magnetische und electrische raft IN ihrer Anwendung überhaupt und als Ersatzmittel der Dampfkraft dargestellt. Besonderer Abdruck aus vr. E. F. Vogel's Geschichte der denkwürdigsten Erfindungen von der ältesten bis auf die neueste Zeit. Leipzig, Verlag von I. C. T h e i l e. 1842. Druck von E. Polz in Leipzig. Die magnetische und electrische Kraft in ihrer Anwendung überhaupt und als Ersatzmittel der Dampfkraft dargestellt. Besonderer Abdruck aus vr. E. F. Vogel's Geschichte der denkwürdigsten Erfindungen von der ältesten bis aus die neueste Zeit. Leipzig, Verlag von I. C. Theile. 1842. Inhalt. Seite Einleitende Bemerkungen zur Beantwortung der Frage: Was versteht man unter magnetischer und electrischer Kraft? 5 Notizen zur Geschichte der natürliches sowohl als künstlichen magnetischen Kraft 7 Die Anwendung der magnetischen Kraft zum Compaß oder Boussole IS Die Anwendung der magnetisch-elektrischen Kraft zur Fernschreibekunst oder Telegraph!« .13 Die Anwendung der magnetisch»electrische» Kraft als Triebkraft (Ersatz der Dampfkrast). ....... 2S Die Anwendung der magnetisch »electrischen Kraft als Heilmittel. , . 35 Die Anwendung der magnetischen und elektrischen Kraft *). I. Einleitende Bemerkungen zur Beantwortung der Frage: Was versteht man unter magnetischer und elektrischer Kraft? Daß es in de» Natur gewisse Kräfte gebe, deren eigentliches Wesen, trotz ihrer unleugbaren Wirksamkeit, jedem scharf eingreifenden Erklärungs-Versuche entschlüpft, weil wir die Mittelglieder zu den, aus jenen Wirkungen abzuleitenden Schlußfolgerungen, aller Aufmerksamkeit ungeachtet, niemals vollständig zusammen bringen — leidet nach den bisher von den ausgezeichnetsten Physikern, Aerz- ten und Philosophen gemachten Erfahrungen keinen Zweifel. 5) Dieser Aufsatz ist seinem wesentlichen Inhalte nach aus die schriftlichen Mittheilnngen des Lehrers der Mathematik an hiesiger Realschule, Herrn K. H ering, gestützt, und der Unterzeichnete hat damit nurj diejenigen Veränderungen vorgenommen, welche die Bestimmung seines Werks als Volksbuch durchaus zu verlangen schien; weshalb auch einleitende Bemerkungen hinzugefügt, und einzelne Puncte in besonderen Anmerkungen und Znsätzen (vorzugsweise bei der vierten Unterabtheilung) näher erörtert wurden. k Au diesen, in der Hauptsache unerklärbaren Grundkräs- ten der Natur gehören nun auch die magnetische und die electrische Kraft. Darüber ist man allerdings so ziemlich einig, daß die Fähigkeit, andere Körper sowohl an sich zu ziehen, als abzustoßen, den Grundcharakter der magnetischen Kraft bilde, wobei man erster« Wirksamkeit als eine positive, letztere als eine negative bezeichnet; allein wahrhaft erklart ist die Erscheinung selbst hierdurch noch keineswegs, und doch muß man vor der Hand noch darauf Verzicht leisten, eine deutlichere Erklärung davon zu geben. Eben dieser Umstand ist Ursache, daß man jeden, der hierüber nähere Belehrung sucht, recht sehr zu bitten hat, er möge von bloßen Demonstrationen auf dem Papiere nicht allzu viel erwarten. Mit der Erläuterung des Wesens der elektrischen Kraft verhält es sich ganz eben so. Viele Physiker glauben diese Kraft auf eben die Art erklären zu müssen, wie die magnetische Kraft, und sprechen also auch bei der Electri- cität von einer positiven Anziehungs- und negativen Abstoßungskraft; andere hingegen/ und unter ihnen namentlich der berühmte Franklin, statuiren nur eine Art von Electricität, die sich aber verschieden kund gebe, und dann allerdings wieder nach positiven oder negativen Wirkungen distinguirt werden könne. Aus diesem letztern Grunde war auch Franklin der Meinung, daß man die magnetische und die elektrische Kraft keineswegs für einerlei zu halten habe, sondern beide als verschiedene Grundkräfte ansehen müsse *). Gegenwärtig verwerfen zwar die meisten Physiker »->)^Vergl. BicAer's Aufs, über Benjamin Franklin, in der Berliner Monatsschrift, Jahrg. 1783. Bd. 2. S. 18. 7 diese Ansicht von Franklin, und hatten sich von der Grund-Identität zwischen der electrischen und der magnetischen Kraft vollkommen überzeugt. Allein es ist doch nicht in Abrede zu stellen, daß ungeachtet der scheinbaren Ähnlichkeit zwischen dem, theils anziehend, theils abstoßend wirkenden Elementacfeuer, welches wir Electricität nennen, und der anziehenden und abstoßenden Kraft des Magnetismus, dennoch die sogenannte electrische Polarität, den unmittelbar empfindbaren Wirkungen nach, noch etwas Anderes seyn dürfte, als positiver und negativer Magnetismus. Jedenfalls sind die Untersuchungsacten über das wahre gegenseitige Verhältniß beider Kräfte zur Zeit noch nicht geschlossen. 2. Notizen zur Geschichte der natürlichen sowohl, als künstlichen magnetischen Kraft. Die frühere Kenntniß der magnetischen Kraft ging ganz von den natürlichen Erscheinungen an dem sogenannten Magnetsteine aus. Von diesem Stein, den man im Alterthume ohnweit des heutigen Smyrna an dem metallreichen Berge Sipylus zuerst, und zwar in so großer Menge aufgefunden zu haben scheint, daß höchst wahrscheinlich auch die dortige Stadt Magnesia davon ihren Namen erhielt, wußten schon die alten Griechen und Römer, daß er eine eigenthümliche An- ziehungs - und Abstoßungskraft besitze. Plato und Theo- phrast nennen ihn den heraklischen Stein, weil die vorerwähnte Stadt Magnesia ehemals auch Herakles genannt worden seyn soll. Plinius seinerseits führt (List, nntur. XXXVI, 16. u. 25.) die Entdeckung der merkwürdigen Ei- 8 genschaften dieses Steins auf einen Viehhirten, Namens Magnes zurück, von dem der Stein selbst den Namen erhalten haben soll. Er erzählt, dieser Magnes habe eines Tages, als er auf dem Berge Ida seine Schafe gehütet, plötzlich das Wirken einer unbekannten Kraft empfunden, die ihn auf dem Orte, wo er eben gestanden, an den Nägeln seiner Schuhe und dem eisernen Stachel seines Stockes so entschieden festgehalten, daß er sich nur mit Mühe losreißen können: er habe daher die Sache näher untersucht, und beim Nachgraben einen Stein gesunden, welcher das Eisen an sich gezogen. Auch Jsidorus Hispalensis (driM. XVI, 4.) erzählt den Vorfall auf diese Art; nur nennt er den Magnes nicht einen Hirten, sondern einen Priester der Isis. Während sich über diese Eigenschaft des Magnctsteins namentlich der Dichter Lucretius (icke re- rnm natura, VI, I4V0.) dahin ausspricht, daß der Magnet das Eisen nicht nur anziehe, sondern auch zurückstoße, daß er durch andere Körper durchwirke, daß also durch seinen Einfluß fünf und mehrere eiserne Ringes die Fähigkeit annehmen könnten, sich gegenseitig gleich einer Kette zu tragen, und daß Eisenfeilspane in einem kupfernen Kessel unruhig würden, wenn man ein Stück Magnetstein darunter halte — war Plinius sogar schon darüber im Klaren, daß Eisen fähig sey, die außerhalb wirkende magnetische Kraft des Magnetsteins selbst anzunehmen. Die wichtigsten, hierher gehörigen Beobachtungen hatte man also auch schon im Alterthume gemacht. Der gemeine, den Alten bekannte Magnctstein ist ein dunkelgrünes Eisenerz, welches in sehr verschiedenen Weltgegenden namentlich in Urgebirgsschichten von Gneis, Glimmer, Ehlorit-Schiefer und Kalk, mitunter aber auch im Scrpentinstein vorkommt. Zn Schweden giebt es besonders große Lager davon, und es wird daselbst sehr gutes Eisen daraus gewonnen; auch soll der Berg Tabery in Schwedisch-Lappland ganz aus solchem Magnetstcin bestehen. Ein Gleiches sagt man von dem Pumachanchi-Verge in Chili. Daß übrigens der orientalische, aus China und Bengalen kommende, mehr in's Rechliche fallende Magnetstein noch mehr Kraft besitze, als der aus Europa und Amerika, wird wenigstens in der Regel behauptet. Uebri- gens ist rücksichtlich des natürlichen Magnetsteins die merkwürdigste Thatsache die, daß derselbe am ursprünglichen Orte seiner Lagerung noch nicht magnetisch ist, sondern daß die einzelnen Stücke davon erst, nachdem sie zu Tage gefördert und eine Zeit lang dem Einflüsse der atmosphärischen Luft ausgesetzt worden sind, ihre magnetische Kraft erhalten. Dabei hängt das Verhältniß der Kraft der natürlichen Magnete keineswegs von ihrer Größe oder ihrem Gewichte ab; vielmehr wirken kleinere verhältnismäßig fast immer stärker, als größere. So besaß z. B. Newton einen Magneten, der nur drei Gran wog, und dennoch eine Last von 74V Gran zu tragen vermochte. Gegenwärtig weiß man schon längst, daß sich die anziehende Kraft des Magnctsteins bedeutend erhöhen läßt, wenn man ihn zu beiden Seiten mit eisernen Schienen oder Schaalen — sogenannte Arniaturen — bekleidet. Man läßt dieselben gewöhnlich in zwei dickere, einander entgegen stehende Enden auslaufen, welche dazu bestimmt sind, ein eisernes Querstück — den Anker — aufzunehmen und mittelst desselben die angehängten Gewichte zu tragen. Schon ältere Physiker haben durch Beispiele nachgewiesen, daß die Armaturen wirklich die Kraft des Magneten verstärken. 10 Wolf z. B. gedenkt eines Magneten von Mersenne, welcher unbewaffnet nicht mehr als eine halbe Unze, mit der Armatur dagegen an zehn Pfund zu ziehen im Stande war: obgleich die Richtigkeit der Angabe des Jesuiten de Lanis, sein Magnet vermöge bewaffnet 864 Gran zu ziehen, während er ohne Armaturen nur 45 Gran bewältigen könne — m's Ungewisse gestellt bleiben mag. Legt man einen Magneten in Eisenfeilspäne, so zeigt sich, daß er nicht an allen Puncten gleiche anziehende Kraft besitzt, sondern vielmehr die Eisenfeile an zwei entgegengesetzten Puncten stärker, als an den übrigen an sich zieht. Diese Puncte nennt man die Pole. Hängt man einen Magneten horizontal an einem feinen Faden auf, so nimmt er eine unveränderliche Richtung an, und kehrt immer wieder von selbst zu dieser zurück, wenn man ihn daraus abgelenkt hat. Diese Eigenschaft nennt man die Polarität des Magneten. Der Pol, welcher ziemlich genau nach Norden weist, heißt Nordpol, der entgegengesetzte Südpol. Nach dem Zeugniß des englischen Arztes William Gilbert, der im Jahre !600 gründlich über den Magneten schrieb, ward die Polarität schon im zwölften Jahrhunderle entdeckt. Von den bisher besprochenen natürlichen Magneten unterscheiden sich aber die künstlichen. Man hatte schon sehr früh bemerkt, daß das Eisen, welches mit dem Magneten in Berührung gewesen war, selbst wieder kleine Stücke Eisen festhalten konnte. Nicolaus Cabäus gedachte 1629 zuerst des Magnetismus des Eisens, welche Entdeckung Gassendi und Grimaldi einige Zeit später wirklich bestätigt fanden, indem die Rostrinden der eisernen Kreuze auf verschiedenen Thürmen magnetisch waren. Diese um die Mitte des II 17. Jahrhunderts gemachten Erfahrungen lehrten, daß nicht nur daS Eisen, wenn es der Luft ausgesetzt sey, mit der Zeit zum wirklichen Magneten werde, sondern auch durch eine künstliche Behandlung, wie durch Streichen mit natürlichen Magneten, durch das Glühen und Abkühlen, durch Hämmern u. dergl. magnetisch gemacht werden könne. Hierdurch ward der Weg zur Erfindung künstlicher Magnete gebahnt. Neaumur machte im Jahre 1723 zuerst seine Beobachtungen über die Mittel bekannt, wodurch man daS Eisen ohne Magnet magnetisch machen könne, welche Beobachtungen Du Fay von 1728 — 1781 fortsetzte. Er hing nämlich 172S eine Eisenstange senkrecht auf, schlug mit dem Hammer an da« eine Ende derselben und sogleich wechselten die Pole derselben ab, das geschlagene Ende, welches vorher ein Südpol war, wurde ein Nordpol und so umgekehrt. Man wendet zu den künstlichen Magneten ausschließlich harten Stahl an, indem Eisen und weicher Stahl den Magnetismus zwar leichter annimmt, aber auch sehr bald wieder verliert, so daß man keine bauerhaften Magnete daraus erhalten kann, was auch schon Clairaut 1723 zeigte. Die Erfindung des Streichens mit natürlichen oder schon gebildeten Magneten ward höchst wahrscheinlich von weh» reren Gelehrten zugleich gemacht, da man sie nicht nur dem Franzosen Jeblot und dem Engländer Savery zuschreibt, sondern auch Eastelli von seinem Lehrer Galilei erzählt, dieser habe sich schon in seiner Jugend mit Verfertigung von künstlichen Magneten beschäftigt und einen Magneten zu Stande gebracht, der nur sechs Unzen wog und 15 Pfund trug. Doch ist Savery wenigstens der Erfinder des sogenannten Doppelstrichs; d. h. er zuerst setzte 12 in der Mitte des zu magnctisirenden Stahlstabes zwei natürliche Magnete auf, und fuhr dann mit denselben in entgegengesetzter Richtung nach den Enden des Stabes hin. Er zeigte auch, wie man die magnetische Kraft durch Hülse eines gewissen Streichens, ohne einen künstlichen oder natürlichen Magnet dazu zu gebrauchen, so anhäufen könne, daß ein solcher Magnet über Idv Pfund zu tragen im Stande sei. Diese Methode, künstliche Magnete aus gehärtetem Stahl ohne Hülfe eines natürlichen Magnetes zu verfertigen, brachte der Engländer Knight 1745 zu einer größern Vollkommenheit; er weigerte sich jedoch, seine Erfindung bekannt zu machen. Später brachte er eine Art magnetisches Magazin zu Stande, das alle frühern und spätem Apparate übertraf und mit welchem er die Pole der kräftigsten natürlichen oder künstlichen Magnete beinahe augenblicklich umwenden oder auch ihre Tragkraft verstärken konnte. Er verfertigte ferner auch künstliche Magnete, die aus mehrcrn unter einander gemischten Materien, z. B. aus fein zertheiltem Stahl, Kohlenstaub und Leinöl, bestanden, aus denen er einen Teig bereitete, der im Feuer eingetrocknet steinhart wurde; was diesem Magnetteig eine sehr verstärkte Anziehungskraft ertheilte. Einige Jahre später, I7üv, legte der Engländer Mitchell einen Stahlstab zwischen zwei eiserne Stäbe in der Richtung der Magnetnadel und strich dann mit einem dritten eisernen Stabe von N. nach S., wodurch der Stahl magnetisch wurde. Dem Le Maire und Du Hamel verdankt man die Verstärkung der Kraft deS Magnetes durch sich selbst, indem sie mehrere künstliche Magnete mit einander verbanden und damit durch Bestreichen andere noch stärkere künstlicheMagnete verfertigten. 13 Der Magnet verliert seine Kraft, wenn er erwärmt oder gar glühend gemacht wird, wenn man ihn auf Stein mit Stein schlägt oder auch nur fallen läßt; ferner, wenn er sich mit Rost überzieht oder wenn ihn der Blitz berührt; auch soll das plötzliche Losreißen deS Ankers seine Kraft sehr schwächen, wie der Abbe Le Noble erzählt, dem zufolge einer seiner Magnete, der 6 Pfund wog, und 90 Pf. trug , nur noch 38 Pfund zu tragen im Stande war, als der dazu gehörige Anker bei 100 Pfund Gewicht abriß. Ob es gleich eine alte Erfahrung war, daß der Blitz oder der electrische Schlag Stahlnadeln elcctrisch machen, gelegentlich die Pole einer Magnetnadel umkehren könne u.s. w., so war es doch der neuesten Zeit erst vorbehalten, viel stärkere und mächtigere Magnete durch Electricität zu erzeugen. Zur Darstellung solcher größerer Magnete eignete sich freilich nicht die Reibungselcctricirät, sondern die am Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte Berührungselcctricität, Galvanismus genannt. Ludwig Galvani, Professor zu Bologna, machte im Jahre 1791 durch Zufall die, später bis zum Jahre 1798 von Alexander Volta 'verbesserte Entdeckung, daß zwei verschiedene Metalle, z. B. Zink und Kupfer, die beide mit der Erde in Verbindung gewesen, wenn man sie isolirt hielt, dann mit einander in Berührung brachte, und hierauf wieder trennte, auf die Art elektrisch wurden, daß das Zink positive und das Kupfer negative Electricität annahm. Diese einfache Electricität wurde dann im Jahre 1799 durch die Entdeckung der voltaischen Säule, welche aus Schichten von Zink-, Kupfer- und mit Säure getränkten Tuchplatten zusammengesetzt war, noch bedeutend verstärkt, und diente späterhin zur Verfertigung sehr großer , ' 14 Magnete, die ihrer Abstammung wegen Electromagnete genannt wurden. Ein für den ersten Anschein sehr geringfügiges Experiment gab Anlaß zu dieser letztem Erfindung. Ein Dane, Oerstedl, fand im Zahre 1820, daß der SchließungSdraht einer solchen galvanischen Kette in horizontaler Richtung über oder unter einer freischwebenden Magnetnadel dieselbe aus ihrer natürlichen Lage ablenkte, und Arago in Paris bemerkte bei Wiederholung diese« Versuches, daß der SchließungSdraht seines starken galvanischen Apparates Eiscnfeile anzog und sich rundum damit belegte. Diese Anziehung war nur auf Eisenfeile, nicht auf Kupfer- oder Mesfingfeile wirksam, und unterschied sich daher wesentlich von der gewöhnlichen electrischen Anziehung. Seine Vermuthung, daß dieser electrische Strom benutzt werden könne, um Stahlfedern magnetisch zu machen, fand er bei angestellten Versuchen wirklich bestätigt. Slurgeon zu Woolwich bediente sich zuerst statt des Stahls des weichen Eisens. Er gab nämlich einem 20 bis 24 Zoll langen und einen halben Zoll dicken Eisenstabe die Form eines Hufeisens, umwand denselben mit 170 Windungen starken KupferdrahtS, brachte die Enden desselben durch Queckstlbcrschälchen mit einem galvanischen Apparat in Verbindung und erhielt so fast im Augenblick der anfangenden Wirkung des electrischen Stromes, einen starken Magneten, dessen Wirkung zwar fast in einem Momente verloren ging, wenn man einen oder beide Leitungsdrähte aus der Verbindung brachte, die sich aber wiederherstellte, wenn der Kreislauf deS Stromes geschlossen wurde. Seit dieser Zeit sind von den meisten Physikern in Europa und Amerika solche Magnete dargestellt worden, von denen jedoch die Electromagnete des Henry und ten Eyck in Nordamerika 15 die stärksten sind. Sie gebrauchten ein weiches Hufeisen, Z Zoll dick, 30 Zoll lang und 6V Pfund schwer, umwanden dasselbe mit 26 einzelnen 5! fußigen Kupferdrähten; die übrigbleibenden Enden wurden so zusammengelöthet, daß alle 26 den positiven Strom empfangenden und ebenso alle 26 den positiven Strom wieder zur galvanischen Kette hinübersührenden Drähte vereinigt waren. Diese zu- sammengelöthetcn Enden wurden mit einem Plattenpaare von 4^ Quadratsuß durch Quecksilberschälchen fest verbunden und in gesäuertes Wasser getaucht, wodurch dann der Magnet eine Tragkraft von 2000 Pfund erhielt. Lenz und Iacobi in Dorpat haben sich mit diesem Gegenstande ausführlich beschäftigt und gefunden, daß die Stärke dieser Electromagnete von den Dimensionen de» Eisens, von der Art der Umwickelung, Dicke des Drahtes und Stärke der voltaischen Säule abhängig ist. Wir kommen nun zur nähern Erörterung der verschiedenartigen Anwendung der magnetischen und elektrischen Kraft. Ä. Die Anwendung der magnetischen Kraft zum Eompaß. Vom Compaß giebt es drei verschiedene Arten. Am wichtigsten ist der See-Compaß. Einige Physiker haben vermuthet, daß schon die Phönizier, die berühmteste seefahrende Nation des AlterthumS, einige Kenntniß des CompasseS gehabt haben, und daß derselbe wohl schon zu den Zeiten de» Salomo bekannt gewesen sepn könne. Allein die Phönizier können auch ohne Kenntniß desselben ihre Seereisen gemacht haben, weil sie in der Regel sich niemals auf die offene See wagten, sondern bloS an den Küsten hinfuhren, ohne jemals das Land aus den Augen 16 Zu verlieren, wie es auch alle übrigen Volker des Alterthums gelhan. Nicht viel mehr Wahrscheinlichkeit hat die von dem jesuitischen Missionair Martini aufgestellte Behauptung, daß den Chinesen der Compaß schon 2V00 Jahre v. Chr. bekannt gewesen sey. Der Grund dieser Behauptung liegt blos in einer Fabel der Chinesen, nach welcher der dritte chinesische Kaiser Hoang-ti 27V6 v. Chr. einen Wagen machte, auf welchem eine Figur stand, die mit ihrem Arm von selbst beständig gegen Mittag zeigte. Dagegen soll Ching, der zweite Konig in China, aus dem Hause Cheu, IV70 v. Chr. dem Gesandten von Cochin» china eine künstliche Maschine geschenkt haben, die sich von selbst bewegte und einen sowohl zu Wasser als zu Lande sicher führte, welche Chinan hieß, was noch jetzt bei den Chinesen einen Compaß bedeutet. Uebrigens finden sich fast alle Geschichtsschreiber, welche den Chinesen die Erfindung des Compasses zutheilcn, hierzu blos deshalb veranlaßt, weil die Europäer, als sie zuerst nach China kamen, denselben daselbst schon antrafen. Gilbert und Kircher schließen aus den Schriften des Vencrianers, Marcus Paulus oder Marco Paolo, daß er den Compaß um das Jahr 1260 aus China mit nach Italien brachte, und für ihre Meinung spricht vornehmlich das Beibehalten der bei den Chinesen üblichen Einrichtung, die Nadel auf einem Stück Korkholz befestigt auf dem Wasser schwimmen zu lassen. Cassini dagegen meint, die erste Erfindung des Compasses sei unbekannt; doch hätten die Franzosen dieses Instrument vor mehrern hundert Jahren in Europa zuerst zur Schissfahrt gebraucht. Eine andere Spur findet sich in dem Nomane von der Rose des französischen Dichters Guyot de Provins, der im Jahre 1181 am Hoflager Kaiser Fried- 17 richs I. zu Mainz sich befand, in welchem des Magnets unter dem auffallenden Namen Murinetto als eines häßlichen schwarzen Steins gedacht wird. Aus allen diesen bereits angeführten Spuren vom Compasse erhellet, daß nicht, wie von Hiacinto Gimma und Gregorius Grimaldi behauptet wird, Flavio Gioja aus Amalfi um das Jahr IZ00 der Erfinder des Compasses, sondern blos der Verbessere! gewesen scy, indem er die Magnetnadel, die früher auf einem Stück Korkholz auf dem Wasser schwamm, auf eine feine Spitze in einer Büchse setzte und den Compaß nach den Weltgegenden in acht Striche eintheilte. Der gewöhnliche Schiffs- oder Steuercompaß ist in einem viereckigen hölzernen Kasten eingeschlossen, der oben mit einem Glasbeckel versehen ist. Wegen der beständigen Schwankungen des Schiffes ist es nöthiz, die Nadel mit einem cylindrischen GeHause von Kupfer zu umgeben, das, wie die Lardanische Lampe, zwischen zwei Ringen aufgehängt ist. Die Nadel ist durch eine kreisförmige Papierscheibe bedeckt, welche in Z2Theile getheilt ist, und ^>ie die Windrose genannt wird. In dem Gehäuse ist auf der Seite, die nach dem Vordertheil des Schiffes gewendet ist, ein schwarzer Strich angebracht. Wenn nun ein Schiffer nach einem gewissen Orte segeln will, so hat er zuerst in der Seekarte nachzusehen, unter welchem Himmelsstrich derselbe von dem abzusegelnden Orte liegt; er wendet alsdann das Schiff so, daß der schwarze Strich immer mit dem auf der Windrose bezeichneten Windstriche zusammentrifft und während seiner ganzen Fahrt nicht davon abweicht. Da dieses Instrument für die Schissfahrt von der größten Wichtigkeit ist, so haben die Schisser mit großer Aufmerksamkeit die Magnetnadel beobachtet, und schon Downie, 2 18 der Steuermann des englischen Kriegsschiffes tlie Klorze, hat im Jahre 1794 bemerkt, daß die Masse und die Nahe deS Eisens aus den meisten Schissen die Nadel anziehe, was dadurch zu bemerken scy, daß selten zwei Schiffe, welche nach einerlei Eurs steuern, parallele Richtung halten, ungeachtet ihre Eompasse, wenn sie auf demselben schiffe verglichen werden, ganz genau übereinstimmen. Im April 1820 wurde von Barlow auf dem Schiffe I^e?en in 19 verschiedenen Richtungen zwischen Ost und West die Abweichung des Compaffes durch Vergleichung mit Beobachtungen auf dem Lande bestimmt. Diese Abweichung entstand durch die Eisenmassen, z. B. durch die eiserne Spindel des Eabestans zum Auswinden des Ankers und anderer Lasten, durch den eisernen Hebelarm des Steuerruders, durch die eisernen Kanonen und Gcwehrlasten, durch das zur Aufspannung der Segel erforderliche Eisenwerk u. s. w. Barlow gründete hierauf die Möglichkeit einer Compensa- tion der magnetischen Abweichung, indem er in dem Gestelle des Compasses eine Eisenscheibe von 12 bis 14 Zoll Durchmesser und von 1^7 Linie Dicke anbrachte. Die Größe und der Ort dieser Scheibe überhaupt muß erst durch genau angestellte Versucht, ehe das Schiff den Hafen verläßt, bestimmt werden. Weil die Abweichung der Magnetnadel in vielen Gegenden der Erde noch nicht genau bestimmt ist, ihre Kraft in einigen nördlichen Gegenden fast ganz verschwindet und auch die Verbesserungsplatte ihre Wirkung versagt, so hat man einen Compaß erfunden, bei welchem die Richtung der Magnetnadel durch unveränderliche Erscheinungen am Himmel controlirt wird, und einen solchen 1824 der Nordpolexpedition zur Probe mitgegeben. 19 Nächst dem See-Eompaß ist die Boussole zu erwähnen. Dieses, zu geometrischen Messungen bestimmte Instrument besteht aus einer Büchse von Messing, in welcher auf einem senkrechten Stist die etwas lange Magnetnadel angebracht ist; auf dem Rande des Bodens der Büchse ist ein messingener Ring oder Kreis befestigt, der genau in 36V Grade getheilt ist. In der Mittagslinie sind zwei Dioptern errichtet, durch welche man nach einem entfernten Punctc Visiren kann, um zu bestimmen, wie groß die Abweichung dieses Punctes von der Mittagslinie ist. Die dritte Stelle gebührt dem Compaß der Bergleute oder Markscheidercompaß. Er unterscheidet sich von der Boussole einzig dadurch, daß er nicht in 360 Grade, sondern in 24 Stunden eingetheilt ist; man zählt nämlich von Norden nach Süden zwölf Stunden, und eben diese Eintheilung kehrt von S. nach N. zurück; nur in Ungarn soll man nach Delius bis vierundzwanzig zählen. 4. Die Anwendung der magnetisch - elektrischen Kraft zur Fernschreibeknnst oder Telegraphic. Obgleich die auf einfache, sichtbare Zeichen gestützten Fernschreibemaschinen oder Telegraphen der Theorie und Erfahrung schon ziemlich vollkommen sind, so haben sie doch immer den Mangel, daß sie bei trübem und feuchtem Wetter, so wie auch bei Nacht ganz unbrauchbar werden. Dieser Uebelstand brachte schon im vorigen Jahrhunderte die Physiker auf die Idee, die Geschwindigkeit des elektrischen Stromes, die noch bedeutend größer als die dcS Lichtes ist, zum Telegraphircn zu benutzen. Winklcr zu Leipzig bewirkte schon im Jahre 1746 die Entladung von soge- L« 20 nannten Leidener Flaschen durch einen Docht von betrachtlicher Lange, wobei die Pleiße einen Theil der Verbindung herstellte. Ebenso bracht- Le Monnier zu Paris Erschütterungen durch eine Drahtlänge von 12,000 Fuß hervor, und Watson in London dehnte den Versuch der Entladung auf eine Strecke von vier englischen Meilen aus, wo zwei Meilen Draht und zwei Meilen trockenes Erdreich die Kette bildeten, was auch nach dem Zeugniß von Humbold durch Berancourt im Jahre 1798 geschah, welcher eine solche Drahtkette von Aranjuez nach Madrid zog und dadurch die Entladung einer Leidener Flasche vornahm. Alle diese Versuche haben ganz deutlich gezeigt, daß man durch die Reibungselectricität auf sehr große Entfernungen hin Zeichen geben kann und daß durch Vergrößerung der'LeitungS- kette keine große Verminderung der elcctrischen Kraft entsteht; jedoch ist die Construction solcher Telegraphen wegen Unsicherheit der Entladung und wegen der Schwierigkeit, die in die Erde eingesenkten Drähte zu isolircn, wenig ausgeführt worden. Die neuere Zeit hat ein bei weitem besseres Mittel zum Telegraphiren in der Anwendung der Berührungselectricität oder des Galvanismus gegeben. Sömmering stellte zuerst im Jahre 1807 in München im Gebäude der königlichen Academie einen galvanischen Telegraphen her, indem er durch die voltaische Säule Wasserzersetzungen in ZÜ kleinen Fläschchen vornahm, die mit den Buchstaben K, —2 und mit den Zahlen 0 — 9 bezeichnet waren, und in welchen das Aufsteigen der Luftblaschen des zersetzten Wassers als Aeichen dienen sollte. Jedoch fand auch diese Entdeckung wegen der vielen und langen Drähte, bei großen Entfernungen keine Anwendung. Erst als Oerstedt's wichtige 21 Entdeckung des Elektromagnetismus bekannt geworden war und man wußte, daß eine im Multiplicator —seinem spiralförmig gewundenen Kupferdraht — sreischwebende Magnetnadel durch drn electrischen Strom aus ihrer natürlichen Richtung abgelenkt wurde, und zwar nach der Richtung des Stromes entweder östlich oder westlich, lag der Gedanke sehr nahe, statt der Wasserzersetzung dieses Mittel zur Telegraphie anzuwenden. Der Erste, welcher diese Idee festhielt und auch ausführte, war Ampere, wie Ritchie der Londoner Societät den 12. Febr. 13ZV anzeigte. Die Ablenkung der Magnetnadel durch den electrischen Strom konnte hierbei auf doppelte Art hervorgebracht werden: entweder durch die voltaische Säule oder durch Znduction. Man hatte nämlich, wie schon früher erwähnt wurde, gefunden, daß die durch einen Multiplicator strömende Elec- lricität Magnetismus in seinem Innern erzeuge, und Faraday hatte, wie er der Londoner Societät den 24. Novbr. 1831 berichtet, dieses Verfahren umgekehrt und durch den Magnetismus im Innern eineS solchen Multiplikators Electricität in demselben hervorgerufen, welcher Electricität er den Namen Magnetelectricität oder Electricität durch Znduction beilegte. Es giebt jetzt überhaupt vier im größern Maßstabe ausgeführte Telegraphen; der erste stammt von Gauß und Weder in Göttingen, der zweite von Sleinheil in München, der dritte von Whoatstone in London und der vierte von Morse in Amerika. — Gauß und Weber haben das Verdienst, im Jahre 1333 den ersten einfachen galvanomagnetischen Telegraphen wirklich hergestellt zu haben. Sie hatten von dem physikalischen Kabinette aus über die Häuser und Thürme von Göttingen bis zur Sternwarte eine 22 doppelte Drahtverbindung geführt, welche später noch von der Sternwarte bis zu dem magnetischen Observatorium fortgesetzt wurde. Dadurch bildet sich eine große galvanische Kette, worin der galvanische Strom, die an beiden End- puncten befindlichen Multiplikatoren mitgerechnet, eine Drahtlänge von 9000 Fuß zu durchlaufen hatte. Der Draht der Kette ist größtentheils Kupferdraht von einer solchen Stärke, daß eine Länge von einem Meter ungefähr 8 Gramme wiegt. Hierbei war die Erfahrung sehr wichtig, daß dieser sehr lange Draht keiner besonderen Jsolirung bedurste, und daß ein einziges Plattenpaar von sehr geringer Größe, z. B. einem Zoll im Durchmesser, durch eine mit reinem Wasser getränkte Papierscheibe verbunden, zur Ablenkung der größten Magnetnadel schon hinlänglich war. Gauß benutzte zuerst die Induktion zur Erzeugung telegraphischer Merkmale. Der Magnetstab, Torsionsstab, welcher als Zeichengeber benutzt wird, ist 16 bis 18 Zoll lang, Z bis 6 Linien dick und 15 bis 24 Linien breit, und an einem Faden frei- schwebend aufgehangen; um diesen Stab ist der Draht deS Multiplikators so gewunden, daß er von diesen Windungen umgeben, zwischen ihnen sich frei bewegt. Zur Erzeugung der Electricität wendet Gauß ein ihm eigenthümlicheS sehr zweckmäßiges Verfahren an. Ein oder zwei starke magnetische Stahlstäbe, jeder wenigstens 25 Pfund schwer, stehe» lothrecht in einer Art Schemel, mit dem Nordpole die Erde berührend. Auf diese Stäbe ist ein hölzerner Ring mit zwei starken Handhaben geschoben, um welchen mit Seide übersponnener Kupferdraht in vielen Windungen gewickelt ist. Die beiden Enden deS Drahtes führen vermittelst dünner VcrbindungSdrähte zu dem Ende des Multiplikators, in welchem der Magnetstab frei schwebt. Führt man nu» 23 diesen Ring mit den Umwicklungen an den Handhaben über oder unter die Mitte des Magnetstabes, so entsteht in diesem Jnductions-Multiplicator ein clectrischer Strom, welcher den Torsionsstab zur Ablenkung bringt. Es ist aber nothwendig, daß man nach jeder Bewegung einen Augenblick ruht, bis die Zuckung des Stabes deutlich wahrgenommen worden ist; macht man dann eine Bewegung dieses Ringes in entgegengesetzter Richtung, so wird dadurch eine Zuckung in entgegengesetzter Richtung hervorgebracht; auf diese Art kann man solche Zuckungen bald nach der einen, bald nach der andern Seite erzeugen, woraus man dann durch Combination gewisse Zeichen erhält. Der zweite electrische Telegraph ist im Jahre 18Z7 von Prof. Steinheil in München! errichtet und besteht aus drei Theilen. Der eine führt von der königlichen Academie nach der königl. Sternwarte zu Bogenhausen und zurück, dessen Drahtlänge ist SO,500 Par. Fuß. Der dazu angewendete Kupferdraht wiegt 210 Pf. Beide Drähte sind in Abständen von Z bis 10 Fuß über die Thürme der Stadt hin gespannt. Ein zweiter Theil der Leitungskette führt von der königl. Academie nach der Wohnung des Prof. Steinheil und nach der Sternwarte in der Lerchenstraße. Diese Leitung besteht aus Eisendraht, der hin und zurück auf dieselbe Art ausgespannt 0000 Fuß lang ist. Ein dritter Theil der Kette endlich führt im Innern des Gebäudes der königl. Academie nach der mechanischen Werkstätte des physikalischen Cabinettes und ist ein 1000 Fuß langer dünner Kupferdraht, fortgeführt in den Fugen des Fußbodens, zum Theil eingemauert. Diese drei Theile bilden eine in sich selbst geschlossene Linie, in welcher dann die Apparate zur Erzeugung des galvanischen Stroms und die 24 Zeichengeber eingeschaltet sind. Später ist »on Steinheil statt der doppelten Drahtkette blos eine einzige angewmdet worden, indem, er die Erde selbst als Halste des Leiters benutzte. An diesem Telegraphen sind einige zwar zusammengesetzte aber zweckmäßige mechanische Einrichtungen angebracht, welche vorzüglich dazu dienen sollen, daß der Zeichengeber durch Anschlagen an Glocken den Beobachter aufmerksam macht, und daß er die gegebenen Zeichen selbst ausschreibt. Die beiden andern Telegraphen endlich sind im Wesentlichen auf ähnliche Art eonstruirt. Alle wirken durch die magnetischen Effekte der Electri- cität, entweder indem sie eine Magnetnadel ablenken, wie die europäischen Telegraphen, oder indem sie weiches Eisen magnetisiren, wie der de« Morse. Gauß und Morse gebrauchen eine einzige Kette oder einen einzigen Doppeldraht, der zwischen den beiden telegraphischen Stationen hin und her geht. Whoatstone endlich nimmt fünf Drähte, mittelst deren er alle Buchstaben de« Alphabets augenblicklich signalisiren und durch zweckmäßig« Eombinationen derselben wenigstens 200 Zeichen hervorbringen kann. Einen sehr zweckmäßigen Telegraphen hat Vorssel- m a nn, Professor am Alhenäo zu Deventer, den ZI. Jan. I8Z9 in einer Sitzung der physikal. Gesellschaft vorgeschlagen, bei welchem die physiologischen Wirkungen der Electri- cität vorzüglich auf den Tastsinn angewendet worden sind. Die Vorzüge dieses Telegraphen sollen nach der Meinung des Erfinders darin bestehen, daß l) der physiologische Telegraph der einzige ist, welcher für sehr große Entfernungen anwendbar ist; 2) daß die Leitungsdrähte nicht so stark zu seyn brauchen, wodurch die Kosten bedeutend vermindert 25 werden; 3) daß die Apparate viel einfacher und 4) daß die Kosten der Unterhaltung und zum Betriebe desselben weit geringer sind. Die Empfindung, welche der Durchgang der Electricitat durch die Nerven in irgend einem Theile des Körpers hervorbringt, wird desto merklicher, je größer die Intensität des Stromes und je kleiner der auf der Richtung des Stromes senkrechte Querschnitt des Körpers ist. Vorsselmann wendet zehn Drähte an, deren Enden dies- und jenseits mit zehn vollkommen gleichen Tasten verknüpft sind, welche unter einander in keiner metallischen Verbindung stehen. Jede Taste ist doppelt, so daß gleichsam zwei Klaviere da sind, das^ eine unter dem andern, und die beiden Tasten, die obere und untere, sind metallisch vereinigt; jedoch kann man nach Belieben die eine oder die andere niederdrücken und dann tritt jede für sich in ein Gefäß mit Quecksilber. Die oberen Tasten l bis 5 tauchen in Queck- silbergefäße, die mit ^ bezeichnet, und die andern fünf obern Tasten, k bis 10, tauchen in Gefäße, die mit L bezeichnet werden sollen; ebenso ist es der Fall mit dm zehn untern, deren Quecksilbergefäße mit L und v bezeichnet sind. Die Gefäßt^rund v, und L und t! sind metallisch verbunden. Jede von diesen Tasten ist mit einem Kupferstreifen belegt, der, um in die Gefäße tauchen zu können, an seinem Ende rechtwinklig gekrümmt ist. In den Tasten der untern Reihe sind Löcher angebracht, damit die obern Tasten durchgehen und in die Quecksilbergesäße und L eintreten können; die letzteren Gefäße sind mit den beiden Polen des elektrischen Apparates verbunden. Am andern Ende des Telegraphen befindet sich ein Beobachter, der seine zehn Finger auf die zehn Tasten entweder der obern oder der untern Reihe setzt; dadurch kann man jedweden zwei Fingern dessel- 26 ben eine Erschütterung mittheilen und zwar finden 25 Erschütterungen an der Zahl statt, wenn man den Strom durch einen Finger der Linken und durch einen der Rechten gehen laßt, welche die Buchstaben des Alphabets bedeuten. Diese Erschütterung fühlen aber blos die beiden Finger, welche aus die Tasten gesetzt sind, die denen am Orte der Zeichengebung niedergedrückten entsprechen, und damit die Wirkung durch die Berührung am Orte der Zeichengebung nicht geschwächt werde, so zieht der Zeichengeber Handschuhe von Wolle oder Seide an. » Z. Die Anwendung der magnetischen und electrischen Kraft als Triebkraft. Es war eine schon im Anfangt deS 13. Jahrhunderts bekannte Erscheinung, daß, wenn man dem Nordpol eines freischwebenden Magnets den Nordpol eines andern Magnets näherte, derselbe mit einer großen Gewalt zurückgestoßen und im Gegentheil dieser Nordpol von einem genäherten Südpol 'angezogen ward, woher auch zwei gleichnamige Pole feindliche und zwei ungleichnamige freundschaftliche genannt wurden. Durch diese Erfahrung und durch die, oben erwähnte, im Jahre 1826 von Sturgeon gemachte Entdeckung, Magnete von sehr großer Stärke durch den electrischen Strom zu erhalten und ihre Pole augenblicklich umkehren zu können, wurden die Physiker auf die Idee gebracht, diese Kraft als Bewegungsmittel'zu benutzen. Der Erste, welcher den Electro-Magnetismus als bewegende Kraft anwandte, war ohnstreitig Dal Negro zu Padua I8Z1. Er stellte einen gewöhnlichen Magnetstab, welcher um eine wagerechte Axe drehbar war, senkrecht zwi- 27 schen den Armen eines weichen Hufeisens auf. Wenn er nun das weiche Eisen durch den eiectrischcn Strom zu einem Magneten machte, so wurde das dem Eisen zugewandte Ende des Stabes durch den einen Pol angezogen, durch den andern abgestoßen, und auf diese Art eine Schwankung in der Richtung des freundschaftlichen Poles vollbracht. Hierauf wurden die Pole umgekehrt; die Anziehung ging in Abstoßung über und umgekehrt; und, indem er so am Ende jeher Schwankung die Pole verwechselte, erhielt er eine fortdauernde Schwingungsbewegung. Die Schwingung des Stabes selbst wurde von ihm als Mittel zur Verwechselung der Pole benutzt, und die schwingende Bewegung durch eins einfache mechanische Vorrichtung in eine drehende Bewegung verändert und so zum Heben von kleinen Lasten gebraucht. Mit dieser ersten electro-magnetischen Maschine*) konnte er Iso Grm. in einer Minute zur Höhe eines Mette heben. Der vorzüglichste Mangel dieser Maschine war, daß der Magnetstab, der durch seine Schwingungen die Maschine in Bewegung setzte, nur durch die Anziehung und Abstoßung eines einzigen Poles wirkte. Ueberdieß mußten die Arme des weichen Hufeisens dicht bei einander stehen, wodurch das Wirken jedes Poles auf sich selbst geschwächt wurde; daher wandte später Dal Negro, um diesem Mangel abzuhelfen, statt des Stabes einen Hufeisenmagnet an. Die Holländer Stratingh und Becker zu Groningen wandten I8Z5 den Electro-Magnetismus zuerst zur Hervorbringung einer fortschreitenden Bewegung an. Dieser *) ^nnsli llelle seien!« 3«1 Hegne 1>oinl<»räo-Veaet». März 1834. 28 electro-magnetische Wagen hatte folgende Einrichtung: Zwischen den Polen eines weichen Hufeisens ist ein weicher Eisenstab um eine senkrechte Axt drehbar. Beide werden durch Electricität zu Magneten gemacht und durch eine zweckmäßig ausgeführte Verwechselung der Pole bekommt man eine drehende Bewegung, die durch ein Kronrad auf die horizontale Axt eines Wagens übertragen wird und diesen in Bewegung setzt. Fast zu gleicher Zeit verfertigte Prof. Botto zu Turin, ohne den Wagen des Slratingh zu kennen, einen ähnlichen Wagen. Er bestand aus einem hölzernen Rade von 65 Zoll Durchmesser, welches um eine horizontale Axe drehbar war. An dem Umfange dieses Rades waren parallel mit der Axe ^ zwölf Eylinder von weichem Eisen befestigt, die in Bewe- S^g gtsttzt wurden durch die Wirkung von acht feststehenden Eisenstäben, deren Pole während einer Umdrehung zwölfmal umgekehrt wurden. Durch ein einfaches Vorgelege wurde von der horizontalen Axe aus die drehende Bewegung an eine andere Axe übertragen, welche die beiden Räder eines Wagens an ihren Enden enthielt, der außerdem noch mit einem dritten Rade versehen war. Die Batterie bestand aus 10 Quadratfuß Kupfer- und Zinkfläch« mit Wasser von Beimischung von Schwefelsäure und die Zugkraft betrug ungefähr ^ Pferdekraft. Dieser Wagen unterschied sich von dem des Stratinzh dadurch, daß die Pol-Umkehrung wie bei Dal Negro in dem festen Theile des Apparates geschah, während sie in dem des Stratingh in dem beweglichen Theile hervorgebracht wurde. Auch in Amerika hat man sich in der neuesten Zeit sehr mit der Verfertigung electro-magnetischer Maschinen 29 beschäftigt und vorzüglich haben Davcnport, Eallun und Page auf verschiedene Art den Electro - Magnetismus als bewegendes Mittel angewandt. Davenport hat das Modell eines von electro-magnetischer Kraft getriebenen Eisenbahnwagens nach London gesendet, welches sich auf einer kreisförmigen Bahn mit einer Geschwindigkeit von drei Meilen in der Stunde fortbewegt; der Wagen selbst hat ungefähr 1 Quadratsuß Querschnitt und zieht «v Pfund mit sich fort. Jedoch läßt sich schon aus dem Modelle ersehen, daß die Bewegkraft, auf diese Art angebracht, für Wagen im Großen unpractisch erscheint. In New-Uork soll er bereits eine electro-magnetische Maschine von zwei Pserde- kräften zur Bewegung einer Presse für den Druck einer Tageszeitung hergestellt haben, welche ganz den vorgeschriebenen Anforderungen Entspricht. Der Nordamerikaner Page hat ein solches Instrument angegeben, wo ohne Wechsel der Pole durch Magnetismus Bewegung hervorgebracht wird. (?) Vorzüglich aber haben sich die beiden Physiker, Ja codi und Lenz, durch ihre wissenschaftlichen und gelehrten Untersuchungen um diese neue Kraft verdient gemacht, und sind daher auch als eigentliche Begründer des Electro- Magnetismus zu betrachten. Jacob! construirte zuerst im Jahre 1834 eine Maschine, welche aus acht festen und acht beweglichen Eisenstäben besteht. Diese Stäbe werden durch Umwickclung mit dem Schließungsdrahte einer Voltaschen Säule so zu Electromagneten gemacht, daß im Kreise herum der Nord- und Südpol immer mit einander abwechseln, und die festen Stäbe immer denselben Magnetismus behalten. Giebt man nun der Scheibe, worauf die acht beweglichen Stäbe sich befinden, einen Stoß, so werden sie sich so weit fortbewegen, bis die ungleichnami- 30 gen Pole einander gegenüberstehen, und dann nach einigen Oscillationen stehen bleiben; kehrt man sodann ihre Pole um, so werden dadurch die ursprünglichen Bedingungen zur Bewegung wieder erneuert. Diese Umkehrung der Pole, von welcher die sortgesetzte Bewegung abhängig ist, wird vermittelst einer besonderen Vorrichtung, welche der Com- mutator heißt, bewerkstelligt. Die schwingende Bewegung des Dal Negro wird dadurch in eine unmittelbar drehende verwandelt, wobei jedoch immer noch der Mangel eintritt, daß nur einer von den beiden Polen eine Nutzwirkung ausübt. Durch diese Vorrichtung war er anfangs im Stande, ein Gewicht von 2V Unzen zu heben. Er bemerkt jedoch hierbei ausdrücklich, daß die erste Construction seiner elektromagnetischen Maschine größtentheils nach bloßem Herumtappen geschah. Seit dieser Zeit hat er sich vorzüglich mit der Ermittelung der Gesetze dieser merkwürdigen Kraft beschäftigt und manche sehr wichtige Resultate erhalten. Die Wichtigkeit dieser neuen Entdeckung und die vergrößerte Ausführung solcher Maschinen veranlaßte die russisch kaiserliche Regierung im September des Jahres 1837 eine Commission niederzusetzen, bestehend aus dem Vicead- miral v. Krusenstern, den Akademikern Fuß, Ostragradski, Kupfer und Lenz, dem Obersten Sobolcwski und dem Oberstlieutenanc Buratschok, welche unter der Leitung des Prof. Ja codi Versuche über die Anwendbarmachung des Electro-Magnetismus als Triebkraft für Maschinen, namentlich zur Bewegung von Schissen, anstellen sollte. Diese Aufgabe ist auch als gelöst zu betrachten, indem am 25. Sept. 1838 von ihr ein Boot auf der Newa in Bewegung gesetzt wurde. Es wurde von der Commission eine achtruderige Schaluppe von 28 Fuß Länge, 7^- Fuß Breite 31 und 2^ Fuß Tieft im Wasser gebraucht, welche nach Act der Dampfschisse mit Rudcrrädern versehen und zu deren Bewegung die eleclro-magnetische Kraft benutzt wurde. Die Geschwindigkeit des Bootes in ruhendem Wasser betrug 3 Fuß, und sie würde gewiß größer gewesen seyn, wenn sich nicht bei dieser ersten Probe so manche Mängel gezeigt hätten. Die Batterie bestand auS 320 Plattenpaaren, jede Platte von 36 Quadratzoll, und war längs der Wände des Bootes aufgestellt, so daß noch ungefähr 12 bis 14 Personen auf demselben Platz hatten; sie nahm aber einen zu großen Raum ein und die Handhabung derselben war daher äußerst beschwerlich. Schon im folgenden Jahre I83S führten wichtige Veränderungen in der Vcrtheilung der Stäbe und eine besondere Einrichtung des CommutatorS, vorzüglich auch der voltaschen Batterie, zu günstigem Resultaten, so daß man im Stande war, mit einer Gesellschaft von 14 Personen und mit einer Geschwindigkeit, nicht geringer als die des ersten Dampsbootes, den ganzen Tag über theils mit, theils gegen den Strom zu fahren, wobei auch die Batterie auf 64 Plattenpaare aus Zink und Platina nach Grove zurückgeführt war. Nach den von Jacob! aufgestellten Gesetzen sind nun auch in Deutschland von einigen Mechanikern Versuche gemacht worden, diese elcctro-magnetische Kraft als bewegende Kraft zu benutzen, unter welchen vorzüglich die Herren Stöhrer in Leipzig und Wagner in Frankfurt am Main zu nennen sind. Der Erstere zeigte schon im vorigen Jahre in einer Sitzung der polytechnischen Gesellschaft zu Leipzig ein solches Modell, welches sich bei der großen Einfachheit und leichten Aufstellung vortheilhaft auszeichnete. Es wurde durch eine Batterie, deren Ainkoberfläche S9 Quadratzoll 32 betrug, in Bewegung gesetzt und hob in einer Minute 2 Pfund auf eine Höhe von 3 Fuß. Mit drei Elementen (unter einem Element versteht man nämlich einen kupfernen mit Kupfervitriol-Auflösung angefüllten Cylinder, in welchem ein Zinkcylinder hängt), jedes zu 99 Quadratzoll, wurden 7 Pfund in einer Minute 3 Fuß gehoben. Die angewandten Electromagnete hatten Stabform, und, um die Kraft zu vermehren, sehr große Polflächen, die nahe an einander vorbeigingen. Die Umdrehungsgeschwindigkeit betrug mit einem Elemente in der Minute 100, mit drei Elementen 230 Umdrehungen; der Kostenaufwand betrug für diese Kraft innerhalb 12 Stunden ungefähr vier Groschen, wobei jedoch die Hälfte des Kostenaufwandes durch das aus dem Kupfervitriol genommene metallische Kupfer gedeckt wurde. Es arbeitet dasselbe jetzt mit vier Elementen und setzt eine Drehbank zum Messingdrehen in Bewegung. Nach diesem beschriebenen Modell ist jetzt von Hrn. Stöhrer eine größere Maschine vollendet worden, bestimmt, eine Buchdruckerpresse in Bewegung zu setzen; eine ähnliche wird in der Werkstätte der Leipzig-Dresdener Eisenbahn unter seiner Leitung gebaut, welche einige bcladene Personenwagen auf der Eisenbadn führen soll. Zu technischen Zwecken hat er seine Batterie und Maschine folgendermaßen eingerichtet: 1) Die Wirkung und mithin die Bewegung der Maschine hört augenblicklich auf, sobald die elwtrische Verbindung unterbrochen wird, was durch Ausheben eines Drahtes geschieht. 2) Die Batterie wirkt, so lange man will, ununterbrochen ganz gleichmäßig fort, wenn man nur einmal des Tages von Neuem Kupfervitriol einbringt. 33 3) Kann durch Ausheben und Einsenken des Zinkcy- linders die Wirkung der Batterie sogleich unterbrochen und hervorgebracht werden. 4) In der Batterie entwickelt sich kein Wasserstoffgas, so daß sie überall ohne Gcsahr für die Gesundheit aufgestellt werden kann. 5) Das durch chemische Wirkung der Electricität aus dem Kupfervitriol sich niederschlagende Kupfer kann von Zeit zu Zeit leicht herausgenommen werden. Aus allen diesen Versuchen sieht man die Möglichkeit, wovon auch die Physiker überzeugt sind, die electro-magne- tische Kraft statt der Dampfkraft zum Treiben von Maschinen zu benutzen; wenn sich die Annahme bestätigt, daß man auf diese Art mit geringen Kosten eine größere Kraft hervorbringen kann. Bei der Anwendung sowohl des Dampfes als des Electco-Magnetismus hat man Wasser noth- wendig; im erstem Falle wird es verdampft, im zweiten zersetzt. Zu der Verdampfung gebraucht man Warme, folglich Kohlen, Holz, überhaupt Brennstoff; zu der Zersetzung ist chemische Wirkung nothwendig, und hierzu Zink. Kann man also berechnen, wieviel Zink erforderlich ist, um «ine Maschine von der Kraft von einem, 1V oder Ivv Pferden zu betreiben, so lassen sich dann sehr leicht Verglei- chungen anstellen. Obgleich Jacob! und Lenz sehr ausführliche Versuche über diesen Gegenstand angestellt und wichtige Resultate für die Wissenschaft erhalten haben, so ist doch immer noch nicht bestimmt erwiesen, ob nach diesen angegebenen Verhaltnissen auch wirklich die vergrößerte Darstellung solcher Electromagnete möglich ist; denn es kommt hierbei nicht auf die Tragkraft des Magneten an, sondern auf die Anziehung, die in die Ferne ausgeübt wird. 3 34 Es werden daher noch folgende drei Stücke durch Versuche im größern Maaßstabe zu bestimmen bleiben, ob sie mit den von Jacobi und Lenz angegebenen Resultaten übereinstimmen : 1) Wie die bewegende Kraft von der erregten Magnetkraft abhängt? 2) Wie die Magnetkraft durch die entwickelte Electri- citätsmengc bestimmt wird? 3) Wie die entwickelte Electricitätsmenge mit der verbrauchten Zinkmenge zusammenhängt? Bis jetzt hat der Amerikaner Callun nach Berechnungen, welche auf Versuchen beruhen, gefunden, daß eine electro-magnetische Maschine von der Kraft der gewöhnlichen Dampfwagen für 1800 Thaler gebaut werden kann, daß sie nicht mehr als zwei Tonnen wiegt und daß der jährliche Aufwand, um sie in Gang zu setzen und zu regieren, 2300 Thlr. nicht übersteigt. Vergleicht man diese Berechnungen mit den Resultaten von Dampfmaschinen, so findet man, daß die Kosten dieser Vcwegkraft sich zu der der Dampfmaschinen wie 1:4 verhalten. Dabei stehen die Kosten größerer und kleinerer Maschinen nicht im Verhältnisse der Größe der Wirkung, sondern im Verhältnisse der Quadratwurzeln aus der Größe der Wirkung, so daß eine 16 mal stärkere Maschine für 4 mal größere Kaufkosten zu bauen und für 4 mal größere Kosten zu unterhalten ist, als die von einer einfachen Kraft. 35 6. Die Niiwendmig der magnetischen nnd elektrischen Kraft als Heilmittel. Die magnetische und clcctrische Kraft ist von so eigcn- thümlicher Natur, daß ihr Einwirken auf organische Körper gar nicht befremden darf. Auch finden wir wirklich, daß der Magnetstein auch in dieserj Beziehung schon in den ältesten Zeiten, z. B. bei den Chaldäern, Acgyptcrn und Hebräern, vorzüglich aber bei den griechischen und römischen Aerzten in großem Ansehn stand. Nach Kirchec's Bericht gaben Dioscorides und Galen den Magnetstein feingepulvert als Mittel gegen die Verdickung der Säfte und Wassersucht. Auch Aötius, der im Jahre 500 nach Chr. Geb. lebte, behauptete, daß ein in der Hand gehaltener Magnet gegen Podagra und Gicht der Gelenke diene, und an den Hals gehalten, Kopf- und Zahnschmerzen heile, und der arabische Arzt Avicenna im Ii. Jahrhunderte brauchte ihn vorzüglich gegen Nervenschmerzen: so wie auch die Chinesen sich seiner noch jetzt in der Arzneikunst sehr häusig bediemn. Indessen ist die wirkliche Heilkraft der Magmte in Krankheitsfällen noch keineswegs durch eine genügende Anzahl von Beobachtungen außer Zweifel gesetzt; insbesondere mangelt es noch gar sehr an genauern Bestimmungen über die eigentliche Entwickelung der Heilkraft. Da jedoch das Eisen ein so allgemein verbreiteter Stoff ist, daß man es sowohl in den Säften und dem Blute, als in den festen Theilen von Menschen, Thieren und Pflanzen findet, so läßt sich die Einwirkung des Magnets aus organische Körper wohl nicht bezweifeln. Wendet man den Magnet bei gesunden Theilen an, so bringt er streng genommen nur Empfindungen hervor, die sich von der 3* 3K Kälte seines Stoffes ableiten lassen; ja, selbst bei Kranken wirkt er hausig nur aus dieselbe Art; doch giebt es allerdings Personen, die ganz eigenthümliche Empfindungen bei seinem Gebrauche haben: was in der Regel von der größern oder geringcrn Reitzbarkeit der Nerven abhangt. Im Allgemeinen fehlt es aber noch gar sehr an näheren Erörterungen hierüber. Nach den Berichten von Becker, der sich vorzüglich mit diesen Magnetcuren beschäftigt hat, erfolgt eine eigenthümliche Empfindung erst nach längerem Gebrauch, und es zeigen sich dann vorzüglich bei rheumatischen oder gichtischen Schmerzen, Schwindel, Ohnmacht, Gesichtsschwäche u. s. w. bedeutende Erleichterungen. Allein fast jeder Arzt, der den Magnet anwendet, befolgt hier seine eigene Methode. Teske in Königsberg, der mir großem Glück den Magnet bei allen Krankheilen angewendet hat, widerspricht den Behauptungen, welche von einigen Aerzten ausgestellt worden sind, daß der Nordpol stärkere Wirkungen zeige, als der Südpol, und glaubt, daß beide Pole gleiche Kraft äußern. Uebrigens wenden die Aerzte gewöhnlich Hufeisen-Magnete an, die sie an der Stelle, wo unter derselben eine Empfindung entsteht, so lange festhalten, bis sie ganz aufgehört hat; weil sie glauben, daß man dann den leibenden Nerven getroffen habe, und daß dieser gleichsam mit Magnetismus gesättigt werden müsse. Seit einigen Iahren haben auch zu Leipzig die beiden Aerzte vr. Wagner und vr. Friedländer den Magnetismus und vorzüglich die durch Magnetismus erzeugte Elcctri- cität (Magnerocleciricität) auf verschiedene Art gegen Krankheiten und Lähmungen im Nervensystem angewendet und zu diesem Zwecke eine große Sammlung magnetischer Apparate aufgestellt. 37 Indessen bleibt es doch immer eine sehr unsichere Suche mit dieser Heilmethode. Den Beweis dafür liefert die Thatsache, daß man, trotz alles Streitens, noch heute keinen schlagenden Grund für die Richtigkeit der Behauptung anführen kann, daß der, aus den besondern Eigenschaften der natürlichen und künstlichen Magnete abzuleitende mineralische Magnetismus von dem, zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts in Ruf gekommenen thicrischen oder animalischen Magnetismus wesentlich, d.h. seiner natürlichen Grundlage nach, verschieden sey. Dieser thic- rische Magnetismus wird von seinem Erfinder, dem schweizerischen Arzte Anton Mesmer, auch Mesmerismus genannt. Mesmer selbst und seine unmittelbaren AnHanger waren außerordentlich für dieses Heilmittel eingenommen. Allein es war dabei auch viel Schwärmerei und Charlatanerie mit im Spiele. Mesmer hatte sich schon seit l77Z zu Wien mit Euren beschäftigt, die auf mineralischen Magnetismus gestützt waren, indem er krankhast afficirte Theile nach gewissen Richtungen mit Magneten bestrich, oder die leidenden Theile damit in dauernde Verbindung brachte, wobei er bei nervenschwachen Personen eine Menge ganz eigener Erscheinungen beobachtet haben wollte. Er stellte die Vermuthung auf, daß die Magnct- stäbe nicht blos durch ihre eigene Kraft, sondern als Leiter einer von seinem eigenen Korper auf den Kranken ausgehenden Kraft wirkten. Die Bestätigung für diese Vermuthung leitete er daraus ab, daß, seiner Versicherung nach, dieselben Erscheinungen stattfanden, wenn er ohne Magnet mit seinen blosen Händen vom Kopfe des Kranken wiederholt nach den Füßen heruntcrstrich, oder auch in einiger Entfernung vom Kranken diese Bewegung machte. Die 38 Erzählungen von seinen außerordentlichen, größtentheils widernatürlichen Euren machten das größte Aufsehen; jedoch widersetzte sich ihm sehr bald der gesunde Menschenverstand der Wiener, und er fand es deshalb angemessen, den Schauplatz seiner Euren von Wien nach Paris zu verlegen. Hier wußte Mesmer seiner in einem eigenen Salon ausgeübten neuen Cururt so viel wunderbares Beiwerk zu geben, daß der König von Frankreich im Zahre 1784 für rathsam hielt, eine Eommission zur genauen Untersuchung der Sache niederzusetzen. Diese bestand aus den Physikern Franklin, Leroy, Bailly, de Borg und Lavoisier, als Mitgliedern der Academie, und aus den Aerzten Sallin, Darret, Guillotin und Majault, als Mitgliedern der medicinischen Facultät. Der Bericht dieser Eommission enthält folgende Angaben über Mesmer's Verfahren: In einem großen Saale saßen Personen verschiedenen Alters und Standes, ungefähr zu zwei Drittheilen weiblichen Geschlechts, um eine hölzerne Badewanne, aus welcher gekrümmte, bewegliche Stangen von Gußeisen hervorragten, mit deren äußersten Enden die Patienten die leidenden Theile in Berührung brachten. Die sammtlichen Patienten waren durch ein langes Seil verbunden, das man um den Leib jedes Einzelnen geschlungen hatte; auch setzten sie sich zu Zeiten dadurch in nähere Verbindung, daß sie die Daumen in einander hakten. Mesmer führte einen Eisenstab in der Hand, und berührte damit die leidenden Theile deS Patienten; im Allgemeinen aber diente eine sanfte Vocal- und Instrumentalmusik zur Erhöhung der Wirkungen. Seine Gchülscn legten die Hände in die Seiten und, auf den Unterleib der Kranken, drückten sie sanft und setzten dieses oft eine Stunde lang fort. Nach 39 kürzerer oder längerer Zeit traten dann die Wirkungen ein, indem einige von den Magnetisirten in Convulsionen sielen. Um sich nun von der Wirksamkeit dieser Heilart zu überzeugen, ließen die Mitglieder der Commission einen Versuch an sich selbst damit anstellen, und sich wöchentlich 2^ Stunde lang magnetisiren; allein dieß geschah, ohne daß sich bei ihnen auch nur die mindeste Wirkung zeigte; selbst bei denen nicht, die zufallig etwas unwohl waren. Noch nicht hierdurch abgeschreckt, wählten die Beurtheiler jetzt vierzehn, nach Alter, Stand und Geschlecht ganz verschiedene Patienten zu einer neuen Probe aus. Neun von denselben empfanden von dem angewendeten Magnetismus gar keine Wirkung; zwei hatten einige, aber so schnell vorübergehende und wenig hervorstechende Empfindungen, daß es nicht zu bestimmen war, ob dieselben dem Magnetismus zugeschrieben werden konnten; bei drei Individuen endlich zeigten sich auffallende Erscheinungen, welche jedoch nach der Meinung der Eommission nicht vom Magnetismus, sondern vom Einflüsse äußerer Umstände abgeleitet werden mußten. Daß wirklich die Einbildungskrast solcher Kranken vorzüglich wirksam sey, davon überzeugten sie sich dadurch, daß sie mehrere Personen, die vorzüglich empfindlich für den thierischen Magnetismus schienen, mit verbundenen Augen einer magnetischen Behandlung bald wirklich, bald scheinbar unterwarfen. Gewöhnlich erschienen die Wirkungen, wenn die Kranken glaubten, daß sie magnetisirt würden; dagegen blieb jede Wirkung aus, wenn man sie glauben machte, das Magnetisiren sei unterbrochen, so sehr sich auch die geübtesten Magnetiseurs abmüheten, die Wirkungen hervorzurufen. Diese und andere Erfahrungen bestimm- 40 ten die Kommission zu der Erklärung, die Existenz eines eigenthümlichen, animalischen Magnetismus sey blos eingebildet, die beobachteten Erscheinungen würden durch das Drücken, das Betasten und die aufgereizte Phantasie erzeugt. Nach diesen, für seine Lehre durchaus nicht erfreulichen Ersahrungen fand Mesmer sich veranlaßt, sein Heil damit von neuem in Deutschland zu versuchen; und es gelang ihm wirklich über Erwarten, Aufsehen damit zu erregen *). ^) So wenig ehrenvoll es auch für unser Deutschland klingt, so läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß auch bei der Schwärmerei für den thierischen Magnetismus, wie bei dem Enthusiasmus für viele andere Mode-Theorien (um nicht Modp-Thorheiten zu sagen) die alte Sucht der Deutschen, Alles, was in dieser Art vom andern Ufer des Rheins aus zu ihnen gelangt, als herrlich und wundervoll anzustaunen und bestens nachzuahmein, von Anfang an (1785) bis jetzt eine große Rolle gespielt hat. Die Franzosen selbst haben gar häufig über diese unverständige Nachbetern gespottet, und dennoch hat sie sich wie eine unheilbare Krankheit bei uns forterhalten. Schon in der kleinen Pariser Hand-Zeitung, die daselbst seit 1786 unter dem Titel: KI» (loire«pnn>Iunee erschien, ward unter dem 14. Mai 1787 im Bezug auf diese Schwärmerei der Deutschen für Mesmer nicht unwahr bemerkt: „81 le bl-igne- Usme etnit ne » Vieirne »u ä Kerstin, 11 8or:xt inoit