I. A. H. Reimarus der Arzeneygclahrtheit Doctor der Naturgeschichte. undNaturlehre Professor über die Bildung des Erdballes und insBesonderr über das Lehrgebäude des Herrn de Luc. Hamburg, bey Car! Ernst Vohn» ! L o 2. err de Luc hat sich als Naturforscher solche Verdienste erworben und seine Lehrmeinung über die Entstehung unsers Erdballes hat sich so berühmt gemacht und ist von ihm selbst für so zuverlässig ausgegeben, daß ich mich entschloß, seine an Herrn Hofrath Blumcnbach gerichteten Briefe, in welchen er dieselbe vorträgt, noch ein Mahl in Erwägung zu nehmen, (i) (i) lb,sttres zur 1'Irizt. <äs 1a terre, acirssssss ä M. Is ?rc>k. Llumsirlzacli, zzar ä. eis 1>rc>5s5seur eis (^äolo^is clans 1'I^nivsrsitä clö (3c»ttinAuo. a ?ariz 1738- 8- — Eine Uebersetzung davon ist im Gothaischen Magaz. 8ten, yten u. loten Band eingerückt. — Zu diesem Lehrgebäude gehören verschiedene seiner Briefe an Delametherie, welche sich im äonrnal 6«- kü^ic^us befinden. — Er empfiehlt es auch noch den Zndiscben Hausvätern: I^sttro sux ^utsurs suiks cl'uri Msmoirs acirelss « Mr. voller. Leil. 1799. Zudem ich nun hier meine Meinung dar» über frcimüthig vortrage, will ich mir doch gar nicht anmaassen ein eigenes Lehrgebäude dagegen aufzustellen. Ich wünsche nur, daß Naturforscher, die Gelegenheit dazu haben, die Oberfläche unsers Erdballes, die Ordnung der verschiedenen Lagen, und deren Beschaffenheit noch immer genauer untersuchen und alles ohne einseitige Betrachtung prüfen mögen. — Mein Alter und meine Verhältnisse erlaube» mir nicht, diese Abhandlung besser auszuarbeiten, deren Berichtigung ich gerne geschickter» Männern überlasse. Ae Luc hat in der That manche wohl gegründete und scharfsinnige Bemerkungen gemacht: aber zum Unglück hatte er sich vorgenommen, die Wahrnehmungen der Naturforscher mit der Mosaischen Erzählung als übereinstimmend vorzustellen (2) und daher beide verzerrt. Wie jene Erzählung von der Wcltbildung beschassen, und ob sie mit de Lues Vorstellung übereinstimmend sey, werde ich hernach untersuchen, und nun erst sein Lehrgebäude, in wie ferne es der Natur gemäß scyn soll, betrachten. Ucbcrhaupt muß ich erklären, daß, so viel ich bisher Nachrichten von der Beschaffenheit nnsers Erdbodens und daraus gefolgerte Vermuthungen gelesen und verglichen habe, ich immer finde, daß wir noch weit davon entfernt sind, darüber ein durchaus wahrscheinliches Lehrgebäude (2) Zu besagten lettre« ^1. ssZ. kündigt er selbst an, daß die Darlegung seines Lehrgebäudes dahin ziele, die Gewißheit der Mosaischen Offenbarung zu zeigen. aufzustellen. Immer treffen wir noch hie und da auf Etwas, das wir nicht auflösen, oder nicht mit unfern Voraussetzungen reimen können. Indessen ist es doch etwas gewonnen, wenn wir das Unstatthafte von dieser oder jener Meinung einsehen und dadurch zu ferneren unbefangenen Nachspürungen angespornt werden. De Luc's Vorstellung ist also: i. Es wären verschiedene Zeiträume von unbestimmter Länge verflossen, in welchen die Erde nach und nach, theils durch natürliche Folgen, theils durch unmittelbares Einwirken Gottes ausgebildet worden und zu ihrer jetzigen Beschaffenheit gelangt sey. — Anfangs habe der Schöpfer nur grobkörnige Stoffe sich lose zusammen häusscn lassen,, und nachmals erst das Licht den übrigen Elementen hinzugefügt. Licht bedeute das sich mit dem Wärmestoffe vereinigende Element, mittelst welchem erst alle Auflösungen und Verbindungen möglich waren, das Wasser (vorher also Eis oder Hagelkörner) flüssig geworden, und alle Stoffe ihre chemischen Anziehungen, Wahlgesellun- gen und Verbindungen hätten äussern können."(Z) 2. "Nun war also der ganze Erdball zu beträchtlicher Höhe mit einer Flüssigkeit umgeben, in welcher sich alle die Theile, aus denen nachmals die Oberfläche der Erde gebildet ward, auf- gclöset befanden, und die sich daraus schichten- weise, erst der Granit, und sodann die übrigen niederschlugen." (4) z. "Dies geschähe zwar über einen grossen Haussen Schlamm, der mit Flüssigkeit gemischt war: allein im Innern des Erdballes waren noch die lockern Pulverkörner übrig. In deren Zwi- (z) lettre II, x. 8Z. u. s. f. Flüssigkeit sei) vor diesem Zeitpunkte noch nicht gewesen, p. 79, sondern molecnlez solides, 84- pnlvicules p. 101. ülömens «Issums sans colmrsnss, x. 98- — Das Licht sei) nachmals den andern Stoffen hinzngcthan, I.stt. IV. p. igo. und an mehrern Stellen: aclclltion cls Ig, lumisrs. (4) lettre III. x, 127. schenraumchen schlüpfte nun die Flüssigkeit, und verursachte dadurch ein Zusammensinken, wie man es an einem Haussen Sand stehet, darauf man Wasser gießt, und daraus entstanden also im Znnern grosse HSlen." (5) 4. "Zwischen diesen hatten sich doch einige Thcile so verbunden, daß daraus vcste Stützen entstanden, welche die obere Ninde eine Zeitlang aufrecht erhielten. Nachmals aber wurden sie in einer weiten Strecke auch untergraben: ein grosser Theil der Erdrinde ward eingestürzt: darin versammlcte sich ein Theil des Wassers, welches bisher die Erde überall bedeckt hatte, bildete daselbst das vormalige Meer, und das erste trockne Land trat hervor, (6) jene» nämlich da wo unser jetziges Land, und das alte Land da wo jetzt die See ist." 5. "Da nun die Holen, welche in der Erde durch das Zusammensinken der lockern Körner (5) lettre III. p. 127. (6) lettre III. x. 12Z, u. f. entstanden waren, sich indessen mit elastischen Dünsten erfüllt hatten, so wurden diese durch das Einstürzen der Erdrinde und das Eindringen des Wassers in dieselben, heraus getrieben, sprengten mit grosser Gewalt die ihnen im Wege liegenden Stcinrinden, daher theils grosse Blöcke von Granit und andern Ursteinen über Kalk- und Sandschichtcn zerstreuet liegen, theils Hauf- fen und Schichten von Nollsteincn, Pudingsteine, entstanden" (7). 6. " Durch eben diese herausgetriebenen Dünste ward die Beschaffenheit der oben schwimmenden Flüssigkeit nach und nach so verändert, daß daraus die verschiedenen Schichten abgesetzt und niedergeschlagen wurden, welche die Erdrinde oder das Urgestein bedecken. Auch ward durch diese elastischem Dmnst^, mittelst der Veränderung, welche in ihnen vorging, der Dunstkreis gebildet, welcher die Erde umgiebt." (8) (7) Usttrs IV. p. 1Z2. x. 21Z. (8) I ^ött. IV. x. lLZ. 17. 7. "Jenes erste vormalige trockne Land nebst einer Anzahl von Inseln welche aus dem entstandenen Meere hervorragten ward nun mit Gewächsen bedeckt, die jedoch, weil die Sonne noch nicht schien, von den jetzigen verschieden waren. (9) Mit der Zeit aber, nämlich im vierten Zeitraum, würkte die Materie des Lichts, welche auch der Sonne und den übrigen Wcltkörpcrn zugerhcilt war, in jener diejenige Zersetzung aus welcher die Ausstrahlung des Lichts erfolgte." (io) 8. "Hieraus entstanden neue Veränderungen im Meere und im Dunstkreise. Es erfolgten aus der Flüssigkeit jenes alten Meeres neue Niederschläge: das Ur-gesiein ward daselbst mit andern Schichten, besonders mit Kaikflötzcn bedeckt. Nun ward auch das Meer mit lebendigen Geschöpfen erfüllt: aber diese, sowohl als die übrigen und die Pflanzen, litten noch nachmals grosse Veränderungen, so wie sich die Beschaffenheit des Mee- (9) I-stlos III. p>. iZc>. K. 2fj. (ic>) lettre III. x. rZ-s. K. ZZ. — II — res und des Dunstkreises nach und nach weiter veränderte." (11) ' 9- "Äene Schichten erhielten sich Mar lange, aber nachmals wurden sie doch durch weiteres Eindringen des Wassers und Zusammensinken des iockern Stoffes aus welchem der Erdball bestand, untergraben und stürzten wieder ein, so daß sie über die obengeincldeten vesten Stützen niederbrachen. Die Hervorragung dieser Stützen bil-. dete die Gipfel der Gebirge auf unserm jetzigen Lande (12). Dergleichen Einstürzungen geschahen unter dem vormahligen Meere noch zu verschiedenen Mahlen, (ig) so, daß auch noch manche Inseln wieder einsanken und andere hervorkamen." (14) 10. "Im sechsten Zeiträume wurden nun auch Landthicre, und zuletzt auch Menschen hervorgebracht. Jene bevölkerten, ausser dem grosse.) x. 1Z8. §. z6. Z7. (.2) p. iZg. §. ZZ. Zg. (iZ) p- 156. §. 48- (14) lettre IV. x. 2.1. §. ZZ. scn Lande, auch die Inseln, welche aus dem da-' maligen Meere hervorragten. Die Menschen aber giengen nicht zu diesen Inseln über, sondern blieben auf dem alten grossen Lande beysammen.(15) Das damalige Meer sezte indessen, über den abgedachten vestcn Schichten noch losen Bodensatz von Sand u. s. w. ab." (16) 11. "In diesem Zustande blieben Land und , Meer eine lange Zeit. Endlich aber ward auch, unter Mitwirkung Gottes, durch das fernere Einsinken des Wassers, zwischen den noch unten befindlichen lockern Stoffen, und durch das dadurch verursachte Zusammensinken derselben, der Boden dcrmaassen ausgehölet, daß die ganze darüber befindliche Erdrinde, oder das ganze vormalige veste Land auf ein Mahl einstürzte. Das Adeer nahm nunmehr seinen Platz ein, so wie es sich noch jetzt befindet (17). Dieses war nach de Luc, die von Moses beschriebene allgemeine (ig) I-Stt. IV. p. 217. §. Z?. x. 221. §. ^l. (16) p. 210. §. Z2. I^ett. V. x. 2Z0. §, g. (17) V. x. 22Z. §. 4. x. 22Z. §.'Z. — Iz — Fluch, die man Sündfluch genannt hat. Von allen Menschen ward dabei) nur Noas Familie wunderbar gerettet, und von den L-andchieren, ausser denen die er bey sich hatte, nur diejenigen, welche sich von dem vesten Lande auf die Inseln des damahligcn Meeres begeben hatten." (18) 12. "Da hingegen trat nun unser jetziges, zuvor noch vom Meer bedecktes Land hervor. Einige der Inseln, welche sich in diesem Meere ehemals befanden und Pflanzen und Thicre hegten, waren darin schon von Zeit zu Zeit versunken, daher wir die Ueberresie derselben in unfern Schichten finden: andere aber standen noch als das Meer sich zurückzog. Diese wurden nun die Gipfel unserer Berge und von da aus ward der neue Erdboden besäet und mit Lebendigen bevölkert." (19) (iZ) I.srr. VI. x. Z20. (19) l.stl. V. x. sZg. 5. 16. — 14 — Obiges ist eine treue Darstellung des Lehrgebäudes, welches de Luc so zuversichtlich vorträgt, als ob er Augenzeuge des Entstehens aller Veränderungen auf unserm Erdballe gewesen wäre. Alles, sagt er, sei) aus klare Wahrnehmungen gegründet und aus richtiger Naturkcnntniß gefolgert: alles hingegen was andere vor ihm gcmuth- maasset haben, wären Hirngespinste und Erdichtungen dreister Unwissenheit. (20) Wer indessen nun jenes Lehrgebäude unbefangen erwagt, der wird, dünkt mich, vielmehr urtheilcn, daß es nur ein, nach vorgefaßter Meinung erkünsteltes, der Natur nicht getreues, und durchaus unwahrscheinliches Gewebe sey. Seine Vorstellung, darauf er alles gründet, die er durch das Ganze durchführt, und darauf (20) Alles, was er vorträgt, heißt inonti-o, eta- Uli, par taut «nr elez kalt 5 im- msclincs: alles, was andere Naturforscher sprstsnclris Uliilosopliss) litis vorgestellt haben, nennt er roinans, cliimsi es, srrsni-5, licticine clo l'iAnovsiics )?rs5c>in^>tueuss. z. B. -Uett, VII. i->. Zg2. u. s. f. — i; " er so grossen Wehrt setzt, ist also, wie oben (n. i.) gesagt, — der Erdball sei) Anfangs ans unzusam mcnhängcndcn lockern Körnern gebildet worden, und, da hieraus nichts zu machen war, habe der Schöpfer sich entschlossen noch das Licht den übrigen Elementen, und besonders dem darin vorhandenen Wärmcstosse hinzuzufügen, dadurch denn erst Flüssigkeit und Verbindung der Stoffe entstanden Ware. Dieser Gedanke scheint aber doch wahrlich so sonderbar, daß man sich wundern muß, wie ein Mann von de Luc's Verstände und Kenntnissen ihn im Ernst vortragen konte. Zum Grunde führt er an — die Veränderungen müsten doch von irgend einem bestimmten Zeitpunkte angefangen haben, und das könte also nichts anders als die Bewirkung der Flüssigkeit sepn, die vorher nicht gewesen. Anfangen musten freilich einmal Bildungen und Veränderungen auf unserm Erdballe: aber wie unwahrscheinlich, daß zusammengesetzte veste Körperchen, — denn das sind doch immer seine Staubkörner, sie mögen ss klein sein als man will — daß diese, sage ich, zu Anfange entstanden wären und Flüssigkeit erst nachmahls vom Schöpfer bewirkt sey! Der Natur gemäßer ist doch gewiß Herrn Kants Vorstellung — "daß der Ursteff aller Weltkörpcv in dem ganzen weiten Räume, darin sie sich itzt bewegen, Anfangs dunstförmig verbreitet gewesen, und sie sich daraus nach Gesetzen, zuerst der chemischen, hernach und vornehmlich der kosmologischcn (allgemeinen) Anziehung gebildet haben." (21) Nach dem was uns jetzt von der Grösse des Weltbaues bekant ist, können wir uns doch die Bildung unscrs Erdballes unter so unzähligen Wcltkörpcrn nicht als die allererste und hauptsächlichste Wirkung der Gottheit vorstellen, da- (21) Berlin. Monatsschrift 1785. V. Band. S. 2io. bei) sogar noch ein dem Ganzen so wigtiges Element nachzuholen war. Ueberhaupt, dünkt- mich, sollten wir uns die Bildung des Erdballes oder irgend eines Wclt- körpers nicht als aus einem sogenanten Chaos, gleichsam einer von ohngefähr zusammengeflossenen wilden Anhäufung, gedenken. Alle Urstoffe müssen vielmehr nach Anzahl, Kräften, Eigenschaften und Verhältnissen wohl bestimmt und abgemessen gewesen scyn. Alles war von Anfang so eingerichtet, daß Ordnung, Schönheit und Genuß daraus entspringen musie. Wenn unser Ueberblick weiter reichte, so würden wir gewiß einsehen, daß, wie Kant von den einzelnen organischen Geschöpfen bemerkt, *) so auch im Ganzen der Natur, alles wechselseitig Zweck und Mittel, alles Zusammenhang, Einstimmung und Ordnung sey. *) Kritik der Urtheilskraft. II. Theils. 5- 66. — 18 — Unordnung, Regellosigkeit, war also niemals da: so hatte diese Welt nicht entstehen können, in der wir allenthalben die Spuren eines Zweckes finden. ' Gewiß war also nichts zum Zwecke nöthigcs vom Schöpfer Anfangs aus der Acht gelassen, welches er erst nachmahlS hätte hinzufügen müs- sen. — Wie der Vau des Erdballes durch alle in den Stoffen gelegte Kräfte zu Stande gekommen sei), können wir uns kcincsweges unternehmen zu bestimmen. Auch die chemischen Erfahrungen reichen lange nicht zu: denn ganz anders konten die Anziehungskräfte unter den noch freien Stvffeu wirken, als was jetzt die Wahl- anzichungcn bcy den schon verbundenen Körpern äussern: So können wir zwar einige derselben in Bestandtheile zerlegen, aber aus diesen doch den Körper, wie wir ihn in der Natur finden (z. B. Bcrgkrostall) nicht wieder herstellen. Wir können uns demnach die jetzt vorhandenen Körper, Erden, Metalle, u. s. w. nicht schon als solche in einer überall verbreiteten Flüssigkeit aufge löset, sondern sollten sie vielmehr als neu-entstehende, sich bildende, vorstellen. Man weih ja, daß ans Verbindung flüssiger Stoffe vcste Körper entstehen können; und hiemit fiele dann auch der Einwurf weg, wie so viele verschiedene Dinge in einem Auflösungsmittel hatten enthalten seyn können. Ohne indessen jene besondern Bildungen zu erforjchcn, scheint doch aus den allgemeinen Gesetzen der Schwere oder Anziehung wohl so viel zu folgen, daß ein sich ballender Körper nicht im Innern locker gebildet werde. Neuere Erfahrungen (eines Maskelyneund Cavendish) lassen uns vielmehr schließen, daß das Znncre des Erdballes an Dichtigkeit noch die Steinmassen übertreffe, und demnach eher metallisch zu seyn scheine. De» Ursprung des Lichts zu erklären gicbt uns Kant (22) eine Vermuthung, die sehr wohl mit der obcn-crwähncen Bildung der Wclt- körper zusammenhängt — "daß nämlich durch die Verdichtung der dunstförmigcn Stoffe zu einem vesten Körper (wie chemische Erfahrungen zeigen) der darin enthaltene Warme- nnd Licht- ffoss in grosser Menge ausgestossen scyn könne, und daher auch der Mittclkörpcr, als die gröste Masse in jedem Weltsystem das meiste davon erzeugen und in allen eine Sonne darstellen konke." De Luc verschiebt nun noch die Ausbildung der Sonne eine lange Zeit (bis in den vierten Zeitraum) und laßt indessen nur die Erde ferner bereitet werden. Seine Pulverkörncr müssen ihm dazu dienen, in deren Zwischenräume sich das nun flüssig gewordene Wasser mehr und mehr einsenkte und Holen bildete, welche Anfangs einen (22) Am angcf. Orte. sehr grossen Theil des allgemeinen Meeres, und nachher auch das schon hervorgetretene Land verschlangen. Die Pulverkörncr müssen doch mahrlich sehr grob gewesen seyn, die so beträchtliche Zwischenräume licssen, und, wie hohl und wasscrgefüllt muß nun nicht der Erdball innerlich seyn, der jetzt alles das Wasser in sich faßt, welches seinen ehemals noch grossen. Umfang rund umher umgeben hatte! "Granit, Porphyr und die übrige veste Rinde war schon als Bodensatz aus der allgemeinen Flüssigkeit niedergeschlagen, mufre aber hie und da, wo sich nicht Stützen gebildet hatten, einstürzen als unten die Holen entstanden." — Die Nothwendigkeit eines solchen Einsturzes sieht man nicht ein. Stehen doch die Ringe des Sa- turns ohne Stützen um ihn her: warum konte denn das veste Gewölbe der Erdrinde nicht bestehen? Dazu komt noch, baß seine Holen mit elastischem Dunst erfüllt war«,, der noch grosse Stcinblöcke wegschleudcrn konte, also wohl dem Einstürze starken Widerstand entgegen setzen muste. "Wir sehen ja (sagt er) die Brüche, Umstürze nnd Spalten in unsern Schichten." Diese Merkmale sind freilich offenbar in den Verrük- kungen und Trennungen derselben zu erkennen: daß sie aber durch gemahliges Einsinken der untern Theilc und daher erfolgten Einsturz entstanden wären, wird nicht wahrscheinlich gemacht. Aus eben der Vorstellung von Einstürzun- gen erklärt nun de Luc auch die Erhabenheiten unserer Erd-obcrfläche. Unsere Vergspitzcn sollen demnach nur stehend gebliebene Stellen der ehemaligen allgemeinen Oberfläche scyn, (ff) um welche herum das Uebrige, welches nicht so unterstützt gewesen, eingebrochen sei). Mit den Ansichten oder Beschreibungen der schroffen Alpenspitzen scheint mir dieses doch nicht (ff) clu Niveau zprimilik. T,ett. III. 12g. übcrein zu kommen. Naturforscker, welche sie bestiegen haben, mögen darüber urrheilcn. Wahrscheinlicher ist doch wohl, daß jene Zerrüttungen durch eine Gewalt von innen heraus verursachet worden. Mittelst solcher Ausbrüche läßt sich denn auch zugleich die Entstehung der Hcrvorragungcn und Berge auf der Oberfläche sehr wohl erklären. So tragt der sinnreiche Kant (2z) die Vcrmuthung vor "daß aus dem noch chaotisch gemischten, und bcy seiner Verdichtung erhizten Erdbälle, allerwärts, selbst aus der grostcn Tiefe, Ausbrüche elastischer luftfor- migcr Dünste, gleichsam in grossen Blasen entspringen neusten, dadurch die Materien, welche die ursprünglichen Gebirge ausmachen, kratcr- förmig ausgcworffcn scyn und also die Grundlagen zu allen Becken oder Quellen der Strome gelegt seyn konten." (2z) Verl. Monatsschrift 1785. V- V. z St. S. 206. — 24 — Auf solche Weise offenbar entstandene Berge sehen wir ja wirklich vor Augen — nämlich im Monde! Der Herr Oberamtmann Schröter hat Key seinen genauen Beobachtungen sogar den Zuhält jener becherförmigen Gebirge, so weit sie sich über die Oberflache des Mondes erheben, berechnet und gefunden, daß er der Vertiefung in ihrer Mitte gleich ist. (24) Es erhellet also, daß diese Gebirge wirklich durch einen Ausbruch aus dem Innern des Mondkörpers entstanden sind, wie Kant schon, ohne noch von Schröters Entdeckung zu wissen, aus ihrem kraterförmigen, aber für vulkanischen Ursprung viel zu grossen Umfange geschlossen hatte. Sie stellen uns demnach ein klares Beispiel dar, aus welchem wir, wie auch Schröter sagt, auf ahnliche Eräugnisse bei) unserer Erde muthmaasscn können. (25) (24) Selenotopogr. Fragmente. I. Th. ztc Abth. (25) Auch scheint es, man könne dahin deuten was Tralles bemerkt, daß man sich in der Schweiz fast mehr über die Tiefe der Seen als über die Höhe der Berge wnndern müsse. Zch weiß nicht ob diese Beobachtung von andern in solcher Hinsicht benutzt worden: mir scheint sie aber eine auffallende Bestätigung von Kants Vermuthung zu scyn: nur muffen wir die verschiedenen Umstände von beiden in Erwägung nehmen. Im Monde ist nämlich nur ein sehr dünner und geringer Dunstkreis, und keine solche Wassermenge als auf unserer Erde vorhanden. Wäre dieses, so würden daselbst durch die grossere Anziehung abseiten der letzter», so ungeheure Fluchen entstehen, die an der uns zugekehrten Seite alles Land beständig überschwemmt dielten. Wir würden auch durch unsere Fernrohre die Bahnen grosser Strome, wenn dergleichen da wären, wohl unterscheiden können. Daher kon- tcn also im Monde jene aufgeworfene Berg-ran- der um Änc leere Aushölung herum, im Trockenen als Dcnkmahle stehen bleiben: (26) auf der (26) Daher glaube ich auch nicht, wie ein Naturforscher vcrmuthet, daß der Mond wohl anfangs einen dem unsrigen ähnlichen Dunstkreis gehabt hätte, der ihm aber — 26 — Erde hingegen müssen sie sehr zerrissen und zerstöret werden. — "Diese (sagt Kant) da sie aus Materie, die im Wasser erweicht war, bestanden, musicn ihr Auflösungs-wasser allmählig fahren lassen, welches beym Ablausten die Einschnitte ausspühlte, wodurch sie jezt als gebirgig und sägeförmig, sich von den vulkanischen, die einen fortgehenden Rücken vorstellen, unterscheiden. Diese uranfangliche Gebirge bestehen nun, nachdem andere Materien, die sich nicht so geschwinde krystallisirten, oder verhärteten, z. B. Hornstein (Hornblcndschiefer, Porphyr) und ursprünglicher Kalk, davon geschieden worden, aus Granit, auf welchem, da die Ebuliition an demselben Orte immer schwächer, mithin niedriger ward, sich jene als ausgewaschen, in stufenartiger , Ordnung, nach ihrer minderen Schwere oder Anflöslichkeit im Wasser, nicderlicssen." (27) durch die grössere Anziehung absciten der Erde geraubt worden wäre. (27) am anges. Orte. S. 206. Jene nach Kants Vermuthung becherförmig gebildeten Gebirge der Erde enthielten aber nicht allein das Anfangs ans dem allgemeinen Vorrathe aufgefangene Wasser in ihrem Bezirke, sondern die Menge desselben musie auch aus un- serm Dunstkreise sehr vermehrt und bis zum lle- berfliessen angehäuft werden. Die Spuren davon hat der Herr Bergrath Voigt sehr genau nach-' gezeigt, da er die daraus entstandene Bildung der Thälcr beschreibt. (2g) Sehr treffend stimmt seine Schilderung mit jener Vorstellung übcrein. (29) "Es lassen sich, sagt er, bey alle» Thalern, da wo sie auf den Höhen anfangen, noch die Stellen wahrnehmen, wo die aus der Atmosphäre gesammelten Wasser niederfielen (oder durchbrachen) welche die ersten Züge der zuführenden Kanäle hervorbrachten. Man sicher daselbst noch die (2si) Mineral, und bergmänn. Abhaudl. III, Th. Die ursprünglich gebildeten Höhen und Abgründe, davon wir oben gehandelt haben, werden dabei) S. 1. vorausgesetzt. (29) das. S. 5z. — 28 — Bogen und Halbkreise, aus deren Punkten sie zusammenflössen, um in einem anfangs gewöhnlich muldenförmigen Thal, nach einer gemeinschaftlichen Richtung ihren Lauf fortzusetzen. Nach Verglcichung der Erscheinungen im Kleinen an Regenschluchtcn wird man die auf den höchsten Gebirgsrücken vorkommenden amphitheatralischen Gestalten für das erkennen was sie sind, nämlich für Wirkungen mächtigerer Wasser aus grössern Kreisen." So hätten wir denn doch eine in der Natur und in wirklicher Beobachtung gegründete Vorstellung von der anfänglichen Bildung der so nöthigen Erhöhungen und Vertiessnngen auf der Oberfläche unscrs Erdballes. Wenn nun zu den Rinnen oder Einschnitten, welche das überströmende Wasser am Rande jener Becken verursachte, noch durch abgedachte innerliche Aufblähungen, Erd-erschüttcrungen kamen, die mächtige Spalten bewirkten, so sehen wir genügsame Veranlassung zu der jetzt vielfach zerrissenen Gestalt unserer — 29 — Gebirge, daran sich der ehemahls zusammenhängende Umkreis nicht mehr erkennen laßt. So köntcn wir auch manche ansehnliche örtliche U.cberschwemmungen aus solchen Durchbrüchen herleiten, dergleichen die im Alterthumc erwähnten gewesen seyn mögen. Hichcr scheint denn auch der, nicht allein nach alten Sagen, sondern auch nach manchen beobachteten Spuren, ehemals erfolgte Durchbruch des Kaspischcn und schwarzen Meeres, und deren Ergiessung ins Mittelländische, zu gehören: So auch die Uebcrströ« mung von den Hochgebirgen ins Baltische Meer, deren Wirkungen Wrede nachspürete (zo) u. s. w. Die allgemeine und Hauptveränberung unserer Erd-oberfläche muß aber durch eine eigene, ausserordentliche, und mächtigere Ursache bewirkt worden seyn, davon unten gehandelt werden soll. Wie das Obere, Ausgehende, der verschiedenen an die Gebirge angelehnten Schichten, welches jetzt abgebrochen erscheint, zu Anfange bc- ! (zo) Geologische Resultate. Halle 1794. 8. — zc> — schassen gewesen, können wir nunuchr nicht bestimmen, da die ganze Oberfläche, wie hie und da klare Spuren zeigen, gewaltig abgeschwemmt worden, (gl) Daß grosse Verrücknngen der Schichten entstanden sind, ist an manchen offenbar, man mag sie nun einem Einstürze oder einer darunter vorgegangenen Aufblähung zuschreibe», dergleichen noch jetzt, nur in geringerer Maassc, bei) starken Erdbeben beobachtet wird, und solche Einbrüche haben auch zu verschiedenen Strohmbettcn den Anlaß dargereicht. Auch die schiefe Lage mancher Schichten kann davon herrühren. (Z2) Indessen köntcn doch auch Schichten, ohne eingestürzt zu seyn, sich so wie Kanc es vorstellt, von Anfange schräge an die Berge angelegt haben. lim dies zu erforschen müstc man ihre Dicke, (Mächtigkeit) in verschiedener Höhe mit einander vergleichen, da dann die untere stärker als die obere seyn würde. (z7) Voigt S. 66. u. f. (zH Voigt S. z6. 174 - 776. So sagt Pallas (zz) von einem Gipsftlsen: "Der Rücken enthält an der Südseite, etwa auf ^ der Höhe, fast auf dem Kopfe stehende Lagen eines zum Thcil mürben grauen Sandschiesers, die nur in einem Winkel von 15 Graden von der Pcrpcndicnlar - linie abweichen. Der Schiefer zeigt sich auf der halben Höhe in einer ar- schincn-dicken Lage: höher hinauf verdünnen sich die Lagen auf anderthalb Zoll, und zu oberst fallt er thonartig, und nicht dicker als ein Pappendeckel." So sagt auch Voigt ausdrücklich — "Die Flötzlagcr werden immer mächtiger, je weiter sie sich von den Grundgebirgen entfernen." (44) '— Dies stimmt doch nicht mit de LucS Vorstellung überein, daß die ganze Erdrinde, vom Granit an, aus lauter gleichlaufenden Schichten bestanden hätte, die eine nach der andern aus der allgemeinen Flüssigkeit niedergeschlagen worden, und nur nachher, um die stehend blickenden (zz) Reise in die südl.^tadchalcersch.l. S. 120. (Z4) das. S. 2. r r. Berge herum, eingestürzt wären, denn so würden sie, da sie doch schon verhärtet waren, in ihrer ganzen Lage einerlei) Dicke behalten haben. Krustallisazion ganzer Eebirgsmassen, davon hier die Rede ist, last sich doch wohl eigentlich nur dem Granit znschreibcn. Die darauf folgenden Lagen unterscheiden sich sehr im Gefüge, und scheinen also eher, wie oben gcmurh- maassct ist, von einer Ausscheidung aus jenem, wie etwa Hornblendcschiefer, Porphyr, Thonschie- fer, oder einer Abschwemmung, wie Gneuß und Glimmerschiefer, herzurürcn. — Daß die Berge bloß durch Krystallisazion hervorgeschossen waren, wie la Metherie es vorstellt, ist, dünkt mich, zu viel von dieser Wirkung vorausgesetzt. — Noch weniger glaublich ist die Meinung, daß bloß durch gemähliges Fortrücken des Meeres, das verlassene Ufer sich so hoch hätte aufthürmen, oder daß in der Tieffe des allbcdcckendcn Meeres solche Strömungen oder Bewegungen hatten entstehen können, dadurch so beträchtliche Erhaben- — zz — heiren als die Gebirge sind verursachet worden wären, und wie viel mehr müssen sie nicht noch anfangs hervorgeraget haben! De Luc laßt nun alle die verschiedenen Schichten der Erd'vberflache, vom Granit an, bis selbst ans die obersten losen, eine nach der andern, im stillen Meere (z;). sich ruhig lagern, und seine Erklärung ihrer Verschiedenheit ist freilich finnreich, daß nämlich die alles enthaltende Flüssigkeit, durch verschiedene Luft-art.en, die aus den inncrn Holen hervorgetriebcn worden, von Zeit zu Zeit in ihrer Beschaffenheit verändert worden. Was die untern Schichten betrifft, so schreiben ihre Entstehung zwar auch andere Naturforscher einem Niederschlage zu, wiewohl, wie gesagt, ein eigentlicher chymischer Niederschlag wohl nicht bep allen entstanden zu seyn scheinet, sondern zum Theil nur eine Senkung oder Lagerung der Theile. Von den obern (ZZ) lettre I- x. 19. Lanz violsuts a^itation ckan,5 1 sau, ciizz ctLjzots. Z — Z4 — aber, die man Mtzschichtcn nennt, mögte auch wohl selbst die ruhige Ablagerung nicht durchaus zu behaupten seyn. Dolomien, auf den de Luc sich (za. Zg) berufet, unterscheidet doch ausdrücklich den eigentlichen Niederschlag der Grund? gebirge von der Anhäussung der Flvtzschichten, welche er einer Herbeyschwcmmung durch ausser, ordentliche Umwälzungen zuschreibt. (z6) Einige derselben zeigen wenigstens ziemlich deutlich Merk maale der Zerstörung und unordentlichen Mischung. Die Ueberblcibsel der Sccthiere liegen ja nicht über oder unter einer Schichte, als wenn sie nur davon überschüttet und begraben wären, sondern es sind Trümmer durchaus darin gemischt. Am artigsten ist dieses in dem bunten Marmor, wegen des Unterschiedes der Farben zu sehen. Da (z6) So setzt er die boomation clss coucliss cls trsnszzort, der pirscipitation eis ciiz- Solution, cles cläxots priinnils entgegen ilonon. cle Uiigcs. D. Zg. x. Z85- und erklärt sich weiter über die Umwälzungen M 42. x. Z/. not. davon unten gehandelt werden soll. 35 — lassen sich hie Stücke von Korallen, dort von Muscheln verschiedener Art, in der Masse eingeschlossen, leicht erkennen. Die Falle, wo entweder eine wirkliche Muschelbank, oder Lagersiädte ganzer Familien, oder auch nur eine Zusammcn- schwcmmung von verschiedenen Muscheln an Ort und Stelle bedeckt worden, (z/) sind sehr von solchen eingeschlossenen Trümmern unterschieden. Das Dinbungsmittcl der Flöhe überhaupt, hat sich dabei) freilich, auch bcy den zusammen- geschwemmtcn, nach seiner Art, schicscrig oder anders, gebildet und so verhärtet, daß es noch unter Wasser eine zusammenhängende vcfte Schicht ausgemacht hat, wie aus den Spalten und Vcrrückungen zu ersehen ist. Einige Schichten haben sich jedoch auch durch blossen chymischcn Niederschlag angelegt. Herr Bergrath Voigt führt davon ein merkwürdiges (z7) Dergleichen in Tourainc befindliches Lager Ncaumur in den eis chei Lc. 1720 beschreibt. 3* — z6 — Beispiel an, (z8) wo dergleichen sich an einer senkrechten Fläche des Gebirges fand. Allein dieser Niederschlag lag theils am Grundgebirge selbst, theils auf dem gleich folgenden Todlicgcn- den, war also noch von alter Bildung. Er bestand aus bituminösen Mergelschiefcr und Zcch- stcin: ob hier in der senkrechten Anlage auch, so wie in der wagcrechtcn, Fisch - abdrücke oder Muscheln enthalten sind, wäre noch zu fragen. Daß Kalk auch ohne thicrischc Geschöpfe gebildet worden, ist wohl erwiesen, davon der söge- nante salinischc Kalkstein ein Beispiel ist. Thie- rischen Kalk muß man aber doch nicht bloß in zertrümmerten und aufgelösetcu Muschelschalen suchen: viel wichtigern Anthcil daran haben die Korallgewächse. Diese bildeten schon alten dichten Kalkstein, gleich über dem Grundgebirge, n»ch unter der Grauwacke und dem Schiefer, (zy) (z8) Gebirgskunde. §. 55. (Z9) Lasins Harzgcb. S. 175. u. s. f. Z7 — Zm vielfarbigten Marmor sind sie, wie gesagt, ^ leichter zu unterscheiden, da man ihn sonst für einförmigen Stein ansehen würde; aber auch im einfarbigen entdeckte sie Lasius nach einigen Graden von Verwitterung. Zuweilen ist ihr Bau auch in demselben Stein noch stellenweise sichtbar. So habe ich ein Stück eines Korallenriffs ans Wcstindien vor mir, welches bis zur Oberfläche der See hervorgeragt hat und an dem öbcrn Ende noch klärlich verschiedene über einander liegende Madreporen darstellt, da an andern Thci- len die Fächer der Röhren so ausgefüllt sind, daß man nichts als eine Masse von dichtem geauen Kalkstein wahrnimmt. —- Die Korallpolppcn waren vermuthlich die ersten bemerkbaren lebendigen Geschöpfe auf dem Erdboden, da sie sich von blossem Einlecken des Sceschlammcs oder von den kleinen überall entspringenden Wasserthierchen zu nähren scheinen. Daß sie sehr beträchtliche Kalk- Massen, Nisse und Inseln bilden und vom Grunde der See aufwachsen, ist bekannt. Aus solchen Kalk- - 38 — felscn können also auch Schichten bestehen, über deren senkrechte Lage man sich sonst wundern würde. Was aber die oben erwähnten, wie es scheint, zusammen geschwemmten Schichten betrifft, so haben schon einige Naturforscher bemerkt, daß wir aus manchen Spuren schließen müssen, die Oberfläche der Erde sey zu verschiedenen Zeiten wcchselSweise trocken und dann wieder überschwemmt gewesen. Unser Unvermögen, zu erklären, wie dieses habe geschehen können, scheint nur den Anstoß gegen die Annahme dieser Meinung gegeben zu haben. Aber die Anzeigen einer solchen Abwechselung mögten doch wohl das Ue- bcrgcwigt haben. So finden wir schon gleich über das Urgcbirge das sogcnante tobte liegende, das ist eine Anhäuffung von Rollsteinen und Graus, weit und breit erstreckt. Der Bergrath Voigt, welcher besondere Aufmerksamkeit auf dieses Lager gewandt hat, sagt — "es tragt Merkmale heftig stürmender Finthen in seines — 39 — Zusammensetzung sowohl als in seiner Lage und sichc hoch aufgethürmt an manchen Seiten der Grundgebirge." (40) Rollftcine und dergl. werden aber nicht im stillen Grunde des Meeres gebildet, sondern zeigen ein Auf- und Abwälzen an der Böschung eines hervorragenden Ufers. Es sind also schon damahls, im sehr alten Zustande der Erde, Hervorragungcn gewesen, an welchen die Wellen angeschlagen haben. (41) Nun folgen, bald über diesem Todliegenden schon Steinkohlen-lager, welche deutlich genug den Ursprung von Gewächsen anzeigen: und wenn man auch noch daran zweifeln wollte, so finden wir ja die klaren Abdrücke von Gewachsen in der Flötzschicht welche unmittelbar darüber oder (40) Mineral. Abhandl. zr Th. S. 24. (41) Die Nollsie ine, dergleichen sich in den svgenanten P n d d i n g stei nen eingeschlossen befinden, sind durch ihre abgerundete Gestalt wohl von den Breschen zu unterscheiden, welche eckigt zerbrochene Stücke darstellen. — 4° -- d arunter liegt. Es ist also d ie Erde unleugbar, schon damahls mit Gewächsen bedeckt, folglich im Trocknen gewesen. De Lue will zwar dieses nur von Znscl» gelten lassen, die aus dem alten Meere, damit unser itziges Land überall bedeckt gewesen, hervorgeragt hätten. Aber die Stcinkohlen-lager erstrecken sich so weit, und fi»? den sich an so vielen Orten der alten und der neu-cutdeckten Welt, (42) daß man überall fast mehr Inseln als Zwischenräume von Meer setzen müsic. Bios hcrabgeschwcmmt, etwa nur von emporragenden Gebirgen können auch diese, zum Thcil sehr mächtige Lagen nicht seyn, weil sich die Gewächse bald aufgelöset und als leichte Materien nicht so im Grunde des schweren See-Wassers «ngehäusst haben würden. Sie müssen also an Ort und Stelle, etwa als Torfmoore, wie auch de Lue urrheilt, bedeckt worden seun. Nun finden sich über ihnen Schichten von Bodensätzen (42) Auch in Ncuholland hat man sie schon gefunden. 4i — des Meeres: dann wieder eine Schicht von Steinkohlen, und dieses zu mehr wicbcrhohltcn Mahlen. Durch ein und dieselbe Ueberschwcm- mung können diese abwechselnden Lagen doch nicht gebildet seyn: denn, wie gesagt, wenn die aufgclösctcn Gewächse so vcrschwcmmt wären, so köntcn sie sich nicht in solchen weiten zusammenhängenden bald dicken bald dünnen Schichten gesenkt haben. Wenn auch die Steinkohlen aus aufgelösctem Holze bestehen sollten, so würden sich daraus zwar die mächtigen Schichten herleiten lassen, nicht aber einige sehr dünne, denn diese müssen entweder von zarteren Gewächsen herrühren, oder das Holz müste schon sehr auf- gelösct gewesen seyn und dann hätte es eben so wenig einen Bodensatz im Meere abgeben können. Es folgt also, wie mich dünkt, daß an solchen Orten zu wiedcrhohltcn Mahlen Gewächse entstanden, und dann wieder übcschwemmt worden sind, daß also ein trockener und ein von Wasser bedeckter Boden abgewechselt haben. Dieses erforderte aber lange Zwischenzeiten, wie denn auch die Beschaffenheit des bedeckenden Schiefer- thons eine ruhige Ablagerung anzudeuten scheint. Die Wirkung einer ausserordentlichen gewaltsamen Ursache welche hie und da bei) Abwechselung der Schichten zu spüren ist, haben verschiedene Gebirgforschcr bemerkt. So sagt Saussure (4z) "Unter den letzten Schichten zweiter Bildung und den obersten des Urgcbirges findet man fast immer Lagen von Grant oder Puddingstein. — Za der Usvcrgang der Schichten zweiter zu denen dritter Bildung ist durch Lagen von Breschen und Grant bezeichnet, wie am Berge Salcve. — Es scheint also, daß den grossen Veränderungen Key Bildung der Berge immer Erschütterungen des Erdballes vorhergegangen sind, welche verschiedene Theile der damaligen Berge in Stücke verschiedener Grösse zertrümmert haben, und daß nachmahls neue Bodensätze, oder neue Krystalli- sazionen, neue Schichten darüber gebildet haben." ^4Z) Voz-. clans les chstxez D. I. K, 594. lv. — 43 — — Lehmann beschreibt auch bey den Flotzschich- tcn am Harz, ausser dem rochen Tobten unterhalb der Steinkohlcnschichte gleich an dem Grundgebirge befindlichen, welches aus Thon-und Kalk- crde, mit Sand und runden Steinen vermengt, besteht, noch ein um verschiedene Schichten weiter drüber liegendes rothes Todliegendes vcstes Gestein aus Kalk-crde, groben Sande, Kieseln u. s. w. (44) — JaPatri», in seiner Beschreibung von Daurien (45) hat Blöcke von Puddingsteinen bemerkt, die wieder aus kleinern Nollsteinen zusammengesetzt waren und dabei) das Bindemittel von jenen thonartig, von letztern aber kieselartig war. Dies scheint also doch mehrere, nach Zwischenzeiten auf einander folgende Umwälzungen vorauszusehen. Von der obersten angeschwemmten Schicht gicbt uns Saussure merkwürdige Beobachtun- (44) Geschichte von Flötzgebirgen, S. 16z. u.f« jenes untere n. go. das obere n. iz. (45) llouim. V. zg. x. 227. — 44 — ge n üb er die Nollsteine und grossen Blöcke aus Granit und andern Felsen, welche von den hohen Alpen abgerissen am Berge Saleve und dem Abhänge des Iura angchaufft sind. Sic liegen, mit Sand und Gries vermischt auf Kalkstein oder Sandstein, obcrflachig, ohne daß auch grosse Felscnstücke tief in den Kalkstein eingedrückt wären, so, daß sie nicht (wie de Luc meint) von einer Höhe darauf herab geschleudert seyn können (46) Wenn sich jetzt Thalcr in dem Wege darauf sie her.- geschwemmt sind, befinden, so können diese nachmals durch Ausspühlung der Schichten entstanden seyn, wie auch verschiedene Spuren anzeigen. — So urtheilc auch Dolomieu bey Betrachtung der zusammengehäuften Geschiebe im Thale vor Turin. Dergleichen, sagt er, könten weder vom Po-Flusse, noch von einem stillen oder nur durch gewöhnliche Fluchen und Winde bewegten Meere so (46) Lauzlnrs VA)-. chsii5 les aches. M I. x. 149-168. hergcwalzt seyn. Er schließt also auf eine allgemeine ausserordentliche, gewaltsame Ursache, welche zu wiederhohlten Mahlen auf der Oberfläche der Erde gewirkt habe. (47) Blumcnbach sagt ausdrücklich: "die altern Umkehrungen der Erdoberfläche scheinen viel-artig und nichts weniger als gleichzeitig gewesen zu seyn." (48) Wir haben nun denn die lezte, für uns merkwürdigste allgemeine Ucberschüttung oder Um- kchrung dieser Oberfläche besonders zu betrachten. (47) äourn. de V. 42. S. 54. 56. not. "Mosens revolutionairss, atzsolument etrangsrs au cours orclinaire cls la nature, inog-sns, 4U1 ont a^i a plusisurs repriles dikksrentss dans la meine criss; — und cause extraordinaire, generale, la meine, qui szeul - etrs a korine no» couclies se- condaires. (48) Än seiner schätzbaren Abhandlung: Sxeci- inen arcliceologisz telluris, davon ein Auszug in den Götting. Anzeigen 199. und in Voigts Magaz. für die Naturk. III. B. S. 71; befindlich ist. — 46 — weil dadurch der gegenwärtige Zustand der Erde, und auch ihrer Bewohner hervorgebracht ist. De Luc will dieses Eräugniß, so wie die vorhergehenden, nur dem abermahligcn Einsinken eines grossen Thcils Landes, und daher dem Emporkommen des bis dahin vom Meere bedeckten Theilcs, nämlich unscrs jetzt bewohnten Landes, zuschreiben. Gleicht aber dieses wohl einer bloß von dem bedeckenden Meere unzerstört verlassenen Oberfläche? Finden wir nicht überall Spuren von gewaltsamer Ueberschüttung? (49) wie auch von Ausspülung ehcmahliger zusammenhängender Schichten, so, daß nur abgesonderte Stücke davon übrig geblieben sind? Gewiß, die Erscheinung, da noch Korallenstämme auf hohen Lande, in ihrer ursprünglichen Stellung gefunden worden, ist doch ein äusserst seltener Fall. (50) So (49) Man sehe z. B. die Beschreibung der Py- reneen in Ikauicurck Vo^. au urout pisrcku. x. Zgl. u. f. (50) So viel ich weiß der einzige, der von Van- couvern auf Nenhollaud entdeckte: Vc>> z-aZs I. i>. 49. — 47 — würde aber die Oberfläche m unbewohnten Ländern überall aussehen, wenn das Meer bloß zurückgetreten wäre. Nun müste ja ganz Amerika doch eben sowohl als unser altbekanntes Land so neu-cmpvrgeksmmcn seyn, da sich die Oberfläche mit den darin enthaltenen Körpern aus gleiche Weise verhält; von Entdeckung eines solchen Ko- rallcnbodens als in Neuholland hat man aber daselbst, wo doch viele Landsrrekkcn wüste sind, nicht gehöret. Allein es giebr noch besonders merkwürdige Beobachtungen, welche eine bey dieser Umwälzung auf der Erde durchaus vorgegangene grosse Veränderung anzeigen, nämlich die Entstehung von neuen Thicr-arcen, welche von den ehcmahligen verschieden sind, ja, die erste Entstehung der Menschen! Daß Ueberrefte von Thieren an vielen Orten unter der Erde gefunden werden, dergleichen wir jetzt nirgends antreffen, ist nunmehr von genauen Beobachtern und Kennern, davon ich nur L am- per, Cuvier und Vlumenbach zu nennen brauche, zuverlässig erwiesen. (51) Zu einigen solcher Ucberreste finden sich in der jetzigen Schöpfung gar nicht einmahl ähnliche, geschweige denn der Art nach gleiche, Urbilder. Andere sind zwar mehr oder weniger den jetzigen ähnlich, aber doch noch in wesentlichen Stücken davon unterschieden. Die den unsrigcn ähnliche gleichen auch meistens nur Thieren, welche einen Heistern Erdstrich erfodern, als den wo diese Ucberreste gc- (51) Cuvier hat eine vorläuffige Nachricht von einem Werke über diese Entdeckungen herausgegeben: Lxtralt ä'un onvra^s snr lez ezp-scss äs c^uaärnpsäss, äont on tronvsis? osssmsn,? äanz I'Interisur äsla tsrrs. äourw. äs N. 52. Lsrmin-ä. Er bemerkt darin blosvon Säugethieren iß merklich verschiedene 'Arten: von einigen derselben hat er mir schon die fertigen Kupferstiche zugeschickt, und er schreibt, daß sich sein Vorrath noch immer vermehre. Blumenbach hat in der oben N. 48. «»geführten Abhandlung treffliche allgemeine Anmerkungen darüber geliefert. Man sehe auch seine Beitr. zur Naturgcsch. S. 24 — Z2. — 49 — funden werden, oder sie sind beträchtlich grösserer Art, wie z. B. die Knochen der Holen- Bären, deren Hirnschedcl, wie Camper sagte, sich zu dem des grossen Scc-bären, von dem er auch noch im Baue abweicht, fast wie Z zu 2 verhält. Wenn nun auch Blumen dach an einigen von den jetzigen gar nichts Unterschiedenes fand, so will er doch damit nicht erwiesen haben, daß lez- tcre nicht ebenfalls neu-cntsianden scyn könten. Die auffallendste Folge einer Hauptvcrän- bcrung der Erd - oberfläche ist indessen wohl die nachmahlige Entstehung der Menschen: denn von Mcnschcngcrippcn sind in jener überschütteten Erdschichte weder in den alten, noch in den neu- entdecktcn Landern irgend Ueberrcste gefunden worden, da sich doch sonst einige auch von kleinern Thiercn finden. Was man darunter für menschliche Knochen ausgegeben hat, ist nach genauer Untersuchung der Kenner, Camper, Cuvi c r, Blumenbach, einstimmig für Zrr- thum erklärt worden, und es wird also die Er- 4 — 5° — neuerug gegenseitig, durch das Entdecken unbe- kantcr, und durch den Mangel itzigcr Arten in der vormaligen Oberfläche, bestätigt. Ob nun gleich einige jener uns fremden Thicre noch in der Gegend gelebt zu haben scheinen, wo ihre Ucbcrreste gefunden werden, so zeigen doch ungleich mehr derselben, daß sie von einer gewaltsamen Fluth hergeschwemmt worden. Die Beispiele von vollständigen Gerippen sind nur selten: dagegen aber häuffig einzelne und zertrümmerte Knochen, auch mit Ueberblejbseln von Secthieren vermischt, in znsammengcschwcmmten Boden, Leimen und Sand gefunden werden. (52) Dabei) ist merkwürdig, daß die Menge derselben immer häuffiger wird je näher man dem Nordpole kommt. So meldete Pallas, daß auf den jenseits der äußersten Land-ecke Asiens (Swätoi Nos, 72 Gr. N. Br.) noch 70 und 9-0 Werste weiter nordwärts im Eismeer gelegenen Lächof- (52) Pallas, Lommsm. ?«ztroza. XVII, p>. 582. — ZI — scheu Inseln, in den weichen steilen Ufern eines untiessen Sees sich haussenweise eine unsägliche Menge der schönsten Eissenbeinzähne mit andern Gerippen vermischt befinden, und auch hin und wieder auf den sumpfigen Moos-ebenen der Insel, so wie Hirnschädcl vom Nhinoceros und den ungeheuren Büffeln, vorkomme, so, daß man es der Mühe Werth fand auf Schlitten dahin zu fahren um Handel mit diesem wohl erhaltenen Elffen- bein zu treiben. Er vermuthct also, daß die grosse Fluch, welche über Asien unstreitig ihren gewaltsamen Lauf genommen und hin und wieder die Körper der grossen Land-rhicre, sonderlich längst ihren Abzugsspuren im abgesetzten Schiamme stecken gelassen, sich an dem vorliegenden Polarlande im Ablauste gebrochen und die übrigen Leichname, mit dem Schlamme den sie führte, um einige dortige Klippen abgesetzt habe, (zz) (zz) Neue Nord. Beitr. III. (VII.) S. 12g. 142. — Daß die Richtung der allgemeinen Ueberschwemmung von Süd-west nach A'uS der Bemerkung, daß die Uebcrreste der in unfern Gegenden gefundenen überschütteten Thicre, so wie auch die Abdrücke von Pflanzen, mehr solchen Arten gleichen, weiche jezt in südlichen Ländern befindlich sind, hat man schlicsscn wollen, daß bcy jener lcztcn Umkehrung der Erdoberfläche auch eine Veränderung des Wärmegrades vorgegangen sey. Aber die noch mit Haut und Haar erhaltenen Theile eines Nasehorns, davon uns Pallas die genaue Beschreibung mitgetheilt hat, (54) zeigt doch offenbar, daß es da mahls im Norden schon so kalt als jezt gewesen ist. Es muß nähmlich dieses Thier aus einer wärmcrn Gegend, wo es gelebt hat, plötzlich hingerissen und in Schlamm eingehüllt dorthin auf 64 Gr. N. Br. verschwemmt worden seyn, wo die grosse Kälte es vor der Verderbung schützte. Aller Wahrscheinlichkeit nach Nord-vsr gegangen sep, hat I. N. F 0 rstc r, in seinen Beobachtungen und Wahrheiten (Leipz. 1798) zu zeigen gesucht. (54) Kov. Lom-n. ?str. XVII. P. 585. war also auch in den gemässigten, Erdstrichen nur ein verhältnismässiger, dem jetzigen gleicher Wärmegrad vorhanden. So findet man auch überhaupt, daß die in nördlicher!, Gegenhen gefundenen Knochen stuffenweise besser erhalten sind als die ähnlichen welche man in den südlicher!, entdeckt, welche letztere schon mehr und mehr verwittert und zerbrechlich geworben find. — Wenn aber auch einige der fremden Gewächse und Thicre der Vorwelt, in unfern, ihren ähnlichen Arten nun nicht zuträglichen, Erdstrichen gelebt haben, wie dieses, besonders von den Gewächsen, wahrscheinlich ist, könte man denn nicht auch mitthmaasscn daß sie vielleicht nur von härterem Baue (dickhäutiger) gewesen wären, so, daß sie in kälteren Erdstrichen ausdaurcn kvntcn. — Ruhig auf der Oberfläche können aber auch solche ehemals hier einheimische Thiers doch nicht gestorben seyn: sie müssen auf der Stelle überschüttet sey!,, sonst waren sie langst verwittert und zcrstöhrt worden, ehe sich, wenn es gemäh- — 54 — lig geschehen wäre, eine Schicht von Etde, Sand, Lehm darüber hätte ansammlen können. Die Möglichkeit einer Veränderung des Wärmeinaasses auf dem Erdboden erklärt nun zwar Herr A. von Humbold (55) aus der grossen Entwickelung des Wärmcstoffes bey der ersten Bildung des Erdballes, so wie Kant die Entspringung des Lichts daraus hergeleitet hatte. Dies ist auch freilich den chemischen Gesehen gemäß: allein diese Hitze hätte denn doch gcmäh? lig abnehmen, und so hätten die vormahligcn Thiers schon längst untergehen müssen und ihre Ucbcrrcste wären nicht so gut erhalten geblieben. Es ist also, wie gesagt, nicht erwiesen, daß da- Mahls als sie überschüttet worden sind, in unfern gemässigten, oder sogar in den nördlichem Gegenden, noch ein grösserer Grad der Hitze auf der Erde gewesen sey. (;z) lieber die chemische Zerlegung des Lust' kreises. S. 177. — 55 — Der veränderte Zustand der Erd-oberfläche, glaubt Dolomieu, (56) sey wahrscheinlich in grossen abwechselnden Überschwemmungen, und daher entstandenen Anhäuffung viel-artiger Schichten, und dann wieder in langen Zwischenzeiten erfolgten AuStrocknuug des Bodens zu suchen. Von lezterem Zustande scheint er auch die Entstehung der sogenannten Gänge, als Spalten in den Gebirgen, herzuleiten. — Wie er aber diese Eräugnisse einer Art von Finthen und Ebben (maräö8) zuschreibe, die goo Toisen und drüber hoch gegangen wären, und Zwischenzeiten von wenigstens einigen Monaten gehabt hätten, begreife ich nicht. Zwar mag das Verhältnis unserer Erde zu den sie umgebenden Körpern mit den daraus erfolgenden Wirkungen anfangs sehr verschieden von dem jetzigen gewesen seyn: aber von einer eigentlichen durch Anziehung verursachten Fluth kann ich mir doch dergleichen Vor- (56) äoura. c!s V. XXXIX. jz.z95.4o4. stcllnng nicht machen, da eine solche nur, gleich einer hohen Welle, mit jeder Umdrehung der Erde rund umher gemählig fortgegangen scpn wüste. Lavoisicr (57) glaubt aus den verschiedenen Lagen von gewalzten Steinen, Gries u. s. w. und von Muschclschichten, die sich einander wechselsweise bedecken, schließen zu können, daß das Meer, mit Abwechselungen von viel tausend Jahren, sehr langsam angeschwollen und wieder gefallen scy. So wären denn am Nandc der Ur- gcbirge abgewalzte Lagen von Nollstcincn u. s. w. entstanden, im hohen Meere aber in den Zwischenzeiten wieder wagcrcchtc Schichten von Muscheln gebildet, und dann die einen von den andern bedeckt worden. Eine kleine Veränderung in der Lage der Erd.-axe, und folglich des Acqua- tors', meint er, würde zugereicht haben, diese . ( Z7) i'^cack. cles Leiencas annüs 1789, (?aris 179z) x. ZZI. — 57 — Erscheinung hervor zu bringen. Aber, wenn gleich einige Schichten eine ruhige Ablagerung darstellen, so ist das doch keineswegcs der gemeinste Fall, sondern es müssen uns vielmehr Mischungen mit znsammengeschwemmlcn Trümmern und andere Umstände auf eine gewaltsame und plötzlich wirkende Ursache schlicssen lassen. Daß nun Key der erwähnten leztcn Umwälzung eine Veränderung der Erd-axe vorgegangen ftp, und daß darin die Ursache sowohl der gewaltsamen Uebcrschwcmmnng, als auch eine Veränderung des Wärmegrades auf unserer Oberfläche zu suchen ssey, haben zwar auch andere Naturforscher gcmnthmaasset. Allein, zu gc'chwei- gcn, daß wir dann noch keinen wahrscheinlichen Grund finden, dadurch ein so plötzlicher Umschwung des Erdballes verursachet wäre, so stimmt doch eine Vcrrükkung der chemahligcn Aeqnators- gcgend nach den Norhpol hin nicht mit der Fluth ülerein, die, wie wir gesehen, nordwärts hin geströmt hat, da sie in jenem Falle rückwärts gegen Süden sich hätte ergicssen müssen. 58 -- Es finden sich also Key allen Erklärungen Schwierigkeiten, und ich mögte mir nicht unternehmen etwas über diese grossen Eräugnisse zu muthmaassen. — Was aber auch die zunächst wirkende innere oder äussere Ursache gewesen seyn mag, so war es doch gewiß kein blinder vhngcfährcr Zufall, und entstand auch nicht aus einem spätem Entschlüsse des Schöpfers etwas in seinem Werke zu verändern. Es gehörten vielmehr diese Umwälzungen in den weislich entworfenen Plan der Schöpfung: sie dienten zu weilerer Ausbildung der Erde und ihrer Bewohner : es waren Vorbereitungen um Werkzeuge für empfindende und endlich auch für denkende Wesen hervor zu bringen! Herr de Luc will mit mehrern Naturforschern die lezte grosse Umwälzung auf die von Moses, beschriebene grosse Ucberschwemmung (so genante Sündfluth) deuten, davon unten gehandelt werden soll. — Aus dem mit dem Niedersinken des zuvor unsere Oberfläche bedeckenden Meeres zugleich erfolgten Herabsinken des Dunstkreises erklärt er auch die vermeinte Veränderung des Wärmegrades. Vorher nämlich hätten die Gipfel unserer Berge, die damahls nnr als Zn- sein in dem noch höheren Meere hervorragten, sich in der untersten Lage des Dunstkreises befunden und folglich der verhältnismässigen Wärme genossen, da sie nun in der höheren Schichte einem grösseren Grad von Kälte ausgesetzt worden, dadurch dann mir der Zeit die darauf befindlichen, einer grössern Wärme bedürssendcn. Pflanzen und Thicre hätten ersterben müssen. (zL) Aber, so wäre die Wärme auf jenen Bergspitzcn oder Inseln doch nur etwa derjenigen gleich gewesen, die jetzt in demselben Grade der Breite auf unserer Oberfläche Statt findet, und also, ohne anderweitig hinzukommende Ursache für einen ehemahls höhern Grad noch kein Grund angegeben. (z8) ^ett. 5. x. 26z. 267. I.ett. 6. x. zu. §. 27. — 6o — Nachmahls sagt er, vor jener Veränderung Ware der Wärmegrad auf der Oberfläche so gleich! haltig gewesen, daß einerlei) See - und Landthiere gar wohl in allen Graden der Breite hatten leben können. (59) Allein die ungleiche Erhaltung der Uebcrrcste von damahls verschwemmtcn Thieren läßt doch, wie oben gesagt, nicht einen so gleichen Grad der Wärme vcrmuthcn, auch konnte ein solches Ebcnmaaß von Warme den sehr verschiedenen Thier-artcn nicht gleich angemessen seun. Und woher denn die allgemeine Verschiedenheit der vormahligen von den jetzigen, folglich neu entstandenen organischen Geschöpfen, welche doch nicht bloß in dem Aufenthalte unter einem ehemals verschiedenen Wärmegrade gesucht werden kann, da sich auch die ganze Beschaffenheit des ()9) Ustt. 7. p>. Z9Z. "I.SS niLMgz animaux, taut marin« <^us tsrrsltrs«, vivoisire SAalsmsnt ä torits latitucis — p>arcs cssc'avant la naiüläncs eis no« continsn« la siialsvr src>it Izsausoup p>1u.« SAalo a 1a «urkacs cls 1a rsrre." Baues unterscheidet? — Was die Abdrücke von Pflanzen in den Erdschichten betrifft, davon sagt er, diese wären in der alten Zeit gewachsen, ehe noch die Sonne geschienen hatte. (60) Aber die Thicre, welche doch gewiß wohl des Lichts bedurften , waren ja eben so wohl von den jetzigen verschieden. Nun will er behaupten, die Veränderung der Arten scy nur gemählig geschehen, so wie der Dunstkreis nach gerade zu seinem jetzigen Zustande gelangt wäre, (6i) so, daß zwar die in den altern Schichten befindlichen Uebcrreste von den jetzigen verschieden, die in den obcrn aber ihnen ganz ahnlich wären, (62) nur etliche Gat- t6o) k-srr. z. z,. izo. I.err. 4. z,. 191. (61) lb.vtt. 4. z>. lyl. "(^n' st ML5NIS (ZNS I'tttmoszztisrs z'appvostzoir cis son star znäzent, Iss zilanrss sc avss ellss lsz anicnaux maiinz er lsrreslres apzirsclisi- ent an8!Ü cls zilns sn zzluz ckss sszcscss aujsnrcl'Irui connns»,^^ (62) l.stt. 2. §. 15. z,. 54. §. 19. x. 59. I.ett. 4. §. Z9. I.s!t. 7. x. zzz. Zg2. Z9Z. "ilz ont Zsurz analoAusz zirscls zniimi les sspscss vivantez —- saus cliKsren- csa." ^ — z?. 220. heiße es doch nur Presens atzsolu-nonr sernlöralzls^. tungen von Seethicren, gesteht cr, würden jetzt nicht gefunden. — Hiegegen zeugt doch die genauere Beobachtung, denn, auch in der lczrcn angeschwemmten, aus Sand und Leimen bestehenden Schicht befinden sich Ucberrcste von Thies ren, die nicht bios dem Erdstriche nach, sondern in ihrem ganzen Baue von allen jetzt betauten verschieden gewesen seyn müssen. Die Nachkommen des Thiercs, dessen 12 Fuß langes Gerippe in Paraguay gefunden ist, und welches keinem der unsrigen näher zu kommen scheint als dem Faulthiere, müssen doch verzweifelt eingeschrumpft seyn, da die Grösse des leztcrn nur einem Fuchse gleicht: zu geschweige:: daß sich auch in der Gestalt noch merkliche Verschiedenheit befindet. Äie Elcphanten müssen mit der Zeit ganz andere Zahne erhalten haben, u. s. w. Kurz: es konten doch ans einer Folge von derselben Fortpflanzung oder Zeugung nicht ganz andere Geschöpfe entstehen. Daß aber die in den tiefen Schichten gefundenen Ucberrcste, wie Cuvier schreibt, noch mehr von - 6z - dm jetzigen Formen abzuweichen scheinen als jene der Oberfläche näheren, würde nur die ohnedem wahrscheinliche Vermuthung veranlassen, daß vor der letzten schon andere Veränderungen der Erdoberfläche vorgegangen wären. Herr de Luc will, wie gesagt, alle diese Begebenheiten nur aus wiederholtem Einsinken des Landes herleiten. (6z) Die lczte insbesondere sen daher entstanden weil dainahis das vormahlige bewohnte Land auf ein Mahl eingestürzt wäre, so daß die Stelle desselben vom Meere eingenommen worden und nur Noa mit dem was er mir sich führte daraus gerettet worden. Da hingegen wäre nun unser itziges Erdreich, welches zuvor noch vom Meere bedeckt gewesen, davon verlassen worden und aufs Trockne gekommen. Zch will nicht erwähnen, daß eine entsetzliche Hölung noch im Innern des Erdballes übrig ge- (5z) "^ltciisserneirz rvitsrüs — ü » c^uss macizuüos 5>ar laues uionruneuz," l^err, z, 6. 7. x> Z94. Wesen sepn wüste, die alle das Wasser, welches nebst unscrm Europa gleichwohl auch ganz Asien, Afrika und Amerika bedeckte, auf ein Mahl hatte verschlingen können. Wir wollen jezc nur die Befruchtung und Bevölkerung dieses aus dem Meere neu-hervorgckommcncn Landes betrachten, wenn dieses durch Fortpflanzung der damahls vorhandenen Geschöpfe geschehen wäre. Da die mancherlei) Arten von Thieren nicht wohl in Noas Kasten Raum hatten, so hat de Luc ihnen klüglich, so wie den Gewachsen, verschiedene schon in dem damahls das Land bcdek- kcndcn Meere hervorragende Inseln angewiesen. "Einige derselben waren noch wieder versunken bis endlich diejenigen übrig geblieben die nun die Gipfel unserer höchsten Berge darstellen. Auf jenen versunkenen wären die Thicre umgekommen, deren Ueberreste wir in unsern Schichten befinden, einige auch vielleicht beym Ueberschwimmen, da sie sich auf andere Inseln retten wollteu."(64) (64) ^c-tt. 4. §. Z7> — 6; — — Aber, wenn diese Thiere vor so langer Zeit nur als ersoffen auf dem Boden des Meers liegen geblieben wären, zumahl wenn, wie er meint, damahls noch eine gleichförmigere und grössere Wärme gewesen wäre, so könten sie nicht so gut erhalten scyn. Dieses, sowohl als ihre Zertrümmerung und Zusammcnhäuffung, zeigt also vielmehr an, daß sie durch eine Ueberströmung fortgerissen und sogleich mit Schlamm umgeben worden sind. Daß nun jenen Gerippen von Land- rhicren auch Ueberrcsic von Seethicrcn beygemischt sind, beweiset nicht, wie er will, daß damahls das Meer noch diesen Erdstrich über und über bedeckt hätte: denn eben jene Ueberströmung konte beide zusammen fortwälzen und über das Land herführen. "Die Thiere welche übrig geblieben und nebst den Gewächsen sich fortgepflanzt hätten, wären, sagt er, nebst den von Noa im Kasten aufbewahrten, diejenigen welche sich auf den damahls noch vorhandenen Insclu aufgehalten hät- 5 — 66 —' tcn. — Menschengebcine der Vorwclt würden nicht gefunden, weil die damahligen Menschen alle nur das alte Key der Fluch versunkene Land bewohnt hatten, daher ihre Neste in der Tieffe des Meers begraben lägen. (65) Unwahrscheinlich ist es doch schon, daß so mancherlei) Thierc, und dieses nach wiederholtem Versinken, die im weite» Meere emporragenden Znseln aufgesucht harten, und daß gerade die Menschen sich nicht zu diesen so fruchtbaren Sammelplätzen und Mutterländern aller unserer jetzigen Gewächse hinbegeben, sondern auf dem alten zuerst aus dem allgemeinen Meere empor« gekommenen, und, wie de Luc sagt, noch nicht mit Mzschichtcn bedeckten, sondern aus blossen Urgebirge bestehenden Lande (66) zusammen geblieben wären. Jezt finden wir im Gegcnthcil, daß manche Inseln, mitten im Meere, mit Mcm (6;) Umr. 6. §. zr. (66) Uert. V. p. 2Z5. tsrres, i. Z20. (69) De Luc drukr sich p. Z12. kurz und dunkel darüber aus — "1,'g^ricnUurL piro- — 7° — Elephantcn und Naschörner, als es droben mit einem Mahle so kalt geworden war, eilen müssen, um zu dem hcisscrcn Erdstriche zu gelangen? Und wie hatten sie Zeit abzuwarten, bis in jenen Ebenen erst von den Bergen herab die Besamung erfolgt wäre, daraus Bäume oder Gesträuch für ihr Futter erwachsen mustc? (70) Endlich stelle man sich doch einmal die Beschaffenheit dieses neuen Landes recht lebhaft vor; einen so eben vom Meere plötzlich verlassenen Boden, auf welchem Schlamm und Sand, Korallen, Muscheln und verfaulende Fische über einander liegen musten. Hierauf sollten sogleich pnAsoit es« plante« avec celle« clont l>loo svoit conl'erve le« l'emence«, clanz cle« lisnx pln« kchaisl'e«, clont la teinperatnre leur etoit convsnslzls." Welche schnelle aAricultnre! (70) Auch hierüber geht de Luc leicht hin. x. Z20. "ll« le i-epsncliient clan« les eon» trees envlronantes, ü inelnre cpce leur« lnloslstance« «'^ propa^erenl." aller Art Pflanzen anwachsen und gsdeicn, und Thicre und Menschen wohnen und fortkommen! So wenig ist also dies gerühmte Lehrgebäude mit den Beobachtungen der Natur, oder mit dem Zusammenhange der Erscheinungen (71) zutreffend: daher auch weder ein Saussure noch Dolo- micu, noch Blumen dach demselben beitreten konten. Wir wollen nun sehen wie es selbst mit dem Texte, den er vcrchcidigen will, und davon er den natürlichen, ja wörtlichen Sinn (71 K.) darzustellen vorgicbt, übereinstimmt. Hiebey muß ich erwähnen, daß auch der berühmte Herr Kirwan sich bemühet hat, diesen Text als mit der Erdkunde zutreffend vorzustellen. (71) Der arialogie AÜnerlc^ue clss ^kiünoms- lies couuus, wie er Imrr. III. §. 25. x>. 128. uns glauben machen will. (71 la.) I.ett. VI. p. Zio. I n g, an, dessen Schrift ich aber nicht kenne. — 85 — bis alle hohe Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt worden: Sie habe darauf, nach 150 Tagen, als die Brunnen der Tieffe und die Fenster des Himmels wieder verstopft worden, gemählig abgenommen, jo daß erstlich die Spitzen der Berge waren hervorgekommen, bis endlich der Erdboden wieder austrocknete. — Wo sind hier die vielen Znscln zu finden, die doch nicht mit unter Wasser gewesen seyn konten, weil sie so vielen übergebliebenen Thieren zum Aufenthalte gedient haben sollen? Und wie konte denn die erste ausgeflogene 'Taube (K. g. v. 9.) das Gewässer noch so aus dem ganzen Erdboden verbreitet finden, daß sie nicht fand, da ihr Fuß ruhen konte? Sie hatte ja die ganze aus dem Wasser hervorragend gebliebene fruchtbare Flache des Berges Ararat unter ihren Füssen, wo Noah den Wcinstock und allcrley GeWachse zur nachmaligen Befruchtung des naktcn Erdbodens vorgefunden haben soll. Woher nun die Nachricht, oder Vermuthung, das Land, darauf Noah mit allen damahligen ss- 86 - Menschen gewohnt, scy ganz versunken? Diese erzwingt de Luc (79) aus dem kurzen allgemeinen Ausdrucke (K. 6. V. ig.) "Ich will sie (die Menschen) verderben mit der Erde." Nun! die Erde konte ja auch wohl durch eine so lange Ue- berschwemmung sehr verdorben werden. Aber warum würde denn jenes wigtige Eräugniß so undeutlich ausgedruckt? Warum Hiesse es nicht etwa — das Land soll untergehen und die Berge im Meer versinken? Die Sprache hat doch ein deutliches Wort dafür, wie z. B. da es heißt: (2 V. M. 15. V. 4.) Pharaos Hauptleute versunken ( 1,üb, lau ) im Schilfmcere. De Lucs Meinung von versunkenen einen Theils und neuchervorgekommenen andern Theils unserer Erdoberfläche ist also in der Mosaischen Erzählung so wenig als in der Nakurbetrachtung gegründet. Wir haben nun noch die Thiere zu mustern. (79) T,etr. VI. zz. 29z. zio. — 87 — welche mit Noah gerettet worden. Hier finden beide Ausleger den Raum im Kasten doch für sämtliche Thiers zu enge. Kirwan sagt also, (80) es würden wohl nur die dem Menschen nöthigsten, und zwar nur die Kraut.- oder Korn- fressendcn verstanden, und, da er die Inseln nicht anerkennt, wagt er hinzuzusetzen — "die übrigen » wären wahrscheinlich erst nachher geschaffen: die fleischfressenden würden zuvor nur mehr schädlich als nützlich gewesen scyu, (Zr) und die, welche nur in Amerika oder im heissesicn oder kältesten Erdstriche zu Hause sind, und also nicht wohl ciucrley Wärmegrad in der Arche hätten ertras gen können, glaubt er gleichfalls spätem Ursprungs zu senn." DcLuc will gleichfalls behaupten, daßN 0 ah nur die dem Menschen unmittelbar nöthigcn (8c>) Lsol. L5la^'5. p>. 84- (81) Wir finden aber unter den Ucbcrresten der Vorwclt doch auch einige von flcischfressen,- den Thicreu. — 88 — Thierc, und einige die ihm zu besonder,« Zwecke dienen sollten, wie den Roben, im Kasten mit sich bewahrt habe, (za) Die übrigen, sagt er, wären, wie oben erwähnt, auf den Inseln geborten worden, von welchen sie hernach herunter gekommen und sich verbreitet hatten. Er erkünstelt dies aus der Stelle (K. 9. V. 10.) wo es scheint, daß die Thiere der Erden von denen die aus dem Kasten hcrausgagangcn unterschieden werden. (8z) Aber, eben daselbst werden ja diese Thierc, mit demselben Ausdrucke (clmjat haare-,) zu denen gerechnet, die mit ihm gewesen. Fer- ner: es wird in den verschiedenen Stellen, wo von den Thicrcn, die entweder umkommen oder gerettet werden sollen (K. 6. V. 7. 20. K. 7.V. 14. 2z. K. 8> V. 17. 19.) nicht nur ausdrücklich (82) I.str, VI- x. 319. Z2o. (8Z) Kirwan gebrauchte die Stelle 1 B. M. 1, V. zo. wo den Thicren allerlei) grün Kraut zur Speise angewiesen wird, um zu beweisen, daß damahls noch keine fleischfressende Thiere da gewesen waren. — 89 — angezeigt, daß Alles darunter begriffen sey, sondern sogar die verschiedenen Klassen der Thiers erwähnt, Vieh, Ecwürmer, und auch Vögel, welche doch am leichtesten auf de Lues Inseln hätten verwiesen werden können, und es heißt davon — "Alles ward von der Erde verrilgt: allein Noah blieb über und was mit ihm in dem Kasten war." Ja es wird (K. 7. V. 2.) noch besonders der Unterschied gemacht, daß von dem reinen, d. i. eßbaren Vieh, sieben Paar, von dem unreinen aber nur einzelne Paare von Noah in den Kasten genommen werden sollten. Wie konnten denn beide Ausleger diese ausdrücklichen Stellen übersehen und nur das reine Vieh in den Kasten aufnehmen lassen? Was aber auch überhaupt die eigentliche Beschaffenheit der in den Mosaischen Nachrichten orientalisch beschriebenen Ueberschwemmung gewesen seyn mag; so läßt sich doch so viel davon ur- theilen, daß ein viel spateres Eraugniß, und nicht jene allgemeine Umwälzung der Erd-obcrflache, da- — 9° von wir allenthalben die Wirkungen aufspüren, dadurch angedeutet werden könne. Denn, Key der Noachischen Fluth war ja dem Berichte nach, sowohl als Key der Ogygischcn und Deukalionischen, die Erde schon mit Menschen bevölkert, und nach derselben ging alles wieder seinen Gang fort: die Erde ward, wo nicht an den überschwemmten Orten, doch in der Nachbarschaft angebauct, u. s. w. Die oben erwähnte allgemeine Umwälzung aber fand noch keine Menschen vor, und nach derselben muscc Alles, Pflanzen und Thicre, neu geschaffen werden. Daß jedoch auch jene grosse gänzliche Veränderung unseres Erdbodens nicht vor ganz unermeßlichen Zeiten geschehen scy, hat, wie mich dünkt, Herr de Luc wohl erwiesen. Darin stimmen ihm auch Saussure und Dolomicu bey: ungleichen, daß man darin eine plötzliche gewaltsame Umwälzung erkennen müsse, .und der jetzige Austand nicht, wie einige Naturforscher wollen, iner gemähligcn Veränderung, mittelst langsamer — 9l Fortschritte des Meeres und seiner Grenzen zugeschrieben werden könne. Es finden sich aber, ausser jenen Denkmalen der leztcn Umwälzung, andere merkwürdige Ue- berbleibsel, welche eine Anzeige geben, daß unser jetziges Land chemahls vom Meere, und zwar da- mahls auf lange Zeit bedeckt gewesen ist. Die vcstsitzenden Scethiere, Korollpolypen u. s. f. die ausgebreiteten Muschelbänke, oder Lager von Familien einer Gattung, Ammonitcn, Bclemni- ten, Orthoceratiten, u. s. f. können nicht durch eine blosse Ueberschwcmmung so zusammen hergeführt scyu: sie müssen an Ort und Stelle gelebt und sich vermehrt haben: es muß also daselbst ruhiger Meeresgrund gewesen seyn. Wie die uachherige Umwandlung zugegangen sey, können wir nicht erforfich'en. Sie ist aber von einem älteren Zeiträume «als die oben betrachtete lczbe Umwälzung: die Ucberbleibsel liegen tiefer, in Marmor oder vestem Gesteine, und sind von denen der lezten angeschwemmten Schichte über- 92 — schüttet. Sie können also nicht einer Wirkung jener plötzlichen Umstürzung unserer Oberfläche, und noch weniger der Mostüschen Fluch, oder, wie de Luc will, dem damahligcn Emporkommen unscrs itzigen Landes zugeschrieben werden. Sie zeigen aber, daß sich, wie gesagt, zu verschiedenen Mahlen, und auf verschiedene Weise, grosse Veränderungen auf nnserm Erdbode» zugetragen haben, deren auszeichnende Spuren in den Schichten wohl noch näher von den Bcrgforschern untersucht und beschrieben werden mögtcn. Am Ende streitet de Lue noch, gegen einen ungenannten Naturforscher, über das Entstehen der organischen Geschöpfe. Dieser schloß nämlich so — " Es scheinen Pflanzen und Thierc einigen Ländern besonders eigen gewesen zu seyn, und diese haben auch die Merkmale ihrer Art behalten, nachdem sie in andere Erdstriche versetzt worden und sich daselbst — yg — ^ fortgepflanzt haben. Die Uebcrrestc aber, weiche wir in den Erdschichten vergraben finden, find grasten Theils von den jctztlebenden verschieden. Es scheint also, daß wir hieraus schließen können, daß die jetzigen neuerlich aus natürlichen, bei) damahligen Umstanden wirksamen, Ursachen entstanden seyn müssen. Und, wenn denn die neueren jcht vorhandenen organischen Geschöpfe so entstehen konten, so wäre es ja wahrscheinlich zu vcrmuthcn, daß auch die vormahligcn, deren Uc- berreste wir in unser» Erdschichten finden, ebenfalls durch Naturkrafte, nur unter verschiedenen Umständen, hervorgebracht worden." De Luc widerspricht diesem und meint den Grund der Folgerung umzustoßen indem er geradezu behaupten will, die Uebcrrcste von abweichenden Formen fänden sich nur in den sehr alten Schichten: die Thier-arten hatten sich gemahlig verändert, und die am spatesten gebildete Schichten enthielten nur solche Uebcrrestc, die (ausser einigen Muschel-artcn, weiche in dem neuen Meere ihre Gestalt verändert Härten) sämtlich mit den jczt lebenden völlig übercin kämen. (84) Aber er irret sich: es ist, wie oben S. 47. u. f. erwähnt worden, genugsam erwiesen, daß die gefundenen Ucbcrrcstc der Vorwclt, wenn man sie genau untersucht, meistens von den jetzigen so verschieden sind, daß man lcztere kcineSweges bloß sür ausgeartete derselben Gattung Hairen kann. — Dieses ist nun nicht bloß an Muscheln beobachtet, nne de Luc glauben machen will, sondern hauptsächlich an Säugcthicrcn, deren verschiedener Vau leicht zu erkennen ist. Auch lcugne't er, gegen die Erfahrung, daß diese verlvhrcnen Formen in den obe.rn Schichten gefunden würben. Denn, eben in der angeschwemmten Schichte von Sand und Leimen rrisst man ja z. B. die von den jetzigen verschiedenen Gebeine von Elc- phanten, Nasehörncrn u. s. w. an. Dies war aber doch die zuletzt Key der grossen Umwälzung (84) Uerr. VII. x. Z5Z. 39z. gebildete Schichte, darauf es ankam zu untcrsu- cheu, ob nachher veränderte Bildungen von organischen Geschöpfen entstanden waren. Die Bemerkung des Ungenannten, daß in verschiedenen Landern verschiedene Pflanzen und Thiere gefunden würden, gründet sich auch nicht allein auf das Beispiel von Amerika, sondern man kann auch andere durch Meere abgesonderte Lander anführen, wo sich dergleichen beobachten laßt. Um nur der Thiere zu erwähnen, so hat Madagaskar die Makis - arten (lemnres'i eigen: Neuholland die fliegenden Bentclthicrc, den Ameisenfresser mit Zgelstachcln und endlich das Schi a- belchicr, desgleichen sonst nirgends gesehen wordcn. De Luc antwortet: die Thiere der verschiedenen Lander waren von den nächsten Bergen, chemahligen Inseln, herabgckcmmcn. Da aber vor dem Herabsinken des Meeres der Wärmegrad so gleichförmig gewesen, daß Thiere aller Art in jedem Erdstriche unter einander hatten leben können; und hingegen nach jenem Eräng- nisse die Luftbeschaffenhcit sehr verändert gewor- - 96 -- den, so hätten viele umkommen müssen und an jedem Orte nur diejenigen Thiers sich erhalten können für welche die Umstände angemessen gewesen. (8?) Nun begrciffe ich doch nicht, wie bei) irgend einem Verhältnisse des Luftkreises, oder selbst der Erd-axe zur Sonne, die unter so ungleichen Winkeln auf den Erdball wirkende Stralen gleichförmige Wärme hätten hervorbringen können, und die oben (S. 52.) angeführte Erhaltung des Nasehorns im Norden streitet auch dagegen. Aber, dieses nicht zu rechnen, so findet sich ja diese Verschiedenheit der Thicrc, nicht nur wo die Luftbeschaffenheit und der Wärmegrad verschieden sind, sondern auch unter cincrlcy Breite und übrigens gleichen Umständen. Auch ist die ganze Erdichtung sehr unwahrscheinlich, daß sich die anfangs sämtlich auf dem nachmals versunkenen Lande entstandenen Thiers so weic umher auf damahlige Znseln verbreitet hätten, daß daher das ncu- (85) Uett. 7. x. Z94. Z95. Z97. — 97 " entstandene Land an allen Enden bevölkert wäre. Besonders scheint es dem Herrn d c Luc empörend, daß man glauben könne, auch die organischen Geschöpfe wären mittelst der Na- turkräftc entstanden und gebildet worden. — Aber, wie anders? Soll sie denn der Schöpser mit der Hand als ein Töpfer gebildet haben, oder doch jedes dieser Geschöpft, denn sie sind alle gleich künstlich und zweckmässig, durch einen besonder» Machrspeuch entstehen lassen? — Der Gegner könte sogar die eigenen Worte der Schrift, ohne so dabey zu künsteln als de Luc gerhan hat, für sich anführen (ß6) — "Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, u. s. w. — Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Thieren u. s. w. " Die Erde bringe hervor lebendige Thiere, u. s. w. wo es in den gleich darauf folgenden Versen heißt: Gort schuf; Gott machte. (ß6) r V. M. K. r. V. li —12. 20 — 24. 7 — 98 — — Dc Luc wird denn doch die Ausdrücke nicht buchstäblich und handgreiflich verstanden haben wollen, wenn hernach gesagr wird: Gott machte den Menschen aus einem Erdenkloß und blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nasen: ungleichen: Gott baucte (vssiden) ein Weib aus der Ribbe, die er von dem Menschen nahm." (87) Es ist doch wohl einmahl Zeit die rohen und unwürdigen Vorstellungen von Gott, als eines alten Mannes, der sich auf der Erde beschäftigt. (87) Der witzige Linnv hatte den Gedanken und schrieb deswegen eigentlich an den berühmten Michaelis — da sich aus einer Nibbe doch wohl nichts machen liesse, ob nicht etwa das so übersetzte Hebräische Wort (?s!a) einen Thcil des Kreuzbeines bedeuten könne? Denn, weil bis dahin sich vom Gehirne aus durch den Nückgrad das Ende des Lebensmarks erstreckt, so mögre man sich vorstellen, daß, wie bey Stecklingen von Pflanzen, auch eine Fortsetzung eigenen Lebens daraus entstanden wäre. — Aber, leider! aus der Sprachkunde kontc ihm Michaelis keine Unterstützung dazu verschaffen. auszulöschen. (88) — Wie sollte also, sage ich, der Schöpfer anders als mittelst der Naturkräfte wirken? Bleibt denn deswegen nicht alle Wirkung von Ihm abhängig? Selbständig sind doch diese Kräfte nicht, es ist auch gar nicht der Fall wie bep einer Maschine, die, wenn sie einmahl vom Künstler eingerichtet ist, nun durch sich selbst ihren Gang fort geht, denn der Künstler wandte nur Kräfte an, die er vorfand und die ohne ihn bestanden. Von der göttlichen Urkraft aber sind alle Naturkräftc abgeleitet, und in der nothwen- digen Verknüpfung oder Folge von Begebenheiten hat doch kein Ding eigene Kraft um etwas anders zu wirken oder hervorzubringen, sondern alle, eins wie das andere, sind stets von dem Selbständigen abhängig und bestehen nur durch (88) Unverzeihlich ist es, daß von denen die über Schulen zu sagen haben noch in Büchern, die zum ersten Unterrichte bestimmt sind, dergleichen Bilder geduldet werden, da man doch des grossen Ausspruches — "Mache dir kein Bild von mir " eingedenk scvn sollte. 7" — IOO seine Kraft. Bcv unabhängigen Dascyn unzähl iger einzelner Wesen könte die zweckmässige Einstimmung in der Welt nie erfolgt seyn. — Wir müssen aber bedenken, daß die Erscheinungen von Zeitfolge nur auf unsere eingeschränkte Vorstcl- lungs-arr Bezug haben: in dem unveränderlichen Selbständigen ist keine Zeit: seine Wirkung ist einzig, unzertrennt, so, daß daraus in allen Reihen des Vorhergehenden, ohne Aendcrung, ohne Nachhelfen oder einzelnes Hinzuthun, der Grund zu aller folgenden Ordnung und Wiederherstellung durch alle Ewigkeiten gelegt seyn muß. "Wie läßt sich aber, sagt de Luc, das Entstehen von organischen Wesen als Wirkung irgend einer Naturkrafc erklären? Um dieses zu leisten müstcn wir genau die Umstände angeben können, unter welchen, und die Art und Weise, wie sie diese oder jene Wirkung hervorbringen köntc. Da solches nun in Ansehung des besagten Entstehens nicht geschehen kann, so müssen wie es ja einer unmittelbaren Wirkung des Schöpfers zuschreiben." (89) Erklären können wir die Art und Weise jener Wirkung freilich nicht: aber, welche Kraft oder Wirkung der Natur können wir denn erklären, oder eigentlich begreifen? Alles was wir dabei) als erklären ansehen ist ja nur ein Zurückführen auf andere allgemeinere beobachtete Wirkungen, z. B. der Schwere auf Anziehung, des Blitzes auf Elektrizität, u. s. w. ohne daß wir von leztcrn weiter» Grund angeben können, wie de Luc auch selbst bemerkt. Und können wir denn die jetzige Bildung der Thicre in Mutter- lcibe, die man doch wohl für Naturwirkung gcl- (89) Uett. 7. x. z6z. u. f. — 102 —- tcn lassen wird, erklären oder begreifen? Ist es nicht auch eine Art von Anschieflung oder Kry- stallisirung in einem flüssigen dem Anscheine nach fast gleichförmigen Wesen, daraus der regelmässige zweckmässige Vau entsteht, und die sich von der uranfängliehcn nur darin unterscheidet, baß der Stoff schon dazu vorbereitet und dargereicht wird? Daß aber auch noch jczt in gewissen Fällen Thiere ohne Vorfahren gebildet werden können, davon haben wir doch, die Aufguß.-würnu chen ungerechnet, verschiedene Beispiele aufzuweisen. Blumcnbach führt den Blasenwurm an, der bcym Hausschwcin, und nicht in der wilden Sau, erzeugt wird, (90) und sonst auch in vcr> schiedcncn Thieren, selbst mitten zwischen den Muskcin entsteht. (91) So ist es auch wahrscheinlich, daß die sonst bekannten Eingcwcide- (90) Abbild, naturh. Gegenst. N. Z9. (91) Eine genaue Beschreibung einer Art dieses merkwürdigen Wurmes enthält L-, Stein- kiucch Lominsntatio cls taenia Ii^clati^ena nnoinala. LrlanZ. IZO2. fl. würmcr, da sie nicht ausser dem thierischcn Körper gefunden werden, erst im Schleime der Gedärme entspringen. Da nun einerseits diese Beobachtungen die Möglichkeit einer solchen Naturwirkung anzeigen, so stimmt es hingegen mit allem was wir von der Wirkuugs-art Gottes bemerken können nichr nbercin, daß Er noch unmittelbar der von ihm geordneten Natur etwas hinzufügen sollte. De Luc und Kirwan lassen dies sogar nach Zwischenzeiten von unbestimmten Jahrhunderten geschehen ; wenn wir aber auch nach dem Mosaischen Ausdrucke nur Tage verstehen wollten, so wäre es doch immer ein Nachwirken, und da hätte er denn jedes Thier, auch wohl noch jedem seine Gattin, und auch die Pflanzen jede besonders bilden müssen; eine Voraussetzung, deren Ungereimtheit man sich nur nicht deutlich vorgestellt hat! Gewiß ist es also der Vorstellung von göttlicher Macht und Weisheit gemäßer, wenn — IO4 — '.vir gedenken, daß Er alles übersehen, alle Wirkungen zum voraus bestimmen, oder aus einer Wirkung alles erfolgen lassen kvnte. Um etwas über jene organische Bildung zu muthmaassen, haben einige Naturforscher vorausgesetzt, man könne eine eigene von andern unterschiedene Erd-art, oder einen Stoff in der Natur annehmen, dessen besondere Eigenschaft wäre unter gewissen Umstanden so eine Neigung zur organischen Anschiessung, als andere Erd-arten zur chymischen Krystallisazion zu äussern. Was wir aber auch sehen, so bleibt uns doch vieles noch sehr unbegreiflich. Wie entsprungen dieThiere? aus kleinen Keimen, oder auf einmahl in vollkommener Grosse? Und wenn auch dieses, wie fanden sie gleich ihr Fortkommen? Vep Wasser- thiercn läßt sich dieses noch eher brgrciffcn, da sie gleich ihre Nahrung vor sich finden: auch haben einige alte Naturforscher gemuthmaassct, daß alle Thiere anfangs Wasscrthiere gewesen wären. —> Aber all« Muthmaassungcn über diese sowohl als — 1O5 — manche andere Eräugnisse in der Natur, die wir doch zugeben müssen, können uns über die Frage wie es möglich sey, nicht befriedigen. Sollten wir denn setzen, wird man sagen, daß Thiers sowohl als Pflanzen, eins wie das andere, von selbst im ungebildeten Schlamm entstanden waren? Von selbst (Aöneralians sxczutanea ) ge- wiß nicht. Aller dem Stoffe eingeprägte Bil? dungstricb war vom Schöpfer nach weisen Gesetzen veranstaltet und bestimmt: also konte auch nicht glei ch erw ei se eins wie daS andere (gs. izsratlons w^nivoca) entspringen. Alles war von ewiger Vorsicht zweckmässig vorbereitet und bestimmt: sonst wäre überall Misverhältniß entstanden. So scheint aus der beobachteten Folge der Erdingen die Muthmaassung wahrscheinlich sich zu ergeben, daß erst die Bildung des Thons eine Stuffe zur Entsprossung der Gewächse, und nachmals die Bildung des kalk-artigen Stoffes zur Entstehung der ersten Thiergarrungen habe — 106 — seim müssen. (92) Wer kann den ferner sich entwickelnden Triebfedern nachspührcn? Ucberall und vom Anfange war der Natur ein Streben zum Weiteren, Vollkommener!!, eingeprägt, und so hat auch der Mensch, der dieses Streben selbst als Grundtrieb (9z) innerlich fühlt, der schon jczt die Aussicht ins Weitere mit Luft genießt, die gegründete Ahndung, daß dieser Fortschritt nicht bcy ihm stille stehen oder aufhören werde. "Allein, wie konte Leben und Empfindung aus blosser Bildung des Stoffes entstehen?" Das eigentlich lebende oder empfindende Wesen, denke ich, entstand nicht erst aus der Zusam- fügung jener Stoffe: es eignete sich nur das entstehende, ihm angemessene Werkzeug an, oder trug (92 Steffens Beitrage zur inncrn Geschichte der Erde. S. 82. (9z) Coch ins, in seiner Untersuchung über die Neigungen (Berlin 1769.) beschreibt dieses Streben (S. 24) als Urkraft, Grundtrieb oder wesentliche Elastizität der Seele. — lo7 — vielleicht, wie einige gemuthmaassct haben, selbst zur Bildung desselben etwas bei). "Es ist doch aber die allgemeine Erfahrung, daß, wenigstens die vollkommenere Thierc jczt nur durch Zeugung von Acltern, und nie aus rohem fremden Stoffe enspringcn." Das wird hiemit nicht geläugnct. Was können wir aber daraus von dem ganz verschiedenen chemahligcn Verhaltnisse bcy der Bildung uuscrs Erdballes folgern? Da sich nämlich die Grundstoffe erst sammletcn und unter einander anzogen, und da noch verschiedene Umwälzungen und Umwandelungcn vorgingen, musten ja die Verhältnisse so beschaffen scyn als sie nie wieder» kommen können. Sehen wir nicht, daß selbst einige unorganische Körper, z. B. Granit, jczt nicht mehr gebildet werden? Die Umstände sind also nun verändert, wie man auch immer über den Ausdruck der j-zt — — veralteten Natur spotten mag. Veraltet oder unkrästig ist sie nicht: dieselben eingeprägten Kräfte wirken immer fort: aber nothwendig auf verschiedene Weise. Was also dadurch che- mahls bewirkt ward kann jezt nicht mehr erwartet werden. Wenn demnach Pflanzen - und Thicrge- schlechter sich zu vermehren fortfahren sollten, so musie dazu eine besondere Veranstaltung getroffen scun, und dieses ist in der Anlage zur Fortpflanzung durch die Zeugung bewirkt worden. Gleicherweise finden wir ja auch »och vcr« schieden? Anlagen in der Natur, die sich auf einen Zustand beziehen, der erst erfolgen soll, und die wir nur, als gewöhnlich, nicht wie sie wohl verdienen, bewundern. Zst nicht z. B. in den Larven von Wasser - insektcn die innere Anlage zum künftigen Leben in der Luft und zum Zeugnngs-Geschäfte? Und was geschiehet nicht such bei) Säugethiercn und bcy Menschen! Die — 109 ^ Frucht in Mutterleib? ward pflanzen-artig er« nährt: die Mischung des Blutes ward durch den Körper der Mutter vorbereitet.- aber die Anlage war schon da, daß ein Junges nach der Geburt auf andere Weise genährt werden und seine Säfte in sich selbst bereiten könnte. Eben die Weisheit und Vorsehung hatte den.» auch in der Bildung der ersten ursprünglichen Pflanzen und Thiers schon die Anlage entworfen und veranstaltet, vermöge deren sie sich künftig, bcy veränderter Beschaffenheit des Erdbodens, daben sie nicht mehr ursprünglich hervorgebracht werden, dennoch vermehren und zu bestehen fortfahren köntcn. Gewiß, je mehr wir der Allgemeinheit, oder Einfachheit der Naturgesetze nachspüren, desto einleuchtender müssen wir es finden, daß Alles von Einem nicht blindlings wirkende» Urwesen — IIV abhänge: desto mehr muß eS uns in Erstaunen setzen, daß dieses allwirkende, allweise Wesen tau! scndfaltige blinde Kräfte so einzurichten wüste, daß daraus einstimmige zweckmassige Wirkungen der Ordnung hervorgehen mustcn: desto tiefere Verehrung muß es in uns erwecken! I n h alt: Einleitung — Absicht der Abhandlung. S. 4. Darstellung von Herrn de Lucs Lehrgebäude. 6. Untersuchung seiner Meinung, in Ansehung der ersten Erdbildung aus grobkörnigen Stoffen und nachmahliger Hinznfügung des Lichts. 15. Kants Vorstellung von Bildung des Erdballes. 16. Irrige Vorstellung von einem Chaos. 17. K a »ts Erklärung vom Ursprünge des Lichts. 20. De Lucs Vorstellung vom Einschlüpfcn des Wassers in die Zwischenräume der Körner — iunern Hölen — Einstürznngcn — Entstehung der Berge. 20. Kants Vorstellung vom Entstehen der Berge und Thäler 24 — verglichen mit S'ch r ö- rers Beobachtungen vom Monde 24. — und Voigts Bemerkungen. 27. Oertliche Ueberschwemmnngen. 29. Schiese Lage der Schichten. Zv. Krystallisazioti. Z2. Unterschied der Schichten. zz. Abwechselung von Überschwemmungen und Austrocknen der Erde. zZ. Le zte allgemeine Umstürzung der Erd-ober fläche. 4Z. 112 — Entstehung neuer Thiere und erste Entstehung der Menschen mich derselbe». S. 47. Untergang der chcmahligcn Thiere. Wcg- schwcmmung derselben. 50. Ob der Wärmegrad dabey verändert scy? 52. Muthmaassungcn über die Umänderungen der Erb-oberfläche. 55. De Lucs Meinung. — Prüfung den ftlbcn. 69. Erwägung der Mosaischen Nachrichten. 71. Prüfung der Erklärungen de Lues und K i r- wans in Ansehung der Bildung der Erde 79. —der Sündfluth 84.— »nd der nachmahligen Befruchtung und Bevölkerung der Erde. 6Z. 87« Vom Alter der lczren Umwälzung 89. und von älteren vorhergehenden. 91. Entstehung der Thiere mittelst der von Gott anfangs weislich geordneten Natnrkräfte 92. Vergleichuug mit den noch jezr vorkommenden Eräugnissen. 102, Betrachtung der göttlichen Vorsicht in weiblicher Anlage zu einem künftigen Zustande und Verhältnisse. 10Z. Gedruckt bey A. P. Wichcrs und So h n.