzuschlagen, 'Aschenlauge oder Pottasche (Fluß) (nicht so gut Kalk oder Urin) zu, welche, wenn sie in gehörigen Verhaltnissen zugethan wird, die überschüssige Saure verschlucken, und so das Anschießen allerdings befördern, und den Eisenocher ausscheiden kann, aber doch auch den Alaun selbst verunreiniget und schwefelsaures Gewächsalkali hineinbringt (§. 51 z.). §- 6z 9. Um diese überschüssige Saure des Alauns wegz»- nehmen, hat Bcrgmann vorgeschlagen, der mit zu vieler Saure übersetzten, incryftallisabeln, Lauge des Alarms reinen Thon, der von Eisen - und Kalkthcilen frey wäre, beym Sieden zuzusetzen. Die Erde desselben würde die ^ überschüssige Saure nicht nur wegnehmen, sondern auch selbst noch den Alaun vermehren, ohne ein fremdes Salz s hineinzubringen. Die Erfahrung hat indessen gezeigt, daß dieser Vorschlag nicht so ausführbar ist, als er scheint, weil sich dadurch der Alaun gar zu leicht ganz mit Thonerde sättigt (§. Zlz.). §. 640. Außer der überflüssigen Saure hat die Alaunlau- ge, wegen des in den Alaunerzen besindlichen Eisenkieses, mehr oder weniger Eisen in sich, theils als Ocher (devhlogistisirter Vitriol), theils als ordentlichen Vitriol, wodurch der Alaun selbst beym Anschießen verunreinigt wird. mit Alkalien, Erden und Brennstoff, z 9 9 wird. Durch das fortgesetzte fehlerhafte Verstehen der Mutterlauge mit roher Lauge wird endlich diese Unreinig- kcit immer mehr und mehr vermehrt; und deswegen ist der zuerst gewonnene Alaun immer reiner. Der aufgelöste Ocher wird durch zugesetztes 'Alkali oder Aschenlauge ausgeschieden; der vollkommene Eisenvitriol kann weder durch Alkalien, noch weniger durch Thon abgeschieden werden, weil im erster» Falle auch der Alaun mit zerstört werden würde. Man könnte aber die Mutterlauge mit getrocknetem Thon zu einer Masse inachen, und dann unter einem Schuppen der Luft aussetzen, wo der Vitriol nach und nach zerstört wird; oder nach Msnncr gleich beym Rösten der Alaunerze etwas reinen Thon zusetzen. Wenn die Lauge viel Vitriol enthalt, so benutzt man sie auch wol erst auf diesen. Oft enthalt die Alaun- lange auch Bittersalz, das man aus den letztern gesamm- letcn Laugen mit Vortheil benutzen könnte, wenn man durch kohlensauren Kalk den rückstandigen Alaun und Vitriol der Lauge zerstörte. ''/'oiA. cie canksÄloue awmlNl8, in seinen zz/il//. c/le?»/c. /> S. 279. sf. traite se In vitriolilication et lllnmlnaüon, ä ^.msteici. 1769. 12. I. p>. Rico praktische Abhandlung von den Eigenschaften und Zubereitung des Alauns, nebsr einer Beschreibung des de» Steinkohlenwerken entstehenden Feuers, der entzündbaren Luft und enkschlasernden tSdkenden Wetter. Marburg, 1785. 8- Tb. PH. von Hagen Beschreibung der Stadt Freyenwalde, des dastgen Gesundbrunnens und Alaunwcrks. Berlin 1784.4. Einige Bemerkungen über das Allendorfische Salzwerk, den Meißner, und die an demselben gelegenen Steinkohlen-Bergwerke, und über die Ticgclfabrikcn und Alaunwerko zu Groß- Allmerode, von Hrn. I. H. ltvmckopf; in CreUs Bc)ttra- gen zur ven chcm. Ann. B. ll. S. 475. ff. §. 641. Einen reinern Alaun, den röm!sthcn?llaun(§. 515.), erhalt man aus denjenigen Alaunerzen, wo die Thonerde mcht 4^0 V. Abschn. Mineral, säuren n. ihre Verbind. nicht mit Kies, sonderir mit Schwefel allein verbunden ist, wie in dem Alaunerze von laTolfa den Civita vccchch welches weiß, dicht und von der Harte eines verhärteten Thones ist. Dieser Alaunstein enthalt nach Bergmann O,4Z Schwefel, o,Z5 Thonerdc, und 0,22 Kieselerde, mit einem sehr kleinen Theil Eisen. Dies Erz enthält also auch nicht den fertigen Alaun , sondern muß erst geröstet werden, um den Schwefel zu zerlegen. Man brennt daher diesen sthrvefeldaltigen Thsu, wie die Kalksteine, erst, um den Schwefel zu zersetzen, dessen Same dann auf die Thoncrde wirkt. Dies Brennen geschiehct in runden Oefcn, welche die Form eines umgekehrten, abgestumpften Kegels von einer Tiefe von 5 bis 6 Schuh haben, worin man erstHolz legt, und hierauf den Alaunstein y bis 10 Schuh hoch darauf thürmt; man zündet das Holz an, worauf sich das Brennen in den Steinen unterhalt. Man löscht das Feuer aus, wenn die Flamme weiß zu werden und der Geruch der Schwefelsaure aufzusteigen anfangt. Die erkalteten Steine werden anders geschichtet, so daß die am Rande gelegenen in die Mitte, und die vorher in der Mitte lagen, an den Rand des frischen Haufens zu liegen kommen. Man röstet sie hierauf zum zweytenmale. Es ist besser, sie zu schwach, als zu stark zu brennen, damit nicht von der Schwefelsäure selbst zu viel entweiche. Die Steine sind hinlänglich gebrannt, wenn man sie mit der Hand zerbrechen kann. §. 642. Das calcinirte Tolfische Alaunerz wird hierauf in verschiedenen Haufen auf Platze gelegt, um welche Wassergräben gezogen sind, und so lange zu wieder- holtenmalen des Tages mit Wasser benetzt, bis der gebrannte Stein aufschwillt, locker wird, und einen röthlichen Beschlag bekömmt. Nach einigen Schriftstellern, die Augenzeugen gewesen sind, geschiehet dies mit Alkalken, Erden nnd Brennstoff. 42 r nach vierzehn, nach andern nach vierzig Tagen. Ein anhaltender Regen verdirbt alles. Die verwitterten Steine werden hierauf in Wasser gekocht, um allen erzeugten Alaun aufzulösen. Die Kochung dauert, unter beständigen! Umrühren, 24 Stunden. Man laßt hierauf das Feuer ausgehen, nnd nimmt das Erdigte rheils mit Werkzeugen aus der Lauge weg, theils bringt man es durch die Ruhe zum Sinken. Die Flüssigkeit wird sodann in eichene Gefäße abgezapft, worin sie 14 Tage lang zum Anschießen stehet. Die Lange kömmt hierauf in andere breitere nnd niedrigere Fasser zum ferner» Anschießen. Die erhaltenen Crystalle werden nicht von neuem gereiniget, und sind deswegen auf der Oberfläche mit der röthlichen Erde bedeckt (§. 5 > 5-)- Fcrbeos Briefe aus Welschlaud, S. 2z K. (Nach ihm geschieh« das Brenuen des Steins Vrey Stunden, und das Versieden in kupfernen Kesseln. Er erwähnt auch eines Zusatzes von Harn und Kalk.) in M/m. ch'-/c. 0. V. (Er sagt, daß das Anfeuchten der Steine 14 Tage daure, und das Verliesen in bleucrncn Kesseln geschehe.) cie in den cte /'sraci. cir 1766. (Er erwähnt ein 5W<5lfjlkündlgeg Brennen und ein 4vtägiges Befeuchten, und einen Kessel mit bleyernem Boden.) §- 64z. Hieher kann man auch den Alaun von Solfatara rechnen. Man gewinnt ihn aus einer weißen Erde, welche sich auf der Ebene der Solfatara findet, und den schon fertig gebildeten Alaun enthalt. Diese Erde entstehet aus einer schwarzen Lava, welche von den in der Solfatara hervorbrechenden Dampfen der schweflig- tcn Saure durchdrungen wird, wodurch die Thonerde der Lava zu Alaun verbunden wird, und das feste Gewebe der Lava überhaupt verloren gehen muß. Diese Erde enthalt nach Bergmann 0,08 Alaun, o,L>4 Thon- Grens Chemie. I. Th. E c erde 402 V.Abschtt. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. erde und 0,88 Kieselerde. Das Verhaltniß dieser K?-. standtheile ist aber sehr verschieden, da ein einfallender Regen den erzeugten Alaun auflösen und auswasche» kann. Man sammlet diese Erde, füllt damir blepcrne Kessel an, welche unter einen, Schuppen in die Erde ein- gegraben sind, und gießt Wasser darauf. Die Wärme des Bodens, die hier fast bis auf 115° Fahr, steigt, befördert die Auflösung und Sättigung der Lauge. Man laßt die Lauge in dieser Warme, wo sich nach Noller auf der Obersiache große Erp stalle bilden, welche man sammlet, und in einem trichterförmigen steinernen Gefäße, vermittelst der Warme des Bodens, im warmen Wasser wieder auflöst, abdampft und crystallisirt. Die Crystalle dieses Alauns sind aber doch auch nicht von Ei- scntheilen ganz freu, wie es der römische 'Alaun ist. I>e>'A?»a»» äe pi'olluÄls Vule.; in vcn c/t«». ^0/. III. S. igg. §. 644. Eine sinnreiche Nachahmung der Natur in Erzeugung des Alauns zu Solfatara ist das von Hrn. Chap- ral vorgeschlagene und im Großen ausgeführte Verfahren, aus der Verbindung der vom brennenden Schwefel aufsteigenden schwefelsauren Dampfe mit der Thonerde Alaun zu erzeugen. Hr. Chaptal laßt in großen Zimmern, deren Wände mit Dielen bekleidet und mit einem harzigten Uebcrzug versehen sind, Schwefel mit Salpeter versetzt tzch 574.) verbrennen, dessen schwefelsaure Dämpfe sich an die Thonerde des auf dem Boden befindlichen Thones anhängen und damit zusammentreten. Man wählt dazu reinen, weißen Thon, der frey von Eisen- und Kalktheilcn ist, bildet daraus mit Wasser Kugeln, brennt sie erst mäßig, zerstampft sie dann, und breitet eine Schicht von dem gröblichen Pulver in dem erwähnten Zimmer aus. Nach einigen Tagen fangen die Stücke an mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 40 z an aufzuschwellen und zu bersten, und auf der Oberflache mir kleinen Atauncrystallen besetzt zu werden. Man nimmt nun die Erde aus dem Zimmer heraus, und legt sie unter einen luftigen Schuppen, damit sie noch mehr aufgeschlossen werde, laugt sie dann aus, und laßt die Lauge, wie gewöhnlich, crystallisircn. Obl'ervatlons lur la miiniöre Ze tornicr l'slun par In cnm- vinalton älrecbe äe t-8 principe^ coiMiruans, xnr tvlr. in 0cn cie L/l/m. O tll. S. Hü. ff. Dephlogistisirte Schwefelsaure. §. 645. Ich habe schon oben aus einer Erscheinung der Schwefelsaures. 507.) geschlossen, daß auch die weißeste noch Brennstoff in sich habe. Wird dieser nun, durch die Aufnahme von noch mehrerer Basis der Lebensluft in die Saure, daraus geschieden, so muß sie auch nut veränderten Eigenschaften sich zeigen. Vergeblich hat man sich bemühet, die Schwefelsaure durch Abziehen über Braunstein zu dephlogistisiren, oder mit noch mehr Basis von Lebenslust zu versehen und so die dephloczljtlsirre Schwefelsaure darzustellen. Es ist wahr, es entzieht hierbei) die Saure dem Braunstein die Lebenslust, und tritt ihm den ihr noch anhangenden An- theil Brennstoff ab; da aber die so dephlogistisirte Schwefelsaure feuerbeständiger wird, und zum Ueberrreibcn das Glühcfeuer erfordert, so verbindet sich in dieser höhern Temperatur die Basis des Lichts wieder mit derselben, und sie entläßt die überschüssige Basis der Lebenslust, die durch den Wärmcstoff als Lebenslust entweicht. Man erhält also in den Vorlagen nur eine gemeine Schwefelsäure. Zugleich erhellet hieraus, warum der Braunstein, der durchs Glühen für sich allein keine Lebenslust mehr liefern will, deren noch eine ansehnliche Menge giebt, wenn er Ec 2 ,7,w 404 V.Abschn. Mineral. Sauren u.ihreVerbinb. mit Schwefelsaure getrankt von neuem geglühet wird. Die Dephlogistisirung der Schwefelsäure laßt sich also nur durch Digestion mit Braunstein veranstalten. Man kann zu dem Ende nach Gkobcrt zwcy Thcile sehr fein ^ gepulverten Braunstein in einem Kolben mit z Theilen ! concentrirtcr Schwefelsaure übergießen, noch laTheile destillirtes Wasser zusetzen, und zusammen bey einerTem- peratur von 60 bis 70° R. digeriren, und zuletzt einige Minuten lang aufkochen lassen, dann noch 12 Theile Wasser zusetzen, und nach dem Erkalten durchseihen. Dies ist nun schwefelsaurer Braunstein mit überschüssiger dephlogisiistrter Schwefelsaure. Das Gemisch ist geruchlos, hat eine Rosenfarbe, wird aber im Sonnenscheine ungefärbt, und zersetzt, eben so auch durch leicht verbrennliche Körper, indem in diesen Fällen die dephlo- gistisirte Schwefelsäure sich wieder mit Brennstoff sät- ! tigt, die entlassene Basis der Lebenslust aber wieder vom Braunstein aufgenommen wird. Es zerstört auch die Farben der Gewächse. Ltlsl ckir Ig comdlncnlon äe I'oxiZdne avec I'gcläe iulkml- et l'ur ijuskzuss proprleres economic>ues äe 1'aciäs kNIInrigns oxi^sne, por Kr. m VM är LKmIe A. XI. S. i7L,fst S a l p e t e r s a u r e. 646. Wenn man Vitriolöl auf Salpeter gießt, so wird . uutcr Aufbrausen und Erhitzung sogleich eine Menge eines rotheu, sauren und scharfen Rauchs entbunden, den ' man durch eine Destillation sammlen kann. Wenn man auf gereinigten, gut ausgetrockneten und fein gepulverten Salpeter, in einer geräumigen gläsernen Retorte, einen halben Theil starkes Vitriolöl gießt, welches wegen der entstehenden Erhitzung nur nach und nach, und in mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 425 in einer vorher erwärmten und völlig trockenen Netorte geschehen muß, so daß man die Retorte nach jedem Hineingießen allemal recht umrüttelt, wenn man dann ferner die Destillation auö dem schon etwas erwärmten Sandbade bey behutsamer Verstärkung des Feuers anstellt, nachdem man auf das geschwindeste eine recht geraumige Vorlage vorgelegt, lind die Fugen mit einem dichten Kütre wohl verwahrt hat; so gehen zuerst gelbliche, nachher rothe sehr elastische Dampfe und Nebel über, welche die ganze Vorlage anfüllen, und sich nur langsam zu einer röchlichen Flüssigkeit verdicken, die bey verstärktem Feuer endlich zugleich tropfenweise übergeht. Man unterhalt diesen Feuersgrad so lange, bis keine Nebel mehr übergehen. Nach dem Erkalten löst man die Vorlage sorgfaltig von der Verküttung ab, und gießt die erhaltene Flüssigkeit, die röthlich von Farbe, sehr sauer und atzend ist, und einen röthlichgclben Rauch von sich giebt, in ein geräumiges, recht trockenes und starkes Glas mit einem eingeriebenen Stöpsel durch einen gläsernen trockenen Trichter. Sywol hierbei), als auch bey der Vermischung des Vitriolöls mit Salpeter, hat man sich so viel als möglich zu hüten, die erstickenden Dünste und Nebel in die Lungen einzuathmcn. Wegen dieser nachtheiligcn und beschwerlichen Dünste hat der Woulsische Destillirapparat (^. 155.) Vorzüge zur Ausführung dieser Arbeit. H. 647. Diese so erhaltene Saure nennt man rauchendett Salpetergeiff (Lpieltuz nüri kumanz Das cigenthümliche Gewicht des stärksten Salpetergeistes ist i,S8z gegen das Wasser. Eis und Schnee erkältet er ansehnlich; mit dem Wasser aber erhitzt er sich. Er ziehx die Feuchtigkeiten aus der Luft an, und wird dadurch schwacher, auch wol grünlich von Farbe. Der rothe Cc z und 4v6 V.Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. und conccntrirte Geist wird bei) der Verdünnung mit ohngefahr dem vierten Theile Wasser, dem Umfange nach, schön grün, stößt aber immer noch röthliche Nebel aus: durch gleiche Theile Wasser aber, oder durch etwas mehr, wird er blau; und durch noch mchreres Wasser verliert er endlich seine Farbe ganz, und wird weiß. §. 648. Statt des Vitriolöles bedienet man sich zurAustrci- bung der Salpetersäure aus dem Salpeter auch wol des gebrannten Vitriols, oder auch wol des Thons, durch deren Hülfe in der Hitze ebenfalls die Salpetersaure ausgetrieben werden kann. Man unternimmt diese Destillationen der Salpetersaure gewöhnlich nur im Großen. Man vermischt entweder 4 bis 5 Theile trocknen, gepulverten Thon mit einem Theile Salpeter; oder gleiche Thüle gebrannten Vitriol und Salpeter; und stellt die Destillation im Reverberirfeuer an. Man bedienet steh hierzu, nach Verschiedenheit der Gegenden, mancherley Vorrichtungen, entweder irdener Retorten, birnförmiger öckü- ge, oder ovaler Gefäße, die man beschlagt, und mit oder ohne Vorstoß mit der Vorlage verbindet; oder eiserner Kolben, mir einem thönernen Zwischenrohr und gläsernen Helme, eiserner ovaler Röhren, oder eiserner Ballonen mit irdenen Helmen. In die Vorlagen schlagt man auch gewöhnlich Wasser vor. Ucberhaupr aber verrichtet man öfters diese Arbeit ziemlich handwerksmäßig und regellos, und nimmt nach den verschiedenen Orten bald mehr, bald weniger vom Vitriole, der auch bald mehr oder weniger stark gebrannt ist. Eben so trägt man auch nicht immer Sorge für die Reiuigkeit des Salpeters. Zdemacb)'-'' Laborant i.n Großen, Th. I. S. 55. Ndcber's physikalisches ehem. Magazin, Th. I.S. zo6. H. 64?. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4^7 §. 64?. Die saure Flüssigkeit, die man hiebe,) erhalt , ist daher von verschiedener Starke, aber immer schwacher, als die vorher erwähnte mit Virriolöl bereitete. Sie ist gewöhnlich, wegen ihrer Schwächung durch wasserigte Theile, weiß, und stößt keine oder kaum sichtbare Dampfe aus. Man nennt sie schlechtweg Salpcrcrs Heist (tstirüuz nitri, d)) oder auch Sclzeide? ivaffr (agua sortis, Die verkäufliche ist ineh- renthcilö mit Schwefelsaure, und mit der Saure des, beym ungereinigten Salpeter befindlichen, Aüchensalzcs verunreiniget. §. 650. Durch den bis zur rochen Farbe calcinirten Vitriol kann man aber eine ziemlich concentrirte Salpetersaure erhalten, wenn man sieben Theile davon mit acht Thailen gereinigten und trocknen Salpeter gepulvert miteinander vermischt, und aus einer beschlagenen Retorte im Reverbcrirofen destillirt, an welche große Vorlagen, mit oder ohne Vorstoß durch einen dichten Kütt, gehörig befestigt sind. Zur bessern Verdichtung der sehr elastischen Dampfe schlägt man auch wol etwas weniges Wasser in den Vorlagen vor, und verstärkt das Feuer nur nach und nach und allmählich, bis zum Nachglühen der Retorte. Am besten ist es, die Destillation zur Winterszeit anzustellen, und die Vorlagen durch gehörige Entfernung von dem Ofen und andere schickliche Mittel immer abgekühlt genug zu erhalten. Man endigt die Destillation, wenn bey starker Hitze nichts mehr übergeht. Die hiebe,) erhaltene Säure ist ziemlich concen- rrirr, hat eine röthliche oder dunkelgelbe Farbe, und stößt ebenfalls röche Dämpfe bey Berührung der luft aus. Man nennt sie auch wol doppeltes Schech cwasier sortis Duplex). Cc 4 6zr. Ä 'k - M -l ? 4^3 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. H. 651. Bey der Destillation der Salpetersäure aus Salpeter durch Vitriolöl, oder Vitriol, bleibt in den DeM lirgefaßen die angewendete Vitriolsäure, in ein Neutralsalz verwandelt, als schwefelsaures Gewachsalkali (vitrio- lisirter Weinstein) zurück, dem man aber in diesem Falle Uttnothigcrweise die eigenen Namen: Hrcanum cluplica. tum, arcanum Ickc>1lkoiick^ns-?, p-msce» boklkeinienllz, ru'rrnm vitriolutum, panscea 6upliLZk», t'ul äs suo. du;, gegeben hat. Ben der Verfertigung des rauchenden Salpetergeistes kann man den trocknen Rückstand sogleich in heißem Wasser auflösen, und crnstaUisiren lassen, wenn aber überflüssige Schwefelsaure dabey seyn sollte, diese mit Gewachsalkali sättigen. Wenn man aber Vitriol zur Destillation der Saure angewendet hat, so muß man durch Auslaugen im heißen Wasser und sorgfältiges Durchseihen der lauge den vitriolisirten Weinstein von den metallischen Theilen des Vitriols schaden, und, wenn etwa uuzcrsetzter Vitriol dabey seyn sollte, diesen durch Gewachsalkali vollends zerlegen, und das Metallische niederschlagen. §. 6Z2. Aus dem bisher Vorgetragenen erhellet also, daß der Salpeter ein Neutralsalz sey, welches aus seiner eigenen Saure und dem Gewachsalkali zusammengesetzt lßi daß aber das Alkali näher mir der Schwefelsaure verwandt sey, und daß also diese, wenn sie dem Salpeter zugesetzt wird, die Stelle der Salpetersäure einnehme, einen vitriolisirten Weinstein erzeuge, und die vorher gebundene Sa pctersäure frey mache. ' Bey der Anwendung des calcinirtcn Vitriols geht eine doppelte Wahlverwandtschaft vor. Die Schwefelsäure desselben verbindet sich m der Hitze mit dem Alkali des Salpeters ebenfalls zum vitriolisirten Weinstein, und die freygewordene Salprtcr- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4°9 Salpetersäure mit den Eisentheilen des Vitrioles, aus welchen sie aber durch die bloße Hitze wieder freygemacht wird. Auf eine ahnliche Art geschieht! die Zersetzung auch durch Alaun und Bittersalz. H. 65z. Die Ausscheidung der Salpetersäure aus dem Salpeter in der Hitze vermittelst des Thons hat man irrig durch die Schwefelsäure des letztern erklart. Reiner Thon enthält nichts von Schwefelsäure, und demohnge- achtet dient er ebenfalls zur Destillation des Scheidewassers, und so kann auch gebrannter Thon, Porcellän, Glas, Sand zur Austreibung der Säure angewendet werden. In dem Rückstände ist auch nichts vom vitrio- lisirten Wemsteine zu finden, wenn man reine Thonarten anwendet, sondern er ist vielmehr alkalisch, und mehr oder weniger zusammengebacken und glasartig, je nachdem die Hitze stärker und anhaltender, oder schwächer darauf gewirkt hat. Andere haben den Grund davon darin gesetzt, daß der Thon, oder andere ähnliche Körper, das Fließen der Masse verhinderten, und daß sie dadurch eine größere Hitze anzunehmen vermögend wäre. §. 654. Die nahe Verwandtschaft der Kieselerde zu den feuerbeständigen Alkalien auf trocknem Wege macht es wahrscheinlich, das; der Thon wegen seines kieselartigen Gruudtheils, der ihm wesentlich ist, und so auch die andern kieselartigen Körper den Salpeter so zersetzen, daß durch die Anziehung der Kieselerde zum Alkali ii/der Hitze die Anziehung der Saure zum letztern nothwendi- gerweise geschwächt wird, so daß sie hernach durch die Wirkung des Feuers ausgetrieben wird. Denn die Verwandtschaft der Körper auf trocknem Wege ist oft ganz anders, als auf nassem; wo freylich die Kieselerde C c 5 nicht 410 V. Abschn. Mineral. Sauren ».ihre Verbind. nicht so nahe mir dem feuerbeständigen Alkali verwandt ist, als die Salpetersäure, welche deswegen auch die Kicselfeuchtigkeit sogleich zersetzt. Monnets Untersuchung über die Ursache der Zersetzung des Salpeters und SecsalzcS durch crdigte Zwischcnmincl! t übers, im neuen Hamb, Illagaz-. B. XVI. S. 462. §- 655. ^ Bey der Bereitung der starkem oder schwächer» Salpetersäure vermittelst der Schwefelsäure oder des Vitriols ist sie gewöhnlich mit Schwefelsäure verunreinigt. Um sie davon zu befreycn, schlägt man vor, sie nochmals über frischen, reinen Salpeter aus einer glaserncn Retorte im Sandbade zu rectistcircn; besser aber ist es, von der Auflösung der Schwererde in Salpetersäure zuzusetzen, bis sich kein Niederschlag weiter zeigt, und dann die Säure wieder zu destilliren. Kochsalzsäure ist nur dann in der Salpetersäure, wenn der dazu angewendete Salpeter nicht frey von Kochsalze oder salzsaurem Alkali war. Von den Mitteln, diese Salzsäure daraus zu scheiden, wird in der Folge gehandelt werden. §. 656. Sonst glaubte man fälschlich, daß der rauchende Salpetergeist um desto starker und conccntrirter sey, je mehr er Nebel ausstoße und je dunkler seine Farbe sey. Nun ist es zwar wahr, daß die Verdünnung mit Wasser dem rauchenden Salpetergeiste seine Farbe, und seine I rauchende Eigenschaft benimmt (tz. 647.); allein die llr- sach der Farbe und der rauchenden Eigenschaft liegt dcm- ohngeachtct nicht in der mehrern Concencrirung. Wenn man rauchenden Salpctcrgeist aus einer gläsernen Retorte im Sandbade bey ganz gelindem Feuer dcstillirt, so erhebt sich der rauchende Thcil zuerst, und der Rückstand verliert endlich alle seine Farbe und seine rauchende Beschaffen- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4" schaffenheir. Je dunkler die Farbe des rauchenden Salpetergeistes war, um desto weniger bleibt davon ungefärbte Saure zurück. h. 657. Dieser zurückbleibende Theil des rauchenden Sal- petergcistes ist farbenlos, von einer größern Aciditat, uiid minder flüchtig; bey Berührung der Luft in der Warme giebt er einen weißlichen Raiich. Dieser Anthcil des rauchenden Salpetergcistes ist eigentlich als die rollkom? menc Salpetersäure (Hcillnm nicricum, C ) anzusehen. Man nennt sie auch dcphlos glstlstrle Galpetersäure sH,Liänm nitri clepIiIc>Lillica- tum). Die rauchende, gefärbte, flüchtigere Saure ist in der That in einem minder sauren oder unvollkommnc- ren Zustande, iind kann durch die Benennung der un- vollkommnereu Salpetersäure, oder der salperrigten Säure (/Xcitknm nitrosnm, unterschieden werden. Sonst nennt man sie auch phloglstlsirre Gal» pcrcrsäure Nltri pblngiKicatum). §. 658. Der Unterschied zwischen beiden Sauren beruhet unserer Theorie nach nicht blos darin, daß die rauchende Salpetersäure weniger Basis der Lebensluft, soudern auch darin, daß sie mehr Brennstoff enthält. Es ist hier ganz der Fall, wie bey dem Unterschiede zwischen Schwefelsäure und schwefligter Säure. Hat die vollkommene Salpetersäure Gelegenheit, sich mir Brennstoff zu verbinden, so entläßt sie dagegen einen Theil Lebensluftbasis, und erscheint dann als unvollkommenere Salpetersäure. Diese Theorie wird durch die folgenden Erscheinungen der beiden Säuren bestätigt. §- 65?. 412 V. Abschtt. Mineral. Sauren tt. ihre Verbind. §. 659. Je rauchender das Vitriolöl war, das man zur Austreibung der Salpetersaure aus dem Salpeter anwandte, um desto dunkler von Farbe, und desto starker rauchend wird auch der erhaltene Salpetergeist. Da aber auch das weißeste Vitriolöl noch Brennstoff enthalt, so laßt sich einsehen, warum auch durch dieses die Salpetersäure nicht ganz farbenlos erhalten werde. Bey der Vermischung des rauchenden Salpetergeistcs mit Wasser wird durch die dabey entstehende Erhitzung die unvollkommenere Salpetersaure wegen ihm größern Flüchtigkeit und ihrer mindern Verwandtschaft zum Wasser abgeschieden, und entweicht größtentlM als Rauch. §. 660. Wenn man ungefärbte conccntrirte Salpetersäure in Verbindung mit dem pneumatischen Apparate den Sonnenstrahlen ausseht, so wird sie wieder gefärbt uud rauchend, und zu gleicher Zeit entwickelt sich Lebensluft. Hier verbindet sich nemlich die Salpetersäure mit der Basis des Lichts oder dem Brennstoff zur unvollständigen Salpetersäure, wahrend die Basis der Lebenslust der Salpetersaure durch den Warmestoff luftförmig, als Lebenslust, entwickelt wird. §. 661. Eine gleiche Veränderung widerfahrt der ungefärbten oder dephlogistisirten Salpetersaure, wenn sie durch eine glühende gläserne Röhre getrieben wird. Sie nimmt hierbey die Basis des Lichts oder den Brennstoff auf, und wird damit phlogistisirte Salpetersäure, während sie die Basis der Lebenslust dem Wärmestoff überläßt. Durch das erzeugte Salpetergas wird aber hierbei) ein großer Theil der gebildeten Lebenslust wieder zersetzt. mit"Alkaliett, Erden und Brennstoff. 41Z 662. Auch in dem Salpeter laßt sich durch bloßes Glühen desselben die darin befindliche Salpetersäure zerlegen, Lebenslust austreiben, und die Salpetersaure phlogistisiren. Sonst wandte man auch den Salpeter vorzüglich zur Bereitung der Lebenslust an, und aus ihm stellten sie ihre Erfinder, priestlcy und Scheele, zuerst dar. Wenn man diesemnach das Schmelzen des Salpeters im Glühe- fcucr in einer gut beschlagenen gläsernen, oder in einer gut gebrannten irdenen Retorte so vornimmt, daß man an die Mündung der Retorte eine blecherne Röhre an- geküttet, und diese mit dem pneumatisch - chemischen Apparat verbunden hat, so geht beym anhaltenden Glühen eine sehr ansehnliche Menge Lebenslust durch das Wasser über, das man zum Sperren braucht; zuletzt aber, wenn die Retorte es aushält, entwickeln sich Dämpfe einer wahren phlogistisirten Salpetersaure, die sich mit dem Wasser der Wanne verbinden, und die auch beym Glühen des Salpeters in offenen Gefäßen zuletzt zum Vorschein kommen. Gewöhnlich aber dringt gegen das Ende der Arbeit der Salpeter durch die Zwischenräume der Retorte, oder diese fließt gar. Der Salpeter bleibt dann nur zum Theil alkalisirt zurück, größtentheils mit sehr phlogistisir- rer Salpetersäure verbunden, die sich jetzt von schwächern Sauren in rothen Dämpfen austreiben läßt, ohn- geachtet diese sonst den gewöhnlichen Salpeter nicht zerlegen. Einige Fragen, das Salz betreffend, das nach dem Austreiben der dephlogistisirten Luft aus Salpeter zurückbleibt, von Gmein:; in Lrells ckicm. Am:. 17LZ. G. z. ff. H. 66z. Sobald die vollkommene Salpetersaure Gelegenheit hat, sich mit Brennstoff zu verbinden, gegen den sie eine sehr starke Verwandtschaft besitzt, so verwandelt sie sich wie- 414 V. Abschtt. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. wieder in unvollkommene Salpetersäure, oder sie wird phlogistisirt. Uebrigcnö ist sie eines sehr verschiedenen Grades der Phlogistisirung fähig. §. 664. Die dephlogistisirte Salpetersäure unterscheidet sich von der phlogistisirten auch ferner durch ihre Verbindungen mit Alkalien und Erden, und durch ihre weit schwächere Verwandtschaft dagegen. Nach der neuen Nomen- clacur nennt man daher auch die mit der vollkommenen Salpetersäure bereiteten Neutral - und Mittelsalze A die mit der unvollkommenen Säure verfertigten Jene könnte man j alpetcrst;uro (deürie«), dich jalpcrriMjäure (kditioks) nennen. Die letztem kommen nur selten vor, und sie entstehen dann, wenn nmn die salpetersauren Salze der Wirkung des Glühefeuerg aussetzt (§. 662.). §. 665. Die Säure des Salpeters unterscheidet sich sattsam von der Schwefelsäure durch einen eigenrhümlichen Geruch, durch ihre mehrere Flüchtigkeit, besonders aber durch ihre Verhältnisse und Verwandtschaften gegen andere Körper. Ihre Säure ist übrigens sehr scharf und fressend. Auf die Pstanzenfarben zeigt sie zwar im geschwächten Zustand die gegcnwirkendc Kraft aller Säuren, aber im concentrirten Zustande zerstört sie die meh- resten gänzlich. Die Salpetersäure färbt Haut, Fcdcru, Haare, Seide und dergl. gelb; und man kann der letzteren eine dauerhafte, gelbe Farbe mittheilen, ohne daß sie von ihrem Glänze und ihrer Festigkeit verliert, wenn man sie nach Herrn Gmelm eme Zeitlang in nicht zu starkes Scheidewasser legt. Eine alkalische Lange erhöhet die Farbe noch mehr, die durch Waschen mit Wasser nicht vergeht. .7». mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 415 Hki), äe Uligciicli? per irttri aclänm, tlve nri- clu>n live terra ant metalio iaturatum, serico. LrMrtl 17t!-;. 4. überscyr m Crells chen». 2in>iale>l, I. 17LZ. I. S. 48Z. Salpetersaure Neutralsalze. Gemeiner Salpeter. 666. Mit dem Gewächsalkali gesättigt macht die Salpetersäure ein Ncutralsalz, das mit dem gemeinen Sal^ petcr (Nitrnm vulxars D) völlig übereinkömmt, und wegen der Gestalt seiner Crystalle anch prismatlsthec Salpcrcr genannt wird. Nach der systematischen Nomcnclatur heißt es jalpetersanres Gewachsalkali (^ucassmum nitricum, nitrsrnw, ve^madlls vitratum, Eitras ?otaffae, ^ §. 667. Der Salpeter hat einen scharfen, bitterlichen, kühlenden Geschmack, nnd bildet ansehnliche große Crystalle, welche prismatisch, sechsflächig, gestreift sind, mit sechsflächigen, pyramidalischen, mehrentheils schräg abgestumpften , Endspitzen. Die Crvstalle sind im Wasser ziemlich auflösbar. Bey der Mittlern Temperatur erfordern sie 7 Theile, bey der Siedhitze aber kaum etwas mehr, als gleiche Theile Wasser zur Auflösung; und der Salpeter laßt sich daher bequem durchs Abkühlen cry- stallistren. Der crystallinische Salpeter enthält nach Bergmann 0,49 reines Gewachsalkali, o,zz Salpetersaure und o, 18 Crystallenwasser. Memoire tur la MuAurej clss Lntkaux cte iiltrate ) giebt, bey deren Verfertigung man auch wol noch Schwefel anwendet Durch das Schmelzen des Salpeters in dieser mäßigen Hitze verliert er nichts, als etwas von seinem Crystallen- wasser, das er aber doch ohne anhaltendes Glühcfeuer nicht ganz fahren läßt. Im anhaltenden Glühcfemr wird der Salpeter endlich alkalifirt; aber selten halten die Gefäße dieses so lange aus, bis der Salpeter ganz und gar alkalisch geworden ist. Die Salpetersäure wird hierbei) zerlegt, und wenn man die Operation nicht bis zum gänzlichen Alkalisiren des Salpeters treibt, so bleibt jälpecngrsimreK Gcrvachwaikalt (?owikmum mwo- kum, eis zurück, aus dem sich sogar durch Essigsäure die salpecrigre Säure in Gestalt rothcr Dämpfe austreiben laßt (H. 662.). §. 669. Man findet den Salpeter auch natürlich in einigen Wassern, auf der Oberfläche der Erde an gewissen Orren in Indien, den man Kehrsalpeter (Mpetrs äs nennt, und durch Auflösen im Wasser, Durchseihen und Anschießen rein erhält; ferner in SM mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 417 wen, in Niederhungarn, im Würzburg'schen, in Kalk- schichten im Pulo im Gebiete von Molfetta in Siciliem Man hat den Salpeter endlich auch in dem Safte einiger Pflanzen angetroffen, worin er aber mehr von dem Boden, worauf sie wachsen, als von diesen selbst herzuleiten ist. Unser mehrester gebrauchliche Salpeter ist Übrigens erst durch Kamst zusammengesetzt. Von der Erzeugung dieses Salpeters kann aber erst in der Folge gehandelt werden. gguarum Luäenlium, Veilsrobuä. 17s 1. S. 184. Vom gediegenen Salpeter; in von pchffl- t'aliscden Arbeiten der cimrää'Ngen Freunde, Jahrg. I. Quart, z. S. 4. Debnc von zufalligen wesentlichen Sgl? z-n einiger Pflanzen; in Creik Anöw. der n. Entd. B. it. S. 107. Macquer chem. Wörterbuch, Th> IV. S. z i z. Ucber die Salpetergrube oder den Pulo von Molfctte, vont Hrn. Hofr. ?>mnicrmann, in Lrells Beitragen cu den clirm. Annal. B. I V. S. Z. ff. Nachricht von" einem, in einer Höhle im Hamberge bey Würzburg gefundenen natürlichen Salpeter, vom Hrn. Prof. Picke!; in Crelln cliem. Annalen 1791. B. I. S. ZZ). ff. 1792. B. t. S. i;o. Won einem Salpetcrsiötz in Uitgarn, von: Herrn Direkt-, Äück'crt, cbendas. 179z. B. I. S. 224. ff. Rhomboidal - Salpeter. §. 670. Mit dem Mineralalkali giebt die Salpetersäure nach der Sättigung ein Neutealsalz, das in regelmäßigen rhvmboidalischen Crystallen anschießt, und den Namen cublscder, richtiger Rhomboidal - Salpetee (dlitrum cubicum, gunürnuszuZgru, rbombaiclalc?) führt» im Systeme aber salpetcrsaures LZMwralalka'i (Ns» trum nitriaum, 4Icali minerulo uitrntum, Lvüg, nitra» tu, lFitrs; 80ÜSS, b/ttt'/Äs ckct Foe/als) genäUNt ivird.. Dies Salz hat einen, dem gemeinen Salpeter ähnlichen? kühlenden, aber etwas mehr bitterlichen Geschmack» Art Mens Chemie.!.Tb der 4! 8 V. Avschn. Mineral, sauren u. ihre Verbind. der Luft zieht es etwas weniges Feuchtigkeit an. Die frischen Crystalle des NhomboidalsalpetcrS enthalten nach Bergmann Z14. Salpetersaures Ammoniak» §. 674. Aus der Verbindung der Salpetersäure mit dem Ammoniak entstehet der ammomakalijcbe Salpeter, Salperersälmme (ftn amninniacum nitroftim, Llllall vowtile nnratnm), oder das jnlpcrersaure Zlmmoniaö (eXmmomgLNM nitricum, dlitrsz ^inmonisci^ das in nadelförmigen, etwas biegsamen, Crystallen anschießt und einen bitterlichen, kühlenden, etwas scharfen Geschmack besitzt. Es ist im Wasser sehr aufiöslich. Siedendes Wasser nimmt mehr davon in sich, als kaltes. Von jenem erfordert es nur einen halben Thcil. Die besten Crystalle erhalt Man aber durchs unmerkliche Abdunstcn. Diese Crystalle enthalten nach Awnaan 0,24 Ammoniak und 0,76 Salpeters saure und Wasser» §. 675. Wenn Man das salpetersaure Ammoniak erhitzt, so Zergeht eö erst in seinem Crystallenwasscr; es dampft Wasser ans, wird dann wieder fest; aber noch vor dem Glühen, und ohne in Berührung mit verbrenNlichert Körpern zu scyn, wird es mit Geratisch und Explosion zersetzt, auch in verschlossenen Gefäßen. Hierbei) wird sowol das Ammoniak, als die Salpetersäure Zerlegt, und wir werden weiter unten daraus Schlüsse auf die Zusammensetzung beider ziehen» Einige Chcmisten behaupten - Dd 2 die « 420 V.Abschtt. Mineral. Sauren u. ihre Verbind, die Sublimirungs-Fähigkeit des salpetersauren Ammoniaks. Wegen der Entzündlichkeir desselben nennt man es auch flammenden Salpeter (ktttrnm flsmman?). et Xe//--,-, äist. fle Mtw ikammsints. lZoett. 1762. 4. Ernst Gemfr. Rurella vom nitro üsmmante; in seinen ckpin. Vcrsucbcn und Erfahrungen G. r. ff. Torb. Zbergmann in den Anmcrk. Gckcffcrs chem. Vöries. G. 12h. Cornene über den flammenden Salpeter; aus den sts l'acacl. ^ cter /c. 178Z. G. 745. ff.; überseyc in Lrells chem. Annale» 1789- II. S. z6c>. ff. §- 676. Das salpetersaure Ammoniak wird durch beide feuerbeständige Alkalien sogleich zersetzt, weil diese näher mit der Salpetersäure verwandt sind, als das Ammoniak. Das letztere wird entweder ätzend, oder kohlensauer abgeschieden, je nachdem die erstem in einem oder dem andern Zustande zugesetzt werden. Salpetersäure Mittelsalze. Salpetersaure Kalkerde. §. 677. Die Kalkerde löst sich in der Salpetersaure vollkommen und leicht auf; die Auflösung ist klar und ohne Farbe, wenn die dazu gebrauchten Stoffe rein waren, und hat einen scharfen, bittern, unangenehmen Geschmack. Diese Verbindung siihrt den Namen des Aalkjälpeters (rütrum cmlcarsum), oder der sälpeterjäuren AcA erde (Lälx mteics s, mlrgtg, lFitrgz caleiz, Xckrstt e/e Sie laßt sich aber nicht anders zu Crystal- len bringen, als daß man sie bis zur Honigdicke abdampft, und schnell der Frostkälte aussetzt. Es bilden sich dann uadelförmige unordentliche Crystalle. M-m mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 421 erhalt sie regelmäßiger, als sechsflächige zwcyseitig zuge- spütte Säulen, wenn man die Auflösung nicht so stark abdampft, und sie hierauf an einem mäßig marinen trockenen Orte unmerklich abdunsten laßt. §. 678. Die Crystalle der salpctersauren Kalkcrde sind an der Luft nicht bestandig, sondern zerfließen sehr bald wieder. Sie brauchen deswegen auch nur sehr wenig Wasser zu ihrer Auflösung. Sie enthalten, wenn sie wohl ausgetrocknet worden sind, Sdch Bergmann c?,Z2 Kalkerde, 0,4z Salpetersäure und 0,25 Crystallenwasscr. Die salpetersaure Kalkerde schmelzt leicht über dem Feuer, schäumt dabey stark auf, und läßt endlich bey fortgesetztem Glühen die Saure ganzlich fahren, so daß dieKalk- crde als gebrannter Kalk zurückbleibt. Wenn man sie aus einer Retorte dcstillirt, die mit dem pneumatischchemischen Apparat verbunden ist, so erhält man erst Lebenslust, zuletzt mir Stickgas, ehe die Salpetersäure sich gänzlich entwickelt, die nun zugleich sehr phlogistisirt ist. Durch fortgesetztes Glühen des Kalksalpeters in einem Schmelztiegel erhalt die zurückbleibende Kalkcrde das Vermögen im Dunkeln zu leuchten, und zwar am stärksten, wenn man Kreide zu den Versuchen genommen hat. Man erhält in diesem Falle den Baldumtsthen Phosphorits (lckrciIpüoruz Ls/aückW), der aber an der Lust sein Vermögen zu leuchten bald verliert. (?/»-. aurum tuperlcis er knferlus avrae tdverioris et ittteiiockz bsnneciecim et pbo-^borus iieniieticus t!ve mllAv.es lumiiisriz., Ittkneok. et I-ixk. 167z. 12. §. 675. Die salpetcrsaure Kalkerde wird von den feuerbeständigen Alkalien auf nassem Wege sogleich zersetzt, und die Kalkerde wird entweder durch eine einfache Wahlvcr- Dd g wandt- 422 V.Abschn. Mir.cral. Sauren n. ihre Verbind. wandtschaft, als reine Kalkerde, weirn man ahcnde Alkalien anwendet; oder diirch eine doppelte Wahlverwaudt- schafc alö kohlensaure Kalrerde niedergeschlagen, wenn inan kohlensanre Altalien zusetzt. Das 'Aitali vereiniget sich mir der Saure des Kalksalpeters entweder zum prismatischen, oder znm Rhemboidaisalpeter, >c nachdem es Vegetabilisches oder mineralisches war. Aetzeudes Ammoniak bringt keinen Niederschlag in der Auflösung der ^alterde in Salpetersaure zuwege; hingegen zerlegt die gebrannte Kalkerdc, nicht aber die kohlensaure, auf nassem Wege den saSperersauren Ammoniak sogleich, und erzeugt einen Kalisalpeter, indem das Ammoniak entwickelt wird. ES muß also die Salpetersäure aus nassem Wege naher mit der Kalkerde, als mit dem Ammomck Verwandt senil. Daß aber das kohlensaure Ammoniak den Aöalksalpeter zerlegt, und kohlensaure Kalkcrde daraus fallet, rührt von der Kohlensaure desselben her, wodurch ciue doppelte Wahlverwandtschaft erfolgt, denn Erfolg anders ist, als bey der einfachen. Thon und Sand treiben in der Hitze aus dem Kalksalpeter die Saure aus, allein es ist ohne Zweifel bloß Wirkung der Hitze, daß hier die Saure entweicht (§. 678.). §. 680. Die sakpetersaurc Kalkerde findet sich auch schon von Natur in den gewöhnlichen Salpctercrdcn, und macht den hauptsachlichsten und größten Theil der Mutterlauge in den tsalpetersiedercyei! aus. So ist auch die allergrößte Wenge unseres gewöhnlichen Salpeters aus der Zerlegung des Kalisalpeters durch den Zusatz derAschcm lauge oder des Gcwachsalkali in den SälpeterstedcwM erst entstanden und erzeugt.. Gaste- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4- Z Salpetersäure Talkerde. H. 681. Die Talkerde wird von der Salpetersaure ebenfalls leicht aufgelöst, und die Verbindung liefert nach der Sättigung ein Salz, welches salperersaurc Talkcrde (lVIa^nelis nitrica, iVtrss IVlaßnelwk-, ^ sonst bittersalzerdigrer Salpeter, salpetriges Bittersalz chVisZn^lia mtratn, nilrum wägns- siakum) genennr wird, einen sehr bittern und scharfen Geschmack besitzt, nur schwer zu prismatischen, vierseitigen, schief abgestutzten Crystallen durchs Abrauchen, und Ausstellen in die Kalte, zu bringen ist, und an der Luft sehr leicht wieder zerfließt. Das wohl ausgetrocknete Salz enthalt nach Bergmann 0,2 7 Talkerde, und wahrscheinlich 0,4z Salpetersäure, und o,zo Wasser. §. 682. Durch anhaltende Hitze laßt sich aus der salpeter- sauren Talkerde ebenfalls die Säure ganzlich austreiben, so daß die Talkerde allein zurückbleibt. Nimmt man die Destillation in einer Retorte vermittelst des pneumatischchemischen Apparats vor, so erhält man Lebenslust, aber gegen das Ende kömmt Stickgas und flüchtige phlogisti- sirte Salpetersäure zum Vorschein. H. 68z. Die feuerbeständigen Alkalien, sowol die reinen, als die kohlensauren, schlagen die Talkcrdc aus der Auflösung in Salpetersäure nieder. Dies thut auch das^ Kalkwasser und der gebrannte Kalk überhaupt. Das ätzende Ammoniak zersetzt die Auflösung der Talkerdc in Salpetersäure nur unvollkommen; es wird nur ein An- theil Talkerde präcipirirt, und das gebildete salpetersaure Ammoniak verbindet sich mit der übrigen unzersetzten sal- Dd 4 perer- 4Z4 V.Abschn. Mineral, Sauren u. ihre Verbind. xetersauren Talkerde zu einem dreyfachen Salze. Ngch Dljonval soll die salpetcrsaure Talkerde aus der Auflösung im Wasser in crystallinischer Form niedergeschlagen werden, wenn man die Auflösung des Kalisalpeters damit vermischt, und beide Auflösungen gehörig gcsätli- get sind. Klemens cle cd^mle, Nom, II. chllläit. S. i88>ff. telemuires tue la ^zreLlptranon äe 8ultste, Kiregre es >lur!zts mgANetiens par l'smmouiague, et tue W5 lejz teipies gmmoulgco - maAuetieu8 > gui je koemeut penäsin cetre peeeipitarlou, pse kvt. eie , m den eis e/ik?»ts, S. 2I c« ff. Ueber das Niederschlagen der Vitriol-, salperer - und salgsaurcn Bittcrcrde durvl, das flüchtige Laugensalz, und über die dreyfachen Salze, die sich tey diesem Niederschlagen erzeugen, von Hrn. de Kourcro/j in Crclls Annale» >792. H. I G. 4z i. ff. H. 684- Man findet die salpetersaure Talkerde auch natürlich, mit Kalksalpeter verbunden als Maucrsalpcter, und in der Mutterlauge des Salpeters. Die Abscheidunz der Talkerde aus der letztern durch Kalkwasser, welche Morveau vorschlagt, möchte wol nicht vortheilhaft und rathsam seyn, um eine ganz reine Talkerde im Großen zu gewinnen. Salpetersaure Thonerde. §. 68s- Die Thonerde löst sich in der Salpetersäure in der Warme leicht auf. Die Auflösung giebt durch unmerkliches Abduusten in gelinder Warme nur schwer lang- srrahligte Cryftalle, die an der Luft leicht wieder zerfließen; gemeiniglich aber durchs Abrauchen eine guni- miahnliche Masse, welche auch die Feuchtigkeiten ans der Luft anziehet. Diese Verbindung hat man alaum crdisss mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 42 5 crdigten Salpeter, Alaunsalpercr, Salpeeeralaun (nicrnm srizllwceum, alumen nitrolum), oesser salpe^ rersäurc Tbonerde ni^rica s. nür»tn, I^itiaz genannt. Sie hat einen sehr styprischen Geschmack. h. 686. In der Hitze schwillt die salpetersaure Thonerde anfangs sehr auf, und wird zu einer lockern schwammigten Masse. Im anhaltenden Glühefeuer laßt sie aber ihre Saure, wicwol nur langsam, und als phlogistisirte Salpetersäure, gänzlich fahren, und liefert auch vermittelst des pneumatisch - chemischen Apparats Lebenslust, zuletzt mit Stickgas. Sowol die kohlensauren, als die ätzenden feuerbeständigen Alkalien, schlagen die Thonerde aus der Auflösung in der Salpetersäure nieder, indem sie sich selbst mit dieser zu Neutralsalzen verbinden. Auch das Kalkwasser und der rohe Kalk, das Ammoniak, so wie die Talkcrde, scheiden aus dem Alauusalpekerdie Thoner- de ab. Nach Wenzel kann dies Salz mit Nutzen als ein Beitzmittel in der Färberey gebraucht werden, indem es die Farben noch mehr erhöhet, als der gemeine Alaun. Natürliche salpetersaure Thoncrde hat man bis jetzt noch nicht entdeckt. Wenzel von der Verwandtschaft, S. uz. Salpetersäure Schwererde. 5. 637. Die Schwererde wird von der reinen Salpetersäure leicht und gänzlich aufgelöst. Die gesättigte Auflösung schießt durchs Abrauchen und Abkühlen, besser aber durchs unmerkliche Abdunsten, zn hcraedrifchen Crystak- len an, die einen bitterlich salzigten Geschmack besitzen. Man hat sie sthrpexcxdZZMZ Salpeter (terra xcmäe. Dd 5 xysZ 4-6 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. rata niti-Kl-K, nitrrim bsr^iieom), besser aber salpetcr^/ jaure Gclarvercrde (LL-^rsz niiiicus, !<-itrizz riz. Äs genannt. Die Erystallc sind in kaltem Wasser ziemlich schwerauflöslich und luftbestcui! dig, und haben einen bitterlichen scharfen Geschmack. s §. 688. Die salpetersanre Schwererde wird im Feuer ebenfalls zersetzt, und liefert beym Glühen in verschlossenen Gefäßen vermittelst des pneumatisch-chemischen Apparats Lebenslust. Durch anhaltendes Calciniren im ftcycn Feuer läßt sie endlich alle Saure fahren, und es bleibt gebrannte Schwererde zurück. Weder atzendes feuerbe- ! standiges Alkali, noch atzendes Ammoniak, noch Kalken ' de, noch Talkerde, noch die Thonerde sind vermögend, ? die Schwererde aus der verdünnten 'Auflösung in Salpetersaure zu scheiden. Man muß also nach Sergmann annehmen, daß die Verwandtschaft der Salpetersäure zur Schwererde starker ist, als zu den Alkalien und den anderen Erden. Kohlensaures Alkali, sowol feuerbcstän- l digeö, als auch flüchtiges, schlagt zwar die Schwercrde aus dem schwcrerdigtcn Salpeter sogleich nieder; aber bloß wegen der doppelten Wahlverwandtschaft, welche durch die Kohlensaure bewirkt wird. §. 68y. Die Verbindung der Zirkonerde mit der Salpetersaure, oder die sälperersaure Zirstonecde (Lireoim nttrica), ist bis jetzt noch nicht geprüft. Auf die Rick stlcrde, Lsrunderde, und Austcalerde hat die Salpetersaure keine Wirkung. Wch mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 427 Wechselseirige Verwandtschaft der Salpetersäure und Kohlensaure gegen Alkalien und Erden. H. 690. Die Salpetersäure steht mit den Alkalien und Erden durchgehend-? in näherer Verwandtschaft, als die Kohlensaure, und sie treibt diese aus allen kohlensauren Neutral- und Mittelsalzen aus. Diese brausen daher mit Salpetersäure auf. H. 6yi. Der Theorie nach werden durch Hälfe doppelter Wahlverwandtschaft auf nassem Wege zerlegt: der ge? meine Salpeter durch kein kohlensaures Neutral-und Mittelsalz; der Rhomboldaljälpeter durch kohlensaures Gcwachsalkali, nicht durch kohlensaures Ammoniak, kohlensaure Schwercrde, Kalk und Thonerde; das sals pctersäurc Ammoniak durch kohlensaures Gewachsalkali und Mineralalkali, nicht durch kohlensaure Schwercrde, kohlensaure Kalkerde und kohlensaure Talkerde; die salperecjaure Aalkerde durch kohlensaures Gcwachs- und Mineralalkali, durch kohlensaures Ammoniak, nicht durch kohlensaure Schwererde, und kohlensaure Talkerde; die jalpetcrjaurcTalöerdc durch kohlensaures Gewachs- alkali und Mineralalkali, und kohlensauren Ammoniak, nicht durch kohlensaure Schwererde und kohlensaure Kalkcrdc; und endlich die salpctcrstmrc Schwercrde durch kohlensaures Gewächs- und Mineralalkali, durch kohlensauren Ammoniak, nicht durch kohlensaure Kalk - und Talkerde. Wechselseitige Verwandtschaft der Salpetersäure und Vchn?efel>aure gegen Alkalien und Erden. §. 6y2. Die Alkalien und Erden sind sammtlich mit der Salpetersaure nicht so nahe verwandt, als mit der Schwefelsäure. 428 V. Abschn. Mineral. Sauren tt-ihre Verbind. fclsäure. Diese zerseht daher nicht nur den Salpeter (§. 646 — ^52.), sondern auch alle übrigen salpeter- sauren Neutral-und Mittelsalze, sowol auf nassem, als auf trocknen? Wege; sie scheidet die Saure ab, und verbindet sich dagegen mit der alkalischen oder erdigten Basis. Eii? einziger Tropfe,? Schwefelsaure bringt in der 'Auflösung der Schwcrerde in Salpetersäure, auch in der verdünnten, sogleich einen sichtbaren weißen Niederschlag zuwege, der von dem erzeugten Schwerspath herrührt; und man kann sich jener Auflösung mit Vortheil bedienen, um die Salpetersaure, oder das Schcidcwns- ser, welches mit Schwefelsaure verunreiniget ist, den dieser zu befreycn, indem man so lange von der Auflösung vorsichtig hinzutröpfelt, bis sich kein Schwerspath mehr niederschlägt, und dann die Salpetersäure nachher nochmals überdestillirt (§. 6Z5.). H. 693. Herr Baumä hat gefunden, daß die Salpetersame auf dem nassen Wege auch die Schweftlsaure von de» Alkalien trennen könne; welches in der That wider die Regeln der Verwandtschaft zu fem? scheinet. Wenn ma» ziemlich vitriolisirten Weinstein oder Glaubersalz durch Hülfe der Warme in gleichen Theilen starken Salpetcr- spiritus auflöst, so verbindet sich ein Thcil der Salpetersäure mit dem Alkali dieser schwefelsauren Neutralsalze, und es schießt wahrend dem Erkalten der Mischung, entweder ein prismatischer, oder ein Rhomboidalsalpcter auf dem Boden des Gefäßes an. Herr Scheele hat aber entdeckt, daß nur ein Dritthcil des vitriolisirten Weinsteines dadurch zerlegt werde, und der übrige unverändert bleibe, auch wann man noch mehr Salpetersäure zugieße. Es ist also wahrscheinlicher, daß das Uebcrmaaß der Salpetersäure ihre sonst geringere Anziehungskraft ersetze; so wie sich daher auch die entbundene Schwefel- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4-s Schwefelsaure mit dem übrigen nnzcrlegten vitriolisirten Weinsteine genau verbindet, und auch sogar im Anschießen damit verbunden bleibt, da dann die Salpetersaure keine Wirkung weiter darauf hat. H. 694. Die Bestimmung der doppelten Wahlverwandtschaften auf nassem Wege zwischen salpetersauren und schwefelsauren Neutral- und Mitteisalzen ist der Theorie nach folgende. Gemeiner Salpeter wird zerlegt durch Glaubersalz, schwefelsaures Ammoniak, Bittersalz, und Alaun, durch letztere doch nur in der Frostkalte; er wird hingegen nicht zersetzt durch Schwerspath und Gyps. Den Rhombotdaljalperer zerlegen das schwefelsaure Ammoniak, und in der Frostkälte das Bittersalz und der Alaun; nicht der Schwerspath, Gyps und vitriolisirtec Weinstein. Das sälpererstmre Ammoniak zersetzt vielleicht in der Frostkälte das Bittersalz und den Alaun; es wird aber nicht zerlegt durch Schwerspath, Gyps, vitrio- lisircen Weinstein und Glaubersalz. Die salpcterssmre Ralkcrde wird vom vitriolisirten Weinsteine, vom Glaubersalze, vom schwefelsauren Ammoniak, vom Bittersalze, und vom Alaun zerlegt; nicht vom Schwerspath; die salpetersaure Talkerde in der Frostkalte durch Alaun, nicht durch die übrigen schwefelsauren Neutral-nnd Mittelsalze ; die salperersaure Thonerde wird durch keines der letztern zersetzt; die Mpetersaure Schrvererde aber durch alle. Diese kann daher als Reagens dienen, um das Daseyn der freyen oder an ein Alkali oder an eine Erde gebundenen Schwefelsaure zu entdecken, die mit der Schwererde einen Niederschlag von Schwerspath bildet. Nur muß die Auflösung der salpetersauren Schwererde selbst gehörig mit Wasser verdünnt seyn. §. 695. Die Kenntniß der doppelten Wahlverwandtschaften der verschiedenen Neutral - und Mittelsalze unter einan- o V. Abschü. Mineral. Sauden u. ihre Verbind. einander kann bey der Anwendung der Chemie fürs gemeine Leben oft von sehr beträchtlichem Nutzen seyn; »ich daher wäre zu wünschen, daß man die Erfahrung?» darüber mehr sammlete. Um hier nur Ein Beyspiel anzuführen, so laßt sich das schwefelsaure Gewachsallali, oder der vitriolisirte Weinstein, den man nicht selten als ein, nicht gehörig zu benutzendes, Nebenproduct gewinnt, sehr mit Vortheil statt des Gewachsalkalis selbst anwenden, um in den Saipetersicdereyen aus der Lauge der salpetersaurcn Kalkerde gemeinen Salpeter zu machen, indem die Schwefelsaure mit der Kalkerde zum Gyps zusammentritt. Ueber die vortheilhaftcste Benuhung der SalpetcrmutlerlaW auf reinen Salpeter, von Hrn. Marveau, überftyr m ven SamnUllttgen ;ur Pch'si uns Nacurgesch. L>. Itt S. 576. ff. Salpetersaure und Brennstoff. Salpetergas. § 696. Die concentrirte Salpetersaure wirkt mit großer Heftigkeit auf verbrennliche thierische und vegetabilische Substanzen. Sie entzieht ihnen das brennbare Wesen, und bringt dadurch mancherlei) betrachtliche Änderungen ihrer Mischung und ihrer Eigenschaften zuwege. Wenn man concentrirte Salpetersäure über dergleichen Körper abzieht, so erfolgt nicht selten eine Entzündung. Eine glühende Kohle entzündet den rauchenden Salpetergeist, worin man sie taucht, mit großer Heftigkeit. Die ätherischen Oele sowol, als die ausgepreßten, verdickt sie zu einet Art von Harz, unter Ent- wickelung eines häusigen braunrothen Rauches, und einet starken Erhitzung und Aufwallung, die selbst bis zur Entzündung gehen kann, zumal wenn man die concentrirte Salpetersäure noch mit starkem Vicriolöl versetzt. Chemi- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4Z^ Chemische Versuche über das Verhalten der rauchenden Salpetersäure gegen die fetten und ätherischen Oele, als auch flWgcn Balsune, von Hasse; in Lrclls n. tLutd, Tb. 9. S. z8- Fortsetzung; in Lreiin che,,,. Annal. I. 1785- B. I. S. 417. tuornerte über die Veränderungen, welche die wesentlichen und fetten Oele von der Wirrung der Salpetersäure erleiden; ans den ^>? /'«csit -ie Z. I780.; übers, in SrcUs chciir. Annal. I. 1786. B. ll. S. 45 Z- H- 697. Wenn man nemlich in einer porzellanenen Tasse oder in einem starken Kelchglase ein Loch Terpenchinöl erst mit einem halben Loche starkem Vitrio öle vermischt, und hierauf sogleich, unter einein gut ziehenden Nauch- fange, ein Loch starke ranchende Salpetersäure hinzuschüttet, so entsteht ein starkes Aufmallen; es steigt ein dicker röthlicher Rauch in die Höhe, und das Gemisch bricht bald in eine helle, glanzende Flamme aus, wobey eine lockere schwammigte Kohle zurückbleibt. H. 698. Alle ätherischen Oele, besonders die, welche im Wasser zu Boden sinken, und auch die austrocknenden milden Oele können durch die Salpetersäure allein angezündet werden, wenn diese recht concentrirt ist, und in nicht zu kleinen Portionen mit nicht zu wenigem Oele vermischt wird. Der Versuch gelingt aber mit den leichtern ätherischen, und mit den milden Oelen sicherer, wenn man Vitriolöl zu Hülfe nimmt. Borncke erzählte zuerst, im Jahr 1671, die Entzündung des Ter- penthmöls mit der Salpetersaure. Den mehresten mis- lang aber dieser Versuch, ohngeachret Glare, im Jahr 1694, und Homberg, im Jahr 1701, mehrere Versuche anführten, in denen sie ätherische Oele durch Salpetersaure angezündet harren. Rouviere bemerkte 4? 2 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. (1706) diese Entzündung auch an den brenzlichken Helen. Hosfmcnm 1722) und Gcofroy der Jüngere (1726) entdeckten endlich, daß die rauchende Salpetersäure in Verbindung der concentrirten Schwefelsäure die Entzündung weit besser zu Stande bringe, und auch selbst das Terpcnthinöl entzünden könne. Rouelle zeigte (1747), daß sich dadurch auch die milden Hele anzünden ließen. O/. IZo?-»-z'c/ch' eine«?, ut äuo sszirltuz tzÄn kr'ZlZ! mv!- cein confvti Ilammsm eäant; in IV20?». »,?. Meci. ek Ha/--!-???/ a?/??. 1.671. S. tzz. 5/n,x in ?b!!ol. Irsns. Vol. XVIIt ddo. 21^. S> Zoo.; übers in Trelis chem. Archiv B. I. S. 105. //??,-/,den III«». cie lac. »-oz,. a!e//c. cle I. 1701. S. 129.; übcrs. in Crells chem. Archiv B. II. S. 250. Wöstmann in seinen Oü/. 5^9?». I.. II. obs. z. H. 699. Um diese Selbstentzündung ätherischer Oele mit concencrirter Galpetersäure zu erklären, muß man erst auf die Ursach der vorhergehenden Erhitzung zurückgehen, die zu dieser Entzündung Bedingung ist. Die Salpetersäure, indem sie den Helen einen Antheil Brennstoff und Wasser entzieht, verdickt sie zu einer harzigten Substanz, und eS tritt hier das oben (H. siz.n. 2.) angeführte Gesetz ein; es wird Wärmcstoff frei), und zwar in desto größerer Menge, je plötzlicher diese Verdickung geschiehst; ein Antheil des ätherischen Hels, der der Wirkung der Salpetersaure entgeht, erhebt sich durch diese Erhitzung in Dämpfen. Die Salpetersäure, die durch die Aufnahme des Brennstoffs des Hels ihre le- bensluftbasis an die kohlensaure Grundlage des Oels entläßt, steigt als sehr phlogistisirte Salpetersäure (als Salpeter; mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4z z Salpetergas) auf. Der aufsteigende Dampf bestehr also aus phlogistisirrer Salpetersäure, aus kohlensaurem Gas, und aus einem Anrheil »nzersetzten ätherischen Del. So wie aber nun das Salpctergas mit der respirabelen Luft in Berührung kömmt, so zersetzt es die Lebensluft; es entzieht ihr wieder die Basis, und die Erhitzung des Dampfes steigt nun noch höher, dergestalt, daß sie zur Entzündung des Oels hinreichend ist. Das Vitriolöl hilft hierbei) durch seine Einwirkung auf das Del die Verdickung und folglich die Erhitzung befördern, und durch seine Anziehung zum Wasser die Salpetersäure noch mehr concentriren. H. 700. Die Salpetersäure ist sogar naher mit dem brennbaren Wesen verwandt, als die Schwefelsäure, und hierauf gründet sich die Entfärbung des braunen und schwcfligten Vitriolöls durch zugegossene Salpetersäure, oder durch hineingeworfenen Salpeter in der Hitze; ein Verfahren, das nicht zu empfehlen ist, weil in beiden Fällen die Schwefelsäure mir Salpetersäure, und im letztern mit vitriolisirrem Weinsteine verunreiniget wird; und die Zersetzung des Schwefels vermittelst der concen- trirten Salpetersäure, die aber nur langsam und allmählich, und durch öfteres Abziehen sehr vieler Salpetersäure über dem Schwefel, erfolgt. Von der starken Anziehung der Salpetersäure gegen das brennbare Wesen ist auch die Ursach abzuleiten, warum sie die Schwe- felleberluft sogleich zersetzt (H. 592.), und daher aus dem mit hepatischem Gas geschwängerten Wasser einen Schwefel fället. Nach Lerczmann braucht man 8oo Tropfen der stärksten Salpetersäure, um alle hepatische Luft (60 Cubikzoll) zu zersetzen, womit 100 schwed. Cu- bikzoll Wasser gesättigt sind, und welche g Gran Schwefel liefern. Aus dem Angeführten erhellet übrigens, Grens Chemie. I. Tl>. E e Warum 4Z4 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. warum die Salpetersäure dem hepatischen Wasser den Geruch sogleich benimmt; und ferner, warum sie zur Entwickelung der Schwefellaberluft nicht gut angewendet werden kann. s H. 70 r. Die Dampfe der phlogistisirten Salpetersaure lassen sich bey Ausschließung der Luft, in wirklicher luftfönm- ger Gestalt, durch Hülfe der Warme und des pneumatisch - chemischen Apparats, darstellen. Man erhalt hie- durch eine bleibende ungefärbte Luftart, deren besondere Eigenschaften und Verhaltnisse sie von den andern luftarten hinlänglich unterscheiden. Sie heißt Salpetm gas (Las nürotam, sonsten auch Galpc? rcrlufc, Salperersanrelufc, nitröse Ll.ufc (nör nitro. j°uz). Man verdankt ihre Entdeckung dem ^ales, der sie schon vor priestle^ beschrieb. Dem letztem sind wir aber ihre verbesserte Bereitung und die Kenntnis; ihm Wirkungen schuldig. ^ales Statik der Gewächse; nacb der VIebers. S. 128- priesilc/'s Vers, und Veob. Th. I. S. 106. H. 702. Das Salpetergas läßt sich zwar aus allen leicht enk ! zündlichen und brennstoffreichcn Körpern vermittelst der coucentrirten Salpetersaure bereiten; wenn aber der gleichen Körper kohlensaure Grundlage in ihrer Mischung - enthalten, so nimmt diese die Lebensluftbasis der Salpetersäure auf, und entweicht als kohlensaures Gas zu- ^ gleich mit dem Salpetergas. Um also das Salpetergas - rein zu erhalten, muß man zur Bereitung desselben solche Substanzen wählen, die keinen Kohlenstoff enthalte». Am besten dienen dazu Metalle, vorzüglich Quecksilber, Kupfer, Zink, Wismuth. §. 7°Z' ! mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4z 5 7°Z- Alls dm in der Folge anzuführenden Eigenschaften des Salpeters wird aber auch die Ursach erhellen, warum man kein reines, sondern ein mit Stickgas verunreinigtes, Salpetergas erhalt, wenn die Gefäße, aus denen man dasselbe entwickeln laßt, atmosphärische Luft enthalten. Man bereitet also das SalpetergaS am besten auf folgende Art. Man füllt eine kleine Entbindungsflasche mit Kupfer- oder Mess-ngdrath an, und gießt sie dann mit Salpetersaure, die aus drei) Theilen Wasser und einem concentrirter Salpetersaure gemischt ist, ganz voll, dergestalt, daß keine Luft im Glase zurückbleibt. Man verstopft die Flasche, und bringt die Mündung ihrer Seitcnrbhre umer den Trichter der mit Wasser gefüllten pneumatischen Wanne. Die zuerst übergehenden Anthcile des Gas laßt man weggehen, und fangt nur die nachfolgenden auf. 704- Das erhaltene Salpetergas ist durchsichtig, und farbcnloS, wie die atmosphärische Luft; aber i) es verliert seinen lufcförmigen Znstand sogleich, wenn es die atmosphärische Luft berührt, und verwandelt sich in rorhe Nebel, wie rauchender Salpetergeist. 2) Es dient nicht zum Athemholm, sondern tvdtet die Thiere augenblicklich. z) Es dient schlechterdings nicht zum Verbrennen, sondern ein Licht verlöscht sogleich darin. Das Salpetergas taugt ferner 4) auch nicht zum Wachsthum der Pflanzen; und diese verbleichen und sterben vielmehr darin. 5) Es hat, so lange die atmosphärische oder re- spirabcle Luft von ihm ausgeschlossen bleibe, keine Spur einer Saure au sich; es har dann keinen Geruch, schmeckt nicht sauer, und färbt auch weder die LackmuStmctur, noch den Violensyrup roth. Seme Nebel aber, welche es bey Berührung der respirablen Luft giebt, haben alle Ee 2 Kenn- 4z6 V. Abschn. Mineral. Sauren u.ihre Verbind. Kennzeichen der Salpetersaure. 6) Es verbindet sich mit dem Wasser nicht, und dieses zersetzt das Salpeter- gas auch nicht, wenn in dem Wasser selbst keine respi- rablc Luft befindlich ist, wovon selbst das destilliere Wasser nicht frey ist, wenn es mit der atmosphärischen Luft in Berührung war. Durch Schütteln mit Wasser wird das SalpctergaS auch keincsweges zu respirablcr Luft, wie Pricftle'g behauptet. 7) Es trübet das Kalkwasser nicht, wie das kohlensaure Gas, und verbindet sich nicht starker damit, als mit dem gemeinen Wasser. Die atzenden Alkalien verschlucken es nicht. 8) Es widerstehet der Fäulnis? ungemein stark; doch erhalten die darin aufbewahrten Körper hernach bep Berührung der atmosphärischen Luft den Geruch der Salpetersaure, y) Es ist in Rücksicht seines specifischcn Gewichts von der atmosphärischen Luft unterschieden; cS wiegt ein paris. C, Zoll davon den ^0° R. und 28 Zoll Barom. 0,54690 Gran (franz.). H. 705. Die auffallendste und wichtigste Erscheinung, welche das Salpetergas liefert, ist seine Zerstörung durchrc spirabele Luft. Wenn man nemlich unter einen Glas- cylinder, der das Salpetergas mit Wasser gesperrt enthalt, noch atmosphärische Luft treten läßt, so entstehet sogleich eine Rothe, das Salpetergas verläßt seinen lufr- förmigen Zustand, verwandelt sich in einen Nebel, wie der des rauchenden Salpetergeistes; es erzeugt sich Wärme, das Wasser steigt in dem Cylinder in die Höhe, verschluckt die rotheit Nebel, und wird dadurch zur wahren verdünnten Salpetersäure, die nun auch als solche auf Erden und Alkalien wirkt. Wenn man auf solche Art so viel atmosphärische Luft hinzubringt, bis das Salpe- rergas keine rochen Nebel mehr gicbt, oder bis es ganz- > lieh zerstört ist, vorausgesetzt, daß dieses rein war, so nimmt nun die übrigbleibende Luft nicht einmal so viel > Raum mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4 z 7 Raum mehr ein, als die angewendete atmosphärische Luft allein einnehmen sollte, und diese scheint also auch verloren zu gehen. Diese rückständige, verminderte Luft, ist wahres Stickgas, von eben der 'Art, als das durchs Verbrennen erzeugte. Man braucht nach L.ar>c>lsicr gewöhnlich 16 Theile atmosphärische Luft, um Theil Salpetergas zu zersetzen. H. 706. Es laßt sich aber hier kein ganz gewisses Verhält- niß festsetzen, da die atmosphärische Luft von verschiedener Reinigkeit ist, und nur nach Maaßgabe der darin befindlichen Lebenslust die Zerstörung des SalpetergaS und die Verminderung der atmosphärischen Luft erfolgt. Wenn man daher reine Lebensluft auf die vorher erwähnte Art zum Salpetergas bringt, so ist die Nöthung weit stärker, die Erwärmung beträchtlicher, und die Verminderung ausnehmend groß. Alles geht mit einer größer» Geschwindigkeit vor sich. Nach L.avSlslcr braucht man nur 4 Theile Lebensluft, um 7^ Theil Salpetergas gänzlich zu zerstören. Der Raum, welchen die rückständige Luft einnimmt, betrug nach L.avolswr nur noch des Raums beider Luftarren, und ^ des Raums der angewendeten Lebensluft, und pnestlcy fand einmal, bey der Vermischung von einem Maaß Lebensluft und zwey Maaßen Salpetergas die übrigbleibende Luft so vermindert, daß sie nur noch Theilchcn eines Maaßes betrug. Aber bey der größten Reinigkeit beider Luftarte» müßte man eine gänzliche Zerstörung derselben wahrnehmen. H. 7°7- Je reiner die rcspirable Luft ist, desto größer ist ihre Verminderung mit dem Salpetergas, und desto auffallender sind alle Erscheinungen dabey. Hingegen Stickgas, kohlensaures Gas, brennbares Gas, schwefelsau- Ee z res 4?? V. Abschn. Mineral. Sat'.rcn u. ihre Verbind. res Gas, Ammoniakgas, lind alle irrcspirable Luftap- ten überhaupt, zersetzen das Salpecergas ganz und gar nicht, sondern dies bleibt mit denselben im luftförmigcn Zustande verbunden; sie selbst erleiden auch keine Verminderung ihres Umhanges. Es ist daher auch gar leicht einzusehen, warum atmosphärische Luft nicht so stark durch Salpetergas vermindert wird, als Lebenslust, und warum beide um so mehr vermindert werden, je geringer der Ambril an Stickgas oder anderer irrespirablcr Luft m denselben ist. E u d i o m e t e r» §. 7° 3- Da die Heilsamkcit der atmosphärischen Lnst zum Athemholcn einzig und allein von dem darin befindlichen Antheile Lebenslust abhangt (§. 247.), und durch zu große Vermehrung des Stickgas in derselben ihre Schädlichkeit zunimmt und hervorgebracht wird, so kam der scharfsinnige pncstley auf den Gedanken, das Salpc- tergas als einen Provirstein anzuwenden, um die Menge der Lebenslust in der atmosphärischen zu finden, und dadurch den verhaltnißmaßigen Grad einer guten und schlechten Beschaffenheit einer Lnftart zu entdecken und zu bestimmen. §. 709. Das hiezu dienende Werkzeug, worin die zu prüfende Luft mit dem Salpetcrgas zusammengebracht, und durch genaue gleichförmige Abteilungen der Raum der Luftarteu vor und nach der Vermischung gehörig gemessen werden kann, heißt ein tLudrometcr oder ein Läufst xurcmcsier. Seitdem pnesilcy im Jahr 1772 diest'6 Instrument bekannt machte, habe-, mehrere Naturforscher auf Verbesserungen und Bequemlichkeiten in der Ein- mit Alkalien, Erden und Brennstoff» 4Z9 Einrichtung, und auch in der Anwendung desselben gesonnen, und wir haben solchergestalt Beschreibungen mehrerer Arten der Eudiometer erhalten. Unter allen aber zeichnet sich das neue verbesserte Fontana'sche durch seine Einfachheit, Bequemlichkeit und Richtigkeit am meh- rcsten aus. Dies verbesserte Eudiometer besteht aus zwey Stücken, dem sogenannten großen und kleinen Maaße. Das große Maaß besteht aus einer oben verschlossenen Glasröhre, die inwendig aufs vollkommenste cylindrisch, also allenthalben von gleichem Durchmesser, 14 bis 20 Zoll lang, und deren innerer Durchmesser ohngcfahr nicht unker ^ Zoll weit ist. Die Röhre ist durch Zeichen mit einer Feile in genaue Abtheilungen von z Zollen gebracht, deren jede wieder in hundert, auf einem an der Röhre beweglichen Gradeleiter eingeschnittene, genaue Unterabtheilungcn zerfallt. Das kleine Maaß dieses Eudiomcters besteht aus einer kleinen glaserneu Phiole, die genau so viel Luft fassen muß, als eine Abtbeilung der größer» Röhre von drei) Zollen enthalt. An der Oeffnung dieser Phiole ist eine messingene trichterförmige Röhre angebracht, durch deren Mitte eint stachcr Schieber vor dieOeffnung der Phiole gehet. priestlcstg Versuche und Beolst versch, Theite der Naturlehre B. I S. 6. äet'cni/noni eä uli äl allnain llrc>- mein! xer milursre la l'alulzritu ä^Il' srig, in I'iren?.z 1774^ 4, Riclreccde stüclio intoruc» sll tblu- drita äell' sriz^ in ^lilsiio 1775. L- S. 2Z. Tafel r. , in Ven Ist?/. IXIN. S. 257. Magellan Beschreibung eines Gasgeruches, u. s. rp. S. 24. 42, 478^ 8. Ish. A'w> Sclecreru Geschichte der Lustgüteprüfnngslchlt V. I. II. Wim 178;. 8- §. 710. Unter den verschiedenen Verfahrungsarten, weiche man bey der Anwendung dieses Werkzeuges zur Prüfung der Lust vorgeschlagen hat, empfiehlt sich die des Herrn Ingenkousiz. Man laßt nemlich zuerst in das kleine Maaß dw zu lintersuchende Luft treten, halt senes bcyni Schieber unter das Wasser der Wanne, um der Lust die Temperatur des Wassers mitzutheilcn, führt es hierauf, mit der Oeffnung nach unten gerichtet, im Wasser so weit herauf, bis die Flache des Schiebers mit der Fläche des Wassers gleich hoch ist, schiebt den Schieber vor die Oeffnung, kehrt das Gefäß im Wasser um, und leitet nun die darin befindliche Luft, nach Oeffnung des Schiebers, in das große Maaß. Man füllt das kleine Maaß von neuem auf eben die Art wieder mir reinem Salpetergas, und bringt es zu der zu prüfenden Luft in das große Maaß. In dem Augenblicke, da die Luftarten in Berührung kommen, und noch eher, fangt mnn an die Röhre zu schütteln, ohngefahr eine Minute lang, und überschüttet sie auch wol mit kaltem Wasser, um ihr die Temperatur desselben mitzutheilen. Man mißt hierauf durch den Gradleiter die Verminderung der Luft. Um aber Lebensluft zu prüfen, so laßt man, nach der vorher angezeigten Art, so viele Maaße Salpeterluft dazu, bis keine Verminderung und keine Röchling mehr erfolgt; und zieht nachher die Anzahl der Maaße oder Unterabtheilungen, welche die rückstandige Luft in der Röhre noch einnimmt, von der Summe der angewendeten Maaße beider Luftarren ab, wo der Rest die Au- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 44r zahl der zerstörten Maaße und ihrer Unterabthcilungen, und dadurch den Grad der Güte der geprüften tust anzeigt. Ingcnboufi? Versuche m t Pflanzen, S. 1 64 — 1 66. Eben- oejstldei! vernaschte Schristen, T). It. S. 27.ff. H. 711. Der Gebrauch des Eudiometcrs erfordert übrigens große Genauigkeit, und viele Uebung, lind, wenn die Versuche damit gleichförmig ausfalten sollen, ein immer gleiches Verfahren und ein ganz reines Salpetcrgas. Aber auch die Unvolikommenheit in der Strucrur des Luftgütemessers, das verschiedene Alter des über Wasser aufbewahrten Salpetergas, die mehrere oder wenigere reine Luft des Wassers selbst, die Verschiedenheit der Temperatur des Wassers, der Mangel an gehöriger Uebung bei) den Versuchen, und andere zufallige Ursachen, können Verschiedenheiten in den Resultaten der Untersuchungen geben, ohne daß diese in der Natur der Sache gegründet sind. Nach Verschiedenheit der Größe der Entbiudungsstasche, worin das Salpetcrgas bereitet wird, kann diese mit mehr oder weniger Stickgas durch die Zersetzung der atmosphärischen lufc in der Flasche vermischt scyn; und dieses Stickgas wird dann mit Unrecht der geprüften respirablen Luft zugeschrieben. Gcherer a. a. O. Th. II. S. 24. ff. §. 712. Ohngeachtet nun aber gleich durch genaue eudiome- trische Versuche die Menge der reinen oder respirablen Luft in einer Luftart mit Genauigkeit gefunden werden kann, so kann man dadurch doch nicht die absolute Heilsamkeit und Güte einer solchen Luft fürs Athemholen und für andere Actione« des Körpers dadurch bestimmen. Denn so kann eine Mischung aus drey Theilen entzünv- Ee 5 barein - sss ^s's!l?s- ! -> i--r- -ft - -ss!l i-^ .'. jv üssss-f' .'-^!iz: k-'ss «5 .«Ä-illdssi- ^Ü./H ,! A'lssss'^ ! W ch i'achl U^'chi! -!-l WW ZW-^ M -. Ml ^ sts-i Wss!ü f- tss^ss tü ^ K> lß 442 V.Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. barem oder kohlensaurem Gas und einem Theile Lebens- luft bcy den cudiometrischen Versuchen sich als respirabcl zeigen, ob sie gleich dazu schädlich und nachtheilig ist. Lmvoisier über die Verbindung der Salpeterluft mit den Lust- arlen, die sich eiuathmeu lassen, und über die Folgerungen, die sich daraus auf die Stufe ihrer Heilsamkeit ziehen lassen; aus veu Ticke?». ete i'ac. cie--/c. 1782. S. 4?6. ff. übersetzt in Crclls chcm. Aimal. 1788. D. II. S. 426. ff. §- 7iZ. Wegen der Jrrrhümcr, zu welchen die Methode "mit dem Salpetergas so leicht Veranlassung geben kann, wenn man dadurch die Menge der Lebenslust in der atmosphärischen Luft finden will, hat die von Scheele ausgeführte Weise, die Lebenslust durch Schwefelleber, oder durch Elsenfeile und Schwefel mir Wasser angefeuchtet, zu absorbiren (§. 597.), Vorzüge, ob gleich dazu eine längere Zeit erforderlich ist. Man kann zu dem Ende ein Gemenge aus einem Theil fein gepulverten Schwefel mit zwcy Theilen ungerostetcn Eisenfeilen, das mit Wasser befeuchtet, und in einem verstopften Glase schon eine Zeitlang aufbewahrt worden ist, in einer gläsernen Schaale auf einem Fußgestelle unter einem mit atmosphärischer Luft gefüllten, und mit Wasser gesperrten Glascylinder zusammen stehen lassen. Die Lebensluft wird hierbei) zugleich zersetzt, wenn das verwitternde Gemenge in genügsamer Quantität da ist, und der Schwefel wird in Schwefelsäure verwandelt, die mit dem Eisen zusammentritt. Hat man nun vorher die Luft gehörig gemessen gehabt, so giebt der übrigbleibende Rest des Stickgas an, wie viel die ihm beygemischt gewesene Lebenslust betrug. Weil sie aber doch hierbei) auch noch entzündbares Gas aus dem verwitternden Gemenge entwickeln kann, so ist die Kalkleber oder eine andere Schwefelleber dazu vorzuziehen. Herrn mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 44? Herrn Carl 'Wilhelm Schcclenr. Erfahrungen über die Menge der reinen Luft, die sich in unserer Atmosphäre befindet; m sturer Abhandl. von A-ufc und Feuer, S. 269. ff. §. 7i4. Eben so dient auch das Verbrennen des Phosphors zu dem Zwecke, dadurch die Quantität der Lebenslust in einem Räume von atmosphärischer Luft zu finden. Die , Gründe, worauf sich dies Verfahren stützt, sind schon im Vorhergehenden auseinander gesetzt (§. 235. ff.). Hr. Rcboul hat dazu einen Apparat vorgeschlagen, der vor andern Vorschlagen dieser Art Vorzüge verdient. Xlsmoire lnr I'LncnomLtAe, pgr hs c in den cie , 17 IX. S. 2yz. Abhandlung über die Eu- diometric von Hrn. Seguin, in Grcn'n Ionrn. der Pch-st Zr>. VI. S. 14g. ff Ocidiivtlon ä'un HucNomrtre at- mochlieingue, par IIröott/7 in den fte Lftz. I. XIII. S. gg. sf, » « « §- 7^5. Das Salpetergas wird vom Vitriolöl verschluckt, und priesilev hat bemerkt, daß letzteres dadurch auch eine ciöarcige Beschaffenheit erhalten kann. Bernhards ciSartigcr Salpetergcist gehört hicher. I'ric/I/e?/ e^. oü/Amat. rc/i?r. ka cre. S. 27. und 450. Bernhards ch/m. Versuche und ftrr- fahrungcn, S. 129» Theorie der Salpetersäure und des Salpetergas. §. 716. Schon die Analogie mit den bisher abgehandelten und andern Säuren lehrt, daß die Salpetersaure außer der Basis der Lebenslust ein eigenes Substratum enthalte. Nach 444 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Nach Hrn. Ä.avsls!ers System ist dieses eigene Sub- stratum die säurefähige Grundlage (Lalb SLjciill»dIe), die durch die Aufnahme der Basis der Lebensluft oder des Oxygen erst sauer und Salpetersaure wird. Beide Grundstoffe sind nicht sehr fest mit einander vereiniget, und man kann sie dadurch von einander trennen, daß man dem Oxygen eine Substanz darbietet, mit der es mehr Verwandtschaft hat, als mit der säurefähigen Grundlage, mit welcher es die Salpetersaure constituirt. Erfahrungen über das Verpuffen der salpetersaurcn Neutralsalze mir verbrennlichen Substanzen, die erst weiter unten angeführt werden können, lassen schließen, daß die Basis des Stickgas, oder das Azote (^,?.oucum) die saurefähige Grundlage der Salpetersäure ausmache. Das Azote ist dicsemnach das Ikallical der Salpetersäure, und die Salpetersäure könnte auch azotisthe Säure (ckci- ckum n^olicum, Acicke genanut werden. Das Azote selbst kann, wie die Grundlage der Kohlensaure, nicht anders als in Gasform dargestellt werden, und bildet mit demWärmestoff eben das schon oben(H.2z8.ff) abgehandelte Stickgas. §. 717. Nach den verschiedenen quantitativen Verhältnissen, in welchen das Azote mit dem Oxygen verbunden seyn kann, ist das daraus gebildete Salpetersauer auch vermögend, in verschiedenen Zuständen zu erscheinen. Der erstere Grad der Oxygenirung des Azote constituirt die Basis des Salpetergas, und es sind etwa zwey Theilc Oxygen gegen ein Theil Azote erforderlich, um die Basis des Salpctergas zu bilden, die durch den Wärmestoff luftförmig und also Salpetergas trstrd. Zn diesem Zustande zeigt das Azote noch keine bemerkbare Säure, und ist mit dem Wasser nicht mischbar. Es hat in diesem Znstande noch ein sehr großes Bestreben, sich mit noch mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 445 mehrerm Oxngcn zu verbinden. Wenn man also Lebens« luft mir Salpetergas zusammenbringt, so zieht das Azote der lektern das Orygen der erstem an sich. Die Lebensluft wird folglich zerseht, ihre Basis trir an die Basis des Salpetergas, und verwandelt sie in eine offenbare Saure, die mit dem Wasser mischbar ist. Wenn das Verhältnis des Oxygens gegen das Azote etwa fast wie z zu i ist, so entspringt daraus, in Verbindung mit dem Wasser, die rauchende, rothe Salpetersäure, oder die unvollkommene Salpetersäure (H. 657.), aus der durch gelindes Erhitzen wieoer Salpetergas entwickelt werden kann. Vier Theile Opygen gegen ein Theil Azote bilden in Verbindung mit dem Wasser die vollkommene, oder die weiße und farbenlose Salpetersaure f/W/oie in welcher die Bestandtheile inniger vereiniget sind, und aus welcher durch Einwirkung des Lichts und des Glühens die Lebenslust entbunden, und die säuerbare Grundlage wieder in Gestalt des Salpeter- gas dargestellt werden kann. Wird die vollkommene oder unvollkommene Salpetersäure mit einem darin auflösbaren Metall oder einem andern vcrbrennlieycn Körper in Berührung gebracht, so wird ihr ein Antheil des Oxy- gens entzogen, und sie erscheint nun als Salpetergas. Diese Theorie von den Beftandtheilen der Salpetersaure glaubt man durch Versuche von Cavendlsh bestätigt. Dieser ließ nemlich durch ein Gemisch von 7 Thcilen Lebensluft und z Theilen Stickgas in einer mit alkalischer Lauge gesperrten Glasröhre wiederholte electrische Funken schlagen, und fand endlich die Lauge salperersauer, und das Volum der Luftarten vermindert. Eine neue Bestätigung davon, daß das Azote einen Besiandtheil des Salpetergaö ausmache, gewahrte endlich die Erfahrung von NMner, daß, wenn Salpeterluft durch einen glühenden Flintenlauf, oder durch glühendes Eisen streiche, sie sich ganz in Stickgas verwandele, indem das Metall ihr 446 V.Absch»;. Miik'ral.Saurenu>ihreVerbind. ihr nun den noch darin befindlichen Antheil Hxygen entziehe nnd eben dadurch verkalkt werde, das Azote aber frcy mache, das jetzt durch den damit verbundenen War- mcstoff gasförmig erscheine. chlemoire liar i'exlfteltoe äs I'air äanz "aciäe iiltrenx et für ie» mo^ens äs compoler et resompofsr cet scläe; m do» 7llc?/i. 4e larnck. uvA. 4c/ ^/r. 1776. S. 671. ff. M.' Handlung über dasDaseyn der Luft in der Salpetersäure, iuü> über die Mittel, diese Satire zu zerlegen, und wieder zusammen zu sehen, von Hrn. iLavoiftcr; ni Creiia neuesten Entdeck. Th. I!. G. 125. ff. Sbendeifeldetr' IVa/te stx. 4e (X-i?«ic, 4'. I. S. 7s. ff. Vercholler über die Zerlegung der Salpetersäure; arm den Illc,.-/. 4c iacaii. -Uti/. 4c//c. 1731. S. 21. sf. 22g. ff. 254. ff. ubcrfeizk in Crcils ckcm. Zlnnalcn 173g. V. l. S. 2Z6. ff'. Lxpe- rieiices tue l'slr, psr ül. f'm-c-mti/'/!, im ?i. 4c D. XXl^II. 1^ II, ^Zo?lc lieber die Zerleguug der phlech stischen Luft von Cavendisb, in Greils eiiem. Annal. ,7^. V. I. S- 99. ff. lieber die Verwandlung eines Gemischt« der dephlogistisirteu Lust iu Salpetersäure durch Hülfe i>ez elcttrischen Funkens, von Hr. clavendifh; aus de» lftn?e/aK. 0/, I.XXI^III. 1783. S. 26. ff. übersetzt i» Greif u fiourn. der Plipsik V. l, S, 232. ff. lieber die Erzeugung der Salpetersäure und Salpetcrlust, von Hcmi Isaac dllilner; aus den Vli/o/l I'ol I-XXiX. 5739. S. Z0Q. ff. übci'jeyr cbcndas. s. !!!. S. LZ.sf. De stiiräuence äs ig inmlsre, par ülr. lZcrk/coi/ct, im -teVilz/l D. XXIX. 17L6. II. G. 32. jf. Z- 7-8. Hhngcachtet man zricht leugnen kann, daß diese Theorie noch einige Schwierigkeiten habe, so ist doch so viel gewiß, nnd die Untersuchungen in der Folge werden es noch mehr beweisen, daß die Grundlage des Stickgas oder das Azote einen Bestandtheil der Salpetersäure ausmache. Bey der bisher vorgetragenen Theorie des Hrn. ^avoister bleibt aber nun auch noch die Frage unbeantwortet, woher es kömmt, daß bey der Zersetzung der lcbenS- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 44"? Lebenslust und des Salpetergas kein Licht oder kein Feuer, sondern nur Wärmestoff, zum Vorschein kömmt, obgleich diese Zersetzung schnell genug geschieht? Ich hoffe, diese Frage beantworten zu können, wenn ich die Lehre vom Brennstoff mit der bisher vorgetragenen Theorie vereinige. §. Es enthalt ncmlich die Basis des Stickgas, oder das Azote, die salpetersaure Grundlage als ponderablcn An-- theil; diese ist aber darin mit so vielem Brennstoff vereinigt, und dadurch so verlarvt, daß sie eben so wenig als Saure sich äußern kann, als im Phosphor, im Schwefel, in der Kohle, die darin befindlichen sauren Grundlagen es zu thun vermögend sind. Durch Entziehung eines An- theils Brennstoff vermöge der Aufnahme von Lebensluftbasis, nemlich in dem Verhältnisse von zwei) Thcilen der letztem gegen einen Theil der Basis des Stickgas (dem Gewichte nach) (F. 7 r 7.), entspringt daraus die Basis des Salpetergas, worin die salpetecsaure Grundlage aber doch noch mit so viel Brennstoff vereiniget ist, daß sie noch nicht als Säure sich äußern kann; denn dasSalpc- tergas ist nicht sauer, und auch mit Wasser nicht mischbar (tz. 704.). Bringt man Salpetergas mit Lebenslust zusammen,so zieht die salpetersaure Grundlage des ersten: die Basis der letztem an, und zersetzt also die Lebensluft, so wie das Salperergas selbst seine Gasform verliert. Es wird nun zwar ein Antheil des Brennstoffs des Salperergas geschieden, und sollte mit dem Wärmcstoff der Lebenslust Feuer bilden; da aber zur Hervorbringung des Lichts eine bestimmte Quantität Brennstoff vom Warmestoff aufgelöst werden muß, um diesem die leuchtende Eigenschaft zu geben (tz. azo.), und da die salpetet- saure Grundlage wegen ihrer starken Anziehung zum Brennstoff dem Wärmestoff zu wenig davon überläßt; so kömmt es auch, daß nur dunkele Wärme, nicht eigentliches Feuer gebildet wird. Indessen entlaßt die salpeter- sanre 448 V.Abschn. Mineral. Sauren n. ihre Verbind. saure Grundlage des SalpetergaS doch so viel Brennstoff durch die Aufnahme der Basis der Lebenslust, daß sie als eine Saure, wiewol nur als unvollkommene oder phlogistisirte Salpetersaure erscheint, wie die rothe Farve der gebildeten Nebel beweist. Nur erst du- ch allmähliche fortdaureude Einwirkung von mehrerer Lebenslust und dadurch entstehende Entbrennbarung geht sie in vollkommene Salpetersäure über. Durch Ausstellung dieser vollkommncn Salpetersaure an das Sonnenlicht ver- bindet sich die Basis des Lichts oder der Brennstoff wieder mit der salpetersauren Grundlage, und diese entlaßt einen Antheil ihrer Lebensluftbasis dem Warmestoff; es entwickelt sich solchergestalt Lebenslust, und die übrige Salpetersaure wird wieder phlogistisirt (H. 660.). Wird vollkommene Salpetersäure auf ein darin auflösbares Metall, wie auf Kupfer, gegossen, so verbindet sich ein Antheil der Lebensluftbasis der Salpetersäure mit der metallischen Grundlage und bildet Metallkalk, und der Brennstoff des Metallcs tritt mit der salpctersaurcn Grundlage zusammen, und constituirt wieder Salpeter- gas. Wird Salpetersäure mit verbrennlichen Dingen der organischen Reiche gekocht oder digerirt, so bemächtiget sie sich ihres Brennstoffs und geht als Salpetergas fort, während ein Antheil ihrer Lebensluftbasis mit der kohlensauren Grundlage jener Substanzen zur Kohlensaure wird, die als kohlensaures Gas entweicht. Wird SalpetergaS durch glühendes Eisen getrieben, so bemächtigt sich in dieser Temperatur die metallische Grundlage der im Salpetergas noch befindlichen Lebensluftbasis, wahrend die salpetersaure Grundlage durch den Brennstoff des Eisens wieder zum Stickgas zurückkehrt. In wiefern der elcctrische Funke in Eaveudisto Erfahrungen zur Bildung der Salpetersäure aus Stickgas und Lebenslust wirksam ist, das ist bis jetzt nach beiden Systemen noch problematisch. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 449 Verpuffen der salpetersauren Salze. §. 720. Der Salpeter, der für sich allein in der Hitze ruhig fließt, bringt sogleich eine Entzündung mit einein Geräusch zuwege, wenn man ihn mit einem brennenden Körper in Berührung bringt, oder einen verbrcnn- lichen Körper auf ihn tragt, wenn er glühend im Flusse ist. Diese Entzündung des Salpeters in der Hitze mit brennbaren Dingen, nennt man das Verpuffen desselben (cistormcio). Alle salpetersaure Neutral5 und Mittelsalze besitzen diese Eigenschaft, doch die Neutralsalze mehr, als die Mirtelsalze. Man kann dadurch entdecken, ob ein Körper Brennbares enthalte, wenigstens ob es los genug in ihm scy, um es in der Glühchitze fahren zu lassen. Die Verpuffung des flammenden Salpeters für sich allein (§. 675.) beweist die Gegenwart des Brennbaren im Ammoniak. Alle Verpuffungcn geschehen aber nicht anders, als daß sich entweder der Salpeter oder der brennbare Körper im Glühen befinden. §. 721. Das Verbrennen der entzündlichen Körper geschiehst bey dem Verpuffen weit lebhafter und schneller, als sonst für sich aliein in gemeiner luft. Jene werden schleunig zerstört und eingeäschert, so daß bloö ihre feuerbeständigen Theile zurückbleiben. Der Salpeter wird aber selbst beym Verpuffen aus seiner Mischung gesetzt, und es bleibt nur das Alkali desselben übrig, das freylich durch den verbrennlichen Körper mehr oder weniger verändert seyn kann. H. 722. Wenn man daher Salpeter mit Kohlenstaube verpufft, welches m einem Schmelztiegel auf die Art ge- GreisS Chemie. 1. Tb. 8f schleht, 4)2 V. Abschn. Mineral. Samen u. ihre Verbind. schieht, daß man so lange ans geschmolzenen glühenden Salpeter Kohlenstaub wirft, als sich eine Entzündung zeigt, so behalt man blos das Gewachsalkali des Salpeters übrig, welches uneigentlicher Weise den Namen des flften oder rauschen Salpeters (nitrnm tlxum) führt, sich aber vom gemeinen Alkali dieser Art durch nichts unterscheidet, wenn man es nach seiner Verfertigung noch eine Zeitlang im Feuer halt, um alles , was ihm von den Kohlen anklebt, davon zu bringen. Die aus den Kohlen entwickelte Kohlensaure verhindert, daß es nicht ganz atzend ist. An der Luft zerflossen nennt man es Glanbers Alkahest (liquor nicri tlxi), an dessen Stelle man eben so gm reines zerflossenes Weinsieinsalz gebrauchen kann. §. 72Z. Gleiche Theile Salpeter und roher Weinstein mit einander vermischt, und in einem geraumigen glühenden Schmelztiegel nach und nach verpufft, geben ein, beiden Korpern sein Dascyn zu verdanken habendes, Gewachsalkali, das man rveißen Fluß (lluxuz albus, ial tzi> tari extemporaneum) nennt, sonst aber vom gemeinen Weinsteinsalze nicht verschieden ist; das noch nicht verpuffte Gemisch dazu heißt roher Fluß (ünxus cruäm). Hat man aber zu einem Theile Salpeter zwey bis drey Theile rohen Weinstein gemischt und zusammen verpufft; so erhalt man den jchrvarzen Fluß (vuxuz ni^er), der wegen der noch nicht ganzlich zerstörten Kohle des Wcin- sseins schwarz aussieht, im anhaltenden Rost- und Glühefeuer aber endlich jenem gleich wird» §. 724. Wenn man auf glühenden Salpeter Schwefel tragt, so geschehet sogleich eine lebhafte Verpuffuug, ohne daß man den erstickenden Geruch des verbrennenden Schwefels, den er sonst verbreitet, wahrnehmen kann. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 4 5 r kann. Das von dem verpuffenden Salpeter zurückbleibende Alkali vereiniget sich mit der Schwefelsaure des verbrennenden Schwefels. Wenn man solchergestalt so viel gepulverten Schwefel anf den in einem Schmelztiegel im glühenden Flusse befindlichen Salpeter nach lind nach trägt, bis keine Verpuffung mehr -erfolgt, so wird der Salpeter ganz in vitriolisircen Weinstein verwandelt zurückbleiben. Nach dem Auflösen in heißem Wasser, Durchseihen und Crystallisiren führt er unnöthigerweise den Namen Glasers pol'pcl-ireffjalz ( pol/ckirellum Ll-lwri). Hieher gehört auch Vaumeg schneller ?lnsi aus z Theilen Salpeter, i Theil Schwefel und i Theil Sägespänen. S ch i e ß p u l v e r. H. 725. Die Entzündung des Gcbießpulvers spul vi? px-. riuz) ist ebenfalls eine wahre Verpuffung des Salpeters vermittelst der dabcy befindlichen Kohlen und Schwefel- chcile. Die Güte des Schicfipulvers hangt von der Reinigkeit der dazu erforderlichen Materialien, von ihrer genauen und innigen Bereinigung, und von dem gehörigen Verhaltnisse derselben unter einander ab. Man nimmt deswegen dazu den aufs vollkommenste von allen fremdartigen Salzen und andern Unreinigkeiten gereinigten crystallinischen Salpeter, ganz reinen Schwefel und gehörig ausgebrannte Holzkohlen, wo es übrigens gleichgültig ist, ob sie von hartem oder weichem Holze sind. Das Verhaltniß dieser Theile ist nach den Landern, wo man Schießpulver bereitet, und nach dem besondern Gebrauch, wozu es bestimmt ist, verschieden. *) Der Salpeter macht bey weitem jedesmal den grossesten Antheil desselben aus, der Schwefel gewöhnlich den kleinsten. Das Pulver wird immer um Ff - sv 452V. Abschn.Mineral. Saure» u. ihre Verbind. so schwacher, je geringer die Menge des Salpeters und je größer die Menge des Schwefels wird, und z Thcile Salpeter, 1 Theil Schwefel und 2 Theile Kohlen geben ein Schießpulver ohne sonderliche 'Kraft. Es laßt sich zwar auch ohne Schwefel ein Schießpulver bereiten; allein ein solches, das nicht so empfanglich für die Entzündung ist. Der Schwefel aber fangt bey einem Grade der Hitze Feuer, welcher zur Entzündung der Kohlen- theile noch nicht zureichend seyn würde; und jener theilt also um desto sicherer und schneller den übrigen Thailen die Entzündung mit. Auch verhindert der Schwefel destomehr das Anziehen der Feuchtigkeit. Nach Bau- Mo und D'Arcy vermehrt der Schwefel die Kraft des Schießpulvers 2), nach einigen andern ist Schießpulver ohne Schwefel, bey der Anwendung im Großen, von stärkerer Kraft b). ») Zum französischen Schießpulver von D'Tstone bey Carba! "nimmt man 7; Theile Salpeter, 16 Theile Kohlen und xck Theile Schwefel; das schwedische kömmt hiemit fast überein, und besteht ans 7; Theilcn Salpeter, 16 Thailen Schwefel und 9 Theilen Kohlen; in England nimmt man nach Beckmann zum starker» Kanonenpulver 100 Theile Salpeter, 25 Theile Schwefel und 25 Theile Kohlen; zum starkem Musketenpnlvcr ioa Theile Salpeter, 18 Theile Schwefel und 20 Theile Kohlen; zum stärkern Pistolenpulver 100 Theile Salpeter, m Theile Schwefel, 15 Theile Kehlen; zum schwachem Kanoncnpulver ic-o Theile Salpeter, 20 Theile Schwefel, 24 Theile Kohlen; zu schwächeren Mus- ketenpulver 100 Theile Salpeter, 1; Theile Schwefel, iz Tb,eile Kohlen; zu sehwächcrm Pistolenpulver 100 Theile Salpeter, 10 Theile Schwefel, ig Theile Kohlen; in Deutschland nimmt man nach -Hartwig zum Kanoncnpnl- vcv Z2 Theile Salpeter, 7 Theile Schwefel und 9 Theile Kohlen; zum Muskctenvulvcr 32 Theile Salpeter, 6 Theile Schwefel, 8 Theile Kohlen; zum Pirsch - oder Jagdpulrcr z 2 Theile Salpeter, 4 bis 4s Theile Schwefel und 6 Theile Kohlen. Die Chineser verfertigen ihr Schießpulver aus mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 45z 16 Thcilen Salpeter, 6 Theilen Kohlen und 4 Theilc» Schwefel. LNacguers chem. Wörter!'. Th. IV. S. 671. Bergmann in Scbcffers chem. Vöries. §. 204. Beckmann Technologie S. 402. Hartwig in Sprengel» Handw. Samml. X. S. 2z6. Ingenhouß? verm. Schriften B. 1. S. Z2Z. s) Baume erläuterte Experim. Chemie, Th. II. S. 604. L/2-i-slier O'/Irci/ Ullä! ä'une tbeorls ä'artillerie. j Paris 1754. b) Xlünuel -le l'artiücier, woraus Ingenhottsi? a. a. O, (7lnm. d.) die Vers, anführt. H. 70.6. Diese Ingredienzen zum Schießpulver müssen nun aufs genaueste und sorgfaltigste zcrtheilt und vermengt seyn. Dies gesehichet in den pulvcrmühlcn entweder durch hölzerne oder mit Messing beschlagene Stampfen in dem Grubcnstocke, oder in hölzernen Büchsen oder Stampflöchern, deren Boden von hartem und glattem Holze, oder auch wol mir Messing belegt ist, wobei) das Gemenge, sobald es zu stauben anfangt, sparsam und behutsam mit Wasser benetzt wird, so oft es aber wieder trocken gestampft worden, in eine Mulde herausgenommen, etwas angefeuchtet, durchgeknetet und wieder gestampft wird, welches Stampfen man bey schlechtem Pulver i2 bis 18, bey bessern, 24 bis zo Stunden fortsetzt; oder die Blasse wird durch Walzen, oder zwischen zwcy glatten Marmorplatren, davon sich die eine über der andern waagerecht bewegt, zerrieben, und von Zeit zu Zeit beym Stauben und Trockenwerden behutsam benetzt. Zu starkes Anfeuchten spühlt den Salpeter aus, und taugt nicht. H. 727. Die genugsam zerkleinerten und trocken gewordenen Materialien (das Mchlpulver, pulvcrstilZ) würden Af z nun »454V. Abschtl. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. nun schon ein vollkommnes, fertiges Schießpulvcr seyn; da sich aber dasselbe, wegen seiner äußerst feinen Zer- theilung, leicht anhangt, und deswegen zum Laden der Gewehre unbequem ist, so wird es gedornt. Dies ge- schiehet dadurch, daß man das Pulver, ehe es völlig i trocken ist, in waagerecht stehende Siebe schüttet, dcrm Löcher eine verschiedene Größe haben, st nachdem es Stückpulver oder Zagdpulvcr werden soll, es mit schweren hölzernen Scheiben bedeckt, und alles iu waagerechter Richtung bewegt, wodurch nun das Pulver in Körnern durch die Löcher des Siebes gedrückt und getrieben wird, welche man vollends noch durch ein Staubsieb vom Staube befreyet. Nach Hmu Beckmann sollen bleycrne oder zinnerne Kugeln weit vollkommener körnen. H. 728. Das gekörnte und getrocknete Schicßpulver, welches zum Gebrauch für das kleine Gewehr, oder als Pirsch- oder Jagdpulver bestimmt ist, wird hierauf noch geglättet oder polwt, indem eine Tonne, oder ein Faß zur Hälfte damit angefüllt wird, welche au eine Achse befestigt ist, um welche sie sich vermittelst eines Rades drehet. Man laßt hierin die Körner sich einige Stunden lang reiben, wodurch sie auf der Ober- flache glatt werden. Der dabei) befindliche, entstandene, Staub wird durch ein Scaubsicb abgesondert. Das Körnen sowol, als das Glatten vermindern allerdings die Starke des Pulvers etwas, weil die zum Körnen nöthige Feuchtigkeit veranlasset, daß sich ein Theil des Salpeters in kleinen Crystallen absetzt, und dadurch also die Gleichförmigkeit des Gemenges vermindert wird; in dem geglätteten Pulver aber liegen die Theile nicht so locker, als m dem ungeglatteten. §. 72 s. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 455 h. 7-y. Das gekörnte Pulver, es mag nun geglättet werden oder nicht, wird getrocknet. Dies geschiehst entweder in Glashausern vermittelst der Sonnenwarme, oder in Zimmern, die durch wohlverwahrte Qefen ge- heitzt werden, auf einer mit Tuch oder Leinwand bedeckten Tafel. Mit minderer Gefahr aber geschiehet das Trocknen nach Herrn Lierser durch Wasscrdampfe, indem Wasser in einer Pfanne siedend erhalten wird, dessen Dampfe unter der Platte einer Darre fortgehen, und diese mit dem darauf befindlichen Schieß- pulvcr erwarmen. Auf der Königl. Pulvermühle in England versuchte Weist, Schießpulver mit Wasserdampfen zu trocknen, von D. L-. Meiste, Gerharvson; in vcn neuen schrvod. Abhandl. I. i?8i- B- Zi., iin Ans,, in Crclls chcin. 2lnnalen, I. 1784. B. I. S. 45!. Die ? lnwendi!«g des Pulvers giebt noch verschiedene Versetzungen , die ich hier nach Herrn L.eonhardi's Angabe (Macq, Wörtcrb. Th. ZV. S. 677.) mitcheile: Zu Praiwrohren z. B. wird es noch mit ^ Salpeter und 4 Schwefel vermischt; zu AA'eccu wird das Pulver aus zo Theilen Salvent, 8 Theilen S6)wefe! und 14 Theilen Kohlen bereitet. Zu Fcucrrugcln vermischt man i z Theile Salpeter, z Theile- Scbwefel, 4z Harz, ^ Sägespäne und-xKKohlen. Leuchtkugeln erfordern zum trockenen Zeuge 2 Theile Salpeter, -s Theil Schwefel, ^ Harz, HSägespäne und TTbeil Mchl- puiver; zum Schtnclzrcuge aber z Theile Schwefel, 2 Theile Salpeter und 4 Theile Mehlpulver. Lwanvl'ugeln setzt mau aus -0 Theilen gekörnten Pulver, 10 Theilen Pech, 6 Theilen Salpeter, 4 Theilen Schwefel, 1 Theil Unschlitt, 1 Theil Hanf und 2 Theilen Leinöl zusammen. Zu Schwärmern nimmr man 8 Theile Mehlpulver, z6 Theile Salpeter, 7 Theile Schwefel und 1 Theil Harz. §- 7Zo» Die Bestandteile des Schicßpulvers können nach Baume dadurch geschieden und gefunden werden, daß P' f 4 man 456 V. Abschn. Mineral, Sauren u. ihre Verbind. man ein bestimmtes Gewicht davon fein reibt, mit de? stillirtem Wasser auslaugt, die Lange abraucht, und cry- stallisiren laßt, wodurch man den Salpeter erhält. Der nnaufgelöste Rückstand enthält die Kohle und den Schwefel. Durch Sublimation kann dieser nicht vollkommen abgeschieden werden, weit die Kohle einen Theil zurückhält. In einer schwachen Hitze kann man ihn zwar, beym Zugang der Luft, verbrennen, ohne daß die Kohle entzündet wird; inzwischen bleibt auch hiebey ein geringer Antheil zurück, den Herr LaumL auf 2^0 des ganzen Gewichts schätzt. Durch eine solche gelinde Hitze kann man auch wirklich das Schieß- pulver entschwefeln. K n a ll p u l v e r. §- 7Zr. Ein anderes, hieher gehöriges, merkwürdiges Gemenge ist das Anallpulver (pulvis kulminnns, tcmanz, tnrcktl'Uims), welches das Besondere hat, daß es in einer geringen Menge, ohne eingeschlossen zu seyn, bey einer allmählichen, bis zur Entzündung gehenden, Erhitzung unter einem äußerst heftigen Knall auf einmal abbrennt. Es bestehet aus drey Theilcn Salpeter, zwei) Thailen rrocknem gereinigten Porrascheualkali oder Weinsteinsalze und einem Thcile Schwefel. Es hat die größte Wirkung bey einer langsamen Erhitzung. Man kann zu dem Ende etwas davon in einem blechernen Löffel über gelindem Kohlcnfcuer ganz allmählich erhitzen. Es fangt erst an zu schmelzen; man steht, wenn die Erhitzung weit genug gekommen ist, eine blaue Flamme auf der Masse entstehen, und dann erfolgt sogleich der Schlag, der für das Gehör besonders empfindlich ist. Ich fand oft den blechernen Löffel durchbohrt, lind zwar so, daß die Ränder des Loches nach außen gebogen waren. Auf glühende Kohlen mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 457 Kohlen gestreuet verbrennt das Knallpulver mit dem schwachem Geräusch aller verpuffenden Gemenge, ohne Knall. Im luftleeren Räume brennt es auch, ohne zu knallen, ab. Der Rückstand des verbrannten Knallpulvers wird zwar nach dein Schlage mehremheils zerstreuet, besteht aber aus vimolffirrem Weinsteine und GewächSaikali. Theorie des Verpussens der salpetersauren Salze. H- 7Z2. Um beurtheilen zu können, was die Salpetersaure l >ey dem Verpuffen für Veränderungen erleide, muß man dies Verpuffen in Verbindung mit dem pneumatischchemischen Apparat vornehmen. Es dient dazu am besten ein Gemisch aus einem Theile Kohlenstaub und drei) Thcilcn Salpeter, beide innigst mit einander vermengt. Den Zusatz des Schwefels dazu muß man ganz vermeiden, um die Explosion nicht zu heftig zu machen. Man füllt einen Füncenlauf, dessen Zündloch genau und stark genug verwahrt ist, mit dem maßig angefeuchteten Gemenge etwa bis zum sechsten Thcile voll, und stampft eS vermittelst eines Ladestocks recht fest. Man bringt dann das untere Ende des Laufes unter den Trichter der mir heißem Wasser gefüllten pneumatischen Wanne, legt den Lauf in einer sehr stark geneigten läge in einen Ofen, und macht ihn an der Stelle, wo sich das zu verpuffende Gemisch endigt, glühend. Es entsteht nun eine Verpuffung, die sich nach und nach bis zum Ende des Laufs verbreitet, mir einer heftigen Entwickclung von Gas. Das zum Sperren gebrauchte Wasser enthalt nichts von Salpeter- saure; das übergegangene Gas ist kohlensaures Gas und Stickgas; der Salpeter ist zerstört; der Rückstand ist kohlensaures Alkali, mit mehr oder weniger unverbrann- rer Kohle. Die Salpetersaure wird also hierbei) ganz Ts 5 und 458 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. und gar zersetzt, und die ansehnliche Menge des Stickgas die sich, außer dem kohlensauren Gas, in den Vorlagen sammlet, bestätigt die schon oben angeführte Behauptung, daß die Basis des Stickgas die Grundlage oder dasRa- dical der Salpetersäure ausmache. Aus der Quantität des erhaltenen und im rückstandigen Alkali befmdliäM kohlensauren Gas, dessen Gehalt an Lcbensluftbasis bekannt ist (§. 260.), so wie aus der Quantität des entwickelten Stickgas, laßt sich auch bestimmen, in welchem Verhaltniß die Basis des Stickgas zur Basis der Lebenslust in der Salpetersäure enthalten ist. Herr j^avoisicr fand nach seinen Berechnungen in ioo Theilen wajser« freycr Salpetersaure auf diesem Wege 20,46z Thals Azote, und 79,537 Theile Lebenslustbasis. Untersuchung der Luft, welche sich bcp der Entzündung dt§ Schießpulvers, bey der Vcrpuffung des Kualkpulvers, so wie des mit Kohlenstaub verwischten Salpeters,. und endlich bcy der Entzündung des Salpeters mit Eiscnfcilspäncn vermischt, entwickelt, von Hrn. Acharv; in Erelln edem. Annal. >784. 25. Ii. G. -iLZ.ch- Zbercbollct's oben(§. 717.) angeführte Abhandlung, tbavoisicr Erfahruntgen über die Zerlegung des Salpeters durch Kohlen; am, den 7icki5u. er nie 7 . X7. S. 625. st', ubcrsenr IN Crells chem. Annal. 1789.25.1. 6.526» Edenpestelbcn e/em. 77 77. S. 524. tf. §- 7ZZ- Es ist wo! unstreitig, daß das Verpuffen des Salpeters mit vcrbrenttlichen Körpern ein wahres und heftiges Verbrennen in der ans demselben bcym Glühen entwickelten Lebenslust fem Die verbrcnnlichcn Körper erfahren bey ihrer Zerstörung durchs Verpuffen mit Salpeter auch dieselbigen Veränderungen, als bey dem Verbrennen in Lebenslust, und die Heftigkeit des Vcrbrcn- nens, und die Intensität der Hitze und des Lichts dabcy kömmt ganz damit überem. Auch erhellet daraus, warum mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 459 die Verpuffung auch beym Ausschluß der Luft statt hat. Die Theorie vom Verpuffen kömmt also ganz mit der Theorie des Verbrcnncns in Lebenslust überein. Uebcr das Verpuffen des Salpeters, und die dabey vorfallende Erscheinungen, m Fourceofts chem. 2beob. uno Versuchen G. ff. H. 7Z4- In dem angeführten Beyspiele des Verpuffens des Salpeters mit Kohle ( K. 732.) nimmt man also nach dem antiphlogistischen Systeme an, daß sich in der Glühehitze aus dem Salpeter Lebenslust entwickele, die das lebhafte Verbrennen der Kohle verursacht. In der dabey stattfindenden Temperatur aber bemächtigt sich die Kohle alles OxygeuS der Salpetersäure des Salpeters, und geh! durch die 'Ausnahme von Warmestoff als kohlensaures Gas fort; die Salpetersäure wiro solchergestalt zerlegt, ihr Nadical, oder das Azcte, wird ftey, das auch üi Gasform, oder als Stickgas entweicht. So wird also die Salpetersäure , und folglich auch der Salpeter ganzlich zerstört. Die große Menge des Warmestoffs, die nack Hrn. Kavochwr die Salpetersaure auch im Salpeter noch gebunden zurück behält, ist Ursach, daß, ohn- geachrct ein betrachtlicher Theil desselben zur Bildung des kohlensauren und des Stickgas verwandt wird, doch noch genug da ist, um die starke Erhitzung bcym Verpuffen zu erklaren. 7Z5. Ich muß gestehen, daß ich bey dieser Theorie doch noch beträchtliche Schwierigkeiten finde. Wenn nemlich die Lebenslust, die der Salpeter im Glühen entwickelt, die Ursache von den Erscheinungen dos Verpuffens ist, so sehe ich nicht ein, warum andere Stoffe, welche die Lebenslust eben so häufig im Glühcfeuer entwickeln, wie z. B. der Braunstein, mit verbreimlichcn Dingen bis zum 460 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. zum Glühen erhitzt, nicht auch dieselbige Wirkung äußern. Dann bleibt ferner nach dem antiphlogistischen System die Entstehung des Lichts aus dem verpuffenden Gemische beym Ausschluß aller äußern Luft unerklärt. Vergeblich leitet man dies Licht aus der Lebenslust des Salpeters ab, wie beym Verbrennen in schon gebildeter Lebenslust. Diese Lebensluft ist ja im Salpeter nicht schon da, sondern nur ihre Basis, und man kann doch nicht annehmen, daß das erste Fünkchen Licht, was zur Entzündung eines verpuffenden Gemisches, wie z. B. des Schießpulvers, angewendet wird, sich vervielfältige, und zur Hervorbringung aller der Lebenslust diene, die zum Verbrennen der ganzen Masse des entzündlichen Körpers beym Salpeter erforderlich ist. H. 7Z6. Die Erscheinungen des Lichts bey verpuffenden Gemischen, auch beym Ausschluß aller äußern Luft, sind mir vielmehr der überzeugendste Beweis, daß die Quelle des Lichts beym Verbrennen der Körper nicht in der Lebenslust, sondern im verbrennlichen Körper selbst zu suchen ist(§. 256.), und ich glaube die Phänomene des Verpuffens gcnugthuender erklären zu können, wenn ich annehme, daß, wenn der Salpeter mit einem verbrennlichen Körper, wovon wir hier bey der Kohle alsBcyspicl stehen bleiben, in Berührung kömmt, und irgend ein Partikelchcn die hinlängliche Erhitzung empfängt, so zieht die salpetersaure Grundlage den Brennstoff der Kohle mit vieler Gewalt an sich, und wird zur Basis des Stickgeis oder zum Azote(§. 719.), wahrend sie ihre Lcbensluftbasis der kohlensauren Grundlage überläßt, die damit die Kohlensaure bildet. Da die salpetersaure Grundlage bey weitem nicht allen Brennstoff aufnehmen kann, welchen die Kohle, oder andere vcrbrennliche Körper durch die Aufnahme der vielen Lebenslustbasis der Salpetersäure cnt- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 46 r lassen, so bleibt ein betrachtlicher Theil überschüssig, der mit dem bey der Zersetzung der Salpetersaure hausig entwickelten Warmestoff das Feuer und licht bildet. §. 7Z7- Hierher gehört auch die Bereitung des sonst gewöhnlichen, sogenannten GalpcrcrchstttK (clzcklnz nitri), da man nach und nach gleiche Theile Kohlenstaub und Salpeter in einer eisernen glühenden Tubulatretortc verpuffen ließ, an welche eine Vorlage mit Wasser angeküt- tet war. In dem vorgeschlagenen Wasser findet man nichts oder kaum einige Spuren der Salpetersaure, sondern vielmehr oft eine flüchtig alkalinische Beschaffenheit. Bey dem Verpuffen des Salpeters mit dem Schwefel erhielt man auf eine ahnliche Art in verschlossenen Gefäßen den Scbrvefclchstus sMyIuwix), der aber doch etwas mehr von der Salpetersaure, und dann auch Schwefelsaure enthalt. §- 738. Die übrigen Erscheinungen, welche Schicßpulver und Knallpulver bey ihrem 'Abbrennen zeigen, die außerordentliche und fürchterliche Kraft, die jenes dabep, wenn es eingeschlossen ist, ausübt, und der starke Knall, den dieses ohne eingeschlossen zu seyn hervorbringt, sind in ncuern Zeiten durch die Kenntniß der luftarten um sehr vieles aufgeklart worden. Das Abbrennen des Schießpulvers, und überhaupt das Verpuffen des Salpeters in verschlossenen Gefäßen, beweisen, daß sich dabey ein luftförmigcr Stoff entwickeln muß, der zum Verbrennen der entzündlichen Körper geschickt ist, lebensluft. So wie also eine Entzündung in dem Schicßpulver anfangt, so pflanzt sich diese vermittelst der aufs genaueste vermengten Ingredienzen aufs schnellste fort, indem jedes Theilchen Salpeter bcym Glühen sogleich lebensluft entwickelt, 462 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. wickelt, worin das Verbrennen um so lebhafter geschehen muß. Die große Menge Gas, die sich bey diesem schnellen Verbrennen des Schießpulvers plötzlich entwickelt, und welches, wie aus dem Angeführten erhellet, kohlensaures Gas und Stickgas ist; dann aber hauptsächlich die große Menge Feuer, die hierbei) so ungemein schnell frey wird (§. ?z6.), die große Dichtigkeit desselben bey seinem ersten Freiwerden im eingeschlossenen Räume, seine über alle Vorstellung große Expansivkraft in diesem Zustande von Dichtigkeit, und die Elasticitat, welche es den zugleich gebildeten Gasarten crtheilt, und welche im ersten Moment bei) dem eingeschlossenen Zustande derselben äußerst stark sepn muß, sind hinlänglich, um uns die Gewalt zu erklären, mit welcher das Schießpulver den ihm gesetzten Widerstand überwinden kann. Uebri- gens ist es wol gewiß, daß bey dem Abbrennendes Schießpnlvers in Schießgewehren nicht die ganze Ladung urplötzlich entzündet wird, daß nur ein Thei! davon seine Wirkung äußert, und ein anderer Theil nachbrennt, wenn der Widerstand schon gehoben ist. Dadurch, daß zu gleicher Zeit in dem Räume, worin Schießpulvcr abbrennt, atmosphärische Luft mir eingeschlossen wird, kann bey übrigens gleichen Umständen eine größere Masse desselben abbrennen, und die Gewalt desselben folglich vermehrt werden. Hierauf gründet sich die von Hrn. Laa-- der beschriebene, verbesserte Methode der Sprengarbcit beym Bergbau. e/eW. A, kl. 524. ff. Versuch einer Theorie der Sprengarbeil, nebst einem Vorschlage zur Verbesserung der Kunstsatze, von Fran, Saaver, Frcyberg und Annaberg 1792. 8. 7Z9- Herr InZenhduß; leitet die Gewalt des im eingeschlossenen Räume entzündeten Schießpulvers aus der aus mit Alkalien,, Erden und Brennstoff. 46z ÄUs dem Salpeter plötzlich entwickelten Lebensluft und dem aus den Kohlen erzeugten brennbaren Gas, und der durch die Hitze vermehrten Expansion dieser Luftarten ab. Er berechnet aus der Erfahrung von Fomana, daß 1 Unze Salpeter goo Cubikzol! Lebensluft gebe, und aus der Ausdehnung, welche die Luft bey dem Glühen erleide, daß die beym Abbrennen des Schießpulvcrs entbundene Luft 2276 mal den Inbegriff des Schießpulvers übertreffen, und folglich im ersten Augenblick der Abfeurung, wo sie noch in den engen Raum gezwängt ist, eine ungemeine Gewalt durch ihre Elasticitat ausüben müsse. Indessen ist hierbei) doch zu erinnern, daß es nicht Lebenslust ist, welche beym Abbrennen des Schicßpulvers entwickelt bleibt, daß dabey auch die Kohlen kein entzündbares Gas geben, und daß die ganze Masse des Schießpulvers nicht urplötzlich, sondern successive entzündet wird. Ingenhousir Versuch einer neuen Theorie über das Schießpulver; in seinen vcrm. Schriften, L>, I. S. zyz. ff. H. 740. Bey dem Abbrennen des Knallpulvers (§. ?zi.) ist es wol gewiß, daß durchs allmähliche Schmelzen desselben eine Schwcfelleber und aus derselben brennbares hepatisches Gas entwickelt wird, die mit der aus dem Salpeter entbundenen Lebensluft, um so mehr heftig knallen muß, als die Zähigkeit der Masse beym Schmelzen den Ausbruch dieser Luftartcn mehr zurückhält, der nun nach Entzündung des Schwefels jetzt auf einmal erfolgt. Es ist hieraus leicht einzusehen, warum das Knallpulver auf Kohlen gestreuet nicht knallt. Ingenhoujft a. a. O. S. ZZ5. Fourcrs)' über die Vcrpusi fung des Knallpulvers, und die Ursachen desselben; in sinnen chem, Dcob, unv Vers. S. 199. H. 741. 464 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. §. 74r. Das Verpuffen des salpetersauren Ammoniaks für sich aliein, ohne Zusah von brennbaren Körpern (h. 67z), beweist, daß das Ammoniak den Brennstoff als Bestand- rhcil enthalte, was auch aus der Entzündlichkeu desAm- moniakgas (h. Z20.) gefolgert werden kann. Uebrigens ist das Verpuffen des salperersauren Ammoniaks ein Mittel gewesen, um uns die Natur und Zusammensetzung des flüchtigen Alkali'S aufzuhellen. Herr SerrhoUer sehte salpetersauren Ammoniak in einem pneumatischen Destillirapparat der Wirkung der Hitze und des Vcrpus- fcns aus. Es fand hierbey eine ganzliche Zerstörung des größesten Anrheils sowol der Salpetersäure, als des Ammoniaks statt; daS Wasser, das er in der Vorlage sammlete, enthielt nur wenig Salpetersäure in Vcrglei- chung des zersetzten Salzes, es hatte sich Stickgas gebildet, und das übrige gcsammiete flüssige Producc enthielt mehr Wasser, als in dem salperersauren Ammoniak zugegen seyn konnte. Herr Zcrtdo.tcr schließt hieraus, daß das Ammoniak aus Azote und Hydrogen zusammengesetzt sey (h. zag.), daß bey der Operation das Hydro- gcn des Ammoniaks mit dem Orpgen der Salpetersäure zum Wasser, und der andere Grundrhefl des Ammoniaks und der Salpetersäure, nemiich das Azocc frcy werde, und als Stickgas entweiche. Herr Äerrhstier berechnet aus seinen Erfahrungen, daß das reine Ammoniak etwa 0,807 Theile Azote, und 0,19z Theile Hyorogene enthalte. Dcrthollcr Zerlegung des flüchtigen Laugensalzes ans den cle 1785. "0. ;! c>, ff. überfcyt in Mclls ckem. Annal. 1791. kl. S. 169. ff. H. 742. Die Entdeckung, daß das Ammoniak aus Brennstoff, aus salpetersaurer Grundlage (Azote), und dem Hy- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 465 Hydrogen zusammengesetzt sey, wird durch die in der Folge anzuführende Rcduction metallischer Kalke vermittelst des Ammoniaks, und der dabey stattfindenden Erzeugung von Wasser Und Stickgas bewiesen, und erhalt eine auffallende Bestätigung durch N'tUners Erfahrungen, daß das flüssige Ammoniak beym Durchgang durch glühenden Braunstein in einer eisernen Röhre sich in Salpetergas verwandele. Es entzieht hier ohne Zweifel die metallische Grundlage des Braunsteins dem Ammoniak einen Antheil Brennstoff, und seine Lebenölufrbasis tritt mit dem Hydrogen des Ammoniaks zum Wasser zusammen, während ein anderer Antheil Lebensluftbasis des Braunsteins mit der salpetersauren Grundlage und dem übrigen Brennstoff des Ammoniaks das Salpetergas bilden hilft. Observation tur la formatlon äe I'aciäe intrigus, czni a lleu, penciant la äecompolitlon reelprogus cie 1'ox!6e 6s mer'.'ure et äe l'ammoniagne, par btr, in r^en S. 2c,Z. ssi Mllners vbkN (§. 717.) angeführte Abhandlung. S a l z s a u r e. §. 74z. Wenn man auf unser gewöhnliches Küchensalz Vi- triolöl gießt, so entsteht sogleich eine betrachtliche Erhitzung und ein Aufbrausen, und es entwickeln sich häufige, weißliche Nebel, von einem eigenthümlichen sauren und scharfen Gerüche und Geschmacke. Wenn man diese Nebel vermittelst einer Destillation auffängt, und durch so wenig Wasser,als möglich, verdichtet hat, so erhalt man eine saure Flüssigkeit, die man gewöhnlich rauchenden Snlzgessi (chxirimz sali! kumLuz 67ck^e?ck) nennt. GcenS Chemie. I. Tl>. ^ 466 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. §. 744- Die Bereitung dieses rauchenden >salzgeistes geschie- het zwar auf eine ahnliche Weise, als die des rauchenden Salpetergeistcs; allein die eigenthümliche Beschaffenheit desselben, da er schlechterdings ohne Wasser incht Verdichter werden kann, und seine sonstige große Flüchtigkeit, macht es nochwcndig, daß man das dazu anzuwendende Vicriolöl entweder vorher mit etwas Wasser verdünnt, oder in der Vorlage etwas Wasser vorschlagt; daß man eine Tubulatretorte gebraucht, und die Vitriol- saure nur nach und nach auf das darin befindliche Kochsalz tragt; daß man eine geraumige Vorlage anwendet; daß man die Fugen mit dem dichtesten Kutte schon vorher verwahrt; daß man die Destillation überhaupt nur in kalter Witterung vornimmt, und das Feuer mit der größten Behutsamkeit anbringt. Man kann zu einem Theile gewöhnliches und verkäufliches Küchensalz die Hälfte Vitriolöl setzen. §- 745- Am besten verrichtet man diese -Operation vermittelst des Woulfischen Apparats, indem man ohngefahr acht Unzen Wasser in den Flaschen vorschlägt, wenn man die Säure aus zwey Pfund Küchensalz austreibt. Es versteht sich übrigens, daß man auch hier die Fugen aufs beste verwahrt. Man entgeht bey dieser Methode den schädlichen Dämpfen, und dem sonst unvermeidlichen Verlust der Saure. Auch Herrn Hahnemanns Methode ist zu empfehlen. -Hahncmann in Demachp's Laborant im Großen, V. I. An- merk. S. 99. Taf. z. Fig. l. §. 746. Wegen des nothwendigen Zusatzes von Wasser kann dieser Salzgeist nie so concentrirt erhalten werden, als der mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 467 der Salpctergeist oder das Vitriolöl. Sein eigenthüm- liches Gewicht kömmt kaum auf >,150. Er ist eigentlich farbenios und klar; und wenn er gelb aussteht, so rührt dies entweder, wie in den mchrestcn Fallen, von Eisenrheilen des angewendeten Küchensalzcs, oder von sehr vielem Brennbaren durch zugesetztes sehr phloaististr- tes Vitriolöl, oder vom Kürte her. An der Luft stoßt er weißgraue Dampfe aus, zieht aber keine oder sehr wenig Feuchtigkeit daraus an. Sein Geruch zeigt etwas dem Gerüche des Safrans ahnliches. Durch Abdampfen laßt er sich keinesweges entwässern, wie die Schwefelsaure, wegen seiner großen Flüchtigkeit. §- 747. Sonst destillirt man auch auf eben die Art, als den Salpeterspiricus (H. 648.), eine nicht so conccntrirte Kü- chcnsalzsaure. Der gebrannte Vitriol findet aber hier nicht so gut seine Anwendung, weil das Feuer die Salzsaure aus den Eisenthellen des Vitriols nur höchst schwer austreibt, und diese auch mit verflüchtiget werden, und die zu erhaltende Saure verunreinigen. Man verfertiget daher den gewövnlicben Aücbeiisalzgeist (sturi- tu« üilis communis) durch getrockneten und feingepuk- verten Thon, (der aber auch immer von EiseNtheflen und Klcö frey seyn sollte,) womit man den vierten Theil ausgetrocknetes Küchensalz vermengt. Die Destillation geschiehst sonst im Großen und auf ahnliche Art, wie die des Scheidewassers; nur muß man sich aller eisernen Gefäße sorgfaltig enthalten. §. 748. Der verkäufliche gemeine Salzgeist ist fast immer mit Essentheilen verunreinigt, und deswegen gelb von Farbe. Man kann jene durch gelinde Remstcanon über Küchensalz schwerlich ganz davon bringen, und auch Gg -- . hie- 468 V.Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. hiedurch die, ihn gewöhnlich verunreinigende, Schwefelsaure nicht ganzlich ausscheiden. Das letztere bewirkt man, auch bey dem rauchenden Salzgeiste, durch Schwererde, die man vorher in reiner Salzsaure aufgelöst hat, und durch eine nachher anzustellende Rcctisication. §. 749. Wenn man auf die angezeigte Art aus dem Küchensalze durch Schwefelsaure die Saure ganzlich ausgetrieben hat, so enthalt der Rückstand der Destillation ein Glaubersalz, das man gehörig ausscheiden und cry- stallisiren muß. Das Küchensalz muß also auch ein besonderes Neutralsalz seyn, das aus seiner eigenen Saure, der Rüchensalzsaure, die man auch schlechtweg Salz» saure (^cillum muristicum, scillum laÜ8 culllwriz, ck. tickis murin!, A-cklie nennt, und dem Mineralalkali zusammengesetzt ist, und dieses muß nicht so stark mit jener Saure verwandt seyn, als mit der Schwefelsaure. Bey der Austreibung der Salzsaure aus dem Küchensalze durch Thon wirkt ohne Zweifel auch die Kieselerde desselben zum Alkali, durch Mithülfe der Hitze, auf ahnliche Art, wie bey dem Salpeter (§. 654.). Im Rückstände bleibt aber doch immer vieles unzerlegtes Küchensalz übrig. §> 75->. Die reine Salzsaure ist weiß und farbenlos. Sie besitzt nicht die Schärfe und Aciditat, als die Salpeter- saure, bey gleicher Entwässerung. §. 75r. Die Analogie laßt schließen, daß auch die Salzsäure aus einer eigenen Grundlage und aus der Basis der Lebenslust zusammengesetzt sey. Indessen ist es bis jetzt noch keinem Chemisten gelungen, jene darzustellen, und diese daraus abzuscheiden. Wir kennen also die reine Grund' mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 469 Grundlage der Salzsäure »m^k/^)noch nicht. Uebrigens erhellet aus den in der Folge anzuführenden Veränderungen, welche die Salzsaure erleiden kann, daß sie in dem Zustande als rauchende oder gememe Salzsäure noch Brennstoff enthalte, und daher eigentlich als phloglstisirte oder unvollkommene Saure anzusehen ist. In dieser ihrer starken Phlogistisirung liegt der Grund ihrer geringen Wirksamkeit auf verheimliche Substanzen. Sie zeigt nach Entziehung ihres Brennstoffs ein ganz anderes Verhalten. Salzsaures Gas. §- 752. Diese phlogistisirte oder gemeine Salzsaure läßt sich auch, wie die phlogistisirte Salpetersäure, in Luftform darstellen, und giebt dann das satzjäure Gas (Sas sei- muriöNLUm, 6^ ^5/^ daS man auch kochsalzsaures Gas, secsalzsaure L.ufc, luftige Salzsäure genannt hat, und dessen Erfinder ebenfalls priestley ist. §- 7SZ- Man verfertigt dieses salzsaure Gas vermittelst des pneumalischen Quecksilberapparats, wenn man auf zwey Theile Kochsalz in einer gläsernen Tubulatretorte mit einem langen Halse, die in einem erwärmten Sandbade liegt, einen Theil Virriolöl nach und nach eintragt, und die Mündung der Retorte unter den Trichter der mit Quecksilber gefüllten Wanne bringt, wo eine wirkliche, permanent elastische, durchsichtige, farbenlose Flüssigkeit, als Luftblasen, in die mit Quecksilber gefüllten Vorlagen in die Höhe steigt. Wasser dient schlechterdings nicht zur Entbindung und Sperrung dieser Luft. Sonst darf man auch nur, nach einer bequemern Weise, rauchen- G g z den, 470 V.M'chn Mineral. Sauren u. ihre Verbind. de», concentrirten Salzgeist in einer kleinen gläsernen Melyrte im Sandbade oder sonst erwarmen, nnd die Mündung derselben, wie vorher, mit dem Quecksilber- apparat verbinden. Zu wässerigtcr Salzgeist giebt diese Luftart durch Erwärmung nicht. §- 754. Dieses falziaure Gas i) verliert seinen luftförmi- gen Zustand sogleich bcy Vermischung mit der atmosphärischen oder Lebenslust, und verwandelt sich unter Erwärmung in wcißgrauen Nebel. Je feuchter jene sind, desto starker sind die entstehenden Nebel. Auch geht hierbei) einige Verminderung des Umfangs der rcspirabclen Lust vor. 2) Es ist sehr sauer von Geschmack, und hat den Geruch des rauchenden Salzgeistes, z) Es röchet den Violensaft und das Lackmuspapier sogleich. 4) Es tödtel die Thiere schnell, welche sie einnehmen. 5) Es wird vom Wasser augenblicklich und gänzlich unter Erwärmung verschluckt, und dieses wird sauer, und endlich zum stärksten rauchenden Salzgcist wenn es ganz mit dieser Luft gesatNget ist. Das Wasser laßt sich daher bey seiner Bereitung keineswegs zum Sperren anwenden. Das Eis schmelzt in diesem Gas sogleich, und Verschluckt es schnell. 6) Es trübt das Kallwasser nicht, sondern verwandelt es vielmehr in salzsaurcn Kalk. 7^! Die ätzenden Alkalien nehmen es mit Erwärmung in sich auf, und werden damit zu salzsauren Neutralsalzcn. 8) Das Ammoniakgas und das salzsaure Gas vernichten sich sogleich, wenn sie zusammentreffen. Es entstehet eine wetße Wolke unter Erwärmung, nnd beide werden zu einem wahren Salmiak, der sich an die Wände der Gefäße oder über dem Quecksilber absetzt, das man zum Sperren braucht, y) Es dient nicht zur Unterhaltung des Feuers, sondern löscht die Flamme des Lichts aus, ^ das man h-nem bringt z doch mit dem Umstände, daß s die mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 471 die Flamme vor ihrem Verlöschen, und in dem Augenblicke, da man sie wieder anzündet, eine schöne grüne oder hellblaue Farbe annimmt. - o) Es ist schwerer als atmosphärische luft, und verhalt sich nach Fontana gegen diese, wie 1,698 zu i,ooo. 1 r) Es wird vom kohlensauren Gas, vom Stickgas, vom hepatischen Gas, von, schwcfligtsauren Gas, vom Salpetergas, lind vom brennbaren Gas nicht zersetzt, vorausgesetzt, daß jene nichts Wasserigtes in sich haben» H. 755. Das salzsaure Gas hat die phlogistisirtc Salzsaure zur Basis. Kömmt es mit dem Wasser in Berührung, so tritt seine Basis an das Wasser und entlaßt denWar- mestoff. Es erläutert die Schwierigkeiten bey der Destillation des rauchenden Salzgeistes, und die unumgängliche Notwendigkeit des Zusatzes vom Wasser bey derselben (H. 744.). Die Verwandlung des salzsauren Gas in Nebel bey Berührung der atmosphärischen Luft ist zwar allerdings auf Rechnung der Feuchtigkeit der Luft zu schreiben; da indessen doch auch dabey zugleich etwas Lebensluft zersetzt wird, so kann man in der That nicht umhin, anzunehmen, daß das salzsaure Gas dabey auf eine ahnliche Art, wiewol in einem weit mindern Grade, afficirt werde, als das Salpctergas, oder daß es etwas Brennstoff verliere, während es noch etwas Lebensluftbasis einnimmt. Doch ist man nicht im Stande, durch Vermischung der Lebenslust mit salzsaurcm Gas das letztere in vollkommene oder dephlogistisirte Salzsaure zu verwandeln, da entweder die Anziehung seiner sauren Grundlage zum Brennstoff zu stark, oder zur Basis der Lebenslust nicht kraftig genug ist». G g 4 Salz- 472 V. Abschü. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Salzsaure Neutralsalze. Salzsaures Gewachsalkali. §. 756. Mit dem Gewächsalkali gesättigt giebt die Salz- saure ein Neutralsalz von einem, eigentlich salzigten, etwas scharfen, weitig bitterlichen Geschmack. Dies salzs säure Gerväcbwaikull (?e>tallinum murmn'cum, ^Iciilj ve^elgbile'f-ckitum, lVluriss potgünc-. «ie heißt auch Gylvlscbes Dlgejtlvsal; oder Ftcbw sät) (8»I cllßekkivum, kobriku^um §. 757. Dies Neutralsalz schießt in Würfeln an, die manchmal auch in Gestalt einer vierseitigen Säule auf und an einander fitzen. Es erfordert in der Mittlern Temperatur z Theile, in der Siedhitze nur 2 Theile Wasser zur Auflösung, und kann also allerdings durchs Abkühlen crystal- lisirt werden. Die Crystalle enthalten nach Bergmann O,si Gewachsalkali, o,z i Salzsäure und O,o8Cry- stallisationswasser. An der Luft sind sie bestandig, ohne zu verwittern oder zu zerfließen. H. 758. Im Feuer zergeht das salzsaurc Gewächsalkali nicht, sondern es verliert sein Crystallenwasser unter einem Knistern; und sprühet umher, wenn man es schnell in eine starke Hitze bringt. Es schmelzt endlich bcy einer starken Glühehitze; läßt aber seine Säure keincswegcs fahren, sondern verflüchtiget sich vielmehr bey anhaltender Gluth, aber unzersetzt. Es kann zu dem Ende als Fluß für Erden und Steine dienen. Vermittelst der Kieselerden und des Thons kann man im Feuer daraus zwar Salzsaure austreiben, aber das Salz nicht ganz zersetzen. H. 75?- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 47 z §. 75?. Das Digestivsalz wird zwar nicht selten, aber doch nur immer in.geringer Quantität, natürlich gefunden: in den Säftest einiger Gewächse, in den Salpetererden, in dem Mcerwasscr, im Harne der Menschen und mehrerer Thiere, und nach tNonnet in einigen Sümpfen und mineralischen Wässern in Frankreich. Das Digestivsalz ist daher auch oft in der Glasgalle (h. Z44.) und im unreinen Salpeter. tt/äioloAle, S. 26z. K ü ch e n s a l z. §. 760. Aus der Verbindung der Salzsäure und des Mineralalkali entspringt ein Neutralsalz, das unter allen das bekannteste und häufigste ist, unser gewöhnliches Auchenstüz (ütl cuiinure), oder das gemeine Salz (sgl commune, vulAgre), das man im Systeme sälzs saures tNmcralalöali, oder salzsaure Sode (Kg- lrum muriiNicum, 8a6a muriatg, ^lcsli minersls sglitum, IVIurigz 8oclge, nennt. Das Küchensalz hat einen bekannten, eigentlich rein salzigten, Geschmack; und schießt in würfligren Crystallen an, die um so größer sind, je langsamer das Abdunstcn geschähe. Die Würfel verbinden sich aber oft in Gestalt eines Mühltrichters oder einer hohlen vierseitigen trep- xenförmigen Pyramide mit einander, deren Entstehung sich nach Rouelle und Bergmann aus den einzelnen Würfeln sehr leicht erklären läßt. H. 761. Die Crpstalle des Küchensalzes enthalten nach Bergmann 0,42 reines Mineralalkali, 0,52 Saure Gg 5 und 474 V .Abschn. Mineral. Sauren n. ihre Verbind. und 0,06 Crystallenwasser. Sie erfordern nach denn selben bey der Mittlern Temperatur -P4 Theile, und beym Siedepnnct Theile Wasser zu ihrer Auflösung. Ein Pfund Wasser, zu 32 Loch, kann^also n^jvch Salz auflösen, und keine Soolc kann über 8,369 Loch Salz im Pfunde enthalten. Heißet Wasser löst des Küchensalz zwar geschwinder, aber kaum in größerer Menge auf; und deswegen kann man das Küchcnsalz nicht durch Abkühlen crystallisiren, sondern muß das Ab- rauchen anwenden. Aus eben dieser Ursache halt es auch schwer, große Crystalle davon zu erhalten. Je langsamer das Abrauchcn gcschiehet, desto größer werden die Crystalle. Sie müssen nothwendig am ersten auf der Oberfläche zum Vorschein kommen, und hier ein Hänichen bilden. H. 762. Die Crystalle des Küchensalzes sind an der Luft bestandig ; sie zerfließen nicht, verwittern auch nicht. Nur unreines Küchensalz zieht Feuchtigkeiten an, wird schmierig oder zerfließt, wegen der beygemengten zerfließenden fremdartigen Salze, wie hernach angeführt werden soll. Wenn man die Crystalle in die Hihe bringt, so zerspringen sie in kleine Körner, unter einem Knistern. Man nennt dies das Abkmssern (lllwcrcpitario) des Kochsalzes. Es rührt von dem darin 'enthaltenen Crystallm- tvasscr her, das nicht in hinreichender Menge da ist, um das Salz flüssig zu machen. Denn wenn das Wafserig- te verflogen ist, so hört das Salz zu knistern auf, und heißt nun decrepltirr (ial commune äscrcpitstum). Es ist seht unverändertes Kochsalz, das sein Crystallenwasser verloren hat, und wird da mit Nuhen angewendet, wo man es bey andern Arbeiten ins Feuer bringen muß, und das Umhersprützen des Salzes nachtheilig seyn könnte- §. ?6Z> mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 475 H. ?6z. Durch bloßes Glühen laßt sich aber die Saure aus dem Kochsalze nicht austreiben, noch das Mineralalkali desselben dadurch darstellen. Im anhaltenden starken Giühefeucr schmelzt vielmehr das Küchcnsalz, ohne in seiner Mischung verändert zu werden; denn nachdem Auflösen im Wasser liefert es beym Abrauchen wieder die vorigen Crystalle. Beym Weißglühefeuer wird es endlich ganzlich verflüchtiget, aber ohne eine Zersetzung zu erleiden. Hierher gehört die durch die Dampfe des Kochsalzes bewirkte Glasur des Steinguts (h. Z89.). §. 764. Die Natur liefert uns das Küchcnsalz in der größten Menge. Denn, nicht zu gedenken, daß man es im Thier- und Pflanzenreiche antrifft, findet man es theils in fester Gestalt in großen Massen in der Erde in mehren, Landern, wie in Pohlen, in England, Hungarn, Siebenbürgen, in der Moldau, Rußland u. a., theils in Wasser aufgelöst. Das natürliche feste Salz heißt Steina salz (lal Fenims?), ist mehrenthells angeformt, seltener crystallisirt, mehr oder weniger durchsichtig, und von Farbe weiß, grau, roth, blau, gelb oder schwarz; die mir vielen Salzthcilen durchdrungenen Erden oder Steine unterscheidet mau am besten durch den Namen Salz? stemc. Das Steinsalz und die Salzstcine werden ordentlich bergmännisch gefördert, und aus den letzter,, auch wol durch Wasser das Salz ausgezogen. Aufgelöst sin- den wir das Salz und in unermeßlicher Menge im Mecrrvaffcr, und auf dem festen Laude in den sogenannten Salzjoolcn oder Salinen (aqua« ialinso), aus denen durchs Abrauchen das Küchensalz erhalten werden kann, das denn darnach Boysalz, Meersalz (lal um» rluum), oder Goolensälz genannt wird. 476 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Memoire sur Is sei msrin, Ig msnlsre, 6ont II elk repgr,^ sur Ig surksre du ^lobe, et leg äiiserens proceäez ein- xlo^es pour I'obtsuir, pgr XIr. Ha//cn/>-ars / lllden^g. »a/er cte L/rimie, ?. XI. S. 6Z.ss» H. 76?. Nach der (§. 761.) angeführten Auflösbarkeit des Küchensalzes im Wasser kann keine Soole über 4,184 Unzen Salz in einem Pfunde nach bürgerlichem Gewichte enthalten; und die allermehresten enthalten noch ungleich weniger. Man drückt den Salzgehalt in einem bestimmten Maaße der Soole, (wie bei) uns in einer Kanne von z6 Unzen,) nach Lochen aus; und die Zahl, welche angicbt, wie viel Salz in einem solchen Maaß der Soole enthalten sey, heißt die L.örhlgke»t derselben. Es Ware aber zu wünschen, daß das Maaß, was man zur Einheit setzt, auf den verschiedenen Salzwerken einerlei) wäre. Um die Löthigkeit der Soole zu finden, und dadurch ihre Siedwürdigkeit zu bestimmen, bedient man sich der hydrostatischen Untersuchung mit der Glasperle, oder mit der besonders hiezu eingerichteten Salzrvaage oder Salzjpmdel; sicherer aber der chemischen Prüfunz durchs Abrauchen und sorgfaltiges Crystallisiren, weil fremdartige aufgelöste Salze, und andere Unrcinigkeiten, so wie eine verschiedene Temperatur, die erstere Art der Proben unsicher und unzuverlässig machen können. Lxperleuces sur le xo'äs äu sei et Ig Argvite sizecitigue äe! ssumurez sgites et sngl^tees, pgr ülr. in Veit Ulem. cks lacncl. ?'or/. cter/c. cke I'»-. 1762. S. 27. HtN. Prof. Lambert Versuche, über das Gewicht des Salzes und die eigenthümliche Schwere der Soolen, übers im neuen i5amb. Magaz. ZS. I^III. S. 48Z. ff. ?- U?e)'hr«ucl) über die verschiedenen Arten, den Gehalt der Salzsoolen zu schätzen, und über die Mittel denselben zu finden. Graz 1782- 8- Lambert hat durch Versuche das eigenthümliche Gewicht der Salzauflösungen, die eine bestimmte Menge von Kochsalz enthalten, mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 477 enthalten, bestimmt, und eine Tabelle darüber geliefert, durch deren Hülfe man aus dem spccifischcn Gewichte der Salzsolution die Menge des Salzes finden kann, die ii» einem gegebenen Gewichte der Salzsoole enthalten ist. Folgendes ist seine Tabelle: Gewicht des Salzes. Eigenthüml. Gewicht der Soole. 0 -—' 1,000 lo — — 1,007 20 — — 1,014 ZO — — 1,021 40 — — 1,02? 50 — — I,OZ4 60 — — 1,041 70 — — 1,047 80 — — 1,054 HO — 1,06s 100 1,067 110 — — I,O7Z 120 -- — 1,080 IZO — 1,086 140 1,09Z 150 — 1,099 160 1,105 170 — i,lir 180 -> — 1,117 190 — — I,12Z 200 --- 1,129 210 — — I,IZZ 220 »-» — 1,141 2ZO -» 1,>46 240 — 1,152 2ZO — — 1,158 260 — — i,>6z 270 --- 1,169 280 — — 1,175 290 — — 1,130 Z00 — — 1,185 Zio — — 1,191 Z20 — — 1,196 ZZ0 1,201 Zz6,8 —' 2,2047 Ge- 478 V. Abschtt. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Gesetzt, die Soole ist in ihren? cigenthüml. Gewichte 1,17;, s^ füllen 117; Gr. derselben so viel Raum, als 1020 Gr. Waffer, und es sind in diesen 1175 Gr. 280 Gran Salz, oder das in ihr befindliche Salz beträgt 7^°, ihres Gewich. te§. Nach der Regel de tri kann man nun leicht finden, wie viel Salz in einem Pfunde solcher Soole scn; denn, wenn 1175 Gr. Soole 280 Gr. Salz er.tbalten, so sind in 1 Pf. oder 7680 Gr. Soole izzo Gr. Salz. Man muß aber merken, daß sich Munden des hollänvischei? Tro)-Fcwirbls bedient, wovon 19 Mark so viel betragen, als 20 Mark cbllnisch (§. 179.). Eine andere Tabelle hat URttstm berechnet: Gehalt an Salz. Cigenthüml. Gewicht. I 5 T «5 ? I 8° r 9 H 2. ?4 I I . 18 I 2. I r I. A8 1 5o I 3 2 l 35 I 3 9 I . 42 I 48 I 54 1,000 1,206 I,l6(Z 1,121 1,107 i,oy6 1,087 i/°74 1,05? I,OZ0 1,048 1,045 1,040 I,0Z2 1,02? 1,027 1,0-5 1,024 I,O2Z 1 ,020 1,019 1,015 1,014 1,01Z Gehalt mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 479 Schalt an Salz. Eigenthüml. Gewicht. 1,012 i,ooy 1.007 1,006 1,004 I,OOZ I,0O29 I,O02Z I,00 r 8 1,0017 1,0014 1.0008 1,0008 1,0006 Nach dieser Tabelle würde also eine Soolc, deren eigenthümli- ches Gewicht z. B. 1,160 ist, 4 ihres absoluten Gewichts, folglich im Pfunde zu z 2 Loch 8 Loch Salz enthalten. Beckmanns Technologie. Güttingen 1780. S. Z4Z. fss Man muß indessen gegen diese und ähnliche Tabellen erinnern, daß von ihnen kein genauer und zuverlässiger Schluß auf natürliche Salzsoolen gemacht werden kann, da sie nur auf Auflösungen des reinen Salzes im reinen Wasser berechnet sind, was die natürl. Soolen nicht sind. §. 766. Wenn die Soolen an Salz reichhaltig genug, z.B. nicht unter i6!öthig sind, oder über 5 ihres Gewichts an Salz einhalten, so wird daö Salz gewöhnlicherweise sogleich durchs Abrauchen über dem Feuer aus ihnen geschieden. Dies geschieher in großen flachen eisernen Pfannen, in besonders dazu eingerichteten Werkstätten (den Salzkotken). Um feine, der Soolc eingemengte, besonders rhonigte und eisenschüssige, Theilchen, die sich durch die Ruhe der Soole in den Behältern nicht ganz trennen, und das Salz verunreinigen und schmutzig machen I 5 6 72. I 84 IO8 7 12? 144 2 ^7 ? 2 56 3 2 ( 5 — 1^. 44 8 —I — 5 12 7 L 3 ^ I l O2 4 48a v. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. machen würden, zu scheiden, verseht man die Soole kalt mit etwas Nmdsblure hFarbe), und erhitzt sie. Jetzt gerinnt das Blut, (das, wenn es tauglich seyn soll, durch Fanlniß seine Gerinnbarkeit nicht verloren haben muß), und bildet obenauf einen Schaum, in welchem die feiuern «rdigten Unreinigkeiten der Soole mit verwickelt sind, und den man sorgfältig abnimmt. Man vermehrt hierauf die Hitze, bringt die Soole zum Kochen, und verjagt so das überflüssige Wässerigte. Wenn die Soole anfängt mit Salz gesättigt zu werden, so bildet sich das Salz- häutchcn. Man vermindert dann in etwas die Hitze wieder, erhält sie aber doch so stark, daß die sich bildenden Wasserdämpfe die Salzcruste auf der Oberfläche durchbrechen, und so zum Niedersinken derselben Gelegenheit geben (Soggen). Je langsamer man jetzt das weitere Verdunsten der Wasserigkeir vor sich gehen läßt, um desio grobkörniger wird auch das Salz, oder desto größer werden seine Crystalle. Das zuerst niederfallende, noch etwas unreine Salz wird auch wol besonders hcrausge- krückt, um das nachfolgende desto weißer zu erhalten. Auch hat man in einigen Salzsiedereyen besondere Sog? pfannen, in die man die gabre oder die zur Sättigung abgerauchte Soole aus der höher stehenden Grörpfaime abläßt. Das niederfallende (joggende) Salz nimmt man mit hölzernen Schaufeln heraus, thut es in kegelförmige Körbe, die über der Pfanne stehen, läßt es ablaufen, und hernach an einem heißen Orre, der vermittelst Zugröhren seine Hitze von dem zum Versieden bestimmten Ofen empfängt, gänzlich austrocknen. Zuletzt bleibt gewöhnlich eine incrystallisabele lauge (die Mm? terlauge, Hecklauge) übrig, die aus fremdartigen Salzen (besonders aus salzsaurer Talk - und Kalkerde) besteht, und bey vermehrter Anhäufung in der Pfanne, und einem übereilten Sieden, den Grund der Bitterkeit, der Zerflicßbarkeit und der Verunreinigung des Kochsalzes mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 48» überhaupt abgeben kann. Manche Soolen können wegen der Menge der darin enthaltenen zerflicßbarcn Salze kein anderes als schmieriges Salz liefern. Alle Soolen führen auch mehr oder weniger Gyps aufgelöst, der sich größtentheils noch eher aus der Soole scheider, als das Küchensalz, und vorzüglich den sogenannten Pfannen, stcm oder Salzstem bilden hilft, der freyllch auch noch Kalkerde, Talkerde und besonders Kochsalz enthalten kann. Die Einführung der großen Salzpfannen, statt der ehemaligen kleinern, ist eine sehr wesentliche Verbesserung neuerer Zeiten, und kann nebst der vorteilhafteren Einrichtung der Sicdeherde zur Ecsparmß des Brennmaterials viel beytragen. /zrt ob mskliix common 8kckr, b)- l-onä. 1748- 8- ^>ll. Vrownriggs Kunst, Küchensalz zu be- reiten, übers, durch Fr. N). . sbangsdorffn Einleitung zur gründlichen Kenntniß der Salzwcrkssachen. Franks. 1771. 8- Unterricht vom Salz- wesen, gcsammlet von F. X. A. E. v. Sc. 1771. 8- I. U?. ^«ngndorff Bevträge zur Aufnahme der Salzwcrks- künde. Franks, und Leipz. 1778. 8- Ebendesselben ausführliche Abhandlung von Anlegung, Verbesserung, und zweckmäßiger Verwaltung der Salzwerke. Gießen. Th. l. tl. 1781. 4- A. 'W' u. R. Ehr Kangodorff Sammlung practischer Bemerkungen und einzelner zerstreuter Abhandlungen für Freunde der Salzwerkskundc. Aitenburg. St. 1. 1785. 8- Franz. S.udew. von Cancrm Entwurf der Salzwerkskundc. Th. I —- Hl. Franks. 1788 - 1789. 8- Des Hrn. von Kaller Bemerkungen über schweizerische Salzwerke, — herausgegeben von Carl Chr. F.angsvor?f. Leipz. 1789- 8- ^ h. 767. Wenn aber dieLöthigkeit der Soole geringe ist, und also zum Versieben zu viel Fcurung erfordern würde, so laßt man erst in den, von Match. Mcch im I. 1599 erfundenen, (Nradur, oder jL.cc^u?erken (seclos clutorise) einen Theil des Wasserigtcn an der fteyen Luft Grens Chemie, l. LH. H h abdun- 482 V. Abschn. Mineral. Sauren u, ihre Verbind. abdnnsten, indem man der Soole die größte mögliche Oberfläche dadurchzu geben sucht, daß man sie durch Dornenbündel und Reiser von der Höhe als einen Regen in ein Behaltniß herabfallen laßt, wobcy die frcy durch ziehende Luft die wasserigten Dünste wegführt, und die Löchigkeic der Soole also stufenweise vermehrt (gradirt). Man unternimmt das Gradiren auch nur bey warmer und trockenerZahreszeit am vorteilhaftesten; und schüft die herabtraufelnde Soole durch eigene Einrichtung gegen Wind und Wetter. Einige haben zwar zur Conccnm- rung der schwachen Salzsoolen auch den Frost vorgeschlagen ; allein dieser Vorschlag ist nicht ausführbar, wenn die Soole viel Grips enthalt, weil dieser dann das Kochsalz zersetzt und Glaubersalz constituirt. Beckmanns ökonom. Bibl. Th. III. S. 558. und die vorher (§. 766.) angef. Schriften. H. 768. Die Soole, welche durch das Gradiren die gehörige Löthigkcit erhalten hat, wird nun auf die vorher augezeigte Art weiter versotten. Eine Soole ist schon sied- tvürdig, wenn sie iglöthig ist, da sie doch immer um so schwerer und langsamer ihre Wasscrigkeit durch die Luft verliert, je mehr sie concentrirt wird. Bey dem Gradiren sondern sich die in der Soole mit aufgelöst ge- wesenen Gypstheile, so wie auch die durch Kohlensaure aufgelöste Kalkerde und Eisen ab, und überziehen die Dornenwande mit einer Jncrustirung. Das aus der gradirten Soole erhaltene Salz ist aber deswegen nicht immer reiner, als das nicht gradirre. A. Chr. Langsdorfs über die vortheilhasteste Löthigkeit der Siedsoole und damit verbundene Anzahl Gradirmigcn; m den Samml. pracc. Bemerk. St. 1. S. 16z. ff., §. 769. An einigen Orten in Oberdeutschland leitet man «uch in dle in das Salzgebürge gemachten Gruben (Sink- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 48 z (Sinkwcrke) süßes Wasser, welches das Salz der Salzstcme auflöst, und nachher in großen Behältnissen, deren Boden mit Thon belegt ist, zum weitern Versieben aufgehoben wird a). An manchen Orten verstärkt man den Gehalt ärmerer Soolen auch durch Steinsalz k>); und in England löst man auch das schon zu Tage geförderte Steinsalz in süßem oder im Mecrwassex auf, und versiedet es hernach, wie andere Soolen c). g) Mh. einer PrivMgcsellsch. in Böhmen, Th, I V, S. ZI8. Th. V. S. IÜO. Schrank naturhistorische Briefe, V. I. S. 2Z1. V) Abich, a. a. O. c) Werbers Bcytr. zur Mincralgesch. versch. Länder, V. I. S. 4°?- 4-Z- §. 770. Aus dem Meerwasser erhalt man das Küchenfalz entweder blos durch freywilliges Abdunstcn oder durch künstliches Versieben. Das Meerwasser ist aber nicht allenthalben gleich stark gesalzen, und nach der Linie hin, so wie in der Tiefe, pflegt es mehr Salz zu enthalten, als nach den Polen zu und obenauf. Man pflegt daher auch nur in den warmem Gegenden das Salz aus dem Meerwasser abzuscheiden. In den südlichen Provinzen von Frankreich laßt man das Seewasser einzig und allein durch die Wirkung der Sonnenhitze und der Luft abdunstcn, indem man es bcy der Fluch in große, flache, mit Thon ausgefütterte, Galzsümpfe, worin es durch Arten von Schleusen zurückgehalten wird, und welche wiederum in mehrere gemeinschaftliche Abtheilungen getrennt sind, bis zu einer geringen Höhe leitet, wo das Wasser fast ganzlich verdunsten muß. Man leitet hierauf von neuem Meerwasser hinein, verfahrt, wie vorher, und häuft das sich gcsammletc Salz in Haufen auf. Dies Boysalz enthält natürlicherweise alle fremdartige, Hh 2 dem 484 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. dem Meerwasser beygemischt gewesene Salze und andere Theile. Es sieht daher grau von Farbe aus. Zu den mitternächtlichen Provinzen von Frankreich hingegen sammlet man den mit Secwasser befeuchteten Sand, trocknet ihn an der Sonne, wascht ihn mir der hinreichenden Menge Wasser Wiederaus, und raucht diese Auflösung hernach in bleyernen Pfannen über dem Feuer ab, um das Salz zu scheiden. d»lemo!re wir les marais lalanz cles provlnce5 ä'^uniz et äs LsliUonAS, par ä Itocdelle 1765, 12. Oav. äe agus mari8 septentrlouallz orge del^Icss, in seinen S. 1. äe sgus x>els^!ca, in seinen ox?//c. Vol. 1. S. 179. h. 775. Auch das Soolensalz ließe sich blos durch Sonnenwarme und die Wirkung der freyen Luft mir Vortheil scheiden, so wie man darüber auch schon Versuche im Großen angestellt hat. — Hierher gehört auch das aus einigen Salzseen z. B. in mehrern Gegenden des asiatischen Theils des russischen Reichs durchs Verdunsten vermittelst der Sonnenwarme in großer Menge gesammlete Salz. Albr. von -Hallcr kurzer Auszug einer Beschreibung der Salzwerke im Amte Acten. Bern 1765. z. ktbmoire lur l'e.'gporgtüon äe l'euu l'slee, par b/lr. ^ in dm Ate«, cke sacack. ^oz/. /c. 1764, S, 9. ff. H. 772. Alles Küchensalz, es mag nun Steinsalz, Mcer- salz oder Brunnensalz seyn, ist nicht wesentlich von einander verschieden, als nur in beygemengten Unrcinig- keiten. Durchgehends möchte aber wol das verkäufliche Küchensalz nie ganz rein zu nennen seyn, sondern man findet es immer, mehr oder weniger, mir andern Salzen, mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 48 5 Salzen, besonders mit der, nachher zu ermahnenden, salzsauren Talk- und Kalkerde, verunreiniget. Ein reines Küchcnsalz muß weder an der luft feucht werden, noch vielwcniger bey der Auflösung im Wasser etwas zurücklassen, oder mit den kohlensauren Alkalien einen Niederschlag geben. Die beym Versicdcn des Salzes zurückbleibende Mutterlauge kann man nach Verschiedenheit ihres Gehaltes entweder auf Bittersalz, oder auf Talkerde, oder wenigstens auf Salzsaure nutzen. 773- . Ehedem glaubte man falschlich, daß der mit der Saure in dem Kochsalze befindliche Grundtheil eine Erde wäre, weil die Auflösung des verkauflichen Salzes im Wasser beym Zusatz eines Alkali eine Erde fallen laßt. Allein diese Erde (Kalkerde, Talkcrde, oder beides) gehört, wie gesagt, nicht zur Mischung des Küchensalzes, und reines Küchensalz muß sie nicht haben. Demohn- geachtet hat erst Markgraf in den neuern Zeiten diese falsche Meynung der Chemistcn von der alkalischen Basis des Küchcnsalzes ganzlich widerlegt, nachdem auch schon du Maines Gründe dagegen vorgebracht hatte. Seit diesen Zeiten unterscheidet man auch erst eigentlich das Mincralalkali vom Gewachsalkali. Lrrr !a vake äu sei marlii, pgr Vir. O» in den ss/cm. cie i'scoci. ro?/. cker )c. cie I'ar/r I?Z6. S. 215.; ubers. inCrelln n. chem. Archiv Th. IV. S. 166. Marg-- grafn Erweis, daß der aus dem Kochsalze geschiedene alkalische Thcil ein wirkliches i'al alcali und keine terra slcallnz sey; im 1. Ä, seiner ch^-m. Schriften S. 167. ff. H- 774- Die Saure des Küchcnsalzes ist mit dem Mineralolkali nicht so nahe verwandt, als mit dem Gewachsalkali; und man kann daher durch dieses, nach Hagens und Bergmanns Entdeckung, das Küchensalz zersetzen Hh z und 486 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. und das Mineralalkali abscheiden. Sowol das ätzende, als das kohlensaure Gcwächsalkali trennt das mineralische von der Saure, jenes durch eine einfache, dieses durch eine doppelte Wahlverwandtschast, und verbindet sich selbst mit der Saure zum salzsauren Gewachsalkali. Es giebt uns dies ciu Mittel an die Hand, das Mineralalkali zu gewinnen. Nach den von Bergmann angegebenen Bestandthcilen des Küchensalzes und Digcstivsalzcs erfordert das ersterc, wenn es rein und trocken ist, gleiche Theile trockenes atzendes Gewachsalkali, um zersetzt zu werden; bey dem gewöhnlichen Gewächsalkali läßt sich kein gewisses und beständiges Verhältnis; festsetzen, wegen der verschiedenen Menge der Kohlensäure, die es führen kann. Zm Großen wendet man hiezu die gemeine Pottasche an, deren zufällige Unreinigkeiten vollends kein allgemein bestimmtes Verhältnis; zulassen. Hagens Abh. chem. Inhaltes, S. iz6. Bergmann oxnkc. Vol. III. S. zi2. § 775- Die reine Abscheidung des Mineralalkali aus dem Küchenfalze durch Gewächsalkali, gelingt, nach meinen im Großen angestellten Versuchen, nur hauptsächlich zur Winterszeit. Man muß sich zu dem Ende erst von der Reinigtest der anzuwendenden Pottasche überzeugen/und sie dann in dem Verhältniß zum Kochsalze setzen, daß das Verhältniß gleicher Theüe ihres reinen Gewächsalkali und des trocknen reinen Küchensalzes stattfindet. Man löst Pottasche und Küchensalz entweder zusammen in hinlänglicher Menge Wasser, oder jene gleich in der Socle, wenn man diese haben kann, und sich von ihrem richtigen Gehalt an Salz völlig überzeugt hat, durch Kochen auf. Man gießt die lauge nach dem Setzen klar ab, wo sich dann zuerst der bey der Pottasche befindliche vnriolisitte Weinstein und nachher das Digestivsalz abscheidet. Das Mineral- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 487 Mineralalkali schießt nur bey völliger Erkaltung an, und es ist dies ein bequemer Handgriff, es vom Digcstivsalz zu scheiden. Man muß zu dem Ende die Lauge öfters und so lange umgießen, als sie noch warm ist, um das niederfallende Digestivsalz wegzubringen. Das erhaltene Mineralalkali muß man aber doch noch einer wiederholten Reinigung durch Auflösen und Crystallisiren unterwerfen, wenn man es ganz rein haben will. Daß man übrigens hiebcy mehr crystalliuisches Mincrakalkali erhalt, als man Küchensalz angewendet hat, kann den nicht Wunder nehmen, der die Kohlensaure und das Crystallenwas- scr desselben zu schätzen weiß (§. 420.). xvestrmnb kurze Geschichte der Scheidung des mineralischen Laugensalzes aus seinen Mittelfalzcn, nebst einer Beschreibung der wohlfeilsten Bereitungsart dieses Salzes; in seinen phys cl)) ,n. Äbh. H. I. S. i z i. ff. Dessen oben (§. 6c-z.) an- gef. Abhandlung. Gemeiner Salmiak» H. 776. Wenn man die Salzsäure mit dem Ammoniak sattiget, so entsteht daraus ein Neutralsalz, welches mit demjenigen völlig übereinkömmt, das unter dem Namen des Salmiaks (ial ammoniscnm , SX) bekannt ist, und nach welchem man auch andere mit flüchtigem Alkali und Sauren bereitere Ncutralsalze ammomaka? listhe Salze (H. 329.) genannt hat. Jenem pflegt man deswegen auch den Namen dcsgememcn oder gewöhne liclzcn Salmiaks (llll smmoniucnm vnkßgrs) zu geben. Im Systeme nennt man ihn sälzsaurei, Ammoniak (^mmouiaciim muriatiLUm, kAurias ummo,uig.ci, §- 777- Der Salmiak hat einen starken, stechenden,, gewissermaßen urinösen, Geschmack, und schießt zu doppelt Hh 4 gesieder- 488 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. gefiederten Crystallen an, die eigentlich aus kleinen sechsseitigen pyramidalischen zusammengesetzt sind. Die Cr»- sialle des Salmiaks enthalten nach Rirwans neuerer B rechnung 0,276 Ammoniak nnd 0,724 Salzsaure und Wasser. Bey dem 50° Fahr, erfordert der Salmiak 2 ,727 Theile Wasser zu seiner Auflösung; vom siedenden etwa gleiche Thüle. Er bringt bey seiner Auflösung im Wasser besonders viele Kalte hervor. Der Salmiak laßt sich durchs Abkühlen crystatlisiren; die Crystalle werden aber am deutlichsten beym unmerklichen Abdunften. H. 778- Die Salmiakcrystalle werden an der luft nicht verändert, sondern sind bestandig, ohne zu zerfließen oder zu verwittern. Im Feuer ist der Salmiak ganz flüchtig, und verfliegt, ohne etwas zu hinterlassen, wenn er rein ist. Auf glühenden Kohlen macht er kein Geräusch. In verschlossenen Gefäßen laßt er sich sublimsten, und giebt bey einem schwächern Feuer die sogenannten Salmiak? bssumen (K0rö8 stillZ gmmnm'gL! llmplicek), bey einer starken, Hitze und mindern Abkühlung hingegen dichte durchscheinende Kuchen, die aus parallelen Nadeln bestehen, und in deren Mitte man manchmal, bey der Verfertigung im Großen, regelmäßige Würfel wahrnimmt. Der subllmirte Salmiak besitzt einige Zähigkeit. Uebri- gens wird der Salmiak durch Sublimation nicht zersetzt. §- 779- Unreiner Salmiak läßt sich solchergestalt auf eine doppelte Weise reinigen, entweder durch Auflösen in Wasser, Durchseihen und Crystallifsten; oder durch Sublimiren. Jene wendet man besser bey der Verunreinigung des Salmiaks mit solchen Dingen an, die bcy der Auflösung im Wasser oder beym Crystallifsten zurückbleiben; diese, wenn ihm salzigte Dinge beygemengt sind, deren Abscheidung durchs Crystallisircn schwer hält. H. 78°. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 489 H. 780. Man findet den Salmiak natürlich und mehr oder weniger rein in Vulcanen, und in ihrer Nachbarschaft, und hat ihn auch sonst hin und wieder angetroffen s). Der Saft verschiedener Gewächse halt ebenfalls einen fertigen Salmiak b). In sehr großer Menge gewinnt man ihn aber in Aegypten, nach dem Berichte mehrerer Augenzeugen, aus dem bloßen Russe, der sich in den Rauchfangen beym Verbrennen des Mistes der Kamee- le und anderer Thicre anhangt, und den Salmiak also schon ganz fertig enthalt, durch eine Sublimation; da Key uns der Caminrnß hingegen nur flüchtiges Alkali, und keinen Salmiak in sich hat c) Doch hat auch Herr XVeber aus den in Holland bey dem Verbrennen des Torfes in den Rauchfangen sich anlegenden Russe in ziemlicher Menge Salmiak ohne Zusah durch Sublimation gewonnen ll). Man füllt in Aegypten große runde gläserne Flaschen, die Fuß im Durchmesser und einen kurzen Hals von 2 Zollen haben, nachdem sie vorher beschlagen worden sind, bis auf ohngefahr 4 Zoll weit vom Halse mir Russe an, und stellt sie in langlichte Oefen neben einander, wo man sie erst nach und nach erhitzt, um alle flüchtige Theile des Russes auszutreiben. Man verstärkt hierauf das Feuer, nach Vcrschließung der Mündung der Flasche, und unterhält es drey Tage und drey Nächte mit brennendem Kameclmiste. Man zerbricht die Ballons, um die festen Salmiakkuchen herauszunehmen, welche auf der einen Seite convex, auf der andern concav, und überhaupt mit mehr oder weniger russigtcn Theilen stets verunreiniget sind. Man thut in jeden Ballon 40 Pf. Ruß, und erhält daraus bis an 6 Psi Salmiak. s) 7?oh. Ges. Movels Versuche und Gedanken über ein natürliches oder gewachsenes Salmiak. Leipz. 1758. L- Fer- Hh 5 bers 49o V. Abschn. Mineral. Säuren n. ihre Verbind. bcrg Briefe aus Welschland; opulc. Vol. Ii?. S. 2Z5- b) 2Umanacb für Scheidckünstler, I-1782. S. 65. c) Zubereitung des Salmiaks iu Aegypten, beschrieben von Fr. -Hasielqnis?, in ven sckwca. 2ibbanc>l. B. XI!I, I7ZI. S. 266. Niebnhrs Reise nach 2krabien, Th. I. S. 15z. t)bservstlc>»z lur la narure er is compoütion clu lel gm» moniac, psr blr. o-/, ls caäer, in ven slchbn. 1720. S. 189.; übersetzt in Lrells neuem chcm. Arcbir», B. II. S. 60. 8u!re 6e« observstlons lur Iz tabrlgne ärr l'el smmonisc, psr Is.«cme, cbenvas. 172z. S. 210.; übersi ebcnvasl S. 158. A) Weber, im phps. ehem. Magazin. TH. I. S. 126. §. 78 m Ehemals war kein anderer Salmiak im Handel, aK der ans Aegypten, wo man ihn schon seit undenklichen Zeiten bereitet. In Europa waren zwar die Bestand- thcile des Salmiaks langst bekannt; allein man hat erst in nenern Zeiten angefangen, diese auf solche Weise zu verbinden, daß der daraus entstehende Salmiak nicht zu rheuer ausfallt. In Frankreich waren Hr. Baume, und in Deutschland die Gebrüder Gravenhorst die ersten, welche eine Fabrik von Salmiak errichteten, der in Rücksicht des Preises und der Güte mit dem ägyptischen wetteifern kann, und ihn offenbar an Neüügkeit übertrifft. So hat man auch an mehrern Orten, besonders in Englanv, dergleichen Salmiakfabriken angelegt. Man halt aber in allen diesen Fabriken das Verfahren geheim. Aus den un Folgenden anzuführenden Verwandtschaftsgesehen, welchen die küchcnsalzsauren Salze unterworfen sind, wird man leicht mehrere Arten der Salmiakbereitung kennen lernen, deren Ausführung mit Vortheil geschehen kann. Das nöthige flüchtige Alkali verschafft am besten der gefaulte Urin durch Destillation; sonst gewinnt man es auch aus Knochen, Hörnern, Klauen, u. dergl. Nicht in allen Salmiakfabriken wird der mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 49 1 der Salmiak durch Sublimation zu Rüchen gemacht, sondern vielmehr nach dem Crystalltsircn m Brodte oder Hure, in Form der Zuckcrhüte, zusammengedrückt. UO. C. Alberci Anleitung zur Salmiakfabrik, Berlin 1780, z. I. 4. A. Gortlings chemische Versuche über eine verbesserte Methode den Salmiak zu bereiten, Weimar 1782. 12. Meine Vcrfertigungsart des Salmiaks ohne Sublimation; in Crclls neuesten ssönwcck. Th. VII. S. 19. Beschreibung einer fabrikmäßigen Bereitung des Salmiaks, von Hrn. NAcglcl?; in Demachy's Laborant im Grasten, Th. II. S. Z55- §- 782. Die feuerbeständigen Alkalien zersetzen den Salmiak, wegen der nähern Verwandtschaft ver Salzsäure zu denselben; und entwickeln sogleich das Ammoniak daraus, entweder im milden oder im ätzenden Zustande, je nachdem sie kohlensauer oder rein sind. Die Salzsäure des Salmiaks hingegen verbindet sich mit ihnen zum Digc- stivsalz oder Kochsalz, je nachdem man Gcwächöalkali oder Mineralalkali anwendet. Wenn man daher Salmiak mit feuerbeständigem Alkali zusammenrcibt, so entsteht sogleich ein urinöser Geruch von dem fortgehenden Ammoniak. Das sogenannte englische Ricchsälz ist ein solches Gemenge, aus drei) Theilen trocknem gepulverten Wcinsteinsalze, und einem Thcile geriebenen Salmiak, in einem Glase mit eingeriebenem Stöpsel recht untereinander geschüttelt, und mit etwas Wasser befeuchtet. §- ?8Z- Auf diese Art erhält man aus dem Salmiak das Ammoniak in vorzüglicher Reinigkeit, und auf eine bequeme Weise, und man bedient sich der Zersetzung des Salmiaks, um das Ammoniak, sowol im reinen Zustande , als mit Kohlensäure verbunden, und zwar lclfteres in fester oder in flüssiger Gestalt zu gewinnen (F. 425.). 4? 2 V.Abschtt. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Die Auflösungen des Ammoniaks im Wasser heißen daher auch SalmiaksplrltUS (bpirirnz taliz ammonisci), und das reine kohlensaure Ammoniak führt in den Officium den Namen des flüchtigen Galnuaksalzes (8s1 volaciis kalis gmmonlÄLi). §. 734. Um festes kohlensaures Ammoniak ans dem Salmiak zu erhalten, vermengt man einen Theil gepulverten reinen Salmiak mit drey Theilen gepulverter Pottasche, schütter alles sogleich in eine gläserne Retorte mit einem weiten Halse, küttet eine Vorlage aufs genaueste vor, und destillirt, oder sublimirt vielmehr, im Sandbade, mit erforderlicher Behutsamkeit, und bey maßiger Regierung des Feuers das kohlensaure Ammoniak über, das sich wie Laubwerk, und in Krusten in der Vorlage anlegt. Man hebt dies Salz am besten in Glasern mit eingeriebenen Stöpseln auf. §. 785. Man erhalt das kohlensaure Ammoniak aus dem Salmiak in flüssiger Gestalt, oder den Salmiakspiritus, auf gleiche Weise, wenn man noch eine hinlängliche Menge Wasser zusetzt. Man schüttet zu dem Ende zu dem vorigen Gemenge (§. 784.) in der Retorte noch zwei) bis drey Theile Wasser, schüttelt alles wohl unter einander, und destillirt auf eben die Art. Das Ammoniak geht zuerst in fester Gestalt über, weil es flüchtiger ist, als das Wasser, und bildet erst nachher durch die Auflösung in dem übergegangenen Wasserigten den Salmiakspiritus. Man nennt ihn auch einfachen oder rvastcrigten, auch tarearistrren Salmiakgeist (chici- tnz lkliz gmmnniaLi simplsx, acznolnz, tartgrilatuz). Es versteht sich von selbst, daß man ihn ebenfalls durch eine gesattigte Auflösung des festen kohlensauren Ammoniaks im Wasser erhalten könne. Uebrigens gehet bey dieser mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 49 z dieser Ausscheidung des Ammoniaks aus dem Salmiak sowolin fester als flüssiger Gestalt, wegen der Kohlensaure des zugesetzten feuerbeständigen Alkali's, eine doppelte Wahlverwandtschaft vor, und der Rückstand der Destillation ist salzsaures Gcwachsalkali. Salzsäure Mittelsalze. Salzßmre Kalkerde. §- 786. Die Kalkerde wird von der Salzsaure leicht aufgelöst, und die Verbindung liefert nach geschehener Sättigung ein Mittelsalz, welches salzsaurc 2^alkcrde (Lulx lnnrigtt'ca t'. t-ttim, öckurias cslcjz, genannt werden kann, sonst auch den uneigentlichcn Namen des stpen Salmiaks (knl smmoniscum Kxum) und des Salböls (nle-um cslci'z) führt. Es hat einen sehr bittern, unangenehmen Geschmack, und läßt sich nicht anders zu Crystallen bringen, als daß man die Auflösung bis zur Syrupsdicke abraucht, und allmählich erkalten laßt. Man erhalt alsdann nach Fourcroy vierflächige gestreifte prismatische Crystalle. Bcy zu starkem Abrauchen und zu schnellem Erkalten erhält man daraus nur eine unförmliche Gerinnung. Ltemsuz äe LInmie, 1°. II. HkAIt. S .IZ4.155. Z- 787. Die Crystalle dieses Mittelsalzes lassen sich an der juft nicht erhalten, sondern zerfließen sehr bald wieder. In der Kälte brauchen sie nur Theil Wasser zur Auflösung, und vom heißen Wasser sehr wenig. Der gut ausgetrocknete kochsalzsaure Kalk enthält nach Äerg? mann <0 ,44 reine Kalkerde und o,z 1 Küchensalzsäure, wenn man das Wasser darin zu 0 ,25 schätzt. Der salz- .saure Kalk schmelzt im Feuer, wie Wachs, und läßt auch selbst im Glühefeuer seine Säure nicht fahren. Denn 494 V.Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Denn benm Erkalten gesteht er zwar in der Kalte, zieht aber die Feuchtigkeiten aus der Luft eben so schnell wieder an, als vorher. §- 788. Der küchensalzsaure Kalk findet sich natürlich in vielen Wassern, und auch im Meerwasser und verschiedenen Salzsoolen, wo er dann in die Mutterlauge des Kächcnsalzes eingehet, und der Grund der Zerflicßbar- keit und Bitterkeit des Malzes werden kann, wenn er dabey ist. §. 789. Dies Mittclsalz wird durch feuerbeständige Alkalien auf nassem Wege zerseht, und die Kalkerdc fallt aus der Auflösung nieder, die sich aber freylich wieder auflöst, oder aufgelöst bleibt, wenn sie Wasser genug antrifft. Die Salzsäure muß also mit der Kalkerdc nicht so nahe verwandt seyn, als mit den beiden feuerbeständigen Alkalien. Diese, wenn sie kohlensauer sind, fallen die Kalkerdc vermittelst der doppelten Verwandtschaft wegen der Kohlensäure als rohen Kalk. Wenn hiebey die Auflösungen des kohlensauren feuerbeständigen Alkali's und des salzsauren Kalks mit so wenigem Wasser, als möglich, gemacht sind, und nun im gehörigen Verhältnis mit einander vermengt werden, so entsteht aus diesen beiden ganz flüssigen Körpern erst eine gallertartige Gerinnung, die immer fester und fester, und endlich ganz hart wird. Man hat derselben den Namen des chemischen XVunderrr>erks gegeben. Sie besteht aus kohlensaurem Kalk, und Dtgestivsalz oder Küchensalz, und die veränderte Auflösbarkeit der neu entstandenen Körper, und ihre Einsaugnng des Wassers erklärt das ganze Rathsel bcy der Entstehung. §. 7?°- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 495 §. 790. Das Ammoniak kann den salzsauren Kalk nicht zersetzen, wol aber macht das Kalkwasser, worin man Salmiak auflöst, sogleich das Ammoniak daraus los, und dies geschieht auch beym Zusammenreiben des ungelöschten Kalks init dem Salmiake. Die Salzsaure ist folglich naher mit der Kalkerdc verwandt, als mit dem Ammoniak. Freylich fallet das kohlensaure Ammoniak den Kalk aus der Salzsaure; aber hier wirkt die Anziehung der Kalkerde zur Kohlensaure, wie beym salpetcrsauren Kalke (tz. 679.), und folglich geschiehst die Zersetzung durch eine doppelte Wahlverwandtschaft, die durch einfache nicht erfolgen kann; die Kalkerde wird zum rohen Kalk, und Ammoniak zum Salmiak. Man kann auf diese Art die Mutterlauge des Küchensalzes (tz. 766.), wenn sie aus salzsaurer Kalkerde besteht, mir Vorthei! auf Salmiak benutzen, wenn man durch einen wohlfeilen urinösen Geist, der kohlensaures Ammoniak enthalt, die Erde niederschlagt. Kreide, und kohlensaure Kalkerde überhaupt, bringt beym Zusammcnreiben mit Salmiak keinen flüchtigen urinösen Geruch und keine Zersetzung des letztern zuwege, wegen der Anziehung der Kalkerde zur Kohlensaure. §. 791° Zn der Hitze hingegen wird der Salmiak allerdings durch rohe Kalkerdc zersetzt, weil durch jene die Anziehung der Kalkerde zur Kohlensaure vermindert, und diese auch ausgetrieben wwd, so daß nun die Kalkerde ihre Anziehung zur Salzsaure äußern kann, indem das Ammoniak die Kohlensaure in sich nimmt. Man bedient sich daher auch der Kreide oder des rohen Kalks, um das feste kohlensaure Ammoniak aus dem Salmiak zu gewin- neu, und zwar noch mit mehrerm Vortheil, als des feuerbeständigen Alkalt's (tz. 784-). Zu dem Ende werden 4? 6 V.Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. den 5 Theile getrocknete und zart gepulverte Kreide mit z Theilen fein gepulvertem Salmiak wohl vermengt, und aus einer gläsernen Retorte mit einem weiten Halse, an welche man eine nicht zu große Vorlage fest angeküttet hat, zrierft bey gelindem, und hernach bey stufenweise vermehrtem Feuer, im Sandbade dcstillirt, wo sich das feste kohlensaure Ammoniak in der Vorlage anlegt. §. 792. Des gebrannten Kalks bedient man sich ebenfalls mit Vortheil, um das reine oder atzende Ammoniak aus dem Salmiak zu scheiden, das man auf diese Art am besten und am bequemsten erhalten kann. Freylich laßt es sich nicht in fester Gestalt darstellen (H. z 18.), sondern erscheint entweder in Gasform, oder wird im Wasser aufgelöst unter dem Namen des caustiscbcn Salmiak- fplrirus (spirituz tulix gmmOnisci cum cslcs Viva, tU- call ilnor) als ein reines atzendes flüchtiges Alkali angewendet (H. Z i 8.). Zur Bereitung des atzenden Salmiakgeistes werden erst 2 Theile lebendiger Kalk mit g Theilen Wasser gelöscht, und nach dem Erkalten in eine geraumige Retorte geschüttet, worauf man 1 Theil gepulverten Salmiak hinzuthut, die Retorte wohl umschüttelt, sogleich eine Vorlage dicht ankütrer, und im Sand- bade bey gelindem Feuer dcstillirt, bis der Rückstand ganz trocken ist. Den ungelöschten Kalk zum Salmiak zu mischen, und das Wasser nachher darauf zu gießen, geht wegen der dabei) entstehenden starken Erhitzung nicht wohl an. Da sich der Rückstand I van dieser Destillation sehr fest an die Retorte anlegt, und ohne diese zu zerschlagen nicht ganz wieder durch Wasser herausgebracht werden kann, so hat man vorgeschlagen, obigem Gemenge noch einen Theik Küchensalz zuzusetzen. §- 793- Der erhaltene caustische Salmiakgeist hat einen weit durchdringender» Geruch, als der vorher erwähnte kohlen- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 497 lensaure (§.785.); er ist weit flüchtiger, braust nicht mir den Sauren, trübt das Kalkwasser nicht, und schlagt die Auflösung der Kalkerde in Salzsaure nicht nieder. Es versteht sich, daß man diesen Salmiakspiritus auch durch ätzende feuerbeständige Alkalien aus dem Salmiak entbinden könnte (§. 782.); es ist aber kein Grund da, sie dem wohlfeiler» gebrannten Kalke vorzuziehen. §- 794- Der Rückstand, welcher von der Destillation des Salmiaks mit gebranntem Kalk (§. 792.), und auch mit rohem Kalk (§. 791.) zurückbleibt, ist natürlicherweise salzsaurer Kalk, den man überhaupt deswegen sircn Salmiak (h. 786.) genannt hat. Er zieht auch die Feuchtigkeit aus der luft an, und zerfließt. Er enthält aber mehr Kalkerde, als zur Sättigung der Salzsäure hinreichend ist. Er schmelzt im Feuer, sobald der Tiegel glühend wird. Die geschmolzene Masse sieht nach dem Erkalten grau und wie verglast aus. Wenn man mit einem harten Körper, wie z. B. mit einem Stahl, daran schlägt, so leuchtet es in der ganzen Strecke, wo der Schlag geschehen, im Dunkeln; und wenn man kleine eiserne oder kupferne Stangen mit der geschmolzenen Masse überzieht, so zeigt sich auch im Dunkeln ein phos- phorischcs licht, wenn man den Uebcrzug mit einem Eisen stark kratzt. Der Uebcrzug wird aber an der Luft leicht wieder feucht, und man muß sie deswegen an einem trocknen -Orte, in einem Glase, genau verwahren. Dies ist der hombergtschc Phospbsrus. Mehrere schreiben dazu den bloßen salzsauren Kalk, oder die wässerige Ausziehung aus dem Rückstände von der Destillation des Salmiaks mit Kalk vor, den man eindicken, und im Glühefeuer schmelzen soll; aber hiedurch erhalt man nie eine feste harte Masse. Man muß vielmehr diesen Rückstand dazu so anwenden, wie er ist, und die übcr- Grenö Chemie. t.TH. 3 l flüssi- Salzsaure Talkerde. H. 795. Mit der Talkerde liefert die Salzsaure ein Mittelsalz, von einem äußerst bitrern Geschmacke, und einer sehr großen Auflösbarkeit, das nur mit Mühe bey einem starken Abdampfen und schnellen Abkühlen zu nadelförmi- gen Crystallen gebracht werden kann, die aber an der Luft bald wieder zerstießen, wobcy es nach Bergmann gegen Wasser anzieht, sonst aber gewöhnlich nach demAb- rauchen eine gummigte Masse liefert. Dies Salz heißt sälzsaure Talkcrde, Bitrcrkochjälz, auch Salzasthc (mnAneiis muriatics s. ssIlta L., lVlnrias mg^nel'me, und enthalt, wenn es gehörig ausgetrocknet worden ist, nach Bergmann 0,41 Talkerde und 0,34 Salzsaure, wenn man das Waßer zu 0,2z schätzt. H. 796. Die salzsaure Talkerde laßt in der Glühehitze ihre Saure ganzlich fahren, doch die letztern Anthcile sehr schwer. Die feuerbeständigen Alkalien, sowol die kohlensauren, als die atzenden, sonderen die Talkerde von der Salzsaure ab. Das Ammoniak thut es ebenfalls, aber nur das kohlensaure zersetzt die salzsaure Talkerde vollkommen; das atzende unvollkommen: denn es bildet sich auch hier ein dreyfaches Salz aus Salzsaure, Talkerde und Ammoniak, wie Bergmann zuerst entdeckte, und es scheidet sich nur soviel Talkerde ab, als das Ver- bält- fiüssigen Kalktheile nicht absondern, die zur Festigkeit der Masse wesentlich nothwendig sind. d^orrveau kchospbore, pgr d-lr.ul den cte cte "poin. X. S. 445.; Übers, m CrcUs chcm» Archiv B. I. S. 17:. mit Mallen, Erden und Brennstoff. 499 haltniß der Bcstcmdtheile dieses dreyfachen Salzes erfordert. m seinen cüe?u. G. ZZk. ko«?-- c?-o-/ oben (§. 505.) angeführte Abhandl. §. 797- Wenn man frisch gebrannte Talkerdc mit Salmiak zusammenreibt, so entwickelt sich etwas Urinöses; aber die Zersetzung geschiehet in der Kalte nur unvollkommen; in der Hitze hingegen völlig, wenn Talrerde genug da ist. So zersetzt auch die kohlensaure Talkerde, vermittelst der Hitze, den Salmiak wirklich, und zwar durch eine doppelte Wahlverwandtschaft. Dies ist gar kein Widerspruch gegen die Zersetzung der salzsaurcn Talkerde durch kohlensaures Ammoniak (H. 796.), sondern die Erklärung ist hier eben so zu geben, wie die Zerlegung des Salmiaks durch Kreide in der Hitze (h. 79 >.). Neue Erfahrungen über Vittersatzerde und Salmiak, von Hrn. Lveirrumb; in CrcUs cliom. Annal. r-gZ.Zst, U.S. > i.ff, m.ff. nnv in seinen ph^s. chem. Abstand»!. 25. !r! -H. l« S. 277. ff. H- 798. Das Kalkwasser schlagt die Talkerdc ans der Auflösung in Salzsäure nieder. Ein gleiches thnt der gebrannte Kalk. Kohlensaure Kalkerde bewirkt keinen Niederschlag. H. 799. Man findet dieses Mirtclsalz häufig in der Natur; in Gesundbrunnen und Wassern, in Saizsoolen; und im Meerwasser häufiger, als jedes andere Salz, außer dem Küchcnsalz. Es ist die Ursache der Bitterkeit des Meerwassers, die man sonst unrichtig vom Erdharzigten ableitete. In der Mutterlauge der mehresten Salz- siedereyen macht es gewöhnlich den vorzüglichsten Be- Z i s stand- 5 oc> V. Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. standtheil ans, und giebt auch, wenn es bepm Kochsalze bleibt, den Grund der Zcrfließbarkeit und Bitterkeit desselben ab. Es könnte aus dieser Mutterlauge mit Nutzen auf Magnesia genutzt werden. Salzsaure Thouerde. H. 800. Die Thonerde wird von der Salzsaure ziemlich leicht aufgelöst, und giebt damit die salzstmre Thonerde (/er- Ai'Nn muriatica s. kalitn, IVlurinz sr^iNiZs, ci'/Z/um/»-?), die man sonst auch salzjaurcn Alaun, alaunerdtgrcs B^üchenfälz, Thsiisalz, Thonkochjal; (ulumen liiuriÄULum) nennt, ein Mittelsalz, das einen sehr zusammenziehenden Geschmack besitzt, beym Abrau- chcn eine gummigtc Wcasse liefert, und nur mit vieler Mühe zu Crystallen gebracht werden kann, an der Luft leicht Feuchtigkeiten anzieht und zerstießt. Es färbt den Violensyrup roth, wie der gemeine Alaun. In der Glühehitze laßt es die Satire endlich ganz fahren, aber schwerer als die salpetersaure Thonerde. §. 8oi. Von allen Alkalien, sowol von kohlensauren, als atzenden, von der gebrannten Kalkerde und vom Kalkwasser, und von der kohlensauren und gebrannten Talk- erde wird die salzsaure Thonerde zersetzt, und die erdigte Basis abgeschieden, mit welcher also die Saure nicht so nahe verwandt ist, als mit jenen Stoffen. Natürlich hat man dies Salz noch nicht entdeckt, das nach Vstcm zel ein gutes Bettznnttel in der Farberey abgeben kann. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 50r Salzsäure Schwererde. §. 802. Die reine Salzsäure löst die Schwererde ziemlich leicht auf, und gicbt damit ein eigenes Mittclsalz, die salzsaure Scbroererde ( Lm-Mz murigticuz, 1>rra ponclernss salila, ^1»ri38 dar^liz, «le Dies Salz schießt aus seiner Auflösung im Wasser bcym unmerklichen Abdunsten zu ansehnlich großen, durchsichtigen Crystallen an, die, wenn sie regelmäßig sind, länglichte Tafeln mit abgestumpften Ecken vorstellen. Beym schnellen Abdunstcn und Abkühlen werden die Crystalle schuppig und unordentlich blätterig. Der Geschmack dieser Salzcrystalle ist bitter. Sie sind an der Luft beständig, und erfordern vom Wasser in der Mittlern Temperatur 6 Theile zu ihrer Auflösung. H. 8oz. Im Feuer läßt dies Salz die Säure ohne Zwischenmittel nicht fahren. Weder die feuerbeständigen Alkalien, noch das Ammoniak können die Schwererde von der Salzsäure trennen. Die kohlensauren Alkalien thun es sämmtiich, wegen einer doppelten Wahlanzichung vermittelst der Kohlensäure. Weder reine Kalkerde, noch Talkerde, noch Thoncrde scheiden die Schwercrde von der Salzsäure ab. Sie hat also unter allen alkalischen Stoffen die erste Stelle in der Stufenfolge der Verwandtschaft der Küchensaizsäurc. De Lg>)Ne mnristo, kcrchtn 179Z. 8. äe Lernte muristo, lgeciinen lecuuäum. ibiä. eoch Z. Salz- 5 O2 V. Abschu. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. Salzsäure Zirkonerve» §. 804. Die Zirkonerde wird von der Salzsäure aufgelöst; die Egenschaften dieser sal>5. Die Salzsaure ist unter allen Saucen die einzige, welche nach Ht n. N?ed^crvood die Australcrde auflösen kann (§. 405.). Sie erfordert aber dazu die Beyhülfe der Sicdhitze. Die gesättigte Auflösiing laßt sich nicht cnistallisirett, sondern wird durch fortgesetztes Abdunsten in maßiger Warme dick und butterartig, und die Mäste zerstießt wieder an der Luft. Der Geschmack ist salzigt und stechend. In der Glühehitze wird die Saure wieder » daraus entbunden. Merkwürdig ist es, daß die Auflösung dieser sä!)saurett?!ttjiralerde(LLmbi'iAmurmln-k) durch bloßes, reines Wasser wieder niedergeschlagen wird. ' Alkalien, sowol atzende, als kohlensaure, bringen keinen andern Niederschlag zuwege, als bloßes Wasser, oben (§. 4->z.) angeführte Abhandl. 55 H H. 806. Auf die Rnestlctde und Aornndcrde hat die Salzsäure keine auflösende Kräfte. Wechselseitige Verwandischaften der Salzsäure und Koyleusame gegen Mallen und Erden. §. 807. Die Salzsäure hat gegen alle Alkalien und Erden eine nähere Verwandtschaft, als die Kohlensäure dagegen mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 50z gm besitzt; sie bewirkt daher ein Aufbrausen, wenn sie auf kohlensaure Alkalien und Erden gegossen wird, und entwickelt kohlensaures Gas. H. 808. Wenn salzsaurc und kohlensaure Neutral-und Mit- tclsalze zusammengebracht werden, so finden der Theorie nach folgende doppelte Wahlverwandtschaften auf nassem Wege statt. Salzsäurcs Gewacbsalkali wird durch kein kohlensaures Neutral- und Mittclsalz zerlegt; Zxü» chcnjälz wird nur durch kohlensaures Gewachsalkali, nicht durch die übrigen kohlensauren Neutral-und Mit- telsalze zersetzt; den Salmiak zerlegen kohlensaures Gewächs-und Mincralalkali, nicht die übrigen; sätzsaure Aalkerde wird durch kohlensaures Gewachsalkali , Mi- ueralatkali und Ammoniak, nicht durch kohlensaure Talk- crde und Schwcrerde zersetzt; salzsaure Talkerde durch kohlensaure Neutralsalze, nicht durch kohlensaure Mittel- salzc; strlzsaure Thonerde durch kohlensaure Ncutral- salze und kohlensaure Kalk- und Talkerde, nicht durch kohlensaure Schwererde; und endlich salzsaure Schwer» erde durch alle kohlensaure Neutralsalze, nicht durch kohlensaure Kalkerde. Wechselseitige Verwandtschaften der Salzsäure und Schwefelsaure gegen Alkalien und Erven, §. 8oy.. Aus allen Alkalien und Erden wird durch dazu gegossenes Vitriolöl die Salzsäure sogleich entbunden und entwickelt, und in der Stufenfolge der Verwandtschaft der alkalischen Körper muß die Salzsaure der Schwefelsaure nachstehen, sowol auf nassem, als auch auf trocknen; Wege. Hierauf gründet sich die angeführte Berei- A l 4 tung 5. Hingegen scheint die Erfahrung, nach welcher der vitriolisirte Weinstein und das Glaubersalz durch cou- centrirte Salzsäure, bey ihrer Auflösung darin, zerseht werden, und Digeftivsalz oder Küchensalz damit liefern, dem erwähnten (§. 809.) Verwandtschaftsgesetze zu widersprechen. Allein es ist hier der Fall, wie bey der Salpetersäure (§. 6?z.), und Hr. Arrwai» hat gefunden, daß nur der dritte Theil jener schwefelsauren Salze zersetzt, die Schwefelsäure aber nicht abgeschieden werde, die sich vielmehr mit dem alkalischen Grundtheile als überschüssige Säure fest verbindet. opnlc, pbzss cbem. Vol. III. S. Z2z. Bcrchol- lcr Bemerkungen über das Königswasser und einige Verwandtschaften der Kochsalzsaure, arm den cü- /'amck, roz/. ci»/c. 1785. S. :6g. ff. übers, in Lrells cheni. Annalm 1791. II. S. 156. ff. H. 811. mit Alkalien, Erden lind Brennstoff. 5 o ; §. 8ir. Die mancherley Zersetzungen, welche sich bcy dem Zusammentreffen der schwefelsauren Neutral- und Mit- relsalze mit den salzsauren ereignen können, lassen sich beurtheilen, wem, man die nähere Verwandtschaft der Alkalien und Erden zu der Schwefelsaure als zur Salzsäure, und ihre Stufenfolge in der Verwandtschaft der Schwefelsaure z» denselben vergleicht. §. 81-. Es wird diefemnach zersetzt: das salzsaure Ge- rvachvalkali durch Glaubersalz, schwefelsaures Ammoniak, Bittersalz und Alaun; durch letztere nur in der Frostkälte; vielleicht auch dann durch Gyps; nicht durch Schwerspath; dasAüchensalz durch schwefelsaures Ammoniak, Bittersalz, Alaun und Gyps, die drey letztere» nur in der Frostkälte; nicht durch Schwerspats), und schwefelsaures Gewächsalkali; der Salmiak vielleicht durch Alaun und Bittersalz zun, Theil; nicht durch schwefelsaures Gewächsalkali, Glaubersalz, schwefelsaures Ammoniak, Gyps und Schwerspats); die sstZsaurc ?>alkcrde durch schwefelsaures Gewächsalkali, Glaubersalz, schwefelsaures Ammoniak, Bittersalz und Alaun; nicht durch Scbwerspath; die salzsäurc Talkerde durch Alaun ? durch Bittersalz ?; die sälzsaure Thsnerde durch kein schwefelsaures Neutral - und Mittelsalz; die salzsaure Scbrvcrerde durch alle schwefelsaure Neutral- und Mittelsalze. §- 8iz. Die Kenntniß der angeführten (H. 812.) Zerlegungen der salzsauren und schwefelsauren Neutral - und Mittelsalze unter einander, vermittelst der doppelten Wahlverwandtschaft, giebt uns sehr nützliche Mittel an die Hand, verschiedene Salze im Großen mit Vortheil Z i 5 auf auf eine bequeme Art zu bereiten. Ich führe nur hier die darauf sich gründende Bereitung des (Nlauversälzee und Gainnars an. Wenn man sich ncmlich erst schwefelsaures Ammoniak durch Sättigung der Schwefelsaure mit einem wohlfeilen urinöscn Geiste bereitet, und diesen mit Küchensalz versetzt, so wird durch eine doppelte Verwandtschast Glaubersalz und gemeiner Salmiak daraus entstehen, die man nach den Regeln der Kunst von einander scheiden muß. Das Verhältnis;, in welchem man das Küchensalz zum schwefelsauren Ammoniak zu setzen hat, ist, nach Hrn. GöttlmZ, 6 Thcile vom erstem zn 4 Theilen Vitrivlöl, die man zu schwefelsaurem Ammoniak gemacht hat, nach -Wenzel und Strnve gleiche Theile Küchensalz und trockenen schwefelsauren Ammoniak. Diese Bereitungsart des Salmiaks und Glaubersalzes ziehe ich der von mir sonst vorgeschlagenen, (nach welcher man erst aus 12 Theilen Küchensalz und 7 Thei- lcn Alaun, in 32 Theilen kochenden Wasser aufgelöst, und der Frostkalte ausgesetzt, Glaubersalz bereitet, und die übrige nicht crystallisabele salzsaure Thouerde, nachdem alle fremdartige Salz? gehörig ausgeschieden sind, durch zugesetztes urinöses Salz in gemeinen Salmiak verwandelt und die Thonerde ausscheidet,) bcy weitem vor. Die Zersetzung des Alauns mit Küchensalz geschehet nur im Winter, und erfordert immer den Ueberschuß von Küchensalz , da sonst die Schwefelsaure in 2 Theilen Alaun das Alkali in 1 Theil Küchensalz sattigen könnte. Mit Vortheil kann man auch nach Hrn. XVieglcb aus dem Alaun erst durch Fallung der Erde mit flüchtigem Alkali schwefelsaures Ammoniak machen, und durch Zusatz von der Halste Küchensalz in Vergleichung des angewendeten Alauns Glaubersalz und gemeinen Salmiak gewinnen. S. die oben (§. 7Z1.) anaef. Schriften von der Salmiakbe- reitung. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 507 , §. 814. Nach ähnlichen Gesetzen der doppelten Verwandtschaft kann man auch ein Glauderfflz nach Hrn. Schees le bereiten, wenn man r o Theile Bittersalz in 8 Theilen kochenden Wasser auflöst, und mit einer heißen gesättigten Auflösung von 5 Theilen Küchensalz zusammenmischt, durchseihet, und in die Frostkälte hinstellt, wo das Glaubersalz anschießt, und die salzsaure Talkcrde übrig bleibt, die man mit Vortheil durch Fallung mit einem urinösen Geiste auf Salmiak oder auf Talkerde nutzen könnte. Scdcele in CrcUs chcm. Annalen, Z. 17Z5. B. II. S. 51z. Ebenvessrlbcu Anmerkung über die Bereitung der Vitter- salzcrde, cbeuvas 1787. B. I. S. 454. §. 8iZ. Die Verfertigung und Zusammensetzung des verkäuflichen englischen oder Zwtersalzrs (§. 50g.) geschieht nach ähnlichen Gesetzen der Verwandtschaft, indem man die, salzsaure Talkcrde enthaltende, Mutterlauge des M ersalzes oder der Salzsoolen mit Eisenvitriol versetzt, kocht und crystallisirr. Die bey dem verkäuflichen Bittersalze noch befindliche salzsaurc Talkcrde ist der Grund der Zerfließbarkert desselben. ^ Fourcvo^ über die Unrcinigkcit des gemeinen Bittersalzes und die damit vereinigte Salzmagnesie; in seinen chem. A>cob. nno Vccfi S. 405. §. 816. Hieher geHort auch die Bereitung des Glaubersalzes ans dem Pfannensteine der Salzsiedereycn sA. 479.). Gemeiniglich glaubt man zwar, daß dies Glaubersalz schon wesentlich im Pfannensteine enthalten wäre; was aber schon um deswillen unwahrscheinlich ist, weil das Glaubersalz so aufiöslich im Wasser ist, und folglich gewiß nicht eher, als das Kochsalz, aus der Soole niederfallen würde; 5oZ V.Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. würde; überden? würde auch das Glaubersasz dieser Seelen mit der salzsaurcn Kalkerde, die^ie oft führen, nicht bestehen können. Vielmehr bildet sich in der Frostkälte, wobey man die Bereitung dieses Salzes vornimmt, aus dem Gypse dc6 Pfannensieins und dem Kochsalze desselben durch doppelte Wahlverwandtschaft erst das Glaubersalz; aber nur in der Frostkälte; denn über dem Ge- frisrpuncte zersetzen sich Gyps und Kochsalz nickt. Eben deswegen ist das Concentrircn schwacher Salzsoolen durch den Frost nicht thunlich, wenn sie viel Gyps enthalten, weil dabey ein ansehnlicher Theil Küchensalz durch den GypS zersetzt, und in Glaubersalz verwandelt wird. — Wenn die Mutterlauge der Salzsoolen Bittersalz enthält, so kann durch den Frost daraus und aus dem noch darin befindlichen Kochsalze auch Glaubersalz erzeugt werden (Z. 8 lg.). Wechselseitige Verwandtschaften der Salzsaure und Salpetersaure gegen Alkalien und Lrde. §. 817. Auch selbst die Salpetersäure treibt die im Küchensalze sich befindende Säure aus, wenn man sie darüber abzieht. Nur muß man den concentrirrcn Salpctergeist dazu anwenden, und zwar in etwas reichlicher Menge, z. B. drey bis vier Theile auf einen Theil Küchcnsalz. Die übergehende Salzsaure ist daher auch immer mit Salpetersäure verunreiniget, die man durch Rectificiren über frisches Küchensalz zwar zum Theil, aber nicht ganz davon ausscheiden kann. Der Rückstand von dieser Destillation des Kochsalzes ist natürlicherweise Rhomboidal- salpeter. Diesen kann man auch erhalten, wenn man Kochsalz im Salperergeist auflöst, abraucht und crystalli- siren läßt. tNurggraf bewies zuerst das Daseyn des Mineralalkaii im Kochsalze dadurch, daß er aus diesem mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 509 einen Rbomboidalsalpeter bereitete, mit Kohlenstaub verpuffte, noch eine Zeitlang calcinirte, im Wasser aufloste, durchfeihete und crystallistren oder bis-zur ^rocrniß abdampfen ließ. Marggrafvon der besten Art, das alkalische Wesen des gemeinen Salzes zu scheiden; im i. 25. scmer ch^m. ^6)r. S. r 44 §. 3i8. Daß aber auch die Salzsaure aus dem Salpeter in einer bestimmten Menge die Salpetersäure austreibe, wenn man ncmtich nach Herrn Marggrafeinen Theil gemeinen oder Rhomboidalsalpeter mit acht Theilen recht starker Salzsaure aus einer Retorte destiliirt, wo jene ganzlich zerlegt werden, und die Salpetersäure völlig ausgeschieden wird; das ist wol von nichts anderm, als von der übersetzten Menge herzuleiten, welche die Kraft der Anziehung des Alkali's zur Salpetersaure übersteigt, wenn man anders nicht Widersprüche in den Gesetzen der Verwandtschaft zulassen will. Doch könnten hierbei) auch mehrere Kräfte zugleich vereinigt wirken, wie die Anziehung der Salpetersaure zum Brennstoff der Salzsaure, und die Anziehung der letztern zur lebenslufcbasis der erster». Bsy dieser Phlogistisirung der Salpetersäure würde dann ihre 'Anziehung zum Alkali schwächer, als die der dcphlogisnsirten Salzsäure dagegen ist. S. Vcrchollecs oben (§. 810.) angef. Abhandlung. H. 8iY. Sonst treibt die concentrirte Salpetersäure nicht nur aus dem Küchensalze (§. g 17.), sondern auch aus allen salzsauren Neutral- und Mittclsalzen die Säure aus, und verbindet sich mit ihrem alkalischen Grund- thcile. Vergleicht man hicmit die Stufenfolge in der Verwandtschaft der Salpetersäure zu den Alkalien und Erden, so sieht man, baß vermöge einer doppelten Wahl- verwandt- 5 IQ V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Verwandtschaft zersetzt werden müßte: das salzsaure Ges rvachsalkal: durch salpetersaures Mineraialkali, salpe- tcrsaures Ammoniak, salperersaure Kalrerde, Talkerde, und Thonerde; das Aüchensalz durch salpetersaurcs Ammoniak, salperersaure Kalkerde, Talkerde und Thon- erde; der Salmiak durch salpetersaure Thoncrde; die salzsaure AalLerde durch salpetersaurcs 2lmmouiak, sal- petersaurc Talkerde und Thoncrde; die salzsaure Talks erde durch salpetersaurc Thonerde; die salzsaure Thons erde durch kein salpetersaurcs Neutral- und Mittclsalz; die salzsäure Gehrvcrerde durch alle salpetersaure Neutral- und Mlttelsalze, salpetersaurc Schwcrerde freylich ausgenommen. Diese Zersetzungen führe ich nur an, wie sie der Theorie nach erfolgen müßten, und überlasse es künftigen Versuchen und Erfahrungen, sie zu bestätigen oder zu widerlegen. Dephlogistisitte Salzsaure. H. 820. Man nehme eine gläserne Tubulatretorte nnt einem langen Halse, der unten wieder nach obenzu gekrümmt ist; man schütte i Theil fein gepulverten Braunstein in die Retorte, erwarme sie gelinde in einem Sandbade, und bringe ihre Mündung unter den Trichter der mit Wasser gefüllten Wanne des pneumatischen Apparats. Man gieße nun durch die Tubulirung z Thcile rauchenden Salzgeist auf den Braunstein in die Retorte. Es entsteht eine Art von Aufbrausen, und es entwickelt sich zuerst die atmosphärische lnft, die in der Retorte und ihrem Halse ist; bald aber wird das Innere der Retorte mit einer blaßgelben elastischen Flüssigkeit erfüllt, die als Gas in die Vorlagen übergeht. Man fängt dieses Gas in Gläsern mit eingeriebenen Stöpseln auf. §. 8-l. Mit Alkalien. Erden und Brennstoff. 5: - §. 8-1. Diese elastische Flüssigkeit, deren Erfinder Scherls ist, oder vielmehr ihre Basis, heißt dephlogistisirte Salzsäure s^cieium muristicum clepblnßistioät'im ), nach dem antiphlogistischen System aber simerstoffhah tige oder ox^gcrusirre Salzsäure (Kciäum murimi- cum oxv^snatum, Ackcis Außer der angezeigten Weise kann man sie auch so erhalten, daß man in der Retorte auf ein fein gepulvertes Gemenge von z Theilen Küchensalz und i Theil Braunstein, Theil Vitriolöl gießt, das man vorher mit gleichen Theilen Wasser verdünnt hat. L. W. Scheele vom Braunstein und dessen Eigenschaften; in Vcn schrvcvischen Abbanvl. vom I- 1774. G. s. chcin. Abhanvl. iH» i. S, 2oü» §. 822. Mit Unrecht nennt man die nach der vorher angeführten Art erhaltene elastische Flüssigkeit ein Gas (Las aciaum murislicum oxzAonutum. »m- Denn, wenn eine Gas- oder lustark sich durch die Permanenz ihrer Eiasticicät in der Kalte vom Dampfe unterscheidet (H. izo.), so kann ihr jener Name nicht zukommen. Die elastische dephlogistisirte Salzsäure gerinnt nervlich in der Kalte zu einer festen crystallinischen Masse, von spießigter Gestalt, die durch die Wärme wieder zur elastischen Flüssigkeit wird, wie der sel. Carsten zuerst beobachtet hat. Hr. VOcstrumb leitet die Ursach dieser Gerinnbarkeit mit von dem Braunstein ab, den die dephlogistisirte Salzsäure aufgelöst enthalt, und mitvcrflüchtiget hat, der sich auch durch ein Alkali aus der Auflösung der elastischen dephlogistisirten Salzsäure im Wasser fallen laßt, und in desto größerer Menge 512 V. Abschü. Mmeral. Sauren u. ihre Verbind. Menge darin ist, je concentrirtcr die zur Bereitung angewendete Salzsaure war. Rarsien phpfik. chcin. 2lbl,anvl. H,. II S. 151. ff. Ueber die Ursach der festen Gestalt, worin zuweilen das dcphlogistj- sche saizsaure Gas erscheint; von Herrn Udcsirnnid; in Lrells chein. 2lnn. 1790. B. II. S. 45. ff. §. 82z. Der Geruch der elastischen dephlogistisirten Salzsaure ist ungemein, stechend und stark, und hangt sich ziemlich fest an die Körper an. Sie röthct nicht nur erst blaue Pflanzensafte, sondern zerstört ihre Farbe und alle Pflanzenfarven überhaupt. Bringt man etwas Lackmus- tinctur in ein Glas, worin der Dunst der dephlogistisirten Salzsaure enthalten ist, so verschwindet die Farbe in kurzer Zeit ganz. Alle bunte Blumen und grüne Blatter werden darin endlich weiß. Die verlorne Farbe der Pflanzen laßt sich durch kein Alkali wieder herstellen. Auf diese die Farben zerstörende Kraft der dephlogistisirten Sahsäure gründet sich ihre Anwendung zum Kleichen, wovon in der Folge erst gehandelt werden kann. H. 824. In dem Dunste der dephlogistirten Salzsaure verlöscht eine brennende Wachskerze nach Fonrcroy nicht, sondern brennt darin fort, obgleich mit verminderter und dunkelcrer Flamme. Er ist also fähig, das Verbrennen zu unterhalten. Phosphorus, ja einige, sogar schwer verbrennliche, Körper, wie z. B. Kohle, Zinnober, Mineralkermes, graues Spiesglanzerz, Spiesglanzmecall, Arsenikmetall, Wismuth, Zink u. a. entzünden sich nach Herrn Wcstrumb darin von selbst, wenn man den Dunst vorher bis oder 70^ Fahrenheits erwärmt hat, nicht zu wenig davon anwendet, und jene Substanzen gcvulvert hineinschüttet. Die dephlogisri- sirte mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 iL sirte Salzsäure wird hierbei) ganz oder zum 5heil in gemeine Salzsäure verwandelt, die nnt den verbrannten Rückständen jener Körper mannichfaltige Verbindungen eingeht. Wegen jener Fähigkeit nennt Hr. VOeftrumb den Dunst der dephlogistisirten Salzsäure auch zündcns des Galzgas. Ucber das Gas der dephlogistisirten Salzsäure von H..; m Lrclls Hcpcr. vcn chem. 2limalen, l. Sc, z. S. zg. ff. Lxtc-ilr ä'rcn I^lemolre für la combccilion cle xlulieccrs corp5 äsns le gcläe mur!st!gue oxiAenö, psr IVlr. rir f'o»? .' in Vcn cic (.Vn/nie /. 77^. G. 249. ff. t'ebee San Verbrennen vcrstlncdencr Zxoe, per im Vcphlogstnsirren falzfamcn Gas, von Lourcrop; überf. in Grens Jonen, ser Pbpf. 25. II. S. 446. sf. Neue Bemerkungen über einige merkwürdige Erscheinungen durch die dephiogistisirte Salzsäure, von Hrn. IVestrumb; in Erclls ckem. Annal. 1790. Z5. I- S. Z. ff. S. 109. ff. Bemerkungen über die Entzündung mehrerer Körper durch brennstofflecre Salzsäure, von Hrn. Prof. Arbogast, mit Erläuterungen von Herrn IVestrumb, ebenvaf 1791. B. I. S. 10. ff. S. 1Z7. ff. §. 825. Ucbcrhaupt wirkt die dephlogistisirte Salzsäure mit beträchtlicher Kraft auf vcrbrennliche Körper, und verändert sie. So zersetzt sie auch den Schwefel in der Wärme, und verwandelt ihn in Schwefelsaure; sie selbst wird zur gemeinen Salzsäure. §. 826. Der Dunst der dephlogistisirten Salzsäure tobtet Thicre sehr schnell, lind ist ganz irrespirabel. Er erregt, wenn man ihn in die Lunge einzieht, einen konvulsivischen Husten. §. 827. Vom Wasser wird die elastische dephlogistisirte Salzsäure eingesogen, und zwar noch schneller, als das koh- GrcnsEhemic.!. Tl>. Kk lensaure lensaure GaS. Kaltes Wasser nimmt mehr davon auf, als heißes. Man kaim daher den Dunst nicht durch Wasser sperren, und bis jetzt kenne ich keine Flüssigkeit, womit dies geschehen könnte. Denn das Quecksilber wird, wie alle Metalle, sogleich davon aufgelöst. Glaser mit eingeriebenen Stöpseln dienen deswegen am besten zu ihrer Aufbewahrung. Das Wasser, das mit dem Dunst der dephlogistisirten Salzsäure angeschwängert, und gesattigt worden ist, hat eben den Geruch und eben die Kraft auf Pflanzenfarben, als der Dunst selbst, und eben die auflösenden Kräfte. Man könnte dies Wasser liquide dephloglstlftrce Galzstiure im Gegensatze der elastlU>m oder der dunsiförmigcu nennen. 828. Wenn man das mit dem Dunst der dephlogistisirten Salzsäure angeschwängerte Wasser in einer weißen gläsernen Retorte, die mit dem pneumatischen Apparat verbunden ist, den Sonnenstrahlen aussetzt, so entwickelt sich eine ziemliche Menge der reinsten Lebenslust, und die übrige Flüssigkeit wird gemeine Salzsäure. Bloße Wärme allein, ohne Licht, entwickelt sie nicht. §. 829. Das Stickgas, das kohlensaure Gas, und das brennbare Gas erleiden von dem Dunste der dephlogistisirten Salzsäure, womit man sie zusammenmischt, keine Veränderungen. Ein Gemisch aus brennbarem Gas und dem Dunste der elastischen dephlogistisirten Salzsaure läßt sich aber entzünden, und verbrennt mit einigem Schlage. Es bilden sich weiße Nebel, die sich rheils zu gemeiner Salzsäure, theils zu Wasser verdichten, und die beiden vorigen elastischen Flüssigkeiten werden zerstört. §. 8zo. Wenn man ein Glas, worin Ammoniakgas enthalten ist, öffnet, und ein anderes, das den Dunst der dcphlo- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 l 5 beplogistisirten Salzsäure enthalt, darüber halt, so entstehen sogleich unter Erwärmung eine Menge weißer Nebel, die nach gemeiner Salzsaure riechen. Das Am- moniakgas wird bcy der Vermischung mit dem Dunste der dephlogistisirten Salzsaure völlig zersetzt; es entsteht eine Art von Verbrennung; es bildet sich Stickgas, Wasser, und gemeine Salzsaure. Ist des Ammoniakgas zu viel, so entsteht aus ihm und letzterer auch gemeiner Salmiak. Diese Erfahrung bestätigt die Zusammensetzung des Ammoniaks (hp. zaz. 741.). Gießt man in ein Glas, das Zo bis 40 Cubikzoll erwärmten Dunst enthalt, mit eiucmmale zwei) O.uenrchen starken atzenden Salmiakgeist, so wird das Glas unter sausendem Geräusch mit rothem Fetter erfüllt, und heftig erhitzt. Zöerrhollcc'a oben (§. 741.) cmgcf. Vbandi. Npestrumb a. tp. in Cr. Ann. 1790. L>» i. S. 20. §. 8Zr. Das Salpetcrgas wird vom Dunste der dephlogistisirten Salzsaure zersetzt; es bilden sich rothe Nebel unter Erwärmung; und beide elastische Flüssigkeiten werden eben so zerstört, als wenn man Lebenslust zum Salpetergas bringt. Es erzeugt sich aus beiden ein Gemisch von phlogistlsirter Salpetersäure und gemeiner Salzsäure. H. 8Z2. Auch das hepatische Gas wird von der dephlogistisirten Salzsäure zersetzt, und es schlägt sich svwol aus dem Gas selbst, als aus dem hepatischen Wasser, das man damit in Berührung bringt, Schwefel nieder, während die dephlogisiisirte Salzsäure zur gemeinen Salz- saure übergeht. Kk 2 Neutrab ) 16 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Neutral - und Mittelsalze mit dephlogistisirter Salzsaure. H. 8ZZ. Die dephlogisrisirte Salzsäure zeigt in ihren Verbindungen mit Alkalien und Erden ein anderes Verhalten, als die gemeine Salzsaure. Bringt man den Dunst derselben an eine lauge vom feuerbeständigen Altali odervom Kalkwasser, so wird er davon weit schneller eingesogen, als vom Wasser allein. Die mit der dephlogistisirten Salzsaure bereiteten Neutral- und Mtttelsalze nennt man in der neuern französischen Nomenclacur 8Z 4- Mit dem Gewächsalkali gesattigt giebt die dephlogisrisirte Salzsaure ein Neutralsalz das nach Hrn.Äerrhollct in rhomboidalischen, nach Hrn. Trommsdorff in sechsseitigen flachen, auch in fünfseitigen prismatischen Crystallen, mir dachförmig abgestumpften Enden, anschießt. Die Crystalle sind nicht zerfließend. Ihr Geschmack ist kühlend und salzigt. Kochendes Wasser löst viel mehr davon auf, als kaltes; und das Salz schießt durch Erkalten an. Dies Neutralsalz zeigt auf Pflanzcnfarben noch eben die zerstörende Kraft, als die dephlogisrisirte Salzsäure selbst. In der Hihe schmelzt es erst ruhig für sich, ohne zu knistern, wird aber nachherwieder zu gemeinem salzsauren Gewächsalkali. Bringt man es in einer beschlagnen gläsernen Retorte, die mit dem pneumatischen Apparat in Verbindung ist, in die Hihe, so entwickelt sich daraus im Feuer die reinste Lebensluft, und der Rückstand ist gemeines salzsaures Gewächsalkali (Digestivsalz). Das Salz zeigt einige ähnliche Eigenschaften vom Salpeter. Trägt man es mit Kohlenstaub vermischt in einen glühenden Schmelz- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 517 Schmelztiegel, so entsteht eine heftige Verpnffung. Auch mit dem Schwefel verpufft es in der Glühehitze. Mit Phosphor zusammengcricbcn entsteht eine heftige Detonation mit einem starken Knall, die leicht für den Arbeiter gefährlich werden kann, und mit einem heftigen Schlage begleitet ist. Die Schwefelsaure treibt nach Hrn. Trommsdorff daraus wieder dephlogistisirte Salzsaure aus. Veelhollet in ttrcllg chcm.Ann. 1787. B. II. S. 57. Ueber einige neue Mittelsalze mit der dephlogistisirten Salzsäure, von Hrn Dollsuß; ebendaselbst 1788. 27 I. G. zig. ff. Ucdcr das Neutralsalz aus dcphlogistisirter Salzsaure und Pflanzenalkali, von Hrn. Troimnndorff, ebendas. 1792. D. I. S. 422. f. XVurzen, cbcnvaf. II. L>. S. 402. §- 8Z5- Mit dem Mineralalkali und der dephlogistisirte» Salzsäure erhielten Hr. Dollfuß undGadolin ein Neutralsalz in prismatischen Cry- stallen, das auch auf glühenden Kohlen, wie Salpeter, verpufft, und in seinem übrigen Verhalten dem mit Gc- wachsalkali bereiteten Salze ahnlich ist. Dsllfust a. a. O. S. z 21. f. §. 8z6. Das Ammoniak wird von der dephlogistisirten Salzsäure zersetzt, wie ich schon vorher (§. 8zo.) angeführt habe; die letztere wird zur gemeinen Salzsaure, die sich dann mit dem überschüssig zugesetzten Ammoniak zum gemeinen Salmiak vereiniget. H. 8Z7. Vom Kalkwasser wird der Dunst der dephlogistisirten Salzsäure verschluckt; man kennt aber zur Zeit diese Verbindung der dephlogistisirten Salzsäure mit der ^xalk- K k z erde 5is V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. erde nicht hinreichend; und eben so wenig die mit Talk» erde, Thoncrde, und Gcbwererde. Theorie der dephlogisiisirten Salzsaure. H. 8Z8. Nach dem antiphlogistischen System unterscheidet sich die oxygenisirre Salzsaure von der gemeinen nur durch ein größeres Verhältnis, von Oxygenc oder Basis der Lebenslust gegen die säncrbare Grundlage. Die säucrbare Grundlage der Salzsaure ist nemlich, wie die säuerbare Grundlage der Schwefelsäure, oder wie der Schwefel, verschiedener Grade von Orygenirung fähig, und gicbt so verschiedene Provucte. Aber ein Ueberschuß des Oxy- gens bringt darin eine ganz andere Wirkung zuwege, als er beym Schwefel thut. Der letztere wird dadurch feuerbeständiger und erlangt mehr Verwandtschaft zum Wasser; die säucrbare Grundlage der Salzsäure hingegen wird dadurch flüchtiger, minder mischbar mit dem Wasser, ja sogar minder sauer. Wenn also gemeine Salzsäure über Braunstein abgezogen wird, so entreißt sie ihm Oxygen, wird dadurch flüchtig, und geht in der Hitze als elastische Flüssigkeit über. Dieser Dunst besteht demnach aus Wärmestoff, (Lichtsioff,) Oxygen, und säu- crbarer Grundlage der Salzsäure; und aus diesen Bc- standtheilcn erklärt man die Phänomene, welche derselbe zeigt. Viele verbrennliche Körper entziehen nemlich bey einem gewissen Grade der Temperatur der oxygcnisir- ten Salzsäure einen Antheil ihrer Lebensluftbasis und verwandeln sie in gemeine Salzsäure; sie verliert folglich ihren elastischen Znstand, und ihr Wärmestoff, so wie der stillschweigend barin angenommene Lichtstoff, wird frey, und bildet Feuer (§. 821.). Beym Ausstellen dcS mit dieser Säure augeschwanaerten Wassers an dieSon- Renstrablen verbindet sich der Wärme- und Lichtstoff mit einen! mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 519 einem Antheile ihres Oxygens, das nun als Lebenslust entweicht, und der Rückstand wird gemeine Salzsäure (tz. 823.). Wie die Zersetzung des Ammoniaks(tz. gzo.), des Salpetergas (§. 8z'.), des hepatischen Gas (§. 8 z2.), des brennbaren Gas bey der vorhergehenden Entzündung (§. 829.), durch die oxygenisirte Salzsaure nach diesem System erklärt werden, wird man nun leicht be- urthcilcn. Die starke cxplodirende Kraft des aus dieser Säure und dem feuerbeständigen Alkali verfertigten Neutralsalzes mit verbrennlichen Dingen in der Hitze (§. 8Z4-) leitet Hr. schavenster von der großen Menge des Wärmcstoffs her, den die Säure auch bey der Sättigung mir 'Alkali noch gebunden zurückbehalt. Wenn man das Neutralsalz für sich allein in die Hitze bringt, so bemächtigt sich der Wärmcstoff eines Antheils des Oxygens, und verwandelt es in Lebensluft, und das Alkali bleibt nun mit gemeiner Salzsäure gesättigt zurück (§- 8Z4-). sbaveusier S. 70, f. Nertbollct über die cntbrcnnbarte Kochsalzsäure ^ aus den -tc t'acacü,-07. 17L5. S. 276. A übers, in Lrclls chcm. Anna!» 1790. ZS. II. S. 44z. ff. §. 8ZY. Man muß leicht einsehen, daß bey der vorher angeführten Erklärung eine Lücke stattfindet, die das antiphlogistische System nicht ausfüllt. Denn, wenn man auch annimmt, daß das Licht, das bey dem Verbrennen der Körper in der elastischen dcphlogistisirten Salzsäure zum Vorschein kömmt, in der letztern gebunden zugegen gewesen scyz so bleibt dabcy doch die Frage unbeantwortet, woher sie ihr Licht empfangt, ob aus dem Braunsteine, oder aus der gemeinen Salzsäure? Die Lehre vom Brennstoff kann diese Lücke ausfüllen , wenn sie mit der antiphlogistischen Lehre vereiniget wird. Ich nehme also Kk 4 an, 52O V.Abschü. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. an, daß die gemeine Salzsäure, wenn sie über Braunstein abgezogen wird, nicht blos noch mehr Basis der Lebensluft von ihm aufnimmt, sondern ihm auch ihren Brennstoff dagegen überlaßt, und daß also hierbei) eine doppelte Wahlverwandtschaft stattfindet. Der Antheil der gemeinen Salzsaure, der solchergestalt dcphlogistisirt und mit mehr jebenslustbasis verbunden worden lst, geht in der Warme als elastische Flüssigkeit über; der phlogistisirte Braunstein aber bleibt von der übrigen gemeinen Salzsaure aufgelöst zurück. Der Dunst der dephlogistisirten Salzsaure besteht demnach aus Warmestoff, Lebensluft: basis, und sajzsaurcr Grundlage. Werden ben einem hinlänglichen Grade der Wärme gewisse entzündliche Körper hineingebr cht, so verbindet sich ein Antheil der!e- benöluftbasis der dephlogistisirten Salzsäure mit der Grundlage dieser verbrennlichcn Substanzen, und der Brennstoff der letzter» mit dem Wärmestoff der erstem. Es entsteht Feuer, die dcphlogistisirte Salzsäure wird zersetzt, und durch gleichzeitige Phlogistisirung wieder zur ! gemeinen (§. 824.). Wenn man das mit dephlogistisir- j ter Salzsäure angeschwängerte Wasser dem Sonnenlichte ausstellt, so verbindet sich die Basis des Lichts oder der Brennstoff mit der salzsauren Grundlage, und bildet ge- ! meine Salzsäure; die Lebensluftbasis hingegen tritt mit dem Wärmestoff zusammen als Lebensluft aus (§. 828.). Wenn Ammoniak mit elastischer dephlogistisirtcr Salzsäure in der Warme zusammengebracht wird, so tritt der Brennstoff des Ammoniaks theils an die salzsaure Grundlage der dephlogistisirten Salzsäure, und macht gemeine Salzsaure, während ein Antheil Lebensluftbasis der letztem mit dem Hydrogen des Ammoniaks Wasser bildet; das übrige Brennbare des Ammoniaks bildet mit dem Wärmcstoff der dephlogistisirten Salzsäure auch wol Feuer, wenn die Temperatur hoch genug ist, und also Brennbares genug entlassen werden kann(§. 8zo.). Das mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 21 Azote des Ammoniaks bleibt hierbei) zurück. Mischt man Salpetergas und dephlogistisirte Salzsäure zusammen, so entzieht das erstere der letztem einen Antheil Lebensluftbasis, und wird Salpetersäure; die letztere nimmt dagegen vom Brennstoff das Salpetergas auf, und wird gemeine Salzsäure (§. 8z r.). Wenn man das mit de- phlogisiisirter Salzsäure gesättigte feuerbeständige Alkali in die Giühehitze bringt, so nimmt die salzsaure Grundlage wieder Brennstoff oder Lichtbasis auf, und überläßt ihre Lebensluftbasis dem Wärmestoff. Es entwickelt sich folglich Lebensluft, und der Rückstand enthält wieder gemeine Salzsäure. §. 840. Lebensluft und salzsaurc Luft zusammengebracht geben keine dephlogistisirte Salzsäure. Die starke Anziehung der Basis der erstem zum Wärmcstoff hindert, daß die salzsaure Grundlage der letztern diese Basis aufnehmen und ihren Brennstoff dagegen entlassen könnte. H. 841. Wenn man auch den Braunstein in einem offenen Tiegel anhaltend und stark genug geglühet hat, so verwandelt er die gemeine Salzsäure doch noch in dephlogsi siisirte. Durch dies bloße Glühen verliert er nemlich weder alle Basis der Lebensluft, noch wird er mit Brennstoff gesättigt. Königswasser. §. 842. Man hatte schon in den altern Zeiten beobachtet, daß ein Gemisch aus Salzsäure und Salpetersäure andere Eigenschaften und auflösende Kräfte habe, als die einzelnen Säuren desselben für sich besitzen, und gefun- Kk 5 den, 522 V. Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. den, daß ein solches Gemisch das Gold auflöse, welches weder die Salpetersaure, noch die gemeine Salzsäure für sich zu thun vermögend sind. Die Alchemisten gaben deswegen diesem Gemische den Namen Ixo uMwaster (/tgug rezis, 'vT), weil es den König der Metalle, das Goch, auflösen könne. Man nennt es auch Golds jcbeideroasser, und nach der neuen Nomenclatur sißs petcrjaltre Salzsäure (eVeiäum nitro - murisckcumz §. 84Z. Wenn man einen oder zwey Theile starke und ftr- benfreye Salpetersäure mit vier Theilen rauchendem Salzgeist zusammenmischt, so entsteht eine Erhitzung und ein Aufbrausen, und man bemerkt, wenn man die Mischung in einer Luftgeräthschaft macht, daß sich dephlogisnsim Salzsäure entwickelt; so wie sie übergeht, färbt sich die rückständige Flüssigkeit; aber es entbindet sich keine Sal- peterluft, die auch mir der dcvhlogistisirtcn Salzsäure Nichtbestehen kann (§. 8z 1.). Dcrcbollct Bemerkungen über das Königswasser nnd einige Verwandtschaften der Kochsaizsäurc; avs ven Mcm. Äe /'ac. soz/. -ic.c^/c. S. 269. überftyc n: Lrclls chemischeii 2innalen 1791. Ii. S. iz6, ff. §. 844- Es entzieht also in diesem Prozeß nach einer doppelten Wahwerwandtschast die Salpetersäure der Salzsäure den Brennstoff, und tritt ihr dagegen einen Anthcil !e- bensluftbasis ab. Die Salpetersäure wird also phlogisti- sirt, und die Salzsäure dcphlogististrt; da aber letztere flüchtig ist, so erhebt sie sich, und zwar um so mehr, je mehr das Gemisch erhitzt wird. Die Salpeterluft, die zugleich mit übergeht, wird von der dephlogisiisittcn.Salzsäur: wieder zersetzt, und zersetzt auch diese; es findet sich daher mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 52z daher in dem Wasser der Mittelflasche gemeine Salzsaure und Salpetersäure; die übrige dephlogistisirre Salzsaure geht unzersetzt in die Vorlagen über. Das Königswasser ist demnach ein Gemisch aus Salpetersaure und dephlo- gisttsirter Salzsaure. §. 845- Es erhellet hieraus, warum es nur wenig Salpeter- saure bedarf, um der Salzsäure die Eigenschaften des Königswassers zu geben; warum man ein minder wirksames Königswasser erhält, wenn man sich, bcy übrigens gleichen Umständen, der phlogistisirten statt der dephlogi- stisirten Salpetersäure bedient; und endlich warum das Königswasser eine andere auflösende Kraft hat, und warum seine Verbindungen mit Körpern andere Resultate gewahren, als die Salpetersäure oder die gemeine Salzsäure allein. §. 846. Das Königswasser hat einen eigenthümlichcn, starken Geruch, und gewöhnlich eine gelbliche Farbe. Es entwickelt im Sonnenlichte Lebenslust. Es bringt, mit Wasser zusammengemischt, Warme hervor, und liefert mir den Alkalien und Erden gemischte Neutral- und Mit- telsalze, die Salpetersäure und dcphlogistisirte Salzsaure zu Bestandtheilen haben, und sich nach Maaßgabe ihrer Auflöslichkeit und Crystallisirbarkeit von einander trennen lassen. §. 847. Sonst verfertiget man das Königswasser zu besonder« Anwendungen, besonders zur Auslösung gewisser Nietalle auch so, daß man Salmiak oder Küchcnsalz in Salpetersäure auflöst. 5-4 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Flußspathsaure. Auch aus dem feingeriebenen Flußspathe treibt da, zu gegossenes starkes Vitriolö sogleich eine eigene Art von weißgrauen scharfen Nebeln heraus, die einen Geruch wie Salzsäure haben. Wenn man auf ganz fein gestoßenen Flußspath gleiche Theile Vitriolöl in einer gläsernen Retorte gießt, und nachdem man eine Vorlage, in welche man vorher etwas Wasser geschüttet, und die Fugen mit dem dichtesten Kütte wohl verwahrt hat, die Destillation im Sandbade bey allmählich verstärktem Feuer anstellt, so sammlcn sich diese Nebel in der Vorlage. So wie sie aber die Oberstäche des Wassers berühren, bildet sich daselbst, und allenthalben, wo die Vorlage inwendig feucht ist, eine weiße erdlgre Rinde, und die Retorte selbst wird undurchsichtig und angefressen. Sie halt es niemals so lange aus, daß man eine etwas beträchtliche Quantität der Säure daraus destilliren könnte. Das Wasser in der Vorlage erhält die allgemeinen Eigenschaften einer Säure. Diese erhaltene saure Flüssigkeit ist die Flußspathsaure (4ciäum llnoricum, iluoris lninorsliz, §. 849- Die Flußspathsaure besitzt einen Geruch, welcher dem der Salzsäure ungemein ähnlich ist; und auch im Geschmacke zeigt sie viele Ähnlichkeit. Da die wasser- freye oder concentrirte Flußspathsaure eigentlich nur in Gasform erscheint, so muß man sich des vorgeschlagenen Wassers bedienen, um dies Gas aufzulösen, und deswegen kann man sie so wenig, als die Salzsäure, sehr con- centrirt erhalten. Wegen feiner brennbarer Theile, die dem Flußspathe gewöhnlich ankleben, ist die erhaltene Flußspathsaure auch wol mit etwas schwefligter Säure ver- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 - 5 verunreiniget, welches vermieden werden kann, wenn man den Flußspach vorher erst eine Zeitlang calcinirt. H. 850. Bey dieser Destillation derFlußspathsäure aus einer gläsernen Retorte findet sich nicht nur das vorgeschlagene Wasser und das innere Gewölbe und der Hals der Retorte mit der weißen erdigten Rinde (H. 848.) überzogen, sondern es entsteht auch bey dem Zusätze des Ammoniaks zu der durchgeseiheten Säure selbst ein gallertartiger Niederschlag, der nach der Absonderung durch ein Filtrum und nach dem Aussüßen mit den erwähnten erdigten Thei« len völlig übereinkömmt, wenn man diese ebenfalls aus- gesüßt hat. Beide haben dann keinen Geschmack, lösen sich im Wasser gar nicht auf, und in keiner andern Saure, schmelzen für sich allein im Feuer nicht, mit feuerbeständigem Alkali aber zu einem wirklichen Glase. Sie sind also eine wahre Aiestlerde. Wenn man die Fluß- spathsäure nochmals für sich allein aus einer gläsernen Retorte destillirt, so zeigen sich wieder dieselben Erscheinungen; eine erdigte Rinde auf dem vorgeschlagenen Wasser, ein solcher Ueberzug in dem innern Gewölbe und Halse der Retorte, und ein.Anfressen dieser Theile. H. 85t. Wir verdanken die Entdeckung dieser Säure und ihrer Eigenthümlichkeit dem sel. Scheele. Es folgt aus allen Umständen, daß die Flußspathsäure das Vermögen habe, was keine einzige bis setzt bekannte andere Säure besitzt, die Kieselerde nicht nur aufzulösen, sondern sie auch mit zu verflüchtigen, und in Dunstgestalt überzuführen; daß ihre Anziehungskraft zu derselben geschwächt werde, wenn sie Wasser in der Vorlage antrifft, und dieselbe daher aufdie Oberfläche des Wassers absetze; und daß die Säure in in gläsernen Gefäßen niemals rein erhalten werden könne. Zur Bereitung einer remm Flu^parhsäure muß also die Destillation des Flußspaths in einer zinnernen oder bleyernen Retorte vorgenommen werden, mir einer bleiernen Vorlage, oder einer solchen, die auf der innern Fla- ! che mit Wachs überzogen ist. Oel, Weingeist, bringen Hey der aus gläsernen Gefäßen destillirren Flußsparhsäure die erdigte Rinde nicht zuwege, wenn sie in der Vorlage vorgeschlagen sind. T. vv. Scheelens Untersuchung des Flußspathes und seiner Säure, aus den scheues. Abbansl, 1771. S. 122 ff. übers l scyr in Trells clicm. Journal, Tb. ll. S. 192. ff. Ebcns veflelbcn neue Beweise der Eigenthumlichkeit der Flußspalh- j saure; in Trells cbenr. Annal. 17L6. Ä> l. S z.ff. Nach Entdeckung dieser Säure, die Marggraf zwar zuerst wahrnahm, Scheele aber als eigenchümlich bewies, war man sowol über ihre Natur und Identität, als über den Ursprung und die Beschaffenheit der dabey in gläsernen Gefäßen gebil- 1 Veten erdigten Rinde ungewiß. Man hielt jene, wie Pciejb lev und Mannet, bald für eine besonders inodificirte Vitriol- ! säure oder Schwefelsaure, bald, wie Boulangcr und Abils gaarv, für eine Salzsaure, welche die Kieselerde verflüchtiget hätte, bald, wie Sage und Bosc D'Amic, für eine besondere Abänderung der Phosphorussäure; diese hingegen hielten Scheele und Bergmann erst für wahre Kieselerde, welche aus der Verbindung der flußspathsanren Dämpfe mit dem Wasser ganz neu entstanden und erzeugt wäre; Hcrr Ackarv hingegen behauptete, daß sie eine ganz besondere, eigene Erde sey, welche sich mit der angewendeten Schwefelsäure verflüchtige, und es auch mit andern Sauren thue, durch Alkalien wieder davon getrennt werde, und alkalischer Natur sei). Er nennt sie flüchtige FlußspacherSe. Scheele a. a> O. in Trells chem. Journal. ex- xerimeut«, releurcchez snä oblervutiorw ou tbe vi'treous 8pur. Uonä. 1775. 8- Einige Versuche mit Flußspath und Zlußspachsäure von l). p. L. Abilgaarv; ans ven Schriften scr Socicrac zu Topcnhagen, übers, in Trells neuesten ^ lLntSeck. Th. II. S. 168. im stc j D. X. S. ro6. m ch/c»/. ste stscimu/- S. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 527 S. ;8. Lo/c in seinen t)e»ur. D. II. S. 17. in seinen ox?c/c. x/^c// cfieut. ?'. II. S- 44. Acharv über die Veränderungen, welche die Metalle, die metallischen Kalke, die einfachen Erden und die ganze Substanz- von der flüchtigen Flußspatherde im Schmelzfeucr erleiden; irr seiner Samml. phzch mein. Abhansl. V. l- S. ZZ2. unk» in Erclls ehem. Annal. I. 1785. B. I. S. 145. Den wahren Ursprung der erwähnten erdigten Substanz hat aber zuerst Hr. wieglet? aufgedeckt, da er den genauer Untersuchung fand, daß die zur Destillation der Flußsparhsäure angewendete Retorte ohngefähr um so viel am Gewichte abgenommen hatte, als die erhaltene Erde betrug, und die Netorte inwendig zerfressen war. Er schloß aH?, daß diese Erde kcineswegcs aus dem Flnßspathc selbst herrühre, sondern allerdings durch die eigene Säure desselben aufgelöstes und abgesetztes Glas sey, und daß die Flußspathsäure überhaupt darin von allen andern Säuren wesentlich verschieden sev, daß sie das Vermögen besitze, das Glas und die Kieselerde aufzulösen. Diese Wahrheit ist nun ganz außer allen Zweifel gesetzt, nachdem HerrScopoli in silbernen vergoldeten, Herr Wenzel in bleyernen, und Hr. Mcher in zinnernen Gesäßen die Flußspathsäure aus dem Flußspath entbanden, und hier nichts von dieser Erde weder auf dem vorgeschlagenen Wasser, noch durch Zusatz eines Alkali erhielten. Wol aber erhielten die letztern, bcym Zusatz des Quarzes oder Sandes, in metallenen Gesäßen alle Erscheinungen, wie bcy der Destillation der Säure aus gläserne» Retorten. Hr. Scheele und Bergmann gaben daher auch ihre Meinung von der Erzeugung dieser Kieselerde wieder auf. Scheelen? Anmerk. vom Flußspath gegen Herrn Bonlanger und lMonncr; in den schwcv. ÄbhanSl. 1730. S. 81. L. a. O. D. III. S. Z57- anniese cl>^ migne, D. ll. S. 45- Qbiegleba chemische Untersuchung der Ziußspathsäure in Absicht der daben befindlichen Erde, in Crclls n. Entdeck. Th. l. S. z. Scopoli, in den chcm. Annale», Z. 1784« V. I. S. -z6. Wenzels chcm. Untersuchung des Flußspathcs, Dresden 178z. 8- lMeyer, m den chcm. Annalcn 1785. B. II. S. 520., uns in ven Schriften ver Bcrl. Gesellsch, naturforschenser Freunde, B. II. Nr. 16. §. 852. 528 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. H. 852. Die bey der Destillation der Flußspathsäure aus gläsernen Gefäßen in dem Gewölbe und dem Halse der Rerorce befindliche weiße Erde ist nicht ganz reine Kieselerde, sondern bestehr aus dieser, aus Flußspathsaure, und dem Alkali des Glases. Es ist daher auch kein Wunder, daß sie nach Hrn.Achards Versuchen schmelzbar war. Auch bey dem Niederschlagen der Kieselerde aus der Flußspathsaure, worin sie aufgelöst ist, durch .Gewächsalkali, ist sie, nach Scheelenv Versuchen, mit fixem Alkali und Flußspathsaure verbunden, und deswegen in vielem Wasser auflöslich, im Feuer leichtflüssig, und gicbt endlich bey fortgesetztem Schmelzen ein klares Glas, das alkalisch ist, und beym Zerfließen oder Auflösen im Wasser eine wahre Kieselfeuchtigkeit abgäbt. Nur beym Niederschlagen mit Ammoniak erhält man nach dem Aussüßen die Kieselerde aus der Flußspach- säure rein. h. 85Z. Der Rückstand nach der Destillation desFlußspaths mit Vitriolöl (§. L48.) ist ein wahrer Gyps, wenn anders Schwefelsäure genug zur Zerlegung des erstem angewendet worden ist. Immer aber enthalt er noch etwas weniges Alaun und andere, besonders metallische Zhcile. Der Flußspath bestehet also aus Kälkerde und seiner eigenen Säure, der Flußspathsäure, die wegen ihrer besondern Eigenschaften und Verhaltnisse auch mit Recht eine eigene Grelle unter den Säuren des Mineralreichö verdient. Thonerde und metallische Thcile gehören ohne Zweifel nicht wesentlich zur Mischung des Flußspathcö. Flußspalhsaures Gas. §. 854. Ohne vorgeschlagenes Wasser würde man durch conccntrirte Schwefelsaure aus dem Flußspathe wenig over mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 529 oder keine Saure desselben in den Vorlagen sammlen können. Denn diese wird ebenfalls, wie die Salzsäure, in luftförmiger Gestalt entbunden, und erst vom Wasser hernach eingesogen. Man erhalt daher eine wirkliche bleibende Luft, das fuißlpathsaurc Gas, das F!ujsspatl?s Aas acillum llunricum, Aas lluorlz mine-ralis, «Li- ilunr-wus, Wenn man die Destillation des Flußspaths mit Vitrwlöl 848.), vermittelst des Queckfilberapparats vornimmt. Herr pristte? ist auch von dieser Luftart der Erfinder. §. 855- Das flußspathsanre Gas ist der atmosphärischen luft in den allgemeinen Eigenschaften einer Luft ganz ahnlich; aber, so wie in seiner Mischung, so auch in seinem besondcrn Verhalten, von dieser und allen andern Luftarten verschieden. Es wird sogleich zerseht, und in weißgrauen Dampf verwandelt, wenn es die atmosphärische Luft berührt, zumal wenn diese feucht ist, wobey sich Wärme erzeugt. Es wird vom Wasser schnell verschluckt; und wenn es aus gläsernen Gefäßen destillier worden war, so bildet sich auf dem Wasser sogleich jene erdigte kieseligte Rinde, unter mancherlei) artigen Gestalten, nicht aber wenn es aus einer metallenen Retorte entbunden wird. Das Wasser, welches das Gas eingesogen hat, ist wahre Fiußspathsaure. Das Gas ist schwerer als die atmosphärische Luft. Es dient mcht zum Verbrennen, sondern löscht die Flamme auS; ist irrcspwabel und tödret die Thiers schnell. Es besitzt den Geruch der Küchensalz- säure, und den sauren Geschmack; es röthet den Violen- syrnp und die Lackmustinctur. Das Kalkwasser wird sogleich davon getrübt, auch wenn es aus metallenen Gefäßen destillirt worden ist. Ammoniakgas und flußspath- saures Gas verlieren beide, wenn sie zusammenkommen, ^gleich unter Erwärmung, ihren luftigen Zustand, und Grens Chemie, i. Th. 5 l bilden 5zo V. Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. bilden einen salzigten Niederschlag. Das Verhalten gc: gen andere Gasartcn ist noch nicht hinlänglich geprüft. Auf das Glas und die Kieselerde wirkt das Gas in der maßigen Temperatur und Kalte nicht, wol aber, wenn es erhitzt wird. H. 856. Alle Umstände bringen es zur Gewißheit, daß das flnßspathsaure Gas Flußspathsäure sey, welche, durch die Aufnahme von Wärmematerie, in den Zustand einer wahren, luftförmigen Flüssigkeit gebracht ist. Das Wasser, womit das flußspathsaure Gas in Berührung kömmt, zieht die Basis, die Flußspathsäure daraus in sich, «nd Warmcstoff wird frey. Die Zersetzung des flnß-. spathsaurenGas an der respirabelcn Luft ist wol nicht bloß der Feuchtigkeit der letztern zuzuschreiben, sondern es geht hier ohne Zweifel etwas Achnliches, obgleich in weit mindern: Grade vor, als bey der Zersetzung des Salpecergas durch Lebenslust. Die Absetzung der kieseligten Rinde auf das Wasser, wenn das Gas ans gläsernen Gefäßen dcstillirt, oder sonst Kieselerde beym Flußspathe war, lehrt uns den sonst kaum glaublichen Satz, daß auch die feuerbeständige, feste, schwere Kieselerde durch Hülfe dieser Säure nicht nur verflüchtiget, sondern auch damit in den luftförmigen, elastischen Aggregatzustand versetzt werden könne. §- 857. Das in gläsernen Gefäßen entbundene flußspath- saure Gas ist schlechterdings nicht für rein zu halten, wegen der aufgelösten Kieselerde. Demohngeachtet unterscheidet sich das Gas in seinem reinen Zustande wesentlich von dem salzsauren Gas, mit dem es sonst viel Aehnlich- keit hat, dadurch, daß es das Kalkwasser niederschlagt, welches das letztere nicht thut. H. 858 mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 z 1 H. 858. Die Analogie mit andern Säuren läßt schließen, daß die Flußsparhsäuce aus der Basis der Lebenslust, oder einem eigenen Ravical bestehe; bis jetzt hat man aber so wenig die crstere, als das letztere daraus darstellen tonnen. Mir ist es aus den Erscheinungen des flußjpach- sauren Gas wahrscheinlich , daß die Flußchathsäur. noch brennbares Wesen enthalte, lind nach Abscheidung desselben, wie die Salzsäure, in einem ganz andern Zustande erscheinen würde. Diese gemeine Fsichpathsäure sollte also in der neuen Nomenclatur, wenn diese consequent seyll will, nicht seilten» üuoricmn, lokale sondern Aciänm sinnen tum , /sents geuaunt werden. Die Darstellung der vollrommcneu oder dcphlos gisttsirren Flußspathfäurc vermittelst des Braunstems verdient noch eine weitere Untersuchung. Flußspachsaure Neutralsalze. §. 85?. Mit dem Gewachsalkali liefert die aus gläsernen Gefäßen destillirte Flußspathsaure ein gallertartiges Gemisch und keine Crystalle. Es erfolgt dies aber wegen der aufgelösten Kieselerde, und nach Wenzel laßt sich das reine flustipalhsaure Servacdsalkalt Ocuiiklmum üuegenlinnve der Chemie, St. I. G. 07. ff. Ll 2 86s. 5Z2 V. Abschtt. Mineral. Sauren tt. ihre Verbind. h. 860. Mit dem Mineralalkali giebt die Flußspathsaure kleine, länalichte, viereckigte Crystalle, von einem bitterlichen Geschmacke, welche sich im Wasser schwer auflösen lassen, und im Feuer vecknistern. Wenn das fluß, spatHläurc Mtncralaikalt (tesrrum stuciricum, ^icz. Ii minc-raw iluaratum, k'lusz loäae, c/s mit kieselartiger Flußspathsaure bereitet ist, so gicbt es nur ein gelatinöses Gemenge bcym Abtauchen, und hinterlaßt im heftigen Feuer die Kieselerde mit dem Meli zu einem Glase vereiniget, welches wegen des vielen Alkali zur Kieselfeuchtigkeit werden kann. Bergmann stellt in seiner Verwandtschaftstafcl der Flußspathsaure das Gcwachsalkali vor dem Mineralalkali. §. 861. Aus der Vereinigung der reinen Flußspathsaure mit dem Ammoniak entspringt der Flusttpathsalmtak oder das flustsparhfäure Ammoniak (^mmoniacnm jwo- ricnm, alksli volstile üuaratum, ?Iug5 ammaniac!, der wie schwefelsaures Ammenick schmeckt, zu kleinen prismatischen Crystallen anschießt, und Feuchtigkeiten aus der kuft anzieht. Er laßt sich sublimsten, und hat, nach Hrn. VOwgleb, noch die Eigenschaft, auf die Kieselerde des Glases auf nassem Wege zu wirken, und es aufzulösen. Wahrscheinlich hat das feuerbeständige Alkali des Glases auch Antheil an dieser Wirkung. Beide feuerbeständige Alkalien zersetzen den Flußspathsalmiak, und entbinden das Ammoniak. Flußspathsaure Mittelsalze. Flußspath» 362. Mit der Kalkerde Verbinder sich die Flußspathsaure zu einem ganz unauflöslichen Mittelsalze, das daher auch mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 z z auch als ein crdigtcr Niederschlag erscheint, selbst, wenn man Flußspathsäure zum Kalkwasscr tröpfelt. Diese flußsparhsaure 2xaltcrde (culx ssuoricu s. ssnorutg, calci8, eis kömmt in ihrem Verhalten mit dem natürlichen Flußsparhe (kAum- mineruliz kl ipurnsm) übereilt. Die Unauflösbarkeit dieses Mit- tclsalzeö im Wasser ist Ursach, daß der künstliche Fluß- spath nicht in Crystallenform dargestellt werden kann, in welcher man den natürlichen häufig antrifft. Sein gewöhnlicher Crysrall ist der vollkommene Würfel. Er ist gewöhnlich halbdurchfichtig oder durchscheinend, seltener durchsichtig , und von den schönsten und mannigfaltigsten Farben. Zu den Arten der flußspathßmecn Ralk'crVs gehöre» als mineralogisch-einfache Fossilien: a. a. O. S. i6.) 2) Flußervc. (Kaikerde, Flußspathsaure, Phosphorsäure. Rlaproch.) d) sichrer Flnß, c) Flußspat!), §. 86 z. Wegen der Unauflöslichkeit im Wasser wird der Flußspath mit Recht zu den Erden oder Steinen gerechnet. Der natürliche enthalt nach Scheele 0,57 Kalks erde, c?,i6 Flußspathsaure und 0 ,27 Wasser. Ich glaube mit Hrn. Aarrvan, daß das Verhältnis des ?eh- lern zu groß angegeben worden ist. An der Luft ist der crystallinische Flußspath beständig. In der Hihe zerspringt er unter einem Knistern, wegen des eingeschlossenen Crpstallenwassers, und wird endlich zu einem weißen Pulver. Im starken Feuer schmelzt er für sich allein zu einem durchsichtigen Glase; laßt aber seine Saure dabey nicht fahren. Er löst im Fluß die feuerbeständigen Alkalien, den Borax, die Thonerde, die Talkerde und die Schwererde auf. Mit Kalkcrde wird er besonders leichtflüssig, und löst dann auch alle Kieseh. ll ? arte«. 5Z4 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbiß arten auf, was er sonst für sich allein nicht vermag. Eben wegen dieser seiner Wwkuna, das Schmelzen anderer Erd- und Steinarten zu befördern, bedient man sich feiner im Hüttenwesen als Fluß, oder als Zuschlag. Bcy einer gelinden Erwärmung, auch schon ohne das Feuer uiimittelbar zu berühren, leuchtet er im Dunkeln; durch vollkommenes Durchglühen verliert er diese Eigenschaft ganzlich. Wahrscheinlich rührt diese phoöphorescircnde Eigenschaft von anhängendem Phtogistou her. §. 864. Aetzendes feuerbeständiges Alkali kann weder auf nassem Wege durch Digeriren und Kochen, noch auf trockncm Wege durch Schmelzen dcnFlußspath zersetzen. Hingegen schlägt das Kalkwasser aus dem flußsparhsaurm Gewächs-und Mincralalkali sogleich einen wiederhergestellten Flußspath nieder, und wenn man diese Neutral- l salze mir ungelöschtem Kalke und Wasser kocht, so blei- > ben endlich bloß die 'Alkalien in ätzender Gestalt in der Auflösung. Die Flußsparhsäure ist also näher mit der Kalkerde, als mit den feuerbeständigen Alkalien verwandt, und unterscheidet sich auch hiedurch hinlänglich von der > Kücheusalzsäure. §. 865. Wenn man aber den ganz zart geriebenen Flußspath mit kohlensauren feuerbeständigen Alkalien und Wasser lange Zeit digerirt oder kocht; oder mit doppelt soviel, dem Gewichte nach, kohlensaurem feuerbeständigen Alkali im mittelmäßigen Feuer fließen läßt, so geht die Fluß- spathsäure an das Alkali und dieKalkerde des Flußsparhes bleibt, nach dem Auslaugen mit kochendem Wasser, als rohe Kalkerde zurück. Diese Zersetzung erfolgt hier bloß nach den Gesetzen der doppelten Wahlverwandtschaft, und widerspricht gar nicht dein vorher (§. 864.) angeführten. 866. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5z; 866. Mit der Talkerde gicbt die Flußspathsaure ein Mit- telsalz, das sich auch bey seiner Entstehung sogleich niederschlagt, und nur bey einem Ucbermaaß der Saure in vielem Wasser auflösbar ist. Bey dem freywilligen Abdunsten dieser Auflösung sähe Bergmann lange zarte crystallinische Faden an den Seitenwänden des Gefäßes, und auf dem Boden sechsseitige säulenförmige Crystalle anschießen, deren niedrige pyramidalische Endspitzen aus drey rhomboidalischen Flachen zusammengesetzt bestanden. Diese flußspathsaurc Talkerde (maßnslia tlnorwa f. Äuorata, b'lnas ms^neiige, e/e laßt sich nicht durch Feuer zersetzen, und auch nicht durch atzende, wol aber durch kohlensaure, feuerbeständige Alkalien, und auch durch kohlensaures Ammoniak. Die Flußspathsaurc ist also hierin von den bisher erwähnten mineralischen Sauren verschieden, die mit den feuerbeständigen Alkalien durchgchends naher verwandt sind, als mit der Talkerde. Die gebrannte Kalkerde und das Kalkwasser hingegen zersetzen die Auflösung der flußspathsau- ren Talkerde. H. 867. Mit der Schwererde erzeugt die Flußspathsaure ein pulvcrförmiges Gemisch, die flußspathsaure Schrvers erde ilnoricnz s. kluoi'Ätus, plnas barzniz, cie , die sich nur in sehr vielem siedenden Wasser auflöst, in der Hitze für sich allein die Saure nicht fahren läßt, durch ätzende Alkalien nicht zerlegt wird, wol aber durch kohlensaure vermittelst einer doppelten Wahlverwandtschaft; bey der Vermischung mitKalkwas- ser aber aus seiner Mischung gesetzt wird, und einen wie- dererzcugten Flußspath mit der Schwererde zugleich fallen laßt. Die Flußspathsaure ist also mit Schwererde nicht so nahe verwandt, als mit der Kalkerde ; nach Bergs U 4 Manns 5z6 V. Abschn. Mineral. Sauren n. ihre Verbind. Manns Verwandtschaftstafel aber mir jcner noch naher, als mir der Talkerde. §. 868. Mit der Thonerde liefert die Flußspathsanre'ein leicht auflösliches, nicht crpstallisirbareS Salz, die fssiß, spardftUire Thonerde (archNa ünorioa 5. öuorstu, ?ln!Z^ K.'ml-? die beum Abrauchcu eine zähe, gnmmigte Masse liefert, und einen süßlichten Geschmack besitzt, deren übriges Verhalten aber sonstnech nicht aehörig erforscht ist. Nach der Analogie mir andern Sauren zu schließen, ist die Flußspathsänre mit der Thonerde wahrscheinlich entfernter verwandt, als mit dm übrigen alkalischen Substanzen. Flußspachsaure und Kieselerde. §. 86y. Die merkwürdigste Eigenschaft der Fsiisispathsaure ist die, daß sie die Kieselerde auflöst, welche sonst den keiner andern Saure angegriffen wird, und welche auf nassem Wege nur von den feuerbeständigen Alkalien aufgelöst erhalten werden kann. Die Kieselerde benimmt aber der Flußspathsänre die Eigenschaften einer Säure nicht, und verwandelt sie in kein Mittelsalz. Durch Verdünnung mit Wasser wird die Auflösungskraft der Flußspathsänre darauf sehr geschwächt, und daher rührt die Absttzung der Kieselerde aus der Flußspathfäure bry der Destillation aus gläsernen Gefäßen, wenn diese vom Wasser eingesogen wird. Verdünnte Flußspathsäure wirkt daher auch nur langsam auf das Glas. Am stärksten löst sie die Kieselerde in der Dampfgestalt auf. Aus der Auflösung der Kieselerde in der wässerigen Flußspathsäure sähe Bergmann nach einigen Jahren dem Bcrz- crvstall ähnliche Crystallisationcn entstehen, o^ukl. Vol. 11. S. ZZ. §. 87°. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 Z 7 §. 870. Auf diese auflösende Kraft der Flußspathsaure gegen die Kieselerde gründet sich ihre Fähigkeit, in GlaS zu asten. Die Anwendung der Flußspathsaure hierzu, ohne daß sie deswegen als eine eigene Saure bekannt war, ist schon ziemlich alt. Man hat dies-Eigenschaft der Flußspathsaure besonders vortheilhaft zur Verfertigung der Glaomicrometer benutzt. Das von Hrn. Reims bekannt gemachte Verfahren hierzu ist sehr empfehlenswcrth. Uebcr eine langst schon bekannte und noch bessere Art durch Flußspathsäure auf Glas zu atzen; von Hrn. Hofr. I> Zocck- ,,'.-.nn; m Crelln ckem. Annal. >7Y2. S. II S. 195. A Hrn. Reling Verfahren benni Aetzen der Glasmicromcter vermittelst der Flußspathsaure; in Hrn.Ioh. Tob. LNaper's grimvl. uns aunfül?rl Uncerrickl zur practifchcn Geo-- merrie, TH. II- 2 Aufl. S» 612. ff. §. 871. Das Verhalten der Flußspathsaure gegen Zirkow- erde, Corundcrdc, und Aujlralerde ist noch nicht bekannt. Wechselseitige Verwandtschaften der Flußspathsaure und Kohlensäure gegen Alkalien und Erden. §. 872. Die Flußspathsaure braust mit den kohlensauren Alkalien und Erden auf, und treibt aus allen die Kohlensaure aus. H. 87z. Wegen der Unauflöslichkeit mehrerer kohlensaurer und flußspathsanrer Mittelsalze kommen nur wenig Falle Ll 5 m 5 z 8 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. in Betracht, wo eine wechselseitige Zersetzung derselbe» durch doppelte Wahlverwandtschaft auf nassem Wege stattfindet. Das flußspathsaure Gewachsaikak wird durch kein kohlensaures Neutralsalz zerlegt; das flußs fpathsäure LMneralMali wahrscheinlich durch kohlensaures Gewachsaltali, und daSflußsparhsäureAmmsmaö durch kohlensaures Gewachsalkali und Mineralalkali. Wechselseitige Verwandtschaften der Flußspathsaure und Schwefelsaure gegen Alkalien und Erden. §. 874. Da die Schwefelsaure aus dem Flußspathe die Flußspathsaure austreibt, so muß die Kalkerde naher mit jener, als mit dieser Saure verwandt seyn; da aber die Flußspathsaure naher mit der Kalkcrde verwandt ist, als mit den Alkalien und übrigen Erden (§. 864.), so könnte man schon daraus schließen, daß die Schwefelsaure alle fluß- spathsauren Neutral - und Mittelsalze zersetzen und die Saure daraus entbinden würde, und dies bestätiget die Erfahrung, nach welcher sowol auf nassem als auf trock- nem Wege durch Schwefelsaure alle Alkalien und Erden von der Flußspathsaure getrennt werden. Auch durch Digestion des zartgeriebenen Flußspathes in verdünnter Schwefelsaure kann man daher einen Selenit daraus absondern. §- 875. ^ Hieraus lassen sich auch, wenigstens der Theorie nach, die Zersetzungen beurthcilen, die bey Verbindung der flußspathsaurcn Neutral- und Mittelsalze mit schwefelsauren Neutral- und Mittelsalzen auf nassem Wege erfolgen müssen. So wird flußsparhsimres Gewächs? Mali zerfetzt durch Glaubersalz, schwefelsaures Ammoniak, Bittersalz und Alaun, nicht durch Gyps und Schwerspats mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 539 spath; flustspatbsaures Mmeralalkalt durch schwefelsaures Ammoniak, Bittersalz und Alaun, nicht durch vi- triolisirten Weinstein, Gyps und Schwerspat!); Fliiß^ spardfalnuak durch Alaun und Bittersalz. Firistiparh selbst würde zerlegt werden durch vitriolisirten Weinstein, Glaubersalz, schwefelsaures Ammoniak/Bittersalz und Alaun, wenn seine Unauflösbarkeit im Wasser die Wirkung der Verwandtschaft auf dem nassen Wege zuließe. Wenn man aber fem geriebenen Flußspat!) mir schwefelsaurem Ammoniak vermengt, und desnllirt, so erhalt man im Rückstände Selenit, nachdem der Flußspachsalmiak aufgestiegen ist. Fiustsparhstrurc Talkerde wird vielleicht durch kein schwefelsaures Neutral - und Mittelsalz zersetzt; flustsparhsanre Schrvererde durch alle, und flußjparhstmre Tbonerdc wol nur durch Bittersalz. Bey allen diesen und noch anzuführenden Zersetzungen der flußspathsaurcn Salze muß aber noch in Zukunft die Erfahrung einzig und allein entscheiden. Flußspachsaure Neutral - und Mittelfalze mit Salpetersäure. H. 876. Auch die concenkrirte Salpetersaure macht die Fluß- spathsäure aus dem feingeriebenen Flußspathe los, wenn man sie daraufgießt, und eine Destillation anstellt, nur ist die übergehende Flußspathsäure wegen des anzuwendenden Überschusses der Salpetersäure immer mir dieser verunreiniget; der Rückstand ist Kalksalpeter, der freylich durch starkes Feuer wieder zerlegt wird. Verdünnte Salpetersäure zerlegt durch Digestion den Flußspatlz ebenfalls schon. §- 877- Diesen Erfahrungen gemäß muß also die Kalkerde mit der Flußspathsäure nicht so stark zusammenhängen, als '545 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. als mit der Salpetersäure. Auch vou deu Alkalien und der Thonerde wird die Flußspathsäure durch die Salpetersäure ausgetrieben; nach Bcrgmans Erfahrung aber nicht vou der Schwererde und Talkerde. Diese Sache verdiente in der That nähere Prüfung und wiederholte Versuche mit reiner Flußspathsäure. h. 878. Wenn sich aber die von Bcrgman angenommene Stufenfolge in der Verwandtschaft der Alkalien und Erden zu den Säuren bestätigt, so müßte vermöge der eignen Verwandtschaft der Salpetersäure durch eine doppelte Wahlanzichuug zersetzt werden: das flußspathsäure Ge, rvachsalkali durch Rhomboidalsalpeter, salpetersaurcs Ammoniak, salpetersaure Kalkerde, Talkerde, Schwcr- erde und Thoucrde; das flußspathsäure Mmeralalkali durch salpetersaureö Ammoniak, salpetersaure Kalkcrde, Talkerde, Schwererde und Thonerde, nicht durch prismatischen und rhomboidalischen Salpeter; der Fluß, sparksalmiatz durch salpetcrsaure Schwererde, Talkerde und Thoncrde. Der Flußsparh selbst ist wegen seiner Unauflösbarkeit im Wasser auf nassem Wege keiner Zersetzung durch salpetersaure Salze fähig. Die flußjparh, säure Talkcrde hingegen würde zerlegt werden durch salpetersaure Schwcrerde; die flußspathsäure Thonrrde durch salpccersaure Talk - und Schwcrerde; die fluß, sparhsäure Gchwererde drirch keines der erwähnten salpetersauren Neutral- und Mittelsalze. Wechselseitige Verwandtschaften der Flußspathsäure und Salzsaure gegen Alkalien und Erden. §- 8?y- Der Salzsäure muß die Flußspathsäure ebenfalls in ihrer Verwandtschaft zur Kalkerde, zu den Alkalien und zur mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 541 zur Thonerde weichen; nach Vergman nicht zur Schwererde und Talkerde. Die Zersetzung des Flußbachs durch Salzsaure laßt sich am Kesten durch verdünnte Saure, vermittelst der Digestion, nicht so gut durch concentrirte vermittelst der Destillation vornehmen, wegen der Flüchtigkeit der letztem. §. 88o. Nach diesem Verwandtschaftsgesetze müßten also die salzsanren und siußspathsauren Neutral- und Mittelsalze Key ihrer Verbindung unter einander auf eine ahnliche Art zersetzt werden, als die salpetcrfauren mit den flnß- spathsauren (h. 878.), nemlich flußspathsäures Ges rvachsalkali durch Kochsalz, Salmiak, salzsaure Kalk- erde, Talkerde, Schwcrerde und Thonerde; flußspaths saures ttNmeralalkal: durch Salmiak, salzsaure Kalkerde, Talkerde, Schwererde und Thonerde; Flußffaths salmiak durch salzsaure Schwercrde, Talkerde und Thon- erdc; flnßffarhffure Talöerde durch salzsaure Schwererde; ftußspathsäure Tbsnerde durch salzsaure Talkerde und Schwererde; flußspathsäure Gchwererde aber durch kein salzsaures Neutral - und Mittelsalz. Der Fiußjparh kömmt wegen seiner gänzlichen Unauflösbarkeit hier nicht mit in Betracht. Borax. Boraxsaure. §. 881. Aus dem Borax (borax, scheiden die mineralischen Sauren, und überhaupt alle Sauren auf nassem WcZe ein eigenes, saures Salz ab, das wir nachher naher betrachten wollen, wenn wir hier uns erst mit dem Borax bekannt gemacht haben. Er ist ein Salz von einem bitterlich laugcnhaftcn Geschmacke, welches den Vio- lensyrnp grün färbt, wie ein Alkali, mit Säuren nicht aufbraust, 54- V. Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. aufbraust, beym 50^ Fahr, nach Fou'.crov raTheile Wasser zur Auf'ösung erfordert, vom siedenden aber nur 6 Dhcile, und in sechsseitigen Säulen anschießt, wovon zwey Seiten breiter sind ais die andern, mit dreiseitigen pyramidalischen Eudspitzcn. Sonst finden sich aber auch mehrere Abwechselungen in seiner Crysialleugestalt, z.B. die doppelte sechsseitige Pyramide. Er laßt sich durchs Abkühlen crnftallisiren; am schönsten aber werden die Crystalle durchs unmerkliche Abdunsten. §. 882. An der !uft wird der Borax wenig geändert; doch verliert er mit der Zeit auf der Oberfläche clwaö von seinem Crystallenwasser, und wird unscheinbar. In mäßiger Hitze zergeht der Borax erst in seinem Crystailen- wasscr, und schwellt dabey ungemein auf, so wie er dies allmählich verliert und zäher wird. Nach dem Erkalten stellt er jetzt eine weiße, leichte, lockere Masse vor, die wie gebrannter Alaun aussieht; und heißt cwbwanmer Volar (barux utkg. calciums ), der vom crystallini- schen Borax nur in Rücksicht des mangelnden Erystailen- wassers, sonst aber nicht in seiner Mischung verschieden ist, und nach dem Auflösen im Wasser und Crystallisiren wieder zu ordentlichen Borarcrystallen anschießt. Dies Crystallenwasser beträgt nach Vergman 0,49 Theile. Der calcinirte Borax schmelzt endlich beym Anfange des Glühens zu einer Art von durchsichtigem, sehr schmelzbaren Glase, das aber an der luft mit der Zeit unscheinbar und mehlartig wird, und zerfällt. Dies BoraxglaS ist übrigens auch unveränderter Borar; es löst sich wieder völlig im Wasser auf, und giebt nach dem Abrauchen und Abkühlen ordentliche Boraxervstallc. Das Verwittern desselben kömmt ohne Zweifel nicht vom Verluste eines wässerigten Antheils, der nicht dabey seyn kann, sondern vom Anziehen desselben aus der kufr her. Das Boraxglas mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 54Z raxglas dient als Schmelzungsmittel und Fluß für die Erden und Steine, die es sowol im Tiegel, als vor dem Löchrohre auflöst. §. 88z. Wir erhalten den Borax in reinen Crystallen (rast- fimrrcii, gereinigten, venedlscdcn Borax) gegenwärtig im Handel nicht mehr aus Venedig, sondern aus Holland, wo man ihn aus dem Tmkal scheidet. Dieser Tinkal, (Tincar, Borech, pounxa), der auch roher Borax (borax crucia, nativa) oder Chr^fscolta genannt wird, ist eine ihrem Ursprünge nach nicht ganz bekannte Materie. Eine Sorte kömmt aus Persicn, in grünlichen, fettig anzufühlenden Stücken, oder in undurchsichtigen, grünlichgelben Crystallen in sechsseitigen zusammengedrückten Prismen, mit irregulairen Endspitzen, mir allerlei) fremdartigen, schleimigten und fettigen Theilen vermengt und eingewickelt; eine andere Sorte aus China erscheint in weißen oder wcißgrauen Klumpen, die weniger fett riechen und mit einem weißen erdigten Staube vermengt sind. Alle Sorten des Tinkals sind aber nicht gleich reichhaltig an Borax. H. 884. Aus allen Arten des Tinkals kann man durch Auslaugen mit heißem Wasser, Durchseihen und sorgfaltiges Crystallisiren, Borax in Crystallen und rein erhalten. Ohn- geachtct man in Holland das Verfahren geheim halt, so ist doch wahrscheinlich, daß man die Arbeit auf eine ahnliche Art vornimmt, und sie bloß durch einige Handgriffe abkürzt. Die Crystalle des verkauflichen Boraxes sind nicht regelmäßig. Bey einigen Sorten Tinkal soll der Zusah des Mineralalkali vorthcilhaft und nöthig seyn. Um die dem Tinkal anhangende Fettigkeit bequem wegzubringen, würde das von Hrn. IWteglet? vorgeschlagene Cal- 544 V.Abschn. Mineral. Smu'en u. ihre Verbind» Calciniren desselben nützlich ssyn, nnd die Arbeit abkürzen, welches man auch sonst in Venedig gethan zuhaben scheint. Von der Boraxrafflnerie; in Dcmachy's K.abor. im Glesien B. id S. 8 7. Werbers Verträge zur Mir.eralgcschicht^ V. I. S. ZZ2. Nachricht von dein Borax, den Kennzeichen des rechten und des nachgckünsteiten, nnd der Kunst, den erstem zu raffmircn und zu vermehren; aus des Oo» ^iemo?»ccho cie Leerst! iikr. VI. V'enet. izzz S. 200. übers, im 1. B. ves gemcnniüyigcn Nnt. und Tdunsi-Magaz. S. 469. V. Just- Beschreibung, wie die Venetiancr den Borax bereiten; in seinen chnm. Schriften B. il. S. 179. G. bNovel von der Reinigung oder sogenannten Raffinirung des Borares; in seinen chxnnstbm Olebenik. S. 192. Untersuchung und Reinigung des rohen Boraxes oder Tinkals, von Hrn. Tychsen, in LreUs chem. Annal. 1787. B. II. S. 21;. ff. §- 885- Sonst hielt man den Borax im Tinkal fast dnrch- gehendö für eine durch Kunst erzeugte Substanz. Seitdem aber Hr. Grill Abrahamfön natürlichen Borax nach Europa sandte, der in Thibet aus der Erde gegraben, und nach Engst-öm ein mit vielem Borax vermengter Mergel war; seitdem man auch, wie nachher angeführt werden soll, die Bestandrheile des Boraxes an andern Orten natürlich angetroffen hat; und seitdem nun auch mehrere Reisende sich an Ort und Stelle überzeugt haben, daß der Tinkal natürlich in Indien gesunden wird; so ist es wol keinem Zweifel mehr unterworfen, daß aller Tinkal, welcher im Handel vorkömmt, seinem Ursprünge nach einzig von der Natur erzeugt wird, und kein Product der Kunst ist. 9-. II, potk äs Korsos; in seinen ot-ch--:-. cüz/m. coli. II. S. 54.; übers, im-Hamb. xNugae. B. !. S. 569. üttsrss äs koiscis srätlcisiU eouipoimons, sb simo 1742.; im x»'ucvk?-?. co»r. .-15/. S. 64. mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 545 64. ep!cr!l>5 in clickas Iltteigz; ebeitdas. S- 67. " extra^Ivm t^x litteilz 5 /> L»a//,k slosli nativum incticum et borscem pcsecl^ue ccmcer- HL115; m vcn th/f/c. B. VII S. Z l h!.; übersev.t iir Lrells neuem chemischen Archiv B. z . S. z 17 . ve Koia- ce natlvs, a Bertis Loieclt ä!Lb>, äitl ^ (? chonä. 1747. 4. rial- >749- 4, unv in seinen 7 vm. Ncbcnst. S. 199. I. -H. G. von Justi Betrachtung über das Wesen des Boraxes, und ob solcher durch die Kunst verfertiget werden könne; in seinen cbxm, Schr, B. II. S. 147. ^ tZattbiLe äe Ia!s amm-nriaen inäico er dcnace, in seinen ncive»/«?-. S. IZ8. Vom Pounxa oder natürlichen Borax, von I. Abr. (»Zrill Abrabamson; in Den schrvev. Akie B. XXXIV. S. Z17.; Uders in Crells n. Encv. Th. 1 S. 84. Versuche inst der ?ouuxa , von G. von ürngssom; ebcnvas S. Zi9-; übers ebenoas. S. 8;- Rod. Samwers nüncralogische und botanische Reise nach Butan und Tibet; in vem Magax. neuer Rcistbe- schreibungen, Zö. t. S, Z84. H. 886. Wenn man zu einer Auflösung des Boraxes im heißen Wasser so viel Schwefelsaure tröpfelt, bis die Auflösung einen säuerlichen Geschmack erhalten hat, und nun allmählich in einer Glasschaale so lange abrauchen läßt, bis sich glänzende Schuppen darin zeigen, und dann erkalten läßt, so schießen weiße glänzende Salzflocken darin an, die man durch ein Löschpapier von der übrigen lauge absondert, mit kalrem Wasser abspühlt, und zwischen Löschpapier trocknet. Die übrige Lauge giebt bey einer ähnlichen Behandlung durchs Abrauchen ebenfalls noch diese zarten Salzflocken, die aber nicht so weiß sind, als die erstem. Zuletzt schießt endlich ein wahres Glaubersalz an, und deswegen darf man das ersteremal die Auflösung nicht zu weit abrauchen. H. 887. Jenes erhaltene glanzende, weich anzufühlende, schuppige Salz, hat einen kaum merklich säuerlichen Ge- Grens Chemie. I. Tb. Mm schmack, 546V. Abschn. Mineral. Säuren u. ihre Verbind. schmack, röthet die Lackmustinctur, den Violcnsaft aber nur langsam und kaum merklich, und heißt Gedarwsaiz (lal seciglivum S) besser aber Boraxsaure (gciäum bor-ZLicum, borssiz, boracinum, -s ssch). Becher scheint zwar schon dieses Salz gekannt zu Häven, man eignet aber die erste Entdeckung desselben gewöhnlich Hombergen (1702.) zu, der es erhielt, da er cm Gemisch von gebranntem Vitriol, Borax und Wasser im Kolben mit dem Helme im Sandbade sublimirte. > Er leitete den Ursprung desselben von dem bey der Arbeit angewendeten Vitriole ab, und nannte es daher: ück vols- trls vltrioli narcoticum. äs cdiinle, psr lekr. i!l Ven äsä'sc. cts.- /c. cic 1702. S.zz.; übers in ckrcllfi cbcni. Archiv B. 2. S. 265. ä)'scc/!c?2 kubterriM. S. 791. §. 883. L.emery, der Sohn, zeigte hernach (1723), daß man auch Salpetersäure und Salzsäure zurAusscheidunz jenes Salzes durch Sublimation anwenden könne, und daß es also nicht von der Vitriolsaure herrühre. Schon vor L.emerv hat aber Stahl diese Sache gewußt. Geo? fro 'f, der jüngere, bewies endlich (17 z 2), daß man des weitläufigen Sublimirenö nicht bedürfe, um Scdativ- salz aus dem Borax zu erhalten, sondern daß man es nach der (§. 886.) angegebenen Weise weit bequemer Und vortheilhafter durch Crystallif-ren scheiden könne; und zeigte zugleich, daß der Grundtheil des Küchensalzes (das Mineralalkali) einen wesentlichen Bestandcheil des Boraxes ausmache. Baron hat weiter dargerhan (1745 und 1748), daß auch vegetabilische Säuren zur Abschei- dung desScdativsalzes angewendet werden könnten, und die angewendeten Sauren selbst nichts zur Entstehung desselben beytrügen. Kxpe- mit Alkasien, E>d?n m,d Brennstoff. 54? Lxpeiiences et relkexlons Nur le bo-nx, pgr ?>1r. Premier mem>>!>e; lu oeu Ultm ckc I«c. N17.>Z. S . 270.; übers m decüs neuem cl^em. Arcli ? B. >11. S. 124. Desselben leconä memoire' ebcnvas 1729. C. 282.; übers ebenbas S. 167. ^?cahl ve» den zcn, Halle 172Z. S. 2Z. dlauvelles expei'-eii es lur ls boisx. s ee nu mo/en tscile üe t^Ire le le> wästlk, par 1^1 i (rro/^ oN/ ül ven ckllm. rle Nric »'»r/. cier 17z 2. S. 898.; übers ln Lrells neuem chcm. ü- cluo B. i ll. S. 217. IZxpei'iences ponr lervlr a I'aiial/se clu borax» par kelr. 6aro»^' in den /tlc?» ss I T. 295. 447. iZxamen elumlijue ä'un sei Sporte äes Perkes kons le 110m lle Lorecü psr le ebenvas II. S. 412» §. 88y. M>'t Recht muß man das Sedativsalz als den sauren Grundtheil des Boraxes anlesen, wenn gleich die Saure desselben nicht sehr auffallend, und nur für empfindliche Reagenrien bemerkbar ist. Es erscheint immer in fester, conereter Gestalt; als ein weißes, glänzendes, weiches, schuppigtes oder glimmerigrcs Salz. Das sublimirte ist lockerer, flockigt und gestreift; das crystalusirre schuppigter und fester. Beide sind etwas zähe. Das eigenthümlichc Gewicht desselben ist nach ^xaas 1 ,480. Es löst sich im kalten Wasser etwas schwer auf, und erfordert bcym 50° Fahrenh. 20 ?hei- le, beym Sieden aber nur 2,2 > i Theile. Es laßt sich daher durchs Abkühlen sehr bequem crystallisiren. Papier in die heiße gesättigte Auflösung desselben getunkt, brennt nach dem Trockenwerden mit einer hellgelben Flamme, und der Weingeist, der es aufgelöst hat, mit einer schönen grünen Flamme. §. 8yc>. An der luft wird das Sedativsalz nicht verändert. Sonst ist es an und für sich völlig feuerbeständig, und wird nicht verflüchtiget. Aber wegen der großen Leich- Mm - rigkeit 548 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. tigkeit folgt es dem Wasser, womit es befeuchtet worden ist, und steigt mit diefem, gewissermaßen auf eine me- chanische Weise, als höchst lockere und leichte Flocken in die Hohe. So bald aber das Wasserigte verdampft ist, bleibt es feuerbeständig zurück. Sonst schmelzt es in gelinder Hitze, blähet sich anfangs etwas auf, und fließt hernach bemn Glühen ruhig zu einer hellen, durchsichtigen glasähnlichen Masse, wenn man es in einem silbernen Löffel schmelzt, im Tiegel aber zu einer milchweißen Substanz. Es verliert hiedurch fast die Hälfte seines Gewichtes, welches sein Crystallenwasser war, das auch beym Schmelzen immer etwas vom Sedativsalz mir in die Hohe nimmt. Das geschmolzene und glaöahnliche Scdativsalz laßt sich wieder im Wasser auflösen und wie vorher crystallistren. An der Luft wird das Sedativsalz- glas undurchsichtig, und auf der Oberflache mir einem weißen leichten Staube bedeckt. Dies rührt wahrschein- licherwcise von wasserigten Theilen her, welche sich aus der Luft daran hangen. In der Hitze zeigt das Scdatw- salz starke auflösende Kräfte auf die Erden und Steine, selbst auf die kieselartigen, und giebt mit ihnen glasähn- lichc Massen. H. 891. Von den Sauren erleidet das Sedativsalz gar keine Veränderung. Mit den kohlensauren Alkalien und Erden braust die Auflösung desselben nicht in der Kälte, wo! aber in der Hitze auf, und macht jene ncutralsalzig und mittelsalzig. Mit dem Mineralalkali in einem bestimmten Verhaltnisse versetzt, bringt es wieder den Zorax hervor, der nach Bergmaii aus o, 17 Mineralalkali, 0, zg, Boraxsäure und 0,49 Crystallenwasser bestehet. 892. Der Borax ist aber noch nicht ganz mit Boraxfaure gesattiget, und also kein vollkommenes Neutralsalz. Daher mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 54s herrühren seine alkalische Eigenschaften (§. 88?.), und sein Vermögen, die fetten Oele in seifenartiqc Gemische zu verwandeln, wenn seine Auflösung im Wasser damit gekocht wird. Der Borax nimmt deswegen auch noch mehr Sedativsalz in sich auf, wenn man dieses in die heiße Auflösung desselben tragt, und wird endlich damit ^u einem vollkommenen Neutralsalze, das den Veilchensaft und die lackmustinctur nicht ändert, und nicht mehr alkalisch schmeckt; aber sich auch nicht mehr, wie vorher, crystallisirt, sondern beymAbrauchen eine klebrigte Masse liefert. Er erfordert dazu etwas mehr als gleiche Theils Boraxsaure. §. 8YZ. Aus den erwähnten Eigenschaften des Sedativsalzes, rvie aus seinem schwach säuerlichen Geschmack, aus seiner Wirkung auf blaue Pflanzensafte und aus dcrNcutrali- sirung der Alkalien und Erden durch dasselbe, muß man allerdings folgern, daß es eine eigeneSame sey, die freylich von den bisher erwähnten mineralischen Sauren wesentlich verschieden und so schwach ist, daß sie auf nassem Wege in der Kalte nicht einmal die Kohlensaure aus den Alkalien und Erden austreiben kann. §. 894. Die Meynungen der Chemisten über die Natur und Mischung der Boraxsaure sind seit Entdeckung derselben immer sehr verschieden gewesen. Ehe man wußte, daß es auch ohne Schwefelsaure durch andere Sauren aus dem Borax geschieden werden konnte, hielt man es mit Homberg für ein Product aus der Vitriolsaure; aber auch noch nachher hielt es Pott für ein erdigtes Mittelsalz, das aus einer sehr feinen, xhlogistischen Erde und Vitriolsaure zusammengeseht sey, und Model für ein vitriolsaures Neutralsalz, das ein besonderes Alkali, welches er Alcali rokrattarium nannte, zur Basis habe; MmZ Melyer, 550 V.Abschn. Mineral. Sauren u.ihre Verbind. Alelyer Carrbeulcr, Bourdelm Cadcr suchten Salz- sa -re darin, und der letztere nahm auch noch Äupferrheile und verglasbare Erde in demselben an. Andere haben auch wo! Arseniksäure oder Flußipaihsäure in ihm gesucht. All i» alle diese angeführten vorgcb ichen Bestandthcile des SedatwsalzeS können durch keine überzetigende Vcr? suche dargechan werden. Auch die Erfahrung des Hrn. Anurne nach welcher derselbe ans Thon, Fett tind Wasser, durch einander geknetet, und mit einander liegen gelassen, nach anderthalb Jahren ein vollkommenes Seda- tivjal; auslauaen können, sind durch keinen einzigen der vielen Versuche des Hrn. Srcwr und VllAegtcb bestätiget worden, und die Saure des thierischen Fettes macht in Verbindung mit der Thonerde nimmermehr Sedatw- salz aus. Hrn. '^rjchaquer und Scruvens Versuche, das Sedativsalz zu zerlegen, beweisen zwar Aehnlichleit in dieser oder jener Wirkung desselben mir der Phospho- ru. säure, aber noch lange nicht Gleichheit des Wesens. F'o/k eoll. II. S. 89 - Model c////' c/c üo>'scc §. 6. und 28., und cl^ni. Nebenss. S. 200. und Z19. A>IS. ttc/sc^ a!il cle binare, Ikej-Iomaut. 172g. 4. ch. tka-'c/ccs/i?-6e aciclo kiila iebatlvi boracls obiervatlo; in den -iK./«c. 57.; übers un neuen bamb. Maga?. V. Xi. S. 571.; dieinoire kur ie iei keciatlk, per dkr. <,'c/c//?5 9 in den c/c /'sc. c/c 175z. S.201. Lecnuci memoire, cbcndas 755. S. g>97. Hxpeiieucoi kur ie boiax, per die. Lsc/cc, ebendas. 1766. S. g6.>). L/stt'k, Lac/cr experiiiieula, gulbru. evincl.ur bora- cl Ineile ^einclpium cupreum, arkeuicsie er terreum vl- tretcibils; in den uov. aK acac/. »S! c?cr/o/l Vol. ill. S. -96. expermeuta, guibos prokabiilter evluci potelk, In koisce reverg acleike terram vltrekeibl- kein; cbcndas S. 10;. Zdaume erl. Erperimcnta>ch. Th. II S. i;6. und 17;. t /o ?n-. L/r-v/k. äkorr reip. kv.tt.l- ci ik. cle iale ieäatlvo igomber^Ii, lud. 177g 4. Untersuchung der von Äamne beschriebenen künstlichen Verfertigung ves Borares und des Sedacivstuzes, von Xviegicb, mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 5 r NA'cglcb, ii, Crclls ckcm. Iouvn. Th. IV, S. 44. Ucber die Zerlegung des Scdativsahes und über die Zusammensetzung des Borax, von Hrn. üörscliaquec und Scruve; in Lrclls 2lusrv. cigcnth. Alsl). B. IV. S. 155. 8Y5- Nachdem Hr.-Köster (ein Deutscher,) in verschiedenen Gegenden des Großherzogthums Toscana, insbesondere in dem Wasser des r.n^c>nc- LkLi-ebiisto und LuKöl nnovo, ein wahres natürliches Scdacivsalz entdeckt hat, aus dein er vermittelst des Mineralalkali wirklichen Borax erhielt; nachdem bNascagm ebenfalls das Sedativsalz an den Ufern dieser Seen in trockener Gestalt fand; nachdem es gewiß ist, daß man den rohen Borax überhaupt natürlich findet, und nicht durch Kunst erzeugt; so ist es allerdings außer Zweifel, daß die Saure des Boraxes eben so wenig eine durch Kunst erzeugte Substanz, als eine besonders modificirte andere mineralische Saure sey. Ivlemorla lourg !! tsle seüstlvo naturale «Zella Bcilcana e cle Larace, cve cc>ir gnello ss eompoire, Icoperto cle I/ücr-ro 2^,'auc. //or/c»- (äl Lolonia tul Reno). in ?!ren?.. >778-8- Ebendesselben Nachricht von dem in Toscana entdccktm natürlichen Sedativsalze, und dem Borax, welcher daraus bereitet wird; übers, von A. ck- -Herrmann, Wien 178t. 8. Marcr vom Wasser aus dem Cerchiajo bey Monterotondo in Toskana; aus vcn ckc l'ac. ckc Diso?/ 1784» II. S. I?I. übcrf. in Cvclls chem. Anna!. 5790» S. I. S. 69. ff. §. 896. Nur aus Analogie mit andern Sauren kann man schließen, daß die Saure des Boraxes aus der Basis der Lebensluft und seinem eigenen Radical bestehe; denn- durch wirkliche Versuche hat man dies noch nicht beweisen können. Die Boraxsäure gehört zu den rmzerlegteu Substanzen; dies hindert aber nicht, ihre Grundlage , für identisch zu halten. M m 4 Borax- 552 V. Abschn. Mineral. Sauren u. ihre Verbind. Borazsanre Neutralsalze. h. 897. Mit dem feuerbeständigen Alkali des Gewachstes ches macht die Boraxsäure eine andere Art von künstlichem Borax aus, der in ansehnlichen vierseitig säulenförmigen C ystallcn anschießt, einen laugenartigen Geschmack besitzt, an der Luft bestandig ist, im Feuer, wie der gewöhnliche Borax, erst schäumt, und dann ruhig zu einer Art von Glas fließt. Man kann ihn boraxfaurcs Gc? vvncidsaibnll (.Lotgssmum boracicum, -ckcMi vo^tsdils boraxatunw tartarus boraxatus, Loras polaüao, Lo. cte nennen. 898» Mit dem Mineralalkali erzeugt die Boraxsaure wieder den gemeinen Borax, oder einen rvuedexyerZeflel!» ten Äornx (Lorax ro^norsta), wenn man das Alkali nicht ganz mit der Säure sattiger. Das vollkommen nentralisirte boraxjaure Mmeralalfalt (Matrum borZ. «icum L boraxatum, Loras toüae, als ist schon vorher (§. 892.) erwähnt. Es ist noch nicht ausgemacht, ob die Boraxsaure mit dem Gewachsalkali näher verwandt sey, als mit dem mineralischen; die Analogie mit andern Säuren sollte es vcrmurhen lassen. H. 8yy. Mit dem Ammoniak liefert die Boraxsäure ein Neutralsalz, den 2)oraxjalmlaf oder das Loraxstmre Ammsnlnb (^mmonlacum boracicum s doraxatum, sic-ali volarila boraxatum, borax gmmonlacaüs, Loras ammoniaci, Lsnsre das in kleinen polyedrischen Crnstolbn anschießt, wovon nach Mann acht Flächen fast rhomboidalisch, und eine unregelmäßig gebildet ist. Es läßt sich durchs Abkühlen cry- stallifiren, har einen scharfen und urinöken Gcrnch, und färbt den Vioiensyrup grün. Dte Crystalle sind an der Lust mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 5 3 Luft nicht ganz beständig, sondern beschlagen auf ihrer Oberfläche etwas. Im Feuer wird es nach Wenzel zerseht, indem das Ammoniak davon entweicht, und die Boraxsäure zurückbleibt, außer was sich vom lchtern durch die Wasserigkeit des Salzes mit erhoben bat. Nach Ä.affone hingegen schmelzt der Boraxsalmiak zu einem graulichen durchsichtigen Glase, das an der Luft beschlagt, nach der Auflosung im Wasser aber die nemlichenBorax- salmiakcrnstallen gicbt, wie vor dem Schmelzen. Die feuerbeständigen Alkalien sondern das Ammoniak, sowol auf nassem als trocknem Wege, ab. Boraxsame Mittelsalze. H. yoo. Die Boraxsäure vereiniget sich mit der Kalkerde zu einem Salze, das sich im Wasser gar nicht auflöst, und daher den seiner Entstehung auf nassem Wege sogleich aus dem Wasser niederfällt, geschmacklos ist, und mehr zu den erdigtcn Verbindungen zu rechnen ist. Es heißt Aalkborax oder boraxsimre Aalkcrve, Boracit (cs!x d^racica, baraxam, borax calcsreg, lZorgz culeiz, cke c//Ä?^),und kann bequem so verfertiget werden, daß man eine Auflösung der Boraxsäure in heißem Wasser zum Kalkwasser schüttet, da der Kalkborax in Pulvergestalt zu Boden fällt. Im Feuer ist der Kalkbo^x leichtflüssig, und liefert eine dem Glase ähnliche Masse, die aber nach dem Erkalten nur halbdurchsichtig bleibt. §. 90 r. Die boraxsaure Kalkerde ist seht auch natürlich entdeckt worden, und zwar in dem ehedem sogenannten culujcben Cmarze des Lüneburger Gypses. Diese Ery« stalle, deren Grundgestalt eigentlich ein Würset ist, woran aber entweder mehrere oder alle Kanten und Ecken abgestumpft sind, fand Hr. Wcjirumd bey der Zcrglie- M m z derung derung derselben, zusammengesetzt aus o, 68 Boraxsaure, o, 11 Kalkerde, o, rz Talkerde, 0,02 Kieselerde und cz,o i Thonerde. Diese Crpstalle sind mehr oder weniger durchsichtig, weiß, grau, auch wol aquamarinfarben, und so hart, daß sie mir dem Stahl Feuer schlagen. Sie schmelzen im starken Feuer zu einem gelblichen Glase. Ich. Fr. INefrrnmb chemische Untersuchung des Sedativspaths von Lüneburg; in seinen phxsiL. chein. Abdanvl, Zd. II!. -H. I. S. 165. ff. Einige Versuche mit dem talkartigen Borax, von Hrn. Hexer; m Erells chem. Annalcn 1788. 2). II. S. 21. ff. §. YO2. Die atzenden Alkalien zersetzen d'c boraxsanre Kalkerde nicht, wol aber wird der gemeine Borax zerlegt, wenn man ihn mir gebranntem Kalke kocht, und dag atzende Mineralalkali wird frcy; daß man daherder Boraxsaure auf nassem Wege eine nähere Verwandtschaft gegen die Kalkerde, als gegen die Alkalien zueignen muß. §. YOZ. Die Talkcrde löst sich nur langsam und in geringer Menge in dem boraxsauren Wasser auf, und liefert nach dem'Adrauchen unregelmäßig gebildete crystallinische Körner, die schwerauflöslich sind, und die boraxjaure Talk? erde oder den rakkerdiZten Ssrax (mgZuelm Korsoies f. boruxuta, Loras iVIgAnel'mo, Lorstr a'e ausmachen. Das in die heiße Auflösung dieses Salzes getunkte -Papier brennt nach dem Trockenwcrden mit einer dunkelgrünen Flamme. Im Feuer fließt es zu einem weißen, ganz durchsichtig bleibenden Glase. Der Weingeist scheidet nach Scrgman die Boraxsanre daraus ab, und nimmt sie mit Zurücklassung der Talkerde in sich. §. 904. Das Kalkwasscr schlagt aus der Auflösung dieses Salzes einen Kalkborax nieder, und zersetzt also dasseibe; , die mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 5 5 die Talkerde muß natürlicherweise zugleich mit niederfallen. Die Boraxsaurc ist also mit der Kalkerde naher verwandt, als mit der Talkerde. Bergmau muthmaßt, daß die Alkalien entfernter damit verwandt sind, als die Talkerde. H. 905. Auck» mit der Thonerde verbindet sich die Boraxsaure auf nassem Wege, wenn man die dura) ein Alkali aus dem Alaune niedergeschlagene, auögefüßte und noch nicht getrocknete Erde mit Boraxsaure und vielem Wasser kocht. Die durchgeseihete Flüssigkeit liefert nach dem Abdunff.n keme Crvstalle, sondern eine gummiartige Masse, von einem sehr zusammenziehenden Gekchmacke. Am besten und leichtesten laßt sich diese boraxsäure Tbons erde Scilla lznrgcicss.dnraxam, ke>r->5 ar^illa?, dadurch verferci -n, daß man eine Auflösung des Boraxes in heißem Wasser zu einer Auflösung des Alauns schütter und das Gemisch aufkocht, da sich durch eiire doppelte trennende Verwandtschaft die Schwefelsaure des Alauns mit dein Mineralalkali des Boraxes zu einem Glaubersalze vereinigt, und beym Erkalten zuerst anschießt, ein Theil der Thonerde niederfallt, und die übrige Lauge die Verbindung der Boraxsatire mit der Thonerde enthalt. Im Feuer fließt die boraxsaureThon- crde zu einer Art von Glas Kalkerde, Talkerde und die Alkalien entziehen die Boraxsaurc der Thonerde. H. 906. Mit der Schwererde liefert die Boraxsaurc, wie mit der Kalkerde, ein crdigres Salz, boraxsäure SA?rvcrcrde kuiraeiLuz s. bnraxmuz, lssargz burytii!. Aöuv-k»' ai- /dickte), das noch nicht naher untersucht ist. Bcrgmau vermuthet, daß die Boraxsatire mit der Schwererdc nicht so nahe verwandt ist, als mit der Kalkerde, und stellt jene m der Stufenfolge der Verwandt- 556 V. Abschn. Mineral. Sauren tl. ihre Verbind. wandtschaft der Boraxsaure gleich nach dieser vor der Talkerdc und den Alkalien. §. ?c>7- Die Aiefflerde wird von der Boraxsaure auf nassem Wege, auch im Kochen, nicht angegriffen. Auf rrocknem Wege löst es dieselbe im Schmelzfeiler zu einer glasähnlichen Masse auf, die sich durch Alkalien mehr oder weniger leicht beym Kochen zersetzen laßt, je nachdem mehr oder weniger Boraxsaure zu seiner Mischung gekommen ist. Das Verhalten des Sedativsalzes mit den Erden im Feuer überhaupt, und bey verschiedenen Verhältnissen, findet man in Acdmvs Samml. phxfi chemisch. Alchanvluligen, B. I. S. z;8- u. si §. 9O8- Das Verhalten der Boraxsäure gegen Zirkoncrde, Corundcrde und Australerde ist noch nicht erforscht. Wechselseitige Verwandtschaften der Boraxsaure und Kohlensaure gegen Alkalien und Erden. §. 909. Die Boraxsäure übertrifft in ihrer Verwandtschaft zu Alkalien und Erden auf nassem Wege die Kohlensaure nur um ein Geringes. Zhrc Auflösung braust in der Kälte nicht einmal mit den kohlensauren Alkalien und Erden auf, und es ist die Siedhitze nöthig, wenn sie auf nassem Wege daraus die Kohlensäure austreiben soll. Auf rrocknem Wege beym Zusammenschmelzen weicht natürlicherweise die Kohlensäure. H. YIO. Da die Stufenfolge der alkalischen Substanzen gegen die Boraxsäure selbst noch nicht gehörig bestimmt ist, so sind auch die wechselseitigen Zersetzungen der boraxsauren und kohlensauren Neutral - und Mittclsalze unter einander noch unbestimmt. Hiezu kömmt, daß die Unausi lös- mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 5 7 löslichkeit oder Schwcrauflöslichkeit mehrerer dieser Salze die Wirkungen dieser Verwandtschaften nicht einmal zulaßt. Wechselseitige Verwandtschaften der Boraxsaure und Schwefelsaure gegen Alkalien und Erden. §. yn. Die Boraxsaure hangt mit den Alkalien und Erden so schwach zusammen, daß sie nicht allein durch Schwefelsaure, sondern durch alle andere mineralische, vegetabilische lind thierische Sauren, nur Kohlensaure alisgenommen, davon auf nassem Wege getrennt wird. Aber auftrocknem Wege verhalt sich die Sache anders, und hier bewirkt die Feuerbestandigkcit, was die bloße Kraft der Anziehung nicht bewirken kann, und die Boraxsäure treibt alle flüchtige Sauren bey anhaltender Hitze aus den feuerbeständigen Alkalien und Erden, die Schwefelsäure ausgenommen. H. Y12. Wenn die angegebene Verwandtschaft der Alkalien und Erdeil zu der Schwefelsäure, und die der Boraxsäure zu den verschiedenen alkalischen Substanzen statthat, so wird beym Znsammentreffen der schwefelsauren und boraxsauren Neutral- und Mittelsalze durch doppelte Verwandtschaft auf nassem Wege zersetzt: das borax? ff.uro Gervachsakkali durch Glaubersalz, schwefelsaures Ammoniak, Bittersalz und Alaun; der gemeine Borax durch schwefelsaures Ammoniak, Bittersalz und Alaun (§. 905.); das bsraxsaure Ammoniak durch Alaun und Bittersalz; der Aalkborax kömmt wegen seiner Unauflöolichkeit nicht in Betracht; die boraxsaure Talrerde würde zerlegt werden durch Alaun; dieborax? saure Thonerde durch kein vitriolisches Neutral- und Mittelsalz; die bsraxffure Scbwcrerdc hingegen durch alle, ausgenommen durch den Schwerspat!) selbst. 5 58 V. Abschn Mineral. Sauren ».ihre Verbind. Wechselseitige Verwanvtschaft der Bora.rw'nre und Salpetersäure gegen Mallen und Erden. §. y>?. Die Salpetersäure entbindet auf nassem Wege die Boraxsäure von allen A kalicn und Erden; ans trocknem Wege hingegen zersetzt diese in der Hitze nicht nur den Salpeter, sondern alle salpetersauren Neutral - und Mittelsalze, treibt die Salpetersäure aus, und verbindet sich mit dem alkalischen Grundtheil. Wenn man daher gemeinen Salpeter oder Rhomboidalsalpcter mit Borax- säure aus einer irdenen Retorte im Reverberirfeuer de- stillirt, bis keine Salpetersäure mehr übergeht, so kann man ans dem Rückstände boraxsaures Gewächsalkali oder Mineralalkali auslaugen. Vermöge der doppelten Verwandtschaft sollte auf nassem Wege zersetzt werden: das boraxsiusre Ge- rväcbstalkal! durch Nhomboidalsalpetcr, saipetersaures Ammoniak, salpetersaure Kalkerde, Talkerde und Thonerde; der gemeine Sorax durch saipetersaures Ammoniak, salpetersaure Kalkerde, Talkerde und Thonerde; der Vorarsälnnak durch salpetersaure Thonerde und Talkerve. Der ebta!kboro.x kann wegen seiner Unauf- lösbchkeit wo! nicht hierher gerechnet werden. Die boraxsaure Thonerde müßte durch kein salpetersaures Neueral- und Mittelsalz; die borarjaure Schwerer- de durch alle, ausgenommen durch salpecersaure Schwcr- crde zersetzt werden. Wechselsemge Verwandtschaft der Borapsaure und Salstaure g^gen MaNen und Erven. Von der Salzläure werden d:e boraxsanren Neutral- und Mittelsalze ebenfalls sämmrlich aus nassem Wege mit Alkalien, Erden und Brennstoff. 5 5 9 Wege zerlegt, wie von der Salpetersäure, und das Se- dativsalz wird abgeschieden. Aber auf trocknein Wege treibt die Boraxsäure aus den salzsauren Neutral- und Mittelsalzen die Säure, und verbindet sich mit dem alkalischen Grundtheil. §. 916. Vermöge einer doppelten Wahlverwandtschaft sollten auf nassem Wege zersetzt werden : das boraxsaurc Gemachsalkau durch gemeines Küchensalz, Salmiak, salzsaure Kalkerde, Talkcrde und Thonerde; der gemeine Borax durch Salmiak, salzsaure Kalkerde, Talkerde lind Thoncrde; der Boraxsälmiak durch salzsaure Thonerde und Talkerde; die boraxsaure Thoncrde durch kein salzsaures Neutral- und Mittelsalz; die boraxsäure Gebwercrde durch alle, ausgenommen durch salzsaure Schwererde. Wechselseitige Verwandtschaften der Boraxsaure und Flußspathsaure gegen Alkalien und Erden. H. Y17. Auf nassem Wege entbindet die Flußspathsaure aus den Voraxarten das Sedativsalz; aber auf trocknen: Wege treibt dieses aus den flußspathsaurcnNeutral- und Mittelsalzen die Flußspathsaure, nach Bcrgman, aus, und verbindet sich mit dem alkalischen Grundtheil derselben. §> YI3. Wenn sich die in dem vorhergehenden nach Berg? man angegebene Verwandtschaft der Flußspathsaure zu den verschiedenen Alkalien und Erden bestätiger, so wird durch eine doppelte Verwandtschaft auf nassem Wege zersetzt: das boraxsäure Gervachsalkal: durch fluß- spathsaures Mineralalkali, flußspathsaurcö Ammoniak und flußspathsaure Thonerde; der gemeine Borax durch flußsparhsaures Ammoniak und flußspathsaure Thonerde; 5 62 V. Abschn. Min. Säuren u. ihre Verbind. zc. erde; der Boraxsalmmk durch letztere; die bsraxsaure Tkonerde durch keines der erwähnten flußspathsauren Salze; die bc»r«xjaure Schwererde durch alle. -ff- H. 919. Auf verbrennliche Dinge, wie aufOcle, Schwefel, zeigt die Boraxsaure gar keine zersetzende Kraft, und überhaupt keine sonderliche bcmcrkenöwcrrhe Verwandtschaft zum Phlogiston. Daß sie aber selbst einiges Phlogiston führe, ist aus der Phlogistisirung der Schwefelsaure, die einige beym Abziehen derselben über die Boraxsaure bemerkt haben, und aus der durch dieselbe gefärbten Flamme mancher verbrennlichen Körper wahrscheinlich. Zu luftförmige Gestalt hat man die Boraxsäure bis jetzt noch nicht bringen können. §. 920. Gleiche Theile Schwefel und Sedatibsalz vermengt, brennen beym Schmelzen und Entzünden mit einer schönen grünen Flamme. Ende des ersten Theils. 5