Gedanken über die Deutschland herrschende Theurung, nebst Vorschlagen dieselbe künftig abzuwenden, von O. Ferdinand W u r z e r, Kurhcssischeni Hofrathe, ord. Professor der Chemie und Pharmacie auf der Universität Marburg, wie auch mehrerer Akadcnneen und gelehrten Gesellschaften Mitglieds Leipzig, in Kommission bei Barth. i L c> 5. — — yuoä -» sä noz ?err!ner N Qezeire mslum est, sZitsmuz Seinem Landsmaune u nd innigst geliebten Freunde, dem Kurf. Pfalz-Bayerischen General-Stabs-ChirurguS bei der fränkischen Inspektion, Herrn v« Brünninghausen aus ungeh euch elter Hochachtung für Seine großen Verdienste um die Menschheit gewidmet von dem Verfasser. ^)n einem Zeitalter, wo das Treiben und Jagen nach Veränderungen und Neuerungen in allen Theilen der Staatsverwaltung ohne Maaß und nicht selten — ohne Ziel ist; wo Alles, was Athem hat, reformirt und erfindet; wo sogar in der Moral, in der Religion eben so, wie am Krankenbette, und in der Naturkunde :c. mit jedem Tage neue Wahrheiten zu Tage gefordert werden; wo Organisationen, Desorganisationen, Reorganisationen sich in mehreren Landern unaufhaltsam drangen, wie die wogenden Wellen eines reißenden Stromes, so daß die harrende Menge fast athcmloö kaum zur Besinnung kommen kann, und nur mit weit offenem Munde sich des Glücks im Geiste freut, das ihr auf diesem Wege zu Theil werden soll; kurz: in einem Zeitpunctc, wo Alles „an, x-ss äs claar-As" dem Ziele der Vollkommenheit entgegen eilt, und man im Fluge der Begebenheiten kaum Zeit hat, unfre — gutherzigen Vorfahren zu bemitleiden; da ertont im schauerlichen Mißklangc das Wort „Theu- rung" von einem Ende Deutschlands bis zum andern', — Mit fortreißender Geschwindigkeit hat sich dies Ucbel von einem Staate zum andern fortgepflanzt. Nicht bloS in den Landern, wo der letzte Krieg (jener Krieg ohne Gleichen) seinen Schauplatz durch Greuel Verheerungen und Ströme von Blut (ob zum Frommen der spatern Generationen?) sehr leserlich bezeichnet hat, sondern auch in den Staaten, deren Krieger einen minder langen Krieg, und auf fremden Boden, führten, hat dies Unglück seinen Sitz aufgeschlagen. — Jammer und Elend sind überall in seinem Gefolge und Taufende von Familienvätern, welche nur mit vieler Mühe einige Trümmer ihres ehemaligen Wohlstandes retteten, werden jezt vollends der Verzweiflung Preiß gegeben, und fallen »ach so vielen Opfern, welche sie bald dem Vaterlande, bald dem Kriege und zuletzt der Jndemnisation zu machen gezwungen wurden, nun — selbst als Opfer eines allvcrhccrcnden Mangels. — Wo allgemeine Noch die Menschen drückt, da ist jeder Mann, dessen Herz noch nicht durch die Seuche der Selbstsucht fühllvS geworden ist, wo nicht verpflichtet, doch wenigstens berechtigt, die Resultate seiner Erfahrungen und seines Nachdenkens bekannt zu machen, und den höhern Behörden bescheidene Zweifel über die Zweckmäßigkeit solcher Maaßregeln vorzulegen, welche im Fache der öffentlichen Verwaltung noch Widersprüchen unterworfen sind. — Jeder Negierung, die aus reinen Motiven handelt, können Bemerkungen und Urtbcile Einzelner wichtig werden, thcils in so weit sie als Organ der Volksstimmc über öffentliche Angelegenheiten angesehen werden können, 7 und thcils dadurch, daß die Begriffe dieser Glieder des Staats über Sachen, die mit dem Interesse des Ganzen zusammenhangen, aufgeklärt werden. — Die Zahl der Unzufriedenen, die in unübersehbaren Reihen dort ihr Geschrei erheben, wo Mißbrauche auszurotten sind, an welche der Eigennutz vieler Tausende geknüpft ist, und die durch ihren Lärm den bescheidenen Dank der zufriedenen Menge überschreien, können dann ja wenigere Stimmen durch sophistische Unterschiebungen, Verdrehungen und Verfälschungen der Absichten ihrer Regierungen für sich zählen. — Die beste Staatsverwaltung ist nicht fähig, Allen Alles recht zu machen, und eine unmögliche Forderung an die Fürsten wäre es, die p o sitive Glückseligkeit aller einzelnen Unterthanen in jedem Falle zu befördern. — Jede Staatsverwaltung, welcher die Stimme der öffentlichen Meinung nicht gleichgültig ist, findet also gerade hierin eine Unterstützung ihrer philantropischen Plane; da jedes Volk, welches nicht auf der Bahn der Cultur sehr weit zurückgeblieben ist, über sein Wohl und Weh, und über die Art, ; wie es regieret wird, nun einmal raisonirt und Bemerkungen macht. Gewalt richtet dagegen nichts aus, erhebt nur im Gegentheil die Stimmen noch mehr; dies beweisen Eis- und Transrhenanische Erfahrungen. Weder die Knute, noch die Deportationen konnten die Menschen zum schweigen bringen. — Und eben diese Theurung hat schon in manchen Landern zu sehr lauten (größtcntheils ganz ungcgründeten) Klagen Anlaß gegeben. Sodrückend nun auch die jetzt herrschende Tbeurung auf den Schultern der Hausväter lastet: so ist doch nicht jede Theurung eine Landplage, wie es von jenen sraatswirthschaftlichen Kanncngiessern behauptet wird, die alles nach den selbstsüchtigen Grundsätzen ihres faden Ichs bemessen, weil sie unfähig sind, ein Ereignis im Zusammenhange mit andern und nach dem Einflüsse, den es auch in der Entfernung äußert, zu betrachten, und daher dasselbe für sich allein und nur nach seinen u n m i tt e lb a r cn Folgen beurthcilcn. Es giebt eine Theurung, die vorrheilhaft ist, wenn sie nämlich aus dem raschen und schnellen Geldumläufe und dem dadurch verringerten Geldwerthe ohne wirklichen Mangel herrührt. Eine solche wvhltbätige Theurung erlebte ich am Unterrhcin in den ersten Jahren nach dem Ausbruche der französischen Revolution und während den belgischen und lütticher Unruhen. Die Früchte standen in unerhört hohen Preisen; aber der Wohlstand war in diesen Gegenden allgemein e r U e b e r fl u ß und herrschte unter allen Classic» der arbeitenden Bürger. — Die Theurung, die als Folge des GcldüberflusseS so wünschcnSwerth ist, ist eö aber gar nicht mehr, wenn sie das Resultat einer Circulation von Jdealgeldwerth ist. So entstand die entsetzliche Theurung zur Zeit der Assignaten in Frankreich. Der Jdealgeldwerth (Papier) hatte fein Verhältnis zum Realgeldwerth (klingende Münze) durchaus verloren z hier also war nur eine Illusion von Geldüberfluß. In dem Maaße, als daö Papier nicht mehr rcalisirt werden konnte, zog man ihm die klm- gende Münze vor/ die doch immer einen verhältniß- mäßigcn inncrn Gehalt hat. So gibt es auch eine Wohlfcilheit / welche aus der absoluten Armuth eines Landes/ aus wirklichem Mangel von Repräsentativ (Geld-) Werth entsteht/ welche daher ein großes Nationalunglück ist. Eine solche graßliche Wohlfeilheit gab es im Verlaufe des Krieges/ und unmittelbar nach dem Frieden in vielen Landern des Unterrheins/ nachdem sie durch Plagen aller Art fast ganz zu Grunde gerichtet waren; eins Wohlfeilheit/ bei deren Andenken jedem gefühlvollen Menschen die Haut schaudert. Ucberhaupt muß es den Menschenfreund jammern / daß in den reizenden Flure» / die der majestätische Rhein durchströmt/ und welche die Natur zum Wohnsitze stiller Freuden und häuslicher Tugenden bestimmt zu haben scheint / die biederen Bewohner so selten bis hiehin ununterbrochen ihres ihnen zugedachten Glücks froh werden können! Immer wurden sie in grauen Zeiten/ in dem Mittelalter und in unseren Tagen der Schauplatz sogenannter großer Thaten/ die mit Blut im Buche der Zeiten geschrieben stehen / und wovon die Trophäen auf Bergen von Menschenschadeln errichtet sind. Die Römcrmonumente/ die Ritterburgc und die Ereignisse/ die sich unter unser» Augen zutrugen / beweisen dieß nur zu kräftig. — Man erlaube diese Digression dem Verfasser / der an diesen schönen Ufern gebohren ward und selbst manchen frohen und viele schreckcnvolle Tage dort verlebte. ic> Daß Wohlfeilheit bei dein jetzigen Verhältnis; unserer Staaten nicht ein für alle Elasten der bürgerlichen Gesellschaft wünschenswertstes Gut ist, beweist Arthur Doung in seiner politischen Arithmetik. „Von r^Zo bis 1756" sagt er, „war das Getreide in England so spottwohlfeil, daß diese Nation wohl nicht wünschen sollte, wieder eine solche Periode zu erleben: die ganzen 26 Jahre über horte man von allen Ecken und Enden des Reichs nichts als Seufzer und Klagen über den Verfall und Untergang der Manufakturen." Nur für die arkadischen Schafer und im Schla ra ffe nl ande könnte eine große Wohlfeilheit zu wünschen seynz wo LugmS und Mode unbekannte Worte und Sachen wären, wo das blockende Lämmchen allen unfern Bedürfnissen abhelfen könnte, und wo der Gesang der Philomele die Quintessenz aller unserer Vergnügungen wäre. Die uns drückende Theurung ist leider! nicht von der rvohlthätigen Art und umfaßt jetzt alle Bedürfnisse des Lebens. Ein großer und bedeutender Thcil der Staatsbürger kann den laufenden Preis der Lebens- j bedürfnisse nicht mehr bezahlen, weil er das Verhältnis mit ihren Einkünften weit übersteigt. Alle (ach- tungswcrthcn) Elasten der StaatSglieder verlieren dabei ; nur der Wucherer gewinnt. — In den ersten Jahren der Plage verlor nur die Elasse der Staats- diener und Capitalisten. Die Producenten gewannen oder verloren doch nichts, und eben so die Handwerker, Fabrikanten u. f. w. Die letzteren erhöhten den Preis ihrer Fabrikate und konnten dabei bestehen. Jetzt aber haben ihre Produkte schon den unübersteig- bar-höchsten Preis erreicht, sie können das vorige progressive Verhaltniß nicht mehr beobachten, wenn sie nicht ihre Abnehmer durchaus abschrecken wollen. — Auch der gemeine Producent gewinnt jetzt nichts mehr dabei. Die fast allerwarts erhöhten Abgaben, der höhere Lohn seines Gesindes, die gestiegenen Preise seines GerathcS, seiner Kleidung ?e. machen, daß er bei den jetzigen Zeitumstanden mehr verliert, als gewinnt. Die erste und natürlichste Frage ist nun wohl diese: „Wodurch wird diese Theurung, die sich nicht ' auf besondre Provinzen Deutschlands beschrankt, veranlaßt?" Ich glaube, daß hier sehr viele Umstände eoncurriren, dies Ercigniß hervorzubringen, wovon vielleicht einzeln keiner (auf eine sehr bedeutende Weise) dies Unglück hatte erzeugen können. Aus dem Ueber- sehcn einzelner. Momente des Ursachlichen scheint es erklärbar, wie es möglich war, daß manche Staatsverwaltung, welche ernste und feste Maaßrcgeln gegen r diese allgemeine und gefahrliche Roth ausführen wollte, zu Mißgriffen verleitet wurde. Um die Gründe besonders und ganz bestimmt zu untersuchen, welche die Theurung veranlassen, müßte ich mir eine bestimmte Gegend vorsetzen , wodurch aber diese Schrift ihren Charakter der Allgemeinheit einbüßen würde. Ich bin der Meinung, daß die unten anzuführenden Ursachen diese Plage allenthalben in Deutschland begründen, daß aber 12 in einer Provinz diese, in der andern jene die Oberhand hat. Die erste, besonders für die den Rhein begran- zenden Lander, ist der Verlust der Früchte des linken Rheinufers, weiches sonst die dortigen Markte besorgte. — Dies Ufer, jene kostbare Perle, gieng aus der Krone Deutschlands in das Diadem Frankreichs über. - Die Lander, welche die vier neuen französischen Departemente ausmachen, gehörten unter die fruchtbarsten Provinzen Deutschlands. Das ehemalige Herzogthum Jülich, der auf dein linken Rheinufer gelegene Theil des Kurfürstenthums Köln, die Rheinpfalz zc. sind durch die Pracht ihrer Fluren allgemein bekannt. In den Mittlern Jahren (Mistwachs hat dort fast nie allgemein Statt) ist der reine Ueberschuß 18,265,792 Centner. Dieser enorme Ueberschuß gieng vormals größten- tHeils nach Deutschland, da Belgien und fast alle andern unmittelbar hinterliegenden Departemente wegen der Ergiebigkeit ihres eigenen Bodens dieses Uebcr- schusses gar nicht bedurften und selbst mehrere Lander noch versorgten. Dabei waren vor dem Kriege sehr wenige und meistens durchaus unbedeutende Brannte- ^ weinbrenncreien am linken Rheinufer. Diese entstanden erst , nachdem die französische Negierung die Fruchtausfuhr ganz, und selbst wahrend dem allgemeinen (damals Maire von Bonn) dtemoire 5vr lss guzrra Lcpzrremcnrz cro. d-lilmowe snr I- nsV-ezzir- ll'exempier lle routn rsxe Ie5 iiiniv . Uc - vic cie expoinäsz i> I'e- riüNAsr ew. xicserire - 8. 1!. Is dtlirizcre ci?5 tinznoes gür 8!eAer er lirietT. aZ Frieden Verbotben hatte. — Seit ungefähr anderthalb Jahren hat Frankreich angefangen, auf einige Zeit d>e Getreidesperre zuweilen zu suspendiren. — Es ist wohl also sehr begreiflich, daß dieser Unistand, besonders in den zunächst angranzenden Mandern, ein starkes Deficit ausmachen muß, selbst wenn auch dort die Ernte gut ausfallt. Die zweite Ursache ist wohl die Hemmung des freien KornverkchrS. — Der frciesteM arkt ist zuverlässig immer der wohlfeilste! Sehr einsichtsvolle Männer haben schon vor mehreren Jahren dieZweckwidrigkeit der Kornsperre einer Provinz gegen die andere zu erweisen gesucht; eS bedarf also kaum einer wcitern Erörterung dieses Gegenstandes. Was, nach meinem Urthcil, hierbei am schlimmsten ist, besteht darin, daß keine einzelne Regierung, sie sei) auch noch von so humanen und acht - staatswirthschaftlichen Grundsätzen beseelt, diese dem Ganzen so nachtheilige Vorkehrung aufheben kann. Die Pflicht der Selbsterhaltung und der Nothwehr gebietet sie jedem einzelnen Regenten, so lange nicht vom gesammten Deutschen Reiche allgemeine Vorkehrungen geschehen, welches auch schon im Jahre ,772. den Nachtheil dieser Maaßregeln anerkannte. Man findet zwar von Geschäftsmännern und Oekonomen das Beispiel von Neuwied im Jahre 1771 und jenes vom Herzogthum Berg in der neuesten Zeit angeführt und sucht daraus zu erweisen, daß selbst einzelne Fürsten wohl thäten, in ihren Ländern unbedingte FruchtauSfuhr zu gestatten, wenn auch in der ganzen Nachbarschaft Alles umher gesperrt wäre. Aber 14 aus beiden Beispielen laßt sich nur der, übrigens sehr bemerkenöwerthe, Satz folgern, daß in jenen Gegen- den wirklich kein so großer Kornmangcl war, als man geglaubt hatte, und als nöthig war, um eine Korn- sperrc wesen tlich zu machen, wozu im Bergischen auch noch seine vortheilhafte geographische Lage beitragen konnte, indem es entlang der fruchtbarsten Gegend des linken Rheinufers gegenüber liegt; seine Bewohner konnten also durch die Operationen der S omugler unmittelbar viele Früchte gewinnen. — Abcrauch nur die Nothwehr kann die Maaßregcl der Fruchtsperre rechtfertigen, indem es sonst in dem Handel eine eben so schädliche Störung ist, als wenn man dem Fabrikanten verbieten wollte, seine Waaren am Fremde zu ^ verkaufen. Eine dritte Ursache ist die augenscheinlich gewachsene Bevölkerung, die in einigen Staaten ungeheuer zugenommen hat. — Schon lange war es eine Licb- lingsidee mancher Staatsverwaltungen, die Zahl der Menschen innerhalb ihren Grenzen zu vermehren, ohne aber in dem Maaße für den sich dadurch erschwerenden Unterhalt zu sorgen. Jetzt fangen die Folgen schon an fühlbar zu werden. Es hat zwar allerdings seine Richtigkeit, daß noch viele Tausend Millionen Menschen mehr sich auf der Kruste unseres Planeten herum treiben könnten, und daß dennoch jedem Einzelnen ein stattlicher Raum zu seiner Privatdisposition übrig bleiben würde; indessen in dem Zustande der Cultur, worin wir uns befinden, gehört weit mehr dazu, als „Raum", den ich übrigens jenen doch auch nicht beneiden möchte, die in Grönland oder in den brennenden Wüsten von Afrika bei dieser Vcrtheilung ihre Residenz angewiesen bekamen; sollte man ihnen auch einige Füße zu ihrer Arrondirung mehr geben. Die vierte Ursache möchte, nach meiner Meinung, darin bestehen, daß man fast alle Jahre eine neue Menge Acckcr, die bloS zur Erzielung der Früchte ehedem bestellt wurden, jetzt zum Anbau desTabackS, der Runkelrüben, deö Flachses, der Rübesaat, der Zichorie, der Futterkräuter rc. bestimmt. — Ohne die Mitwirkung der übrigen Ursachen wäre das dadurch entstehende Deficit vielleicht kaum fühlbar; aber jetzt tragt es allerdings schon zum Ganzen bei. Zur fünften Ursache zahle ich den Mangel an Achtung für die Agricultur und ihre Behandlung als Wissenschaft, durch welche die Gewinnung des höchstmöglichsten Ertrags der Aecker immer noch nicht erreicht wird, und wodurch das Gleichgewicht der Pro- duction und des Bedürfnisses wieder genähert werden könnte. — Immer schmachtet noch dieser Grundpfeiler des öffentlichen Wohls, mit dessen Flor unser Wohlstand im engsten Verhältnisse steht, unter den Händen der rohcsten Empirie. Die Gegenstande des Lug-us lassen uns weder Zeit noch Muße, ihm die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken. Selbst der Stand der Bauern — so wichtig und so ehrwürdig er ist —> nimmt noch alle Jahre ab, weil sogar die Bauern, nur zu oft, den armseligen Ehrgeiz haben, ihre Söhne — Gelehrte oder Handwerker werden zu lassen; da ii! mi Gegcntheil kein anderer Stand seine Kinder zu Bauer» macht. Als sechste Ursache sehe ich die geringe Menge des cirkulirendcn Real-GeldwertheS an. Es ist nur zu bekannt, daß auf geraden und auf — krummen Wegen eine ^ganz ausserordentliche Menge Gelb — ins Ausland gegangen ist. Viele Negierungen sind fo verschuldet, daß manche beim besten Willen ihre Schulden wohl nie bezahlen werden und können, wenn nicht besonders vorthcilhafte Umstände in der Folge einrre- ten, welche sie begünstigen. Die Basis aller Cirkula- tio» besteht daher in vielen Gegenden in Slaatöobli- gationen, Kammerscheinen:c., also in Ideal-Geldwerth, der sein Verhaltniß zum Real-Geldwerth nur zu viel schon für manche Gegend verloren hat. Die siebente Ursache ist das Branntewcinbrcnnen aus Korn. In einigen Landern Deutschlands ist das wirklich zu einem enormen Grade gestiegen. BloS in den beiden Städten Quedlinburg und Wernigerode soll daS hierzu erforderliche Quantum sich jährlich auf beinahe 900,000 Berliner Scheffel belaufen. Und taglich nehmen noch die Brennereien in einigen Provinzen zu! — Offenbar liegt hierin eine furchtbare Quelle unseres jetzigen Mangels. Für die achte Ursache halte ich jene Zurückhaltung der Getraide-Vorrathe, welche größtentheils auf Wucher berechnet ist, waS, nach dem Verf. von No. Ziss im Reichs-Anz. 1804. — offenbar in einigen Erbstaaten Oesterreichs der Fall ist, wo selbst zwei gute nacheinander folgende Ernten die Theurung nicht ge- >7 mindert haben; was aber auch wohl unstreitig in andern deutschen Provinzen mehr oder weniger aus denselben unlautcrn Motiven geschieht, und wozu die öftern Gerüchte eines neuen Krieges auf dem festen Lande gewist nicht selten die Veranlassung geben. Hiebci darf man auch nicht vergessen, das Mißtrauen in Anschlag zu bringen, was die Landleute in vielen neu-acguirirtcn Landern gegen ihre ebenfalls neu- acguirirten Landesherren hegen. Sie glauben an einigen Orten, in jeder neuen Einrichtung nur — neue Abgaben zu sehen, vergrößern daher, wenn sie den Ertrag ihrer Ernte angeben sollen, ihr Vedürfniß, vermindern den Erlrag, und so entsteht von dieser Seite ein eingebildeter Mangel, der durch die schnell hinterher folgende Fruchtsperrc allgemeinen Lärm macht, und in den benachbarten, wirklichen Mangel habenden Landern die Noth vergrößert. — So Unrecht die Bauern in einigen Gegenden hierin offenbar haben : so wenig ist es ihnen wieder in andern zu verargen, wenn man nur erwägen will, daß sie — Wiedas Gerücht sagt — manche ihrer ehemaligen Beamten und Geistlichen (letztere nach dem Verluste fast unermeßlicher Güter) bei ihren, nur zu oft schlecht bezahlten Pensionen darben sehen. — Ueberhaupt scheint es mir äusserst ungerecht, wenn diese Menschen nicht mit einem vorzüglichen Zartgefühl behandelt werden. Das besondre Schicksal ihres Vaterlandes, was — in Europa wenigstens — nicht gewöhnlich war, scheint mir diese Rücksichten für sie einigermaßen zu erheischen. 2 i3 Dieß sind, nach meinem Dafürhalten, die Po» lenzen, welche diese verheerende Plage hervorbringen.— Sollte ich wirklich hier auf den Grund des Uebels gekommen seyn, so ist es wohl, leider! nicht mehr zu bezweifeln, daß diese Theurung, wenn sie auch zuweilen, und hoffentlich dieses Jahr durch die zu erwartende gute Ernte verschwinden sollte, immer aber und zwar im wachsenden Verhaltnisse wieder erscheinen muß, wenn nicht mit aller Anstrengung dafür gesorgt wird, daß diese Ursachen aus dem Wege geräumt werden. — Und sie können fast alle aus dem Wege geräumt werden; >cne, bei welchen dieß nicht der Fall ist, können unstreitig durch weise Maaßregcln compensirt werden. Vor allem, glaube ich, darin eins der kräftigsten Mittel gegen diese allgemeine Noth zu finden, daß Deutschlands Fürsten mit deutschem Sinn, und Hand in Hand sich dazu vereinigten, sammtlich die Getreide sperre gegeneinander aufzuheben. — Es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß die Totalitat der deutschen Provinzen in mittelmäßig-ergiebigen Jahren mehr, als ihre Consumption erfordert, und in minder ergiebigen Zeiten — wenigstens die Nothdurft erzeuge. Die Theurung kann daher bei der Ausfuhr aus einem deutschen Staate in den andern nie zu einem besonders hohen Grade steigen. So wie die Preise der Artikel des Kunstfleißeö in Deutschland (örtliche sehr unerhebliche Modifikationen abgerechnet) in einem gewissen Gleichgewichte stehen: eben so würde es mit dem Getreide seyn; der freie Umlauf desselben als Waare würde ein ^9 allgemeines Gleichgewicht erringen. Bei der Anwendung dieses Grundsatzes bezahlt freilich ein Land sein Getreide etwas höher, als das benachbarte, wenn in diesem MißwachS eintritt; aber da dergleichen Schicksale wechseln; so wird es auch im umgekehrten Falle an der Wohlfeilheit des Getreides seines Nachbars Antheil nehmen. - Die Natur hat Deutschlands verschiedene Provinzen gleichsam zu einem gemeinschaftlichen Verbände geschaffen, und ihre Schicksale durch die Identität des PrincipS ihrer Existenz aneinander gekettet. Die Maaßregeln ihrer Verwaltungen muffen daher nicht auf den selbstsüchtigen Vortheil der Einzelnheit, sondern auf seine Harmonie zum ganzen Staatenverein berechnet werden. Erringt dieser hochherzige Sinn über die verschiedenen Regierungen die Oberherrschaft und verdrangt den kleinlichen, nur für den Augenblick berechneten Provinzialgeist: dann wird diese Hauptguellc der Theurung bald versiegen. Die großmüthigen und patriotischen Gesinnungen einiger deutschen Fürsten, die ich nicht nenne, um nicht in den Verdacht einer Schmeichelei zu fallen , welche aber > auch ungenannt hierin ihren Nahmen lesen würden, wenn sie von dieser kleinen Schrift Notitz nehmen sollten, lassen mich mit Zuversicht hoffen, daß dieser Heisse Wunsch kein — süsser Traum bleiben wird. — Wozu nützt auch der Reichsverband, wenn jede innere und äußere Noth ihn trennt? Wird nicht der Streit so vieler verschiedener Elemente, wenn sie unter sich keine gemeinsame Indifferenz erkennen, nothwendig — früher oder spater — die Zerstörung des ganzen Organismus bewirken? Ilm dem Ackerbau seine gehörige Würde zu geben, bedarf es einiger, bis hierhin nicht gewöhnlichen, Ermunterungen von Seiten des Staates. Der Landmann sollte nicht ferner bei jeder im Staate zu vertheilenden Last dem Handwerker und dem Städter überhaupt nachgesetzt werden. Ihn und sein Geschäft sollte der Staat durch mehrere Aufmerksamkeit ehren, die thätigsten und sich rühmlichst auszeichnenden Acker-, leute durch gewisse Vorzüge, oder Prämien belohnen. — So wie man hin und wieder in Europa anfangt, Schulen für Handwerker und Fabrikanten zu errichten: so sollten in jedem Lande mehrere Acker- bauschulen errichtet werden, wo theoretisch und praktisch der Landmann mit den Grundsätzen seiner Kunst und deren richtigen Anwendung in einem sein emFa s- sungsvermögen schicklichen Vortrage bekannt gemacht würde. — Die Wohlthaten einer solchen Einrichtung würden sich bald mit Wucher über daö ganze Land verbreiten, und diese wichtige Beschäftigung — die wahre Urquelle des Nationalreichthums — würde bald aus dem Lethargus geweckt werden, worin sie sich schon seit Jahrhunderten befindet. Die Vervollkommnungen, welche bis hiehin wirklich in diesem Theile der Land- wirthschaft geschahen, sind fast immer in den Händen der gebildeter» und gelehrten Landwirthe geblieben, waren für den großen Haufen größtentheils verloren, und wurden daher nur sehr selten gemeinnützig. — Auf solche Weise würde unter allen Standen ein für den Ackerbau höchst - ersprieslicher Gemcingeist erzeugt. Bald würden dann die (Kapitalien auf neue Urbarmachungen und Verbesserungen verwendet werden , welche man jetzt nur ausschließlich zu neuen Kunstgewerbe Unternehmungen anzulegen gewohnt ist. — Die bisher in so vielen Provinzen zu sehr in6 Kle.ne getriebene Cultur, welche keinen reinen Ertrag gewahrt, und nur für den Dedarf des Haushalts sorgt, würde ebenfalls dann eine andere Wendung nehmen. Der sehr erhebliche Umstand, daß wirklich der übermäßige Wiesen- und Weinbau, der Anbau deS Tabaks, d>6 Flachses, der Rübesaat, der Cichorien, der Futterkrauter »., dem Pfluge zu viel Ackerland entzieht, verdient ebenfalls die ganze Aufmerksamkeit der Regierungen; allein so wahr es ist, daß der Boden, welcher unsre ersten Bedürfnisse erzielen soll, gewisscrmaaßen zu Gegenstanden verschwendet wird, welche meist nur der Lug-uS nothwendig macht: so ist doch nichts in der Slaatewirthschaft bedenklicher, als die Produktion oder Fabrikation irgend einer Sache gewaltsam erzwingen oder hem m c n zu wollen. Auch der Landwirth hat seine eigenen Spcculationen und Zwecke. Will man ihm mit Macht befehlen, wie er seinen Boden benutzen soll: so schlagt — wie die Erfahrung lehrt — dieß seinen Muth und Unternehmungsgeist nieder. Der Regent als StaatSwirth muß nur lenken: nie, oder nur im äußersten Nothfallc, gebicthen und zwingen. Durch die indirekten Auf- lagen, namentlich durch die Zölle, hat die Regierung die kräftigsten Mittel an der Hand, die Hcrvorbrin- gung und Veredlung der Producte aller Art allmäh- lig ganz nach ihren Absichten, ohttc allen scheinbaren Zwang zu lenken. Das Brannteweinbrennen auö Korn oder Walzen muß schlechterdings mit der größten Strenge Verbotben werden und bleiben. Zumal, da die Bewohner der Belgischen Departemente und des linken Rhein- ufcrs, wenn die französische Regierung die Ausfuhr der Früchte ferner vcrbiethet, und das Gewcrb der dortigen zahlreichen Branntcweinbrcnner ermuntert, wie zu vermuthen ist, diesen in solcher Menge und Güte und uni einen solchen Preis bereiten werden, daß keine Provinz Deutschlands mit ihnen hierin nur rivalisi- rcn kann. Indessen bedürfen wir aber Branntcwein zur eigenen Eonsuwption: nämlich die große Klasse der Weniger - bemittelten im Staate, wie ich schon früher erwiesen zu haben glaube. *) Das Braute- weintrinken ist wahres Bedürfniß für die arbeitende Klasse der Menschen in unftrn in schon beträchtlicher nördlichen Breite liegenden Landern. Er ist dem Landwann, dem Taglöbncr und dem Handwerker eine wahre Panacee für alle Beschwerden seiner mübsamen LebenSreife; sein Stärkungsmittel zur Arbeit , sein Labsal nach Ermüdung, sein Balsam für Wunden des Kummers und Sorgen. Wurzcr's Bemerkungen über den Branntewein in politischer, technologischer und medicinischer Hinsicht. Kölln r8c?.s. S> 98. 2? Die Nahrung der armem Volksklasse besteht gewöhnlich in Kartoffeln, Brod, etlichen Mehlspeisen und Gemüßarten. Diese Nahrungsmittel sind aber nicht hinreichend bei so thätigen Menschen, welche jeder Witterung ausgesetzt sind, Ersatz für die verlornen Kräfte zu verschaffen. Es ist ein anderes Mittel schlechterdings nöthig, um die Erregung auf der Höhe zu erhalten, daß Gesundheit und körperliche Starke damit verknüpft bleiben können. Hier hat keine andere Alternative statt: entweder man gebe diesen Menschen gute, sattsam nährende Fleischspeisen, oder man entziehe ihnen nicht das einzige Surrogat, was sie dafür in den Händen haben, nämlich den Brannte- wein. Er erhöht die LebenSthätigkeit deö ganzen Körpers, vermehrt die besondere Function der Verdauungsorgane ; und durch seine Hülfe wird ein guter ChyluS aus den schwer verdaulichen Speisen bereitet. Die, nur zu beträchtliche, Menge der Volkskrankheiten, welche meist durch directc Asthenie der Erregung begründet werden, würde noch größer sepn, wenn man den Armen den Branntewein entziehen wollte, da > diese Unglücklichen von ihren Speisen und Getränken zu schwach incitirt werden. Der Mißbrauch des Brannteweins hat unstreitig nachthcilige Folgen, aber — nach meiner Ueberzeu- gung — gewiß nicht der mäßige Gebrauch desselben bei der minder begüterten Klasse. Dieser Mißbrauch kann schon zum Thcil sehr dadurch verhütet werden, daß man dem Volke wieder gutes und wohlfeiles Bier verschafft, was ehemals in Deutschland vortrefflich s .j. war-, aber seit man ansicng in Arabischen und Chinesischen Getränken Kraft und Geld zu verschwenden, seit dieser Zeit ist es immer schlechter geworden- AuS dieser Ursache trinkt der geineine Mann in England wenig Branntewein, weil er gutes Bier hat; auch bedarf er dann weniger Branntewein. Sehr zweckmäßig möchte es wohl unter den jetzigen Umständen seyn, dem Volke guten Apfelwein zu verschaf- fcn. Es ist ja so leicht für die Vermehrung des ohnehin in jeder andern Rücksicht so nützlichen und so leicht fortkommenden Apfelbaumes zu sorgen! Die Departemente tinlere Seine, Eure und Calvados (ehem. Normandie), welche in einem, dem unseren fast ähnlichen, Elima liegen, sind uns hierin mit einem ermunternden Beispiele seit Jahrhunderten vorgegangen. Der Branntewein sollte aus Aepfeln, Birnen , Pflaumen, Kirschen , Vogel-, Holländer-, Mach- holderbeercn w- bereitet werden, die sich selbst an jenen Orten gut ziehen lassen, welche zum Ackerbau eben nicht geschickt sind. — Aus den Früchten de? so leicht fortkommenden ZwetschenbauniS gewinnt der Ungar «i seinen köstlichen und berühmten Sliw ow iza. —Der so willig wachsende Hollunderstrauch hat den erheblichen Dortheil, daß seine Früchte, da er spätblüht, nie mißrathen und eine beträchtliche Ernte gewähren. Auf diese Weise würde, wenn kein anderer Branntewein aus Korn oder Waizen bereitet werden darf, derselbe nun vor der Hand nicht so wohlfeil, daß die ärmere Klage davon sehr großen Mißbrauch 25 machen könnte. Dabei tritt dann noch der Umstand ein, daß die Brannteweinbrenner weder ihre Beschäftigung noch ihren Erwerb verlieren! Eine wohtden- kcndc Regierung hat aber keine andere Absicht, als den Zustand herbei zu führen, wo alle Räder der Maschine gehörig in einander greifen und kein Theil nützlicher und arbeitsamer Glieder dem andern geopfert wird, wo im Gegentheil alle Klassen sich wechselseitig unterstützen, und so mit vereinten Kräften, indem jeder nur sich zu arbeiten glaubt, am Besten des Ganzen mitarbeitet, und den Flor deö Staates bewirken hilft. bleberhaupt könnte außerordentlich viel Korn erspart werden, wenn Landereien von geringerer Nutzung und schwerer in Holzcultur zu stellender Sommerwändc oder Vorhölzer, wüste, öde Heiden und vorzüglich die großen Hofe in Norddeutfch- land und Westfalen, die mit Eichen besetzt sind, als wenn für dieselben in den Waldern nicht Raum genug übrig wäre, mit Obstbäumen bepflanzt würden. — Die Obsibaumzucht ist, sie mag auch noch so sehr ims > Große gehen, wenn sie nicht etwa auf deni beackerten Felde selbst getrieben wird, der Vollkommenheit des Ackerbaues gar nicht entgegen; und ohne ausgedehnte Obstbaumzucht ist die Grundfläche keines Landes für hinlänglich cultivirt zu halten. Es ist aber keineswegs genug, wenn man bloS für Veredlung des Obstes sorgt. Die Vermehrung der Obstbaumzucht, und zwar in einem großen Verhältnisse muß als National - Angelegenheit mit im Plane s6 liegen. Der beßte Apfel ist nicht zu allen Zwecken der nützlichste. In der Normandie wird der vortreffliche Eyder aus bittersüßlichen Aepfeln bereitet, wovon einige Arten so unqcnißbar sind, daß sie bei uns als verachtete Wildlinge würden angesehen werden. — Außerdem lassen sich der großen Consumption des Getreides , meines Erachtenö, auch noch dadurch einige Grenzen setzen, daß man in Armen - und Waisen - Hausern, Arbeits- und Zucht-Hausern ?c. die durch Knochen-Gallerte vervollkommnete Ru m ford' sche Suppe ernstlich einführt; auch den Bettlern (denn leider! gibt es in einigen Provinzen Deutschlands noch zahllose Bettler) kein Brod, sondern Pillets zu dieser Suppe giebt. Sie werden mit dieser Suppe besser genährt und gesunder, als durch das, vorzüglich bei Theurungen, oft so schlechte, Brod. —Das Getreide würde in bedeutender Menge dadurch erspart werden. Wag endlich die auf Wucher berechnete Zurückhaltung des Getreides betrifft: so gibt es wohl kein zweckmäßigeres Mittel dagegen, als das in Nr. oiss d. Rcichs-Anz. Wog vorgeschlagene, nämlich: in der Desteurung der Fruchtvorräthe. Sie ist kein ^ Eingriff in das Privateigenthum; sie ist eine indirecte Steuer, die blos jene trifft, welche Vorrathe zum Nachtheil ihrer Mitbürger zurückhalten, um die allgemeine Roth, und durch diese ihren Gewinn, zu vergrößern: sie ist eine Steuer des Wuchers, von der sich seder bald befreien kann. Sind die Kornpreise bis auf einen gewissen Punct gefallen, dann hört sie auf. Sie steigt mit dein Preise der Früchte, und kann um so weniger gerechte Klagen hervorbringen, als nirgends der Fuß, nachdem die Steuern bezahlt werden, in dem Maaße höher geworden ist, als jener war, in wel chem der Preis des Ertrags um vielleicht mehr als die Hälfte niedriger stand. — Doch erfordert ihre An- . Wendung äußerst viel Klugheit von Seiten der Regierungen; denn ist sie zu gering: so nutzt sie nichts ; ist sie zu hoch: so zerstört sie den Handel; und wird sie nicht im gehörigen Zeitpunct und unter den passendsten Umständen angelegt: so könnte es sich gar ereignen, daß die ganze Masse der Einwohner sie dem Wucherer bezahlen müßte. — Welche schöne Mittel gäbe der Ertrag dieser Steuer dem Staate in die Hände, um die, welche durch die Theurung am meisten litten, zu unterstützen! Uebrigens verhindere man die Vorkäufcrei, komme der Ausartung des GetrcidehandelS in das Monopol einzelner Kaufleute vor, die keine Landwirthe sind; erlaube nur den Verkauf des Getreides auf öffentlichen Märkten: dann wird bei ganz freiem Verkehr, bei allgemeiner Eoncurrcnz so leicht aus der Zurückhaltung des Getreides kein Nachthcil zu erwarten seyn. Man heit hin und wieder zu Zwangsmitteln ge- rathen, d. h. zu Erneuerungen dcs berüchtigten M a- pimum'S, womit rasende Damagogcn ihr Vaterland an den äußersten Rand des Verderbens brachten. Diese könnte der Staat nur im äußersten Notb- fall sich erlauben, wenn nämlich die Theurung des KornS mit dem Geldumläufe und dem Preis aller sL übrigen Gege>istande im absoluten Unverbaltniß stände, was aber kluge Maaßregeln fast immer werden verhüten können. Außer diesem einzigen Falle ist diese Preisbestimmung ein Eingriff in das Eigenthumsrecht des Landmanns zum Vortheil des Stadlers; denn Früchte sind eine Waare, ein Eigenthum, welches der Landmann im Schweiße seines Angesichts der, in manchen Gegenden Deutschlands nur stiefmütterlichen, Erde abringen muß, und wovon er einen (meist nicht unbedeutenden) Theil, oder dessen Werrh an Geld dem Staate abgibt; dessen Ernte so vielen Zufällen unterworfen ist, welche er nicht abwehren kann; der bald durch Hagelschlag, bald durch die Mause und bald durch das Schwert der Feinde, um die Vor- thcile seiner Arbeit gebracht wird. Ist also der Preis der Früchte nicht gar zu hoch, so ist dieß dem Landmanne warlich zu gönnen. Das allgemeine Interesse fordert es sogar; denn was kann den AckcrSmann zum Fleiß und zu Verbesserungen reizen, als die Hoffnung, seinen Wohlstand zu befördern? Endlich Magazine sind, wie Theorie und Erfahrung lehrt, ein gutes Mittel, die Theurung abzuhalten, besonders, wenn sie durch Wucher erkünstelt ist; aber ihre Anwendbarkeit ist ausschließend an den Augenblick der Ernte geknüpft; sie können nur dann mit Vortheil errichtet werden, wenn die Gefahr noch in der Entfernung steht; sonst machen sie wirklich das Nebel nur arger, theils durch die dadurch vermehrte Aengstlichkeit der Confuinenten, theils durch den Eigensinn der Producentcn. — 29 Das sind meine Vorschläge/ wodurch ich glaube/ daß diese große Plage künftig fast immer von Deutschlands Grenzen entfernt werden könnte. Sie haben nicht das Glänzende eines Ideals: aber zum Ersatz dafür — wie ich hoffe — den Vorzug einer praktischen Anwendbarkeit / welche für den Moment so wohl / als für die Zukunft berechnet ist. — Sollte ich mir hierin zu viel schmeicheln: so hat doch diese kleine Schrift wenigstens den Werth/ daß sie — ein ungeschminkter Abdruck der Meinung eineö ehrlichen ManncS ist/ welcher keinen andern Zweck gehabt hat/ als sein Schärflein beizutragen/ daß — des Ucbels weniger werde. —